1911 / 66 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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12,60

14,00 13,30 14,50 14,40

Bemerkungen. Die verkaufte Menge wird auf volle Doppelzentner und der Verkaufswert auf volle Mark abgerundet mitgeteilt.

Hafer.

13,60 | 14,20 14,20

15,80 15,80 16,30

14,20 | 1480 15,00 15,20 14,10 20 1 ch 1470 15,00 15,50 14,80 1030 15,50 15,80

1 1480 15 20 15,20 15,80 16,00 15,75 16,60 16,60 16,2% 16% | 1676 14,00 15,00 15,00 n 15,00 15,00 18,10 18,60 18,60 15,00 15,40 15,60 17,40 17,60 18,00 17,50 17,50 22,00 | - 22,00

12,60

18,00 761 249,76

14,50 |

Ein liegender Strich (—) in den Spalten für Preise hat die Bedeutung, daß der betreffende Preis nit vorgekommen ist, ein Punkf ( .

Berlin, den 17. März 1911.

Kait!erlihes Statistishes Amt. yan der Borght.

108 13,47 Ia B

496 F 18,80 1800| 94 992 14 60 14/60 9. 996 14 80 14,73 ) 950 15 90 15 90

960 16 00 19/10 290 14 50 14,50

60 15 00 15,00 374 18 24 18,06

230 1 26: 1 652 1

7,32 17,62 7,50 9 75 19 50 93 ;

. . . .

Der Durchschnittspreis wird aus den unabgerundeten Zahlen berehnet. ) in den lezten sechs Spalten, daß ent|prehender Bericht fehlt.

Deutscher Reichstag. 149. Sigung vom 16.. März 1911, Nachmittags 1 Uhr. (Bericht von Wolffs Telegraphishem Bureau.)

Auf der Tagesordnung steht die Fortseßung der Spezial- bveratung des Etats für das Reichsamt des Jnnern beim Kapitel 7a der fortdauernden Ausgaben (Allgemeine Fonds).

Ueber den Anfang der Sizung Nummer d. Bl. berichtet worden.

Abg. Grä f- Weimar (wirts{. Vgg.) befürwortet die Annahme einer Resolution, durch die der Aufführung von Nationalsfest\ptielen für die deutshe Jugend in Weimar eine Unterstützung im Betrage von 10000 Æ von Neichs wegen zugeführt werden soll; die Fest spiele, deren Wert für die Bildung der Jugend unbestritten sei, wvürden dann in größerem Maßstabe aufgeführt werden können. Im Auslande habe das Unternchmen bisher mehr Sympathie und Unler stüßung gefunden als in Deutschland selbs1, und gerade die deutschen Ausländer, die die Festspiele von 1909 mitangesehen hätten, eten davon enthusiasmiert gewesen, wie ein Bericht der deutschen Schule in Antwerpen beweise. :

Aba. Dr. Pfeiffer (Zentr.): Der Optimismus des Antragstellers t do wobl etwas verfrüht, denn wir haben noch gar keine Sicherheit, ob die 10 000 Æ vom Reiche zu erlangen find. Ich würde das lebhaft bedauern. Man hat in der Kritik der Festspiele darauf hingewiesen, daß in nationaler Beziehung manches übertrieben gewesen sei; nun, man foll über solhe Schülerspaziergänge nah Weimar nicht allzu tragish denken. Allerdings haben Siegfrieds Gedanken über Kanossa und den \{chwarz- blauen Block dort nichts zu suhen; man soll die T agespolitik davon fernhalten. Man foll aber ‘anderseits den ärmeren? Schülern, den Kindern der minderbemittelten Klassen, ermöglichen, diese Festspiele zu besuchen. : i :

Abg. Dr. Hecckscher (fortshr. Volksp.): Jch meine, wir haben es bisher nur mit einer Aeußerung d's Neichsschatzsekretärs zu tun, dal qus Dem Dispositionsfonds die Summe nicht hergegeben werden könne. In der Kommission habe ich über die Begründung des Schiller-Bundes gesprochen und dargetan, daß er aus einer gewissen Not der Zeil hervorgegangen |el. Die feinsten Köpfe haben sih gefragt, wie man der Schmutßliteratur am wirfsamsten entgegentreten könne. Da is man auf den Gedanken gekommen, die deutshe Jugend am Urquell deutscher Bildung und Kultur zu versammeln. Auf die Jugend müssen die großen geschicht lien Erinnerungen in Weimar einen großen Cindruck machen. Regierung und Parlament sollten an diesen Bestrebungen Anteil nebmen dur Bewilligung einer Summe, sei es aus cinem Dis vositionsfonds oder sonstwie. Man möge politische oder geistige Kämpfe führen, aber in der Förderung der Jugend nicht bloß der böberen Schule, fondern auch der Seminare und Volksschulen follten alle Parteien einig sein. Von diesen Dingen muß sich die Politik fernbalten. Ich bitte also die Herren aus Weimar, die Mahnung des Abg. Pfeiffer zu beahten. Im übrigen foll man nicht gleich Mörder und Diebe rufen, wenn Mädchen und junge Burschen zu fammen spazieren gehen. Das ist doch- die hône Zeit der ersten Liebe. Lassen Sie uns also durch einstimmige Annahme der Resolution dem Lande und dem Auslande zeigen, daß wir die deutsche Jugend durch die Pflege der Kunst zum späteren Lebenskampse stärken wollen.

Neber die Resolution gestimmt werden.

Bei den Ausgaben für den Dienst regt der | |

Abg. Dr. Pfeiffer die Errichtung eines Dbservakoriums in Bayern an, die nah der Ansicht des bayerischen Kultusministers etne Neich8angelegenheit sei.

Bei dem Beitrag zu den Kosten der Jnternationalen Organisation für Luftschiffahrt (§8000 M) weist der

‘Aba. Bassermann (nl.) auf den großen Nußen die!er Organi \ation für wissenschaftliche Zwecke hin und \priht die Erwartung aus, daß bei der zunehmenden Bedeutung der Luftschiffahrt die Position von 8000 im nächsten Jahre bedeutend vermehrt werden müßte. Andere Staaten, wie Amerika und Frankreich, unterstützten diese Bestrebungen durch viel höhere Mittel, wie im preußischen Ab- netenhause neulich nachgewiesen worden sei. Jm vergangenen

19)

ist in der gestrigen

wird bei der dritten Lesung ab

wettertelegraphischen

acord C ) M iger Fahre sei eine Resolution angenommen worden _bezüglih der Errich îunag einer Reichéanstalt für Luftschiffahrt in Friedrichshafen. Wie weit sei die Sache gediehen ? Die Yeichsregierung sollte der Aviatil ihr wohlwollendes Interesse schenken. 5 : e

Abg. Frhr. von Nichthofen (dkonf.): Die vorjährigen Ver handlungen standen unter dem traurigen Eindruck des Unfalls eines un]erer Kollegen. Eine Reichsanstalt im Sinne der vorjährigen Yefolution halte ih nit für nötig. Sollte sih eine solhe Drganijakion bilden, io fönnte fie subventioniert werten.

Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatssekretär des Jnnern, =taatsminister Dr. Delbrü:

Meine Herren! Ich habe mich ja im vergangenen Jahre zu den Resolutionen, die, soviel ih weiß, von den Herren vom Zentrum wie von den Herren von der nationalliberalcn Partei eingebracht waren, eingehend geäußert. Ih habe damals darauf hingewiesen, daß jedenfalls im vergangenen Jahre die Verhältnisse nicht so weit geklärt waren, daß die verbündeten Negierungen Stellung nehmen fonnten, und die Richtigkeit diefer Auffassung ist ja durch den Gang der Ereignisse insoweit bestätigt worden, als

die Entwicklung, die die Aviatik inzwishen genommen hakt, {hon ohne weiteres darauf hinweist, die Sache unter weiteren und unter anderen Gesichtspunkten zu beurteilen als im vergangenen Fahre, wo wir doch die Sachlage wefentlich unter dem Gefichtspunkt der Entwicklung des lenkbarèn Luftschiffs betrahteten. Ih habe damals Ermittelungen zugesichert, und diese Ermittelungen find mit aller Energie und au) mit einem gewissen Erfolg vorgenommen worden.

Ih habe zunächst mit den beteiligten Reichs- und preußischen Nessorts verhandelt, und alsdann eine Versammlung berufen, an der die hauptsächlihsten Sachverständigen, die Vertreter der berufenen Verbände, Industrielle und Abgesandte der einzelnen Bundesstaaten, insbesondere auch die Universitäten und technischen Hochschulen, teil- genommen haben. Bei dieser Verhandlung waren alle Beteiligten darüber einig, daß eine Zentralstelle für die Förderung der Luft- \ciffahrt, und zwar sowohl der Aviatik wie des lenkbaren Lufl\chiffs, unter allen Umständen notwendig sei. Dagegen sind die Meinungen über den Umfang der Organisation und der Aufgaben, die einer der- artigen Zentralstelle im einzelnen zuzuweisen seien sowie über den Ort ihrer Errichtung weit auseinander gegangen.

Es wurde von der einen Seite darauf hingewiesen, was ja: im vergangenen Jahre hier {hon besprohen worden ist, daß ein Teil der Aufgaben, die man einer solhen Anstalt zuweisen wollte, {hon von unseren techxischen Hohshulen in Angriff genommen und angemessen behandelt würde. Es wurde ferner durauf hingewiesen, daß ein Teil der Aufgaben zweckentsprehend gelöst werden könnte und gelöst werden sollte durch die in den verschiedenen Bundeéstaaten be stehenden Materialprüfungsanstalten. Endlih wurde erneut darauf hingewiese, daß doch auch die Industrie selbst aus ihrem eigensten Interesse heraus berufen sei, an der Lösung dieser Aufgaben mit- zuwirken.

Um nun zu einer fiheren Grundlage für das weitere Borgehen zu kommen, habe ich einige hervorragende Sachverständige ersucht, einen genauen Organisationsplan auszuarbeiten und mir vorzulegen. Ih nehme an, daß dieser Organisationsplan in nicht allzulanger Zeit in meinen Händen fein wird: und dann erst, wenn man weiß, was eigentli geschaffen werden soll. und welhe Mittel dazu erforderlich sein werden, wird man in der Lage sein, in der Sache Entschlüsse zu fassen.

Daß cine Reichsanstalt notwendig sci, um diese Aufgaben zu lösen, halte ich heute wie im vergangenen Jahre nicht für wahr \{einlih: im Gegenteil, ich bin der Ansicht, daß eine Bereinigung der Interessenten im weiteren Sinne, zu denen die Einzelstaaten, die Kommunen, industrielle und wissenshaftlite Verbänte fowie Stiftungen gehören, hinreißen wird, um die Sache in einer an gemessenen Weise vorwärts zu bringen, und daß für das Neich nur in Frage kommen könnte, eine gewisse zusammenfassende Tätigkeit auszuüben und in Grenzen, die ja noch festzustellen fein würden und die sich auch nah unseren Etatsverhältnissen richten müßten, Beiträge laufend oder für einzelne bestimmte Aufgaben zu leisten.

Fm übrigen stimme ih mit dem Herrn Abg. Bassermann darin überein, daß wir alle, Private wie Behörden, alles tun müssen, um zu verhindern, daß Deutschland auf diesem wichtigen Gebiet etwa dem Auslande gegenüber in Rückstand fommt.

Zu den Ausgaben für die „Förderung der See fischerei“ liegt eine Resolution der Deutschkonservativen vor:

Den Herrn Neichskanzler zu ersuchen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um 1) beshleunigt eine Vereinbarung der deutschen Ostseeuferstaaten über gemeinsame polizeilihe Vorschriften zur Regelung der deutschen Ostseeküstenfisherei und zum Schutze des Fischbestandes an der deutschen Ostseeküste und über eine zweckmäßige Gestaltung der Fischereiaufsiht herbeizuführen ; 9) ein internationales Abkommen über die Befishung der Ostsee unter sämtlichen Ostseeuferstaaten anzubahnen.

Abg. Dr. Drö scher (dkons.): Das Thema der Resolution ist eigentlich Sache der Einzelstaaten, aber da das MNeich eine ganz be trächtlihe Summe zur Unterstützung der Seefisch:rei ausgeworfen hat, so hat das Reich ein erhebliches Interesse daran, die Fischerei în allen ihren Zweigen leistungsfähig zu erhalten. Die Hochsee- und die Küstenfischerei liefert ten geeigneten Ersaß für unsere Kriegsmarine : wir haben also schon von diesem Gesichtspunkte aus alle Ursache, namentli auch un}sere Küstenfischerbevölkerung gesund und leistungs fähig zu erhalten. Jm Laufe der leßten Jahre haben sich nun die Klagen der Küstenfisher an der Ostsee über Gefährdung ihrer Eristenz gehäuft. Ebenso find die Wünsche wegen anderweiter Regelung auch der Beaufsichtigung d er Küstenfisher immer stärker geworden; von Nügen bis Kap Sfkagen stimmen alle Fischerei vereine in diesem Verlangen überein. Der Zuzug der östlichen Fischer nach dem Westen steigert die Intensität der Befischung im Westen. Es sind Petroleummotoren in die Segelschifferei eingeführt worden, und der Fischer wird dadurch beweglicher gemacht, aber ebenso werden die Fischbestände fefährdet. Wir wollen nicht die Gewerbefreiheit irgend wie antasten : aber eine polizeilihe Negelung bezüglich der Fischmengen, die eingefangen werden dürfen, muß stattfinden, und fie würde zweck mäßig geschehen durch die Vorschrift eines Mindestmaßes für die

Fanggeräte. Der Deutsche Seefischereiverein hat über die Frage gefeßliher Negelung der Ostseefischerei umfassende Erhebungen an gestellt : es lassen sih bestimmte Vorschläge machen, es fehlt nux an der Anregung zum ersten Schritt. Erforderlih is zunächst eine Vereinbarung unter den sämtlichen deutschen Ofisee-Uferstaaten. Eine Vereinbarung muß dur Vertreter der verschiedenen Negtierungen erfolgen. Der Reichskanzler könnte mit den beteiligten Staaten eine Konferenz einberufen oder sie selbst einberufen. Von Reichs wegen direkt kann die Sache nicht geregelt werden. Alle Fischer, auch die, die vielleicht von einer solhen Vereinbarung einen Schaden baben fönntenz halten eine folche Regelung für notwendig. Den Neichskanzler bitte ih, fi mit der Militärverwaltung in Verbindung zu seßen, um in den Mannschaftsküchen und Unteroffizierkantinen die Seefishkost einzuführen. Die Cisenbahnsrachten für Seefische sind ja erfreuliherweise auf die Hälfte herabgeseßt worden. Dem Staats sefretär empfehle ich das Studium eines Buches über die Hochsee fisherei von Assessor Goldschmidt in Berlin.

Abg. Erzberger (Zentr.): Meine politischen Freunde werden für die RNefolution Dröscher stimmen. Es handelt sih hier um ein rentables Kapital. Mir ift ein Kolli vorzüglicher Heringe von einer Holhseefischereigesellshaft zugesandt worden. Das Gefühl der Dankbar keit führt mi auf die Tribüne. Die Förderung der Hochseefischerei ist zugleih eine Förderung des Mittelstandes. Fünf Sechstel de! Fischerei rekrutiert sich aus den Kreisen des Mittelstandes, det tfleinen Leute. Meine vorjährige Anregung auf Subventiontierung der Bestrebungen auf Verbindung der Fisherboote mit drahtlo}fen Telegraphiestationen: ist erfreuliherweise auf fruhtbaren Boden gefallen. Fn Holland und England find in den leßten Jahren gewaltige An strengungen gemacht, um die Hochseefisherei weiter zu kraftigen Gbenso ist es mit Shweden, Dänemark und Norwegen. Die Einfuh1 nach Deutschland wäcbft von Jahr zu Jahr. Auf der anderen Seite wächst aber auch unsere Fischereiflotte. Das Jahr 1910 hat gegenüber 1909 bereits ein Plus von 248 Fahrzeugen. Ich würde cs gern sehen, wenn der Fonds etwas erhöht würde, vielleicht fönnte man an anderen Fonds dafür sparen. Es find manche Fonds in den Etat hineingekommen, die keine große volkswirtshaftlihe Bedeutung haben. Das dankenswerte Buch des Affsessors Dr. Goldschmidt fei dem Studium empfohlen. Er macht verschiedene bemerkenswerte Von schläge, von denen allerdings manche erst nah Jahren untd Jahrzehnten durchführbar sein werden allem empfiehlt er den Zufsammenschluß der Fischereibetriebe zu ei verein auf Gegenseitigkeit gegen die großen Schäden, die der Hochie fifderei droben. Jch \{ließe mit dem Wunsche, daß im nächsten abre eine Erhöhung dieses Titels eintritt.

r. Görde (nl.): Der Pte n Dr. Dröscher stimmen politischen ¿Freunde zu. Jh möchte bei dieser Gelegen es 25 jährigen Inbiläums des Seefischeretivereins gedenken und diesem tätigen und nützlichen Verein Glückwünsche aussprechen. Dem WVunsche, mit dem setne Jubiläumsschrift schließt, daß es 1hm mög lih fein möchte, eine Stiftung zugunsten der Hinterbliebenen Fischer zu begründen, kann man jsih nur anschließen. \chläge des Assessors Goldschmidt verdienen eine ernjl (Fr befürwortet unter anderem eine Aenderung \ystems durch Einführung einer Fangprämie in der Weise die Tonne gefangener Heringe 1 bis 1,90 Æ gezahlt werden eine Ausgabe von 400 000 bis 600 000 6 für das Neich ergeben wür Wenn er zum Ausgleich eine Zollerhöhung auf Heringe vorschlägt, fönnen wir uns damit nicht einverstanden erklären, aber man fönnte vielleicht Fangprämien von 75 oder 50 „A mit cinem Auswande von 900 000 bis 250 000 einführen. Die eh Beschaffung von Apparaten für drahtlose Telegr falls nur befürworten.

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Abg. Dr. Hahn (dkons.): Der Antrag Dröscher ist zu begrüßen Zu meiner Freude babe ih gese auch bei der Milità1 verwaltung * das Verständnis für die Wichtigkeit des Fishkonsums gewachsen ist. Es handelt sich bei der ¿Förderung der Hochseefischere um eine eminent nationale Sache. Es ist {on betont worden, da} die Marine auf die Mannschaften der Hochseefischerei angewiesen ist, die der Handelsschiffe würden ün Mobilmachungsfalle kaum zu Verfügung stehen, während die Hochseefisher meist binnen einer Woche immer, wieder zurück sind, wenngleih fich das Fischereigebiet jet von Island bis zur marokkanischen Kuste ausdehnt. Leiden cheinen Ueberanstrengungen der Mannschaften vorzukommen. Ich gebe den Interessenten den Rat, solche zu vermeiden und lieber die Dampfer, die jeßt mit zehn bis zwölf Personen beseßt sind, mit ein vaar Mann mehr zu beseßen. Ein großes Interesse hat es für die Hochseefischerei, Frachtermaßigungen zu erhalten. Wenn wir uns au bier nit mit den Angelegenheiten des preußischen Landeseisen bahnrats zu befassen haben, so bitte ih doch, diese Véaßnahmen zu beschleunigen. Man sollte die Fische nur in Nordenham, Geeste münde, Bremerhaven, Curhaven und Altona einlassen, damii man dort die Möglichkeit einer Untersuchung auf ihre Marktfähigkeit hat. Die Untersuchung in Geestemünde wird mit außerordentlicher (Gewissenhaftigkeit gefühnt. Es wäre von Interesse, zu erfahren ob in de: mit uns konkurrierenden fremden Häfen, wie Ymuden von wo unseren Fischern eine s{chwere Konkurrenz bereitet wird, eine ähnlihe Fürsorge für das Wohl des Publikums besteht Ih habe Grund zu der Annahme, daß das nicht der Fall ist. Den ausländischen Fischern ist die Konkurrenz uns gegenüber eher er leihtert durch das Fehlen der sozialen Lasten und der vielen Be stimmungen der Gewerbeordnung. Dies rechtfertigt einen Zoll au frische Seefische. Bei dem Reichskanzler habe ih auf eine (Fingabe Entgegenkommen in dieser Hinsicht gefunden, und auch die Handels fammer Geestemünde hat keine prinzipiell ablehnende Haltung ein genommen. Das Buch von Dr. Goldschmidt ist in der Tat empfehlen®s wert, über seine Vorschläge wird îm einzelnen zu dis8kutieren sein. Ferner verdient cine uns zugegangene Broschüre über die Geestemünder

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Fischereiunterncehmung Beachtung. Die Kenntnis von den eßbaren Fischarten und ihrer Zubereitung ist noch sehr dürftig, und es spielt hinsichtlih des Fischgenusses auch der Aberglaube noch eine große Nolle. Das hat: sehr bedenkliche wirtschaftliche Konsequenzen für die Hochseefischerei. Alle Aufwendungen, die Preußen für die Hochseefischerei macht, erweisen sich als in hohem Maße vorteilhaft für den Staat. Jch hoffe, daß Preußen damit fortfährt und auch Geestemünde recht bald zur Stadt werden läßt. (Vizepräsident Dr. Spahn bittet den Nedner, sich mehr an den Gegenstand z1 halten.) Auch das Neich hat von der Zunahme der Fischerei profitiert, die Fischnahrung führt dem Körper Phosphor zu und steigert damit die Gebirntätigkeit. Für dieses Jahr spreche ich meinen Dank aus für die Förderung, die der Hochseefisherei zu teil geworden ist, und für das nächste Jahr hoffe ih auf eine Erhöhung des Fonds.

Abg. Spethmann (foutshr. Volksp.): Auch wir werden der Nesolution Dröscher freudig zustimmen. Daß der Ertrag der Ostsee fischerei zurückgeht, liegt zum Teil daran, daß vielfach eine Ueber fischerei stattfindet. Was den Fischern auf der einen Seite durch die Regierung zugewendet wird, maht man auf der anderen Seite durch éine zu 1igorose Anwendung der Zollgeseze vielfach illuforis{ch. Cine neuerlihe Verfügung der Zollbehörden verlangt auf den Fischerbooten besondere Tanks für tas unverzollte Del für die Gasöfen. Für sole Tanks ist auf den Booten kein Play. Ebenso undurhführbar ist die Vorschrift, daß die Boote sih auf dem nächsten Zollamt zu melden haben ; geradezu grotesf ist die Bestimmung des F 10 dieser Verfügung, wonach Geldstrafen bis zu 1000 4 vorgesehen sind. Diese Bestimmung hat die verdiente Heiterkeit erregt, die jeder verstehen wird, der weiß, wie unsere Fischereibevölkerung mit Glüdcks- gütern gesegnet ist. Dank wissen muß man der entgegenkommenden Haltung der Kaiserlichen Marine gegenüber den Interessen der Fischerei. Erneuern muß ich die dringende Bitte, daß dem Unfug der Zesenfischerei ein Ende gemacht wird, damit nicht die Ergi: bigkeit der Fischgründe ein vorzeitiges Ende findet. In höchst danfenswerter Weise is die Kriegsflotte auf die Bitte eingegangen, ihre Schieß übungen während des Vorbeizuges der Sprottenzüge einzustellen. Die norwegishe Negierung hat besondere Eisenbahnwagen mit Kühl vorrihtungen und Eispackungen für den Fischtransport eingestellt : wir sollten tunlichst diesem Beispiel folgen. Der Abg Dr. Hahn hat heute wieder seinen Lieblingsgedanken der Verzollung frischer Seefische ver treten. Er hat ja verständigerweise seine Wiederwahl Gott und den Wählern anheimgestellt. Wir können nur wiederum auf das Widersinnige dieses Vorschlages hinweisen. „Frische Fische, gute Fische“: durch die Zollplackereien würde die schnelle Beförderung der Fischsendungen unmöglih gemacht und ihre Qualität verlieren. Ich hoffe, daß der gesunde Sinn und das Inter. sse für ein billiges, gesundes Bolls nahrungsmittel uns vor einer Verteuerung durch eine solhe Zol maßregel bewahren mögen!

Jonquières: Wenn der Neichstag die Resolution Dröscher annehme würde der Neichskanzler bereit fein, mit den preuß} chörd gen Ber- anstaltung einer Konferenz ins Benehmen zu treten: es n dann weiter zu erörtern sein, ob man mit den übrigen deutschen oder inte1 national mit sämtlichen Ostsee-Uferstaaten zu verhandeln hätie. Ueber den Cisenbahntransport frischer Seefishe haben Erörterungen |tatt- gefunden, die noch nicht abgeschlossen sind. Die Anregung, die Militärverwaltung für Erweiterung des Fischabsaßes zu inter essieren, fällt in das Gebiet der Propaganda für die Erweiterung des Fischabsatzes überhaupt. Voraussetzung dazu ist, daß die Ver faufsorganisationen so gestaltet sind, daß die Konsumenten die Fische fris und billig bekommen. Mit dem Fonds, wie er jeßt

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im Etai steht, ist ja {wer auszukommen, hoffentlih bessert h die Finanzlage, sodaß wir mehr einstellen können. Bon x Y

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tige Verwaltung des Fonds ist aber in jedem Falle am Plage.

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Wichtigkeit der Funkenstationen erkennen wir an. Min ¡ablen \äßlich die Einrichtungskosten, und wir möchten noch meh unseren Fonds geben, wenn es möglih wäre; denn diese Funkenstationen dienen der Sicherheit des Verkehrs. Das Goldshmidt - Bu haben wir studiert, doch können wir nicht Vorschläge acceptieren. Mit den Bauprämien konnten wi so weit gehen, wie es gewünscht worden ist. In der Frage der besireuten Heringe sind doch Uebertreibungen vorgekommen. Zollbehörden find aber zur scharfen Kontrolle angehalten sodaß Klagen in der leßten Zeit niht mehr laut geworden st1 Was die Gesundheitskontrolle betrifft, fo darf fie nicht eine zu Verzögerung veranlassen. Ich werde mich vergewissern, ob in Ymutiden ähnliche Kontrolle stattfindet , bei uns. Die Anregungen des Bor- redners werden gepruüst werde

Abg. Metzger (Soz.) erklärt d! ung seine dex Resolution Dröscher und wel uf die Id me La et fischer hin. Die Teuerung der Fleishpreise habe die Bevölkerung immer mehr zum Fischgenuß diese Volksnahrung dura) Zölle zu verteuern, würde ein Unrecht sein.

Die Resolution Dröscher wird einstimmig angenommen.

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grund]a (K

Fo, Q eid Aus

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Bei den Ausgaben für Maß lausfkrankheit, 1000 M, beshw d

k - T 4e N l 9 2.4 d L das Abg. L: al ahlem (Zentr.) uben

regeln gegen die Reb ert nch der

‘die ungleichartige Entschädigun( der Winzer in Preußen. Bald würden übermäßige Entschädigungen gewährt, bald werde nicht einmal das Notwendige erseßt. Das \chädigungéverfahren werde von vollständig unsachverständigen

Z | hen.

vorgenommen. So dürfe es nicht weiter gehe

13

Bei dem Beitrag von 10000 #6 für die für Volkswohlfahrt befürwortet der

Abg. von Kaphengst (dkons.) folgende Resolution: „Den Herrn Neichskanzler zu ersuchen, bei den Landesregierungen dahin zu wirken, daß fie: dem Verein für soziale innere Kolonisation Deutschlands E. V. zum Zwecke der Fürsorge für vorübergehend Arbeitslose nachhaltige Förderung und Unterstützung zuteil werden lassen.“ Da die wichtige Frage der Unterstützung Arbeitéloser nah den Erklärungen der Reichs

1

Zentralstelle

x

er regierung niht reidsgesezlih geordnet werden Tönne, Jo müsjje man fie in den einzelnen Landesregierungen in die Hand nehmen. Jeden Augenblick kann aber eine größere Arbeitslosigkeit eintreten, und da heißt es: vis pacem, para bellum Die Landflu set daraus entstanden, daß die Landwirtschaft in Zeiten landwirtschaftlichen Niecderganges den Arbeitern nicht die Pr können, wie die Industrie. Das Land sei jeßt vielfah auf die Mitarbeit m Auéländern angewiesen, deren Beschäftigung im höchsten zu bedauern sei, denn Hunderte von Millionen werden ckSchaden des Kleingewerbes aus dem Lande geschleppt. | erden, wenn Arbeitslosigkeit vorhanden ist, Notstandsarbeiten sgefübrt, die keinen Sinn haben. Es ist festgestellt, daß in den oßen Städten teilweise 90 9% des aufgewendeten Geldes zweck- ; hingegeben war, weil die Arbeit an falscher Stelle und über eilt in Angriff genommen wurde. Wir haben in Deutschland 400 Quadratmeilen Oedländereien. Wir könnten unserem Baterlande binnen wenigen Jahren eine Provinz erobern, wenn wir einen richtigen Zusammenshluß aller Faktoren herbeiführen. Jn Preußen hat der Geheimrat Krohne die Gefangenen dazu benußt, um kultivieren, und zwar mit bestem Erfolg. Das hat noch den Nebenvorteil, daß damit keine Konkurrenz für den Mittelstand geschaffen wird, der jahrzehntelang unter der Konkurrenz der Gefangenenarbeit geseufzt hat. Ih habe felbst 1000 Morgen Land, auf dem man noch vor fünf Jahren mik Wasserstiefeln gehen mußte, durch unsere armen Brüder von der Landstraße in Wiesen umgewandelt. Wir müssen die Armenpflege modernisieren, und diese Modernisierung besteht darin, daß den Leuten niht Almosen gegeben werden, fondern ein, wenn auch viel leiht anfangs zu hoher Verdienst. Wenn wir die Moore fultivierten, so könnten wir darauf Tausende von Ansiedlungen unterbringen, und diese Siedelungen wären mir weit mehr wert als eine ganze Mete kolonialer Diamanten. Bei allen Parteien herrscht das Streben nah Sparsamkeit, aber wir wollen dafür sorgen, daß für deutshe Arbeit die Gelder zur Verfügung gestellt werden: die Zinsen wüxden bald eingebracht sein, und das

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Moore zu

deutshe Vaterland würde für scine Wehrkraft guten Zu- wachs bekommen. Zwingen wollen wir niemanden, aber es ift wesentlich, daß die Beziehungen zwischen Stadt und Land regere werden. Wie viele Familien in der Großstadt haben kaum einen Baum, eine C ce " c c: Wn c Wiese gesehen. Es wäre etwas wert, wenn sie vorläufig auf Wochen und Monate, später vielleiht dauernd auf das Land gehen. Die Frage ist eine konservative. Sie kann aber auch von der liberalen Weltanshauung aus unterstützt werden, und ih bitte Sie herzlich um diese Unterstüßung. Als ich vor Jahren mit diesen Plänen vor die Oeffentlichkeit trat, hat sich die gesamte Presse auf meine Seite gestellt. Ich {loß damals mit den Worten : „Jn dem ehrlich ge- wollten Zusammenarbeiten aller Faktoren sehe ih die Brücke zur Gesunderhaltung des deutshen Volkswesens." Die Brücke ist ja jeßt sehr modern geworden. Der Reichskanzler hat neulich von der Mainbrücke gesprochen, die geshlagen werden müsse zur Ver- standigung zwischen Nord und Süd nicht allein, sondern auch zwischen Besißlosen und _Besitzenden. Da könnten wir alle Bausteine herbeitragen, damit diese Brücke auch zu unseren Lebzeiten noch gang- bar wird zur Verständigung zwischen Stadt und Land. Bitte tragen Sie Bausteine mit heran. A:

Abg. Bassermann (nl.): Meine politishen Freunde werden

») Ms : c! s 1 S H , q.

der Resolution zustimmen. Der Vorredner hat die Frage vom Standpunkt des platten Landes behandelt Sie spielt aber auch für die Städte eine sehr große Rolle. Die Stadtver- waltungen _„Tommen al Dem {hwierigen Arbeitslosenproblem nicht vorbei. Dies gilt namentlich auch für die Stadt Mannheim. Die Zentralstelle für Volkswohlfahrt verdanken wir den energischen und von edler Menschenliebe getragenen Bemühungen des Landtags abgeordneten Grafen Douglas, der alle Wohlfahrtsbestrebungen in diesem Zentralpunkt gesammelt hat. Ich sehe davon ab, über die Ziele und Leistungen dieser Zentralstelle hier Weiteres auszuführen. Ich verweise auf die eingehenden Erörterungen des Borjahres. Cs ist ein reihhaltiges Material, das in dieser Zentralstelle feine Bearbeitung gefunden hat. Einmal die Arbeiterwohlfahrts einrihtungen, dann die Nat- und Auskunftserteilung an Behörden, Vereine, Beteiligte, daneben hat die Zentralstelle eine ganze Nethe allgemeiner Fragen aufgegriffen: die Wohnungsfrage, Volks- ernährung, Jugendfürsorge, Pensions- und Neliktenwesen der Arbeiter. An Anerkennung hat es der Zentralstelle nicht gefehlt, weder seitens des Staatssekretärs des Innern noch im Abgeordnetenhause. Dort hat der Handelsminister anerkannt, daß fie zur Förderung shwebender

BLOT N , " e : c ï « praktischer Fragen Beiträge über die Erfahrungen nicht nur des Jnlandes, sondern auch des Auslandes zusammengetragen habe. Nun fommt aber allerdings immer wieder die leidige Finanzfrage. C8 ilt aber tlar, daß, wenn eine solche Institution sih niht entschieden fortentwickeln kann, leiht eine Stagnation und ein Nückgang eintritt, deshalb wende ih mich an das Wohlwollen des Staatssekretärs mit der Bitte, in kommenden Jahren eine Erhöhung der Subvention vorzunehmen.

__ Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatssekretär des Jnnern, Staatsminister Dr. Delbrück:

Meine Herren! Ich wäre ja wohl in der Lage, wenn ich an der Stelle des Herrn Abg. Bassermann und nicht hier am Bundesrats tishe stünde, eine ähnlih beweglihe Rede zugunsten der Zentralstelle für Volkswohlfahrt zu halten. Alle die Gründe, die er angeführt hat, haben ja eine gewisse Berechtigung, und ih bin der Leßte, der nit anerkennte, daß diese Zentralstelle für Volkswohlfahrt wichtige Dienste geleistet hat und auch in Zukunft wichtige Dienste leisten fann. Aber, meine Herren, Sie dürfen auf der anderen Seite nicht vergessen, daß kaum einer der Titel in dem Kapitel 7a, das wir augenblicklich beraten, eine Erhöhung im Laufe der letzten Jahre erfahren hat, sondern manche Titel sogar herabgeseßt sind, undzwar aus dem einfachen Grunde, weil ich dem Herrn Staatssekretär des Reichs\chaßamts darin recht geben muß, daß, wenn wir mit unseren Finanzen endgültig in Ordnung kommen wollen, das nur erreicht werden fann, wenn wir uns auf allen Gebieten einer gewissen Sparsamkeit und Zurückhaltung befleißigen. Ih bin der Meinung, daß man hier nit einzelne Positionen, einzelne Unternehmungen herausgreifen und besser dotieren soll in einer Zeit, wo man andere gleih wichtige und vielleiht noch wichtigere Sachen nicht nur nit besser dotiert, sondern unter Um- ständen fogar {lechter stellt.

Die Begründung, „es handelt sh ja nur um eine geringe Summe“, ift für jeden einzelnen Fall zutreffend. Wenn Sie aber die geringen Summen zusammenrechnen, die im Laufe einer Etats- verhandlung hier bei den vershicdenen Aemtern immer mit der gleichen Begründung gefordert werden, dann würde wahrscheinlich eine ret erklecklihe Summe herauskommen, die dem Herrn Staats sekretär des Neichs\chaßzamts die an sih hon bestehenden Schwierig feiten, unseren Etat zu balanzieren, noch vermehren würde.

Also ich bin gerne bereit, wie Herr Bassermann es wünscht, in den nächsten Jahren auf cine Erhöhung dieses Titels Bedacht zu nehmen, sobald die Finanzlage mir die Möglichkeit gibt, das hier und auch an anderen Stellen zu tun. (Heiterkeit.) Aber ein besiimmtes Versprechen gerade zu diesem Titel heute abzugeben, dazu bin ich beim besten Willen nicht in der Lage.

Nun möchte ih doh mit wenigen Worten auf die Resolution des Herrn Abg. von Kaphengst kommen. Meine Herren, die Frage der Behandlung der Wanderarmen und der vorübergehend Arbeits- losen ist ja in diesem hohen Hause im Laufe der leßten Jahre wieder- holt erörtert und wiederholt auch zum Gegenstand von Resolutionen gemacht ts

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worden; mein Herr Amtsvorgänger hat \{chon auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die sich etner geseßlidhen Negeluna dieser Materie entgegenstellen, er hat sih aber bereit erklärt, Ermittlungen anzusteVen, wie wohl auf diesem Gebiete gebolfen werden könnte, und ob inébesondere ein Eingreifen der Geseßzgebung möglich und zweckmäßig sein werde. Es liegen nun die Ergebnisse dieser Umfrage bei den Bundesregierungen vor, und die Bunde®êregierungen haben die Schwierigkeiten jede nach den Verhältnissen ihres Landes hervor- gehoben, die uns ja im großen und ganzen {on bekannt find. Es ist s{wer, gegen das Unwesen des Wanderbettelns in der rihtigen Weise einzuschreiten und für die Arbeitswilligen angemessen zu sorgen, weil man nicht in der Lage ist, zu scheiden im gegebenen Augenblick, wer ist arbeitswillig, wer ist arbeitss{heu, wer ist arbeitsunfähig; es liegt eine weitere Schwierigkeit darin, daß wir einzelne Gebiete haben, in denen für die Wanderarmen reihlich gesorgt wird, und daß wir andere Gebiete haben, in denen man sich niht nur um die Wanderarmen nit kümmert, sondern versucht, sie mit einer geringen Gabe zum Weiterwandern zu veranlassen und so auf andere Gemeinden abzu- \hieben. (Sehr wahr!) Das sind alles Mißstände, die wir erkennen, die zu beseitigen aber nicht leit ist, und die namentlich im Wege der Gesetzgebung zu beseitigen außerordentlißhe Schwierigkeiten bietet. Es {weben augenblicklih über aus der Umfrage herzuleitenden Maßnahmen Verhandlungen mit den in Betracht kommenden Ressorts; zu welchem Ergebnis sie führen werden, weiß ih niht. Es handelt sich um eine der vielen Fragen, die man Ende aller Ende niht durch Ge- setze lösen kann, sondern nur lösen kann, wenn alle beteiligten Kreise #ch ihrer mit der Wärme annehmen, wie es der Herr Vorredner

eben getan hat. (Sehr richtig) Es handelt sich hier niht um Maßnahmen der Polizei, sondern um allgemeine Kulturaufgaben, die nur gelöst werden fönnen aus dem Volke heraus, zu denen aber keine Regierung mit noch so vielen Geseßesparagraphen tas Volk zwingen kann.

Nun hat der Herr Abg. von Kaphengst ja die Frage {on auf eine viel breitere Grundlage gestellt, insofern er angeknüpft hat an die zur Zeit weite Kreise des Volkes und die Regierung vewegende und interessierende Frage der Kultur unserer großen Oedländereien. So wie die Frage auf dieses Gebiet gebracht wird, werden wir daran er- tinnert, wie {wer es ist, allein {on für die Wanderarmen die ge- eignete Beschäftigung zu finden. Ich selbst bin lange Zeit im Vor- stand einer Arbeiterkolonie Westpreußens gewefen, und wir haben da immer mit der Schwierigkeit zu kämpfen gehabt, daß uns diejenigen Arbeitsmöglichkeiten, wie sie beispielsweise den westfälischen Arbeiter- folonien in den großen Oedländereien zur Verfügung stehen, nicht hatten, und eine zweite Schwierigkeit is immer die, für eine große Anzahl von vorübergehenden Besuchern einer Arbeiterkolonie denn länger als 3, 4, 5 Monate sind die Leute ja niht da —, etne geeignete Arbeit zu finden. Denn soweit alle diese Leute niht an Landarbeit gewöhnt sind, soweit sie Maler, Lackierer, Anstreicher, Tischler, Schneider, Klempner usw. find, soweit sie niht gewöhnt find, in freier Luft zu arbeiten, is es unmöglich, die Mehrzahl der Leute im Winter an einc Tätigkeit im Freien heran zubringen. (Sehr richtig!) Ganz anders liegt die Sache, wenn man Zeit hat, wenn man die Leute während einer Sommersaison an die Landarbeit gewöhnen kann, wenn man thnen die Landarbeit geläufig und bequem machen kann. Dann is man eventuell au in der Lage, sie einen Winter hindurh zu beschäftigen. Aber, meine Herren, diese Möglichkeit bieten die großen Arbeiterkolonien, wie wir sie jegt teils mit Hilfe der Staaten und Provinzen, teils auf freiwilligen Beiträgen aufgebaut, errihtet haben, nicht ; denn dort gehen die Leute natürlih weg tin dem Augenblick, wo fie die Möglich- keit haben, eine ihnen genehmere oder bequemere Tätigkeit zu ge- winnen. Es ist außerdem ten guten Elementen unter ihnen natürlich nicht sympathisch, selbst wenn sie in der Arbeiterkolonie arbeiten, do immer als halbe Almosenempfänger behandelt zu werden. Sie drängen wieder heraus in geordnete Verhältniffe.

Meine Herren, die Schwierigkeiten sind nicht ohne weiteres zu überwinden. Aber wenn wir dazu kommen follten, planmäßig und im großen Stile die Kultivierung unserer Oedländereten in Angriff zu nehmen, würden fich doch ganz andere Möglichkeiten ergeben- Dort würde man in der Lage fein, den Leuten auf Jahre hinaus Beschäftigung zu geben, dort würde man in der Lage sein, Nü“ wanderern, die aus dem Industriebezirk kommen, die Möglichkeit zu geben, mit der Zeit sich ein eigenes ¡Grundstück und ein eigenes Häuschen zu erwerben. Das sind Aufgaben, die zweifellos nicht das Neich in Angriff nehmen kann, fondern die in erster Linie von den Bundesstaaten zu fördern sein werden, soweit fich nicht, was meines Erachtens absolut nicht außerhalb des Bereiches der Möglichkeit liegt, auch gemeinnützige Gesellshaften und auch wotrtschaftliche Gesellschaften finden, die diese Aufgaben in großem Stile lösen. Nun ist, wenn ich das beiläufig bemerken darf es gehört

ielleiht nicht zu meinem Etat, aber da die Angelegenheit hier be- prochen wird, darf ih es wohl erwähnen in neuerer Zeit eine andere Möglichkeit aufgetauht, um auf der cinen Seite die speziellen Aufgaben zu lösen, die der Herr Abg. von Kaphengst eben erörtert hat, andererseits aber einer Anzabl von entgleisten Erxistenzen die Möglichkeit zu geben, in der gesunden Arbeit des Landes wieder in vormale Verhältnisse zu kommen: Das ift die Beschäftigung von Gefangenen und Korrigenden in großem Stile und auf lange Zeit

bei der Kultivierung unserer Oedländereien. (Sehr richtig!) In

Preußen besteht die Cinrichtung in eshränkten Grenzen, und

soviel ich wciß, ist Schmolsien erhel : Mitwirkung von Ge

fangenen fultiviert worden. In ayern bestehen ähnlihe Cinrich-

In Westphal bestehen sie zum Teil auch

wäre eine Frage, die wohl werden könnte,

wenn man einmal an die Abänderung unserer Bestimmungen über den 5

(Zuruf.)

erw ogen

ob man nicht einen Teil unserer in vieler

und \{ließlich nußlosen Besserungsversuche

fängnifsen (fehr richtig! links und in der Mitte) erseßen

fönnte dur eine Zwangsarbeit in Gottes freier Natur, wo die Leute wahrscheinlih eher wieder zu sich zurückfinden, als wenn man fie in Korrigendenanstalten und in Gefängnissen cinsperrt und dort zu einer Arbeit zwingt, die ihnen im allgemeinen nicht liegt. (Sehr richtig !) Aber, meine Herren, das sind alles Dinge, die niht von hier aus und iht durch meinen Etat geregelt werden können, fondern Dinge, die die Volkes in Angriff nehmen muß, die aber au an

i i nit ist, und aus diesem

X 54 EGERES \ An Pr nyr o Myrogi - - ih dem Herrn Borredner | Anregung, die er ge-

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rs dankbar.

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(fortshr.

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olt fretärs tönnen wir betlttmmen ; trafvollzug viel wichtiger als der auftretende phantastishe Gedanke der Abg. Gröber (Zentr.):

es für einen Arbei vie Almosen x 4

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Arbeit x geben Und hn DAdUrc ine rhre z1 erweisen. Bor allem tut de beitslosen ein warntes Herz not, und das findet man in den Kanzlc nur sehr selten. Gesorgt werden muß also für Arbeit ; arbeitswillig werd nn die meisten zeigen, und die schwierige Frage, ob arbettsunsahi( arbeits\{heu oder arbeits- lustig, wird sehr leiht zu entsheiden fein. )a uns die Resolution micht aus nen bestimmten Weg festlegen will, sondern die ¿örderung der Arbeiten der Zentralstelle bezweckt, werden wir ihr gern zustimmen.

Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatssekretär des Jnnern, Staatsminister Dr. Delbrü:

Meine Herren! Seien Sie mir nicht böse, wenn ich troß Ihrer fnapven Zeit auf die Ausführungen des Herrn Vorredners noch mit wenigen Worten eingehe.

Ih habe auf die Schwierigkeit der Feststellung, ob jemand arbeitswillig oder arbeits\{eu oder arbeitsunfähig ijt, nur hingewiesen mit Bezugnahme auf die früher wiederholt geforderte geseßliche Regelung der Frage. Sobald es sich darum handelt, praktis festzu- stellen, ob jemand arbeitswillig ist oder niht, ist die Sache sehr ein- fa. Es gibt sehr viele Wege. Jch habe in früheren Jahren meines Lebens mit einem fkatholishen Geistlißhen auf dem