1891 / 206 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

e L L AZL u L E EZ E A G Ra RC R I G G G R R E

Der Berichterstatter des „New-York Herald“ tele-

graphirt unter dem 30. v. M.:

Das Regiment Chanaral von der Kongreß-Armee rü>te heute Abkend in Santiago ein. Die Hauptstadt gerieth, in die Hände eines blutdürftigen Pöbel haufens, welcher gestern viel Eigenthum zerstörte. Sobald gestern die Nachricht von der Nzederlage der Regierung in Valparaifo in der Hauptstadt eintraf und die Einwohner wußten, daß es mit Balmaceda's Macht zu Ende war und sie nihis mehr batten, fam ihre ganze Wuth gegen die Regierung zum Ausbruch. Ueberall s<rie das Ein Haufe seßte si< au< Auf dem Wege dorthin wus die Menge immer mehr. Vor der Amtswohnung Balmaceda's angefommen, war sie in sol@e Raserei gerathen, daß sie zu allen Man hâtte mit dem Präsidenten kurzen fd gema<ht, wenn man ihn in Santiago gefunden bâtte. Um ¿ine Wuth zu stillen, wurde deshalb sein Haus in Brand geste>t. Darauf marsbirte der Pôbel nah der Wohnung des Ministers des Innern Godoy, eines eifrigen AnHängers Balmaceda’s, und zündete au diese an. Die Wohnungen der Matter des Präsidenten, des in der Schlacht gefallenen Gene!:als Barbosa und der Senores Mc Kenna und Eaftman gingen gleihfalls in Rauch auf. An den Gebäuden der Regierungszeitungen vnd vieler boben Beamten kühlte der Pöbel nit minder seine Wuth. Die Stadt wurde von einer Panik Die friedlichen Bürger wagten nit, ihre Häuser zu verlassen. Die Flammen der brennenden Häuser erfüllten mit ihrem Widershein den Horizont. Die Polizei und die Feuerwehr waren fo aufer Rand und Bard gerathen, daß sie nit einmal den Versuch matten, die Ordnung auf- Als Balmaceda diz Einnahme Valparaifos er- fahren batte, ließ er den General Baguedano zu einer gestern Nach- mittag in der Münze abzuhaltenden Konferen; berufen. wollte nit darauf eingeben, sondern s<lug eine Berathung im Hause des Generals Velaëquez vor Dort wurde gestern ein Kriegsrath ab- gehalten, welhem Balmaceda selbst, seine bedeutendsten Generale und hervorragende Mitglicder seiner Partei beiwohnten. Man gelangte zu dem Schlusse, daß weiterer Widerstand vergeblih und die Uebergabe der Hauptstadt das Verrürftigste jet. wurde zum Stadtkommandanten ernannt, und in dieser Eigenschaft unterhandelte er über die Kapitulationsbedingungen.

von seinem Zorn zu für@ten

Bolk, ter Präsident solle getödtet werden. bald nah seiner Wohnung in Bewegung.

Scandthaten fähig war.

erariffen und alle Läden wurden ges<lofsen.

re<t zu erhalten.

rihtigt, Kongrefipartei erklärt kabe Gereral Vaquedano sardte heute Ausschuß hervorragender Bürger tel Conto.

lihe Gesellen niht hinein können.

zu erreichen, teten. Aus guter Quelle verlautet jedo<, daß

tell* oder der „Imperial“ ihn an na< Buenos Aires oder Montevideo. ziemli<h wieder

wirkt, daß Rube und Ordnung

Mit jedem Ruhestörer wird summaris<h verfahren. Im Sanzen bat der Pöbel Eigenthum im Werthe von 1 200 000 Doll. zerstört. Senor Joaquin Walker Martinez ist provi-

erschossen.

er Morgens 8 Uhr.

E ï

Wetterbericht vom 2. September, or

Wind. | |

|

Stationen. Wetter. |

Temperatur in ® Celsius

Bar. auf 0 Gr. u. d. Meeres\p

red. in Millim

Mullaghmore | [SW 6\wolkig Aberdeen ..| 7 |SW 4 wolkig Christiansund |OSOD 1 e Kopenhagen . | 752 [WSW 5 'halb bed. Stodtholm . | [SW 6 wolkig St.Petersburg 754 |\SSO 2Regen Moëkau ….. | 7 till woltfernlos Cork, Queens- | | town .…. | 7566 |WSW 4halh bed. Cherburg . . | SSW 3wolkig elder... . | 760 |SW 4'halb bed. | 7592 |WSW s6woolkig!) amburg .. | 7566 |\SW 6blheiter?) Swinemünde | 756 |SW 6 wolkig?) Neufahrwasser| 755 |WSW 4 bede>t“) Memel. 753 |SSW _ 4\bede>t Aae es SW 2Regen ünster... | 758 |SW 8 wolkenlos Karlsrube . . | 763 |SO 4'wolkerlos Wiesbaden . | 761 |SW 2thalb bed.t) München . . | 765 itill'wolkenl.6) Chemnig .. | 761 |WSW 3/halb bed. Berlin. . …. | 758 |W 4'wolkig Wien ¡| 763 |W 1 wolkenlos Breslau . …. |_761 |WSW 2 bede>t |_20_

Fle d'Aix 760 |WSW 3 better Nizza .… .. | 764 |ONO Z'heiter Tielt .…..| 763 | fill wolkenlos

1) Nathhts stürmis<. 2) Aberds Regen. 4) Böig. 5) Früh feiner Regen. ©) Thau.

Uebersiht der Witterung.

Das Minimum, wel@$es gestern nordwestli% von S&ottland lag, ift nordostwärts fortges<ritten; das barometris<he Maximum liegt über der Alpengegend. Im öftlichen Nordseegebiete wehen starke bis stürmische westilide und südwestlide Winde, Skudesnäs meldet Südweststurm. In Deutschland ift das Wetter meift wärmer, im Westen vielfach beiter, im Often trübe; in den nordweftlihen Gebietetheilen ist allenthalben Regen gefallen Im deutschen Binnen- e liegt die Temperatur überall über dem Normal- werte.

3) Böôöig.

Deuts<e Seewarte.

daß si< die gesammte Earnison Santiagos für und Santiago \ih außerdem no< durh<h einen Santiagos einen Na&dem die Ciserbahn na< Santiago wieder fahr- bar gema<t worden war, ließ Kapitän George Montt, der Ober- Befehlshaber der Kongreßtruppen, das Regiment Chanaral fofort na Santiago rü>en, um im Verein mit den Truppen des Generals Baquedano die Ordnung aufre<t zu erbalten Der zum Intendente Santiagos ernannte Senor Altamirano begleitete die Treppen. Die Fe in der Hauptstadt \potten aller Beschr ugenbli> kann alles Gesindel der Stadt und der Umgegend los- Depe! brechen. Die Feuerwehr hat jetzt alle Hände voll zu thun, um die vielen Brände zu lösen. General Baquedano hat das Regiment íSmperial einen Cordon um die Stadt zieben lassen, damit gefähr- General del Canto ift nebst seinem Stabe und einem Kontingent Truvpen beute Abend von Valparaiso | 5. abgefahren und wird morgen früh in Santiago eintreffen. Ein neuer Polizeihef und eine neue Eisenbahnverwaltung find \{on ernannt worden. Alle möglichen Gerüchte über Balmaceda find im Umlauf. Die Einen sagen, er suche zu Lande die Küste des atiantishen Oceans Andere, er habe si< na< Coquimbo begeben, wo der „Almirante Condell* und der „Imperial“

eibung.

er gestern auf einem Sonderzuge nah Talcahuana reiste, wo der „Almirante Con- Bord nehmen werden zur Rse ; Möglich, daß er auf diese Weise entkommt. In Valparaiso haben drastishe Maßregeln be-

pflege war absheuli<. Hunderte

werden können. Die Aerzte der werthvolle Dienste geleistet.

sorif< der Intendente. In dem ganzen Feldzug hat eigentlih nur eine des Namens werthe S{lacht stattgefunden, nämlich die bei Concnon, als die Insurgenten den Aconcagua erzwangen. : im Grunde nur Tirailleurgefehte statt. während auf den Valparaiso die Insurgenten glattes Spiel hatten. Die Verwundeten-

Sélachtfelde gelassen und starben, während Viele hâtten gerettet

im Handelshafen niht gestatten konnte, vor der Swentine- mündung anlegen. Í Sigmaringen, 2. September. (W. T. B.) Die Generalversammlung der deuts<hen Alterthumsveréeine beschloß heute, im nächsten Jahre in Görliß, im übernäcsten in Stuttgart zu tagen. Schwerin, 2. September. (W. T. B.) Das Befinden des Großherzogs ist befriedigend, der Großherzog ver- brachte bereits einige Stunden auf dem Sopha, die Nacht

Bei Víno del Mar fanden Höhen von

von Verwundeten wurden auf dem

ausländis<hen Kriegsschiffe haben

Personal-Na(richten. Deutsche Neue Weichen- und Signalsi@erun

Vermischtes: Preisbewerbung für des Cisenbahn-Oberbaues.

Nr. 35 des „Centralblatts der Bauverwaltung“, berausgegebenimMinisterium der öffentlihen Arbeiten, hat folgenden Inhalt: Rund-Erlaß vom 18. August 1891, betreffend die Untersuhungen der Straßenbrü>en mit eisernem Ueberbau.

VII. internationaler Kongreß für Hygiene und Demograpbie. Engerer Wettbewerb um das Kaiser Wiibhelm Denkmal in Berlin.

Straßenreinigungsmas<hine. Neue Erscheinung in der Literatur

war ziemli<h ruhig. Sc<hwarzenau, 2. September. (W. T. B.) Der Kaiser Franz Joseph is heute früh 8 Uhr 35 Minuten hier ein- etroffen und fuhr unter den begeisterten Hochrufen der evölkerung dur< die reichbeflaggten Straßen na< dem Schlosse.

St. Petersburg, 2. September. (W. T. B.) Die Regierung hat, um die Zufuhr von Getreide aus dem Kaukasus nach den von der Mißernte betroffenen Gouverne- ments zu erleihtern, eine Ermäßigung der Tarife auf den am Transport bethaligten Bahnen angeordnet.

Venedig, 2. September. (W. T. B. Die heute Morgen hier verbreitcten Gerüchte über eine ers<hlimme-

evangelishe Kirhe in Tokio. gsanlage in Limburg a. d. Lahn.

Werke über John Howard.

Entscheidungen de Ma>tt die Ortsgemeinde von

Baguedano | neuen Fluchtlinienplans Gebrauch,

Reich3gerichts, V. Civilseznats, vom

schädigung fordern, den es zur eignung hat, ungemindert dur dur< die Anlage ermöglichen soll.

Der Art. 275 des Handels3

Baquedanso

General del

ihm ergebe.

Brief an bindert der Art. 275 nicht, den

anzusehen.

der dur die festgestellten Straßenfluchtlinien für Straßen und Pläye bestimmten Grundflähe erft lange Zeit nach der Offenlegung des

des abzutretenden Grundstü>s denjenigen Werth deéselben als Ent- Zeit der thatsächlihen Ent-

veranlaßt ift, deren Ausführung die Enteignung

ï ; , | bewegalihe Sachen sind keine Handels geschäfte“) \{ließt, nah Canto, der Befehlshaber des Kongreßheeres, wurde zugleih benab- | jem Urtheil des Reichögeridts, VI. Civilsenats, vom 22. Juni 1891, den Vertrag über Immobilien nur dann von dem Begriff des Handelsgeshäfts aus, wenn die Immobilien den Hauptaegen- ftand des Vertrages bilden. Ift dieses aber niht der Fall, fo

rung des Gesundheitszustandes der Königin von Rumänien sind unbegründet. Auch is keinerlei Nachricht von der unmittelbar bevorstehenden Ankunft des Königs von Rumänien hier eingetroffen.

Mailand, 2. September. (W. T. B.) Ja einer gestern stattgehabten Versammlung der Ausständigen wurde der An- trag auf Proklamirung allgemeiner Arbeitseinstellung als undur<hführbar v:rworfen; dagegen soll heute der Versu<h gemacht . w2erden, die bisher ni<ht aus- ständigen Arbeiter der Metallindustrie zur Niederlegung der Arbeit zu bewegen und den Strike einstweilen auf diese Branche zu beschränken. Von Seiten der Militär- behörde sind bereits seit früher Morgenstunde umfassende Maßregeln getroffen, um etwaige Ausschreitungen sofort im

Keime zu ersticken.

New-York, 2. September. (W. T. B.) Der „New- York Herald“ meldet aus Valparaiso: Zwei Regimenter der Regierungstruppen, welhe von Coquimbo nah Talcahuano verlegt waren, revoltirten, als sie die Nachriht von der Niederlage Balmaceda's

erfuhren, und tödteten ihre sämmtlichen Offiziere. Alle

s Reichsgerichts. ibrer Enteignungsbefugniß

so fann, nad einem Urtheil des 3. Juni 1891, der Eigentbümer

die Beschränkanz, welche gerade

gesebu<s („Verträge über un-

Vertrag als ein Handelsgeschäft

Jeden

Chicagoer Weltausstellu September d. F: in Dampfer „Augusta

wieder einschiffen.

Ort und Stelle über die Orga theilungen zu verhandeln. Kiel, 2. September.

auf ihn war-

gangen. Nachts traf der mond“’ mit pan und ausgelaufenen hileni

stimmt, hier ein. Der Damp

bergestellt sind. Viele wurden

Nah Schluß der Redaktion eingegangene schen. schreitungen.

Berlin, 2. September. (W.T.B.) Die amerikanischen Deputirten, welhe Europa bereist haben, um im Interesse der

Southampton si< auf dem

ictoria“ na< den Vereinigten Staaten Mit ihnen begeben si der deutshe Reichs- kommissar, Geheime Regierungs-Rath Wermuth, und die Vertreter mehrerer anderer Länder nach Chicago, um an

(W. T. B.) Uebungs-Geshwader if gestern Abend in See ge-

chen Kreuzer „Presidente Pinto“ be- fer mußte, da die Hafenpolizei den Aufenthalt eines mit Explosivstoffen beladenen Schiffes

Bande der militärishen Ordnung lösten sih; unterstüßt von etwa 4000 Kohlenarbeitern segten si< die Meuterer in den Besiy der Stadt und begingen dort die gröbsten Aus- Häuser und Verkaufsläden wurden geplündert und in Brand geste>t.

New-York, 2. September. (W. T. B.) Nah einem hierher gelangten Gerüdht, welches allerdings no<h der Be- stätigung bedarf, soll Balmaceda auf seiner Flucht dur< einen Maulthiertreiber aus Rache ershossen sein, weil er in der Aufregung wegen der dur<h ein Schneegestöber ver- langsamten Reise denselben geschlagen hatte.

New-York, 2. September. Se Der „New- York Heralò“ meldet aus Valparaiso vom 1. d. M., au in Concepcion und Talcahuano sei es zu Ausschreitungen des Pöbels gekommen, die Behörden verfügten jedo über hinreihende Machtmittel, um die Unruhen zu unterdrü>en. Jn Santiago und Valparaiso sei die Ruhe wieder hergestellt.

ng zu wirken, werden am

nisation der verschiedenen Ab-

Das deutsche

Armstrong-Dampfer „Jes- Munition, für den geftern

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

R

Theater-Anuzeigen.

Königlihe Schauspiele. Donnerstag: ODpern- haus 168. Vorsielluna. Martha. Romantish- komishe Oper in 4 Akten von Fr. von Flotow. Text (theilweise nah dem Plane des St. Georges) vou W. Friedri, Dirigent: Musikdirektor Wegener. Anfang 7 Uhr.

Sgauspielhaus 175. Vorftellung. Der neue Herr. Swauspiel in 7 Vorgängen von Ernst von Wildenbru. Zn Scene geseyt vom Ober-Regisseur Mar Grube. Anfang 7 Uhr.

Freitag: Opernhaus. 169. Vorstellung. Das Nachtlager iu Grauada. Oper in 2 Abtheilungen von Kreuzer. Text vom Freiherrn von Braun. Hierauf: Das schlecht bewate Mädchen. Pan- tomimis<:komishes Ballet in 2 Aufzügen und 4 Bildern na< d'Auberval von P. Taglioni. Musik von P. Hertel. Anfang 7 Uhr.

Scauspielhaus. 176. Vorstellung. Noderich Ger: Lustspiel in 5 Aufzügen von Franz von

<ônthan. Anfang 7 Uhr.

Deutshes Theater. Donnerstag: Die Kinder der Excelleuz.

Freitag: Wildfeuer.

Sornabend: Der Weg zum Herzen.

Berliner Thealer. Donnerstag: Der Hütten- befiger. Anfang 7 Uhr. Freitag: 1. Abonnements - Vorstellung. Julins

Cásar. Sonnabend: Ein Tropfeu Gift.

Tessing-Theater. Donnerstag: Falsche Heilige. Schauspiel in 4 Akten, na A. W. Pinero frei bearbeitet von Oskar Blumenthal.

Freitag: Die Ehre. Scaujpiel in 4 Akten von Hermann Sudermann.

Sonnabend und Sonntag: Falsche Heilige.

Wallner-Theater. Donnerstag: Jhre Familie. BVolksstü> in 3 Akten von Stinde und Engels, Hierauf: Zum 7. Male: Cavalleria Bero- lina. Musifalis<-parodistisher Scherz ir 1 Akt von Max Kraemer. Musik von Bogumil Zepler. Anfana 7 Uhr.

Freitag und folg. Tage: Dieselbe Vorstellung.

Bukacz. In Scene geseßt von Adolph Ecnsft. Anfang 7F Uür. Freitag: Dieselbe Vorstellung.

Thomas-Theater. Alte Direkiion: Emil Thomas. Donnerstag: Zum 35. Male: Jm fiebenteu Himmel. Posse mit Gesang in 3 Akten (4 Bildern) von Jean Kren. Musik von Jokannes Doebber. Jn Scene gefeßt vom Drrektor Emil Thomas. Anfang 7 ubr.

Freitag: Dieselbe Vorstellung.

Friedrih - Wilhelmstädtishes Theater. Donnerstag: Die Fledermaus. Komische Oper in 3 Akten, na< Meilhac und Halevy bearbeitet von C. Haffner und R. Genée. Mußk von I. Strauß Regie: Hr. Binder. Dirigent: Hr. Kapellmeister Federmann. Anfang 7# Uhr.

Der vGoncert - Park bleibt den Theaterbesuchern geöffnet

Freitag: Die Fledermaus.

Jakobsiraße 39.

Residenz-Theater. Direktion: Sigmund Lauten- burg. Donnerstag: Zum 6. Male: Frou-Frou. Pariser Sittenbild in 5 Aufzügen von Henry Meilhac und Ludovic Halévy. Deuts von Eduard Mauthner. In Scene gefeßt von Sigmund Lauten- burg. Anfang 7# Ubr. :

Freitag u. folg. Tage: Dieselbe Vorstellung.

Urania, Anstalt für volkstbümlihe Naturkunde. Am Landes - Ausstellungs - Park (Lehrter Bahnhof). Geöôffnet von 12—1!1 Uhr. Täglich Vorftellung im D GALLE Theater. Näheres die Ans<lag- ¡ E E

[32023]

Kr T O Ae. gas Garde Zeit. oll's Theater. Donnersiag : Ein Masken- ational: Panorama van. Bea Set. Prince) d Anbeate 4: Gast.) Gemar ne E E piap.

reitag: Zur Vorfeier des jährigen Geburts: ; t S festes Giacomo Meyerbeer's, mit hoher Genehmi- ai pen E 4 ibe np ciias Böge; S E MraOl S Lepben: Pr. Emil | F Eintr. tägl. 50 4. Soldaten u. Kinder 25 3. f u

Täglich: „Großes Goncert“ im Sommergarten, | «E

Abends bet brillanter elektrisher Beleachtung desselben. Anfang 5+, der Vorftellung 7 Uhr. Familien-Nachrichten. R Verehelicht: Hr. Dr. Georg König mit Frl.

Margarethe Bannier (Aachen).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. von Tfcirs{ky und Boegendorff (Kobelau). Hen. Professor Frmann (Breslau). GineTohter: Hrn von Maubeuge (Neubäuser). Hrn. Pastor Beyer (Dolzig, Kreis Sorau). Hrn. von S<öning (Sallentin).

Gestorben: Verw. Fr. Agnes von Kalbacher, geb. Bernhard (Bad Reinerz). Hr. Professor a. D. Albert Eaggeling (Krotos<hin). Hr. Geh. Sanitätz3-Rath Dr. Carl Lehfeld (Berlin). Fr. Geh. Legations-Rath ‘Cora Hepke, geb. von Mos< (Berlin). Hr Ober-Lan desgericts- Präsident a. D., Wirkl. Geh. Ober- Justiz-Rath Dr. Friedri Otto Thümmel (Halle a. S.).

Belle-Alliance-Theater. Donnerstag: Zum 35. Male mit dur<weg neuer glänzender Ausstattung an Dekorationen, Kostümen, Ballets, Waffen-Requi- siten, Beleutungs8effecten 2c. Fung D emt ten zur See. Großes Ausstattungs-Zeitbild in 4 Akten (7 Bildern) von Ernst Niedt. Im 6. Bilde: Zum ersten Male in Deuts(land: Großes Pferderennen auf der Bühne von lebenden Pferden.

Im prachtvollen, glänzenden Sommergarten (vor- nebmítes und großartigstes Sommer-Gtablifsement der Residenz): Großes Doppel - Concert. Auftreten sämmtiiher Speztalitäten. Brillante JUumination des ganzen Garten-Etabliffements.

Futang des Concerts 6 Uhr. Anfang des TkLeaters

+ Ubr Freitag: Dieselbe Vorstellung.

Redacteur: Dr. H. Klee, Direktor. Berlin: : Verlag der Expedition (Scholz).

Dru> der Norddeutschen Buchdru>erei und Verlags Anstalt, Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32.

Drei Beilagen

(cinsH!ießli<h Börsen - Beilage).

Adolph Ernst-Theater. Donnerstag: Zum 3. Male; Der große Prophet. Gesangspofse in 4 Akten von Leon Treptow. Couplets von Guftav Görß. Musik von Gustav Steffens. Mit voll- stärdig neuen Kostümen. Dic neuen Dekorationen find aus dem Atelier der Herren Wagner und

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

„1 206.

Berlin, Mittwoch, den 2. September

1891.

L T ———————E

Personalveränderungen.

: Königlich Preußische Armee.

Offiziere, Portepee-Fähnriche 2. Beförderungen und Verseßungen. 1 Neues Palais, 27. August, Mueller, Major vom Großen Generalstabe, zum 1. Oktober d. J. von seinem Kommando als Milit. Attaché bei der Gesandtscaft in Bukarest entbunden. Möller, Hauptm. vom Großen Generalstabe, vom 1. Oktober d. J. ab als Milit. Attacé zur Gesandtschaft in Bukarest kommandirt. Neide, Hauptm. und Battr. Chef vom Feld-Art. Regt. von Peu>er (S{[lef.) Nr. 6, vom 1. Sept. d. F. ab auf se<8 Monate zur Dienstleistung bei dem Neben-Etat des Großen Generalstabes kommandirt. i

Neues Palais, 29, August. v. Didtman, Gen. Major und Inspekteur der Jäger und Schüßen, für die Dauer der Er- frankung des Commandeurs der 8 Div. zu dieser Div., behufs Ueber- nahme der Führung derselben, kommandirt. v U>ro, Sec. Lt. à la suite des Westfäl. Ulan. Regts. Nr. 5, in das Swleswig- Holstein. Ulan. Regt. Nr. 15 einrangirt. v. Oppen, Sec. Lt. von der Res. des Gren. Regts, Kronprinz Friedrih Wilhelm (2. Schles.) Nr. 11. früher in diesem Regt., im aktiven Hcere, und zwar als Sec. Lt. mit einem Patent vom 30. Mai 1886 bei dem Königin Augusta Garde-Gren. Regt. Nr. 4, wiederangestellt. :

Dur{6 Verfügung des Kriegs - Ministeriums. 91. August. Urbach, Zeuz-Hauptm. vom Art. Depot in Glatz, zum Art. Depot in Magdeburg, Raffeger t, Zeug:Pr. Lt. vom Art. Depot in Posen, zum Art. Depot in Gla, Schüttaus, Zeug-Lt. von der Art. Werkstatt in Spandau, zum Art. Depot in Posen, Thomas, Zeug-Lt. von der 1. Art. Depot-Insp., zum Art. Depot in Magdeburg, ver!eßt.

Durch Verfügung der General-Inspektion der Fuß- Artillerie. 11. August. He>, Feuerwerks-Hauptm. vom Art. Depot Posen, zum Stabe des Westfäl. Fuß-Art. Regts. Nr. 7, Sch leusner, Feuerwerks-Pr. Lt. vom Art. Depot Erfurt, als Lehrer zur Ober-Feuerwerker\<ule, Nagel I, Feuerwerks-Pr. Lt. vom Stabe des Westfäl. Fuß-Art. Reats. Nr. 7, als Lehrer zur Ober-Feuerwerkershu e, Mahlo, Fenerwerks-Lt. von der Ober- Feuer- werkcrs<hule, zum Art. Depot Erfurt, Bilau, Feuerwerks-Lt. von der Ober- Feuerwerkershule, zum Art. Depot Meß, F aber, Feuer- werks-Lt. vom Art. Depot Met, als Lehrer zur Ober-Feuerwerker- \<ule, Wen >, Feuerwerks-Lt. vom Art. Depot S rinemünde, zum Art. Depot Polen, sämmtlih mit dem 1. September d. J. verseßt.

Abschiedsbewilligungen. Im aktiven Heere. Neues Palais, 27. August. v. Ablefeldt I., Sec. Lt. vom 1. Thüring. Fnf. Regt. Nr 31, als Pr. Lt. mit Pension und der Armee-Uniform, d. Carnap-Quernheimb, Sec. Lt. vom 2. Niederschles. Inf. Regt. Nr. 47, mit Pension, der Abschied bewilligt.

Neues Palais, 29. August. v. S<meling, Sec. Lt, vom Kaiser Alexander Garde-Gren. Regt. Nr. 1, der Abschied bewilligt, Militär-Justizbeamte.

Dur Allerhöchste Bestallung. Kiel, 10. August. Lade, Justiz-Ratb, Div. Auditeur der 30. Div., zum Ober- und Corps- Auditeur ernannt. Demselben ist die Corps-Auditeurstelle des XY. Armee-Corps vom 1. September d. J. ab übertragen worden,

Beamte der Militär-Verwaltung.

Dur Allerhöchsten Abschied. 13. August. Puhl, Fortifikations-Sekretär in Cuxhaven, aus Anlaß seines Ausscheidens aus dem Dienst der Céaraktter als Re<nungs-Rath verliehen.

Dur Verfügung des Kriegs-Ministeriums. 14. Juni. Dr. Link, Corps-Stabsapothefker des Garde-Corps, auf seinen An- trag vor 1. September ab aus dem Milit. Verwaltungédienst ver- abschiedet.

15. Juli. Dr. Salzmann, Corps-Stabsapotheker X1V. Armee- Corps, vom 1. September ab zum General-Kommando des Garde- Corps verseßt.

20. Juli. Borhe>, Ehlinger, v. Guênar, Hölscher, Hunrath, Kleyer, Krawczynski, Müller, Ohnmais, Dr. Philipson, Dr. Shliht, Senff, Stedefeld, Vallender, Unter-Apoiheker des Beurlaubtenstandes, zu Dbcr- Apothekern befördert.

21. Juli. Hoffmann, S iepmann, Ziegel, Ober-Apc- theker des Beurlaubtenstandes, der Abschied bewilligt.

99. Juli. Danielowski, Intend. Rath, Vorstand der Intend. der 7, Div., zu der Corps-Intend. des VIII. Armee-Corps ver}eut.

13, August. Winbe>, Ober-Roßarzt bei dem Remontedepot Neubof-Tréptow a. R., vom 1. Oftober 1891 ab auf seinen Antrag mit N ersion in den Nubestand verseßt. :

95, August. Kühnast, Voß, Ludwig, Zahlmstr. Aspi- ranten, zu Zahlmstrn. beim II. bezw. XVI. Armee-Corps ernannt.

Durq Verfügung der &eneral-Inspektion des In- genieur- nnd Pionier-Corps und der Festungen. 21. August. Krets<mer, Festung8bauwart 2. Kl. von der Festungsbauschule in Berlin, zur Fortifikation Cuxhaven versegt.

X1ILI. (Königlich Sächsisches) Armee-Corps.

Offiziere, Portepeefähnriche 2c. Ernennungen, Be- förderungen und Versetzungen. Im aktiven Heere. 24. August. Die Port Fähnrs.: v. Heygendorff, v. Beulwiß, Frhr. v. Friesen, v. Kir<hbah, Garten des 1. (Leib-) Gren. Regts. Nr. 100, Schmalz, v. Pape, v. Wolffersdorff, Frhr. v. Z\<insky des 2. Gren. Reats. Nr. 101 Kaiser Wilhelm König von Preußen, Frhr. v. Oldershausen des 4. Inf. Regts. Nr. 103, Ehrich, Bleyl des 5, Inf. Regts. Prinz Frietri< August Nr. 104, v. Gruben des 6, Inf. Regts. Ne. 105, Dröôge, Köhler, Rottka des 7. Inf. Regts. Prinz Georg Nc. 106, Boisselier, Krauße, Franz des $8. Inf. Regts. Pcinz Johann Georg Nr. 107, v. d. Pforte, van Wy>, v. Einsiedel, Frhr. v. Hoden- berg, v. Pflugk des Shüyen (Füs ) Regts. Prinz Georg Nr. 108, Schmidt, Meschwißt, v. Ebrenstein, Wohlthat des 9. Inf. Regis. Nr. 133, Andresen, Bodemer des 10. Inf. Regts. Nr. 134, Frhr. v. d. Buss<he-Haddenhausen, Kleemann, Soll, Que des 11. Inf. Regts. Nr. 139, v. Einsiedèl des 1. Jäger- Bats. Nr, 12, v. Plato, Garten-Kraft, v. Carlowiyg des 2. Jâger-Bats. Nr. 13, Frhr. v. Hodenberg des 3, Jäger-Bats. Nr. 15, Edler v. d, Planiß des Karabinier-Regts., Graf von Mielczynski, Gontard des 1. Königs-Hus. Regts. Nr. 18, De F berg, Frhr. v. Frit\<, v. Römer des 1. Ulan. Regts. r. 17, Panse, Rahe, v. Reden des 2. Ulan. Regts. Nr. 18, P zu Sec. Lts,, v. Fun>e, Heydenreih, Clauß, v. Wolf, 2 ener: Fisber, Wolf des 1. Feld-Art. Regts. Nr. 12, Hege- M ster, Waldow, Kühn des 2. Feld-Art. Regts. Nr. 28, Rinke,

Sit Härtel, v. Carlowiy des 3. Feld-Art. Regts. Ne. 32,

7 midt, Richter des Fuß - Art. Regts. Nr. 12,

L außeretatêmäßigen Sccond-Lieutenants der Artillerie befördert.

u2A d, Urteroff. des 11. Inf. Regts. Ne. 139; v. Reden,

E Maa E e Le ou Neal Bli, drieris s eld, ec. Lt. im 5. Inf. Regt. Prinz Friedri

August Nr. 104, unter Stellung à la suite des Regats., auf ein Jahr

beurlavbt. v. Carlow is 5 18 Charafïter als ula DE a Lt. im 2. Ulan. Regt. Nr. 18, der

Ernennungen,

Im aktiven Heere.

Im Beurlaubtenstande. 24. August. Michael, Pr. Lt. von der Feld-Art. 1. Aufgebots des Landw. Bezirks I. Dresden, zum Hauptm. befördert.

Abschiedsbewilligungen. Imaktiven Heere. 29. Juli. Frhr. v. Bes{wiß, Pr. Lt, à la suite des Garde-Reiter-Regts., in Genebmigung setnes Abschiedsgesuhs mit der geseßlihen Pension und der Erlaubniß zum Tragen der Armee-Uniform zur Disp. geftellt.

24. August. Frhr. v. Campe, Rittm. im 2. Ulan. Regt. Nr. 18, Koldewevy, Hauptm. und Comp. Chef im Pion. Bat. Nr. 12, in Genehmigung ihrer Abschiedsgesuche mit der geseßlichen Pension und der Erlaubniß zum Forttragen der bisher. Uniform mit den vorgeschriebenen Abzeichen, sowie unter gleichzeitiger Verleihung des Gharafters als Major, zur Disp. gestellt.

Im Beurlaubtenstande. 24. August. Gruner, Hauptm. von der Inf. 2. Aufgebots, Dr. Hammann, Pr. Lt. von der Inf. 2, Aufgebots, Stö>er, Sec. Lt. von der Inf. 2. Aufgebots, des Landw. Bezirks 11. Leipzig, der erbetene Abscbied bewilligt.

Im Sanitäts-Corps. 20, August. Dr. Richter, Unter- arzt der Res. des Landw. Bezirks I. Dresden, zum Assist. Arzt 2. Kl.

befördert. Beamte der Militär-Verwaltung.

Dur Allerhöchsten Bes<luß. 27. Juni. Eichler, charakteris. Pr. Lt. und Ober-Lazareth-Insp. des Garn. Lazareths Dresden, ge- legentli< seiner Verseßung in den Rubestand, der Charafter als Hauptmann verliehen, zugleih mit der Erlaubniß zum Tragen der blig des 4. Inf. Regts. Nr. 103 mit den vorgeschriebenen Ab- zeichen.

Dur Verfügung desKriegs-Ministeriums. 20. Juli. Graul, Geheimer Sefretär im Kriegs-Ministerium , auf seinen An- trag mit Pension in den Ruhestand verseßt.

27. Juli. Friedemann, Rendant des Montirungs-Depots zu Dresden, auf seinen Antrag mit Pension in den Ruhestand verseßt.

1. August. König, Assist, im Kriegs-Ministerium, zum Sekretär, Kaiser, Kanzlei-Diätar im Kriegs-Ministerium, zum Assist. im Kriegs-Zahlamt, Terne, Zablmftr. Aspir., zum Zahlmitr. des 2. Bats 1. (Leib-) Gren. Reats. Nr. 100, ernannt __ 13 August. Creußt, Sekretär im Kries-Ministerium, auf seinen Antrag mit Pension in den Ruhestand verseßt und zum Ge- heimen Kriegs-Miniiterial-Sekcetär ernannt.

XTILI. (Königlich Württembergisdes) Armee-Corps.

Offiziere, Portepeefähnrihe 2c. Ernennungen, Beförderungen und Versezungen. Im aktiven Heere. 9%. August. v. Bayer-Ehrenberg, Oberst-Lt. à la suite des Ulan. Regts. Könia Karl Nr. 19, kommandirt na Preußen als Commandeur des Westfäl. Ulan. Regts. Nr. 5, zum Oberst befördert mit Patent vom 22. Auguit d. J. v. Seele, Königl. preuß. Major à la suite des Feld-Art. Regts. von Scharnhorst (1. Hannov.) Nr. 10, von dem Kommando als Adjutant bei dem General-Kommando des Armee-Corps enthoben.

Revisionsentscheidungen des Reichs-Verficherung8amts, Abtheilung für Juvaliditäts- und Altersversicherung.

51) Ia einer Revisionsentsheidung vom 12. Juni 1891 hat das Reichs-Versicherungsamt ausgesprochen, daß die Annahme des Schieds- gerihts, der eine Altersrente beanspruhende Kläger gehöre nit zu den Staatèbeamten im Sinne des $. 4 M 1 des Invaliditäts- und Altersversiherung8gese8e8, nicht als eine thatsäbliche, die Revis sionsinstanz bindendz Feststellung gelten könne. Die Entscheidung der Frage, ob eine bestimmte Person als Beamter anzusezen ist oder nit, beruft zwar in jedem Falle auf der Prüfung einer Reibe that- \sähliher Momente, vollzieht si< ader ni<ht ohne deren re<tli<e Würdigung und ist daber dur die Eigenart des Rechtsmittels der Revision dem Revisionsgeriht nit entzogen.

52) In einer Revisiontentsheidung vom 4. Juli 1891 hat das Reichs- Versiherungsamt angenommen, daß in dem auf Grund des Invaliditäts- und Altersversiherungsgeseyes stat1findenden Streit- verfahren, das die Bewilligung einer Rente zum Gegenstande hat, eine Anschlußrevision nicht zulässig sei. Die Vorschriften der SS. 482, 483 und 518 der Civilprozeßordnung über das Recht, K< dem von der Gegenpartei re<tzeitig eingelegten Rehtsmittel der Berufung und Revision au< nah Ablauf der Einlegungsfrist anzus{ließen, sind auf das Verfahren in Invaliditäts- und Altersversiherungs\ahen nit anwendbar, da das Invaliditäts- und Altersversiherung8gesctß in den &, 77 bis 82 die erforderlihen Vorschriften über die statthaften Rechtsmittel ershöpfend enthält, hierbei aber die Anschlußrevision keine Aufnahme gefunden hat (zu vergleichen bezügli der Unfall- versicherung die gleihlautende Entscheidung 430, „Amtliche Nachrichten des R-V.-A.* 1887 Seite 357).

53) Die Versicherungépfliht eines Fruhtmessers, der als solder von einer bayerisGen Gemeinde angestellt und gemäß $. 36 der Reihs-Gewerbeordnung verpflihtet worden ift, hat das Reichs-Ver- siherungëamt in Uebereinstimmung mit dem Swiedsgeriht mittels Revisionsentsheidung vom 3. Juli 1891 aus folgenden Gründen ver- neint; Aus-dec Fassung des $. 36 dec Reihs-Gewerbeordnung geht bervor, daß die darin bezeihneten Personen, zu denen der Kläger in seiner Eigenschaft als Fruchtmesser gehört, der Regel nach selbständige Gewerbetreibende au< dann bleiben, wenn sie von einer ver- fafsungömäßig dazu befugten Staats- oder Kommunalbehörde öfentli<h angestellt und auf die BeobaHßtung der bestehenden Vorschriften beeidet sind. Es erlangen dadur< zwar die von ihnen in ihrem Gewerbebetriebe vorgenommenen Handlungen in ge- wissem Umfange öffentlichen Glauben, sie selbs aber werden deshalb no< ni&t Beamte der betreffenden Behörde (zu vergleihen Landmann, Kommentar zur Gewerbeordnung Seite 1599 Anmerkung 7, au< die bei Reger, Enlscheidungen der Gerichte und Verwaltungsbehörden u. f. w. Band 9 Seite 212 abgedru>te Entscheidung des Reihs- gerihts vom 20. Juni 1888). An anderweiten Vèomenten, welche im vorliegenden Falle für ein zwishen dem Kläger und der Ge- meinde bestehendes, zur Begründung der Versicherung®pflicht geeignetes Arbeits- oder Dierstverhältniß \prehen könnten, feblt es. Im Gegentheil stebt fest, daß der Kläger weder von der Gemeinde cine Besoldung erhält, now in ihr gehörigen Räumlichkeiten thätig ist, sondern von den seine Mühewaltung beanspruhenden Perfonen bezahlt wird und das Geschäft des Messens und Wägens in den Speichern u. \. w. der Verkäufer vorzunehmen hat. Wenn endlich erwogen wird, daß er bisher als „Fruchtmesser und Unterhändler“ zur Gewerbesteuer herangezogen war, so muß die Annahme abgelehnt werden, daß er während der im $. 157 des Javaliditäts- und Alters- versiherungsgeseßzes bezeihneten 141 Wochen in einem nah diesem Gesetze die Versicherungspflicht begründeten Arbeits- oder Dienst- verbältniß als Arbeiter, Gehülfe oder Betriebsbeamter ge- standen habe. Er war vielmehr ein jelbständiger Gewerbetreibender und kann als solcher die Alterêrente nit beanspruchen.

54) In einer Altersrentensabe hatte das Stieds8gericht seine den Rentenanspru ablehnende Entscheidung darauf gestüßt, daß der Kläger ein Küster an einer kleinen Landkirhe in den leßten drei Jahren vor dem Inkraftireten des Invaliditäts: und Alters-

versiGerungsgeseßes weniger als ein Drittel des von der böheren Ver- waltungsbehörde festgesegten Fahresarbeitsverdienstes ländliher Ar- beiter verdient babe und aus diesem Grunde nab S. 4 Absaß 2 a. a. D. der Versihherungspflibt ni<ht unterliege. Das Reihs-Ber- siherungsamt bat hierin laut Revisionsent {eidung vom 4. Juli 1891 eine unrihtige Anwendung des bestehenden Rechts gefunden und auf Aufhebung des \ciedsgeribtlicben Urtbeils aus folgenden Gründen erkannt: Nah dem erwähnten $. 4 Absatz 2 des Invaliditäts- und Altersversicherungsgeseßes tritt die Bersiherungspflicht für diejenigen Mtb nit ein, wel<e „in Folge ibres föôrperli<en oder geistigen

ustandes dauernd nicht mehr im Stande sind, dur< eine ihren Kräften und Fähigkeiten entsprehende Lohnarbeit mindestens ein

‘Drittel des für ihren Beschäftigungsort rah $. 8 des Krankenver-

siherungsgesezes vom 15. Juni 1883 sestgeseßten Tagelohrs gewöhn- lier Tagearbeiter zu verdienen“. Nit also darauf kommt es bei Anwendung jener Bestimmung an, ob Jemand that- \ähli<h no< ein Drittel des bezeihneten Tagelohns verdient, sondern darauf, ob er dauernd ni<t mehr im Stande ist, si< die fragliche Tazelohnsquote als Lohnarteiter zu crwerben, und ob ferner diese Erwerbéunfäßigkeit eine Folge der Beschaffenheit seines Körpers oder seines Geistes ist. Daß diese Vorausseßungen bei dem Kläger zu- treffen, hat das Stiedsgeriht nicht festgestellt. Was es thatsächlih angenommen, weiht davon wesentli<h ab: abgesehen davon, daß es seiner verglei<enden Berebnung den nach $. 6 Absaß 2 des land- wirths<aftliben Unfallversiherung8geseßes vom 9. Mai 1886 von der böôheren Verwaltungsbehörde festgeseßten Jahresarbeits- verdieast landwirth\s@aftliher Arbeiter, nit aber wie vorges<rieben den von derselben Behörde gemäß F. 8 des Krankenversiherungß8gesezes vom 15. Juni 1883 fest- zuseßenden Tagelohn gewöhnlicher Tagearbeiter zu Grunde gelegt hat, folgt aus dem Umstande allein, daß der Kläger das fragliche Drittel in den leßten drei Jahren vor dem Inkrafttreten des Invaliditäts- und Altersversiherungsgesetz2s nit verdient hat und auch gegenwärtig nit verdient, noch keineswegs seine dauernde Unfähigkeit, jenen Ver- dienst zu erzielen Zu einem folhen S{luß berehtigt au der sonstige Akteninhalt umsoweniger, als der Kläger si im Besitz eines Wohnhauses und eines baaren Kapitals von 2400 4 befindet, mithin niht geradezu genöthigt ift, seine Arbeitskraft aufs Aeußerste anzu- spannen und jeden Nebenverdienft mitzunehmen, der si ibm etwx außerhalb seiner eigentlihen Berufsthätigkeit als Küster bietet.

55) Einem in einer städtis<hen Verwaltung ohne Pensions- berehtigung angestelltea Kämmerer und Magistratsmitgliede war in der Berufungsinstanz die Altersrente zugesprohen worden, indem das Schiedsgeriht die Versicherungêépfliht des Klägers #<on daraus folgerte, daß derselbe während der im $. 157 des Invaliditäts- und Altersversicherung8gesezes erwähnten Zeit ni<ht zu den im 8 4 Absay 1 a. a. O. bezeichneten Beamten gehört habe. Dieser Auf- fassung ist das Reihs-Versicherungsamt mittels Revisionsentsbeidung vom 3. Juli 1891 als einer re<tsicrthümli<hen entgegengetreten. Wenn im $. 4 Absatz 1 a. a. O. bestimmt ist, daß die mit Pensions: bere<tigung angestellten Beamten der Kommunalverbände der Ver- sicherungspfliht niht unterliegen follen, so läßt sih daraus niht ohne Weiteres \<ließen, daß diejenigen Kommunalbeamten, wel<he keine Pensionsbere<tigung besißen, unter alien Umständen versiherungs- pflichtig seien. Der Kreis der versicherungspflichtigen Personen ift vielmehr dur $. 1 des Invalitäts- und Altersversicherungsgesetzes be- grenzt, während dec 8 4 Absay 1 nur eine Ausnahmevorschrist enthält, der zufolge ron den an sih, das heißt nah der Art ihrer Beschäfti- gung , versiherungs8pflihtigen Personen gewisse Klafsen ausgeschieden werden, denen vermöge ihrer Stellung zum Reich, zu einem Bundes' staat oder zu einem Fommunalverband eine ausreihende Fürsorge für den Fall ihrer Javalidität und ihres Alters ohnehin gewährleistet ist. Es muß daher stets zunächst geprüft werden, ob auf den eine Rente Beanspruchenden die allgemeinen Vorausfeßungen des $. 1 a. a. O. zutreffen, und erst bei Bejahung dieser Frage kommt es darauf an, ob die an sih bestehende Versicherungépfliht dur< eincs der im S. 4 Absag 1 bezeihneten Verhältnisse ausges<lossen ist.

Statistik und Volkswirthschaft.

Fuvaliditäts- unv Altersversicherung.

Die Invaliditäts- und Altersversiherungsanstalt Schleswig - Holstein hat im Monat August 319 Altersrenten festgesteUt und 96 Ablehnungsbesheide erlassen. Insgefammt sind bisher 4854 Altersrenten für den Bezirk der Arstalt (Schleswig-Holstein und das Fürstenthum Lübe>) bewilligt worden. Der Jahresbetrag derselben stellt si< auf rund 655 000 46 An Rentenanträgen von vor dem Jahre 1821 geborenen Personen liegt der Anstalt jeßt nur no< eine gerinafügige Zahl vor.

Zur deuts<hen Wirtbshaftslage in 1890.

Die Bergishe Handelskammer zu Lennep, Kreise Gummersba<h, Lennep, Remscheid, Wipper-

fürth und die Bürgermeistereien Cronenberg , Velbert und Wülfrath umfaßt, unterstüßt die Tkatsahe, daß das Wirthschaftsjahr 1890 für die überwiegende Mehrheit der Ge- \chäfte des Handelskammerbezirks ein re<t ungünstiges gewesen ift, dur folgende begründende Bemerkungen: Die Ausdehnung der Pro- duktion, zu welher der gesteigerte Bedarf des Inlandes im Jahre 1889 geführt hatte, brachte eine Uebersättigung des inländishen Markts, die i in übergroßen Lagerbeständen und in allgemeinem Mangel an Kauflust sehr fühlbar machte. Die Hoffnungen, daß das Export- geschäft, zumal der überseeische Handel, sich heben würde. sind nicht in Erfüllung gepangen, nur in den leßten Monaten vor Inkrafttreten der Me. Kinley-Tarif-Bill wurde der Handel nach den Vereinigten Staaten, besonders in Artikeln des Textilgewerbes, ein fieberhaft erregter. Die amerikanishen Kunden warden no< karz vor Thores- {luß weit über ihren Bedarf hinaus mit Waaren geradezu über- \hwemmt, ein Umstand, der voraussihtli<h seinen Rüd>sblag im Fahre 1891 in um o größerer Flaußeit des amerifkfanis<hen Ge- {äfts äußern wird. Ja Brasilien unterbanden staatlihe Um- wälzungen eine Zeit lang die bestehenden Handelsbeziehungen fast völlig; unter ihrer Einwirkung blieb das Geschäft dorthin das ganze Fahr hindur gestöct und gelähmt. Ebenso unsiher war die Lage in Argentinien, defsen traurige Finanzverhältnisse einem regel- mäßigen Geschäftsverkehr jeden Boden entzogen. Nach Chile ging das Exportgeschäft zwar etwas besser, blieb aber dennoch binter dem des Vorjahres weit zarü>. Bezügli<h des Handels mit Spanien hat das Jahr 1890 die gewünschte Besserung ni<ht ge- bra<ht. Gewinnbringender war der Handel mit Rußland, wenn- gleih das Geschäft dorthin der hohen Zollshranken wegen von seinem früheren Umfange viel eingebüßt hat. Italiens Verbrau an Tuchen und baumwollenen, halb- und ganzseidenen Hutbändern war ein bedeutender. Dagegen hat die Einfuhr deutscher Eisen- und Stahlwaaren des hohen italienishen Einfuhr- ¿olles wegen sehr erhebliG abgenommen. Der Handel mit der Schweiz, Holland, Belgien, England und Frankrei hielt si< „in den Grenzen der Vorjahre. In Schweden und Norwegen i der Verbrau hiesiger Streich garn- und Kunst- wollfabrikate sowie Kleiderstoffe, Bänder und Litzen geringer geworden.

welche