1891 / 239 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Jn der ám 8. d. M. abgehaltenen Plenarsißung des Bundesraths gab zunächst der Vorsißende, Vize-Präsident des Staats-Ministeriums, Staatssekretär des FFnnern Dr. von Boetticher Namens der Versammlung der Trauer über den am 6. d. M. erfolgten Hintritt Seiner Majestät des Königs Karl I. von Württemberg Ausdru>. Alsdann wurde in die Tagesordnung eingetreten. Dec Vorsizende theilte mit, daß während der stattgehabten Vertagung des Bundes- raths der Antrag Preußens, betreffend das neue Gesellschasts- statut der Frankfurter Bank, die Vorlage, betreffend die zollfreie Ablassung ausländischer Fishneße zur Ausrüstung von Seesciffen, der Entwurf einer Verordnung über das Berufungsverfahren beim Neichsgeriht in Patentsachen, die Vorlage , betreffend die zollfreie Ablassung ausländischer Dampf-Taucherpumpen bei der Verwendung zum Schiffsbau, der Entwurf eines Geseßes über die Bekämpfung des Miß- brauhs geistiger Getränke und die Allgemeine Rech- nung über den Landeshaushalt von Elsaß - Lothringen für das Etatsjahr 1887/88 den zuständigen Aus- \hüssen zur Vorberathung übergeben worden feien. Auf den Vorschlag des Vorsißenöen wurden überwiesen: der Antrag der Buchdrucker-Berufsgen ossenschaft auf Aufiösung der Papier- verarbeitungs:Berufsgenossens{ha| und Zutheilung ihrer Be- triebe an die Papiermaczer- und Buchdrucker-Berufsgenossen- schast an den Ausshuß für Handel und Verkehr, die Vorlage wegen Aenderung der Vorschriften über die Entwerthung der Marken bei der Jnvaliditäts- und Alterevericherung und die Vorlage, betreffend die Erstredung der Ver- sicherungspfliht nah dem Fnvaliditäts- und Alters- versicherungsgeseßh auf die Hausgewerbetreibenden der Taba>- und Cigarren-Jndustrie, an die Ausschüsse für Handel und Verkehr und füc Justizwesen, endlih der Antrag auf Dechargirung der Rehnung der Kasse des Re<hnungshofs für 1889/90 an den Ausschuß für Rechnungswesen. Dèm Entwurf eines Gesezes für Elsaß-Loihringen, betreffend den Stempel für Rückversiherungsverträge, wurde die Zustimmung ertheilt. Endlih wurde über die Wiederbeseßung einer Mit-

liedsstelle bei dem Disziplinarhof und von mehreren Mitglieds- tellen bei den Disziplinarkammern Beschluß gefaßt.

Nach einem gestern eingegangenen Telegramm des Kaiser- lichen Gouverneurs Freiherrn von Soden ist der Lieutenant Prince, welcher, wie wir früher gemeldet haben, Behuss Rekognoscirung nah Kondoa marschirt war, von dort an die Küste zurückgekehrt. Jn Mpwapwa herrscht völlige Ruhe.

Der Reichskommissar sür die Welt-Ausstellung in Chicago, Geheime Regierungs-Rath Wermuth, welcher sih, wie bekannt, vor Kuczem nah Amerika begeben, um die Interessen Deutschlands bei der Raumvertheilung und in sonstigen Beziehungen an Ort und Stelle rehtzeitigwahrzunehmen, befindet sich gegenwärtig bereits auf der Rüdreise und dürste etwa um den 20. d. M. hier wieder eintreffen. Wie wir hören, ist der Vertreter der Reichsregierung sowohl hinsichtli<h seiner Auf- nabme in Chicago, als au mit Bezug auf das Ergebniß der Verhandlungen mit den dortigen maßgebenden Persönlichkeiten in hohem Grade befriedigt, Unter diesen Umsiänden dürste die Reise niht ohne fördexlichen Einfluß auf die Betheiligung Deutschlands an der Ausstellung bleiben; in Folge der An- knüpfung persönlicher Beziehungen zu den Leitern des Unter- nehmens wird es dem Reichs-Kommissar unschwer gelingen, den berechtigten Wünschen der deutshen Aussteller Geltung u verschaffen, und auf Gcund der an Ort und Stelle ge- Miiinelien Erfahrungen und gewonnenen Kenntniß der ört- lihen Verhältnisse wird er in der Lage sein, den sich be- theiligenden Firmen mit seinem Rath zur Seite zu stehen. Uebrigens beabsichtigt Hr. Wermuth, bald nah seiner Rück- fehr eine Rundreise nah den wichtigsten Fndustriecentren des Reichs anzutreten, um die Wünsche der Aussteller im Ein- zelnen kennen zu lernen und an der Hand des ihm zur Ver- fügung stehenden thatsählihen Materials bie etwa erforderlich werdenden Aufklärungen zu geben.

Für die betheiligten Kreise dürfte es ferner von Fnteresse sein, zu exfahren, daß der Leiter der Kunstabtheilung auf der Ausstellung, Professor Jves, sich in den leßten Tagen in Berlin aufgehalten hat, um mit den Organen der Reichsregierung, sowie mit hervorragenden Vertretern der Kunst zu verhandeln. Bei dieser Gelcgenheit hob der Genannte besonders hervor, daß das zur Aufnahme der Erzeugnisse der Kunst bestimmte Gebäude gegenüber dem ursprünglihen Entwurf eine wesentliche Erweiterung erfahren hat, sodaß allen Raum- ansprüchen würde Rechnung getragen werden können.

u den Kunsterzeugnissen werden nah dem Programm auch riginalarbeiten und Zeichnungen kunstgewerbliher Art ge- rechnet. Die zur Aufnahme der Bilder und Statuen bestimm- ten Räume erhalten durhweg reichliche Beleuhtung von oben. Die Gesammtansicht des inmitten von Gartenanlagen delegenen Kunstausstellungsgebäudes verspricht sehr gesällig zu werden.

Mehrere Banlkinstitute hatten an den Finanz-Minister eine Eingabe um Hinagusschiebung der Frist zur Steuer- erklärung für Aktiengesellschaften und Kommandit- gesellschaften auf Aktien bis Mitte April 1892 gerichtet. Hierauf hat der Finanz-Minister folgenden Bescheid ertheilt. Zwar seien die bisher überhaupt no< nit zur Staats-Einkommen- steuer veranlagten niht physishen Personen bei der béevor- stehenden Veranlagung nicht verpflichtet, Steuererklärungen ge- mäß 8$. 24 a. a. O., d. h. auf Grund der öffentlichen Aufforde- rung abzugeben; dieselben hätten aber nah den ergangenen Aus- führungsbestimmungen besondere Aufforderungen zur Ab- gabe der Steuererklärung in dem genannten Monat in Gemäßheit des $. 25 des Einkommensteuergeseges zu gewär- tigen. N für die Bestimmung des Termins zur Abgabe der Steucrerklärungen im Monat Januar sei vornehmlich die Rü>- ficht auf die geordnete Abwi>kelung und den rechtzeitigen Abschluß

* des gesammten Veranlagungsgeschästs. - Mit dieser Rücksicht sei die beantragte Hinausschiebung der Frift zur Steuererklärung bis Mitte des Monats April 1892 nicht vereinbar. Anderer- seits verkenne der Minister niht, daß für diejenigen Gesell- schaften, deren Geschäftsjahr mit dem Kalenderjahr zusammen- fällt, und welhe niht in der Lage sind, 8 im Monat Januar 1892 ihre von der Generalversammlung zu geneh- migenden Bilanzen für das Jahr 1891 festzustellen, eine vom Geseß nicht beabsichtigte Härte eintreter. kann, wenn dieselben in

Folge jener Terminsbestimmung genöthigt werden, ihren Steuererklärungen die Ergebnisse der Jahre 1889 und 1890 zu Grunde zu legen. Mit Rücksicht hierauf sind die Veran- lagungsbehörden mit Anweisung dahin versehen worden, daß denjenigen Aktiengesellschaften und Kommanditgesellshaften auf Aktien, welche bei dem Vorsizenden der Veranlagungskom- mission einen entsprechenden Antrag anbringen, die Frist zur Abgabe der Steuererklärung bis zum 1. März 1892 zu ver- längern sei.

Der zweite Theil der Anweisung des Finanz-Ministers vom 5. August 1891 zur Ausführung des Einkommensteuer- geseßes vom 24. Juni 1891 is nunmehr veröffentliht und den Amtsbläitern als besondere Beilage beigefügt. Er bezieht sich auf das Veranlagungsverfahren. Der erste Abschnitt betrifft allgemeine Bestimmungen, der zweite die Vorbereitung der Veranlagung dur< den Gemeinde- (Guts-) Vorstand, der dritte die Voreinschäßung, der sechste die Geschäftsordnung der Kommissionen. Weiter enthält er den Steuertarif und verschiedene Muster für die Aufstellung einer Einkommensliste, für das Personenverzeihniß einer Gemeinde (eines Guts oder einer Stadt), für das Verzeichniß derjenigen physishen Personen, welche aus einem Grundbesiße oder einem stehenden Gewerbe in der Gemeinde Einkommen beziehen, aber in einem anderen preußischen Orte zur Einkommensteuer zu veranlagen sind, für die Einkommensteuerrolle sowie für das Verzeichniß der Aktiengesellshasten, Kommanditgesellshaften auf Aktien, Berg- gewexrkschaften, eingetragenen Genossenschaften und Konsumver- eine mit einem offenen Laden.

Aus Anlaß eines Spéezialfalles, in welhem eine Aussihts- behörde entschieden hatte, daß die sür einen bestimmten Tag angemeldeten Versammlungen mit dem Ablauf dicses Tages um 12 Uhr Nachts enden müßten, hat der Minister des Janern in einer Versügung an die Ober- Präsidenten ausgeführl, daß, wenn au<h die gemäß s. 1 des Vereinsgeseßes vom 11. März 1850 der Polizeibehörde zu erstattende Anzeige nicht nur die Stunde, sondern au den Tag der abzuhaltenden Versammlung enthalten muß, do<h aus dem Umstande, daß in dieser Anzeige ein bestimmter End- termin der Versammlung richt angegeben is, nicht gefolgert werder: könne, daß unter allen Umjtänden der Ablauf des Kalendertages zugleih das Ende der Versammlung bilden müßte, und eine über diesen Zeitpunkt hinaus verlängerte Versammlung als eine neue nicht angemeldete Ver- sammlung zu betrachien sei.

Nachdem seit einiger Zeit die auf öffentlihen Straßen und Pläßen und an anderen allgemein zugängiichen Orten aufgestellten automatischen Verkaufsapparate vielfach zum Betriebe von kleinen Dru>werken, insbesondere von Jugendschriften, benußt werden, ist an den Minister des Minern die Frage herangetreten, ob hiergegen mit po.izeilihen Maßnahmen vorzugehen sein möchte. Fn einem Runderlaß an die Königlichen Negierungs-: Präsidenten und an den Köng- lichen Polizei-Präsidenten in Berlin äußert sih in Folge dessen der Minisier hierüber wie folgt: Es mag vorläufig dahingestelt bleiben, ob es na<h Lage der Geseßzgebung zulässig ist, die in Rede stehende Verwendung der Automaten von Polizeiwegen allgemein zu verhindern. Für nothwendig kann ih ein solches Einschreiten nit ‘ansehen, da, soviel mir be- kannt geworden ist, der Jnhalt der bisher our Automaten feilgebotenen Dru>äschristen im Allgemeinen 2u Bedenkzn keinen Anlaß gegeben hat, manche dieser Druckschriften vielrtehr nit ungeeignet scheinen, zu érlaubter Unterhaltung zu dienen und zur Verbreitung nüßlicher Kenntnisse beizutragen. Abgesehen hiervon is aber dem sragiüichea Verbote nur ein sehr bheshränkter Werth beizulegen, da diejenigen Schriften, deren Vertrieb dur< Automaten erfolgt, wohl ausnabmslos au< in den Läden der Buchhändler, Buchbinder und Schreibwaaren- händler käuflih zu haben und dort von Jedermann zu den gleichen Preisen wie dur<h die Automaten zu erstehen sind. És wird genügen, wenn die Polizeibehörden den automatischen Vertrieb von Drucksachen überall aufmerk- sam überwachen, dafür Sorge tragen, daß die Auto- maten nichi zur Verbreitung von Schriften unzalässigen Jn- halts benußt werden, und allen Zuwiderhandlungen in geeig- neter Weise entgegentreten. Diese Ueberwachurg wird mit besonderen Schwierigkeiten niht verknüpst und sogar noch leihter als diejenige des heimlichen Vertriebes unzulässiger Druckwerke in Läden auszuführen sein, da die zum Vertriebe von Dru>schriften verwendetea Automaten: als buchhändlerische Verkaufsstätten im Sinne des 8. 14 der Gewerbeordnung zu betrachten sind und mithin der dort vorgesehenen Anzeigepflicht unterliegen.

Das polizeilihe Verbot des Entrollens und der Führung einer rothen Fahne bei öffentlihen Aufzügen oder Ver- sammlungen ist, nah einem Erkenntmß des Königlichen Ober- Verwaltungsgerihts vom 13. Juni, nur dann rehtli<h zu- lässig, wenn aus Thatsachen die Annahme der Wahrscheinlich- keit sich ergiebt, daß die öffentlihe Sicherheit oder Ordnung dur< den Gebrau<h der rothen Fahne unmittelbar ge- fährdet wird.

Der General-Lieutenant von Brauchit\{<, Direktor der Kriegs-Akademie, hat sih mit Urlaub na< Tirol begeben.

Nachdem der mit der interimistishen Führung der Ge- schäfte der hiesigen Königlich württembergishen Gesandtschaft betrautze württembergishe Militär: Bevollmächtigte, Oberst- Lieutenant und Flügel-Adjutant von Neidhardt Behufs Theilnahme an den Feierlichkeiten der Beisezung weiland Seiner Majestät des Königs Karl von Württemberg sih am 7. d. Abends nach Stuttgart begeben hat, fungirt während derx Ahwi senheit desselben von Berlin der hiesige Königlich württembergishe Bevollmächtigte zum Bundesrath, Direktor Dr, von Stiegl als Geschäftsträger der Gesandtschaft. Der hiesige Herzoglih braunschweigische Gesandte, Wik: lihe Geheime Rath Freiherr von Cramm-Burgdorf ist voin Urlaub nah Berlin zurückgekehrt und hat die Geschäste dexr Gesandtschaft wieder übernommen.

Der bisherige Spezial-Kommissar in Brilon, Regierungs- Rath Pommer is dem Kollegium der General-Kommission in Münster als außeretatsmäßiges Mitglied überwiesen worden.

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Württemberg.

Stuttgart, 10. Oktober. Ueber den Verlauf der gestrigen Turauerfseierlichkeiten berihtet „W. T. Y.,“ Folgendes: Der Gottesdienst fand im Marmorsaal statt wo der Sarg des Königs prachtvoll aufgebahrt und mit Hunderten von Kränzen und kostbaren Blumenspenden ge: shmü>t war. Bei dem Gang nah dem Marmorsaale hatte Seine Majestät der Kaiser Jhrer Majestät der Königin Charlotte, Seine Majestät der König seiner Mutter, Jhrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Catharine, den Ärm geboten, auch die übrigen Fürsilihkeiten folgten paarweise. Jhre Majestät die Königin - Wittwe wohnte dem Gottesdienste niht bei. Beim Herabtragen des Sarges spielte die Regimentsmusik des Grenadier-Regiments König Karl (5. Württembergisches) Nr. 123 den Choral „Jesus meine Zuversicht“. Der Kaiser trug die ODbersten-Uniform des Jnfanterie - Regiments Kaiser Wilhelm, König von Preußen (2. Wücttembergisches) Nr. 120, der König Wilhelm trug Generals-Uniform. Der Kaiser ging zur Rechten des Königs. Es folgien der Großfürst Michael Nicolajewits{, rer Erzherzog Friedrih und der Großherzog von Baten, sodann Prinz Heinrih von Preußen, Prinz Philipp von Württemberg, Prinz Ludwig von Bayern. Die Trauer- musik während des Leichenzuges wurde von der Kapelle des Ulanen-Regiments König Karl (1. Württembergisches) Nr. 19 ausgeführt. Die Ankunst des Trauerzuges in der Schloßkapelle erfolgie um 11 Uhr. Der daselbst abgehaltene Gottesdienst wurde dur< einen Trauergesang, bei welchem die Mitglieder der Hofoper mitwitrkten, eingeleitet und nah der Predigt, welcher als Text die Bibelstelle Zephanja Kap. 3, Vers 17: „Denn der Herr, dein Gott, ist bei dir, ein starker Heiland“, zu Grunde lag, mit abermaligem Trauergesang ge- \ch!ossen. Den Altar umgaben in erster Reihe der Kaiser, der König Wilhelm, die Königin ChHarlo!te, die Prinzessinnen Wera, Catharine und Pauline, in zweiter Reihe Großfürst Michael, Prinzessin Maria Theresia, Prinzessin Auguste von Sachsen-Weimar. Beim Hinab.assen des Sarges iu die Brust konnten fich der König und die Königin der Thränen nicht erwehren. Der Kaiser drü>kie dem König bewegt die Hand. Sämmtliche Fürsilichkeitzn begaben sih_ dann hinab in die Gruft, um dort Abschieo von dem Dahingeschiedenen zu nehmen ; sodann beendigte ein Gebet des Hofpredigers die Feier. Während der ganzen Feier halte sih auf der Straße eine überaus große Volksmenge angesammelt, welhe eine musterhafte Haltung bewahrte. Um 1 Uhr besuchte die Königin Olga die Gruft.

Baden.

Mannheim, 9. Oktober. Bei der hier vorgenommenen Wahl eines Abgeordneten des grundherrlichen A dets unterhalb der Murg für die Erste Kammer wurde dem „W. T. B.“ zufolge der Führer der badishen gemäßigt Konservativen Freiherr von Goeler- Li htenthal ein- stimmig gewählt.

Mecklenburg-Schwerin.

Schwerin, 9. Oktober. Der Landtag ist zum 18, November nah Sternberg einberufen worden, Landes- herrlihe Vorlagen sind na<h den „Me>l. Nachr.“ nur die ordentliche und außerordentliche Kontribution.

Sachsen-Weimar-Eisenach. Weimar, 9, Oktober. Seine Königliche Hoheit der

Großherzog is, wie die „Th. C.“ meldet, am 6. d. M. aus München in Schloß Heinrichsau in Schlesien eingetroffen. Sachsen-Coburg-Gotha.

Gotha, 9. Oktober. Seine Hoheit der Erbprinz und Jhre Königliche Hoheit die Erbprinzessin von Sachsen- Meinigen sind mit der Prinzessin Feodora, wie die „Cob. Ztg.“ meldet, gestern zum Besuh am Herzoglich Edinburg'schen Hofe hier eingetroffen.

Anhalt.

__ Dessau, 9, Oktober. Am heutigen Tage feierte auf Schloß Ballenstedt Jhre Hoheit die verwittwete Herzogin Friederike zu Anhalt-Bernburg, geborene Prinzessin zu Schleswig: Holstein-Sonderburg- Glü>sburg, ihren 80. Geburtstag. Jhre Hoheit, die ältere Schwester des Königs von Dänemark, vermählte sih am 30. Oktober 1834 zu Louisenlund mit dem damals soeben zur Regierung gekommenen Herzog Alexander Carl zu Anhalt-Bernburg. Wegen des andauernden Kranlkheits- zustandes des Herzogs wurde Jhre Hoheit unter dem 8. Oktober 1855 zur Mitregentin bestellt und hat, wie der „Anh. St.-A.“ hervorhebt, als solhe den maßgebenden Einfluß auf die Negierung des Landes geübt zu einer Zeit, wo die Verwaltung desselben von den besten Erfolgen be- gleitet gewesen is. Viel hat die Herzogin au< auf dem Gebiete der Barmherzigkeit / Ls geleistet. Das Friederikenstist in Ballenstedt für verwaiste oder sittli<h verwahrloste Mädchen, das Friederikenhaus in Waldau für in gleichec Lage befindliche Knaben, vas St. J0- hannis-Asyl in Bernburg für aus dem Gefängnisse entlassene oder sonst gefallene weibliche Personen sind im Wesentlichen Werke Jhrer Hoheit und stehen no< heute unter derem Protektorat.

Elsaß-Lothringeu. Straßburg, 9. Oktober. Der Statthalter Fürst zu Hohenlohe, welher morgen Abend 6 Uhr von t Sommerurlaube zurü>kehrt, wird am Bahnhof von den is Straßburg wohnenden Abgeo1dneten zum Landes-Aus ut empfangen werden, welhe ihm ihren Dank für die ia leichterung des Grenzverkehrs zum Ausdru> bringen WO Et

Oesterreih-Ungarn.

; ten- Wien, 10. Oktober. Jn dem dem Abgeordne hause vorgelegten Budget beträgt nah ciner Meldung S „W. T. B.“ das Gesammterforderniß 984 620 378 ‘fomit Gesammtbede>ung 585 238 262 Fl. Der Uer be in 617 884 Fl. Die Einnahmen weisen gegen das bine i

Plus von 16 862 741 Fl., die Ausgaben eine Zuna

und Menschenliebe

19 767 3bi Fl. auf. Die gemeinsamen Ausgaben sind um 3035 734 Fl. gestiegen, ebenso sind höhere Beträge eingestellt für die Subvention des Lloyd und der Donau-Dampsschiff- fahrts-Gesellschaft. :

Der gesammte Rei nertrag an Steuern vom 1. Ja- nuar bis 1. September betrug 221533 487 Fl. d. i. 4319 410 Fl. mehr als in der gleihen Periode des Vorjahres, der Ertrag der Zolleinnahmen belief sih auf 29038 578 Fl., was einen Ausfall gegen das Vorjahr von 34339 Fl. bedeutet. Von der Mehreinnahme an Steuern entfallen auf die direkten Steuern 2 131 817 Fl., auf die indirekten 2 187 593 Fl. Stei- gerungen weisen hauptsächlih die Einkommensteuer, ferner die Steuern auf Bier, Mineralöl, Salz, Taba>, Taxen und Sn auf, einen Rückgang zeigen die Steuern auf Zu>er und Lotto.

Bei der von dem Handels-Minister angeordneten Be- rathung über die Frage der Betheiligung Oesterreichs an der Weltausstellung in Chicago theilte der Ver- treter der Regierung mit, leßtere wolle as Beitrag des Staats 150 000 Fl. gewähren. Sämmtliche Theilnehmer an der Be- rathung erklärten diese Summe für unzureichend und stimmten dem Antrage auf Einseßung einer Regierungskommission zu.

Großbritannien und JFrland.

Das Leichenbegängniß des verstorbenen Ersten Lords des Schaßamts W. H. Smith sollte heute, Sonnabend, in Henley on-Thames stattfinden , und zwar auf den besonderen Wunsch des Verstorbenen ohne jeden Prunk. Auf dem s{hmu>- losen Friedhofe der Kirche des Dorfes Hambledon wird Smith seine leßte Ruhestätte finden. /

Ueber die Ursache des Todes Parnell's, die Vor- bereitungen für die Leichenfeier in Dublin, sowie über die dur< sein Hinscheiden innerhalb der irischen Partei ge- \haffene Lage berichtet die „A. C.“:

Den letzten Zweifeln über die Ursache des Todes Parnell's ist runmehr durch die Sektion der Leiche ein Ziel geseßt worden, die der Hautarzt des Verstorbenen, Dr. Powers, im Beisein zroeier anderer Acrzte am Donnerstog vorgenommcn hat. Parnell ist danach wirkli an rheumatis{-m Kieber gestorben, wel<es eine Herzlähmung zur Folge hatte. Den Sektionsbcfund theilte Dr Poroers den in Brighton versammelten parnellitishen Abgeordneten mit. Ein vertrauter Freund des Verblichenen sagt allerdings, daß Parnell \<on seit mehreren Jahren com WMagenkrebs gelitten hat. Doch stand dieses Leiden in keinem ursächli<en Zusammenhang mit seinem jähen HinscCeiden. Nach langem Sträuben hat die Wittwe entlich eing: willigt, daß die Gebeine des irischen Patrioten in iriscer Erde ruben jollen. Auf dem Glaëvenin-Friedhof bei Dublin soll die Leiche beigeseßt werden. Die irishe Nationalliga trifft die Vorbe- reitungen für die Beerdigung, welche die großartige werden dürfte, wel<he Zrland seit dem Tode Daniel D'Connell’s gesehen. Nach hrer Ankunst am Sonntag Morgen wird de Leiche anf einige Stunden im Dubliner Stadthause ausgestellt werden. Um Mittag seßt s< dann der Trauerzug in Bewegung. Die leßten Worte Parnell's waren an seine Fran gerichtet. Sie lauteten : „Sende meine liebevollen Gcüße an meine Kollegen und das Voit Irlands. Fo 6 daß man für sie, wenn sie krank sind, ebenso socgt, wie ür mi.“

Nach den Worten des parnellitis<hen , United Irelanv“ zu schließen, wird der Tod Parnell's die Spaltung in der irischen Partei nicht heilen; „Die Stimmung des Volkes, heißt es dort, ist „,„ Keine Ergebung. Vorwärts !“* Leute, welhe si< bemüßt haben, Parnel an die Wand zu drücken, haben kein Recht, m seinem Grabe sentimental zu werden. Mögen sie ihre Thränen für Gladstone behalten Die Männer, welche ihm die leßten zehn Monate gefolgt sind, weden ihre Ansichten nit ändern, weil ihr Führer toct ist, im Gegentheil werden sie feine Sache nur no<h hartnäckiger weiterverfehten und den Leuten entge gen- irejen, wel<he Parncli an \seire Feinde verkauft und die dreißig Generationen alte Sache Irlands in die Hände eines englischen Staatéëmannes gelegt haben.“

Dagegen predigt der zur Zeit in Amerika weilende irische Land- agitator V ichael Davitt, der energishîte Gegner Parnell’'s seit dessen Schwenkung, die Versöhaungz er \{reibt: „Ueber Parnell’'s Grab sollte kein hartes Wort fallen und aller Zwist im irischen Voike sollte mit Parnell begraben werden. Irland darf niemals wider folhe Gewalt in die Hände eines einzelnen Mannes legen. Nah meiner Meinung wird entweder Dillon oder Sexton nunmehr zum Leiter der Partei gewählt werden. Persönlich glaube ih, daß es Sexton sein wird. Ex wird aber niemals dieselbe Macht erlangen, wie Parnell. J< wünsche von ganzem Herzen, daß Alles, was i< Parnell verdammend gesagt habe, vergessen werde. Gestern ist nicht heute.

Eine sehr praktishe Frage für die irishe parlamentarische Partei ertsteht duxch das Ableben Parnell'’s, nämlih was aus dem nach Tcusenden Pfurden Sterling zählenden Pariser Fonds werden soll. Das rei einem Pariser Banquier hinterlegte Geld steht auf den Namen Parnell's und M’Carthy's eingetragen, Nach französishem Rechte kann ohne die Genehmigung der Gerichte ketne Üedertragung und Vertheilung des Fonds stattfinden, was nah englishem Geseß nit nöthig ist. Es wird daher immerhin eine Zeit danern, bis daë Geld angerührt werden darf.

Ja Cork, dem Wahlkreise Parnell's, hat die Nachricht den

tiefen Eindru>, welhen man erwartet hatte, niht gemah<ht. Es hat

eine Zeit gegeben, wo ganz Cork getrauert bätte und kein Laden _ ofen geblieben wäre bei der Rachricht des Hinscheidens des bis zum Starr- sinn charakterfesien Mannes, Diese Zeit ist vorbei. Aeußerlich be- merkt man in Cork kein Zeichen der Trauer. ,

Unter den Nachrufen, welche die englishe Presse dem dahingeschicdenen irishen Agitator Parnell widmet, fällt derjenige der „Times“ über den Todten ein besonders strenges und kaltes Urtheil. Es heißt in dem Artikel:

„Als Hr. Parnell die ron ihm erstrebte Stellung erlangt hatte, ¡eichnete er si sofort vor früheren Führern dadur aus, daß er agraris<he und politishe Unzufriedenheit miteinander verband und sih dadur< etne Waffe von unerhörter Macht \{<uf. Er appellirte in geschidtester Weise an die Habsuht und den mißleiteten Patriotismus der Menge, ohne jedo in seinem Herzen wirkliche Theilnahme für die Armuth oder Enthusiasmus füc ein Ideal zu empfinden, Er war, einerlei, ob in Irland oder im Unterhause, stets {nell zur Hand, um mit den Schwächen und Lastern der Menscheit Hanbvel zu treiben, und hatte für Männer und Frauen, mwohten sie nun seine eigenen nächsten Kollegen oder die Bauern sein, welhe ihm als Spielmarken bei seinem Spiele dienten, nur die kalte Gleichgültigkeit und Verachtung, q Ne ein Handel mit den niedecen Leidenschaften des ä ensheu hervorrust. Daß es ihm bei einem so abstoßenden pevarakter gelang, wirklihen Enthusiasmus hervorzurufen, ist vielleicht per denkbar höchste Beweis für die Größe seiner intellektuellen Fähig- Uten. Die enge Begrenzurg dieser Fähigkeiten läßt seine Erfolge in um so bemerkenöwertherem Licht ersheinen. Er besaß keine \{<höpfe- rischen Ideen und keine versöhnende Originalität, kurz, nihts von den

i die aus den moralis<en Eigenschaften eines Mannes hervor- d en. Dagegen waren ihm in hohem Grade Willenskraft, Aus- Nag die Fähigkeit, vulgäre Werkzeuge praktis<h zu verwenden,

¿W. T. B,“ meldet ferner aus Dublin: : bah Die große Centralhalle des Rathhauses wird für die Auf- Me der Leiche Parnel1's hergerihtet. Alle augenbli>li< hier ct esenden parnellitishen Deputirten fahren der Leiche bis Holyhead gegen, Mehrere An hänger Mac Carthy's erhielten Zuschriften,

in denen ihnen Beshimpfung angedroht wird, Falls sie der Leichenfeier beiwohnen würden,

Aus Ottawa (Canada) meldet „R. B.“, daß in einem am 6. d. abgehaltenen Kabinetsrath ‘der Justiz-Minister Sir John Thompson autorisirt wurde, das strafgerihtliche Verfahren gegen alle Lieferanten einzuleiten, deren gegen die Regierung verübte Betrügereien während der Untersuhung der Anklagen gegen Sir Hector Langevin und Mr. M'Greevy an den Tag gekommen sind.

Der „Times“ wird aus Calcutta unter dem 7. Oktober berichtet :

Amtliche und nihtamtlihe Berichte aus Madras lafsen es als nothwendig erscheinen, der Lage des Volk:8 in nähster Zeit die größte Aufmerksamkeit zu \henken. Der Regenfall in den Nothstands8- distrikten war allzu urbedeutend, um irgend wel<he Aenderung zum Besseren herbeizuführen. Seit Monaten war der Vorrath an Lebens- mitteln ein ungenügender. Alles kommt jeßt auf den erwarteten Monsum an. Sett dieser zur rehten Z-it ein und ist der Regenfall ein reichlicher, so wird zwar keine Hunger8noth eintreten, dafür jedo< no< in den nächsten vier Monaten großes Elend herrschen.

Frankcei<.

Paris, 10. Oktober. Der Minister-Präsident de Fre y - cinet machte gestern früh, eine Umfahrt durch die Straßen von Marseille und wurde, wie „W. T. B.“ berichtet, von der Be- völkecung aufs Wärmste begrüßt. Bei dem Festmahl, welches von der Handelskammer von Marseille zu Ehren der Minister veranstaltet wurde, betonte der Handels-Minister Jules R oche in einer Rede über den Zolltarif, die Regierung sei be- strebt gewesen, den Jnteressen der verschiedenen Fndustrie- zweige Rechnung zu tragen; fie habe jedo<h die Juter- essen des auswärtigen Handels Frankreichs, der französischen Handelsflotte und der für die Ausfuhr arbeitenden Fndustrie- zweige niht vernachlässigt, vielmehr werde sie diese im Senat thatkräftig vertreten. Die freie Einfuhr der Rohstoffe sei im FJnteresse der Jndustrie nothwendig. Der Minister fügte hinzu, der neue Zolltarif solle keineswegs zur Unter- brehung der Kont:.nuität der internationalen Handelsbeziehungen Frankreichs führen, welche sicher zu stellen und weiter zu ent: wid>eln die Regierung bestrebt sein werde. Der Minister {loß mit der Ankündigung eines demnächst vorzulegenden Geseßentwurfs, betreffend die Handelsflotte.

Der Minister des Auëzwärtigen RNibot erklärte vor- gestern bei einem ihm zu Ehren von seinen Wählern in Aires-sur-la-Lys veranstalteten Bankett, daß die gegen- wärtig von Frankreich wiedererlangte Situation der Weisheit des Parlaments und des Landes zu verdanken sci. Frank- rei<h werde heute wieder als Faktor im euroväischen Gleich- gewicht betrachtet, Der Minister deutete sodann auf die zwischen Frankreih und Rußland bestehenden Sympathien hin.

NRufß:land und Polen.

Durch eine gestern veröffentlichte Verfügung des Finanz- Ministers ist, wie „W. T. B.“ aus St. Petersburg meldet, die Ausfuhr von Delkuchen ebenfalls verboten worden.

Schweiz.

Der Bundesrat) hat, laut Telegramm der „Köln. Ztg.“, das Budget der Alkoholverwaltung für 1892 mit einem muthmaßlihen Uebershuß der Betriebsverwaltung von 5 630 000 Fr. genehmigt. Auch wurde für das Justiz- Departement die Errihtung einer Abtheilung für Schuldbeitreibung und Konkurs bewilligt. :

Wie der „Bund“ vernimmt, wird das s{hweizerische Eisen- bahn-Departement die Bahngesellshasten zu einer Konferenz nah Bern einladen, um mit ihnen die zu treffenden Si <hex- heitsvorkehrungen im Bahnbetriebe zu vereinbaren.

Amerika.

Brasilien. Nah in Lissabon eingegangenen Privat- nachrichten fanden in Rio de Janeiro am 8. d. M. Abends Ruhestörungen stalt, die ihren Ausgangspunkt im italie- nischen Theatec hatten, Die Veranlassung derselben ist no< unbekannt. Die Polizei nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Die herbeigeeilte Kavallerie mußte von den Waffen GBe- brauh machen und angriffsweise vorgehen, da in mehreren Straßen Barrikaden errihtet waren. Wie es heißt, sollen mehrere Personen getödtet und eine An- zahl verwundet sein. Nach den leßten Nachrihten war die Ruhe wieder hergestellt. Dem „Reuter'shen Bureau“ wird aus Rio de Janeiro gemeldet, daß der Gesundheitszustand des Präsidenten da Fonseca zweifelhaft sei. Eine leichte Besserung habe si<h zwar eingestellt; indessen zeige ih große Schwäche bei dem Kranken. Auch hätten sih bereits Bestrebungen geltend gemaht, den Präsidenten dur<h eine geeignete andere Persönlichkeit zu erseßen.

Nr. 40 der Veröftentlihungen des Kaiserlichen Ge- fundkeitsamts vom 6. Oktober hat folgenden Inhalt: Gesundheitsstand. Mittheilungen über Volkskrankheiten. Gesund- heitsstand und Sterbefälle im August. Sterbefälle in deutschen Städten mit 40 000 und mehr Einwohnern. Desgl. in größeren Städten des Auslandes. Erkrankungen in Berliner Krankenhäusern. OPVesgl. in deuts<hen Stadt- und Landbezirken. Bewegung der Bevölkerung in Preußen 1889. (Schwei. ) Trunksuht als Todes- ursahe. Witterur.g. HZeilweilige Maßregeln gegen Volks- krankheiten. (Egypten) Thierseuhen im Deut)hen Reiche, 2, Vierteljahr. —— Medizinalgeseßgebung u. \ w., (Preußen ) Tuber- fulose. Krankenvertheilung in der Charité. Censuren bei Hebammenprüfungen. (Reg.-Bez. Bromberg.) Roh. (Reg -Bez, Münster.) Kindbettfieber. (Oesterreich. ) Schulhygiene, (Belgien ) Fleish. (Neu-Süd-Wales) Leprosy Act. Vermischtes. (Deutsches Reih.) Krankenkassen-Statistik 1883. (Rumänien. Stadt Craiova ) Gemeinde-Medizinalpersonal. Geschenkliste. Beilage. Gericht- lihe Entscheidungen zum Nahrungsmittelgeseß. (Finnen. Pferde- fleis<. Wurst) Sterbefälle in deutshen Orten mit 15 000 und mehr Einwohnern, August. Desgl. in größeren Orten des Auslandes.

Nr. 40A. des „Centralblatts der Bauverwaltung“, herausgegebenimMinisterium der öffentlihen Arbeiten, hat folgenden Jnhalt: XIV. Verzeichniß der Berichte der den Bot- haften und Gesandtschaften beigegebenen Baubeamten. Versuche mit der Verwendung von Flußeisen. Vermischtes : Preisbewerbung um den Neubau einer evangelish-reformitten Kirhe in Osnabrück.

. Land- uud Forstwirthschaft.

In der Jahresversammlung des zur Zeit 58800 Mitglieder zählenden „landwirthschafclihen Vereins in Baiern“ am Montag bezeichnete der Vorsitzende Graf Lerchenfeld, wie der „Köln. Ztg.“ aus München geschrieben wird, die diesjährige Ernte als gut und tadelte unter allgemeiner Zustimmung die Aufhebung der Grenz-

\perre, welche, da die Fleis<{preise auf der gleihen Höhe geblieben seien, den gewünschten Erfolg niht gehabt habe. Während Minister von Feilißs< erklärte, daß die Regierung si<h niht ent- {ließen könne, in den Vorschriften gegen die Seuchenver- \<lcppung weiterzugehen als bisher, hielt die Mehrheit der Versammlung, ohne aber einen Beschluß zu fassen, an dem Standpunkt fest, daß sehr strenge, Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche durchaus rothwendig seien. Es wurde dargelegt, daß, obwohl hö<stens die Hälfte aller Fälle zur Anzeige gelange, der den bayerishen Landwirthen dur< die Seuche angeblich erwahsende Schaden auf 4 Millionen Mark der Gesammtwerth des bayerishen MRindviehs wurde 1887 auf 562 Millionen Mark geshäßt bere<hnet werde. Professor Wolley vom Polytechnikum empfahl, da Bayern niht weniger als 20 Quadratmeilen Moorland, dort „Moose“ genannt, besize, eine eingehendere Berücksichtigung der Moorkultur. In der Dienstags - Sitßung wurde be- \<lossen, der Königlihen Staatsregierung gegenüber den Wun}i< auszusprechen, daß mit der Nutzbarmahung der bereits besiedelten, kulturfähigen Vioore Bayerns na den richtig erkannten wissenschaftlihen Grundsäßen unter Leitung und Aufsicht geeigneter Organe fortzufahren sei. Weiter wurde folgender Antrag angenommen: „Die Versammlung beschließt, die Königlihe Staatsregierung zu er- suchen, gegen Einschleppung der Maul- und Klauenseu<e aus dem Auslande und beim ersten Auftreten im Inlande insbesondere auf den WViehhöfen der großen Städte sehr strenge Maßregeln zu ergreifen." Zur Frage des Kontraktbru<hs der länd- lihen Arbeiter gelangte der Antrag zur Annahme, daß vom Standpunkte der landwirthschaftli<hen Interessenvertretung für Bayern für die vom deuts<hen Landwirthschaftsrathe angeregte Herbeiführung rei<h8geseßli<her Bestimmungen über den Arbeitsvertragsbru< länd- lier Arbeiter, bezw. Über die Besirafung des Arbeitsvertragsbruches ein Bedürfniß nicht erkannt werden könne.

Theater und Musik.

Sing-Akademie.

Zroei hier no< unbekannte junge Künstlerinnen: Fel. Anna Kroymann (Sopran) und Frl. Harriet von Müthel (Klavier) gaben geftern gemeinsbaftli<h ein Concert. Die Pianistin begann mit Beetho»en's Sonate (Es-dur) op, 81 und fügte später no< zwei kleine Klavierstü>ke von Nubinstein und die Don-Juan- Phantasie von Liszt hinzu, wel<he der Spielerin viel zu {wer war. Am Besten gelang ihr ein TImpromptu von Sqchubeit und eine Etude von Henselt: „Danklied rna< Sturm.“ Die Sängerin hatte mit ihren Leistungen mehr Erfolg. Nit nur die sehr wohlklingende und ausgiebige Stimme, sondern auch deren gründ- lihe Ausbildung und die sehr eingehende Vortragsweise erwarben ihr die günstigste Aufnahme von Seiten des zahlreih erschienenen Publi- kums. Die erwähnten Vorzüge kamen in zwei Arien von Händel sowie in Liedern von Schubert, Shumann, Volkmann, Jensen u. A. ganz vortrefli< zur Geltung.

: i: Philharmonie. -

Die unter Direktion des Königlihen Musikdirektors Hrn. W. Freudenberg und des Hrn. C. Mengewein stehende „Deutsche Musikschule“ veranstaltete gestern ein Concert, in wel<em mehrere Kompositionen bon Beethoven, Chopin, Moszkowski und den beiden Direktoren ausgeführt wurden. Das Klavier-Concert (Es-dur) von Beethoven wurde von Hrn, G. Freudenberg (Sohn des Direktors) mit gewandter Technik und verständnißvollem Ausdru> vorgetragen, nur wäre dem Adagio mehr Zartheit des Spiels zu wünschen gewesen. Der junge Pianist übernabm außerdem no<h die Klavierpartie in der Phantasie mit Chor und Orchester von Beethoven, sowie den Vortrag ¿weier Klavierstü>ke von Chopin und Moszkowéeki, die \:hr günstig aufgenommen wurden. Die Kompositionen des Hrn W. Freudenberg: eine Duvertüre zur Oper „Der St. Katharinentag“, eine Scene „Meersturm“ nebst Baßarie, an welche si< noch ein Chor aus derselben Oper: „Empfang des Fürsten“ und ein Zwischenspiel aus seiner Oper „Marino Falieri“ anf<hlossen, ließen glü>lihe Erfindungs- gabe und geshi>te Verwendung der gewählten Mittel erkennen. Ein Gleiches gilt von der Feslmusik über den Choral „Nun danket Alle Gott“ von Mengewein, dessen Eesangshor in lepter Zeit erfreuliche Fortschritte ma<ht, Auch die Solisten des Abends: r. P, Freudenberg, Frl. Martha und Margarethe Neumann sowie die Herren Hintzelmann, Scheppang und Frauscher lösten ihre Aufgaben mit loben8werther Hingebung für die Sache. Das Philharmonische Orchester bewährte sich wiederum vorzüglih; auch die Orgelbegleitung des Hrn. Dr. Reimann muß lobend erwähnt werden.

In der Vorstellung der „Zauberflöte“ am Montag im RKönig- lihen Opernhause sind die Damen Leisinger, Herzog, Hellmuth- Bräâm, Kopka, NRothauser, Lammert, Staudigl, Hiedler und Weiß, soroie dic Herren Mödlinger, Rothmühl, Krolop, Bey, Fränkel und Philipp beschäftigt. In der Dienstagéevorstellung von „Zar und Zimmermann®* treten die Damen Herzog, Lammert, die Herren Bulß, Krolop, Lieban, Mödlinger, Philipp und Krasa auf. Die Proben zu „Cayalleria rusticana“ und „Proractheus* sind im vollsten Gange. In der Vorstellung „Der Trompeter von Säkkingen“ am Donnerstag wird Hr. Oberhauser zum leßten Male vor seinem Scheidea on der Königlichen Bühne in der Titelpartie der Oper auftreten.

Die nächste Neubeit des Königlihen Schauspielhauses wird das Lustspiel „Wohlthätige Frauen“ von L'Arronge sein, Am 10. November, dem Geburtstage Schilüler's, geht in neuer Einstudirung und neuer Ausstaitung „Die Jangfrau von Orleans" mit Frl. Lindner in der Titelrolle in Scene. Die stimmliche Indiéposition des Hrn Dr Wüllner hat si< ernstlicher gestaltet und dürfte derselbe voraussihtli< in den nächsten Tagen no< niht im Vollbesiß seiner Mittel sein. Da in der nächsten Woche die Saison in Meiningen beginnt (wo Hr. Wüllner no< längeren Ver- trag hat), so wird sein Gastspiel no< auf cinige Zeit hinausgeshoben werden müssen,

Der Spielplan der Königlichen Oper für die Zeit vom iv. bis 18 Oftobcr lautet: Sonnabend: „Oberon“. Sonntag: „Tann- häuser“. ae „Die Zauberflöte“, Dienstag: „Zar und Kimmermann“. Mittwo<h: „Die Meistersinger von Nücnberg“. Donnerstag: „Der Trompeter von Säkkingen“. Freitag: „Carmen“. Sonnabend: „Die Hochzeit des Figaro“. Sonntag: Zweite Symphonie

der Königlichen Kapelle. Sonnakend: „Der neue Herr“.

Für das Schauspiel:

Sonntag: „Zriny“. Montag: „Der Kaufmann von Venedig“. Dienstag: „Die Augen des Herzens*. „Am Fenster". „Herrn Kau- del’s Gardinenpredigten.* Mittwoch: „Der neue Herr“. Donnerstag: „Der Glükstifter“. Freitag: „Maria Stuart“. Sonnabend: „Die Räuber“. Sonntag: Geschlossen.

Im Deutschen Theater geht am nä<{sten Sonnabend, 17, d. M, „Das goldene Buch*, Swausptel in drei Aufzügen von Franz von Schönthan, zum ersten Mal in Scene; die!elbe Vorstellung wird am Sonntag, 18., wiederholt, Morgen, Sonntag, sowie Dienstag, 13, und Freitag, 16., finden Aufführungen von „Nathan der Weise“ statt. Im Uebrigen bringt der Spielplan der neu:zn Woche am Montag und Donnerstag „Die Kinder der Excellenz®* und Mitt- woh „Das Wintermärchen“.

Außergewöhnlich vielseitig is der neue Wochen-Spielplan des Berliner Theater gestaltet; er weist eine große Anzahl der populärsten Repertoirestü>e dieser Bühne auf, und zeigt für den Schluß der Woche die bereits erwähnte Erstaufführung voa Lindner's „Bluthochzeit* an. Der morgige Sonntag-Nachmittag und der Mittwoch bringen Wiederholungen von „Wiihelm Tell“, der morgige Sonntag-Abend den lustigen Militärshwank: „Der Garnisonsteufel“ und das einaftige Lustspiel „Sabbath des Herzens“. Auch am Donnerstag geht der „Garnisonsteufel“ in Scene, dann aber ein- geleitet vou Björnson's effektvollem Schauspiel „Die Neuvermählten“. Am Montag und am Freitag (7. Abonnements-Vorstellung) wird Richard Voß' Schauspiel „Schuldig“ in der neuen ausgezeichneten

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