1891 / 82 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

DELE S R A R E A

Haselwander selbst tritt als leitender Ingenieur einer bezüglichen Konstruktionsabtheilung bei der genannten Firma in Stellung.

Wie die „Gaceta de Madrid“ meldet, erließ die spanische Regierung für den Entwurf einer Gedenkmedaille zur Er- innerung an die bevorstehende Feier des vierhundertsten Gedenktages der Entdeckung Amerikas durch Christoph Columbus ein Preisausschreiben, zu welchen gleichmäßig spanische wie ausländishe Bewerber eingeladen werden. Die einzusendenden Modelle, wel&e in Wachs oder Gips auszuführen find, follen zwei plastishe Darstellungen, etne für die Vorderseite, die andere für die Kehrseite enthalten. Sie sollen im Basrelief entworfen sein, einen Dur{messer von 20 cm haben und eine genaue Ausführung der Einzelbeiten aufweisen, um eine Verjüngung auf den Maßstab von 70 mm im Durchmesser für die Prägung zu ermöglichen. Für die zwei besten Entroürfe werden Preise in der Höhe von 5000 Fres. für den ersten und 1000 Frcs. für den zweiten zuerkannt, und zw2r erfolgt die Zuerkennung der Preise dur die Akademie von San Fernando in Madrid. Den Urhebern der preisgekrönten Entwürfe bleiben alle Autorcechte gewahrt. Die zum Wettbewerb bestimmten Modelle sind ohne Namens- vennung des Künstlers, mit einem Motto versehen, an das Sekretariat der Akademie von San Fernando innerhalb fech8 Monaten einzusenden. Jede Einsendung muß von einem verschlofsenen und ver- siegelten Briefumschlag begleitet sein, welcher sowohl den Namen des Einsenders, als au das an dem Entwurfe angebrahte Moito ent- bält. Wenn der Einsender des mit dem ersten Preise gekrönten plastishen Entwurfes selbst Graveur ift, so soll ihm von der Kom- mission der Centennarfeier auch die Ausführung der Matrizen für die

Prägung übertragen werden.

Theater und Musik.

Königliche Theater. i:

In der morgigen Vorstellung von „Tristan und Isolde“ im Opernhause tritt Hr. Gudehus als Tristan nah feinem Urlaub zum ersten Male wieder auf. Die übrigen Rollen befinden ih in den Händen der Damen Sucer und U E sowie der Hrrn. Bey, 9Itöôdlinger und Lieban. In der Donnerstags-Vorstelüung des „Oberon“ find die Damen Pierson, Herzog, Staudigl, Weit und Rothauser, die Hrrn. Sylva, Oberhauser und Stammer beschäftigt.

Im Schauspielhause findet heute die 25. Vorstellung des Schauspiels „Der neue Herr“ statt: ein außergewöhnliher Erfolg, der innerhalb zweier Monate erreiht worden ist.

Dem Kammervirtuosen der Königlichen Kavelle Hrn. Ganten- berg ist bei der Feier seines fünfzigjährigen Dienstjubiläums durch den General-Intendanten der Königlichen Schauspiele Grafen von Hochberg der Rothe Adler-Orden vierter Klasse, durh Hrn. Tornauer im Namen der Kapelle eine werthvolle Busennadel, durch die Eleven der Königlichen Hohshule für Mußik ein Trinkhorn, dur die Kollegen der Dresdener Hofkapelle ein fostbares Älbum überreicht

worden. Berliner Theater.

Auf besonderes Ersuchen des Hrn. Direktors Barnay hat der Verein „Berliner Presse“ auf die Erhöhung der Eintrittspreise für die am Sonnabend zum Besten seines Pensionsfonds im Ber- liner Theater stattfindenden Benefizvorstellung verzihtet. Die Aufführung des „Wallenstein* mit Sonnenthal, die Abschieds8vor- ellung Sonnenthal’s, wird also zu den gewöhnlichen Billetpreisen des Berliner Theaters stattfinden. Hr. Direktor Barnay hat der Pensions- und Unterstüßungskasse des Vereins „Berliner Presse“ als Entschädigung eine zweite Benefizvorstellung zugesagt, was im Interesse der wohlthätigen Zwecke dankbarst angenommen wurde.

Wallner-Theater.

Der Komponist der nächsten Novität Hr. Adolf Müller, Kapell- meister des Theaters an der Wien, ist hier eingetroffen, um den leyten Proben des phantastishen Singspiels „Des Teufels Weib“ beizu- wohnen. Hr. Direktor Hasemann, welcher die Novität persönli inscenirte, hat ihr eine durchweg neue Ausstattung an Dekorationen,

Wetterberi cht vom 7. April, Morgens s Uhr.

-

Siatiouen, meister Sucher.

Bar. auf 0 Gr u. d. Meeres\p. red. tn Millim

| Wind. Wetter. j

Temperatur

in 9 Celsius

O LLIN I 40M,

WMullaghmore ONO 3l|bedeckt Aberdeen N 2 halb bed, | Christiansund OSO 2heiter Kopênhagen . O 2 bedeckt Stockholm . O 2 wolkig aparanda . SW 2 wolkerl53 t. Petersb. S 1 bedeckt Mos E ftill\bedeckt Gork,Queens- | Anfang 7 Uÿr. town 4\wolkig Brest... N 4|bedeckt elder . 1\wolkig 2\wolkenlos amburg O 1/Nebel winemünde 4\wolfig Neufahrwafser : 4\bedeæt1) Memel ... | 767 3/halb bed.

are... | (61 ünster. . . | 752 Karlsruhe . . | 751 Wiesbaden . | 752 München . . | 751 Chemniy .. | 756 | T57 A 760 Breslau. . . | 760 4 wolkenlos Ile d'Aix . . | 755 3\Regen Sa .. .. | 109 |D 4 Regen Triest .… …. | 761 still|bedeckt

Anfang 7 Ubr

rich TV.

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Anfang 7 Uhr.

m 0 00 M M R NN

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Regen.

Uebersicht der Witterung. Eine umnfangreihe Depression liegt über West-

Kostümen, Rcquisiten 2c. zu Theil werden lassen und im Hinblick

auf die Sonnabend im Berliner Theater ftattfindende Vorftellung zu

Gunsten des Vereins „Berliner Presse“ die Erstaufführung bereits

auf Freitag, den 10. April, verlegt. Aus diesem Grunde bleibt am

Donnerstag das Waliner-Theater zu Probezwecken ges{chlofsen. Victoria- Theater.

Der Monat März, alfo der vorleßte im alten Hause, brachte Einnahmen, wie sie in gleiher Höhe unter der Direktion Litashy überhaupt noch nie zu verzeihnen waren. und der Monat April dürfte ibm, da die Vorstellungen mit seinem Ende definitiv abs{ließen, wohl in nihts nachstehen.

Friedrich-Wilhelmstädtishes Theater.

Am Sonnabend findet die fünkfziaste Wiederholung der prä®tigen neuen Operette „Der Vogelbändler“ statt, während am Sonntag der Ehrentag des Seniors der Kapelle, des Fagottisten Hrn. F. Güntber ist, welcher auf eine ununterbrohene vierzigjährige verdierstvolle Thätigkeit als Mitglied des Friedrich-Wilhelmstädtischen Theaters Orchesters zurückblickea kann. Der Jubilar hat nebea seiner Thâti:keit als Musiker äußerst Verdienstlihes im Kreise seiner Berufêgenossen als Stifter und rühriger Förderer der gegenwärtigen Kranken- und Uaterstützungskafse geleistet.

Residenz-Theater.

Seit einigen Tagen gastirt auf der Bühne des Residenz- Theaters Hr. Adolf Sonnenthal vom K. und K. Hofburg, Theater in Wiea mit \{önstem Erfolge. Die Rollen, welche sich Hr. Sonnen- thal für das Gastspiel ausgewählt hat, entisprechen nit garz den Erwartungen, die man an fein Auftreten knüpfte. In dem Wilbrandt'’shea Schauspiel „Die Tochter des Herrn Fabricius“, welches gestern Abend wiederholt zur Aufführung gelangte, spielt der berühmte Darsteller den alten Zutthäusler, eine Rolle, welhe dem Künstler nicht hinreichende Gelegenheit darbietet, seine geniale Eigenart voll zu entfaïten; aber auch in der ver- zweifelten, Mitleid und Trauer einflößenden Gestalt des weltsheuen NVerbrechers kommt di: ursprünglihe Schaffenskraft Sonnenthal's mättig zum Durchbruch; es ist eine nach der Natur treu gezeichnete Persönlichkeit voll erschütternder Reue und demüthiger herzbrecherder Ergebung, welche er den Zuschauern und Hörern vorführt, eine Gestalt, in der selbst die glühende Leidenshaft nur în einem unterbrückten Angstshrei heu fich Geltung verschafft und die Qualen und Freuden des Herzers in dem gebrocenen Körper und zertretenen. Geist nur in peinvoller Kraftlofigkeit nah Ausdruck ringen. Das Stück selbst mit seinen äußerlicen Effekten und seiner thränenreihen Sentimentalität vermochte auch die treffliche Leistung des Gastes dem Publikum niht schmackhaft zu mahen. Frl. Bertens gab die Tochter des unglücklicen Fabricius mit warmer Empfindung und einfacher Herzlichkeit, welhe der Rolle wohl anstand. Fr. Pagay erfreute als die alte \hwatzhafte Frau Wohlmuth durch einen freundlichen, frishen Humor; dagegen vermochte Hr. Schönlank als Fabrikant Rolf den Anforderungen, welche an den Darsteller dieser Partie gestellt werden müssen, nit gerecht zu werden; das ganze Wesen dieses Schauspielers läßt eine kräftige Individualität vermissen. :

Das voll bescßte Haus zeihnete besonders den beliebten Gast tur herzlihen Beifall und zahlreiche Hérvorrufe aus.

Concerthaus.

Der von dem Musik-Direktor Hrn. Arens aus Amerika ver- anstaltete und geleitete amerikanische Komponistenabend“ hatte gestern seine Anziehungskraft nit verfehlt; Saal und Logen waren dicht besezt. Cin festlih gehaltener Marsch aus der Musik zu „Macbeth* von Kelly eröffnete den Abend. Hierauf folgten zwei kurze recht anmuthige Episoden für Orchester von dem hier bereits bekannten Komponisten Bird, in denen die Harfe eine sehr s{chöne Wirkung hervorbringt, während manches unseren deutshen Ohren fremd- artig Erscheinende, wie die zu häufige Verwendung des Glodckenspiels und der Been, die Wirkung mitunter beeinträchtigt. Dies gilt auch von der \ymphonishen Phantasie von Arens, die im Uebrigen durch Frische der Motive und klare harmonishe Gestaltung sich auszeichnet. Mebr finnlich wirkende Orchestereffekte sind in den meisten Werken amerika-

Schauspielhaus. von Shakespeare, überseßt von A. W. von Schlegel.

Letztes Auftreten des Frl. Clara Meyer vor ihrem Abgange von der Königlichen Bühne. s E V dg T e e, Es: R P nig der Elfen. omantis{he Oper in 3 Auf- | 3 Akten von Walther. Mußk i j i zügen. Musik von C. M. von Weber. Die Reci- E Ver: Ane vou N DEUtages tative von F. Wüllner, Ballet von Emil Graeb.

Schausvielhaus. Wildenbruh. Anfang 7 Uhr.

Deutsches Theater. Mittwoch: König Hein-

Donnerstag : Die Kinder der Excellenz.

Freitag : Das Wintermärchen.

Die nächste Aufführung von Der Sohn der Wilduiß findet am Sonnabend ftatt.

Berliner Theater. Mittwoh: Schuldig.

Donnerstag: Schuldig. 5 Freitag: 31. Abonnements - Vorstellung. Die

Jungfrau vou Orleans.

Sóauspiel in 4 Akten von Victorien Sardou. Donnerstag : Thermidor. S E B ¿ Ga: E Me Lustspiel in 4 Akten achts Regen. 2) Seit q | von Oscar Blumenthal. s ) Seit gestern Vormittag | " Spnnabend: Zum 1. Male: Ultimo. Lustspiel | Anfang 74 Ubr. in 4 Akten von Gustav v. Moser.

g Ire i Victoria-Theater. Mittwoch: Zum 129. Male, , A ven Seen Maximum | Die fieben Raben. Romantishes Zaubermärchen Mittwoch: Zum 22. Male: Der Millionen- Sar eMaRA b ¿ L al L penteateneopa südöstlihe | in 5 Akten von Gmil Pohl. Mußk von G. Lehn- | bauer. Volksstück in 4 Akten von Max Kregzer.

g vorherrschend ist. Bei geringer Wärme- | hardt. Balletcompositionen des 3. Aktes von | Gesangsterte im 3. Akt von A. Schönfeld. Musik

zeigen.

7 Uhr.

Vater und Sohn. Toupinei. As

Belle-Alliance-Theater.

Weyl. Vorher zum 7. Male:

Thomas-Theater. Alte

änderung ist die Witterung in Deutschland im Osten | C. A. Raida. Ballets von C. Severini. Ju Scene | von G. Steffens. Anfang 7# Uhr

heiter, im Nordwesten neblig, im Süden regnerisch; | geseßt von W. Hock® Anfang 74 Uhr.

Donnerstag und folg. Tage: Die fieben Raben, | bauer. Sonnabend : Benefiz für Hrn. R. Wellhof. Ein-

malige Aufführung von Drei Paar Schuhe. Sonntag : Der Millioneunbauer.

Die Temperatur liegt im Nordwesten unter, i Osten über dem Mittelwerthe, während se ini

Süden nahezu normal is. Vielfach ist in Deuts@ E [land Regen gefallen, in erhebliher Menge in den jüdlihen Gebietstheilen. Da oben erwähnte De- Freie sich über Deutschland weiter auszubreiten | lebten Male:

demnächst noch wahrs{heinlih fein. Richard Genée. Deutsche Seewarte. | ?# Ubr.

Wallner-Theater. Mittwoh: Zum 60. nnd Miß Helyett. Vaudeville in

cheint, so dürfte trübes Wetter mit Niederschlä E L r E L rs\{chlägen Musik von G. Audran. Anfang

Donxerstag: Wegen Generalprobe zu Des Teufels i

7 Weib geschlosser. probe z fels | Concert. II. Theil unter Leitun Freitag: Unter verfönliWer Leitung des Kom-

ponisten. Zum

Tae. N api A O A : einem Vorspiel von Meilhac un ortier, bear- ; ——- Königliche Schauspiele. Mittwoch: Opern- | beitet von Th. Herzl. Musik von Adolf Müller. Concert der Harfenvirtuosin Paulina F. da, Beiga, baus. 85. Vorstellung, Triftan und Jsolde in E E E 3 Akten von Richard Wagner. Dirigent : Kapell- Unfang 6} Uhr.

TJriedrich - Wilhelmstädtishes Theater. Mittwoch: Mit neuer Ausstattung. Zum 47. Male: 91. Vorstellung. Der Kauf- | Der Bogelhändler. Operette in 3 Aufzügen na manu von Venedig. Komödie in 5 Aufzügen | einer Idee des Biéville von Held und West. Musik | Am Landes - Ausstellungs - Park (Lehrter Bahnhof).

4 von G. Zeller. In Scene geseßt von Julius Fritsche. 6 T3alih Nor In Scene geseßt vom Ober-Regisseur Max Grube. | Dirigent: Hr. Kapellmeister Federmann. Anfang Gene tilicen Theater: Näheres Die Ania las:

Donnerstag: Benefiz für Hrn. Sigmund Steiner. Zum 48. Male: Der Vogelhäudler. In Vorbereitung: Saint Cyr.

Sonnabend: Zum 81. Male:

Donnerstag: Dieselbe Vorstellung. Jakobstraße 30.

Donnerstag und folgende Tage: Der Millionen-

nischer Komponisten anzutreffen. Der ¿weite Theil des Concerts ent- bielt viel Erfreulihes: cine sehr ftilvoll gehaltene Ouverture von Foote „In den Bergen“, in der das \{öône Hörnermotiv vortrefflich wirïte, drei Säge für Flôte, Oboe, zwei Hörner und Streichorhester von Bufsh, von denen der dur6 Melodienreiz fesselnde Andantesap „Ein Sommerabend im Walde* mit seiner tonmaleriïchen Uaterhaltung der Vögel fo gefiel, daß ein Dacaporuf erfolgte, endlih zwei Scenen aus der Musik zu „Romeo und Julia“ von Boise: „Ballscen:“ und „Balkon- scene“. Beide sehr charakteritis{ gehalten und fein inftrumentirt, laffen zugleih dur Cello- end Geigenfoli die Geftalten des Titele klar hervortreten. Die Concertmeister Hrrn. S führten die Solopartien fehr [obenswerth aus. Sämmtliche Kompositionen wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen, der au einer Serenade für Streichorester von Herbert und den bereits früher gehörten drei Sätzen aus dem „Sturm“ von Shakespeare von van der Stucken zu Theil wurde. Das Orchester bewährte si sehr tüchtig. Das Concert, durch die Hrrn. Mey der und Medding angeregt, bot dem Pubélikum einen interessanten Einblick in die Leistungen man@er hier noch unbekannten Tondichter Amerikas.

_ Morgen wird der Komponist Hr. Emil Hartmann aus Kopenhagen mit dem Karl Meyder'shen Orchester eine Reibe eigener Kompositionen und zwar: „Skandinaviscer Festmarsch* (zum ersten Mal), „Skandi- navishe Volkêmusik®, „Concert für Klavier“ (gespielt von Hrn. Gustav Lazarus) und Andante für Streichinstrumente unter persôn- licher Leitung zur Aufführung bringen.

Preußische Klafsenlotterie. (Ohne Gewähr.)

Bei der heute angefangenen Fung der 2. Klasse 184. Königlich preußischer Klassenlotterie fielen in der Vormittags-Ziehung:

1 Gewinn von 45 000 # auf Nr. 11 526.

1 Gewinn von 10 000 F auf Nr. 43 176.

1 Gewinn von 5000 4 auf Nr. 163 401.

2 Gewinne von 3000 4 auf Nr. 110 992. 158 858.

1 Gewinn von 500 A4 auf Nr. 167 T77.

7 Gewinne von 300 #4 auf Nr. 4065. 13 752. 34307. 60 131. 116 296. 126 999, 173 209,

Nah Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen.

Turin, 7. April. (W. T. B.) Der Minister des Jnnern Nicotera besuhte gestern Abend den allg e- meinen Verband der Arbeiter sowie deren Verkaufs- lager. Hierbei sagte der Minister in einer Ansprache: Er wisse sehr wohl, daß die {limmen Intriguen falscher Arbeiter bei den wirklichen Arbeitern ohne Wirkung bleiben würden ; er sei sicher, daß diese allen ihren Einfluß dafür einsezen würden, unüberlegte Bewegungen am 1. Mai zu widerrathen. Der Minister fügte hinzu, er könne unmöglih derartige Störungen der Ordnung zugeben, weil sie das Geseg nicht gestatte, und er sei verpflichtet, fie zu unterdrücken im Jn- teresse der Arbeiter selbst gegenüber einer geringen Zahl von Unruhestiftern. Zum Schluß gab der Minister der Zuversicht Ausdruck, daß von Turin niemals das Zeichen zum Beginn von Unruhen ausgehen würde.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten Beilage.)

Sing= Akademie. Mittwoch, Abends 8 Uhr:

unter gef. Mitwirkung der Concertsängerin Frl. Emma Plueddemann.

Urania, Anjtali für volkêthümliche Naturkunde

zettel.

Familien-Nachrichten.

Operette in

Residenz-Theater. Direktion : Sigmund Lauten- | Verlobt: Frl. Clara Marschhausen mit Hrn.

92. Vorstellung. Der neue ues est Gase e und K. Hofburg- ck or 2 : auspieler o Sonnenthal. Herr. Schauspiel in 7 Vorgängen von Ernft von Vater und Sohn. Schauspiel in 5 Akten von Alexandre Dumas. Anfang 7 Uhr.

Donnerstag: Vorletztes Gastspiel des K. und K. Hofburgschauspielers Adolf Sonnenthal. 10. Abend:

Assistenzarzt 1. Kl. Dr. Rudolf Ockel (Frank- furt a. O —Vromberg). Frl. Lina von Neefe und Obischau mit Hen. Ministerial-Direktor und Wirkl. Geh. Ober-Regierungs-Rath Dr. Bartsch (Berlin). Frl. Lilly Freiin von Kleist mit Hrn. Regierungs-Rath Rüdiger von Haugwitßz (Dels—Breslau). Frl. Mary Freiin von dem Buss\che mit Hrn. Landrichter Emil von Hinüber (Büeburg). Frl. Elisabeth Cramer mit Hrn. Hauptmann Grüner (Marienwerder). Vereheliht: Hr. Rechtsanwalt Carl Reis mit

9. Abend:

Der selige

Mittwo{: Zum | Frl, Rosa Triest (Frankfurt a. M)

18. Male : Gavaut, Minard «& Co. Schwank | @ eboren: Ein Sohn: Hrn. ü if

in 3 Akten von Edmond Gondinet. G Y v Pm er

Die Odaliske.

Schwank in 1 Akt von O. Elsner. Anfang 74 Uhr. Donnerstag : Dieselbe Vorstellung.

S Adolph Ernst-Theater. Mittwoch: (Fest- Gestorben: Hr. Kommerzien-Rath Theodor Flöther Tessing-Theater. Mittwoh: Thermidor. | Vorstellung.) Zum 53. Male: Adam und Eva.

Gesangspofse in 4 Akten von Eduard Tacobfon und Leopold Ely. Couplets von Jacobson und Guftay Gsrß. Musik von Adolph Ferron. Im 4. Aki: Der unuselige Toupinel. Parodistische Einlage.

Deutsh von Staukcit (Altenessen). Hrn. Lieut. Frhrn. von Heinge (Potsdam). Hrn. Reichkfreiherrn Fer- dinand von Twikel (Kervel). Hrn. Reg.-Afffefs. Auffarth (Marienwerder). Eine Tochter:

Hrn. Rechtsanwalt Markwald (Berlin).

(Gofsen i. L.), Hr. Baumeister und Herzogl. Brandversiherungs-Inspektor C W. E. Tranger (Altenbura). Hr. Forstmeister Rudolf von Wiede (Doberan). Verw. Frau Pastorin Lilli Simon, geb. Kramer (Halle a. S.). Hrn. Oberst-Lieut. a. D. Gotthardt von Hagen Tochter Marianne (Dresden). Hr. Konsistorial-Rath Errst Lembser (Breélau). Verw. Frau Ober- forstmeister von Wiede, geb. von Lowhßow (Doberan). Hr. Corpé-Roßarzt Christian ‘ntg Dominik (Berlin). Hr. Professor ugust Roeber (Berlin).

Redacteur: Dr. H. Klee, Direktor, Berlin: Verlag der Expedition (Scholz).

Druck der Norddeutschen Buhdruckerei und Verlagts-

ersten Male; Des Teufels | Lazarus.

Concert-Anzeigen.

Concert-Haus. Mittwoch: Karl Meyder- des Komponiften | sowie die Jnhaltsangabe zu Nr. 6 des öffent: AE Emil Hartmann aus Kopenhagen, uater freundl, | lichen Anzeigers (Kommanditgesellschafteu auf

titwirkung des Klavier-Virtuosen Hrn. Gustav | Aktien und Aktiengesellschaften) für die Woche

Anstalt, Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32. Neun Beilagen (cin\&ließli6 Börsen - Beilage),

vom 31. März bis 4. April 1891,

4 / ( k. 4 ¿A

chulz vnd Detlof\

wel{%e in der Zeit vom 16. bis 31. März

Krystall-, Krümel- und Mehlform von minde

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

M 2.

Berlin, Dienstag, den 7. April

Deutsches Reich. Zudckermengen,

1891 innerhalb des deutschen Zollgebiets mit dem Anspruch auf Steuervergütung

abgefertigt und aus Niederlagen gegen Erstattung der Vergütung in den inländishen Verkehr zurückgebracht worden find. [710: Rohzucker von mindestens 90 Proz. Polarisation und raffinirter Zucker von unter 98, aber mintestens

90 Proz. Polarisation.

711: Kandis und Zucker in weißen vollen harten Broden 2c., oder in Gegenwart der Steuerbehörde zerkleinert,

sogenannte Crystals 2c.

712: Aller übrige harte Zucker, sowie aller weiße trockene (nit über 1 Proz. Wasser enthaltende) Zucker in

stens 98 Proz. Polarisation.)

S

Staaten

bezw. zur unmittelbaren Ausfuhr

Verwaltungs-Bezirke.

Mit dem Anspru auf Steuervergütung wurden abgefertigt : S E

Aus öffentlien Niederlagen oder Privatniederlagen unter amtlihem Mitvers{luß wurden zur Aufnahme in eine ôffent- | gegen Erstattung der Vergü- lihe Niederlage oder eine | tung in den inländishen Verkehr Privatniederlage unter amt- zurüdckgebracht

lihem Mitverschluß

710 711 E kg

712 kg

a O 710 711 712 kg e | kg ke | kg kg

Provinz Westpreußen . E _— 1 Brandenburg. ¿a « « —| Bomm E ele 298) 796713! De oss es N | A SPlUR Aa 0j 312121!

Sawhfsen, eins{l. der s{chwarzb. | | Unterherrshaften . 1344 108| 5 345 357| Schleswig-Holstein. . 4951| 5957283 Mane i ie eo Se 1979 130 690 200)

M GNIOND.. o eie ie e 119 860| 185 586|

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1639 532| 10007322 M 9 910 36 928| :

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345 7690| 43774] 313480)

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5 456 836) 1811 M 44 221 114 019 40 000

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Uekerhaupt im deutschen Zollgebiet . Hierzu in der Zeit vom 1. Auguft 1890 bis 15, März 1891 C S

35 197 689 8 895 195 110 780 209 219 551/130093627| 4 645 460/243092988 34 126 033 2 090 566/42 036 489 _ 487 989

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Sn demselben Zeitraum des Vorjahres 1230 399 662/109439979| 8 215 313/225756199/20 630 410| 2 596 444132 151 722

Berlin, im April 1891,

Kaiserliches Statistishes Amt. Jn Vertretung: von Scheel.

Die Krankenkassen-Novelle.

Der Bericht der Kommission zur Vorberathung der Ab- änderung des Geseßes über die Krankenversicherung ist jeßt erschienen. Von einer General-Diskussion hat die Kom- mission Abstand genommen und die einzelnen Paragraphen in erster Lesung vom 14. bis zum 31. Januar, in zweiter Le)ung vom 9. bis 26. Februar durchberathen. Die wesentlichsten, von der Kommission beschlossenen Abänderungen sind folgende:

Auf Antrag der Subkommission fügte die Kommission in §. 1 unter 2a die in dem Geschäftsbetriebe der Krankenkassen, Ve- rufsgenossenschaften und Versicerungsanstalten be- \chäftigten Personen denen hinzu, welche dem Veisiherungezwange unterliegen.

Bet der Berathung von §. 2 wurde zwar alleitig die dringende Nothwendigkeit, die Kranken}ürsorge für Dienstboten einheitlih und umfassender als bisher zu regeln, anerkannt, allzin die S@wierigkeiten einer befriedigenden Lösung dieser Frage dur das vorliegende Geseß, die namentlich Seitens der Vertreter der verbündeten Regierungen betont wurden, konnten nicht verkannt werden. Regierungsseitig wurde dabei darauf hingewiesen, daf in allen deutschen Bundesstaaten in irgend einer Weise dur Lande8gesetz die Krankenfürsorge für Dienstboten geregelt, und es bedenklihh fei, in diese Regelung, die in den verschiedenen Staaten eine sehr verschiedene sei, dur eine allgemeine reihégeseßlihe Bestimmung einzugreifen ; die Verhältnisse der Dienstboten seien von denen der industriellen Arbeiter fo grundverschicden, daß eine gleihmäßige Regelung fast unmögli sei; jedenfalls würde fie den Nachtheil haben, daß eine Berüctsibtigung örtliher Verhältnisse, wie sie die Landesgeseßgebung möglih mae, ausgeschlossen sei. Cine dem Bericht beigegebene Aklage enthält alle die Regelung der Krankenversorgung des Gesindes in den einzelnen Bundesftaaten betreffenden Bestimmungen. Dieselben find in 6 Gruppen zerlegt; in der ersten Gruppe sind diejenigen Bundes- staaten aufgeführt, in deren ganzem Gebiet Zwang zur Kranken- versicherung für alles Gesinde besteht, in der sechsten diejenigen Landes- theile, in welhen jede landeêgesetzlihe Regelung (Mecklenburg-Streliß und Elsaß-Lothringen) fehlt. In Bayern und Württemberg besteht der Versiherungszwang für alles Gesinde. In Baden, Sachsen, Hessen, Schwarzburg: Rudolstadt besteht der Versicherungszwang nur für land- und forstwirth\aftliches Gesinde, in gewissen Gebietstheilen auch für das andere Gesinde, während im Uebrigen die Verpflegung des kranken Gesindes der Dienstherrshaft obliegt. In Sachsen-Weimar, Braunschweig, Sawsen- Altenburg, Schwarzburg - Sondershaufen ift land- und forstwirth\chaftlibes Gesinde dur Landesgeseß der Krankcnversiherung nach Maßgabe des Reichsgeseßes unter- worfen. Für die Verpflegung des übrigen Gesindes sind die Dienstherrshaften verpflichtet. In Lübeck, Hamburg, Olden- burg, Sahsen-Meiningen, beiden Reuß, Lippe - Detmold , Provinz Hessen-Nassau besteht in gewissen Gebietstheilen Zwang zur Kranken- versiherung für all-s Gesinde oder bestimmte Arten, sonst ist die Dienstherrshaft verpfli4tet. Fn allen übrigen Theilen Preußens, in Mecklenburg-Schwerin, Sachsen - Coburg - Gotha, Ankalt, aldeck, Lippe-Schaumbaurg, Bremen, sind nur die Dienstherrshaften zur Sorge für das franke Gesinde verpflihtet. In Folge dessen wurde die Auf- nahme der Dienstboten in dieses Gesey abgelehnt.

In §, 4, welcher feststellt, daß dur statutarishe Bestimmung der Beitritt zur Gemeinde-Krankenversicherung auch niht versicherungspflihtigen Personen ermöglicht werden fann, und ¿war einmal in der Weise, daß die Verwaltung der

Gemeinde-Krankenversiherung ermächtigt wird, folche Perfonen zur Versicherung zuzulassen, sodann aber auc in der Weise, daß gewissen Klassen von Personen das Recht, der Getmeinde-Kranfkenversiherung bei- zutreten, eingeräumt wird, ist, um die Krankenversiherung nit all- :uweit auszudehnen, das Recht des Beitritts auf diejenigen Personen be- ränkt worden, deren Jahreseinkommen 2000 Æ nitt über- steigt. Zu §. 6a hat die Kommission, nachdem die Gewährung von Krankenversihervung an Familienangehörige als in hohem Grade wünschenêwerth anerkannt war, auf Antrag der Subkommission folgende Ziffern binzugefügt :

5) daß Versiherten auf ihren Antrag gegen Zablung eines be- sonderen Beitrages die in §. 6 Absay 1 unter Ziffer 1 bezeichneten Leistungen au für ibre Familienangehörigen zu gewähren sind,

6) daß die ärztlihe Behandlung, die Lieferung der Arznei und die Kur und Verpflegung nur durch bestimmte Aerzte, Apotheken und Krankenhäuser zu gewähren sind und die Bezahlung der dur Fnanspru&nahme anderer Aerzte, Npotheken und Krankenhäuser entstandenen Kosten, von dringenden Fällen abgesehert, abgelehnt werden kann.

Bei der Bz:raißung von §. § wurde hervorgehoben, daß die Aenderungen tes ortsüblihen Tagelohns auf die Veiträge der Versicherten von Einfluß seien, und daß Aenderungen der Tagelohn- säße für die freien Hülfskassen große Schwierigkeiten zur Folge haben würden, wenn dieselben sofort nach der amtlicen Bekanrtmachung ins Leben treten sollten. Bei freien Hülfskassen, deren Versicherungs- bezirk ih oft über das ganze Deutsche Reich erstreckde, bedürfe es oft mehrerer Monate, nur um die Delegirten einzuberufen, die über die zu treffenden Aenderungen der Beiträge zu beschließen hätten; es müße billiger Weise eine Frist gegeben werden. Demnach wurde beantragt, zu §. 8 Absayg 3 folgenden Zusa auf- nehmen: „Aenderungen in der Festsezang treten sechs Monate nach der Veröffentlihung in Kraft Von anderer Seite wurde au? die großen Uebelstände hingewiesen, die durch die oft wilikfürlihe Fest- setzung des ortsüblichen Tagelohnes entstänten. Namentlich in großen, ländlichen Distrikten dienten nur zu oft die billigsten Löhne als Grundlage, dadur aber entftünden, namentli für junge Leute, bei Unfällen aroße Härten; es sei daber dringend zu wünschen, daß im ganzen Deutschen Reih bei Feststellung des ortéüblichen Tage- lohnes na gleichen Grundfäßzen verfahren werde.

8 8 wurde dementsprechend in folgender Faffung argenommen:

Der Betrag des ortsüblichen Tagelobnes gewöhnlicher Tage- arbeiter wird von der höheren Verwaltungsbehörde na Anhörung der Gemeindebehörde festgeseßt und durw das für ihre anutlihen Bekanntmachungen bestimmte Blatt veröffentliht. Aenderungen der Festsezung treten erst ses Monate nah der Veröffentlihung in Kraft. E E E ,

Die Festsetzung findet sür männliche und weibliche, für jugend- lihe und erwachsene Arbeiter besonders statt. Die Festseßung für jugendliche Arbeiter kann getrennt für Kinder und junge Leute (§. 135 Absatz 1 und 4 der Gewerbeordnung) vorgenommen werden. Für Lehrlinge gilt die für junge Leute getroffene Feststellung.

Ferner wurde folgende Resolution zu §. 8 angenommen: „Die verbündeten Regierangen zu ersuchen, die geeigneten Maßregeln zu ergreifen, daß in sämmtlihen Bundesstaaten die Feststellung der orts» üblichen Tagelöhne nah thunlihft gleihen Grundsäßen und den that- sählichen Tagelohnsäßen gewöhnlicher Tagearbeiter entsprechend erfolge.“

8. 18a, welcher den Gemeinden das Recht gewährt, Gewerbs- weige oder Betriebsarten, für welhe eine Ortskrankenkasse nicht besteht, einer bestehenden zuzuweisen, wurde mit dem Zusaße an-

1891.

genommen, diese Zuweisung solle thunlichst _an eine für verwandte Gewerbszweige oder Betriebsarten bestehende Ortskrankenkafse erfolgen. In §88. 21 und 26a wurden die in & 4 und § 6a den Ge- meinden gewährten Befugnisse (siehe oben) auch für die Ortsfkranken- kassen genehmigt. E S

Zu §. 27 wurde bemerkt, es sei etne cffenbare Lücke im Gesfebe, daß nit bestimmt ausgesprohen sei, ob während der Krankheit Bei- träge vom Versicherten zu leisten und ob eine Krankheit die Mit- cliedshaft unterbrehe. Zur Regelung dieses Punktes wurde beantragt, dem ersten Absatz folgenden Schlußsaß anzusügen:

„Erkrankte Mitglieder gelten während der Dauer der Kranken- unterstützung nit als ausgeschieden aus der die Mitgliedschaft be- gründenden Beschäftigung.“ G R

Mit diesem Zusaße wurde der ganze Paragraph angenommen.

Hinter §8. 34 hat die Kommission folgeaden 8. 34 a eingeschoben :

Die Mitglieder des Vorstandes verwalten ihr Amt als Ehrenamt unentgeltli, sofern niht durch das Statut eine Entschädigung für den durch Wahrnehmung der Vorstandsgescäfte ihnen erwachsenden Zeitverlust und entgehenden Arbeitsverdienst bestimmt wird. Baare Auslagen werden ihnen von der Kasse erseßt. L i

Die Ablehnung der Wahl zum Vorstandsmitglied ist aus denselben Gründen zulässig, aus welchen das Amt eines Vormundes abgelehnt werden kann. Die Wahrnehmung eines auf Grund der Unfall- versiherung und der Invaliditätsversicherung übernommenen Ghren- amts steht der Führung einer Vormundschaft aleich. Eine Wiederwabl fann abgelehnt werden. Kassenmitzliedern, welhe eine Wahl ohne geseßlichen Grund ablehnen, kann auf Beschluß der Generalversammlung - für bestimmte Zeit, jedoch niht über die Dauer der Wahlperiode, das Stimmrecht in der Generalversammlung entzogen werden.

In §. 37 hat die Kommission, dem zum Ausdruck gelangten Wunsche ebenso wie bei den Betriebs-, so auch bei den Ortskranken- ffen die Wahlen zum Vorstande und zur Generalversammlung geheim vorzunehmen, entsprehend, die Worte „\0 findet die Wahl derselben unter Leitung des Vorstandes statt“ dur: „fo sind diefe in geheimer Wabl unter Leitung des Vorstandes zu wählen“ erseßt und für §. 38 folgende Fassung angenommen:

„Die Wahlen der Generalversammlung zum Vorstande sind geheim und werden getrennt von Arbeitgebern und Kassenmitgliedern vorgenommer.“

In §. 46 wird nach der Vorlage die Möglichkeit für die Krankenkassen, Verbände zu bestimmten Zwecken zu schließen, auf die Gemeinde- Krankenversicherung ausgedehnt, ferner werden die Zwecke, zu denen sie ges{losscn werden können, erweitert. Die Kommission ging darüber hinaus und fügte als Ne. 4 hinzu, daß diese Verbände au zum Zweck der gemeinsamen Bestreitung der Krankenunterstüßung8- fostin zu einem die Hälfte ihres Gesammtbetrages nit übersteigenden Theil gebildet werden könnten.

§ 46 b wurde gestrichen und dafür folgender §. 46 c eingestellt :

Durch die Centralbehörde kann bestimmt werden, daß und unter welchen Voraussetzungen bereits bestehende Vereinigungen von Gemeinde-Krankenversicherungen und auf Grund dieses Gesetzes er- ri6teter Krankenkassen, welwe Zwecke der im §. 46 unter Ziffer 1 bis 4 bezeihneten Art verfolgen, die Rechte der auf Grund des 8, 46 errichteten Verbände haben.

Bei den von der Meldéepflicht handelnden §§. 49, 49 a, 49b und 50 der Vorlage wurde auf Antrag der Subkommision in §. 49 Ab- say 4 wie folgt gefaßt:

Durch Beschluß der Verwaltung der Gemeinde - Kranken- versiHerung unb dur das Kassenstatut kann die Frist für die An- und Abwmeldungen bis zum leßten Werktage der Kalenderwoche, in welcher die dreitägige Frist (Absay 1) abläuft, erstreckt werden.

und Absatz 1 in nachstehender Weise abgeändert :

Die Arbeitgeber haben jede von ihnen beschäftigte versicherunçs- vflihtiae Person, welche weder einer Betriebs- (Fabrik-) Kranken- fasse (S. 59), Bau - Krankenkasse (S. 69), Innungs - Krankenkasse (8. 73), Knaxpschaftskasse (S. 74) angehört, noch gemäß §8. 75 von der Verpflichtung, der Gemeinde - Krankenversiherung oder einer Ortéfranftenkasse anzugehören, befreit ist, spätestens am dritten Tage nah Beginn der Beschäftigung anzumelden und spätestens am dritten Tage nah Beendigung derselben wieder abzumelden.

Die 88. 49a und 49b wurden gestrichen.

Bei Berathung des §. 52 wurde darauf hingewiesen, daß im Gese die Verpflichtungen der Arbeiter und Arbeitgeber gegen die Kassen nicht hinlänglich klargestellt seien, §. 52 enthalte die Verpflichtung für den Arbeitgeber, cin Drittel der Beiträge zu zahlen, der §. 53 gäbe ihm aber nur die „Berechtigung“, die weiteren von ihm ein- zuzablenden zwei Drittel den Arbeitern am Lohn zu kürzen. Darin scheine eine Mahnung für dzn Arbeitgeber zu liegen, die Beiträge ganz aus seinen Mitteln zu entrihten, was weder beabsihtigt noch erwünscht sein könne, ebenso fehle es an einer ausdrüdcklihen Bestimmung, daß während der Krankheit Beiträge nicht zu entrichten seien. Dem entsprechend wurde beschlossen, den Absay 1 wie folgt zu fassen:

Die Beiträge zur Krankenversicherung entfallen zu zwei Dritteln auf die versicherungépflichtigen Personen, zu einem Drittel auf ihre Arbeitgeber.

Fn §. 51 wurde die Bestimmung eingefügt, daß für die Dauer der Krankenunterstützung Beiträge nicht entrichtet werden sollen. Hinter §. 55 beschloß die Kommission folgenden §. 55a eines zuschieben:

Auf Antrag von mindestens 30 betheiligten Versicherten kann die höhere Verwaltungsbehörde nach Anhörung der Kasse und der Aufsichtsbehörde die Eewährung der in §. 6 Absatz 1 Ziffer 1 und L 7 Absay 1 bezeichneten Leiftungen dur weitere als die von der Kase bestimmten Aerzte, Apotheken und Krankenhäuser verfügen, wenn durch die von der Kasse getroffenen Anordnungen eine dem Bedürfniß der Versicherten entsprechende Gewährung jener Leistungen nit gesichert ift.

Wird einer solchen Verfügung niht binnen der geseßten Frift Folge geleistet, so kann die böbere Verwaltungsbehörde die erforderlihen Anordnungen ftatt der zuständigen Kassenorgane mit verbindliher Wirkung für die Kasse treffen.

Die nah Absatz 1 und 2 zulässigen Verfügungen sind der Kasse zu eröffnen und zur Kenntniß der betheiligten Versicherten zu bringen. Die Verfügung der höheren Verwaltungsbehörde ift endgültig.

Bei S. 53, welcher die Zuständigkeit der Spruhbehörden für die aus dem Gesetze, abgesehen von §. 57b, erwachsenden Streitigkeiten regelt, beantragte die Subkommission die prinzipielle Zulassung des ordentliden Rechtswegs mit der partikulären Gestaltuzg des Ver- waltungsstreitverfahrens. Da die Kommission ihr Einverständniß erflärte, so wurde Abs. 1 wie folgt gefaßt:

Streitigkeiten, welhe zwishen den auf Grund dieses Geseßes zu versichernden Personen oder ihren Arbeitgebern einerseits und der Gemeinde-Krankenversiherung oder der Octskcankenkasse anderer- seits über das Versicherungsverhältniß oder über die Verpflichtung zur Leistung oder Einzahlung von Eintrittsgeldern und Beiträgen oder über Unterstützungsansprüche entstehen, sowie Streitigkeiten über Erstattungs8ansprüche aus §. 50 werden von der Aufsichts- behörde entschieden. Die Entscheidung kann binnen zwei Wochen

nah der Zustellung derselben mittelst Klage im ordentlichen Rechts- wege, soweit aber landesgeseßlih solche Streitigkeiten dem Vere