1891 / 255 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Das „Fremdenblatt“ meldet, daß in der Angelegenheit der Decentralisation der Staatsbahnen in Galizien die Polen selbst von ihrer ursprünglihen Forderung, die Krafauer Betriebs-Direktion aufzuheben, abstehen, und daß die ganze Aktion mit einer von Neujahr ab eintretenden Erweite- rung der administrativen Befugnisse sämmtlicher österreichischen Betriebs-Direktionen endigen werde.

Im Finanzausshuß des ungarischen Unter- hauies fkTonstatirte der Minister ‘für Landesverctheidigung, Freiherr von Fejervary, aus den Berichten seiner Organe, die Arbeit der neuen ungarishen Waffenfabrik s{hreite so günstig vor, daß in kurzer Zeit Mustergewehre vorgelegt würden und die Fabrik den vertragsmäßigen Verpflichtungen werde nahtommen fönnen.

Frankreich.

Paris, 29. Oktober. Vorgestern legte na< einem Bericht der „Köln. Ztg.“ der Deputirte Maruéjouls dem Arbeiterauss<huß den Gesezentwury über die Vermehrung der Sicherheits - Bürgschaften für die Eisenbahn - Reisenden vor. Der Auss\huß verwarf die Bestimmung, welhe die Oberbeamten für den Fall, daß das Personal ungenügend sei, verantwortlich macht, hielt aber die drei anderen Punkte des Entwurfs, die Unabhängigkeit der Ueberwachungs - Jngenieure von den Ingenieuren der Gesellschaften, die Einseßung von Sicherheits: Controleuren und die Regulirung der Aus- bildung der Mechaniker, Heizer und der Weichen- steller, aufre<ht. Die Erregung über die Vermehrung der Unglücksfälle dauert fort. Seit der Katastrophe von St. Mandé (27. Juli), diese mit eingerehnet, bis zum 26. d. M. aus\schließli<, wurden auf den sranzösishen Bahnen 54 Personen getödtet und 200 verwundet, während für das a-sammte übrige Europa und Amerika die Zahl der Getödteten 109 und die der Verwundeten 319 beirug.

Der Erzbischof von Aix hat, wie der „Schw. Merk.“ erfährt, Zustimmungsschreiben der Erzbischöfe von Paris und Toulouse erhalten. Der Bischof von Arras ist laut Meldung des „W. T. B.“ gestorben. S

Das russishe Panzerschiff „Dmitri Donskoi“ ist gestern in Brest eingetroffen. Eine zahlreihe Menschenmenge hatte si< auf den Molen eingefunden. Abends fand aus Ver- anlassung der Anwesenheit der russishen Schiffe ein Fa>elzug statt. Die Stadt war festlih erleuht-t.

Rußland und Polen.

Prinz Dambronga, der Bruder des Königs von Siam, wird Anfang November in St. Petersburg eintreffen. Wie die „Now. Wr.“ erfähnt, wird der Prinz einen Monat in der Newa: Residenz weilen und im Winterpalais wohnen. Avch der Sohn des Chans von Chiwa wird demselben Blatt zufol je demnächst in St. Petersburg eintreffen, um dort erzoger. zu werden.

Die Gouverneure in den Nothstandsbezirken haben den Dorfältesten mittheilen lassen, daß sie 1) zur strengsten Rechenschaft gezogen werden würden, wenn sie in die Listen der Nothleidenden fsol<e Bauern aufnehmen, die auch ohne fremde Hülfe dur<kommen können; daß sie 2) ihre ganze vom Gejet ihnen eingeräumte Gewalt einzuseßen hab-n, wenn die Bauern nah Eintreffen der Unterstüzungssummen \i<h dem Trunk ergeben, und daß sie 3) aufs Strengste bestraft werden würden, wenn sie si<h an fol<en Trinkgelagen be- theiligen wollten. : E

Zur Regelung des Aktiengesells<haftswesens soll eine besondere Kommission niedergeseßt werden, zu der av< Vertreter von Aktiengesellshaften gehören. Diese Kom- misfion hat dann ein besonderes Geseß auszuarbeiten, in dem namentli die Regierungékontrole über Aktienge)ellshaften eine Hauptrolle spielt.

Im Jahre 1892 soll ein direkter Telegraphen- verkehr zwishen St. Petersburg, Kiew und Odessa her- gestellt werden. E

Zur Hebung der Hausindusirie sind von dem Domänen: Ministerium in das Budget des Jahres 1892 50 000 Rubel eingestellt, die der Unterw-isung der Volksschul- lehrer in den Hausfleißarbeiten, der Beihülfe für Einrichtung von Werkzätten bei den Volksschulen, dem Unterhalt tes Central-Hauc fleiß Museums und anderer derartiger örtlicher Museen und Niederlagen, der Verbreitung praktischer Kenntnisse unter den Hausfleißarbitern dur< Heraus zabe verschiedener Handbüter, Zeichnungen 2c. dienen sollen. i

Der „Now. Wr.“ wird aus Kabul gemeldet, daß der Emir von Afghanistan Behuss Abschlusses eines Handels- vertrages eine außerordenilihe Gesandtshaft nah Ruß: land entsantt habe.

Ftalien.

Das parlamentarishe Comité für den Friedensfongreß in Rom giebt offiziell bekannt, daß an dem Bes<hluß fest- gehalten werde, C : Konferenz zwishen dem 3. und 8. November und der Friedenskongreß selbst zwishen dem 9. und 16. November tagen sollen. Diese interparlamentarischen Konferenzen ver- danken, wie man der „Magdb. Ztg.“ aus Rom schreibt, ihre Entstehung einer Anregung engli\her Volksvertreter. Am 29, und 30 Juni 1889 taate in Paris die erste dieser Kon- ferenzen. Es nahmen 99 Sena:oren und Deputirte an igr Theil; Deutshland und Oesterreih waren auf ihr nicht ver- treten. Die zweite Konferenz fand am 22. und 23. Juli 1890 in London statt. Die Theilnehmerzahl bêètrug 116, Deutshland hatte 4, Oesierreih 1 Vertreter entsandt. Die italienishe Kammer hatte sich dur< ein Votum vom 11. Juli 1890 in besonders feierlicher Weise den Bestrebungen der Konferenz angeschlossen und dies gab wohl den Anlaß, Rom zum Orte der nähsten Konferenz zu wählen. Fn London wurde ein Comité aus italienishen Parlamentsmitgliedern gewählt, das die Vorbereitungen zur dritten Konferenz treffen sollte. Die Seele dieses Comités ist sein Sekretär, der Abgeordnete Pandolfi, während scin ursprünglicher Präsident der bekannte Herr Bonghi war. Die Ergebnisse der dritten Konferenz dürsten zunähst in einer Reihe von Resolutionen bestehen, die alle auf die Einrichtung von Schiedagerichten als Witte! der Schlichtung internationaler Streitigkeiten Bezug haben. Ferner beantragen die italienischen Theilnehmer die Einrichtung eines beständigen interparlamen- tacishen Comités, das bei auftauchenden Streitfällen auf die Einrichtung cines Schiedsgerichts hinzuwirken habe. Für die interparlamentarishe Konferenz sind fe<s Sißungen vor- aesehen. Nicht mit ir zu verwehjeln it der sogenannte „Friedensfongreß, der vom 9. bis zum 16. November währen wird. An diesem kann jedes Mitglied

wona<h die interparlamentarische ;

eines der zahlreichen s Bren ner ue theisnehmeu, die bisher in England, Frankreih, Jtalien und der Schweiz ein mehr oder weniger verborgenes Dasein führten. Die Mehr- zahl dieser Vereine sind in der „Association de la Paix“ mit dem Sitze in Genf vereinigt. An ihrer Entstehung ist in her- vorragendem Maße Garibaldi betheiligt aewesen, der au auf dem ersten Friedenskongreß, welcher 1867 zu Genf stattfand, den Vorsitz führte. Jn den leßten Fahren machten die Friedens- vereine nur wenig von fih reden.

Der „Ofservatore Romano“ erklärt, der Papst habe niemals zugegeben, daß das Cirkular des französischen Justiz-Ministers Fallières an die Bischöfe dur<h die Um- stände gere<!fertigt gewesen sei. Der Papst habe die Noth- wendigkeit einer Aufhebung der Vilgerzüge zugeben müssen, aber ni<ht umhin gekonnt, das C:rkular des Ministers zu be- klagen.

E Der Pap st hatte, wie die „Pol. Corr.“ erfährt, ursprünglich die Absicht, die Note, die dec hèilige Stuhl an die bei ihm vertretenen fatholishen Mächte wegen der Vorgänge vom 2. Oktober gerichtet hat, der Oeffentlichkeit zu übergeben. Er sei jedo< davon abgekommen, da er €s im gegenwärtigen Zeitpunkte vermeiden wolle, eine weit:re Erörterung der Aus- ihreitungen gegen die französishen Pilger herbeizuführen, dur< die den Antiklerikalen ein Vorwand zur Verschärfung ihrer Agitation und zur abermaligen Erregung der Leiden- schaften hätte geboten werden können. Die Kundgebungen des Papstes über jene Ausschreitungen seien aber deswegen mit jener Note keineswegs als abgesh/ossen anzusehen. Seine Heilig- feit werde vielmehr in dem Konsislorium, das für die erste Woche des November anberaumt ist, über diesen Gegenstand eine bedeutsame Ansprache halten und dabei b:tonen: aus dem Verlaufe der Vorgänge am 2. Oktober gehe in über- zeugendster Weise hervor, daß die gegenwärtige Lage des Vatikans, namentli<h im Hinvli> auf gewisse Möglichkeiten, dem heiligen Stuhl vollständige materielle Sicherheit nicht ge- währ!leistée. Der Papst werde sodann Andeutungen. über Ent- hlüsse machen, -zu denen er si< mögliherw?ise veranlaßt fühlen fönnte, um für den wirfsameren Schuß seiner Freiheit und Würde zu sorgen. :

Jn Massovah hat laut Meldung der „Agencia Ste- fani“ gestern vor dem Militärgeriht der Prozeß gegen Cagnassi, Livraghi und Genossen begonnen. Fa der ersten Sizung wurde die Anklageschrift verlesen und das Verhör Cagnassi's zu Ende geführt. Die Anzahl der Zeugen beträgt 93,

Niederlande.

Die Regierung hat bis zur Ei:sührung eines Gesegzes, betreffend die obligatorishe Dienstpflicht, einen Geseßentwurf eingebraht, dur< den der Dienst in der Miliz auf 10 Jahre, davon 4 Jahre in der Reserve, festgeseßt wird.

Velgien.

Die Regierung hat, wie dem „Hamb. Corr.“ aus Brüssel telegraphirt wird, für die Erweiterung der Ostender Hafenanlagen die unentgeltlihe Abtretung aller Terrains und einen Staatszushuß von 3 Millionen Francs bewilligt.

Griechenland.

Durch die Einstellung des von einer Privatgesellshaft unternommenen Baues der Eisenbahnlinie Myli-Kala- mata sind zahlreihe auswärtige Arbeiter brodlos ge- worden. Die griechishe Negierung hat nun, wie „W. T. B.“ aus Athen erfährt, ohne sih sonst in die Angelegenheit ein- zumischen, doh aus Humanitätsrücksichten einen Kredit gewährt, um dem größten Mangel abzuhelfen. Fnzwischen dauern die Bemühungen fort, ein Arrangement zur Weiterführung der Acbeiten zu treffen.

Bulgarien.

Sofia, 28. Oktober. Die „Agence Balcanique“ de- mentirt auf Grund authentisher Jnformationen die Mel- dung auswärtiger Blätter, daß bei Plewna und Nikopolis Befestigungsarbeiten vorgenommen würden.

Montenegro.

Cetinje, 28. Okiober. Der Minister des Aeußern Vukowic überreichte nah einer M:ldung des „W. T. B.“ dem türkishen Gesandten Tewfik-Bey eine Note, in welcher wegen des leßten Ueberfalles dur<h die Arnauten die Bestrafung der Räuber und anderweitige Genugthuung ver- langt wird.

Amerikas

VereinigteStaaten. Eine in New-York eingetroffene Depesche des „W. T. B.“ aus Santiago meldet, die hitenishe Regierung habe in Beantwortung der von dem Unions-Gesandten Egan gesteliten Forderungen jede Ver- antwortlihkeit für den kürzlih in Valparaiso auf die Matrosen des amerikanischen Schiffes „Baltimore“ unternommenen Angriff abgelehnt. Egan, sowie der Kapitän des „Baltimore“ und d-r Konsul der Vereinigten Staaten berathen, wie es weiter heißt, gemeinschastlih, welhe entsheidenden Maß: nahmen zu treffen seien. Der Fntendant von Valparaiso habe sih geweigert, den Lootsen des „Baltimore“ oder den Offizieren, die Nachts landen wollen, Schuß zu gewähren, und habe die Landung der amerikanishen Matrosen verboten. Wie der Washingtoner Correspondent des „New: York Herald“ berihtet, wird in etwa zwanzig Tagen ein weiteres Kriegs- chiff den Kreuzern „Yorktown“ und „Boston“ folgen. Zu gleiGer Zeit wird die „Newark“ ji<h nah der süd- amerifanis<hen Station einschiffen, von wo aus sie im Nothfalle si< shnel nah Valparaiso zu begeben vermag. Der in Callao befindlihe Kreuzer „San Francisco“ gat Befehl erhalten, nah San Francisco zurückzukommen und si< einer Reparatur zu unterziehen. Zu demselben Zwe> wird auch die „Baltimore“ sich nach der kalifornishen Haupt- stadt einschiffen, sobald die „Yorktown“ in den chilenishen Gewässern eingetroffen ist. Dem Herald wird ferner aus Santiago depeschirt: Der spanische Gesandte habe fünf Flüchtlinge von der alten nah der neuen spanishen Gesandt- haft übergeführt und auf dem Wege dorthin selbst begleitet, um sie vor einer plößlihen Verhaftung zu s{hüßen. Er stehe hinsihtlih der Flüchtlinge völlig auf demjelben Stand- punkt wie ter amerikanishe Gesandte Egan.

Asien.

China. Die zwishen der deutschen katholischen Mission in Tsi-ning-tsan und den chinesischen Be- hörden über den Besiß eines Missionsgrundstü>ks bestehende Differenz ist, wie „W. T. B.“ aus Peking meldet, zur Be- friedigung der Mission beigelegt worden.

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u dem Grenzsireit wegen des Pamirlandes erhält die Münchener „Alg. Ztg.“ von einem Kenner dieser Gegenden Mittheilungen, die zu erklären suhen, inwiefern China an dieser Frage betheiligt ist. Es heißt in der Zuschrift :

„Den Stréitpunkt zwisben Ruß!and und China wegcn der Pamir-Hoththäler bildet die Zugehörigkeit des Bebirgélandes zwischen dem 38. und 39. Grad? nördlicher Breite. Rußland nimmt hier die Kisilvart-Kette mit Gipfeln von 7800 m Höhe in Anspru, an deren Westfuß unterm 75. Grad öftl:er Länge von Greenwich der kiecine Karakul-Sec liegt, während China die Grenze zwisben den Seen Groß» Karaïul und Rang: Kul oder genau längs dem 74. Längengrade zieht. Nach den Bericbten der englisc-indi' hen Kundschafter hai Cbina über dies- Hoch- thâler keine unmittelbare Verraltuns geführt; seine Bouverneure rflegten den Häuptlirgea der hier wohnenden und südlih angrenzenden Stämme Gelder zu b:wiligen unter der Bedingung, daß fie die Wege ofen balten und die Kaufleute in Ruhe ziehen laffen. So erbält der Fürst über Scignan 10 Yambus eine Siilberbarre von läncliher Fornx im Wertke von 340 G —, Sarikol 6, die Kantschudis 4 uzxd der Mir von Wakban jährli<h 3 Yambus. Früher waren die Tagharma- Pamir von fleißigen A>erbauern, Tadschik, bevölkert ; vor jezt fiebzig Iabren maten Ändidsharis heute russishe Unterthanen eiren Einfall und \h!eppten die Mehrzahl der Bewohner in die Sklaverei. Die Kandscudis hielten unter den Zurü>kzebliebeznen eine Naw&lefe; erft seit zwanzig Iabren kehrten Kolonisten dahin wieder zurü, veranlaßt d»r< den damaligen Hz?rrsher über Kaschgar. Die Kirgisen halfen den Axkömms- lirgen, si< Hänser zu bauen und die Felder in Ordnung zu bringen. Diese Bavern sind die einzigen, die iy den Grunzohsen (Yak) vor den Pflug spannen sah. Es fehli nit an gutem Aerland, und es ift zu erwarten, daß Getreidebau in größerem Vaße getricben wird. Die Chinesen batten nit die Mat, Räuber zu züchtigen, wenn sie b'er einfielen; der Atalik, ihr Nachfolger in der Herrscaft von Kasbgar, sorgte für Sicherheit und bat das Verdienst ter Besiedelung dieser Thäler,“

Afrika.

Jn Sansibar sind, laut Meldung der „Times“, Briefe eingetroffen, die Ende Juli in Uganda aufgegeben waren und denen zufolge die dortige Lage zu ernsten Beforgnissen Anlaß gab. Kapitän Lugard und die Streitmächte der britischen ostafrikanishen Gesellschaft seien nit stark genug, um den Ausshlag in dem Kampfe der Parteien zu geben, und Protestanten und seien Katholiken mehr als je von einer Einigung entfernt. Die Muhamedaner ständen im Begriff, zur Offensive überzugehen, und schon die nächst: Zeit dürste weitere Kämpfe bringen. Die Nachricht von der Abberufung der Truppen der Gesellshaft war no< niht in Uganda ein- getroffen.

Kunft und Wissenschaft.

Die, wie gestern gemeldet, auf der Königlichen Stern - warte in der Naht vom Dienstag zum Mittwoch um 11 Uhr 21 Minuten 9 Sekunden gemahte Beovactung von der Wirkung eines entfernten Erdbebens scheint ihre Bestätigung durch die heute vorliegende telegraphische Vieldung von einem Erdbeben in Japan zu erhalten, Es liegt darüber folgende Mittheilung des „W. T. B.“ vor:

London, 28. Oktober. Nach einer Privat- meldung aus Japan hat heute Vormittag in Hiogo und Osaka ein starkes Erdbeben stattgefunden, das erheblihen Schaden angerichtet hat. Zahl- reiche Personen haben das Leben eingebüßt, die telegraphischen Verbindungen sind unterbrochen.

Es fehlt hier zunäHs|t no< die genaue Zeitbestimmung; indeß ist die Meidung „heute Vormittag“, also Mittwoch Vormittag, vollständig mit der hier gemachten Beobachtung vereinbar. Der Zeituntershied von Osaka und Berlin be- trägt 8 Stunden und 6 Minuten, die der Berliner Zeit hinzuzurehnen sind. Hiernah würde das Erdbeben , dessen Beginn na< der Beobachtung in Berlin nicht vor 11 Uhr 13 Minuten Nachts zu seßen ist, in Japan am Mittwoch Morgen dortiger Ortszeit begonnen haben und zwar um so viel vor 7 Uhr 19 Minuten, als die Erdbebenwelle gebraucht hat, um die große Stre>e bis na< Berlin zurü>zulegen.

Das Journal des arts, ein zu Paris erscheinendes Blatt, hat in seiner Nummer vom 2. Oktober d. J., Seite 2 Spalte III, eine Nachricht des Jnhalts gebracht, daß 17 der im hiesigen Alten Museum vefindlihen Mumien sich leßthin als ge- fälsht und in Alexandrien fabrizirt erwiesen hätten. Für falsche eayptishe Alterthümer gleihen Ursprungs sei in den lezten Jahren eine Summe von 800000 # verausgabt worden.

Da diese Nachricht auch in deutshe Blätter übergegangen ist, so wird uns zur Richtigstelung von informirter Seite mitgethcilt, daß fie dur<hweg auf Erfindung beruht. Ein Mumienkauf hat während der leßten zehn Jahre überhaupt nur einmal und zwar 1884 stattgefunden; die damals für niht ganz 2000 M erworbenen zwölf Särge nebst Jnhalt entstammten dem großzn Funde in der Nekropole von Ahmim und sind von dem Vizeköniglihen Museum zu Bulak als Dubletten abgegeben worden. Auch sonst hat keines der seit längeren Jahren für die egyptishe Sammlung erworbenen Alterthümer zu Zweiseln an seiner Ehtheit Anlaß gegeben.

Vor einigen Tagen ist, wie die „Mgddb. Ztg." berichtet, in Magdeburg beim Hafenbau, und zwar bei den Felsarbeiten im nördlichen Theile des Bassins, unter dem anges hwemmten Boden ein etwa 5 m langer, aus einem Baumstamm ausgeböblter Kahn, ein sogenannter „Einbaum“, in ziemli gut erhalterem Zustande vor- gefunden worden. Vorläufig wird der feltene Fund auf dem Hafen- terrain aufbewakrt ; roraussißtli< wird er später den dortigen Muscumésammlungen überwiesen werden.

Ina Gießen ift der ausgezeichnete Botaniker, Geheime Hof- rath Professor Hermann Hoffmann im Alter von 72 Jahren geitorben. Sein Haaptforshungsgebiet waren tiz bioloischen Ver- hältnisse der Pilze und ihre Beziehungen zu Gährung, Fäulniß und Krankheitsprozessen Außerdem mate er langjährige Studien über den Einfluß des Klimas auf die Pflznzen. In neuerer Zeit hatte Hoffmann namentli die Pbänologie, d. i die Wissenschaft von der Abbängigkcit der vershiedinzn Entwickelungsstufen im Pflanzen- und Tóhierleben von den klimatischen Verbältnissen, durch eingehende Unter- suchungen gefördert.

Aus Frankfurt a. M. wird gemeldet, daß die dortige Stadtverordneten-Versammlung die Erneuerung der Vorderseite des Römers nav dem preisgek:önten Entwurf des Baumeisters Me>el abzelehnt hat. Der „Köln. Ztg.* wird hicrüber gescrieben : Die WicderherfteUung des Nömers war ein Liebling8gedanke des früh-ren Ober-Bürgermeister, jeßigen Finanz-Ministers Miguel. und lanzsam aber ziclbewußt hat er diesen Gedanken zur Verwirflihung gebracht. Da der Römer kcin cinbeitlihes Bauwerk, fondern ein Gemenge von Häusern ist, welhe im Laufe der Jahrhunderte für ftädtische Zwelke erworben wurden, so fkonnte die Erneuerung ganz allmählih vor sich geh¿n. So wurden denn zunächst das „Salzhaus“ mit seinen cigenartigen Holzschnizercien, das „Haus Frauenstein“ mit

seinèn Maléreien und nah cin\gem Kampfe in der Stadtverordneten? Versammlung au<h das nah dem Paulsplaze zu gelegene „Haus Waneba<h* mit seinem alterthümlichen Höfchen erneuert. Aber die Haup?tsache blieb no< zu thun, die Erneuerung der drei Giebel- häuser nah dem Römerberg zu, des eigentlihen Römers, mit dem

Hause Limpurg zur Linken, Haus Löwenstein zur Rechten. Für.

ihre Wiederherstellung erließ man ein beshränktes Ausschreiben, aus dem der Entwurf des Baumeisters Me>el als Sieger hervor- ging Als im Dezember 1889 Seine Majestät der Kaiser der Stadt Frankfurt feinen ersten Besu abstattete, konnte man einen Begriff davon erbalten, wie prächtig si die Vorderseite des Römers na< dem Me>ei’shen Plane auënehmen würde; denn der Bilder- und Wappen- \{mu> war dur Bemalung angedeutet und die Vorhalle, die sh wie zu alten Zeiten vor dem Römereingang erveben soll, in Holz ausgeführt. Was man allenfalls an dem Me>el’sben Entwurf tadeln konnte, war der hohe Dachreiter mit dem Frankfurter Adler auf dem mittelsten Giebel und die Zerstörung der althergebrachten Fürffenstereintheilung am Kaisersaal des Römers. Im All-emeinen aber fand der Ertrourf ungetheilte Anerkennung, und die Mehrheit der Stadtverordneten genehmigte die Ausführung. Herr Me>cl wurde mit der Ausarbeitung der Einzelpläne beauftragt und follte für die Ausführurg 6 /o0- der Bausumme erhalten. Hiernah würden ih die Gesammikosten auf 373 000 M belaufen, und der Magistrat beantraate nunmehr, den Bau in Angriff zu nebmen und die erste Rate von 50000 #, die bereits im Hausbaltsplan für 1891/92 stebt, zur Verwendung kommen zu lassen. Dagegen erhob H nun aber in der Stadtverordneten-Versammlung ein ganz unerwatteter Widersvru<. Der Stadtverordnete Drill, der Führer der demokra- tischen Partei, der die Umbauten am Römer ftets bekämpft hat, erklärte, er habe ni<t den Muik, eine halbe M'llion für ein Kunfst- werl zu bewilligen, das zwar waunders{<öôn, aber nitt mehr der Franffurter Römer sei, und dieser EinspruH, ver- bunden mit dem Hirweise, daß die Stadt Frankfurt über kurz oder lang do< zum Bau cines neuen Rathhauses {reiten müsse, fand auf den verschied-nsten Seiter des Hauses zustimmenden Widerhall. Vergebens wies Ober - Bürgermeister Adi>kes darauf bin, daß der Vertrag mit Hercn Me>el mit Zu- stimmung der stättishen Behörden abges{<lofsen und eine Summe von 340 0009 M bereits grundfäglid bewiliat sei; das Endergebniß der Berathung war, daß die Vorlage mit der oben angegebenen Mebróeit dem Magistrat zurü>gezeben und dieser ersuht wurde, einen weniger kostspieligen Entwurf vorzulegen.

S. Vor dem Dreét dener Hoftheater stehen als einziger Neft der Werke Rietschel’s »on dem älteren Semper']chen Bau noch die beiden Sißbilder Goethe’s und Schiller's, Die einfa wü: fel- förmigen So>el aus Sandstein, die bisber ganz \{mud>los waren, haben jeßt einen Schmnu> in ¿wei bronzcnen Reliefs von Jobannes Scwillirg erhalten, Das eine verans<haulidt GBoethe’'s Gedicht : eZueignung“. Man sieht den Dichter u d die in der Luft <hwebende Gestalt der Poesie, dahinter die Sonne als blank geputßte Scheibe, währznd das Relief sonft in mattem Bronzeton gehal ten ift Diese Darstellung erscheint indeß weder dem Ge- dite angemessen, da die sonnige Klarheit in diesem von der Gestalt selbst av8geht, no< au< den Gesetzen der Plastik entspre<end, da die Plastik im Gegensaß zur Malerei unter allen Umständen darauf angeviefen ist, ihr Hdt von außen zu empfangen. Die blank gepußte Sonne leu<tet denn av< ni<t den beiden G:stalten im Reltef, sondern lcdigli6 dem Bes&auer. Die Dar- stellung wirkt darum befremdli<h. Das andere Relief unter der Ge- stalt Schiller's veranshauli®t dessen Gedicht , Die Theilung der Erde“. Man siebt hier den thronenden Zeus, por ¿hm den Dicier (S<iUer ?) mit der Leyer, im Hintergrunde aber einige Darstellungen des Thier- kreises, und zwar ais wirflihe Gestalten gebiidet, die von einzelnen Siernen umgeben find Die Dur(hbildvrg dieser Reliefs ift leider als f:hr naQlässiz zu bezeihnen; wir baben es also offenbar mit Werkitattacbeiten zu thun, die der Meister nur flüchtig angelegt hat.

S8. Die Albrechtsburg in Meißen, das reizend gelegene S&Hloß des sähsisber Königshauses an der Elbe, ift bekanntlich in den letzten Jahrzehnten in prä®wtiger Weise wi-derhergestelt und fiümfilerisb ausgestattet worden. Eines der damals neu angebra{ten Sc&wuckstü>e hat indeß jüngst bereits wieder erneuert werden müssen, nämlich die in Sgraffitomalerei hergestellten Bilder des den Drachen tôdfenden beiligen Georg und des Eovangelisten St. Johannes, Sie befanden sih am Thorthurme, wo sie der Witterung stark ausgeseßt und zuleßt faft ganz vers<{wunden waren. Man hat sie daber jeßt in farbigem Terracoita-Mosaik wiederherstellen lassen, einem Stoffe, der weit geeigneter ift, unserem nordishen Klima Stand zu halten. Es waren zu diesem Werk gegen 18 000 farbige Steinen nothwendig; aus- geführt wurde das Werk von der bekannten Firma Villeroy und Boh in Dresden. Auch sonst ift in leßter Zeit mancherlei zur Verschône- rung der Burg ges{ehen. Die Gartenanlagen am Bergabhange sind erweitert, eine neue Treppe zum sogenannten Ausfallethurme emvor- gefübrt worden Endli wurde auc ein zweiter Bogen der Schloß- brüde freigelegt, wodur dieses Bauwerk jeßt einen mäctigeren Eindru> matt als vorher.

___— Der „Gazeta Lwowéska" zufolge hat der Kaiser von Oefter- rei mit dem Beginn des Jahres 1894/95 die Errichtung einer medizinishen Fakultät an der Universität ¿u Lemberg unter der Voraussetzung dec verfassungsmäßig:n Bewilligung der er- forderliden Mittel genehmigt.

In Vienne (Jsère) ist, wie der „Vos. Ztg.“ unter dem 26. d. M. aus Paris berihtet wird, ein merkwürdiger Fun d ge- mat worden. Männer, wel<e mit der Umgrabung des Bodens in der Tauffapelle der uralten rcmanis<hen Kirhe Saint-Maurice be- i<âftigt waren, sind auf die Gruft des Königs der Provence, Bosfon, des Sohnes Theodorih's T. und Schwagers tes Franken- Königs Karl's des Kahlen, gestoßen und haben sein Skelett wobl- erhaiten aufgefunden. König Boson stab in Vienne im Jahre 888 und wurde, wie auch sein Epithah bezeugt, in dieser Kirche beigesetzt,

Wie ,W T. B.“ aus Rom meldet, is der Senator Pro- fessor Blaferna gestern Abend von dort na< Berlin abgereist, um die Universitäten Rom und Turin bei der Helmholt- Feier am 2, November zu vertreten und demn Jubilar eine Glü>- wunschadresse und den ihm von dem König Humbert verliehenen SNCoron des Heiligen Mauritius- und Lazarus-Ordens zu über- ringen.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Griechenland.

Zufolge neuerer Anordnung der Königlich grie<is<ben Regierung haben si< au die Fahrzeuge, welhe von der Küstecstre>e zwischen Sidon und Joppe (leßteres nit inbegriffen) na< Griechenland fommen, vom 12. Oktober ab ciner elftägigen Quarantäne in der Station der Insel Delos zu unterziehen. / (Vergl. „R.-A.“ Nr. 252 vom 26. Oktober 1891.) s

Der Gesundbeitsstand in Berlin blicb au< in der Wothe vom 11. bis 17. Oktober ein günstiger und die Sterblichkeit eine mäßig hohe (von je 1000 Einwohnern starben 19.6 aufs Jahr berechnet). Das Vorfommen von akuten Darmkrankheiten, blieb no< immer ein ziem- lih häufiger und führte in 139 Fôllen (gegen 137 der Vorwoche) zum Tode. Die Betheiligung des Säuglingsalters an der Sterblichkeit war eine gegen die Vorwoche nur wenig gesteigerte; von je 10 000 Lebenden starben, aufs Jabr berehnet, 91 Säuglinge. Dagegen zeigten sich akute Entzündungen der Atbmungéorgane seltener und nahmen au in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle einen günstigen Verlauf. Die Infektionskcankheiten zeigten meist ein etwas häufigeres Vorkommen, namentlih haben Erkrankungen an Diphtherie, die aus Moabit, dem Wedding und dem Stralauer Biertel am zahblreihsten zur Anzeige kamen, größere Verbreitung ge- funden; Erkrankungen an Unterleibstyphus wurden gleichfalls mehr bekannt, sowie au< Erkrankungen an Masern und Scharlah, wel<e

erflèrèé im Straläuëë Viertel am hbâufigften, etwas mehr Erkrankungen als in der Vorwod®e hbervorriefen, Erkrankungen an Kindbettfieber wurden 5 berichtet, Aub Erkrankungen an Po>en kamen zum Vorschein. Seltener kamea Erkrankungen an rofenartigen Entzündungen des Zellgewebes der Haut zuc ärztlihen Beobachtung. Erkrankungen an Keuchhusten haben etwas abgenommen, die Zabl der Todet fälle ftieg jedo< auf 9. Ein wenig gesteigert gelangten akute G lTenfrheumatismen, erhebliher rbeumatishe Erkrankungen der Muskeln zur ärztlihen Behandlung.

Verkehrs-Anstalten.

Vom Königlichen Eisenbahn-Betriebsamt Berlin (Di- rektionsbezirk Erfurt) Anhalter Bahnhof erhalten wir heute na<stehende Mittheilung: Heute Donnersiag, den 29. Oktober, Morgens um 71/2 Uhr, wurden auf der Station Marien- felde der Berlin-Dresdener Linie dur<h den heftigen Wind zwei in die Nebengeleise abgestioßene Wagen auf den in dem Hauptgeleise rangirenden Theil eines Güterzuges getrieben und entgleisten in Folge des Stoßes. Hierdur<h war die eingeleisige Bahn na<h Dresden ungefähr eine Stunde lang gesperrt. Der um 8 Uhr von Berlin fällige Schnellzug nah Dresden sowie der um 8 Uhr 45 Minuten hier fällige Personenzug von Dresden erlitten je eine Verspätung von 42 Minuten. Der Vorortzug von Marien- felde, welcher hier um 7 Uhr 34 Minuten eintreffen soll, verspätete si<h um eine Stunde und 43 Minuten. Die An- schlüsse des S<hnellzuges in Bodenba<h werden voraus \i<tli< erreiht werden. Bei der Entgleisung sind die beiden Wagen nur unbedeutend, die Geleise gar niht beschädigt. Personen sind nicht verlegt worden. Ob ein Verschulden eines Beamten vorliegt, wird die weitere Untersuhung ergeben.

Laut Telegramm aus Herbesthal if die ecfste englishe Posi über Ostende vom 28. d. M. ausgeblieben. Grund: Verspätete Landuna des Dampfers wegen Sturm.

Laut Telegramm aus Aachen ist die dritte engli#s<e Post über Ostende vom 28. d. M. ausgeblieben. Grund: unbekannt.

Bremen, 28. Oktober. (W. T. B) Norddents(@er Lloyd. Der S(nelldampfer „Spree“, is gestern Nachmittag von Souihampton abgegangen. Der Stnelldampfer „Labn“ hat gestern Nachmittag die Heimreise angetreten. Der S<{bneldampfer „Ems“ ist gestern Morgen in New-York angeéommen.

29. Oktober. (W T B.) Der Swnelldampfer „Elbe“, na& New-York bestimmt, hat am 28. Oltober Vormittaas Dover passirt, Der Postdampfer „Darmstadt“ hat am 28 Oktober Morgens die Reise von Genua na< Southampton und der Reich3- Postdampfer „Brauns<hweig* am 283 Oktover Mittags die Reise von Southampton naH Antwerpen fortg- seßt. Der Reihs- Postdampfer „Preußen“ hat am 28. Oktober Morgers die Reise von Genua na& Port Said fortgeseßt. Der S@nelldampfer „Spree“ von New-York kommend, und der Postdamvfer „Straß- burg“, vom La Plata kommend, sind am 28. Oktober Nachmittags auf der Weser angekommen.

Hamburz, 29 Oktober. (W. T. B) Hamburg-üKmeris- faniswe PNPadletfahbrt - Aktiengefell\<hafi. Der Pof- dampfer „Markomannia“ hat, von New-York kommend, gestern Abend Lizard passirt.

London, 28, Oktober. (W. T. B) Der Castle-Dampfer eRoslin Castle“ hat auf der Ausreise beute Plymouth passirt. Der Castle-Dampfer „Drummond Castle“ ist auf der Heimreise hzute in Madeira angekommen. Der Union-Dampfer „Merican“ ist auf der Heimreise gestern von Capetown abge- gangen.

929. Oktober. (W.T B.) Der Union-Dampfer „Scot* ist auf der Heimreise gestern von Capetown abgegangen Der Uniondambvfer „Dane“ ift auf der Auzreise gestern von Madeira abgegangen.

Theater und Mufik.

In der Vorstellung der „Cavalleria rusticana“ am Sonnabend im Königlichen Overnhause sird die Damen Sucher, Rotbauser und Staudigl, sowie die Herren Sylva und Bey beschäftigt. Ja der dem Werke vorausgehenden Vorstellung der Oper „Die Entführung aus dem Serail“ treten die Damen Herzog und Dietih, die Herren S{<midt, Rothmübl, Mödlinger und Lieban auf. In der Sonntagévorstellung der „Zauberflöte“ wird Fräulein DictriG die Königin der Nacht singen, Fräuleia Weiß die Pamina, Fräulein Hellmuth-Bräm die Papaagena, Herr Schmidt den Papageno, Herr Stammer den Soarastro, Herr Fränkel den Sprecwer; die Besetzung der übrigen Rollen iît die bisherige.

Seine Köniclihe Hoheit der Großherzog von Me>klenburg- S{hwetin hat dem Königlihen Opecnsänger Herrn Theodor Schmidt die goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft verliehen.

Herr Graf von Hochberg, General-Intendant der Königlichen Schauspiele, bat i na® Rom begeben, um dort der Aufführung der Oper „Freund Fritz“ von Pietro Mascagni beizuwobßnen.

In Daudet's vieraktigem Schauspiel „Das Hinderniß“ (l’obstacle) das, wie bereits angezeigt, am Sonnabend im Residenz- Theater zum ersten Mal in Scene geht, sind die Damen Marie von Moser-Sperner., Grete Risa, Emmy Neumann, und die Herren Emanuel Reicher, Emil Lessing und Josef Jarno hervorragend be- schäftigt. Au Fräulein Josephine Pagay, die von Herrn Direktor Lautenburg wieder verpflichtet ist, tritt in dieser Vorstellung als Estelle de Castillon zum ersten Mal wieder auf

Kapellmeister Meyder veranstaltet morgen im Concerthause den dritten „Wagner- Abend“ in dieser Saison. Das Programm wird die Ouverturen zum „Fliegenden Holländer“ und „Tannhäuser“, sowie den „Kaiser-Marsch*, den „Charfreitagszauber“ aus dem Musikdrama „Parsifal“, das Vorspiel zur Oper „Lobengrin“ u. #. w. enthalten.

Für das erste Concert des Philharmonischen Chors (Dirigent S. Ochs) findet am Sonntag, Mittags 12 Uhr, eine öffent- lihe Hauvtprobe statt. Das Programm brinat Werke von Mozart, Mendelssohn und Bru, in wel<hen u. A. die Herren Eugen Gura und Raimund von Zur Mühlen, sowie die Damen Fräuleins Clotilde Kleeberg und Emma Koh als Solisten auftreten, Der Kartenverkauf (2 S) ist bereits bei Bote u Bo eröffnet. Im ersten dieëwinterliGen Concert des Liszt-Vereins in Leipzig, am 23. d. M,, errang Kapel|meister Emil Paur mit sciner Gattin dar< den Vortrag des Concert pathétique von Liszt einen f\türmishen Erfolg. Das Künstler- paar wird diese Komposition nächstens au< in Berlin ur.d zwar in dem für den 3. November in der Sing-Akademie angesetzten Concert des Kammersängers Carl Perron und des Herrn Paur zu Gehör bringen. Felix Dreys <o> wird Ende November in der Sing-Akademie einen Klavierabend veranstalten.

Sport.

Das vereinigte Direktorium des österreihis<hen und des ungarishen Jo>key-Klubs batte am Montag Abend, wie die „Sportswelt*“ mittheilt, eine gemeinsame Sihung, um Gericht zu halten über betrügerishe Vorgänge auf teinen Rennbahnen, die darin gipfelten, daß vershiedene Jo>keys wiederholt absichtlih falsche Resultate herbeigeführt haben, um in Verbindung mit ständigen Rennbahnbesuchern große Wettcoups dur<zubringen. Welchen Um- fang der Schwindel gehabt haben muß, geht daraus hervor, daß den

Io>key3 Buêby und R. Coates die Licenz gänzlih entzogen ift, während die Io>keys Smith, Warne, Bell, Fred Sharne, E. Martin und Chandler ftreng verwarnt worden sind. Außerdem werden zwölf Personen, fünf Wiener und sieben Budapester, von allen Bahnen ver- wiesen werden.

Mannigfaltigeë,

Ueber den in Nr. 254 des ,R.- u. St.-A.* erwähnten Plan einer elektrischen Untergrundbabn theilt die „Nat.-Ztg.“ weiter Folgendes mit: Der Plan if von der Allgemeinen Elektricitäts- gesellshaft auëgearbeitet worden. Die Untergrundlinie Wedding— Kreuzberg ift nur ein Theil eines umfassenderen für die Zukunft in Aussicht genommenen Planes. Soweit er bis jeßt der Bebörde unterbreitet worden, umfafit er die folgenden dret Linien : 1) die Linie Kreuz- berg—Wedding im Zuge der Belle-Alliarce-, Friedril- und Chausseestraße, 2) die Linie Schöneberg —Viebbof im Zuge der Potsdamer-, Leipziger-, Gertraudtenstraße, des Molkenmarktes, Alexanderplaßes und der Landsbergerstraße, 3) eine innere Ringlinie, die am Halleshen Thor bezinnt und im Zuze der Königgrägerstraße das “Potsdamer und KBranden- burger Thor berübrt, den Schiffbzuerdamm entlang zum Bahnbof Friedrichstraße führt, dann zum Alexanderplatz, von dort zum Moritplaß und” wieder zum Halleschen Thor führen soll. Es handelt sid also um eine gerade Linie von Norden nah Süden, eine Lirie von Westen na< Often und eine Ring- linie. Alle drei s<neiden fi{G und die vorhandenen Bahnhöfe der Stadtbahn. Die drei Untergrundlinien sollen verschiedene Höbenlagen béekomme:, um jeden Zusammenstoß auszuschließen ; aber sie sollen an den Kreuzungspunkten dur< Trcpven mit einander in Verbindung gebra<t werden. In der Denkschrift wird zunäbit um Prüfung der Nord-Süd-Linie gebeten. Dieselbe ist zwei- geleisig projektirt mit sogenannten Scleifen an den beiden Endpunkten, der Bergmannftraße und der Fennstraße. Ein Zusammen- stoß von Zügen würde dadur< vollständig aufaes{lofen fein. Diese Linie, wel&e von allen projekticten Linien die aeriraste Tieflage haben soll, würde immer no< nzun Meter unter der Erd- oberflähe und selbs na erfolgter Tieferlegung der Spree noH zwet Meter unter der Flußsohle gefürt werden, Das Grundwafser würde nab d:m beutigen Stande der Technik keinerlei Schwierigkeiten bereiten. Der Bahntunnel wird aus mättigen zusammenges<raubten und von außen mit einem Cewentüberiug veriehenen etfernen Röhren bestehen. Für den Bau selbs sind ¿wei Jahre in Aussicht genommen. Wie man versichert, würde die Berliner Bevölkeruna von dem gesammten Bau mit Ausnabme der Arfançcsfstelle nibt das Mindefte merken, bis er vollendet ist. Die Stationen auf der Nord— Südlinie find wie folgt seplant! Bergmannfraße, E neisenau- straße, Belle-Alianceplaß, Markihalle II.-Friedrihstraße, Kobftraße, Leipzigerstra®e, Jägerstraße, Unter den Linden, Bahnbof Friedrichstraße, Karlstraße, Oranienburger Thor, Invalidenstraße, Eiskeller, Wedding- Fernitraße. Diese Stationen sollen zweifacer Act sein, Auf freien Plätzen, wo der Naum es gestattet, sollen arwiteftoniî< ansprechende eiserne Wartehallen auf Inselperrons errihtet werden, von denen sowohl Aufzüge wie Treppen hinabführen. An Straßenkreuzungen würde man in dem geeignetsten Hause die Erdgeschofse mietbhen und von dort aus den Abstieg in derselben Weise bewirken. Da die Bahn in ihrem gazzen Umfange in der Mitte des Fahrdammes geda@t ist, würden dann von den Häusern aus furze Zugangstunnel nothwendig sein. Die Betriebskraft wicd die elektrishe Kabelleitung liefern, von der der Strom dur< die Lokomotive abgehoben wird. Es sollen sih die Züge in beiden Rittuncen in Zwischen- räumen von 3 Minuten folgen. Jeder Zug wird aus Lokomotive und 3 Wagen à 40 Persoren bestehen, also 120 Personen befördern können. Die Geschwindigkeit der Züge soll 25 km per Stunde sein, Man würde also von dem Halles{en Thor na den Linden in etwa 5 Minuten gelangen. Für die ganze Stre>e, wie überhaupt den ganzen unterirdishen Betrieb, in welwem na Vollendung weiterer Linien Kombinations- billete eingeführt werden follen, ift den Behörden der Einheitspreis von 19 in Vorschlag gebra<ht worden Der Kostenans<lag für die Nord—Südlinie {ließt mit 12 Millionen Mark ab. Das Kapital ift bereits vorhanden.

Dirschau, 28, Oktober. Heute Nacmittag 2 Ubr 49 Minuten wurde na< einer Meldung des ,W. T. B.* die alte Eisenbahn- brüd>e zum leßten Male benußt, indem um die angegebene Zeit der Persíonerzug Dirschau - Könizéberg als letzter Zug sie befubr. Um 3 Uhr 45 Minuten fuhr der erste Zug, der Per- sonenzug Körnigsberg-Dirsckau, über die neue Brüd>e. Der Eröffnung der neuen Brü>e wohnten Mitglieder der E:senbahn- Direktion Bromberg und des Betriebs8amts Danzig, fowie cin zahl- reiches Publikum bei, das den über die Vrü>e fabrenden ersten Zug mit Hurrabrufen und Tücershwenken begrüßte, Die alte Brüd>e wird, nahdem die Schienen dur einen Bohlenbelag erscht worden sind, dem Privatverkehr übergeben werden.

_ Braunsberg, 28, Oktober. Im Dorfe Wilken lei Hoken- stein sind, wie „D. B. H.“ meldet, se<zehn Gebäude niedergebrannt. Ein ¡weijähriges Kind ist ia den Flammen umgekommen. Schweidnitz, 26. Oktober. Der „Schw. Tägl. R.“ wird über die in Nr. 253 des „R - u. St.-A.* nah S(luß der Redaktion kurz gemeldete Gedächtnißfeier in Kreisau von dort beridtet: Eine erhebende Gedäcbtnißfeier fand heute Nacmititag zwishen 5 und 6 Uhr, als am Geburtstage des verstorbenen General-Feldmars{alls Grafen von Moltke an seinem Sarge bei der Gruftkavelle statt, der die Anverwandten des Verewigten scwie Ritterguts- besißer Dr. von Websky-Schwengf.ld u. A. beiwohnten. Unter dem Geläute der Kirchenglo>ken ron Gräditz, einem Geschenk des Verblihenen, begann die ernste und würdige Feier mit den von einem Schweidnizer Männerguartett vorgetragenen Gesängen : „Da unten ist Friede im dunklen Haus“ „Unter allen Wivyfeln ift Rub*“ und einem für diese Gedächtnißfeier von Herrn Neutcrt besonders gedichteten Liede. Hierauf folgte der Gesang der ersten zwei Strophen des Liedes „Jesus meine Zuversiht*, vor- getragen von dem Männergesangverein von Gräditßz unter Leitung des Kantors Lampel. Die Gedächtnißrede solite ein in Thüringen wohn- hafter befreundeter Geiftliher des Verewigten halten; da dieser jedoh am Erscheinen verhindert war, wurde seine eingesandte Rede von Pastor Schier-Grädiß nah kurzen einleitenden Worten zum Vortrag gebracht Ihr lag das Wort des Apostels: Philipper 1, 3, „J danke meinem Gott, so oft ih Eurer gedenke* zu Grunde. Nah Gebet und Segen folgte der Gesang der Ring’ schen Motette „Selig sind des Himmels Erben“, vorgetragen vom Männer- gesangverein von Grädiz. Am Sarge waren zum beutigen Ge- dächtnißtage zahlreihe und pra(tvolle Kränze niedergeleat worden, auf die in dem engen Raume keller Kerzenglanz niederstrablte. Der auf Befebkl Seiner Majestät des Kaisers dure den Flügel-Adjutanten von Moltke niedergelegte Lorbeerkranz trug auf weißseidéner mit goldenen Fransen beseßten Schleife den Anfangsbu@&staben des Kaiser- lihen Namens und die Kaiserkrone. Prachtvolle Kränze mit Wid- mungéschleifen batten ferner gespendet : das Offizier-Co:ps des Shle- sischen Füsilier-Regiments Nr. 38, die Stadt Schweidniß, Ritter-

gutébesizer Dr, von Websky-Schwengfeld u. A.

Kiel, 27. Oltober. Das ‘stürmishe Wetter der leßten Tage hat bereits verschiedene Strandungen an der bolsteinischen Oft- füste zur Folge gebabt. Ein besonders trauriger Unfall, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen, ereignete si, wie der „N. Pr Z." berihtet wird, heute Morgen vor der Kieler Bucht. Der Segler „Anna Margarethe*, Kapitän Peters aus Breiholz, mit einer Ladung Kopffteinen von Halmstad (Schweden) na Kiel unterwegs, sprang unter Fehmarn le>; troßdem wurde die Fahrt nah Kiel bei dem stürmi- schen Wêtter unter ununterbrohenem Pumpen fortgeseßt Zwei Kilo- meter von Laboe sank der Segler Morgens um 3 Uhr. Die Besaßung des Schiffes, der Kapitän Peters, der Steuermann