1911 / 79 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Personalveränderungen.

Königlich Preußische Armee.

Offiziere, Fähnriche usw. Berlin, 20. März. Strad>, charakteris. Major, kommandiert nah Württemberg, beim Stabe des Füs. Regts. Kaiser Franz Joseph von Oesterreich, König von Ungarn (4. Königl. Württemberg.) Nr. 122, zum überzähl. Major befördert. Laner, Hauptm. in der 4. Ingen. Insp., zur Vertretung eines er- frankten Lebrers zur Kriegsshule in Mey kommandiert. b. Zepelin, Oberlt. im Inf. Regt. Graf Bose (1. Thüring.) Nr. 31, în dem Kommando zum Seminar für orientalische Sprachen bis zum 31. Juli 1911 belassen. Mehmed Halid Mehmed, L. à la suite der Armee, in seinem Kommando zur Dienstleistung vom Fußart. Negt. Ende (Magdeburg.) Nr. 4 zum Fußart. Regt. von Linger (Osipreuß.) Nr. 1, dessen Uniform er anzulegen hat, übergetreten. h

Kiel, 21. März. v. Roeder, Hauptm. und Komp. Cbef im 1. Gardereat. z. F, zum Kommandeur der Leibkomp. dieses Negts.

ernannt. . E Venedig, 27. März. v. Asmuth, Oberst und Brigadier der 9. Gend. Brig., der Abschied mit der geseßlichen Pension und der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Inf. Regts. Fürst Leopold von Ankbalt-Dessau (1. Magdeburg.) Nr. 26 bewilligt. v. Schu>- mann, Hauptm. im Holstein. Feldart. Regt. Nr. 24, in das Feldart. Regt. General-Feldzeugmeister (2. Brandenburg.) Nr. 18 verseßt. Hör stke, Königl. Württemberg. Oberlt. im Fü]. Regt. Kaiser Franz Sosevph von Oesterrei, König von Ungarn (4. Württemberg.) Nr. 122, vom 1. April 1911 ab- auf ein Jahr nah Preußen kom- mandiert, der Gewehrfabrik in Spandau zur Dienstleistung überwiesen. v. Knoblo<, Lt. im 2. Ermländ. Inf. Regt. Nr. 151, der Abschied bewilliat. v. Studniß, U. im Leibkür. Regt. Großer Kurfurit (Sébles.) Nr. 1, v. Scharfenberg, L. im Hus. Regt. Landgraf Friedrich II. von Hefsen-H g (2. Kurbefs.) Nr. 14, in das Gardekür. Regt. verseßt. ogge, L. der Landw. a. D., früher im Inf. Regt. Graf S<hwerin (3. Pomm.) Nr. 14, der Charafter als Oberlt. verliehen. s

Achilleion, Korfu, 29. März. v. Sucro, Gen. Major ¿. D., zulegt Kommandeur der 19. Inf. Brig., der Charakter als Gen. Lt. verlieben.

Beamte der Militärverwaltung.

Dur Verfügung des Kriegsministeriums. 18. März. Dr. S<(ult, Oberintend. Rat von der Intend. des XVIII, zu der des III. Armeekorps, Schneider, Heller, Wollert, Intend. Näte von den Intend. des VII., IV. und XVI. Armeekorps zu denen des Gardekorvs, XVIII. und IV. Armeeftorps, Hillmann, Intend. AßeFfor von der Intend. des Gardekorps als Vorstand zu der Intend. der 39. Div., diese zum 1. Juli 1911, Meyer (Kurt), Negie- rungsbaumeister, tehnis<er Hilféarbeiter bei der Intend. V. Armee- forvs, als Vorstand zum Militärbauamt 11 in Thorn, verseßt. Kosie, Proviantmstr., Vorstand der Armeekonservenfabrik in Mainz, zum Proviantamtsdirektor ernannt. Paszek, Lazarettinsp. und Kasenvorstand in Rosto>, auf seinen Antrag mit Pension in den Ruhestand verseßt. O .

99. März. Diekmann, Geheimer Kanzleisekretär, Geheimer insy. auf Probe beim Kriegsministerium, der Titel „Geheimer iinspektor“ verliehen. ur< Verfügung des & lkommandos. S{wein-

2

blmsir., vom TI. . Bat. Inf. Regts. Graf Dönhoff

Lles A

15.) Nr. 44 verset

Königlich Bayerische Armee.

München, 28. März. Im Namen Seiner Majestät Königs. Seine Königliche HoheitPrinz Luitpold, des nigrei<hs Bayern Verweser, haben Sich bewogen gefunden,

adbstehende Personalveränderungen Allergnädigst zu verfügen: a. bei den Offizieren und Fähnrichen : im aktiven Heere: am 1. d. M. den Oberlt. Be>e r des 2. Fußart. Regts. vom 15. März d. I. ab unter Enthebung vom Kommando zur Königl. preuß. militär- technischen Akademie zur Königl. preuß. Art. Prüfungskommiision zu fommandieren; am 17. d. M. den Oberlt. Ritter v. Poschinger des 2. Schweren Reiterregts. Erzherzog Franz Ferdinand von Oester- reih-Este vom Kommando zur Dienstleistung beim 6. Chev. Regt. E Albre<t von Preußen zu entheben; am 26. d. M. dem Zeug- auvim. Schmitt des Art. Depots Augsburg den Abschied mit der gesetlihen Pension zu bewilligen unter Ertei ung der Erlaubnis zum Forttragen der bisberigen Uniform mit den für Verabschiedete vor- eiriebenen Abzeichen; den Oberlt. Kolb des 20. Inf. Regts. Prinz uvvre{t, Adjutanten beim Bezirkskommando Dillingen, als Infp. Offizier zur Kriegsschule zu kommandieren ; mit der geseßlihen Penfion i riellen: die Gen. Majore Käuffer, Kommaydeur der Brig., und Kießling, Kommandeur der 8s. Inf. Brig., in Genebmigung ibrer Abschiedsgesuche, dann mit der Erlaubnis orttragen der bisherigen Uniform mit den bestimmungêmäßigen bzeihen den Obersten Frhrn. v. Pfetten-Arnb ah, Kommandeur

p 9 Cbev. Reats. Taris, den Oberitlt. Held, Kommandeur des 9. Feld- .Reagte., die Majore Mayr, Bats. Kommandeur im 5.Inf.Regt.Groß- : Ernst Ludwig von Heffen, und Rupprecht beim Stabe des ev. Reats.; zu ernennen: zum Kommandeur der 4. Inf. Brig. ersten Ipfelkofer (1), Kommandeur -des 17. Inf. Regts. ‘ommandeur der 8. Inf. Brig. den Obersten eler (3), des 4. Inf. Regts. König Wilbelm von : Beförderung zu Gen. Majoren, zum Kom 9 König Wilhelm von Württemberg cmmandeur des 1. Sägerbats. Prinz Ludwig, zu - : A

r G

Q ls 4

ora 2

ry 2 d =

S8

M E

Tw T

Sv

Inf. Regts. Orff den Oberstleutnant Wel 33. Infanterieregiments unter Beförderung

zum Kommandeur des 2. Chev. Regts. Taxis

ler beim Stabe des 5. Chev. Regts. Erzherzog Fri , zum Kommandeur des 9. Feldart. Regts. | mmandeur im 10. Feldart. Regat.,

s. Prinz Ludwig den Oberstlt. Weiß

» S +4 L b A V

;

M, o Sa S qud p

es

4 en T ry

e ry Lw] ri r

D e L. (

n

720M T s A

1 w %

2 ce A Ti

bid rhat Li

î Fs 4

g O Q 2 B Yaots t

Y ‘s

ey

im 11. Inf. Regt. von der Tann, zu Majore d’Alleux, Rotblauf, beide beim & roßberzog Ernît Ludwig von Hessen, und des 11. Inf. Negts. von der Tann, sämtli

Abteil. Kommanteur im 10. Feldart. beim Stabe des 6. Feldart. : Bourbon, Herzog von Calabrien, eute Conrad des 3. Inf. Regts. Prinz d des 9. Inf. Negts. Wrede, beide in enteilen, * er des 23. Inf. Negts. im 13. Inf. Negt. Franz Ioseph I., Kaiser von Oesterreich und Apostolisher König von Ungarn, und Aldinger, Adjutanten bei der 8. Inf. Brig, im 14. Inf. Regt. Hartmann, zu Esfadr. Chefs den Rittm. Jun g, Regts. Adjutanten im 6. Chev. Regt. Prinz Albrecht von Preußen, in diejem Reat. und den Oberlt. Scheiblein des 3. Chev. Regts. Herzog arl Theodor, kommandiert als Insp. Offizier zur Kriegsschule, im 7. Ghev. Regt. Prinz Alfons unter Beförderung zum Rittmeister ohne atent, ¡um Battr. Chef im 6. Feldart. Regt. Prinz Ferdinand von Bourbon, Herzog von Salabrien , den Hauptm. Grafen v. Luxburg im Generalstabe I. Armeekorps, ¡um Adjutanten bei der 8. Inf. Brig. den Hauptm. v. Bomhard des Inf. Leibregts.; zu versezen: den Oberstlt. Kleemann, Bats. Kommandeur im 5. Inf. Regt. Großherzog Ernst Ludwig von Heffen, zum Stabe des 23. Inf. Regts., die Majore und Komp. Chefs Ritter Mert v. Quirnheim des 9. Inf. Regts. Wrede und Kra>hardt des 14. Inf. Regts. Hartmann, beide zum Stabe ihrer Truppenteile, und Edlen v. Krempvelb uber auf Emingen des 3. Inf. Regts. inz Karl von Bayern zum Stabe des 11. Inf. Regts. von der . den Major Hanemann, Eskadr. Chef im 7. Chev. Regt. Brinz Alfons, zum Stabe des 8. Chev. Regts., die Hauptleute Prager von der Zentralstelle des Generalstabes zum Generalstabe I. Armee- korvs und Frhen. v. Re>, Battr. Chef im 6. Feldart. i Prinz

ia Cy

(

M tee S

8

16 C6

r. —O

zum Stabe des unter Beförderun

tleute Beienz von ten abrik und Scherrer

äs Institute als überzäbli fördern: zum Gen. der 3. Feldart. B

im 1. Ulan. Regt. Ka carakterisierèn : Rittm. den

5. Chev. Regis. Erzherzog Major ohne Patent, ätten als überzählig Iverfabrifk zum

a<henba<her von der Insp. der Werkstätten; zu be- bersten Täubler, Kom

oshinger v. Frauenau, er Wilbelm 11., König von Preußen; zu bersten z. D. Kern, als à la suite

Albre<t von Friedrih von

Se h

Major den O ehteren-Limpur

beurlauben : die Fähnriche des 6. Chev. Regts. ierl-Deronc o des 9. Feldart.

eren: im aktiven Heere: am 26. d. M. [ des 13. Inf. Regts. Franz Joseph I.,

ostolisher König von Ungarn, zum

fördern; zu ver]eßen: den Stabsar; Cbev. Reat. zum 15. Inf. Regt. König berarzt Dr. Emerih vom hev. Regt. und den Assist. t. König Friedrich August von Sachsen

berlt. Grafen v. R der Armee: zur Dip. zu stellen: bauer, Lukinger, <ner des 2. Inf. rinz Albre<t von Preußen und H

Bezzel; zur R i ts. Kronprinz, Kaiser

en Sanitätsoffizi den Unterarzt Dr. Holzapfe Kaiser von Oesterrei< und Assist. Arzt in diesem Negt. z Dr. Aurnhammer vom 8. ust von Sachsen, d

Friedri<h Au E Prinz Lud

10. Inf. Regt. Arzt Meyer vom 1 zu „den Sanitätsoffizieren der

Deutscher Reichstag. 160. Sißung vom 31. März 1911, Mittags 12 Uhr. (Berit von Wolffs Telegraphishem Bureau.)

teht die Fortsesung der Spezial-

Auf der Tagesordnung |} s E x den Reichskanzler und

des Etats für Reichskanzlei.

Nach dem Abg. Rede in der gestrigen 8 Wort der Westarp (dkons.): Der unerwartete und un- Bassermann gegen die konservative Partei hrer Absicht. innerpolitishe Fragen nicht dem Abg. Bassermann,

Dr. Frank-Mannheim (Soz.), dessen Nummer d. Bl. mitgeteilt worden ift,

ergreift da Abg. Graf von erte Vorstoß des Abg. hat meine Freunde, ent zu erôrtern, bewogen, den ih zu mein elsaß-lotbringischen wie Bassermann un die die Tonservativ tei d warten können, daß die Herren si< ü die konservative Partei selbst darüber | vom Mittwochabend ist darin die Absichten un Ausdru> kommen, zu habe der von Hevdebrand im Vorstoß gegen den in der „Kreuzzeitung" ist darauf h gierungspartei in di au< etnmal eine eigene daß es der fonservativen Partei sönlichen Vorstoß vornehmen tifels geradezu in versöhnlicher es wünschenswert wäre, resse mehr erkannt und ‘ampfe würde dann unterbl Verständigun dieses Artikels und heute der . Frank, es wieder ih um einen persönli u ma<hen. Wir lehnen es bier ab, zugehen, wir werden sie später

mi< zu beauftragen, Bedauern ni<t hier sehe, zu antworten. Vorlage hebe i< nur bervor: Wenn Parteiführer, d Wiemer, zu den Absichten Stellung nehmen, so wird man wohl er- über das informieren, In der „Kreuzzeitung“ F ie wohl erkennen läßt, d Ansichten der konservativen Fraktion zum dem Gerede der Prefse Stellung genommen, Abgeordnetenhause einen persönlichen Diese Absicht ist

e Partei dabei verfolgt,

in einer Form, d

Reichskanzler nehmen wollen. durchaus überzeugend zurü>gewiesen worden; es : fonjservative Partei keine Re- dem Sinne ist, daß sie sich niht vorbehalten müsse, Ansicht gegen die Regierung zu haben, und absolut ferngelegen bat, einen per- Es ist am Schluß des Ar- Weise den Gegenparteien erklärt worden, wenn dieser Standpunkt der konser- uen e:

eiben, der $ würde nit jo die Abgg.

iesen worden, daß die

¿spißung im würde edler sein, aus den Augen verloren.

Bassermann und Wiemer g so dargestellt, als handle es solhe Handlungsweise ist nichts z auf die elsaß-lothringishe Vorlage ein in der Kommission und im Plenum behandeln, und dann w nen, daß es sih niht um einen persöôn- blie Ansichten gehandelt bat.

) Im Abgeordnetenb

und die noiwendige

Vorstoß. Gegen

am besten zum Ausdru> komr lichen Vorstoß, sondern netenhaus !) ie Vorlage, sondern tellungnahme der preußishen Regierung ser verfassungsmäßiges Recht. Zur Reichs- der Reichskanzler nah der „Reichsanzeiger“ wörtlih dem lebhaften Nachgeseht über die

bandelt es sich nicht um die allgemeine politishe Frage der im Bundesrat. D S zu nehmen, war 1 finanzreform stelle ih einmal fest, was s meinen Zeitung und dem gesagt hat: „Jh will mi< an Der eigentlide Kampf [längst ausgefochten. s Folge, und dieser Tatsache wird auf die Dauer nicht entzi liberalen Presse unter dem \{<öne „Gesunde Reichsfinanzen | er letzte Saß uer nit entziehen fôönnen“ eser Verbandlung will man .* So ist es wiedergegeben im , Berliner Tagsblatt“, in der „Täglihen Rundschau“ usw. Ich Lovalität dieser Prefse, daß sie diefen Sachverhalt I< bin niht in der glüd>lichen über die Finanzreform nit zu f baben fie hier zu vertreten, und die Regierung hat vollkommen allein über . Bassermann tausendmal G s immer wiederholt, werden un}ere

berausjpringen.

edergegeben worden ? itel „S8-Uhr-Abend- seine Folge“ „Dieser Tatsache wird fich auch das lautet dort folgender- < im Volke auf d Dauer nichts in den „Neuesten Nachrichten“,

prechen zu brauchen,

Durch die Art, wie tausendmal Wider- Berhandlungen nicht gefördert. antworten, damit im Volke nicht eine falihe Mei- Reichskanzler nannte diese Erörterungen ein das typishe Beispiel eines sem Kampfe auf-

n o R Uv

m

ry A4 Li

La)

è -_

r

Et

2) s r [s] E D O

mödte sagen, find das typ1 Position um Position ift in diesem K Das Gedächtnis im politischen Denken ist furz.

Be

& He

H e 2, co A S

a

r 2g

s cs C a v

immer davon widerhallte, daß es \si< nur um Papier- handle, und daß

au< nur annähernd Kampfes is aufgegeben worden, davon ist keine Rede mehr. mit der Finanzreform von 1906, die zum Teil beraler FJnitiative beruht, die damals bes{lofsenen Steuern, die 180 Millionen ein- sollten, bringen heute 110 Millionen; die 1909 beshlofsenen in den Etat mit */; ihres Betrages eingestellt worden, und ihr Ertrag erhebt sih im zweiten Jahre auf 80 ®/o, oder, wenn man die Gingänge des laufenden Etatsjahres berüdsihtigt, auf 84 %/; fann es einen besseren Beweis geben dafür, daß wir junde Finanzen haben ? unkte der Ginwirkun Steuerzahlers det von dieser Einwirkung sollte eine

A co

einfommen w Diese Position

(5)

ry

H

Allein der Vergleich (N führt den Gegen-

neuen Steuern find

ift von der Opposition

der neuen Steuern auf den Haushalt des ug angetreten worden. Was wurde nicht alles Allein die Erhöhung der Bier- teigerung des Haushaltsbudgets ¡ieben, die, ridtig umgere<hnet, das verblüffende Gr tägliß 40

behauptet !

bnis hatte, : _Bier ttrinkt. in ernsihaftes Blatt berg, Behauptung aufstellte. die düsteren Prophezeiungen über die Wirkung niemals blühte die Leucht- Ganz ebenso steht es mit der „Er- J 1 und Sche>steuer. der Finanzen des Reiches hat die aufsteigende wesentli<h mit veranlaßt, das an-

4 betreffende (Ruf : Fasching2zeitung !) dem Kreise Ebensowenig haben ih - der Leuchtmittelsteuer bewabrheitet ; mittelindustrie mehr als jeßt. des Verkehrs durh

Konjunktur der Industrie gan

delsteil, genötigt gesehen. Zwei Positionen wollte der Abg. Basser- Dane no halten. Zunächst die L für das Brennerei- ewerbe. Dieses Gewerbe hat allein s{<were Cinbuße dur< die Finanzreform erlitten. Ein fo Politiker wie der Abg. ermann sollte do< ændli< aufhôren, mit dem Schlagwort „Liebesgabe“ zu arbeiten; es delt sih do bloß um eine Kon- tingentierung, um eine Abgabe auf das ecberfontingent, die ni<t den Großen, sondern den Kleinen zugute kommt. Wegen dieser Liebesgabe soll der Blo> von uns verraten worden sein. Haben wir nit von Anfang an das Monopol bewilligen wollen? Wozu die immer- währende Wiederholung jener falschen Darstellung? Endlich die Besteuerung des Erbteiles der Witwen und der Kinder! Es ist eine ganz unerhörte Darstellung, mit der im Lande immer no< geen wird, als wenn die als besonders unpopulär bingestellten Steuern hätten auferlegt werden müssen, weil die die Erbschaftssteuer ni<t wollten. Es handelte si< um anze 55 Millionen. Es mußte Ersaß für das a elehnte Monopol und für die abgelehnie 9 achläßsteuer geschaffen werden, und der wurde dur< die Talonsteuer geschaffen. Das sind alles Tatsahen; man geniert sih ja förmlich, “fie immer und immer wiederholen zu müssen. (Großer Lärm links; _ ; Ledebour: Man sollte sih genieren, so etwas zu machen! Prôfident Graf Schwerin ersuht, die Unterbrehungen zu unterlassen.) War denn die Erbschaftsfteuer na< der Meinung der National- liberalen wirkli so sozial ? Der Abg. Paasche sagie damals, au feine Freunde hâtten Bedenken gegen die Nachlaßiteuer, sie würde in ländlichen Kreisen eine große Erbitterung hervorrufen ; der Familiensinn würde dadur< gestört werden. Er hat sih da- mit ein Argument zu eigen gemaht, das uns sehr war, und wegen dessen man uns so läherli< gemacht hat. Der Abg. Weber führte aus, daß Ehefrauen und Kinder wohl kaum als lahende Erben anzusehen seien. In vielen Betrieben auf dem und im Gewerbe pflegen die Kinder und au< die Frauen am Ver- mögen mitzuarbeiten. Schon am 4. Februar 1909 erflärte der Abg. Weber fh gegen die Steuer, weil seine Freunde eine Steuer- rieherei befürcteten. Am 9. Februar carafterisierte der Abg. Paasche die Erbschaftssteuer. (Lebhafte Zurufe lints: Nachlaßsteuer !) Das is ja dasselbe in ähnlihem Sinne; im April aber fam ein plößlicher Witterungsumschlag. Im leßten Frühjahr haben die Nationalliberalen der Wertzuwachssteuer zugestimmt, also dem Etsatz, den wir von vornherein vorges<lagen hatten. Was bedeutet der soziale Charakter der Erbschastssteuer? Das Wort „sozial“ ijt ja ein s<ônes Wort. Aber ih frage, ob es für den sozialen Frieden von besonderem Werte ist, wenn im Anschluß an die Finanzresorm eine Agitation entfesselt wird, die alle Stände gegeneinander ausf- hetßt, den kleinen Landwirt gegen den großen , die Industrie gegen die Landwirtshaft. Ih halte eine solche Agitation nicht für sozial. Der Finanznot mußte ein Ende gemaht werden, selbst auf die Gefahr bin, daß einzelne Fehler gema<ht würden. Non den Nationalliberalen kann man tagen: licber nit diese Mil- lionen bewilligen, wenn dabei das Parteiintere}}e der National- liberalen leidet. (Æbkhafter Widerspruch bei den Nationalliberalen.) Zwischen den Nationalliberalen und dem Frein _besteht allerdings ein Unterschied. Dieser wollte Kompensationen für seine Bewilligung und mate seine Zustimmung von der Er- füllung gewisser Wünsche abhängig. Die Nationalliberalen haben diese Bedingungen nicht gestellt, aber später diese Forderungen, wie die Ministerverantwortlihkeit, das Interpellationsreht usw., mit vertreten. Es gehört niht viel poriaE Klugheit dazu, die Un- beliebtheit der Steuern auszunußen. Aber wer das tut, kommt [lie auf eine shiefe Ebene. J< kann nicht umhin, auf den Raubzug zurü>zukommen, von dem der Abg. Bassermann gesprochen baben soll. (Der Reichskanzler Dr. von Bet mannHollweg erscheint am Bundescratstis(e.) Indem anhaltischen Landtag hat der Abg. Leonhard diesen Ausdru> zitiert ; wir find es also nicht allein, die es geglaubt baben. Wenn nun das am grünen . olz geschieht, was wird erst E im Lande ges{hehen! Das offizielle Parteiorgan, die „Nationalliberale Correspondenz“, shrieb : „Die konservative Partei ist weiter ni<is mehr als eine na>te, abstoßende, banausishe ÎInteressenvertretung“, sie schrieb von jefuitisher Unverfrorenbeit, don politischer Unehrlichkeit, von politischer Unfauberkeit usw. Kann man s\i< da wundern über den Ton, der draußen im Lande von Agitatoren und Wanderrednern aänges{lagen wird? Gbenso {rieb die Masurishe Volkszeitung, ein nationalliberales Organ, über die Bündler und die Konservativen. Diese Beispiele werden genügen; Material babe i< nc< genug. Der national- liberale Parteisekretär in Ostpreußen schrieb, alles, was no<h auf Ebrlichkeit und Sauberkeit bält, wendet si ab von den Kon- servativen. Das Gemeinsame in diesen Ersheinungen von dem „Beute- zug“ an bis’ zu den Aeußerungen der Wanderredner ift, daß die Herren sh unfähig zeigen, dem politishen Gegner die Ehrlichkeit der Ueberzeugung und den Anstand zuzugestehen, und dagegen pro- testiere i< mit allergrößter Entschiedenheit. Im_ preußischen Ab- geordnetenhause wurde der Vorwurf erboben, daß diese Art der Agitation nur geeignet sein kann, das Waßer, das hie uns und sich abgraben, auf die Mühlen der Sozialdemokraten zu treiben, und diesen Vorwurf gegen die Nationalliberalen wiederhole ih bier. Es sind dieselben Argumente, die gegen uns ange- wendet werden, wie fie gegen den Zolltarif, gegen den Schu der nationalen Arbeit angewendet werden. Damit verlasse ih die Finanzreform und gebe zu dem über, was der Abg. Bassermann in seinen programmatishen Erflärungen zu sagen unterlafsen bat. Kein Wort hat er gestern über die Stellung seiner Partei zur Sozial- demokratie gesagt. Für uns und die Konservativen im Lande ift die Frage der Stellung gegenüber der Sozialdemokratie die beberrschende Frage des nächsten Wahlkampfes. In \c<ärfster Weise hat es die Sozialdemokratie ausgesprochen, daß fie den Umsturz erstrebt, daß sie das Deutshe Reih zur Republik machen will. Die Sozialdemokratie trägt die moralishe Verantwortung für die Moabiter Erzesse und kann sie niht von sih abshütteln. (Stürmische Unterbre<ungen und andauernder Lärm links.) Damit steh im Zusammenhang die Frage, wie das Verhalten der Konservativen bei den künftigen Wahlen, insbesondere bei den Stichwahlen sein wird. Der Abg. Wiemer meinte, au< in unseren Reiben säßen Herren die mit sozialdemekratisher Hilfe gewählt wären, die Abgg. von Byern, Hufnagel, von Bolko und Feldmann. Es hat da dig Sade ganz anders gelegen. Wenn sih Sozialdemokraten entschließen sollten, bei den Stihwablen einen Konservativen zu wählen, miy versönli< würde das nicht lieb sein. Die Abgg. von Byern und Hufnagel baben nichts dazu getan. Etwas anders liegt es bei den beiden ander Herren, die traten neu in die Fraktion ein ; die Parteileitung bat ein solche! Nerbalten nit gebilligt. Aber was hat die Fortschrittliche Volks partei in letzter Zeit getan? Jh nenne Friedberg-Büdingen; d sind alle liberalen Männer aufgefordert worden, für den Kandidate der Sozialdemokratie, Busold, einzutreten; ih nenne Usedom Wollin und Gießen, überall offizielle Stellungnahme der fortschritt lichen Parteiorgene für die äußerste Linke. Bei den National liberalen sind solhe offiziellen Aufrufe bisher niht ergangen, wi ih anerkenne. (Widerspru< im Zentrum. Rufe : Baden!) Unser Baoe, bält an ihrer bisherigen Haltung in diesen Fragen fe ir steben auf dem Standpunkt, daß es für uns absolut unmögli: ist, einen Sozialdemokraten zu unterstüßen; wir bekämpfen vielmehr. Machen Sie es unseren Wählern ni<ht unmögliä an diesem Grundsaße festzuhalten, das wäre do< gewisser lose Verbezung . - . (Präsident: Ih nehme an, daß Sie dies Ausdru> ni<ht auf Mitglieder des Hauses beziehen!) Ich neh diesen Auêdru> zurück. r die Sozialdemokraten unterstüßt us sih mit ibnen verbindet, bei dem fann mar einen Untershid zwischen ihm und der Sozialdemokratie niht erkennen. Ich habe eis Kampfrede balten müssen, aber ih habe nicht vergessen, welche groß p PeTecihes Aufgaben uns bevorstehen. Die Arbeit2geme haît hat uns bei der Arbeit eruagöorenung mit den Nation liberalen zusammengeführt. Ich kann au< für uns in Anspro

aat von Bourbon, Herzog von Calabrien, zum Stabe dieses ats., den Rittm. Buhl, CGeékadr. Chef im 6. Chev. Regt. Prinz

z¡uerfennen hat \sih sogar das Berliner Tageblatt, natürlich in seinem

nehmen, ves wir diesen Kampf nicht gewollt haben. Wir sind 1 dur die Reden der Abgg. Bassermann und Wiemer zum Kam}

gezwungen worden. Wenn wir das Gefühl haben, daß man uns un- gere<t in der Sache und verleßend in der Form angreift, so müssen wir urs dagegen wehren und das Volk aufflären. Aus diesem Pflichtgefühl führen wir den Kampf mit der Siegeszuversicht, die uns das gute Gewissen gibt. l ;

Abg. Fürst Ln Ds feldt (Rp.): Der Reichskanzler hat es ab- elehnt, seinerseits E, in der AVr E ngtirone zu machen. n der Sache sind wir alle niht so verschiedener Meinung. Der

‘Reichskanzler sieht die Frage mehr vom realen Gesichtspunkt aus. Fn der auëwärtigen Politik wird man nur dann Erfolg haben, wenn man fih auf einen realen, i< mê<hte sagen nüchternen Standpunkt D: Wir teilen deshalb den Standpunft des Reichskanzlers und

zu ihm volles Vertrauen. Von einer Einkreisungspolitik ist überbaupt feine Rede. Ich hätte mih heute niht zum Wort gemeldet, wern mih<h ni<t der Abg. Bassermann dur< seine Angriffe gegen die Reichsfinanzreform dazu gezwungen hätte. Wir waren ja nicht besondere Freunde dieser Reform, aber tragen die Verantwortung mit für die Art und Weise, wie fie zu stande gekommen ist. Ich habe damals darauf hingewiesen, daß au< wir gewünscht hätten, daß fie in anderer Weise zu stande gekommen wäre. Der Fehler war der, ‘daß man den liberalen Parteien ermöglihte, den Kopf wieder aus der Schlinge zu ziehen. Wir bedauern diesen Riß, und unserseits foll nihts geshehen, um neues Oel ins Feuer zu gießen. Wir würden es lebhaft begrüßen, wenn dieser Riß mit der Zeit wieder vers<wände, denn die bürgerlichen Parteien haben anderes zu tun, als fih berumzustreiten. Aber wenn man sagt, die Finanzreform sei jo \{le<ht gewesen, daß man sie nicht hâtte mitmachen wollen, o widerspriht das do< den Tatsachen. Die naticnalliberale Partei bat sih do< erst später zur Erbschaftssteuer bekannt als die Reichspartei. Die gute Folge der Finanzreform für die In- dustrie, der langsame, aber stetige Aufshwung der Industrie ist au< von Handelékammern bestätigt worden, und die Spareinlagen mit 15 bis 16 Milliarden find ein deutlicher Beweis, daß die neue Wirtschaftspolitifk aub dem deutschen Arbeiter vorteilhaft ift. Das Anerkenntnis, daß die nationalliberale Partei in allen nationalen Fragen nie eres habe, wird ihr niemand absprechen, aber um unsere nationalen Aufgaben erfüllen zu fönnen, brauchen wir au gute Finanzen; ih erinnere an das Wort: Machen Sie gute Finanzen, dann machen wir gute Politik. Wir können unsere Militär- und Marinelasten ni<t tragen, wenn wir ni<ht gute Finanzen haben. Darum war die Schaffung der Finanzreform, an der wir mitgeholfen haben, die Vorausseßung für - die Erfüllung aller nationalen Aufgaben. An die neue Reichsversicherungs8- ordnung, deren Zustandekommen no< in dieser Session meine Freunde lebhaft wünschen, und die 200 Millionen Mehrkosten ver- ursacht, können Sie nicht denken, wenn Sie niht für gute Finanzen forgen. Darum kann nur derjenige \fih rühmen, - eine nationale Politik zu treiben, der die Vorbedingung dafür geschaffen hat. Meine Freunde werden es sih stets zur Ghre anre<nen, und in der Ge- schichte der Partei wird dies ein Ehrendenkmal sein, daß sie wesent- Tih mitgewirkt hat an dem Zustandekommen der Kinanzreform, wenn au< das Zustandekommen nicht allen unseren Wünschen ent- sprah. Meine Freunde werden im Kampf der Leidenschaften stets ihre vornehmste Aufgabe sein lzssen, über die Partei das Wokl der Gesamtheit zu stellen.

Abg. Fuhrmann (nl.): Graf Westarp nannte die gestrige Rede meines Freundes Bassermann unmotiviert, aber meine Freunde haben bier wie im Abgeordnetenhaus ibre Redner immer mit de.-. Auftrag auf die Tribüne gesendet, keine Kriegsrede gegen die Konservativen zu balten. Auch mein Freund Lebmann im Abgeordnetenhause hat eine Friedensrede ge- balten, aber der Abg. von Bieberstein erwiderte mit einer Angriffsrede. Wenn mein Freund Schiffer darauf antwortete, dann aber der Abg. von Heydebrand gegen uns shwere und verlezende Angriffe richtete, so war es unsere Pflicht, hier darauf die Antwert zu geben. Graf Westarp wie der Abg. von Heydebrand haben uns vorgeworfen, wir seien unfäbig gewesen, die große patriotishe Tat der Finanzreform mitzumachen, und wir bâtten jeßt eine Position nah der anderen, die wir im Kampfe um die Finanzreform eingenommen hätten, geräumt. Wir baben nie geleugnet, daß die Finanzen aufgebefsert worden find, aber wir leugnen, daß das als Erfolg anzusehen sei, daß die Wirkung der Reform im Lande segensreih gewesen sei. Wir sollen zunä<hst eine Position geräumt haben, indem wir die Behauptung niht mehr aufre<t erbielten , daß das Geld ni<t eingekommen sei. Graf Westarp gab aber selbst zu, daß dies nit geschehen sei. Die Wertzuwachssteuer ist niht dur neue Bedürfnisse hervorgerufen worden, sondern ftand {on vor drei Jahren im Programm des Schaßsekretärs. Dafür sollte der Umsaßstempel abgebrödelt werden. Wo ist das geschehen ? Weiter sollen wir eine Position geräumt haben, indem wir ni<ht mehr behaupteten, daß die Finanzreform auf den Haushalt des einzelnen ruinös gewirkt habe. Graf Westarp meinte dabei, daß die Rede des Abg. Bassermann das Niveau des| Reichstags erniedrigt habe. Die Rede des Grafen Westarp war ganz gewiß nicht geeignet, das Niveau zu heben. Wir haben jene Bebauptung niemals aufgestellt. Ferner sollen wir die Position ni<t mehr halten, daß die Finanzreform auf Handel, Gewerbe und Industrie cuinòs wirke. Fragen Sie doch die Tabakindustrie, die Zündholzindustrie ! Die kleinen und mittleren Betriebe sind zu Gunsten einer Kon- zentration der Großbetriebe ruiniert worden; es ist so gekommen, wie wir vorau8gesagt haben. Der Abg. Pauli-Potsdam hat gesagt, es sei ganz re<t, daß der Sche>verkehr im Mittelstande aufgebört babe. Ein Vertreter des Mittelstandes bezeichnet das also als ein Glü! Gerade der Mittelstand leidet unter der Finanzreform am meisten. Die Spiritus8zentrale hat fi<h dur - das Branntweinsteuergeseß auf Kosten der Kleinbändler zum Privatmonopol ausgestaltet. Jst das mittelstandéfreundlih? Graf Kaniß findet Worte genug gegen Kartelle und Monopole, aber seine eigene Partei s<haît hier ein Privatmonopol, das den Mittelstand \{<werer bedrüd>t als irgend ein Staatsmonopol. Die Berichte der Genofsenschaftsbrennereien beweisen, daß nc< niemals so viel verdient ist wie in diesem Jahre. Ist etwa die geseßlide Festlegung des Brennrehts eine patriotishe Tat zu nennen? Bezüglich der Erbschaftssteuer machte Graf Westarp dem Abg. Bassermann Vorwürfe und zitierte zum Beweise die „Vossishe Zeitung®, worin einmal den Leuten gesagt war: Ihr habt Zündbolzsteuer und andere Steueren zu zablen, weil die Reichen die Erbschaftssteuer niht bezahlen wollen. Sollea wir verantworten, was in einem uns fremden Blatt gestanden t Können Sie uns aus unserer ganzen Agitation, aus unseren

eden in diesem Hause und auf unserem Parteitag irgendeinen be- re<htigten Vorwurf nach diefer Richtung machen? Dann hätten Sie do< wohl in den Archiven des Bundes der Landwirte irgendeinen lebendigen Nationalliberalen finden müssen, der das gesagt bâtte. Be- ¿üglih der Wertzuwachësteuer als Ersayes der Erbschaftssteuer er- innere ih daran, daß die konservative N in der damaligen Finanz- kommission eine Mehrheit gesu<ht hat, wo sie sie finden konnte. Konservative und Zentrum brahten in der Kommission die Brannt- weinsteuer zu stande, und dann kam einige Tage später der konser- vative Antrag, unterzeichnet vom Grafen Schwerin-Löwißz für eine Wertzuwachssteuer. Ueber diese äußerte der Abg. von Oldenburg in der Sitzung der Landwirtschaftskammervorstände în Charlottenburg, die Wertzuwachssteuer hätte für ihn dazu gedient, der Erbschafts- euer das Geni> zu bre<en, weil eine direkte Steuer im Reich der Anfang zur Vermögenskonfiskation sei. Es ist also mit uns und dem ganzen Volke in der Finanzkommission ein Spiel ge- trieben worden, indem die Herren \o_ taten, als ob es ihnen mit der Wertzuwachssteuer Ernst sei. Für uns kam es bei der Reform gar nicht so sehr darauf an, wie viel dur eine all- emeine Vermögenssteuer bätte eingebraht werden können, die wir antragt hatten, die aber von den Konservativen niedergestimmt wurde, sondern migen für uns war der Gesichtspunkt, daß, wenn wir die rmsten im Lande mit neuen indirekten Steuern belasten müßten, auch aue Besitende an seinem Teil sein Scherflein auf dem Altar des terlandes nieder- legen müsse. Wir waren bereit, auf das mobile Kapital eine ondersteuer zu legen. Graf Westarp meint, wahrsheinli<h um das

Niveau dcs Reichstags zu heben, die nationalliberale Partei hätte Len Grundsaß gehabt: lieber nichts zu bewilligen, wenn nur das national- liberale Parteiinteresse gewahrt werde. Der Abg. von Hevdebrand verwahrte sh im Abgeordnetenhaus dagegen, daß ihm fals<e Motive untergeshoben würden. Wenn wir aber erklärt haben, daß wir aus sozialen, ethishen und patriotishen Motiven die Finanzreform ab- elehnt haben, so verwahren wir yns gegen die Unterschiebung jenes Motivs. Der Abg. von Heydebrand meinte, in bezug auf eine Verbindung mit der Sozialdemokratie, daß wir nit basenrein seien. Bei einem großen nationalen Werk, dem Bürgerlichen Gesezbu<h, wollten aber die Konservativen versagen, wenn fie nicht annehmbare Bestimmungen über den Hasenschaden erhielten. Daß wir eine unnationale Haltung einzunehmen anfangen dur die Verbindung mit der Sozialdemokratie, diesen Vorwurf glauben wir nicht zu verdienen. Wir haben in Landsberg-Soldin den Konservativen das Mandat gerettet; wir haben in Friedberg-Büdingen die unzwei- deutige Parole für den Konservativen ausgegeben. (Dört, bört ! bei den Sozialdemokraten.) . . . Jawohl, das können Sie jeden Tag von mir hôren —, wir haben den Konservativen in Gießen zum Siege ver- holfen. Aber Herr von Köller, Herr von Wangenheim, Sie wollen sich das Eintreten für einen Nationalliberalen in der Stihwabl dur<haus vor- behalten, Sie wollen \si<h den Kandidaten und feine Person erst anz genau ansehen. Wie aber fann das Zentrum nc< im s{warz- sauen Blo> sißen, wenn die Konservativen die Sozialdemokratie als Wahblhilfe so absolut perhorreszieren? Das Zentrum hat in Bayern mit der Sozialdemokratie paktiert, es bat si stets und ständig mit Sozialdemokraten eingelassen den badischen Großblo> hat der nationalliberale Parteivorstand nit gebilligt. Nun foll das Zentrum sih seit dem Eintritt in den \{hwarz-blauen Blo> geändert haben. Das stimmt nit; die doppelte Buchführung, die uns vor- geworfen wird, dürfte mit mehr Recht auf das Zentrum angewendet werden. Das Wort meines Freundes Paasche, daß es im Westen Möaglichkeiten geben könne, wo auch die Nationalliberalen an ein Zusammengehen mit Sozialdemokraten denken könnten, um Klarheit zu schaffen, besteht deshalb do< durchaus zu Net. Wir halten unsere Partei für eine politishe Notwendigkeit und gedenken das bei den Wablen au< zu beweisen; wir ziehen in den Wahlkampf au< gegen die Sozialdemokratie jedenfalls mit einem besseren Gewissen als die Konservativen. Graf Westarp wollte gütig]st Akt nehmen davon, daß der Abg. Bassermann nur von einem“ Beutezug und niht von einem Raubzug, und auh ni<t von der ganzen Reichsfinanzreform, sondern nur von der Liebeëgabe der Brenner gesprochen habe. Diese Richtig- stellung ift \<on vor Jahresfrist erfolgt; denno< bat der Abg. von Heydebrand jene falsche Behauptung no< in den leßten Tage wiederholt. (Der Redner verliest den Wortlaut der Aeußerung Abg. Bassermann aus dem stenographis<hen Bericht.) Und der Abg. v. Dirksen hat no< im vorigen Sommer erklärt, seine Freunde müßten aufs tieste bedauern, daß es nit gelungen sei, bei der Branntweinsteuer der Ueberspannung der Sonderinteressen Einhalt zu tun. Cs feblt uns das parlamentarishe Wort für die Verleumdung, die gegen uns immer wieder ausgestreut wird, daß wir bei der land- virtihaftliben Schußzollpolitik unsichere Kantonisten * seien, nachdem wir zum abertausendîten Male offiziell erflärt baben, daß wir daran festhalten. Es wird uns das- Zusammengehen mit der Unken vor- gehalten. Glaubt der Abg. von Hevdebrand, indem er den Pakt mit

erung des

.dem Zentrum \{loß, das Palladium evangelisher Geisteéfreibeit , für

das er vor 2 Jahren so feurig eintrat, aufre<t erbalten zu fönnen? Die soziale Gerechtigkeit darf au< bei der Steuergesezgebung

niht verlegt werden. Das Zentrum von den politischen Geschäften aus\{hließen zu wollen, ist uns niemals eingefallen; wir wollen nur die Vorberrshaft einer einzelnen Partei nicht. Welches war der Sinn des Zusammengebens der Kon]ervativen und Liberalen? Es ist uns ni<t in den Siñn gekommen, damit eine liberale Aera zu inaugurieren. Fürst Bülow und wir gingen von ganz anderen Vorauésezungen aus. Unser Volk ift eingetreten in die große Reibe der Weltmächte, in die Weltpolitik. Dazu sollten

alle positiven Kräfte im Volke herangezogen werden. Es war ein

beflagen8werter. Zuskand, daß so wertvolle Teile wie au< die Freisinnigen ausgeschlossen waren von der Gesetzgebung. War das etwa ein Vorteil? War es damit ni<t besser unter dem früheren Blo>? Für die leßte Militärvorlage bat die ortshrittliche Volkspartei bis auf den leßten Mann gestimmt. Der Abg. von Hevdebrand hat im Abgeordnetenhaufe Preußens Vor- macht gefeiert. Da sollte er daran denken, daß ein s\üd-

deutsder Demokrat, von Payer, 1907 die preußishe Größe

und Macht gefeiert hat. Es ist gesagt worden, konservativ sein hieze erhalten, liberal sein zerstören. Das ift

ein unsinniges Wort. Der Liberalismus wirkt aufbauend. Ueber die elsässishe Frage wollte der Reichskanzler erst bei der zweiten Lesung der Vorlage sprehen. Ich bin der Meinung, daß der Schaden, den ein Scheitern der Vorlage bringen könnte, fo groß wäre, daß

ir ibr troß man<her Bedenken zustimmen wollen. Die Opfer

dürfen ni<ht auss{hließ;li<h Preußen zugemutet werden; wenn der preußishe Gedanke leidet, so leidet s<ließli< au< der deutsche. Wir hoffen, daß der Entwurf ein neues Band zwischen dem Elsaß und dem allgemeinen Vaterland s<{lingen wird. Wir unserseits haben Sondervorteile niht erstrebt. Die Patron abzulehnen, ist uns sehr {wer gefallen, so s{<wer, wie

daß wir positiv mitarbeiten wollen.

ei feiner anderen Vorlage. Wir werden au< ferner zeigen,

Abg. Dr. NRoesid>e (dkons.): Auch mir ist es ni<t angenehm,

beute bier \sprehen zu müfsen, {on aus einem rein äußerlihen Grunde. Aber die legte Rede zwingt mi dazu. Mit der Ablehnung der Finanzreform ist die nationalliberale Partei auf eine schiefe Bahn gekommen. Auch die Rede des Abg. Bassermann hat gezeigt, daß die Herren ih niht wohl fühlen. Wir haben vom Abg. Basser- mann eine Wahlrede und von dem Abg. Fuhrmann eine Leichenrede gehört. Waren denn die Nationalliberalen nicht bereit, die Tabak- steuer mitzubewilligen? Heute machen sie uns den Vorwurf, daß wir ni<t sozial gehandelt hätten. Die Nationalliberalen sagen, sie hätten eine Vermögenssteuer vorgeschlagen. Sie müßten doch wissen, daß eine Vermögenssteuer keine Annahme in diesem Hause finden würde. Sie s{lugen dann als Angstprodukt im legten Augen- bli> eine Dividendensteuer vor, indem fie damit in die Wahlen ziehen wollten. Gegen die Erb|chaftssteuer hat si< au<h der Abg. Naumann in München ausgesprochen, denn es würde dann auf diesem Gebiete kein Ende nehmen. Er hat damit bestätigt, was wir immer gesagt baben, Wir haben dafür andere Ersaßsteuern vorgeschlagen, vor allem wollten wir die Börsenfteuer; Sie haben sie ab- gelehnt, angebli< aus patriotishen Gründen. Ih habe niht ge- wußt, daß man aus Patriotismus eine Steuer ablebnt, die das Reich braucht. (Zurufe links: Erbschaftssteuer!) Wir haben dafür Ersaß vorgeshlagen. Wir haben die Erbichaftésteuer abgelehnt, weil sie keine allgemeine, sondern eine einseitig treffende Steuer ist. Der Abg. Bassermann hat uns Vertretern des Bundes der Landwirte vorgeworfen, daß wir bei den Konservativen fißen. Wo wollten wir wobl sißen, um es Jhnen ret zu tun? (Zuruf links: Dr. Heim !) Bei der nationalliberalen Partei haben Sie den Dr. Hahn nit behalten, weil er si< Ihren Meinungen nicht fügen wollte ; dem _Grafen Oriola, der Jahrzehnte bei Ihnen war, haben Sie den Stuhl vor die Tür geseßt, weil er wirtschaftspolitis< mit uns übereinstimmte; ebenso haben Sie den Abg. von Hevl hinausgetan, Sie haben nur Perren behalten, die si< Ihnen fügen. Hätten wir uns zum Zentrum gelegt, so hätten Sie (zu den Nationalliberalen) uns erst re<t an- gegriffen; wie heute die Situation liegt, kann es uns nur re<t sein, wenn Sie uns angreifen und verurteilen. Jh habe {hon vor meiner Wahl erklärt, welcher Partei ih angehören würde, wenn ih in den Reichstag käme. Und nun jollen wir die tonservative Partei umgewandelt haben! Ich glaube, die Nationalliberalen wissen nicht mehr

, was sie wollen. Der Abg. Bassermann führte

unter den angeblihen Bündlern, die gegen den Zolltarif von 1902 gestimmt hätten, au< den A . Roesite-Dessau auf; er hätte doh wissen können, daß dieser liberale Mann aus ganz anderen Gründen gegen den Zolltarif gestimmt hat. Die Abstimmung über den Zoll-

Das zeigt, daß die moderne Publizität und der unter den Nationen wirfsame Kontrollmaßregeln

tarif und über die Handelsverträge darf niht vermengt werden, denn bei den legteren dürfen wir im einzelnen befanntlih nichts ändern. Im Zolltarif wollten wir die landwirtiaftlichen Zölle gebunden haben, Sie (j en Nationalliberalen) haben uns daran indert! Si en die Bindung allein der inseiti: roß ß geschüßt. Die Bindung der Vi 5 Hopfen- 1 s au< den leinen

Handelsvertrag abgeschlo

\haftlihen Zölle die Kompensa

Industrie ist eben ganz besonders und einfseit

Wenn wir naher für die HandelSverträge g

\<ah es deshalb, weil sie befier ausgefallen waren,

fonnten, weil fie beffer waren als die frü

Verhältniffe haben s< anders gestaltet infol ?

fonjunftur, und davon sind nit sowohl die H êverträge die Ursache, als vielmehr eine Reibe anderer Maßnahmen, gerade wir und unsere politishen eunde b Z beif helfen. Was der Aba. Bassermann eigentli sagt hat, ist na< heißem Bemühen fe} „Beutezug“ muß es do< einen Plür geben; wie fteht es damit? Die Konstru do gerade dem mittleren und

auch die Nationalliberalen haben

für notwendig erflärt und

Meinung. us Rücksicht auf

schaft, zu der auch die Brennereît struktion, die dem Süden zu ÖOilf überdies der Abg. Bafsermann eine L

den Konsum nicht belastet ?

Gewinn der Einschränkung

Die Belastung L will denn der Abg. Fuhrmann den B Syndikaten gestattet ? Der Abg. Bafserr den Nationalliberalen Landwirtichaftsre deutihen Bauern haben für \ NVerständnis, fie wissen, daß eine Ÿ stüßt und t Bauernbund wirtschaftsfreun sein

Partei em Bauernbund : unter den Landwirten zerstören,

tollen 1nd Sonn 31 LCLLCTTT L URLTiil 5

aftsminister von Hammerstein bat Daß zwar die großen das wollen Sie ja, aber daß dann die kleinen mit dem Bau und allein Ihren Zwe> er if ie müßten sh also an für das Zentrum baben enen Reiben erboben. * eigentli< fein Bündnis {li \hrittweise Herabseßung der L Mer bat denn Bismar> am meif Die Nationalliberalen arbeiten ine Agitation, die die Ger der So ofraten (Ds

o (Ent _

Sozialdemoftraten er den Bund der nen wir das Vertrauen nicht zu den 2 landwirtschaftsfreundli villarishe Sicherheit, nigen oder mit den dern, dann müfsen wir Ihnen mik: zu einer nationalen Politik, indem Sie Die Parole der Zukunft ift Beibe politik. Mit Reden, wie fie fie können die Nationalliber wollen. Abg. Hauß Konservativen politische Lage. Erklärung des wird. - Man mu f n auswärtige Lage n Reichskanzler unterhalten er ‘ist ein gar seltener Gast i ] V es wie von dem Mädchen ibre Spur verloren, sobald Ueber die innere Politik bat der sondern nur mit einer unfreundlichen L der Abgg. Bassermann und Wiemer für die age als balb und halb lâftig zur Seite ge Erklärung zur auswärtigen Politik beschäftigt ga ersten Male hat ein leitender Minister in Eng

Nr t co t

02

für eine Anbahnung friedlicher Verhältnisse gesprochen, und es i Zweifel, daß der Dru> der öffentlihen Meinung in l dazu gedrängt hat. Und es wurde dabei auch an di Reichskanzlers vom 10. Dezember 1910 erinnert,

Regierungen wobl eine Annäherung wollten, daß

der öffentlichen Meinung sie no< davon abbalte.

ist, so ist es die Aufgabe eines lei S

lie Meinung dabin zu leiten, daß

Ießt aber hat der Reichskanzler i

r

es in einem englishen Blatte ein falter Wintersturm. Es war eine Stufe weiter zu führen, wenn in

ie Annäherung der öffentliben Meinung

Statt dessen fordert der Reichskanzler die öfentlide Meinung sich nicht auf diese Bahnen zu begeben. Der Reichskanzler sagt, habe für die Abrüstung keine Formel und fei

darauf teilt er aber mit, daß die deutsche

Nachrichten über bevorstehende Neurüstungen

V

r

Die Rüftungsbudgets aller Staaten find do< bekannt, un Fönnte man auch die gesuchte Formel s{liesen. Wo ein

ist au< ein Weg. Darum wäre es erwünscht gewesen, Reichskanzler uns niht die allbekannten Gründe der ( keiten vorgetragen bâtte; denn das weiß do< der englische Minister genau so gut wie unser Reichskanzler. Nun hat wieder die öôffentlide Meinung im Ausland den erwünschten Vorwand, zu sagen, daß alle Fortschritte auf diesem Ge- biete an dem Widerstand Deutschlands gescheitert seien. Das belastet Deutshland mit einem Odium, man wird mit Fingern auf uns weisen. Der „Figaro“ schreibt heute morgen von dem Retchskanzler, daß sein Wesen no< düsterer, no< nacdenklicher er- scheine, als seine Sprahe. Das ift die Silhouette unseres Reichs- fanzlers in anderen Ländern, aber England erscheint als das Land, das die Hand bietet, die Deutschland zurü>weist. Carnegie hat ein- mal gesagt: „In eines Mannes Hand liegen die Möglichkeiten, den aeben der Welt zu geben, und das ist das Oberhaupt in Deutsh- and.“ Nachdem man von Carnegie große Stiftungen angenommen hat, wie kann da der Reichskanzler die Initiative fo skeptish ablehnen ! Der Reichskanzler if das Sprachrohr seines Oberhauptes, und es ift unerwüns<ht für uns alle, au< für das Oberhaupt, wenn nun folche Meinungen im Ausland über uns fich festseßzen. Der Feldmarschall Graf Moltke sagte, 50 Jahre lang müßten wir gerüstet sein. Wird find jegt in das legte Jahrzehnt eingetreten, ist es da utopish,..an eine

enderung zu denken? Damit _im Ausland ni<ht éine fals

Meinung entsteht, haben wir den Antrag Ablaß eingebraht, wona,