1891 / 247 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Muster B. E D Drn s@eta 1. Reihe

zu dem

vierprozentigen Anleihe se

der Krefelder Eisenbahn-Gesell P von 1891.

“...

auf den obengenannten Anleiheschein Gesellschaftskasse zu erheben mit

. ten

M. Krefeld, den . . ten (Tro>kener Stempel.) Die Direktion der Krefelder Eisenbahn-Gesellschaft. (Zwei Unterschriften eigenhändig oder faksimilirt.) Ausgefertigt: (Unterschrift eingenhändig.)

Verjährt am .

Muster C. Anweisung zur Abhebung neuer Zinsscheine für den vierprozentigen Anleiheschein der Krefelder Eisenbahn-Gesellschaft, Ausgabe von 1891,

Inhaber empfängt gegen Rückgabe dieser Anweisung bei unserer GeseÜschaftskasse die folgende Reihe von 8 Stü Zinss{heinen zum vorbezeihneten Anleihesheine der Krefelder Eisenbahn-Gesellschaft, sofern nit von dem Inhaber des Anleihesheines gegen diese Aus- reihung Widerspru< erhoben ist. Im Falle eines folhen Wider- spruchs oder wern die Anweisung überhaupt nit beigebraht werden kann, erfolgt die Ausreihung der Zinsscheine an den Vnhaber des Anleihes<heines.

Krefeld, den . . ten

(Tro>kener Stempel.) Die Direktion der Krefelder Eisenbahn-Gesellschaft. (Zwei Unterschriften eigenhändig oder faksimilirt.) Ausgefertigt : (Unterschrift eigenhändig.)

Nr. 18 des Ar <ivs für Post und Telegra phie (Beiheft zum Amtsblatt des Reichs-Postamts, herausgegeben im Auftrage des Rei<s-Postamts) hat folgenden Inhalt : T. Aktenstü>e und Aufsätze: Die Eröffnung des Internationalen Elektrotehniker-Kongresses zu

rankfurt (Main). Das Post- und Telegraphenwesen der Kolonie teu-Seeland im Jahre 1889. Entwickelung der verschiedenen Be- förderungsarten und -Mittel, in den Vereinigten Staaten von Amerika (Fortseßung) 11. Kleine Mittheilungen : Die neuesten Spihbergen- Expeditionen. Die Drahtseilbahnen. JFapanishe Eisenbahnen. Medaille zur Erinnerung an die Einführung der Portecaisen in Leipzig. III. Literatur des Verkehrtwesens : Die Grundzüge der elektromagnetishen Telegraphie, sowie Zwe> und Konstruktion der wichtigsten elektrisGhen Eisenbahn-Signal-Vorrichtungen. Unter be- sonderer Berücksichtigung der bei den Eisenbahnen bestehenden Ein- ri<tungen zum Gebrau für Eisenbahnbeamte zusammengestellt und bearbeitet von R. Jane>e. Vierte Auflage. Berlin 1891. Siemen- roth & Worms. 8°, 58 Seiten,

Entscheidungen des Reich8gerichts.

Als wissentlih fals<e Anschuldigung is na< einem Urtheil des Reichsgerihts, III. Strassenats, vom 25. Juni 1891, eine an die Bebörde in der Form der Aeußerung eines bloßen Verdachts gemachte Anzeige dann zu bestrafen, wenn diese Anzeige objektiv geeignet ist, gegen die mittelbar oder unmittelbar beshuldigte Person ein Strafverfahren herbeizuführen und der Anzeigende dies mit seiner Anzeige beabsichtigt hat.

Wegen ungebührlihen Benehmens einer Anzahl Personen aus dem einer öffentlichen Gerihtsverhandlung beiwoh- nenden Publikum ist na< einem Urtheil des Reichsgerichts, IIT. Straf- senats, vom 25, Juni 1891, das Gericht nicht befugt, das Publikum aus dem Sitzungssaale zu entfernen, nur die Ruhestörer allein fönnen entfernt werden. Sind diese ni<t zu ermitteln, so ist das Gericht nur dann zu einer allgemeinen Ausweisung des Publikums befugt, wenn eine weitere Störung der Gerihtsverhandlung zu befür<ten war.

Statistik und Volkswirthschaft.

Fnvaliditäis- und Altersversiherung.

Am 6. d. M. hat zu Straßburg eine Sißung des Ausschusses der Landes-Versicherungsanstalt Elsaß-Lothringen stattgefunden, in wel<her der Vorsißende des Vorstandes Mittheilungen über die Geschäftslage der Landes-Versiherungsanstalt nah dem Stande vom 1. September d. J. mate und Vergleiche mit der Geschäftslage der benachbarten, annähernd glei< umfangreiden Versicherungsanstalten Großher;ogthum Baden und Königreih Württemberg anstellte. Aus diesen Mittheilungen sei nah der „Straßb. Corr.“ Folgendes hervorgehoben :

Die Landes-Versicherungsanstalt Elsaß-Lothringen hat bis zum 1. September d. I. 3260 Altersrenten bewilligt. Dur{hschnittlich beläuft sih jede dieser Renten auf jährli<h 139,53 H, zu welchen das Reih 50 #4 und die Landes - Versicherungsanstalt 89,58 s beizutragen hat. Für die 3260 Renten find also 455 030 , und zwar vom Reih; 163000 4 und von der Landes-Versicherungs- anstalt 292 030 G aufzubringen. Die Versicherungsanstalten Baden und Württemberg haben bis zum 1. September d. I. nur 9307 bezw. 2641 Alterêrenten bewilligt und für diese, wenn man den oben angegebenen Durchschnittsbetrag von 139,58 A zu Grunde legt, 322 011 A bezw. 368 630 #4 zu verausgaben. Das Reich bat für Baden 115 350 #4, für Württemberg 132 050 „6 bei- zutragen, sodaß für die beiden Versiherungsanstalten 206 661 4 bezw. 936580 M verbleiben. Die Landes-Versicherungsanstalt Elsaß- Lothringen hat also für die von ihr bewilligten Alterêrenten jährlich 133 019 / mehr als Baden und 86500 4 mehr als Württemberg zu zahlen und nah Abzug des Reichszuschusses von diesen Beträgen 85 369 M mehr als Baden und 55 450 #6 mchr als Württemberg aufzubringen.

Während der ersten 8 Monate dieses Jahres sind bei der Landes- Versicherungéanstalt Elsaß - Lothringen 1 632 900 6, bei der Ver- shherungsanstalt Baden 1578 387 4 und bei der Versicherungsanstalt Württemberg 1697 016 4 aus dem Verkaufe von Beitragsmarken eingegangen. In Baden sind also 54513 weniger, in Württemberg 64116 A mehr als in Elsaß-Lothringen vereinnahmt worden. Die verhältnißmäßig geringere Einnahme in Baden ist jedo< nur eine \heinbare. Dort werden nämli sämmtlide Beiträge in Gemäßheit des $. 112 des Dich vom 22. Iuni 1889 durch die Krankenkassen erhoben. Diesen Kassen sind bei der ersten Einrichtung eiserne Bestände an Beitragsmarken für den Be- darf eines Vierteljahres gewährt worden. Die Kassen haben diese eisernen Bestände zunächst aufgebrau<ht und dieselben erit dann wieder dur Zukauf bei der Post ergänzt, wenn sie ershöpft waren. Es müssen deshalb, wenn man die wirkli@e Einnahme feststellen will,

zu den von der Post vereinnahmten Beträgen aus dem Verkaufe von

Beitragsmarken die den Krankenkassen überwiesenen eisernen Bestände ganz oder wenigstens größtentheils hinzugezählt werden. Daraus er- giebt si<, daß au< im Großherzogthum Baden die aus dem Ver- kaufe von Beitragsmarken wirkli erlösten Beträge unzweifelhaft über diejenigen, die in Elsaß-Lothringen eingelaufen sind, hinausgehen.

Mais als mens<li<es Nahrungsmittel.

Die Verwerthung von Mais als mens{lihes Nahrungsmittel wurde, wie die 4 berihtet, am Sonnabend im großen Ber- liner Handwerker-Verein vom dem Geheimen Ober-Regierungs- Rath Professor Dr. Thiel vom Ministerium für Landwirthschaft, Domänen und Forsten einer gründli<hen Betrachtung unter- zogen. Redner untersudte die Bestandtheile des Mais und deren Vertheilung im Verglei zu Roggen und Weizen und den hierauf si< gründenden Nährwerth sowie die Verdaulickeit u. \ w. In ersterer Beziehung stehe der Mais dem Roggen und Weizen gleich, in letzterer übertreffe er beide. Der Mais solle übrigens nit Hauptnahrungsmittel werden, sondern nur als Grfaß für Roggenausfall dienen. Dieser Umstand sei hervorzubeben gegen- über den Einwänden, die man aus gesundheitlihen Rüksichten gegen die Maisnahrung erhebe. Außerdem aber dürfe man die in Nord- Ftalien herrshende Pellagra weniger dem Maisgenuß an si, als der unsauberen Art der Teigbereitung zuschreiben. Daß der Maisgenuß bisher bei uns im Gegensay namentli< zu Nord - Amerika und Ungarn wenig oder gar keinen An- klang gefunden habe, beruhe ledigli auf einem Voructheil, das nah und nah von selbst \{<winden werde. Von dem Geschma> des Volkes werde es au< abhängen, wel<hen Umfang der Maisgenuß in Zukunft annehmen werde. Da Amerika bei seiner ungeheueren Produktion uns beliebig große Mengen liefern werde, würde es möglih sein, uns bezügli der Volksernährung von Rußland unabhängig zu machen.

Zur Bekämpfung der Sozialdemokratie.

Der Verein zur Beförderung des Wohles der Arbeiter und zur Bekämpfung der Sozialdemokratie für den Kreis Jork und Buxtehude hielt, wie dem „Hann. Courier“ aus Altkloster berichtet wird, dort am Sonntag Nachmittag unter dem Vorsiß des Ritterguts- besißers von Marschalk eine Versammlung ab. Dr. Diederich Hahn- Berlin \pra< über die Irrlehren der Sozialdemokratie. Die erwartete sozialdemokratishe Opposition blieb aus. Der Vercin gedenkt im Laufe des Winters zur Förderung seiner Zwe>e eine Reihe weiterer Vorträge im Alten Lande, Buxtehude und den anstoßenden Bezirken zu veranstalten.

Zur Arbeiterbewegune.

Aus den Verhandlungen des sozialdemokratishen Partei- tages vom Sonntag ist no< bemerkenswerth ein Antrag der Sozialdemokraten des ersten Berliner Reichstags wahlkreises, eine Theilung des Centralorgans „Vorwärts“ zu bewirken, dergestalt, daß der erste Theil das eigentliche Centralorgan bildet, während der andere Theil die Berliner Parteipresse darstellt. Das Centralorgan soll unter der Kontrole des Parteivorstandes, der andere Theil unter dem Einfluß der Berliner Genossen stehen. Auf Antrag Bebel's wurde beschlossen, einer von den Berliner Genossen gewählten Kommission ein Aufsichtsreht über den lokalen Theil des „Vorwärts“ einzuräumen.

Am gestrigen Tage seßte der Parteitag die Debatte über die Parteitaktik fort. Es bemerkte nah den vorliegenden Be- rihten S<hmidt-München:

Im Namen der Münchener Parteigenossen lege er gegen den Vorwurf, der von Berlin erhoben worden Vei: die Münchener seien forrumpirt, Hurrah-Kanaillen u. \. w. geworden, Verwahrung ein. Die Münwener Genossen seien zum Mindesten ebenso gute Sozial- demokraten, wie man sie in gewissen Berliner Kreisen antreffe. Er bedauere den Antrag des Genossen Oertel (Nürnberg), wel<her lautet: „Der Parteitag erklärt ausdrü>kli<, daß er den Standpunkt, wel<hen Vollmar in seinen zwei Münchener Reden vom 1. Juni und 6. Juli d. I. mit Bezug auf die näbsten Aufgaben der deutshen Sozialdemokratie und . die einzushlagende neue Taktik ein- genommen hat“, nit theilt.“ Er gebe die Erklärung ab, daß die Münchener Genossen sh allesammt dem Beschlusse des Parteitages fügen werden, und sei überzeugt, daß dies auch Genosse Vollmar thun

werde.

Richard Fischer (Berlin), zweiter Parteisekretär, äußerte :

Er kôane nit begreifen, daß man den Antrag Oertel bekämpfe. Er sei der Meiuung, daß der Parteitag niht umhin können werde, dem Antrag Oertel zuzustimmen. Die Auseinanderseßung mit Vollmar halte er für bedeutend wichtiger, -als mit der Berliner Opposition. Wenn man si< auf den Standpunkt Vollmar's stelle, dann habe man kein Ret mehr, {h „sozialdemokcatische Arbeiter- partei Deutschlands“ zu nennen. Der Unterschied zwishen Vollmar und der Anschauung der Partei sei, daß er die erstrebten Reformen um ihrer selbs willen haben wolle, während die Partei die Re- formen nur als Mittel zum Zwed>, d. h. zur \{nelleren Vertrirk- lihung der Endziele, verlange. 4 :

Abg. Liebknecht bekennt in einer weiteren Rede, wenn er die Wahl habe zwischen den Stürmern und den Bremsern, dann stelle er si< auf die Seite der Ersteren. Allerdings handle es si hier niht um ein Bremsen, sondern man ver- suche, die Partei auf eine andere Bahn der Taktik zu führen. Er suhr fort :

Vollmar habe \ih, als er von der Presse angegriffen wurde, auf Bebel, Auer und ihn berufen und angeführt, daß sie Aehnliches hon gesagt hätten. Er gebe das zu, allein von ihnen sei dabei betont worden, daß sie an der bisherigen Taktik festhalten. Vollmar habe aber cine solhe Erklärung troy aller Angriffe niht abgegeben. Es sei deshalb dringende Pflicht des Parteitages, zu erklären, daß die Sozialdemokraten keineswegs gewillt sind, eine sozialistishe Regierungspartei oder vielleicht besser eine sozialistis<- nationalliberale Reformpartei zu werden. Man sei verpflichtet, klipp und klar zu erklären, daß man den Vollmar’shen Standpunkt nicht theile, fondern an der in Halle beshlossenen Taktik festhalte. Wenn der Parteitag das nit thue, dann habe die Berliner Opposition re<t, und dann würde er sofort selbst zur Opposition übergehen.

G e zur Opposition gehörige Auerba<h- Magdeburg emerltle :

Die meisten Redner hätten die Meinung ausgesprochen ; die Oppo- sition sei todt. Er erkläre, sie sei no< lange nit todt ; sie würde ibnen nit den Gefallen thun, si< Anarchisten anzuschließen. „Mögen Sie bes<hließen, was Sie wollen, wir sind und werden bleiben revo- lutionäre Sozialdemokraten. Wir haben zu re<ter Zeit vor einer Ver- wässerung unserer Taktik gewarnt, Dazu hielten wir uns umso- mehr verpflichtet, da wir sahen, daß die Partei, wenn sie auch den Standpunkt Vollmar's verurtheilt, do< in Wirklichkeit nah der von diesem empfohlenen Taktik handelt." Das ganze Verbrechen, das die Opposition begangen, ist, daß sie nicht bis zum Zusammentritt des Ege gewartet, sondern sofort gegen Vollmar Front gema at.

Später verlas Singer eine von sämmtlichen auf dem Parteitage anwesenden Abgeordneten unterzeichnete Erklärung, in der sie die Versicherung abgeben, daß sie Wildberger keinerlei Mittheilung gema<ht haben, daß sieben Achtel der sozialdemo- kratishen Reichstags-Abgeordneten den von der sozia demokra- tishen Fraktion eingebrahten Arbeitershuß - Gesetzentwurf nicht gelesen haben. Vor der Wahl der von Bebel empfohlenen Kommission, die mit der Prüfung der von der Opposition vorgebrahten Beschwerden betraut werden soll,

ab Ae C (Magdeburg) im Namen von Werner und ildberger (Berlin), Baetge und Schulte (Magdeburg) und

in seinem eigenen die Erklärung ab, daß fie vor der Kom- mission nit erscheinen würden; sie seien nit gewillt, hinter vershlossenen Thüren zu verhandeln, da sie der Meinung seien, daß die Angelegenheit bei voller Oeffentlichkeit zum Aus- trag gebraht werden müsse. Da der Vorsitzende Singer die Erklärung nicht weiter gestattet, verlassen die Delegirten Werner und Wildberger- Berlin, Baetge, Schule und Auer- ba<-Magdeburg den Saal. :

Jn der gestrigen Nachmittagssißung hielt von Vollmar no< eine größere Rede zur Wahrung seines Standpunktes und erklärte es für selbstverständlich, daß er der Bebel’schen Resolution zustimme, denn er stehe vollständig auf dem sozial- demokratishen Programm; es müsse dem Recht der freien Meinung mehr Raum gegeben werden. Der An- trag Oertel habe eine perjönlihe Spiße gegen ihn und er müsse erklären: Sollte der Oertel'she Antrag an- genommen werden, dann M er den Boden in der Partei verloren und zum leßten Male auf einem sozialdemokratischen Parteitage gesprochen. Nach einer Rede Bebel's wird dann ein Antrag eingebracht, dahin gehend: „na<hdem sih „Genosse“ Vollmar ohne. jede Einschränkung für die vom Genossen Bebel und anderen Rednern entwi>elten Ansichten be- züglih der Beibehaltung der bisherigen Parteitaktik aus- gesprochen habe, erkläre der Parteitag den Antrag Oertel für erledigt und gehe über denselben zur Tagesordnung über. Dieser Antrag und die von Bebel beantragte Resolution wurden einstimmig angenommen. Der Vorsitzende Singer verlas cine schriftliche Erklärung der Vertreter der Opposition, daß sie Angesichts der allen demokratischen Grundsäßen wider- sprechenden, geradezu empörenden Fon von Differenzen Seitens der Vorstandsmitglieder Auer, Bebel. und Fischer auf E S zu dieser sozialdemokratishen Partei ver- zichten.

Altersversiherung in Großbritannien.

Der in der letzten Parlaments-Session eingeseßte Aus\<huß des englishen Unterhauses zur Prüfung der Frage der is wird sih im Laufe dieser Woche wieder versammeln. Wahr] <einlih werden }i<, wie die „A. C.“ schreibt, Chamberlain und Hunter, welcher Lettere die Sache namentlih in England in Fluß gebra<t hat , über den Plan, wel<her dem Parlament vorgelegt werden soll, einigen. Der Versu<h wird aller Wahrscheinlichkeit nah zuerst in Schottland unternommen werden. Dort ftehen zu dem Zwecke 250 000 Pfd. Sterl. jährli< zur Verfügung, die Summe, wel<e Schottland als Aequivalent für den freien Volksunterriht in England zu beanspruchen hat. Der Betrag kann zu jedem beliebigen Zwele vom Parlament benußt werden. Der Hunter'she Plan besteht darin, , daß Jeder, wel<her vor dem fünfund- zwanzigsten Lebensjahre 5 Pfd. Sterl. einzahlt, vom Staat 15 Pfd. Sterl. außerdem erhält. Diese auf Zinseszinsen ange» legte Summe würde im 6. Lebensjahre dem Versicherten d Sh. die Woche einbringen. Sollte derselbe anfängli<h 10 Pfd. Sterl. ein- zahlen, so würde der Staat 30 Pfd. Sterl. hergeben und der Be- treffende - im Alter 10 Sh. die Woche erhalten. Auf diese Weise könnte {ih die Hälfte der Arbeiter für ihr Alter versichern. Hunter glaubt, daß 260 000 Pfd. Sterl. jährli< für Schottland vollauf gerügen würden. Anfangs sollte die Versicherung seiner Ansicht nah freiwillig erfolgenz jegt ist er für zwangsweise Versicherung.

Fnternationaler Kongreß für Binnenshiffahrtk.

Die französishe Regierung hat die fremden Regierungen bez nachrihtigt, daß 1892 in Paris der fünfte internationale Kongreß für Binnenschiffahrt stattfindet. Etwa zwanzig Fragen über Ber- besserung? der Schiffahrtswege, die besten Hülfsmittel, auf ihnen Frachten zu transportiren, die Abhängigkeit des Transports zu Wasser von der Konkurrenz der Eisenbahnen u. st. w. werden zur Entscheidung des Kongresses gelangen.

Rußlands Einnahmen aus der Getränkesteuer 1889,

Die bedeutendste Einnahmequelle Rußlands bildet zur Zeit die Steuer auf die Getränke; dieselbe erbrahte 1889: 274 823 361 Rbl. , oder 17 980 481 Rbl. mehr als im Voranschlage und 9 777 380 Rbl. mehr als im Vorjahre. Im Jahresdur<shnitt von 1879/88 ergab diese Steuer 241 390 000 RbL., in den einzelnen Jabren aber

Tausende Rubel Tausende Rubel 1879. 4 228.100 1884 . . 243 964 1880 . . , 222328 1885 . 231 189 1881... 224264 1886 236 918 1882 .. , 251842 1887. . . 257576 1883 . . , 252645 1888. ,. . 265 046,

Die wesentli höhere Einnahme des Jahres 1889 wird eine1seits auf Abänderungen in der Besteuerung sowie der Exportbonifikation, anderseits auf den günstigen Ernteausfall und den gesteigerten Wohl- stand eines großen Theils der Bevölkerung zurüd>kgeführt. Auf den Kopf der auf 116 Millionen ges<äßten Bevölkerung des russischen Reichs entfielen 1889 von jener Steuer 2 Rbl. 37 Kop. gegen 2 Rbl. 38 Kop. im Vorjahre mit einer Bevölkerung von 1114 Millionen und 2 Rbl, 35 Kop. im Jahre 1887" mit 109,8 Millionen Be- wohnern. Die Gouvernements St. Petersburg und Moskau sind die- jenigen, die den höchsten Steuerertrag erbra<ten; 1889 wurden in beiden allein 35,3 Millionen Rbl. oder 13% der gesammten Getränke- steuer vereinnahmt, wovon 20,7 Millionen auf Moskau, 14,6 Millionen auf St Petcrsburg entficlen. Alsdann folgten die Gouvernements Kijew, Cherson und Podolien mit 116 bezw. 9,5 und 7,9 Millionen, die Donprovinz, das Gouvernement Stawropol ne der Terek- und Kubanprovinz mit 7,5 bezw. 6,8 Millionen, ferner die Gouvernements Ssaratow, Poltawa, Warshau, Tambow, Wolhynien, Charkow,

erm und Kursk mit je 6-—64 Millionen Rubel. Hieran s<ließen

< mit je 5—6 Millionen die Gouvernements Twer, Woronesh, Orel. und Jekaterinoslaw, sowie mit 4—5 Mikllioren die Gouverne- ments Nishni-Nowgorod, Smolensk, Rjäsan, Tula, Tscernigow, Littauen und Taurien.

Nah Mittheilung des Statistishen Amts der Stadt Berlin sind bei den hiesigen Standesämtern in der Woche vom 4. bis inkl. 10. Oktober cr. zur Anmeldung gekommen: 835 Che- \<ließungen, 1011 Lebendgeborene, 32 Todtgeborene, 620 Sterbefälle.

Handel und Gewerbe.

Fondsbörse, Geld- und Kapitalsmarkt. Berlin, 19 Oktober. Dem fortdauernden Mangel an äußerer Anregung ist es hauptsählih zuzuschreiben, daß sih das Börsengeschäft nicht zu L Bedeutung erhebt. Es ist eine Erneuerung des Geschäftsgeistes an der Fondsbörse natürlih so lange ausgeschlossen, als auf fast allen anderen Gebieten des Handels und einem Theil der heimischen Jn- dustrie der Dru> verminderter Konjunktur lastet, und das um- somehr, als au< andere Faktoren, wie namentlih die Ernte- verhältnisse dieses Jahres und ihre Folgen, die Unternehmungs- lust an der Fondsbörse herabzudrü>en geeignet sind. Der Umfang des Geschäfts ist daher täglih eng begrenzt, und die kleinen Antriebe, die aus den Tagesereignissen und Handels- nachrichten si< ergeben, gewinnen immer nur für ein ver- einzeltes Gebiet und hier au< nur vorübergehend bemerkens-

werthe Bedeutung. | _In den leßten Wochen war es fast ausschließli<h die neue dreiprozentige Russishe Anleihe, die in bemerkenswerthem

Grade das Jnteresse der Spekulation fesselte, obaleih deuts<es Kapital sicherlih niht in nennenswerthem Umfange und wahrscheinli< überhaupt niht an der Finanzoperation be- theiligt ist. Die hiesige Börse und überhaupt die deutschen Pläze haben unter diesen Umständen, ohne Risiko ein- zugehen, nur Vortheile von der Emission gehabt, denn

eine Reihe gerer Transaktionen, welhe von den.

an der Emission betheiligten Finanzkräften zur Befestigung der Course der russishen Werthe au<h an den deutshen Pläßen vorgenommen wurden, waren für die deutsche Seite natürlich mit Gewinn verbunden, und zwar nicht nur für die Vermittler, son- dern au< füc die Abgeber russisher Werthe, die inzwischen nah der Subskription hon wieder billiger erhältlih sind. Nur ganz vorübergehend hat die Börse aus der geplanten Vereinigung des Geschäfts der Jnternationalen Bank mit der Berliner Handelsgesellshaft einige Anregung s{höpfen können; dagegen bieten die allmählih erscheinenden Geschäftsberichte der großen montan-industriellen Gesellshasten, welhe mit dem ersten Juli ihr Geschäftsjahr beendet haben zuleßt der Be- ri<ht des Bochumer Vereins für Bergbau und Gußstahl- fabrikation —, Veranlassuna, dux< Effekliv- und Spekula- tionshandel den Preis der Papiere nah Maßgabe der neuen Informationen zu berichtigen. Jm Ganzen bewegt sih aber das Geschäft in sehr engen Grenzen, besonders gilt dies von dem Cassageschäst, welhes völlig von den Aufträgen der Privatkapitalisten abhängig ist, und diese werden dur< shlimme Erfahrungen früherer Zeiten und au< wohl dur< ungünstige Umstände, welche gegenwärtig wirken, von der Börse ferngehalten. Troßÿ dieser fortdauernden ungünstigen Börsenlage zeigt die Stimmung der Spekulation si<h im Grunde der Festigkeit geneigt. Es erscheint fast erstaunlih, daß bei dem überall erkennbaren Mangel an Unternehmungslust die Course keine erheblihen Rückgänge erfahren und daß, von den Tages- \{hwankungen abgesehen, das allgemeine Coursniveau in län- geren Zeiträumen nur ganz unbedeutende Unterschiede und eher Besserungen zeigt. Man notirte in Berlin: ult.Sept. 8. Oktober 17, Oktober 31/5 proz. Pr. Cons. 97,50 97,90 97,90 3 proz. Pr. Cons. . 83,90 84,10 84,10 5 proz. Jtal. Rente 89,50 89,75 89,50 4 proz. Ruf. Anl. von 1880, . . 97,10 96,50 95,60 4 proz. Ung. Goldr. 90,10 90,10 90,20 Aktien der Deutschen Bank . .. . 147,75 147,00 148,50 Disk.-Komm.-Anth. 174,70 174,25 174,40 Oest. Kreditaktien . 153,00 153,20 etwa 153,20 Lübe>-Büch. Aktien 148,60 147,75 148,40 Ostpr.Südb.-Aktien 75,75 74,00 74,25 Oest.-Ung. Staats- bahn- Aktien . . 123,50(1.Dfkt.) 122,10 (13. Dft.) Dortm. Un. St.-Pr. 65,80 66,00 64,75 Laurahütte-Aktien . 117,40 118,60 117,00 Hibernia-Aktien . 150,40 152,00 150,40 Harpener Aktien . 183,90 185,75 184,50 Diese Erscheinung dürfte, was den Cassamarkt anbetrifft, in erster Linie darauf zurüczuführen sein, daß das Cours- niveau bereits so niedrig ist, daß es an und für sih nicht zu Verkäufen reizt und daß gleichzeitig die günstige Lage des deutshen Geldmarktes die Course stützt, während die Speku- lation si< außerdem unter dem Zwang der Beziehungen zu den übrigen großen Börsenpläßen befindet, die auf verschiede- nen Grundlagen seit Wochen si< der Hausse geneigt zeigen. Die einzelne Börse als ein großer Markt, auf dem Käufer und Verkäufer aus einem größeren Landgebiet oder ihre Vertreter zum Abshluß von Geschäften zusammentreffen, befindet sih in beständigem Zusammenhang mit allen gleih- artigen Jnstitu‘ten der Erde, und das ist hier gleihbedeutend mit einer gewissen Abhängigkeit von denselben. Durch die Erleichterung und die beinahe ins Ungemessene gesteigerte Beeilung des Gedankenaustausches ist dieser Zusammenhang natürlih ein immer engerer geworden und die Bedeutung der Börse als Vermittler der Gütervertheilung und des Güter- austaushes beständig gewachsen. Während früher die ein- zelnen örtlih getrennten Börsen, die man in ihrer Gesammt- heit als Repräsentanten des Welthandels ansehen kann, dur die mangelhafte Verbindung auch zeitli<h weit von einander getrennt waren, besteht gegenwärtig dur<h den Draht eine A RIO, welche die örtlihe Trennung für den Gedanken- austaush fast auf Null reduzirt; hierauf aber gründet sich die schnelle fast sofortige Ausgleihung der Preise auf dem Welt- markt, denn die Börsen wirken h:ut zu Tage im Guten wie im Bösen zusammen wie ein einheitliches Institut, sodaß man in ihnen gleihsam den Welt- markt in sinnli<h wahrnehmbarer Gestalt vor fi<h hat, nur muß man im Geiste die thatsählihe Bewegung der un- geheueren, fast unübersehbaren Güter-, Waaren- und Werth- massen hinzuthun, welche si<h auf Grund der Börsenverträge auf den vershlungensten Wegen nah ihrem Bestimmungsort begeben, von der Produktionsstätte an den Ort des Bedarfs, von dem Orte, wo Ueberfluß herrscht, an den Ort, der Mangel hat. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß diese Entwi>elung für die Volkswohlfahrt sehr förderlih gewesen ist, wenn auch auf der Grundlage der s{<limmen Anlagen des menschlihen Charakters vereinzelt s{ädlice Wirkungen si offenbaren. Dieser enge Zusammenhang der Börsen macht si<h au< in dem Umstande fortdauernd bemerklih, daß von den nord- amerikanischen Börsen, die unter der Gunst einer ungewöhnlich günstigen Ernte zu einer fast übertriebenen Hausse auf dem gesammten Werthpapiermarkte gelangt sind, eine befestigende Wirkung au< auf die europäischen Börsen ausgeübt wird. Der höhere Preis, welchen die amerikanishen Werthpapiere zuerst in ihrer Heimath, dann nat"lih überall gewonnen haben, ist auf die Gesammttendenz uiht ohne Einfluß geblieben, aber er hat mittelbar eine viel weiter tragende Be- deutung dadurch, daß zu den hohen Preisen ein großer Theil der amerikanishen Papiere über den. Ozean zurü>gehen und Amerika jo Schuldner in Europa wird. Es entsteht da eine interessante Wechselwirkung : das weizendurstige Europa bezieht von den Vereinigten Staaten einen großen Theil seines Be- darfs und müßte dafür sein Gold nah Amerika shi>en, wel- hes dort in der That mit Sehnsucht erwart.t wird; da aber tritt die Fondshausse dazwischen und {ütt den Goldbestand Europas vor allzugroßen Abzügen. Diese Erscheinung dürfte einen der - Hauptgründe dafür bergen, daß der Stand der Bankrate in England in den lehten beiden Wochen un- verändert geblieben ist, und natürlich wirkt derselbe Umstand dann weiter auf die festländishen Pläße, und besonders auf unsere Reichsbank, welche sich fortgeseßt unter den gegebenen

schwierigen Verhältnissen in einer überaus erfreulihen Position befindet. Der Abfluß von Gold aus Europa nah Amerika hat si bisher in wesentlih bescheideneren Grenzen bewegt, als man auf der anderen Seite des Ozeans erwartete, und auh die nächste Zukunft wird der Wahrscheinlich- keit nah an diesex Sachlage wenig ändern, da den neuen Getreideguthaben Amerikas gegenüber in Europa si sehr große Beträge amerikanisher Werthpapiere befinden, welche ja au< nur besondere Arten befestigter Schuldscheine sind, die nun zur Lösung der Verbindlichkeiten Europas herangezogen werden.

Die Bank von England hat seit dem lezten September bis Mitte Oktober allerdings weitere 1910000 Psd. Sterl. von ihrem Goldvorrath, davon in der zweiten Oktober:Woche aber nur 477 000 Pfo. Sterl. eingebüßt, und au<h in den lezten Tagen hat der Abfluß keine größeren Dimensionen an- genommen, sodaß der Baarvorrath des Jnstituts immer noch über 23 000 000 Pfd. Sterl. beträgt; in den fünf Wochen, seit dem 10. September, während welcher Zeit si<h aus den Wochenübersichten ein ununterbrochener Uebershuß des Gold- ausganges gegen den Goldeingang bei der englischen Bank ergab, beträgt die Gesammtabnahme des Goldvorraths 3 381 000 Pfd. Sterl. Bei der Bank von Frankreich hat ih der Goldvorrath seit dem lezten Monatsende au<h weiter um über 9 Millionen Francs vermindert, so daß sih seit der dritten Augustwoche eine Verminderung von fajt 63 Millionen Francs ergiebt.

Der heute bekannt gewordene Ausweis der Reichsbank vom 15. d. M. zeigt in allen Positionen eine wesentliche Besserung des Standes der Bank. Die geseßliche Notende>ung ist um 5708 000 6 angewachsen, während der Betrag der umlaufenden Noten si< um fast 44 Vällionen Mark ver- mindert hat. Der gesammte Kassenbestand eins{ließli<h der fremden Noten hat si< um 7511000 F und der Metallbestand für si< um 5439000 A gehoben, was auf weitere Goldzuflüsse aus dem Auslande s<hließen läßt. Im. Uebrigen zeigen die Anlagen in Wechseln und Lombard- forderungen einen Rü>gang um 29917 000 H, und auf passiver Seite erscheinen die sonstigen täglich fälligen Ver- bindlihkeiten (Giroguthaben) um rund 14 Millionen Mark erhöht. Jm vorigen Jahre ist zwar der gesammte Kassenbestand einschließlih fremder Noten in der correspondirenden Woche um 21 184 000 /( und der Metallbestand im Besondern um 19326000 6 angewahsen, aber es kommt in Betracht, daß der Kassenbestand überhaupt 1890 am 15. Oktober betrug 726 449 000 6 gegen 929 617 000 in 1891 und der Metall- bestand 697 433 000 M gegen 897089000 F in diesem Jahre, während gleichzeitig der Notenumlauf sih im vorigen Sahre auf 1048 322 000 Ja gegen 1 020 867 000 6 in diesem Yahre belief und die Anlagen in Wechseln und Lombardforde- rungen 1890 727 625000 6 betrugen, in 1891 aber nur auf 633 938 000 M si beziffern.

Tägliche Wagengestellung für Koblen und Koks an der Ruhr und in ObersŸlesien. An der Ruhr sind am 19. d. M. geftellt 10 481, niht re<t- ¡eitig gestellt keine Wagen.

Frankfurt a. M, 19. Oktober. (W. T, B.) Der Export na< Amerika aus dem Distrikt des General-Konsulats Fran k- furt a. M. und den diesem unterstellten Konsulatsbezirken betrug im 3. Quartal d. I. 9 998 159 Gold-Dollars gegen 12 253 430 Dollars in dem gleichen Zeitraum des vorigen Jahres.

Leipzig, 19. Oktober. (W. T. B.) Kammzuga-Termin- handel. La Plata. Grundmuster B. per Oktober 3,725 K, per November 3,75 #4, per Dezember 3,75 #, per Januar 3,775 H, per Februar 3,80 #&, per März 3,80 #4, per April 3,89 4, per Mai 3,82} #, per Juni 3,85 H, per Inli 3,875 H, per August 3,871 4, per September 3,873 4, per Oktober 3,875 4 Umiaß 75 000 kg. Behauptet.

London, 19. Oktoker. (W. T. B.) An der Küste 2 Weizen - ladungen angeboten /

Glasgow, 19. Oktober. (W. T. B.) Die Verschiffungen von Roheisen betrugen in der vorigen Woche 6338 Tons gegen 8792 Tons in derselben Wote des vorigen Jahres.

Bradford, 19. Oktober. (W T. B.) Wolle ruhiger, Preise stetig, englis&e Wolle fest, französische drycombed Merino- to ps ziemlih ausgeboten.

New-York, 19. Oktober. (W. T. B) Die Börse eröffnete \@wa< mit niedrigeren Coursen; später gestaltete ih die Tendenz besser und wurde zum S({luß fest. Der Umsaß der Aktien betrug 157 000 Stü>. Der Silbervorrath wird auf 3.800 C00 Unzen geshäßt. Die Silberverkä ufe betrugen 124 000 Unzen.

Visible Supply an Weizen 31039000 Bushels, do. an M ais 3854 000 Bushels.

Mannigfaltiges.

Herr Hofrath, Professor Dr. Preyer wird Mittwoch, 91. Oktober, Abends 8 Uhr, in der Ortsgruppe Berlin des „Allge- meinen Deutsheu Verbandes" einen Vortrag „Die nationalen Aufgaben der Erziehung“ halten. Der Vortrag, zu welchem Gäste, Damen und Herren, Zutritt haben, findet in den „Victoria- Sälen“ Leipzigerstraße 134, gegenüber dem Herrenhause statt. An dem nätsten Herrenabend der Ortsgruppe Berlin (Mittwoc, den 98. Oktober, im Schillergarten, Bellevuestraße 201.) spriht Herr Karl Pröôll über „dasDeutschthum im Böhmerwald.“ Die Geschäfts- stelle des „Allgemeinen Deu!s<en Verbandes“, welbe über Zwe>k und Ziele dieser Vereinigung bereitwillig Auskunft ertheilt, befindet ih in Berlin W., Genthinerstraße 321.

Die Dur(hlegung der Art illeriestr aße über die Linien- straße hinaus bis zur Elsasserstraße wird si< dadur< verzögern, daß eine Einigung mit den Eigenthümern des zur Dur@legung der Straße erforderlihen Grundstü>s Linienstraße 113 und Elsasserstraße 62 über die Höhe der zu zahlenden Entschädigung nicht hat erzielt werden können. Die Stadtverordneten-Versammlung hatte seiner Zeit zum freibändigen Erwerb des Grundstücks 400 000 6 zur Verfügung gestellt, eventuell ih mit der sofortigen Einleitung des Enteignungsverfahrens einver- standen erklärt. Von leßterer Befugniß hat der Magistrat nunmehr Gebrauch gemacht.

Nach dem leßten Quartalsberiht des städtischen Vermessungs- Direktors K. von Hoegh bestand das mit der e der Stadt Berlin beschäftigte te<ais<{e Personal der städtischen Plankammer am 1. d. M. aus 7 Landmessern, 32 Hülfsgeometern und 4 Eleven. Außerdem sind 3, Hülfsarbeiter zeitweilig beschäftigt gewesen. Speziell vermessen sind im leßten Quartal Juli-Ofktober etwa 70 ha, sodaß die gesammte vermessene Fläche 4417 ha, 90 092 Besizungen, 43 766 Parzellen und 40 509 Gebäude betrug. Von diesen Flächen sind bereits kartirt im großen Maßstabe von ie F = 4176 ba und in fkleinerem Maßsta e von 1; 1000 =

57 ha.

Die nächste Hauptversammlung des „Vereins ehemaliger Einjährig - Freiwilliger der Kavallerie“ findet am 91, Oktober, Abends 8 Uhr, bei Jacob Knoop, Potsdamerstraße

136/137, statt.

__ In Friedenau wird Donnerstag, den 22. Oktober, um 1 Uhr die Grundsteinlegung der evangelif<en Kirche stattfinden. Die Festansprace hält der Konsistorial-Rath Schrader.

Ueber die Witterung im September berichtet die „Stat Corr.“ nah den Beobachtungen des Königlichen Meteorologischen In- stituts : Ein \{<söner Herbstmonat, der nah dem kühlen und regne- rishen Sommer um fo angenehmeren und freundlicheren Eindru> mate! Zahlreiche sonnige Tage mit Maximaltemperaturen, wie sie selbst im Hohsommer selten sind, ließen die vorgerü>te Jahreszeit vergessen und entshädigten etwas für die Unbilden der Witterung in den voraufgegangenen Monaten. Nach der Mitteltemperatur gebührt allerdings diefe Anerkennung dem September nur in sehr beschränktem Maße, da die Monatêmittel überall in Norddeuts{- land nur wenig, höchstens einen Grad, über ihren normalen Werthen lagen. Dieses gewiß unerwartete Ergebniß hat seinen Grund darin, daß der hohen Tageswärme, die sih eben am Meisten fühlbar mat, bei dem vielfa wolkenlosen Himmel in der Nacht starke Abküh- lung folgte, und daß andererseits die intensive Erwärmung am Mo- nat8anfang dur eine Reibe re<t kühler Tage gegen Monats\{luß wettgema<t wurde. Dagegen erscheint der verflossene Monat bezüg- li< der mittleren Vewölkung und der Niederschlazsverhältnisse in hervorragend günstigem Licht. Dies zeigt si< unmittelbar in der relativen Häufigkeit” dêr heiferen und in der Seltenheit nit nur der trüben Tage, sondern au< der Tage mit Nieder- \{lag, von wel lehteren zumeist no< nit zehn beobahtet wurden. Aber au<h die Monatssumme der Niederschläge ist fast überall gering; nur an einzelnen Punkten der Ostseeküste und in Mitteldeutshland wurde das vieljährige Miel überschritten und in dem leßteren Gebiete ledigli<h in Folye eines einzigen Gewitterregens, der am 21. niederging und vielfa eine der gesammten normalen Monats- summe gleiche Höhe erreihte. Die ersten Tage des Monats stellen die wärmste Periode desselben dar. Hoher Luftdru> im Süden und niedriger im Nordwesten bezw. Norden bedingten südliche bezw. süd- westliche Winde und damit die hohen Temperaturen. Am 5s. trat ziemlih bedeutende Abkühlung ein, sodaß die Wärme nahezu ihren normalen Stand inne hatte. Nachher verlagerte ih über Central- Europa eine Anticyklone, welche keine wesentlihe Aenderung der Tem- peraturverbältnisse, aber andauernd heiteres und tro@enes Wetter ver- anlaßte. Vom 15. ab liegt der Kern bohen Luftdru>s im Südwesten, niedriger Luftdru> im Norden; westli<he Winde bringen nun Trübung und Regen, aber glei<hfalls no< keine Wärmeänderung Erst eine von Westen herannahende Cyfklone verursahte um den 20. auf ihrer Vorderseite zunähst merkbare Erwärmung, alsbald aber na< dem Vorübergange \<nelle Erkaltung. Au< mit der Auébreitung des nahfolgenden Luftdru>marimums hielt die Erkaltung bei heiterem Wetter an und erreite um den 24/25. ihren höchsten Grad. Gegen Monatés{luß wurden im Nordwesten vorüberziehende Depressionen von Eixfluß, welche südwestlihe Winde und wieder zunehmende Er- wärmung im Gefolge hatten. In Berlin war die höchste Tempe- ratur mit 27,7 ° C. am 4. September, die niedrigste mit 5,09 C. am 25.; das Monatsmittel betrug 15,6 und war um 0,79 C. böber als die normale. Niederschläge fanden an 10 Tagen ftatt, an 1 Tag war Gewitter, an 1 Nebel, an 8 Tagen war es heiter, an 6 trübe.

Im Zoologischen Garten hat das große BVogelhaus in jüngster Zeit mehrfa<he Zugänge zu verzeihnen gehabt, unter denen als einer der interessantesten der südamerikanis<e Glod>envogel die Aufmerksam- teit des Publikums verdient. Auffallend ist an ihm das \{neeweiße Gefieder, da in der Regel die Bewohner des tiefen, fast ets in Dämmerung gebüllten Ürwaldinnern, wel<hes au< das Heim des Glod>envogels bildet, grüne oder wenigstens dunkle Farbentöne zeigen. Fast no< mehr aber matt si das Thier dur jeine Stimme be- merkbar, welhe. aus der Ferne Glo>tentönen ähnelnd, ihm den Namen verschafft hat. In cinem mit Glaswänden versehenen Käfig sieht man jegt ferner ein Paar ebenfalls aus Süd-Amerika stammender, überaus zierliher und behender Zwergsumpfhühnchen, welche sowohl dur< ihr \{<mud>es Neußere wie dur< ihr munteres Wesen anziehen. Von Sumpfvögeln ist in det großen Flugvoliere ferner eine bisher unter dem bunten Gewimmel der Stelzvögel noh niht vertretene Art hinzugekommen, nämlich Limosen oder Ufer- \{nepfen _ in einer Scaar von etwa 10—12 Exemplaren, die dur< ihren außerordentli< langen, <wa<h aufwärts gebogenen Schnabel u den Kampfläufern, Kiebizen, Austernfishern u. \. w. fehr auffallen.

_ Brandenburg. Am Sonntag wurde in Brandenburg der erste Vereinstag der katholishen Vereine der Mark Brandenburg abgehalten, an wel<em etwa 300 Delegirte unter dem Vorsitz des Direktors E Eirund theilnahmen. Der Zwe> dieser Versammlungen ist, wie der Vorsitzende, der „Germania“ zu- folge, erklärte, eine feste Vereinigung der Katholiken in der Mark zu bilden, die um so nothwendiger sei gegenüber den auf Umsturz aller s\taatli<hen und fkir<lihen Ordnung gerichteten Bestrebungen, ferner eine Organisation niht allein der fatholishen Vereine sondern für alle Katholiken in der Mark Brandenburg und vielleiht im ganzen Delegaturbezirk zu schaffen. Diesem ersten Versu scll im nächsten Frühjahr ein Vereinstag in Eberswalde und im Herbst ein weiterer an cinem anderen Orte der Mark folgen ODahinter aber \{lummere der Gedanke, daß es au einmal na< mehreren Fahren mögli<h sein werde, die General- versammlung der Katholiken Deutsclands in der deutschen Reichs- hauptstadt tagen zu sehen. Beschlüsse wurden auf der ersten Ver- sammlung nicht gefaßt.

Glogau, 19 Oktober. Der „Magdb. Ztg wird gemeldet: Seit heute früh steht die hiesige Brücke über die Oder in hellen Flammen. Die Pioniere {lagen Pontons.

Warmbrunn, 18. Oktober. Heute fand hier die feierliche Enthüllung des vom hiesigen Militärverein und anderen Bürgern errihteten Denkmals für die verewigten beiden Kaiser Wil- helm I. und Friedrich IIl. ftatt. Das Denkmal zeigt, wie der „N, A. Z* berihtet wird, auf seinem Unterbau einen mächtigen Sandsteinwürfel und darüber eine mit einem Adler gekrönte Pyramide, Auf der Vorderseite des Würfels befinden sih unter einer Krone die Medaillonbilder der beiden Kaiser mit den ihre Regierungszeit kenn- zeihnenden Denksprüchen: „Ich habe keine Zeit, müde zu sein“ und „Lerne leiden, ohne zu klagen.“ Die Rückseite trägt die Widmung und links und re<ts sind die Namen der in den Feldzügen von 1866 und 1870/71 gefallenen Krieger Warmbrunns verzeihnet. Die Weihrede, in wel<her das Denkmal als ein Denkmal des Dankes an Gott, an die beiden Kaiser und an die gefallenen Helden be- zeihnet wurde, hielt der Ortsgeistlihe, Pastor D. Latrille. Ange- fertigt ist es in der Werkstatt des Bildhauers Weber hierselbst.

Frankfurt a. M, 19. Oktober. Aus Anlaß des S<hlusses der elektrote<hnis<hen Ausstellung fand nach einer Meldung des „W. T. B.“ heute Nachmittag eine Festsißung statt. Der Vorstand des Ausstellungs-Comités Herr Sonnemann erstattete einen eingehenden Bericht über den Verlauf der Ausstellung, deren Ergebniß er als sehr befriedigend bezeihnete. Wirklicher Geheimer Rath Professor Dr. von Helmholy sprah über die aroße wissenschaftlihe Bedeutung der Ausstellung. Finanz-Minister Dr. Miquel hob hervor, daß die Elektrizität dur die Ausftellung volksthümlih geworden sei. Ober- Bürgermeister Adi>kes {loß die Festsißung mit cinem Hoh auf Seine Majestät den Kaiser.

Bochum, 18. Oktober. Zur ersten Brieftauben-Aus- stellung des unter dem Protektorat Seiner Majestät des Kaisers und Königs stehenden Verbandes deutscher Brieftauben- liebhaber-Vereine, welche am 24., 25. und 26. d. M. hier stattfindet, sind, wie die „A. R.-C.* mittheilt, mehr als 1500 preisgekrönte Tauben, darunter solche von hohem Werthe, angemeldet. An Ehrens

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