1911 / 58 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Kleinkinderfürsorge, namentlich Kindershulen, gewährt. Zur Be- kfämpfung der Tuberkulose werden gleichfalls Pnteriaemaen be- hufs Aufnahme Erkrankter in Lungenheilstätten oder eschaffung besserer Ernährung und Wohnung und in verschiedenen anderen Formen gewährt. Durch Vorträge der Bahn- und Kassen- ärzte, durch Verbreitung geeigneter Schriften wird Aufklärung über Wesen, Verhütung und Heilung der Krankheit geschaffen. Einer großen Anzahl von Eisenbahnvereinen find seit 1904 Staatsbeihilfen zur Errichtung von Genesfungs- und Grholungs - heimen gewährt. Solche Heime gibt es jeßt in Lubmin, Bomblin, Carlshafen, Elgersburg, Ilsenburg, Borkum, Münden und Ofst- Dievenow. A s :

Weitere Einrichtungen der Gesundheitspflege sind Auf- entbaltsräume für die Nuhepausen, Kantinen zur Erwärmung mit- gebrachter Speisen und Gewährung billiger Kost, Beschaffung von Kaffeemaschinen und Herstellung von Brausewasseranlagen, Errichtung von Ledigenheimen mit Wohnung und Kost für unverhetratete Arbeiter. Alles dies hat zur Bekämpfung des Alkoholgenusses wesentlich bei- getragen. Sehr groß is die Anzahl von Badeanstalten zur unent- g Ge Benutzung durch das Personal. Shre Zahl stieg von 401 auf 1043.

Im Jahre 1902 ist die Stiftung „Eisenbahn -Töchterhort“ ins ben gerufen, deren Name den edlen Zwed erkennen läßt Der Gedanke der Errihtung von Versorgungshäusern der Eisenbahner- töchter ist bereits durch die Erbauung des am 3. April 1910 eröffneten Christianenheims in Erfurt verwirkliht. Es bietet für 22 Pfleglinge und 60 Zöglinge Raum. Der „Töchterhort“ erweist sich höchst segensrei, es sind im Jahre 1909 für 947 Waisen Unterstüßungen gezahlt und 676 erholungsbedürftige junge Mädchen in Ferienkolonien entsendet.

Sie seit dem Jahre 1897 entstandenen Eisenbahnvereine mit ihren geselligen, Fortbildungs- und Wohlfahrtszwecken haben sich weiter günstig entwidelt. Ihre Zahl ist nah und nah auf 733 mit rund 415000 Mitgliedern gestiegen. Auch Cisenbahnfrauenvereine zur Wöchnerinnen- und Krankenunterstützung find an mehreren Orten entstanden. Der 1904 entstandene Allgemeine Verband der Eisenbahn- vereine stellt sich die Aufgabe, die gemeinsamen Zwee der. Vereine durch Schaffung solher Einrichtungen zu fördern, dite über die Kräfte der einzelnen hinausgehen. Hierher gehört insbesondere die Errichtung von Hilfs- und Ergänzungskassen.

Kunft und Wissenschaft.

Ueber die Erdbeben während der Monate Juli und August 1910 hat die Kaiserliche Hauptstation für Erdbebenforshung in Straßburg i. E. unlängst Berichte herausgegeben, denen wir tin Kürze nachstehendes entnehmen :

Soweit bisher bekannt, war der Monat Juli nicht nur ver- bältnismäßig bebenarm, sondern brahte au bloß wenige interessante Beben. Erwähnt. sei ein Beben in Syrien am Abend des 10., das troß geringer Stärke ein recht ansehnliches Schüttergebiet hatte; dos Epizentrum lag in der Gegend von Baälbeck im Antilibanon. Eine instrumentelle Aufzeichnung an allen europäischen Seismometer- stationen am Morgen des 13. rührte von einem bemerken8werten Beben in den Ostalpen her, das in Tirol, Salzburg, Oberösterreich, Böhmen, der Nord\hweiz und Bayern verspürt wurde. Der Herd des Bebens \@&eint südlih der Zugspiße im Miemtnger Gebirge ge- legen zu haben, wo nicht nur leichte Gebäudebeschädigungen angerichtet wurden, sondern auch Fels\türze niedergingen. Schließlich brachte noch der 27. Nachmittags ein bedeutenderes Beben, dur das in Ak-Hifsar (Wilajet Smyrna, Kleinasien) mannigfache Beschädigungen angerichtet wurden: mehrere Häuser, Schulen und Minarets {stürzten ein, zwei Moscheen und viele Häuser wurden beschädigt, 2 Menschen getötet, mehrere verwundet. :

Auch im August waren die Erdbeben wenig zahlreich und von geringer Bedeutung. Ganz besonders fällt die Bebenarmut in Japan und den Philippineninseln auf, die ja nur 2 bezw. 1 Beben aufzu- weisen batten, wozu die ungewöhnlich lebhafte seismishe Tätigkeit in Calabrien und Sizilien in bemerkenswerten Gegensaß tritt. Von den instrumentellen Negistrierungen in Straßburg lassen sich auffälliger Weise nur ganz vereinzelte mit den bekannt gewordenen Erdbeben in Zusammenhang bringen. Eines der wenigen bemerkens- werten Beben hatte der 3. aufzuweisen, nämlich ein starkes, das in der ganzen Republik Haiti (Große Antillen) versvürt wurde und au auf die Republik S. Domingo übergegriffen haben muß. Das Epizentrum scheint in der Gegend von Furcy ge-

Theater.

Königliche Schauspiele. Donnerstag: ODpern- haus. Mittags 12 Uhr: Symphoniematinee. (Programm wie am Abend.) Abends 7# Uhr: F, Symphoniekonzert der Königlichen Kapelle zum Besten ihres Witwen- und Waisenfonds.

Strauß.

Schauspielhaus. Geschlossen. (Ein Theaterbillett- verkauf findet nicht statt.)

Neues Operntheater. Geschlossen.

Freitag: Opernhaus. 66. Abonnementsvorstellung.

Over in drei Akten von Richard Wagner. Anfang T Ubr.

Schauspielhaus. 68. Abonnementsvorstellung. Strandkinder. Ein Schauspiel in vier Akten von Hermann Sudermann. Anfang 7# Uhr.

Neues Operntheater. S : Bauerntheaters* (Leitung: Direktor Xaver Terofal). ’8 Dorfgehoamnis. Bauernkomödie mit Gesang und Tanz in 3 Akten von Hans Werner. Anfang 8 Uhr.

Minuna von Barnhelm. Freitag: Faust. Sonnabend: Don Carlos. Kammerspiele. Donnerstag, Abends 8 Uhr: Lanzelot. Freitag: Die Komödie der NBorber: Die Heirat wider Willen. Sonnabend: Lanzelot.

Berliner Theater. Donnerstag, Abends 8 Uhr:

Nibelungen.

Neues Schauspielhaus. Donnerstag, Abends 8 Uhr: Das kleine Schokoladenmädchen. Freitag, Abends 7} Uhr: Faust, L. Teil.

Sonnabend: Das kleine Schokoladenmädchen. | und Armont.

Komische Oper. Donnerstag, Abends 8 Uhr: Dirigent: Herr Generalmusikdirektor Dr. Nichard | Zum ersten Male: Der Troubadour.

Freitag : Tiefland. :

Sonnabend: Figaros Hochzeit.

Schillertheater. 90. (Gewöhnliche Preise.) Dienst- und Freipläßge sind | Donnerstag, Abends 8 Uhr: Ein idealer Gatte. aufgehoben. Die Meistersinger von Nürnberg. | Schauspiel in vier Akten von Oskar Wilde. Freitag: Ein idealer Gatte.

Sonnabend: Der Buud der Jugend.

Charlottenburg. Donnerstag, Abends 8 Uhr: Maria und Magdalena. Schwank in vier Akten

Gastspiel des „Slierseer | von Paul U or X, Gee Freitag: Wallensteins Tod.

Sonnabend: Die Fee Caprice.

Theater des Westens. (Station: Zoologischer

4 Ö L | Garten. Kantstr. 12.) Donnerstag, Abends 8 Uhr: Deutsches Theater. Donnerstag,Abends7z Uhr: | Die lustigen Nibelungen. Burleske Operette in | 2. Sonatenabend von Alfred Cortot

3 Akten von Rideamus. Musik von Oscar Straus. | Jacques Thibaud. Freitag und

t. Lustspielhaus. (Friedrichstr. 236.) Donnerstag, | 9. großer Ireungev. | Abends 8 Uhr: Meyers. Schwank in drei Akten von Friedmann-Frederich.

Freitag und folgende Tage: Meyers. E

Klindworth-Scharwenka- Saal. Donners-

Thaliatheater. (Direktion: Kren und Shönfeld.) | 44, Abends 8 Uhr: Konzert von Valérie Renson

legen zu haben, dort, wo sich die südwestliche Halbinsel vom Haupt- förper abzweigt. Verhältnismäßig reih an Beben waren der 7 Und namentlich der 8. mit 7 bezw. 8 Erschütterungen. Seismisch rege war auch der 13. für das Mittelmeergebiet, wo es Li Avellino, in Messina, in Calderola (Italien), U elilla (Marokko) und dann wieder ret ausgedehnte in Mittelitalien gab, am stärksten an der adriatischen Kliste, Der 19: brate u. a. das zweite wichtigere Beben des Monats, nämlich ein starkes bis zerstörendes in Armenien. Die darüber bekannt gewordenen Einzelheiten gewähren keinen hinlänglichen Einblick ‘in die Aus- breitung des Bebens; nur soviel scheint sicher, daß nicht allein das Scüttergebiet, sondern auch die Zone mit Gebäudebeshädigungen eine sehr große Ausdehnung besaß. Auf den 30. entfällt noch einmal ein bemerktenswerteres Beben, das frühmorgens in Calabrien, Sizilien und den Aeolischen Inseln großen Schrecken unter der Bevölkerung bervorrief, ohne aber Schaden anzurichten.

Theater uud Musik.

Neues Königliches Operntheater.

Die „Sghlierseer“ warteten gestern mit einer für Berlin neuen Bauernkomödie „Bauernpolitik®* von P. Hartl- Mitius auf, die mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde. Xaver Terofal gibt darin einen Glasermeister, der bei den Wahlen zum bayerischen Landtag in seinem Dorfe eine große politische Nolle spielt, indem er den Bürgermeister Hammer, der das Mandat schon in der Tasche zu haben glaubt, zwingt, von der Wahl zurückzutreten. Hammer, der Typus des geldstolzen, hohmütigen, auf seine Macht pochenden Dorfgewaltigen, hat sih manches zu schulden fommen lassen, was ihn um Amt und Würden bringen fönnte, wenn es zur öffentlichen Kenntnis käme, besonders dem braven Glasermeister gegenüber, dessen Stimme er sich durch unlautere Mittel sihern will. Da läuft dem Glaser die Galle über, und in der Wahlversammlung stellt er den Bürgermeister an den Pranger. _ Die Angst des legteren, daß der Glaser noch mehr verrate, nôtigt Hammer seine Kandidatur zurückzuziehen und auf Veranlassung des Glasfers auch für seine un- ehelide Tochter zu sorgen, die er bisher nicht hatte anerkennen wollen. So {ließt denn alles versöhnlih, nachdem das Laster ge- ziemend Buße hat tun müssen. Terofal e als biederer Glaser seinen Glanzrollen eine neue hinzu; sein sprudelnder Humor konnte si hier wieder voll ausleben. Neben ihm taten sih Anna und Fanny Terofal und Reserl Riendl (geb. Terofal), die Herren Georg Bogel- fang (Bürgermeister), Wengg, Greiner, die Damen Erhardt-Vogel- sang, Dirnberger u. a. hervor. Gesang, Tanz und Zithervorträge trugen das ihrige zum Erfolge bel.

Aenderung im Spielplan des Königlichen Opern- hauses. Da Frl. Hempel am So nnabend, den 11. d. M., im Hofkonzert beschäftigt ist, wird statt der ursprünglih angeseßten Vor- tellung („Die Regimentstochter“) „Carmen“, mit Fräulein Nose in der Titelrolle, Frau Böhm-van Endert und den Herren Kirhhoff und Bronsgeest in den übrigen Hauptrollen, gegeben werden. Die an der Theaterkasse für „Die Regimentstochter“ (67. Abonne- mentsvorstellung) gekauften Billette behalten Gültigkeit für die neu angeseßte Aufführung von j, Carmen , fönnen aber au am 10. d. M. an der Vormittagskasse von 104 bis 1 Uhr, am Tage der Vorstellung an der Vormittags- und Abendkasse bis zum Beginn der Vorstellung gegen Erstattung auch des Aufgeldes zurück- gegeben werden. Eine spätere Zurücknahme findet nicht statt.

Das Köntglihe Schauspiel haus bleibt morgen, Donnerstag, geschlossen.

Fm Einverständnis mit dem Komponisten wird die Aufführung der zweiten Symphonie von Hermann Bischoff auf einen späteren Termin verschoben und dafür im morgigen Symphontekonzert der Königlichen Kapelle die B-Dur-Symphonie von Robert Schumann gespielt.

Nerdis „Troubadour“ geht morgen, Donnerstag, in der Komischen Oper in folgender Beseßung zum ersten Male in Szene: Leonore: Luise Peßl (Hamburg); Acuzena : Marie Petl- Demmer: Manrico: Kammersänger Heinrich Knote (München); Luna: Max Dawison (Hamburg) a. G.; Inez: Lena Heide; Ferrando: Egon Hefter; Ruiz: Peter Kreuder. Dirigent ist der Kapellmeister Waghalter, die Regie führt Friy Witte Mild.

(Der Konzertberiht befindet sich in der Dritten Beilage.)

Mannigfaltiges. Berlin, 8. März 1911.

Der kleine Kreuzer „Augsburg“ hat ,W. T. B:“ zufolge bei Erledigung seiner Probefahrten eine Geschwindigkeit von über 27 Seemeilen an der gemessenen Meile erreiht. Seine Turbinen haben hierbei eine Leistung von 31900 Wellenpferden

erzielt.

Der Verband der Kriegsfreiwilligen von 1870/71 versammelt sih am 22. März d. I. in den Sälen der „Vier Jahres- zeiten“, Prinz Albrechtstraße 9, zu etner Erinnerungsfeier an den ersten Kaisersgeburtstag vor 40 Jahren, mit der er gleichzeitig sein X1VY. Jahresfest verbindet. Der Verband zählt gegen 1600 Mit- glieder und weist in Berlin, Herford, Hamburg, Hannover, Karls- ruhe, Mannheim, Königsberg i. Pr., München, Münster, Ulm, Cöln- Bonn, Posen und Danzig besondere Ortsgruppen auf.

Gotha, 7. März. (W. T. B.) Der Flieger Thelen, der gestern abend infolge der Undichtigkeit der Kühlung bald nah dem Aufstieg in Erfurt bei Frienstadt gelandet war, ist heute früh 84 Uhr aufgestiegen und um 8 Uhr 50 Minuten glatt in Gotha gelandet. Jeannin und Poulain hatten bereits gestern den- selben Weg zurückgelegt. Somit sind alle drei Teilnehmer, die von Gotha aufgestiegen wacen, in Weimar und Erfurt gelandet und auh nach Gotha zurückgekehrt.

&Fnnsbruck, 7. März. (W. T. B.) Bei dem gestrigen Lawinenunglück bei Kühetai (vgl. Nr. 57 d. Bl.) ist der be- kannte To uristenwirt Hell verunglückt; seine Leiche ist noch nicht geborgen. Die drei Begleiter Hells konnten sih rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Paris, 7. März. (W. T. B.) Der Flieger Renaux unter- nabm heute den Flug von Paris nach dem Puy de Dôme. Er verließ St. Cloud heute vormittag um 9 Uhr 12 Minuten mit einem Passagier und landete um 2 Uhr 20 Minuten auf dem Gipfel des Puy de Dôme. Er hat damit den Michelin-Preis im Be- trage von 100 000 Fr. gewonnen. Renaur hat seinen Passagierflug auf den 1200 m hohen Gipfel des Puy de Dôme in zwei Etappen zurück- gelegt. Er landete um 11 Uhr 53 Minuten bei Nevers und seßte 94 Minuten später den Flug fort, nachdem er si mit Benzin versehen hatte. Er hielt sich mit seinem Zweidecker meist in einer Höhe von 500—800 m und flog, vom Winde begünstigt, mit einer Gescbwindig- feit von 85 km in der Stunde. Die in 5 Stunden 10 Minuten 37 Sekunden durhflogene Entfernung beträgt in der Luftlinie un- gefähr 380 km.

Fm Tunnel von Vincennes wurden mehrere Strecken- arbeiter von zwei aus entgegengeseßter Richtung kommenden Zügen überca\Ot Zwei Arbetrer wurden getoler Und sieben \chwer verwundet.

Neu-Alexandrija (Gouv. Ljublin), 7. März. (W. Q O) Vier Räuber, die nach einem von ihnen verübten Raube über die Weichsel flüchteten, üÜberfielen einige Viehhändler, töôteten einen von diesen und verwundeten und beraubten die anderen. Sie wurden von der Landpolizei verfolgt, wobei sie einen Landwächter {wer verwundeten. Während sie über die Weichsel zurücks{chwammen, wurden alle vier erschossen.

T omsk, 7. März. (W. T. B.) Im tehnologiscchen In- stitut brach gestern ein Feuer aus. n mehreren Stellen waren Kolben mit entzündbarer Flüssigkeit zu Boden geworfen. Auch ein in einen Senstervorhang gewickelter Kolben hatte sich entzündet und die SFensterbekfleidung in Brand geseßt. Das Feuer wurde am Abend gelöscht.

Athen, 7. März. (W. T. B.) Erdbeben haben in den Bezirken Orchomenos und Livadia großen Schaden ange- , , N s c v t rihtet und die Bewohner in Schrecken geseßzt. Troß Negen und

Schnee hausen viele Menschen im Freien.

(Fortsetzung des Nichtamtlichen in der Ersten, Zweiten, Dritten und Vierten Beilage.)

Freitag und Abenteuer.

von Oskar Wilde.

(Wallnertheater.) | Roda und Rößler. Freitag und folgende Tage : hügel.

Trianontheater. (Georgenstraße, nahe Bahnhof

iedrichstr.) Donnerstag, Abends 8 Uhr: Hippolytes = “B T5 Dr af Mee T Shmant in brei Akten Da Mus der SEMUZREE, roe romantische SUL angs, di i L O , pantomime. Zum Schluß: Die große Wasser-

folgende Tage:

neuesten Kreationen, fsoroie: die übrigen neuen Spezialitäten. Um 9} Uhr: Der große Coup

Hippolytes katastrophe.

Pirkus Busch. Donnerstag, Abends 74 Uhr: Große Galavorstellung. Neu: Der radfahrende

Cy , -_ _— _ I Modernes Theater. (Königgräßer Str.57/58.) | Bauchredner Friß Steidler. Herr Burkhardt- Donnerstag, Nachmittags 3 Uhr: Der ideale Gatte | Foottit, Schulreiter. Abends 84 Uhr: Der Feld- | als Kunstreiter. Die Bradnas, herruhügel. Schnurre in drei Akten von Roda | mit Keulen und Hüten. Gastspiel des Herrn

Zwergclown Frauçois FJongleure

Direktor Pierre Althoff} und Frau Direktor

Der Feldherrun- | Adele Althoff mit ihren hervorragendsten Freiheits-

dressuren. Reiterfamilie Frediano. 3 Gebr. Fratellinis, urkom. Clowns. Herr Ernst

folgende Tage: Die lustigen

Bummelstudenten. Posse mit Gesang und Tanz | Donnerstag, Abends 8 Uhr: Poluische Wirtschaft. | (Violoncello).

in fünf Bildern nach E. Pohl und H. Wilkens. | Shwank mit Gesang und Tanz in dret Akten von Kraaß und Okonkowsky, bearbeitet von J. Kren. Gesangsterte von Alfred Schönfeld, Musik von

Musik von Conradi. Freitag: Bummelstudenten. Sonnabend, Nachmittags 34 Uhr: Nathau der | F, Gilbert. Weise. Abends: Bummelstudeuten.

schaft.

Lessingtheater. Donnerstag, Abends 8 Uhr: Die Natten. Berliner Tragikomödie in fünf Akten von Gerhart Hauptmann.

Fceitag: Einsame Menschen

Sonnabend: Anatol.

Freitag und folgende Tage: Poluishe Wirt-

Residenztheater. (Direktion : Richard Alexander.) Donnerstag, Abends 8 Uhr: Pariser Menu. Drei Gänge von Georges Feydeau und Veber-Abric.

Freitag und folgende Tage: Pariser Menu.

Konzerte.

Saal Bechstein. Donnerstag, Abends 8 Uhr: 3, Kammermusikabend des Rosé-Quartetts.

Beethoven-Saal. Donnerstag, Abends 8 Uhr:

Blüthner-Yaal. Donnerstag, Abends 8 Uhr: \symphonischer Musikabend des Berliner Konzertvereins mit dem VBlüthner- Orchester. Dirigent: Joseph Stransky.

Schumann, Fretheitsdressuren. Um 94 Uhr: Die Ausstattungspautomime „Armiu“ (Die Hermanuschlacht).

Familiennachrichten.

Verlobt: Frl. Hertha Berg mit Hrn. Leutnant Hans Cabanis (St. Goarshausen, Burg Kaß—

und Mainz).

Gestorben: Hr. Geheimer Justizrat Dr. Richard Wilke (Potsdam). Hr. Oberstabsveterinär Max Krause (Potsdam). Hr. Paul von Gersdorff Alt-Seidenberg (Saargemünd). Hr. Erster Staatsanwalt Georg Schubert (Hildesheim). Hedwig Gräfin Scha von Wittenau, geb. Gräfin von Kalckreuth (Döringau). Verw. Fr. Oberst Emma Philippi, geb. Lange-Kaestner (Berlin). Frl. Marie von Hake (Naumburg a. S.).

Verantwortlicher Redakteur : Direktor Dr. Tyrol in Charlottenburg.

Pirkus Schumann. Donnerstag, Abends 74 Uhr: Jonley Frères, bis jeßt unerreicht dastehender akfrobatisch - equilibristischer Akt. Original Perezoff-Truppe: Ein Souper bei Maxim. Apachen zu Pferde, geritten von Frl. Dora Schumaun und Herrn Karl Het. Antonet | und die offizielle Gewinnliste der Lxx. Serie und Grock, mit ihrem neuesten musikalischen | der Aft. Direktor Albert Schumann mit seinen

Verlag der Expedition (Heidrich) in Berlin.

Druck der Norddeutshen Buchdruckerei und Verlags- Anstalt Berlin 8W., Wilhelmstraße Nr. 32.

Elf Beilagen (eins{ließlich Börsen-Beilage),

Wohlfahrtslotterie zu Zwecken der Deutschen Schutzgebiete.

Erste Veilage

zum Deulschen Reichsanzeiger und Königlih Preußishen Staatsanzeiger.

A2 D,

Berlin, Mittwoch, den §. März

19118.

Deutscher Reichstag. 141. Sißung vom 7. März 1911, Nachmittags 2 Uhr. (Bericht von Wolffs Telegraphishem Bureau.)

Auf der Tagesordnung steht die Fortsezung der Spezial- beratung des Etats für die Verwaltung des Neichs- heeres beim Kapitel 9 Titel 3 der Einnahme des Ordent- lichen Etats (Erlöse aus dem Verkauf von Grundstücken) fort.

Abg. Erzberger (Zentr.) empfiehlt als Referent kurz die von der Kommission empfohlene Resolution. Darauf erhält das Wort der

Abg. Dove (fortshr. Volksp.) : Die etatsrechtliche Seite der Frage des Verkaufs des Tempelhofer Feldes bedarf hier dringend einer (Fr- örterung. Das Etatsrecht des MNeichstags ist bis auf den heutigen Tag noch nicht genügend geklärt; daher die erste Resolution der Kommission. Prof. Laband, eine der größten Autoritäten auf diesem Gebiete, kommt zu der Auffassung, daz der Vertrag mit Tempelhof der Genehmigung des Vetichstags zu seiner Rechts- gültigkeit bedürfe. Man muß auf die Verhandlungen zurückgehen, die bald nah der Gründung des Deutschen Reichs über diese Verhältnisse gepflogen worden sind, d. h. bis 1872, Es war der Abg. Richter, der beantragte, daß die Zustimmung des Reichstags zu Erwerbs- und Veräußerungsge|chäften des MNeichs erforderlih sei. Dieser Antrag sah prinzipiell die Genehmigung vor, läßt aber auch für die Erteilung einer Vollmacht an die Neichsbehörden die Möglich- feit offen. Der Antrag ist aber damals abgelehnt worden, und nun folgert man daraus, daß eine solche prinzipiele Bindung nicht gewollt gewesen sei. Angenommen wurde ein Antrag, der die Einstellung solcher Einnahmen îin den nächsten Etat an fordert. Schon damals hat Lasker ausgeführt, daß damit nur die eine Seite der Angelegenheit geordnet sei; wir hätten also danach vielleiht jeßt freie Hand, die Genehmigung auch zu versagen. Immerhin haben wir kein zweifelsfreies Verhältnis; die bisherige Praxis hat es für ausreihend angesehen, wenn eine solche Einnahme im näbsten Etat erscheint. Die beantragte Resolution wird ja wohl den nötigen Ausbau unserer Geseßgebung anbahnen. Was den Nertrag mit Tempelhof anbetrifft (Abg. Erzberger: Das Geld L Da) Fhnen fommt es immer auf das Geld an. Für Berlin lag nicht ein fiskalishes Interesse, sondern das höhere Fnteresse vor, daß bei Städteerweiterungen die hygientshen und fozialen Momente genügend gewahrt werden. Von einer Bummelei der Stadtverwaltung Berlin kann keine Rede sein; die Sache war nicht einfa, ob ankaufen oder nicht, sondern es komplizierte sich damit die Frage der Eingemeindung. Es ist eine fable convenue, daß Berlin gegen die Eingemeindung sei; das ist nur zur Zeit des preußischen Ministers des Innern Herrfurth um 1890 herum der Fall gewesen. Jedenfalls darf nicht einseitig der fiskalishe Gesichtspunkt ausschlag- gebend sein; deshalb bitte ih um die Annahme auch der ¡weiten von der Kommission beantragten Nefolution. Ob die Frage des Tempel- hofer Feldes schon definitiv erledigt ist," wird ja die weitere Debatte ergeben.

S

Abg. Dr. Wiemer (fortschr. Volksp.): Die von der Budgetkom- mission vorgeschlagene Resolution rennt offene Türen ein; eine Gefahr, daß eine Verkürzung des Kaufpreises erfolgen könnte, liegt gar nit vor. Die Verwaltung hat au ein Interesse daran, daß die Jugend in luftigen Näumen aufwächst. Aber dieser Gesichtspunkt ist ja für sie nicht entscheidend, sondern das rein fiskalischè Interesse. Aber auch wir sind der Meinung, daß der Kriegsminister das Geld bekommen soll, das er brauht. Es darf aber nicht bloß das fiskalishe Interesse berücksihtigt werden, sondern auch das öffentliche Interesse. Der Tempelhofer Vertrag wahrt nicht das ösffentlihe Interesse in vollem Maße, das der Reichstag im vorigen Jahre für erforderlich gehalten hat. Ein Kommissar des Ministers der öffentlihen Arbeiten hat allerdings in der Kommission bestätigt, daß dem Bebauungsplan Bedenken nicht entgegenstehen. Wir verlangen für Tempelhof mehr freie Pläße, weil die Verhältnisse in Berlin uns nicht genügen. Der Bebauungsplan von Tempelhof ent- hält in dieser Beziehung nicht allzu viel unbebaute Flächen. Andere Städte haben mehr als 42 9/6, die Tempelhof haben soll. Ich kann also den Ausführungen des Ministers der öffentlichen Arbeiten in dieser Sache nicht folgen. Interessant war mir die Bemerkung des Ministers, daß das leßte Wort in bezug auf den Bebauungs plan noch nicht gesprohen sei. Dies macht mir Hoffnung. Der Plan der Gemeinde Tempelhof, hinter dem Haberland steht, ent \priht jedenfalls nicht dem erforderlichen öffentlihen Interesse. Daß eine Erwerbsgesellshaft bei Feststellung des Bebauungsplanes darauf ausgeht, möglihsten Gewinn zu erzielen, kann man thr nicht verdenken. Bei der Bebauung des bayerischen Viertels in Berlin sind diese Interessen auch hervorgetreten. Nun sind in den zweiten Bebauun gsplan manche Janssenschen Ideen hinübergenommen. Aber ih möchte bitten, daß auch der Reichstag sich niht von dem dekorativen Beiwerk dieses Planes blenden läßt. Das sind doch alles Aeußerlih- keiten, \{öónes Beiwerk. Entscheidend it, ob genügend Luft und Licht gelassen wird, oder ob eine zu weit gehende |pekulative Ausnußung stattfindet. Im Abgeordnetenhaus hat ein Mit glied des Zentrums, Dr. Bell, ganz in meinem Sinne davor gewarnt, sich durch schöne Pläne blenden zu lassen. Er verlangte, daß man vom sozialen und hygienishen Gesichtspunkte den Plan durchführen müsse, und daß die Höfe genügend Luft und Licht gewähren follen. Das ist aber in diesem Plan durchaus nicht genügend gewahrt. Das \{chöne Tor, das in der Oeffentlichkeit Aufsehen erregt hat, ist doch auch nur Beiwerk und hat mit der Hauptsache nichts zu tun. Es i} vorgeschlagen worden, auch den östlichen Teil des Tempelhofer Feldes in den Bauplan einzubeziehen. Der Kriegsminister hat sich dagegen gewendet. Auch die Garnison verwaltung hat sih gegen den Verkauf auch nur eines Teiles des östlihen Feldes erflärt. Sollte es doch zu Verhandlungen kommen, so nehme ih als siher an, daß die Militärverwaltung \sich vorher mit der beteiligten Gemeinde in Verbindung seßt. Die Haupt- frage ist, ob jeßt noch die Möglichkeit besteht, den Plan zu ändern. Fh halte dies für möglih. Der Hauptvorzug des Janssenschen Planes besteht darin, daß eine ausgedehnte grüne Fläche vorgesehen ist, daß auch für Spielpläße genügend gesorgt ist. Ein weiterer Norzug ist eine Trennung der Wohnstraße von den Geschäftsstraßen. Ferner fehlen auch alle Hinterhäuser und Quergebäude. Es wird viel mehr frische Luft und Grünes geschaffen. Es würden 59 9% freier Naum bleiben. Das Problem der Zukunft ist, die Hinter- häuser und Seitengebäude ganz zu beseitigen. Hierzu sollte der Neichstag seine Mitwirkung niht versagen. Darum hat auch der Fanssensche Plan in der Oeffentlichkeit, in künstlerischen Kreisen, in Architektenkreisen lebhafte Zustimmung gefunden. Solche Pläne kann nur eine leistungsfähige Gemeinde durchführen. Die Stadt Berlin hat sich denn auch mit dem Janssenschen Plan in der Hauptsache einverstanden erklärt, und sie ist bereit, für die Durchführung dieses Planes ange- messene Opfer zu bringen. Von jeder Gewinnbeteiligung bei dem Aufschließungs8geschäft will sie absehen. Es wird sih wohl ein Weg finden, um zu ermöglichen, daß ein den hygienischen und sozialen Forderungen entsprechender Bauplan ausgeführt wird. Die Berliner Snteressen sind mit den öffentlichen Interessen in diesem Falle gleihbedeutend. Berlin kann sich mit einigem Grunde über die Behandlung beschweren, die ihm in diesem Falle zuteil geworden ist. Die Berlin gemachten Vorwürfe entbehren der Begründung. Berlin

hatte bei den Verhandlungen eine außerordentli s\chwierige Position. Das i} auch von der reten Seite anerkannt worden. Warum sind die Verhandlungen mit Berlin Ende August fo plötzlich abgebrochen worden? Welche militärischen Interessen dabei fo aus \chlaggebend waren, ist uns nicht gesagt worden. Berlin hat es zu feinem Zeitpunkt an dem Willen fehlen lassen, das Geschäft mit dem Kriegsminister zu machen; jeßt schiebt der Kriegsminister militärishe Interessen vor. Mir \ceint, daß allerdings Haberland das dringendste Interesse hatte, den Vertrag perfekt z1 sehen, bevor die Berliner Stadtverordneten ihre Ferien beendet hatten; aber es wird doch nicht behauptet werden sollen, daß die Interessen Haberlands und des Kriegsministeriuums dieselben wären. Bei den Verhandlungen über den Exerzierplaß an der ein samen Pappel werden auch immer wieder militärische Rücksichten vorgeschoben; es sollte doch möglich sein, der Stadt denjenigen Teil des Platzes zu verkaufen, der an den Arndtplaß grenzt. Alle diese Geschehnisse haben in weiten Kreisen die Empfindung ver stärkt, daß die Neichs-, Staats- und Provinzialverwaltung eine ausgeprägte Abneigung gegen den „Wasserkopf“ Berlin haben. Diese Abneigung ist vollständig unbegründet, wie im preußischen Abgeord netenhause neuerdings selbst ein Zentrumsvertreter anerkannt hat; die Leistungen Berlins für die Allgemeinheit sind notorisch ganz hervorragend. Ich halte es sehr wohl für mögli, daß nach dem Vorschlag unserer Resolution neue Verhandlungen von Erfolg sein werden; sie bewegt sih durchaus in der Nichtung der Forderung, die der Reichstag tm vorigen Jahre erhoben hat. Abg. Erzberger (Zentr.): Den etatsrechtlihen Ausführungen des Abg. Dove kann ih zustimmen. Tatsächlih werden alle Crlöfe aus Grundstücksverkäufen seit langen Jahren nur im Etat ersichtlich ge macht, und zwar alle Erlöse unter 10 000 F nur summarisch in einem Sammeltitel. Das Gutachten Labands läßt höchst auffallenderweise den zweiten Satz des § 10 des Reichseigentumsgeseßes gänzlih außer acht, der von der Verrechnung der überetat8mäßigen und der außer etatsmäßigen Einnahmen handelt; es ist mir unerfindlih, wie ein Staatsrechtslehrer fo verfahren kann. Der Abs{chluß des Ver trages ist im Nahmen der bestehenden Geseße erfolgt. Auch der Kollege Dove wünscht nur für die Zukunft eine anderweite Regelung, ja der Resolution, die ein Komptabilitätsgesetz

De

und wir haben ja

für das Neich verlangt, in der Kommission ebenfalls zugestimmt. Ein solhes Geseß hat {hon 1873 dem Bundesrat vorgelegen ; vielleiht kommt es da wieder heraus, wie ja auch Preußen {hon 1898 ein solches Geseg erhalten hat, womit unzweifel haft ein Beitrag zur Erziehung zur Sparsamkeit geliefert wird. Aus dene bestehenden Geseßen kann die Notwendigkeit einer Zustimmung des Reichstags zu der Veräußerung selbst midt gefoldert Werden. S De M Vorigen Jahre In der Budgetkommission stattgehabten vertraulichen Beratung haben alle Parteien dem Verkauf des Tempelhofer Feldes zugestimmt. Bon einer Verlegung von Sefeßen kann mithin niht gesprochen werden. Der Abg. Wiemer hat uns vorgeworfen, die Hauptsache sei uns gewesen, Geld zu bekommen. Das gebe ih in gewissem Sinne zu; diese Aufgabe hat die Budgetkommission. ie Frage steht fo : ist das Feld zu teuer oder zu billig abgegeben; daß es zu billig ver kauft fei, wird von feiner Seite behauptet. Die Truppenpläte brauchen wir, und was nicht von Tempelhof einacht, muß die Gesamt- heit der Steuerzahler aufbringen. Au@ andêre Städte, die vom Reich Grundbesiß erworben haben, haben nie verlangt, daß man«ihuen diesen unter dem Preis überlassen follte. Nie sind solhe Wünsche auf- getreten, wie jeßt immer versteckt aus den Angaben der Ver- treter der Stadt Berlin hervorklingen. Es is gewiß zuzugeben, daß die Stadt Berlin in dieser Kaufangelegenheit niht in einer angenehmen Situation war, sie hatte keine Ellbogenfreiheit, denn das Feld gehörte in die Gemarkung Tempelhof. Die Bedingung der Eingemeindung an den Verkauf zu knüpfen, lehnte der Kriegs minister mit Recht ab. Jch hege große Zweifel, ob wir dieselbe Summe herausbefommen hätten, wenn Berlin allein beteiligt wäre. Es it doch kein Verbrechen, wenn der Kriegsminister d

Geschäft abs{ließt. Die Behauptung, man habe Berlin kein Ent-

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das bessere gegenkommen gezeigt, ist unhaltbar. Von 1901 bis 1903 h Berlin ih mit Händen und Füßen dagegen gesträubt, das Tempelhofer Feld einzugemeinden. Am 15. März 1901 haben Verhandlungen statt gefunden, in denen der damalige Oberpräsident der Provinz Branden- burg, der jeßige Reichskanzler, auf die Eingemeindung hingewirkt hat. Von den Vertretern der Stadt wurde erklärt, fie hätten fich mit der Frage noch nicht befaßt, aber es sei fkeinerlet Neigung zur Ein gemeindung vorhanden. Die Militärverwaltung hat bei diefer Ge legenheit hon Berlin die Eingemeindung angeboten und dabei in Ausficht gestellt, daß einzelne Teile des Feldes verkauft werden würden; Berlin möchte zugreifen. Der Polizeipräfident Windheim der Bürgermeister Boddien, der Vorsteher von Tempelhof, der Land- rat von Stubenrauc, alle Instanzen erklärten sich für die Ein gemeindung. Der Oberpräsident erbat verschiedene Aktenstückde von Tempelhof für Berlin, damit dies der Eingemeindung näher trete. Was aus diesem Matertal geworden ist, weiß man niht. Es scheint in dem großen amtlihen Papierkorb der Stadt Berlin unter gegangen zu sein. Berlin fand jahrelang keine Antwort zu diesen Ein gemeindungsvorshlägen. 1903 ersuhte der Oberpräsident den Magistrat vergeblich, innerhalb sechs Wochen eine Antwort zu gebe Auch auf dreimalige Erinnerung hüllte sich der Magistrat in un- verbrüchlihes Schweigen. Der Oberpräsident sprach in einem weiteren Schreiben, das an Deutlichkeit nihts zu wünschen übrig ließ, sein lebhaftes Befremden darüber aus, daß die Sache nach sechs Monaten noch unerledigt sei. Um fie weiter zu fördern, werde er nunmehr das Schweigen des Magistrats als Zustimmung ansehen, falls niht bis zum Dezember ein begründeter Einspruch eingegangen sei. Am 25. November 1903 antwortete Berlin, es hätten Reichstags und Landtagswahlen stattgefunden, der Magistrat sei noch nit zur Erledigung der Frage gekommen. Die Eingemeindung wurde abgelehnt, weil die Chaussee mit 14 Millionen Kosten unterhalten werden mußte. Wenn man boshaft wäre, könnte man eine {sne Parallele ziehen zwischen dem Verhalten der Stadt Berlin 1903, wo ihm die Ein- gemeindung auf dem Präsentierteller angeboten wurde, und dem von 1909, wo man den Gekränkten spielt. Berlin ist eben der Ueber zeugung, daß der Kaufpreis durch Steuern aller Art sehr bald von den Bewohnern des Gebietes herausgeholt werden kann. Rechnet man mit einer Bebauung von 900 bis 1000 Häusern im Werte von 400 bis-500 Millionen und nimmt man die Umsaßsteuer von je 1 9/% für die Gemeinde und den Kreis, dazu die Wertzuwach steuer, dann ergibt sih schon ein Plus von mehreren Millionen. Rechnet man weiter daß wohlhabende Leute dort wohnen werden, so ist es ganz unzweifel haft, daß die» Amortisation in wenigen Jahren vollzogen sei! Wenn Berlin sich bereit erklärt, etwa 15 Millionen an Tempelhof zu zahlen und als Gegenleistung die Bebauung einer Fläche zu verlangen, so haben wir niht das allermindeste daß der Neichskanzler und der Kriegsminister dem fommen würden, auch der Reichstag würde dem nicht Aber es ist nicht zu verlangen, daß eine Reichsbehörde in des Zustandeklommens einer solhen Vereinbarung tätig Der Kollege Wiemer hat gemeint, der Janssensche Plan großzügiger als der von Gerlah. Aber die öffentlihe Meinung darüber sehr geteilt. Der erste Plan von Gerlach wurde vom „Berliner Tageblatt“ sehr gerühmt, namentlih hinsichtlich rücksihtigung von Luft und Licht und der Freilassung von Pläßen

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Die „Morgenpost® hat \ich ähnlich geäußert. Der zweite Plan wurde geradezu mit Begeisterung f Anderseits i der Zanssensche Plan von dem bekannten Städtebauer Stübben als un- durhführbar bezeichnet worden. Aehnlich hat sich die „Bauwelt“ aus- gesprochen. Jch will damit den Janssenschen Plan nicht verkleinern, aber es stehen sich die Meinungen gegenüber, ein Künstler gegen den anderen. Man wird sagen müssen, daß die zuständige Initanz, as preußisch Baut isteriuum, zu entscheiden hat. Mindestens 42 9/0 des Baugeländes müssen frei bli und genügende Sptel- pläße vorhanden sein. Ob Berlin wirklich besser bauen wird, ist mir zweifelhaft. Es wäre erwünscht, daß der sminister nun in Ver- handlungen mit den Beteiligten eintritt, ch den östlichen Streifen des Tempelhofer Feldes zu verkaufen. Ich möchte einmal den Wer- trag kennen lernen, den Berlin mit der Darmstädter Bank abge- {lossen hat, um zu sehen, ob sie wirkli so uneigennütig ist. Dann fönnten wir beurteilen, ob die großen bodenreformerischen Ideen wirkli durchgeführt werden könnten, von denen immer geredet wird. Wir fönnen nicht für die Resolution Wiemer stimmen. T würde ih empfehlen, daß eine Konferenz zusammentritt, um den Vertrag mit Tempelhof zu erweitern. Wir würden für eine folche Erweiterung zu haben sein.

Abg. Freiherr von Richthofen (dkons.): Der ruhige Ton der

heutigen Debatte sticht vorteilhaft gegen den Ton in der Presse über diese Frage ab. Auf die Verhältnisse von 1903 will ih niht eingehen. Auch der Rechtsstandpunkt ist als geklärt anzusehen. Ich bin der Meinung, daß es kein Zweifel ist, daß der einmal geschlossene Vertrag privatrechtlich gültig und öffentlich - rechtlich bindend ist. An- erkennen muß ih, daß die Stadt Berlin nicht früher zu einer Entscheidung kommen konnte. Wir können es aber erft ret niht dem Kriegsminister verdenken, daß er mit Te e hat. Das erforderte das Interesse des Nei )ygienischen und sozialen Interessen sind ni worden. Vielleicht könnte in diejer Bezi Aber ich will darüber kein einheit Resolution der Budgetkommission f Nesolution Wiemer betrifft, so kann die Initiative zu den gewünschten Wenn es von anderer Seite geschieht, recht sein. Wir vertreten hier jedenfalls niht die Interessen einer Gemeinde, fondern wünschen, daß alle Gemeinden gleihmäßig zu ihrem Rechte fommen. Abg. Fischer- Berlin (Soz.): Die etatsrehtlihe Frage ift hier ein wahres Fressen für Juristen; ih werde mich daher hüten, darauf einzugehen, wohl aber werde ich den gefunden Menschenverstand zu Hilfe rufen. Wenn alle Einnahmen zu veranschlagen und zu genehmigen find, dann verstehe ich nicht, daß der Reichstag fein Wort bei den Verträgen mitsprehen foll, aus denen diese Ein- nahmen erft resultieren; dann würde ja unser ganzes Etatsrecht in der Luft \{chweben. Professor Laband einen Passus des § 10 des Neichéeigentumsgeseßes nicht beachtet ) j

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¡te dieser Passus trifft aber bei dem Tempelhofer Feld überhau niht zu, denn er redet von außeretatsmäßtigen gaben die der ausdrüdlichen

ing nachträglich unterbreitet sollen. Gerade der Kaufvertrag mit Tempelhof müßte nah re [uffassung dem Reichstage vorher zur Genehmigung vorgelegt den. Nach der Auffassung des Abg. Erzberge : Bertr rechtsgültig bleiben, auch wenn der N fentl

bl L : Neichstag erklärte, es wären die öffentlichen íIntèressen micht gewahrt. worden, und er akzeptiere die daraus her- rührenden Einnahmen nit. er Kriegêminister erklärte in- der Kommission kurz und bündig, der Abschluß von Verträgen sei durhaus Sache der Verwaltung, dafür trage sie allein die Verantwortnng. Sas davon zu halten is, wissen wir; der Kriegsminister ist ja gar nicht verantwortlih, wir haben über- haupt fein verantwortlihes Ministerium, wir feine parla- mentarishe Regierung. Auch hier hat einfah die Macht entschieden. Noch im vorigen Jahre h auf Provokation meines versto1 Freundes Singer in [ drücklih erklärt, die Verwaltung

Berkäufe ohne Zustimmung des Reichsta

das anders gemeint ( | lei

Boriges Jahr war der

den Gesellschaften ni

dem Gesichtspunkte

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; j | gekommen. Ib indung von empelhofer Felde 1903 für Berlin möglich war, tîst eine beute ganz über- ge; {on der Abg. von Nichthofen hat hervorgehoben, daß Verhältnisse ganz andere waren. Ich sage auch meiner- Berlin 1901/03 eine tiichti Berwaltung gel var es Pflicht der Stadt, den Ankauf vorzunehmen verantwortlich kurzsichtig gehandelt (Zuruf rets : was at das denn mit der heutigen Der riegsminister hat in der Kommission nehme feine feindselige Haltung gegen Berlin ein dan ex das. laat. denn ( dei Berhandlungen geh | Auch wenn

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entshließung davon niht berührt 1 gedeckt fein, moralisch nicht.

habe mit Tempelhof abgeschlossen, weil in Not gewesen fei. Eine andere daß der Fürst Fürstenberg auf einen Tempelhof gedrängt habe. Wo bleibt Bodenpolitik des Zentrums und des Reichskanzlers? Hier wäre eine Ge- legenheit gewesen, das Problem der Wohnungsfrage zu lösen. Was hat der Neichskanzler getan? (Zurufe: Nichts) Er hat geduldet, daß für Tempelhof eine Bauordnung ge nehmigt wurde, die den Bau fünfstöckiger Mietskasernen zuläßt. Warum ist das gesehen? Auf das Tempelhofer Feld hat die Blüte der Nation, Fürst Fürstenberg, Fürst Hohenlohe usw. spekuliert. Diese find niht bloß Indusftrieritter, Jndustriegrafen, fondern auch die größten Bauwölfe. Die Gemeinde Tempelhof it doch nur die Sc{ildhbalterin der Terrainspekulanten und Terraingesellschaften. Diese haben alles daran gefeßt, um auch das Tempelhofer Feld in ibre Klzuen zu bekommen. Ste haben auch ein Interesse daran, den

Bau billiger Wohnungen zu hintertreiben. Der Plan von Tempelhof i d E | widerspricht dem öffentlichen -Fntere}je. 1

Abs{luß mit

w em : Haberland hat in dieser Sache seine amtlichen Kenntnisse zu seinen Privatinteressen benußt; das habe ich in der Kommission erklärt. Haberland hat mir nun geschrieben, er habe sich erst dann mit der Tempelhofer Sache befaßt, als er erfabren habe, daß von der Eingemeindung von Tempelhof in Berlin nicht mehr die Rede gewesen sei, er sei dann mit der Deutschen