1891 / 206 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Heute feiert Deutschland den Tag von Sedan zur Er- innerung an die großen Thaten unseres Heeres in dem Kriege von 1870/71 und an die Einigung der deutschen Stämme zu einem festgefügten Reih. Mit der Erinnerung verbindet si< der Dank für den Opfermuth, mit welchem die glänzenden Waffenerfolge erkämpft wurden, die Genugthuung über die Fortschritte, wel<he seit jenem Tage die nationale Entwi>lung und das Gesühl fester Zu- sammengehörigkeit gemacht haben, und das Gelübde, die uns überkommenen Güter zu wahren, zu erhalten und zu ver- theidigen. j

Diesem Gedanken geben die Blätter an dem heutigen Festtage einmüthig Ausdru>. So lesen wir in der „Post“:

Fünfzig Iahre, hat der leyte der beimgegangenen Paladine Kaiser Wilhelm’s, Graf Moltke, gejagt, würden wir unter den Waffen steben müssen, um das in dem ruhmvollen Kriege, in defsen Erinnern \i<h beute die gesammte deutsde Nation vereinigt, Erworbene zu erhalten. Wir dürfen niemals vergessen, daß von dieser Fist ers der fkleinere Theil verflossen if, und, wenn selbst die Auësidhten in die Zukunft viel beller und freundlicher wären, als sie es in Betreff dec Absichten unserer Gegner sind, so dürften wir do< ziemals die Hânde in den Swoß legen oder uns in eitlen Hoffnungen wiegen, daß der große S(&lachtendenker, dem gewiß nie etwas ferner gelegen, in die Zukurft ¿u pessimistish geblidt. Jn diesem Geiste wollen wir au< das heutige Fest feiern, urs freuend der Siege, wclche deutshe Heere vor 20 Jahren blutig errungen, uns freuend des neuen Deuts<en Reiches, unserer Kraft und des Fricdens, den wir nicht stören werden, aber au< ents4lofsen zu kämpfen, wenn er gestört werden follte muthig und Gott vertrauend, wie es eine andere Generation vor 20 Jahren mit dem berrlicen Erfolge gethan, den wir heute feiern.

Die „National- Zeitung“ schreibt:

Wir Deutscte bacren der kommenden Dinge und wir werden uns dessen an diesem Sedantage ganz besonders bewußt mit der Ents<{!lofsenheit, Falls es nothwendig werden sollte, abermals Alles an Alles zu setzín, und mit der Zuversicht, wel>e die Kenntniß der eigenen Stäike und das Vertrauen zu _ den glei uns bedrohten Bundesgencssen einflößt. Als am 2. September 1870 das eine französische Heer sammt dem Kaiser sih èrgab, währerd das andere in Mét rettungélos einges<lofsen war, gab es no< keine deutsche Armee, wie die beutige. In dem Heere tes norddeutschen Bundes waren mit der preußishen Armee erst seit drei Jahren die anderen Kontingente der Staaten nördli des Mains nothtürftig vereinigt, und daneben fohten unter König Wilhelms Oberbefehl die in vielen Beziehungen anders organisirten und bewaffneten Truppen der Südstaaten. Jett baben wir seit zwanzig Jahren eixe deutshe Armee. Damals lebte in Deutschland ein fkeinetwegs machtlofer Partikularismué, der zwar Angesichts der Bidrobung der nationalen Existenz si Still- \<weiaen auferlegte, aber no< kurz vorher otne Scheu den Gedanken des Nationalstaats bitter bekämpft hatte. Heute ist diese Richtung nur in wenigen, einflußlosen Ueberréesten vorhanden; man darf sagen; die gesammte Nation steht unershütterlih zu Kaiser und Reich. Wer versut, gegen dieses Reih anzurennen, der wird si, wie wir hoffen dürfen, den Kovf daran cinrinnéen. Diese Wahrscheinlichkeit wird viel- leiht als Shugwehr des Friedens wirken,

b e Schluß eines Artikels des „Kieler Tageblatts“ eipt es:

In den leßten Wowen haben die Zeitungen zuweilen dunkle Wolken am Hornont ertli>en wollen. Kein Mensh weiß, ob sie flüchtig vorüberzichen werden oder ni<t. In jedem Fall haben se Deutschland nit in seiner Ruhe zu stören vermoht. Aber sie haben uns do< wieder daran erinnert, daß es uns dermal einst beshieden sein könnte, nidt nur in geittiger Arbeit, sondern mit Waffengewalt ein- zutreten für das, was uns der Tag von Sedan gebracht.

Ob nun diese Wolkergebilde Einbildung waren oder nit, die Feier des Tages von Sedan wird d:ß find wir gewiß! nit vorübergehen, chne uns von Neum in der Ents{lofsenbeit bestärkt zu baben, alle unsere Kraft dem Vaterlande zu weihen und es stark und mäcbtig, geeint und glü>li< unseren Nachkommen zu überliefern. Mögen wir uns nicht in trügerishe Sicherheit und Sorglosigkeit wiegen, fondern uns stets und zu jeder Stunde dessen bewußt fein, daß wir für unser bö<hites Gut jederzeit einzutreten bereit sein müssen. Je länger der Tag von Sedan der Geschichte angehört, desto mehr müssen vns die Heldenthaten jener großen Zeit als Lehre und Mah- nung gelten, einig und stark zu bleiben, um unversehrt der Zukunft zu überliefern, was uns die Vergangenheit an Glü> und Macht geschenkt bat. Wahrli®, daß es urs an kriegerischen Gelüsten fehlt, bat Deutschland hinreichend bewiesen. Wir streben niht nah neuen Ruhmesthaten; größere könnten uns faum je be- schieden scin. Aber wenn die Vorsehung Deuts(land zwingt, zu ver- theidigen, was es geworden, dann wird es si< siberlih der Helden- thaten werth zeigen, die uns in dem „Tage von Sedan“ verkörpert sind. Mag dies früher oder später scin, der Tag von Sedan wird uns immer eine Quelle bleiben, aus der wir immer von Neuem Kraft und Zuversicht, Opferbereits<aft und Begeisterung \<öpfen!

Der „Hannoversche Courier“' schreibt:

Zum zwanzigsten Wale begehen wir am heutigen Tage das Fest der nationalen Wiedergeburt, das nationale Friedentfest. Denn ein Friedentfest ist es an erster Stelle. Aber wie der Friede nur erkämpft werden konnte dur< blutige Opfer, s#o erneut si< alliährlih am 2. September von den Gipfeln der Alpen, auf denen Freudenfeuer beute zum Himmel auflodern, bis zu den Wogen der nörtlihen Meere das Gelöbniß deutscher Männer, treu zu einander zu steben, wie în guten, so in bösen Tagen, und na der Väter Weise unter Gottes Schuß auch wieder zum Schwert zu greifen, wenn es sein muß, zum Schutze dessen, was in s<{<werer Zeit errungen, zum Schutze der Einheit, der Freiheit, des Friedens. Und wie das gewaltige Bild der Germania auf dem Niederwald ein weithin si<tbares Denkmal ift für das, was ein einiges Volk im begeisterten Kampf für eine gute Sache vermag, so hat au< die Jahretfeier des Sedan- tages eine ernste und tiefe Bedeutung, die wir uns nit s{mälern laffen dürfen, als cin dankbares Gedäthtniß Derer, die urs zum Ziele geführt, und der tbeuren Todten, die das Werk mit ibrem Blut besiegelt, ais eine Mahnung den Lebenden und den Tommenden Ges&lehtern, nit unwerth zu werden der großen Zeit und der großen Männer und dessen, was sie als kostbares Erbtheil binterlafsen.

__JIn den Schulen wurde der Tag in übliher Weise dur Festakte, Turnen, Jugendspiele, Ausflüge u. \. w. gefeiert.

Von außerhalb liegen über die Feier bis jeßt folgende Berichte vor:

Potsdam. Heute früh wurden Salutshüsse vom Brau- hausberge abgefeuert, Glod>engeläute ershallte von allen Thürmen, vom Thurm der Nifolaikirhe wurden Choräle ge- blasen. Vormittags war in der Nikolaikirhe Festgottesdienst, an welchem die städtishen Behörden in Amtstracht theilnahmen. Die Stadt ist reih mit Flaggen geshmüdt.

Posen. Der Sedantag wurde hier in sämmtlichen Schulen durch Festakte gefeiert. Außer den öffentlichen flaggen auch viele Privatgebäude.

Bromberg. Die Stadt is rei<h beflaggt, in den Schulen fanden Redeakte fiatt, die Vereine und Korporationen haben besondere Festlichkeiten veranstaltet.

Breélau. Der Sedantag wird hier wie in früheren Jahren von allen Schihten der Bevölkerung festli< begangen. Die Stadt ist reih beflaggt. Für den Abend ist eine all- gemeine Beleuchtung in Aussicht genommen.

Nordhausen. Die ganze Stadt prangt im Flaggen- \{<mu>, Vormittags finden Festgot!esdienste und in den Shulen Festakte stait. Mittags Festgeläute sämmtlicher Glo>en. Für Abends sind von den Kriegervereinen und vielen anderen Ver- einen besondere Festlichkeiten veranstaltet.

München. Die Feier wurde dur< Morgenmusik vom Balkon des Rathhauses eingeleitet. Die öffentlichen Gebäude und zahlreihe Privathäuser sind reih beflaggt. Bereits gestern Abend fand eine Feier im Bürgerbräu- Keller stati, welcher au< Vertreter der Stadt beiwohnten. Während der Feier wurden enthusiastishe Hohs auf den Kaiser und den Prinz-Regenten ausgebracht, während die Musik die Nalional- hymne intonirte.

Dresden. Alle öffentlihen und viele Privatgebäude tragen Flaggenshmu>. Schulen begingen Gedenkfeiern, zahl: reihe Vereine haben besondere Fesilihkeiten veranstaltet. Börse geschlossen. Abends finden Musikaufführungen auf dem Altmarkt und Beleuchtung der öffentlihen Pläße statt.

_ Chemniy. Der Nationalfesitag wurde von der Be- völkerung in fesiliGer Weise begangen; die Stadt ist reich beflagat.

Weimar. Die Feier des Sedantages nahm den üblichen Verlauf. Nach dem Gottesdienst am Morgen fand ein Zug zu_ den Kriegerdenkmälern statt. Für den Nachmittag Äng öffentlih2 Musikaufführungen u. \. w. veranstaltet. Jan den Schulen wurde der Tag dur<h Festaktus, Turnfeste u. #1. begangen.

__ Bremen. Früh 7 Uhr wurde mit allen Glo>en ge- läutet; Vereine und Korporationen zogen nah dem Marktplag, woselbst der Senat und das Richterkollegium, die Mitglieder der Handelskammer, die Fnvaliden von 1813—15 und von 1870/71, die Bürgerschaft, die Gewerbe- und die Landwirth- shaftskammern, Reserve- und Landwehr: Offiziere Aufstellung genommen hatten. Dem Gesang des Chorals „Nun danket Alle Gott“ folgten Vorträge der Männergesangvereine und nah einem tausendstimmig aufgenommenen Hoch auf Kaiser und Reich {loß die Nationalhymne die erhebende Feier. Darauf ging der Festzug dur die Stadt zum Kriegerdenfmal, wo Kränze niedergecegt wurden. Nachmittags war großes Volk sfest auf dem Schüßenhofe, Abends JFllumination,

_ Hamburg. Sämmtliche öffentlihe und viele Privat- häuser, au<h die Schiffe im Hafen haben geflaggt. Ja den Schulen fanden gestern Festakte statt, heute fiel der Unterricht aus. Jn allen Kirchen fanden heute Festgottes- dienste, dann ein Festzug na<h dem Kriegerdenkmal in der Esplanade, sowie die Bekränzung und Weihe desselben, Abends Concerte und Feuerwerf ftatt.

Der mit der Leitung der Angelegenheiten des Kaiserlichen Kommissariats für Südwest-Afrika interimistis<h betraute Kanzler Nels hat seinen Posten mit Urlaub verlassen und die Geschäfte dem Hauptmann von François übergeben.

__S. M. Fhrzg. „Loreley“, Kommandant Kapitän- Lieutenant Graf von Moltke T, ist am 31. August in Galag eingetroffen und beabsichtigt, am 5. September die Rü- reise nah Konstantinopel anzutreten.

__ Danzig, 1. September. Jn der gestrigen ersten öffent- lihen Versammlung des Deutschen Katholikentages \sprah, wie wir der „Danz. Allg. Ztg.“ entnehmen, Freiherr von Schorlemer- Als über die Sozialdemokratie und ihre Bekämpfung:

Er bat, sh dur< den \<einbaren Zwiespalt in der Sozial- demokratie niht irre machen zu lasen, sondern ihr gegenüber na< wie vor auf der Hut zu sein. Die Sozialdemokratie sei international und uwftürzleris< um jeden Preis, die soziale Frage aber sei eine Maaen- und Seelenfrage. Redner bezeihnete die moderne Wissenschaft als die Ro>kshöße, an die si< die Sozial- demokraten ankflammern, aus dieser Wissenschaft sei der Unglaube ent- standen, der scin Gift in die Reihen des Volkes ergossen habe. So lange der Kirche nidt volle Freißeit der Bewegung gewährleistet sei, werde die Sozialdemokratie unvernihtet bleiben, ebenso, so lange das Kapital si in wenigen Händen anbäufe. Nachdem Redner auf Grund des Bebel’schen Wortes: „Auf religiösem Gebiete wollen wir den A'tbeismus, auf politishem Gektiete die Republik und auf wifsens&œa’tlihem Gebiete den Sozialismus*“ eine eingehende Swilderung des „Zukunftsftaates* gegeben batte, bezeichnete er als das oberste der Kampfmittcl gegen die soziale Feindin die Religion, die dem Volke wieder zugängli<h gemacht werden müsse. Um aber Religion wirksam ausbreiten zu können, sei die volle Frei» beit der Kirche erforderli, alle Orden müßten erhaiten bleiben und der konfessionelle Friede gesihert werden. Redner {loß mit einem Lobe auf die arbeiterfreundlihen Absichten des Kaisers und_ des Papftes und avpellirte an das katbolis&e Volk, diesen beiden Ober- bâuptern zu folgen, 7 _ Demnätst spra< Abg. Dr, Porsh- Breslau über die Schulfrage:

Die Swulfrage sei für das Centrum ein E>stein seiner Politik. Gr stehe mit dem gesammten Centrum auf dem Boden des Antrages Windthorst, wonach die Kirbe, weil allein befähigt, auch allein be- re<tigt fein soll, in den Volksschulea den Religionsunterriht zu er- theilen. Wenn der Staat fortfahren sollte, das Unterrihtsmonopel für si ¿zu beansprv<en, #" werde er den stärksten Gewifsenszwang ausüben, denn vor Allem dürfe er die Kinder nibt gegen den Willen der Eltern erziehen. Wenn diese Kardinalforderung des Centrums unerfüllt bleiben sollte, fo könnte leiht ein neuer Kulturkampf ent- stehen. Die Generalversammlung babe die Pflicht, si< über diese politis<h-pädagogishe Frage zu äufern, und er für seine Person wolle betonen, daß es verleumderis<e Phrase sei, wenn man behauptet, die Kirche erstrebe die Herrschaft über die Swule.

In der heutigen zweiten gesmeenen Generalversammlung kamen mehrere Anträge der Kommijsionen zur Berathung und Annahme. Angenommen wurden zunächst zwei Resolutionen zur Frage „Papst und ade ia ag Kirche“, welhe für die Wiederherstellung der territorialen Souveränetät des heiligen Stuhles eintreten und der Hoffnung Ausdru> geben, „daß die dem heiligen Stuhle gebührende Weltstelung immer mehr zur Anerkennung gelangt“. Auf Antrag der Kommission für Vereinswesen, Aeußeres und Formalien wurden dann fieben Resolutionen angenommen, welche folgende Punkte umfassen: 1) Es wird beschlossen: die Gründung neuer katholisher kaufmännisher Korporationen zu befür- worten, 2) die Erwartung auszusprehen, auf Wegfall der geseßlihen Vorschriften gegen die freie Bewegung der Orden 2c.; 3) die Grabstätte des Papstes Pius IX,

auszushmüd>en, sowie eine universelle katholishe Kund- gebung am 100 jährigen Geburtstag Papst Pius’ IX,. zu ver- anstalten; 4) die Ecrichtung einer deutshnationalen Andahts: stätte in Loreto zu empfehlen; 5) die Aufbringung neuer Mittel für die Marienkirche zu Hannover und das Windt- horst:Denkmal zu Meppen zu befürworten; 6) die katholische akademishe Jugend Deutschlands und die Freunde der- selben zur Theilnahme an dem bevorstehenden Pilger- zuge nah Rom anläßlih des Centennariums des heiligen Aloysius aufzufordern; 7) wird beschlossen, die nähste Katholikenversammlung (1892) in Mainz stattfinden zu lassen. Ferner wurde auf Antrag der Kom- mission für Missionen und Charitas beschlossen, den Katho- liken zu empfehlen, den Bonifacius-Verein mit Geldmitteln reihlih zu unterstüßen, besonders in Rücksicht auf die in Berlin herrschende Kirhennoth. Mit der Verlesung eines Schreibens des Erzbischofs von Köln, in welchem er der Ver- sammlung den bischöflihen Segen ertheilt, wurde die zweite Generalversammlung beendet.

Kiel, 1. September. Der chilenishe Kceuz?r „Pre \i- dente Pinto“ is, laut Meldung des „W. T. B.“, heute Mittag in See gegangen.

Kassel, 31. August. Das Programm für die Kaiserfesttage in Kassel ist nunmehr, wie der „Darmst. Ztg.“ geschrieben wird, amtlich festgestelt Seine Majestät der Kaiser trifft dana<h am 11. September, Abends um 8 Uhr, mittelst Sonderzuges auf dem hiesigen Bahnhofe ein, woselbst großer militärisher Empfang stattfindet. Jn der Museumsstraße, dem Bahnhofe gegenüber, wird der Kaiser durch die Vertreter der Stadt begrüßt. Von hier aus begiebt Sich Seine Majestät zu Wagen unter dem Geleit einer Ehren- esforte dur< die Straßen der Stadt zum Orangeriegebäude in der Karlsaue, wo Allerhöchstdemselben vom hessischen Kommunal: Landtage ein Fest gegeben wird. Nach Beendi- gung des Festes fährt der Kaiser nah Wilbelms- höhe, wo Absteigequartier genommen wird. Die Fah:t dorthin erfolgt dur< das Auethor am Friedrihs3- plaß vorbei dur die Königsstraße und Wilhelmshöher Allee. Am 12. September, früh 9 Uhr, findet südlih des Dorfes Nieder-Zwehren, dicht vor dem Thore Kassels, die große Parade des XI. Armee-Corps statt. Die Kaiserlihen Majestäten be- geben Sih von Wilhelmshöhe dur<h das Dorf Wehlheiden an Schönfeld vorbei na< dem Paradefelde. Nachmittags um 6 Uhr an demselben Tage findet im Königlichen Palais am Friedrichéplaß ein Paradediner statt, an wel<hem die Spitzen der Militär: und Civilbehörden 2c. theilnehmen werden. Um 9 Uhr Abends ist großer Zapfenstrei<h von sämmtlihen Musikcorps und Spielleuten des XI. Armee - Corps. Ueber die Fahrt des Kaisers von Wilhelmshöhe nah Kassel zum Parade- diner und Abends zurü> bestehen noch keinerlei Festsezungen. Sonntag, den 13. September, Vormittags um 10 Uhr, findet in Gegenwart Seiner Majestät des Kaisers auf dem Bowling- green in der Karlsaue ein Feldgottesdienst der sämmtlichen in Kassel liegenden Truppen statt. Wann die Abreise nah Erfurt erfolgt, ist no< nit definitiv bekannt. Dagegen möge zum S<hluß noch erwähnt sein, daß am Abend des Einzuges des Kaisers in die im Festshmu> prangende Residenzstadt Kassel, auf dem Wege vom Bahnhofe na<h dem Orangerie- gebäude in der Karlsaue, die Vereine, Schulen, Deputationen, Militär 2c. Spalier bilden.

Bayern.

München, 1. September. U-ber die hier im Gange befindl'<en Handelsvertragsverhandlungen schreibt die „Allg. Ztg.“:

_In den Kreisen der Delegirten besteht die sibere Hoffnung, im Laufe oder spätestens bis zum Schluß dieser Woche mit der erften Lesung fertig zu werden. Es wäre aber verfrübt, daraus bin- dende Schlüsse für das glatte und baldige Zustandekommen des Werks selber zu ziehen. Die erfte Lesung ist im Grunde nur eine Vorbereitung. Alle Punkte, bei wel<en si erhebliche, niht sofort zu beseitigende Differenzen ergeben, werden eben zurüd>gestellt. Es wird nah Beendigung dieser ersten Berathungen, in welchen die deutschen, österreibishen und italieaiswen Delegirten mehr die gegen- seitigen Forderungen zur Kenntniß nehmen und mögli abwägen, ale darüber endgültige Beschlüsse fassen, voraussihtli<h die Einholung neuer Instruktionen für dieselben Seitens ihrer Regierungen nothwendig werden. Erst bei der zweiten Lesung wird ih daan zeigen, ob eine Einigung ras und leiht mögli ist Man kann also bet im Aligemeinen na wi2 vor günstigen Dispositionen der betheiligten Regierungen von einem günstigen Stande der Dinge selbft des- halb no< ni<t wohl reden, weil natürli< gerade in wichtigen Punkten am Leichtesten Meinungs- und FInterefsenverschieden- heiten hervortreten werden und in fol<hen die Entscheidung noch ausfteht. Andererseits sind aber die jüngst aus Wien und Rom verbreiteten Nachrichten von weiteren Verzögerungen und un- günstigeren Aussichten insofern unrichtig oder fals< aufzefaßt worden, als man daraus auf unerwartet neu aufgetau<te Schwierigkeiten schließen zu sollen glaubte. Daß bei der ersten Lesung nicht volle Einigung und ein definitiver Abs{luß erzielt werden würde, war fozusagen selbstverständlid, umsomehr, als es si< nicht bloß vm die Zolltarife der drei Staaten, fondern au< um weitere wirthschaftlihe Abmachungen handelt.

Me>lenburg-Schwerin.

Rosto>, 1. September. Der Großfürst und die Großfürstin Wladimir trafen, wie telegraphish gemeldet wird, heute Abend 51/7 Uhr von Gelbensande hier ein und reisten alsbald über Hamburg nah Paris weiter.

Sachsen-Weimar-Eisenach.

Weimar, 1. September. Seine Königliche Hoheit der Großherzog verläßt nah der „Th. C.“ mit Jhrer Hoheit der Herzogin Fohann Albrecht von Med>lenburg morgen Scheveningen, um na< einem Abschiedsbesu<h bei

hren Majestäten den Königinnen der Niederlande in Schloß Loo nah Deutschland zurü>zukehren. Die Ankunft auf der Wartburg findet am Donnerstag statt. Jhre Königliche Hoheit die Großherzogin trifft ebendaselbst am 4. September ein.

Sachsen-Altenburg.

4+ Altenburg, 1: September. Der Königlich preußische Mee a. D., .Kammerherr Georg Heinrih von Helldorff, auf Dra>endorf, ist zum Herzoglihen Wirk- lihen Geheimen Rath und Staats-Minister mit dem Prädikat „Excellenz“ ernannt und ihm der Vorfiß im Herzoglihen Gesammt-Minifterium, sowie die Leitung der ersten Ministerial: Abtheilung (für Angelegenheiten des Herzog- lihen Hauses, Auswärtige und Universitäts-Angelegenheiten u. \. w., für Kultusangelezenheiten und Jnneres) als Zeren Vorstand übertragen worden. j

Sachsen-Coburg-Gotha.

Coburg, 1. September. Heute Vormittag 10 Uhr trat der Landtag des Herzogthums Coburg hier zu- sammen. Die Vorlage, betreffend die Bewilligung eines Beitrags aus der Coburgishen Staatskasse zur Erhaltun des Herzoglichen Hostheaters in Höhe von 9000 jährli. vom 1. Juli d. J. an bis auf Weiteres, wurde der „Cob. Ztg.“ zufolge der Finanzkommission überwiesen.

Deutsche Kolonien.

Im Austrage der Königlich sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften wird si< der Geograph und Mathematiker Dr. H. Gruner nah Deutsh-Ostafrika begeben, um si< dem E von Wissmann als wissenschaftliher Begleiter anzu-

ließen.

9 Dr. Junker veröffentliht im Augustheft der „Peter- mann'’j@hen Mittheilungen“ einen Aufsaß über seine Reise vom Victoria-See nah Bagamoyo, die er, aus Aequatoria fommend, im Jahre 1886 gemacht hat. Die Reise ging also durch unser ostafrikanisches Schußgzgebiet. Dr. Junker be- schäftigt fich hier insbesondere mit dem Landschaftlichen und hebt die Unterschiede hervor, welche in dieser Hinficht zwischen diesen südli vom Aequator gelegenen Ländern und den nördli gelegenen Ländern bestehen, in welchen er so lange Zeit ver- weilte. Von Jnteresse sind namentli<h seine Bemerkungen über Bodenkultur, Handel und Verkehr. „Die Boden- fultur“, so bemerkt er, „ist in allen Ländern südlih vom Victoria- See weit geregelter und der Boden wird weit mehr ausgenußt, als in den Neger-Ländern nördlih vom Aequator. Der Grund dafür ift der seit Jahrzehnten lebhafte Verkehr der arabischen Handelszüge von Sansibar; er hat auch die einheimische Be- völkerung in nähere Berührung miteinander gebracht und den Handel gehoben. Der Neger lernte Bedürfnisse kennen, ver- langte nah europäisher Waare und produzirte aus freien Stücken, ohne im Joch des Frohndienstes zu stehen, mehr als er für si< bedurfte, um damit freien Handel zu treiben. Das aber ift eben der gewaltige Unterschied zwischen diesen ostafrikani- schen freien Neger-Ländern und jenen dur die egyptishe Re- gierung unterjohten. Hier freier Handel, nur käuflicher Erwerb jegliher Dinge, kein Frohndienst, Bezahlung der Träger ; dort Mißachtung des Eigenthums der Neger, gewaltsame Re- quisition, Zwangsarbeit ohne Entschädigung, Villkürherrschaft eines eigennüßigen Beamtenthums. Die Anjiedelungen in den ostafrikanishen Ländern machen denn auch in Bezug auf aus- giebige Bebauung des Bodens den Eindru> geregelterer Ver- hältnisse und sind au darin von den nördlihen Ländern verschieden.“ ; i

Zum Zwe>e der Errichtung einer deutshen Schule in Togo ist Seitens des Häuptlings Almeida und seiner Familie dem Kaiserlichen Gouvernement ein Beitrag von 1000 M zur Verfügung gestellt worden.

Oesterreich-Ungarn.

Wien, 2. September. Seine Majestät der Kaiser und König is gestern Abend von Cilli nah Schwarzenau abgereist.

Für die Manöver des 2 und 8. Corps (vom 2. bis 7, September) sind nah der „Wien. Zig.“ folgende Allgemeine Bestimmungen getroffen worden : A

9. S:ptember: Uebergang in die Ausganas-Situation. 3. Sép- tember: 1, Manövertag. 4. September: 2. Manövertag. 5. Sep- tember: 3 Manövertag. 6. September: Rasttag und Besprechung. 7. September: 4. Manövertag. i | :

Das kfriegsgemäße Verhältniß der Parteien beginnt am 9. September um 2 Uhr Nachmittags und dauert bis zur Beendigung der Manöver. Ein Verkehr zwishen den Parteien ist nit gestattet. Unvermeidlihe Mittkeilungen an den Gegner sind dur< Parlamentäre zu übersenden. Dies gilt au< für den Verkehr mit der Manözer- Oberleitung, Falls diese sich bei der Gegenpartei aufbält. Die Offiziere der Manöver-Oberleitung und die Schiedsrichter verkehren jederzeit und in jeder Richtung ungehindert. Statt der bieher üblicen Demarkation8- lioien werden den beiden Corps Begrenzungélinien bekanntgegeben, über welhe die Voiposten nit hinausgeshoben und weldbe von größeren Abtheilungen nur nah Genehmigung der Manöver-Oberleitung über- \<ritten werden dürfen. Der Patrouillen- und Nathrichtendienst ist jedo<h auch über diese Linien hinaus wie im Ernstfalle zu betreiben. Die Bekanntgabe dieser Begrenzunaslinien an die Parteien gilt gleih- zeitig als Befehl zum kriegsgemäßen Abbre<hen des Gefechts. Nah S&luß der Uebung aw leßten Manövertage wird abgeblasen. :

Die Manöver - Oberleitung fungirt als das den Parteien vora-‘eßte Kommando, daher alle Meldungen, Dienststü>ke 2c. an die- selbe zu ri>ten sind. /

Am 3 und 4. September ist die Absidt für den folgenden Tag sofort na erfolgtem Abbrechen des Gefets zu melden.

Etwaige Abänderungen einer eingesendeten Disposition oder der gemeldeten Absicht sind fofort eventuell telegraphis< anzuzeigen.

Die Manöver-Oberleitung hat Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit, General- Inspektor des Heeres FM. Erzherzog Albret. Chef des Generalstabes ift FZM. Friedri Freiherr von Be>.

Ordre de bataille des 2. Corps (Oft: Partei).

Kommandant des 2. Corps und kommandirender General in Wien: FZM. Anton Freiherr von S< önfeld. Generalstab2-Chef Oberst-Lieutenant Anton Resch. 464 Bat. 28} Esc. 78 G.

4. Inf -Trupp.-Div. FML. Eduard Sucrowaty. Generalstabs- Chef Major Karl Glü>mann. 14 Bat. 2 Esc. 12 G.

7. Inf.-Brig. Oberft Karl Draths<hmidt von Bru>kheim. 1., 2., 3., 4. Bat. tes nf -Reg. Nr. 3. 1., 2., 3,, 4, Bat. des Inf.-Reg. Nr. 99. 1. Bat. des Inf.-Reg. Nr. 81.

8. Inf.-Brig GM. Octavius von Nararini. 1., 2., 3., 4. Bat. des In} -Reg. Nr. 8. Jäg.-Bat. Nr. 25.

2 Esc. des Drag.-Reg. Nr. 6. Batt.-Div. Nr. 19 (3 Batt.).

13. Inf -Trupp.-Div. FML. Georg Korács von Mad. General- Pas Tgel Major Heinri< Ritter von Schwarz. 15. Bat. 2. Esc.

25. Inf.-Brig. GM. Edmund Hoffmeister. 1., 2. 3. Bat. des Inf.-Reg. Nr. 19. 1, 3., 4. Bat. des Inf.-Reg. Nr. 69. 2., 3., 4. bosn. herz Inf.-Bat.

43. Ldw.-Brig. GM. Johann Be>. 1., 2, 18, Bat. des Ldw.- Mes Nr. 1. 3., 4, 5.- Bat. des Ldw.-Inf.-Reg. Nr. 21.

2 Esc. des Ldw.-Drag.-Reg. Nr. 1. Batt.-Div. Nr. 1 des Art.- Reg. Nr. 14 (3 Batt.).

25. Inf.-Trupp.-Div. FML. Julius Christianovié. General- stabs-Chef Major Franz Conrad. Bat. 2 Esc. 12 G.

7 X Inf.- cis GM. Wilhelm Edler von Hirsch. 1., 2., 3., E E des Inf.-Reg. Nr. 4. 1,, 2., 3.,, 4. Bat. des Inf.-Reg.

N 90. Inf.-Brig. GM. Franz Tschebulz Edler von Tsebuly. 1., Î. i L E p aaf Inf Rec Nr. 84. Jäg.-Bat. Nr. 21. 2., 7. Bat. 2 Eéc. des Ldw.-Drag.-Reg. Nr. 1. Batt.-Div. Nr. 4 (3. Batt.). 1. Kav.-Trupp.-Div. FML. Wilhelm Gradl. Generalftabs-Chef

Oberst-Lieutenant 24 E S Bat 6 @ Heinrih Fontaine von Felsenbrunn. 224/4 Esc,

2. Kav -Brig. GM. Georg Georgevits de Apadia. 6} Esc. des Drag.-Rea. Nr. 3. 64 Esc. des Huß. Reg. Nr. 5.

10. Kav.-Brig. GM. Johann Ritter Bordolo von- Boreo. 4} Esc. des Drag.-Rea. Nr. 6. 6} Esc. des Drag.-Rea. Nr. 13. Jâg -Bat. Nr. 10 und 17, daan die Kav.-Telegr.-Abth. Nr. 1.

1 reitende Bait. des Art.-Reg. Nr. 2. Corps-Art.-Reg. Nr. 2. Batt.-Div. Ne. 1 (3 Batt ). Batt.-

Div Nr. 2 (3 Batt.) Batt.-Div. Nr. 39 (3 Batt ) Corps-Art. Nr. 14. Vatt.-Div. Nr. 37 (3 LVatt.). 17. Pion.-Comp. des 5. Bat. mit ¿ Kriegs-Brü>ken-Equipage. Ordre de bataille i: des 8. Corps (West-Partei weiße Abzeichen). :

Kommandant des 8. Corps und kommandirender General in Prag: FZM. Philipp Graf Grünne. Generalstabs-Chef: Oberst Hubert Ritter von Czibulka 42} Lat. 28} Esc. 72 G. 9 Inf.-Trupp.-Div FML. Emil Pro?szt Edler von Obstorff. R ELE Major Hugo de Balthazar. 14 Bat. 2} Esc.

17. Inf.-Brig. GM. Otto Moraweß. 1., 2., 3., 4, Bat. des

Inf.-Reg. Nr. 88. 1., 2., 4. Bat. des Inf -Reg. Nr. 28.

18 Inf.-Brig. GM. Hugo Edler von Klobus. 1, 2., 3,

S Ba des Inf.-Reg. Nr. 35. 1., 2, s. Bat. des Inf.-Regt. r. 102

24 Escad. des Drag.-Reg Nr. 14. Batt.-Div. Nr. 15 (3 Batt.).

19. Inf.-Trupp-Div. FML. Ferdinand Ritter Pachner von

Eggenstorf und Stolac. Generalstabs-Chef Hauptmann Sovetozar

Boroevié. 12 Bat. 2 Eéc. 12 G.

37. Inf.-Brig. GM. Karl Kostersig von Marenhorft. 1., 2.,

3,, 4. Bat. des Inf.-Reg. Nr. 73. 1. Bat. des Inf.-Reg. Ne. 11,

38. Inf.-Bria. GM. Hugo Fle> von Falkhausen. 1., 2, 3, 4. Bat. des Inf.-Reg. Nr 7. 1., 2., 4. Bat. des Inf.-Reg. Nr. 91.

2. Escad. des Draa.-Reg. Nr. 14. Batt.-Div. Nr. 16. (3 Batt.)

21. Landw.-Trupp.-Div. GM. Alois Haus<ka. Generalstabs- Chef Major Johann Cvitkovic. 14 Bat. 2 Esc. 12 G î

41. Ldw.-Brig. GM. Franz Kleinschmidt Edler von Wilhelms- thal. 41, 59., 51. Bat. des Ldw.-Inf.-Reg. Nr, 6. 34., 35, 36., 47. Bat. des L.-Inf.-Reg. Nr. 7. A

42. w.-Brig. Oberst Josepb Netuschill. 28., 33 , 45., 46. Bat. des L.-Inf.-Reg. Nr. 8. 12., 13., 14 Bat. d. L-Inf.-Reg. Nr. 14.

2 Eécad. des Drag.-Reg Nr. 14. 2, Batt.-Div. des Corps- Art.-Reg. Nr. 14 (3 Batt.) / :

9. Kav.-Trupp.-Div. FML. Otto Freiherr von Gemmingen- Guttenberg. Generalstabs Chef Major Eduard von Böhm-Ermolli. 224/4 Esc. 2. Bat. 6 G. O

8. Kav.-Brig. GM. Oswald Graf Kielmansegg. 64 Esc. des Drag.-Reg. Nr. 7. 44 Esc. des Drag.-Reg. Nr. 15.

17. Kav.-Brig. GM. Wilhelm Freiherr von Bothmer. 64 Esc. des Drag.-Reg. Nr. 2. 6} Esc. des Drag -Reg. Nr. 4

Jäger-Bat. Nr. 6 und 18 und die Kav.-Telegr.-Abth. Nr. 2. 2_ reitende Batt. des Corps-Art. Reg. Nr. 2.

Corps-Artillerie-Regiment Rr. 8. Batt -Div. Ne. 1 (3 Batt.). Bait -Div. Nr. 2 (3 Batt.). Batt.-Div. Nr. 33 (3 Batt.) (30 G.). 20. Pion.-Comp. des 5. Bat. mit # Kriegs-Brü>ken- Equipage.

¡ Ordre de bataille der am 5. September gegen Mittag in den Verband des 8, Corps tretenden 3. Infanterie-Truppen-Division. (West-Partei weiße

Abzeichen.)

GM. Ferdinand Fiedler. Generalstabs-Chef Major Anton See- franz. 12 Bat. 2. Esc. 12 G.

5 Inf.-Brig. GM. Rudolph Riedl. 1., 2, 3., 4. Bat. des Inf.-Reg. Nr. 14. 6., 7., 8. Bat. des Landw.-Inf.-Reg. Nr. 2.

6. ÎInf.-Brig. GM. Otto Ritter von Pohl. 1., 2., 3., 4. Bat, tes Inf.-Reg. Nr. 59. Fäg.-Bat. Rr. 3.

2 Exc. des Drag -Reg. Nr. 15. Batt.-Div. Nr. 27 (3 Batt.).

Der Fürst von Montenegro ist, wie „W. T. B.“ meldet, an einem Halsleiden erkrankt. Wegen Vershlimme- rung desselben wurde ein Wiener Arzt zum Fürsten berufen. Im Laufe des vorgestrigen Tages besserte sih indessen der ZU- stand des Fürsten erheblich, jodaß derjelbe in kurzer Zeit wieder hergestellt sein dürfte. Heute sind der Fürst und die Fürstin mit dem Erbprinzen über Triest na< Cetinje zurügereist ; s Ri Fürsten behandelnde Arzt begleitet denselben auf er Reise.

Eine von verschiedenen Blättern gebra<hte Mittheilung aus Cetinje, daß Gewehre, Revolver und eine große Menge Pulver und Munition in Ragusa verladen und nah Albanien verschifft worden seien, findet dem „W. T. B.“ ufolge in hiesigen unterrichteten Kreisen nirgends Be- ätigung.

Großbritannien und Jrland.

London, 2. September. Die „Times“ beschäftigt \sih in ihrer heutigen Nummer mit der Dardanellenfrage und meint, eine stillshweigende Abänderung des Ver- trages Betreffs der Dardanellen und zwar aus- \<ließlih zu Rußlands Gunsten, würde die Räumung Egyptens auf ganz unbestimmte Zeit verzögern.

Frankrei.

Paris, 1. September. Der Bischof von Grenoble as der eifrige Befürworter der Versöhnung mit der epublik, hat, wie der „K. Z.“ mitgetheilt wird, in einer Versammlung den ihm unterstellten Geistlichkeit neue Wei- sungen für deren politishes Auftreten gegeben. «In seiner Rede seßte der Bischof auseinander, daß die Katholiken einzig und allein den Weisungen des Papstes zu folgen hätten. „Die Aa Regierungen“, sagte er, „haben die Aufgabe, dem Volk zu dienen; überlassen wir es den heid-

nishen und wilden Regierungen, die Nationen zu tyrannisiren.

Die vom Volk bevorzugte Regierungsform ist die Republik , weil fie Jedem einen Antheil an der Füh- rung der Geschäfte gewährt und ihm eine Art Souveränetät

sichert. Da die Republik die in Frankreih bestehende Regierung ift, so ist es vernünftig, derselben zuzustimmen und den Arbeitern zu sagen: Wir sind mit euch, seid mit uns und N wir zusammen derart, daß, wie der Kardinal-Erz- ishof von Paris es verlangt, Frankceih katholis bleibt.“ Nach seiner Rede ließ der Bischof seine Geistlichkeit eine Adresse unterzeichnen, in welcher die Grundsäße der katho- lishen Partei folgendermaßen formulirt werden:

1) Annahme der Rezierung, welche si< Frankreich gegeben ; 9) Vereinigung aller Katholiken, um dur die Wahlen ‘dahin zu gelangen, daß sie in den Kammern und in der Regierung einflußreih vertreten sind; 3) Vereinigung der katholishen Streitkräfte, ura die Aufhebung der Verfolgungsgeseßze wie das Sculgeseß, das Militärgesez, das Gese über die Bezahlung der Steuern durch die Klöster, das Ausweisungsgeseß gegen die religiösen Ordensgesellschaften herbeizuführen. E

Die Führer der sogenannten Possibilisten Brousse und Allemane sind der „Allg. Ztg.“ zufolge über ihre An- fihten über das russishe Bündniß befragt worden und erklärten fi< mit demselben einverstanden, jedo< nur unter der Vorausseßung, daß es einen entschieden friedlichen Zwe> ver- folge. Sichere das Bündniß Frankreich gegen die Bekriegung dur den Dreibund, so sei es au von den Sozialistenzu unter en. Die Kundgebungen in Rußland und Frankreih hätten a erdings eher ein friegerishes Aussehen und es entstehe die Gefahr,

daß Frankrei zu Gunsten Rußlands in einen Krieg gerissen

werde, dur< den Raßland nihts, Frankrei aber Alles ver- lieren könne. Die höchste Gefahr für den Sozialismus sei der Krieg; denn wenn Frankrei geshlagen werde, dringe ihm der Dreibund einen Herrscher auf, als Sieger aber würde es unter das Joh des siegreihen Generals fallen. Mit den ungebildeten rusfischen Arbeitern hätten die franzöfischen keine Sympathie, und Frank- reih hätte besser gethan, fi< mit Deutshland zu einigen und auf Elsaß-Lothringen zu verzichten ; dann würde es noch heute in Egypten sein und brauhte si< niht dur<h Rüstungen zu erschöpfen, die \{ließlih nur Amerika zu Gute kämen.

Die Vorstadt Saint Ouen war am 30. v. M. in großer Aufregung, da die Stichwahl für die Erneuerung des Gemeinderaths stattfand. Von 5428 eingeschriebenen Wählern stimmten 3120. Das Ergebniß war, wie man {hon na< dem ersten Wahlgange voraussehen konnte, der vollständige Sieg der Revolutionäre, die jet 17 Sißze in der Gemeindevertretung haben, indeß die vereinigten Radikalen und Gemäßigten sih mit einer Minorität von aht Sigzen begnügen müssen. Der abgeseßte Maire Pernin steht an der Spitze der Gewählten. Die Bekanntmachung des Er- gebnisses der Abstimmung wurde mit den Rufen: „Vive la Sociale! Vive la Commune!“ begrüßt. Einer der Gewählten, Bürger Dain, forderte die im Stimm- lokal anwesenden Wähler auf , ungesäumt vom Stadt- hause Besi zu ergreifen. Das geshah denn auch, die Gewählten drangen in den Sißungssaal, wo der ehemalige Maire Pernin eine äußerst heftige Rede hielt. Fn einer der Wahlabtheilungen kam es zu einer argen Schlägerei zwischen zwei Wählern, wobei ein Boulangist einein Revolutionär mit einem Fußtritte ein Bein bra<h. Das Stadthaus blieb bis tief in die Natht hinein erleuhtet und die Gendarmen hielten an verschiedenen Punkten der Stadt Wache.

Das „Journal officiel“ veröffentliht den Bericht des Expeditionsführers Fourneau, welher von dem General- fommissar von Französish-Congo Auftrag erhalten hatte, zu Land dem Lauf des Flusses Sangha (nördlihen Nebenflusses des Congo) in nord- licher Richtung zu folgen, und nah zehn Wochen (vom 7, März bis zum 19, Mai d. J.) auf den Ausgangspunkt zurü>fehrte, nahdem sein Gesährte Thiriet getödtet, der dritte Europäer Blom verwundet und überdies 30 Schwarze getödtet und 15 verwundet worden waren. |

Rußland und Polen.

Wie die „Kurländishe Gouvernementszeitung“ meldet, haben die Bauern des Gouvernements Kurland, von den Gefühlen brüderliher Theilnahme für die Bauern der von der Mißernte betroffenen Gouvernements bewegt, in ihren Gemeindeverwaltungen über die leihweise Ueber- lassung von Getreide aus den Dorfmagazinen an die Nothleidenden Beschlüsse zu fassen begonnen. Einige Gemeinde- verwaltungen haben fi erboten, das Getreide für eigene Rechnung und in eigenen Sä>en bis zur nächsten Eisenbahn- station zu \chi>en.

Serbien.

Belgrad, 1. September. Der Kriegs-Minister hat die Absiht, Manöver größeren Stils zwischen Nis und Pirot abzuhalten, aufgegeben. Dem Vernehmen nach erfolgte diese Aenderung der Dispositionen theils wegen finanzieller Schwierigkeiten, theils in Folge der Seitens der Pforte und Bulgariens erhobenen Vorstellungen. Es sollen daher nur die alljährlih wiederkehrenden Uebungen und au diese in weniger ausgedehntem Umfange abgehalten werden.

Auf die freundschaftlihen Vorstellungen der Pforte wegen der serbishen Truppenanhäufungen an der bulgarishen Grenze erwiderte die serbishe Re- gierung, sie sei den weisen Rathshlägen der hohen Pforte zuvorgekommen, indem sie ihren Vertreter in Sofia aus eigenem Antriebe angewiesen habe, zu erklären, daß Serbien die Absicht, an der bulgarischen Grenze militärishe Uebungen abzuhalten, aufgeben würde, A Bulgarien die beabsihtigten Uebungen an der serbishen Grenze unterlassen wollte.

Wie der „Egyetertes“ meldel, hat ein Belgrader Cor- respondent von dem Finanz-Minister Vuic persönlih vor dessen Abreise aus Belgrad die Bestätigung erhalten, daß der Minister wegen persönlicher Differenzen mit anderen Ministern aus dem Kabinet trete und feine Demission bis nah seiner Rückkehr nur auf ausdrü>lihen Wunsch des Regenten aufgeshoben habe.

Der General Topalovic ist gestorben.

Dänemark.

Kopenhagen, 1. September. Bei der heute in E erfolgten feierlihen Beisezung des General: ieulenants a. D. von derx Gröben ließen sich, wie „W. T. B.“ meldet, der König und der Kriegs-Minister dur< Adjutanten vertreten. Der Sarg war mit einer deutschen Flagge bede>t, zwei Oberst: Lieutenants und zwei Kapitäne fungirten als Trauermarschälle. Sämmtliche Offiziere und Unteroffiziere der Garnison, der deutsche Gesandte Freiherr von den Brin>ken mit dem Gesandtschastspersonal und die Kinder des Verstorbe- nen wohnten der Feier bei.

Amerika.

Chile. Ueber die Einnahme von Valparaiso und Santiago liegen jeßt weitere Berichte amerikanischer Zeitungen vor. So veröffentlicht die „World“ das folgende vom 30. v. M. datirte Telegramm aus Valparaiso:

Die Insurgenten verdanken in erster Lirie ihren Erfolg dem Talent und der Erfahrung des deutshen Obersten Koerner, welcher von der Regierung als Inftructeur berufen worden war. Nachdem Koerner in Streit mit dem Präsidenten Balmaceda gerathen war, lieh er seine Dienste der Opposition. Die Ecbitterung, welche si der Kämpfenden bei den Swlahten vor Valparaiso be- mächtigte, grenzte ans Unmenschliche. Die Leichname der Generale Barbosa und Algerreca wurden verstümmelt. Die Forts kapitulirten einfah ohne Widerstand. Um Sonnen- untergang plünderte ein Pöbelhaufen, welhem \ih viele Deser- teure zugesellt hatten, viele Häuser von Anhängern Balmaceda's und ste>te sie in Brand. 14 Brände kamen während der Nacht vor. Der Eigenthumsverlust beträgt 2000000 Doll. Am ganzen estrigen Tage hôrte man no4 Schüsse in der Stadt fallen, und heute rüh lagen die Leichen von eiwa 200 Aufrührern auf der Straße. Fett ist aber die Ordnung wieder hergestellt, nahdem \ih eine aus Mitgliedern der auswärtigen Kolonien bestehende Bürgergarde ge- bildet hat. Balmaceda hat Alles dem General Baquedano über-

geben. Diefer war es, der die Autorität formell an die Kongreß- partei abtrat.

L R É S G C E E A

2B R L A G h iE Nie

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