1891 / 244 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

A arat i, Ant pet mrn gm E, Ca E Ä i p

Der Unteroffizier in der Kaiserlichen Suirupps S hubert ist nach einer telégraphishen Meldung am 2. Sep- tember bei Kiboscho am Kilimandscharo gefallen. A

Der „Nieuwe Amsterdam'’sche Courant“ spricht si< über die Niederlage der Expedition Zelewski folgender- maßen aus : /

Bei nohmaligem Dur({lesen der Berichte über die Niederlage der deutschen Truppen in Oft-Afrika und der in den Zeitungen darüber gebrachten Artikel fallen uns zwei Pankte besonders auf.

Zuerst ist es die Muthlosigkeit, wele die Blätter an den Tag legten, als die Nachrichten eintrafen. Sie sollten sih ein Beispiel nehmen an den Niederlanden und England. „Man kann keine Omeletten machen, ohne Eter zu zerbrehen“. Kolonien können, wie Alles, was sih zu besitzen lohnt, ni<ht ohne viele Mühe und bittere Enttäuschungen erworben werden. Wie viel Hunderte von Niederlagen haben wir im Osten und Westen erlitten, ehe wir den Frieden in den gewinnbringenden Kolonien hergestellt hatten und das Land zum Wohl der Bevölkerung verwalten konnten, wie es heute geschieht.

Dann ist es jedo besonders das Verhalten des Lieutenant von Tettenborn, weles uns größte Bewunderung eirflößt. Wir werden in Gedanken na< Atj:h verseßt. Dort sind holländishe Tcuvpen, die so sehr viel mehr an den Krieg mit einem uncivilisirten Feinde gewöhnt sind, oft in einen Hinterhalt gelo>t und plöglicþ von einem un- gezählten S(warm von Feinden umringt worden. Dann fand sich fast immer ein Offizier, der unwandelbar Stand hielt, die Zer streuten sammelte und die s{hwierigste Aufgabe löste, welche einem Befehlshaber zufallen fann, d. h. mit uners{<ütterliher Ruhe einen ordentli<hen Rückzug leitete. Die Deutshen und ihr Häufchen Eingeborener waren über? rumpelt. Sie waren in einen Hinterhalt gerathen, ehe sie ein Carré bilden konnten, ihr Ober-Befehlshaber war gefallen und die Eingebo- renen ergriffen die Flucht. Dennoch gelang es Lieutenant von Tetten- born, einige 60 Soldaten zu sammeln, mit ihnen einen Hügel zu be- seßen, diesen zu vertheidigen obs<hon er von Tausenden umzingelt war und s{ließli< Alles, was noch stehen konnte, um die deutsche Flagge zu vereinen und seine Leute dur< ein unbekanntes Land nah angestrengten Nahtmärschen in Sicherheit zu bringen. Aus unserem Lande, das den Kolonialkrieg kennt wie kein anderes, mag wohl dem Lieutenant von Tettenborn ein warmes Wort der Bewunderung ge- widmet werden. Ec ist ein Offizier nah dem Herzen der Generale Verspy>, van der Heyden, Pel 2c.

Der Kaiserlihe Gouverneur für Deuts <- Ostafrika hat unter Aushebung der Verordnung vom 12. Juni d. J, betreffend die Einführung einer Handels steuer und Schankgebühr für das deutsch:-ostafrikanishe Schußgebiet, unter dem 1. August die na<hstehenden Verordaungen erlassen.

1) Verordnung, betrefsend die Erhebung einer Ver- brauchssteuer: $. 1, Vom 1. Januar 1692 ab wird innerhalb des deutschen Schußzgebietes eine Verbrauchsfteuer erhoben, $ 2. Als Maßstab für diese Steuer gelten die Ein- und Ausfuhren, der Art, daß von jeder Ein- und Ausfuhrwaare 1# 9% ihies Werthes als besondere Steuer erhoben werden, $. 3. Die Erhebung dieser Steuer erfolgt dur< die Zollbehörde gleichzeitig mit der Zoll- erhebung und gegen Ertheilung einer besonderen Quittung. $. 4. Bei Feststellung der Steuer is allein der Werth der Waare maßgebend, ohne Rücksicht darauf, ob dieselbe zollpflichtig oder zollfrei ist. $. 5, Bei Berechnung dieses Werthes werden jedo< nicht die Preise von Sansibar, fondern diejenigen der Küste zu Grunde gclegt, die von der Zolldirektion immer von Zeit zu Zeit veröffentlicht werden. $. 6. So lange die Steuer nicht entrichtet ist, hat die Zollbehörde das Recht, die Waaren, auf Grund deren die Steuer erhoben wird, zurü>zuhalten. $. 7. Im Falle, daß Waaren im Freilager niedergelegt sind, wird die Steuer erst bei der endgültigen Einfuhr in das Schutgebiet gleichzeitig mit dem Zolle erhoben. $. 8. Jede Hinterziehung dieser Steuer wird mit Einziehung der Waare und einer Geldbuße bestraft, wel<he dem vierfachen Werthe der hinterzogenen Steuer gleihkommt. Lur Fest- seßung der Strafe sind die zuständigen Haupt-Zollämter befugt. Gegen den Strafbescheid derselben ift innerhalb einer Woche, vom Tage der Zuftellung an, die Beshwerde an den Kaiserlihen Gouverneur zu- lâssig, welhe bei der die Strafe verhängenden Behörde anzu- bringen ist,

2) Verordnung, betreffend die Besteuerung von geistigen Getränken: $.1, Die Einfuhr von geistigen Getränken im Sinne dieser Verordnung ift Jedermann gestattet, do ist süc jedes Liter eine Lizenzabgabe von 16 Pesa (} Rupie) zu entrihten, wobei die Beschaffenheit und der Alkoholgehalt der Getränke keinen Unter- schied maht. Die Einziehung der Abgabe erfolgt dur die Zoll- ämter gleichzeitig mit dem zu entrihtenden Cingang8zoll, Die Hinterziehung dieser Abgabe wird mit einer Geldbuße bis zu 900 Rupien bestraft. Zur Festsespung der Gelostrafe ist das für die Erhebung der Abgabe zuständige Haupt - Zollamt befugt, gegen dessen Strafbescheid die Beshwerde an den Kaiser- lihen Gouverneur zulässig ijt. $. 2. Das bisherige Verbot des Verkaufs und Auéschanks geistiger Getränke wird vom Tage des Inkrafttretens dieser Verordnung dahin abgeändert, daß es si in Zukunft nur noch auf Farbige erstre>t, indeß der Verkauf und Aus- schank solher Getränke an Weiße unbedingt freigegeben ist, An Farbige dürfen geistige Getränke nur ausnahmswcise mit besonderer \{rift- licher Genehmigung der Ortsbehörde (Bezirks- Hauptmann oder Sra- tions<hef), etwa in Erkrankungsfällen als Arznei, verabreiht werden. Diese Genehmigung darf jedo nicht allgemein, sondern nur von Fall zu Fall ertheilt werden. Fede Zuwiderhandlung gegen dieses Verbot wird mit einer Geldbuße von 50 bis 500 Rupien und [mit zeit- weiligem, im Rüdcfalle mit dauerndem Verbote des Ge- tränkeverkaufs und Ausschanks bestraft. Personen, welche, ohne eine Schankkonzession zu haben (vergl. Verordnung, ber treffend Ausübung des Schankgewerbes vom 1. August 1891), an Farbige geistige Getränke verkaufen oder aus\chenken, werden außer mit Beschlagnahme der sämmtlihen vorgefundenen Getränke stets mit der bôhsten zuläfsigen Geldstrafe belegt, an deren Stelle im Un- vermögensfalle eine Gefängnißstrafe von zwei Wochen tritt. Für die Festseßung der Geldstrafe ist das Kaiserliche Bezirksamt- z¿uttändig, gegen dessen Strafbescheid die bei demselben binnen einec Woche anzubringende Beshwerde an den Kaiserxlihen Gouverneur zuläfsig ist. Die Beschwerde hat keine aufshiebende Wir- kung. Die Umwandlung der Geldstrafe in Gefängnißstrafe ist vom Kaiserlihen Bezirksamt bei dem zuständigen Kaiserlichen Bezirksgerihte zu beantragen. $. 3. Unter „geistigen Getränken im Sinne dieser Verordnung sind Spiritus, Scnäpse aller Art und Liköre zu verstehen, niht aber Wein, Bier, Wermuth oder ge 8. 4. Diese Verordnung tritt mit dem 1. Oktober 1891 in Kraft,

3) Verordnung, betreffend die Ausübung des Schankgewerbes: $. 1. Der Ausschank von geistigen Getränken jeder Art ist nur mit behördliwer Genehmigung zulässig. $. 2. Die Genehmigung ift bei dem Kaiserlichen Bezirksamt na<hzusu<en und kann versagt werden, wenn Thatsahen vorliegen, na< wel<hen zu erwarten steht, daß der Gesuchsteller den be- stehenden Geseßen und Verordnungen niht na<hkommen werde. $. 3. Wird die Genehmigung ertheilt, so erhält der Gesuchsteller einen Erlanbnißschein und hat dafür eine Gebühr von 100 Rupien zu entrihten. Dieser Erlaubn ißschein hat nur für die darauf namentli<h bezeichnete Person und nur auf die Dauer des Kalenderjahres Gültigkeit. $8. 4, Die Erlaubniß kann auf Zeit oder ganz wieder entzogen werden, wenn der Inhaber derselben den bestehenden Gesetzen und Verordnungen über das Schankgewerbe zuwiderhandelt oder der Ausschank in seinen Räumen Veranlassung zur Störung der öffentlihen Ruhe und Ordnung bietet. S. 9. Wer ohne behördlihe Genehmigung den Aus\chank geistiger Getränke unternimmt oder na einer stattgehabten Untersagung fortsetzt, wird mit einer Geldstrafe von 200 Rupien bestraft. $. 6. Diese Ver- ordnung tritt am 1. Januar 1892 in Kraft.

Oesterreich-Ungarn.

Wien, 16, Oktober. Der Kaiser empfing, dem „W. T. B.“ zufolge, gestern die Söhne des Khedive Abbas Bei und Mehemed Ali Bei in besonderer Audienz.

An dem Hofdinér in Schönbrunn nahmen gestern außer dem Obers:-Lieutenat von Hugo und dem Second-Lieutenant von Winterfeld auch der deutshe Botschafts-Rath Prinz von Ratibor und das Personal der deutshen Botschaft Theil.

Die „Politische Correspondenz“ {reibt : Der Budapester „Magyar Hirlap“ bringt Mittheilungen über angebliche Ver- änderungen, welhe in dem deutsh- österreichischen Bündnißvertrage dur< den Beitritt Jtaliens bewirkt worden seien, ferner über angeb.ihe Shuß- und Truß- bündnisse Desterreih-Ungarns einerseits und Rumä- niens und Bulgariens andererseits, sowie über eine Konvention zwischen Jtalien und England bezüglich der Sicherung ihrer Jateressen in Afrika. Die „Politische Correspondenz“ erklärt fich dem gegenüber von vollkommen kompetenter Seite ermächtigt, zu versichern, daß alle in diesen Mittheilungen enthaltenen Daten, sowohl allgemeiner wie spezieller Natur, durchaus erfunden sind.

Dem „Fremdenblatt“ zufolge ist der Delegirte zu den Handelsvertrags$verhandlungen Baron Kalchberg heute nah München UrA Eb rt Die hiesige Anwesen- heit desselben habe den Zwed> gehabt, bezüglich der Behebung einiger no< nit geordneter Differenzen, welhe in den Ver- handlungen mit Jtalien no< beständen, neuerlihe Jnstruk- tionen einzuholen, die nunmehr im Einvernehmen mit der ungarischen Regierung erflossen seien.

Wie das „Militär-Verordnungsblatt“ meldet, ist der Erzherzog Eugen, Oberst und Kommandant des Jnfanterie- Regiments Nr. 100, in gleicher Eigenschaft in das 13. Husaren- Regiment versegt worden; der Kommandant der 16, Jnsanterie- Division, Feldmarschal-Lieutenant Freiherr von Wald- staetten ist unter Verleihung des Ritterkreuzes des Leopold- Ordens zum Festungs-Kommandanten von Krakau und der Oberst Graf Hartenau zum Kommandanten des 27, Jn- fanterie-Regiments ernannt worden.

Die Kommission für Wiener Verkehrsanlagen sprach si< für die Uebertragung der großen Arbeiten an eine nah dem Muster der Donau-Regulirungs-Kommission zu bildende Kommission aus, welche aus Vertretern des Staates, des Landes und der Gemeinde zu bestehen hätte,

Bei Beginn der gestrigen Versammlung des Ab - geordnetenhauses stellte der Präsident fest, daß ein Abgeordneter während der leßten Sißung versuht habe, auf den Stimmzetteln, welche für eine vorzunehmende Ersaßwahl in einen Aus\{uß vertheilt waren, den Namen eines Kandidaten zu streihen und dur< einen andern zu ersegen. Unter Anderem seien vier Stimmzettel Abwesender geändert worden. (Entrüstungsrufe.) Der betreffende Abgeordnete sei vor das Präsidium berufen und ihm die völlige Unzulässigkeit eines sol<hen Vorganges auf das Entschiedenste vorgehalten worden. Ein weiteres Einschreiten des Präsidiums sei un- thunlih, da die Geschäfteordnung für einen derartigen Vor- gang, der unmöglich habe vorausgesehen werden können (leb- hafte Zustimmung) und seit dem Bestande des Parlamentarismus in Oesterrei niht vorgekommen sei, keine Bestimmung ent- halte. Er müsse über den Vorgang, der fih eigentli< von selbst richte a li seine ganz entschiedene Miß- billigung aussprehen und daran sein lebhaftes Bedauern knüpfen, daß die Geschästsordnung leider keine Hand- habe biete, jene Censur zu verfügen, die eine solhe Unzukömm- lihkeit erheishen würde. (Lebhafter Beifall, Händeklatschen.) Der Abg. Schneider erklärte, er habe nur solhe Stimm- zettel geändert, deren Jnhaber dies gestatteten. Den vier vom Präsidenten erwähnten abwesenden Abgeordneten habe er die von ihm vorgenommene Aenderung rechtzeitig mittheilen wollen und die Diener angewiesen , diese Stimmzettel niht ein- zusammeln. Jm Ganzen habe er aht bis zehn Stimm- zettel geändert. Stimmzettel seien keine amillihen Ur- kunden. Er bedauere, dur< die Berufung zum Präsi- denten gehindert worden zu sein, weiter zu agitiren, damit sein Kandidat die ihm no< fehlenden \se<s Stimmen erhalten hätte. (Der Präsident ruft den Abg. Schneider zur Ordnung.) Er (Schneider) halte das Parlament für keine Volksvertretung, sondern für eine Cliquenvertretung. (Lang anhaltende Unruhe; Entrüstungsrufe auf der äußersten Linken; andererseits Zustimmungsrufe.) Der Abg. Graf Hohenmwart bezeichnete die Behauptung, daß die betreffenden Abgeordneten mit der Aenderung ihrer Stimmzettel ein- verstanden gewesen seien, als unwahr. (Lebhafter Beifall, Händeklatschen.) Die Abgg. Schlesinger und Geßmann vertheidigten den Abg. Schneider unter heftigen An- griffen gegen die Presse, das Klubunwesen und den herrshenden Wahlmodus. (Große Unruhe, Widerspru<h und Beifall.) Der Abg. von Plener bezeihnete eine Abänderung der Geschäftsordnung als nothwendig, damit ähnlihe Vorfälle in Zukunft ni<ht vorkommen könnten, und beantragte eine Zustimmungserklärung des Hauses zu der von dem Präsidenten dem Abg. Schneider ertheilten Rüge. (Beifall.) Der Abg. Madejski gab Namens des Polenklubs seiner vollen Zu- stimmung ju dem Antrag Plener Ausdru>. Nach langer, be- wegter Debatte wurde der Antrag mit 159 gegen 9 Stimmen angenommen. Die Jungczehen und der Abg. Fürst Lichten- stein enthielten fi<h der Abstimmung.

Das ungarishe Oberhaus nahm in seiner gestrigen Sigzung die Vorlage, betreffend die Verwaltungsreform, in der Fassung des Unterhauses an.

Großbritannien und Jrlaud.

Die „St. James Gazette“ meint, daß Angesichts der An- wesenheit von russishen Truppen in den Gebieten von Pamir ein lebhafter diplomatisher Schriftwehsel zwischen England und Rußland demnächst zu erwarten und daß jeßt, wo man von dem Vorgehen der Russen gegen afghanische und cinesishe Gebietstheile wisse, eine gemeinsame Aktion Englands und Chinas gegen das Vordringen Rußlands in jenen Gebieten nit unwahrscheinlich sei.

Der Gründungsprospekt für die neuen parnelli- tishen Blätter „Daily Jndependent Mocning Journal“ und „Eoening Herald“ is bereits am 14. d. M. in Dublin ausgegeben worden. Das Gründungskapital soll 60 000 Pfd. Sterl. betragen. Privatim sind {hon 11 000 Pfd. Sterl. ge- zeichnet. Als Zwe> der beiden Organe wird in dem Prospekt angegeben, die Politik Parnell’'s fortzuseßen, dem „Freeman's Journal“ und der „National Preß“ zu opponiren und gegen das Bündniß mit Gladstone zu eisern.

Frankreich.

Paris, 16. Oktober. Die kir{lichen- Blätter veröffent- lihen nun auch die Antwort des Bischofs von Seez auf das Cirkular des Kultus-Ministers, betreffend die Einstellung der Pilgerfahrten nah Rom. Es wird darin auf das Schärsste zurückgewiesen, daß die Bischöfe dur das Cirkular gleihsam als Schuldige hingestelt werden. Am Schluß heißt es: „Wenn auch die geheiligten Rehte der Kirhe mit Füßen getreten werden von Jenen, welche dieselben rel digen sollten, bleiben wir doch ohne Furcht für die Zukunft.“ Der Ministerrath beschästigte si<h in seiner gestrigen: Sißung mit diesen Protesten und beshloß dem „W. T. B.“ zufolge, alle ihm zu Gebote stehenden Mittel anzuwenden, um seinen Beschlüssen Geltung zu verschaffen.

Der Senat und die Deputirtenkammer nahmen gestern ihre Sißungen wieder auf. Die Sitzung des Senats war ohne allgemeineres Jnteresse. Jn Deputiitenkreisen herrshte große Befriedigung über die während der Kammer- erien erzielten Erfolge auf dem Gebiete der auswärtigen

olitik, die wohl au< auf die innere Politik ni<t ohne wohlthätigen Einfluß sein würden. Die Kammer be- <loß, am Montag mit der Berathung des Budgets zu beginnen. Der Deputirte Lesenne kündigte dem Minister Constans an, daß er wegen der Lohengrinvorstellun- gen eine Frage an ihn zu rihten wünshe. Der Minister erwiderte, er könne eine solhe Frage augenbli>li<h nicht acceptiren. Lesenne erklärte darauf, daß er seine Frage bis zur Berathung ter Budgetpost über die {önen Künste ver- schieben wolle. Der Senat und die Kammer vertagten sich bis zum Montag.

Wie von gut unterrihteter Seite verlautet, würde die französishe Regierung mit Entschiedenheit dafür eintreten, daß die Unabhängigkeit der Tuatgebiets-Oase in der Sahara gewahtt bleibe, denke aber vorläufig niht daran, diesem Entschlusse dur eine militärishe Expedition besonderen Nachdru> zu verleihen.

Rußland und Polen.

r Nothstandsfrage wird dem „Rish. Wesin.“ aus St. Petersburg geschrieben :

Das Ministerium des Innern verfolgt mit angespannter Auf- merksamkeit die Lage der Dinge in den von der ‘Mißernte heimgesuhten Gouvernements. Der Prcivat-Wohlthätigkeit es anheimstellend, eine möglichst reiche Hilfe den Nothleidenden zu erweisen, rihtet das Ministerium seinerseits scine Fürsorge darauf, daß die staatlihe Mafssen-Unter- stüßung den Darbenden zur re<ten Zeit zukomme und daß die Ver- theilung derselben eine richtige sei. Gegenwärtig ist der Umfang der Mißernte jowie das Maß der Unterstüßungs-Bedürftigkeit der Be- völkerung definitiv klargestelit. Die erste Hälfte der Aufgabe, die Beschaffung von Saatkorn, ist beendigt und man kann nun ruhig an die Organisirung der Volksverpflegung gehen. Nach den leuten Berichten ist ein bedeutender Theil des Getreides, wel<2s für die Ecnährung der Bevölkerung der am Meisten von der Mißernte heim- gesuchten Gegeñäden erforderlich ist, hon angekauft und liegt bereit oder soll zu bestimmten Terminen geliefert werden. Die Vorräthe für die Wolga - Gouvernements sollen gemäß einer Anordnung, an ihren Bestimmungsort vor Schluß der Navigation befördert werden, und zwar in fol<en Quantitäten, daß dieselben bis zum 1, Mai des kommenden Jahres ausreihen. Dorthin soli au u. A. alles Korn gesandt werden, wel<hes als Darlehen oder als Geschenk von Bauern dargebra<ht wird. Die Bevölkerung des St. Peters- burger Gouvernements hat unter dem Einfluß der Aufforderungên der Geistlihfeit und der jüngst installirten Landhauptleute beschlossen, ein halbes Pud Getreide pro Mann zu spenden.

In den vom. Nothstand betroffenen Gouvernements werden demnächst nah der „Now. Wr.“ mehrere Kongresse der örtlihen Aerzte stattfinden, um Maßregeln gegen Skorbut und Hungertyphus zu berathen, deren Ausbruch in. den heimgesuchten Gouvernements befürchtet wird. j

Der „Köin. Ztg.“ wird aus St. Petersburg telegraphirt :

Aus Margelan meldet die Samarkander Zeitung „Okreina“ räuberishe Üeberfälle auf Rufsen im Ferghanagebiet, deren eigentlihe Anstifter Engländer sein sollen. Jn den anstoßenden Khanaten gähre es in Folge beunruhigender Gerüchte. Der dortige Stamm der Koshußzi sandte Boten zum russishen Gebiets-Chef Ferghanas und bat um Vereinigung mit Raßland. Die Antwort desselben ist no< unbekannt. :

Italien.

Der Kronprinz ist gestern Nahmittag in Monza ein- getroffen. Der Minister-Präsident Marchese di Rudini kehrt: heute von Monza über Florenz direkt nah Rom zurü.

In der gestern in Rom fortgeseßten Prozeßverhandlung gegen Cipriani und Genossen wies der Staatsanwalt die gegen die Zuständigkeit des Gerichtshofs erhobenen Einwendungen. zurü>, worauf si< der Gerichtshof für kompetent erklärte. Die Verhandlungen wurden sodann auf heute vertagt.

Portugal.

Jn Betreff der Kolonie Mozambique ist in Lissabon ein Königliches Dekret veröffentliht worden, welches na dem „H. C.“ Folgendes bestimmt: ;

Die Kolonie wird fortan unter dem Namen „Freier Staat von Ost-Afrika* in die zwei Provinzen Mozambigque und Lorenzo Marquez getheilt werden. Die wirthschaftlihe Ausbeutung der portugiesischen Besitzungen in Oft-Afrika soll na< dem Vorgang Frankreichs, Deutschlands und Englands Privatgesellshatten übertragen werden, denn die Kolonie koste Portugal gegenwärtig se<s Millionen

rarcs, was für die Finanzen des Mutterlandes eine zu <were Last sei. Jenen Gesellshasten follen die Hoheitsre<hte- übertragen werden, jedo< unter strenger Kontrole der Regierung. Der Siy der Kolonialverwaltung werde Lorenzo Marquez sein. Die Bahnverbindung zwischen Quilimane und dem Schire-Fluß werde ersterem Orte eincn bedeutenden Aufshwung feines Handels. bringen. Die jährlihe Ersparniß für Portugal werde 3 875 000 Fres. betragen. Ferner werden die Zolltarife für Sanct Thomas, die Cap Verdischen Inseln, Guinea und Angola demnächst revidint und hier- dur< eine Erhöhung der Einnahmen um 2 Millionen erzielt werden. Von Guinea und der Insel Timos abgesehen, sei die Finanzlage der Kolonien eine befriedigende. Jn Mozambique und Lorenzo Marquez sollen Königliche Kommissionen eingeseßt werden. Die Compagnien von Mozambique, Inhambane und Delagoa sollen unter einem Intendanten stehen, der von dem Minister ernannt wird.

Schweiz.

Der Bundesrath hat in seiner Sigzung vom 13. d, M. die Organisation des eidgenössishen Betreibungs- und. Konkursamtes genehmigt. /

Aus Mendrisio im Kanton Tessin wird der „N. Zürch. Ztg.“ vom 14. d. M. berichtet :

Das Leichenbegängniß des ermordeten Apothekers Buzzk gestaltete si< zu einer Kundgebung der liberalen E Fast an allen Häusern waren umflorte Fahnen ausgehängt. an \>äßte die Zahl der Theilnehmenden auf 3000 Personen. Luf dem Wege, den der Leichen- zug nehmen mußte, waren die Geschäftslokale geschlossen. Dreißig Ver- eine mit Fahnen und mehreren Musikcorps betheiligten s<. Auf dem Friedhofe \prahen Advokat Stoppa, Joseph Borella, Professor

Mola und Andere. Es trat kein Zwischenfall ein. Am Nachmittag ver- breiteie sih das Gerücht, daß auf dem das Land beherrshenden Thurm bewaffnete Konservative si< befänden und unter diesen die beiden des Mordes an Buzzi bezihtigten Brüder Ortelli. Gegen hundert und fünfzig Personen zogen plöpgli< zum Polizeigebäude, indem sie riefen; „Wir wollen Gerechtigkeit!“ Auf dem Polizeiposten fanden sie den Instruktionsrihter Lotti, den Polizei- Hauptmann Reichlin, welher no< ni<t in Uniform war, aber sein Amt soeben angetreten hatte, und ein Polizeipike,. Die Rufe wurden immer lauter und aus der Menge verlangte man die Ent- fernung des Kommissärs Ginella und der beiden Polizisten, wel<he bei dem traurigen Vorfall zugegen gewesen waren. Lotti trat heraus, um zu reden und die Versiherung abzugeben, daß Gerechtigkeit walten werde. Die Rufe vermehrten ih indessen von Neuem, und bald wäre es zu einew Zusammenstoß mit der Polizei gekommen. Diese {loß vo:sihtig sofort die Thüce. Die Aufregung dauerte fort. Viele einflußreiwe Persönlichkeiten suchten die Ruhe bei der Men1e herzustellen, aber die Erbitterung ist groß.

Eine am Dienstag Abend in Bellinzona abgehaltene Volksversammlung verlangte, wie der „Köln. Ztg.“ ge- meldet wird, vom Staatsrath Abseßung des Regierungs- Statthalters Ginella und des Untersuhungsrichters Primavesi des Bezirks Mendrisio, weil fie bei der Verfolgung der Mörder Buzzi's ihren Amtspflihhten niht nachgekommen seien.

Belgien.

Als Tag der von der sozialistishen Partei ge- planten Massen-Demonstration für das allgemeine Stimmrecht ist, wie die „Frkf. Ztg.“ aus Brüssel erfährt, der 9, November festgeseßt. Jn jedem Stadtviertel sollen vorher große Meetings abgehalten und Tausende von Mani- festen an das Brüsseler Volk vertheilt werden, um es zur Theilnahme an der Demonstration aufzufordern.

Türkei.

Ueber die Lage auf Kreta wird der „A. C.“ aus Athen unter dem 14, d. M. berichtet :

Die Lage auf ter Insel bessert sich. Der Gouverncur ist in der [cten Zeit weise und maßvoll aufgetreten. Er ist milde gegen die Un zufriedenen und hat selbst einigen Christen Stellen in der Gendar- merie angeboten. Die Kreter hoffen, daß ihren die Rechte, welche ibnen der Firman von 1889 entzog, in Bälde wiedergeg-ben werden. Ebe dieser Erlaß nicht wieder aufgehoben wird, i} an Frieden nicht zu denken, Sollten ihnen ihre Forderungen vorenthalten werden, so werden die Christen sich niht an den nä<sten Wahlen betheiligen. Der Erste Sekretär der russischen Gesandtschaft in Athen ist nah Kreta abgereist, die grichishe Presse \<hreibt viel über den Zwe> dieser Reise.

Schweden und Norwegen.

(F) Sto>holm, 12, Oktober. Gestüßt auf die Vor- {läge der Marinestations-Kommandanten und der Chefs der Wersten zu Stockholm und Karlskrona hat die Marine- verwaltung bereits eine Uebersicht der Ausgaben für die Marine im Jahre 1893 ausgearbeitet und dem Chef des Seevertheidigungs - Departements zugestellt. Nach dieser Uebersicht, die dem Marine:Etat für 1893 als Grund- lage dienen dürfte, wiederholt die Marineverwaltung ihre schon öfter aufgestellte Forderung, daß die ordentlihe Be- willigung zum Neubau und Unterhalt der Flotte um 2 000 000 Kronen jährlih erhöht werde. Die Verwaltung verweist bezüglich der Nothwendigkeit dieser As auf den hon früher dargelegten Zustand der Flotte. Eventuell will das Departement verlangen: eine ordentliche Be- willigung von 1239000 Kronen für den Unterhalt der Flotte, den ganzen Rest von 1118000 Kronen von der im Fahre 1890 bewilligten Summe von 2 868 000 Kronen für den Bau des Panzerschiffes „Thule“ (angewiesen sind für 1891 500000 Kronen und für 1892 1 250 000 Kronen), ferner, da die Nothwendigkeit der An- schaffung weiterer Panzerschiffe vorliege, die Mittel zum Beginn des Baues eines vierten Panzerschiffes von der Art der „Svea“. Da der Bau eines solhen Schiffes mit voller Ausrüstung an Geschügen, Projektilen, Pulver, Minenapparaten u, #\ w. jeßt mehr kosten werde als die zuerst gebauten Schiffe „Svea“ und „Göta“, so seien 3089 000 Kronen als Baukosten in Ansa zu bringen und davon 1 000 000 Kronen für das Jahr 189 anzuweisen, Zur Anschaffung von Artilleriematerial werden 304 300 Kronen, zur Anschaffung von drei shweren Geschüßen nebst Laffeten für die Festung Kungsholm 290 000 Kronen (zu diesem Zwe> sind s{hon 200 Kronen für 1891 be- willigt), für Stahlprejektile und braunes Pulver sowie für die Bettung dieser Geschüße 102 800 Kronen verlangt. Für Minenarbeit sind shließli< 150 000 Kronen, für Vollendung der Küsten-Signal- und Telephonstationen 46 000 Kronen u. s. w. in Ansay gebra<t worden.

Dänemark.

O) Kopenhagen, 14, Oktober. Jn der geaen Sißung des Folkethinges, in welh:r die erste esung des Finanzgeseßentwurfes sür 1892/93 begann, ergriff Conseilspräsident Estrup das Wort, um auf verschiedene Aeußerungen von Abgeordneten zu antworten. Der“ vor- gelegte Entwurf zeige in Wirklichkeit keinen Fehlbetrag, wenn nur die ordentlihen Ausgaben in Betracht gezogen würden. Vergleihe man den Bestand der Staatskasse von damals, als er Finanz-Minister wurde, und von jeßt, also eine mehr als siebzehnjährige Periode, so sei der Bestand von 88 Millionen Kronen auf 58 Millionen Kronen gesunken und die Staatsschuld von 1811/, Millionen Kronen auf 1838/4 Millionen Kronen gestiegen. Nach diejer Berehnung zeige si< ein Rü>kgang von 321/, Millionen Kronen; es sei aber hierbei auf viele andere Verhältnisse Rücksicht zu nehmen. Die Staatskasse habe u. A. gegen 41/2 Millionen Kronen bei den westindischen Inseln zu Gute, die Darlehne an verschiedene Jnstitutionen seien von 423 000 Kronen auf 2 734 000 Kronen gestiegen. Dur

die Konvertirung der Staatsschuld sei ine Ersparni

von 550000 Kronen erzielt, wodur<h die unverzinslichen Darlehne und die westindishe Shuld mehr als gede>t würden. Schließlih habe der Ankauf der seeländischen Eisenbahnen die Staatsschuld auf ihre jeßige Höhe gebraht. Werde die Erwerbung dieser Bahnen mitgerehnet, dann zeige si, daß in dem angegebenen Zeitraum statt des Rückganges von 32 Millionen Kronen eine Vermögenszunahme von 20 Millionen Kronen stattgefunden habe. Es werde gewinns gesagt, daß der Militarismus die Taschen er Steuerzahler leere. Ans dieser Veranlassung habe er eine

17 gegnung vorgenommen, welche zeige, de während der

17 Jahre 105 Millionen Kronen für civile Veranstaltungen ausgegeben worden seien, für außerordentliche militärische aber nur 76 Millionen Kronen. Diese Ausgaben habe man also in den 17 Jahren bestreiten können und habe denno einen Vermögenszuwachs von 20 Millionen Kronen erzielt. Jn diesem Zeitraum seien auch die Etats des Ministeriums des Junern von

1400 000 Kronen auf 4680000 Kronen, des Kultus- Ministeriums um mehr als 21/, Millionen Kronen und des Finanz-Ministeriums um ca. 300 000 Kronen gestiegen. Diese ahlen bezeugten, daß die Behauptung, die Kräfte des Landes würden vorzugsweise zur Erweiterung der militärishen Ver- anstaltungen aufgewendet, in hohem Grade übertrieben sei.

Amerika.

_ Vereinigte Staaten. Präsident Harrison hat, wie „W. T. B.“ aus Washington meldet, anlä lih des Todes des deutshen Gesandten Grafen Arco Valley an den Gesandten der Vereinigten Staaten in Berlin Mr. Phelps ein Beileidstelegramm abgesandt.

Ueber das am 1. September in Kraft getretene Reci- procitätsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika und San Domingo wird in der „New-Yorker Handels-Zeitung“ berichtet: :

„Seit mehreren Jahren hat die Regierung von San Domingo

eine Anzahl von Artikeln im Interesse der Landwirtbs<aft der Republik zollfrei eingelassen Zufolge den Bedingungen des kürzlich zwischen San Domingo und den Vereinigten Staaten getroffenen Reciprocitätsabkommens is die betreffende Freiliste für alle Länder mit Ausnahme dec Vereinigten Staaten abges<afft worden, Im Einklang mit dem betreffenden Reciprocität- abkommen hat der Präsident der Republik San Domingo am 8. August eine Erklärung erlassen. dur< welche bestimmt wird, daß auf folgende Artikel, wenn sie aus irgend einem anderen Lande als den Vereinigten Staaten kommen, ein Zoll von dur(hh- \<nittli< 60% ad valorem erhoben werden soll; Maschinen, Werkzeuge und Geräthschaften für landwirth\<aftlihe und industrielle Unternehmvngen, Talg, Maschinenöl, Guano, Dungstoffe, Zink, galyanisirtes Eisen, Kupferwaaren, Zu>ersä>e, Eisenbahn- material, Stacheldraht und Kohlen. Auf folgende Artikel, welche bisher nur einen Zoll von 109% entrichteten, müssen von nun an (immer die Vereinigten Staaten ausgenommen) 60 % entrichtet werden: Holz, Bauholz, Scindeln, Kacheln und alle anderen Stoffe für Dächer, Ziegelsteine, Fliesin, Cement, Eisen, Stabl und Kupfer in Platten und Barren, Nägel, Schrauben, eiserne, kuvferne und bleierne Röhren, Seile und Taue, Wagen, Karren, Schubkarren, Boote und Lichters<{iffe.“ _ Brasilien. Die brasilianishe Regierung erklärt die im Auslande verbreiteten Meldungen über die in Rio de Janeiro stattgehabten Tumulte für übertrieben. Die- selben hätten keinerlei politishen Charakter gehabt, und ihre unrichtige Darstellung sei auf politishe und Börsenmanöver zurüd>zuführen. Gleichzeitig wird offiziell die finanzielle und ökonomische Situation für sehr günstig erklärt. Für dieses Budgetjahr hält die Regierung einen Üebershuß von 30 000 Contos Reis für wahrscheinlich.

Die Kammer hat, der „Pol. Corr.“ zufolge, dem Kaiser Dom Pedro eine jährlihe Subvention von 120 Contos Reis (275 131 M) zuerkannt, die Berathung des Antrages auf Aufhebung des Verbannungsdekrets jedo abgelehnt.

Uruguay. Eine vom 13. d. M. datirte Depesche des „New-York Herald“ aus Montevideo enthält folgende weiteren Einzelheiten über die telegraphish gemeldete, inzwischen bereits niedergeworfene Revolte:

Die Aufrührer gehörten einem Klub an, welcher sih „die Junta“ nannte und eigens zu dem Zwe> gegründet war, eine Revolution berbeizuführen. Sie katten mit Zuversiht erwartet, einen Theil des Militärs auf ihre Seite zu bringen. Nacdem sie ihr Hauptquartier ver- lassen hatten, um ihren Plan zu verwirklichen, begaben sie si nach der Ar- tillerie:-Kaserne, wurden jedoch in demselben Moment, in weichem sie diese betraten, gefangen genommen, Der Rädelsführer Señor Pantaleon Perz versubte zu entfliehen und wurde dabei ershossen. Eine bewaffnete, 200 Mann starke Schaar, die vor der Kaserne gewartet hatte, zog sih, von dem Schi>sal ibrer Gefährten verständigt, nah dem National- Klub zurü>. Als bald darauf ein Bataillon Soldaten an dem Klubgebäude vorübermarschirte, eröffneten sie Feuer auf dasselbe und verwundeten drei Offiziere. Die Truppen erwiderten das Feuer, tödteten 53 her- vorragende Mitglieder der Junta und verwundeten viele Andere. Der etwa 699 Mann starke Rest der Insurgenten verlor hierauf den Muth und floh in großer Bestürzung. Die Aufständishen bes<huldiaten den Oeerft Latorre des Verraths, da dieser ihnen den Beistand der Truppen zugesichert hatte. Es unterlieat keinem Zweifel, daß die Junta den Präsidenten zu ermorden beabsibtigte und 20 Sicilianer mit der Auf- gabe betraut hatte. Der Chef der Polizei entde>te jedo< re<tzcitig das Komplott und warnte den Präsidenten. 4 Rädels- führer sind verhaftet, und die Ruhe is wieder hergestellt worden. Die Rebellen haben jeßt im Lande einen Guerillakrcieg organisirt. Die Anhänger der Regierung schieben der Geistlichkeit die Schuld an dem Aufstand zu und sagen sogar, daß ein Bischof eine revolutionäre Rede gehalten habe. Der Kongreß hat über Montevideo das Stand- ret verhängt, Wie si< herausgestellt hat, boten die Insurgenten dem Commandeur der Artillerie 300 000 Doll., wenn er die Stadt in ihre Hände liefern wollte.

Asien.

China. Dem „Reuter'shen Bureau“ wird nunmehr auch aus Shanghai gemeldet, daß die Nahricht von dem Abbruch der Verhandlungen der europäishen Gesandten mit der <inesishen Regierung unwahr sei, wennshon die Vertreter der fremden Mächte mit dem Ausdru> ihrer Unzufriedenheit über die von der chinesishen Regierung zum Schuß der Ausländer in den Vertragshäfen getroffenen Maß- regeln niht zurü>gehalten hätten.

Kunft und Wissenschaft.

Es wird sowohl den Ausstellern, als den Besuchern der Deutschen Ausstellung in London von Interesse sein zu erfahren, daß der Vorstand sih ents<lossen bat, das als Auszeihnung zu vertbei- lende Ehrendiplom in Gestalt eines vornehmen und werthvollen Kunstblattes in Photogravure und Kupferdru> herstellen zu lassen. Die Komposition der Originalzeihnung iff dem Maler A. Unger in Berlin übertragen worden. Der Künstler lehnt sich in der Darstellung an einen Entwurf des Herrn Professors E. Doepler d. J. an und zeigt in einer leiht und flott gehaltenen Umrahmung eine \{webende, weiblihe Idealfigur, welche in der einen Hand einen Lorbeerkranz darreiht und mit der andern die kündende Posaune zum Munde führt; eine zu ihren Füßen fliegende Putte hâlt das Wappen der Stadt London dem Beschauer entgegen. Die Darstellung ist gekrönt vom Reichsadler, zu dessen Seiten die Wappen der Künstlershaft und der Industrie angebracht sind. , Der Vordergrund des Bildes enthält auf Kunst, Gewerbe und Handel hinweisende Embleme. Aeußerst reizvol und künst- leris< gelungen j die im Hintergrunde si< zeigende Ansicht dec \<hiffbelebten Themse und der aus einem Nebelmeere aufsteigenden Silhouetten der Westminster-Abtei und des Parlamentshauses. Die in ihrem Reichthum der Dar- stellung künftleris<h fein gegliederte Komposition umschließt den in \<öôner deutsher Schrift ausgeführten Text der Auszeihnung. Die Reproduktion dieses Kunstwerks ift der bekannten Graphischen Kunst- anstalt von H. Riffarth in Berlin übertragen worden, Sowohl die Unger’\{he Originalzeichnung als die sehr gelungene Riffarth'she Ver- vielfältigung find im hiesigen Kunstgewerbe - Museum aus-

gestellt.

In der Hauptversammlung des Vereins für deutsches: Kunstgewerbe am Mittwoh \prah Herr Dr, Jessen über das deutsche Kunstgewerbe zur Zeit S<hlüter's. Der Vortragende hatte eine Reihe seltener Zeihnungen und Photographien aus der Bibliothek des Kunstgewerbe-Museums ausgestellt, welche die Stileigenthümlichkeiten der Kunstepoche um 1700 veranshaulihten. In der Beschreibung dieser Blätter schilderte er die Entwi>kelung des deutschen Baro>stils und die in demselben hervortretende Mischung italienisher und französischer Motive, welche die hiesigen Künstler der deutshen Art anzupassen sih bestrebten. Herr Hof-Goldshmied Schaper legte einen von ihm ent- worfenen und ausgeführten kostbaren S<hmu> vor, wel<er als Erb- und Familienstü> für eine füddeutshe bürgerliche Familie bestimmt ist und sich dur die daran angebra<ten Wappen als folcher kennzeihnet. Die pra<htvolle Arbeit erregte allgemeine Aufmerksamkeit. Ferner hatte Herr Maler Kißling ein auf Kacheln unter Glafur ausgeführtes Bild der Königin Luise ausgestellt. Herr Teey berihtete über ein neues wichtiges Unternehmen: die Ecrihtung eines in großem Stil angelegten Kaufhauses für Kunst und Kunstgewerbe im Neubau der Firma Hen>els in der Leipziger Straße. Hervorragende Müntwener, Wiener, Stuttgarter 2c. Firmen haben ihre Betheiligung zugesagt, au< das Berliner Kunstzewerbe wird {i vorausfihtli< lebhaft betheiligen. E E

S In Elberfeld sind seit gestern die Entwürfe zu einem Kaiser Fried rih-Denkmal daselbst öfentlih ausgestellt. Wie die „Köln. Ztg.“ berichtet, haben Entwürfe eingesandt Professor Gberlein von hier, Bildhauer W. Neumann (Rom) und Bildhauer R Schweiniyz (Berlin). Bildhouer Albermann (Köln), der Schöpfer des Kriegerdenkmals in Elberf&o, welcher ebenfalls zum Wettbewerb aufgefordert worden war, hatte si wegen anderweiter außerordentlicher Inanspruchnahme außer Stande erklärt, bis zum 1. Oktober ein Modell einzusenden. Die Modelle sind in einem Fünftel der zur Ausführung bestimmten Größe hergestellt. Die Preisrihter haben den Entwurf des Bildhauers Eberlein (Berlin) mit einigen Abänderungen zur Ausführung empfohlen. Bildhauer W. Neumann (Rom) erhielt als besondere Anerkennung für seine Arbeit 1000 M4

In Leipzig is gestern der Professor der deutshen Sprache und Literatur an der dortigen Universität Dr. phil. Friedri h Zarn>e im Alter von 66 Jahren gestorben. In ihm verliert die deutsche Philologie einen ihrer bervorragendsten Vertreter, die Uni- versität Leipzig einen ihrer bedeutendsten Lehrer. Friedrich Zarn>e war, wie die „Mgdb., Ztg.“ meldet, ein geborener Me>len- burger; er hatte in Rosto>, Leipzig und Berlin studirt und sich 1850 in Leipzig niedergelassen, wo er das no< heute be- stehende „LiterarisWe Centralblatt“ begründete. Zwei Wahre später habilitirte er \si< an der dortigen Universität, der er dann bis zu seinem Tode seit 1858 als ordentliher Professor angzhörte. Von seinen zahlrei<hen Schriften verdienen Erwähnung die aus- gezeihnete Ausgabe von Sebastian Brandt's „Narrenshifff“, sowie seine in die leßten Jahre seines Lebens fallerden Studien über Christian Reuter, den Verfasser des „Schelmufski“. Dur nit minder verdienstvolle Arbeiten hat er das Studium des Heliand und des Nibelungenliedes gefördert und die Geschichte der deut|<en Univer- sitäten dur< werthvolle Beiträge bereichert.

Der Löwe von Chaeronea, jenes berühmte Grabdenkmal der im Jahre 338 im Kampfe gegen Philipp von Macedonien ges fallenen Athener und Thebaner, soll, wie man der „N. Pr. Ztg.“ \hreibt, nunmehr vollständig freigelegt und refkonstruirt werden. Das sehr umfangreihe Marmor-Bildwerk is im Laufe der Jahrhunderte in mehrere Stücke zerfallen, von denen mehrere vom Erdreich über- d >t, andere aber von Engländern erworben und dem britischen Museum in London zugeführt worden sind. Die grie<{is<e Regierung hat daher mit der Archäologishen Gesellschaft zu Athen in Verbindung geseßt und die Summe von 30 000 Drachmen für die Ausgrabung der no< vorhandenen und die Nachbildung der na< London gebrahten Stücke zur Verfügung gestellt, wozu die Ges sellshaft aus eigenen Mitteln no< eine glei große Summe bewilligt hat. Zur Mitarbeit an dem Werke sollen zwei hellenishe und ein auéländischer Bildhauer herangezogen werden ; do<h hat man zuvor die in Athen bestehenden ausländischen arhäologishen Institute um Gut- a<hten über die Gesammtstellung des Bildwerkes ersucht.

Verkehrs-Anstalten.

Laut Telegramm aus Köln (Rhein) hat die erste englische Post über Ostende vom 15. d. M. in Köln den Anschluß an Zug 91 nah Berlin bezw. Hambur nicht E Grund: Sperrung des Geleises auf dem Bahnhof in Köln.

Bremen, 15. Oktober. (W T. B,) Norddeutscher Lloyd. Der Schnelldampfer „Werra“ hat heute Mittag auf der Reise nah New-York Dover passirt. Der Dampfer , Köln“, auf der Fahrt na< Brasilien und der Dampfer „Kronprinz Friedrich Wilhelm“, nah dem La Plata bestimmt, sind heute von Ant- werpen abgegangen. Der Dampfer „Berlin* is heute von Lissabon abgegangen, der S<hnelldarapfer „Spree“ gestera Nach- miîtag in New-York angekommen. Der Schnelldampfer „Lahn“ ist gestern Nabmittag von Southampton, der Dampfer „,Ne>ar“ gestern von Adelaide abgegangen. ;

Hamburg, 15. Oktober. (W. T. B.) Hamburg-4meri- kanishe Pa>etfahrt - Aktiengesell\<aft. Der Posi- dampfer „Rugia“ ist, von New-York kommend, heute Morgen auf der Elbe eingetroffen. Der Postdampfer „Fürst Bismar>“ hat, bon New-York kommend, heute Morgen Lizard passirt.

Wien, 14. Oktober. (W. T. B.) Die Konfe-enz, betreffend Sélußredaktion des revidirten Betriebsreglements des internatio- nalen Ei senbabnbetriebsre<{ts wird Anfang November hier zusammentreten. Die ungarische Regierung bat die Theilnahme an den Verhandlungen gleichfalls zugesagt.

Wien, 15. Oktober. (W. T. B) Der österreihis<-ungaris<he Lloyd giebt bekannt, in Folge des Ausbruchs der Cholera in Damaskus seien für die Beirutber Provenienzen Quarantänemaß- regeln angeordnet, weshalb die Schiffe des österreihis<- ungarisc<en Lloyd den Beiruthber Hafen bis auf Weiteres nit berühren werden.

London, 15. Oktober. (W. T. B.) Der Union-Dampfer „Pretoria“ ift auf der Heimreise gestern von den Canari- schen Inseln, der Castle-Dampfer „Hawarden Castle“ auf der Ausreise heute von Madeira abgegangen. Der Union- Dampfer „Athenian“ ift am Mittwoh auf der Heimreise von Capetown abgegangen.

16, Oktober. (W. T, B.) Der Union-Dampfer ,Nubian“ ist gestern auf der Ausreise von Madeira abgegangen.

Theater nnd Musik.

Sing-Akademie.

Eine junge sehr begabte Pianistin, Fräulein Sophie von Posnansky aus St. Petersburg, gab gestern ihren ersten Klavier- abend. Aus der Schule Rubinstein's hervorgegangen, zeugt ibr Spiel von den sorgfältigsten Studien. Die Kraft des Anschlags, die nie in Uebertreibung ausartet, und die Zartheit ibres Pianos, sowie ihre stets interessante und temperamentvolle Art des Vortrages kamen der Wirkung ibres Spiels sehr zu statten. Das gut gewählte Programm enthielt Klavierstü>e von Schumann, Chopin, Bach, Scarlatti, Beethoven, Rubinstein und Liszt. Anhaltender Beifall und Hervorruf belohnten die Leistungen der Künstlerin, die für die Zukunft zu den s{<önsten Hoffnungen berechtigt.

Philharmonie. Der Pianist Herr Sigismund Blumner, jüngerer Bruder des Direktors der Sing-Akademie, wohlbekannt durh seine vor 25 Jahren in Gemeinschaft mit dem Violinisten Herrn Grünwald hierselbst gegründeten Montagsconcerte, gab nah längerer Abwesen- heit von Berlin geftern ein Concert, wel<es leider niht sehr zahl-

rei besu<t war. Von jeher die klassischen Meisterwerke pflegend,