1891 / 256 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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apparate zu errichten. Aus den Landesberichten aing hervor, daß Pendelmessungen au< im verflossenen Jahre wiederum auf zahlreichen Orten in Desterreih, Frank- reih und Rußland ausgeführt worden find; u. A. hat der österreihishe Oberst-Lieutenant von Sterne> seine Unter- fuhungen in den Alpen bis München und Padua ausgedehnt ; man darf den Ergebnissen mit Spannung entgegensehen.

Den Theilnehmern der Versammlung wurde von der Îtalienishen Gradmessungsfommission und dem militär- geograph:\s<hen FJnsiitut zu Florenz, den Behörden der Stadt und Prcvinz eine überaus lieben8würdige Gastfreundschaft dargeboten, die jene Tage auch in geselliger Beziehung höchst angenehm und interessant gestalteten. Als Ort der nächst- jährigen Versammlung wurde auf ergangene Einladung Brüssel gewählt.

Physikalishe Gesellschaft.

Sp. Jn der ersten Sizung des Wintersemesters fand zu- nächst eine Besprechung statt über die Betheiligung der Gesell- schaft an der bevorstehenden Helmholt-Feier. Die wissen- {chaftlihen Verhandlungen, über die hier berihtet werden foll, bezogen si< auf drei Gegenftände. Herr Haenfch er- läuterte einen Apparat, der in schr vollkommener Weise Untersuchungen über Mishfarben ermögliht. Schon die früher benußten und ursprünglih nah Angaben des Herrn von Helmholz konstruirten Apparate dieser Art beruhten auf dem Prinzip, durhein Pcisma, von dem alle drei Seitenflächen benußt werden, mit Hülfe zweier Lichtquellen zwei verschiedene Spektren zu erzeugen, welhe entgegengeseßte Farbenfolge baben; bei dem einen liegt das rothe, bei dem andern das violettie Ende auf der linken Seite. Jndem man die beiden Spektren gegeneinander verschiebt, gelingt cs leiht, zwei beliebige spektralreine Farben zur De>ung zu bringen und die Mischfarbe zu beobachten. Die Neuerungen an diesem Apparat bestehen im Wesentlichen darin, daß dur Benußung einer dritten und vierten Lichtquelle au< weißes Lit zu der Mischfarbe gegeben werden kann, wobei sih noch die Fntensität dur Polarisationevorrihtungen abstufen läßt. Die weiteren tehnishen Details mögen hier übergangen werden.

Sodann spra<h Herr Rubens über eine neue Methode zur Untersu<hung der optishen Zerstreuuna im ultrarothen Theile des Spektrums. Die Unter- fuhunaen in diesem Bereich, der bekannilih das Gebiet der dunklen Wärmestrahlen in sich shließt, sind nicht so häufiz aus- geführt, wie solche im sihtbaren oder im ultravioletten Theile des Spektrums, obwohl gerade hier interessante Zusammenhänge mit anderen Erscheinungen erwartet werden können. Liegt doch in der Nachbarschaft dieser hon verhältnißmäßig langen un- fihtbaren Wellen das Gebiet der elektrishen Wellen, und die Vermuthung, daß die Eigenschaften einer Substanz, die auf dem einen Gebiet ermittelt werden, fi<h au< auf das andere über- tragen lassen, erscheint um fo begründeter, je weniger getrennt die beiden Gebiete liegen. Will man nun untersuchen, in welcher Weise ein Priêma aus bestimmter Substanz, z. B. aus Steinsalz, diese dunklen Strahlen ablenkt, so bedient man si<h na< Langley's Vorgang dazu eines Spektrums, das mit Hülfe eines Gitters, also niht mit einem Vritma, entworfen wird. Ein solches Spektrum unterscheidet si<h abgesehen von seiner Entstehungsweise, die hier niht besprochen werden soll dadur von einem prismatischen, daß es die Farben in gleich- mäßiger Zerstreuung aufweist. Man kann also aus der bloßen Lage einer Farbe im Spektrum auf die betreffende Wellenlänge \{<ließen. Läßt man das Spektrum auf einen Schirm fallen, der nur an einer Stelle eine s{<male Oeffnung hat, so gelingt es folgli<h, einen Strahl von bestimmter Wellenlänge zu isoliren und nun zu weiteren Untersuhungen zu benuzen. Bei der neuen Methode Des Herrn N. wird zum Zwedte der Auswahl und Jsolirung von Strahlen ein anderes Verfahren angewendet. Man re- flektirt ein Strablenbündel an einer dünnen Luftschicht, die n<h zwishen zwei ebenen Glatplatten befindet. Da die Spiegelung sowotl an der vorderen wie au<h an der Nüdseite stattfindet, so erbält man zwei Strahlenbündel, die mit einander interferiren. Jn solhen Fällen findet eine eigenartige Zerlegung des Lichies statt, die man harakterisiren könnte als ein Spektrum, das niht in seinem ganzen Verlaufe, sondern nur an ein- zelnen Stellen Licht enthält. Die Wellenlänge für die auf diese Weise zu Stande kommenden hellen Streifen läßt sich hier ohne Schwierigkeit sehr genau b-rehnen, und darin, sowie in dem Umstande, da} hier das Licht auf die Streifen concentrirt ist, liegen Vortheile der neuen Methode. Die Messung der Wärmewirkung bei den entsprechen- den dunklen Streifen erfolgt mit Hülfe eines sehr empfind- lichen thermometrishen Fastruments, des Bolometers, das darauf beruht, daß das elektrishe Leitungsvermögen eines Drahies ih bei veränderter Temperatur ebenfalls ändert. Man muß, um starke Sthwankungen des Leitungsvermögens zu erhalten, sehr dünne Drähte benußen, Das hat {on Langley gethan. Jn einem nach seinen Angaben gefertigten «Fnstrument wirken die Strahlen auf einen Platindraht von einem Tausendstel Millimeter Dile. Je nah den Umständen ist es vortheilhaft, mehrere Drähte neben einander zu spannen, also den Strahlen eine breitere Fläche darzubieten, Von der Empfindlichkeit solcher Fnstrumente kann man si<h nah einem der mitgetheilten Versuche eine Vorstellung machen, bei dem eine Kerze in der Entfernung von einem Meter genug Strahlen aussandte, um einen Ausschlag von 500 Graden zu verursachen. Die zahlenmäßigen Resultate der Messungen, die an Steinsalz und anderen Substanzen vorgenommen worden sind und bereits über das Gebiet der Langléy'schen Messungen hinausgefsührt haben, sollen später veröffentlicht werden,

Zuleßt spra<h Herr Professor Preyer über den Zu- fammenhang zwishen den physiftalishen Eigen- schaften und den Atomgewichten der Elemente. Alle Versuche, die zur Auffindung solcher Beziehungen gemacht werden, sind offenbar von der größten Bedeutung. Es ift eine von vielen großen Forschern gern gehegte Fdee, daß die verschiedenen Stoffe, die wir als Elemente be- zeihnen, do<h in legter Linie aus einem einzigen Urstoffe aufgebaut seien. Weist man darauf hin, daß es bis jeßt wenigstens no< niht gelungen ift, ein Element in ein anderes überzuführen, so ist das kein unwiderlegbarer Einwand: denn hierdur<h wird ja durchaus nicht bewisen, daß dies au< unter ganz anderen Verhältnissen, wie fie viel- Leiht in entfernten Himmelsräumen herrshen oder in ent- legenen Zeiten auf der Erde geherrs{t haben, unmöglih sei. Ob man nun mit Prout annimmt, daß der Wasser-

floff jener leßte Urstof sei, oder ob man den Träger des

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Lichtes und der Elektrizität, den sogenannten Aether hier heranziehen will, das ist im Grunde genommen gleih- ültig. Stellt man si< auf den Boden dieser Anschauungen, o hat man fich also zu denken, daß die Elemente mit höherem Atomgewiht dur< eine Art Kondensationsprozeß aus den- jenigen mit niederem entstanden seien. So ergiebt fih eine Entwi>eluna, eine Gruppirung in Familien, eine Art Stamm- baum der Elemente. Die Eigenschaften der Elemente werden dem entsprehend Zusammenhänge aufweisen ; sie werden si in ähnlicher Weise abstufen, wie wir das, um ein biologis<es Bild zu gebrauchen, bei Familieneigenthümlihkeiten sehen. Be- rühmte Versuhe zur Aufstelung solher Systeme, allerdings ohne die direkte Behauptung, daß es si thatsähli<h um einen solhen Stammbaum handeln solle, sind von Mendelejeff und L, Meyer unternommen worden. Die Ergebnisse waren schon bedeutsam genug. Hat man do< aus Lücken, welche das System aufwies, auf das Vorhandensein unbekannter Elemente geschlossen, deren vorher zu bestimmende Eigen- haften fi< dann thatsähli< bei später entde>ten Elementen fanden. Diese Systeme find indeß, wie der Vortragende ausführte, nit vollständig genug. Der Gedanke einer Entw:>elung is neuerdings besonders von G. Wendt ausgeführt worden. Der Vortragende gab eine ausführlihe Darlegung eines von ihm aufgestellten neuen Systems, aus dem si< für eine ganze Reibe physikalisher Eigenschasten, so für das spezifishe Gewicht, die spezifische Wärme, den Magnetizmus (bezw. Diamagnetismus) und die elektrohemishe Spannung, fol<he Beziehungen zum Atom- gewichte ergeben. Was die Tragweite dieser Untersuchungen angeht, so läßt si diese, wie es ja in der Natur der Sache liegt, vorläufig no< niht übersehen.

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Die Sammlung der Werke Karl Köpping's in Dresden.

8. Das Königliche Kupferstihkabinct zu Dreéden besitzt bisher wohl olein von allen öffentlien derartigen Sammlungen sämmtliche Werke des beröbmten Radirers Karl Köpping, der acgenwärtig an der Spitze des Meisterateliers für KupfersteWerci und Radirung an ter Berliner Kunstakademie steht. Das bedeutsamste Werk Köpping's wurde in der letzten Vierteljahresausftelung des genannten Kabinets weiteren Kreisen rorgeführt und zeigte ebensowohl die staunenewerth roshe Entwi>elung im Können Köpping's, wie die \{hrankenlofe Meiftershaft. über die er jetzt gebietet. Köppixrg gehört neben Waltner, Chauvel, Bracquemont und Brunet - Desbaines zu den hbervorragendften lebenden Meistern der Radirkunft, und dabci müssen wir ibn in der Hauptsawe als cinen Mann eigener Kraft bezei@nen. Am 24. Juni 1848 zu Dresden geboren, besuchte er zunäcdst die dortige Realséule, dann wandte er fic na Münthen, um Chemie zu studiren; da ihn {on damals die Kunst lebhaft anzog, beshloß er, si als Chemiker vor Allem mit der Farbentehnik zu beschäftigen, und diese führte ibn bald der Kunft felbst zu, da er wobl ecinsah, daß ein Nichtkünstler nur s{<hwer auf die Künstler Cirfluß gewinnen könne. So widmete er cinige Jahre in München der Malerei, bis ibn der Besuch einer gröferen Auéftellung in Wien zu der Erkenntniß brate, wie weit die Franzosen den Deutschen i der Kunst damals überlegen waren. So wandte er sh na i wäßrend - er dort als Lands(after keinen Erfolg erzi fiel er auf das Radiren, und diescs wurde bald aust<ließ- li das Feld seiner Thâätigk.it. Bei seinen Versuchen und Studien ging ibm der berühmte Meister Waltner ein paar Jahre lang mit seinen Ratbsklägen an die Hand, ohne daß ih indeß geradezu ein Schülerverhältniß zwiswen Köpping und Waltner ge- bildet bâtte. Der au als fein Lehrer genannte Jacquemart war todt, als Köpping zu radiren begann. Son na< wenigen Jahren aber war Köpping ein bekannter Name auf dem Felde der Radirung, und von Paris aus drang der Ruf seines Namens na< seinem Vaterlande.

Die Radirung hat in unserer Zeit eine Bedeutung erlangt, die sie zu keiner Zeit gehabt bat ; es sind mit der Radirnadel Werke von einem Umfang und einer künstlerishen Bedeutung gesbaffen worden, wie noc nie zuvor. Diese Thatsache ift wobl zu begreifen. Ist doch die Radirtenik gerade zu einer Zeit wieder aufgenommen worden, da in der Malerei das materishe Element gegenüber der übermäßigen Betonung der Linienkomposition immer kräftiger si Babn bra<. Einer der ersten deutschen Meister , die sih der Nadir- xadel mit Erfolg bemähtigten, war William Unger in Wien, der au eine Reibe von S<ülern auégebildet hat. Welche Fortschritte seitdem die Radirkunt in Auffassung und Technik gemacht hat, ergiebt {on ein oberflähliher Vergleich der Unger’ schen Radirungen nah Frans Hals mit dem neuesten großartigen Blatte Köpping's nah dem Harlemer Scbützenstü> von 1627, das in diesem Sommer auch auf der inter- nationalen Kunstausstellung in Berlin ausgestellt war. :

Der rastlose Fleiß, der ni&t nachläßt, bis das Werk in allen scinen Theilen vollendet ist, der dem klar erkannten Ziele von immer neuen Seiten nahe zu kommen sucht und kein Mittel unversuht läßt, bis er s errei<t hat, spriht mit überzeugender Klarheit aus den ausgestellten Blättern. Hier sind besonders die verschiedenen Zustände von Werth; so zeigen die vier Zustände des Blattes nah Clairin's Frou-Frou, wie der Künstler in verschiedener Weise versucht bat, die maleris<hen Werthe berauszubekommen, ein Streben, das vom besten Erfolge gekrönt worden ist. Dabei is er weit entfernt von jeg- liher aewohnbeitémäßiger Manier, von einer SGablone, der etwa jedes Werk angepaßt würde; sondern der Künstler ist an jede neue Aufgabe mit voller Unbefangenheit herangetreten und hat si< aus- {ließli von dem Streben leiten lassen, gerade dem j¿des Mal vor- liegenten Werke und seinen besonderen Eigenschaften gere<t zu werden, seinen aeistigen Gebalt voll und klar zu erfassen und auc die Technik seines Vorbildes, in die Radirtehnik übersetzt, getreu wiederzugeben. íIn dieser Hinsicht hat Köpping geradezu Staunen2werthes geleistet, Mir brauen da rur an Rembrandt's „Staalmeesters* zu erinnern. Rembrandt dürfte überbaupt der Meister sein, zu dem si<h Köpping am Meisten als verwandtem Künstler bingezogen gefühlt hat, während er manchen anderen Künstler nur auf Anregung des Kunsthändlers hin zum Vorbild für seine Radirungen gewählt haben dürfte,

Sehen wir uns unter den ausgestellten Werken um, \o finden wir zunäcst zwei {leine radirte Bildnisse Köpping's, die seine scharf geshnittenen, von Thalkraft zeugenden Züge in interessanter Weise wiedergeben, daneben eine kleine, dunkel gestimmte Landschaft eigener Erfindung (aus dem Jahre 1877), der erste Versuch Köpping's auf dem Felde der Radirung, als er in Paris (seit 1876) als Maler keinen reten Boden fand. Es folgen sieben kleine reizvolle Landschaften na<h Bildern des belgis{en Chicmalers Fan van Beers (aus dem- seiben Jahre), die sh in den Bahnen impressionistisher Stimmungs- malerei bewegen. Köpping hat sie in gefälliger, etwas fa: prizióser Technik wiedergegeben. Gleichzeitig ist die Gruppe von zwei Kindern ra< Licbermann entstanden, eine Skizze, deren derbe Technik in der Nachbildung fast no< überboten wird, so treu s(ließt diese sib an ibr Vorbild an. Nä<Gft einer in der Liétwirkung interessanten Sonnenblumenstudie (mit Hintergrund) aus dem Jahre 1878 folgt nunmethc die Radirung der Rembrandt- s<hen Frau im Louvre (la femme du Louvre), die Köpping im Pariser Salon von 1879 die ebrenvolle Erwähnung einbra<te und ibn damit ¡vm anerkannten Künstler feines Fahs machte. Es ift ein tú<htiges Werk ; das Rewbrandt’s@e Bild (im Salon carré) zeichnet si dur die gesättigte Tiefe der Farbe und dur die L-uchtkraft des F.eishtons aus; Rembrandt \>@welgt bier in den Reizen des Hell- dunkels und hat den regelmäßigen, etwas kräftigen Zügen der etwa 25 jährigen Frau einen ungemein lebendigen Ausdru> verliehen.

Köpping, der bier zum erften Male dem großen Rembrandt näher tritt, geht dessen künfstlerishen Absichten \<on mit entshiedenem Ver-

ftändniß nah und hat die wesentlihen Züge treu wiedergegeben. Au die Lihtwirkung ift fris und lebendig; die feineren Uebergänge von Licht urd Schatten könnten wobl no< besser hervortreten. Diesem ersten Rembrandtbilde folgten alébald das Bildniß Franz des Ersten nach Tizian und die Lucretia nah Rembrandt. Einen Rü>ks<lag auf fein erstes Schaffensgebiet bildet dann die kleine Landschaft nah Eugen Jettel, ein reizendes kleines Kunstwerk: auf dem Teiche, der si in die Tiefe des Bildes ersire>t, s{haukeln links zwei Kähne, re<ts am Ufer erbebt sich eine staitlidbe Baumgruppe, dabei weidet eine Kub. Die Technik geht bier völlig in dem flaren malerishen Eindru> auf; die Lufttöne find E zart und fein abzetönt, das Ganze wirkt prächtig, sonnizg und fTiar.

Unvollendet ift biéber die Platte geblieben, auf der Köpping die Ribera’she Maria Magdalena in der Dreédner Galerie zu radiren unternommen bat. Dana wandte sid Köpping, vielleidt weniger dem eigenen Wunsche folgend, als der Betellung des Pariser Kunst- verlegers Sedelmeyer, dem ungarisGen Meister Munkacsy zu, der damals von Paris aus stark in Aufnabme war. Munkacsy's Werke weisen viellei&t mebr auf den Kupferstich, als auf die Radirung bin ; indeß bat Köpping niht minder als Waltner gezeigt, daß es der Radirung mögli ift, sie in bester Weise zur Geltung zu bringen. Die Reibe ter Köpping'shen Munkacsy-Radirungen beginnt mit dem Familien- bilde im Atelier (1880), cs folgen 1882 die Rodeurs de nuit (Ver- haftung -eines Nacbtshwärmers), 1883 das Leibbhaus, 1886/87 das große Bild des gekreuzigten Christus auf Golgatha, womit die wir“ungsvolle Reibe der Murkacsy Bilder großartig abs{Œlicßt. Schon dur< den Gegenstand anziehend, werden sie es no< mehr

“dur die breite sibere Bebandlung, die vor allem die Gegensäße

von Lit und Satten glänzend zur Geltung bringt. Er- langte Köpping dur die Nadts{hwärmer und Frou:Frou im Salon von 1883 die 3. Medaille, fo stellte er sich zugleich mit dem Golgatha- Bilde an die Seite des berühmten Meisters Waltner, der bekanntlich Munkacsy's Christus vor Piiatus radirt bat. Die beiden Blätter sind voll gleihwertbig; der Untersbied in der Wirkung berubt nur in den Bildern selbst. Während Golgatba dur die flotte malerisbe Mage und den lebhaften <arakteristishen Auëdru> sih auszei{net, in der bildmäßigen Anordrung aker etwas zurü>stebt, besteht gerade in leßterer der Hauptrorzug des Pilatus-Bildes, das in jenen beiden Beziehungen zurü>steht. Köpping hat die Vorzüge des Golgatha-Bildes in bedeutender Weise wiederzugeben verstanden. Die Reibe der Munkacst-Vilder wird unterbrohen dur< eine Anzabl anderer Radirungen, nämli den Connetable von Bourbon und die Frau mit dem Spiegel nah Rembrandt (1881), Frou - Frou von Clairin (1882), den Marktkarren (the market-cart) und die Hütte im Walde (the cottage-door) ven Gainsborough (1884), den Morgen na Breton (1885), cine Landschaft na< Corot, eine Land- haft na Rembrandt (in der Dreêdner Galerie, wohl ein Sg@ulbild) und die berüßkmten Staalmecfters na< demselben (1886/87). Zunä&fst fesselt uns bier Frou-Frou von Clairin. Das leben8große Gemälde, das seiner Zeit in Paris leb- baft gefiel, zeiat eine flotte Weltdame in glänzendem, bei der Be- wegung rascelndem (faire frou-frou) Gewande von weißem Atlas mit etner Ucberfülle von crêmefarbenen, silberfädendur{zogenen

izen. Den koketten Uebermuth in der Auffassung und das

zióse duftige Gewand bat Köpping no©G leichter und geistreicer andelt, als der französis{e Maler. Nicht minder ift der Künstler, nunmehr im Vollbesitze eines gereiften Könnens, dem alten englischen Meister Gainéborough gere<t geworden, dessen berühmte Landichaften (in London) er in ibrer flotten malerishen Wirkung böft treu und wirkungtvoll wiedergeaeben bat. Faft no< vollendeter in der Fein- Écit der Luft- und Littöne find aber die obengenannten beiden fran» zöfisdben Landschaften.

An den Rembrandt:Bildern sehen wir am Meisten, wie des Künstlers Kraft, getragen von der Begeisterung für den großen bollän- dischen Meister und im Kamp*e mit dessen <araktervoller Tecnik, immer böber anwäbst. Schon die Staalmeesters (die fünf Vorsteber der Tuhmaterzunft) erregten bei ibrem Erscheinen die böchste Be- wunderung. Die sprewend lebendige Charakteristik der fünf Männer tritt uns in voller Schärfe und Klarheit entgegen. Erstaunlich ift, wie die bunte Mannigfaltigkeit der ans{<einend mit allen mögli$en Irstrumenten bergestellten kcausen Striche, Punkte, Liht- und Schattenfleke si< zum vollen harmonishen Gesammteindru>ke zusammenscließt, der dem des köstlihen Rembrandt-Bildes in seiner Ruße no< besser als die besie Photographie entspri6t. In der Braun'shen Photographie sind dur< die Tongebung s<ärfere Gegensäße geschaffen, als der ruhigen Lichtwirkung des Urbildes entspriht. Noch viel großartiger aber er- \<heint Kövping's Talent entwi>elt in dem Greisenkopfe aus Rem- brandt's Spätzeit in der Dresdner Galerie (von 1654). Die leßten Blätter haben Köpping die höcsten Ehren, den Grand Prix der Weltausstellung in Paris 1889, die große goldene Medaiüle in Wien, München und Berlin, die Mitglied\<aft verschiedener Akademien und die Berufung na< Berlin eingebrat.

Vier weitere Blätter, die beiden Selbstbildnifsse von 1887 und 1889 (letzteres ohne Andeutung des Hintergrundes), zwei Sonnen- blumenstudien (1889) und das Makbl der St. Ge-rges{üßen von Frans Hals (1627), leßteres 1888/90 entstanden, führen Köpping's Merk bis in die unmittelbare Gegenwart. Die Sonnenblumen würdigt man im Verglei mit den gleihartigen Studien von 1877. Die Radirung nah dem liebenswürdigen Schützenstü>k, einem jener aht Meisterwerke des Frans Hals, die den unverglei{lihen Nuhm des Museums zu Haarlem auêmaten, ist wiederum in der Wiedergabe der Hals’\{en Eigenart ein Meisterwerk, wennglei< Köpping bier keine Gelegenheit hatte, etwa die imponirende Technik des Greisenkopfs zu verwertben. Daß er dies nicht that, ist ein {öner Beweis dafür, daß er eben nit in erster Linie dur< überrashende Tehrik um jeden Preis glänzen, fendern zunö<hst dem Geist seiner Vorbilder gere<t werden will. Nur dazu wählt er aus der sier uners<övflihen Fülle seiner te<hnis@en Hülfsmittel das, was ihm in jedem Falle als das geeignetste erscheint.

Die Dresdner Köpping - Sammlung steht ni<t nur dur ibre Vollständigkeit, sondern auch dur< ihre Fülle besonders \<höner Blätter einzig da. Iedes Hauptblatt ist dur< einen Vorzugsdru> oder einen Künstler-Probedruk vertreten, wozu die zahlreihen werthvollen Zu- standêdrucke no< als besondere Schätze hinzukommen.

In Weilburg a1 der Lahn soll Konrad I. von Deurs<bland (f 918) ein Denkmal errihtet werden. Der Schöpfer des Hutten -Si>ingen-Standbildes auf der Ebernburg Ludwig Cauer in Kreuzna<, ein Sohn des Professors R. Cauer in Rom, hat einen Entwurf für die vor dem Landthor von Weilburg aufzu- itellende Statue des Frankenkönics, dessen Vater kekanntli<h Graf des Lahngaues war, vollendet.

Aus Darmstadt wird der „Frkf, Ztg." geschrieben : Zum Studium der Elektrotechnik ist der Zudrang seit einigen Jahren ein ganz besonders ftarker. Auch im j-t begonnenen Semester der tehnis<hen Hochschule wird si< die Mehrzahl der ungefähr 160 neu angemeldeten Studenten der Elektrotechnik widmen. Zu dem Kolleg über „Experimentalphysik“ ist der Zudrang in diesem Semester ein derartig starker, daß Professor Schering si entschlossen hat, in zwei getrennten Abtheilungen vorzutragen.

Land- und Forstwirthschaft.

Ernteergebnisse in den Vereinigten Staaten.

Die hiesige Vertretung der Lombard Investment Co. erhielt beute die folgenden genaueren Angaben aus dem Oktoberbericht der Negierung der Ver. St. über die dortigen Ernteergebnisse: Mit Weizen waren beftellt 39 226 725 Acres, deren Ertrag ih auf 588 391 C000 Bushel belief (per Acre 15 Bushel), Die his hahin beste Ernte von 1884 erbra<hte 512 000 000 Bushel (per Acre 13 Bushel). Hafer ergab 767 000 090 Bushel auf 26 200 000 Acres (29,3 Busbel per Acre). Bisherige beste Ernte war bie von 1889 mit 751 515000 Busbel. Roggen ergab ca. 34 000 000 Bushel auf 2 350000 Acres (per Acre 14,4 Bushel); bisherige beste Ernte 1882

mit 29 860000 Bushel. Gerste ergab 77 400 000 Busbel auf 3 000000 Acres (ver Acre 25,8 Bushel) aegen ca. 63 000000 Bushel der bisherigen besten Ernte von 1888. Die Maisernte wird auf 9 120 000 000 Busbel ges<äßzt. Die bisherige beste Ernte war die von 1889 mit 2112 000 009 Busbel. Die Kartoffelernte verspricht nah den eingegangenen Berichten 224000 000 Bushel zu erbringen ; bestellt mit Kartoffeln sind 2 285 000 Acres (ges<äßtes Ergebniß 90 Busbel per Acre). Die lettbeste Ernte war die von 1883 mit 208 000 000 Bushel. In runden Ziffern beläuft si das Gesammtergebniß der die3- jährigen Ernte an Cerealien und Kartoffeln auf 3 730 000 000 Bushel egen 2 580 000 000 Bushel. im Vorjahre Davon find für die Aus- ubr disponibel : Weizen 230 000 (00 Bushel, Hafer 25 000 000 Busbel, Mais 200 000 000 Busbel, Roggen 10 000 000 Bushel, Kartoffeln 90 000 000 Bushel, zusammen 485 000 000 Bushel.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln. 9 Egypten.

Der internationale Quarantänerath zu Alexandrien hat am 13. Oktober 1891 bes{lofien, die neuerdings gegen Yanbo und die Küste des Hedjaz verbängte Cholera- Quarantäne (,Reihs-Anz.“ Nr. 249 vom 22. Oktober 1891) auf den gesammten Küstenstri<h des Yemen bis südli zur Meerenge von Bab-el-Mandeb auszudehnen.

Handel und Gewerbe.

Der Centralaus\<uß der Reichsbank versammelte si heute Vormittag 10 Uhr. Die Lage der Bank is nah dem Vortrage des Reichsbank: Präsidenten erhebli<h günstiger als in den beiden leßten Vorjahren. Der Goldvorrath über- steigt den von 1890 um 160, den von 1889 um 109 Millionen. Das Melall hat sich gegen 1890 89 um 189 bezw. 132 Millionen vermehrt. Während si<h die Notenausgabe in diesen beiden Jahren der geseßlihen Steuergrenze näherte, hat die Bank jeßt no< 229, am 27. d. M. 231 Millionen Mark Noten- reserve. Die Anlage (von 628 Millionen) ist um 197 Millionen kleiner als 1890, um 26 Millionen als 1889. Privatdiëkont und fremde Wechselcourse sind niedrig. Gleichwohl würde es nach den Ausführungen des Bank-Präsidenten nicht weise sein, den Diskont zu ermäßigen, da wir uns dem Jahresschlusse und der Zeit näherten, zu der sih die Getreide-Fmporte in ihrer finan- ziellen Wirkung äußern werden. Die Bank von England habe gestern ihren Zinsfaß auf die Höhe des Diskonts der Reichs- bank gebra<ht. Jn Folge dessen sei dort auch der Privat- diskont bereits erheblih gestiegen. Die Versammlung stimmte den Ausführungen des Vorsißenden ohne Widerspruch zu.

Die Besitzer von Jnterimsscheinen der im Februar d. F. aufgelegten 3 proz. Reihs- und Preußischen konsoli- dirten Staats - Anleihen machen wir darauf auf- merksam , daß bis zum 6. November d. F. die Vollzahlungs- rate mit 16,93 M für 100 M Nennwerth geleistet werden muß und daß an diesem Tage auch die Frist für versäumte Oktober - Einzahlungen (eins{ließli<h 0,844 /( Konventional- strafe für 100 f Nennwerth) abläuft. Gelegentlih der Vollzahlung gelangen an Stelle der eingereichten Fnterims- scheine die definitiven Stücke zur Ausgabe, und ist hiermit jenes große Finanzgeschäft beendet. Von dem er- wähnten Termin ab hört mit dem Verschwinden der 3proz. Scrips au< ihre Notirung im Courszettel auf und werden an der Börse alsdann nur noch definitive Stücke der 3 proz. Anleihe vom Oktober vorigen und Februar dieses Jahres in einer Sorte gehandelt und notirt. Es empfiehlt fh daher, die Vollzahlung re<htzeitig zu veranlassen und auch etwaige schon früher vollgezahlte, aber bisher no<h nicht um- gelaushte Fnterimsscheine baldigst an den bekannten Stellen zur Abhebung der definitiven Stüdle vorzulegen.

Vor nachstehend bezeihneten Personen bezw. Firmen wird Seitens der Polizeiverwaltung im Haag öffentlich gewarnt :

Maatshappy „de Eersteling“ (Direktoren 1) den Hartigh van E>, M. J, 2) Dorrestein, C. A., früber in Utrecht), Holl, Nicolaus Hendrik, Kooyman , Adriana Johanna Jacoba (Ehefrau des Leonardus Donkersloot), Oosterwerff, George, Roomberg, Antonius, Roodhuizen, Johannes Stephanus, Storp, Fohann Wilhelm, Terstall, Bartholomeus Hendrik, Tinimermanns, Grades, sämmtlih im Haag; ferner: _ Lieftink, Gysbertus Hendrikus, früher im Haag, jeßt in Rotterdam.

TägliGe Wagengestellung für Koblen und Koks an der Ruhr und in Oberslesien. _ An der Ruhr find am 29, d. M. gestellt 10457, nit re<t-

zeitig geftellt keine Wagen,

In Oberschlesien sind am 28. d. M. gestellt 4187, nici rechtzeitig gestellt keine Wagen.

Subhastations8-Resultate.

Beim Königlichen Amtsgericht T Berlin stand am 29, Dftober 1891 das Grundstü>, in der Petersburgerstraße belegen, dem Zimmermeister Friß Kegel und dem Rentier Hermann Hanke hier gehörig, zur Versteigerung; das geringste Gebot wurde auf 155 507,22 #4 festgeseßt. Für das Meistgebot von 250 000 wurde der Dorotheenstädtishe Credit-Verein, Aktien- gesellshaft, Ersteher. Vert agt wurde das Verfahren der Zwangs- versteigerung, betreffend das Grundstü> in der Pasewalkerstraße, dem Kaufmann Heinrich Fischer gehörig.

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1. Untersuhungs-Sachen.

2. Aufgebote, ustellungen u. dergl.

3. Unfall- und Invaliditäts- 2c. Bera 4. Verkäufe, Verpachtungen, Verdingungen 2c. 5. Verloosung 2c. von Werthpapieren.

Der Verein der Stärke-Interessenten in Deutschland théilt mit, daß die zweite Zusammenkunftder Stärke-JInteressenten am 3 November, Vormittags 10 Uhr, in den Räumen des Klubs der Landwirthe, Berlin SW., Zimmer fr. 90/91, stattfindet. Den Mitgliedern des Vereins \tedt die Theilnahme ohne Weiteres frei, Nichtmitglieder bedürfen der Einführung.

Frankfurt a. M., 29, Oktober. (Getreidemarktbericht von Joseph Strauß.) Weizen folgte der steigenden Richtung der leitenden Märkte; der Handel war nit unbedeutend, besonders auf Lieferung in amerikanishem (Ned-winter), au<h die für den biesigen Markt passenden fonstigen Sorten fanden zu befriedigenden Preisen Nehmer. Umaeseßt wurde hauptsählih exquisiter Red-winter mit 244—25 #4, Mittelqualitäten 247 #, vorjähriger ab Umgegend fehlt, zu schäßen 244—Ì M, frei Bahn hier ebenso, neuer hiesiger (größtentheils Sommerweizen) 23}—># A, russisher 24} bis 25 Æ Nach Spelzkern wurde vergebens gefragt, etwa 245 M Roggen hat ni<ts von seiner günstigen Position verloren, wenn au< das Geschäft im großen Ganzen nicht sehr lebhaft und umfangreih warz; biefiger 233—24 6, howfeiner französisher 244—2 6 Gerste gehört zu den wenigen Artikeln, welche von der allgemeinen Besserung noch nit erfaßt sind; die iu Gnde gegangenze Woche war sowohl für Primawaare als au< für Mittelqualitäten wieder sehr träge und matt; hauptsähli<h handelte man hiesige Wetterauer mit 18—} 46; Ried, Pfälzer und Franken (Owbsenfurter Gau) 18$—19 #4. Russishe Mahblgerste mit 157—16 M übrig. Hafer ist lebhafter geworden, da der Norden fi< mit höheren Geboten gemeldet hat und der inländische wie der Platkonsum größere Versorgungen vornabm;z hiesiger, frei bier 15—} 46; hodfeiner 15$—16} 4; ab verschiedener Stationen Route: Main-Weser, oberhessishe und bayeris<he Bahn die Route bis Nürnberg 15}—è H, die Berliner Börse dominirt. Mais erfreute h etwas größerer Beachiung, Donau prompt 152—16 4 detaillirt, amerifanisher (Mired) per Februar-März 1892 lieferbar 145 H. Malzkeime, obwohl die Stimmung an den Nebenmärkten unverändert war, wurden hier die Preise erhöht, circa 10#—11 # Spelzenspreu (Ersay für MRoggenstroh) hatte befriedigendes Bedarfsge\<häft zu festen Preisen, 1,80 4 Roggentleie 13 6, Weizenkleie 11— {i A Kartoffeln gewannen an Interesse, anhaltend lebhafter Begehr des Konsums; die Notiz 4 6—+$ bleibt. Hochfeine weiße Bohnen #6 18è—19, Mehl: die feste Tendenz, die der Artikel seit einigen Wod(wen zeigte, dauerte fort. Hiesiges Weizenmehl Nr. 0 37—39 S, Nr. 1 35—37 A, Nr. 2 333—345 4, Nr. 3 31]— 325 #Æ, Nr. 4 27—29 #Æ, Nr. 5 25—27 A Mil <- brot- und Brotmehl im Verbande 66—70 # Nord- deutshe und westfälishe Weizenmehle Nr. 00 327—33F Roggenmehl loco hiec Nr. 0 36—37 4, Nr. 0/1 34—36 , Nr. 1 32—34 #4 (Obige Preise verstehen si< per 100 kg ab hier, häufig jedo< au loco auswärtiger Stationen und bei Partien von mindestens 10 009 kg )

Lei pzig, 29. Oktober. (W. T. B) Kammzug-Termin- handel. La Plata. Grundmuster B. per November 3,674 #, per Dezember 3,70 K, per Januar 3,70 #, per Februar 3,75 , ver März 3,75 4, per April 3,777 4, per Mai 3,772 46, per Juni 3,774 #, per Juli 380 #, per August 3,80 #Æ, per September 3,80 # Umsay 60 000 kg. Ruhig.

London, 29, Oktober. (W. T. B.) An der Küste 2 Weizen- ladungen angeboten.

Bradford, 29, Oktober. (W. T. B) Wolle ruhig aber stetig. Garne belebt.

New-York, 29. Oktober. (W. T. B.) Anfangs fest, verblieb die Börse bei günstiger Haltung und {loß zu den höchsten Tages- coursen. Der Umsay der Aktien betrug 239000. Stü>k. Der Silbervorrath wird auf 3 900 009 Unzen ges<ätt. Die Silber- verkäufe betrugen 125 000 Unzes.

Verkehrs-Anstalten.

Bremen, 29. Oktober. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. Der Dampfer „Straßburg®* ist gestern in Bremerhaven, der S(wnelldampfer „Spree“ in Nordenham angekommen und der Dampfer „Darmstadt“ gestern von Genua abgegangen, Der Dampfer „Preußen“, na<h Oftasien bestimmt, is gestern von Genua abgegangen. Der Dampfer „Braunschweig“ ist gestern von Southampton nah der Weser weitergefahren. Der Schnell- dampfer „Elbe“, von New-York kommend. ift gestern Abend in Southampton und der Swnelldampfer „Havel“ gestern Nach- mittag in New-York angekommen. Der Schnelldampfec „Elbe“ hat am 28, Oktober Abends die Reise von Southampton nah New- York fortg. sett.

Hamburg, 29, Oktober. (W. T. B) Hamburg-Ameri- kanishe Padlketfahrt - Aktiengesellshaft. Der Shhnell- dampfer „Normannia*“ hat, von New-York kommend, heute Morgen Lizard passirt. i

Der Postdampfer „Holsatia* ist, von Hamburg kommend, beute in San Thomas, der Postdampfer „Venetia“, von Hau- burg kommend, beute Mittag in New-York und der Postdampfer „Wieland“, von New: York kommend, heute Nahmittag auf der Elb e eingetroffen.

London, 29. Oktober. (W. T. B.) Der Castle-Dampfer „Hawarden Castle“ ist heute auf der Ausreise in Capetown angekommen. Der Castle-Dampfer „Lismore Castle“ ift am Mittwo<h auf der Heimreise von Capetown abgegangen. Der Ca stle-Dampfer „Durobian Castle“ hat am Mittwoch auf der Heimreise die Canarischen Inseln passirt, Der Union- Dampfer „Athenian“* ist beute auf der Heimreise von Madeira abgegangen.

New-York, 28, Oktober. (W. T. B.) Es hat si hier eine Gesellschaft für Einrichtung einer Damvferlinie zwischen New-York und Brasilien gebildet,

Mannigfaltiges,

Gestern verhandelte die Anwalts8kammer in dem ehren- geribtlichen Verfahren gegen die Rehtsanwälte Dr. Ballien und Dr Coßmann wegen ihres Verhaltens während des Heinze- Prozesses. Die Verbandlungen beganncn am Vormittag um zehn Uhr und dauerten bis zum Abend um sieben Uhr. Wie wir der eNordd. Alg. Zta.* entnehmen, waren es fünf Punkte, auf die si die Anklage stützte. Es wurde den Angeklagten zum Vorwurf ge- macht, daß sie während der Prozeßverbandlungen sih haben Sekt kommen lassen, ferner daß sie den Heinze’shen Eheleuten den Rath

Deffentlicher Anzeiger.

ertheilt haben, ißre Ausfagen zu verweigern, und daß sie die Unparteilihkeit des Gerichtsvorsißenden in Zweifel gezozen haben, indem sie diesen aufforderten, au< die die Angeklagten entlastenden Momente den Geshworenen gegenüber genügend hervor- zuheben. Ebenso wurde es übel vermerft, daß die Vertheidiger si wiederholt von den Angeklagten dur< Händeschütteln verabschiedet haben follen. Gegen den Vertheidiger der Frau Heinze wurde no< die Art und Weise ins Feld geführt, wie er die Gerichtsakten aus der Wohnung des Präsidenten si geholt hat, und \<{ließli< wurde ihm zum Vorwurf gemacht, daß er in gewissem Sinne die Verhand- lungen dur< unrichtige Darstellung des Gesundheit8zustandes der Frau Heinze zu verzögern gesu<t hat. Der Gerichtshof erkannte gegen den Rebtsanwalt Ballien auf einen Verweis, gegen den Retsanwalt C oßmann auf einen Verweis und 500 ( Geld- buße. Das Urtheil bemängelt das Sekttrinken, das Aktenabholen und das Verhalten dec Beschuldigten in der Sitzung ihren Klienten gegenüber. Der Gerichtshof erkannte im Uebrigen nicht an, daß dem Vorsißenden des Gerichts von den Vertheidigern der Vorwurf der Parteilichkeit gemaht worden sei. Bezüglih der Rathertheilung ver- trat der Gerihtsbof den Standpunkt, daß es tas Recht der An- geklagten sei, die Aussage zu verweigern, daß die Vertheidiger ihre Klienten auf dieses Recht aufmerksam machen dürfen, und daß Nichts erbrat sei, was in. dieser Beziehung auf ein illoyales Verhalten der Angeschuidigten hbindeute.

Rosto>k, 28, Oktober. Mehrere Damen fanden, wie der „N. Pr. Z.* mitgetheilt wird, am 25. Oktober in dem Glambe>er Forst bei Neustrelitz eine größere Menge der s<önsten reifen Erdbeeren. Ein Arbeiter brachte ebenfalls ein Erdbeersträußchen bon etwa 20 Stü>k vollkommen reifen und ausgewahsenen Beeren aus dem Forste heim.

London, 28. Oktober. Am Montag starb, na< einer Mit- tbeilung der „A. C.*, in Southampton der leßte der britischen Offiziere, die in der S<hlacht von Waterloo gegen Napoleon kämpften, der Oberst-Lieutenant William Hewitt. Am 2. Fuli 1795 geboren, trat er 1811 als Fähnrid in die Armee ein und war zur Zeit der großen Schlat bis zum Unter-Lieutenant avancirt. Er nahm im Jahr 1828 seinen Abs<Hied.

London, 28, Oktober. Den endlosen Regengüssen der letzten Woen ift, wie die „A. C.“ berihtet, endlih \>{dônes tro>enes, doch kaltes Wetter gefolgt. Au der Sturm, der gestern noch über einzelne Theile der Küste einherfegte, bat naHzelassen, nit jedo< ohne vorher einige Schiffs8unfälle im Gefolge gehabt zu baben. So lief die russis<e Barkentine „Austra*, die mit einer Ladung Holz auf der Fahrt von Riga na< Plymouth begriffen war, bei Margate auf den Strand, do< wurde die zehn Mann starke russische Besaßung no< re>tzeitig von dem dort stationirten Rettungsboot gerettet. Bei Falmouth fand gestern früh, etwa 7 Meilen von „The Dcdman“, bei trübem Wetter ein Zusammenstoß zwischen dem eisernen Schooner „Emerald® von Liverpool und dem IJersever Fiserboot „Handy“ statt, der den sofortigen Untergang des leßteren zur Folge batte, Die Mannschaft wurde von dem „Emerald“ aufgenommen und in Falmouth gelandet. Bei Yarmouth ging währenv des Sturmes am Montag Abend das Schiff „Margaret und John“ von Little- hampton unter. Die Leichen dreier Matrosen sind bei Gorston ans Land ges<wemmi worden und eine vierte wurde in der Roadstead aufgefunden. Man hâlt den Lugger „Promise“ von Y1irmouth, der eine Besaßung von elf Personen an Brod hatte, ebenfalls für verloren, Der bei Varmouth auf den Strand getricbene Schoner „Roy George“ ist vôllig wra>, Mit dem Eintritt des besseren Wetters hat das Waßer in den übers{wemmten Gebieten langsam zu fallen begonnen. In Marlow, Maidenhead und Co>kkam sind die Fluthen seit Sonn- abend einen Fuß gefallen. Auch gestern wurden Seitens der lokalen Feuerwehren Kohlen, heiße Suppzn und Lebensmittel an bedürftige Arme vertheilt. Ja Windfor und Eton ist die Themse bedeutend gefallen, do< sind die niedrig gelegenen Vorstädte, der Home Park und das College-Spielfeld noh immer übe: fluthet, Im Verlauf von Montag Nacht fiel ein ni<t unbedeutender Theil des Dammes zwischen Maidstone und Bearsted über das Geleise der London, Chatham und Dover-Eisenbahn, dadur eine geraume Unterbrehung des Ver- kehrs nah si ziehend. Desgleichen hatte ein Erdrutsh auf der seit einem Jahre im Betrieb befindlihen Lynton- und Lynmonth Kliff- Eisenbahn eine längere Verkehrsstörung zur Folge. Die Fluthen im Nene-Thal sind no< im Steigen begriffen.

_ London, 28. Oktober. Wie in Nr. 254 d. „RN.- u. St.-A.* mitgetheilt wurde, hat es si< herausgestellt, daß die Verüber des neu- lihen Cisenbahnfrevels, wel<he den nah Eastbourne fahrenden Eilzug zwishen Purley und South Croydon um Haaresbreite zur Entgleisung brachten, indem sie zwei eiserne Schienen- lager und eine Laschenshiene auf das Geleise legten, zwei kleine Knaben sind. Der cine, Muddle, ift zwölf Iabre und der andere, Shore, ist elf Jahre alt. Die Aussagen, welche die beiden Knaben dem Detektive Ward gegenüber maten , ent- bhüllen no< dem Bericht der „A. C.* ein trauriges Bild jugend- lider Verkommenheit Muddle sagte: „Ih sab, wie Shore die Eisenstü>ke auf die Schienen legte. Als er zurü>kam, sagte er mir, jeßt wolle er von dem Hinterfenster seines Hauses aus beobahten, wie der Zug entgleisen würde. Als ih ibn am leßten Sonntag wieder spra, erzählte er mir, der Zug sei entgleist, aber es babe Niemand Schaden genommen Sbore batte die folgende Geschichte vorzutragen: „J< ging mit Muddle auf das bei der Bahn liegende Feld. Muddle legte ein Stü>k Eiseu auf das Geleise, nahm es aber wieder ab. Dann legte ih drei StüdLe bin, worauf wir in meinen Garten gingen, um zu sehen, wie der Zug binüber- fahren würde. Muddle ging na Hause. Jch sab, wie der Zug binüberfubr und hörte das Geräush.* Dem Detektive erklärten die beiden Buben später : „Wir haben beide die Eisenstü>ke binaufgelegt, um zu erfahren, was der Zug wobl damit anfangen würde.“ Sgore sagte: „Wir find es Beide gewesen“, und Muddle fügte hinzu: „Einer von uns ist gerade so s{le<t, wie der Andere.“ Die gestrigen Verhandlungen vor dem Polizeigeriht in Croydon wurden nicht zu Ende geführt, die beiden Knaben aber in Untersuchungsbaft behalten.

__ London, 29. Oktober. Nah einer bei Lloyds aus Panama eingegangenen Depesche ist der der englis{hen „Royal Mail Company“ gehörige, zwishen Southampton und Süd-Amerika bezw. Westindien fahrende Postdampfer „Mosel“ 20 englishe Meilen von Colon entfernt gescheitert und vollständig verloren. Die Reisenden und

die Bemannung sind gerettet.

. Kommandit-Gesellshaften auf Aktien u. Aktien-Gesell\<. 7, Erwerbs- und Wirthschafts-Genossenschaften.

. Niederlassung 2c. von Rechtsanwälten.

9, Bank-Ausweise. 10. Verschiedene Bekanntmachungen.

1) Untersuchungs-Sachen.

2) Aufgebote, Zustellungen und dergl.

[43399] Zwangsversteigerung.

Im Grundbuche von der Friedri< Wilhelmstadt Band 6 Vlatt Nr. 142 auf den Namen des Hotelbesizers

Wege der Zwangsvollstre>ung soll das im in der Geriht8|<reiberei ebenda, Flügel D, Zimmer 42,

eingeschen werden.

Alle Realbere<tigten werden auf-

des Versteigerungsvermerks ni<ht hervorging, ins- | auf den Anspru< an ( ) besondere derartige Forderungen von Kapital, Zinsen, | tritt. Das Urtheil über die Ertheilung des Zu-

Benn dieselben bei eststellung des geringsten Gebots niht berü&sictigt i werden und bei Vertheilung des Kaufgeldes gegen | [43539]

Albert Julius Briese hier eingetragene, in der | gebenden Ansprüche, deren Vorhandensein oder Betrag | ftellung des Verfahrens herbeizuführen, widrigenfalls Louisenstraße Nr. 30 und am Swiffbauerdamm | aus dem Grundbuhe zur Zeit Nr. 24 belegene Hotel-Grundstü> am 21. De- Keine. zember 1891, Vormittags 11 Uhr, vor dem unterzeichneten Geriht, an Gerichtsstelle, Neue | wiederkehrenden Hebungen oder Kosten, spätestens im Er T I M I E E Friedribstraße Nr. 13, Hof, Flügel C., Erdgeschoß,

der Eintragung | na< erfolgtem Zul das Kaufgeld in Bezug ie

Stelle des Grundstücks {lags wird am 21. Dezember 1891, Nach-

Versteigerungstermin vor der Aufforderung zur Ab- | mittags 1 Uhr, an obenbezeihneter Gerichtsstelle Saal Nr. 40, versteigert werden. Das Grund- | zabe von Geboten anzumelden und, falls der be- | verkündet werden.

ftüd ist mit 18 290 „A Nuzungswerth zur Gebäude- | treibende Gläubiger wIderspriGtl,

steuer veranlagt. Auszug aus der Steuerrolle, be- | glaubhaft zu machen, wid gate Abschrift des Grundbuc(hblatts, etwaige Ab-

äßzungen und andere das Grundftü> betreffende

i die berü>sibtigten Ansprüche im MRange zurüd>- Nachweisungen, sowie besondere Kaufbedingungen können A tan E E ee Aue erlassenen, senen ganzen Inhalte nas

Grundstü>s beanspru<hen, werden y gefordert, die nit von felbst auf den Ersteher über- | vor Schluß des Verfteigerungstermins die Ein- | Proklam finden zur Zwangsversteigerung des dem

Verlin, den 20. Oktober 1891.

dem Gerichte i Königliches Amtsgeriht 1. Abtheilung 53,

Nach beute erlassenem, seinem ganzen Inhalte na<

aufgefordert, | in den Me>klenburgischen Anzeigen bekannt gemachtem