1891 / 262 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

seine Mutter vom 10. Januar 1837 beigefügt war, zeigt den späteren Feldmarshall in dem von ihm während seines Auf- enthalts in der Türkei in Bujukdéré bewohnten Zimmer.

Land- und Forftwirthschaft.

ferdezucht.

Der im Laufe dieses Jahres gegründete Verband der \chles- wigshen Pferdezuhtvereine zur Hebung der Züchtung des \ ogenannten vollblütigen Pferdes s{les8wigs{cher Rasse bat bereits mit der erften Körung des weiblihen Zucbtmaterials vorgehen können und im Kreise Hadersleben 21 Mutterftuten angekört.

Theater und Musfik.

Wallner-Tbeater. s Geftern Abend ging eine neue Posse „Der stille Associé“ von Karl Laufs und Wilhelm TFacoby zum ersten Mal in Scene und fand bei den Zuschauern eine sehr freundlihe Aufnahme. Das neue Stück wird siherlich auf literaris%e Bedeutung keinen Anspru erheben; die Verfasser haben es sid mit der Erfindung der Fabel insofern ziemli leiht gemaht, als sie einfa einen launigen Einfall dramatisch ausbeuteten und îim Uebrigen auf alt- gewobnten Pfaden der Posse und des Schwankes wan- delten Gröôßer-n Fleiß haben sie aber darauf verwendet, komisde Situationen zu ersinnen, und man weiß, daß diefe in Ver- bindung mit einigen treffenden Wißzworten bei der vortrefflichen Komikertruppe, über die das Walner-Theater verfügt, ausreichen, um das Publikum in gute Laune zu verseßen und zu erhalten. Es soll niht geleugnet weiden, daß cinige Scenen der ergöglihen Komik nit entbehren und daß die Grundidee von einer Central-Leihanstalt, in der men Alles, auch Menschen aller Berufs- und Standes- arten leihweise erhalten kann, feinen üblen Vorwurf zu einer Poffe bildet, aber es muß doch in den Vorgängen auf dec Bübne ein Fünkchen Wahrscheinlichkeit übrig bleiben, und das baben die Verfasser in einigen Momenten, wie namentlich an dem Gefell- \chaftsabend bei der Baronin, völlig vergessen. : Von der Darstellung baben wir, was den männliben Theil der Mitwirkenden anbetrifft, fast nur Gutes zu bericbten. Herr Gimnig machte aus ciner Episodenfigur, dem Grafen Stieglitz: Stegliß, wieder eine wahre WMusterleistung. Herr Guthery als estiler Affsocié* der Central-Leihanftalt, Herr Meißner als Haus- diener, Herr Müller und Herr Ottbert verbreiteten mit ihrer fröhlichen Laune Heiterkeit im gonzen Hause. Von den Damen gab räulein Gl ö ckner ein Dienstmädchen etwas erkünstelt aber luftig ; Sn Walther-Trost fand Gelegerheit, in einer kurzen Scene ihre trockne Komik zur Geltung zu bringen, und die übrigen Damen \tôörten das gute Zusammenspiel nicht.

Am Sonnabend, 14 November, wird im Königliwen Schau- spielhause die erste Vorstellung von Lubliner's neuem Schauspiel „Der kommende Tag“ stattfinden.

Die am räâcksten Sonntag im Berliner Theater ftatt- findende Nahmittags-Vorstellung wird, als Vorfeier zu Schiller's Geburtstag, dur eine Aufführung der „Jungfrau von Orleans“ gebildet, während am Dienstag, dem wirkli®den Geburtstage, „Wilbelm Tell“ mit Ludwig Barnay in der Titelrolle in Scene geht. Der Sonntag Abend bringt eine Wiederholung von „Esther“ und „Der Geizige“, der Montag eine solche von „Montjoye® in der be- kannten Beseßung mit den ersten Mitgliedern des Berliner Theaters.

Morgen geht „Jung-Deuishland zur See“ im Belle- Alliance - Theater zum 100, Mal in Scene.

Das Programm der öffentlihen Hauptprobe am Sonntag um 113 Ußr, sowie des II. Philharmonischen Concerts am Montag unter Hans von Bülow's Leitung und solistisWer Mitwirkung von Prot. Jos. Joachim enthält das dritte (neue) Violin-Concert ron Bruch, die „Leonoren“-Symphonie von Raff, das Adagio aus Spohr’s I1I, Sym- phonie, ein Scherzo capriccioso (Manuskript) von Rob. Radecke und

SHhumann's „Geroveva“ - Ouverture. Zum Concert selbs sind nur noch Stebpläße zu haben. Morgen findet der I. Mosikaliscve Abend der Klindworth'\{chen Musikshule (Potsdamer- straße 20) ftatt. Johanna und Willy Burmester werden das Programm ihres am Dienstag in der Sing-Akademie ftatifindenden Concerts mit Beethoven's Sonate in Es-dur op. 12 für Klavier und Violine einleiten; außerdem bringt das Programm Winiawsky's Violin - Concert in D - moll, die Variationen und Fuge über ein Händel’s{ches Thema (Klavier) von Brahms, Liszt's „Don Juan“-Phantasie und Violinkompositionen von Mendelssohn und Sarafate.

Mannigfaltiges.

Die Königlibe Eisenbahn-Direktion Magdeburg hat, wie die „Tägl. R.“ erfährt, auf eine Eingabe des Ortsverkebrs- Ausschusses von Friedenau, die eine Ausdehnung des Zehnminuten- verkehrs und die Einlegung eines Frübzuges nach Berlin erbat, in sehr entgegenkommender Weise geantwortet, daß „die Verhältnisse des Wannseebahnverkehrs \orgfältigft beobachtet und bezüglihe Mit- theilungen gern entgegengenommen werden.“ In der Ant- wort heißt es ferner : «Den Würshen wegen des Na@mittags verkehrs ist durch dauernde Beförderung der im Fabrplan nit vorgesehenen Züge, ab Berlin 2.30, 330 und 4.30 Nachm., sowie der Gegenzüge, welhe 3.24, 4,24 und 5.24 in Berl n eintreffen, entsprohen. Daß zwisben 7 und 9 Uhr Abends ein ebenso starker Verkebr stattfinde, wie in den Morgenstunten, hat fich zwar bei den stattgehabten Perfonenzählungen nicht bestätigt, in- defsen sind allerdings Abends einige Züge stark (bis zu drei Viertel der vorbandenen Plätze) befeßt gewesen, Die Beobahhtungen werden fortgeseßt und, wenn nöthig, neue Züge eingelegt werden.“

In ter gestrigen Stadtverordneten-Versammlung er- folgte, wie wir der „Nat -Ztg entnehmen, die Wahl des Zweiten Bürgermeisters an Stelle des in den Nuhestand ge- tretenen Geheimen Reg.-Ra1hs Dundcker. 103 Stimmen wurden abge- geben: 3 davon waren ungültig, 96 fielen auf den Stadtrath, Stadt- Syndikus Zelle, der somit zum Zweiten Lürgermeister von Berlin gewählt ist. Im Weiteren befaßte si die Versammlung mit der Magiftrats - Vorlage wegen Erhöhung der Hundesteuer auf 20 A jährlih, und mit dem neuen Regulativ für Echebung dieser Stever. Die Erböbung der Steuer auf 20 # jährlich wurde an- genommen, desgleichen das Regulativ mit den vcm Ausshuß gematen

Aenderungen.

Die sozialdemokratishen Stadtverordneten haben, wie der „Vorw.“ mittheilt, folgenden Antrag bei der Stadt- verordneten - Versamlung eingereiht: Die Versammlung wolle den Magistrat ersuchen: 1) in Gemäßheit des § 120 Abs. 4 der Gewerbe-Ordnung den Entwurf cines Drtésftatuts vorzulegen, dur das den männlichen Arbeitern urter actzehn Iabren die Ver- pflictung zum Besuch einer Fortbildungsschule auferlegt wird; 2) in den Fortbildungéshulen über die sich aus dem Arbeitsverbältniß ergebenden Rehte und Pflichten, s&&ie über di? Unfalls-, Kranken-, íInvaliditäts- und Altersversiherur gs-Gisctzgebung unterrichten zu lassen.

Zur Erweiterung des Betriebes der Pferdebahnlinie Bebrenstraße—Swlesishes Thor bis zur S{hlesiswen Brüdcke hat die Große Berliner Pferde-Eisenbahn-Gesellshaft beim Magistrat die Genehmiguna zum Bau einer Weicberanlage in der Schlesischen

Straße an der Cuvrystraße nachgesucht.

Im Arbeitshaus befanden si am 1 Oktober d. I. 70 Familien mit 271 Personen, darunter 20 Säuglinge, und 57 ein- zelne Personcn. Am 1. November war der Bestand 50 Familien mit 176 Personen, darunter 15 Säuglinge, und 74 einzelne Personen. Das dortige Asyl für nähtlibe Obdawlo)e benußten im Laufe des Monats Oktober etwa 14 613 Personen, und zwar 13 319

Männer und 1294 Frauen. Von diesen Personen wurden 6 dem Krankenbause Friedrihshain. 48 dem Krarkenkause Moabit, 8 der Charité überwiesen, 607 (576 Männer, 31 Frauen) der Polizei vor-

gefübrt.

In dem Geoaraphischen Institut und Landkarten-Verlag Jul. Straube, Berlin SW., Gitschinerftr. 109, ift eine neue Ausgabe des Taschenplans von Berlin erschienen. Er entbält alle Eisen-, Dampf- und Pferdebahn- sowie sämmtli%ße Omnibuelinien. Preis % S.

Nach Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen.

München, 6. November. (W. T. B.) Bei der Be- rathung des Finanz-Etats in der heutigen Sißung der Kammer der Abgeordneten erklärte der Finanz-Minister Dr. vonRiedel, bezüglih der Regelung der Beamtengehälter sei Alles vorbereitet; die Regierung worde sih_ diese niht nur für die B:amten, sondern auch für den A E Sache angelegen sein lassen; er hoffe zuversihtlih, noch in dieser Session eine Regelung vereinbaren zu können.

Lissabon, 6. November. (W. T. B.) Ueber die Vor- geschihte des vorgestern in Brasilien ausgebrochenen Konflikts verlautet: Der Präsident Deodoro da Fon- seca hatte zwei Mal von seinem Vetoreht Gebrauch ge- macht, das erste Mal gegen das Geseß, durch welches die Unzuträglichkeit der Uebernahme mehrerer Verwal- tungs- und politischen Aemter ausgesprohen wird, das zweite Mal bei dem Widerrufe des Dekrets, daß die Zölle in Gold bezahlt werden follen. Fm Senat wurde darauf die Ab- stimmung über das erstere Geseß wieder vorgenommen, welches, wenn es zwei Drittel dex Stimmen für sich gehabt hätte, unverzüglih tros der Exekutivgewalt und troß des Vetos des Präsidenten hätte vollstr:ckbar werden können. Das Veto behielt jedoch mit einer Stimme Majorität die Ober- hand. Die Abstimmung wurde indessen sofort angefochten, weil der Oberst Paulino da Fonseca, ein Bruder des Bundes-Präsi- denten und Gouverneur eines der Staaten, mitgestimmt hatte. Dieser hatte insofern ein Fnteresse an der Ablehnuna des Gefeßes, als er zugleih Gouverneur eines Staates und Senator war. Man beantragte daher die Ungültigkeiteerklärung seines Votums, die mit großer Majorität angenommen wurde. Die Anhänger des Jnkompatibili!äts:Geseßes hatten also 29 gegen 14 Stimmen, d. i. zwei Drittel der Stimmen, wie sie von der Verfassung verlangt werden, um ein Geseß troy des Vetos des Präsidenten für rechtêgültig zu erfiären.

Stocktholm, 6. November. (W. T. B.) Das Ab- schiedsgesucch des Kultus Ministers Wennerberg ist ge- nehmigt worden. Der Lektor am hiesigen Gymnasium Gilljam, Mitglied der Ersten Kammer, wurde zum Kult us- Mintster ernannt.

New: York, 6. November. (W. T. B.) Das Journal „Sun“ will erfahren haben, daß gestern in New York ein Brief eingetroffen sei, nah welchem Fohann Orth mit seiner Gattin sich wohlbehalten in Chile befinde. Nach An- gabe des Blatts rühre der Brief von der Mutter der Gattin Johann Or1h's her, welche Nachrichten von Orth selbst er- halten habe.

(Fortsezung des Nichtamilichen in dex Ersten Beilage.)

Fn E EE N T T C A S R

Wetterbericht vom 6. November Morgens 8 Uhr.

Am Fenster. Wind. Wetter.

Meeressp red. in Millim

Stationen.

Temperatur in ® Celsius

RorNNL] C =4R.

Anfang 7 Uhr.

Bar. auf 0 Gr.

u. d.

Mullaahmore| 775 |( bedeckt Aberdeen .. | 775 twoikig Ghristiansund | 770 wo!fig Kopenhagen . | 769 heitec Stockholm . | 768 wolfkia aparanda . | 768 halb bed. t.Petersburg| 761 halb bed. Moskau... | 152 3|Schnee

| |

Berga.

von Sevilla.

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Cork, Queens- town . C bededLt Gherbourg . 772 |ONO 4'bedeckt 774 |WSW 1 wolkig 771 till wolfig 772 |SW 3\Regen winemünde | 770 |WSW 3/qalb bed. Neufahrwasser 767 |W 3\wolkig Memel. |_764 \WNW _ 4lbedeckt _ eis 773 |NNO 2sbeiter ünster... | 773 |W 2\bedeckt Karlsruhe . . | 773 |NO 3\heiter l | | |

Weise.

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[4 N09 00 E

Wiesbaden . | 774 |\NO 1 halb bed. München . . | 772 |D 3 wolkenlos Chemniy .. | 775 |SSO 1/Nebel Berlin. . 772 [S 2\bedeckt Wien .…... | 774 |NW 1\wolkenlos Breslau... |_ 773 |W 1|bedeckt

I E O 15ck A S

Wöchentlich Preise der Orchester u.

O va

770 |ONO 5s5\wolkenlos Uebersicht der Witterung.

Das Hocbdruck ebiet erstreckt si von den Britischen

Jnseln oft südostwärts nah dem südlihen Rußland

Witterung. Das deutsche Küstengebiet steht unter Sonntag :

dem Einflusse einer Derression, welche in der Nähe | Schiller's Geburtstag: Die Jungfrau von

von St. Petersburg liegt und an der südlichen | Orleans. Ostsee trübes Wetter bei ziemlih frishen südwest- Getaile. lihen bis nordwestlichen Winden und steigender s

Temperatur veruriaht. Im deutschen Binnenlaude berrs{t meist Frostwetter. Jn Bayern und Böhmen liegt die Temperatur um mehr als 5 Grad unter

Lessing -

dem Gefrierpui kte. München meldet 6 Grad unter ädt, SHank ia Alten: von Oaear Blumen thal und Gustav Kadelburg. Anfang 7 Uhr. Sonntag und Montag: Die Grofstadtluft.

I | Schwank in 4 Akten von Oscar Blumenthal und | Lieder-Abend von Hermine Spieß unter Mitwirkung Gustav Kadelburg.

Null und 10 Grad unter dem Mittelwerthe Deutsche Seewarte,

Theater-Anzeigen.

Bönigliche Schauspiele, Sonnabend: Opern- haus. 228. Vorstellung. Die Zauberflöte. Oper in 2 Akten von Mozart. Text von Schikaneder.

n Scene gesezt vom Ober - Regisseur Tegtlaff. | Laufs und Wilhelm Jacoby. Unfang 74 Uhr. Ï Bella z Sonntag: Dieselbe Vorstellung.

Dirigent ; Kapellmeister Weingartner. Anfang 7 Uhr. Scwauspielhaus. 229. Varsèllung. Die Augen

des Herzens. G. Gallina. Aus dem Italienishen von J. Stinde. In Scene geseßt vom Ober-Regisseur M. Grube

Philippi. In Scene gefeßt vom Regisseur Plaschke.

Sonntag: Opernhaus. valleria rusticana (Bauern: Ehre). Oper in 1 Aufzug, nah dem gleihnamigen Volksftück von

geseßt vom Ober - Negisseur Teßlaff.

Rossini. Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus 240. Vorstellung. Die Quigzow's. Vaterländisbes Drama in 4 Aufzügen von Ernft von Wildenbruch. Anfang 7 Uhr.

Familienbild in 1 Aufzug von

Lustspiel in 1 Aufzug von Felir | Dyer in 3 Akten von Carré.

Sonntag: Dieselbe Vorstellun 229. Vorstellung. Ca3a- E 1e ltellung

Komische Oper in 2 Akten von | Anfang 7# Uhr.

Deutshes Theater. Sonnabend: Nathan der | siten, Beleuhtungéeffecten 2c. J

ur See. Großes Ausftattung3-

TFriedrih - Wilhelmstädtisches Sonnabend : Mit neuer Ausftattung und verstärktem Orchefter: Zum 10. Male: Die Es Aue gesungen von Frau Waibel. : rur Genée. Musik von André Messager. In Scene Herrn Kaudel’s Gardinenpredigten. Lustspiel E ; ; T ift

in 1 Aufzug von G. v. Moser. Regie: Hr. Krause. E Dirigent : Kapellmeister

ter. | Hobzeit* von Mozart, gesungen von Frau Waibel. Thea Ï Walzer aus „Der arme Jonathan“ von Millöcker. Unie a. d. Op. „Der Waffenshmied“ von Lorting,

Urania, Anstalt für volksthümlihe Naturkunde. Am Landes - Ausftellungs - Park (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 12—11 Uhr. Täglih Vorstellung im wissenschaftliGen Theater. Näheres die Anschlag-

Refidenz-Theater. Direktion : Sigmund Lauten- | zettel.

Musik von Pietro Mascagni. In Scène | burg Sounabend: Zum 8 Male: Das Hinderuif; Dirigent: | (L'Obstacle),. Sauspiel in 4 Akten von Alphonse

Kapellmeister Weingartner. Vorher: Der Barbier | Daudet. In Scene geseßt von Sigmund Lautenburg. S j s 74 Uhr. Jubiläums-Vorstellung. Zum 50. Male:

Circus Renz. Karlstraße. Sonnabend: Abends

Sonntag u. die folg. Tage: Dieselbe Vorstellung. „Auf Helgoland, oder: Ebbe und Fluth*“.

große bhydrologische Ausstattungs - Pantomime in 2 Abtheilungen mit National-Tänzen (60 Damen), Auf-

Belle-Alliance-Theater. Sonnabend: Zum zügen 2c. (cine neue Einlage: „Die Ulanen*, tar- 100. Male mit durchweg neuer glänzender Ausftattung | geftellt von 4 Dawen), Dampfs§is7- und Boot- an Dekorationen, Kostümen, Ballets, Waffen-Requi- | fahrten, Wasserfällen, Riesenfontänen mit allerlei ung-Deutschlaud | LiHteffekten 2c, arrangirt und inscenirt vom Dir. : 18ftatt eitbild in 4 Akten | E. Renz. 7 Bildern) von Ernft Niedt. Im 6. Bilde: Wirk- | Fohnson S#luß- Tableau: Grande Fontaine Lumi-

Kunsls{hwimmerinnen drei Geschwister

Sonntag: Die Sklavin. l 2 . De lies Rennen auf der Bühne von lebenden Montag: Des Meeres und der Liebe Wellen. Ditrben: Anfang, 74 Uhr,

Am Mittwoch, den 11. November, beginnend:

1. Abend: Stella und Die Mitscbuldigen; 2. Göß J f Fz . von N 3. FLEAGE O aonei E N en (sämmtlihe Pläße des Theaters 4. Torquato Tasso; 5. Egmont; 6. Iphigenie auf | 7 A, 2 ; Tauris; 7, Faust I.; 8. Faust II. schwender. Original-Zaubermärchen von Raimund.

Loge u. Parquet-Loge 36 #4, Parquet 25 4 11. R. | 4 Akten von Leon Treptow. Couplets von Gustav Balkon 18 #4 Triküne 15 A Sperrsiy 12 Görß. Musik von Gustav Steffens. Mit voll- Der Verkauf der Abonnementskarten findet an | ständig neuen Kostümen. Die neuen Dekorationen

der Kasse statt.

Berliner Theater. hin, charafkterisirt durch rubige, trockene und heitere | Der Geizige. Anfang 7 Uhr.

ontag: Montjoye.

Wallner-Theater. Sonnabend : Zum 3. Male: | Concert unter gefälliger Mitwirkung der Concert- Der ftille Affsocié. Posse in 4 Akten von Carl | fängerin Frau Betty L

S Sonntag: Jung: Deutschland zur See. Goethe - Cyclus, Sonntag, Nachm. 3 Uhr: 2. Volks-Vorstellung

Zur Aufführung gelangt: Der Ver-

zwei bis drei Vorstellungen Pläye für sämmtliche aht Abende: | Adolph Ernst-Theater. Sonnabend: Zum

Fremden-Loge 45 G I M. Balkon, | 68. Male: Der große Prophet. Gesangsposse in

find aus dem Atelier der Herren Wagner und F Bufkacz. In Scene geseßt von Adolph Ernst

: , | Anfang Ubr. SOen s Nee Sonntag: Dieselbe Vorstellung.

Nachm. Uhr. Zur Vorfetier von F EE SS T ] Thomas-Theater. Alte Jakobstraße 830. Abends 73 Uhr: Esther. Der | Direktion: Emil Thomas. Sonnabend: Z. 2. Male: Der Kuust-Bacillus. Novität! Posse in 4 Aktéen von Rudolf Kreisel. Jn Scene geseßt vom Ober- Regisseur Adolf Kurz. Anfang 7F Uhr.

Sonntag: Dieselbe Vorstellung.

Theater. Sonnabend: Die Groß- Concerte.

Sing - Akademie. Sonnabend, Anfang 7 Uhr: des Pianisten Herrn Friy Masbach.

Concert-Haus. Sonnabend: Karl Meyder-

aibel. Anfang 7 Uhr. Ouv, „Leonore I1,* von Beethoven. „Antonius

neuse, Riesen-Fontaine, în einer Höbe von mehr denn 80 Fuß ausstrablend. Außerdem: 4fache Fahrschule, aeritten von 4 Herren mit 8 Schul- pferden. Elimar (Strickspringer), vorgeführt von Frl. Oceana Renz. Schulpferd Solon, geritten von Frl. Clotilde Hager. Auftreten der Original- Ansleigh-Troupe. Sifsters Lawrence am fl. Trapez. 6 Gladiatoren. Mr. Aler. Briatore, Salto- mortales zu Pferde. Mr F Chiarini, Jockey- reiter. Mlle. Marie Chiarini, Pirouetten zu Pferde. Mr. Franks, Grotesquereiter 2c. Ko- mische Intermezzos von sämmtlihen Clowns.

Sonntag: 2 Vorstellungen. Nacmittags 4 Uhr (1 Kind frei): Auf mehbrfawen Wunsh „Leben und Treiben auf dem Eise.“ Abends 7ck Uhr: „Auf Helgoland.“

R E i Familien-Nachrichten.

Verebeliht: Hr. Senator Robert Capobus mit Frl. Passow (Parchim).

Geboren: Ein Sohn: Hrn, Regierungs-Bau- meifter von Pannewit (Nienburg a d, Weser). Hrn. Recbtsanwalt Dr. Delbrück (Stettin).

Gestorben: Hr. Stadtrath a. D. Carl Walcker (Berlin). Hr. Landgerichts-Rath a. D., Geh. Justiz-Rath Gebhard Hübner (Breslau).

Nedacteur: Dr. H. Klee, Direktor. Berlin:

Verlag der Expedition (Scholz).

Druck der Norddeutshen Buchdruckerei und Anstalt, Berlin SW, Bi ad B 306:

Fünf Beilagen

et Cleopatre“ von Rubinftein. Agende Tân:1e Nr. 5 u. 6 von Brahms. Arie a d. Dp. „Figaro's

(einshließliß Börsen - Beilage).

zum Deutschen Reichs-Anz

M _262.

Erste Beilage

Berlin, Freitag, den 6. November

Deutsches Reich.

Zuck2z2cmengen,

welhe in der Zeit vom 16. bis 31. Oktober 1891 innerhalb des deutshen Zollgebiets mit dem Anspruh auf Steuervergütun abgefertigt und aus Niederlagen gegen Erstattung der Vergütung in den inländischen Verkehr ai worden Fnd. S

710: Rohzucker von mindestens 90 Proz. Polarisation und raffinirter Zucker von unter 98, aber mindestens

0 Proz. Polarisation.

711: Kandis und Zucker in weißen vollen harten Broden 2c., odec in Gegenwart der Steuerbehörde zerkleinert,

sogenannte Crystals 2c.

712: Aller übrige harte Zucker, sowie aller weiße trockene (niht über 1 Vroz. W thal i Kryftall-, Krümel- und Mehlform von mindestens 98 Proz. Ra S A E N

E

Staaten

bezw. ¡ur unmittelbaren Ausfuhr lie Niederlage oder eine

Verwaltungs-Bezirke.

Mit dem Anspru§ auf Steuervergütung wurden abgefertigt :

Aus öôffentlihen Niederlagen oder Privatriederlagen unter amtlihem Mitvers{luß wurden gegen Erftattung der Vergü- tung in den inländishen Verkehr zurüdckgebraWt

zur Aufnahme in eine sfent-

Privatniederlage unter amt- lihem Mitvers{chluß

0. H

0 l 01 Hs O M | 71 kg kg

Preußen.

Provin; Ostpreußen .

Westpreußen .

Brandenburg . Pommern . E S R S

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Sachsen, eins{l. der s{chwarzb. | UntergerriGaen 1914 655 9237 378 Sthleswig-Holstein. . . ., 16 331! 424 859 Da e 2 «e L60000) 6C160! at 5 115 Rheinland , A 386 293! 305 984

450 035 5 002 681)

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Ueberhaupt im deutschen Zollgebiet . , Hierzu in der Zeit vom 1. August bis 15, DTTODeT L E

31768 643 14 031172) 279 401/24 452 994| 2 641 299 41 436 319 16 475 173 _ 850 516| 9 434 782) 1817 248

I

8087653 191640 73655 5 878 555| 1803 744| 858 813

Zusamnen ..

73 203 962/30 506 345| 829 917/33 887 7786| 4 458 547|

8916 208| 1995 384| 932 468

In demselben Zeitraum des Vorjahres*)

| | 67 685 685/31 069 423| 1 263 369144 975 1286| 4246 692| 196 589/12 457 121! 447589| 245013

*) Die Abweichungen von der vorjährigen Uebersicht beruhen auf nahträglich eingegangenen Berichtigungen.

Berlin, im November 1891,

Kaiserliches Statistishes Amt, von Scheel.

Denkschrift über den römisch-germanischen Limes.

Dem Reitshaushalts - Etat für 1892/93 ift zur Begründung der Forderung von 40000 Æ „zur wissenswaftliden Erforshung und Aufdi:ckung des römischen Grenzwalls (Limes)*“ als erste Rate folgende Denkschrift beigefügt :

_ Die römische Grenzsperre in Deuisland, der Limes, {loß die beiden rômisWen Provinzen Raetien und Obergermanien gegen das freie Deutschland ab in einer Gesammtlänge von rur.d 550 km.

Der raetische Limes, 178 km lang, rerläßt bei Hienheim, westlich von Regensburg, die bis dahin die Grenzdeckung bildende Donau und endet öôstlih von Stuttgart bei Lorch. Er besteht aus einer mit Thürmen beseßten Mauer, vom Volk der Pfahl oder die Teufels- mauer genannt, die auf weite Strecken no% jeßt mehrere Fuß bo aufrecht steht. Wahrscheinlich lief vor ihr kein Graben, Hinter ibr befanden sich, wie die leßten Entdeckungen gezrigt haben, namentli an den natürli@es Durchgängen, zum Theil aber auch in weiterer Entfernung Kastelle, deren Verbältniß zu der Mauerlinie sowie zu dem Straßennetz zwischen der Mauer und der Donau überhaupt, vor Allem aber in Bayern noch weiterer Aufklärung bedarf.

Der obergermanishe Limes, 372 km lang, läuft von Lorch bis nach Rheinbrohl bei Andernach, das heißt längs der ganzen Ostgrenze der Provinz, die dort am Vinxtbah endigt. Die anschließende Provinz Untergermanien, aus deren rechtsrbeinischen Gebieten Kaiser Claudius um die Mitte des ersten Jahrhunderts die Besaßtz ungen zurüdzog, ist ohne sold)en Limes; für sie wird in ihrer ganzen Aus- dehnung bis nah Leiden hin der Grenzshuß durch den Rheinstrom gebildet. Der obergermanisde Limes isst ein Erddamm mit vorliegendem Graben, An den raetischen im rechten Winkel an- \{ließend, läuft er zunähst in s{nurgerader Richtung über Berg und Thal in einer Länge von ungefähr 80 km bis vor Walldürn und er- reiht von dort mit einigen Kurven den Main bei Miltenberg, Von hier bis Großfkroßenburg (46 km) bildet dieser Fluß selbst die Grenze. Der dann wieder eintretende Wall umspannt in einem kis gegen Gießen vorsprinaenden Bogen die Weiterau und gewinnt unweit Bußbac die Höbe des Taunus, dem er bis in die Nähe von Wiesbaden folgt. Von da läuft er in mäßiger Enifernung vom Rhein, das Lahn- thal bei Ems übersreitend und das Neuwieder Becken einscließend, bis an die obenbezeihnete Provinzialgrenze bei Rheinbrohl. Dieser obergermanische Limes besteht in seiner ganzen Länge aus eirer Kette von Kastelen und Wachtthürmen. Die Kastelle, hier großen- theils naGgewiesen, liegen einwärts vom Wall, meistens in der Ent- fernung von 50 bis 400 m, Der YBbstand der Kastelle untereinander beträgt auf der Linie Lorch—Walldürn 10 bis 16, weiter nördli 8 bis 9 km, das beißt nah römischer Ordnung ungefähr einen halben Tagemarsch. Die Wachtthürme, welche dieje Kastelle mit einander verbinden, sind großentheils noch nicht festgestellt; sie liegen durch- schnittlib 30 m einwärts vom Wall und sind ungefähr auf eine halbe rômishe Meile (= 739 m) von einander distanzirt. Diese Posten \cheinen auf Trompetensignalweite aufgestellt gewesen zu sein, viel- Leicht au durch Feuersignaldienst- mit einander kommunizirt zu baben.

Zwischen dem Rhein und dem eben bezeichneten Limes von Orer- Germanien läuft eine zweite ähnliche Anlage, von dem zuerst ent- deckten Abschnitte bei Erba gewöhnlich die Mümling-Linie genannt, aber bis jeßt nur unvollkommen bekannt. Sie läuft ron Kannstatt an zunächst bis Gundelsheim am Neckar, weiter auf der Wasserscheide

zwischen diesem und dem Main östlich der Itter und der Mümling; vermuthet wird, daß sie si südlih bis na Rottweil, nördlicz bis in die Wetterau fortseßt. Diese Neckar-Mainlinie entbebrt des Walls und besteht ledigli aus einer Kette durch Wachtthürme ver- bundener Kastelle.

__ Was über die Geschichte dieser großartigen Grenzanlagen bis jeßt hat festgestellt werden können, ift in den Hauptzügen Folgendes. Die Nordgrenze des rômishen Neis war unter Augustus bis an die Donau und den Rhein vorge]|choben worden Das Gebiet zwischen Rhein und Elbe wurde unter demselben Kaiser ¡war erobert, aber au fast ganz wieder aufgegeben. Die nah ter Varuss{laht des Jahres 9 n. Chr. noH gema@ten Versuche, diese große Provinz Germanien wiedec zu gewinnen, s{lugen febl, und der Kaiser Claudius zog im Jahre 47 die re{têrbeinishen Besotßungen am Niederrhein defi- nitiv zurück, fodaß dort jeßt wicder dieser Strom selbt die mili- târisde Grenzlinie bildete. Und in Niedergermanien blieb diese be- stehen bis zum Ende der römischen Herrsckaft. Anders gestalteten G die Verhältnisse am Rheine in Obcrgermanien und an der oberen Donau in Raetien, Noch im ersten Jahrhundert unserer Zeitrehnung unter den Kaisern des Flavishen Hauses if bier ein Streifen des jenseitigen Gebietes dem rômisder Reich in formeller Weise einver- [eibt und mit Besatungen belegt worden. Sicher nahweisbar ift diese Thatsahe für die oberrbeinishe Strecke (den Taunus mit der Wetterau, das untere Mainthal und das ganze Neckargébiet), für welche aub der Zweck, nämlih die Abdrängung des mäthtizen Chattenvolkes, ersitlich is, Die Vorsciebung der Grenze von Regensburg an westlich von der Donau bis nach dem Nordostende der chwäbisben Alp erfolgte wahrscheinliG im Zusammenhang mit jener überrheinishen Beseßung und zwar gleichzeitig oder bald nah- ber. Gerade bei dieser Gelegenheit wind nun die Anlage von „limites“, d. h. fortifikatorishen Linien z3m EGrenzshutze, von den gleichzeitigen Schriftstellern erwähnt. Erst dur inschrift- lihe Funde find wir abir in den Stand geseßt worden, diese Notizen genauer zu datiren und in Zusammenhang zu seten mit den damaligen Friegerishen Operationen der Römer gegen die Ger- manen, Gar feine literarische Ueberlieferung ist uns dagegen er- halten über die großen Wälle, die von Rheinbrohl bis oberhalb Regentburg uns noch jeßt großentheils vor Augen liegen, während z. B. über die gleiwartigen, übrigens bedeutend fürzeren Anlagen in Britannien uns sowobl die Kaiserlichen Urheber (Hadrian, bezw Pius) wie auch die Längenmafße (80, bezw. 32 römische Meilen) bezeugt werden. Auf welchen oder welche Kaiser die obergermanis-raetishen Wälle zurückzuführen sind, wird uns nicht überliefert; wir erfahren ebensowenig, ob und welche kriegerishen Afktionen der Auéführung dieser gewaltigen Grenzwerke vorausgingen, nichts von den Beícsaßungëtruppen, deren vershicdener Stärke und Dislokation, von den mit den Limites verbundenen Straßennetßzen und vor Allem auch [ni{ts von dem Zusammenhang der einzelnen Linien, namentlich auch der Doppellinie, und ihrem Zweck gerade in diesen Gegenden, Ecwähnt wird nur, daß Hadrian die Grenz- vertheidigung im ganzen Reih revidirte und daß derselbe Kaiser an «sehr vielen Stellen“, wo di baren n‘cht dur Flüsse, sondern durch limites vom Römerreih geshieden wurden, Pfahlsperren an- legte, welch leßtere Angabe sid woh, ebenso auf Deutschland be- zieben wird, wie auf die gleihartigen in England und vor Kurzem auch in wunderbar vollständiger Erhaltung in Rumänien zum Vor- sein g:kommenen Sperrbauten. Sehr unzureichend sind wir auch

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eiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

1892,

über die historishen Vorgänge der Folgezeit urterrichtet, die römis{- germnanis{en Kämpfe, die gerade in diesen Gegenden hin und her wogten und \{ließlid zum Zurückdrängen der Römer führten. Der erste gewaltige Angriff der Germanen erfolgte unter dem Kaifer Marcus Aurelius Seitens der Marcomannen uv der mittleren Donau: gleid- zeitig wurde die obergermanish-raetis&e Grenze von den Chatten be- droht Auf beiden Gebieten gelang es für dieses Mal noch die Feinde zurückzuweisen und die zum Theil durhbrobene Grenzwehr wieder herzustellen. Was Raetien betrifft, so verfügte damals der Kaiser eine erheblihe Verstärkung der Besaßung dieser Provinz. No etwa hundert Jahre nach -dem Wálken dieses thatkräftigen Kaisers erfüllte die Grenzwehr ihr... Dienst, bis endli in der Periode beständiger Bürgerkriege, unter der Regterung des Galliznus (+ 268), das Land jenseits des Rheins und der Donau den Römern verloren ‘ging. Die Reichs8grenze bildeten foctan wieder wie in früherer Zeit die Ufer dieser beiden Ströme, bis im vierten Jaßrbundert die Alamannen und Burgundionen in Oberdeutsland, wie am Niederrhein der Völker- bund der Franken, auch das linksrheinishe Gebiet be‘eßten und hier die bisher „Germanien* genannten römisHen Provinzen zu wirklih Ä Territorien machten. : A - S ngefits dieser großen Dürftigkeit der tirckten Uceberliefe über den Limes in Deutschland ergiebt sich die gründliche folien tse Untersuchung dieses gewaltigen Römerwerkes als um o dringender erforderli. Nur so wird es ermözliht werden, die Zeit diefer An- lage, ihren Zweck und ihre Einrichtung im Einzelnen zu erkennen und andererseits werden die Ergebnisse einer olen Erforschung sicherlich au zu wichtigen Aufklärungen über die römis&e Gechihte E Pes unseres terie fübren E , Banches ift in dieser Richtung bereits gesehen, seitdem 31 it Friedrih's des Großen die Berliner Akademie der Wifsenschatte Bei Ausdehnung der Römerherrshaft in Deutshland zum Gegenstand einer Preiéaufgabe malte; aber mebr bleibt zu thun. Die Einzelstaaten sind alle für die Untersuchung dieses Röômerwerks thâtig gewesen; Vereine und einzelne Geleérte haben vielfad und oft mit Erfolg auf diesem Gebiet gearbeitet. Der Lauf der Sperrwerke ilt ziemlich genau festgestellt, viele Kastelle sind aufgefunden, einige wenige auch ausgegraben, wie vor Allem ein großer Theil der Saal- burg; Bäder und andere Außenbauten bei den Kastellen, zahlreiche Thürme, neuerdings auch Brücken und Pfahlfperren {sind aufgedeckt worden. Aber fehr häufig sind die Arbeiten eigentli§ nur ange- fangen und zur Unzeit abgebrochen worden; nit selten haben sle ebensoviel geschadet wie genüßt, indem sie den Bewohnern die Fund- gruben bebauener Steine nachwiesen 1nd zugänglich maten. Die deutsche Limes-Forshung ist also niht müßig gewesen: aber sie steht weit zurück binter dem, was in England und Schottland für analoge Aufgaben geschehen ist und noch geschieht. Dank der eifrigen und aafopfernden Thätigkeit der englishen Forscher sind uns die beiden britanniswen Römerwälle der Kaiser Hadrian und Pius, die das römische Britannien gegen die nördlichen freien Völkerschaften deten, in den Einzelheiten wie in der Gesammtanlag, bei Weitem beffer bekannt, als die Grenzsperre unsercs cigenen Vaterlandes. Das Interesse, das die Gelehrten der britiswen Insel diesen Studien bethätigen, hat sih sogar auf unsere Grenzwäle erstreckt ; die erste Gesammtdarstellung unferer Limites verdanken wir Deutsche einem Engländer. Diese sebr nüßlihe und auf eigener Begehung des „Pfablgrabens“ beruhende Arbeit von James Yates ift 1858 in der englishen Urschrift und gleichzeitig in einer vom Verfasser selbst be- arbeiteten deutshen Uebersetzung erschienen, zu einer Zeit als bei uns zu Lande nihts darüber vorhanden war als unzählige Monographien, Auf- sâße und Notizen, die auch nur ihren Titeln nah fämmtlih zu- fammenzustellen von größter Schwierigkeit war und von deren ge“ sammtem Inhalt s{werlich jemals ein Einzelner Kenntniß besessen hat, Ällerdings find beide britannischen Grenzlinien von geringer Auédehnung; troßdem aber und troß der für diesen Zweck, für Aus- arabungen, Aufnahmen, Erhaltungsmaßregeln und die glänzenden Publikationen zu Gebote stehenden ausgedehnten Mittel wäre der ge- rühmte Erfolg ficherlih nicht erreit worden, wenn man nicht gemeinsam vorgegazgen wäre und fic große Grundbefißer mit gelehrten Gefell- schaften und geeigneten Lokalforschern vereinigt bätten. Bi uns, wo der Limes dur fünf Staaten si{ hinzieht, kann umsomehr rur ver- einigtes Wirken zu dem gleihen Ergebniß führen. Zur Zeit giebt es so viele Limes-Literaturen wie es betheiligte Staaten giebt: es ift an der Zeit, daß auch die Limes-For’hung eine deutsche werde. __ Daß für die Grenzwälle in Deutsbland nach den bisberigen, an sich gewiß dankbar anzuerkennenden Töeil-Forswunaen noch ville militäris{-historis@e Probleme von grundlegender Bedeutung ungel öft sind, unterliegt keinem Zweifel. Die chronologischen Fragen hbarren eigentlich noch alle ihrer Erledigung: wir wissen nit, ob die innere oder die äußere Linie des obergermanischen Limes die jüngere ist, nit, wie der Zeit nah si zu diesem der raetishe Limes tellt. Ueber die Grenzverschiebungen , die wahrscheinlih hierin zum Ausdruck aelangt sind, sind wir auf unsihere Muthmaßungen angewiesen. Der Zug der Linie ist vielfah befremdend. Der einspringende Winkel bei Lor kann vielleiht nur veranlaßt fein dur die ucsprüngliche Unabhängig- keit des Donaulimes von dem des Rheins ; aber es ist auc nicht un- denkoar, daß strategisbe Gründ2 es räthlih erseinen ließen, die Angriffslinien Lindau—Basel und Basel —Mainz nebeneinander zu befestigen, Selbst die haupt äblihe Bestimmung der ganzen Anlage unterliegt noch ernstlicem Zweifel: bezweckte sie zunä die Erleichterung des G:enzzolldienstes oder unmittelbaz militärisGen Grenzschuß ? Bei der \chnurgerade gezogenen Linie von Lorch bis Walldürn erscheint Letzteres fast au8geschlo}sen; ebenso läuft auf dem Taunus der Limes zwar im Ganzen auf dem Kamm oder nördli desfelben, aber an mehreren Stellen au axf dem südlichen Abbang, überhöht von dem nahen Bergrücken. Anderswo dagegen, namentlich auf der Mümlinglinie, ift die Anlage deutlih na ftrategishen Rück- sichten dem Terrain angepaßt. Maz der cine oder der andere Ge- sichtpunkt vorgewaltet haben oder mögen beide Zwecke nebeneinander zur Geltung gekommen sein, immer wird die Limes-Forshung erft ¡um Ziele gelangt sein, wenn sie das Verbältniß dieser Anlagen theils zu dem Lauf der Straßen, theils zu den großen Hauptquartieren der Provinz, Straßburg und Mainz, klargeßtellt und die siher mit diesen Anlagen in Verbindung stehende auffallend geringe Stärke der röômisden Grenzbesatung im zweiten und dritten Jahrhundert n. Chr. einigermaßen begreiflich zu machen vermocht bat. Wie es mögli gewefen ift, den militärishen Grenzshuß der oberrbeinis{chen Provinz mit einer seit Hadrian auf böchstens 20 000 Mann sich beziffernden Truppenzabl durch Jahrhunderte ausreihend durchzuführen, wie über- baupt das ungeheure Reich dreier Welttheile mit cinem stehenden Heere von ungefähr 300 000 Mann hat auskommen können, bleibt zur Zeit eine Frage obne Antwort, welche Antwort aber boffentltich durch die Aufsdeckung des germanischen Limes in Zukunft wird gegeben werden können.

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Wir dürfen hoffen, daß uns künftig zu Tage kommende Stein- inshriften über die Chronologie, weitere unermüdete Beobachtung aller Einzelheiten über den Zweck dieser Römerbauten Aufschluß geben werden. Aber die Vorbedingung dafür bleibt der einheitliche Plan und die einheitlihe Leitung der gesammten Arbeit. Dieselben leitenden Männer müfsen auf dem ganzen Gebiet von der Donau bis zum Rheine durch alle jene 550 km der römischen Anlagen, alle bereits ofenliegenden und, in noch größerer Zabl, alle erft auf- zudeckenden Reste mit eigenen Augen untersuhen. Architektonische Details, bei ifolirter Betrachtung von geringem Werth, werden Ant-