1891 / 261 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Waldeck'’shen Hauses zu sein.

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Schwarzburg-Sondershausen.

Sondershausen, 4. November. Der Landtag wurde gestern durch den Staats-Minister Petersen eröffnet. Unter den Vorlagen befinden fich der „Magd. Ztg.“ zufolge der Entwurf eines Erbschaftssteueraeseßes, ferner Entwürfe über Heranziehung von Fabriken zu Wegebauten, den Sélahthauszwang, die Aufbesserung der Gehaltsverhältnisse ter Unterbeamten, sowie ihrer Wittwen und Waisen, und die Gewährung einer einmaligen Theuerungszulage an erstere und die Volksschullehrer.

Waldeck und Pyrmont.

m, Dem in Arclsen verfammelten Landtage ist eine Rechtéverwahrung des Prinzen Heinrih zu Waldeck und Pyr- mont in Alt-Wildunger, Vetters Seiner Dur(laucht des Fürsten, zugegangen, worin er e:tlärt, gegenwärtig n a ch dem Erbprinzen Friedrih der nächste erbberehtigte Agnat des Fürsilich Der Prinz führt darin den Nachweis, daß seine beiden älteren Brüder, die Prinzen Albreht und Erich zu Waldeck, in Gemäßheit und kraft der Hausverträge und Hausgeseße, insbesondere des sogenannten Primogenituroertrages, ihre VPrimogenituransprüche und Rechte wegen ihrer Mesalliancen sammt ihrer Nahkommen- schaft zu Gunsten ihrer Brüder und Vettern eo ipso verloren hatten und von der Erbfolge solange exkludirt seien, als noch andere erbberehtigte Agnaten vorhanden wären. Daf das Pactum Primogeniturae eine jolhe noh gültige Bestimmung enthält, die auch noch festseßzt, daß einem sih mesalliirenden Prinzen die Hälfte seiner Apanagen zu Gunsten seiner Brüder und Vettern ent- zogen werden könne, soll in der That zweifellos sein. Fm Uebrigen handelt es sich nur um Dokumentirung eines event. Recht2anspruches, den der Landtag einfach zur Kenntniß zu nehmen haben wird, da der Fürst aus erster Ehe einen im fräftigsten Lebensalter stehenden Sohn, den Erbprinzen Fried: ih, Lieutenant bei den Garde: Ulanen in Potsdam, hat und selbst ers vor Kurzem eine zweite Ehe mit der Prinzesfin von Schleswig-Holstein eingegangen ist.

Reuß ä. L.

+ Greiz, 4. November. Seine Durchlaucht der Für st ist mit Jhren Dur&lauhten dem Erbprinzen und den Prin- zessinnen Emma, Marie und Karoline heute von Schloß Burgk hier wieder eingetroffen.

Neuß j. L.

Gera, 4. November, Der jüngstgeborene Sohn Seiner Durchlaucht des Erbprirzen Prinz Heinrih XL., dessen Taufe Jhre Majestät die Kaiserin beigewohnt hatte, ist, wie die „Ger. Ztg.“ meldet, gestern Naht nah nur kurzem Un- wohlsein gestorben.

Oesterreich-Ungarn.

Wien, 5. November. Der Kaiser empfing gestern, wie „W. T. B.“ meldet, den Herzog Louis Philipp von Orléans in längerer Privataudienz. 7

Die Königin von Griechenland ist nah Gmunden abgereist; der König von Griechenland, der gestern dem Grafea Kälnoky einen Besuch abstattete, beabsichtigt, noch einige Tage hier zu verweilen. i;

Jn der gestrigen Sigung des Budgetausschusses gab der Handels-Minister Marquis Bacquehem gegenüber mehr- fahen Klagen über d:e üble Lage der Fndustrie, des Handels und des Gewerbes in Folge der bandelspolitishen Un- gewißheit, sowie gegenüber den Wünshen nach Auf- flárung folgende Eiíklärung ab: Die Verhandlungen Oesterreih-Ungarns mit Jtalien und der Schweiz seien noch niht ausgereift. Wenn die Dauer der Müntener Unterhandlungen mit Jtalien Manchem vielleicht lang _er- \{eine, so könne er nur auf die hohe Wichtigkeit der betreffen- den Interessen hinweisen, die ein? Ueberhastung nicht zU- ließen. Mit der inzwischen erfolgten Schweizer Volksabstimmung sei ein Moment der Unsicherheit weggefallen, sodaß nunmehr die Hoffnung begründet sei, die Schweiz werde unverzüglich an eine vertragsmäßige Regelung ihrer auswärtigen Handelsbeziehungen und an die Beendigung der in dieser Richtung bereits eingeleiteten Verhandlungen heran- zutreten geneigt sein. Der Wunsch hierzu bestehe allseitig. Die óstezreichishe Regieruna bringe einer gerechten und billigen Veri\tändigung die besten Absichten entgegen. Er verkenne nicht die Berechtigung der auf thunlichst rasce Herbeiführung einer Klärung der handelepolitishen Verhältnisse gerihtcten Wünsche, allein die Hauptsache bleibe immer der Fnhait der Ver- träge, auf dessen U: kosten siher Niemand eine Abkürzung des Verfahrens befürworten werde. So lange? die Verträge noch in der Verhandlung ständen oder bloß paraphirt wären, sei

eine Verlautbarung über deren Jnhalt unthunlih. Rumänien scheine die Wirkung des autonomen charifs noch eine Zeit lang erproben zu wollen. Er bitte daher, den Abshiuß des ganzen Vertragswerkes abzuwarten.

Der Sit des Primas von Ungarn soll hiesigen Blättern zufolge in Gran verbleiben, jedoh würde der Primas während der Parlamentssession und während des Auferthalts des Kaisers in der ungarishen Hauptstadt daselbst residiren. Wie verlautet, ist der Bau eines Primatial-Palais in Ofen beabsichtigt.

Großbritannien und Frland.

Der Prinz von Wales begab sich am Montag nah seinem Landsiß Sandringham, um sih persönlih zu über- zeugen, welhen Schaden die Feuersbrunst vom Os an- gerihtet habe. Wahrscheinlich wird der Prinz, englischen Blättermeldungen zufolge, wie gewöhnlih einen Theil des Winters in Sandringham zubringen können, da die Ver- heerungen des Brandes nit so groß sind, wie man anfänglich glaubte. Ueber dem Gebäude wird shon ein Dach errichtet. Die meisten Möbel sind gerettet.

Die W ittwe Parnell’s ist noch immer seit dem Tode ihres Gemahls so schwer krank, daß ihre Töchter die größten Befürchtungen hegen, / E

Anläßlich der Anwesenheit Dillon’'s zur Wahlagitation in Waterford ift es dort zwischen den Parnelliten und Antiparnelliten zu blutigen Schlägereien gekommen, wo- bei gegen 150 Personen verwundet jein sollen.

Frankreich.

der Regierung auch auf Frankreichs internationale Situation zurückwirken würde.

Der Munizipalrath hat eine Vorlage wegen Ver- größerung des Sanatoriums des Viehmarkts von La Villette angenommen. Danach joll es ftatt 12 000 in Zukunft 15000 Stück Schafvieh aufnehmen können. Das landwirthschastiihe Ministerium hat die Wiedereröffnung der Grenze für lebende Schafe von der Vergrößerung des Sanatoriums abhängig gemacht.

Rußland und Polen. Der Kaiser und die Kaiserin sind mit der Kaiser- lihen Familie und. den hohen Fürstlihen Gästen geftern Nachmittag in Livadia eingetroffen. / Der bereits erwähnte Kaiserlihe Ukas über die weitere Ausdehnung des Aus fuhr-Verbots hat nah der Uebersezung der „St. Pet. Ztg.“ foigenden Wortlaut: Nach Klarstelung der Rogzenernte im Juli d. I verboten Wir durb Unserer Erlaß an den Dirigirenden Senat vom 28. Juli c. die Ausfuhr von Roggen, Rozgenmebl und Kleie jeglicher Art über dic Grenzen des Reis. Gegenwärtig haven Wir für wohl befunten : 1) Das Verbct der Ausfubr von Roagen, Roggenmebl und Kleie jegliher Art in Kraft belafsend, dieses Verbot außer auf Weizen, auf sämmtlihe Arten Getreide und Kartoffeln, sowie auf die aus den zur Aosfubr verbotenen Getreidearten und Kartoffeln erzeugten Mekl-, Malz;- und Stüte-Produkte, sowie Vrotteig und geb2ackenes Brot aus- zudebnen. ; 2) Dieses Verbot vom darauffolgernden Tage nab der Veröffent- liburg dieses Unseres Erlasses in der Geseßsammlung in Kraft treten zu lassen, wobei es dem Finanz-Minister anhcimgestellt ist, die be- treffenden Zoll-Institutionen von dem Inhalt dieses Erlasses zur so- fortigen Nachkatbtung telegrapbish zu benabri@tigen. 3) Als Auénabhme bei dem gegenwärtizen Verbot, ni@t länger als im Laufe dreier Tage nad dem Inkrafttreten desfelben, die Ausfubr der gegenwärtig zum Export ins Ausland verbotenen Ge- ireidewaaren zu gestatten: a. wenn sie zur Vervollständigung der Ladurg der Siffe bestimmt sind, die ror der Veröffertlibung dieses Erlasses in der Geseßsammlung begonnen worden, oder b. wenn sie vor diesem Termin zum Tranéport per Eisenbahn über die Land- Grenzftotionen ins Aréland abgefertigt worden 4) Dem Finanz-Minifter anbeimzusiellen, alle bei der Auéführung dieses Unseres Erlasses im Finanz-Ministerium möglicherweise auf- taucenden Zweifel endgültig zu entieiden. Der Dirigirende Senat wird nit untelassen, zur Ausführung Lieses Unseres Erlasses die nôtbizen Anordnungen zu treffen. Fredensborg in Dänemark, den 16. Oftober 1891.

2 Alexander.

Ftalien.

Aus den Meldungen, die über die sog. „interparla- mentarishe Friedensktonferenz“ vorliegen, heben wir Nachstehendes hervor.

Auf den Antrag des deutsch: freisinnigen Abgeordneten Dr. Marx Hirs wurde in der gestrigen Sizung die französische Sprache zur Verhandlungssprache der Konferenz eiflärt. Als- dann wurde über die Bildung eines „internationalen pazrla- mentarishen Comités“ verhandelt. Bei dieser Gelegenheit hielt der radikale italienishe Deputirte Fmbriani eine Rede, die dem Präsidenten Biancheri mehrere Male Anlaß gab, ihn zur Ordnung zu rufen. Ueber den FJnhalt feiner Rede wird der „National- Ztg.“ gemeldet: „Vergeblih sprehe man so führte Jmbriam aus vom Frieden, so lange man nicht die Kriegsursahen wegräume. Unter diesen stehe voran die Nationalitätenfrage. So lange Jtalien, Frankreih, Däne- mark ihre natürlihen Grenzen nit wieder erhalten hätten, sei jede Friedentbestrebung unnüß. Nach einer Anspielung auf Triest sagte Jmbriani, so lange unterdrückte Völker existirten, würde die Kriegägefahr niht aufhören.“ Diese Aus- führungen unterstüßte, wie die „Nat.-Ztg.“ weit er meldet, der Franzose Hubbaro, indem er „für die Befreiung dec unterdrückten Provinzen“ plädirte. Fmbriani behielt sih vor, cinen formellen Antrag zu stellen. Zu diesen Vorgängen be- merkt das genannte Blatt: „Das Verhalten Fmbriani's findet allgemeine Mißbilligung, die meisten französishen Vertreter mißbilligen ebenfalls das Benehmen Hubbard's.“

Weiter wird dem „Berl. Tagbl.“ gemeldet: Fn einer Kommissionssizung wurde der französisch:italienishe Antrag auf Errichtung eines internationalen Generals:kretarials (parlamentarischen Comités) für die Friedensbewegung ab- gelehnt und dafür der deutsh:erglishe Antrag auf Begründung nationaler parlamentarisher Comités zu Friedenëzwecken in allen Ländern angenommen.

Der deutsche Botschafter Graf zu Solms -Sonne- walde hat, dem leßtgenannten Blatt zufolge, die sämmtlichen deutshen Abgeordneten zu einem Diner geladen.

Von dem Präsidenten des österreichishen Abgeordneten- hauses Smolka is ein Schreiben eingegangen, worin er sein lebhaftes Bedauern ausdrüdckt, dur Berufsgeshäfte verhindert zu sein, der Versammlung persönlih beizuwohnen, und zu- gleih den Wunsch ausspricht, daß durch die persönliche Berüh- rung der Vertreter aller Völker viele Mißverständnisse beseitigt und mancher Antagonismus, mancher Widerstreit der Meinun- gen in dem gemeinsamen Streben nach dem hohen Ziele aus- geglihen würde. j

Die Kammern werden laut Meldung des „W. T. B.“ zum 25. d. M. einberufen werden.

Ueber den meiteren Verlauf des Prozesses Cagnassi- Livraghi wird aus Massovah vom 4. d. telegraphirt:

In der keutigen Verhandlung \prach Mufssa el Akkad die Ueber- ¡cugung aus, daß an der u seinem Verderben ausgesponnenen Ver- leumdung Livcaghi und Cagnaasfi die Hauptucheber seien Diese bâtten das Interesse gehabt, f seiner zu entledigen, da ihnen bekannt geworden twoar, daß er die von den Gendarmen begangenen Ver- bre&en bei dem Commandear zur Anzcige bringen wollte. Livraghi habe, nahdem er (Afkkad) verhaftet worden war, Geld und Shmuüuck aus seiner Kasse entnommen. Cagnassi habe ihn im Namen des Génerals Baidifsera den V2is&lag gema@t, seinen Gefährten Assaun bei Seite zu {an und ibm zur Dingung der Meuchelmörder zwei- bundert Thaler Namens der Regierung gegeben.

Portugal.

_ Die Regierung wird, wie „W. T. B.“ aus Lissabon erfährt, den Kammern einen mt einer Gesellshaft verein- barten provisorishen Vertrag wegen Uebernahme des Zünd- holzmonopols unterbreiten.

Niederlande.

Die Regierung hat einen Gefezßentwurf wegen Aufnahme einer 3!/z prozentigen mit mindestens 1/2 Prozent jähclich amortisirbaren Anleihe von 45 Millionen Gulden, eingebraht. Die Anleihe soll zur Deckung des Budget- Fehlbetrages, der vornehmlich durh den Ankauf der

Raris, 5. November. Der „Temps“ hebt unter Bezug-

nahme auf die geplante Neubildung einer radikalen Gruppe }

warnend hervor, daß eine Theilung derrepublikanishen Majorität und eine daraus hervorgehende Jnstabilität

Rheinishen Eisenbahn Seitens des Staats veranlaßt ist,

Gs Luxemburg.

Der Großherzog traf, wie die M. „Allg. Zig.“ meldet, am Dienstag Abend’ von Tölz in München ein und über- nachtete im „Bayerishen Hof“. Gestern Mans ist Seine Königlihe Hoheit mit dem Séhnellzuge nah Luxemburg zur Eröffnuung des Landtags abgereist. Fn einigen Tagen wird der Großherzog nah München undzvon dort nah Schloß Hohenburg zurüdckeh:en.

Serbien.

Belgrad, 4. November. Jn Folge der Kabinetskrifis ist der Zusammentritt der Skupschtina auf den 28. Dezember alten Stils (9. Januar 1892) vertagt worden.

Schweden und Norwegen. (F) Stodckholm, 2. Novemb»r. Jn der lebten Staats - rathssizung unter dem Vorsiß des Königs wurde die Niederfezung einer Kommisfion zur Ausarbeitung von Geseß- entwürfen übzr die Unfall-. und Altersversiherung der Arbeiter, beshlosen; die Mitglieder der Kommission wurden fogleih ernannt. Aus dem Rapport des Obersten Rudbeck über die Schießverjuche mit dem neuen Gewehr und dem neuen Pulver is|ff „Aftonbladet“ in der Lage, folgenden Auszug geben zu können : Bezüalich der Munition ma§t Oberst Rudbeck die Bemerkung, daß das Pulp:r sehr beträbtl:che Apyritrücktände binterlasse. Während des Swießens sei es nöthig gewesen, daß der Sbüge_ nah jedem Sguß diese Apvritreste mit dem Finger oder einem Stäben ent- fern-n mußte. Na Beendigung jeder Schießübung wußte der Zünd- stift berauëgenonmimen werden, damit dieser wie das Zündstiftloch voll- ständig gereinigt werden fonnten. Geshah das nit, dann ballten si die Pulvermafsen zu einer komvaktten, fteinharten Masse zusam- men, die ohne Rundfeile schwer zu entfernen war. Werden die Rüd- stände nit entfernt, dann bindern sie den Zündstift, vollständig vor- zudrinzen. Nawbbrennen ist sehr oft vorgeko:nmen: 20 %% der abgegebenen Schüsse sind Natbrenner gewesen. Wenn das Gewehr nach dem Scießen mit Avyrit nit sofoct rein gemadt wird, fondern nur eine Nat steben bleibt, und das selbft im trockenen Zimmer, dann wird das Gewehr von Grabroft angegriffen „Auf Grand aller dieser Bemerkungen, sagt Oberst Rudbeck kann ic die ausgelieferte Munition in ibcer gegewwärtigen Form als zum Krieg8gebrauh geeignet niht eradten.* Bezüglih des Gewebre8 wid bemerkt, daß die Auszieber gereigt find. glei unterhalb des Kopfes abzuspringen. Durch Ab- ¡eilen der Halbipannung ist dee ges{chwäct worden, und mehrere Fälle sind eingetroffen, wo sie gesprungen ist und den Habn unbrau- bar gema@ät bat. Der îtarfe und ungieimäßige Drudck, der von dem Apyrit en:wicelt wird, bat riclfach verursaht, taß tas Stüiußftück den Habn in Halbspannurg zurüclprefte. Die Versue haben ferner ergeben, daß nach einem fünf Minuten dauernden Scchnell- feuer, wobei 46 S@üfse abgegeben wurden, cs erft na Verlauf vont 20 Minuten mögli war, den Lauf mit der Hard zu umfafsen. Na eirem gleibwäßigen Schicßen während 45 WMiruten, wobei 1:0 Sbüfie abgeg:ben wurden, war es erït na@ 18 Minuten möglich, den Lzuf mit dec Hand zu umfassen. Au bezügli der Gewehre erflärt Oberst Rudbeck, „daß sie in ibrer jeßigen Form zuin Kriegs8- gebrau rolifommen untauglih sind.“ Rapporte über die Schießversuhe sind feßt auch von der Svea Leibgarde, aus Karlsborg und von der Schießschule bei Roseréberg dem Kriegs-Ministerium eingesandt worden, wo fie zu einem Gesammtbericht verarbeitet merden.

4. November. Der Gutsbesißer Sven Nilsson, Mitglied der Zweiten Kammer und Führer dec alten Land- mannpartei, ist, dem „W. T. B.“ zufolge, heute gestorben.

Dänemark.

Kopenhagen, 4. November. Prinz Damrong von Siam verläßt, wie „W. T. B.“ meldet, Kopenhagen Freitag, den 6. November, und trifft mit zahlreihem Gefolge am Abend desselben Tages in Berlin ein, um Seiner Majestät dem Kaiser ein Handschreiben des Königs von Siam zu überreichen.

Amerika.

Vereinigte Staaten. Weitere Meldungen über die Staats3wahlen besagen, daß in Massahusetts und Penn- sylvanien mit großer Mehrheit republikanishe und in New- Jersey demokratische Kandidaten gewählt wurden. E

Kapitän Schley von der „Baltimore“ hat dem Marine- sekretär Tracy wêitere Einzelheiten über die Schlägerei zwischen amerikanishen und chilenishen Seeleuten in Val- paraiso telegraphisch übermittelt. Ein amerikanischer Unter- offizicr hat dana ausgesagt, daß der dabei umgekommene amerikanishe Seemann von der Polizei getödtet worden fet. Ein anderer Matrose erklärte, daß er von einem berittenen Schußzmann verhaftet worden sei. Dieser habe ihn ge- fnebelt und an sein Pferd gebunden und sei dann im Galopp davongespcengt, den Matrosen nahschleifend. Ein anderer verwundeter Matrose sei bewußtlos ins Gefängniß geschleift worden. Die Erregung, die in Valparaiio und Santiago herrschte, soll si jeßt allmählich legen. „R. B.“ erfährt aus bester Quelle, daß die chilenishe Regierung sih nicht über den Gesandten Egan beshwert have, und daß weder der Präsident Harrison, noch der Staatsjekretär Blaine an seine Abberufung dächten.

Brasilien. Der „New-York Herald“ meldet aus Rio de Janeiro: Der Kongreß habe ein Geses zur Be- schränkung der Ausübung des dem Präsidenten von der Verfassung übertragenen Veto-Rehts, genehmigt, und in Folge dessen sei von dem Präsidenten Deodoro da Fonseca die Auflösung des Kongresses ausgesprochen worden. Dem „R. B.“ zufolge wäre bereits das Kriegsreht proklamirt und die Diktatur wiedereingeführt worden. Troßdem befände fi, wie ein bei der brasilianishen Gesandtschaft in London ein- getroffenes Telegramm besagt, Brasilien in vollkommener Ruhe, und sei die Ordnung nicht gestört worden.

In Lissabon eingegangene Privatmeldungen aus Rio de Janeiro bestätigen, daß die Absicht des Kongresses, dem Präsidenten das Vetorecht zu entziehen, den leßten Anlaß zur Auflösung des Kongresses gegeben hat. Telegramme des Journals „Dia“ besagen, daß schon seit mehreren Monaten Differenzen zwischen der Regierung und dem Kongreß bestanden hätten.

Afrika.

Egypten. Die egyptische Regierung ift, wie der „Times“ aus Kairo gemelde: wird, mit den General-Konsuln von Frankreih und Rußland hinsihtlich des neuen Polizei- reglements, dem die Konsuln bisher ihre Zustimmung versagten, zu einem Einverständniß gelangt. Die Frage dürfte endgültig geregelt werden, wenn die französis: und die russishe Regierung das Abkommen ihrer Kontiuln bestätigen-

sowie zur Beschaffung flüssiger Geldmittel für den Staats- [haß dienen.

Kunst und Wissenschaft.

4+ Ueber das von dem Legations-Rath Freiberrn Alfons Pe- reira in Stuttgart nah alten Rezepten wieder neubelebte Tem- vera - Malverfahren bringt das „Akelier® bemerkenswerthe Mittheilungen. Der Wiederentdecker - verspricht fich davon eine völlige Wiedergeburt unserer MalteGnik, und zahireide Ver- sube mit den von ibm hergestellten Temverafarben, wie sie Lens bab, Seit, Hendri§ und Kaulbah in München fowie zablreiche Pariser Künstler angestellt baben, seinen die Vorzüge der seit der Erfindung der Oelmalerei fast völlig aufgegebenen älteren Malweise, die stati des Oels Firniß, Horig und Leimwasser als Bindemittel verwendet, ¿u beftätigen. Insbesondere wird die intensive Leuchtkraft, die Dur@si@tickeit und innige Verbindung mii dem Mal- grunde an den neuen Temperafarben Pereira's gerühmt, während ibre Besiändigkeit und Unveränderlihkeit noch zu erproben bleibt. Der Entdeckter des neuen Verfahrens aus alter Zeit gedenkt durch Vorträge und Demonstrationen, wie sie in Paris und Stuttgart bereits stattgefunden haben. auch in Berlia Propaganda für feine Grfindung zu machen, auf die wir bei dieser Gelegenh:it noh zurück- zukommen gedenken.

In der letzten Sißuna des Vereins Berliner Künstler mate der Vorsißende Professor von Werner Mittheilungen über die verflefsene Ausstellung. Der „N. A. Z.* entnehmen wir darüber Folaendes: Die Ausftellung war mit über 5000 Werken bescickt. Verkauft wurden 276 Berliner Arbeiten für 426557 # und 135 auvéwärtiae für 371489 # Diese Ziffern treten in das rechte Licht, wenn man die Ergebnisse der letzten Jahre zum Vergleich beranziebßt, Im Iabre 1887 wurden für 184000, 1888 für 185000, 1889 für 150000 und im Vorjabre für 226000 F Krnftwerke verkauft. Von den Umsäten der internationalen Iubiläurns- Auëftellung d. I. entfallen auf Spanien 119 000, auf Italien 109 000, auf Müncben 75 000 und auf Düfseldorf 81000. Die Ausgaben der Kunstauëstellung betrugen: Bauconto 160 000 #4, Frachten und Porti 52 000 J 8000 Æ weniger, als vorher verans{lagt war —, Ge- bâlter und Löhne €8 000. Musik 48 000, elektrises Licht 26 000, Inserate 27 000 # An Einnabmen wu! den gewonnen: 450 000 4 aus den Eintritt8aeldern, 68 C00 „46 aus der Provision für die Verkäufe, 29 0009 Æ als Ertrag aus den Katalogen. Der Ucbersuß vom Karolirgecfest belief sid auf 6500 A Durs die Bereitwilligkeit der Mitglieder, welwe Gaben im Werthe von 52 000 K für die Lotterie stifteten, ift ein Baarüberschuß von 110000 Æ errei&t worden. : In der beim Dorfe Schwarzfeld belegenen, durch die in ibr gematen Funde berühmt gewordenen Einbornsh öhle haben aub in dem legten Sommer wieder umfangreive Ausgrabungen unter Leitung des Odverförsters von Alten stattgefunden und mancherlei wert voüe Fundsachen (fossile Tkiecreste, Urnen, Menscenknochen) an das Licht gefördert. Jeßt hat, wie die „Madb. Ztg.“ meldet, der Provinzial-Auss{uß ¿u Hannover abermals 3000 für fernere Aus- grabungen und zur weiteren Eifors{unzg der Einbornstöble bewilligt. In erster Linie will mon die Auffindung des ursprünglichen Höhlen- einganges ins Auge faFen.

_ In der leyten Sißung der franzöôsischen Akademie der Wiff enschaften wurde, wie die „Köln. Ztg.“ berichtet, mitgeth ilt, daß es bisber nit gelungen tft, bei den Vorarbeiten zur Errichtung einer Beoba@tungsfstation auf dem Mont Blanc auf ge- wahfenen Fels zu stoßen. Der Tunnel, den man an der Nordseite naw Chamounir zu 12 m unterhalb des Gipfels in das Eis gehauen, bat cine Ausdehnung von 23 m erreiht. Bei Wiedcraufnahme der Arbeiten im nächsien Iabre gedenkt man in gerader Linie gegen den Vera vorzugeben, in der Hoffnung. so auf Felsen zu stoßen. Janssen, der Urhcber des Plans, ift, der Ansiht gegenüber, daß nur auf dem &Seljen die Station erridtet werden fönne. der Meinuna, daß sie f auf dem gefestigten SHnee und Eis werde aufführen lasen.

VLand- und Forstwirthschaft. Fiscerei.

__ Man sc@reibt aus dem Regierungsbezirk Schleswig: Die un-

günitice Witterurg des Sommers war auf die Fisccrei nicht ohne Einfluß An der Ostküste war der Ertrag des Aalfanges mit Aus- nabme einzelaer nordîhie:wigs{er Gewässer aering, der Buttfang durh- weg réht ergiebig und der Krabbenfang im Juli recht lohnend. In den Föbrden von Kiel und Eckernförde wurden bereits im August Heringe gefangen und zu guten Preisen verwerthet. Die Zufuhr von Heringen aus Dänemark war gering. An der Westküste war im Juli die Küitenfisherei ziemlichß ergiebig, die Hochseef isherei mittels Segelfahrzeuge wenig lohnend. Auch im August und im Anfarg des Septembers lieferten diese Betriebe mittelmäßige und geringe Erträge; dann besserte der Fang sih bei be- ständigerer_ Witterung. Der Buttfang in der Unterelbe war im Juli sehr ergiebig, der Aalfang mäßig, der Störfang wenig lohnend, der Krabbenfang gut. Die Howseefisherei mittels Damvfer lieferte ziemli gute Erträge bei verbältnißmäßig boben Preisen. _An den Alionaer Markt bradten ihren Fang 82 Dampfer, 966 Hose fi'cherfahrzeuge und 3359 Elbfischerfabrzeuge. In Glückstadt gelang die fünstlide Befru@tung von Störeiern. Unter Benußung von vier laihreifen Roaenern wurden gegen 14 Millionen Störeier befruchtet, die gegen 20 9/0 junge Störe lieferten, wel: zum größten Theile in die (Fibe gesetzt wurden. _ Von der Emder Heringsfischerei- Aktien-Gesellschaft ist zu berichten: Am SwWluß des dritten Quaartols betrug der dies- jabrige Gesammtfana 12097 Kanijes, gegen 12182 im Vorjahre um dieselbe Zeit. Von der dritten Reise sind noch es Logger _rüdständiz, gegen sieben im Vorjahre um dieselbe Zeit Der Durchschnittspreis pro handelsübliÞ gep2ckte Tonne tellt fi bis 30, September auf ca. 32—33 4 Wenn die vierte Reise gut ausfällt, wird auf einen Gewinn von 100 000 zu renen sein, die der Vorstand zu verwenden gedenkt, um 5 °/ Dividende zu vertheilen und zwei oder drei Schiffe zu bauen.

_ Die großen Fortschritte der Fishèampfer-Jndusicie in Geest e- münde baben auch in Emden ein ähnlihes Unternehmen geweckt. Es ift dort ein großer Fishdampfer für den Fris{fishfang bestellt und wird z. Zt. ein Cishaus für den im nätsten Jahre in Angriff zu nehmenden Fang gebaut.

Verkehrs-Anstalten.

Laut Telegrammen aus Herbesthal sind die zweite und dritte englische Post über Ostende vom 4. d. M. geen z Grund: Verspätete Abfahrt von Dover und

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Köln, 4, November. (W. T. B.) Der biesige Bezirks8- Eifenbahnrath hat der „Köln. Ztg.“ zufolge beschlossen, die gut- ahtlihe Aeußerung über den Antrag der Bielefelder Handelskammer, betreffend Aufhebung der Ausnahmetarife für Kohle und Koks, in einer besonderen Sitzung am 21, Dezember zu kterathen.

Bremen, 4. November. (W. T B,) Norddeutscher Lioyd. Der Sgnelldampfer eLahn“, von New York heimkehrend, hat heute früh Lizard passirt. Der Swhnelidampfer „Havel“ hat gestern früh von New-York die Heimreise nah der Weser angetreten. Der Dampfer „Preußen“ ist auf der Reise nah Ost-Asien gestern in Suez angekommen. Der Dampfer „Frankfurt“ hat gestern von Antwerpen die Reise na dem La Plata fortgesezt. Der Dampfer „Herrmann“, von Baltimore kommend, hat gestern St. Cat he- rines passirt.

95. November. (W. T. B.) Der Schnelldampfer „Fulda“, am 24. Oftober von New-York abgegangen, ist am 4 November 4 Uhr Nachmittags in Genua angefommen. Der Scnelldampfer eLa bn“, am 27. Oktober von New-Yo!k abzegangen, ist am 4, No- vember 22 Uhr Nacmittags in Southamptoa angtkommen. Der Postdampfer „Leipzig*® ist am 3. November von Bahia nah Europa in See gegangen. Der Postdampfer „Frankfurt“, nach dem La Plata bestimmt, hat am 4, November 2 Uhr Morgens Dover passirt. Der Postdampfer „Darmstadt“ hat am 4. No-

vember 10 Ubr Vormittags die Reise von Southampton nach Ant- E I E

Pamburg, 4. November. (W. T. B) Hamburg-4meri- kanische Padetfahrt - Aktiengesellschaft. Her Pofît- dampfer „California“ bat, von New - York kommend, beute Mittag Bea chy Head vassirt.

5. November. (W. T. B.) Der Postdampfer „Rhaetia* hat, von New: York kommend, beute Morgen Lizard passirt.

London, 4. November. (W. T. B.) Der Castle-Dampfer „Doune Castle“ hat auf der Ausreise heute Lissabon passirt.

9. November. (W. T. B.) Der Union - Dampfer eMerxican“ ift auf der Ausreise gestern von Lissabon abgegangen.

Theater und Musik.

ü : Sing-Akademie.

Fräulein Käthe Len bach (Sopran) und die Pianistin Fräulein Marie Wonsowska hatten sih gestern zu einem Concert ver- einigt, das leider nur sehr spärlih besubt war. Die Sängerin, die zum erften Mal vor dem hiesigen Publikum ersien, ist eine Schülerin Gugen Gura's und besißt eine besonders in der Höbe sehr angenchm Elingende Sopranstimme; ih¿e Ausbildung if zwar noch fkeines- wegs vollendet, doch find bereits man§e jehr loben8werthe Eigenschaften ibres Gesanges, deutlihe Aussprae, freie und leite Behandlung der Höbe und reine Intonation zu erkennen, Die Art, zu vokalisiren, sowie die Ausgleihung der Register sind noch sforg- fältig zu fludiren. Fräulein L sang Mozart's Arie aus „Figaro“: „Endlich nabt si die Stunde* mit sehr wa'm empfindender Ausdrucks- weise, die überhaupt der begabten Künstlerin eigen ist und au dem Vortrag mehrerer Lieder von Gernsheim, Brahms, Schubert, Lassen und Schumann sehr zu Statten kam. Die noch sehr jugendlihe Pianistin Fräulein Wonfowska, wohlbekannt dur ihre vortrefflichen Leistungen in de:n Concert d’Andrade's, trug Beethoven's Sonate (E-dur, op. 109) mit beroundernswerther Reife der Auffassung und tadelloser Sauberkeit vor. Mit großer Zartheit bebandeite sie die Präludien, die Mazurka und den Walzer von Chopin und bewies zuglei eine seltene Kraft und Virtuosität in der Tarantelle von Liszt.

In der Vorftellung der „Zauberflöte" am Sonnabend im König- liben'Dpernhause sind die Damen Herzoa, Dietcih, Leisinger, Hellmuth-Biäm, Kopka, Rothauser, Lammert, Hiedler, Staudigl und Bulß, die Herren Stammer, Rothmübhl, Schmidt, Bey, Lieban, Fränkel, Philipp, Erst und Krasa beschäf- tig. In der Vorstezung der „Cavalleria*“ am Sonntag treten die Damen Piecson, Dietrid und Lammert, die Herren Sylva und Bulß auf. Die Hauptroüen der dem Weik voraufgehenden Oper „Der Barbier von Sevilia* befinden sh in den Händen der Damen Herzog und Lammert, der Herren Lieban, Bulk, Shmidt und Mödlirger. :

Im Lessing- Theater baben der leßten Vorstellung des STwankes „Die Großstadtluft“ Paul Hevse und Giozanni Verga, der Dichter der „Cavalleria rusticana“, beigewobnt. Paul Heyse hat bei diesen Anlaß der Direktion des Lessing- Theaters ein neues den Abend füllendes Luftspiel übergeben, während Giovanni Verga eine Wiederbolung seines Besuches für den Dezember angekündigt hat, um im Lessing - Theater der ersten Aufführung seines Schauspiels „Bauern: Ehre“ beizuwobnen.

Im Friedriw-Wilhelmstädtishen Theater tritt von morgen ab als L'Eveillé in Messager's „Basoche* Herr Alexander Klein auf, der durch pbeiserkeit bisher verhintert war, diese ur- sprüngli ihm zugetzeilte Rolle zu spielen.

Direktor Adolf Ernft ist vom Comité für die Internationale Musik- und Theater-Ausftellung in Wien 1892 eingeladen worden, mit seinem Ensemble sich an den im Internationalen Ausstellungs- Theater stattfindenden Gaîstspielen hervorcagender Bühnen zu be- theiligen. _ :

Professor Jos. Joachim hai am Montag in Hamburg im zweiten Abonnements: Concert unter Hans von Bülow's Leitung mit dem Vortrage des neuen (dritten) Violin-Corcerts von Max Bruch einen bedeutenden Erfolg gehabt. Die Hamburger Blätter besprechen das neue Werk in anerkennendster Weise und bezeichnen seine Wieder- gabe durch Josef Ioacim als eine Meisterleistung ersten Ranges. Frau Marcella Sembric hat am 3. d. M. in Münwen mit großem Erfolg concertirt.

Morgen Abend findet in der Sing-Akademie das Concert des jungen spanis{en Klavier-Virtuosen Alberto Jonas statt, in dem das Philbarmonishe Orbefter mitwirkt; zu derselben Zeit ver- anstaltet die Pianistin Fräulein Fanny Davies ein Concert im Saale der Königlichen Hocshule für Musik, unter Mitwickung des Herrn Professocs Jos. Joawim; endli giebt am morgigen Abend die Sopranistin Fräulein Helene Frank im Saale der Gefellschaft der Freunde ein Concert, in welchem &rau Hedwig Alberti (Ait) und Herr Günther Freudenberg (Klavier) mitwirken. Das erstgenannte Concert beginnt um 7è, die beiden anderen um 8 Uhr. Für die öffentliche Hauvytiprobe zum II Philharmonischen Concert unter Hans von Bülow's Leitung und solistisher Mitwirkung Professor Jos. Joackim's, die am Sonntag Vormittag 117 Uhr stattfindet, ist der Kartenverkauf bei Bote u. Bod eröffnet. Für das Concert der Altistin Fräulein Gabriella dal Broga in der Sing-Akademie am 14. No- vember hat die Violin-Virtuosina Fräulein Edith Robinson aus Leipzig ihre Mitwirkung zugesagt. Fräulein Anna Röckner, eine junge Sängezin, veranstaltet Ende die!es Monats gemeinschaftlich mit der Pianistin Fräulein Lili Scherzer ein Concert im Saale des Römischen Hofes,

Mannigfaltiges.

In der Anzelegenbeit der Höherlegung der Müblen- dammbrüdcken bat der Minister für Handel und Gewerbe, wie die e Nat. - Ztg. mittheilt, folgendes Schreiben an den hiesigen

Magistrat gerichtet : i A eBerlin, den 26. Oktober 1891.

Die unter Mitwirkung dortiger Kommissarien in meinem Minifterium „stattgehabten Erörterungen haben mi in der Ueber- zeugung bestärkt, daß im Interesse der Schiffahrt eine lichte Durfahrtshöhe der Mühblendammbrücken von 3,79 m sih als geboten erweisen wird. Schon jeßt verkehren auf der Spree Fahr- zeuge, die eine folhe Höhe nöthig haben. Ihre Zahl wird aber in dem Maße wawsen, als die von der Staatsregierung unausgeseßt betriebene und geförderte Verbesserung der Sciffahrts- straßen, deren Zweck wesentlih mit darauf gerichtet ist, die dur{- gehende Schiffahrt von der Weichsel und Oder nah der Spree und der Elbe in Fahrzeugen von großer Trag- und Ladifähigkeit zu ermöglien, fortshreitet. Es wäre in hohem Maße beklagenswerth, wenn jeßt neu zu errihtenden Brücken eine so geringe DurWfahrts- höhe gegeben würde, daß aus derselben ein {wer wieder gut zu machendes Hinderniß für die mit Sicherheit zu erwartende Fort- entwickelung des Swiffahrtsverkehrs erwahsen würde. Erwäge ih ferner, daß die Ööherlegung der Brücken gegenwärtig noch mit verhältnißmäßig geringem Kostenaufwande bewirkt werden kann, wäh- rend ein späterer Umbau, namentlich wenn erft das Anrampungs- gebiet mit Gebäuden beseßt sein wicd, erheblihe Summen in Anspruch nehmen würde, fo glaube ih mi der zuversichtliben Hoffnung hin- geben zu dürfen, daß nach erneuter Erwägung der Magistrat und die Stadtverordneten bereit sein werden, dem von mir bezeihneten Be- dürfnisse zu entsprechen.

Der Minister für Handel und Gewerbe. Freiherr von Berleps\ ch.“

ur Geshlechtsbezeichnung und Abkürzung unserer Mad: und Ute schreibt das ,„Centralbl. d. Bauv.*: Seit

einer Reihe von Jahren haben nah und nah fast alle gebildeten deutschen Kreise, Beamte wie Privatpersonen, es für ein Gebot der

Pfliht und des Ekrgefübls angesehen, im schriftlihen und möglichst auch im mündli&en Verkehr st|ch nur guter deutsher Sprachformen zu bedienen: Die in den leßten Jahren herausgegebenen Drucksachen liefern davon ein sehr erfreulides Zeugriß. Um so mehr muß es auffallen, wenn in der Bezcihnung der Maße, Gewichte und gewisser Meßaeräthe in manéen, gerade das Bauwesen betreffenden und zum Theil von höôberen Te@nikern verfaßten Schriften Mißbräuche und Unrichtig- keiten bemerkt werden, welÞe leider niht abzunehmen \cheinen. Daß das Wort „Meter“ (ariebisch pérpo», lattinish metrum) unter allen Umständen und in allen Zusammensezungen sählichen Geschlechts ist sofern nicht eine männliche Person bezeihnet wird, wie in „Geometer“*, sollte Jedermann wissen, auch obne diese Kenntniß aus dem Gefege vom 17. August 1868, betr:ffend die Maß- und Ge- wihtsordnung für den Norddeutschen Bund, zu entnehmen Nach diesem Gesetze beißt es: das Meter, das Centimeter, das Millimeter und das Kilometer ; ferner das Quadratmeter, das Ar und das Hektar ; weiter das Kubikmeter, das Liter und das Hektoliter ; \{ließlich das Kilogramm und und das Milligramm. Jn demselben Sinne ist es zweifellos allein rihiiz, zu spreben: das Aikobolometer, das Planimeter. das Tachy- meter, das Thermometer, das Barometer u. |. w. Wenn man in den politishen Zeitungen auch bäufig falshe Anwendungen findet, wenn der Krämer, der Handwerker, die Marktfcau ein en Meter oder einen Liter verkauft, so soliten do gerade die Techniker si der- gleichen nicht zu Shulden kommen lassen, vielmehr für die Belehrung dieser Leute sorgen, wenn die Stulen in dieser Beziehung nicht ibre Suldizkeit thun. Was soll man aber sagen. wenn diese un- rihtigen Bezei@nungen selbs in wissenscaftlihen Arbeiten, amtlichen Berichten und Kostenansblägen vorkommen, die von höheren Beamten verfaßt sind? Bei dieser Gelegezbeit muß auch erwähnt werden, daß die durch Bundesrathsbeschluß fest- geseßten Abkürzungen unserer Maße und GDewichte leider now immer nit überall angewendet werden. Selbst in technischen Veröffentlihungen und in amtlichen Schriftstücken findet man noh Bezeichnungen wie []m anstatt qm, kilom. oder Klm. anstatt km, cubm anftatt cbm Kilog. oter Klg anftatt kg. Dabei wird auch öôfters an das Ende dieser A4bkürzungen ein Punkt gesetzt oder sie werden in Form von Erxponenten ges&rieten Alles gegen die Ordnung! Beiläufig möge hier eingeshaltet werden, daß das Geseß ein auch ron Tewnikern läufig angewandtes Maß „Decimeter“ gar nit kennt; der Gesetzgeber hat es ais überflüssig mit gutem Bedacht vermieden: 1 Decimeter sind 19 Centimeter Bei dem Streben na gutem Deutsch ift es ferner auffällig, wenn bei dem technischen Rehe nungswesen einzelne veraltete Ausdrücke noch immer beibehalten werden. So findet man oft auch in amtlichen Formularen „Lohn pro Tag“ oder „erbält pro kbm“; warum denn niht „Lobn für den Tag“ und „erbâlt für das cbm‘? Ebenso liest man auf Reisckosten- Berehnungen: „x km auf der Eisenbahn à 0,13 4“, anstatt „zu 0,13 #“, und auf vielen Rehnungen über Lieferungen: „x Tonnen Cement à 15 Æ“, statt „zu 15 #*. Auf derselben Stufe bäßlicher Sprahmengerei steben Bezeichnungen wie Geschwindigkeit pro Stunde, Belastung von 149 kg pro qm u. f. w., statt Geschwindigkeit in der Stunde, Belaîtung von 140 kg für oder auf das qm, für oder auf 1 qm, eder in Darstellungen matbhemati\her Narur Belastung von 140 kg-qm. Sol(e Verbefserungen lassen sih doc ohne alle Mübe durchführen! Zum Swlusse möchten wir noch darauf hin- weisen, daß die unshônen Ausdrüdcke „laufendes* oder „steigend?“ Meter recht wohl entbebrt werden könnten,

__ Die gestern mitgetheilte, der „Voss. Ztg." entlehnte Nachricht über die offentlihen Wärmstuben oder vielmehr Wärmhallen ist dabin zu berichtigen, daß das Unternehmen von dem „Centralverein für Arbeitsnaweis* ausgeht und auch räumlih an die Centralhalle für Arbeitsnahweis dieses Vereins angeshlossen it. Zu dem Unternehmen hat die Stadt- gemeinde bis jetzt 3900 M beigetragen; doch liegt der sog Nothstands- Kommission ein Antrag auf Gewährung von weiteren Mitteln vor, da das Unternehmen einen Kostenaufwand von etwa 20000 A er- fordert. Der Verein beabsictigt au, um das Unternehmen in seinem vollen Uinfange zur Durchführung bringen zu können, in den nächsten Tagen in einem öffentlihen Aufruf si an den Wohlthätigkeits\sinn der gesammten Bürgerschaft zu wenden,

Zum Besten des Vereins zur Speisung armer Kinder und Nothleidender findet na einer "?ittveilung der „N, Pr. Z.* in den Tagen vom 6. bis 9, November in den Räumen des Kultus- Ministeriums, Unter den Linden 4, ein Bazar ftatt. Der Bazar ist bei freiem Eintritt von Morgens 11 bis Abends 7 Uhr geöffnet. __ Das Thema des zweiten, am 4, d. M. in der Aula des König- lihen Realgymnasiums vom Königlichen Hofprediger und Militär- Ober Pfarrer D. Frommel zum Besten des Heimathhauses für Tödbter höherer Stände gehaltenen Vortrags lautete: „Die Bedeutung und Erhaltung cristlih-deutscher Sitte in Haus und Volk“, Redner verwahrte si von vornherein gegen die Auffassung. als sei der Gegenstand für das Berlin der Gegen- wart, den Sammelpunkt so vieler zerseßzender Elemente, besondecs ges eignet, und beze:chnete seine Aufgabe vielmebr als eine „Elegie auf vergangene [chöônere Zeiten“. Na Erklärung des Begriffes Sitte im Allgemeinen, in ibren Beziehungen zur Gewobnbeit, zum Gesetze, zur Mode, zur Tracht, ging er zur christli®-deutihen Sitte im Beson- deren über. Diese wurzele im Evangelium, christlid und deuts sei in vielen Fällcn garni{t zu trennen. Sie is ein Zucht- meister auf Christum, der uns zu ihm führt. In dem Augenblicke, wo dem deutschen Volke die deutshe Sitte genommen werde, wird es zum Kosmopoliten geworden sein. Selbst der Kire Entfremdete, seitdem die Kanzel vielfach zur Mördergrube geworden, hängen beute noch, oft unbewußt, an Tausfstein und Glocken, an Betstein und Orgel, an der Sitte, diesen ungeschriebenen Gescße. Mit seiner Sitte stebt und fällt das Volk; fällt der Mantel, so folgt der Herzog nah. Vom Mittelalter bis auf unsere Tage haben Bureaukratismus, Ratio- nalismus, Pietismus und unsere modernen Erziehungskünstler am Verfall der Sitte mitgearbeitet. Ein Beweis ihrer zähen Lebens- fähigkeit ist, daß sie noch nit ganz ausgerottet ist. Geistliche und Lebrer sollten erst wieder den Boden kennen lernen, dea sie beackern ; aber noch mehr seien die Frauen, welche des Shicksals Fäden weben, berufen, an der Erhaltung der guten Sitte mitzuarbeiten, freilih nit die Frauen, die an den modernen Ehebruhsdramen unserer Theater Geshmack finden, und die die Gerihtsfäle, wo der Schlamm der menshlihen Leidenschaften aufgewühlt wird, felbst auf die Aufforderung des Präsidenten nit verlassen. Alsdann entrollte der Redner ein finniges Bild vom alten deutshen Haus, mit seinem Hausspruch an Thür, Thor und Giebcl, an Oefen, Krügen, Schränken ; vom Geburtstage und den alten, |chônen Namen, von der Taufe mit den würdigen Pathenbriefen, der Ehe und der Feter auf dem Kirchhofe, wo Freunde den Freund hinaustrugen, dem Geläute der Glocken am Morgen, Mittag und Abend, den Sprüchen des Wächters zu allen Stunden der Nat. Redner {loß mit einem Danke an seine zahlreihen Zubörer, die durch ihr Erscheinen ihren Sinn für die gute Sitte der Mildtbätigkeit bekundet haben.

Die Versuchs- und Lehr-Brauerei zu Berlin, erbaut 1889/90 mit einem Aufwand von 600000 « und einem Staats- ¿ushuß von 229 000 „Æ, vom Verein „Versu{s- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin“, bildet einen Theil der Königlichen Land- wirthschaftliven Hochshule; sie teht unter der Ver- waltung des Vereins „Versuh€- und Lehranstalt für Brauerti

in Berlin“ und wird von dessen Beamten geleitet. Die Brauerei dient ix Ergänzung anderer Einrichtungen genannten Vereins zur Förderung der technischen und wissenschaftlihen Ent- wickelung des gesammten Brauwesens und zerfällt in drei Abthei- lungen: 1) Betriebsbrauerei zur Erzeugung von 7000 h] aus bestem Rohmaterial herzustellenden Bieres, welches unter dem Namen „Bundesbräu“ in den Verkehr gebracht wird; 2) Abthéilung für Versuche in besonders dazu eingerihteten Räumen zur Prüfung

neuer Verfahren und Apparate im Großen; 3) Ladoratorium zur