1891 / 263 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Meininaen wohnten der gestrigen Aufführung des „Neuen Herrn“ von Arfang bis zu Ende bei. He

In der am Montag im Königlichen Opernhause statt- findenden Vorstellung der „Cavalleria rusticana* sird die Damen Pierson und Lammert, die Herren Sylva, Bey und Rothauser be- j<âftigt. In der dem Werke voraufgehenden Vorstellung der „Entführung“ treten die Damen Herzog und Dietrich, die Herren S{<{midt, Rothmühl, Mödlinger und Lieban auf. Jn der Dienstags- Vorstellung der Oper „Carmen“ wird Herr Philipp zum ersten Male

den Don Jo'é singen.

Das Königlihe Schauspielhaus begeht Scthiller's Geburtstag, wie bereits gemeldet, mit der Neueinstudirung der „Jungfrau von Orleans“. Die Inscenirung is dies- mal feine selbständige, vielmehr hat fi< die Regie die vielleiht ni<t minder s<hwierige Aufgabe gestellt, ein bis ins Kieirnste getreues Abbild der Meininger Mise-en-scène zu geben und tadurh diesem einslimmig anerkannten Meistecwerk der Inscenirungat- kunst eine längere Fortdauer zu gewähren, als es sonst in der Natur der Dinge gelegen hätte. Die Beseßung der Hauptrollen ist fol¿ende: König Karl: Herr Arndt, Agnes Screl; Frau von Hotwenburger, Dunois: Herr Ludwig, Burgund: Herr Nesper, Talbot: Herr Kakble, Lionel : Herr Purschian, Thibaut : Herr Krause, Isabeau : Fräulein Stollberg, Johanna : Fräulein Lindner. : :

Der Spielplan der Königlichen Oper für die Zeit vom 8. bis 14. November lautet: Sonntag: „Der Barbier von Sevilla“, „Cavalleria rusticana“. Montag: „Die Entführung aus dem Serail“, „Cavalleria rusticana“. Dienstag: „Carmen“. Mitiwoh: „Pro- metheus“, „Cavalleria rusticana“. Donrerstag: - „Die Zaubeiflôte“. Freitag: „Der Trompeter von Säkkingen“. Sornabend : „Doktor und Apotheker“, „Cavalleria rusticana“, : |

Für das Schauspiel: Sonntag: „Die Quizows*. Montag : „Wohlthätige Frauen“. Dienstag: Neu einstudirt: „Die Jungfrau von Orleans“. Mittwob: „Der neue Herr“. Donnerstag: „Die Sungfrau von Orleans.* Freitag: „Wohlthätige Frauen“. Sonnabend : Zum ersten Mal: „Der kommende Tag“. : ;

Im Deutschen Theater gehen am Mittwoch, als Beginn des Goethe-Cyflus, „Stella“, Trauerspiel in d Aufzügen, und „Die Mitschuldigen“, Lustspiel in 3 Aufzügen, zum ersten Mal in Scene. Als zweite Vorstellung des Cyklus folgt sodann am Freitag „Göß von Berlichingen“. Morgen sowie Dienstag, Donnerstag und Sonn- abend wird „Die Sklavin*“ gegeben. Am Montag kommt „Des Meeres und der Liebe Wellen“ zur Aufführung. j

„Esther“ und „Der Geizige“ gehen am Berlin er Theate morçcen Abend sowie am Donnerstag urd Sonnabend in Scene. Am Montag kommt „Mortjove* zur Darstellung. Wie {on mitgetheilt, gelangt am Dienstag, dem Geburtstage Schille:'s, in der bekannten Beseßung und glänzenden Ausstattung „Wilhelm Tell“, und am Sonntag Nachmittag zur Vorfeier „Die Jungfrau von Orleans zur Darstellung. Am Mittwo< und Freitag (elfte Abonnements- Vorstellung) finden Wiederholungen des „Hüttentesiger“ ftatt.

Das Lessing- Theater ist dur die Fülle von Vorbestellungen, die für den S{wank „Die Großstadtluft* täglih einlaufen, in die Nothwendigkeit verseßt, für die neue Woche von dem Grundsay des we<selnden Srielplans abzuseh:n und die zugkräftige Neuheit in ununterbro<ener Folge zur Darstellung zu bringen.

Am Sonnabend, 14. d. M. findet im Residenz-Theater die erste Aufführung von dem zweiaktigen Lust)piel „Husarenliebe“ statt, das, der Anlage na frarzösis<, einen Ungarn Karl Murai zum Vet fasser hat. Es wird zur Zeit mit großem Erfolge am Deutschen Volks - Theater in Wien gegeben. Diesem Stük wird der ebenfalls neue französische Einatter: „Sprechstunden von 1 bis 3 Uhr Nachmittags" (de 1h. à 3) von Abraham Dreyfuß vorausgehen.

Daudet's interessantes Schauspiel „Das Hinderniß“ (l'Obstacle) bleibt bis zum Sonnabend auf dem Spielplan des Residenz- Theaters.

Der Wotwenspielplan der Concertdirektion Hermann Wolff lautet: Sonntag 11è Ubr Vormittags in der Philharmonie Oeffentlihe Hauptprobe, Dir. v. Bülow; Montag 73 Uhr Akends in der Philharmonie II. Philbarmonishes Con- cert, Sol. J. Ioadbim; Dienstag 8 Uhr Aberds in der Sing-Akademie Concert von Johanna und Willy Burmester (Klavier und Vio'ine); Donnerstag 74 Uhr in der Philharmonie I. Concert des Sängerbunds vom BerlinerLehrerverein; Freitag 8 Uhrin der Sing-Akademie Concert von Elly Grimm (Sopr.) und Martha Rosenbaum (Kl.), uw 7> Ukr in der Philharmonie II. Aberd des „Deutschen Lieds* von Amalie Joachim; Sonnabend 7s Uhr in dcr Sing- Akademie Concert ron Gabriella dal Broga (Alt), unter Mittwirkung von Fräulein Robinson (Viol.).

Am Montag findet im Concerthause der zweite Abend des „Raff-Cyklus“ statt; zur Aufführung gelangt die Symphonie Nr. II C-dur von Joachim Raff.

Fagd.

Dienstag, den 10. d. M., findet Königliche Parforce- jagd statt. Stelldichein: Mittags 1 Uhc Jagdshloß Grunewald, 11/, Uhr an der Saubucht.

Mannigfaltiges.

Im Cirkus Renz findet heute die fünfzigste Vorstellung der grofiartigen Wasserpartomime „Auf Helgoland“ statt. Die Besuer werden an diesem Jubiläumsabend dur< verschiedene neue sccnische Arrangemerts, namentli) aber durch eine neue bhohkomishe Episode im zweiten Bilde der Pantomime überrasht werden. Am morgigen Sonntog Nachmittag gelangt zum ersten Male in dieser Saison „Das Leben und Treiben auf dem Eise* mit dem prähtigen Schlitten- korso zur Aufführung. Æ

London, 6. November. Die hiesige japanishe Gesandschaft theilt nahfolgende, ihr zugegangene Depesche mit: Bei dem Erd- beben vom 28. v. M. in den Verwaltungsbezirken Aichi und Gi fu kamen 6500 Personen ums Leben. 9000 Personen sind ver- wundet. Die Zahl der zerstörten Häuser wird auf 7s 000, die der beschädigten auf 1200 angegeben.

Nach S<hluß der Redaktion eingegangene Depeschen.

München, 7. November. (W. T. B.) Die Kammer der Abgeordneten hat heute die von der Regierung vor- gelegte Neuorganisation des Kataster- und Geometer- wesens genehmigt und den Ausgaben-Etat des Finanz- Ministeriums in Höhe von 3903077 s bewilligt.

München, 7. November. (W. T. B.) Der Groß- herzog von Luxemburg is hier angekommen und alsbald nah Hohenburg weitergereist.

Straßburg i. Els., 7. November. (W. T. B.) Im Kreise Altkir< wurde der Bürgermeister Sauner aus Gommersdorf, der in seinem Wahlaufruf die unwiderrufliche

Zugehörigkeit Elsaß:Lothringens zu Deutschland betont hatte, in den Landesaus\<huß wiedergewählt. / St. Petersburg, 7. November. (W. T. B.) Heute tritt die vom Eisenbahntarifcomité kürzlih beschlossene Ermäßi- ung der russishen Eisenbahntarife für Getreide- Fendukaen na< den vom Mißwachs betroffenen Gegenden in Kraft. Dieselbe beträgt 52 Proz. Das Eisenbahntarif- comité hat ferrer beschlossen, die Tarife für die Beförderung von Kartoffeln in die Weichsel-Gouvernements und in das Gouvernement Grodno, wo die Kartoffeln s{<le<t gerathen sind, auf 1/100 Kop:ken pro Pud und Werst herabzuseßen. Endlich sollen, um die Anhäufung von Getreidetransporten auf einzelnen Eisenbahnen zu verhüten, neben den direkten Verbindungen noch indirekte eingerichtet werden, ohne daß da- durch eine Vertheuerung der Transportkosten entstände. Rom, 7. November. (W. T. B.) Der „Messaggiero“ meldet: Der Minister-Präsident di Rudini werde in seiner Rede in Mailand alle organischen und administrativen Reformen auseinandersezen, welde das Ministerium in Betreff der staatlihen sowie der Provinz- und Kommunal- verwaltunig einzuführen gedenke. Rudini werde die soziale Geseßgebung erörtern und dem Wunsche Ausdru> geben, daß das Parlament jene Vorschläge, die ihm im Interesse der arbeitenden Klassen unterbreitet werden sollen, genehmizen möge. Ferner werde Rudini den Abschluß des Handelsvertrages mit Deutschland bestätigen und die Er- klärung abgeben, daß das finanzielle Gleihgeviht ohne Auf- erlegung neuer Steuern hergestellt sei. Der auf die aus- wärtige Politik bezüglihe Passus werde hervorragend friedlih sein. : Bukarest, 7. November. (W. T. B.) Die „Agence Roumaine“ bezeihnet die in auswärtigen Blättern verbreiteten, si< vielfah widersprehenden Meldungen über angebliche Veränderungen innerhalb des 1umänishen Kabinets als reine, einer verläßlihen thatsächlihen Unterlage ent: behrende Konjekturen. : New-York, 7. November. (W. T. B.) Nach einer Meldung aus S antiago sprah eine Versammlung auf der Plaza ihren Abscheu aus über die angeblive Vershwörung von Personen, die den Schuß der Gesandtschaft der Ve r- einigten Staaten aufgesuht hätten. Der amerikanische Gesandte Egan kündigte dec Junta an, daß sie für jeden Angriff auf die Gesandtschast verantwortlich sei. Die Junta es P Folge dessen Kavallerie zum Schuzg der Gesandt- chast ab. i Einer Depesche des „New-York Herald“ aus Rio de Janeiro zufolge enthält das Manifest des Marschalls Fonseca das Versprechen, die Verfassung und die Frei- heit der Wahlen zu s{üßen, sowie alle Geldverbind-

* lihkeiten und auf Gesezen be: uhenden Verpflihtungen zu

erfüllen; er werde kein Gesey zurü>Enehmen, außec solche, welche sih gegen das allgemeine Wohl und die Sicherheit der Regierung richteten.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in dex Ersten Beilage.)

S E E

Wetterbericht vom 7. November Montag :

Morgens 8 Uhr.

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Bar. auf 0 Gr. u. d. Meeres\p. red. in Millim

Stationen.

in 9 Celfius

= r Temperatur

Mozart.

Opernhaus. valleria rusticana (Bauern-Ehre). Oper bura in 1 Aufzug, nah dem gleihnamigen Volksftü> von Verga. Musik von Pietro Mascagni. In Scene gescßt vom Ober - Regisseur Teylaff. Dirigent: Kapellmeister Weingartner. i /

führung aus dem Serail. Oper in 3 Akten von Text von Bretner.

230. Vorstellung. Ca-

Norber: Die Ent- | Anfang 7# Uhr.

A 7 Uhr. Wi t Belle-Alliance-Theater.

Residenz-Theater. Direktion : Sigmund Lauten- Sountag: Zum 9. Male: Das Hindernif (L'Obstacle), Sauspiel in 4 Akten von Alphonse Dauvet. In Scene geseßt von Sigmund Lautenburg.

Montag u. die folg. Tage: Dieselbe Vorstellung.

Sountag:

[436141] : „NVordland=- O 10 j Nur noch kurze Zeit 30 P f.

geöffnet! Heute [43661] E

Zum

Mullaghmore Aberdeen Ghristiansund Kopenhagen . Stoc>holm . aparanda .

t.Petersburg|_

Cork, Queens- town . SGherbourg . elder... ylt Hamburg Swinemünde Neufahrwasser, Memel

ünster. Karlsruhe Wiesbaden . München …. | Shemniy . . | Berlin. . Wien .... Bres\au .

D a Triest .

Q É e A

1) Reif.

TT5 T74 769 765 768

L [SNO

2'halb bed. | Regen | Nebel heite: ‘halb bed. [bede>t

halb bed. bede>t Nebel

halb bed. |bede>t Nebel wolkig halb bed. wolkenlos bedecdt heiter

still wolkenlos 3[wolkenlos {till¡Nebel!) till ¡Nebel itill|woolkenlos till |bede>: | 1'wolkenlos 1|wolkerlos 6 wolkenlos |

Vebersicht der Witterung.

Ueber Mittel Europa is der Luftdru> ho< und gleihmäßig vertheilt, ein barometris<hes Maximum liegt über dem nördlihen Oesterreih. In Deutsch- land ift das Wetter ruhig, kalt und vielfach neblig,

ohne erheblihe Niederschläge.

O O I N O 59C. =409R.

5 i 5 I I a f] D

Im mittleren und

südlichen Deutschland, sowie auch in Frankreich herrs{<t

rostwetter, München meldet aris 4 Grad unter Null. errs{<t ziemli< \!renge Kälte,

7, Clermont 9, Au<h in Rußland St. Peteréburg

Minus 9, Kiew 13, Charkow Minus 14 Grad.

Eisgang in der Newa.

In Norwegen

ist das

Wetter außergewöhnli< warm. Bodo Plus 8 Grad. Deutsche Seewarte,

Theater-Anzeigen.

Bönigliche Schauspiele, 229. Vorstellung.

haus.

Sonntag:

Operns-

Cavalleria rusti-

eana (Bauern- Ehre). Oper in 1 Aufzug, nah dem gleihnamigen Voiksstü> von Verga. In Scene geseßt vom Ober-

Regisseur Teylaff. Dirigent: Kapellmeister Wein-

von Pietro Mascagni.

artner.

Vorher :

Ae Oper in 2 Akten von Rossini. Stauspielhaus 240. Vorftellung. Die Quitzow?'s.

MVaterländisbes Drama în 4 Aufzügen

von Wildenbru<. Anfang 7 Uhr.

Musik

Der Barbier von Sevilla.

Anfang

von Gruft

Schauspielhaus. 241. Vorstellung. Wohlthätige Franen. Lustspiel in 4 Aufzügen von Adolph L'Arronge. In Scene geseßt vom Ober-Regifseur Max Grube. Anfang 7 Uhr.

Dienstag : Opern haus. 231. Vorstellung. Carmen. Oper in 4 Akten von Georges Bizet. Text von Henry Meilhac und Ludovic Halévy, na< einer Novelle des Prosper Mérimée. Tanz von Emil Graeb. Jn Scene geseht vom Ober-Regisseur Tetz- [laff}. Dirigent : Kapell meister Weingartner. * Anfang 7 Uhr. : B s 242. Vorstellung. Neu einstudirt: Die Jungfrau vou Orleans. Eine romantische Tragödie in 1 Vorspiel und 5 Aufzügen von Friedrich von Schiller. In Scene geseßt vom Ober-Regisseur Max Grube. Anfang 7 Uhr.

Deutsches Theater. Sontag: Die Sklavin.

Montag: Des Meeres uud der Liebe Wellen.

Dienstag: Die Sklaviu.

Mittwoh: Goethe - Cyclus. 1. Abend. Zum 1. Male: Stella. Trauerspiel in 5 Aufzügen. Hierauf zum 1. Male: Die Mitschuldigeu. Lust- spiel in 3 Aufzügen.

Berliner Theater. Sonntag: Nahm. 24 Uhr Zur Vorfeier von Schiller's Geburtstag: Die Jungfrau von Orleans. Abends 74 Uhr: Esther. Der Geizige.

Montag: Montjoye. Anfang 7 Uhr.

P S Zu Sthiller's Geburtstag. Wilhelm

e .

Lessing - Theater. Sonntag: Die Grof- ftadt/uft. S{wank in 4 Akten von Oscar Blumen- thol und Gustav Kadelburg. Anfang 7 Uhr.

Montag, Dienstag und Mittwoh: Die Grof- ftadtluft. Schwank in 4 Akten von Oscar Blumen- thal und Guftav Kadelburg.

Wallner-Theater. Sonntag: Zum 4. Male: Der ftille Affsocié. Posse in 4 Akten von Carl Laufs und Wilhelm Jacoby. "Anfang 7# Uhr.

Montag: Dieselbe Vorstellung.

Friedrih - Wilhelmstädtishes Theater. Sonntag; Mit neuer Ausstattung und verstärktem Orwefter : Zum 11, Male: Die Basoche. Komiscve Oper in 3 Akten von Carré. Deuts<h von R Genée, Musik von André Messager. n Scene geseßt von Julius Sra, Dirigent : Kapellmeister Federmann. Anfang 7 Ubr

101. Male mit dur<weg neuer glänzenter Ausstattung an Dekorationen, Kostümen, Ballets, Waffen-Requi- siten, Beleuchtungseffecten 2c. A tren zur See. Großes Ausftattungs-Zeitbild in 4 Akten (7 Bildern) von Ecnst Niedt. Im 6. Bilde: Wirk- liches gin n t Bühne von [lebenden Pferden. Anfang r.

V NUdatiags Z3 Uhr: 2. Volks - Vorstellung zu Volkspreisen (\ämmtlihe Pläge des Theaters 1 M Zur Aufführung gelangt: Der Ver- \<hwender. Original-Zaubermärhen von Raimund. Montag: Jung: Deutschland zur See.

Adolph Ernst-Theater. Sonntag: Zum 69, Male: Der große Prophet. Gesangsposse in 4 Akten von Leon Treptow. Couplets von Gustav Görß. Musik von Gustav Steffens. Mit voll- ständig neuen Kostümen. Die neuen Dekorationen sind aus dem Atelier der Herren Wagner und Bukacz. In Scene gesezt von Adolph Ernst. Anfang 7t Uhr.

Montag: Dieselbe Vorstellung.

Thomas-Theater. Alie Jakobstraße 30. Direktion: Emil Thomas. Sonntag: Zum 3. Male: Der Kuust-:Bacillus. Novität! Posse in 4 Akten von Rudolf Kneisel. In Scene gesezt vom Ober- Regisseur Adolf Kurz. Anfang 7# Uhr.

Montag: Dieselbe Vorstellung.

Concerte.

Philharmonie. Sonntag, Vormittags 11é Uhr: Oeffentlihe Hauptprobe zum II. hilharmonishen Concert. Dir.: H. von Bülow. Sol. : Prof. Jof. Soawim. i i

Montag, Anfang 74 Uhr : 11. Philharmonishes Concert. Dir. : H. von Bülow. Sol. : Prof. Jos.

Joachim.

Concert-Haus. Karl Meyder- Concert. Anfang 6 Uhr. x

IT. Abend vom Raff-Cyclus. Ouv. „Naklänge an Ossian® von Eade. „Die Flüchtlinge“ von Kretschmer. „Tasso“, symphonishe Dichtung von Liszt. Op, 48 Suite für Streichinstrumente von Tschaikowski. Symphonie Nr. 11 C-dur von Raff

Montag: Karl Meyder-Concert. Anfang 7 Uhr.

Sonntag:

Uranià;/ Anstalt für volksthümliche Naturkunde Am Landes - Ausstellungs - Park (Lehrter Bahnhof). Geöôffnet von 12—11 Uhr. Täglih Vorftellung im Me Theater. Näheres die Anschlag- zettel.

Montag : Dieselbe Vorstellung.

Nur noch kurze Zeii. —— National : Panorama Herwartbstraße 4 am Königsplaß. „Das alte Rom“ mit dem Triumphzuge Kaiser Constantins. y. Morg. 9 Uhr bis zur Dunkelheit. Eintr. tägl. 50 4. Soldaten u. Kinder 25 s.

Circus Renz. Karlstraße. Sonntaz: 2 Vor-

stellungen. Nachmittags 4 Uhr (1 Kind frei); Auf vielfahen Wunsch „Leben und Treiben auf dem Eisc.* Großes Ausstattungstü>k mit Ballet, neu arrargirt und inscenirt vom Dir. E. Renz. Abends 74 Uhr: „Auf Helgoland, oder: Ebbe und Fluth“, große bydrologishe Ausftattungs - Pantomime in 2 Abtheilungen mit National-Tänzen (60 Damen), Auf- zügen 2c. (eine neue Einlage: „Eine englishe Familie auf der Fabrt na<h dem Festlande“), Dampfschiss- und Bootfahrten, Wasserfällen, Riesenfontänen mit allerlei Lichteffekten 2c, arrangirt und inscenirt vom Dir. E. Renz. Kunsishwimmerinnen drei Geschwister Johnson. S(hluf Tableau: Grande Fontaine Lumi- neuse, Riesen-Fontaine, in einer Höhe von mehr denn 80 Fuß aussftrahlend.

In beiden Vorstellungen Auftreten der vorzüg- listen Künstlerinnen und Künstler, sowie Neiten und Vorführen der bestdressirten Schul- und Freiheits- pferde. Komische Enttiées und Jntermezzos von sämmtlichen Clowns.

Täglich: „Auf Helgoland.“ E S S S T

Familien-Nachrichten.

Verlobt: Frl. Marie von Bergmann mit Hrn. Kom- merzien-Rath Philipp Moriz-Eichborn (Görliß— Breslau). Frl. Maria ron Legat mit Hcn. Referendar von Petersdorf (Neisse). Giesela Gräfin Korf gen. Shmising- Kerfsenbre> mit Hru. Prem.-Lieut. August vos Bothmer (Darmstadt). Frl. Cornelia von S{hna>enberg mit Hrn. Lieut. Hans von Rürleben (Schwerin).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Hauptmann von Donop (Neu-Ruppin) Hrn. Prem -Lieut. Alex von Frankenberg und Ludwigsdorf (Potsdam). Eine Tochter: Hrn. Lieut. Andreas Frhrn. von Swhoenaih (Wandsbe>).

Gestorben: Verw. Freifrau Emilie von Falken- bausen, geb. Ben>endorff (Breslau). Hr. Superintendent Albert Malis< (Ratebuhr in Pomm.). Fr. Wilbelmine Rudolph, geb. von Unruh (Hirschberg i. Schl.). Hr. General- Lieutenant z. D. Theodor von Sell (Berlin).

Redacteur: Dr. H. Klee, Direktor. Berlin: ————— i rit Verlags der Expedition (Scholz). Dru> der Norddeutschen Buchdru>kerei und Vérlags- Anstalt, Berlin 8SW., Wilhelmstraße Nr. 32.

Fünf Beilagen

(eins{ließli<h Börsen - Beilage).

zum Deutschen Reichs-Anz

12 263

Gesammelte Schriften und Denkwürdigkeiten des General-Feldmarschalls Grafen von Moltke.

I

Die von dem Feldmarschall Grafen von Moltke und über ihn bisher veröffentlihten Werke haben uns den genialen "6 und den hervorragenden Schriftsteller kennen gelehrt.

ie jeßt erschienene erste Sammlung seiner Briefe an die Mutter und die Brüder Adolf und Ludwig*) zeigen uns den großen Mann von einer neuen Seite. Ohne ihn herabzuziehen von der Höhe, zu der eigenes Verdienst ihn emporgehoben hatte, bringen sie ihn uns menshli<h näher. Wir sehen, daß er ebenso wie seine Mitmenshen den Kampf ums Dasein geé- führt hat, daß ihm die kleinen Sorgen des alltäglihen Lebens niht erspart geblieben sind, daß er mit einer seltenen Ge- müthstiefe die innigsten Familienbeziehungen zu seiner Mutter, seinen Geschwistern und seiner Frau sowie den entfernteren Angehörigen während seines langen Lebenslaufs treu gepflegt hat; mit einem Worte: : wir lernen ihn hier als edlen Menschen kennen. Ein näheres Eingehen auf die Briefe selbst wird dies besser als viele Worte beweisen. Zuvördersi wollen wir uns aber in Kurzem nah dem den Briefen vorausgeschikten Lebensbild seiner Mutter, einer Tochter des Geheimen Finanz - Raths Paschen zu Lübe, geboren 1777, mit diefer bekannt machen. Es heißt darin: „Frau von Moltke wird als cine Dame von schöner mittelgroßer Gestalt und stolzer, unnah- barer Haltung geschildert; ernste geistvole Augen, die gebogene Nase, der festgeshlossene Mund und das loige, weiß gepuderte Haar gaben ihrem Antliß etwas ungemein Charakteristis<hes, Nah außen hin vershlossen, ernst, fast streng, war sie eine leidenschastliche Natur mit liebeglühendem, treuem Herzen. Sie besaß einen bedeutenden Verstand, be- herrschte mehrere Sprachen und vermochte si< au shrift- lich, selbst in Augenbli>en tiefer Gemüthsbewegung, ebenso flar wie kurz auszudrü>en.“ Es wird von ihr berichtet, daß sie die Kraft besaß, das Kind ihres Pächters, dessen Mutter vor Schre> über ein Feuer auf dem Gute im Wochenbett erkrankt war, mit threm eigenen Säugling zusammen ein Vierteljahr lang an ihrer mütterlihen Brust zu ernähren. Der Erziehung ihrer aht Kinder widmete sie si< mit der größten Treue und Gewissenhaftigkeit. Sie verschied im Jahre 1837, als ihr Sohn Helmuth am Bosporus weilte.

Die Briese an die Mutter beginnen mit dem 5. Juni 1823 aus Frankfurt a. O.,, wo der aus dänischem in preußischen Militärdienst übergetretene Lieutenant von Moltke damals in Garnison stand, und gehen bis zum 6. Februar 1837, wenige Monate vor dem Tode der Mutter. Aus allen diesen Briefen spricht eine innige Liebe, zarte Aufmerksamkeit, hohe Ver- ehrung und fkindlihes Verirauen. Stets besorgt um die Gesundheit der Mutter, versäumt er keine Gelegen- heit, fie dur< ein zufällig gefundenes seltenes Blümchen zu erfreuen, und ma<ht ihr Mittheilung von seinen Bestrebungen, seinen Aussichten in der Laufbahn, seinen Arbeiten und auch den oft re<t drückenden Geldsorgen. «Fm Jahre 1825 war der Lieutenant von Moltke dur< seinen Gesundheitszustand gezwungen, Heilung im Bade Ober-Salz- brunn zu suchen, Dort scheint er seine erste Herzensneigung gehabt zu haben; wenigstens schreibt er seiner Mutter: „Hier ist ein Mädchen, das recht verdient, Deine Schwiegertochter zu sein, Es ist eine Gräfin Reichenbah. Sie ist bildshön und erzogen Du würdest sie auf Händen tragen. Aber leider is sie unvermögend.“ Mit besonderer Freude giebt er der Mutter Nachricht von der im Jahre 1828 erfolgten Einberufung zum topographishen Bureau und der damit verbundenen Zulage, die es ihm ermöglihen würde, sih seiner Schulden zu entledigen und auch jährli eine be- stimmte Summe zu erübrigen, die er seiner Mutter zur Ver- fügung stellt. Er unterrichtet seine Mutter fortgeseßt über die Studien, die ihn beschäftigen, um si< in der Laufbahn zu fördern oder eine angenehme gesellshaftlihe Stellung zu ec- ringen. So erlernt er no< das Nussische, nahdem er bereits vier andere fremde Sprachen gelernt hat, erx lernt reiten, Masureë tanzen und au< das ihm später fast zum Bedürfniß gewordene Whist spielen.

Aber auch politis<he Betrachtungen finden si<h mit- unter eingeflo<hten. So z. B. in einem Briefe vom Weih- nachtsabend 1830, als die Verhältnisse in Frankreih die Kriegsgefahr sehr bedrohlih erscheinen ließen, schreibt er: „Jch will Dir in dieser Sache niht meine Meinung, sondern die der höheren Offiziere des Generalstabes sagen. Sie ist, daß wir Frieden behalten troy aller Seufzer der Second - Lieutenants, wenn das französishe Gouvernement Stabilität genug hat, um dem Andrang einer doppelten Partei zu widerstehen, welhe, Royalisten wie Re- publikaner, den Krieg wollen, um in Frankreih empor- zukommen. Ob diese den Bürgerkönig aber nih: von dem Repertoire ihrer Bühne s\treihen, deu alten Schwäßer Lafayette, premier radoteur de France, bei Seite schieben und den Lafitte (Minister Louis Philipp's) auf Flaschen ziehen, das, glaube ih, dürfte no< feines- wegs entschieden, die Revolution von 1830 wohl noch nicht für beendet anzusehen sein.“ Und weiter: „Kein Staat in Europa (viellei<ht außer Oesterrei) disponirt in diesem Augenbli> über s{hlagfertige Armeen wie Preußen. Preußen ist, ohne alle Dünkel oder Uebertreibung, die einzige Macht, welche bei einer Armee, die mit dem ganzen Material bis ins eringste Detail versehen ist, der Stimmung ihrer Unterthanen o gewiß ist, daß sie einen Offensivkrieg führen könnte; und wenn unleugbar unser König in diesem Augenbli> das Schi>ksal Europas in seiner Hand hält, so steht er um so

erhabener da, als er, der Vater der Kaiserin von Rußland und der

Bruder der Königin von Holland, jede Jntervention verweigert

*) Gesammelte S(riften und Denkwürdigkeiten des General- Feldmarschalls Grafen von Moltke. Vierter Band: Briefe; erste eng, Kgl. Hof-Buchhandlung von E. S. Mittler u. Sohn n Berlin.

Erste Beilage

Berlin, Sonnabend, den 7. November

hat.“ Jn einem Briefe vom Jahre 1831 finden wir dann folgende Stelle, die deshalb interessant ist, weil hier zum ersten Male der Gedanke auftritt, den der Feldmarschall noch in seinem Greisenalter in ähnliher Form an die Spiße der Geschichte des Krieges von 1870/71 gestellt hat: „Die belgishe Fcage komplizirt si< dergestalt, daß wohl nur ein re<ht- schaffener europäischer Krieg wird am Ende den gordischen Knoten zerhauen können. Dies dürfte um so mehr der Fall sein, als heut zu Tage es ni<ht mehr allein die Kabinette sind, welche übec Krieg und Frieden entscheiden und die Angelegen- heiten der Völker leiten, sondern es an vielen Orten die Völker sind, welche die Kabinette leiten, und so ein Element in die Politik hineingebracht ist, welches freili<h außer aller Berechnung liegt.“

Jn einer Herzensangelegenheit einer Verwandten um Rath gefragt, \priht Moltke seine Ansicht über die Ehe folgendermaßen aus: „Meiner persönlichen Ueberzeugung nah ist jede Heirath ein Wagniß, in wel<hes wir uns blindlings hineinstürzen den kennen und beurtheilen zu wollen, an den wir unser Loos knüpfen, ist zu viel verlangt, wenn wir uns ja selbst niht einmal kennen und beurtheilen, und das, was in der Eke sein wird, hängt vielleicht ebenso sehr von uns selbst als von ihm ab. Wenn wir bloß die kalte Vernunft zu Rathe ziehen, so is nicht zu verkennen, daß wohl nur sehr wenig Menschen vergönnt ist, dem Jdeal, welches si< wohl alle einmal shufen, im Leben wirklih zu begegnen, wenigeren aber no<, aus diesem Traum, der freilih das höchste Glück sein muß, niht um so schmerzliher zu erwachen. Wo die Empfindungen aufs Höchste gespannt sind, da muß jeder doh nothwendig anklebende Mangel und jede Unvollkommen- heit ein Mißklang in der reingestimmten Harmonie werden, und je höher die Erwartung, je größer muß die Täuschung sein, Diese durchaus prosaishe Ansicht ist vielleiht darum nicht minder die richtige und spri<t den Grund aus, warum so viel mariages de raison glüdlicher, als die par inclination sind Mit einem Wort, ih glaube, daß s{wärmerische Jugendliebe und ehelihes Glü>, mindestens gesagt, niht aus- einander folgen, und daß da, wo keine Abneigung und keine Schlechtigkeit vorhanden is, eine dauernde, innige, tiefe und beglü>ende Zuneigung auch in der Ehe entstehen kann.“

Endlich möge aus den Briefen an die Mutter no<h eine Stelle aus dem Jahre 1834 angeführt werden , die von seiner rührenden Sorge um die Mutter, seiner Verehrung und Dank- barkeit beredtes Zeugniß ablegt: „Daß Du leider so viel körperliche Leiden trägst, habe i<h mit inniger Betrübniß er- fahren. Gott schenke Dir Linderung und Besserung, mein gutes Mütterhen. Daß Du Deine Schmerzen mit Standhastigkeit und Ergebung trägst, habe ih erwartet, es ist die Ruhe, die ein reines Gewissen und ein gutes Bewußtsein geben. Wie oft ist es mir vor die Seele getreten, daß von allen Wohlthaten der erste mütterliße Unterricht die größte und die bleibendste ist. Auf dieser Grundlage baut n< der ganze Charakter und alles Gute in demselben, und wenn Du acht Kinder zu redlichen Leuten herangezogen, \o muß ihr Dank und Gottes Segen auf Dir ruhen.“

Statistik und Volkswirthschaft.

Central stelle für Arbeiter- Wohlfahrtseinrihtungen.

Delegirte verschiedener Vereine haben. wie die „Nat. Ztg.“ mit- theilt, beschloffen, im Anschluß an das Handels-Ministerium eine Centralstelle für Arbeiter-Wohlfahrtseinrihtungen zu begründen. Bei den Berathungen waren Vertreter des Ministeriums für Handel und Gewerbe und des Ministeriums der öffentlihen Arbeiten zugegen, Die Satzungen der Centcalstelle wurden, wie folgt, festgestellt :

1. Die .… . Vereine begründen eine gemeinsame Centralstelle für Arbeiter - Woëtlfahrtéeinrihtungen mit folgenden Aufgaben : I. Sammlung, Sichtung, Ordnung und Katalogisirung von Beschrei- bungen, Statuten und Berichten über Einrichtungen, die zum Besten der unbemittelten Volksfklafsen getroffen sind. 11, Auskunftsertheilung auf Anfragen über Arbeiter- Wohlfahrtseinrihiungen zunächst an die betheiligten Vereine und, soweit Zeit und Mittel gestatten, au<h an Nichtbetheiligte. II1. Mittheilung über bemerkens8werthe Erschei- nungen auf dem Gebiet der Arbeiter-Woßlfahrtseinrihtungen an die Zeitschriften der betheiligten Vereine und andere Blätter, welhe si< zu diesem Zwe>k zur Verfügung stellen.

_$. 2, Im Anschluß an die Thätigkeit der Centralstelle sollen periodishe Konferenzen von Vertretern der betheiligten Vereine über Fragen, wel<he Arbeiter - Wohlfahrtseinrihtungen betreffen, veranstaltet werden, zu denen auh geeignete Sachverständige zu- gegogen werden können, welche niht den betheiligten Vereinen an- gehören.

$. 3. Die Angelegenheiten der Centralstelle werden von einer Delegirtenversammlung, einem Vorstande und einem Geschäftsführer wahrgenommen.

S. 4. Die Delegirtenversammlung besteht aus Vertretern der unterzeihneten Vereine und derjenigen Vereine, Körperschaften und Behörden, welche später sich betheiligen werden. Jeder von ihnen entsendet einen oder mehrere Delegirte und is zur Abgabe einer Stimme berechtigt, Die Namen der Delegirten sind unter Bezeich- nung derjenigen, wel>e mit der Stimmführung beauftragt sind, dem Vorsitenden des Vorstandes anzuzeigen.

8. 5. Der Rü>tritt betheiligter Vereine, Behörden und Körper-

schaften von der Betheiligung an der Centralstelle findet nur zum Schluß des vom 1. April bis zum 31, März laufenden Geschäfts- jahres statt und muß mindestens drei Monate vorher dem Vorstand angekündigt werden. ___ $. 6. Die Delegirttenversammlung tritt mindestens ein Mal jährlih zusammen. Sie wählt den Vorstand und beschließt über den Etat der Centralstelle, über die Dechargirung des Vorstandes, über etwaige Erweiterungen der Thätigkeit der Centralstele und über sonstige Abänderung der Satzungen. Die Beschlüsse werden mit Stimmenmehrheit gefaßt. An der Beschlußfassung über den Etat und die Dechargirung des Vorstandes nehmen nur diejenigen Vereine, Körperschaften und Behörden Theil, welche zu den Kosten der Central- stelle einen jährlihen Beitrag von 100 4 leisten. Jeder derselben führt hierbet eine Stimme und sofern sein Jahresbeitrag 1000 übersteigt, für jede weiteren 1000 4 eine weitere Stimme.

, 7, Der Vorstand besteht a. aus 8 auf die Dauer eines Jahres zu wählenden Mitgliedern, von denen mindestens 5 Vertreter von Beitrag zahlenden Vereinen oder Körperschaften sein müssen. - Aus 2 von der Staatsregierung ernannten Mitgliedern, sofern und so lange die Staatsregierung zu den Kosten der Centralstelle einen Zuschuß gewährt. Außerdem kann die Staatsregierung Kommissarien

eiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

1891.

ernennen, wel<e mit berathender Stimme an den Verhandlungen des Vorstandes und der Delegirten-Verfammlung theilnehmen. Der Vor- stand wählt für die Dauer seiner Thätigkeit einen Vorsitzenden und zwei stellvertretende Vorsitzende aus seiner Mitte und außerd-m einen Geschäftsführer und einen Kassenführer. Er tritt auf Einladung des Vorsitenden mindestens halbjährlih einmal zusammen. Er ift beschlußfähig, wenn wenigstens 5 Mitglieder anwesend sind. Für den Fall der Stimmengleihheit giebt> die Stimme des Vorsitzenden den ag. Die erste Wahl èes Vorstandes gilt bis zum 1. April

$. 8. Der Vorstand verwaeltet alle Angelegenheiten der Central- stelle, soweit sie niht der Delegirtenversammlung vorbehalten oder dem Geschäftsführer übertragen sind. Insbesondere liegt dem Vor- stande ob: 1) die Aufstellung des Etats und die Prüfung der Jahres- re<nung, 2) die Berufung der Delegirten-Versamwmlung 3) die Zu- lassung neuer Theilnehmer an der Centralstelle, 4) Regelung der Thätigkeit der Centralstelle und Erlaß der Geschäftsanweisung für den Geschäftsführer und den Kassirer, 5) Anstelung der erforderlicben Pülfskräfte, soweit sie niht dem Geschäftsfübrer übertragen ift, 6) Vor- bereitung und Einberufung der im Anschluß an die Centralstelle ein-

7 zuberufenden Konferenzen ($8. 2.)

S. 9, Der Geschäftsführer leitet nah Maßgabe der Ges{äfts- anweisung die Thätigkeit der Centralstelle und zeichnet die von ihr aus- gehenden Schriftstü>ke. Er wohnt den Sißzungen des Vorstandes und der Delegirtenversammlung bei und erstattet dem Vorstande (halb-) jährli einen Bericht über die Thätigkeit der Centralftelle.

_ In den Vorstand wurden dem genannten Blatte zufolge ge- wäßlt : Staatssekretär a. D. Herzog-Berlin für den Centralverein für das Wohl der arbeitenden Klassen; Friß Kalle-Wiesbaden für den Verein zur Förderung des Wohls der Arbeiter „Concordia“ ; General- Sekretär Hiße-M.-Gladbah für den Verein katholisher Arbeitgeber und Arbeilerfreunde „Arbeiterwohl“ ; Kommerz- und Admiralitäts- Rath Dr, Abegg-Berlin für die Gesellshaft für Verbreitung von Volksbildung; Dr. jur. Frowein-Elberfeld für den Bergischen Verein sür Gemeinwohl; Geheimer Kommerzien-Rath Oechelhäuser- Dessau für den Verein Anhaltiniser Arbeitgeber ; Licentiat Pfarrer Weber-M.-Gladba<h für den Gesammtverband der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands; Domkapitular Scäffer-Köln für den katholishen Gesellenverein, Bei der Konstituirung des Vorstandes wurden gewählt zum Vorsißenden Staatssekretär a. D. Herzog, zu stellvertretenden Vorsißenden Kalle und Hitze, zum Geschäftsführer Professor Post, zum Kassenführer Bankter Ludwig Delbrü>k. Das Budget mit ca. 7000 A in Einnahme und Ausgabe wurde ge- nehmigt. Die Centralstelle beginnt baldigst, spätestens am 1. Januar 1892, ihre Tkâtigkeit.

Zur Arbeiterbewegung.

Jn einer Berliner Correspondenz der Münchener „Allg. Ztg.“ wird mitgetheilt, der sozialdemokratischen „Opposition“ jeien bedeutende Mittel zur Verfügung gestellt worden, die es ihr ermöglihen, von Sonntag ab ein eigenes Organ in Berlin unter dem Titel „Sozialdemokrat“ erscheinen zu lassen. Als Redacteur des Organs wird Kampfmeyer, früher Student der Philologie, genannt; gedrudt soll das Blatt von Werner werden, der bereits wieder unter Beihülfe von „Genossen“ eine eigene Drud>erei errichtet.

Ueber die Lohnbewegung unter den deutschen Buchdrucern stellen wir folgende neueren Nachrichten zu- sammen:

Der Lokalaus\{<uß des Bundes der Berliner Buh- dru>ereibesiger erläßt folgende Erklärung: „Gegenüber den falshen, au< in die Presse übergegangenen Nachrichten von ‘Be- willigungen (der Gehülfenforderungen) hiesiger Prinzipale hält es der Lokalauëshuß für scine Pflicht, ausdrü>lih zu erklären, daß von Mitgliedern des Bundes keine Bewilligungen gemacht sind“. Der o sind die Namen sämmtlicher Mitglieder des Bundes an- gefügt.

__ Dem Eintreffen Wiener Setzer am Mittwoch ist der Ber- liner „Volksztg.“ zufolge am folgenden Abend eine weitere Zu- wanderung von 25 österreichishen Dru>ern gefolgt.

Aus München berihtet die „Allg. Ztg.*, daß in einer Ver- sammlung der dortigen Buchdru>kergehülfen über den gegenwärtigen Stand der Bewegung in München bemerkt wurde, sehr viele Gehülfen bâtten si< dem Ausstande nit angeschlossen; die übrigen wurden zum Ausharren ermahnt.

Aus Hannover berichten die Provinzialblätter: Der Bu <- dru>ergehülfen-Ausstand, welcher hier nä<hsten Sonnabend beginnen soll, findet nit bei allen Gehülfen Beifall; jedo< haben wenige den Muth, dem Drängen der zum Einstellen der Arbeit auf- fordernden Genossen zu widerstehen, Da wiederholt versu<ht worden ist, auf die s{wankenden Gehülfen einen Dru>k auszuüben, hat die Pelizei- Direktion auf die bezüglichen Gesetze hingewiesen und die zur Fortseßung der Arbeit geneigten Gehülfen aufgefordert, sih auf den polizeilihen Schutz zu verlassen und jede ungeseßlihe Nöthigung zur Einstellung ‘der Arbeit anzuzeigen.

In Lei pzig wurde der „Lpzg. Ztg.“ zufolge am Donnerstag eine von 500 Personen besuhte Versammlung der in den Dru>ereien beschäftigten Arbeiterinnen und Hülfsarbeiter abgehalten. Nach einem Berichte über den Stand des Buchdrukerstrikes wurde die Höhe der Beiträge festgeseßt, die von den nah Bewilligung der aufgestellten Forderungen weiter beschäftigten Arbeitern und Ar- beiterinnen in die Strikekasse bezahlt werden sollen Es haben dar- nah wöchentli< zu entrihten: die Hülfsarbeiter 50 H, die Aus- legerinnen 29 4, die Anlegerinnen 50 Z und die Punktirerinnen 1 4 Das Anschlagen eines Pl akats, in dem die ausständigen Buch- drucfergehülfen gegen ihre Arbeitgeber an die öffentlihe Meinung appelliren, wurde vom Polizeiamte untersagt.

Aus Charleroi wird der „Köln. Ztg.“ berihtet: Die Arbeiter der Sandsteinbrüche im Samwmbrethale bei Thuin und Lobbes legten wegen Lohnverringerung die Arbeit nieder und erklärten, ni<t eher wieder anfangen zu wollen, bis die früheren Lohne wieder bezahlt würden. Die Arbeitgeber beabsihtigen, Erfaß- mannschaften im Westen des Hennegaues zu werben, und erklären, troy zahlreiher Aufträge gegenwärtig so wenig ¿zu verdienen, daß sie den Forderungen der Ausständigen ni<ht nahkommen könnten.

Aus Verviers wird der „Nordd. Allg. Ztg.“ telegraphisch ge- meldet, daß in einer bedeutenden Gießerei ge|tern unter den Arbeitern, denen der Arbeitgeber den Lohn vermindern wollte, ein Ausstand aus- gebrochen ift. i A

Aus London meldet die „Allg. Corr.“ : Die gegen die Londoner Schuhmachergesellen von den Fabrikanten verfügte Arbeits- sperre fand hon am Mittwoch ihr Ende, nahdem der Gewerkverein der Schuhmacher den Beschluß gefaßt hatte, daß in keiner Fabrik die Arbeit niedergelegt werden dürfe, wenn niht das Versöhnungs- und Sciedsgerichtsamt seine Zustimmung ertheilt habe. Geschähe es denno, so würden die betreffenden Arbeiter aus dem Gewerkverein ausgestoßen werden. Diese und ähnlihe Beschlüsse stimmten den Verein der Pa um und machten ihn dazu geneigt, die Arbeits- sperre aufzuheben. (Vgl. Nr. 261 d. Bl)

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