1891 / 238 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Lasten weggeworfen hatten, Wahehe, welche dieselben durh- suhten, sterbende Krieger und zurü>kehrende vielfah ver- wundete Soldaten.

Nachdem ih die Wahehe dur<h Schüsse verjagt hatte, be: seßte ih die Höhe in einer kreisrunden Stellung, in deren Mitte Träger, Verwundete und unsere Viehheerde.

Jch nahm an, daß rechtsseitlih von mir das Gefecht zum Stehen gekommen sei, und wollte mit meiner Stellung dem Gros als Stüßpunkt dienen. Die deutshe Flagge wurde an einem hohen Baum gehißt, und meine Hornisten gaben in kurzen Unterbrehungen unjere üblichen Signale ab. ;

Das Feuergefeht verstummtie etwa nah 10 Minuten bis auf einzelne Salven, welche, wie ih nachher erfuhr, aus der Tembe des Lieutenants von Heydebre> kamen. Auf die Meldung, daß in meiner Nähe ein Europäer mit einem Geschüß sei, sandte ih diesem durch eine Patrouille den Befehl, fi an mich heranzuziehen. Dieser Befehl erreichte Lieutenant von Heydebre>, welcher um 8 Uhr 30 Minuten Vormittags selbst, dur zwei Speerstiche hinter dem re<ten Ohr verwundet, blut: überstzómt bei mir eintraf. Ja seiner Begleitung waren Unteroffizier Wutßer, Murgan Effendi und 12 Mann. Von diesen hörte ih, daß unsere drei Geshüße vom Feinde ge- nommen seien und daß unsere Verluste, namentlich bei der Artillerie und der 5. Compagnie, sehr beträchtlich seien.

J< bes<hloß hierauf, meine Stellung auf der Höhe zu halten, in der Hoffnung, daß si< Versprengte unserer Ex- pedition, die, wie ih jeßt annehmen mußte, vollständig auf- gerieben war, bei mir eixfinden würden.

Auf allen Seiten in dem mih umgebenden Gestrüpp waren Wahehegruppen sihtbar, welhe dur<h unsere Kugeln verscheu<t wurden. Die Wahehe hatten ringsumher das dichte, eben ni<ht hohe Gras in Brand geste>t. Die Flammen wurden uns dur<h hestigen Wind näher gebraht und ge- stalteten unsere Lage zu einer re<ht bedenklihen. Unsere Verwundeten waren dem Flammentode preisgegeben. Um 9 Uhr Vormittags wucde Sergeant Thiedemann, mit einem {weren Speerstiche im Unterleibe und dur<h Brand- wunden verleßt, herbeigeshafft. Wir legten ihm einen Noth: verband an und bettelen ihn in cinem Zelt, au<h wurden nach Möglichkeit unsere s<hwarzen Verwundeten verbunden.

Auf mein fortgeseßtes Signalblasen hatten fich bis 4 Uhr Nachmittags etwa 60 Soldaten und 70 Träger eingefunden. Da mein Rückzug immer gefährdeter werden mußte, je mehr die von der Verfolgurg zurückehrenden Feinde sich zu sammeln begannen, marschirte ich in eine über unser am Tage vorher aufgeschlagenes Lager hinausliegende Tembe, nahe am Waffer, und befestigte mich hier. E

Noch immer war ih der Ansicht, hier in der Nähe (1 Stunde) des Gefechtsfeldes auf der einzigen Nüczugslinie mit meinem endgültigen Abmarsch warten zu sollen, obgleich mir meine beiden s{hwarzen Offiziere Murgan und Gaber Effendi riethen, soweit als möglih abzumarshiren. Es gab doch no< eine Möglichkeit, daß si< kleine Abtheilungen und vereinzelte Europäer im Busch verst->t hielien, denen nur mit meiner Hülfe ein Entkoramen möglich gewesen wäre.

Jch beschloß demgenäß, den nächsten Tag, den 18. August, no<h hier auszuhalten.

Die Wahche griffen mih weder in der Naht no<h am folgenden Tage an, sondern zogen sih in größeren Massen seitlih in der Richtung auf Mage vorbei.

Es erschien mir nunmehr bedenklih, auf dem alten Wege über Mage abzumarschiren, und ih bes<loß, über das steile Gebirge im Südosten von Lula auf den Ukose, und längs dieses den Ruaha crreichend, abzuziehen. Auf diesem Wege durste ih nah Aussage eines angeblih ortskundigen Führers hoffen, auf keine feinblihe Bevölkerung zu stoßen.

Nach diesem Plane bra<h ih am 18. August um 9 Uhr Abends auf, marschirte vielfah des Nachts und ohne Weg dur die Wildniß, übershritt am 27. August, 4,30 Vormittags, den Ruaha ungefähr hart nördli<h der Mwega-Mündung, nahdem ih muthmaßli< Fkula und Mdene passirt hatte.

Da der Marsch meiner Karawane ziemli< wenig bekannt wurde und ich fast stets wegen meiner Na<htmärshe und Ge- shwindigkeit überrashend auftrat, wurde ih von der uns wenig freunolih gesinnten Bi völkerung wenig gestört und: erreichte am 29. August, Nachmiitags um 3 Uhr, den Mjombo- Fluß, wo ih von der Bevölkerung freundlich empfangen wurde. Nah Aussage von Einwohnern sind gestern hier dreizehn Soldaten von uns durchgekommen und nah Kondoa

¿weitergegangen. :

Jh moarschire morgen nah Kondoa, verbleibe dort fo lange, bis ih die in Mpwapwa liegenden, für die Karawane bestimmten Lasten herangeholt habe, und breche dann na Dar-es-Salam auf. E :

Ueber den Verbleib der Europäer vermag ih Folgendes zu berichten: Unteroffizier Thiedemann erlag seinen shweren Verletzungen in der Naht vom 17. zum 18. und wurde in der ‘Tembe, A Sicht der uns stets umspähenden Wahehbe ent: ogen, begraben. ; A L Nas Aussage einiger Schwarzen, welche si< bei Beginn des Úeberfalls in dec Nähe des Commandeurs befanden, soll derselbe, sowie Dr. Buschow und Lieutenant von Pirch, no< auf den Eseln sigend, dur< viele Speerstihe niedergemacht worden sein. : E :

Von den übrigen Europäern ist mit absoluter Bestimmt- heit nichts zu sagen; do< kommen die Aussagen der wenigen, aus dem vorderen Gefeht Entkommenen dahin überein, daß sie sämmtlih den Tod gefunden haben.

Bei mir befinden sih: Lieutenant von Heydebre>, dessen Wunden fast gezeilt, Feldwebel Kay und Unteroffizier Wußer, Murgan Effendi, Gaber Effendi und 62 Soldaten, von denen 11 verwundet, 74 Träger, von denen 7 verwundet, _außer- dem 4 Escl, einige Lasten. Unser Verlust beläuft sih auf 10 Europäer (4 Offiziere, 6 Unteroffiziere), etwa 250 Soldaten, ebensoviel Gewehre und 3 Geschüge, 23 Esel und 96 Träger und den Haupttheil unseres Gepäs. i

Die Anzahl unserer Angreifer dürfte mit 3000 nicht zu

o< geschäßt sein, wovon vielleicht 700 getödtet worden sind. hr Häuptling Kuawa und Führer Marawatu sind gefallen.

Nur dem Umstande der Führerlosigkeit unsecer Feinde schreibe ih unser glü>lihes Entkommen zu. Eure Excellenz

bitte ih ganz gehorsamst, im Falle bereits die irrthümliche Nachricht vom Tode der geretteten Europäer die Küste ver- lassen haben sollte, hohgeneigtest veranlassen zu wollen, daß dieselbe in einer deutshen Zeitung richtig gestellt wird. / von Tettenborn, Lieutenant. Seiner Excellenz dem Kaiserlihen Gouverneur, Herrn Freiherrn von Soden.

Jn neuerer Zeit ist es öfters vorgekommen, daß zweifel- hafte Londoner Firmen dur< Jnserate in deutschen , ins- besondere ostvyreußischen Zeitungen oder dur< Versendung von gedru>ten Cirkularen sh gegen Vorauszahlung eines be- stimmten zur De>kung der Unkosten bezw. als Provision geforderten Betrages zur Gewährung von Darlehen erboten haben. Es fann nur dringend empfohlen werden, solchen Offerten gegenüber große Vorsiht zu gebrauchen, denn es kommt nur zu häufig vor, daß es hierbei nur darauf abgesehen ist, das Publikum durch Einbehaltung der erforderten Vorschüsse auszubeuten.

Der General-Lieutenant Edler von der Planiht I., Commandeur der Garde - Kavallerie - Division, ist vom Urlaub hierher zurü>gekehrt.

Der hiesige brasilianishe Gesandte Baron Ftajuba hat seinen Posten auf einige Wochen verlassen. Während seiner Abwesenheit fungirt bis auf Weiteres der zweite Legations-Sekretär A. de Paiva als Geschäftsträger.

Salzwedel, 5. Oktober. Das Ulanen-Regiment Hennigs von Treffenfeld (Altmärkisches) Nr. 16 feierte vorgestern das Jubiläum seines fünfundzwanzigjährigen Be- stehens. Seine Königliche Hoheit der Prinz'Georg von Sachsen, Chef des Regiments, wohnte der Feier bei.

Sigmaringen, 8. Oktober. JFhre Königliche Hoheit die Gräfin von Flandern is, wie die „Köln. Ztg.“ er- fährt, heute hier eingetroffen.

Vayern. /

München, 8. Oktober. Seine Königlihe Hoheit der Prinz Ludwig ist, wie „W. T. B.“ meldet, heute Abend nah Stuttgart abgereist, um im Auftrage Seiner Königlichen Hoheit des Prinz-Regenten den Beiseßungsfeierlihkeiten da- selbst beizuwohnen. Eine Deputaticn des in Meß garni- sonirenden 4. bayerishen Jusanterie-Regiments König Karl von Württemberg hat sih ebenfalls nah Stuttgart begeben.

Württemberg.

Stuttgart, 9. Oktober. Die Sektion der Leiche Seiner Majestät des hochseligen Königs Karl wurde, wie der „St.-A. f. W.“ meldet, am vorgestrigen ‘Tage von Mittags 12 Vhr an ausgeführt und hiermit die Einbalsamirung verknüpft. Hierauf wurde die Leiche in das Sterbezimmer zurü>gebraht und der Anordnung des Verewigten ent- sprechend mit der Generals-Uniform bekleidet. Gestern Mittag 12 Uhr fand ein Trauergottesdiensstt im Sterbezimmer im Kreise der Königlichen Familie stati. Gegen 1 Uhr erschien der Präsident des Staats-Ministeriums, um am Sarge des entshlafenen Königs Namens der Mitglieder des Staats- S und des Geheimen Raths cinen Kranz nieder- ulegen. ¿

: Gestern Abend 5.13/4 Uhr traf Seine Kaiserliche Hoheit der Großfürsi Michel Nikolajewitsch von Rußland, Bruder Jhrer Majestät der Königin- Wittwe, hier ein und wurde von Seiner Majestät dem König auf dem Bahnhofe empfangen. Zu den Beiseßungsfeierlichkeiten sind jerner ein- getroffen: Seine Königliche Hoheit der Großherzog vou Baden, Seine Königliche Hoheit der Herzog Philipp von Württemberg und der Fürst von Te>.

Die Beeidigung der Königli<h württembergischen Truppen auf Seine Majestät den König Wilhelm fand gestern Mittag 12 Uhr in allen Garnisonen statt. Die hiesigen Truppen wurden im Hofe der Jafanteriekaserne E tur< den General-Lieutenant oon Gleich, Kommandanten von Stuttgart, beeidigt. Die Fahnen und Standarten wurden zu diesem 2we> durch eine Compagnie des FJnfanterie- Regiments Kaiser Friedri<h König von Preußen Nr. 125, chne daf; das Spiel gerübrt wurde, aus dem Königlichen Restdenzsch!oß abgeholt.

Von 2 Uhr ab war gestern Gelegenheit geboten, im Yiarmor- saal des Königlichen Shlosses den Katafalk nit dem Sarge des Königs Karl zu sehen. Fn dem Raum- vor der Kette, die den inneren Schloßhof vom Schloßplatz abschließt, harrte die Menge. Tausende wurden dur< den von berittenen Schuyleuten bewachten Eingang eingelassen. Um 41/2 Uhr wurde der Einlaß in den Schloßhof abgesperct ; die Leßten der Zugelassenen waren geschlossene Jnfanteric:- Abtheilungen,

Das Wetter ist heute prahtvoll, auf den Stxaßen bewegt sih bereits eine Kopf an Kopf gedrängte Volksmenge, da der Leichenkondufkt auf den kleinen Raum zwif<hen dem Residenz-

{loß und dem alten Schlosse beschränkt ift.

Baven.

Karlsruhe, 8. Oktober. Seine Königliche Hoheit der Kronprinz von Shwedven und Norwegen ist, dem „W. T. B.“ zufolge, von Sto>kholm kommend, heute Nahh- mittag in Baden-Baden angekommen; decselbe gedenkt, mehrere Wochen daselbst zu verbleiben.

Me>lenburg-Schwerin.

Schwerin, 8. Oktober. Die Fortschritte in der Ge- nesung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs sind nach einem heute in Cannes ausgegebenen Bulletin fehr er- freulihe. Der Appetit ist dauernd gut, das Körpergewiht nimm: stetig zu, die Bewegungen der Hände werden sicherer und freier, sodaß Höchstderselbe seit mehreren Tagen Schreib- versuhe ma<ht. Auch, an den Füßen ist eine langsame aber sichere Rü>kbildung der Lähmungen zu konstatiren. Die ner: vösen A treten. seltenex und nur in geringer Hestig- keit auf.

Oesterreich-Ungarn.

Wien, 9. Oktober. Jhre Majestät die Kaiserin beab- sichtigt, wie das „Prag. Abdbl.“ ersährt, von Korfu in nächster Zeit verschiedene Ausflüge nah dem Orient zu unternehmen. Aus diesem Anlasse befindet si< die Kaiserlihe Yacht „Mira- mar“ bereits im Hasen von Korfu zur Verfügung Jhrer Majestät. A ;

Seine Kaiserliche und Königliche Hoheit der Erzherzog Friedrich ist, nah einer Meldung des „W. T. B,“, in Be- gleitung des Obersthofmeisters Grafen Herberstein gestern Nachmittag na< Stuttgart abgereist, um der dortigen Leichenfeier beizuwohnen; vor der Abreise stattete der Erz- herzog dem Minister des Auswärtigen Grafen Kälnoky einen

längeren Besu<h ab. Die Offiziers-:Deputation des 6. Husaren: Regiments hat si<h ebenfalls nah Stuttgart vegeben.

Dem „Fremdenblatt“ zufolge hat der württembergische Gesandte von Maucler dem Ministerium des Auswärtigen angezeigt, daß der von der Gesandtschaft beabsichtigte Tra uer- gottesdienst unterbleiben werde, da der verstorbene König Karl gewünscht habe, daß seine Beerdigung möglichst einfah jei und von besonderen Trauerfeierlihkeiten Abstand genommen werde.

Der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses welche von dem Präsidenten Smolka eröffnet wurde, wohnten auf der Ministerbank sämmtlihe Minister mit dem Minister-Präsidenten Grafen Taaffe bei. Der Antrag Jacques und Genossen, nah welhem die Pflicht des Staats zur Leistung entsprehender Entschädigung für ungerechtfertigt erlittene Strafen fest: geseht wird, wurde angenommen. Das Gesey hat rü- wickende Kraft. Der Jungczehe Tilscher und Genofsen brachten eine Jnterpellation ein wegen der Vorgänge in Reichenberg bei dem Empfange des Kaisers, bei dem die czehishe Bevölkerung von den Behörden zurügesegzt worden sei.

Nach einer Meldung der „Presse“ hat der volkswirth- schaftliche Ausshuß des Abgeordnetenhauses bes<losen, die Regierung aufzufordern, den Bau des Donau-Oderkanals ohne Verzug in Angriff zu nehmen, eventuell die Fnitiative wegen Ausführung des Unternehmens durch Privat- fapital zu ergreifen.

Die gestrige Berathung der te<hnishen Mitglieder der Kommission für die Wiener Verkehrsanlagen ergab Uebereinstimmung Betreffs Vertheilung der einzelnen Bahn- linien auf verschiedene Bauperioden, sowie Betreffs des Pro- jektes der Regulirung des Wienflusses.

Am 7. d. M. wurde in Reichenberg, wie die „Presse“ mittheilt, die gerihtlißze Besichtigung der wo der Anschlag auf den Eisenbahnzug verübt worden ist, unter Zuzichung von Sachverständigen vorgenommen. Die Bomben enthielten Dynamit, nit Nitroglycerin. Es wurden neuerli< corpora delicti gefunden und ge- rihtli<h in Vecwahr genominen. Das Ausschreiben einer Belohnung für die Ermittelung des Urhebers des NRosen- thalex Bahnfrevels ist gestern au<h an den Wiener Straßen- e in deutscher und ts{he<hisher Sprache angeschlagen worden.

Dex Finanzausshuß des ungarischen Unterhauses nahm gestern die Vorlage, betreffend das fünfmonatliche Budgetprovisorium, an. Der Minister-Pcäsident Graf Szapary hatte hervorgehoben, daß ein fünfmonatliches Budget- proviforium schon deswegen nothwendig sei, weil die Berathung des Budgets kaum vor dem 15. Januar 1892 beginnen werde, und eventuell au hinsihtli<h der Handelsverträge gewisse Verfügungen erfolgen: müßten.

NAnläßlih der Feier des 6. Oktober, des Todestages der dreizehn Arader Märtyrer, ist, dem „Fremdenbl.“ zufolge, in P est ein neuer Zwischenfall entstanden. Der Gymnasial: Direktor Lutter verbot den Schülern, den Trauergottesdiensien beizu- wohnen. Lutter hatte au<h im Vorjahre in den Zeugnissen mehrerer Schüler dieAnmerkung angebracht, daß dieSchüler einer ähnlichen Feier beigewohnt hatten, was der Gegenstand einer Fnterpellation im Abgeordnetenhause war. Vorgestern fo*derten nun drei Abgeordnete der äußersten Linken den Minister Grafen Csak y auf, Lutter sofort des Amts zu entheben, da sie sonst Lutter infultiren müßten. Der Minister verspra<h eine rasche Verfügung. :

In Folge eines gegen den „Magyar Hirlap“ verfügten Nerbots des Verkaufes auf den Staatsbahnhöfen kam es vor- gestern Abend in Pest zu Studentenkundgebungen gegen den Handels-Ministec Baroß, welhe au<h Abends ihre Fortseßung fanden. Eine Schaar Studenten wollte über die Kettenbrücke vor das Palais des Handels-Ministeriums, um gegen Baroß zu demonstriren. Die Polizei gestattete keine Passage. Vor dem Liberalen Klub erfuhren die Stu- denten, daß. das Gebäude im Umbau begriffen sei, weshalb sie fortzogen und vor die „Magyar Hirlap“:Redaktion gingen, von wo die Poliz?i fie verjagte.

Großbritannien und Jrland.

Die Königin wird nah den vorläufigen Anordnungen am 23, November von Schottland nah Windsor übersiedeln. Prinzessin Christian zu Schleswig-Holstein wird bis zur Wiedergenesung der Prinzessin Heinrich von Batte n- i A bei ihrex erlauhten Mutter in Schloß Balmoral ver-

eiben. :

Bei der gestrigen Neuwahl zum Unterhause im

Wahlkreise Manchester-Nordost erhielt der neue General-

Postmeister Sir James Fergusson (konservativ) 4058, R ( (Gladstonianer) 3908 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt.

Eine Depesche des „W. T. B.“ aus Brighton sagki, das Leichenbegängniß Parnell's werde ein öffentlichts sein. Die Ehegattin Parnell's hat, den Wünschen der Freunde des Verstorbenen nachgebend, auh ihre Zustimmung U einer öffentlihen Leichenfeier in Jrland ertheilt. Die Vorbereitungen zu derselben werden von dem Lord: mayor von Dublin und den nationalistishen Deputirten getroffen. Den im Sterbehause versammelten parnellitischen Deputicten machte der Arzt über die Ursachen des Todes Parnell’s Mittheilung; hiernachtrat nah voraufgegangenem rheu: matischen Fieber der Tod in Folge Herzschlags ein. Der Munizipalrath von Dublin nahm eine Resolution an, in welcher dem tiefsten Bedauern über das Hinscheiden Parnell Ausdru> gegeben wird. Der Lordmayor von Dublin un die Mitglieder des Munizipalraths werden offiziell der öffentlichen Leichenfeier beiwohnen. Allgemein wird ang® nommen, daß der Tod Parnell's zu einer Vereinigung der verschiedenen Gruppen der irischen Partei führen werde. 44 „A. C.“ entnehmen wir über den Eindru>, den der Tod i irishen Agitators in England und Amerika hervorgerusen hal, noch folgende Mittheilungen: vén

Selten ist die Nachri&t von dem Tode eines Hervor n Mannes so unerwartet gekommen, als die Kunde vom A Vin Parnell’s. Wenige haben gewußt, daß er überhaupt krank D F i no<h hat er \<on einige Wochen gelitten. Bei seinem leßten Men lichen Auftreten in Creggs in ver irischen Grafshaft Galway, e lezten Sonntag vor aht Tagen, trug er den linken Arm w Ja gihtisher Anshwellungen in der Binde und sah sehr blei tien seiner Ansprache sagte er, daß sein Arzt ihm eigentlich an S land habe, das Zimmer zu büten, daß er aber denno na n gereist sei, nur um die Wähler in Galway nit zu enttäus hen igen damit die Gegner niht aus seiner Abwesenheit Kapital N da könnten. Das Bett hat Parnell nur vier Tage gehütet. Es heift,

Oertlichkeit,

er i< lebte Wcche eine Erkältung zugezogen hat. Am Freitag legte er si< und in der Dienstag Nat ist er in seiner Privatwohnung in Walsingham Terrace in Brighton ents<lafen. Das Ende trat so plöglih ein, daß Niemand an seinem Lager stand. als er seinen leßten Athemzug aushauhte. Seine Gattin, wel<he ihm erst vor einigen Monaten in geseßliher Ehe angetraut wurde, ist von Schmerz ge- en.

brode Dublin gerieth in eine fieberhafte Aufregung, als die Nachricht vom Tode seines „uncekrönten Königs“ kurz vor 1 Ühr eintraf. Tausende versammelten \sih vor den Zeitung8gebäuden, die Geschäfte ruhten, Niemand legte mehr Hand an, Parnell's jäher Tod verschlang alle anderen Interessen und viele sah man in Thränen. Seine Dubliner Freunde versammelten sic< am Mittwoch im Gebäude der Nationalliga. Die Versammlung war geheim, do heifit es, daß diz Abgg. Mahory und Nedmond na Brighton ge\<hi>t worden sind, um die Anordnungen für die Ueberführung der Leiche nah Irland zu treffen, damit dem irishen Führer ein öffentlihes Begräbniß zu Theil werde. Die irishe nationale Föderation der Mac Carthyaner hielt am Mitt- wo ihre halbmonailihe Sitzung ab. Auf Antrag des Vorsigenden, des Abg. Sheehy, wurde dieselbe jedo alsbald vertagt.

Fn New-Yo rk traf die Nawriht vom Tode Parnell’'s um 7 Uhr in der Frühe ein. Sie kam so unerwartet, daß am Anfang Niemand daran glauben wollte. Es dauerte aber ni<t lange, so theilten Extrablätter die näheren Einzelheiten mit. Der Eindru>k, den das jähe Ende des vor Kurzem no< all- mächtigen Führers in Amerika mate, war tief und nac- haltig. Der leiht erregbaren Iren bemäcttigte sich eine edle Rührung. Seine Gegner begtuben ihren Haß über dem Ge- danken an seine Verdienste um die gemeinsame Sache, und seine ameri- kanischen Freunde, wel<he auch in der leßten Periode seiner politischen Laufbahn unbeirrt zu ihm gestanden hatten, drüc>ten ihren Zweifel avs, ob ein sol<er Mann zu ersetzen sei. Im Allgemeinen herrs<t in Amerika die Ansicht, daß die Sache der Iren dur<h das Hinscheiden Parnell’s an Stärke gewinnen und die beiden Parteien unter dem heilenden Einfluß ber Zeit sih wieder vereinigen werden.

Parnell’'s betagter, in Bordentown (New- Jersey) in bes<ränkten Verhältnissen lebenden Mutter wurde die Nahriht von dem Tode ibres Sohnes von einem Berichterstatter der Presse mitgetheilt. Der Schmerz der Greisin war herzzerreißcnd, „Die Verfolgung Davitt's und der anderen Politiker hat ihn gemordet,“ rief sie aus; „Jch wußte es son, daß das fo endigen würde.“ : :

Justin Mac Carthy, der Führer der iris>:en parlamentarischen Partei, hält es für unmöglich, die Folgen des Abscheidens Parnell's zu berehnen, hofft jedo<, daß die beiden iriswen Parteien sich nun vergleichen werden Die versöhnende Gewalt des Todes werde siher- lih alle feindlihen Gefühle gegen den Verstorbenen unterdrüd>en. Die Home Rule-Frage werde niht berührt, Daß Irland Home Ruie bekommen werde, sei so sicher, wie irgend etwas.

Chamberlain äußerte fih übec die Folgen des Todes Parnell's wie folgt: „Man kann nicht sagen, was st< ereignen wird. Viel- leiht legt die Regierung auf Grund ihrer bisherigen Wirksamkeit Berufung an das Land ein. Wahrsheinlih aber wird fie erst ver- suchen, ihre irishe Lokalverwaltungéhill durhzuseßzen. Die Aussichten sind dafür niht \{<le<t. Die Opposition wird gegen die Maßregel wahrscheinliherweise dieselbe Haltung einnehmen, wie gegen die Volks- unterrihtsbill. Geschieht es, so wird es am Ende des Jahres zu Neuwahlen kommen.“

Das Organ der MacCarthyaner, die in Dublin erscheinende „National Preß“, s{<reibt; „Jetzt, wo die Nachricht kommt von dem Tode eines Mannes, welcher so viele Jahre hindur eine Macht ohne Gleichen unter der irishen Race ausgeübt hat, möge sein neulicher Verrath vergessen sein ?und allein seiner früheren Verdienste geda<ht werden. Sollte {icdo< die Erinnerung an din bitten Kampf und die fur{tbare Feuerprobe, dur welche Irland geganaen ist, felbst Angesiht des Todes niht sterben, so möge sie die Form edelmüthigen Mit- leids annehmen, daß eine so aroße Laufbahn so getrübt wurde, daß fo glänzende Verdienste dur< so rücsihtslosen Verrath umwölkt wurden, Wir wollen den Geist zu dem Parnell der alten Tage wenden, dem praktis wirkenden Patrioten, vem kühlen, fur<tlofen, unbezwingbaren Manne, ehe der Krebs s{huldhafter, von göttliche und mens<lihem Gese verbotener Leidenschaft fich in sein Herz fraß."

Der „Standard“ sagt: „Auf den erften Blik möchte es s{einen, daß der Tod Parnell's der liberalen Opposition nüßen wird. Es wird si aber bald zeigen, daß diese Ansiht unrichtig ist. So lange es Parnelliten und Änti-Parnelliten tn Irland gab, mußten die Leßteren sst<{ den Anstrich der Einigkeit geben. Jett wird in Kurzem unter den Anti-Parnelliten Uneinigkeit ausbrehen. Es giebt unter ihaen keinen Mann, der die Uebrigen um Haupteslänge überragt. Persönliche Rivalität und Leidenschaft wird bald zu Tage ireten. Jeßt wird es no< klarer werden, wie unerläfli<h Paraell der irischen Agitation war, und das englishe Volk wird einschen, daß Gladstone viel mehr als die irischen Home Ruler eine stecile Obstruk- tion fortzuseßen roûnshen, Für die Regierung und die unionistische Partei macht der Tod Parnell’s keinen Untecschied. Sie werden Irland gerc<t und rü>si<tsvoll behandeln, aber auf Lofireißung nicht cingehen, welhe in Parnell ihren bedeutendsten Vorkämpfer besaß. Er war vielleicht der einzige Jrländer, wel<er eine Zeit lang das Unbeil hätte abwebren Eönnen, das aus cinem so unvernünftigen und annôthigen Experiment erwä<hst.“

Noch ein anderer vielgenannter Home Ruler Sir John Pope Henness\y, Abgeordneter für den irischen Wahlkreis Kilkenny, ist am 7. Oktober auf Schloß Rostillan bei Queens- town gestorben, Er war im Dezember v. J. als Anti-Parnellit in das Parlament gewählt worden. Es heißt, daß die An- strengungen des Wahlfeldzuges seine Gesundheit gebrochen haben, Sir John Pope Hennessy Gat cine Anzahl hoher Aemter bekleidet ; er 1 Gouverneur von Mauritius, Hongkong, Varbados, Natal und Labuan gewesen.

Fraukrxeich.

Paris, 9. Oftober. Der Präsident Carnot empfing gestern Vormittag, wie „W. T. B.“ berichtet, den russischen Leneral Annenkow, welcher aus Biarriz kommend, nah Rußland zurü>kehrt. ri Die Budgetkommis sion genehmigte gestern den Be- e über die Ermäßigung der Passagier- und Gütertarife Be Sqnellzügen. Die von der Regierung und den Eisen- hngesellschaften bewilligten Reduktionen der Passagiertarife etragen für die erste Klasse 9 Proz., für die zweite Klasse bil, und für die dritte Klasse 27 Proz. Bei Retour- / c tritt eine Ermäßigung von 20 Proz. ein, Für Waaren- U ist 1/3 weniger als für sonstige Frachtgüter zu Q p Der daraus resultirende Verlust der Regierung wird M 1 Millionen, derjenige der Eisenbahngesellshasten auf

Millionen Francs geschäßt. Ro Den Ministern de Freycinet, Constans, Guyot!, Teitte und Rouvier wurden bei ihrer Ankunft in Mar- N e wobin sie si, wie gestern gemeldet, zur Einweihungs- Ku er Assanirungsarbeiten begeben hatten, von der Bevöl- ng lebhafte Ovationen bereitet. Einige Personen, welche dige O verhaftet. Nachmittags fanden wiederholt feind- die Pr undgebungen gegen die Minister statt, ais dieselben nrdfektur verlassen hatten. Bei dem gestern Abend von der liber Cat zu Ehren der Minister veranstalteten Bankett roe dh yonfeil-Präsident de Freycinet eine Rede, in welcher er tunbie daß die Republik nunmehr auf unerschütterlichen de Dingen ruhe und Dank der Armee, sowie der Weisheit ipiomatie zu einem Faktor des europäischen Gleich:

gewihts geworden sei. Es gelte jeßt, die na< Außen ge- wonnene Situation zu konsolidiren und im Jnneen an die Lösung der sozialen Probleme heranzutreten. Die Verbesserung der Lage der unteren Klassen müsse die Aufgabe sein, welche die Republik beherrshe; die Regierung arbeite unablässig daran. Der Minister wies auf die spontane Bewegung hin, welche gegenwärtig alle Franzosen ergriffen habe und zur Republik hinziehe; die neu zu derselben Hinzutretenden seien willkommen, würden es aber natürli<h und begreifli<h finden, wenn die Regierung fortfahre, die Freiheit und die Reformen zu vertheidigen, für wel<e sie gekämpft habe. Nach dem

ankett wurden die Minister von einer großen Volksmenge mit Pfeifen und Zischen verfolgt. Zahlreihe Verhaftungen wurden vorgenommen. Wie es heißt, wäre man in Marseille darüber aufgebracht, daß die Regieruvg keinen Staatszushuß für die Assanirungsarbeiten beantragt habe.

Rußland und Polen.

Bezüglih der mehrfa<h erwähnten Konsular-Reform theilen die „Pet. Wed.“ mit, daß dieselbe si< au< auf den Orient beziehen werde. Unter Anderem soll die Zahl der russishen Konsulate in der Türkei vermehrt werden.

Die „Mosk. Wed.“ berichten, daß in der Kanzlei des General-Gouverneurs von Finnland das Projekt einer Reorganisation des Finnländishen Senats aus- gearbeitet worden ist. Die Frage wurde auf Kaiserlichen Befehl bereits im vorigen Jahre in Angriff genommen. Es handele si< namentli<h um eine Erweiterung der Macht- vollkommenheiten des General-Gouverneurs, der jeßt ohne den Senat eigentli<h nihts zu thun vermöge.

In Sachen der Sibirishen Bahn melden die „Pet. Wed. “, daß diese Angelegenheit dem Reichsrath aufs Neue vorliegen werde. Insbesondere soll das Bahnprojekt der Stre>e Ostufer des Baikalsees-Ssretensk geprüft werden. Dasselbe ist vom General-Gouverneux des Amur-Gebiets bereits 1886 vorgelegt worden und besonders für die Gold- industriellen im Bezirk Nertschinsk von Wichtigkeit.

Den „Daily News“ wird aus Odessa berichtet:

Während der vergangenen Woche sind 120 Iuden aus Palästina und anderen Gege1den der Türkei selbstverständli® nur gänzlich mittellose Auswanderer na< Odessa zurü>kgekommen. Die russis@en Behörden gestatten ihnen zu landen und nah ihrer früheren Heimath zurü>zukehren, wodurÞh die ohnehin \{<on besbränkten Mittel der lokalen jüdishen Wobhlthätigkeits- gesellshaften auf das Acußerste angespannt werden. Gleich- zeitig seßten die im Besiße geringer Mittel befindlichen Juden ihre Auswanderung fort, und fast alle Nahtzüge nah der westlichen Grenze sind von ihnen angefüllt. Der Aufruf des Barons Hirsch, in dem er seine Glaubensgenossen in Südrußland ermahnte, die Gntwi>elung seines Auswanderungsplans abzuwarten, {eint wenig oder gar feinen Eindru> auf sie gemacht zu haben.

Ftalien.

Der italienishe Delegirte für die Handclsvertrags3- Verhandlungen in München, General-Sekretär Malvano ist A Nachmittag von Rom wieder nah München zurüd>- gereist.

Der russishe Minister des Auswärtigen von Giers hat sich gestern Nahmittag von Mailand nah Pallanza begeben.

An einem von dem früheren Unter - Staatssekretär Bonghi nah Rom eingeladenen sogenannten E kongreß“ wollen au< etwa zwölf deutsch:-freisinnige Ab- geordnete, darunter der Abg. Ri>ert, theilnehmen. Vor einigen Tagen suchte Bonghi die Bedenken der Deutschen wegen Betheiligung dur< einen an das „Berl. Tgbl.“ gerihteten Brief zu zerstreuen, worin er s\i<h dafür verbürgte, daß die sogenannte „elsaß - lothringische Frage“ auf dem Kongreß nicht erörtert werden würde. Jeßt

hat nun der Abg. Rickext an Bonghi ein Schreiben gerichtet, -

worin er erklärt, daß nur unter der gedahten Voraus- seßung eine Betheiligung Deutscher an dem Kongreß möglich sei, und worin er unter Hinweis auf die jüngste Erklärung des Abg. Petri in der „Straßb. Post“ (vgl. Nr. 236 des „R. U. St.-A.“) die irrthümlichen Auffassungen Bonghi's, die er in dem gedahten Schreiben über die bisherigen Erfolge Deutschlands in Elsaß - Lothringen äußerte, zu widerlegen suht. Zum S<hluß spriht Abg. Ri>kert seine Sympathie mit dem dem Kongreß zu Grunde liegenden Gedanken aus, indem er hinzufügt, es wäre sehr zu wünschen, daß nicht in irgend einer 75orm Erörterungen angeregt würden, welche dazu führen müßten, die Sympathien für diese Bestrebungen in Deutsch: land abzukühlen. ierzu bemerkt die Berliner „National-

tg. “: „Der Erfolg muß lehren, ob Hr. Ri>ert und seine Freunde sih ni<t in eine jür sie und für ganz Deutschland peinliche Situation begeben, wenn sie an dem Kongreß Theil nehmen.“ Zu dem Kongreß haben sich bis jezt außer 260 Depu- tirten und 90 Senatoren aus Ftalien aus allen Parteien, darunter auch Crispi und Rudini, 60 französische, 40 österreichisch- ungarische, 40 rumänishe und 40 englishe Parlaments- mitglieder angemeldet; dazu etwa zwölf deutsch:freisinnige deutsche ReichstagLabgeordnete.

Das nächste Konsistorium, welhes im November statt- finden sollte, ist auf Ende Dezember vertagt.

Der „Fanfulla“ meldet, gestern früh sei mit dem Lesen der Mesje im Pantheon wieder begonnen worden. Die „Ztalie“ ergänzt diese Meldung dahin, daß die Schließung des Pantheons am Mittwoch Abend auf Befehl des Papstes aufgehoben worden sei, und daß die italienishe Regierung davon verständigt wurde. Die kirhlihen Embleme sind auf ihren früheren Play in der Kirche gebracht.

Ueber Nachklänge vom 2. Oktober wird der „Köln. Ztg.“ unter dem 6. d. M. aus Rom berichtet, daß eine Sub- scription: eröffnet worden ist, um einen Kranz von Bronze als nationale Huldigung am 9, Fanuar 1892 auf das Grab Victor Emanuel's niederzulegen. Hier und da, in Versamm- lungen und Theatervorstellungen, dauern die Einspruchskund- gebungen gegen die That der franzöfischen Pilger noch fort. Von den drei Verhasteten sind zwei am Sonntag Abend nach der Grenze gebracht worden; der Hauptschuldige befindet fih no< im Polizeigewahrsam, doch glaubt man, daß der König das Verfahren gegen ihn niedershlagen werde. Fnzwischen hat mit anerkennenswerther Schnelligkeit das Gericht bereits der- jenigen si< angenommen, die bei den nationalen Gegen- kundgebungen vom 2. Oktober über die geseßlihen Schranken hinausgegangen waren. Ein Buchdrucker, der einen gewalt- thätigen Angriff auf lige Wu Priesterseminar gemacht hatte, indem er das päpstlihe Wappen abreißen wollte, wurde zu drei Tagen Gefängniß, in die Kosten und zum Schaden- ersay verurtheilt. Die korrekte Haltung der Sicherheitsbehörden in den kritischen Sagen wird überhaupt allgemein anerkannt. Der französishe Botschafter hat sogar besonderen Auftrag von seiner Regierung erhalten, der italienishen Regierung für den

Schuß des Botschaftsgebäudes und der Pilger gegen die auf- geregte Menge zu danken. Der Dank gebührt aber au der Bevölkerung selbst, die bei aller Aufwallung des nationalen Zornes do< Maß zu halten verstand. Zu den offiziellen Entschul- digungen gefellt fih nun au<h no<h ein Schreiben des Marquis de Roquefeuille, Vorsißenden der französishen Jünglings- vereine, an den Quästor, welhes die Thorheit der drei Pantheonshelden bedauert und versichert, daß die katholische Jugend bei ihrer Pilgerfahrt in der That nicht die Absicht hatte, Jtalien und Rom zu beleidigen.

Spanien.

Die Königin-Regentin gedenkt, wie man der „Köln. Ztg.“ aus San Sebastian meldet, fi<h am 12. Oktober Morgens na< Burgos zu begeben, dort drei Tage zu ver- weilen und dann am 16. d. früh na<h Madrid zurückzukehren. Die Kosten der Reise bestreitet die Königin; jeder Aufwand ist verbeten. Jhre Majestät wird in der Kathedrale einer Seelenmesse für die bei dem Eisenbahnunglü> Getödteten bei- wohnen und die Verwundeten besuchen.

Schweiz.

Anläßlich des Hinscheidens des Königs von Württem- berg hat der Bundesrath, wie der Berner „Bund“ meldet, das shweizerishe Konsulat in Stuttgart telegraphish an- gewiesen und den deutshen Gesandten in Bern gebeten, dem Königlichen Hause und der Regierung Württembergs seine ausrihtige Theilnahme auszudrücken.

Im Genfer Kantonsrath betonte Fazy, wie man der „Frkf. Zig.“ aus Bern meldet, der Simplon- Durchstih habe für Genf keinen Werth, solange der Col de la Faucille (im Jura nordwesilih von Genf) nicht durch- stochen sei. Finanz-Direktor Ador erwiderte, Genf werde an das Simplon-Unternehmen erst eine Subvention entrichten, wenn Genfs Fnteressen durh die Sicherstellung des Faucillé- Durchstihs gewahrt seien.

Velgien.

Der Kronprinz von Ftalien ist gestern Mittag in Ostende eingetroffen und am Bahnhose von dem König, der vom General Nicaise begleitet war, herzlih begrüßt

worden. Um 1 Uhr fand im Königlichen Schlosse ein Dejeuner zu 20 Gedecken statt.

Numänienu.

__ Das Befinden der Königin is, den aus Pallanza eingetroffenen Meldungen zufolge, ein befriedigendes. Die Schmerzen traten in den leßten Tagen weniger heftig auf, die Nächte waren ruhiger.

Serbien.

Belgrad, 8. Oktober. Die Regierung beschloß, laut Meldung des „W. T. B.“, das Demissionsgesuch des Unterrichts-Ministers Nicolic niht anzunehmen, fih vrelmehr mit demselben solidaris<h zu erklären. Die Frage wegen Bestätigung des zum Bischof von Zajeczar gewählten Stockic bleibt in suspenso,

Bulgarien.

_Softa, 8. Oflober, Wie die „Poli Corr.“ erfahrt, die Handelsfkonvention zwishen England und Bul- N auf ein Jahr, bis zum 1. Februar 1893, verlängert worden.

Montenegro.

__Cetinje, 8. Oftober. Der fünfzigste Geburtstag des Fürsten Nicolaus wurde dem „W. T. B.“ zufolge gestern im ganzen Lande festlih begangen.

Schweden und Norwegen.

(F) Sto>holm, 6. Oktober. Jn einer heute unter Vorsiß des Königs abgehaltenen Staatsrathssißzung berichtete der Finanz-Minister, daß 78 Petitionen seinem De- partement zugegangen seien, in denen verlangt werde, daß die Negierung die Verwendung von Brodgetreide und Kar- toffeln zur Fabrikation von Branntwein verbiete. Der Finanz- Minister gab na< längerer Darlegung anheim, die einge- gangenen Petitionen unberü>sichtigt zu lassen, da so außer- ordentlih wiŸtige Umstände nicht vorlägen, wie die Verfassung

erlange, um ein Verbot des Branntweinbrennens zu re<t- fertigen. König Oscar stimmte diesen Ausführungen zu.

__ Christiania, 8, Oktober. Von den insgesammt 114 Neuwahlen zum Storthing sind jeßt 74 Resultate be- kannt; davon entfallen, wie „W. T. B.“ meldet, 49 auf die Linke, 13 auf die Moderaten und 10 auf die Rechte; bei zwei Neugewählten ist {8 zweifelhaft, ob fie der Linken oder den Moderaten zuzuzählen sind. Die betreffenden Wahlkreise waren bisher dur< 35 Mitglieder der Linken, 22 Moderate und 17 von der Rechten vertreten,

Dänemark.

(F) Jn dem Finanzgeseßentwurf für das nächste Jahr sind, wie schon mitgetheilt, die Ausgaben des gie Ministeriums zu 15 002 467 Kronen berechnet, nämlich die ordentlichen zu 10767167 und die außerordentlichen zu 4 230 300 Kr. ; ferner die ordentlihen Ausgaben des Marine- Ministeriums zu 6 802 808 Kr. und die außerordentlichen zu 1 595 000 Kronen. Der größere Theil der außerordentlichen Aus- aben steht mit der Befestigung Kopenhagens im Zu- ammenhang. Da die Befestigungslinien nach der Landseite zu nur no< Ergänzungsanlagen erfordern, so werden au<h nur für die Anlagen auf dem Gladsaxe:Plateau 500 000 Kronen und zu Positionsgeshüßen 360 000 Kronen gefordert. Das Haupt- interesse der Kriegsverwaltung ist dagegen auf die Verstärkung der Seebefestigung Kopenhagens gerichtet. Zur Vollendung Des R werden 2 500 000 Kronen eingestellt, für transportables gepanzertes Geshüß 200 000 Kronen, für passive Seeminen 50 000 Kronen, zur Vervollständigung der vorhandenen Minensperren bei Kopenhagen 200 000 Kronen zur Anschaffung von Granaten mit brisanten Sprengladungen 100 000 Kronen, zur Anschaffung von \{nellfeuerndem Geschüß für die Seebefestigungen 130 000 Kronen. Bezüglih der leßteren Bewilligung heißt es in der Begründung: „Da in Folge der Anlage des Mittelgrundforts die Torpedosperren und Minenlinien vor den Forts weiter in das Fahrwasser hinaus verlegt werden müssen, so müssea die Charlottenlund- batterie (Nordfront am Sunde) und die Kastrupbatterie (Süd- front auf Amager) mit einigen leihteren Geshüßen versehen werden, um an der Vertheidigung der vorgeshobenen Minen- A! da na, A : können.“ O werden ronen zur Einrichtung eines elektrishen Signal-

dienstes auf den Seeforts verlangt. 19 4