1911 / 105 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

R E a B C E E E P E E I

E

E L I ET

Tuberkulose zwei Drittel dur die Provinzialverbände erseßt würden. Bezüglich der Frage, ob die Provinzialverbände als folie beranzuziecben ind, oder ob nur die Viebbesiger innerbalb ciner Provinz durch die Provinzialverbände zu den Kosten herangezogen werden sollen, teile ih die erstere Auffassung. G8 handelt sich durMaus urm cin Interesse der Allgemeinbeit, denn die Allgemeinheit will gesurides Fleis erhalten. Wenn {on Woblhabende unter den Sperrinaßregeln zu „leiden haben, wieviel mebr ist das bei den Ffleinen Be- NBern ter Fall! Die kleinen Bauern können, wenn die Sperre ver- bangt ist, ihre Felder nit bestellen, da sie das Vieh nicht aus den Ställen berausführen dürfen. Diesen Schaden trägt dec kleine LAann nicht für ih selbst, sondern für die Allgemeinheit. Dieser Schaden muß ihm erseßt werden, und zwar nicht von den Provinzialverbänden, sondern durch die Allgemeinheit, durch den Staat. ___ Abg. Fi\chbeck (fortshr. Volksp.): Meine Freunde ‘wünschen das Zustandekommen dieses Gefeßes, bedauern aber, daß der Minister kein weiteres Entgegenkommen seitens des Staates in Ausficht gestellt hat, denn bei näherer Prüfung in der Kommission wird si doch cin weiteres Entgegenkommen als notwendig herausstellen. Die Fleischer tlagen darüber, daß sie keine Entschädigung erhalten, „wenn auf den Märkten Gleish von Vieh konfisziert wird, das in der Nähe von seuchen- bebafteten Zieren zur Shlachtung gelangt ist. Es entspricht der Ge- rechtigkeit, zu prüfen, ob in diesen Fällen nidt cine Entschädigung zu gewähren ist. Wir sind mit der Behördenorganisation in diesem Ent- wurfe einbersländen, aber es kommt weniger auf die Bebörden- organisation als auf den Geist an, in welchem das Gesetz ausgeführt wird. Es handelt fih hier nicht um eine Aufgabe im Interesse der Viehbbesißer, sondern um eine allgemeine nationalöfonomisde Aufgabe, und wir haben deshalb dem Reichöviebseuchengeseß trotz mancher Be- denten zugestimmt. Wir müssen aber wünschen, daß nit unter dem Deckmantel von Abwehrmaßregeln gegen die Seuchengefahr Ziele ver- folgt werden, die mit der Satt nichts zu tun baben, die auf wirt- \chaftspolitishem Gebiete liegen und nur die lästige Konkurrenz des Auslandes abwehren sollen. Der Vorwurf, daß wir der Landwirt- schaft nidt genügenden Schuß gegen die Seudengefahr geben wollen, ist unberechtigt. Jahbraus jahbrein baben wir auf die lästigen Schädigungen ter Viebeinfuhr aus Dänemark durch die Tuberkulin- probe hingewiesen: nah den Gutachten der Tierärzte entspricht die Tuberkulinprobe nit ihrem Zweck. Die Negierung ift jeßt au zu dieser Ansicht gekommen, aber erst als bei der Verschickung von deutschem Vieh nah der Ausstellung in Argentinien die Tiere auf Grund der Tuberkulinprobe als frank zurückgewitsen wuden. Im Landwirtschaftsministerium hat man bisher zu großes Gewicht auf die Anschauungen des Herrn Dr. Löfler gelegt. Der Berliner Viehmarkt ist durch die Mafnabmen nach der Vor)chrift des Löffler- schen Instituts erbeblih geschädigt worden, und es entsteht die Frage, ob der Staat nicht verpflichtet ist, für diesen Schaden einzutreten. Der Staat hat sich gegen unsere Forderungen bezügli der dänischen Tiereinfubr immer ablehnend verhalten, dagegen im Interesse der Biehbesißer Erleichterungen bei den Sperrmaßregeln zugelassen. Wir haben nit nur die eigentümliche Beobachtung gemacht, daß die Bee stimmungen über den Seuchenschuß angewendet werden, um im wirt- \chaftlihen Interesse der Viebbesißzer die Preise hoh zu balten, sondern wir haben auch erlebt, daß unter dem Vorwand des Seuchenshußes politische Versammlungen verboten wurden, weil die Gefahr vorlâge, daß dadur die Maul- und Klauenseuche verbreitet würde, und zwar unmer wenn es fic um freisinnige oder sozialdemokratiscke Versamms- lungen handelte. Dagegen konnte man alle mit dem Vieh beschäftigten Personen auf Wagen laden und zw konservativen Versammlungen fahren, dagegen bat niemals cin Amtsvorsteher etwas gehabt. Dieser Mißbrauch des Versammlungsrechts muß beseitigt werden. Wir sind damit einverstanden, daß der Entwurf einer Kommission überwiesen wird, und bofen, taß cin Gesetzentwurf herauskommt, der allen Bes dürsntsten gerc{t wird.

Abg. Leinert (Soz.): Wir sind im allgemeinen mit dem Ent- wurf einverstanden, baben aber im einzelnen doh Bedenken. Wir wünschen, dak besondere Beamte mit der Bekämvfung der Viebscuch.n befaßt werden. Wenn die Bekämpfung der ViehseuGen im allge- meinen Interesse liegt, so muß sie so gehandhabt werden, daß das Juteresse der Allgemeinbeit und nicht bloß das Interesse der Viehb- besißer gewabrt wird. Wir balten cs ferner niht für angebrat, daß die angeordneten Maßnabmen nur in den Kreisblättern bekannt ge- macht werden ; im allen Blättern gesehen, nit bloß in ten- jenigen, die die La ¿e auêwablen, denn niht alle Viebbesitzer, namentlih Schweinebesißer, gebs zu den Agrariern. Wir sind mit der Erweiterung der Entiädigun f einen weiteren Kreis von Tieren als bisher einverstanden, made r auf den sprabli Unterschied aufmerksam, daß im ; inf i c gefallenen Tieren und im § 6 nur von bebafteten wird. Nicht einverstanden sind wir mit dem Aus\{luß von der Entshädigung, wir fordera, daß die kleinen S& ebenso behandelt werden wie die großen agrarifshen Das Gesetz ist jedenfalls darauf zugeslhnitten, daß der allzusehr belastet wird, aber au) wir müssen eine dehnung der Entschädigung durch den Staat verlangen. langen die Einbeziehung der Schweine, Schafe und Zi Kreis der Tiere, für die nah § 5 eine Entschädigung zu [ei Die Schweinezut wird zum größten Teil von kleinbäuerlt fißern getrieben, defhalb werden dur den Auss{luß der gerade die kleinen Besiger von der Wohlthat der Entschädigun geschlossen. Die kleinen Besitzer sollen von dem Woblwollen Behörten abhängen, wir wollen ihnen aber einen Nechtsansvruch aeben. Für uns wird das Gese unannehmbar, wenn nit in diescr Hinsih für die kleinen Leute gesorgt wird, Das Schätzungs8verfabren i einigermaßen nach modernen Grundsäßen geregelt, im Gegensaß zu dem Schäßungsverfahren bet unfallverleßten Arbeitern. Das kommt wohl daher, daß es ih hier um die Entschädigung von Großgrund- befizern und ncht von Arbeitern handelt. Eigentliß müßte der Staat die Viehverluste infolge von Seuchen ganz entschädigen; aber doun müßte auch der Staat dic Berechtigung haben, Maßnabmen zur Verhütung von Seuchen zu treffen und Anordnungen über die Ställe usw. zu erlassen. Es liegt die Gefahr vor, daß dieses Geseg benußt wird, um die Fleischpreise zu steigern; deshalb wünschen wir cine unparteiishe Handhabung des Gesezes, damit cs niht allein den (Sroßgrundbesißern dient. Die Grenzsperre gegen das ausländif{e Bich kann in der bisherigen Weise nicht aufrechterhalten werden. Im Interesse der Großgrundbesißzer bat ein Erlaß von Maß- nahmen gegen die Maul- und Klauenseucße Ausnahmen für di inder zugelassen, die zur Bestellung der Aecker benußt werden. durch hat gerade cine Verbreitung der Seuche stattgefunden. Eben cntspriht ein Erlaß des Ministers über die Ausführung der Milch aus feucenverdächtigen Gelhöften den Interessen der Greßgrund- befißer. Sozialdemckratische Versammlungen sind verboten worden, veil in den betreffenden Bezirken die Maul- und Klauenseuche herrscht-. Wir protestieren dagegen, daß solhe Gesete angewendet werden, um die Bevölkerang in ihren politischen Ne ten zu beein- tcâtigen.

Abg. von Saß-Jaworski (Pole): Wir begrüßen die Vorlage mit um so größerer Genugtuung, a!s sie in der C&utschädigungsfrage über das Reichsgeseß noch hinausgeht. Mit verschiedenen Einzelheiten wird fich die Kommission aber noch zu beschäftigen haben.

Minister für Landwirlschaft 2c. Dr. Freiherr von Schorlemer:

Meine Herren! JIch möchte einige Bebauptungen des Herrn Aóvg. Leinert nicht unwidersprochen in die Welt gehen lassen. Ih bia sehr ersiaunt gewesen, daß Herr Abg. Leinert hicr Ausführungen wiederholt bat, welche ich vor mehr als 8 Tagen s{chon in gewissen Berliner Blättern, ih glaube z. B. in ter „Berliner Morgenpcst*, gelesen habe. (Abg. Hammer: Hört, hört!) Jun diesen Zeitungen ist mit cinem gewifsen Gntseßen darauf hingewiesen worden, daß der Landwirtshaftsminister bei der MilWzufuhr das Land bevorzugt und die großen Stätte erheblih benachteiligt habe. Das gerade Gegenteil

ist der Fall. (Sehr richtig! rechts.) Wenn vorges{hrieben worden ist

daß der- Regierungsöpräsident Ausnahmen zulassen könne in. bezug ati diejenige Mil, welhe ten greßen Städten direkt zugeführt wixd, fo ist das gerade im Interesse der Volksernährung und der eutspreWenden Verforgung der Bevölkerung mit einem notwendigen Lebenêmittel gesehen. (Sehr rightig! rets.) darauf aufmerksam, daß es nit meine Aufgabe ist, für die menshlihe Gesundheit als solhe bei tem Erlaß veterinär- polizeiliher Anordnungen zu sorgen (sehr ridtig! rets), daß ih aber felbsiredend keine Anordnungen treffen kann, welche eine Schädigung der menschlichen Gefuntheit im Gefolge haben würden. Das ist auch bei dieser von mir getroffenen Anordnung in keiner Weise der Fall gewesen. Meine Herren, wer auf dem Lande und mit der Verbreitung von Viebseuchen Bescheid weiß, der ist sich dar- über flar, daß aut die Vorschriften über die Versendung von Milch nicht in erster Linie im Interesse der menschlihen Gesundheit, sondern zum Zwede der Verbinderung weiterer Seuchenverbreitung erlassen find. Es liegt auf der Hand, daß diejenige Mil, welcke in die Städte bineingebraht wird, sehr viel weniger Gelegenheit bietet, eine weitere Verbreitung der Maul- und Klauenseuhe unter den Vieh- beständen herbeizuführen, wie diejenige Milch, welche in Sammel- molfereien gebraht wird und {hon dur die Gefäße, in denen sie kransportiert wird, und durch die Menschen, die, sie transportteren, die Möglichkeit weiterer Ansteckung bietet.

Wenn der Herr Abg. Leinert s dann darüber beklagt hat, daß den Großgrundbesizern die Möglichkeit gegeben worden set, mit ihren Kühen und Ochsen das Feld zu beackern (Heiterkeit), so möchte ih ihn doch wirkli bitten, ih, beber er solhe Behauptungen aufstellen will, mit einem landwirtshaftlihen Sachverständigen ins Benehmen zu seßen. (Sebr gut! und erneute Heiterkeit). Jch habe und ih kann mich auf eine lange Praxis berufen einen Großgrundbesißzer, der mit Kühen sein Feld bestellt, überhaupt noch nit geseben. (Große Heiterkeit.) Wenn ih mich verpflichtet gefühlt babe, der mir dur das Gesez zugewiesenen Aufgabe entsprechend, die Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche unter Beobachtung der wirtschaft- lichen und Verkehrsbedürfnisse zu treffen, dann war ich vor allen Dingen auh genötigt, dem kleinen Landwirt, der mit Kühen arbeitet, die Möglichkeit zu geben, seinen Aer zu bestellen und für die Zukunft seiner Familie und seiner Wirtschaft zu sorgen. (Lebhafte Zustimmung und Beifall.) Jch meine, ein Vorwurf nach dieser Richtung ist so ungeretfertigt wie so manche Vorwürfe, die von Parteigenossen des Herrn Abg. Leinert erhoben weiden. Sehr richtig! rechts.)

Der Herr Abg. Leinert bat tann noh den § 23 hervorgehoben. Ich möchte dazu bemerken, daß die Fassung dieses Paragraphen und auch die Absicht des Geseßzgebers die Möglichkeit - ofen läßt, dur entsprechende Beslimmungen der Provinzialverbände auch die von ibm gewünschte Entschädigung für Schweineverluste zu gewähren. Ich mache aber nohmals darauf aufinerksam, daß das Ausfübrungs- geseßz wie das Neichsvtebseuhengeseßz cine Entschädigung für Schweine nur in den Fällen vorsieht, wo ihre Tötung auf Grund polizeiliGer Anordnung in Fällen der Maul- und Klauenseuche erfolgt. Bei anderen, Seuchen ist eine Entschädigung niht vorgeseben, und meiner Absiht na ist auch die Möglichkeit ausgeschlossen, die Ents{ädigung auf antere Fâlle aus8zudebnen. Andererseits wird natürli au von den Schweinebesizern ein Beitrag nicht erboben, und diese können ih daher au wohl weniger darüber beklagen, doß; ihnen eine Entschädigung nit zuteil wird.

Meine Herren, wenn alle Steuerzahler gleichzeitig Viehbesißer

dann könnte der Staat mit der Zubilligung der Ent- gewiß weiter gehen, als es jeßt der Fall ist. Aber die ch fo, daß man unter allen Umständen an festhalten muß, daß die Schäden, die dur entflehen, in erster Linie auch von der Gesamtheit tragen sind, die durch die Seuchen betroffen werden, n den Viehbesitßern, und daß si die Teilnahme des Staais nach dem Interesse berechnen muß, welches die Allgemeinheit an d«cr Bekä:npfung und Beseitigung der Viehseuhen hat. (Sehr richtig !) Bon diesem Gesichtspunkt aus ist, glaube ih, der Anteil des Staates ei der Fesisepung der Entschädigungen rihtig bemessen. Ich gebe gerne zu, daß gerade ter keine Maun und Schweinehalter in einzelnen Fällen durch Seuchen hart betroffen wird. Aber die Herren, die mit läudlihen Verhältnissen vertraut sind, werden mir au obne weiteres zugeben, daß in der Mehrzahl der Fälle dur SchweineseuWßen die größeren Viehbestände heimgesucht werden und daher auch den größeren Besitzern empfindliße Verluste durch Schweineseuchen erwachsen können. Id möchte dann noch mit einigen Worten auf die Ausführungen Herrn Abz. von Stockhausen zurückfkommen: Durch dieselben g 1a einerseits eine danfbare Anerkennung der Bestrebungen der tsregierung, die Viehseuhen unter Mitwüikung der Provinzial- nde zu bekämpfen, auf der anderen Seite er wird mir das ú ewisses Mißtrauen gegen die in itwurf vorgeseßenen Bestimmungen, welche den Seuchen- kfommifsar und das Okergutachten betreffen. n Steckhausen wind gewiß die Mitteilung interessieren, z au bei der gegenwärtig grafsierenden Maul- und Klauenseuche der Mehrzahl der Provinzen der Wunsch auêgesprohen worden einen Kommissar tes Landwirt\Mhaftéministeriums zu entfecnden, mit ibm die zu treffenden Maßnahmen zu beraten. J glaube, wir können auch in diesem Entwurf nit darauf verzidtcn, die Möglichkeit zu geben, einem besonderen Kommissar die zu treffenden Maßnahmen anzuvertrauen, cinmal, weil ja doch eine gewisse Gleih- mäßigkeit ter Maßregeln hergestellt wcrden muß zwischen Bezirken, die gleihe Verbältnisse aufweisen, und zweitens au deswegen, weil der Kommissar des Landwirtshaftsministers am ersten in der Lage ift, auf Grund der Seuchenczfahrungen, die er überall sammeln kann, die geeignetsten Maßnaëtmen in Anregung zu bringen. Im übrigen möchte ich Herrn Abg. von Steckhausen auch in dieser Frage Le- ruhigen; wir beabsihtigen bei dem ganzen gesetzgeberisGen und veterinärpolizeilihen Vorgehen keinesweecs eine Zentralisation, sondern eine möêglichste Dezentralisation, die aber selbst- redend ihre Begrenzung in dem Umstande findet, daß auf eine gewisse Gleihmäßigkeit in der Handkabung ter veterinärpolizeilien Vor- \chriften nicht verzichtet werden kann.

Das Obergutachten würde in erster Linie von tem Departements- tierarzt zu erstatten sein und erst in zweiter Linie von dem Landes- beterinäramt. Das Landesvetecrinäramt steht ja dem Landwirtschafts- ministerium”nahe, aber cs ist doch nicht so bureaufratisch zusammen-

aw cer

Außerdem mache ih.

gefeßt, wie Herr Abg. von Stockhausen vermutet. Es besteht jeyt aus 10 Mitgliedern; darunter befinden sh nur 3 Beamte, die als solche ter Veterinärpolizcibehörde zuzureGuen sind; die übrigen find, wie ih glaube au nah Ansicht des Herrn Abg. von Stockhausen in

der Lage, unabhängig “und unbeeirflußt voin Ministerium für Land-

wirtshaft ihre Ansicht zu außern.

Meine Herren, zum Schluß noch eine Bemerkung: Im Laufe der Verhandlung baben ¿wei Abgeordnete den Vorwurf erboben, daß in Bezirken, in denen die Maul- und Klauenseuhe herrschte, einige Versammlungen verboten“ worden sind; dabei ist besonders

‘tadelnd hewvorgehoben worden, daß es sich um Versammlungen

gehandelt hat, welWe von freisinniger oder sozialdemokratischer Seite einberufen worden sind. Meine Herren, auf Grund des Reichsvieh- seuhengeseßzes und des zu ihm eclassenen Ausführungsgeseßes kann man Anfammlungen von Menschen nicht verbieten. (Sehr gut! und Heiterkeit.) Insoweit bin also für solhe Anordnungen nit ich, sondern der Herr Minister des Innern v:rantwortlih. Aber ich glaube toh auch hier bervorbeben zu können, daß nah den bei diesem Seuchenausbruch und früber geinahten Erfahrungen die Maul- und Klauenseuche in der Mehrzahl der Fälle durch Menschen vers{leppt und übertragen wird. (Schr richtig! rets. Abg. Fis{bbeck: Nur dur freisinnige ?! Heiterkcit.) Ich kann mic deswegen sehr gut denken, daß ein Landrat sich verpflichtet füblt, Versammlungen zu verhindern, deren Teilnebmer vielleiht nit zum geringsten Teil zur Befürchtung Anlaß geben, daß dur sie die Maul- und Klauenseuche weiter verbreitct wird. (Sehr richtig! rets.)

„_ Die Vorlage wird einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen.

Es folat die Beratung des Antrags des Abg. Hammer (kons), die Regierung zu ersuchen:

„T. bei den verbündeten Regierungen dahin wirken zu wollen, daß dieselben dem Neichstag möglichst noch in der laufenden Session einen Geseßentwurf vorlegen, dur den der 8 5be der Reichs gewerbeordnung (Wanderlager) durch eine Bestimmung ergänzt wird, wonach für den Betrieb eines Wanderlagers eine bes» sondere Erlaubnis erforderli ift, die von dem Nachweise eines vorhandenen Bedürfnisses abhängig zu machen ist; _AT. zum § 5Ge der Neichsgewerbeordnung (Wanderla er) Aus- führung8anweisungen anordnen zu wollen, wonach a. die Erfaubnis nur für längstens 14 Tage erteilt werden darf, und b. die Ge- nehmigung zum Beginn eines Wanderlagers mindestens 8 Tage vorher bei der Ortspolizeibehörde nachzusuchen ist mit Angabe der Zeit und des Ortes, wo si die Verkaufsgegenstände bis zum Ver- kaufêtermin befinden“.

Zur Begründung erhält das Wort

Abg. Hammer (kons.): Der volkswirt\chaftliche Schaden der Wanderlager ist auch bon der Regierung anerkannt worden, Die =ittelstandeparteien im Reichêtage und im Landtage haben ver- schiedentlih entsprehende Maßnahmen gefordert, aber leider obne den entsprechenden Erfolg. Versammlungen ron Handel und Ge- werbe, wie z. B. der Deutsce Rabattsparverein, die Zentral- vereinigung für Handel und Gewerke in Berlin, der Detaillisten- verband von Rheinland und Westfalen baben ih energisch für eine Erhöhung der Steuer für Wanderlager ausgesprocen. Auch der Deutsche Handelstag, also die offizielle Vertretung des Handels, hat sich in gleidem Sinne geäußert, ebenso der Handwerks- und Gewerbekammertag, der erbößte Steuern und den Nai weis des Bedürfnisses für die Errichtung eines Wanderlagers fordez t. Meine politishen Freunde wollen die Handelsfreibeit durch übergroße Steuern nicht unterbinden, wollen aber nach unserem Antrage die Bedürfnisfrage zu Grunde gelegt haften. Wir balten es nit für unnötig, daß der Landtag, wenn es sich bier auch um eine Reicks8- angelegenbeit bandelt, mit dieser Frage sih befaßt, damit der Staats- sekretär Delbrück veranlaßt wird, au einmal ein wenig Zeit für diese Frage zur Verfügung zu stellen. Jch babe mit Befriedigung festgestellt, daß dem ersten Teil des Antrages die verbündeten NRe- gierungen freundlih gegenüberstehen. Zum zweiten Teil möchte ih bemerken, daß wir die Ausführungsanweisungen nicht allein den Einzelstaaten überlassen können. Denn soust könnte es vorkommen, daß in Preußen die Erlaubnis nur für 14 Tage erteilt wird, daß aber andere Bundesstaaten weitere Zeiträume gestatten. Deshalb muß in dem Gesegentwurf gleich nitbestimmt werden, daß in den Auétführungsauweisungen festgestellt wird, daß die Erlaubnis für Wanderlager uur für 14 Tage crteilt werden darf. Die Ueber- weisung des Antrages au eine besondere Kommission wird nit not- wendig fein

Geheimer Regierungsrat Dr. Neuhaus: Die Frage der Wander- lager ist {hon bei dem Handels- und Gewerbeetat gestreift worden. Mein Herr Chef hat schon damals erklärt, daß er es für zweckmäßig halte, die Erlaubnis zu Wanderlagern von der Bedürfnisfrage abhängig ¿zu machen. Die preußischen Ressorts baben si schon seit längerer Zeit mit der Frage beschäftigt, wie die Au8wüchse des Wanderlagerwesens bekämpft werden können. Es sind bereits im Sommer ent\prehende Anträge an den Reichskanzler gestellt worden, die sih im großen und ganzen in der Nidbtung des Antrages Hammer bewegen. Nach den vorliegenden Erklärungen ist anzunehmen, daß die preußishen Vor- {läge im allgemeinen au im Bundesrate sympathishe Aufnahme finden werden.

Ubg. Cahensély (Zentr.): Das Reichsgeseß hat in dieser Frage versagt, man muß si also an die Einzelstaaten halten. Die steuer lichen Leistungen der Wanderlager haben dem großen Umsatz, den sie erzielen, nit entsprohen. Ich bitte, den Antrag Hammer an- zunehmen, und halte eine Vorberatung in einer Kommission nicht für notwendig.

Abg. Nahardt (frkons.): Meine Freunde stellen sich auf den Boden des Antrags Hammer und werden ihn obne Kommissions- beratung annehmen. Das Wanderlagergewerbe schädigt die seßhaften Betriebe des Mittelstandes.

Abg. Dr. Schhroeder-Cassel (nl.): Meine Freunde nehmen die- selbe Stellung cin wie die beiden Vorredner. Jn der Stadt Caffel haben die Einnabmen aus der Wanderlagersteuer sebr stark geschwankt, in manchen Jahren ist die Stadt von den Wanderlagern stark in An- fpruch genommen worden, namentli haben sich aber auf dem Lande große Mißständé gezeigt : in einem kleinen Orte der Provinz Hessen sind in 5 Wochen ‘47 Eisentkahnwagen mit Waren im Werte von 90 000 entladen worden. Der Weg, den Wanderlagern durch die Besteuerung bcizukommen, ist nicht empfehlenswert ; dagegen ist der Weg des Antrags Hammer vorzuziehen, und meine Freunde stimmen daher diesem Antrage zu.

Abg. Hoffmann (Soz.): Ih stimme in die allgemeine Zu- stimmung nit ein; wenn etwas aus Preußen und namentli von tcr reten Seite kommt, muß man mißtrauisch sein. Man vill die Gewerbefre:heit beseitigen. Wir {ind gewiß gegen die sc{hwindelhaften Verkäufe, aber nicht nur bei den Wanderlagern, - sondern auch bei den stehenden Ge- werben. Der beste, Schuß dagegen i| der Selbstschutz des Publifums. Man will die Wanderlager hinterrücks abwürgen. (s handelt sich um cine Menge von Etxistenzen, die im Sommer die Jahrmärkte beziehen und im Winter in den kleinen Städten Wander- lager errichten. Die Genehmigung eines Wanderlagers soll vom Bedürfnis abhängig gemacht werden; wer soll das entscheiden ?

(Schluß in der Zweiten Beilage.)

Zweite Beilage

zum Deutschen Reichsanzeiger und Königlih Preußischen Staatsanzeiger.

„2 10S.

(S{kuß aus der Ersten Beilage.)

Ich traue Herr Hammer viel zu, aber do nit so viel, daß er in allen kÉieinen Orten die Bedürfnisfrage feststellen kann. (Zwischenruf des

Ce

Abg. Ham me r.) Herr Abg. Hammer, Sie dürfen nit von Ihrer Fraftio auf unsere Fraktion s\{hließen. Die Bedürfnis- frage wird in den kleinen Orten von dem Klürgel der Gêwerbe- treibenden entschieden werden, die feine fremde Konkurrenz zulassen werden. Seien Sie lieber ehrlich und verbieten Sie das Wander- gewerbe überhaupt, anstatt auf diesem Umwege viele Eristenzen un- möglih zu machen. Wir können diesem Antrage nicht zustimmen.

Abg. Nof enow (fortshr. Volkép.): Im Reichstage und in unserer Handelskommisfion wird dieselbe Sache an der Hand von Petitionen besprochen werden, man bätte diefe Verhandlungen abwarten können. Der Abg. Hammer will für den Mittelstand eintreten : das haben wir immer getan. Herr Hammer kann also niht in dieser Weise politische Geschäfte machen. Wir sind stets für mittelstands- fceundlihe Geseße eingetreten, ih erinnere nur an unferen ver- storbenen Freund Alexander Meyer. Herr Hammer muß uns also auch zu den mittelstandsfreundlihen Parteien rechnen. Eine gewisse Einschränkung der Wanderlager mag erwünscht sein; insofern können wir dem Antrage zustimmen. Wir find au erfreut darüber, daß în dem Antrage nicht eine Erdrosselungssteuer vorgeshlagen wird. Der Verkauf von S{hundwaren muß möglichst verhindert werden. Einer Komnmissionsberatung können wir entbehren, wir stimmen dem Antrage zu. S

Abg. Hammer (konsf.): Jh kann mit dem Verlaufe der Debatte zufrieden sein, alle Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten stimmen unserem Antrage zu. Meine Freunde sind es gewesen, die wiederholt Anträge auf Beschränkung oder auf Verbot der Wander- lager gestellt haben. (Der Redner verliest eine große Reihe \sol{er Anträ.„e.) Die Freisinnigen sind nicht dabei gewesen.

Abg. Styczynskti (Pole) erklärt, daß auch seine Freunde dem Antrage Hammer zustimmen.

Der Antrag Hammer wird Sozialdemokraten angenommen.

Es folgt die Beratung des Antrags der Abgg. Hammer (kons.) u. Gen., die Regierung zu ersuchen, bei der organischen “Neuregelung der Cinkommenbesteuerung zu den Bestimmungen über die Besteuerung der Konsumvereine den Zusaß zu machen:

„Al8 verteilte Dividende gilt jede an die Mitglieder in Form von NRabatten oder in fonstiger Art gewährte Nückvergütung.*

Abg. Hammer (kons.): Bei allen Steuergesezen bat man die Konsumvereine möglichst geschont, um den Arbeitern die Bildung von Konsumvereinen zu erleichtern. Aber 1902 hat das Haus cine Petition des Breslauer Vereins zum Schuße von Handel und Gewerbe, an ssen Spiße Herr Vogel steht, der wohl jeßt bei der Nahwahl in

Abgeordnetenhaus gewählt werden wird, um Besteuerung er Komsumvereine der Negierung zur Berücksihtigung über- wiesen, die Ansichten über die Frage haben sich also mit der Heit geändert, denn die Konsumvereine der Arbeiter, die Millionen umseßzen, machen dem kleinen Gewerbetreibenden eine {were Konkurrenz. Deshalb find die Konsumvereine cinkommensteuervflihtig gemaht worden. Um ih aber der Steuer zu entziehen, sind tie Konsumvereine dazu übergegangen, keine Dividenden zu zahlen, fondern eine rabattmäßige Nückgewähr.

Das OVberverwaltungêgeriht bat dann diese Vereine für steuerfrei erklärt, es bleibt also nichts anderes übrig, als das Gesetz selbst zu ändern. Sonst würde vielleiht innerhalb zweier Jahre die Steucrpflicht der Konsumvereine ganz beseitigt sein, weil alle Konsumvereine bis dabin ihre Saßungen dabin ändern würden, daß sie keine Dividende, fondern nur eine rabattmäßige Nück- gewähr geben würden. Wer auf dem Standpunkt stebt, daß die Konsum- vereine kein Steuerprivileg mehr verdienen, muß die)e Umgehung der Steuer verhindern und für unseren Antrag stimmen. Auf die MNabattsparvereine bezicht |ch unser Antrag nicht, diese wollen wir durchaus schonen und nicht der Steverpflicht unterwerfen, Für die Konsumvereine bedarf es aber der Ausfüllung dieser Lücke im Einkommensteuergeseße, damit sie derselben Steuerpflicht unterliegen wie die Gewerbetreibenden. Jh bitte Sie dringend, meinem Antrage obne Kommisfionsberatung zuzustimmen, und ih boffe, daß die Ne gierung erklären wird, daß fie dem Antrage Folge leisten wird.

Geheimer Finanzrat Dr. Sander: Diese Erklärung kann i{ niht abgeben, ih kann nur erklären, daß die Regierung zu diejer

gegen die Stimmen der

¿Frage noch keine Stellung genommen hat, daß aber der Finanzminister nicht ermangeln wird, bet der Vorbereitung des neuen. Einkommen- steuergesetzes diefen Antrag eingehend zu würdigen. s Abg. Her old (Zentr.): Der Antrag wird in der Kommission ein gehend geprüft werden müssen. Meine politishen Freunde find seit Jabren darauf bedacht, das Möglichste zu tun, um den Mittelstand zu fördern. Die Unterstützung, die wir darin von anderen Parteien finden, kann uns in der Hoffnung bestärken, daß unsere Ziele errei{ht werden. Zweifelhaft kann es aber fein, ob dur den vorliegenden Antrag das Ziel erreiht wird. Deshalb ist eingehende Prüfung in der Kommission nötig, die aber ihre Aufgaben noch erweitern und über Mittel und Wege sfinnen könnte, wie überhaupt dem Mittel- stand dur geseßgeberischWe Maßnahmen geholfen werden kann. Ins8- hesondere wird die Frage der Besteuerung der Warenhäuser von der Kommission erörtert werden müssen. Jh beantrage Ueberweisung des Antrages an die um 7 Mitglieder zu verstärkende Handels- und Gewerbekommission. j

Abg. E ckert- Potsdam (konf.): Dem Antrage stehen meine Freunde sehr sympathisch gegenüber. Nachdem der Antrag auf Kommissions beratung gestellt ist, werden wir ihm zustimmen. Die Urteile der Gerichte entspreWen nit dem Sinne des Geseßes. Wir stehen alîo vor ter Notwendigkeit, eine geseßgeberische Aenderung herbei- führen zu müssen, um diese Lücke auëzufüllen. In den Rabatt- sparvereinen steht sich Verkäufer und Käufer gegenüber; der Ver taufer gibt für Barzahlung einen Rabatt oder einen Diskont, wie es im geshäftlichen Verkehr allgemein üblih ist. Die Nabattsparbücher find deshalb etwas ganz anderes als die Dividende, die die Konsum- vereine zahlen. In den Konsumvereinen stechen fich nit Käufer“ und Verkäufer gegenüber, sondern die Einkäufer sind die Mitglieder der Konsumvereine. L S s L

Abg. Dr. Schröder - Cassel (nl.): Die Konsumvereine müssen ebenso besteuert werden wie alle übrigen Handelsbetriebe. Insofern find wir mit dem Antrage Hammer einverstanden und werden den Antrag auf Kommissionsberatung unterstützen, Auf keinen Fall dürfen aber die Nabattsparvereine getroffen werden. :

Abg. Nofenow (fortshr. Volkêp.): Wir werden urs gern in ter Kommission mit der Frage beschäftigen; ob wir die Nabattsparvereine treffen sollen oder nicht, ist eine sehr s{wierige Frage. Wenn aber die Konsumvereine getroffen werden sfollen, dann müssen auch die Naiffeisengenossenschaften, die Bezugsgenossenschaften, die Beamten- konsumvereine und Offizieröskonsumvereine und ebenso die Verkaufs- slelle des Bundes der Landwirte getroffen werden. Wir haben leider von dem Abg. Dr. Hahn ncech keine Auslunft darüber erhalten, wélche Artikel diefe Verkaufsstelle des Bundes der Landwirte vertreibt, . Abg. Hirsch (Soz4.): Wir müssen den Antrag ablehnen. Gewiß nd auch wir der Ansicht, daß die Konsumvereine ebenso behandelt

Berlin, Donnerstag, den 4. Mai

werden müssen wie alle übrigen Handelsbetriebe. Aber gerade deshalb seben wir in bem Antrage die Forderung nacl einer Aus nahmegeseßgebung. Gerade wir - find die besseren Freunde des Mittelstandes, indem wir ihm darlegen, welches die Maßnabhmea sind, durch die er sih vor der wirtschaftlihen Entwicklung süßen Tann.

Der Antrag wird an die um 7 Mitglieder zu verstärkende Handels- und Gewerbekommission überwiesen.

Schluß 4 Uhr. Nächste Sißung Donnerstag 11 Uhr. (Antrag auf Einstellung des ehrengerihtlihen Verfahrens gegen den Abg. Dr. Liebknecht; feinere Vorlagen; Geseß über die Beschulung taubstumïîner Kinder; Geseß über die Entlastung des Oberverwaltungsgerichts:; Anträge.)

Handel und Gewerbe. Konkurse im Auslande.

Bulgarien. Ueber das Vermögen der Manufakturwarengroßhandlung J. Ciprut u. Co. in Nustschuk ist durch Beschluß des Nustscbuker Kreisgerichts vom 27. d. M. der gerihtlihe Konkurs eröffnet worden. Vorläufiger Konkursverwalter: Advokat F. Palikruscheff in Nustscbuk. Erste Gläubigerversammlung zur Wahl des ständigen Konkurs- verwalters: 29. April/12. Mai d. J. Anmeldefrist: 7./20. Mai d. F. Prüfungstermin : 21. Mai/3. Juni d. J.

Wagengestellung für Kohle, Koks und Briketts am 3. Mat 1911: Nuhrrevter OberschlesisWes Nevter Anzahl der Wagen GWeelt s « «96-575 8 509 Nicht gestellt . —_—,

Die Generalversammlung der KölnisGen Unfall-Ver- siherungs-Aktien-Gesellshaft beschloß für das abgelaufene 30. Geschäftejahr der Gesellschaft die Zahlung einer Dividende von 90 6 auf jede Aktie über 500 und von 180 M auf jede Aktie uber 1000 6. Im verflossenen Geschäftsjahre vereinnahmte die Ge- sellshaft an Prämien 6 416 562,44 4, während ie für Schäden 2 989 703,22 zablte und für noch \{chwebende Schäden für eigene Rechnung 2 668 365,27 é zurückstellte. Der Reingewinn belief fch auf 1 905 605,88 M. Davon wurden der Spezialreferve 92 78029 und der aukßerordentlißhen Schadenreserve 50 000 überwtesen, sodaß die Spezialresenve nunmebr 86293433 F, die außer- ordentliche Schadenreferve 1000C00 \& und die Kapitalreserve 1550000 J beträgt. Der Nuhegebalts-, Witwen- und Waifenkasse für die Beamten der Gefellschaft und deren Hinterbliebenen wurden 50 000 4, tem Konto für Beamtenunter- stüßungen und Gratifikationen 60 000 # zugewiesen und chließlich 989 690,87 Æ auf neue Nechnung vorgetragen. Ferner bes{loß die Generalversammlung, das Aktienkapital um 2500000 F auf 7 500 000 F zu erhöhen durch Ausgabe von 2500 Aktien über 1000 6 und die neuen Aktien einem Bankenkonsortium zu überlassen init der Verpflichtung, sie den eingetragenen Aktionären dergestalt zum Bezug anzubieten, daß auf einen Aktienbesiß von 2000 46 nominal eine neue Aktie zum Preise von 2800 1 bezogen werden kaun.

Unter Mitwirkung erster Bremer Firmen ist laut Meldung des „W. T. B.“ aus Bremen die Bremer Nordwest-Kamerun G. m. b. H. mit einem Stammkapital von 350 000 4, die bar cein- gezablt wurden, ründet worden. Die Gesellschaft übernimmt das Vandel8geschäft der Gesellschaft Nordwest-Kamerun. Lettere hat sich an dem Unternehmen mit 100 000 beteiligt. Die Erhöhung des Ztammfkapitals der Gesellschaft um weitere 150000 4 isl in Aus- sibt genommen, wodurch das Gesellschaftskapital auf 500 000 #4 aebraht wird.

Nach einer dur „,W. T. B.* übermittelten Meldung der Kaiserlih russishen Finanz- und Handelsagentur ergab der Wochenausweis der NRussishen Staatsbank vom 29. April d. J. folgende Ziffern (die eingeklammerten Ziffern entsprechen den gleiWen Positionen des bekannten Bilanzformulars der Staats3- bank bezw, den Ziffern "der Vorwoche), alles in Millionen Rubel: Aktiva. Gold in den Kassen und auf befonderen Konten (Nr. 1b und 2) 1243,1 (1234,3), Gold der Bank im Auslande (Nr. 3 und 4) 195,1 (195,7), Silber- und Scheidemünze (Nr. 1c und d) 71,1 (68,8), Diskont- und Spezialrechnungen (Nr. 5) 242,1 (246,5), Spezialre{nungen, fidergestelt durh Wesel und Wert- papiere (Nr. 6 und 7) 132,3 (128,8), Sonstige VorsGüsfe (Nr. 8—18) 190,4 (193,6), Protestierte Wechsel und prolongierte Schulden, sicher- gestellt durch unbeweglihes Eigentum (Nr. 19 und 20) 4,5 (4,3), Wert- papiere (Nr. 21 u. 22) 116,4(116,5), Wertpapiere auf Kommission er- worben (Nr. 23) 0,5 (0,9), Summen zur VerreWnung mit den Adels- und Bauernagrarbanken und anderen Negierungsinstitutionen (Nr. 24) 0,1 (0,4), Unkosten der Bank und verschiedene Konten (Nr. 25) 24,0 (22,9), Saldo der Rechnung der Bank mit ihren Filialen (Nr. 26 Aktiva und Nr. 12 Passiva) 1,6 (—), Saldo der Konten mit den Neichsrenteien (27 Aktiva, 13 Passiva) 7,6 (48,0), usammen 2228,8 (2260,3). Passiva. Kreditbillette (Differenz zwischen 1 v und Ia aftib) 1207,3 (1244 3), Kapitalien ‘der Bank (Nr. 3—4) 55,0 (55,0), Einlagen und laufende Rechnungen (Nr. 5, 6, 7b, c, d, e, 8) 926,6 (497,7), Laufende-NRechnungen der Departements der Reichs- rentei (Nr. 7a) 402,4 (422,5), Verschiedene Konten (Nr. 2, 9, 10, 11) 37,5 (37,0), Saldo der Nehnung der Bank mit ihren Filialen (Nr. 26 Aktiva und 12 Passiva) (3,8), Saldo der Konten mit ‘den Reichsrenteien (Nr. 27 Aktiva und Nr. 13 Passiva) (—), zu- fammen 2228,8 (2260,3).

ut Meldung des „W. T. B.* betrugen die Einnahmen der Canadian Pacific-Eisenbahn vom 22. bis 30. April: 2 472 000 Dollars (207 000 Dollars mehr als i. V.).

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Berlin, 3. Mai. Marktpreise nab Ermittlungen des Königlichen Polizeipräsidiums. (Höchste und niedrigste Preise.) h Der Doppelzentner für: Weizen, gute Sorte) 20,20 4, 20,16 M. Weizen Mittelsortef) 20,12 4, 20,08 6. Weizen, geringe Sorte) 20,04 4, 20,00 Æ. Noggen, gute Sortef) 16,50 M, 16,46 M. Roggen, Mittelsortef) 16,42 S, 16,38 #. Roggen, geringe Sorte?) 16,34 M, 16,30 #6. Futtergerste, gute Sorte*) 18,20 M, 17,30 f. Futtergerste, Mittelsorte*) 17,20 X, 16,30 1. Futtergerste, geringe Sorte*) 1620 M, 15,40 X. Hafer, gute Sorte*) 19,30 4, 18,80 Æ&. Hafer, Mittelsorte*) 18,70 4, 18,20 4. Hafer, geringe Sorte*) 18,10 #, 17,60 . Mais (mixed) gute Sorte 15,50 M, 15,00 H. Mais (mixed) . geringe Sorte —,— æ, —— M. Mais (runder) gute So1te 15,00 #6, 14,50 4. Nichlstroh 6,00 6, 5,70 Æ. Heu 7,20 K, b,20 A. (Markt ballenpreise.) Erksen, gelbe, zum Kochen 50,90 , 30,00 M. Sp:isebohnen, weiße 50,00 , 80,00 4. Linfen £0/00 4,

1998,

20,00 Æ. Kartoffelu (Kleinhandel) 9,00 6, 5,00 Æ. Rindfleisch von der Keule 1 kg 2,40 , 1,60 # do. Bauthfleish 1 ke; 1,70 Æ, 120 . Schweinefleisch 1 kg 1,90 , 1,20 #. RKalbfleisch 1 kg 2,40 4, 1,50 4. Hammelfleisch 1 kg 2,20 #6, 1,20 #. Butter 1 ko 2/80 #4, 220 #. Eler 60 Stück 4,40 f, 2,80 Æ. Karpfen 1 kg 2,40 4, 1,10 #. Aale 1 kg 3,00 Æ, 1,30 #. Zander 1 kg 3,60 #6, 1,40 M. Hechte 1 kg 2,80 6, 1,20 4. Barsche 1 kg 2,00 #, 0,80 4. St@leie 1 kg 3,40 M, 1,20 Æ. Bleie 1 kg 1,60 6, 0,80 6, Krebse 60 Stück 30,00 #, 2,50 6.

+4) Ab Bahn.

*) Fret Wagen und ab Bahn.

Ausweis über den Verkehr auf dem BerlinerSchlachtvieb- martr vom 3. Mat 1911. (Amtlicher Bericht.)

Rinder 239 Stück, darunter Bullen 81 Stück,

Stück, Kühe und Färsen 93 Stück; Kälber

Schafe 784 Stück; Schweine 13535 Stück.

-: Für den Zentner: 1) Doppellender feinster Mast, Lebend- gewicht 102 Æ, Schlacbtgewiht 104—136 4, 2) feinste Mast- tälber, Lg. 65—69 f, Schlg. 108—115 F, 3) mittlere Mast- und beste Saugkälber, Lg. 57—64 4, Schlg. 95—107 #, 4) geringe Mast- und gute Saugkälber, L. 48—55 #Æ, SwWhlg. 84—96 5, 9) geringe Saugkälber, Lg. 30—40 #, Shlg. 55—73 .

Schweine: Für den Zentner: 1) Fettshweine über 3 Ztr. Lebendgewiht, Lebendgewi&t 46 F, Schlahtgewiht 58 M, 2) vollfleishige Sch{weine von 240—300 Pfd. Lebendgewicht, Lg. 46 A, Schlg. 57—58 e, 3) vollfleis&ige Schweine von 200—240 Pfd. Lebendgewiht, Lg. 45—46 #, Schlg. 56—58 M, 4) vollfleis@ige Schweine von 160—200 Pfd. Lebendgewiht, Lg. 44—46 #, Sdlg. 55—57 H, 5) vollfleishige Schweine unter

160 Pfd., Lg. 42—44 46, Schlg. 53—55 4, 6) Sauen, W. 40—42 , Sch(hlg. 00—53 M. : Marktverlauf :

ov F 001 o ms [P ml 1104 o Der leine Rinderauftrieb war abzuseßen. Der Kälber handel gestaltete sih glatt.

Bei den Schafen war gut auszuverkaufen.

Der Schwe inemarkt verlief glatt und wurde geräumt.

Berlin, 1. Mai. Monatsbericht der ständigen Deputation der Wollinteressenten. Der vorige Monat verlief für das Woligeschäft in ruhigem, gleihmäßigem Tempo und die Berichterstattung kann si daher lediglih auf die Negistrierung der Verläufe beschränken, wel(e in deutsher Wolle 3700 Zentner in Schweiß betrugen, die zu unveränderten Preisen aus dem Markt ge- nommen wurden. Das Geschäft in Kolonialwollen vollzog si eben- falls obne Shwankung und die Umsätze beziffern ch auf 2800 Ballen Kapwolle, 2100 Ballen Buenos Aires- und Australwolle, zusammen 4900 Ballen.

Amtlicher Marktbericht vom Magervbiehhof in riedrihsfelde. Schweine- und Ferkelmarkt am Mittwoch, den 3. Mai 1911. Auftrieb Ueberstand Schweine . . 4049 Stück Stüd Wee O0 E Verlauf des Marktes: Mittelmäßiges Geschäft; Preise bei den Ferkeln niedriger. Es wurde gezahlt im Engroshandel für : Läufershweine: 7-——8 Monate alt . . Stück 44,00—57,00 46 9—6 Monate alt. .. « 934,00—43,00 ote: 34 Monate l i 24,00—33,00 eere Q 13 N t 4 « 16,00—23,00 6—8 Wochen alt L « 11,00—15,06

Kursberichte von auswärtigen Fondsmärkten.

Hamburg, 3. Mai. (W. T. B.) (S@lluß.) Gold in Barren das Kilogramm 2790 Br., 2784 Gd., Silber in Barren das Kilogramm 73,25 Br., 72,75 Gd.

Wien, 4. Mai, Vormiltags 10 Uhr 50 Min. (W. T. B.) Einh. 40%/ Nente M./N. pr. ult. 92,80, Einh. 4% Rente Januar/Juli pr. ult. 92,70, Oesterr. 49/9 Rente in Kr.-W. pr. ult. 92,70, Ungar. 4%» Goldrente 111,45, Ungar. 4% Rente in Kr.-W. 91,29, Lürfishe Lose per medio 252,50, Orientbahnaktien pr. ult. —,—, Desterr. Staatsbahnaktien (Franz.) pr. ult. 761,50, Südbahn- gesellschaft (Lomb.) Akt. pr. ult. 111,50, Wiener Bankvereinaktien 949,90, Desterr. Kreditanstalt Akt. pr. ult. 650,00, Ungar. allg. Kreditbankaktien —,—, Oesterr. Underbankaktien 532,50, Unionbank- aktien 618,00, Deutsde Reichsbanknoten pr. ult. 117,37, Brüxer Koblenbergb.-Gesellsh.-Akt. —,—, Oesterr. Alpine Montangesell- schastéaltien 816,90, Prager Eisenindustrieges.-Akt. 2715, Skoda- aktien 630.

London, 3, Mat. (W. T. B.) (SW&luß.) 24% Englishe Konsols 81°/,6, Silber prompt 24%/,¿, per 2 Monate 24/5, Privat- diskont 25/6. Bankausgang 160 000 Pfd.

D, 0. Dat (0 L, ‘Schluß. 39% Franz. Nente 96 00.

adrid, 3. Vai, (W. T. !

»

Wechsel auf Paris 108,35.

Lissabon, 3. Mai. (W. T. B.) Goldagio 9.

New York, 3. Mai. (W. T. B.) (Schluß.) Nach anfäng- liher Trägheit infolge ungünstiger Nachribten aus Meriko gestaltete sih die Haltung der örse bei lebhaften Umsäßen fester auf Deckungen, fpekulative Käu Canada befeftigten sih auf ein wiederaufrauendes Gerücht, wona diese Babngesellschaft die Kontrolle der Erie-Bahn zu erwerben trackte. Steels litten anfänglih unter dem Eindruck, den die beantragte Ver folgung des Stahltrustes we es Antitrustgesezes auf die Börse ausübte, konnten sich jedoch späte gleichfalls gut e bolen, da die allgemeine Stimmung zum blusie ausgesprochen fest war auf Grund umfangreic Juf eten, wobei si seitens der Baissiers eine gewisse Nervosität bemerkbar machte. Aktienumsagt : 495 000 Stück. Tendenz f eti Geld auf 24 Stunden Durchschn.-Zinsrate 22, do. Zinsrate für le 2E,

Wechsel auf London 4,8450, Cc

» d Dante Ano S 10110 fe und Manipulationen der Haussecliquen.

Kursbertchte von auswärtigen Warenmärkten. 4. Mai. (W. T. B.) Zutckerberi@&St. Kornzucker 88 Grad o. S. 9 90—1000. Na@vrodukte 75 Grad o. S, —,—. EStimmung: Ruhig. Brotraffin. 1 o. F. 19,75—20,00. Kristallzucker 1 m. taffinade m. S. 19,50—19,75, Gem. Melis T mi ad 1 19,25. Stimmung: Rubia. MNodzucker Transit 1. Produkt frei an Bord Hamburg: Mai 10,374 Od., 10,40 Br., —,— bez., Juni 10,374 Gd., 10,40 Br., —,— bez., Juli 10,423 Gd., 10,4? ,— bez., August 10,473 Gd., 10,30 Br., —,— bez., Oktober 9,65 Gd., 9,70 Br. —,— bez. E

Stimmung:

Magdeburg,

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