1911 / 86 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Qualität

gering

mittel

gut

Verkaufte

Gezahlte

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Außerdem wurden ‘am M ge (Spalte 1) na< überschläglicher Schäßung verkauft Doppelzentner (Preis unbekannt)

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3.

Bemerkungen.

Berlin, den 10. April 1911,

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Die verkaufte Menge wird auf volle Doppelzentner Gin liegender Strih (—) in den Spalten für Preise hat die Bedeutung, daß der betreffende

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14,50 15,00 15/80

und der Verkaufswert auf volle Mark abgerundet mitg

Gerste.

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14,70 16,00 16,00

15,20 14 49 14,00 16 50 13.20 15,90

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17,50 13,30 16,00 16,00 16,80 17,00 16,60 14,00 16,60

20,50 19,00 14,80 17,00 17,00 17.00 22 00 17,80 17,40 17,50 23,00

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20,40 17.00 19 00 15,60 20,00

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15,00 12 80 15,20 14 40 14 40 16,40 15 00 15 00 14,80 14,70 15,20 14,50

14,80 15,30 14 70 14,80

17,00 17,50 15 50 17,20 16,00 16,00 15,50 14,70 20,00

18,40 16,20 16,30 16,20

18,80 19 00 17,40

20,00 17,58 18 60 18,20 16,90 16 60 16,60 17,20

16,80 16,00 15,10 18,00

17,80 17,00 16,80 16,00 16.50 15,50 14,60 15,20 13,20 15,30

16 80 15,40 15,50 15,30 15,00 15,40 14,60 15,00 15,50 15,>0 14,80 15.20 18,00 17,00 17,60 16 60 17,40 16,00 17.00 16 00 15,70 22.40 17,60 18,40 16 30 16,40 17,20 15,60 19,40 19.60 17,80 19 00

17,90 21.00 18,40 17,50 15,20 17,40

17,60

17,00 15,00 14,90

16,50 15,40 16,80 15,40 15,50

17,50 14,00 17,50 16,00 16,80 17,00 17,00 14 00 16,60

20 50 19,00 14,80 17,00 18,09 17,00 22,00 19 20 17,80 17,50 23,00

20,80 22,00 91,20 18/50 19/00

15,60 20,40

18,00 16,00 15,10 18,00 17 80 17,20 16,80 16 00 16,50 15,70 15,00 15,20 13,20 15,80

16,80 15,60 15,50 15,30 15,50 15,40 15,40 15,50 15,50 15 80 15,00 15,20 18,00 17,50 17,80 16.60 17,60 16,50 17,00 16,40 15,70 22,40 18 50 19,00 16,60 16,90 17.20 16,00 19,40 20,00 18,20 20,40

20,50 21,00 20 00 17,50 15.30 17,40

18,00

21

Kaiserliches Statistishes Amt. F. V.: Dr. Zacher.

4 900

3100 1216 19 529

3421

1 002 3973 2102 1983 689 320 4219 315 4 657

7410

368

15,50 15.20 19,77

18,10

15 91 18 81 19 11 Le 19,69 20,00 17.58 18.55 18,12

15,28

17,52

15,47 15,00

16,40 15,00

13,81

16,09

15,50 15,20 20,33

18,15

15 97 18,62

17,90 18,48 19,50 18,12 19,19 18,50

15,18

17,20 |

etellt. Der Durhschnittspreis wird aus den unabgerundeten Zahlen berehnet. Preis nit vorgekommen ist, eia Punkt (. ) in den lehten se<s Spalten, daß entsprechender Bericht fehlt.

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Preußischer Landtag. Herrenhaus. 9. Sißung vom 7. April 1911.

Nawhtrag zu dem in Nr. 85 d. Bl. enthaltenen Berichte. Jn Erwiderung auf die Ausführungen des Herrn on Gwinner bei Beratung über die dauernden Ausgaben des tats des Finanzministeriums hat der Finanzminister

r. Lentze folgendes erklärt:

Meine Herren! Herr von Gwinner Eat zwei sehr wihtige und teressante Fragen berührt. Die erste betrifft den Kurs der Staats- nleiben, die zweite geht dahin: Wie helfen wir unserem Defizit ab, ie verbessern wir unsere Staatéfinanzen und haben wir unseren :senbahnetat richtig aufgestellt ?

Mas die erste Frage anlangt, so möchte ih bemerken, daß darüber , dem anderen Hause schon sehr viel gesprohen worden ist und daß %, in vieler Hinsicht mit dem Herrn Vorredner übereinstimme. Die beranziehung der Sparkassen zwe>s Anlegung eines bestimmten Betrages ihrer Gelder in jedem Jahre in Staatsanleihen bird dieses hohe Haus do< wieder beschäftigen und infolge- sen möhte i< mir bei der vorgerü>ten Stunde er- huben, auf diese Frage ni<t näher einzugehen. Wir werden no< ßelegenheit haben, uns ausführli<h darüber zu unterhalten. J< ¿hte au<h zu gleiher Zeit bemerken, daß der Finanzminister für „se Frage niht der zuständige Minister ist, sondern der Herr Minister s Innern.

Jch möchte mi< aber etwas ausführlicher zu der andern Frage ¿ Herrn Vorredners äußern, nämli, ob es niht mögli ist, das )efizit auf eine andere Weise, als es die Staatsregierung im Auge nt, zu beseitigen, ob wir unsern Etat richtig aufgestellt haben und

wir überhaupt unsere Finanzverhältnisse ni<t dur eine andere jestaltung des Eisenbahnetats bessern können. Meine Herren, nz flar hat der Herr Vorredner ni<ht zum Ausdru> gebraht, ele Vorschläge er mahen will. Er hat mehr mehrmals auf die ir<hofs<hen Vorschläge hingewiesen und hat dann au<h gesagt: enn wir einen Teil tés Extraordinariums dazu verwenden, eine rstärkte Tilgung der Staats\{uld eintreten zu lassen und wenn wir

übrigen den Satz von 2,10 9/0, der der Finanzverwaltung aus den einübershüssen der Eisenbahnen zur Bestreitung der allgemeinen taatsausgaben überwiesen wird, erhöhen, dann werden wir das ihtige treffen. Ganz klar waren mir diese Ausführungen nicht,

il Exzellenz Kirhhoff au< seinerseits niemals #< ganz klar aus- drü>t hat, namentli< ziffernmäßig ni<ht, denn wenn man dazu ergehen will, seine Vorschläge nahzurehnen, figt man überall fest, eil man ni<ht weiß, mit welhen Zahlen und Faktoren man dabei hnen muß. Ih möchte mir deshalb erlauben, die Frage ganz von

fang an zu erörtern.

Meine Herren, die Frage, die Herr von Gwinner und au zellenz Kirhhoff aufgeworfen haben, \pißzt sh zu folgender age zu: Jst es mit den Interessen der Staats- nanzen vereinbar, daß die sämtlihen Betriebs- bershüsse der Staatseisenbahnverwaltung, soweit sie <t zur Schuldentilgung verwandt werden müssen

vorausgeseßt natürli<h, daß das Eisenbahn- eh dauernd in einem guten Zustande, und der Fuhrpark ets auf dem laufenden erhalten wird —, zu den allge- einen Staatszwed>en mit verwendet werden? So lautet e Frage: denn dasjenige, was in den Ausgleihsfonds der Eisen- hnen hineinfließt, soll im Endergebnis ja au< wieder zu allgemeinen taatszwe>en verwendet werden, um den Staatshaushalt mit zu lanzieren. Um diese Frage klar zu stellen, ist es notwendig, daß ih nâst einmal die tatsählihen Verhältnisse darlege.

Meine Herren, in ein so großes Unternehmen, wie es unsere taatseisenbahnverwaltung i, an das Jahr ein Jahr aus in- ge der Ansprüche an den Verkehr, infolge der Steigerung : Verkehrs, infolge der tehnishen Erfindungen die aller- bten Neuansprühe herantreten, müssen jährliß außer- dentlih große Summen hineingeste>t werden. Unsere senbahn erfordert es, daß wir neben den Betriebsausgaben jährlih große Kapitalien hineinste>en. Diese Kapitalien erden nun zu den verschiedenartigsten Zwme>ken verwendet. Einmal és notwendig, daß neue Bahnlinien gebaut werden; es müssen e Vollbahnen und neue Nebenbahñen gebaut werden. Die Vor- pen darüber bekommt das hohe Haus ja alljährli<h, und das hohe us hat alljährli< dafür mehrere Millionen Mark zu bewilligen. ie Ausgaben zu diesem Zwe> werden alle aus Anleihen bestritten, il es ja vollständig neue Bahnen sind und diese Bauten die An- jen der Eisenbahn in jeder Hinsicht ergänzen und erhöhen. Ferner es notwendig, daß für die bestehenden Bahnen fo, wie sie d, große Summen aufgewendet werden, und zwar deshalb, il bei den bestehenden Bahnen teils Erweiterungen, teils Um- uen, teils Ergänzungen vorgenommen werden müssen. Bei m großen Teil dieser Ausgaben ist wenigstens in den leßten Þhren jedesmal so verfahren worden, daß sie aus Anleihemitteln icitten werden. Das sindKdie Aufwendungen für die zweiten und len Gleise, für die Erweiterung des Fubrparks über den bisherigen sand hinaus, für die Umwandlung bestehender Bahnen in eine èêre Betriebsart und für die Umwandlung von Nebenbahnen in Wptbahnen. * Auch bei diesen Ausgaben, wo man, wie z. B. bei den ‘en und dritten Gleisen, do< man<hmal zweifelhaft scin kann, ob ur< tatsähli< eine Vermehrung der Einnahmen herbeigeführt îè, wind angenommen, daß eine Vermehrung der Einnahmen erzielt d; diese Ausgaben werden aus Anleihemitteln bestritten. Alle ‘gen Kapitalaufrvendungen, die notwendig sind, um Erweiterungen, Anzungen und Umbauten bei den bestehenden Eisenbahnen vorzunehmen, den seit vielen Jahren immer aus laufenden Mitteln be- îten. Cs ist nur der eine Unterschied gemacht worden, daß die Einzel- waben bis zu einem Betrage von 100 000 4 in das Ordinarium hinein- tellt worden sind und die Ausgaben über 100 000 4 in das Extra- E. Inhaltlich find sie beide ganz gleich ; fie sind nur bis zu p mit in die Betriebsausgaben usw. hineingeftellt, über

H werden sie besonders in dem Extraordinarium geführt.

tine Herren, mit dieser Finanzgebarung ist es bieher nur mög- gewesen, auf den Dur(schnitt der Jahre na< der Neuregelung “net, einen Netto übershuß von 2,10 9/ des zulegt abgere<hneten When Anlagekapitals der Eisenbahnen zu erübrigen und ter

Mehr ist bis dahin im Durhshnittt nicht heraus- gewirtshaftet worden. In einzelnen Jahren war es natürlich mehr, in anderen Jahren weniger. Wenn man jedo< den Durh- \hnitt vieler Jahre zieht, ergibt si< unter Zugrundelegung der Neu- regelung eine Nettoeinnahme von 2,10%/. Nun sagt Herr von Gwinner: Diesen Betrag von 2,10 9/6 müssen wir erhöhen und müssen aus den Betriebseinnahmen der Eisenbahnen einen höheren Betrag als 2,10% der Staatsregierung für die Staatëzwe>e zur Verfügung stellen. Das ist der Punkt, in dem die Staatsregierung, mein Amts- vorgänger sowohl wie ih, mit Herrn von Gwinner verschiedener Meinung sind.

Meine Herren, als die Eisenbahnen verstaatli<t wurden, hatte

man ins Auge gefaßt die Uebershüsse der Eisenbahnverwaltung nur im geringen Umfange zu den Staatsausgaben heranzuziehen. Dieses wurde no< besonders geseßli< festgelegt, indem bestimmt wurde, es sollten nur 2,2 Millionen Mark für die Staatsausgaben zur Ver- fügung gestellt werden, alles übrige sollte der Eisenbahn verbleiben. Nun ift allmählih im Laufe der Jahre das Bild vollständig anders geworden. Die Uebershüsse der Eisenbahnverwaltung sind an die Staatskasse abgeliefert worten und die Bedürfnisse der Staatsver- waltung sind in ganz erheblihem Maße aus den Uebershüssen der Eisenbahnverwaltung bestritten worden. Das hat \{ließli<h dazu ge- führt, daß für die Staatsverwaltung bei der Etataufstellung außer- ordentlihe Shwankungen eintraten. Wenn eine Reihe von guten Jahren vorhanden gewesen waren, dann wurde angenommen, die guten Einnahmen würden bleiben, die dauenden Ausgaben wurden ge- steigert und hinterher, wenn die s{le<ten Jahre eintraten, war kein Geld da, dann war ein außerordentli<h großes Defizit da, weil die Eifenbahneinnahmen stark zurü>gingen. Um dem abzuhelfen, ist im vorigen Jahre die Regelung getroffen, daß an die Finanzverwaltung für allgemeine Sta<.s8zwe>e niht die vollen FJahresübers{hüfe abgeliefert werden, sondern nur ein Betrag von höchstens 2,10 9/9 des zuleßt abgerehneten statistishen Anlagekapitals; der Betrag, der über 2,10 9/9 hinaus von der Eisenbahn erwirtshaftet wird, foll zu einem Neservefonds für die \{<le<teren Jahre angesammelt werden. Ein Reservefonds war au< {on in früheren Jahren vorgesehen, nur mit dem Unterschiede, daß er auf die Uebe:shüsse der Jahresrechnung angewiesen war. Jett sollen ihm \<on dur< den Etat die über 2,10 9/9 binausgehenden Uebers{hüsse zugewiesen werden mit dem End- zwe>, daß, wenn Fehlbeträge in der Jahresre<hnung eintreten, diefe aus dem Reservefonds bestritten werden und wenn, in den folgenden Jahren si< bei der Etatsaufstellung ergibt, daß Defizits vorhanden find, die Mittel des Ausgleichsfonds zur Auffüllung dieses Defizits bis zum Betrage von 2,10 9/9 verwendet werden. Der Ausgleihsfonds bedeutet also zu deuts< weiter garnihts, als daß auf eine Spanne Jahre hinaus im Durchschnitt nur immer 2,10 9/% von der Eisenbahn- verwaltung an die Staatsverwaltung abgeliefert werden sollen.

Meine Herren, wenn wir nun dem Vorschlage des Herrn von Gwinner folgen würden, so würden an \i< *für die Betriebs- fähigkeit der Eisenbahnen gar keine Aenderungen eintreten. Die Eisenbahnverwaltung würde stets das Geld bekommen, was sie nötig hat. Ob sie es aus Anleihen bekommt oder ob es aus Betriebsmitteln genommen wird, ist do< einerlei wenn die Eisenbahnverwaltung nur dasselbe bekommt. Für die te<nische Leistungsfähigkeit der Eisenbahnen macht es gar keinen Unter- schied, ob die 120 Millionen aus Anleihen oder aus den Betriebs- einnahmen ter Eisenbahnen bestritten werden, es macht aber einen gewaltigen Unterschied für die Staatsfinanzen.

Meine Herren, bis dahin ist es uns nur gelungen, im Dur(- nitt der Jahre einen Reingewinn von 2,10 °%/% für die Staatskasse aus den Eisenbahnen herauszuwirts<aften. Wenn wir nun jahraus jahrein das Extraordinarium aus Anleihen nehmen, so wird die Eisenbahnverwaltung selbstverständlißh diese Anleihen verzinsen und amortisieren und diese Verzinsungs- und Amortisationslast muß die Nettorente von Jahr zu Jahr verringern. Im anderen Hause i< war leider in der Sitzung niht da hat der Abg. Dr. Friedberg ausgeführt, das mache garni<ts aus, denn das Geld, was wir anleihen, bringe do, troßdem es einen Schuldendienst zu [leisten habe, no< einen Ueberschuß von 29/9. Letteres ist ja durchaus rihtig. Aber i< bitte dabei folgendes zu be- rüdsihtigen: Seit vielen Jahren sind die Beträge des Extraordinariums immer aus laufenden Mitteln genommen, also die 120 Millionen, die das Extraordinarium darstellen, sind niemals verzinst und amortisiert worden, haben also gar feinen Sthuldendienst auf si lasten gehabt. Wenn wir diese selben Beträge nun in Zukunft mit einem Schuldendienst belasten, ist es selbstverständlich, daß dieser Schuldendienst den Nett o betrag hinterher berunterdrü>t. Ohne diesen Schuldendienst haben wir aber nur eine Néttorente von 2,1 9/9 bekommen, mit dem Schuldendienst müssen wir nach einer Reibe von Jahren immer weniger bekommen. Stellen Sie sich vor, meine Herren: na< 10 Jahren würden für das Exrtra- ordinarium zu dem jeßigen Betrage angenommen auf Schulden fommen 1,2 Milliarden Mark. Diese Schuld mit 4X2 9/5 verzinst und amortisiert erfordert 54 Millionen Mark Schuldendienst. Nach 20 Jahren, mit 2 bis 4 Milliarden Mehrschulden, würden {on 108 Millionen Mark für diese Zwette aufzubringen und von den Nettoerträgnissen der Eisenbahnen in Abzug zu bringen sein. Das, meine Herren, it der Grund, der die Königlihe Staatsregierung veranlaßt, den Wünschen und Vorschlägen der Herren von Gwinner und Exzellenz Kirchhof nit näber zu treten. Wir mußten uns sagen: wir {hafen uns zwar vor- übergehend Luft, aber wir verderben die Finanzen für die Zukunft in bedeutendem Maße, und dem wollen und müssen wir vorbeugen.

Der Abg. Dr. Friedberg hat allerdings im andern Hause gesagt . die Zukunft ist ja sehr viel glü>licher daran als wir, die ist zweifel-

los reicher, die kann das bezahlen, und es ist von der Finanzverwaltung

volkswirtschaftli<h ni<t rihtig, daß sie an die Zukunft denkt und

nicht an die Gegenwart. Dem fann allerdings die. Finanzverwaltung

nicht beistimmen. Sie muß si sagen: der preußis<e Staat hat ein

längeres Leben als ein Jahr; nach zwanzig Jahren wird der preußische

Staat ganz zweifellos große Ansprüche an die Finanzverwaltung zu

stellen haben und sogar voraussihtli< viel größere als an die Gegen-

wart, und da ist es ni<ht zu verantworten, daß man die Haupt-

einnahmequelle der preußis<hen Finanzverwaltung und des preußischen

Staats dur< den Schuldendienst für das Extraordinarium weniger

ergiebig ma<t. Meine Herren, es wäre für die Finanzverwaltung

außerordentli<h angenehm, wenn sie den Vorshlägen des Herrn von

Gwinner folgen könnte. Die preußishe Finanzverwaltung wäre mit

\atéverwaltung zur Verfügung zu stellen.

denken, die Steuerzuschläge wie bisher bestehen zu lassen, und endlich bätte fie no< dazu etwas übrig. Mit Vergnügen könnten wir daher auf diese Vorschläge eingehen, wenn nit die Konsequenzen so gefähr- lih und so bedentli<h wä:en. Nun hat Herr von Gwinner darauf hin- gewiesen, daß es ein Auskunftsmittel für uns gibt, wenn wir die ver- stärkte Schuldentilgung einführen. Ja, meine Herren, die verstärkte Sghuldentilgung ändert an der Sache gar nichts, denn der jährliche Betrag, der für die Schulden aufzubringen und von den Eisenbahn- betriebsübershüssen abzuziehen ist, bleibt derselbe; der verringert sih dadurch nicht, und nur darauf kommt es an. Er würde 56 Fahre lang derselbe bleiben, und da nah 56 Jahren wieder für das Ertra- ordinarium etwas aufzuwenden ist, fällt er dann au< ni<ht fort. Infolgedessen wird auch dies Mittel niht helfen können. Es ift allerdings ein Mittel, um \{ließli<h die Shuldensumme, welche auf der Eisenbahn lastet, im Endeffekt ni<t zu ho< steigen zu lassen. Wenn man aber auf die Jahresaufwendung sieht, die aufgebracht werden muß, um die Schulden zu verzinsen und zu tilgen, so ift die Jahresleistung ganz dieselbe, und es hat keine solhe Erleichterung stattgefunden, wie es Herr von Gwinner dargestellt hat.

Dann hat Herr von Gwinner die Güte gehabt, darauf hinzuweisen, daß wir mit seinen Vorschlägen die Mittel bekommen würden, für den Fall eines Krieges genügende Barmittel zu besizgen. Jch habe ver- geblih versuht, mir im Moment eine Ne<hnung davon zu machen, wie er das anfangen will. Im Extraordinarium haben wir zurzeit jährli) 120 Millionen Mark. Will er nun diese 120 Millionen Mark zum Kriegsschhatz aufspeihern? Das glaube i< ni<t, denn er will damit auch die Steuern erleichtern und au< im übrigen Erleichterungen schaffen. Wie er das also machen will, das weiß ih ni<ht. Vielleicht ist seine Deduktion so gewesen, daß er hat dartun wollen: dadur, daß wir das Extraordinarium verwenden können, sind wir in der Lage, jeßt die Steuern herunterzuseßen. Wir brauchen unsere Bevölkerung ni<ht so ho< zu besteuern, wie wir es jeßt tun. Für den Fall des Krieges könnten wir dann aber die Steuershraube anziehen. Meine Herren, ih möchte da umgekehrt deduzieren: wir wollen gesund bleiben mit unseren Staatsfinanzen und lieber im Falle des Krieges das Extraordinarium ausnahmsweise opfern und dessen Beträge so verwenden, wie es Herr von Gwinner für jeßt vor- ges<lagen hat. (Sehr richtig!) Aber auf diesem Wege ist es un- mögli, einen Kriegss{haß zu erwerben. Die Frage klingt sehr ver- lo>end und és flingt auch so, als ob die Finanzverwaltung ni<ts von Finanzen verstände, als ob fie aus engherziger bureaukratischer Eigenliebe, aus Rechthaberei nicht darauf eingehen wollte, einen ver- nünftigen, klaren Ausweg zu beschreiten. Das i} aber in keiner Weise der Fall. Die Finanzverwaltung würde mit Vergnügen den Weg geben, wenn sie nit sähe, daß er zu einer Vershuldung führte und damit zu einer wesentli<hen Minderung der für den Staatshaus- haltsetat, zur Zeit und in Zukunft, absolut unentbehrlihen Nein- einnahmen der Eisenbahnen. Diese würde dadur<h ohne Frage in Zukunft sinken, und das ist unmögli, das kann der preußische Staat nicht verantworten.

Meine Herren, Herr von Gwinner hat dann no<h darauf hin- gewiesen, ih hätte im anderen Haus gesagt, eine Defizitanleibe bätte sehr große Annehmlichkeiten für die Finanzverwaltung, weil in ihr das psychologis<he Moment läge, daß man die anderen Ressorts darauf hinweisen könnte, es wäre eine Defizitanleihe, also kein Geld da. Ih glaube, er v:rwedselt dies mit einer Nede, die i< bei einer anderen Gelegenheit gehalten habe. Ich war im Abgeordnetenhause darüber interpelliert worden, ob es ni<t ri<tiger wäre, an Stelle der big- herigen Finanzgebarung die Quotisierung der Einkommensteuer ein- zuführen. Da habe i< allerdings gesagt: dies halte ih auch der anderen Ressorts halber für gefährli<h. Denn bei dem jeßigen Zu- stande kann i< sagen: i< habe fein Geld, ih bekomme aus der Einkommensteuer nur so und soviel und mehr niht. Habe ih dagegen die Quotisierung, dann können die anderen Ressorts erwidern: du hast doch Geld, stelle ein oder zwei oder drei Prozent mehr in den Etat ein, der Landtag wird sie dir hon bewilligen. Das ist es gewesen, was ih erwähnt habe. Ich habe aber niht gesagt, daß i< gern cine Defizitanleihe haben wollte. Das Wesentliche für die Finanzverwal- tung ist, daß sie einen balanzierenden Etat hat. Sie will mit keinem Defizit abschließen. Sie ist jeßt dur< die Eisenbahn- einnahmen und die Erträgnisse der direkten Steuern auf ziemli feste Einnahmen geseßt. Das is eine Wohltat und erhöht die Stabilität. Sobald wir wieder {wankende Einnahmen einführen, wird eine regellose Wirtschaft eintreten ; die allerdings unseren Staats- finanzen verderblih sein würde. Ih möchte Sie deshalb bitten, dem verlo>enden Sirenengesange des Herrn von Gwinner niht Ihr Ohr zu leihen, fondern mir zuzustimmen, daß es im Interesse der Staats- finanzen besser ist, die Regelung bleibt so wie sie im vorigen Jahre beschlossen worden ist. (Lebhaftes Bravo!)

10. Sizung vom 8. April 1911, Vormittags 11 Uhr. (Bericht von Wolffs Telegraphishem Bureau.)

Ueber den Beginn der Sißzung ist in der vorgestrigen Nummer d. Bb. berichtet worden.

Das Haus seßt die Spezialberatung des Staatshaus haltsetats für das Rechnungsjahr 1911 im Etat des Finanzministeriums fort.

Herr Delbrück: Ih bin mit Herrn von Gwinner darin ein- verstanden, daß die Sparkassen dur< Geseß angebalten werden, mehr Staatspapiere zu kaufen. Ich habe diesen Gedanken {hon vor Jahren in den „Preußischen Jahrbüchern“ und im vorigen Jahre hier zum Ausdru> gebraht. Die Sparkassen haben von threm Vermögen von 15 bis 16 Milliarden Mark nur etwa 10% in Staatspapieren angelegt. Dieser Betrag ist zu gering, es liegt im cigensten Interesse der Sparkassen und ihrer Liquidität, ihn zu erhöhen, und das muß dur<h Gese geregelt werden. Als in England die Sparkassen aufgehört hatten, große ; mig - von Staatspapieren zu erwerben, fam der Kurs der englis<hen Staatspapiere ins Schwanken. Der Präsident einer dec aren englishen Banken, Lord Baldwin, hat gesagt, daß* der englische Kredit, gemessen an dem Kurse der englishen Staatspapiere, niht nur absolut gesalten ist, sondern auch relativ im Vergleih mit Deutschland und Frankreih. Er hat die Gründe untersu<ht und ist auf folgenden Kardinalpunkt ackommen : Durch das 1903 gemachte Gesetz der sogenannten irischen Landakte sollen die irishen Landpächter in irishe Landbauern umgewandelt werden ; das Geld dazu ist den Bauern dadurch gegeben worden, daß ihnen ein irischer Landsto>k gewährt wurde, wir würden sagen: eine Rente. Bei der Verabschiedung des Gesetzes wurde es ein Betrag von etner Milliarde in irishen Rentenbriefen geschaffen. Lord Baldwin behauptet, tb für die volle Durhführung des Geseßes 3 Milliarden erforderli seien. Diese Renten sind ni<ht im offenen Markt verkauft,

einem Male ihr Defizit los, ferner brauchte sie nicht daran zu

sondern von dem englishen Staats\{uldbureau erworben worden.