1911 / 112 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

E:

E N LE n I mie: M S M ee - _ E E 0 P E M E O

M o arm ngeeneeTeT M R -AnprEM mrn

r

trümmert, der, nah Nahrung gierig, auf den glänzenden Begaitans losfährt; andere wieder vos f fra t Mh wenn der hungrige Walfish tausende von Quallen und Weichtieren und Massen von treibenden Algen und Seetang vershlingt. Auf solche oder ähnlihe Weise sind gewiß auch nit wenige enn often zerschellt oder verschlungen worden, die von der Mannschaft sinkender Schiffe ausgeworfen wurden; denn nur selten bört man von einer ficher gelandeten lasche, 24 uns die ergreifende Schlußszene eines Trauerspiels zur ee meldet.

Flaschenposten werden zuweilen auch als Verkehrsmittel be- nußt. o trieb vor einiger Zeit an der Küste des nördlihen Nor- egend eine Flashe an, worin einige Briefe und etwas Tabak lagen.

ie Briefe waren isländisch geschrieben und von den Westmann- inseln an der Südküste Jslands abgesandt. Diese Inselgruppe liegt etwa eine Meile von der Küste entfernt. Nur die größte Insel Heimary i} bewohnt und bildet ein Kirchsptel. Postverbindung mit der Außenwelt hat die Insel nicht. Wollen die Bewohner Briefe an Bekannte an der Südküste von Island \{chicken, dann legen sie die Briefe unter Beifügung von etwas Tabak für den Finder und Weiterbeförderer in etne Flasche, die sie gut verkorkt bei Südwind ins Meer werfen, sodaß sie nah Island hinübergetrieben wird. Die von den Westmanninseln nach Norwegen abgeirrte Flashenpost brauchte bis zur norwegischen Küste ein Jahr. Daß derartige Posten auch anderwärts vorkommen, eigt eine Mitteilung des Arztes Heitmann, der zufolge vor einigen Sabren bei Sulen an der Küste des Amts Nord-Bergenhus ein kleines Plankenstück antrieb, das wie ein Boot ausgehöhlt und gugespit war. Im Boden lag eine Blechbüchse, ganz mit Briefen getu , die von der etwa zehn Meilen westlich von den Hebriden tegenden Insel St. Kilda abgeshickt waren. Die Briefe enthielten außer Berichten über fkirchliche und politishe Verhältnisse auf der Insel Aufträge an die Kaufleute, Saatkorn und andere Dinge zu \chicken. Sie hatten von St. Kilda bis zum Fundort an der norwegischen Küste (eine. Strecke. von etwa 180 Meilen) 90 Tage ge- braucht, waren also tägli wenigstens zwei Meilen getrieben.

Theater und Musik.

Neues Schauspielhaus.

Im Neuen Swauspielhause begann gestern die Sommerspielzeit mit der Burleske „Cine Million“ von Georges Berr und Marcel Guitllemaud (deutsch von Erih Mog), die voraussichtlih über die warme Jahreszeit hinweghelfen wird. Es ist zuweilen eine Erholung, alle literarishen Bedenken betseite zu lassen und sich nach der Devise des Lateiners: „Dulce est desipere in loco“ ganz der Lustigkeit hinzugeben, die wie in diesem Stüde im Geschwindschritt über die Bühne hüpft. Den Inhalt bildet die tolle Jagd eines jungen Malers nah einem abhanden Mamienen Lotterielos, das eine Million gewonnen hat. Das Los st in der Tasche einer alten Jacke, die in seinem Atelier am Nagel ing und die etn über die Dächer flühtender Verbreher angezogen at, um si unkenntlih zu mahen. Die Jake wandert durch ver- Mee Hände, fliegt au einmal aus dem Fenster auf ein vorüber- aufendes Automobil und gelangt doch s{ließlich zuleßt wieder nebst dem Lotterielos in die E des rechtmäßigen Eigentümers. Originell an der ganzen Sache ist die Idee, die Handlung pantomimisch in den Zwischenakten mit Hilfe des Kinematographen fortzuspinnen, der in vorzüglich gelungenen Aufnahmen das Pariser M ufe ber: eine Fahrt auf der Seine, die Jagd nah dem Automobil usw. ver- anschaulicht und mit verblüffender Genauigkeit die Szene ergänzt. Aber die Wirksamkeit des Ganzen liegt durchaus nicht allein in diesem Trick, sondern auch in dem, was auf der Bühne vor \sich geht. Da find mit gutem Humor gezeichnete Bilder aus dem Bohème- leben, auf einem Polizeibureau, in einem den Verbrechern zum Unter- \chlupf dienenden Trödlerladen und in der Behausung eines italienishen Tenoristen. Um die Darstellung machten \ich besonders Herr Eugen Burg durch die vollsaftig humor- volle Verkörperung eines Bohémiens, ferner Herr Kehr durch die ei aller Karikierung [eve echte Darstellung des eitlen Tenoristen (auch im Gesang) sowie Herr Curt von Möllen- dorf, als Eigentümer der vielgesuchten Jade, sowohl auf der Bühne wie als ftumme Person auf den kinematographisch aufgenommenen Bildern verdient. Auh die anderen Mitwirkenden vereinigten {ih unter der trefflichen Negie des Herrn Neßbach zu einem überaus flotten

Zusammenspiel. Der Erfolg war sehr groß.

Im Königlihen Opernhause findet morgen, Sonnabend, eine Aufführung von „Salome“ statt. Fräulcin Rose singt die Titelrolle, die Herodias: Frau Ober, den Pagen: Fräulein Rot- hauser, den Herodes: Herr Sommer, den Jochanaan: Herr Brons- geest, den Narraboth: Herr Kirchhoff. (Anfang 8 Uhr.) Dirigent ist Herr Dr. Besl[.

Im Königlichen Schauspielhause wird morgen als achte Vorstellung im Ns zu ermäßigten Preifen Paul Lindaus „Erfolg“ gegeben. Die Damen von Mayburg, Buße, Heisler, Stein- sieck sowie die Herren Vollmer, Kraußneck, Patry, Staegemann und Vallentin wirken in den Hauptrollen mit.

Frank E. Washburn-Freund, der Ueberseßer des „Winter - nahtfestes*, schreibt zur Quiüvruna der isländishen Tragödie, die zur ersten Aufführung der „Literarishen Abende“ des Schau- \pielhauses im Neuen Königlichen Operntheater bestimmt ist, das folgende: „In England sind gegenwärtig neben den vielen Stückeschreibern und neben Shaw, der eine ganz etgene Stellung für fich etnnimmt, zwei vershiedene Gruppen von Dramatikern tätig, die troß der geringen Gelegenheit, die ibnen die eng- lische Bühne gewährt, {hon eine ganze Reibe interessanter Werke verfaßt haben. Zu den Realisten, die ihre Stoffe aus dem modernen Leben nehmen, gehören u. a. John Hankin und John Galsworthy. Die andere Gruppe, die sich bezeichnender- weise zum großen Teil aus irischen Dichtern, wie Yeats, Singe u. a. und solhen halber oder ganzer fkeltischer Ab- stammung zusammenseßt, stehen in engem Zusammenhang mit der englischen P Nag, Swinburne und William

orris auf der einen Seite, Burne Jones, G. F. Watts und andere Künstler auf der anderen, haben ihre Themenwahl und ihren Stil unverkennbar beeinflußt. Natürlichß geht man auch auf Shakespeare und die anderen elisabethanishen, ja auf die vorshakespearischen Dramatiker zurück. Selbst die alten Mirakelspiele und sogar die griehische Antike haben Einfluß auf diese Gruppe. Die Phantasie weist in alte Zeiten zurück, führt Helden und Ueber- menschen in mimächtigem Ae vor und berauscht \fich an fließendem Blut. Meist hält man sih an das Sagenhbafte des etgenen oder stammverwandten Volkes. So die Jren. Charles Rann Kennedy, der Verfasser des „Winternachtfestes*“, greift, wie eins William Morris mit dem er im Temperament, in dem überströmenden Wunsch, sid mitzuteilen und zu wirken, vieles gemein hat, auf die isländtshe Sage zurück. Er ist der Erste gewesen, der, wohl um seine eigene stürmische f amtasie im Zügel zu halten, die strenge Form der Antike, die Einheit des Ortes, der Zeit und der Handlung in seinem Stücke angewandt hat. Seitdem sind ihm manche hierin gefolgt. as Thema des „Winternachtfestes“, der Fluch der üge und des Hasses bedingt gewissermaßen ein Ver- weilen bei Düsterem und ein \tetiges Steigern des Grausigen. Wiewohl Kennedy in keiner Weise ein eigentli realistisher Schrift- steller genannt werden fann, hat er sein zweites Stück, das den Namen „Ein Diener des Hauses“ trägt, doch in unsere Zeit verlegt. Freilich, statt ein realistisches Lebensbild darin vorzuführen, stellt er uns ein Gleichnis dar, das fi in zarten Parallelen an tas Evangelium sfelber anlehnt. Dieses Stück kann im Vorwurf als eine Ergänzung des „Winternachtfestes*" gelten. Es handelt von der Wahrheit und Liebe, die allein Leben erzeugen. Beide Werke sind Teile eines geplanten roßen Dramenzyklus, einer Siebenzabl von Stücken, die von den eßten Dingen des Lebens in einer Art al frosco-Stil reden sollen. Es dürfte von Interesse sein, einen Schriftsteller folher Eigenart und solhen Wollens kennen zu lernen. „Ein Diener des Hauses“ batte fürzlih im Meininger Hoftheater einen tiefgehenden Erfolg. Das ältere Trauerspiel „Winternahtfest“ wird nun dem deutschen Publikum zum ersten Male vorgeführt werden.“

Die italienishe Stagione der Komischen Dper,-die am 17. Mai mit Verdis „Maskenball“ ihren Anfang nimmt, wird Berlin zum ersten Male die Bekanntschaft mit Pasquale Amato vermitteln. Amato, der neben Caruso an der Metropolitan-Opera in New York wirkt, hat für. sein Gastspiel den René im „Maskenball“ am 17. und 22. Mai und den Scarpia in „Tosca“ am 20. Mai gewählt, während für die Titelrolle des „Nigoletto* George Baklanoff gewonnen wurde, der kürzlih an der Komischen Oper einen so starken Erfolg errungen hat. Sämtliche Vorstellungen der italienishen Stagione, für die der Kapellmeister E. N. von Reznicek auch im übrigen ein Ensemble der bervorragendsten Kräfte zusammengestellt hat, finden bei erhöhten Preisen statt.

Im Königlichen Theater in Wiesbaden wohnte gestern, wie ,„W. T. B.“ meldet, Setne Majestät der Kaiser mit den ae der Umgebung dem zweiten Abend der Festvorstellungen

ei. Gegeben wurde Joseph Lauffs „Eisenzahn“.

Mannigfaltiges.

Berlin, 12. Mai 1911.

In der gesirigen Sißung der Stadtverordneten erfolgte zunächst die feierliche Cinführung der zu Stadträten gewählten bisherigen Magistratsräte Hamburger und Dr. Franz in thr neues Amt. Der Vorsteher teilte sodann mit, daß an die Einladung

Theater.

Königliche Schauspiele. Sonnabend: Opern- haus. 125. Abonnementsvorstellung. Salome. Drama in einem Aufzuge nach Oskar Wildes gleihnamiger Dichtung in deutscher etlepung von Hedwig Lahmann. Musik von Richar Zeu Musi- falishe Leitung: Herr Kapellmeister Dr. Bes[. Regie: Herr Negisseur Bachmann. Anfang 8 Uhr.

Schauspielhaus. 128. Vorstellung. Das Abonne-

ment, die ständigen Reservate sowie die Dienst- und | Bummelstudenten. Posse mit Gesan und Tanz Pre he find aufgehoben. 8. Vorstellung im Lust- | in fünf Bildern nach E. Pobl und H. Wilkens. pielzyklus zu volkstümlihen Preisen. Ein Erfolg. | Musik von Conradt. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Taifun. Swhau- | Frau. Herr Regisseur Keßler. Anfang 7# Uhr. viel tn vier Akten von Melchior Lengyel. Abends: Bummelstudenten. Montag und folgenXÆ Tage: Bummelstudenten.

Lustspiel in vier Akten von Paul Undau. Regie:

Sonntag: Opernhaus. 126. Abonnementsvor- \tellung. (Gewöhnliche Preise.) Dienst- und Frei- De sind aufgehoben. Die Zauberflöte. Oper n vier Akten von Wolfgang Amadeus Mozart.

die Königliche Oper. Anfang 75 Uhr. Schauspielhaus. 129. Abonnementsvorstellung.

Sonnabend, Abends 8 Uhr: Sumurün. Sonntag: Sumurün. Montag: Frühlings Erwachen.

2 ) : Lessingtheater. Sonnabend, Abends 8 Uhr: Tert von Emanuel Schikaneder. Neueinrichtung für Glaube und Heimat. Die Tragödie eines Volkes.

Drei Akte von Karl Schönherr. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Hedda Gabler.

S ; : Charlottenburg. Sonnabend, ¿20 thes Theater, Soanübenv, Wenbo Use Der große Name. Lustspiel in drei Akten von Sonntag: Faust, D. Teil. Montag: Ein Sommernachtêtraum.

Victor Léon und Leo Feld.

Abends: König Heinrich.

Kammerspiele. Montag: Im Klubsessel.

Der Feldherrnhügel.

Dienst- und Freipläße sind aufgehoben. Die | _ Abends: Glaube und Heimat. hügel.

Welt, in der man fich langweilt. Lustspiel in drei Aufzügen von Edouard Palilleron, überseßt von Emerich von Bukovics. Anfang 74 Uhr.

Neues Operntheater. 219. Billettreservesaß.

Anfang 7} Uhr.

Preise der Pläße: Fremdenloge 5 4, Vorder- arkett 4 Æ, 1. Nang Loge und Mittelbalkon

M, Mittelparkett (1.—22. Reibe) 3 4, Seiten-

rkett 2 A4, 1. Rang Seitenbalkon 1,50 ,

ribüne 1 4, Stehplaß 0,75 4.

Nichard Wagner-Zyklus im Königl. Opernbaus. Die ständigen Reservate sowie die Dienst- und Frei- pläte sind aufgehoben. 18. Mai: Rienzi. 22. Mai: Der fliegende Holländer. 24. Mai: Tann-

uni :

Nüruberg. 4. Juni: Das Rheingold. 6. unt: | Grillparzer.

Die Walküre. 8. Juni: Siegfried. 10. Götterdämmerung.

Montag: Glaube uud Heimat.

Neues Schauspielhaus. Sonnabend, Nath-

Dienst- und Freipläße sind aufgehoben. Literarischer | mi : 3. A d l Abend: Zum ersten Male: Ein Winteruachtfest. pen a u f S er Ne

8 Ubr: Eine Million.

Sonntag und folgende Tage: Eine Million. D h ia A s nan und folgende Tage: Polnische Wirt-

Komische Oper. Sonnabend, Abends 8 Uhr:

Orpheus in der Unterwelt. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Orpheus in der Unterwelt.

‘6 : : Schillertheater O. (Wallnertheater.) häuser. 26. Mai: Lohengrin. 29. Mai: Tristau s

: : M Sonnabend, Abends 8 Uhr: Der Traum ein Leben. uud Jsoide, 2. Zuni: Die ngold. f. Jun: Dramatisches Märchen in vier Aufzügen von Franz

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Die Ehre. Abends: Der große Name. ; Montag : Liebelei. Hierauf: Literatur.

Gilbert

bends: Der Teufelsweg.

Gustay Kadelburg.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Zapfenstreich.

Montag und folgende Tage: Der Feldherrnu-

Thaliatheater. (Direktion: Kren und Schönfeld.)

Sonnabend, Abends 8 Uhr: Polnische Wirtschaft. Schwank mit Gesang und Tanz in drei Akten von Kraaß und Okonkowsky, bearbeitet von J. Kren. ¿ Gefangstexte von Alfred Schönfeld, Musik von | Gestorben: Fr. Helene von Bogen (Potédam)

Trianontheater. (Georgenstraße, nahe Bahnhof Friedrihstr.) Sonnabend, Abends 8 Uhr: Gastspiel des „Neuen Schauspielhauses“ : Das Prinzchen. Liebes\{hwank in 3 Akten von Robert Misch.

Sonntag und folgende Tage: Das Prinzchen. Dru der Norddeutschen Buebdruerei und

Modernes Theater. (Königgräger Str. 57/58.) Sonnabend, Abends 8} Uhr: Die Grofßstadtluft. Schwank in vier Akten von Oskar Blumenthal und

des Stadtverordnetenvorstehers von Stockholm an z Behörden Berlins zum Besuche der Stadt S otha ti/dee / leide Einladungder StadtbehördevonGöteborg angesloßen tine ie Tagegordnung der Sißung bot wenig allgemeines Interesse abe. lage betreffend den Ankauf von Ländereien zur Crweitery,, e Lor: Wasserwerkes Lichtenberg und die Herstellun eines Eise dez anshlusses für dieses Werk wurde auf Antrag der Stadty. Dre babn: Sonnenfeld und Dr. Paul einem Ausschusse überwiesen, Di Weyl, lagen betreffend die Festseßung von Flucktli Vor. legung der Charlottenstraße vom E Wr Ÿ straße, ferner die Festseßung von Fluchtlinien für eine neue Sid von der Ecke ter Linden- und Hollmannstraße nach der E der Gitschiner- und Alten Jakobstraße und die Festsezun Cte luchtlinien für die Durchlegung der Sn Tat Al va ke np n orfstraße wurden SOE einem Antrage des Stadtv. Les! ? sprechend, in einem Ausschusse vorberaten werden. Ge Magistrat geforderten 10 000 4 als Beitrag zu den Kost undertjahrfeier zu Ehren Jahns erklärte amen seiner sozialdemokratishen Genossen der Stadt Dr. Zadek. Der Stadtschulrat Dr. Fischer wies tie t führungen des Vorredners als unzutreffend zurü, ee der Stadtv. Cassel trat den Ausführungen des Stadty i Zadek entgegen, betonte die Bedeutung der Bestrebungen Jahns für die Entwicklung unserer Jugend und erklärte, er sehe Fetnerle Grund ein, warum Berlin bei seinem großen Etat diese verbältniz, mäßig kleine Beitragssumme versagen sollte. Die Vorlage hs Magistrats wurde mit großer Mehrheit angenommen. Alle übri Gegenstände der Tagesordnung wurden kurzer Hand erledigt. Ae die öffentliche folgte eine geheime Sigung. x

Im neuen Hörsaal der Treptower Sternwarte \priht de Direktor Dr. S. Archenhold am Sonntag, Abends 7 Uh unter Vorführung zahlreicher Lichtbilder über: ie Bedeutun @ die Bestimmung der verschiedenen Ubrzeiten*“ und Montag, A 9 Ubr, über „Unser Wissen von der Venus und die Éntwilungigee im Kosmos“. Mit dem großen Fernrohr wird bis zum Eintritt h Dunkelheit die „Venus“, Väter der „Jupiter“ und der Mond Geis

Die für das Jahr 1911 von dem Schweizer Hotelverein bey gegebene Schrift „Die Hotels der Shweiz“ umfaßt eits beitlich und übersichtlich geordnete Preisliste und gut unterriz Angaben über die einzelnen Städte und Ortschaften, und kan der Amtlichen Auskunftstele der Schweizerischen Bundesbahnez Internationalen öffentlihen Verkehröbureau, Berlin W. 8, ls den Linden 14, kostenlos bezogen werden. »

_ Heidelberg, 11. Mai. (W. T. B.) Die Feier des f ünfji jährigen Jubiläums des Deutshen Handelstages wi heute mit einem Begrüßungs abend eröffnet. Es waren [i deutshe und 11 auséländishe Handelskammern vertreten. Der Vg F des Badischen Handelêtages, Kommerzienrat En gelhar).

annheim, brate als erster Redner ein begeistert aufgenommas Hoch auf Seine Majestät den Kaiser, Seine Königliche Hoheit )z Großherzog und das Vaterland aus. Er wies darauf de daß bet erreiht sei, was vor fünfzig Jahren \o heiß erse vor, vierzig Jahren so blutig erkämpft wurde: ein einigt starkes Deutshlard unter dem Schuß und Schirm der m vollen Hohenzollernkrone als sihere Bürgschaft für die Woblfzr und den Fortschritt des Vaterlandes. Der Le der Heidelberzr Handelskammer, Kommerzienrat Schott, toastete auf Deuts{lzy Handel und Industrie. Im Namen der Stadt Heidelberg beil kommnete der Oberbürgermeister Dr. Wilkens die Versamm indem er daran erinnerte, daß er {on vor fünfundzwanzig Jalz die gleihe ehrenvolle Aufgabe zu crfüllen gehabt habe. Im Nax der Gäste dankte der Präsident des Deutschen Handelstages, Ka en Berlin, für die warme Bewillkommnung und {loß mit einem # auf das herrlide gastlihe Heidelberg und den Badischen Handel

St. Petersburg, 12. Mai. (W. T. B.) Wie aus Nils [lajew gemeldet wird, ist vergangene Naht auf der Schwarzmet! Schiffswerft Feuer auëgebrochen. Die Modellabteilung undi Tischlerwerkstatt standen in Flammen. Der Brand ift gegen Mora erst gelö\{cht worden.

(Fortsezung des. Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten Beilage.)

Sonntag: Gastspiel des „Neuen Schauspielhaus&#": Wienerinnen. Montag und folgende Tage: Wienerinnen.

Birkus Bus. Sonnabend, Abends s Uhr: Galavorftellung. Neu: General Zadchart Ermakov, der Meister tatarischer

Abends 8 Uhr:

Theater des Westens. (Station: Zoologischer | waffen. Neu: Der urkomische Jané®

ansen mit seinen dresfierten Tieren. -

E On En E, D, eute R: erner: Herr Burkhardt-Foottit, Schulreiter. - Berliner Theater. Sonnabend, Abends 8 Uhr: Aue o Q rund Nusif La R drei Allen | S Graf: Stbiicatt Freiheitedrefiure -

eiterfamilie Frediauo. 3 Gebr. Fratell

Sonntag, Nachmittags 3} Uhr: Der fidele f Bauer. Abends: Dis aéiahicves Frau. urkom. Clowns. Pergctetos Fraucçois ! Montag und folgende Tage: Die geschiedene | Kunstreiter. Um 97 Uh

r: Die neue Origius ausstattungspantomime „Ein Jagdfest Hofe Ludwigs XUYV.‘/

Lustspielhaus. (Friedrichstr. 236.) Sonnabend, PAIENEZ S rie? HESN LTEO E R I I ZE O

Abends 8 Uhr: Der Feldherrnhügel. S{hnurre

in Es E Love g ie0s e E litt G onntag, Nachmittags r: Meyers. Schwan t: L. b d it Ho?

in drei Akten von Friedmann-Frederih. Abends: Verlobt: Frl: Adelbeld Bender wik L

ößler. Familiennachrichten.

Karl Fredenhagen (Breslau-Leipzig). ä Verehelicht: Hr. Oberleutnant reibe Stralenheim mit Frl. Amelie von Müller® torf (Lüneburg). ah Geboren: Ein Sohn: Hrn. Oberleutnani g“ von Heyden (Demmin). Hrn. Maf ?

Schmeling (Großmöllen). Hrn. Regterun oahim von Oergen (Trier). Eine Tod rn. Leutnant Hermann von Seydliy und

wigsdorf (Torgau).

Fr. Marie von Graeveniß (St. Georgsbera) Fr. Clotilde von Lieres und Wilkau (Stretlo) Frl. Anna von Stockhausen (Ahrweiler).

Verantwortliher Redakteur : Direktor Dr. Tyrol in Charslottenbut# Verlag der Expedition (Heidrich) in Berl

Anstalt Berlin 8W., Wilhelmstraße Nr. 22

Neun Beilagen

einschließlich Börsenbeilage und Warenzeihet“ On beilage Nr. 37 A und 37 B).

Frl. Magdalene von Shack (Schwerin).

zum Deutschen Reichsanzeiger und Königlich Preußischen Staatsanzeiger.

¿ 112.

Deutscher Reichstag. 172. Sigung vom 11. Mai 1911, Mittags 12 Uhr. (Bericht von Wolffs Telegraphishem Bureau.)

Tagesordnung steht die Fortsezung der zweiten L S Stur einer Reichsversicherun gsordnung. Ber Ueber den Anfang der Sizung is in der gestrigen Nummer d. Bl. berichtet worden. O 8 349 bestimmt, daß bei der Landkrankenkasse die Ver- tung des Gemeindeverbandes die Vertreter der beteiligten Arbeitgeber und der bei der Kasse Versicherten je aus deren e wählt. Die Landesregierung fann in solchen Sieken von Versicherungsämtern, in denen nur Stadt- e Landgemeinden, nicht aber selbständige Gutsbezirke und Gemarkungen oder ausmärkische Bezirke vorhanden sind, das Mahlrecht den Vertretungen der einzelnen Gemeinde über- agen. Dur Landesgeseß kann angeordnet werden, daß L Vorstand und Ausshuß wie bei der Ortskrankenkasse hit wird. Mitverhandelt wird gleichzeitig § 412: S ersicherungspflichtige haben 2/3, ihre Arbeitgeber 1/3; der Bei- bige zahlen. (Der Vorschlag der Vorlage, die Beiträge s Teilen je zur Hälfte aufbringen zu lassen, ist in der

eiden A 2. E P Se gefallen.) Bei Jnnungskassen kann die Sazung

hestimmen, daß beide Teile je die Hälfte zu zahlen haben. È Nach den Anträgen Albrecht und Genossen (Soz.) soll in 340 die zweite Bestimmung lauten: „gewählt ist, wer die Mehrheit der Stimmen erhält“; wenn dies abgelehnt wird, oll zu § 341 bestimmt werden, daß der Vertreter die Rechte nd Pflichten des Vorsigenden auf Kosten der „Kasse „nach den festgelegten Entschädigungssäßen ausübt; die §8 343 und 349 ollen gestrihen werden; in § 412 soll bei den Jnnungskranken- assen die Befugnis zur Aenderung der bezüglichen Saßzungs- hestimmungen an die s der Mehrheit der Vertreter beider Teile gebunden sein.

Dio fortschrittli Volkspartei will § 340, wi [ | Die fortschrittlihe Volkspartei will § wie folgt, fassen: „Die Vorstandsmitglieder wählen aus ihrer Mitte den Vorsizenden des Vorstandes.“ Die §8 341, 343, 349 sollen ah dem Antrage Ablaß gestrichen werden. Die Polen wollen den Vorstand der Landkrankenkassen ebenso wählen lassen wie den der Ortsfrankenkassen; sie wollen ebenfalls die §8 343 und 349 beseitigen. EN \ L

Abg. Graf West ar þ (dkonf.) : Man hat uns vorgeworfen, daß wir T rapyisten wären. Nun, die Trappisten pflegen den ihnen Begegnenden in Wort zuzurufen: memento mori, das beißt: Bedenke das Ende. Wer die Sprache des „Vorwärts“ und der Sozialdemo- traten kennt, weiß, daß die Sozialdemokraten den Zusammenschluß

er Krankenkassen lediglih als Agitationsmittel benußen. Diesem Mißbrauch entgegenzutreten, ist der Zweck der Bestimmung, die ih vertreten habe. Der Abg. Hoch hat - es fo dargestellt daß

ir Mehrheitsparteien hier gewissermaßen den Nachweis zu führen hätten, daß in zahlreichen Fällen Mißbräuche in den sfozialdemo- atishen Kassen vorhanden sind. Den Nachweis im einzelnen zu hren, liegt uns nicht ob. Dazu ist das kontradiktatorische Verfahren vor Gericht da. Es könnte Jhnen wohl passen, wenn wir Dußende von Einzelfällen vorbrächten. Sie könnten dann endlose eden halten, und die Debatte würde sich ins Uferlose veclieren; den Gefallen tun wir Jhnen nicht. Auf das Dr. Müllershe Buch habe ih mi berufen, will mich aber nicht mit jedem Einzelfalle dentifizieren. Es ist aber insofern verdienstvoll, als es ein ares Bild der Zustände bringt. Es gibt ja auch in gewissen ingen eine Notorietät, die öffentlihe Meinung. Entscheidend find einige Aeußerungen der sozialdemokratishen Presse, ent- heidend it auch die Stellung der Arbeitgeber, die \sich refigniert on der Verwaltung der Kassen zurückgezogen baben, entscheidend stt die Stellung der Arbeiter selber, die unzufrieden sind mt der Stellung der Sozialdemokraten zu den Kassen. Vie Düsseldorfer Verträge sind ihnen in drei Mustern am Schlusse des Kommissionsberihts mitgeteilt. Darin ist das Kündigungsrecht Per Kassen gegenüber den Kassenbeamten geregelt. Das Muster von 1906 enthält die Bestimmung, daß gekündigt werden kann, wenn auf erlust der bürgerlichen Ehrenrehte erkannt wird. Bei Zuchthaus- Hlrafen kann aber nur auf Aberkennung der bürgerlihen Chren- echte erkannt werden. Eine zeitlihe Behinderung is nach dem ‘ertrage auch kein Kündigungsrecht, auch wenn jemand \se{ch8 Monate Sefängnis erhalten hat. Auch sonst sind die Kündigungsgründe sehr far. „n dem Münchener Vertrag von 1908 ift bestimmt, daß einem eamten unter keinen Umständen gekündigt werden kann, wenn er ein politisches oder religiöses Vergehen begangen hat. Dazu gehört Woh- und Landesverrat, Majestätsbeleidigung, verbrecherische Ver- Legung des Wahlrehts, Gotteslästerung, Störung des Gottes- lenites x., alle diese Taten geben der Kasse keinen Kündigungsgrund. ie Verträge lassen auch deutlich die Tendenz erkennen, die An- gestellten unter allen Umständen in die Organifationen der Sozial demokraten hineinzuzwingen. Der Beamte muß dem Verbande der Sureauangestellten angehören. Es handelt sih zweifellos hierbei um en sozialdemokratischen Verband. Nun wurde uns entgegengehalten, E 1 ja keine Kasse gezwungen gewesen, solche Verträge abzuschließen. allahe ist _aber, daß nach den vom Reichsamt des Jnnern vor- I geenmenen Stichproben die Mehrzabl der Verträge nah dem Muster von V6, nit nah dem abgeschwächten Muster von 1908 abgeschlossen waren. L geagt fh, ob dur die Anstellung von Beamten nach dieser eteetenerlichen Vertragsbestimmung noch weitere Mißstände hervor- Infäbia In. Ich behaupte, daß diese Verträge dazu gedient haben, lten Beamte in die Kassen zu bringen und in ihnen zu er- nd di rau sie sih Verdienste um die sozialdemokratishe Partei h selbe vertschaften erworben hatten. Das hat der Kassenverband L & er zugegeben , indem er es als berechtigt erklärte, brot- Bitte pepordene In den Kassen anzustellen. Der Abg. Mugdan hat „erholt in eingehender und wißtziger Weise diese Mißstände nach- Auh die Gehaltsverhältnisse geben zu Beschwerden

b das Arbeiterinteresse dafür \priht, daß Hausdiener,

. in die Kassen kommen mit Gehältern, wie sie kaum ein

, will ich nicht näher untersuhen. Die angestellten

Parteiyost Len vielfach in nahweisliher Weise ihre Stellung zu diesen Be, [hen Zwecken „mißbraucht. Nicht ohne Grund hat man Di Perunten wegen politisher Vergehen Kündigung nicht angedroht. demokratievortung für die Vertragsmuster tragen die sozial- In den Gen Verbände. Die Regierung hat festgestellt, daß gerade ÜUeberhand roßstädten und Bezirken, wo die Sozialdemokratie die Abg, Hoch hat, die Mehrzahl dieser Verträge abgeschlossen ist. Der manchen „hat ents{huldigend angeführt, daß die Pegierung in h Dielen in Berlin und Dresden solhe Verträge geduldet Augen nit -atlache ist nur ein Beweis, daß die Behörden ihre ie Soticie geöffnet haben und ein solhes Gesey notwendig ist. Veise Gaiaien E hat mit ihren Kassen in frivoler und zynscer Zwischenrufe bu vas ihr Gesey und Recht egal ist. (Stürmische „Sie bellen Je den Sozialdemokraten, Zuruf des Abg. Lede bour: le ein Hund!“ Wiederholter Lärm, stürmische Zwischen-

Erfte Beilage

Berlin, Freitag, den 12. Mai

rufe rechts. Präsident Graf Shwerin-Löwiß ruft den Abg. Ledebour zur Ordnung. Zuruf des Abg. Metzger: Rufen Sie doch den frechen Junker zur Ordnung ! Fortgeseßter Lärm und stürmische Protestrufe ; der Präsident ruft den Abg. Metzger zur Vrdnung!) Ich bleibe dabei, daß die sozialderokratischen Kassen in einer Weise voraegangen sind, die den Begriffen von Gesetz und Necht und guter _Sitte ins Gesicht s{lägt. (Fortgeseßter Widerspruch bei den Sozialdemokraten.) Hier wären Friedrich Wilbelm 1. und Friedrih der Große mit dem Krücstock drein- gefahren. Wir _müßjen an ihren Grundsätzen festhalten, durch die Preußen und das Deutsche Reich groß geworden sind, an den Grund- säßen der Reinlichkeit und Sauberkeit (Lebhafter Beifall rechts, große Unruhe und Ae bei den Sozialdemokraten), und an dem Grundsay, daß nur Unbescholtene und Unbestrafte öffentlide Beamte lein dürfen, und daß auf Grund öffentlichen Rechts erbobene Geld- mittel nur für die Zwecke verwandt werden dürfen, die den Zwecken des Geseßes entsprehen. (Präsident: Der Abg. Brühne hat vorher dem Redner das Wort „Gemeinbeit“ zugerufen. E M ibn deswegen zur Ordnu ng!) Die Kom- milsionsvorshläge stehen auf demselben Boden wie die Vorlage; was diese erreichen wollte durch die Halbierung der Beiträge wird hier auf anderem Wege erreiht werden. Unter voller Wahrung der Selbstverwaltung überlassen sie der Selbstverwaltung selbst die Abstellung der Mißstände, nachdem sie richtig organisiert worden ist. Die Arbeitgeber haben nur ein Drittel der Stimmen, sind also von vornherein in der Minorität. Dieser Zustand war vielleiht in den achtziger Jahren erträglih; die Erwartung aber, daß si die Kluft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern {ließen würde, hat ih nicht bestätigt ; die Kluft hat sih erweitert und ist unüberbrückbar ge- worden. Hier soll die Bestimmung abhelfen, daß Beschlüsse und Wahlen nur zustande kommen, wenn dafür Mebrhbeiten beider Teile vorhanden sind. Die Notwendigkeit solcher Ordnung, die den Arbeit- gebern erst wieder die Mitarbeit in den Krankenkassen ermöglicht, ist unbestreitbar; dafür lassen sih zahlreihë Zeugnisse aus ten führenden loztaldemoktratishen Organen anführen. Die Sozialdemokraten stellen

den Militäranwärter als den {warzen Mann bin und ri{ten gegen |

ihn eine wüste Agitation, als wenn er ein Fremder, nit ein braver Sohn unseres Volkes wäre. Das preußishe Beamtenrecßt steht auf dem Standpunkt, daß es mit den Dienstpflichten eines Beamten niht vereinbar is, Bestrebungen zu unter- stüßen, die grundsäglih die bestehende Staats8ordnung be- kämpfen. Die Sozialdemokraten aber wollen, daß nur Sozial- demokraten in den Krankenkassen die Geschäfte führen sollen. Jede zulässige Freiheit will auch die Kommissionsmehrhbeit in dem Geseße den Kassenbeamten gewähren. Die Kassenbeamten haben öffentlihe Funktionen wahrzunehmen, sie müssen also au ibr Ver- halten außerhalb des Dienstes in Uebereinstimmung bringen mit ihren Dienstpflichten. Zu diesen gehört niht nur Unbescholtenheit, sondern auch Unparteilichkeit. Ein Kassenbeamter darf niht Partei nehmen. Der Streikbrecher muß ebenso behandelt werden als der organisierte Arbeiter ; ein fozialdemokratisher Agitator ist dazu gar niht im- stande. Politish und religiôs außerhalb ihres Amtes dürfen {ih die Kassenbeamten natürlich betätigen. Der Vorstand der Leipziger Orts- krankenkassen hat in allen diesen Fragen einen Standpunkt ein- genommen, der sich niht rechtfertigen und nicht aufrecht erhalten läßt. In dem hier hon am 2. Mai erwähnten Fall ist nah tem gericht- lichen Urteil festgestellt worden, daß ein Arbeiter, der ih das Leben genommen hat, als „Opfer sozialdemokratischer Agitation“ angesehen werden muß. Ob die Mittel, die die Kommtission vorschlägt, aus reichend sind oder nicht, darüber kann man verschiedener Meinung sein; immerhin stehen sie auf dem Boden voller Selbstverwaltung, und ih stelle meine Bedenken zurück. Jch hoffe, daß diese Vorschläge von einer überwiegenden Mehrheit des Neichstages angenommen werden; die Cinmütigkeit der bürger- lichen Parteien wird hoffentlißh auch von der Reichsregierung ge teilt und mit aller Energie zur Durchführung gebraht werden. Sie richtet einen Appell an das Land, an die große Zahl der Arbeiter, die der Sozialdemokratie noch nicht angeschlossen sind, und an die Arbeitgeber. Diesen werden neue Rechte eingeräumt auf dem Gebiet der Selbstverwaltung, und solche bedeuten immer Pflichten, und zwar für die Arbeitgeber in diesem Falle unangenehme Pflichten. Es wird ihnen die Möglichkeit eröffnet, wieder Einfluß auf die Krankenkassen zu gewinnen, es fällt ihnen die Aufgabe zu, Mißstände zu beseitigen und das Krankenkassenwesen wieder auf geordnete Bahnen zu bringen. Sie werden ihren Einfluß zur Erreichung ihres Zieles immer wieder neu beleben müssen. Ferner wendet sih unser Beschluß an die Behörden mit der ernsten Mahnung, niht lasch zu sein. Auch diesen werden ernste Aufgaben im Interesse der Oeffentlichkeit und der Erhaltung unseres Staatswesens zugewiesen. Wir haben das Ver- trauen zu ihnen, daß sie diese Aufgabe erfüllen. Jn den Neihen meiner politishen Freunde sind manhe und auch ih gehöre zu ibnen die durchaus nicht die Schattenseiten unserer sozialen Gesetz- gebung verkennen. Aber wir würden unter keinen Umständen ver- zihten wollen auf all den Segen und all die Vorteile, die die Sozialversicherung auf der anderen Seite gebraht hat, daß der deutsche Arbeiter ges{hüßt und gesichert ist wie kein anderer Arbeiter in der Welt. Wir wollen uns aber diese Lichtseiten nit ver- shandeln lassen. Wir wollen, daß die Krankenkassen wieder zu dem werden, als was sie gedaht sind, nicht Versorgungsstätten für sozialdemokratishe Agitatoren, sondern Stätten für die foziale Für- sorge. E

Abg. Eichhorn (Soz.): Ein Redner und eine Partei, die der- artiges auf dem Kerbholz haben wie die Konservativen, haben keine Veranlassung, von „Reinlichkeit“ zu \prehen. Graf Westarp hat auch falsch zitiert. Die Trappisten rufen das Wort memento mori nicht anderen zu, fie tauschen es vielmehr als Gruß unter si aus. Wenn die Herren von der Rechten es so auffassen wollen, daß sie es ihren eigenen Parteigenossen zurufen, so sind wir gern damit einverstanden. Die Entrehtung der Arbeiter, die jetzt vollzogen werden foll, führt boffentlich recht bald dazu, daß Sie diesen Trappistengruß in Jhren Reihen anwenden. Es handelt sih um eine vollständige Entrehtung, eine sahlich durch nichts begründete Aenderung in der Verwaltung der Kassen, auf Kosten der Selbstverwaltung der “Arbeitnehmer. Es handelt sich und das hat Graf Westarp in seiner Rede stark unterstrihen um ein Ausnahmegeseß gegen die Sozialdemokratie. Der Wunsch der Arbeiter, in die Gestaltung der Dinge einzugreifen und mitzuwirken, ist den herrschenden Klassen von jeher ein Dorn im Auge gewesen. Sobald die Arbeiter versuchten, einen Einfluß zu gewinnen, begannen auf der anderen Seite die Kämpfe, sie zurück- zudrängen. Man s\priht von Mißständen in den Krankenkassen. Wo solche vorhanden waren, find sie von den organisierten Arbeitern unterdrückt und beseitigt worden. Die Arbeiter haben die Kassen ausgebaut und ihre Leistungsfähigkeit verbessert, sie haben gearbeitet im Dienste der Kassenentwicklung. Wo sind denn die Landrâte geblieben, die sonst ihre Nase in alles \tecken, bei der Aufsicht über die angeblichen Mißstände in den Krankenkassen ? Freilih hat die Aufficht früher versagt. Mir sind aus meiner Materialiensammlung nit wenig Fälle bekannt, wo die sozial demokratischen Arbeiter häufig den Beshwerde- und fogar den Klageweg beschreiten mußten, um \sich Nechte zu erzwingen, die die Aufsichtsbehörde von vornherein ibnen hätte garantieren müssen. Aber solange keine Sozialdemokraten in den Krankenkassen waren, !

1948.

bat die Aufsichtsbehörde beide Augen zugedrüt. Solange ging die Schlamperei, die dann durch die Sozialdemokraten aus den Kassen herausgebracht wurde. Dann aber begann auch die Aufsicht. Der preußische Minister des Innern hat ein Rundschreiben an die NRegierungspräsidenten erlassen, das auch die skandalöse Frage ent- hielt, wo in Krankenkassen mit sozialdemokratishen Vorstands- mitgliedern Untershlagungen vorgekommen seien. Ist es jemals vorgekommen, daß ein Minister durch eine Umfrage festgestellt bat, wo in Verwaltungsämtern und bei Behörden oder in den besitßenden Klassen Unterschlagungen vorgekommen sind? Von einem folchen Zirkular hat man noh nichts gehört. Uebrigens war, als man das Material gegen die Kassen sammelte, das Urteil und der Plan {on fertig. Tatsächlih hat ein Teil der Unternehmer das Vorhandensein parteipolitisher Mißbräuhe in Abrede gestellt. Kommerzienrat Mend, ein rücksihtsloser Bekämpfer der organisierten Arbeiter, schrieb, es habe den Anschein, als ob diese Anklagen aus den Kreisen un- zusrtedener Krankenkassenärzte und Krankenkassenbeamten stammen. Wo hat die Regierung ihr Material ? Sie muß herauskommen damit, wenn sie Arbeitern ein Recht, das diese 30 Jahre besessen baben, aus den Vânden {lagen will. Fit es denn auf einmal Mode geworden, daß man verurteilt wird, ohne die Anklage zu hören wie bei einer mittelalter- lichen Feme? Man arbeitet mit dunklen Andeutungen, und das ist eine Frivolität. Die Fälle sind gar nit selten, daß die Kranken- fassen, wo sie in Lohnkämpfen eine Rolle spielen, von den Arbeitgebern mißbraucht werden. Graf Westarp bätte hier versuchen sollen, nah- zuwellen, wo au nur ein einziges Mal Arbeiter ihre Macht in den Kassen in derselben Weise mißbraucht hätten wie die Arbeitgeber. Kann man es denn den Arbeitern verdenken, wenn sie ibre Ver- trauensmänner in die Aemter seßen, die sie zu besegen h

Vie Regierung hat in den Motiven der Vorlage nit fowobl v tatsählihen als von möglichen Mißbräuchen gesprohen. Es ist ein Skandal, eine Gesetzgebung auf Möglichkeiten zu basieren: mit demselben Nechte mi die Junker in die Zuhthäuser eingesverrt werden, um ibnen die Möglichkeit zu nehmen, das Volk in Zukunft zua schädigen. Mit solhen Scheingründen sucht man die Arkeiterklafe zu entreten ! Da Regierung das \abliche Material fehlt, so hat fie einen Mann mit robustem Gewissen gefunden, der es herbeishafffen wollte: Müller heißt der Mann. Graf Westarp hat das Buch als verdienstvoll bezeichnet, er ist also mit- shuldig an dem Müllershen Buch. Zeigen Sie uns do, wo 1h die Kassen Ungehörigkeiten haben zu \{hulden fommen Wir baben doch Richter im Hause, und wozu ist die Aufsiht da 2 Gewisse Mißbräuche und Ungehörigkeiten können auch bei uns vor- kommen, das fann bei allen Verwaltungen vorkommen. Graf Westarp sollte vor seiner eigenen Tür kehren, er hat die Landrats- mißwirtschaft vergessen. Sind denn die bürgerlihßen Richter niet auch politisch tâtig? Seine von Parteilichkeit stroßende Rede macht den Grafen Westarp selber unfähig, Verwaltungsriter zu sein. Die Heuchelei und das Pharisäertum kann nicht \{limmer sein als in solhen Ausführungen, die uns das Recht ab- sprechen, Parteiangehörige in irgendeinem Amt zu haben. Die Selbstverwaltung der Arbeitershaft steht unendliß höher als die Verwaltung, die durchseßt ist von reaktionären Elementen. Daß Mißbräuche auch bei uns möglich sind, bestreiten wir nicht, wohl aber weisen wir mit der größten Entschiedenheit zurück, daß hierin System liegt. Versuchen Sie (rechts) do einen Augenblick ehrlich zu Jjein, wvergegénwärtigen Ste \ich, daß seit 14 Jahr- zehnten die bürgerlihen Gegner der Sozialdemokraten, die Bebörden usw., wachen und nach Mißbräuchen suchen. Jn dieser Zeit haben sich nur ein paar vereinzelte Fälle troy eifrigsten Suchens heraus- bekommen lassen. Das Müllershe Buch hat nicht mehr berausfinden können. Sie müßten doch eigentlich Berge von Fällen anführen können. Wollten wir Ihre Verwaltung untersuchen, so könnten wir Tausende von Fällen anführen. Wer war Herr Müller? Er war angestellter Kassenarzt in München und verlangte lebenslängliche Anstellung und ziemlich ausgedehnte Befugnisse. Als ihm das verweigert wurde, ent- deckte er auf einmal, daß die Kasse ein Tummelplatz sozialdemokratisccher Agitation sei. Er hat wahllos Zeitungsausschnitte unserer politischen Gegner, rachsühtiger Menschen zusammengetragen und zusammen geklebt und ohne Prüfung daran seine Folgerungen geknüpft. Das nennt er fritish gesihtetes Material! Dabei ist dies Material zum Teil sehr alt. Ich frage die Negterung, ob sie dem Müller ihr Material ausgeliefert hat. (Zurufe.) Es is gar nit unmöglich, daß der Müller einmal im Reichsamt des Innern sißt. Jn mindestens %/10 der Fälle sind auf die falsden Behauptungen, die Müller zusammengetlebt hat, Berichtigungen der Kassenvorstände erfolgt, und der Müller hat dies Berichtigungen untersc{lagen! Hunderte von Zuschriften, auch von Arbeitgebern, enthalten entrüstete Proteste gegen dieses angeblihe Müllershe Tatsachenmaterial, aber dabon ist nicht Notiz genommen worden! Müller bat jeßt eine Anzahl Prozesse angestrengt gegen eine Reibe von s\ozialdemo kratishen Blättern, die seine „Tatsachen“ etwas niedriger gebängt haben; wahrscheinliß aus keinem anderen Grunde, als damit sein Verbandsfreund, unser Kollege von Liebert, hier sagen kann : „es ist ja Klage von ihm erhoben worden.“ Für den angeblihen Wablterrorismus der sozialdemokratishen Kassenvorstände werden in dem Buche Fälle aus Chemniß, München, Worms angeführt. Die Wablen sind auch kassiert, aber die Kassierten sind abermals mit größerer Mehrheit gewählt worden ! Das Müllerbuch erzählt von Wahlbeeinflu}s in Wilmersdorf ; da hat gerade ein Gegner der Sozialdem e mm Wahllokal zu agitieren versuht! Und da redet man uns von Wakblterroriämus und Wahlbeeinflussung ! iese und die allermeisten Angaben des Müllerbuches sind Lügen ; fast durchweg ist die Wahrheit auf den Kopf gestellt. Den Sozialdemokraten wird vorgeworfen, daß sie in Wirklichkeit Feinde der Verhältniëwabl seien ; tatsächlih sind Kon servative und Zentrum immer dann &Sreunde diefer Wahl, wenn die Sozialdemokratie Einfluß zu gewinnen beginnt, wenn se aber tn der Mehrheit sind, lehnen sie sie ab, wie es das Zentrum in Süddeuts{- land {hon wiederholt getan hat! Der Müller mat uns ferner den Vorwurf, wir suhten Sozialdemokraten in den Kassenvorständen unterzubringen, und es schienen die erwähnten Verträge eigens gemacht zu sein, um unfähige Sozialdemokraten zu versorgen. Diese reihé- verbändlerishe Behauptung ist in nihts, aber auch gar nichts gestützt. Selbstverständlich können auch Arbeiter, können auch Sozial- demokraten Beamte in den Ortskrankenkassen sein. Aber wenn jene unerhörte Behauptung wahr wäre, die fich Graf Westary hier zu eigen gemacht hat, wo ist da wieder die Aufsichtsbehörde geblieben ? Diese muß ja dann quasi mit uns unter einer Decke steden. Graf Westarp hatte ja kraft seines Amtes die ganz besondere Verpflichtung, Beweise für diese Behauptung zu bringen : es fällt ihm aber nicht ein. Die Nechte kommt mit solchen Verdächtigungen, weil sie selbst binter dem Busch gesteckt hat. Gerade in den Kreisen der Nechten spielt die Vetternshaft eine Hauptrolle; wenn einer gute Konnexionen, wenn er einen Hohbenzollernprinzen zum Korpsbruder hat, kommt er weiter, als dur seine Fähigkeit. Wir haben unserer- seits aus\cließlich die „Fähigkeit“ zur Bedingung der Uebertragung eines Kassenamts zu machen beantragt; und da kommen Sie uns mit folhen unqualifizierbaren Vorwürfen? Es handelt sih um eine ganz \chamlose Lüge, die hier gegen die Kassenvorstände geschleudert wird. Gerade bezüglich der Münchener Kasse, die der Müller ganz besonders angreift, ist in der Gerichtsverhandlung festgestellt worden, daß es sih um durchaus fähige Leute gehandelt hat. Jm Kassendienst un- fähige Leute werden natürlich entlassen und mit Necht entlassen; ein

J “E R allen.