1891 / 215 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Der heutige Jahrestag der Einnahme der Schanze von Griviza wurde in der herkömmlichen Weise festlich begangen H ;

Ueber die Krankheit der Königin bringt der „Rum. Lloyd“ folgende Mittheilung:

„Die Kongestionen der zum Rüd>enmark gehörigen Membrane und mit denselben die Shwäche in Händen und Füßen hält an. Die gestörte Herz-Innervation erklärt die periodis< auftretenden Obn- macht8sanfâlle. Die Königin hat bereits seit se<hzehn Tagen das Bett nit verlassen.“ e

Serbien.

Belgrad, 11. September. Anläßli<h des Namens- festes des Königs von Serbien und des Kaisers von Rußland fand telegraphisher Meldung zufolge heute in der Kathedrale ein feierliher Gottesdienst statt, welhem der Regent Protits<h sowie die Minister und die Civil- und Militär-Würdenträger beiwohnten. Leßtere begaben ih na<h dem Gottesdienst in die russishe Gesandtschaft, wo der Sekretär Ssumow ihre Glückwünsche entgegennahm.

Dänemark.

Kopenhagen, 11. September. Bei dem Dejeuner auf der Kaije:lihen Yacht „Polarstern“ brachte laut Meldung des „W. T. B.“ der Kaiser von Rußland einen Toast auf den König und die Königin von Dänemark und die ganze Königlihe Familie aus. Der König von Dänemark toastete auf den Kaiser von Rußland, welcher bald darauf auf das Wohl des Königs und der Königin von Griechenland, der übrigen Mitglieder der griehishen Königlihen Familie und des Prinzen und der Prinzessin von Wales trank. Nah dem Dejeuner begab:n sih die Herrschaften nah Frederiksborg, wo- elbst das Diner eingenommen wurde. Wie „Rigzau's Jureau“ meldet, hat der Kaiser von Rußland heute eigenhändig dem Prinzen Georg von Griechenland die goldene Rettungs-Medaille überreicht, weil derselbe bei dem bekannten Attentat auf den Großfürsten-Thronfolger in Otsu (Japan) diesem das Leben gerettet hatte.

Sämmtliche im Hafen liegende Kriegsschiffe waren heute Abend aus Anlaß des Namenstages des Kaisers von Rußland glänzend illuminirt. An Bord derselben wurde Feuerwerk abgebrannt.

Amerika.

Canada. Die Regierung hat den Dampfschiffahrts- Gesellschaften angezeigt, sie werde sie für den Unterhalt hülfloser russisher Juden, welhe dur< ihre Fahrzeuge in Canada gelandet würden, verantwortlich machen; eine Anzahl der în dieser Woche angekommenen Juden sei absolut ohne alle Geldmittel.

Chile. Nach einer Meldung des „New-York-Herald“ aus Valparaiso veröffentliht die Junta ein Dekret, dur< welches das von Balmaceda ausgegebene Silber- und Papiergeld anerkannt wird. Die Maßregel ruft allge- meine Befriedigung hervor ; die Bankhäuser sind wieder er- öffnet, der Handelsverkehr ist wieder völlig aufgenommen.

Nr. 36 der Versöffentlihungen des Kaiserlihen Ge- sundhbeitsamts vom 8. September bat folgenden Inhalt: Per- sonalnahrihten. Gesundheitsftand: Mittheilungen über Volks- krankheiten. Sterbefälle in deutshen Städten mit 49 000 und mehr Einwohnern. Desgl. in größeren Städten des Auslandes. Erkrankungen in Berliner Krankenhäusern. Desgl. in deutshen Stadt- und Landbezirken. Gesundheitsstand und Sterbefälle im Juli. Witterung. Zeitweilige Maßregeln gegen Volkskrank- heiten. (Oefterreih, Rußland, Portugal, Ostindien, Uruguay ) Veterinärpolizeilihe Maßregeln. (Reg.-Bez. Oppeln. Württemberg, Oesterreih-Ungarn.) Medizinalgeseßgebung u. | w. (Deutsches Reich.) Einfuhr von S@weinen u. #. w. amerikanis&en Ursprungs. (Baden.) Rindviehbestände (Sc<hluß.) (Oefterreih.) Franke'ihe Apotheken-Standgefäße. Verhandlungen von geseßgebenden Körper- haften. (Deutsches Reich.) Gesehentwurf, betr. Mißbrauch geistiger Getränke. Vermischtes. (Belgien.) Arste>ende Krankheiten. (Schluß) Beilage. Gerichtl. Entscheidungen zum Nabhrungsmittelgeseß. (Finnen.) Sterbefälle in deutshen Orten mit 15 000 und mehr Einwohnern, Juli. Desgl. in größeren Orten des Auslandes.

Entscheidungen des Reichsgerichts.

Nat $. 77 der Preußischen Gesirdeordnung kann das Gesinde, wenn es die Herrschaft dur ungebührliwes Betragen zum Zorn reizt und von ihr im selbigen mit Sweltworten oder geringen Thät- lihkeiten behandelt wird, dafür keine gerihtli<he Genug- thuung fordern. In Bezug auf diese Bestimmung hat das Reihs- geriht, II. Strafsenat, dur< Urtheil vom 5. Juni 1891 auëgesprochen, daß in jedem einzelnen Falle der thatsählihen Beurtbeilurg des Strafrichters die Entscheidung der Frage unterliegt, ob die Thätlihkeit als eine geringe oder als eine erheblihe und als strafbare Körperverlezuag ($ 223 des Str.-G.-B.) zu erachten sei.

Mannigfaltiges.

Der hierselbst im 81. Lebensjahre verstorbene General der Kavallerie von Schön wurde gestern Nahmiitag auf dem Garnijonkir<hof in der Hasenheive zur Ruhe bestattet Im Allerböchsten Auftrag ershien bei der Trauerfeier der General der Kavallerie von Rau. Lie Remonte-Inspektion, an deren Spize von S<hön lange Jahre hindur gestanden, war dur< Major von Damnig vertreten. Nah einem Gesange des Henneberg'shen Quartetts hielt Hofpredizer D, Frommel die Gedenkrede.

Die vierte allgemeine ordentliche Versammlung des Deutschen Schriftsteller-Verbandes ist heute hierselbst zusammengetreten. Die Betheiligung ift eine re<t große, Bereits am Vormittog waren 430 Theilnehmerkarten ausgegeben. Der heutige Tag war ausfhließli< den Berathungen des Gesammtvorftandes ge- widmet, der um 10 Uhr im kleinen Saale der Victoriahallen, Leip- zigerstraße Nr. 134, unter Vorsiß des Hrn. Robert Schweichel seine Verhandlungen begann, die si<h auf die Erledigung der laufenden Vorstandsgeschäfte und auf die Vorbereitung der allgemeinen Sißungen beschränkten. Gegenstand der Berathungen des Sthriftstellertages werden Anträge zu den Satzungen des Verbandes und ein Geseß- entwurf über das Verlagsreht sein. Heute Abend findet in der Philharmonie die offizielle Begrüßung der Mitglieder und Gäste ftatt.

Die Berliner Baugenossen\chaft, eingetragene Genofsen- {aft mit bes<ränkter Haftpflicht, welche bekanntlih die dur ihre Mitglieder zusammengetragenen Beiträge zum Bau von Ein- und Zwei- Familienhäusern in den Vororten Berlins für dicse Mitglieder ver-

wendet, hält morgen, Nahmittags 3 Uhr, ihre regelmäßige Viertel- jahrsversammlung im Restaurant Walds<hlöß<hen in Hermsdorf an der Nordbahri ab, woselbst au< eine gemeinsame Besichtigung der im Bau befindlihen se{zehn Häuser der Genossenschaft stattfinden sol. Der Besuch der Generalversammlung dur fol@e, welche der Genossenschaft beizutreten beabsihtigen, ift besonders erwüns<ht. Meldungen zum Beitritt werden im Bureau, Steglitersiraße 20, entgegengerommen. Die Genossenshaft hat au< in Adlershof und in Lihterfeide an der Potsdamer Bahn Häuser errichtet.

Die Neue Berliner Omnibus- und Pa>etfahrt- Gesell\{aft wird, wie die „Staatsb. Z.* mittheilt, Wagen zur Perscnenbeförderung mit elektris er Beleubtung in Betrieb stellen. Zwei derselben werden in den nähsten Tagen dem Polizei- Präsidium, Abtheilung für öffentliGes Fuhrwesen, vorgeführt. Die Wagen sind für zwanzig Personen bere<net und sellen zunächst auf der Stre>ke Kottbuser Thor— Neues Tko: kurfiren.

Die neue Babnhofs- Anlage in Pankow wird, wie die „Tägl. R.* \creibt, die zweitarößte Europas. Die Anlagen umfassen ein Terrain von vier Quadrat-Kilometcern. Die Höhenlage ist so berehnet, daß eine Verbindung mit der Berliner Stadt- und Ringbahn, vielleiht über Bahnhof Gesundbrunnen leit herzustellen ist. Vom 15. Oktober d. J. ab werden etwa 6000 Arbeiter Be- schäftigung finden und etwa 400 Subaliternbeamte und höhere Bau- beamte in Parkow weilen. Für den Bau, der 1895 fertiggeitelit sein soll, sind 23 Millionen Mark ausgeworfen.

Nach S<hluß der Redaktion eingegangene Depeschen.

München, 12. September. (W. T. B.) Der Prinz - Regent hat die Delegirten zu den Handelsvertrags- verhandlungen zwishen Deutschland, Desterreih:Ungarn und Jtalien auf heute Nachmittag 2 Uhr zur Tafel im Re- sidenzshloß geladen. , : :

Von authertisher Stelle wird die Blättermeldung von der Verlobung des Erzherzogs Franz Ferdinand mit der Herzogin Sophie, Tochter des Herzogs Carl Theodor in Bayern, für gänzlich unbegründet erklärt.

Der Reichsrath Graf Arco-Steppberg ist gestorben.

Prag, ‘12. September. (W. T. B.) Wie die hiesigen Blätter melden, wird der Minister-Präfident Graf Taaffe den Kaiser Franz Joseph auf der Neise dur Böhmen begleiten. -

Paris, 12. September. (W. T. B.) Hier eingegangenen Nachrichten aus Santiago zufolge hätte die chilenishe Junta angeordnet, daß die Wahlen zu den geseß- gebenden Körperschaften sowie die Präsidenten- wahl auf Grund des allgemeinen Stimmrechts er- folgen sollen.

Athen, 12. September. (W. T. B.) Von den Per- sonen, welhe si< auf dem beim Kap Sunium untergegan- genen iialienishen Postdampfer „Taormina“ befanden, sind, wie erst jeßt bekannt wird, au<h durch ein vorüber- sahrendes griechi]hes Segelschisf se<h2zehn gerettet worden, darunter zwei englische Familien. Die Geretteten wurden nah der Jnsel Poros gebracht. (Vgl. Mannigfaltiges in der Ersten Beilage.)

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

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vom 12. September, ens 8 Uhr.

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Stationen. Wind. Wetter.

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1) NaŒts ftarkes Gewitter.

Uebersiht der Witterung.

Der Luftdru> is über West-Europa andauernd boch und LCGmbis vertheilt und daher dauert die ruhige Witterung allenthalben fort. Im nördlichen Deuts<{land ift Trübung, in den westlihen Gebiets- theilen vielfa Nebel eingetreten, indessen dürfte hier wieder rashes Aufklxren zu erwarten sein. An der ostpreußishen Küste fanden Gewitter statt, welche zu Königsberg und Memel von Regenfall be- gleitet waren. Die Temperatur ift in Deutschland an der Küste durhschnittli& gesunken, im Binnen- lande dur<s{hrittli< etwas geftiegen. Ueber dem deutsben Binrenlande ziehen die oberen Wolken aus sehr vershiedenen Richtungen.

Deuts<he Seewarte.

L TYeater-Anzeigen.

Böniglihe Schauspiele. Sonntag: Opern- haus. 178 Vorftellung. Oberon. Romantishe Oper in 3 Aufzôgen. Mußk von C, M. von Weber. Die Recitative von F. Wüllner. Ballet von Emil

Graeb. In Scene geseßt vom Ober-Regisseur Teßlaff. Dirigent : Kapellmeister Kahl. Anfang 7 Ubr.

Schauspielhaus. 185. Vorstellung. Der neue Herr. Swauspiel in 7 Vorgängen von Ernft von MWildenbru<. In Scene geseßt vom Ober-Regisseur Mar Grube. Anfang 7 Uhr.

Montag: Opernhaus. 179. Vorstellung. Tann- häuser und der Sängerkrieg auf der Wart- burg. tomantis&e Oper in 3 Akten von Richard Wagner. Ballet von G. Graeb. Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus. 186. Vorstellung. Die Anna- a S nt 5 Aufzügen von Hermann

ers<. Anfang r.

Dienstag: Opernhaus. 180. Vorstellung. Der Barbier von Sevilla. Komische Oper in 2 Akten von Rossini. Anfang 7 Uhr.

S(auspielhaus. 187. Vorstellung. Der Sturm. Zauber-Komödie in 5 Aufzügen von Shakespeare. Na A. W. von St{legel's Uebersezung. Musik von Wilhelm Taubert. Tanz von Emil Graeb. Anfang 7 Uhr.

Deutsches Theater. Sonntag: Die Kinder

der Excellenz. Montag: Fausft's Tod. Dienslag: Die Kinder der Excelleuz. Mittwoch: Die Stützen der Gesellschaft.

Berliner Theater. Sonntag, Nahm. 24 Uhr:

Ein Tropfen Gift. Abents 7# Uhr: Wilhelm Tell. Montag: Der Hüttenbesizer. Anfang 7 Uhr. Dienstag: Eiu Tropfen Gift.

Fessing-Theater. Sonntag: Francillon. Lustspiel in 3 Akten von Alexandre Dumas fils.

Montag: Am Tage des Gerichts. Volks: \chauspiel in 4 Akten von P. K. Rosegger. ;

Dienstag : Der Fall Clemenceau. Schauspiel in 5 Akten von A. Dumas und A. d’Artois.

Die nächste Aufführung von Falsche Heilige findet am Donnerstag statt.

Wallner-Theater. Sonntag: Zum 4. Male: Der Maun mit huudert Köpfen. Pofse in 3 Akten von Henri Moulin und Edmond Delavigne. Hierauf : Musikalisch : deklamatorische Abend- unterhaltung. Gesangs - Burleske in 1 Akt von D. Kalish. Neu bearbeitet von H. Graef. Anfang 7# Ukr. i

Montag u. folg. Tage: Dieselbe Vorstellung.

Friedri< - Wilhelmftädtishes Theater. Sonntag: Neu einstudirt. Giroflé Girofla. Komische Oper in 3 Akten von Vanloo und Letterier. Musik von Charles Lecocq. Regie: Hr. Binder. E Hr. Kapellmeister Federmann. Anfang 4 Ubr.

Montag : Giroflé Girofla.

Residenz-Theater. Direktion : Sigmund Lauten- burg. Sonntag : Leßte Sonntags: Vorstellung. Frou- Fron. Pariser Sittenbild in 5 Aufzügen von Henry Meilhac und Ludovic Halévy. Deutsh von Eduard Mauthner. Jn Scene geseßt von Sigmund Lauten- bura. Anfang 7# Uhr. :

Montag u. folg. Tage: Dieselbe Vorstellung.

Sonnabend : Georgette.

Kroll's Theater. Sonntag: Leytes Gastspiel des Sgr. Francesco d'Andrade und der Fr. Moran- Olden. Don Juan. (Don Juan: Sgr. d’'Andrade ; Donna Anna: Fr. Moran-Olden.

Montag: Sc(luß der Opern-Saison. Benefiz- Vorstellung für Orchester und Chor-Personal des Kroll'shen Theaters, unter gefälliger Mitwirkung des Hrn. Emil Göge, der Fr. Moran-Olden, sowie \ämmtliher Solisten des Instituts. Euryauthe I. Akt, Il. Abtbeilung. (Eglantine: Fr. Moran- Olden.) Darauf, mit hoher Genehmigung: Mar- garethe III. Akt. (Faust: Hr. Göße) Zum Schluß: Oberon. QOdcean-Arie. (Rezia: Fr. Moran-Olden.)

„Großes Goncert“ im Sommergarten, Abends bei brillanter elekiris@er Beleuchtung desselben. gnd Sonntag 4, Montag 54, der Vorstellung

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Belle - Alliance - Theater. Sonntag: Zum 45. Male mit dur<weg neuer glänzender Ausftattung an Dekorationen, Kostümen, Ballets, Waffen-Requi- siten, Beleuhtungseffecten 2c. D ans

zur See. Großes Ausstattungs-Zeitbild in 4 Akten (7 Bildern) von Ernst Niedt. Im 6. Bilde: Zum ersten Male in Deuts{bland: Großes Pferderennen auf der Bühne von lebenden Pferden.

Im prachtvollen, glänzenden Sommergarten (vor- nebhmstes und großartigstes Sommer-Ctablifsemeni der Residenz): Großes Doppel - Concert. Auftreten sämmtliher Spezialitäten. Brillanie Illumination des ganzen Gartén-Etablifsements.

¿nan des Concerts 4 Uhr. Anfang des Theaters 7 r.

Montag: Dieselbe Vorstellung.

Schluß der Sommer-Saijon am 15. September.

Adolph Ernst-Theater. Sonntag: Zum 13, Male: Der große Prophet. Gesangsposse in 4 Akten von Leon Treptow. Couplets von Gustav Görß. Musik von Gustav Steffens. Mit voll- ständig neuen Kostümen. Die neuen Dekorationen sind aus dem Altelicr der Herren Wagner und Bukacz. In Scene geseßt von Adolph Ernft. Anfang 74 Ubr.

Montag: Dieselbe Vorstellung.

Thomas-Theater. Alte Jakobstraße 30. Direkiion: Gmil Thomas. Sonntag: Zum 45. Male: Jm fiebenten Himmel, Posse mit Gesang in 3 Akten (4 Bildern) von Jean Kren.

Musik von JIokannes Doebber. In Scene gent vom Direktor Emil Thomas. Anfang 7$ Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung.

Concerte.

Concert-Haus. Leipzigerstr. 48. Eröffnung der

95. Concert-Saison mit dem neu erbauten Richard Wagner-Saal Donnerstag, den 17. September, Abends 7 Uhr. 1. Karl Meyder- Concert.

Urania, Anftalt für volksthümlihe Naturkunde.

Am Landes - Ausftellungs - Park (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 12--11 Uhr. Täglih Vorstellung im G UGNGa Gen Theater. Näheres die Ans<hlag- ¡ette

[32023]

Nur noch kurze Zeit. National : Panorama Herwarthstraße 4, am Königsplay. „Das alte Nom“

mit dem Triumphzuge Kaiser Constantins. y. Morg. 9 Uhr bis zur Dunkelheit. Eintr. tägl. 50 H$. Soldaten u. Kinder 25 S.

32022] „Nordland- oacutaat ALzstela en bte 30 Pf |

Familien-Nachrichten.

Verlobt: rl, Ida Nitshe mit Hrn. Haupt- Zollamts-Assistent Paul Goerli<h (Srashwiz— Neustadt D.-S ).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Geh. Regierungs- Rath Dr. von Glasenapp (Berlin). Hrn. Rittmeister Torgany (Militsh). Hrn. Land- geri<ts-Rath Erler (Glogau). Hrn. Haupt- mann Hermann Frhr. Röder- von Diersburg (Gleiwiß). Hrn. Seminar - Lehrer Walter (Waldau bei Abolameeg. Eine Tochter: Hrn. Hauptmann von Oerßen (Küstrin). Hrn. Domônenpächter Strüvy (Domäne Kragau per Powayen, Oftpr.).

Gestorben: Hr. Pfarrer Hugo Ablemann (Zeiß). Hr. Domkapitular und Fürstbis<öfliher General - Vikariats - Rath Hugo von Shhalscha- Ehrenfeld (Breslau). Hr. Dr, jur. Alfred Kuznißky (Berlin).

Redacteur: Dr. H. Klee, Direktor. Berlin:

Verlag der Expedition (Scholz).

Dru> der Norddeutshen Buchdru>erei und Verlags- Anstalt, Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32.

Fünf Beilagen (einshließli<h Börsen - Beilage).

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

M 215.

Statistik und Volkswirthschaft.

Die Errichtung von Rentengütern.

Mit dem Erlaß des Gesetzes, betreffend die Beförderung der Errichtung von Rentengütern vom 7. Juli 1891, ist der Versuch be- gonnen, ni{ht allein seßhafte ländliche Arbeiter zu shaffen, sondern au<h den mittleren und kleineren Bauernstand zu vermehren. Die dur< dasselbe gebotene Beihülfe des Staats wird die Errihtung von Rentengütern sehr wesentlih erleihtern bezw. mögli ma<hen. Zur Ausführung derselben sind die Königlihen General-Kommissionen und deren Organe, namentli< aub die Spezial-Kommissionen in erster Reihe berufen. Denselben fällt somit die Lösung einer Auf- gabe zu, wel<he wirthshaftlih wie sozial von der größten Bedeutung ist und deshalb mit allen Kräften und größter Umsicht durchgeführt werden muß. Die General-Kommissionen dürfen dabei, wenn das Gefeß Erfolg haben soll, keine abwartende Haltung einnehmen, sie müssen vielmehr, wie die General-Kommission für Schlesien in Breslau betont, eine energishe Initiative entwi>deln. Wenn für die Be- gründung von Rentengütern und die Regelung der bezüglihen Rehts- verhältnisse die Vermittelung der General-Kommission Seitens der Betheiligten in Anspru genommen wird, hat dieselbe das Verfahren bis zur Eintragung des Rentengutes nebst der darauf haftenden Rentenbankrente ins Grundbuch durchzuführen und dabei die Be- gründung des Rentengutes in re<tliher und wirths<haftliher Beziehung zu fôrdern, namentli<h au< einer sorgfältigen Prüfung zu unter- werfen und mit den Betheiligten zu erörtern, ob die neuen Stellen, vereinzelt oder in ge\s<lossenen Ortschaften, auszuweisen und in welcher Weise die Gemeinde-, Kirchen- und S{hulverhältnisse zu regeln sind. Von der endgültiaen Regelung dieser Verhältnisse darf indessen die Ausgabe von Rentengütern ni<ht abhängig gema<ht werden. Es wird si<h empfehlen, daß sowohl diejenigen Gutsbesitzer, welhe Rentengüter auszugeben beabsihtigen, jedo< keine geeigneten Bewerber um dieselben finden, wie au< s\solbe Personen, welche ein Rentengut zu erwerben wünschen, aber keine Abgeber eines fol<hen haben, si< mit ihren Wünschen direkt an die General-Kom- mission oder an deren Kommissare wenden, damit die General-Kom- mission in die Lage verseßt wird, die Errihtung und resp. den Erwerb von Rentengütern vermitteln zu können.

Swhlachthäuser.

Aus dem Regierungsbezirk Königsberg wird geschrieben: Unter den sanitätspolizeilihen gemeinnützigen Einrichtungen steht die Erbauung öffentliher kommunaler Schlahthäuser im Vordergrunde des Interesses. Die Bewegung auf diesem Gebiet ist so lebhaft, daß, während bis zum Jahre 1886 in diesem Regierungsbezirk nur se<s \solher Anstalten bestanden, ihre Zahl zur Zeit auf neun angewawsen ift und durch sieben weitere Shlachthäuser, deren Errichtung laut Be- \{luß der betreffenden städtishen Behörden in naher Aussihht steht, bis auf sechzehn gebra<t werden wird.

Auswanderung.

Die übersecishe Auswanderung aus dem Regierungsbezirk Marienwerder scheint in starker Zunahme begriffen zu sein, denn die Zahl der ausgewanderten Personen betrug während der Monate Mai, Juni und Juli 1367 gegen 878 in dem entsprechenden Zeit- raum des Vorjahres. 843 von den Auswanderern waren deutsche, während 524 der polnishen Nationalität angehörten.

Invaliditäis- und Alt ersversiherung.

In der leßten Sißung des Provinzial-Aus\husses der Provinz S@hlesien wurden, na< dem Bericht der „Schlesischen Morgen- Zeitung“, Über die Thätigkeit der Invaliditäts- und Altersversicherungs=- Anstalt für Slesien bis Ende Juni d. J. folgende Angaben von allgemeinerem Interesse gema<ht: Von den anerkannten Anträgen find 3464 statistis< bearbeitet. Davon find 2458 Altersrenten männlihen und 1006 weibli<en Personen bewilligt worden. Auf die Landwirthshaft fallen 1790 Renten, also etwas mehr als die Hälfte und zwar 805 auf den Regierungs- bezirk Breslau, 612 auf Liegniß und 373 auf Oppeln, auf die Forstwirthschaft fallen 167, auf die Industrie (einschließli Handwerk) 424 und der Rest vertheilt si< auf den Bergbau, Bau- wesen, Handel, Dienstboten u. . w. Bewilligt wurden von diesen Altersrenten in der Höhe von 19140 4: 75, von 163,20 M.: 198, von 135 (6: 498 und von 106,40 #4: 2693 Renten. Für die 3464 Altersrenten ist ein Aufwand von 407 411 4 erforderli<, von wel<hem Betrage die Versicherungsanstalt 234211 4 und das Reich 173 200 Æ aufzubringen hat.

Zur Arbeiterbewegung,

Der Vorstand der sozialdemokratischen Partei scheint den Kampf der „Jungen“ gegen die Führer und die sozialdemo- kratishe Fraktion des Reichstages dur die Beschlüsse der Versammlung des Wahlvereins im se{<sten Berliner Reichs- tagswahlkreise vorläufig für abgeschlossen zu betrachten. Der Parteivorstand erläßt nämlih an der Spiße des Centralblatts der Partei „Vorwärts“ einen Aufruf an die Parteigenossen, dem wir folgendes Wesentliche entnehmen:

Wie aus den Berichten des „Vorwärts“ über die leßten Parteci- versammlungen im se<sten Berliner Wahlkreis hervorgeht, haben die Herren von der Opposition es an den \{wersten sablihen und pec- fönlien Anschuldigungen ni<t fehlen lassen. Danach haben Vor- stand und Fraktion die Partei systematis< korrumpirt und zur Versumpfung gebra<t, und sind insbesondere dur< den Partei- vorstand die Parteigelder na< Gunst an Shmarozer und Schweif- wedler gewährt, die wichtigsten Partei-Interessen aber vernachlässigt worden. Sind diese Anschuldigungen begründet, so muß die Partei- leitung mit Schimpf und Schande aus der Partei ausgestoßen werden. Die gesammte Partei is im höchsten Grade dabei interessirt, genau zu erfahren, inwieweit jene Anschuldigungen auf Wahrheit beruhen; und da der bevorstehende Parteitag zu Erfurt die einzige Instanz ist, welhe diese Anschuldigungen endgültig zu prüfen und zu entscheiden hat, fordern wir hiermit die Herren von der Opposition auf, ihre Anschuldigungen genau zu formuliren und unter Beifügung des nöthigen Beweismaterials dem Erfurter Partei- tag zu unterbreiten. Das ist ihre Pflicht der Partei gegenüber. Erweisen sih aber die Arschuldigungen als unbegründet oder erdicbtet, dann werden die Herren von der Opposition die Konsequenzen ihrer Handlungsweise zu tragen haben. . . . 4

_ Vor einigen Jahren ist auf Anregung sozialdemokratischer

ührer der Versu<h gemacht worden, die an und auf der lbe beschäftigten Arbeiter Magdeburgs für eine Orga- nisation nah sozialdemokratishem Muster zu gewinnen. Die ersten Versammlungen, schreibt die „Mgdb. Ztg.“, die abgehalten wurden, hatten Alles, was am Wasser als Kohlenträger, Sa>- träger, Baggerer u. st. w. beschäftigt war, auf die Beine gebra<ht. Es wurden au< Schritte zur Gründung des Elb- arbeitervereins gethan, Statuten ausgearbeitet, berathen und e, Der Verein trat aber, wenn au< auf dem apier, so do in der Wirklichkeit nicht re<t ins Leben. Jn den Versammlungen gab es immer Zank und Streit, und die

Berlin, Sonnabend, den 12. September

späteren öffentlichen Versammlungen waren so s{<hwa<h be- suht, daß man faum Verhandlungen beginnen konnte. So war es au<h am Mittwo<h Abend wieder, wo eine öffentlihe Versammlung - aller an und auf dem Wasser beschäftigten Arbeiter einberufen worden war. Obwohl man als Redner den Hafenarbeiter J. Schwarz aus Ham- burg angekündigt hatte, waren gegen 9 Uhr erst etwa 15 Personen erschienen, sodaß \i<h der Einberufer zu der Erklärung genöthigt sah, die Versammlung könne wegen zu shwacher Betheiligung nicht stattfinden.

Der bekannte westfälishe Bergmann Schröder wird, wie das Organ des Rechts\huyvereins „Schlägel und Eisen“ berichtet, in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des deutshen Bergarbeiter- verbandes das Saarrevier bereisen und in Versammlungen in Neunkirchen, Schiffweiler, St. Ingbert und Bildsto>k sprechen.

Aus Liegniy wird der „Schl. Ztg.“ unter dem 10. d. M. ge- schrieben, daß der Ausstand der Hands<huhmacher in der S. Alexander’shen Fabrik beendet ift (vgl. Nr. 213 d. Bl.). Die Handschuhmacher hatten, wie {hon mitgetheilt wurde, am vorigen Montag eine Versammlung abgebalten, in welcher si< eine starke Abneigung gegen die Wiederaufnahme der Arbeit geltend ma<hte. Jn dieser Versammlung war auch dem Vorstand des Handshuhmacherverbandes der Vorwurf gema<ht worden, daß er in der Sache auf einem fals<en Standpunkt \tehe, die moderne Arbeiterbewegung nit begreifen könne und keinen geeigneten Vertreter hierher gesandt habe. Der Verbandsvorstand in Arnstadt, welchem dieses Ergebniß der Versammlung mitgetheilt wurde, bena<h- rihtigte jedo< die Strikenden, daß sie ihrer Unterstüßung verlustig gehen würden, Falls se bei ihrer Weigerung beharren sollten, In Folge dessen wurde am Donnerstag früh die Arbeit wieder auf- genommen.

Aus Weißenfels berichtet der Zeißer „Volksbote“, die Leitung der Schuhfabrik von A. Arsand habe, na<hdem sie vor acht Tagen ihren Arbeitern 10 bis 24% vom Lohn abgezogen, jeht eine die Arbeiter \{ädigende Werkstattordnung zur Unterschrift vorgelegt, worauf sämmtilihe Zwi>ker gekündigt haben.

In Pirna haben, wie der „Vorwärts“ berichtet, die Stein- meen wegen Lohndifferenzen die Urbeit niedergelegt.

Hier in Berlin hat eine Formerversammlung das Vor- gehen des Vertrauensmannes Schwarz, der gegen den Be- \<luß des Metallarbeiterkongresses einen besonderen Formertag na< Braunschweig berief (vgl. Nr. 187 u. flgd. d. Bl.), für in- korrekt erklärt ‘und fordert ihn in einer im „Vorwärts“ mit- getheilten Resolution auf, in öffentliher Versammlung wegen seines Verhaltens Rede und Antwort zu stehen. Ueber die Konfektionsfirma H. Hoffmann if von der Verbands- versammlung am Dienstag die Sperre verhängt worden. Als Ursachen, welche die Arbeiter der Tagschneider-Werkstelle zur ein- müthigen Arbeitsniederlegung „zwangen“, werden Lohnreduktion und

_rigorose Behandlung von Seiten des Chefs angegeben.

In Charleroi soll nah einer Mittheilung des „Vorwärts“ wieder eine Lohnbewegung der Bergleute im Gange sein.

Der Kongreß der englishen Gewerkvereine in New- castle hat troß der Opposition der Northumberland- und Durham- Bergarbeiter mit 290 gegen 50 Stimmen eine Resolution ange- nommen, welche die Einführung des a<htstündigen Arbeits- tages für Bergarbeiter auf dem Wege der Gesetzgebung verlangt.

Aus Lyon berihtet ein Wolff’\hes Telegramm, daß der \<on längere Zeit andauernde Ausstand der Glasarbeiter nunmehr y S Ie Zugeständnisse der Arbeitgeber und Arbeiter

eendet ist.

Wie „W. T. B.° aus Bern meldet, hat der Bundesrath die Au8weisung des itali-nis<hen Anarchisten Paolo Shichhi in Genf, Herausgebers der Zeitung „La croce di Savoja“, wegen Aufreizung und wegen Shmähung fremder Regierungen bes<lof}sen.

Nah Mittheilung des Statistishen Amts der Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 30, August bis inkl. 5. September cr. zur Anmeldung gekommen : s N Unge 967 Lebendgeborene, 24 Todtgeborene, 728

crbefälle.

Die „Mittheilungen der Großherzogli < hessishen Centralstelle für die Landesstatistik haben in der Nr. 499 vom September 1891 folgenden Inhalt : Zur Statistik der evangelischen Kirche im Großh. Hessen 1889, Einnahmen an Zöllen und gemein- schaftlichen Verbrauchsfteuern im Großh. Hessen 1890/91. Tägliche Woasserstände Januar, Februar und März 1891. Todesfälle in den Kreisen des Großh, Hessen im Mai und Juni 1891. Preise der gewöhnlichen Verbrauchsgegenftände Juli 1891, Vergl. meteorolog. Beobachtungen Juli 1891, Betrieb der Eisenbahnen Juli 1891.

Kunst und Wissenschaft.

Jnternationale Kunstausstellung in Berlin. XI,

Oesterreih—Sc<hweiz.

L, K. Es wird Niemandem einfallen, die Ueberlegung des Künstlers zu tadeln, der von allen ihm zugänglichen Seiten die Aufgabe, welche er sich gestellt, zunächst geistig zu durhdringen versuht, der die Wirkung seiner Mittel reifli<h erprobt, bevor er sie anwendet, Wo diese Ueber- legung aber allein aus dem fertigen Kunstwerk zu uns spricht, ohne daß wir die innere Nöthigung des Künstlers zu seinem Schaffen herauszufühlen vermögen, is der Ein- dru> natürli<h minder unmittelbar, minder pa>end als derjenige eines im zwingenden Schaffensdrange ent- standenen Kunstwerks, dem wir gern dadurh hervor- gerufene Shwächen verzeihen oder vielmehr garnicht anmerken. Man braucht darum die eine Kunstweise niht handwerklih zu schelten und die andere als die einzig geniale zu preisen; bei näherer Prüfung wird man vielmehr in beiden Fällen die individuellen Vorbedingungen für solhe Verschiedenheit unshwer herausfinden. Ueberra)chend allerdings ist es, wenn die Mehrzahl der Leistungen einer aus den mannigfachsten Jndividualitäten zusammengeseßten Künstlershaar eines ganzen Volks den gleihen Eindru> in dieser Hinsicht hervorruft. Das ist bei den Bildern der österreichischen Abtheilung unserer Ausstellung in gewissem Grade der Fall. Fast durh- weg begegnen uns „tadellose/ Arbeiten, nah FJnhalt und Form einwandfrei, mit durchaus solider Technik, die sih nicht selten zur Éleganz und Virtuosität steigert, aber zumeist au<h ohne jene Beimischung „göttlihen Wahnsinnes“, ohne welhen nah Aristoteles kein wahres Genie zu schaffen vermag. Daß man das nicht äußerlih etwa auf die Stoff- wahl zu beziehen hat, leuhtet ein; denn s die Darstellung leidenschaftlihster Momente, wie etwa die Verwüstung

1891.

Roms dur< die Vandalen, die Hir\{<l mit einer an Tadema erinnernden Kenntniß der Einzelheiten und Glätte geschildert hat, oder Brozik's Fenstersturz in Prag, ein Bild, das die Erregung elementarster Leidenschaften förmli<h zum Gegenstande A] kommen nit über die Korrektheit einer geshi>ten Theaterregie hinaus. Vollends theatralis< konventionell wirkt ein älteres bekanntes Bild des- selben slavishen Meisters, das Fest it Nubens' Hause zu Antwerp?-n, aus dessen prunkooller Farben- und Trachtenentfaltung do<h immer die kalte Ruhe des erfahrenen Arrangeurs hervorbli>t. Neuerdings hat Brozik in Paris der Freilichtmalerei sih zugewendet, und nach zwei kleinen Bildern, welche ein Bauernpaar auf seinem Weg zur Arbeit am Morgen und bei seiner Rückkehr im Abendzwieliht schildern, zu urtheilen, scheint er au< hier na< einem gewissen überlegten System vorzugehen, ähnli<h wie die schottischen Hellmaler strengster Observanz, die ihre oft allerdings au völlig inhaltlosen Bilder direkt im Katalog als „Arrangement in bellgrün“, „in hellblau“ u. st. w. zu bezeihnen lieben. Unter den wenigen impressionistis<h2n Bildern Oesterreihs, zu denen no< Gol8's Volkslied und Marianne Stokes' Knabe an dem Sarg seiner Schwester zu zählen sind, nimmt indeß Brozik unbestritten den ersten Plag ein, insbesondere dur<h das feine Gefühl für landschaftlihe Stimmung, und man darf diese neueste Wandlung in der Entwi>klung des Künstlers als eine vielversprehende bezeihnen. Die Historienmalerei is außer Hirshl und Brozik nur spärlich vertreten. Bacher s religiöse Darstellungen ste>en zu tief in akademischer Ueberlieferung, um das modern gestimmte Auge zu fesseln, Laßkota versucht sich auf mystishem Gebiet als Jünger Gabriel Max' in einer „Madonna als Trösterin“, und Julius vonPayer, der bekannte Nordpolfahrer und Maler, hat das greße S<hlußbild seines Franklin:Cyklus, den Tod des greisen Seefahrers in der Kajüte des „Erebus“ im Jahre 1847, ausgestellt. Ein Tirolerbild „aus den Befreiungskämpfen“ von Mathias Schmid hat. die typishen Vorzüge aller historishen Genre- bilder dieses Meisters, Gemüthstiefe und Ehrlichkeit der Arbeit, aber au<h Schmid fehlt es an lebhaftem Temperament und seinen Werken deshalb an unmittelbar pa>kender Wirkung.

Als besonders bezeihnendes Beispiel für die oben ver- suchte Charakteristik der österreichishen Kunst ließen sih auch die Porträts Heinrih von Angeli's anführen, die im Kaisersaal ihre Aufstellung gefunden haben. Nichts ist lehr- reicher, als ein Vergleich des Kaiserbildnisses Angeli's mit dem- jenigen von Lenbach. Die vornehme Zurüchaltung, die bis in die geringste Einzelheit überlegte und von feinsinniger Be- re<hnung zeugende Schaffensart Angeli's kommt bei sol<hem Vergleih aufs Lebhafteste zur Geltung. Aber daß diese Delikatesse der Auffassung einer scharfen Charakteristik nicht im Wege ist, beweist das meisterzafte Profilbildniß der Kaiserin Friedrih, das au<h in der Farbenstimmung ein Kabinetsstü> genannt werden muß.

Jn Kasimir Pochwalski hat Angeli einen kongenialen Nachahmer gefunden, der si<h am freiesten in dem Porträt des greisen Herrn von Popiel bewegt, während die beiden anderen polnischen Herrenporträts in der Technik fast allzu glatt wirken; immerhin bleibt au<h hier die Feinheit der Charakteristik in Kopf und Haltung im höchsten Maße bewundernswerth. Eleganz und Gewandtheit sind auch die hervorstehenden Eigenschaften der Bildnisse Hans Temples, unter welhen namentlih dasjenige des Kupfer- stehers Unger dur< eine große Lebendigkeit und die liebe- volle Durchführung des Beiwerks den Beschauer fesselt. Ajdukiewicz stellt den Kaijer von Oesterreih zu Pferde bei einem Manöver dar, wobei der in lichten, nur hier und da etwas zu rosigen Tönen gehaltenen Umgebung so breiter Raum gegönnt ist, daß die Bezeihnung, „Portrait Seiner Majestät des Kaisers Franz Joseph 1. von Oester- reih“ faum no< zutreffend erscheint. Einige der hervorragendsten Porträts müssen wir in der Aquarell-Abthei- lung der österreichishen Abtheilung aufsuchen ; so ein meister- haftes Frauenbildniß von Passini, dessen bereits 1871 ge- malter „Vorleser in Chioggia“ mit unverwüstliher Frische au<h heute no< seine Wirkung ausübt, und MigHalek's Porträts von Brahms und Ludwig Knaus, sowie das elegante Pastell Pausinger's im Mikado-Kostüm, Yum-:Yum genannt.

In einer Reihe gelungener Genrebilder kommt der österreihishe Humor zum Ausdru>. Neben den Schilderungen der Jnvaliden, die Friedländer zu seiner Spezialität gemacht, und den Scenen aus dem jüdisch - polnishen Volksleben von J. Kaufmann sind hier insbescndere Josef Kinzel's „Gigerl auf dem Lande“; der gegenständlih wohl von Defregger’s Salontiroler beeinflußt ist, und die wißigen Dorf- scenen von Karl Wibmer zu nennen. Nirgends, selbst im bierfröhlihen Bayern nicht, begegnet man solcher Frishe und Harmlosigkeit bei gleiher Sörgfalt der Ausführung.

Wenn es darauf ankäme, die bedeutendsten Sikmeek der gegenwärtigen österreihishen Kunst zu verzeihnen, würde man dieselben zweifellos auf dem Gebiete der Landschaftsmalerei suchen müssen. J. E. Schindler erhebt sih in seinem „Pax“ von der einfahen Landschaftsschilderung zu monumentaler Größe, indem er einen von steilen Felsmafsen umgrenzten Friedhof schildert, unter dessen hohragenden Cypressen ein Mönch die Steingräber der Verstorbenen {mü>t. Fast mear noh als die friedliche Stimmung kommt der

n\stere Ernst der Grabstätte zum Ausdru>, über der ih drohende Wolken ballen und deren phantastishe Einsamkeit den Beschauer unwillkürlich gefangen nimmt. Gleih Schindler ist auh Rudolf Riebarz in Paris gebildet, und seine Kanallandschaft weist niht nur dur<h das Motiv nah Hol- land; der kühle Silberton des Kolorits gemahnt unwillkürlich an die klassischen niederländishen Landschaften des siebzehnten Jahrhunderts, die jedenfalls au< Jettel eifrig studirt hat, der sich erst allmählich zu einer wirklich freien Formensprache durhgerungen hat, wie einjVergleich seiner holländischen Landstraße mit dem aus dem Jahr 1865 herrührenden Salzburger Motiv Nr. 3044 deutlih erkennen läßt. Wenn au<h nicht so grandios wie Schindler, weiß Bernagzik die melancholishe Herbststimmung in seinen beiden ausgestellten Bildern do< meisterhaft fest-

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