1911 / 107 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Königreich Preußen.

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht: die Bauräte von Manikowsky in Antwerpen, Mette- ang in Mainz, Biecker in Cöln, Lang in Celle, Gold-

Sud in Oppeln, Preiß in Münster (Westf.), Roeßler in Magdeburg, Gerhardt in Breslau, Strauß in Pillau und Frit\ch in Marienwerder, die Regierungsbaumeister Marußky in Elberfeld, Hermann Sarrazin in Berlin, Otto Opper- mann in Posen, Hermann Meyer in Cassel, Perkuhn in Kattowiß, Krae fft in Breslau, Karl Meyer in Hannover, Senst in Halle (Saale), Zander in Berlin, Klemens Marx in Erfurt, Nacke in Euskirchen, Rüppell in Schneidemühl, Gullmann in Görliß, Kleit\sch in Hamburg, En elke in Nordhausen, Wilhelm Schmit in Königsberg (Pr), Kiehl in Harburg und Flume in Hagen zu Regierungs- und Bauräten zu ernennen, , A

dem Regierungs- und Baurat Sannow, bisher Mitglied der Eisenbahndirektion in Erfurt, beim Uebertritt in den Ruhe- stand den Charakter als Geheimer Baurat und

dem Regierungsbaumeister Lin ow, zurzeit in Tsinanfu in China, den Charakter als Baurat mit dem persönlichen Range der Räte vierter Klasse zu verleihen.

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht: den Direktor des Volks\chullehrerinnenseminars in Breslau

Bernhard Stein zum Provinzialschulrat zu ernennen und dem Polizeisekretär Sumpf in Berlin den Charakter als

Rechnungsrat zu verleihen.

Seine Majestät der König haben Allergnädigst geruht:

dem Rittergutsbesißzer Voigdt-Dombrowken die in Gold ausgeprägte Medaille für Verdienst um die Pferdezucht zu verleihen.

Auf Jhren Bericht vom 12. April 1911 will Jh das durch Meinen Erlaß vom 5. November 1906 der Halleschen Straßenbahn-Aktiengesellshaft zu Halle a. S. zum

wecke der Anbringung von Wandhaken für die elektrische ets ae verliehene Recht zur dauernden Beschränkung des Grundeigentums unter denselben Bedingungen auf die Stadtgemeinde Halle a. S. über- tragen.

Achilleion, den 22. April 1911.

Wilhelm R. von Breitenbach.

An den Minister der öffentlichen Arbeiten.

Auf den Bericht vom 12. April d. J. will Jh der Stadtgemeinde Herne für diejenigen Fälle, in denen aus olizeilichen Rücksichten auf den öffentlihen Wegen die Auf- fellan von Masten zur Befestigung der Tragedrähte für die elektrische Oberleitung ihrer Stpabenbannlime Herne (Kirch- laß) —Gerthe nicht zugelassen werden kann, zur Erlangung des Befugnis, für diesen Zweck an den Sicasenwänden der Gebäude Wandhaken anbringen oder auf den Grundstücken Tragemaste errichten zu dürfen, das Necht zur dauernden Beschränkung des Grundeigentums verleihen. Die ein- gereichte Karte erfolgt zurü.

Achilleion, den 22. April 1911.

WilhelmR. von Breitenbach.

An den Minister der öffentlichen Arbeiten.

Justizministerium.

Dem Amitisgerichtsrat, Geheimen Justizrat Münchmeyer in Hannover und dem Amtsgerichtsrat Luyken in Oberhausen ist die nachgesuchte Dienstentlassung mit Pension, dem Amts- rihter, Professor Dr. Fleishmann in Halle a. S. die nach- gesuchte Entlassung aus dem Justizdienst erteilt.

Der Amtsrichter Fiebelkorn in Fraustadt ist als Land- rihter nah Hannover verseßt.

Zu Handelsrichtern sind ernannt: der Kommerzienrat Ferdinand Knops in Aachen . bei dem Landgericht daselbst, wiederernannt: der Fabrikbesißer Emil Streithof in Duis- burg und der Kaufmann Hugo Feldmann in Mülheim a. d. Nuhr bei dem Landgericht in Duisburg.

Zu stellvertretenden Handelsrihtern sind ernannt: der Bankier Karl Ohligschlaeger in Aachen bei dem Land- gericht daselbst, wiederernannt: der Fabrikbesißer Georg Le h- mann in Charlottenburg bei dem Landgericht [Il in Berlin, der Nadelfabrikant Karl Seyler in Aachen-Burtscheid bei dem Landgericht in Aachen, der Kaufmann und Fabrikbesißer Karl Ro esch und der Kaufmann Karl Jgenplig in Mülheim a. d. Ruhr bei dem Landgericht in Duisburg, der Kaufmann und Stadtrat Heinrih Pitcairn in Memel und der Kaufmann Edwin Appelhagen in Schmelz bei dem Landgericht in Memel, der Kaufmann Ernst Mix in Danzig bei dem Landgericht daselbst, der Kaufmann, Gärtnereibesitzer und Stadtverordnete John Benary in Erfurt bei dem Land- gericht daselbst, der Kaufmann und russische Vizekonsul Albert Josef Friedrich Herold in Stralsund bei der Kammer für Handelssachen daselbst.

Dem Notar, Justizrat Pohl in Landsberg a. W. und dem Notar Eschwe iler in Crefeld ist die nahgesuhte Ent- lassung aus dem Amte, leßterem zum 1. Juli d. J., erteilt.

Zu Notaren sind ernannt: die Rechtsanwälte Dr. Beling aus Friedrihshagen in Köpenick und Dr. Heidemann in Köslin.

Jn der Liste der Rechtsanwälte sind gelöscht: die Rechts- anwälte Max Hahn bei dem Landgericht [Il in Berlin, Arlt bei dem Amtsgericht in Charlottenburg und dem Landgericht ITT in Berlin, Kunze bei dem Amtsgericht in Harburg und Dufhus bei dem Amtsgericht in Werl.

In die Liste der Rechtsanwälte sind eingetragen: der Rechtsanwalt Ans pach vom Landgericht T in Berlin bei dem Amtsgericht in Wendish-Buchholz, die Gerichtsassessoren Friedrich Mayer bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Hannover, Dr. Wildt bei dem Amtsgericht und dem Land- geriht in Aachen, Dr. Kaufmann bei dem Amtsgericht und dem Landgericht in Cöln, Dr. Engelmann bei dem Amts- geriht in Weßlar, Folkers bei dem Amtsgericht in Dorum, Bacger bei dem Amtsgericht in Hohenlimburg, Höpker bei

dem Amtisgeriht in Soest, die früheren Gerichtsassessoren Gemeinert bei dem Amtsgeriht und dem Landgericht in Guben und Such bei dem Amtsgericht in Charlottenburg mit dem Wohnsiß in Deutsh-Wilmersdorf.

Der Staatsanwaltschaftsrat Dr. Rose von der Staats- anwaltschaft des Landgerichts in Cöln ist gestorben. |

Ministerium der öffentlihen Arbeiten.

Zugeteilt sind: die Regierungs- und Bauräte von Mani- kowsky der Regierung in Düsseldorf, Mettegang der Eisen- bahndirektion in Mainz, Biecker dez Eisen u in Cöln, Lang der Regierung in Posen, Goldbach und Preiß der Regierung in Oppeln, Roeßler der Regierung in Stade, Gerhardt der Regierung in Breslau, Strauß der Regierung in Gumbinnen und Fritsch der Regierung in Marienwerder.

Verseßt sind: die Regierungs- und Bauräte Buß von Wiesbaden zur Ministerialbaukommission in Berlin, de Bruyn von Wiesbaden nah Düsseldorf, Hohenberg von Posen zum Polizeipräsidium in Berlin, Behrendt von Marienwerder nach Merseburg und Lange von Marienwerder nah Wiesbaden; e Baurat Mundorf von Dirschau nah Hildesheim als

orstand des dortigen Wasserbauamts und Regierungsbau- meister Witte von Oppeln nah Cassel zur Verwaltung des dortigen Wasserbauamts I.

Der Regierungs- und Baurat Grund ist von Breslau nah Berlin ee als Mitglied (auftrw.) des Eisenbahn- zentralamts daselbst.

Der Eisenbahnobersekretär, Nehnungsrat Franz Dauern- heim in Berlin ist zum Eisenbahnhauptkassenrendanten bei der Eisenbahndirektion daselbst ernannt.

Ministerium der H und Unterrichts- angelegenheiten.

Der bisherige Privatdozent, Amtsrichter, Professor Dr. Max E chmann zu Halle a. S. ist zum außerordentlichen Pro- [eor n der juristishen Fakultät der Universität zu Königs- erg un

der bisherige Seminardirektor Dr. Georg Rudenick aus O zum Kreisschulinspektor in Allenstein ernannt worden.

Der Provinzialschulrat Stein ist dem Provinzialschul- kollegium in Breslau überwiesen worden.

Nichkamfklicßes.

Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 6. Mai.

Seine Majestät der Kaiser und König hörten gestern nahmittag im Residenzshloß in Karlsruhe die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts, Generals der Jnfanterie

reiherrn von Lyncker und des Chefs des Zivilkabinetts, Wirk- lihen Geheimen Rats von Valentini.

Seine Kaiserlihe und Königliche Hoheit der Mropring vollendet heute sein 29. Lebensjahr. Anläßlich es Geburtstages hatten die öffentlihen und viele Privat- gebäude Flaggenshmuck angelegt.

Die vereinigten Ausschüsse des Bundes rats für Handel und Verkehr und für Zoll- und Steuerwesen, die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Justizwesen, die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Rechnungswesen, die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr sowie der Ausschuß für Zoll- und Steuerwesen hielten heute Sißungen.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. S. „Eber“ vorgestern in Kotonu (Dahome) angekommen.

S. M. S. „Loreley“ ist vorgestern in Konstantinopel eingetroffen.

Jn der Zweiten Beilage zur heutigen Nummer des „Reichs- und Staatsanzeigers“ wird eine Zusammenstellung der Berichte von deutshen Fruchtmärkten für den Monat April 1911 veröffentlicht.

Potsdam, 6. Mai. Jhre Majestät die Kaiserin und Königin und Jhre Königlihe Hoheit die De Uen Viktoria Luise trafen heute vormittag von

arlsruhe auf der Fürstenstation Wildpark ein, wo ich, „W. L. B, zufolge, Ihre Kaiserlichen und Königlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin, Jhre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Eitel -Friedrih, die Prinzen Adalbert und August Wilhelm sowie die Söhne des Kron- prinzenpaares Prinz Wilhelm und Prinz Louis Ferdinand zur Begrüßung eingefunden hatten.

Schaumburg-Lippe.

Gestern vormittag fand im großen Saale des Residenz- hlosses in Bückeburg, wo die Leiche Seiner Hochfürst- lihen Durchlaucht des Fürsten Georg in geschlossenem Sarge inmitten einer prächtigen Trauerdekoration aufgebahrt war, „W. T. B.“ zufolge, eine Trauerfeier statt, an der neben der Fürstlichen Familie nur diezu der Beisezungsfeier eingetroffenen Fürstlichkeiten teilnahmen. Nach dem Chorgesang „Christus, der ist mein Leben“ hielt der Hofprediger Müller eine kurze Trauerandacht und segnete die Leiche ein. Nach der Be- endigung der Feier wurde der Sarg von den Söhnen des Ver- storbenen zu dem sechs\pännigen Letchenwagen getragen. Unter GSlockengeläut und dem Trauersalut der Geshüze bewegte sich der Trauerzug dur die Stadt nah der Stadtkirche, wo Jhre Durchlaucht die Fürstin-Mutter und die übrigen Fürstlichen Damen den Zug bereits erwarteten. Der Sarg wurde vor dem Altar aufgestellt. Nach dem Gemeindegesaug „Jesus, meine Zuversicht“ ar der Landessuperintendent, Konsistorialrat

hürnau die Trauerrede über Johannis 8, Vers 5 „Jch bin das Licht der Welt“ und segnete dann die Leiche ein. Darauf

wurde der Sarg in die Sakristei getragen und dort vorl beigesezt. Mit abermaligem Gesang, Gebet und Segen {ld die kirhliche Feier. :

Grof:britannien und Jrland.

Im Unterhause brachten gestern die Abgeordnete Kemp (liberal) und Goalding G den Antrag ia das Haus wolle in hie Weste Lesung der Bill, betreffend die Ausdehnung des Wahlrechts auf alle Frauen, die einen selbständigen Haushalt führen, eintreten. Wie „W. T. Y“ meldet, wurde die zweite Lesung mit 255 gegen 88 Stimmen

beschlossen. Frankreich.

Der Ministerpräsident Monis hatte gestern mit dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten der Nordbahnen eine Unterredung, die die entlassenen Eisenbahnarbeiter

betraf. Rußland.

Das Ministerium der Verkehrswege hat, „W. T. B.“ zu- folge, beim Ministerrat den Vorschlag eingebracht, auf Kosten er Krone eine südsibirishe Hauptbahnlinie mit dem Anschluß an die sibirishe Bahn und die Taschkentbahn zu bauen. Ferner soll eine Eisenbahnstrecke N ow onikolajewsfk —Barnaul—Bijsk gebaut werden.

Amerika.

Nach einer von der „Associated Preß“ verbreiteten Meldung des amerikanischen Botschafters in Meriko an das Staats- departement in Washington sind die Zustände in Mexiko unerträglih. Die größte Beunruhigung herrsht unter den Amerikanern in der Hauptstadt, die ein Scheitern der Friedens- unterhandlungen und die Anarchie befürchten. Offizielle Mel- dungen erklären, daß verschiedene Schlachten bevorstehen, so ein Angriff auf Saltillo.

Das amerikanische Kabinett hat gestern eingehend die Lage in Mexiko beraten und, „W. T. B.“ zufolge, beschlossen, daß die Vereinigten Staaten den status quo aufrecht erhalten sollen. Vorläufig sollen keine weiteren Truppen nah Texas und keine Kriegsschiffe nach den mexikanischen Gewässern gesandt werden, bis der Präsident Taft sich davon überzeugt hat, daß keine Möglichkeit zur Wiederherstellung des Friedens in Mexiko vorhanden sei.

Wie aus Douglas gemeldet wird, befindet sih Mazatlan noch in den Händen der Bundestruppen. Die mexikanischen Kanonenboote „Tampico“ und „Zaragossa“ haben das Lager der Aufständischen beschossen und dort große Verheerungen an- gerichtet. Wie ferner aus San Antonio gemeldet wird, haben die Aufständishen Torreon und El Paso einge-

nommen. Asien.

Jm Hinblick auf die Bewegung, die sih für Einberufung einer außerordentlihen Session der chinesischen National- versammlung geltend macht, Rd weil die inter- nationale Anleihe der Nationalversamm ung niht vor- gelegt worden is, ist ein Edikt erlassen worden, én dem, „W. T. B.“ zufolge, erklärt wird, daß die inter- nationale und japanische Anleihe notwendig seien, um die industriellen Unternehmungen zu fördern. Das Edikt befiehlt den in Frage kommenden Verwaltungsbehörden, über ihre Ausgaben periodish Bericht zu erstatten und sie lediglih für den angegebenen Zweck zu verwenden.

Afrika.

Nach Meldungen der „Agence Havas“ aus Fes vom 26. April waren die Streitkräfte des Machsen, um die Nüc&- kehr der Mahalla Brémond zu erleichtern, am Vormittag nah Faradji ausgerückt. Die Mahalla brachte etwa 20 Gefangene und zahlreiches Vieh mit, das sie den Aufrührern, deren Dörfer niedergebrannt waren, abgenommen hatte. Kurze Zeit nach der Ankunft Brémonds kehrten die Truppen nah Fes zurück, nach- dem sie noch ein Treffen zu bestehen gehabt hatten, das in- folge des Verrats eines bisher dem Machsen treuen Stammes unentschieden blieb.

Koloniales.

Eine ODvambo-Siedlung im Hereroland in Deutsc- Südwestafrika.

Im vergangenen Jahre wurte über die Bildung eines Ovambo-MNeservats südlich von Outjo berichtet. Nach einem neueren Berichte des Kaiserlihen Gouvernements ist nun beabsichtigt, den Ovambo die Farmen Okaura und Otjeru mit einem Areal von zusammen 10 000 ha gegen einen jährliGen Pachtzins von 300 Æ als Neservat zu überlassen. Den Pachtzins haben die Besißer von Großvieh, für dessen Haltung Beschränkungen niht beabsichtigt find, anteilsmäßig aufzubringen. Jn das Feige soll das bebaute Revier hincinfallen, zu dessen

eiden Seiten die Ovambo angesiedelt nd. Auf diese

Weise ist den Leuten auch Gelegenheit zum Feldbau gegeben. Der Vertrag wird auf unbestimmte Zeit abges oln werden. Das NReservat soll von vornherein niht zu klein bemessen werden, damit der Zeitpunkt einer vollen Bestockung und Ausnußung des Areals nicht zu {nell eintritt. Doch ist, falls die bei dem vorliegenden Ver- such zu machenden Erfahrungen die Zweckmäßigkeit einer derartigen Ansiedlung ergeben sollten, die Möglichkeit der Erweiterung des Ne- servats offengehalten worden.

Parlamentarische Nachrichten.

Die Berichte über die gestrigen Sißungen des Reichs- tags und des Hauses der Abgeordneten befinden sih in der Ersten Beilage.

In der heutigen (168.) Sißzung des Reichsta s, welcher der Staatssekretär des Jnnern Dr. Delbrück bei- wohnte, wurde die Spezialdiskussion des Entwurfs einer Neichsversicherungsordnung nah den Vorschlägen der XVI. Kommission fo ge jest. Die Beratung war gestern bis zum S 91 des ersten Buches „Allgemeine Vorschriften“ gelangt. Zur Diskussion stand heute zunächst § 92 (Deckung der Kosten der D UM Ler Mer gs nter mit dem der gestern zurückgestellte S 69 (Kosten der Versicherungsämter) verbunden wurde.

Die Kosten soll prinzipiell für beide Kategorien der Staat tragen, doch ist in § 69 bestimmt, daß, wenn das Versicherungs- amt bei einer gemeindlichen Behörde errichtet ist, der betreffende

“«Gemeindeverband die Kosten trägt. Die in Spruchsachen ent-

üge der Versicherungs8vertreter und sonstigen Auslagen Ei ersiherungsträger zu erstatten, bei den Oberver- cherungsämtern haben die R Ce für jede Spruch- | an der sie beteiligt sind, einen Pauschbetrag zu entrichten,

i Bundesrat festseßt und der die tatsählichen Kosten

ersicherungsämter zur Hälfte decken joll. 1 E Oie (fortschr. Volksp.) trat lebhaft für einen Antrag ein, der die Gemeinden von der A, die Kosten zu tragen, befreien will. Die Gemeinden dürften niht stärker als bis er belastet werden, zumal sie die Armenlast {hon {wer genug drücke. In threr Lesung habe die Kommission die sämtlichen Kosten dem Bundesstaate auferlkgt, in dessen Interesse doch ganz vor- nehmlih die Versicherung liege. Sachliße Gründe für die neue Belastung der Gemeinden wären nicht beigebraht worden, auch nicht von der Regterung. Den eben eingebrahten Antrag Schulß und Ge- nossen, der wenigstens die Bezüge der Versicherungsvertreter aus- e und deren Leistung den Staaten zuweisen will, würden seine Freunde natürlich eventuell annehmen. Daß die Belastung der Kommunen eine sehr hohe set, ja, daß man bereits von einer zu hohen Belastung der Kommunen sprehen könne, habe der preußische Finanzminister felbst zugegeben. Die Kommunen würden viel zu viel mit kostspieligen Arbeiten belastet, deren Erledigung eigentlih Auf- gabe des Staats und nit der Gemeinden sei; troßdem wolle „man den Kommunen immer neue Lasten auferlegen, während man ihnen leihzeitig andere Steuerquellen entziehe, wie es noch jüngst bei der ertzuwachssteuer geschehen set.

Direktor im Reichsamt des Innern Caspar: Jch bitte, den An- trag abzulehnen. Der Anschauung, als ob es sich hier um eine neue Belastung handle, muß ih entgegentreten. Schon heute müssen die kreisfreien Städte die Kosten tragen. Auch bezüglih der Belastung selbst ist die Darstellung des Vorredners nit ganz zutreffend. Den Städten fällt die Beschaffung des erforderlichen Personals viel leihter als es gti dem Lande der Fall ist; die Kosten dafür dürften relativ gering sein. Der Unterantrag Schulß würde eben- falls zu sehr unerquicklihen Schwierigkeiten führen und stellt auch natürli eine Durhbrehunß des im § 69 der Kommissionsbeschlüsse aufgesleTen Prinzips dar; er ist für den Staatssekretär des Innern inannehmbar. | j) U A In der ersten Lesung der Kommission hatte die Vernunft gesiegt; auh das Zentrum war für eine Entlastung der Gemeinden. Dann trat zwischen der ersten und zweiten Lesung auf Betreiben der Konservativen eine Wandlung ein, und es ist bedauerlih, daß auch die Bundeêstaaten für den den Gemeinden so gefährlichen Kuhhandel eingetreten sind. Der. Beschluß zweiter Lesung ist {on sprahlich bedenklih, denn im ersten Say ist prinziptell gesagt, daß sämtlihe Kosten des Versicherungsamts der Bundesstaat tragen foll. Auch dieser Satz wird im nächsten dadurh aufgehoben, daß der Gemeindeverband die Kosten tragen soll, wenn das Versicherungs8amt bei einer gemeindlihen Behörde errichtet ist. Diese Bestimmung {aft auch verschtedenartige Ver- fiherungsämter im Deutschen Reih, und das sollte vermieden werden. Die Konservativen haben es verstanden, ihre agrarischen Portemonnateinteressen zu wahren. In Ostelbien wird man die Kosten den Städten, soweit es sih um die ländlihen Gemeinden handelt, dem Staat Preußen auferlegen. Ich kann Ihnen nur empfehlen, den Beschluß der Kommission erster g Mel Auch die sächsishe Negterung follte sih dieser Verpflichtung nit entziehen. Der Bundesstaat ist doch der eigentlihe Träger dieser Institution.

Abg. Trimb orn (Zentr.): Der erste Sat des § 69 it nur eine Kodifikation des heutigen Zustandes. Von trgend einer Ver- \{lechterung der Gemeinden oder Versicherungsträger kann keine Rede sein. Wir wären ja gerne bereit gewesen, eine Entlastung der fkrets- freien Städte eintreten zu lassen. Wir haben ja einen entsprehenden Beschluß gefaßt, wir sind dann davon abgegangen, aber nit unter der Einwirkung der konservativen Partei, wie der Vorredner annimmt, fondern weil die Regierung entschieden und fest erklärte, daß fie sich auf cine Aenderung des biëherigen Zustandes nicht ein- lassen würde; wir wollten die Vorlage nicht gefährden. Eine ge- gewisse Erleichterung will nun der Kompromißantrag Schul und Genossen bringen, wona die Kosten, die die Bersicherungsvertreter erriaen, der Staat tragen soll. Cs handelt \sich um Neise- kosten usw.

Abg. Dr. Gyßling (fortshr. Volksp.): Es handelt ih nit allein um eine Kodifikation des bisherigen Zustandes, denn die Auf- g der Versicherungsämter werden gegenüber dem bisherigen Zu-

tande erheblich erweitert.

Abg. Horn-Reuß (nl.): Au meine Freunde erfüllt die Belastung der Gemeinden mit Besorgnis. Es is aber zu berüdcksichtigen, daß die Gemeinden durch die Neichsversicherung wesentlih entlastet sind. Ohne die neue Versicherung würden die Armenlasten zweifellos höher sein. Zunächst handelt es ih um Ab- gaben, die die Gemeinden bisher {hon getragen haben, und es werden in der Hauptsache nur die großen leistungsfähigen Gemeinden betroffen

werden.

(Schluß des Blattes.)

n der heutigen (68.) Sißung des Hauses der Abgeordneten, welcher der Minister der öffentlichen Arbeiten von Breitenbach beiwohnte, wurde zunächst das Andenken des am 5. d. M. verstorbenen Abg. Dr. Haarmann-Witten (nl.), Vertreters des Stadtkreises Witten und des Kreises Hattingen im Regierungsbezirk Arnsberg, in der üblichen Weise geehrt und dann die erste Beratung des Entwurfs eines Eisenbahn- anleihegeseßes fortgeseßt.

Abg. Feldmann (freikons.) wünscht eine Beschleunigung der Zugverbindungen in der Lüneburger Heide und größere Nücksihtnabme auf die Stadt Soltau in bezug auf das Halten der zwishen Münster und Bremen verkehrenden D-Züge.

Abg. Neiner-Rahden (konf.) wünscht eine Bahn von Stürlack oder Lößen über Rhein, Nikolaiken, Passenheim und außerdem Ein- stellung eines Zuges von Korschen über Lößen.

. Abg. Wenke (fortschr. fie befürwortet die Herstellung einer Lngsbahn am uße des Niesengebirges von Hermsdorf u. K. nach Schmiedeberg, die für die Sommerfrischler im mittleren Teile des Riesengebirges ein großes Bedürfnis fei.

„Abg. von Boehn (kons\.) dankt dem Minister für den zwet- gleisigen Ausbau der Strecke Stolp i. Pomm.—Stresow und bittet um bessere Anschlüsse der Linie Bütow—Schlawe an die zwischen

anzig und Berlin verkehrenden Züge.

Do von Flottwell (freikons.) wünsht den Auébau der Stredckte Marienburg— Allenstein zur Vollbahn. Zurzeit sei die Eisenbahn- verwaltung allerdings mit dringenderen Aufgaben beschäftigt, os dieser Wuns noch zurückstehen werde; aber im Interesse der Stad Christburg müsse dringend etwas getan werden. Nötig set sofort die

inführun eines durchgebenden Zugverkehrs nach Danzig, und vor allem müsse ein später Abendzug eingelegt werden, damit man den Abend in Danzig zubringen könne und niht {on um 7 Uhr ab- fahren müsse. L

g. von Baumbach (konf.) tritt für den Bau der längst projektierten Linie Hersfeld—Homberg—Wabern ein, bittet um baldige Fnangriffnahume der Vorarbeiten für die in der Vorlage enthaltene s Walbur —Eichenberg und empfiehlt ferner eine Linie von

Mas nah Loshausen zur Bahn Hersfeld— Treysa. der B g. Hir \ch- Essen (nl.) bezeihnet es als Unjtimmigkeit, daß in T tarandung für den Ausbau der Strecke Meinertüagen=Olpe Red einem Staatszushuß von 40 000 4 für den Kreis Olpe dte teilke Mie während man den Kceis Altena einer folchen Wohltat nit fate g werden lasse, und bemerkt: Dem Kreise Altena ist ein Grund- tre en p 9500 000 zugedacht, wovon der Kreis als solcher 100 000 46 R geo während auf die armen Gemelnden Valbert und Meinerz-

gen 000 bezw. 150 000 « entfallen sollen. Das sind Summen,

die diese Gemeinden nit tragen können. Daß die Strecke Meinerz- hagen—Olpe in die Vorlage aufgenommen, ist fehr zu begrüßen ; diese Strecke gehört zu denjenigen, die ausgebaut werden müssen, wenn dem Lebensinterefse des Sauerlandes und Siegerlandes Genlige ge- {ehen soll. Der rasche Ausbau von Eisenbahnstrecken im Sauer- lande ist das einzige Mittel, um der Kleineisenindustrie und der Metallindustrie in ihrem \{weren Konkurrenzkampfe zu Fellen. Die Kleineisenindustrie hat mit der immer drohender werdenden Konkurrenz der d L zu rechnen. Die E rouesene industrie entwickelt sich in der Richtung der Herstellung von immer mehr verfeinerten Produkten. Schon heute wird der uralte Besfitz- stand der Kleineisentndustrie nit nur vom Niederrhein und von Westfalen, sondern sogar von Oberschlesien her bedroht. Die Ent- wicklung der Großeifenindustrie vollzieht ih in der Weife, daß im Südwesten die Großeisenindustrie in der Herstellung von Fertigprodukten vorwärts drängt. Jeder Schritt vorwärts im Süd- westen zwingt aber die „nordwestlihe Eisenindustrie zu ver- doppelter Anstrengung. Diese Entwicklung droht die Klein- eisenindustrie zugrunde zu richten. Will man L helfen, fo kann dies nur auf dem Wege der Verbesserung der Verke rsverhältnifse, der Gewährung angemessener E und durch Herstellung von Anshlüssen geschehen, die die abgelegenen ebiete des Sauerlandes mit den großen Strecken des Verkehrs in Verbindung bringen. Der Redner weist darauf hin, p sowohl der jeßige Minister für Handel und Gerwverbe, als auch sein Vorgänger anerkannt habe, daß die Sachlage so sei, wie er sie geschildert habe.

(Schluß des Blattes.)

Nr. 18 der „Veröffentlihungen des Kaiserlihen Ge- fundheitsamts" vom 3. Mai 1911 hat folgenden Inhalt: Gesundheitsstand und Gang der Volkskrankheiten. Zeitweilige Maßregeln gegen ansteckende Krankheiten. Desgl. gegen Pest. E gegen Cholera. Medizinalstatistisches aus Norwegen, 1908. Geseßgebung usw. (Preußen.) Promotionsret der Tierärztlichen Hochschulen. Trichinenshau. Magerviehhof in Berlin. Maul- und Klauenseuche. Impfgeshäft. Medizinalwesen. (Berlin.) Maulkorbzwang für Hunde. (Reg.-Bez. Frankfurt.) Schlacht- häuser. il Promotionsrecht der Tierärzt- lichen Hochschule. (Oesterreih.) Sodawassererzeugung. (Schweiz.) Gefrierfleisch. (China.) Kokain. (Vereinigte Staaten von - Amerika. Nahrungsmittel. (Queensland.) Margarine. Tierseuhen. Deutsche Viehquarantäneanstalten, 93. Vierteljahr 1910. Tierseuchen im Auslande. Maul- und O in Dänemark. eitweilige Maßregeln gegen Tier- seuchen. (Preuß. Reg.-Bezirke Oppeln, Stade, Trier; Sachsen, Baden.) Vermischtes. (Preußen, Baden, Hessen, O) Geheimmittel. (Oesterreih.) Desgl. (Schweden.) WVeterinär- wesen, 1908. (Kapland.) Bevölkerungsbewegung, 1909. Geschenkliste. Wochentabelle über die Sterbefälle in deutschen Orten mit 40 000 und mehr Einwohnern. Desgleichen in größeren Städten des Auslandes. Erkrankungen in Krankenhäusern deutscher Großstädte. Desgleichen in deutshen Stadt- und Landbezirken. Witterung. Beilage: Gerichtliche Entscheidungen, betr. den Verkehr mit Nahrungsmitteln (Getreide, Mehl 2c.)

Statistik und Volkswirtschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Die Stickereiarbeiter und -arbeiterinnen Berlins und der Vororte sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Eine Ver- sammlung beauftragte eine Kommission, den Arbeitgebern einen neuen Lohntarif zu unterbreiten, der, wie die „Voss. Ztg.“ mitteilt, folgende wesentlihe Bestimmungen aufweist: „Neunstündige Arbeitszeit, Stundenlohn für Kurbelsticker und -stickerinnen 90 4, Hilfs- arbeiter und Hilfsarbeiterinnen 40 bis 45 „g, Singerstickerinnen und Einrichter 60 H, Ueberstundenzushläge 15 bis 25 S, Sonntagsarbeit 50 v. Li Zuschlags. Heimarbeit darf den tags- über im Betriebe Beschäftigten niht mitgegeben werden. An- erkennung des Textilarbeiterverbandsnahweises oder Errichtung eines paritätishen Arbeitsnahweises." QDie Tarifverhandlungen ür das Bäergewerbe Groß-Berlins (vgl. Nr. 98 d. Bl.) aben at demselben Blatte gestern vor dem Einigungsamt des Ge- E ts ihr Ende erreiht. Gestern wurde über die Lehrlingsfrage und die Beschaffenheit der Arbeitsräume verhandelt. Die Gesellen forderten, daß in Betrieben mit einem oder ohne Gesellen höchstens ein Lehrling, im Betrieben mit zwei Gesellen höchstens zwei Lehrlinge, nirgends aber mehr als zwei Lehrlinge be- schäftigt werden dürfen, Die Meister lehnten die Aufnahme einer Lehrlings\kala in den Tarifvertrag ab und betonten, daß im Berliner Bâäckergewerbe geradezu ein Lehrlingsmangel herrshe. Sie lehnten ferner die auf die éunbbeitlidüen Einrichtungen der Arbeitsräume bezüglichen Forderungen ab mit der Begründung, daß diese An- gelegenheit [hon durch die polizeilihen Verordnungen geregelt fet. Damit waren die Verhandlungen, die in keinem Punkt zu einer Ver- ständigung geführt hatten, beendet. Der Schieds\pru wird nächsten Mittwoch in einer besonderen Mou verkündet werden. :

In Hamburg hat, wie die „Köln. Ztg.“ erfährt, der Holz- arbeiterverband am 4. d. M. in einer fehr stark besuchten Ver- fammlung, in der auch der. Berliner Hauptvorstand vertreten war, beschlossen, dem bisherigen Teilkampf eine entschiedene und scharfe Wendung zu geben. 68 Arbeitgeber mit zusammen etwa 700 Arbeitern haben die Forderungen der Holzarbeiter bewilligt. Bet vielen andern Unternehmern, die niht bewilligt haben, ist bisher weitergearbeitet worden. Der jeßt gefaßte BesÞbluß geht nun dabin, überall obne Ausnahme, wo die Forderungen nit anerkannt werden, die Arbeit einzustellen.

Kunft und Wissenschaft.

Die diesjährige Generalversammlung der Goethbe- Gesellschaft findet am 3. Juni in Weimar statt. Den Fest- vortrag hat der Geheime Regierungsrat, Professor Dr. Eri Mars D) übernommen; er spriht über „Goethe und Bismarck“.

er Festversammlung gebt am Abend des 2. Juni im Hoftheater eine Aufführung von Goethes eNatürliche Tochter“ voraus. Für den Nachmittag des 3, Juni ist eine gemeinsame Eisenbahnfahrt nah Bad Berka, das mit Goethes amtlicher dichterisher Tätigkeit aufs engste verknüpft ist, in Aussicht genommen.

Von seiten der Geophysiker und Geologen sind zahlreiche Ver- suhe gemaht worden, das Alter der Erde zu bestimmen. Die Werte wichen aber \o stark vonecinander ab, daß dadurh diese Forschungen in einigen V rig: gerieten; ganz besonders beanspruchten die Geologen ein weit höheres Alter als die Phyfifker. :

Die Physiker suchten hauptsählich aus der Abkühlung der Erde das Alter zu ermitteln. Lord Kelvin [Väht die seit der Erstarrung der Erde verflossene Zeit auf 33—100 Millionen Jahre. Sehr jorgtte Berechnungen, die auf die Ungleichheiten im Bau des Erd- innern Nücksicht nehmen, z. B. aus seismishen Beobachtungen, er- gy nah Becker 55—65 Millionen Jahre. Für die Zeit Fit dem Beginne des Algonkiums, also dem Beginn organischen Lebens, er- be sih aus der Abküblungsformel eine Zeit von etwa 30 Millionen Jahren. Diese Zeit ist aber zweifellos zu kurz, denn während der Diese B In Uen anz beträhtlide Wärmemengen frei werden. Diese 30 MiAionen Jahre stellen also nur ein Minimum der seit dem Beginne des Algonkiums verflossenen Zeit dar. Nathort und Neumayer nehmen an, daß \ich der Erdradius seit der Silurzeit um etwa fünf Kilometer verkürzt babe. Dem würde eine Temperatur- erniedrigung von 30 Grad entsprehen, und daraus läßt ch ein Alter

von etwa 200 Millionen Jahren berèGnen, und Nudzki bat auf ähnlichem Wege für die gleiche Zeit 500 Millionen Jahre errechnet. _ Andere brauchbare Grundlagen würden \ich ergeben, wenn wir für bestimmte Zeiten die Bodentemperatur aus dem organischen Leben ermittein könnten.

Ganz befonderés Interesse bieten die Altersbestimmungen aus radioaktiven Vorgängen, besonders aus dem Heliumgehalte der Mineralien, eine Methode, die, wie die Wotenschrift „Die Umschau“ (Frankfurt a. M., Herausgeber Professor Dr. Bechhold) mitieilt, Rutherford ausgebildet hat, der die seit dem Kambrium ver- gangene Zeit, zu der bereits Tier und Pflanze auf der Erde e istierten, auf etwa 140 Millionen Jahre berechnete. Solche Untersuchungen hat befonders Strutt ausgeführt („Umschau“ 1911, Nr. 8). Vor- züglich eignen sich dazu Zirkonkristalle in Eruptivgesteinen, die Strutt in den leßten Jahren untersuht hat.

Bei diesen Berechnungen hat die genannte Zettschrift nah Koenigsberger mit einer Fehlergrenze von 50 9% zu rechnen. Es ergibt sih nun aus dem Heliumgehalte der Zirkone als Alter für:

quartâre Gesteine der Somma . E 100 000 Jahre quariae Gene Dr l 1 Mill. pliozâne Gesteine bon Neuseeland... 9 : miozäne Gesteine der Auvergne. . . ..., Syenit von Norwegen aus der Zeit zwischen Ober- De Un a 60 paläozoishen Granit von Colorado . . . . . 140 unterdevonischen (oder älteren) Granit vom Ural 200 arhäishe (oder jüngere) Seifen von Ceylon . . 200 ArMaIde Getene G0, Diese Zahlen stimmen fehr gut zu den Schäßzungen der Geologen für die Zeit des Jungtertiär und Quartär. Für die Zeit seit dem Beginn An ergibt sich also als Wahrscheinlichkeitswert 200 Millionen ahre.

Die andern radioaktiven Methoden, die sich auf den Bleigehalt von uranhaltigen Mineralien stüßen, sind bedeutend unsicherer: kommt doch Boltwood bis zu 11 (C00 Millionen Jahre! Bemerkenswert ist aber noch die Feststellung von Sodd y, daß si aus der Halbwerts- zeit des Urans ein oberer Grenzwert für das Alter der Erde er- mitteln läßt. Er erhält dafür etwa 1000 Millionen Jahre.

Mit Sicherheit läßt sih sagen: Die seit dem Anfange des Algonkiums verstrichene Zeit ist, wie aus den Abkühlungsberechnungen folgt, größer als 30 Millionen Jahre und, wie aus den Nadio- wabr scbe E n folgt, kleiner als 600 Millionen Jahre. Am G sten ist nah Koentgsberger die Erde 100—200 Millionen

ahre alt.

Literatur.

Die Nede, die Professor Dr. Adolf Harnack über Martin Luther in seiner Bedeutung fürdieGeschichte der Wissen- schaft und der Bildung am vierhundertjährigen Geburtstag des NReformators gehalten hat, it in einer vierten, durchgesehenen Auflage ershienen. (Verlag von A. Töppelmann in Gießen; 0,60 M.)

Zu dem vom Direktor bei dem Abgeordnetenhause A. Plate herausgegebenen Handbuch für das preußische Abgeordneten- haus (21. Legislaturperiode 1908 bis 1913) ist der erste Nachtrag 1911 im Verlage der Preußischen Verlagsanstalt in Berlin 8W. 68, E 90, erschienen. Er enthält die inzwishen in Kraft ge- tretenen Aenderungen der Geschäftsordnung des Abgeordnetenhauses und der Wahlvorschriften, die Fraktionslisten für 1911, Aenderungen und Nachträge der Lebensbeschreibungen der Abgeordneten, die Zu- sammenseßung des Präsidiums, der Abteilungen und ständigen Kom- missionen sowie des Seniorenkonvents u. a. m.

Verkehrswesen.

In Gochaganas (Deutshch-Südwestafrika) ist die am 6. August 1909 aufgehobene Postanstalt am 10. Piat d. X; wieder eingerichtet worden; ihre Tätigkeit erstreckt ih auf die Annahme und Ausgabe von gewöhnlichen und eingeschriebenen Brief- sendungen.

Ueber den Einfluß der Volksuntershiede auf den Postverkehr wird im „Archiv für Post und Telegraphie" folgendes mitgeteilt :

Wie auf der ganzen Erde nur einzelne Gebiete zu Entwicklungs- stätten und Ausgangsstellen einer höheren Kultur geworden sind, obne daß die Wissenschaft bis jeßt in allen Fällen hinreichende Gründe dasür gefunden hätte, so läßt sich auch das Herausragen einzelner Länder in Europa aus einer dur{\{nittliden Kultur dur die geo- graphische Lage dieser Länder allein nit erklären : es muß dabei noch die größere oder geringere geistige und wirtschaftliche Befähigung der Rassen und Völkergruppen als eine Hauptsache für ibre Kultur- entwicklung in Betracht gezogen werden. Dabei stößt man auf Nassenunterschiede, die freilich meist erst im Lande der Niederlafsung und unter dem Einflusse des Klimas entstanden sind. Solche Unter- schiede, die si sogar innerhalb einer Raffe als Völkergruppenmerkmale erkennen lassen, zeigen ihre Wirkung aub im Verkebrsleben.

Unter diesem Gesichtspunkt ift es von Belang, den Brief- verkehr der einzelnen Völkergruppen Europas und besonders die ih daraus ergebende Stellung der slavishen Völkergruppen im Verkehrs- leben zu betraten.

Dr. Fr. Haaß (Die Geshibte des Postwesens) untersceidet in etbhnographischer Hinsicht drei Stufen des Postverkehrs: die böcbste Stufe bei den germanischen Völkern, die zweite Stufe bei den romanischen Völkern, die dritte Stufe bei den slavishen Völkern.

Nach der Statistik der Reihs-Post- und Telegrapbenverwaltung für 1907 entfallen aufgegebene Postsendungen auf den Kopf der Be- völkerung in

Gruppe I (germanishe Völker) : Deutschland . 130,3 Dänemark . . 107,5 Großbritannien114,5 den Nieder-

IANDEN » « . S No1wegen . . 60,7 Schweden. . . 66,8 der Schweiz . 160,3 Belgien (61 v.H.

Germanen) 97,6,

Das Mischvolk der Rumänen, aus Thraker entstanden, ist keiner der vorstebenden Grub gemishten Bewohner Oesterreichs find im folg handelt worden.

Die vorstehende Uebersit läßt auf den \chiedenheit der einzelnen Völker“ in ibrem verkehr erkennen, und wie die cinzelnen Ændez gruppen abîtufen, so baben au& die ei ethnographishen Färbung ihre cigene Stellun C Ein klassishes Beispiel dafür ift Oesterrei. Hier weisen alle slavishen Landesteile cinen bei weitem geringeren Postverkehr auf als die deutshen. Nach der Statiftf des österrei Hen Post- und Telegraphenwesens für das Iahr 1907 entfallen im ganzen Staats- gebiet auf je 1000 Einwohner 58041 Bricfe oder rund 58 Briefe auf den Kopf.

Im einzelnen ergibt S na&Sftehondes Verhältnis :

Bei den deuts{Gen Völkern entfallen auf den Kopf der Be- vôlkerung in: Oesterrei u. d. Enns (Wien) 142, in Oesterreich ob. d. Enns 47, Salzburg 98, Steiermark (68 v. H. deuts) 58, Kärntcn 61, Tirol 101, S&lesien 53 Briefe, d. #. im Mittel 80 Briefe auf den Kopf:

bei den slavisWen Völkern: Krain (94 v. H. Slaven) 31, Küstenland (Triest) 70, Mähren (70 v. H. Slaven) 44, Galizien 23 Bukowina 27, Dalrnatien (83 v. H. Slaven) 35 Briefe, im Mitte

Gruppe Il (romanishe Völker): Frankrei . . . 80,7 Aae: (4 ¿ « JO0S Portugal: . . - 171 Spanien . .. 21.6

38.3 Briefe auf den Kopf.