1891 / 249 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

RNabsut gab sie ni<t minder ergreifend, wie die rührenden Bitten um Turiddu's Liebe und Treue. Fräulein Rothauser fang und spielte die Lola mit gewinnender Einfachheit, ohne Ueber- treiburg der Koketterie. Frau Staudigl gab die Lucia würdig, wenn auch vielleiht etwas zu jugendlih. Herr Bet, der gefeierte Sänger, \<ien als Alfio niht re<t am Play zu sein; vielleicht daß ihm die Rolle au ni<ht behagte. Die Chöre sangen sier und rein; nur war das Tempo zuweilen zu ras<, sodaß die weihevolle Stimmung, welche der Gesang vor der Kirche verbreitet, ni<t re<t zur Geltung kam. Die Ausstattung und die Scenerie waren lebenswahr und zeugten bis ins Einzelne von der großen Sorgfalt der Einstudirung. Daß die Kirche halb in den Hintergrund der Bühne gelegt ist, muß als eine willkommene Besserung angesehen werden, da sie ebenso wie der Play davor den Hauptort der Handlung bildet. Die Aufnahme war eine sehr warme. Das „Intermezzo“ zwis<hen den beiden Abschnitten wurde, wie übli, Dacapo verlangt und gewährt ; indeß möchten wir bei aller Anerkennung seines musikalis<en Werthes glauben, daß es besser sein würde, wenn diese überall übli< gewordene Unsitte in dem König- lihen Opernhause si< niht einbürgerte. j

Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin wohnten der Vorstellurg vom Anfang bis zum Schluß bei. Wie uns mitgetheilt wird, hat Sih Seine Majestät nah der Vorstellung an- erkennend und höchst befriedigt über die mytbologishe Tanzdichtung „Prometheus“ sowie über die Oper „Cavalleria rusticana“ und die Aufführung beider] Werke ausgespro<en und dem Herrn General- Intendanten befoblen, den Betreffenden diese Allerhö<ste Anerkennung zur Kenntniß zu bringen.

Sing-Akademie. ; :

Die junge höch begabte russishe Pianistin Fräulein Sophie von Posnansky gab gestern ihren zweiten Klavierabend, der no< in gesteigertem Maße die Vielseitigkeit ihres virtuosen Spiels hervor- treten ließ, zumal das Programm Stücke von no< bedeutenderer Shwierig- keit enthielt, als das des ersten Abends. Schumann's „Davids- bündler“, ein wahrer Ae ad für Concertspieler, erfordern in feinen sehr mannigfaltig konstruirten zahlreiben Abschnitten {hon eine sehr dur{gebildete Künstlerhand und ein tiefes Eingehen in den Genius des Komporisten, wenn sie dem Zuhörer klar vorgeführt werden sollen. Beides war der Concertgeberin zu eigen. Die As- dur - Polonaise von Chopin if wohl sehr selten von einer Dame fo vor- trefli< ausgeführt worden; die Klarheit und Rapidität der Oktavengänge der linken Hand seßte Alles in Erstaunen. Auch die zarte Behandlung der melodiösen Stellen im Nocturne und in der Berceuse desselben Komponisten, sowie ihre sorgfältige Phrasirung in den Variationen von Brahms über ein Thema von S<humann und in der A-dur-Sonate von Beethoven verdienen das größte Lob. Konnten wir uns au< mit den Tempobewegungen der <romatishen Phantasie von Bach nit immer einverstandea erklären, so war doch die ges<ma>volle Ausführung der kleinen zum SW{luß gespielten Salonstü>ke von Saint-Saëns, Tschaikowsky und Rubinstein tadellos und von außerordentli<her Wirkung.

VFn der Vorstellung der Oper „Cavalleria rusticana“ am Sonn- abend im Königlichen Opernhause sind die Damen Pierson, Dietri<h und Lammert, die Herren Rothmühl und Bulß beschäftigt. In der Sonntagsvorstelung der Oper „Der Prophet“ seßt Frau Ritter-Göte ihr Gastspiel fort. E L :

Das Deutsche Theater bereitet für die nähste Zeit eine Reihe von Aufführungen vor, wel<he neben ihrer dramatishen Einzelwirkung

dur die literarisGe Zusammengebörigkeit der Stücke und die ôns- li<keit ibres Dichtéïs sich zu einem <arakteristishen Gesammtbild aneinanders<ließen. Es handelt sih um einen Cyklus der hauptsäch- lihsten Dramen Goethe's, welcher in kurzen Zwischenräumen bereits im Laufe des Novembers in Scene gehen soll. Jn jeder Woche sollen zwei bis drei Aufführungen statifinden, sodaß der ganze Cyklus \i< auf ungefähr vier Wochen vertheilen wird. Für die Gesammtheit der Aufführungen ist cin Abonnement in Aussiht genommen, dessen Be- dingungen nebst der Reihenfolge der aufzuführenden Stü>ke in den näâthsten Tagen kund gegeben werden wird.

Julius Wisbe>, der bisherige artistishe Sekretät des Lessing- Theaters, ist in der gestrigen Naht seinen {weren Leiden erlegen. Das Institut, dem er angehörte, verliert an ihm einen treuen und kenntnißreihen Mitarbeiter. In der Theaterwelt hatte sih der Peimgegangene cinen gea<teten Namen und lebhafte Sympathien erworben.

Als zweite Kinder-Vorstelung bringt das Belle-Alliance- Theater am Sonnabend Nachmittag wieder das beliebte Märchen „Die Heinzelmännchen“. ;

Morgen Abend 7+ Uhr findet in der Sing-Akademie das Concert des Violinvirtuosen Johann Kruse unter Mitwirkung der Concertsängerin Frau Cornelia- S<mitt-Csänyi statt; den Orhhester- part übernimmt das Philharmonishe Orchester unter Leitung des Herrn Prof. Dr.Joacim. Für das erstephilharmonisheConcert unter Hans von Bülow?!s Leitung findet am Sonntag, Vormittags 114 Uhr, in der Philharmonie die öffentlihe Hauptprobe statt; das Programm bringt Haydn's Symphonie in D (Nr. 5 der Breitkopf u. Hâärtel’s<en Ausgabe), Mozart's G-moll-Symphonie und die VII. Symphonie in A-dur von Beethoven. Der Kartenverkauf (2 S6) ist bereits bei Bote u. Bo>k eröffnet. : :

Fräulein [Helene Mayer wird in ihrem am Dienstag im Saal des „Römischen Hofs“ stattfindenden Concert eine Arie aus Rossini’'s „Semiramis“, sowie Lieder von Shubert, Schumann, Liszt, Brahms, H. Hofmann und O. Eichberg zum Vortrag bringen. Der Klaviervirtuo)se Percy Shorvood wird in seinem am 27. Oktober in der Sing- Akademie stattfindenden, gemeinshaftlih mit dem Hof-Opernsänger Paul Jensen aus Dreéden zu ver- anstaltenden Concert von größeren Werken Beethoven's Sonate op. 109 und Shumann's Phantasie op. 17 zu Gehör bringen. Kammersänger Carl Perron wird hier am 3, November in der Sing-Akademie gemeinshaftlih mit dem Klavier- virtuosen Emil Paur ein Concert veranstalten, in wel<hem er u. A. Beethoven's Liedercyclus „An die entfernte Geliebte“ vorzuiragen gedenkt. Fräulein Käthe Lenbach, die junge Sängerin, wel<he am 4. November zum ersten Mal in Berlin in der Sing-Akademie auftreten wird, ist eine Shülerin Eugen Gura's. Herr Alberto Jonas, der spanische Klaviervirtuose, wird in seinem hiesigen Concert in der Sing-Akademie am 6. November in das Concert u. A. A-moll von Paderewski spielen; das Werk wurde in Berlin bisher nur vom Komponisten in einem der vor- jährigen Philharmonischen Concerte vorgetragen. Das hier bereits vortheilhaft bekannte Geshwisterpaar Jo hanna und Willy Bur- mester (Klavier und Geige) wird Anfang November hier in der Sing-Akademie concertiren. i :

Zum Geburtstage Albert Lorßing's veranstaltet Kapellmeister Meyder im Concerthause morgen unter Mitwirkung der Concert- sänger Herren Rosenthal und Federhof-M öller eine besondere Lorting- Feier. Herr Rosenthal wird an diesem Abend das Lied aus der Oper „Der Waffenshmied“ und das Lied aus der Oper „Zar und Zimmer-

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mann* fingen. Herr Federhof-Möller singt das Lied aus der Oper „Undine“. Das Orchester bringt die Fest-Ouverture, den Hol;shubtanz aus der Oper „Zar und Zimmermann“, die Phantasie „Ein Immor- tellenkrarz auf das Grab Vorßing's“, die Ouverture zur Oper „Zar und Zimmermann“, die Balletmusik aus der Oper „Casanova* 2. zur Aufführung. i

Die neuesten Nummern der Lessmann’s<hen „Allgemeinen Musikzeitung* enthalten eine interessante Betrachtung von A. Heinßtz unter dem Titel: „Das Geheimniß Wagners und seine Offenbarung zu Bayreuth.“ Die jezige Verwaltung der Bayreuther Bühnenfestsviele im Vergleich mit den ursprünglichen Intentionen des verewigten Meisters wird in dieser Betrachtung aufs Eingehendste Fritisirt,

Nach S@&luß der Redaktion eingegangene Depeschen.

München, 22. Oktober. (W. T. B.) Die Kammer der Abgeordneten nahm heute einstimmig den Gesegz- en:wurf, betreffend die Forderung von 14963000 zur Vermehrung des Fahrmaterials an. Jm Laufe der Debatte erklärte der Minister-Präsident Freiherr von Crailsheim, daß er dem Gedanken, für unvorher- gesehen auftretenden Bedarf an „Fahrmaterial ebenso wie für den Ankauf von Grundstü>en einen besonderen Fonds zu beschaffen, sympathish gegenüberstehe. Ebenso sympathish sei ihm die Anregung, in Zukunst eine höhere Summe für A e ehrung des Fahrmaterials in das Budget ein- zustellen.

Die Einnahmen der bayerishen Staatsbahnen betrugen im Monat September 10511025 A gegen August cr. 64 645 (6, mehr. Die gesammten Einnahmen seit dem 1. Januar betragen 77 725 149 M, daher 2 139 577 M weniger als im Vorjahre, obwohl die Länge der Eisenbahnen in diesem Jahre um 82 Kilometer größer ist.

Wien, 22. Oktober. (W. T. B.) Der Kaiser empfing heute Vormittag den Herzog Wilhelm von Württem- berg in Audienz.

n der heutigen Sißung des Abgeordnetenhauses erklärte der Handels-Minister Marquis Bacquehem, die öster- reichische und die ungarishe Regierung seien mit der Re- form der Patentgeseßgebung beschäftigt; allein der Zeit- punkt ihrer aug sei gegenwärtig noh nit zu bestimmen.

London, 22. Oktober. (W. T. B.) Nach einer Mel- dung des „Reuter'shen Bureaus“ aus Buenos-Aires vom 21. d. M. ist der Verwaltungsrath für den neu zu er- rihtend-n Banco Unico nunmehr ernannt. Die Bank wird am 2, November eröffnet.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

E

Scauspielhaus. 224, Vorstellung.

Die Augen | alljährlih in der feierlihsten Weise neu gewählt und

Concert-Haus. Freitag: Karl Meyder-Concert..

Wetterbericht vom 22. Oktober,

Morgens 8 Uhr. des Herzens. Familienbild in 1 Aufzug von

G. Gallina. Aus dem JItalienishen von J. Stinde. In Scene geseßt vom Ober-Regisseur M. Grube. Am Fenster. Lustspiel in 1 Aufzug von Felix Philippi. In Scene geseßt vom Regisseur Plaschke. Herrn Kaudel’s8 Gardinenpredigten. Lustspiel in 1 Aufzug von G. v. Moser. Regie : Hr. Krause. Anfang 7 Ühr.

Sonnabend: Opernhaus. 216, Vorstellung. C8- valleria rusticana (Bauern-Ehre). Oper in 1 Aufzug, nah dem gleihnamigen Volksstü> von Berga. Musik von Pietro Mascagni. In Scene geseßt vom Ober-Regisseur Tehlaff. Dirigent: Kapell- meister Weingartner. Vorher: Prometheus. Musik von Beethoven. Nach einer mythologis<hen Tanz- dihtung E. Taubert’s in 2 Akten von Emil Graeb. Dirigent : Musikdirektor Hertel. Anfaog 7 Uhr. Scausvielhaus. 225, Vorstellung. Zum 1. Male: Wohlthätige Franen. Lustspiel in 4 Aufzügen von Adolph L'Arronae. Jn Scene gesetzt vom Ober- Regisseur Max Grube. Anfang 7 Uhr.

Deutsches Theater. Freitag: Des Meeres und der Liebe Wellen.

Sonnabend: Die Stühen der Gesellschaft.

Sonntag: Die Kinder der Excellenz.

Die nächste Aufführung von „Der Psarrer von Kirchfeld““ findet am Montag statt.

Berliner Theater. Freitag: 8. Abonn.-Vorst. Die Bluthochzeit. Anfang 7 Uhr.

Sonnabend: Zum 1. Male: Efther. Der Geizige.

Sonntag: Nam. 23 Uhr: Die Bluthochzeit. Abents 7} Uhr: Esther. Der Geizige.

Tessing - Theater. Freitag: Zum 1. Male:

Die Grof:ftadtluft. U R A elburg. An- Uebersicht der Witterung. ed “* vate un unay Na g

Ein barometris<es Maximum liegt über Nord: | Sonnabend und Sonntag: Die Grofstadtluft. west-Rußland, ein anderes von geringerer Höhe über E Süd-Deutschland, während die Depression im Nord- westen wenig Aenderung zeigt. Am Kanal wehen | Wallner-Theater. Freitag: Zum 4, Male: starke bis stúrmishe südli<he Winde. Das Wetter Sportgeschichten. Posse in 1 Akt von Iulius ist bei {water meist südlicher bis westliher Luft- Freund. Hierauf: Zum 4. Male: Gewagte bewegung in Deuts<hland andauernd mild, im Westen | Mittel. Lustspiel in 3 Akten yon Francis Stahl. Beau beiter, sonst rene j N d 0E Dae Unfang 74 Uhr.

egen gefallen, in erhebliher Menge in den süd- > : L e ind lichen ebietstheilen. Aus Süd-Norwegen, Dâäne- O Sportgeschichteu Gewagte mark sowie aus dem nordwestlihen und südlichen Sonntag: Gewagte Mittel. Hierauf, auf all-

rankrei<h werden große Regenmengen gemeldet. | (¿meines Verlangey: CavaUleria Berolina.

Nizza 51, Cherbourg 45 mm.) s E 5 Deuts<he Seewarte.

S Ds Friedrih - Wilhelmfstädtishes Theater. E | Freitag: Der Vogelhändler. Overette in 3 Akten , von West und Held. Musik von C. Zeller. Regie: Theater-Anzeigen. Ls Binder. Dirigent: Hr. Kapellmeister Karpa.

d z : nfang' 7 Uhr. - ; Königliche Schauspiele. Freitag: Opern- | Sonnabend : Der Vogelhändler. haus. 215, Vorstellung. Cavalleria rusti-

Stationen. Wetter.

> Q- OBE G s © 2 V = 25 5 = Wo 2A A Di S

in 9 Celsius

Temperatur 2] 5C. =40R.

halb bed. bede>t bede>t Regen Regen halb bed. wolkenlos bede>t

J V e

Mullaghmore Lian ansun Kopenhagen . | 748 Stod>holm . | 753 Danrs i066 t.Petersburg| 767 Moskau... | 764 Cork, Queens- : town . ….. | 737 heiter Gherbourg . | 741 Regen elder... | 746 bede>t ylt TAT wolkenlo82

Hamburg . . | 750 Swinemünde | 750 Neufahrwasser| 750 Memel. | 752 Paris .……. 750 Münster. .. | 750 |S 1/\wolkenlos Karlsruhe . . | 755 2 wolkenlos Wiesbaden . | 754 2\wolkig München .. | 757 |S 4|bede>t Ghemniy .. | 754 2|bede>kt Berlin... . | 752 3|bede>t Wien .…... | 754 2 halb bed. Breslau . . . | 752 1|bede>t

e d'Aix .…| 749 6 [wolkig izz 755 2 wolkenlos

e A Mae CDD 3 Regen

1) Nachts Regen.

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Donnerstag, 29. Oktober: Zum 1. Male, mit

na (Bauern-Ehre). Oper in 1 Aufzug, nah | durhaus neuer Ausftattung und verstärktem Orchester : bei A lDiriaigeit B lrettu n Verga. Musikivon | Die Basoche. Komische Oper in 3 Akten von Carré.

ietro Mascagni. In Scene geseßt vom Ober- | Deutsch von R. Genée. Musik von André Messager. Regisseur Teplaff. Dirigent: Kapellmeister Wein- | In Scene geseßt von Julius Frische. Dirigent : gartner, Vorher: Promethens. Mußk von Kapellmeister Federmann. „Basoche“ war eine Zanst Beethoven. Nah einer mythologishen Tanzdichtung | der Parifer Parlaments- Advokaten, welche mit ver- E. Taubert's in 2 Akten von Emil Graeb. Diri- | shiedenen Privilegien ausgestattet. Der König der

im glänzenden Umzuge zum S@loß geleitet, wo ihn der König von Frankreich in Audienz empfing.

Residenz-Theater. Direktion ; Sigmund Lauten- burg. Freitag: Zum 24. Male: Besuch nach der Hochzeit. Lustspiel in 1 Akt von Alexander Dumas. Deuts von Paul Blo>k. In Scene geseßt von Sigmund Lautenburg. Hierauf, zum 24. Male: Von Dreien der Glüclichste. Schwank in 3 Akten von Labihe und Gondinet. Regie: Emil Lessing. Anfang 7# Uhr.

Sonnabend u. folg. Tage: Dieselbe Vorstellung.

Belle-Alliance-Theater. Freitag: Zum 85, Male mit durHweg neuer glänzender Ausftattung an Dekorationen, Kostümen, Ballets, Waffen-Requi- siten, Beleuhtungéeffecten 2c. Jung-Deutschloud zur See, Großes Ausstattung3-Zeitbild in 4 Akten (7 Bildern) von Ernst Niedt. Im 6. Bilde: Wirk- lies Rennen auf der Bühne von lebenden Pferden. Anfang 7F Ubr.

Sonnabend: Dieselbe Vorßellung.

Morgen, Sonnabend: Zweite Kinder - Nach- mittags - Vorstellung zu ermäßigten Preisen. „Die Heinzelmännchen.“ Märchen-Komödie mit Gesang und Tanz von Oscar Klein.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: 1. Vo!ks-Vorstellung zu Vo!kspreisen (Eintritt auf sämmtlihen Pläßen des Theaters 1 M). Preciosa.

Vorvelkauf zu beiden Vorstellungen von heute ab an der Theaterkasse.

Adolph Ernst-Theater. Freitag: Zum 53, Male: Der große Prophet. Gesangsposse in 4 Akten von Leon Treptow. Covplets von Gustav Görß. Musik von Gustav Steffens, Mit voll- ständig neuen Kostümen. Die neuen Dekorationen find aus dem Atelier der Herren Wagner und Bukacz. In Scene geseßt von Adolph Ernst. Arfang 73 Uhr.

Sonnabend : Dieselbe Vorstellung.

Thomas=-Theater. Alte Jakobstraße 830.

Direktion: Emil Thomas. Freitag: Zum 2. Male: Unruhige Zeiten, oder: Ließze's Memoiren. Posse mit Gesang in 3 Akten (8 Bildern) von Emil Pohl für das Thomas- Theater neu bearbeitet. Die neuen Couplets von A. Bender. Musik von A, Conradi und J. Doebber. In Scene geseßt von Emil Thomas. Anfang 74 Uhr. Sonnabend : Dieselbe Vorstellung.

Concerte.

Sing - Akademie. Freitag, Abends 7# Uhr: Concert von Johann Kruse, unter gefällioger Mit- wirfung der Concertsängerin Frau Cornelia Schmitt- C'ányi und unter Mitwirkung des Philharmonischen Orchesters, unter gütiger Leitung des Herrn Prof Jos. Joachim.

Philharmonie. Freitag, Abends 74 Ukhr:

Lorzing-Feier unter Mitwirkang der Concertsänger Herren Rosenthal und Federkof-Möller.

Urania, Anstalt für volksthümlihe Naturkunde.

Am Landes - Ausstellungs - Park (Lehrter Bahnhof): Geöffnet von 12—11 Uhr. Täglich Vorstellung in E Theater. Näheres die Ans{lag= zettel,

Circus Renz. Karlstraße. Freitag: Abends 74 Uhr: „Auf Helgoland, oder: Ebbe und Fluth*“, gr bydrologis<e Ausstattungs-Pantomime in 2 Abthei- lungen mit National:Tänzen (60 Damen), Aufzügen 2c Dampfschis;- und Bootfahrten, Wafserfällen Riesenfortänen mit allerlei Lihteffekten 2c., arrangirt und inscenirt vom Dir. E. Renz. Kunst- \{wimmerinnen drei Geschwister Jobnson. Swluß- Tableau: Grande Fontaine Lumineuse, in einer Höhe von mehr denn 80 Fuß aus\trahlend. Außertem :: 6 Trakehner Rapvhengste, zusamm. dress. u. vorgef- von Hrn. Franz Renz. 4fa<e Fahrschule, geritten von 4 Herren mit 8 Sculpferden. Sgulpferd Coriolan, geritten v, Frl Oceana Renz. Großes Hürden Rernen mit Vellblutspringpferden, geritten von Darnen und Herren. 3 Athleten zu Pferde, von den Gebr. Briatore. Geschwister Cottrelly, Cquilibristinnen. Mlle. Adele, Parforcereiterin. Mr. F. Chiarini, Jo>keyreiter. Mr Alexandre, Saltomortalesreiter. Mr. Faëcio, Voltigeur 2c. Komishe Intermezzos von sämmtl. Clowns. L Sonnabend; Gala- Vorstellung. „Auf Helgoland“. Sonntag: 2 Vorstellungen. Nam. 4 Uhr (ein Kind frei): Auf vielseitiges Verlangen : „Die [ustigew Heidelberger“. Abends 75 Uhr: „Auf Helgola::d“®.

GCEEEKITEMTDGI R SOUD D R C Zt N

Familien-Nachrichten.

Verlobt: Frl. Elly E>ert mit Hrn. Ritter- gut eler Vollrath Lübbe (Berlin—Klein-Lunow- in Mel.) ;

Vereheli<t: Hr. Ludwig Frhr. von Hammerstein- Gesmold mit Frl. Gertrud von Mandelsloh (Celle). Hr. Lieut. Leo Tellenbah mit Frl. Anni von Treskow (Stünzhain bei Altenburg).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Albre<t von Estorff (Veerßen).

Gestorben: Frl, Margarethe von Villaume (Potsdam). Hr. Hauptmann Sell (Stettin). Verw. Fr. Superintendent Therese Beni>ke, geb. Kühze (Stolpe). Hr. Lieutenant Max Rudlcff (Vogelsang bei Lalendorf_in Me>l.) Hrn. Hauptmann von Zander Sohn Albre<t (Soldau).

Redacteur: Dr. H. Klee, Direktor. Berlin:

Verlag der Expedition (S< olz).

Dru> der Norddeutshen Buchdru>kerei und Verlags Anstalt, Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32. Fünf Beilagen (einshließli<h Börsen - Beilage), und ein Prospckt der Firma Oscar Sperling:

Populärer Klavier-Abend von Prof. Heinrih Barth.

gent: Musikdirektor Hertel. Anfang 7 Uhr. Basfoche, welher au Münzen prägen durfte, wurde

in Leipzig üver Brief- und Formular-Schränke.-

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

A P

M 249.

Personalveränderungen.

Königlich Preußische Armee.

Offiziere, Portepee - Fähnriche x. Ernennungen, Beförderungen und Verseßungen. Im aktiven Heere. Neues Palais, 20. Oktober. v. d. Burg, General der Infan- terie und kommandirender General des Il. Armee-Corps, in Geneh- migung feines Abschiedsgesuhes mit Pension zur Disp. und gleichzeitig à la suite des 1. Garde-Feld-Art. Regts. geftellt. v. Blomberg, Gen. Lt. und Commandeur der 5. Div.,, zum kommandirenden Ge- neral des II. Armee-Corps, Vogel von Fal>enstein, Gen. Lt. und Direktor des Allgemeinen Kriegs-Departements im Kriegs- Ministerium, zum Commandeur der 5. Div., v. Goßler, Gen. Major und Commandeur der 43. Inf. Brig., kommandirt zur Dienstleistung bei dem Kriegs-Ministerium, ¿um Direktor des Allgemeinen Kri?gs- departemernts im Kriegs-Min sterium, v. Schmidt, Oberst und Commandeur des Inf. Regts. Freiherr von Sparr (3. Westfäl.) Nr. 16, unter Beförderung zum Gen. Major, zum Commandeur der 43. Inf. Brig.,, ernannt. v. Bernuth, Oberst-Lieut. und etatsmäß. Stabsoffizier des Inf. Negts. von Horn (3. Rhein.) Nr. 29, mit der Führung des Inf. Regts. Freiherr von Spacr (3. Westfäl ) Nr. 16, unter Stellung à la suite desselben, beauftragt. Frhr. v. Bothmar, Oberst-Lt. vom Inf. Regt. Nr. 136, als etatsmäß. Stabs- offizier in das Inf. Regt. von Horn (3. Rhein.) Nr. 29 verseßt. Meißner, Major vom Inf. Regt. Nr. 136, zum Bats. Commandeur ernannt. v. Heeringen, Major aggreg. demselben Regt., in dieses Negt. wieder einrangirt. v. Didtman, Gen. Major und Inspecteur der Jäger und Schützen und beauftragt mit Führung der Geschäfte des Kommandos des Meitenden Feldjägercorps, unter Entbindung von diesem Verhältniß, mit der Führung der 8. Division beauftragt. v. S<hweinichen, Gen. Major und Commandeur der 39. Inf. Brig., zum Inspecteur der Jäger und Schüßen ernannt und gleich- zeitig mit der Führung der Geschäfte des Kommandos des Reitenden Feldjägercorps beaufiract. v. Alvensleben, Oberst und Com- mandeur des Jnf. Regts. Herwarth von Bittenfeld (1. Westfäl.) Nr. 13, unter Beförderung zum Gen. Major, zum Commandeur der 39. Inf. Brig, von Warendor ff, Oberst und etatsmäß. Stabsoffizier des 5. Westfäl. Inf. Regts. Nr. 53, zum Commandeur des Inf. Regts. Herwarth von Bittenfeld (1. Weftfäl.) Nr. 13, ernannt. Frhr. von Massenbach, Oberst-Lt. vom 5. Thüring. úInf. Regt. Nr. 94 (Großherzog von Sa&sen), als etatsmäß. Stabs- offizier in das 5. Westfäl. Inf. Regt. Nr. 53, v. Wagenhoff, Major und Bats. Commandeur vom Gren. Regt. König Friedri II. (3. Oftpreuß.) Nr. 4, in das s. Thür. Inf. Regt. Nr. 94 (Großherzog von Sachsen), versetzt. Bur >hardt, Major vom Gren. Regt. König Friedri II. (3. Oftpreuß.) Nr. 4, zum Bats. Commandeur crnannt, Fun>, Major aggreg. dem Gren. Regt. König Friedrich Ik. (3. Ost- preuß.) Nr. 4, in dieses Regt. wiedereinrangirt. v. Amann, Oberst à la suite des Kadetten-Corps und Commandeur deéselben, von Rosen, Oberst à la suite des Kür. Regts. Graf Wrangel (Ostpreuß.) Nr. 3 und Commandeur der 10. Kav. Brig, Graf v. Wartens- leben, Oberst à la suite des Westfäl. Drag. Regts. Nr. 7 und Commandeur der 36. Kav. Brig., Knappe, Oberst à la suite des Eisen- bahn-Regts. Nr. 1 und Commandeur der Eisenbahn-Brig., zu Gen. Majors befördert. v. Winterfeld, Gen. Lt. und General-Adjutant Seiner Majestät des Kaisers und Königs, Commandeur der 20. Div., von dem Kommando zur Dienstleistung bei dem General-Feldmarschall Prinzen Albre<t von Preußen Königliche Hoheit entbunden; derselbe führt neben seinen anderweiten Dienstgeschäften vorläufig noh die ihm übertragenen Geschäfte des fehlenden Chefs des Stabes der 1. Armee-Insp. fori. von Krosigk, Gen. Lt. und Chef des Militär-Reitinstituts, unter Entbindung von dem Kommando zur Ver- tretung des Commandeurs der 20. Div., zum Inspecteur der 1. Kav. Insp. ernannt. von Willich, Oberst u. Command. des 2. Garde- Drag. Regts. und kommandirt zur Vertretung des Chefs des Militair-Reitinstituts, unter Stellung à la suite des geda<hten Regts., mit Wahrnehmung der Geschäfte des Chefs des Militär-Reitinstituts beauftragt. Prinz Heinrich XRX. Reuß Dur(hlaucht, Oberst- Lt. und etatsmäß. Stabsoffizier des Regts. der Gardes du Corps, Fommandirt zur Vertretung des Commandeurs des 2, Garde-Drag. Regts, zum Commandeur dieses Regts. ernannt. Graf v. d. Asse- burg, Major und etatsmäß. Stabsoffizier des 1. Garde-Ulan. Regts., in gleiher Eigensbaft zum Regt. der Gardes du Corps versetzt. v. Tres>ow, Major vom 1. Garde-Ulan. Regt.,, unter Entbindung von dem Kommando als Adjutant bei der Garde-Kavallerie Division, zum etatsmäßigen Stabsoffizier ernannt. v. Dewit, Rittm. und Commandeur der Leib-Eêcadr. vom Leib- Garde-Hus. Regt.,, als Adjut. zur Garde-Kav. Div. kommandirt. v. Goßler, Rittm. à la suite des Leib-Garde-Hus. Regts., unter Entbindung von dem Verhältniß als Lehrer bei dem Militär-Reit- institut, als Escadr. Chef in das Regt. einrangirt. v. Trotha, Rittm. und Eécadr. Chef vom Leib-Garde-Hus. Regt.,, zum Com- mandeur der Leib-Escadr, ernannt. Brecht, Rittm. und Eécadr. Chef vom 1. Westfäl. Hus. Regt. Nr. 8, unter Stellung à la suite des Regts., als Lehrer zum WMülitär - Reit- institut, v. Burgsdorff, Rittm. vom 2. Westfäl. Hus. Regt. Nr. 11, unter Entbindung von dem Kommando als Adjutant bei der 35, Kav. Brig., ais Escadr. Chef in das 1, Westfäl, Hus, Regt. Nr. 8, verseßt. Frhr. v. Willisen, Pr. Lt, vom Drag. Regt. Freiherr von Derfflinger (Neumärk.) Nr. 3, als Adjutant zur 35, Kav. Brig. kommandirt. v. Priem, Rittm. und Escadr. Chef vom Hus. Regt. König Wilhelm T. (1. Rhein.) Nr. 7, kom- mandirt zur Dienstleistung bei des Fürsten zu Schwarzburg-Rudol- stadt Durhlaucht, zum Flügel-Adjutanten des Fürsten zu Shwarzburg- Rudolstadt Durchlaucht ernannt. v. Wallenberg, Rittm. aggreg. dem Hus. Regt. König Wilhelm I. (1. Rhein.) Nr. 7, als Escadr. Chef in dieses Negt. wiedereinrangirt.

Abschiedsbewilligungen. Im aktiven Heere. Neues P alais, 18. Oktober. v. Möller, Gen, Lt. und Kommandant von Magdeburg, in Genehmigung seines Abschied8gesuches mit Pension zur Disp. gestellt.

Neues Palais, 20. Oktober. v. Klüber, Obkerst-Lt. und Flügel-Adjutant des Fürsten zu Schwarzburg-Rudolstadt Durchlaucht, in -Genehmigung seines Abschiedsgesuhes mit Pension und seiner bitherigen Slügel-Adjutanten-Uniform zur Disp. gestellt.

Statistik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Der. sozial demokratis<he Parteitag in Erfurt hat gestern die no< ausstehenden Beschlüsse, die Opposition Und den Programm-Entwurf betreffend, gefaßt und wurde alsdann geschlossen. Die Bebel'she Neuner-Kommission

at natürlich beantrag , zu erklären, daß Beweise ür die gegen den Parteivorstand und die sozial- demokratische Reichstagsfraktion vorgebrahten Anschuldigungen niht erbra<t find, und daß die in dem bekannten

Man der Berliner Opposition dem Vorstande und der Frattion gemachten Vorwürfe auf Unwahrheiten beruhen, und

Berlin, Donnerstag, den 22. Oftober

der Parteitag hat diese Anträge nah dem „Vorwärts“ mit allen gegen die Stimmen .von neun Vertretern und zwei Ver- treterinnen zum Beschluß erhoben. Der Programm-Entwurf des Vorstandes, den die Kommission des Parteitages nur in unwesentlihen Punkten geändert hat, wurde von Liebkne<ht no< einmal in längerer Rede erörtert und ver- theidigt. Der Parteitag genehmigte den Entwurf einstimmig im Ganzen und ohne Debatte. Das neue Programm der sozialdemokratis<hen Partei Deutschlands stellt in der gegenwärtigen Gestalt na< Anführung der allgemeinen sozialdemokratishen Grundsäße, aus welchen die speziellen Forderungen sich ergeben sollen, folgende Forderungen auf:

1) Allgemeines gleices direktes Wahl- und Stimmre<ht mit ge- heimer Stimmabgabe aller über 20 Jahre alten Reich8angehörigen ohne Unterschied des Ges&le<ts für alle Wahlen und Abstimmungen. Proportional-Wahlsystem, und bis zu dessen Einführung geseßliche Neueintheilung der Wahlkreise na< jeder Volkszählung. Zweijährige Gesezgebungsperioden. Vornahme der Wahlen und Abstimmungen an einem geseßlichen Ruhetage. Entschädigung für die gewählten Vertreter. Aufhebung jeder Beschränkung politis<her Rechte außer im Falle der Entmündigung. 2) Direkte Gesezgebung durh das Volk vermittels des Vorschlags- und Verwerfungsre<ts. Selbstbestimmung und Selbstverwaltung des Vo!ks in Reich, Staat, Provinz und Gemeinde. Wahl der Behörden dur< das Volk, WVerantwortlihkeit und Haftbarkeit derselben. Jährlihe Steuerbewilligung. 3) Er- ziehung zur allgemeinen Wehrbaftigkeit. WVolkswehr an Stelle der stichenden Heere. Entscheidung Über Krieg und Frieden dur<h die Volksvertretung, Sli<tung aller internationalen Streitigkeiten auf \{<ied8gerihtlichem Wege. 4) Abschaffung aller Gesetze, wel<e die freie Meinungs8äußerung und das Recht der Ver- einigung und Versammlung ein\<ränken oder unterdrü>en. 5) Ab- shaffung aller Gesetze, wel<he die Frau in öffentliher und privat- re<tliher Bezichung gegenüber dem Manne benactheiligen. 6) Er- klärung der Religion zur Privatsahe. Abschaffung aller Auf- wendungen aus öffentlihen Mitteln zu kirhlihen und religiösen Zwe>ken. Die kirhlihen und religiösen Gemeinschaften sind als private Vereinigungen zu betraten, wel<e ihre Angelegenheiten voUkommen felbst- ständig ordnen. 7) Weltlihkeit der Schule. Obligatorisher Besuch der öffentlihen Volksschulen. Unentgeltlihkeit des Unterrichts, der Lehrmittel und der Verpflegung in den öffentlihen Volksschulen, so- wie in den höheren Bildungs-Anstalten für diejenigen Schüler und S@ülerinnen, die kraft ibrer Fähigkeiten zur weiteren Ausbildung ge- eignet erachtet werden. 8) Unentgeltlihkeit der Rechtspflege und des Rechtsbeistandes. Rechtsprechung dur< vom Volk gewählte Ritter. Berufung in Strafsachen. Entschädigung unschuldig Angeklagter, Verhafteter und Verurtheilter. Abschaffung der Todesstrafe. 9) Unentgeltlikeit der ärztlihen Hülfeleistung einshließli<h der Ge- burtsbülfe und der Heilmittel. Unentgeltlihkeit der Todtenbestattung. 10) Stufenweis steigende Einkommen- und Vermögenssteuer zur Be- streitung aller öffentlihen Ausgaben, soweit diese dur< Steuern zu dedzn sind. Selbsteins<äßungtpfliht. Erbschaftssteuer, \tufenweise steigend na< Umfang des Erbguts und _na< dem Grade der Ver- wandtschaft. Abschaffung aller indirekten Stzuern, Zölle und sonstigen wirths<aftspolitishen Maßnahmen, welhe die Interessen der All- gemeinheit den Interessen einer bevor;ugten Minderheit opfern.

__ Zum Sduye der Arbeiterklasse fordert die sozialdemokra- tishe Partei Deutschlands zunächst :

1) Eine wirksame nationale und internationale Arbeiters{hußz- geseßgebung auf folgender Grundlage: a. Festseßung eines höchstens aht Stunden betragenden Normal-Arbeitstages. b. Verbot der Er- werbsarbeit für Kinder unter vierzehn Jahren. ec. Verbot der Nacht- arbeit, außer für sol<he Industriezweige, die ihrer Natur nab, aus tehnishen Gründen oder aus Gründen der ösffentlihen Wohlfahrt Nachtarbeit erheischen. d. Eine ununterbro<hene NRuhepause von mindestens 36 Stunden in jeter Woche für jeden Arbeiter. e. Verbot des,Trucksystems. 2) Ueberwachung aller gewerblihen Betriebe, Erforshung und Rege- lung der Arbeitsverbältnisse in Stadt und Land dur<h cin Reichs- Arbeitsamt, Bezirks-Arbeitsämter und Arbeitskammern. Durch- greifende gewerbli<he Hygiene. 3) Rechtlihe Gleichstelung der land- wirthschaftilihen Arbeiter und der Dienstboten mit den gewerblichen Arbeitern; Beseitigung der Gesindeordnungen. 4) Sicherstellung des Koalitionsre<ts, 5) Uebernahme der gesammten Arbeiterversicherung durh das Reich mit maßgebender Mitwirkung der Arbeiter an der Verwaltung : i :

Als Sit des Parteivorstandes wurde wieder Berlin gewählt, auch soll der nähstjährige Parteitag in Berlin statt- finden, Die Vorstandswahl ergab folgendes Resultat:

C8 wurden gewählt: Reichstags- Abgeordneter Singer und Meétallarbeiter Albin Geris< als Vorsißende, Reichstags-Abgeord- neter Auer und Scriftseger Richard Fischer als Sekretäre und RMeichêtags-Abgeordneter Bebel als Kassirer. Zu Contro- leuren der VParteileitung wurden gewählt: Ferdinand Ewald (Brandenburg a. H.), Dubber (Hamburg), Kaden (Dresden), Gcettfr. Schulz (Berlin), Friß Herbert (Steitin), August E (Berlin) und Meichstags-Abgeordneter Meister (Han- nover Die vorgestrige Versammlung von Sozialdemokraten hier in Berlin, welche von den Erfurter oppositionellen Vertretern einberufen war, nahm einen sehr stürmischen, für die Oppo- sition erfolgreihen Verlauf. Nah dem Weggang der Frak- tionstreuen, den der sozialdemokratishe Stadtverordnete Zubei l angeregt hatte (vgl. die gestrige Nr. 248 d. Bl.), blieben no<h immer ctwa 600 Personen in der Versammlung zurü. Veber den Parteitag sprah zunächst der Magdeburger Vertreter Auerba<, der den Parteivorstand und besonders Bebel heftig angriff. Seinen Standpunkt präzisirend, {loß er, nach der „Voss. Ztg.“, mit den Worten: Wir wollen sein und breiben revolutionäre Sozialdemokraten. Wir wollen kein Titelchen aufgeben von unseren Prinzipien zu Gunsten der indifferenten Massen. Arbeiten Sie mit uns für die revolutionäre Sozial- demokratie. Dr, Bruno Wille, der später das Wort

nahm, bemerkte u. A. :

Vollmar's Rede habe gezeigt, wie der re<te Flügel der Partei aussehe, und lasse den linken Flügel in um so bellerer Beleuchtung ersheinen. Vollmar war konsequent, die Opposition sei die Kon- sequenz des linken Flügels. Was dazwischen liege, sei Kom- promiß. Auch mit der Organisation der Partei sei die Opposition niht einverstanden. Die Partei lasse si< ni<ht dur< Ge- walt zusammenhalten, daher sei der Gedanke der Centra- lisation ebenfalls Korruption. „Wir bäumen uns auf gegen die Dis- ziplinidee, wie sie der Parteivorstand beliebt.“ Die Zufammengehörig- keit der Partei sei eine geistige. Wie könne man da mit Ausf\{luß- dekreten kommen? Ein derartiger Ausschluß bedeute nur einen Appell an den Unverstand der Massen, bezwe>e nur, die davon Betroffenen für vogelfrei zu erklären na< mittelalterli<her Manier (Reichsact, Bannbulle 2c), das nenne man „Disziplin“; Redner nenne das Ver- gewaltigung. Dr, Wille brachte folgende Resolutionen ein:

«Pn Anbetra<ht des Umstandes, daß der Erfurter Parteitag das Bestreben zeigt, Genossen wegen taktisher und persönlicher Differenzen

9A.

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aus der Partei au8zus@ließen, erklärt die Versammlung: der Sozia- [i8mus ift eine geistige Bewegung und Gemeinschaft, aus welher Niemand dur Dekret ausge\{lossen werden kann und hat ein Aueshluße- dekret auf Grund taktisher und persönliher Differenzen die Tendenz, die Betroffenen mundtodt und einflußlos zu mahen Dieser Tendenz wollen wir nah Kräften entgegenarbeiten und zuvörderst die ausge- \{<lossenen und ausgeschiedenen revolutionären Sozialisten na< wie vor als Genoffen betraten.“ „Die Versammlung if in der Be- ziehung mit Vollmar der Meinung, daß jeder Sozialist nah geistiger Selbständigkeit für fi<h und die Genossen streben und daber Alles vermeiden möge, was die freie Selbstbestimmung des Einzelnen \yste- matish ertödtet* . pas :

_ Diese Resolutionen wurden später gegen zehn bis zwölf Stimmen angenommen. Demnächst \pra<h noch in demselben Sinne der Buhdru>er Wilhelm Werner. Herr Lief- län der beantragte, eine Kommission zu wählen, welche die Grün- dung eines Vereins dor oppositionellen Sozialisten vorberathen soll. Dieser Untrag wurde angenommen und gewählt: Werner, Wille, Scherbah, Kampfmeyer, Schwabe, Paul Ernst, Richard Baginski. Maler Link beantragte, einen Voll- ziehungsauss{<uß von 17 Personen (davon 7 sofort in Berlin, 10 im Reiche wählbar) zur Gründung einer revolutionären sozialdemokratishen Partei Deutschlands zu wählen. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Herr Pfeiffer beantragte noh folgende Resolution : i

Das diktatorishe Auftreten des Parteivorstandes und die Stellung, welche der Parteitag in Erfurt zu den Reden Vollmar's eingenommen, hat uns zu der Ueberzeugung gebraht, daß die bisherige Taktik der sozialdeniokratishen Partei eine falsche ist, die in ibren weiteren Kon- sequenzen die alte revolutionäre Bewegung zu einer Neform- und Posfi- bilistenbewegung machen muß. Die heute versammelten revolutionären Sozialdemokraten erklären, daß sie von heute ab unabhängig von der von der Parteileitung geübten Disziplin für die Befreiung des Pro- letariats propagiren und agitiren werden. Sie versprechen, mit allen ihren zu Gebete stehenden Mitteln das arbeitende Volk für eine reine und revolutionâre Sozialdemokratie ¿u gewinnen zu traten.“

__ Nachdem diese Resolution angenommen und auf Antrag Schweiger (Rixdorf) den aus der Partei ausgeschiedenen Delegirten ein Vertrauensvotum ausgesprohen war wurde die Versammlung geschlossen.

Kunft und Wissenschaft.

__— Herr Dozent Barbaro di San Giorgio wird auf viel- seitigen Wunsch in dem Kursus über italienishe Grammatik an der Humboldt-Akademie (Freitag Abend 7—9 Uhr) von jeßt an sich statt der französishen der deuts<hen Sprache be- dtenen,

Der künfstlerishe Nachlaß des Malers Philipp Veit ist, soweit nit {on früher einzelne Stücke daraus nah Berlin, Frankfurt a. M. u. \. w. verkauft worden waren, im Laufe dieses Jahres in den Besiß der Stadt Mainz, der leßten Stätte der Thâtigkeit Veit's, übergegangen. Dieser no< immer sehr reih- baltige Nachlaß is nun geordnet und, wie die „Köln. Ztg.“ berichtet, seit dem 18. d. M. im Akademiesaale des Kurfürstlichen Schlosses daselbst zur Ansicht ausgestellt. Er enthält neben einzelnen Oel- und Aquarellmalereien eine große Anzahl Hand- zeihnungen Veit's, mehr oder weniger ausgeführt, Entwürfe zu seinen Schöpfungen und Varianten zu denselben, aufgenommen an den Haupt- orten seiner Wirksamkeit, in Wien, Rom, Frankfurt a. M. und Mainz. Insbesondere sind verschiedene Bildnisse und Gewandstudien sowte zwei Selbstbildnifse zu erwähnen, von welchen datjenige aus dem Wiener Aufenthalt des angehenden Künstlers zu den interessantesten Stücken der Sammlung gehört.

Ein Brief des Asßienreisenden N. F. Katanow ist, wie die „Now. Wr.“ mittheilt, dieser Tage in der Beographischen Gesellschaft zu St. Petersburg eingetroffen. Derselbe treibt linguistische Studien in Central-Asien und s{reibt, daß er soeben im Begriff sei, zu demselben Zwe>k aus Tschugutschak in das Irnere von China ein- zudringen, wozu er von Peking aus Erlaubniß erhalten habe. Nah St. Petersburg werde er nicht vor cinem Jahre zurü>kehren,

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs: Maßregeln.

Großbritannien. (Indien.)

Zufolge einer in der „Bombay Government Gazette" veröffent- lihten Verfügung der Regierung zu Bombay vom 30. September 1891 ist die in den Häfen von Aden, Perim und der Somali-Küste Über Provenienzen von den Küsten des Rothen Meeres, und zwar von Tôc bis zum Bab el Mandeb, verhängte Quarantäne aufgehoben worden; Schiffe, wel<he Mekkapilger an Bord haben, sind jedo<h von dieser Befreiung ausges{lossen.

Egypten.

Der internationale Quarantänerath zu Alexandrien hat am 8, Oktober 1891 bes<lossen, die gegen Ankünfte“ aus Yanbo in Arabien verhängte Cholera-Quarantäne (,R.-A Nr. 245 vom 17. Ok- tober 1891) auf den KüstenstriH von Yanbo bis eins<{ließlih Confudah auétzudehnen.

Türkei.

Der internationale Gesundheitsrath zu Konstantinopel hat am 6, Oktober 1891 bes{lossen, geaen Ankünfte aus dem arabischen Küstenstri<h von Yanbo bis cins{ließli< Confudah Quarantäne zu verhängen. e

Wien, 21. Oktober. Die „Neue Freie Presse“ meldet aus Lemberg, daselbst seien mehrere tausend Personen an der In- fluenza erkrankt.

Handel und Gewerbe.

Tägliche Wagengestellung für Kohlen und Koks an der Ruhr und in Oberswlesien. An der Ruhr find an 21, d. M. gestellt 10 725, niht reht- zeitig gestellt 64 Wagen. In Obershlesien sind am 20. d. M. gestellt 4237, nit rehtzeitig gestellt keine Wagen.

Subhastations-Resultate

Beim Königlichen Amtsgericht T Berlin standen die nachverzeihneten Grundstü>e zur Versteigerung: Schulftraße 55, dem Fuhrherrn Carl Geride gehörig. Das geringste Gebot wurde auf 1020 M festgeseßt. Für das Meistgebot von 131500 wurden die Kaufleute Noa Naumann, Ua Gerate 27, und Adolf Guttmann, Alte Scönhauserstraße 35, Ersteher ; ferner Weißenburgerstraße 39 und Straße 29 Abtgteilung XII., dem Klempnermeister Carl Han>ke hierselbst gehörig; Nuzungs- werth 23 300 X; das geringste Gebot wurde auf 1195 4 festgeseßt; für-das Meistgebot von 348 C00 wurde der Eigenthümer August Schnell, Bergmannstraße 32, Ersteher. Ausgeseßzt, unter Aufrechterhaltung des Zwangsverfahrens, wurde der Termin am