1891 / 247 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

worden, daß die dur< die Oeffentlichkeit der Sißungen der Handelskammern ermöglihte Kontrole der Thätigkeit dieser Körperschasten dur<h das Publikum so sehr dem Interesse des Staats wie der Handel- und Gewerbe- treibenden entspreche, daß Werth darauf gelegt werden müsse, den Grundsay der Oeffentlichkeit der Verhand- [lungen auch bei denjenigen Handelskammern durchgesührt zu sehen, welche ihn bisher niht angenommen hätten.

Der Kaiserlihe Gesandte am Königlich niederländischen Hofe, Geheime} Legations-Rath Graf zu Rantzau ist von dem ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub nah dem Haag zurü>gekehrt und hat die Geschäfte der Gesandtschaft wieder übernommen.

Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Königlich sächsische Geheime Finanz:-Rath Dr. von Körner ist hier eingetroffen.

Der Königlih großbritannishe Botschafter am hiesigen Allerhöchsten Hofe Sir Edward Malet ist vom Urlaub nah Berlin zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Botschaft wieder übernommen.

Der Regierungs-Assessor Hartwig zu Duderstadt ist dem Landrath des Kreises Osterode, Regierungsbezirk Hildesheim, zur Hülfeleistung in den landräthlichen Geschäften zugetheilt wörden.

Der Regierungs-A}sessor von Raven stein zu Schleswig ist an die Königliche Regierung zu Liegniß verseßt worden.

Der Regierungs-Assessor Brin>mann zu Danzig ist der Königlichen Regierung zu Frankfurt a. O. zur weiteren dienst- lichen Verwendung überwiesen worden.

Die Regierungs: Referendare von Mallin>rodt aus Münster, Lex aus Stade und Kirchhoff und Steimer aus Posen Babe die zweite Staatsprüfung für den höheren Verwaltungsdienst bestanden.

S, M. Kanonenboot „Wolf“, Kommandant Korvetten- Kapitän Hellhoff, ist am 17. Oktober in Shanghai einge- troffen und beabsichtigt, am 22. nah Hankow in See zu gehen.

Der heutigen Nummer des „Reichs- und Staats-Anzeigers“ ist eine „Besondere Beilage“ (Nr. 5), enthaltend Entschei- dungen des Reichsgerichts, beigefügt.

Köln, 18. Oftober. Der Reichsbank- Präsident Dr. Koch, welcher zum ersten Male in seiner jeßigen amtlichen Eigenschaft die Rheinprovinz besuht, war gestern der Mittel- punkt eines glänzenden, ihm von d: m Handelsstande der Rhein- lande bereiteten Festes im hiesigen Civilkasino. An dem Festessen nahmen außer den Mitgliedern der hiesigen

andelskammer und des Bezirksausshusses der Reichsbank- Hauptstele die Vorsißenden von 18 rheinishen Handels- kammern (es waren von 20 nur das entlegene Saarbrücken

und Eupen ni<ht vertreten), ferner als Ehrengäste der Ober - Bürgermeister von Köln, die Präsidenten des Ober - Landesgerichts, der Regierung, der beiden rheinishen Eisenbahn - Direktionen, der Provinzial - Steuer- Direktor, der Yber - Staatsanwalt und andere Vor- steher von Behörden und Korporationen Theil. Das Hoch auf den Kaiser als Beshüßer und Förderer von Handel und Gewerbe brachte der Ober - Landesgerichts - Präsident Wirkliche Geheime Ober-Justiz-Rath Dr. Stru>mann aus. Jhm folgte ein Hoh auf den Gefeierten aus dem Munde des Vorsitzenden der hiesigen Handelskammer, Kommerzien-Raths Michels, welher auf die Verdienste der Reichsbank um das Erwerbsleben der Rheinprovinz und ihre erfolgreiche Leitung dur den jeßigen, wie durch den früheren Präsidenten hinwies. Ein nohmaliges Hoh auf den Präsidenten Dr. Koch brachte der Senats: Präsident Heymer, Bank-Kommissarius der Neichsbank- Hauptstelle, aus, indem er der Fürsorge des Präsidenten für die Beamten und der umfassenden, auf manchen Gebieten bahnbrechenden, schriftstellerishen Thätigkeit desselben gedachte. Nunmehr antwortete Präsident Dr. Koh selbst in s<hwung- voller Rede mit mancherlei Rückbli>en auf die Vergangenheit Kölns und der Bank. Er gab dem au von Seiner Majestät dem Kaiser bei Allerhöhstdessen lezter Anwesenheit in Köln ausge- sprochenen t Ausdru>, daß unter den Segnungen des Friedens Köln feinen alten Glanz als eine führende Stadt im west- und süddeutshen Handel, als Hauptstadt der blühen- den Rheinlande bewahren und no<h erhöhen möge, und {loß mit einem Hoh auf Handel und Gewerbe in der Rheinprovinz. An diesen begeistert aufgenommenen Trinkspruh schlossen si< no<h manche andere Seitens der Herren Ober-Bürger- meister Becker, Eisenbahn - Direktions - Präsident Rennen, Regierungs-Präsident von Sydow, Ober-Staatsanwalt Hamm und mehrerer Präsidenten von Handelekammern auf das Vaterland, die Behörden, die Stadtverwaltung, zum dritten Male auf den Reihsbank-Präsfidenten u. st. w. an. Die ganze Feier, an welcher mehr als 130 Personen Theil nahmen, verlief in gehobenster Stimmung und zeugte von der vollen Harmonie zwischen den Kreisen des Handels und der Bürger- schaft und der Beamtenwelt.

Sachsen-Weimar-Eisenach.

Weimar, 19, Oktober. Seine Königlihe Hoheit der Erbgroßherzog hat sih der „Th. C.“ zufolge gestern nah Schloß Heinrichau begeben.

Sachsen-Coburg-Gotha.

Coburg, 19. Oktober. Jhre Hoheiten der Herzog und die Herzogin sind, wie die „Cob. Ztg.“ meldet, gestern Nacht aus Tirol hier wieder eingetroffen.

Oesterreich-Ungarn. Wien, 19, Oktober. Jhre Majestät die Kaiserin

Friedrich und Jhre Königliche Hoheit die Prinzessin Margarethe sind heute Nachmittag von FFnnsbru> nah

Trient abgereist, wo, wie „W. T. B.“ mittheilt, ein längerer Aufenthalt in Aussicht genommen ist.

Graf Zedtwitz sandte gestern im Namen des Aktions- Comités der Prager Ausstellung ein Telegramm an den Kaiser mit der Mittheilung, - daß die unter dem Protektorat Seiner Majestät stehende Ausstellung unter vieltausend- stimmigen Slava- und Hochrufen geschlossen worden sei. Gleichzeitig wurden no< Telegramme an den Minister- Präsidenten Grafen Taaffe, an den A>erbau - Minister Grafen Falkenhayn und den Handels-Minister Marquis Bacqueh2zm abgesandt. Graf Taaffe antwortete alsbald telegraphisc, er sei hocherfreut über die loyalen Kundgebungen bei dem Schluß des so glänzend begonnenen und durhgeführten Unternehmens.

Jm ungarischen Unterhause warf Graf Apponyi gestern bei der weiteren Debatte über das fünfmonatliche Budgetprovisorium unter dem Beifall der Linken dem Justiz-Minister sein passives Verhalten bei der Be- rathung der Verwaltungsreform-: Vorlage vor und behauptete ferner, der Minister habe seinen Standpunkt bezügli der Auffassung des Ausgleihs vom Jahre 1867 geändert, seitdem er Minister geworden sei. Der Minister-Präsident Graf Szapary wies in längerer Rede unter lebhafter Zu- stimmung der Rechten die Ausführungen des Grafen Apponyi zurü> und legte die Berechtigung des Ansuchens um das Budgetprovisorium dar. Hierauf wurde die Weiterberathung auf heute vertagt.

Großbritannien und Frlaud.

Der Schatßkanzler Goschen unterzog in einer kürzlich in Cambridge vor einer konservativen Versammlung gehaltenen Rede das Programm der liberalen Partei, wie es unlängst in Newcastle festgestellt worden is, einer scharfen Kritik. Das Programm habe, so etwa führte er nach der „A. C.“ aus, die Auflösung fast aller bestehenden Einrichtungen im Vereinigten Königreih zum Zwe>, so die Auflösung der Kirhe in Wales und Schottland, die Auflösung des Bandes, welches England mit Jrland verbindet, und die Auflösung des Oberhauses, falls dieses die Home Rule-Bill verwerfin sollte. Fast jeder Punkt des Newcastler Pro- grammes verlange die Auflösung der einen oder anderen Ein- rihtung, um dadurch die Stimmen der Wähler zu gewinnen. Der Leiter der Opposition habe einen so ausgedehnten gigan- tischen Plan nur deshalb entworfen, weil er eingesehen habe, daß Home Rule allein wenig Anziehungskraft für die schottischen Wähler besiße und daß, wenn er sie dur<sühren wolle, er sie zwischen anderen Reformen, welche größere Zugkraft ausüben, dur<hs<muggeln müsse. Da die Gladstone’she Partei aus einer Anzahl verschiedener Sektionen zusammengeseßt sei, von denen jede ihre besonderen Lieblingspläne habe, so habe Gladstone so viele verschiedene Versprehen in seine Rede gelegt, daß jedermann in ihr das finde, was er gerade wünsche. Daß dieses Programm im nächsten Parlament ausgeführt werden könne, selbst wenn Gladstone wieder zur Macht kommen sollte, sei absolut unmögli. Jn Hinsicht auf den Home Rule-Plan äußerte sih der Redner dahin: es sei ihm gleichgültig, ob Gladstone denselben vor oder na< Auflösung des Parlaments enthülle, Theile er ihn vorher mit, so würden ihm die Unionisten no< vor den nächsten allgemeinen Wahlen ein Ende bereiten; theile er ihn nachher mit, so würden die Unionisten auf einem neuen Appell an das Volk bestehen.

Frankrei.

Paris, 20. Oktober. Der Senat nahm gestern, wie „W. T. B.“ berichtet, in den Abtheilungen die Wahl einer Kommission vor, welche die Vorlage, betreffend die Bildung von Kolonisations:Gesellshasten, vorberathen solle. Die Mehr- zahl der Gewählten ist für die Vorlage günstig gesinnt.

Die Deputirtenkammer begann in ihrer gestrigen Sizung die Berathung des Budgets. Der Abg. Porteu G sprach sih gegen die Vermehrung der Ausgaben aus.

eschanel verlangte größere Einheitlichkeit des Budgets. Der große Fehler der französis<hen Budgets sei deren Dunkel- heit. Das Mittel zu deren Verbesserung bestehe darin, daß man sie so einrihte, daß es möglich sei, darin klar zu sehen. Der Abg. Poincaré trat unter Aufzählung der einzelnen Posten für das Werk der Kommission ein, welches eine Er- sparniß von 42 Millionen aufweise.

Bei dem in Nr. 245 des „R.- u. St.-A.“ vom 17. d. M. erwähnten Zwischenfalle in der Zollkommission des Senats handelte es si<h, wie damals erwähnt wurde, um die sofortiae Erhöhung des Zolls auf gesalzenes Schweine- fleis<h von 81/4 auf 20 Fr. Der Minister des Aeußeren und der Handels-Minister begründeten, der „Nat. Ztg.“ zufolge, die Dringlichkeit für das Perfektwerden dieses Geseßes durch den Umstand, daß Deutschland mit der Aufhebung des Verbots der Einfubyr amerikanishen Schweinefleishes vorgegangen, und daß es dringend geboten sei, ebenfalls dieses seit 1881 bestehende Verbot aufzuheben, zumal die seinerzeit für das Verbot geltend gemachten hygienishen Gründe fortgefallen seien. Die Deputirtenkammer hatte in ihrer Sißung vom 16. Juli mit 365 gegen 99 Stimmen den Antrag auf Erhöhung des Eingangszolles für Schweinefleis<h mittelst eines besonderen Geseßes angenommen, - damit dadur<h ein- mal die einheimishe Produktion geshüßt und sodann die Aufhebung des Einsuhrverbots des amerikanishen Schweine- fleishes ermögliht werde. Die Kommission des Senats hat nun in ihrer Sizung vom Sonnabend, nachdem der Vorsißende Jules Ferry seine angekündigte Demission zurü>gezogen hatte, die Berathung dieser Vorlage auf den 20. d. M. angeseßt.

Der Kriegs-Minister de Freycinet hat beschlossen, die gemischten Regimenter derartig zu organisiren, daß ein jedes Regiment aus einem aktiven Bataillon und zwei Land- wehr-Bataillonen bestehen soll. Ein jedes Armee-Corps liefert vier gemishte Regimenter, deren Zahl demna<h 72 be- tragen wird. :

Der Bureauchef im Unterrichts-Ministerium Roujon ist zum Direktor der hönen Künste ernannt worden.

Der Privatdozent der medizinishen Fakultät in Jena, Dr, Ziehen, dessen Verhaftung als Spion auf Korsika wir gestern mitgetheilt haben, ist, der „Nat. Ztg.“ zufolge, nah zwei Tagen wieder freigelassen worden.

Die Garnijon von Tlemcen in Algerien hat, laut Meldung des „W. T. B.“, Marschordre erhalten, doch steht der Abmarsch dieser Truppen mit der Tuatfrage in keinerlei Zusammenhang. Nach einem Communiqué der Regierung jeien ledigli<h zwei Schwadronen Spahis an die marok- kanische Grenze gesandt worden, um etwaige Kämpfe zwischen den Stämmen Mehaia und Angad auf algierischem Boden zu verhindern.

Nufß;land und Polen.

Der Kaiser hat, wie man der „Magdb. Ztg.“ aus St. Petersburg telegraphirt, drei Millionen Rubel aus eigenen Mitteln für die Nothleidenden in den Provinzen gepenet und den Erlaß eines Aufrufs an den grundbesizenden Adel Behufs Bildung eines Nothstandsfonds verfügt. Nach einer Depesche desselben Blaties über London aus St. Peters- burg hätte der Reichsrath beshlossen, die Erwägung des die Juden frage behandelnden Planes, der ihm vom Minister des Jnnern im Laufe des Monats Dktober unterbreitet werden sollte, bis auf Weiteres zu verschieben.

Die zur Revision der Kosaken-Organisation und Ausarbeitung einer neuen Kosaken-Verordnung niedergeseßte Kommission hat, wie die „St. Pet. Ztg.“ meldet, dieser Tage ihre Arbeit in Angriff genommen. Mitglied der Kommission. L LLS der Kosaken-Divisions-Chef General-Lieutenant

utolmin.

Ftalien.

Die „Agenzia Stefani“ bezeichnet das von der „Tribuna“ erwähnte Gerücht, daß eine Vertagung der Friedens- konferenz niht unwahrscheinlih sei, als unrichtig und fügt hinzu: die Vorbereitungen. für die Konferenz seien im vollen Gange, die Eröffnung der Konferenz werde zur festgeseßten Stunde in dem großen Saale des Kapitols stattfinden.

Dem „Temps“ wird aus Rom gemeldet: Die italieni- shen Bischöfe, welhe zu dem Bischofs - Jubiläum. des Papstes eine Kundgebung des gesammten Episkopats der Welt für die Freiheit des Papstes anregen wollten, hätten vom Papste die Weisung erhalten, von ihrem Vorhaben ab- zustehen, um die an si< s<hon s{<wierige Lage niht no< zu vershlimmern. Auch habe der Papst zu verstehen gegeben, daß, Falls es nöthig scheine, Einjpru<h zu erheben, der Vatican selbst vorgehen werde. Der Episkopat außerhalb Jtaliens habe andererseits die Weisung erhalten, ohne Unter- laß in der Agitation für die Wiederherstellung der weltlichen Macht fortzufahren.

Griechenland.

Die Prinzen Georg und Nicolaus von Griechenland sowie der neu ernannte serbishe Gesandte Georgiewits< sind, laut Meldung des „W. T. B.“, in Athen eingetroffen.

Vulgarien.

Sofia, 19. Oktober. Die So branje ist dur< ein

- heute veröffentlihtes Regierungsdekret auf den 15,/27. Ok-

tober d. J. einberufen worden.

Dänemark.

Kopenhagen, 19. Oktober. „Rißau's Bureau“ meldet: Der Kaiser und die Kaiserin von Rußland mit dem Großfürsten-Thronfolger und der Großfürstin Xenia, sowie der König und die Königin von Dänemark und die Prinzessin von Wales mit ihren Töchtern würden am 29. Oktober auf der Yacht „Polarstern“ na<h Danzig reisen und si< von da über Warschau nah Livadia begeben. Von dem dänischen Königspaar sei daselbst ein etwa einmonat- licher Aufenthalt bis nah der Feier der silbernen Hochzeit des Kaisers und der Kaiserin von Rußland in Aussicht genommen.

Jm Folkething wurde heute die Wahl des Finanz- aus\{<usses vorgenommen. Gewählt wurden 6 Radikale, J I A der gemäßigten Linken und 4 Mitglieder der Nechten.

Amerika.

Argentinien. Nah einer Meldung des „R. B.“ aus Buenos-Aires vom 18. d. M. ertheilte der Senat in einer besonderen Sißzung dem Präsidenten Pellegrini ein Tadelsvotum, weil derselbe Mitre aufgefordert hatte, die Absicht des Rü>tritts von der Präsidentschafts-Kandidatuc aufzugeben. Roca hat die Siadt mit seiner Familie ver- lassen; das Kabinet soll gänzlih umgestaltet werden.

Uruguay. Der Minister des Auswärtigen Espinosa und der Finanz-Minister Ramirez haben laut telegraphischer Meldung aus Montevideo vom 17. d. M. ihr Amt nieder- gelegt. Der M ne Da, soll jedo< neueren Nachrichten über Paris zufolge, seine Demission zurückgezogen haben.

Chile. Ein Telegramm der „Times“ aus Valparaiso vom Montag beziffert die Zahl der bei den allgemeinen Wahlen gewählten Konservativen auf 30, diejenige der ge- wählten Liberalen auf 60. Das Gefammtergebniß der Wahlen sei no< nit bekannt.

Afien.

China. Ein Telegramm des „R. B.“ aus Tientsin vom 19. d. M. besagt: Von Peking werde gemeldet, der an der hinesis<- russishen Grenze stationirte <inesishe Be- amte Chang sei in der Nähe des Murgabflusses unweit von dessen gena mit dem au<h Ober - Oxus genannten Ak - Su einer vom Altai - Plateau herab- kommenden russis<hen Expedition begegnet und habe gegen den Eintritt derselben in das chinesische Gebiet protestirt. Die Russen, welhe Chang und seiner Begleitung an Zahl überlegen gewesen seien, hätten die Bemerkungen Chang's aber unbeachtet gelassen, vielmehr ihren Marsch fort- geseßt und kurz darauf sih in zwei Abtheilungen getheilt, von denen die eine nah Alihur-Pamir, die andere nah Groß- Pamir weiter marschirt sei.

Afrika.

Egypten. EineSchwadron des 17. Ulanen-Regiments ist dem „R. B.“ zufolge am 17, d. M. na<h England ab- gesegelt; an ihre Stelle tritt eine Schwadron des 1. Dragoner- Regiments, | L

Die französishe Regierung widerseßt si< auf Grund der Kapitulationen einer Revision der französischen Apotheken. Der „Frkf, Ztg.“ wird darüber aus Alexandria berichtet :

Als die Apotheken-Revisions-Kommission am 14 d. M. vor dem Laden eines französishen Apothekers ankam, fand sie das Geschäft ges<hlossen. Der Dragoman des französischen Konsulats aber stand vor der Thür und erkiärte den Kommissären, daß er Befehl erhalten habe, denselben den Eintritt in den Laden zu wehren, und, daß er nur der. Gewalt weihen würde. Die Kommissäre zogen ab, ohne weitere Stritte zu thun.

Kunft und Wissenschaft.

Der Verein für deuts<hes Kunstgewerbe hat soeben seine Monats-Wettbewerbungen für Dezember, Januar und Februar ausgeschrieben und fordert seine Mitglieder, deren Mit- arbeiter und in Berlin wohnende Fachgenossen zur Betheiligung auf. Gewünsht werden Entwürfe: 1) za einem Diplom für den Verein in einfarbiger Zeichnung; 2) zu einer Tischde>e in Aufnäh-Arbeit und Plattstichsti>erei; 3) zu einem Ofenshirm mit gedre<seltem Holz- gestell und mit Füllungen von gescnittenem Ledec. Für jeden Wett- bewerb sind 75 Æ als erster, 50 M als zweiter Preis aus3geseßt ; außerdem erhält der beste Entwurf zu dem Diplom einen von einem MVereinsmitgliede als Ehrengabe gestifteten Pokal aus vergoldeter Bronze. Die näheren Bedingungen sind dur< den Vereins-Schrift- führer Herrn Professor Hildebrandt, Derfflingerstr. 20 a, zu beziehen.

Wie die „Nat.-Ztg.* erfährt, wird Professor Robert Ko < demnächst weitere Mittheilungen über das Tuberkulin veröffent: lichen, welhe genaue Details der Herstellung des Tuberkulins ent- halten und zugleih über die Versuhe berichten, wel<he er in diesem Sommer ¿ur Reindarstellung des Tuberkulins ausgeführt hat Diese Versuche sind darauf gerichtet, diejenigen Stoffe, welche die gesteigerten und das Leben der Patienten bedrobenden Entzündungsersheinungen na. den Tuberkulin-Injektionen hervorriefen, aus dem Luberkulin auszuscheiden, ohne die heilsame Einwirkung des Mittels auf die eigentli< tuberkuls8 erkrankten Organe aufzuheben.

Der „Köln. Ztg.“ wird vom 18. d. M. aus Bonn ge- \chrieben: Heute Vormittag übergab in der Aula der Universität der bisherige Rektor, Justiz-Rath Professor Hüff er seinem Amtsnahh- folger, dem Geheimen Regierungs - Rath Professor Strasbuetger, das Rektoramt. Eine ungewöhnlih große Zahl von Ehrengästen der Universität, darunter Bischof Reinkens, Bürgermeister Spiritus, Landgerichts-Präsident Klein, der Erste Staatsanwalt Dr. Huppert, ein Ehrendoktor der Universität, Geheimer Rath von Mevissen, mehrere Offiziere der hiesigen Garnison, waren zu der Feter ershienen. Der \cheidende Rektor erwähnte in seinem Berichte über die wichtigsten Vorgänge seines Amtsjahres an erster Stelle den Besu<h Seiner Majestät des Kaisers im Mai dieses Jahres. Von besonderem Interesse für die Studentenschaft war in Bezug hierauf folgende Stelle des Berichts: „Wiederholt äußerte der Kaiser, wie \<hon in dem Ständesaal zu Düsseldorf, seine gnädigen Gesinnungen für die Bonner Howbschule, dann auch den Dank für die von der gesammten Studenten- schaft ihm dargebrahte Huldigung. Mit aller Bestimmtheit dacf ih sagen : Derjenige würde die Gesinnungen unseres Kaisers nicht ri<htig auf- fassen, der bezweifeln könnte, daß die huldvolle Theilnahme, die landes- väterlihe Sorge Seiner Majestät alien Sl1udirenden ohne Unterschied und ohne Ausnah me zugewandt sind.“ Redner gedachte dann mit großer Wärme der verstorbenen Kollegen, des Astronomen Schönfeld, der Germanisten Birlinger und Andresen und des Theologen Fabri. Die Zahl der im leßten Sommer-Semestir neu aufgenom- menen Studenten hat die seit der Stiftung der Universität no< niemals dageweseze Höhe von 601 errei<bt und wurde unter den deutschen Hochschulen nur no< von Berlin, München und Leipzig übertroffen. Na Sthluß seines Berichts übergab Geheimer Rath Hüffer seinem Amtsnabfolger die Amtsinsignien und beglü>wünschte ihn zu seiner neuen Würde. Dieser leistete den geseßlihen Eid in lateinis<her Sprache, spra<h seinem Amtsvorgänger für dessen vorzügliche Amts- führung seine Anerkennung und seinen Dank aus und hielt dann seine Antrittsrede, über die allgemeinen Bedingungen der Lebensvorgänge.

Land- und Forftwirthschaft.

Wein-Ernte und -Handel.

Aus dem Regierungsbezirk Wiesbaden wird geschrieben: Das kalte feuhte Wetter des diesjährigen Sommers hat den Weinbergen, die bereits im leßten Winter in Folge des Frostes erbeblich gelitten hatten, sehr geshadet. Es wird deshalb in diesem Jahre nur auf höchstens einen viertel bis einen halben Herbst zu re<hnen und der Wein von geringer Güte sein. Von den Feinden des Weinsto>s haben sich die Peronospera viticola sowie der Heu- und Sauerwurm auch in diesem Jahre gezeigt. Besonders ftark trat die Peronospera in der Gegend von Eltville und von Lor<h auf. An beiden Orten haben deshalb ösôffentlide Vorträge und Besprehungen über das Wesen und die Bekämpfung dieses Pilzes stattgefunden.

Im Weinhandel findet bei hojen Preisen guter Absatz tatt. Die Schaumweinfabrikation im Rheingau geht anhaltend ret flott. Dagegen ist das Geschäft in Branntwein und Essig \{leppend.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Der Gesundheitsstand in Berlin war in der Woche vom 4. bis 10. Oktober ein ziemli< günstiger und die Sterblichkeit eine kleinere als in der vorangegangenen Woche (von je 1000 Einwohnern starben, aufs Jahr berechnet, 19,4). Insbesondere war das Vor- kommen von afuten Darmkrankheiten, namentli< unter den kleinen Kindern, wenn au< no< immer ein zahlreicheres als gewöhnli, do ein erheblich selteneres als in den Vorroohen. Es wurden 137 Todesfälle gegen 186 der Vorwothe mitgetheilt. Die Theilnahme des Säuglingsalters an der Sterblihkeit war demgemäß eine erheblich kleinere als in der vorangegangenen Woche; von je 10 000 Lebenden starben, aufs Jahr bere<hnet, 87 Säuglinge. Dagegen kamen akute Entzündungen der Athmungsorgane zahlreicher zum Vorschein und verliefen au in größerer Zahl tödtlih. Von den Infcfktionskrankheiten haben Masern und Scharla< etwas mehr an Ausdehnung gewonnen und Erkrankungen an Unterleibstyphus und an Diphtherie abgenom- men. Masern kamen am häufigsten aus der jenseitigen Luisenstadt Diph'herie aus Moabit zur- Anzeige. Erkrankungen an Kindbett- fieber blieben selten, während von rosenartigen Entzündungen des Zellgewebes der Haut mehr Erkrankungen zur ärztlihen Behandlung kamen. Erkrankungen an Keuchhusten gelangten seltener zur Behand- lung, der Verlauf blieb meist ein milder. Groß war die Zahl der dur< gewaltsamen Tod Gestorbenen (23), von denen 14 dur< Selbst- mord endeten. Rheumatishe Beschwerden aller Art kamen ctwas häufiger als in der Vorwoche zur ärztlihen Beobachtung.

Hamburg, 19, Oktober. Auf dem gestern von Afrika ein- getroffenen Dampfer „Ak as sa" starben laut Meldung des „W. T. B.* während der Herfahrt zwölf Mann der \{<warzen Besaßung am Fieber. Auf dem ebenfalls na< Hamburg bestimmten Dampfer „Afrika* find auf der Fahrt von Banani na< Boni von den an Oen siebenundzwanzig Reisenden siebzehn am Fieber gestorben.

Submisfionen im Au2lande.

Egypten.

2, November. Verwaltung der egyptishen Eisenbahnen in Kairo. Lieferung von 31 075 kg Stahl für Federn und Werkzeuge, von 600 Kautshuk-Spiral-Rohren, sowie von Farben, Firniß, <hemischen Produkten, Bürsten und Pinseln.

Britische Besitzungen.

22, Olktober , Mittags. Great Indian Peninsula Railway, Copthall House, Copthall Avenue, London E. C. Lieferung von Acsenbüchsen. i: :

__ 22. Oktober, Mittags. TIndian Midland Railway Company, Limited, Copthall House, Copthall Avenue, London E. C. Lieferung von Bürsten, Spiegeln und Winkeleisen.

23. Oktober, Mittags. Madras Railway Company, 61 New Broad Street, London E. C. Kieferung von gußeisernen Schwellen, Stahlschienen und Zubehör.

. November, 1 Uhr. General-Agent der Kolonie Süd- Australien. Lieferung von 3132 Rädern und Radeisen, 366 Federn, 620 Eisen- und Stahlbarren, 165 Eisen- und Stahlplatten, 292 Stüd> galvanisirtem Wellble<h u. #. w,

g een bei Gswald Brown, 32 Victoria Street, Westminster.

i: Jtalien.

26. Oktobec, 3 Uhr. Artillerie-Direktion des pyrote<nis{<en Laboratoriums in Bologna. Lieferung verschiedener <hemis<her Pro- dukte. Voranschlag 6542 Franken.

27. Oktober, 3 Uhr. Dieselbe Behörde. Lieferung von 12 200 m Perkal. Lieferung 30 Tage. Voranschlag 6436 Franken.

27. Oktober, 1 Uhr. Stadtverwaltung in Verona. Bau zweier eiserner Brü>ken.

Rumänien.

24 Oktober. Kriegs - Ministerium, Bukarest. Lieferung von 20000 m Leinwand für Matrazen und von 3000 m desgl. für Kissen.

30. Oktober. Dieselbe Behörde. Lieferung von 38842 m Lein- wand für Bettzeug.

16. November. Dieselbe Behörde. Lieferung von 277738 m Lein- wand für Hemden und Untechosen.

24. November, Dieselbe Behörde. Lieferung von 20509 m Leinwand für Zelte.

27. November. Dieselbe Behörde. Lieferung von 30 000 kg

hydraulishem Kalk. Serbien.

1. November. Gesellshaft für den Bau und den Betrieb der serbishen Staatseisenbahnen. Lieferung von zwei Güterzug- und zwei Eilzug:-Lokomotiven.

Schweiz. 24. Oktober. Arsenal-Direktor I, Stiegler in Aarau. Lieferung von Militärtuch u. \. w.

Verkehrs-Anftalteu.

Bremen, 19. Oktober. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. Der Schnelldampfer „Eider“ ist, von New-York kommend, geftern Nachmittag in Soutbampton eingetroffen und hat die Reise nah der Weser fortgeseßt. Der Schnelldampfer „Ems“ is auf der Fahrt na<h New-York gestern Nachmittag von Southampton weiter- gefahren. Der Schnelldampfer „Saale“ hat vorgestern Vormittag von New-York die Heimreise angetreten. Der Dampfer „Karl s- ruhe“, nah Australien fahrend, ist vorgestern ist Port Said an- gekommen. Der Dampfer „Gera“ \isst vorgestern in Rio, der Damwpfer „Sachsen“ gestern in Colombo einge- troffen Der Dampfer „Preußen“ is gestern von Antwerpen na< Ostasien weitergefahren. Der Dampfer „Kronprinz O Wilhel m* ist auf der Fahrt nah dem La Plata in

igo angekommen. Der Dampfer „Stuttgart“ hat, von Ost- asien heimkehrend, gestern Lizard passirt. Der Dampfer „Graf Bismar>“ ist am 15 d. M. von Bahia abgefahren. Der Dampfer „Stettin“ ift, von Suez kommend, mit der australischen Post am 17. d. M, in Brind ist eingetroffen.

20. Oktober. (W. T. B.) Der Reichs - Postdampfer „Preußen“ hat am 19. Oktober Nachmittags die Reise von Southampton nah Genua fortgeseßt. Der Reichs-Postdam pfer „Braunschweig, von Australien kommend, ist am 19. Oktober Mittaas in Genua angekommen. Der Shhnelldampfer „Ems“, mae Don bestimmt, hat am 19, Oktober Morgens Lizard park.

Hamburg, 20. Oktober. (W. T. B.) Hamburg-Ameri- kanishe Padetfahrt - Aktiengesellshaft. Der Post- dampfer „Rhaetia“ ist, von Hamburg kommend, gestern Abend 9 Uhr in New: York eingetroffen.

London, 19. Oktober. (W. T. B.) Die Union-Damvpfer „Spartan“ und „Scot“ sind, ersterer gestern, leßterer heute auf der Ausreife in Capetown angekommen.

Theater und Musfik.

Berliner Theater.

Am Sonnabend gelangte Albert Lindner's zuerst vor etwa zwanzig Jahren aufgeführtes Trauerspiel „Die Bluthochzeit" an dieser Kunststätte zur ersten Aufführung, welche von dem vollbeseßteu Hause mit sehr lautem Beifall begleitet wurde. Das auf starke theatralis<he Wirkungen bere<nete Stü>k erschien hier, scenis< rei ausgestattet, ganz im Geiste des Dichters, der ein groß angelegtes historishes Gemälde in einer Reihe von Einzelbildern zufsammentrug, die bald dur ihre tiefe Tragik ergreifend, bald dur ihre reine Poesie rührend, als ein Wiederschein wirkliher Vorgänge gelten können. Vom Standpunkte des Mimen aus angesehen bietet das Stü>k viele gute oder {öne Rollen dar, in welchen der Darsteller seine Kunst und seine Künste zeigen kann, und in dieser Richtung schien der Haupt- genuß fi< zu bewegen, der den Zuschauern vorgestern dargeboten wurde.

Von den Personen, die im Mittelpunkte der Handlung stehen, wurde jede in ihrer Eigenart <zarakteriftis< verkörpert, aber es fehlte der rechte Gesammteindru>, es fehlte die höhere Einheit, in der die Einzel- ersheinungen zusammentreffen müssen, um einen wahren Kunstgenuß darzubicten und zu ermöoqlihen. Herr Stahl brachte die rührende Einfalt des {wachen Königs darstellerish tadellos zur Geltung, zeigte aber in der leßten Scene die Wirkungen des eingeathmeten Gifts körperlich viel zu stark; vortrefli< gelang ibm der Ton in den poetischen kurzen Scenen mit seiner Shwester Margarethe von Valois, die von Fräulein Nu s<a Bugte mit ihren reihen shauspielerishen Mitteln und ihrem feinen Sinn für das re<te Maß bei- fallswürdig wiedergegeben wurde. Die harte Medicäerin wurde von Fräulein Baumgart mit unerbittliher Strenge nah dem Charakter ihrer abstoßenden Rolle dur<geführt. Herr Kraußne> spielte den Heinri von Navarra in den ersten Scenen sehr ges<hi>t; weniger gelang dem Darsteller die Scene mit Margarethe im dritten Akt, wo er Hoheit im Wesen und Innigkeit im Ton vermissen ließ. Die Nebenrollen waren im Ganzen erfreulih beseßt und wurden re<ht tüchtig dargestellt.

In der Vorstellung der „Zauberflöte“ am Donnerstag im König- lihen Opernhause sind die Damen Herzog, Leisinger, Dietrich, Kopka, Rothauser, Lammert, Sitaudigl, Biere und Weit, die Herren Rothmühl, Bey, Mötdlinger , rolop und Lieban beschäftigt. Am eg findet die erste Wiederholung der mythologishen Tanzdihtung „Prometheus* und der Oper „Cavalleria rusticana“ ftatt. Jn der Oper treten die Damen Sucher, Rothauser und Staudigl, die Herren Sylva und Bet auf.

Im Königlichen Schauspielhause geht am Sonnabend das Lustspiel „Wohlthätige Frauen“ von A LArronge zum ersten

_Mal in Scene.

Das Programm des Ortester-Concerts, wel<hes der Komponist Ed. Behm am Donnerstag Abend in der Sing-Akademie ver- anstaltet, bringt von Instrumentalwerken jenes Quintett in (-moll und die Symphonie in D-woll, wel%e Herrn Behm soeben den großen Mendelssohn-Preis eingebra<ht haben. Morgen Abend 74 Uhr findet in der Sing - Akademie der zweite Klavier- abend von Fräulein Sophie von Posnansky aus St. Peters- burg statt. Die Abholung der Abonnements für den I. Cyclus der Philharmonischen Concerte (Direktor H. von Bülow) muß spätestens am Donnerstag Abend 6 Uhr bei Bote u. Bo>k erfolgt jein; ebendaselbst Abonnements für die sämmtlichen zehn Concerte, sowie Verkauf von Einzelkarten für das I. Concert am 26. Oktober.

Zum achtzigsten Geburtstage von Franz Liszt veranstaltet Kapell- meister Meyder im Concerthause morgen eine besondere „Liszt- Feier“. Frau Betty Waibel wird an diesem Abend „Wieder möcht ih dir begegnen“, „Sclüsselblümhen* und die „Loreley® singen. Der Klaviervirtuose Herr Zalewski spielt die „Ungarische Rhapsodie See E B A Ei M e R ine A

rhester bringt die sy mphonischen ungen „Festklänge*“ und „Ma- jeppa“, fowie Vie „Ungarische Rhapsodie Nr. 1“, den „Goethe-Marsch und Anderes zur Aufführung.

Maunigfaltiges.

i d aupt-Kadettenanstalt zu Groß-Lichterfelde fand Tie S D 4 Vormittag die Enthüllung ciner Bronzebüste

Seiner Majestät des Kaisers stait, die in den Shmukanlagen des \üdlih der Anstalt gelegenen S plsne Aufstellung gefunden hat. Die Feier, zu der si< na< der „Post* die höheren Vor- geseßten der Anstalt , der General-Inspecteur des Militär-Erziehungs- und Bildungswesens, General der Infanterie von Keßler und der Commandeur des Kavetten-Corps, Oberst von Amann eingefunden hatten, war eine fkir{li< - militärishe. Es fand vor dem Standbild ein Feldgottesdienst statt, zu welhem die Offiziere, Lehrer, Beamten und die Kadetten der gesammten zehn Compagnien Aufstellung genommen hatten. In weihevoller Rede ge- dachte der Kadetten-Pfarrer, Lieutenant a. D. Brü> der Bedeutung der Feier; er bob die treue Pflege hervor, wel<he die Herrscher Preußens dem Kadetten-Corps haben angedeihen lassen und in welcher Seine Majestät der jeßige Kaiser mit Seinen Ahnen eins sei, deren Standbilder vom Portal des Anstaltsdomes auf den Nachkommen herabshauen. Demnächst folgte die Ansprache des Commandeurs der Anstalt, Obersten von Freyhold, worauf die Hülle fiel. Der Vorbei- mars<{ der beiden Bataillone auf dem Paradeplaß der Anstalt bildete den Abschluß - der Feier. Die Bronzebüste des Kaisers ist in anderthalb Lebenscröße ‘bom Bildhauer Albert Manthe modellirt und bei Martin und Pilzing hierselbst gegossen. Sie steht auf einem vier Meter hohen viere>igen Postament von Sandstein, das sich auf einem So>el von Granitplatten erhebt. Das ausdru>svolle Antlitz des Herrschers is dem Portal der Kirche zugekehrt.

Vom Königlichen Cisenbahn-Betriets8amt Breslau is uns folgende, das gestern furz gemeldete Eisenbahnunglü> tin Kohlfurt betreffende Mittheilung zugegangen: Der Nacht\schnellzug von Breslau nah Berlin is in der Naht vom Sonrtag zum Montag gegen 1 Uhr bei der Einfahrt in den Bahnhof Kohlfurt dadur verunglü>t, daß eine Rangirlokomotive in die Seite gefahren ist. Hierdurch sind beide Lokomotiven des Swhnellzugs, der Gepä>- wagen und zwei Personenwagen I./IT. Klafse entgleist und stark be- \{âdigt. Leider sind hierbei, soweit bis jezt festgestellt ist, fünf Reisende getödtet und vier Reisende verlegt worden. Auch zwei Be- dienstete der Eisenbahn sind verleßt. Die Untersuchung is sofort eingeleitet.

Nah einer Meldung des „W. T. B.* vom gestrigen Tage sind die Namen der bei dem Unglü> Getödteten: 1) Herrmann Schäfer aus Beuthen O.-S.; 2) Apotheken-Bcsißer Wiener aus Berlin, Kurstraße 34/35; 3) Christoph Friedrich von Kardorff aus Berlin; 4) Rittmeister von Böhm aus Ly>; 5) Dr. jur. Paul Wolff aus Berlin, Behrenstraße 43/44, Verleßt sind, je- do nicht lebensgefährli<h: von Koschitzki aus Lichterfelde; Heizer Zippel und Führer Trenner.

Ueber die Persönlichkeiten der Verunglückten hat die „Nat.-Ztg Nachstehendes ermittelt; Der Apotheker Herr Wiener, Kurstraße 34/35 in Berlin, seit dem 1. Juli Besißer der daselbst belegenen Gin- horn- Apotheke, ist gebürtig aus Beuthen O.-S<hl , unverheiratbet und befand si< auf der Rü>reise von einem Besu bei seinen Verwandten. Der verunglü>te Herr von Kardorff ist der älteste Sohn des Landraths und Reichêtag8- Abgeordneten von Kardorff- Wabnit. Er war unverheirathet, Königliher Regierungs8- Referendar und Lieutenant der Reserve des Dragoner-Regimerts König Friedri< I1I, (2, Schlesishes) Nr. 8. Herr Dr. jur. Paul Wolff gehört dem Berliner Bureau der Laurahütte an. In der Behrenstraßste 43/44 (im Hause der Diskonto-Gesellshaft) ist das Bureau der Gefellshaft. Seine Privatwohnung ist Linienstraße 154. Er stammt aus Tarnowiß, wo seine Eltern no< leben, war verlobt und stand unmittelbar vor seiner Verheirathung. Herr von Böhm, Rittmeister und Escadron-Chef im Ulanen-Regiment Graf zu Dohna (Osftpreußisches) Nr. 8, war der älteste Rittmeister des in Ly> garni- sonirenden Regiments.

Ein Augenzeuge, der bei dem Unfall selbt zu Schaden gekommen ist, berihtet der „Tägl. R.“: Als um 12 Uhr 50 Minuten Nachts der Zug etwa no< 100 m von der Station Kohlfurt entfernt war, wurden die zumeist \{<lafenden Fahrgäste plsßlih dur< \{rille Noth- signale von ihren Sigzen aufgeshre>t, und s{on im nähsten Augen- bli verspürten sie eine fur<htbare Ershütterung, Jn wilder Eile stürzten Alle aus den Wagenabtheilungen. Der Anbli>, der si bot, war entseßli<; eine Rangirmaschine war in s\cräger Richtung in den Expreßzug hineingefahren und, obwohl beide si in ge- mäßigter Fahrgeshwindigkeit befanden, hatte der Zusammenstoß do< eine fur<tbare Wirkung gehabt. Ein Wagen zweiter Klasse, in wel<en die Rangirmaschine hineingefahren, war dur< den Anprall umgeworfen, die Seitenwand war zertrümmert und auf letztere hatte si die Lokomotive halb heraufge\{hoben. Der Swhornstein war in das erste Abtheil des nabfolgenden Wagens dritter Klasse bineingedrungen, sandte eine gewaltige Rauhmasse in diefes hinein und brachte die Reisenden in die Gefahr des Ersti>kungstodes. Durch den starken Rauh wurden neun Personen, welche in diesem Abtheil saßen, der Besinnung be- raubt ; nur ein Einziger, ein Berliner Kaufmann, hatte noh so viel Kraft, die Thür aufzureißen und ins Freie zu stürzen. Hier erholte er si bald soweit, daß er mit Hülfe Anderer die betäubten Wagen- insassen rettete. Ein Theil von ihnen kam bald wieder in der frischen Luft zu sich, während es bei mehreren Damen stundenlanger Bemühungen bedurfte, sie wieder ins Leben zurü>zubringen; au< aus den übrigen Wagen wurden zahblreihe Ohnmächtige herausgehoben, die man in das Stationegebäude trug. Auch ein Schlafwagen war aus dem Geleise herausgeworfen, während die beiden Lokomotiven des Expreßzuges umgeshleudert und stark beschädigt waren. Sowohl die Reisenden, soweit diese Hülfe leisten konnten, als au< das Bahnhbofspersonal nahmen sofort die Rettungsarbeiten in Angriff, wel<he si< ganz be- sonders s{wierig hei dem zertrümmerten nur no< einen Bretter- haufen bildenden Wagen zweiter Klasse gestalteten. Hier mußte die ganze De>ke abgehoben werden, um die unter den Trümmern und der a diaie Rangirlokomotive befindlihen Fahrgäste hervor- zuholen.

__ Die „Stles. Ztg bringt ferner folgende Mittheilung: Das Eisenbahnunglü> ist aus\chließli< auf das Verschulden eines ein- zelnen Mannes, Namens Trennert, Führers einer Rangirmaschine, zurü>zuführen. Was diesen Mann, einen seit seiner vor Jahresfrist erfolgten Verehelihung als nüchtern und besonnen bekannten Mann, zu seinem unseligen, wverderbenbringenden Thun in der Unglü>ksnaht vermocht hat, ob eine Sinnestäushung, eine kurze Unahtsamkeit oder was sonst, das ist bis jeßt no< nicht zu ermitteln gewesen, Denn der Mann, obschon äußerlih anscheinend ohne Verleßung davongekommen, war bis heute Abend, wahrscheinlih in Folge der fur<tbaren Aufregung dur< die Katastrophe, vielleicht auch in Folge einer dabei davongetragezen Erschütterung des Rüken- marks, vernehmungsunfähig. Aus den äußeren Umständen des Unglüdsfalles ist in feiner Weise eine Veranlassung für das verhängnißvolle Thun Trennert's abzunehmen. Trennert, welcher in Kohlfurt wohnt, hatte Sonntag daselbst no< zu später Stunde für kurze Zeit einen Vergnügungsabend in einer Gast- wirthshaft besu<t und begab si<h von da nah dem Bahnhofe zu seinem Dienste. Derselbe, jede Naht jahraus, jahrein in derselben Weise dort wiederkchrend, bestand in Folgendem: Auf der nah Breslau zu belegenen Giebelseite der für den Perfonenverkehr be- stimmten Bahnhofsbauten hatte Trennert seine Rangirmaschine stehen. Auf ihr verharrte er, bis der von Lauban „kommende Personenzug an der (von Breslau und von Trennert's Stand- punkte aus gerechnet) re<hten Seite des Empfangsgebäudes, und zwar auf dem diesem Gebäude zunächst belegenen Geleise, Halt gemaht hatte. Dann seßte Trennert seine Maschine über eine zu diesem Zwe>ke von dem Weichensteler Gepke bediente Weiche hinaus in Bewegung, fuhr auf dem Geleise, auf dem der von Lauban gekommene Zug ftand, von hinten an diesen hinan, ließ die lehten, Eilgüter enthaltenden Wagen dieses Zuges an seine Maschine ankoppeln, fuhr mit diesen Eilgutwagen wieder zurü> und brate sie abseits, links von den Bahnsteigen, auf ein anderes Geleise. Dort ließ er sie loskoppeln und begab ih seinerseits mit seiner Maschine wieder auf seinen ursprünglichen Standort zurü>. Hier wartete er, bis der Schnellzug Breslau-Berlin, dessen Geleise das (vom Bahnsteig aus gerechnet) zweite, also hinter dem des Laubaner Zuges

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