1891 / 273 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Der „New-York Herald“ vom 17. d. M. veröffentlicht über die Vorgänge in Brasilien das nachstehende Telegramm seines Korrespondenten in Valparaiso:

„Aus Rio de Janeiro wird gemeldet, daß Mars<all Deodoro da Fonseca alle Kabeltelegramme unterdrü>t, welhe auf die Revo- lution Bezug baben. Von Buenos Aires kommt die Kunde, daß eine Anzahl Offiziere der uruguays{hen Armee sih den Insurgenten in Rio Grande do Sul anges<hlossen haben. Der Posten als Oberstkommandirender wurde dem General Afftrojello angeboten, welher über den Vorshlag no< niht s{lüsig ge- worden ist. Die Insurgenten in Porto Alegre riefen Senhor Barrelto Liete zu ihrem Gouverneur aus. Die Rebíllen haben in Santa Anna das Zollhaus erobert und auf die Zölle Bef<laa gelegt. Der Bericht über die Beseßung vo1a Itaqui beftätizt sich. Die 300 Mann starke Garnison will si< jedo< ni<t ergeben und hat in dem Arsenal Zuflucht gesu<t. Der Commandeur des Uruguay - Fluß- ges<waders erklärt, daß er nur die Regierung von Rio de Janeiro an erkennt und daß seine Schiffe die Stadt bombardiren sollen, wenn die Insurgenten niht die Waffen niederlegen. Im Staat Rio Grande Herrs<t die wildeste Anarchie. Dr. Brazil lehnte den ihm angebotenen Vorsiß in der Junta ab. Der Vicomte Pelotas hat Unterhand- lungen mit dem Diktator eröffnet und gegenseitige Zugeständnisse als geeignetes Mittel zur Beilegung der jeßigen Wirren _vorgesdlagen, Der Vicomte wurde bierzu unzweifelhaft dur die Thatsache bewogen, daß die Truppen si bis jeßt der revolutionären Bewegung noh ni<ht anges{<lossen haben.“ ; Ï

Der Londoner „Times“ wird aus Santiago u. d. 16. November gemeldet :

Aus Rio Grande gelangen fortwährend einander widersprechende Telegramme hier an, von denen einige berihten, daß die Flotte zu den Insurgenten übergegangen ist, während andere wieder melden, daß die Flotte das von dec Opposition bedrohte Jtaqui vertheidigt. Ein Bli auf die Karte dürfte dea \{<heinbaren Widerspruch der Telegramme lösen, Es handelt si< wahrscheinli<h um zwei Geschwader, von denen das bei Porto Alegre befindlihe gemeinshastlive Sache mit den Rebellen gema<t hat, während das andere im Uruguay-Fluß dem Diktator treu geblieben ist. An der Grenze von Uruguay sind Rebellentruppen unter dem Kommando von General Osorio ein- getroffen. Die Orpositionsjunta ift unter si< uneins und es \ceint, als ob Monarchisten und Republikaner, welwe der Widerstand gegen den Staatsstreih Fonseca's vereinigte, si<, was die endeültige Löjung der Wirren anbetrifft, mit glcihem Argwohn gegenüberstehcn.

Parlamentarische Nachrichten.

Jn der heutigen (121.) Sigzung des Reichstages, welcher der Staatssekretär Dr. von Boetticher beiwohnte, wurde zunächst an Stelle des aus dem Amte geschiedenen Abg. Freiherrn von Buol-Berenberg auf Vorschlag des Abg. Dieden der Abg. Krebs dur< Akklamation zum Schrift- führer gewählt.

Darauf begann das Haus die zweite Berathung des Ent- wurfs eines Geseßzes über die Abänderung des Geseßes, be- treffend die Krankenversiherung der Arbeiter, vom 15. Juni 1883, auf Grund des in Nr. 82 des „R. u. St.: A.“ auszugsweise mitgetheilten Berichts der X11. Kommission. Berichterstatter ist der Abg. Merbach. Zu $. 1, der die dem Versicherung2zwang unterliegenden Personen aufführt, find

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Wetterbericht vom 19. November,

Morgens 8 Uhr. - ———— And G UBE

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G S I T I : S I O E C O5 A T LIS M C S L C I E T O INRTNAS 5” C5 7 P C N A O T L P E I E E A E

in 1 Vorspiel und 5 Aufzügen von Friedrich v. Schiller. Cs fe e et S) ub . : ; . & : r c

In Scene gesezt vom Ober-Regisseur Max Grube. | rg, Freitag: Dr. Jojo. Schwank in 3 Akten | 74 Uhr: Große Komiker-Vorstelluna. Auftreten der

Deuts von

Sonnabend: Opernhaus. 242, Vorstellung. Car- | Negie: Emil Lessing, Vorher:

Abänderungsanträge von den Abgg. von Strombe>, Dr. Hirsch, Goldschmidt, Eberty und Auer eingebracht. Abg. Goldschmidt befürwortete seinen Antrag, das

Handelsgewerbe aus dem Geseg herauszulassen.

Staatssekretär Dr. von Boetticher seßte die Gründe auseinander, aus denen die Regierung die Ausdehnung des Krankenversiherungszwanges auf die Handlungs- gehülfen vorgeschlagen habe. Angeregt sei diese Ausdehnung dur< die Handlungsgehülfen selbst. Daß diese gleihhfalls der staatlihen Fürsorge bedürsten, habe bereits das Alters- und Jnvaliditäts-Versiherungsgesez anerkannt. Es handle si< darum, Noth und Elend in diesem Stande au< auf dem Wege des Versicherungszwanges zu ver- mindern. Das sei ledigli<h eine Bedürfnißsrage. Was dem Einen recht sei, sei dem Anderen billig. Die Selbsihülfe werde dur die Vorlage niht beeinträchtigt; nur müßten die freien Kassen mindestens ebensoviel leisten wie die Zwang3- fassen. Der Reichstag werde ein gutes Werk thun, wenn er die Vorlage annehme. :

Abg. von Strombe> begründete seinen im Jnteresse der Uebersichtlihkeit des Gesetzes gestellten Antrag und empfahl dessen Annahme. ;

Abg. Bruhns nahm bei Schluß des Blattes das Wort zur Begründung des Antrags Auer.

Der gestern erwähnte Entwurf eines Gesetzes, betreffend A Zusatz zu Artikel 31 der Reichsverfassung, autct:

Dem Art. 31 der Reichsverfassung wird folgender vierter Absatz hinzugefügt: Auf die Zeit einer Vertagung des Reichstages, welhe die Frist von dreißig Tagen übersteigt, finden die vorstehenden Be- stimmungen keine Anwendung.

Jn der Begründung wird ausgeführt :

Die Frage, ob die Bestimmungen im Artikel 31 der Reichs- verfassung au< für Fälle der Vertagung des Reichstages auf längere als dreißigtägige Dauer (Artikel 26) Geltung haben, wiro von den Gerihten verschieden beantwortet, und es maht ih dies als ein Mifstand füblbar, der zur Abhülfe drängt. Dazu bedarf es eines Eingreifens der Geseßgebung. Mögen nun auch derjenigen Auslegung des béstéhenden R-<ts, wel>e die Immunitätsbestimmungen für jegliche Vertagung ohne Rüfsicht auf deren Dauer in Anspruch nimmt, beactens- werthe Gründe zur Seite stehen, so läßt sih do@ nit verkennen, daß eine so weit reihende Immunität weder ein Bedürfniß no< au< un- bedenklich ist. Die Immunität der Abgeordneten bezwe>t die Sicher- stellung der Geschäfte des Reichstages und ist dethalb nit für die ganze Legislaturperiode, sondern nur für die Dauer der Sessionen, d. h. für dicjenige Zeit vorgesehen. in der der Reichstag thätiz ift. Es macht keinen Unterschied, ob die Einstellung der Thätigkeit des Reichs!ages auf einer Schließung oder ob sie auf einer Ber- tagung der Session beruht. Dazu kommt, daß die Immunität während der Vertaaung cine ganz andere Bedeutung gewinrt, als während der Sizungszeit. Die in ihr liegende Kollision versHiedener öffentlicher Interessen soll ihr Korrektiv darin finden, daß der Reichstag, wo na< Lage des Falles sein Interesse an der Mitwirkung seiner Mitglieder hinter dem Interesse an der Verfol- gung einer Strafthat zurücksteht, dur Ertheilung der Genehmigung zur Verfolgung die Immunität aufheben kann. Im Falle der Bertagung aber versagt dieses Korrektiv, und die Jmmunität

von Albert Carré,

Residenz-Theater. Dircktion : Sigmund Lauten-

gestaltet fi< zu einer unbedingten, denn eine Zusammen- berufung des Meichétages lediglih zu dem Zwecke, damit er über die Genebmigung einer Strafverfolgung beschließe, fann wohl niht in Frage kommen. Die Immunität verliert bierdurch ihren eigentlichen Charakter als Privilegium des Reichstages und ver- ändert fich zu einem persönlihen Privilegium der Abgeordneten. Dies ist in hohem Grade bedenkiih. Es sei nur darauf hingewiesen, taß selbst die \{<wersten Verbrechen und Vergehen, wenn sie durH die Presse begangen werden, einer nur se<hsmonatigen Verjöhrang unterliegen, daß diese Verjährung läuft, au< wenn das Siraf- verfahren dur< Artikel 31 der Verfassung gehindert ift, und daß diese Verfassungsbestimmung es nicht einmal zuläßt, dur< ricterliwe Handlungen die Verjährung zu unterbrehen, sowie daß au bei anderen als Prefdelikten die Sicherung der Beweise ausges: ossen oder gefährdet ift.

JShre prattishe Bedeutung haben diese Bedenken zum Theil erst dur die Gesetzgebung gewonnen, wie sie na< der Errichtuag der Verfassung si entwi>elt hat. Aber auch hiervon abgesehen, glauben die verbündeten Regierungen, daß es ni<ht im Sinne des Reich3- tages liegt, für seine Mitglieder die Immunität in einer Ausdebnuang. zu beanspruchen, in ver sie kein Bedürfniß ist und in anderen Ver- fafsungsstaaten ni<t besteht.

Die konfervative Fraktion des Reihstages hat si in ibrer gestrigen Sißung mik der Frage beshäftigt, was hinfichtlih der jüngsten bedenkliwen Vorgänge im Bankwesen Seitens der Fraks tion im Reichstage ¡u geschehen habe. Man war einstimmig der An- sit, daß es nothwendig sei, an die verbündeten Regierungen das Er- suchen zu richten, no< în gegenwärtiger Session eine Geseze8vorlage dem Reichstage zu unterbreiten, in welher der Geshäftsverkehr an der Börse der staatli<hen Aufsi<t unterstellt und Bestimmungen auf strafre<tlitem Gebiei und in der Richtung des Bürgerlichen Geseßbuchs g?trofen werden, um dem unsolidea Zeitgeshäft entgegenzutreten, Db der Weg einer Interpellation oder eines Fnitiativantrages gewähit werden wird, die Entschci- dung darüber ist no< niät getroffen worden.

Nach SG&luß der Redaktion eingegangene Depeschen.

Königsberg i. P., 19. November. (W. T. B.) Bei der gestrigen Reichstags-Ersaßwahl im Wahlkreise Nastenburg-Gerdauen- Friedland sind bis jeßt für-den fonservativen Kandidaten Ober-Präsidenten Grafen Stolberg 5242, für den freisinnigen Kandidaten Papendie> 4767, für den Sozialisten Lorenz 389 Stimmen gezählt.

München, 19. November. (W. T. B.) Der Prinz- Regent hat den Fürsten Karl von Fugger-Baben- hausen zum Präsidenten der Kammer der Reichsräthe ernannt.

Stuttgart, 19. November, (W. T. B.) Der russische Minister des Auswärtigen von Giers empfing gestern Vor- nittag die Besuche einiger ihm persönlich befreundeten Per- sonen und begab si< Nahmittags nah Marienwahl und Ludwigsburg, um dem König und der Königin einen Besu<h abzustatten. Abends folgte der Minister einer Ein- ladung des russishen Gesandten, Barons Frederi>s zum Thee, Heute früh 1st Herr von Giers mit dem Orientzuge nah Paris abgereist.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

C S S C E V T T E T G T T E F E I D E C E O E IEE I T I I

Circus Renz. Karlstraße. Freitag, Abends

Karl Lindau. | Ciowns C. Godlewéky, Paul und Williams, 3 Ge- Sprec<stunde | brüder Briatore, Gebrüder Dianta, Gebrüder Krone-

Bar. auf 0 Gr. u. d. Meeressp. 2 red. in Millim

| Wind.

Stationen. Wetter. |

| | l

|

7\wolkig 3 wolkig 1 Hegen 2 beded>t 2 beded>t 1 heiter

3\bede>t

in 9 Celsius

N {G =4R

Temperatur

Ca

Mullaghmore | 748 Aberdeen .. | 751 Kopenhagen . | 766 Stockholm . | 765 Haparanda . | 766 St.Petersburg! 770 Moskau... | 763

e 757 6/halb bed. | 762 4 halb bed.

762 3\wolkta

761 1 Nebel

764 1|Nebel

Swinemünde | 767 4 bededt

Neufahrwasser 767 2|5ede>t

Memel .…. | 769 3'Regen Paris. [767 2\Niebel | Münster .. | 764 SW 4 bede>t | Karlsruhe. . | 768 still/wolkig | Wiesbaden . | 768 \till\bedelt | München .. | 770 3\halb bed | | |

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Chemniy .. | 768 2 bedeckt Bi. -} TOT 2 béded>t r E, 1 \bede>t Brédblau. .. |__769 2\bededt | Ile d’'Aix . | 764 O P2wolkenlos | D L TgO0 2 halb bed. | Drit ¿. c 770 still\heiter |

Nebersiht der Witterung.

Die Depression, welhe gestern westlih von Ir- land lag, ist nordostwärts na< den Hebriden fort- geschritten und veranlaßt über den britischen Inseln vielfah starke Südwestwinde. Am böchsten ist der Luftdru> über Oesterreich und der Alpengegend. In Deutschland dauert das milde, vorwiegend trübe Wetter allenthalben fort ; vielfa< ist Regen gefallen ; die Temperatur liegt in den- westlihen Gebiets- theilen bis zu 8 Grad über dem Viittelwerthe, Im nördlihen Rußland herrs{<t stcenge Kälte.

Deutsche Seewarte.

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S GOICO Ga R O Ss N D

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Ca S O S E Theater-Anzeigen.

Königliche Schauspiele. Freitag: Opern- haus. 241. Vorstellung. Cavalleria rausti- cana (Baueru-Ehre). Oper in 1 Aufzug, na< dem gleichnamigen Volksstü> von Verga. Musik pon Pietro Maseagni. In Scene geseßt vom Ober- Regisseur Teylaff. Dirigent: Kapellmeister Wein- gartner. Vorher: Doktor und Apotheker. Ko- mis<he Oper in 2 Akten von Carl “Ditters von Dittersdorf. Text na< dem Franmösif<en von Stephani. Ja Scene gesezt vom Ober-Regisseur Tas. Dirigent: Kapellmeister Kahl. Anfang

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Schauspielhaus. 252. Vorstellung. Die Jung-

frau von Orleans. Eine romantishe Tragödie

von Henry Meilhac und Ludovic Halévy, na einer Novelle des Prosper Mérimée. Tanz von Emil Graeb. In Scene gesetzt vom Ober- Regisseur Teß- laff. Dirigent: Kapell meister Weingartner, AÄn- fang 7 Ubr.

Schauspielhaus. 253. Vorstellung. Der kommende Tag. Schauspiel in 4 Aufzügea von Hugo Lubliner. In Scene geseßt vom Ober-Regisseur Max Grube. Anfang 7 Ubr.

Deutsches Theater. Freitag: Goethe-Cyclus. 1V, Abend. Zum 1, Male: Torquato Tasso. Ein Schauspiel in 5 Aufzügen. Sonnabend: Der Pfarrer von Kirchfeld. Sonñtag (außerhalb des Aktonnements): Stella. Hierauf: Clavigo.

Berliner Theater. Freitag: 12. Abonn.-Vorst. Ninmbdie Seiner Durchlaucht. Anfang r. Sonnabend : Esther. Der Geizige. Sonntag: Nachmittags 24 Uhr: Der Hütten- befißer. Abends 7} Uhr: Hamlet.

Lessing =- Theater. Freitag: Satisfaktiou. Stwauspiel in 4 Akten von Alexander Baron von Roberts. Anfana 7 Uhr.

Sonnabend: Die Grofßstadtluft. S{wank in f Akten von Oscar Blumenthal und Gustav Kadel- ura.

Sonntag: Satisfaktion. Swausviel in 4 Alten von Alexanter Baron von Roberts.

Wallner-Theater, FSreitag: Zum 4. Male: Jmmer zerstreut! Pofse in 3 Akten von BVarrière und Gondinet. Neu' bearbeitet von Franz Wallner Vorher, zum 4. Male: Nur drei Worte. Lustspiel in 1 Akt von Leopold Atler. Anfana 74 Uhr.

Sonnabend u. die folg. Tage: Dieselbe Vorstellung.

Friedrich - Wilhelmstädtishes Theater. Freitag: Mit neuer Ausftattung und verstärkten Orchester: Zum 19. Male: Die Basoche. Komise Oper in 3 Akten von Carré. Deutsh von R. Genée, Mußfik von André Messager. In Scene geseßt von Julius Frißshe. Dirigent : Kapellmeister Federmann. Anfang 7+ Uhr.

Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. j

Donnerstag, 26. November : Mit neuer Ausstattung: Zum 1. Male: Polnische Wirthschaft. Operetie in 3 Akten von H. West und Rich. Genée. Musik

von Hermann Lumpe (Komponist d:8 „Farinelli“). Für das Friedrich - Wilhelmsftädtishe Theater be- arbeitet von Louis Herrmann. In Scene gefeßt von Jul. Frißshe. Dirigent: Kapellmeister Federmc nn. Die ersten zwei Akte spielen in der Starostei Horodin an der polnishen Grenze, der dritte Akt zu Karlsbad in Böhmen, Zeit: 1712. Die Dekorationen aus dem Atelier Falk. Die ncuen Kostüme vom Garterobe-

Inspektor Venzky.

Lustspiel in 1 Aft von Abraham Dreyfuß. Deuts von Schelher. Anfang 7F Uhr. Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. / Dienstag, 22. November: Einmalige Aufführung von: Die arme Löwin. Scau'piel in 5 Akten von Emile Augier.

Belle-Alliance-Theater. Freitag: Zum 113. Male: Mit durhweg neuer glänzender Aus- stattung von Dekorationen, Kostumen, Ballets, Waffen, Requisiter, Beleuhtungseffekten 2c. Jung- Deutschlend zur See. Großes Ausftattunas-Zeîit- bild mit Gesang und Tanz in 4 Akten (6 Bildern) von Ernft Niedt. Musik vom Kapellmeister G. R. Kruse. Anfang 7$ Ubr.

Sonnabend: Jung: Deutschland zur See.

Nachmittags 34 Uhr: Auf vielseitiges Verlangen: Kinder-Vörstellung ¿u bedeutend ermäßiaten Preisen, Die Heinzelmänuchen. Märchen - Komädie mit Ge‘ang und Tanz. S

Vorverkauf von heute ab an der Tageskaste.

Adolph Ernst-Theater. Freitzg: Zum 81. Male: Der große Prophet. Gesancsyofse in 4 Akten von Leon Treptow. Couplets von Gustav

¿rfß, Musik von Gustav Steffens. Mit voll- ständig neuen Kosiümen, Die neuen Dekorationen sind aus dem Atelier der Herren Wagner und Bukacz. In Scene gesezt con Adolph Ernft Anfang 7{ Uhr.

Sonnakend: Dieselbe Vorstellung.

Thomas-Theater. Alie Jakobstraße 830. Direktion: Emil Thomas. Sensationserfolg dieser Saison. Freitag: Zum 15. Male: Der Kuust- Bacillus. Novität! Poffe in 4 Akten von Nudolf Kneisel. In Scene geseßt vom Ober- Regisseur Adolf Kurz. (Igelfis6: Emil Thomas.) Anfang 7F Uhr.

Sonnabend: Dieselbe Vorstellung.

Concerte.

Sing - Akademie. Freitag, Anfang 8 Uhr: Concert von Alfred Sormann mit dem Phil- harmonishen Orchester.

Concert-Haus. Freitag: Karl Meyder-Goncert, II. Strauß-Suppé-Millô>er-Offenbah-Aben>d. An- fang 7 Uhr. :

Neu! Richard Wagner - Saal, Neu!

Urania, Anftalt für volksthümlice Naturkunde. Aa Landes - Ausstellurgs - Park (Lehrter Bahnhof). Geöffnet von 12=—11 Uhr. Läglich Vorftellung im m gebaltliGes Theater, Näheres die Anschlag? jet:el,

mea. Oper in 4 Aïten von Georges Bizet. Text | von 1 bis 3 Uhr Nachmittags (de 1h. à 3). | mann, S. Warne, Adolf und Alfred Delbosg,-

Veldemann und Rose, Herrmann, Misco 2c. in ihren komishen Ent:ées und Intermezzos. Außer=- dem: Eine Vergnügungsfahrt nit versciedenen Hin- dernissen, originelle, höchst komishe Scene von der neu engagirten The Eltons:Troupe (5 Perfonen), Horaz und Merkur, zusammen vorgeführt von Herrn Ernst Renz (Eakel). Coriolan, geritten von Frl. Oceana Renz. Auftreten der wrorzügliiten. Künstlerinn-n u, Künfilcr. Zum Schluß der Vor- stellung: „Auf Helgoland, oder: Ebve und Fluth“, große bydrologis<e Ausstattungs - Pantomime in F Abtheilungen mit Nationa!-Tänzen (60 Damen), Aufzügen 2c., Dampfschisj- und Bootfahrten, Wasser- fällen, Riesenfontänen mit allerlei Lichteffekten 2c., arrangirt und inscenirt vom Dir. E. Renz. Kunste \{<wimmerinnen drei Geschwistec Jobnson. Schluß- Tableau: Grande Fontaine Lumineuse, MRiesene Fontaine, in einer Höhe von mehr denn 80 Fuß ausstrablend.

Täglich: „Auf Helgoland“.

Sonntag (Todtenfest): Abends Uhr nur eine Vorstellung.

Familien-Nachrichten.

Verlobt: Frl. Fried<hen Boerger mit Hrn- Pfarrer Friedrih Wemper (Hattingen—Anbavusen bei Neuwicd). Frl. Alexandra ron Collrepp mit Hrn. Hauptmann Erih Frhr. von Hausen (Dresden)

Vereheliht: Hr. Lieut. Mortimer Frhr. - von Malgahn mit Anna Gräfin von- dec Schulenburg (Beeuzendorf). Hr. Hans Frhr. von E>ardstein mit Frl. Ella von Leonhardi (Berlin).

Geboren: Eine Tochter: Hrn. Major Ernft ven Scheele (Harnover), Hrn. Haupimann Johannes Frkbrn. von Forstner (Berlin). Hrn. Postor Hubert Barcewiy (Vielguth“ bei Bern- stadt i S<l.), Hrn. Gymnafiallehrer Dr. Schneider (Glaß). Hrn. Karl von Arnim (Profsen).

Gestorben: Hr. Rittergutsbesißer Lothar Herold-

(Rittergut Swlettmin). Fr. Amtérath Pauline Hagen, geb Tiede (Sobbowit). Verw. Fr. Bergrath Julie Voigtel, geb. S>wmid (Hettstedt). Hr. Superintendent a. D. Wilbelm Voigt (Zahna). Frl. Anna: von Holstein (Schwerin i. M). Hr. Justiz-Rath Ernst (Briea): Verw. Fr. Aior Ottilie Lange, geb. Hirs (Liedniß bei Brieg). Hr Telegraphen- Direktor a. D. Otto Bißthum von E>kstaedt ( Dresden). Hr. Hans Carl von Tkielau aus dem Hause Lampertswalde (Dresden)

Redacteur: Dr. H. Klee, Direktor.

Berlin: Verlag der Expedition (S<olz).

Dru> der Norddeutschen Buchdru>erei und Verla Anstalt, Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32. id

Sechs Beilagen (eins{licßliß Börsen - Beilage).

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staais-Anzeiger.

M 273.

Königreich Preußen.

Königliche Landwirthshaftlihe Hohshule zu Berlin, Invalidenstraße 42,

Unterrichtscurse für prafkftis<he Landwirthe.

1892.

Die Curse beginnen am Montag, den 8. Februar, und endigen mit Sonnabend, den 13, Februar 1892. Theilnehmer baben gegen Zablung des Honorars Karten für die zu hôrenden Vor- träge zu lösen, die den betreffenden Docenten vorzuzeigen find. Es ift gestattet, die erste Stunde zu hospitiren, zur Theilnahme an der zweiten und den folgenden Stunden ist dagegen die vorherige Lösung einer Karte erforderlich.

Folgende Vorträge werden stattfinden:

1? Landwirthschaft, Gartenbau: Professor Dr. Lehmann: Die Fütterung der Mastthiere. Vom 8. bis 13. Februar 12--1 Ubr. Zimmer 33. Honorar 10 (6 Profefsor Dr. Orth: Neuere Er- fahrungen über Düngung, Vom s. bis 13. Februar 11— 12 Uhr. Auditorium 11. Honorar 6 4 Professor Dr, Werner: Die Mirthschaftseinribtung nah Maßgabe der veränderten volkswirth- \{astlihen und naturwissenshaftlihen Gesichtspunkte. Vom s. bis 13. Februar 10—11 Uhr. Zimmer 33. Honorar 9 4 Derselbe: Lehre des Körperbaues vom Rinde mit praktischen Demonstrationen. Vom 8. bis 11. Februar 2—3 Uhr. Zimmer 33. Honorar 6 4 Geheimer Regierungs-Natk, Professor Dr. Wittma>k: Züchtung der Kulturpflanzen, Am 11. und 12. Februar 4—6 Uhr. Zimmer 33. Honorar 6 #4 Garter-Insp:ktor Lindemuth: Ueber Obstbau auf Landgütern. Vom 8. bis 13, Februar von 3—4 Uhr. Zimmer 33, Honorar 9 4 Dr. C. Weigelt: Weinbau, Kellerwirthschaft, Weinbereitung. Vom 8, bis 10. Februar 4—6 Uhr. Zimmer 33, Honorar 9 #4 Ingenieur, Geheimer Re>nung2-Rath Schotte: Ücber Beurtheilung lantwirtbschaftliher Maschinen im_All- gemeinen unter besonderer Berücksichtigung der erforderlihen Suß- vorritungen Am 12. und 13, Februar 1-3 Uhr. Auditorium VI. Honorar 6 #4 Meliorations-Bauinfpektor Serhardt : Die Kultur der Grünlands-Moore. Vom 8, bis 19, Februar 2—3 Uhr. ÄAuditorum Il. Honorar 4,90 A.

29) Naturwissenschaften. a Botanik und Pflanzen- physiologie: Professor Dr. Franë: Ueber Stickstofferwerbung dur Gründüngungspflanzen. Vom 8, bis 12. Februar 9—10 Ukt, Zimmer 33. Honorar 7,50 4 b, Bodenkunde: Professor Dr. Sruner: Das Aufsuhen von Mergel und Kalk im rord- deuishen Fladlande. Am 8. und 9. Februar 9—10 Uhr. Mineralo- gis@es Instituz. Honorar 3 A Derselbe; Die hauptsäwlichsten Bodenarten Norddeutshlands und ihre rationellste Kultur. Vom 10, bis 13. Februar 9— 10 Uhr. Mineralogis{es Jastitut. Honorar 6 M c. Zoologie, Thierphysiologie und Thierheilkunde: Professor Dr. Nehring: Ueber die Aitersbestimmung der Schweine auf Grund des Zahnwech'els. Am 8. und 9. Febrvar 12—1 Uhr. Auditorium P. Honorar 3 46 Professor Dr. Zung: Ernährung der Arbeitsthiere. Im 9, und 10. Februar 4—6 Uhr. Auditorium VI. Honorar 6 A -— Roßarzt Dr, Hagemann: Die S<hädigung der Landwirth\{aft dur die Maul- und Klauecnseuhe und die Mittel zu ihrer Verhütung. Am 8. Februar 4—6 Uhr. Auditorium Il. Honorar 3

3) Volkswirthschaft. Vrofessor Dr. Sering: Die Ent- völkerung der öostlihen Provinzen und die ländlihe Arbeiterfrage. Bom 8. bis 11, Februar 1—2 Ußr. Auditorium I, Honorar 6

Meldungen nimmt entgegen sowie Auskunft ertheilt der Rechnungs-Rath Müller im Sekretariat der Landwirthscaftlic<hen Howschule, Berlin N, Invalidenstraße 42, bei dem au< die Theil- nehmerkarten zu lösen sind.

Berlin, den 14. November 1891. S ;

Der Rektor der Sa e Hochschule.

. Kny.

Dritte ordentliche Generalsynode.

Im weiteren Verfolge der gestrigen (7.) Plenarsitzung gelangte der Antrag des Syn. Pfeiffer, betreffend die Anregung und Organisirung der vorhandenen geistli<hen Kräfte zu intensiverer Arbeit dur< die General-Superintendentea und Suptr- intendenten, zur Berathung.

Der Antrag, dessen Verweisung an die Kommission für die Gesäftsordnung und Verfassungsfragen der Meferent in längerer Darlegung empfiehlt, hat folgenden Wortlaut: „Hohwürdige General- synod? wolle bes(ließen: In der Erwägung, daß viele unserér evan- gelisen Landeskirche amtlid zu Gebote stehenden geiftlihen Kräfte für Hebung des wristlien Volkslebtens, sowie für die Bekämpfung der religiösen, sittliben und sozialen Nothstände des Gemeinde- [lebens niht in entspreender Weise Verwendung finden —, ersuWt die Generalsynode den Evangelischen Ober-Kirchenrath, na<h- drü>li< dahin wirken zu wollen, daß den General-Superintendenten und Superintendenten der cyangelisWen Landeskirhe die Möglichkeit ges<hasfffen werde, die dieser Kirche zu Gebote stchenden geistlichen Kräfte zu intensiverer Arbeit persönli anregen und zu geordneter Arbeit amtli< organisiren zu können. Zu diesem Zwecke beantragt General- \ynode : 1) daß die General-Superintendenten in den Konsistorien nicht mit denienigen Amtsgeschäften belafiet werden, welche von den geist- lien Räthen genannter Behörden zu bearbeiten sind; 2) daß die er- forderlic;zen Mittel bereit gestellt werden, damit die General- Superintendenten regelmäßige amtlihe Konferenzen mit den Ephoren ibres Sprengels halten können; 3) daß den Superintendenten die erforderlichen Mittel gewährt werden, zur Auéführung der im Ephoral- amte erforderlihen Arbeiten eine Screibhülfe zu halten.“

Nacdem auf Vorschlag des Synodalen von Kleist-Nehow der auf die Flüssigmahung von zur Durchführung der vorges<lagenen Maßnahmen erforderlihen Mitteln abzielende Passus an die Finanz- Kommission, der übrige Theil des Antrages aber an die Kommission für die Geschäftsordnung und Verfassungs- fragen verwiesen worden, folgte die Berathung des An- trages des Synodalen Schott, betreffend die Erstattung eines Berichts Seitens des Evangelischen Ober-Kirhenraths an die zu- fammentretenide Generalsynode über den Fortgang des religiôós- sittlihen Lebens in der Landeékirhe; der von dem Referenten ¿ur Annabme empfchlene Antrag lautet: Ho&würdige Generalsynode wolle beschließen : an den Evangelishen Ober-Kirchenrath das Ersuchen zu riéten, der Generalsynode beim Zusammentritt ihrer ordentlichen Versammlungen jedes Mal cinen Bericht Über den Fortgang des religiös-sittlißen Lebens in der Landeskirche zugehen zu lassen.

Der Präsident des Evangelishen Ober-Kirhenraths Dr. Bar k- Hausen äußerte gegen den Modus der hier geforderten Bericht- erstattung, der zu einer Wiedergabe der Kreissynodalverhandlungen führen me wel<e zweifellos ihr Mißliches haben würde, auf Zwek- mäßigkeitsgründen beruhende Bedenken, welhe den Referenten ver- anlaffen, seinen Antraz zurü>zuzichen.

D of el ff E, ui der Fuiras e Aa . , D en e u U Lie Fep Tal ths Di 8gabe un erôffen ng

Berlin, Donnerstag, den 19, November

Na@&dem der Kommissar des Evangelis<hen Ober-Kirenraths D. Freiherr von der Golß unter E:örterung der entsprehenden Einzelheiten auseinandergeseßt, daß die ganze Angelegenheit ihrem Abs(lusse nahe sei und sodann zum Schlusse seiner Ausführungen betont batte, daß die Lösung der Frage, ob es gelingen werde, dem betreffenden Texte die Bedeutung eines allgemein benußten Textes für fämmtliwe evangelishen Landeskirhen Deutschlands zu vershaffen, noG ia weitem Felde stehe, wurde der Antrag für erledigt erklärt, da die Syncde si< zu der Arsiht bekannte, daß mit den gegenwärtigen Aus- führungen des Herrn Kommissars des Evangelishen Ober-Kirchen- raths dem Antrage des Synodalen D. Hegel, den Evangelischen Ober-Kirchenrath um Auskunft über die Lage der Herausgabe und Veröffentlihung der revidirten Bibel und über die Stellung des Kircenregimentes zur Einführung derselben in den Gebrauch der E Gemeinden der Landetkirhe zu ersuhen, Genüge ge

chen fei.

Darauf ging die Synode zur Berathung eines Antrages des Synodalen Fab er, betreffend die Offenhaltung der Kirchen in den größerenStädten außerhalb desGottesdienstes, über; der Antrag des Referenten ging dahin, zu beschließen, den Gemeinde-Kirchenräthen der größeren Städte zu empfehlen, die Kirchen zu bestimmten Stunden täglih ofen zu halten und dadurch die Mögli@keit zu stiller Sammlung und Gebetseinkehr einem großen Theile unseres Volkcs darzubieten.

Diesen Antrag cianete < tie Synode mit dem von dem Sha, Grafen Rothkir<-Trach eingebrachten Amendement an, die ge- \perrt gedru>ten Worte zu streicen, um sodann in die zweite Be- rathung des Entwurfs eines Kirchengesetzes, betr. Verlegung des Buße und Bettages, cinzutreten, wel<he eine erneute lebhafte Debatte veranlaßte.

Na kurzer Befürwortung der Vorlage Seitens des Synodalen Trümpelmann brate Synodale Freiherr von der Re> einen Gegenanirag ein, in welßem die Generalfynode unter eingehender Motivirung ersu@t wird. den Bes>luß zu fassen, den vorgelegten G-csezentwurf abzulehnen und an das hohe Kircchenregiment die Aufforderung zu richten, mit den übrigen deutschen Kirchexregterungen einen auf cinen Sonntag zu legenden allgemeinen deutsHen Buß- und Vettag zu vereinbaren, daneben aber den jeßigen Landesbußtag so lange bestehen zu lassen, bis etwa künftig zwingende Gründe für seine B: seitigung hervortreten,

Der Präsident des Evargelishen Ober-Kirchenraths Dr. Ba rk- bausen belämpfte sebr entschieden unter erneuter Hervorkehrung der im Laufe der ersten Berathung wiedertolt zur Geltung gebra<ten gewihtigen Gründe, wel%e unbedingt für die Genehmigung der gegenwärtigen Vorlage sprächen, den von dem Syno- dalen Freiherra von der Re> vertretenen Standpunkt und gah seiner festen Ueberzeugung dahin Ausdru>, daß, wenn die Vorlage des Ober-Kircenraths in dieser Synodalperiode ni@t zur Annahme gelange, die hier gewährleistete Ausficht auf das Zustandekommen einer auf vie Gewinnung eines nationalen deutschen Bußtages gerichteten Vereinbarung zwischen sämmtlichen betheiligten Landesfirhen als für alle Zeiten geshwunden erahtet werden könne. (Beifall)

Nabdem diese Metnungtäuferung des Herrn Präsidenten des Evangelischen Ober-Kircenraths vem Syn. D. Schulße Ver- anlassung zu der Erklärung gegeben, daß er unter prinzipieller Auf- rehterhaltung seines gegneri\{<hen Standpunktes nunmehr aus Opportunitätsgründen für die Vorlage stimmen werde, brahte Syn. D. Erdmann ten bereits bei der ersten Berathung abgelehnten An- trag, für den Fall des Zustandekommens eines allgemeinen deuts<en Bußtages den alten preußis<hen Buftag beizubehalten, von Nate

Das Endergebniß der zweiten Berathung des Entwurfs war die in namentli<er Abstimmung erfolgende definitive An- nabme desselben mit 144 gegen 33 Stimmen. Das son in der ersten Berathung genelömigte Amendement Stöcker, daß die Ver- legung des Bußages erst zur praktishen Ausführung gebra<ht werden möge, na<dem zuvor wenigstens im Wesentlien eine Verständigung mit den norddeutschen Landeskirhen erzielt worden, gelangte zu er neuter Annahme, während de: Antrag Erdmann von Neuem ab- gelehnt wurde.

Schließlich überwies die Synode einen Antrag des Synodalen D, Sc<midt- Breslau betr. Einräumung des Rechts an die theolo- gis<hen Prüfung8kommissicnen, Kandidaten, die bezüglich ihrer Reife Anlaß zu Bedenken geben, zur Erlangung ihrer Wahlfähigkeit den Nachweis einer bis auf drei Jahre zu erstre>kenden prak- tishen Vorbildung aufzuerlegen, der Kommission für das BVicariatswesen und cinen Antrag des Synodalen Faber, betr. Ergänzung des Gesetzes über das Dienstalter der Geistlichen bezüglih der Anrehnung der Vilitärdienftzeit derselben, der Finanz? kommission.

Statistik und Volkswirthschaft.

Beaufsichtigung der Fabriken.

Im Verlag von W. T. Brucr is soeben ein zum Zwe>k der Norlegung an den Bundesrath und den Reichstag im Reichsamt des üFnnern zusammengestellter starker Band „amtlicher Mittheilungen aus den Jahresberihten der mit Beaufsichtigung der Fabriken betrauten Beamten, XV. Jahrgang 1890,“ mit Tabellen und Abbildungen er- schienen. Pr. 6,75 Æ, geb. 7,45 4 Diese Mittheilungen be- ziehen si< auf das ganze Reih, nahdem Anfarg Juli die Berichte der preußischen Gewerbe - Inspcktionen (vgl. die Nummern 155 und 157 des „R.- u, St.-A.*) veröffentlicht worden sind. Nah der jeßt vorliegenden Zusammenstellung hat sih die Zakl der Aufsichtsbezirke, die 51 beträgt, dem Vorjahre gegenüber ebenso wenig verändert wie ihre Eintheilung; dagegen hat ch die Zzhl der den Aufsichtsbeamten beigegebenen Hülfskräfte (in Hamburg und Chemnitz) wiederum vermehrt. Im Großherzogthum Baden ist im Berich1sjahre tur< eine Verordnung vom 6. Juli 1890 eine Fabrikinspektion errichtet worden, die zugleih die te<nishe Auf- sicht über die einer staatlih anerkannten Ueberwachungsgesellshaft nicht angehörenden Dampfkessel und Dampfapparate zu führen hat.

Im Jahre 1890 hatten die Aufssichtsbeamten ihre Aufmerksam- keit hauptsähli< auf folgende Fragen zu richten und darüber ihre Wahrnehmungen in den Jahresberihten mitzutheilen :

1) Welche Einrichtungen sind von Arbeitgebern oder unter ihrer Mitwirtung für die Verabfolgung billiger Lebensmittel an die Ar- beiter getroffen worden ?

2) Sind in denjenigen Fällen, in welchen derartige Einrichtungen nit in der Form selbständiger Konsumvereine getroffen worden sind, aus der Bestimmung des $. 115 Abs. 2 der Gewerbeordnung, wona die Kreditirung von Lebensmitteln nur mit der Maßgabe gestattet ift, daß die Verabfolgung der Lebenêmittel zu cinem die Anschaffungskosten nicht übersteigenden Preise erfolat, S@wiertgkciten für die Wirkfam- eit sol<er Einrichtungen entstanden ? N k A Le a gebt bervor, daß wescntli< die Lage der Fabrikbetriebe und die Entfernung der Wohnsige der Arbeiter von diesen dazu beiträgt, ob von den Arbeitgebern solhe Einrichtungen getroffen tworden find. Wohnen die Arbeiter schr entfernt, sodaß

18914.

ihre Verpflegung von der Wohnung aus niht mögli oder mit Un- zuträglihkeiten verknüpft ift, so sind dergleihen Einrichtungen vielfa getroffen worden. Auf der anderen Seite kommt in Betracht, daß viele Arbeitgeber keine Räumlichkeiten dafür haben und daß in großen Städten die Möglichkeit für die Arbeiter, si selbst zu beköstigen, eine sehr umfangreihe ist; die bestchenden Konsumvereine und Handel8- geschäfte drü>en dur ibren Wettbewerb die Preise {hon sehr her- unter, sodaß der Arbeitgeber kaum im Stande sein würde, zu gleich billigen Preisen zu liefern. Dagegen erweisen si sol<e Einrihtungen auf dem Lande als sehr zwe>mäßig. Im Ganzen ist die Zahl sol<er Veranstaltungen von Arbeitgebern verhältnißmäßig gering, das Bes dürfniß dazu nicht groß. Aber «äu da, wo geeignete Vorbedingungen vorhanden sind, fehlt es an sol<en Einrichtungen, und viele Auf|sichts- beamten betonen, baß die Thätigkeit der Arbeitgeber auf diesem Gebiet cine regere sein könnte. Nach dem Bericht für den Aufsichts- bezirk Düsseldorf „eint die Ueberzeugung, daß hier no< ein reihes und lohnendes Feld der Arbeiterfürsorge der Bebauung harrt, in den Kreisen der Fabrikanten im Zunchmen begriffen zu fein, wie si daraus ergiebt, daß von mehreren Seiten die Absicht geäußert wird, der Errichtung von Korsumanstalten näher zu treten.“ Der Aufsihtsbeamte für den Bezirk Oberbayern 2c. crbli>kt die Ur- sahen, aus denen die Arbeitgeber fi< zurü>thaltend zeigen, „mitunter în ihrer Abneigung gegen derartige mit Mühen und Koften verbundene Einritunaen, häufiger in einer das vorhandene Bedürfniß verkennenden Gleichgültigkeit*. Nit selten aber sind au<h die Bestrebungen wohlmeinender Arbeitgeber erfolglos geblieben, weil die Arbeiter si ablehnend verhielten, Manche derartige Ein- ri>tungen haben wegen mangelnder Lebensfäßigkeit aufaegeben werden müssen, so in Ost- und Westpreuten. Die in der Umgebung der Fabriken liegenden Wirthschaîten, die dur billige Kaufeinrihtungen ihre Kundschaft verlieren, suchen die Arbeiter dur<h Gewährung längeren Kredits, dur Herabsetzung der Preise auf Kosten der Güte der Waare und andere Mittel an si< zu fesseln. Viel trägt zu den Mißerfolgen die bekannte Abneigung der Arbeiter gegen alle Einrich- tungen des Arzrbeitgebers bei, wel<he die freie Entschließung der Arbeiter irgendwie beshränken oder au< nuc den Anschein erwe>en, als ob sie einen Zwang in der Verwendung des Arbeitslohns auf- erlegen wollten. Der Aufsichtébeamte für den Bezirk Potsdam-Frankfurt be- merkt weiter: „Zu allen diesen Gründen kommt noch hinzu, daß die Arbeiter durch die steten Hetzereien und Verdrehungen der Thatsachen Seitens gewisser Preßorgane voreingenommen gegen alle Wohlfahrteeinrihtungen geworden sind, wodur sowohl ihnen als den Arbeitgebern die Lust an dergleichen Einrichtungen verleidet wird." Dieselben Beobachtungen find ia Württemberg, Baden, Hessen I1,, in der Pfalz 2c. gemacht worden. Auch die Rücksicht auf den Kleinhandel, dem man das Geschäft nit verderben will, hat an man@en Orten die Arbeitgeber veranlaßt, von dergleichen Wohlfahitscinrihtungen Abstand zu nehmen,

An vielen Orten aber haben die Arbeiter felbst für die nöthigen Einrichtungen gesorgt So bestehen in dem Bezirk Potsdam-Frank- furt zwei von den Arbeitern selbst gegründete Konsumvereine, die mit gutem Erfolge wirken; ferner in Merseburg Erfurt, in Köln-Koblenz je ein Konsumverein; der lehtere, in Engelskirhen, der 1871 von Arbeitern gegründet ist, wird von ihnen in tadèkïloser Weise geleitet. Au sonst find zahlreihe Arbeiter-Konsumvereine --He- gründet worden, und zwar von Arbeitgebern urxd unter ihrex Mitwirkung; so in Potsdam - Frankfurt, Oppeln, Magdeburg, Arnsberg, Düsseldorf, Aachen-Trier, Oberbayern, Zwi>kau, Bauten, Meißen, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen, die meist in Blüthe stehen. Ferner haben viele Arbeitgeber besondere Konsumanstalten errichtet. Andere haben dur< besondere Abmachungen mit Geschäftstreibenden den preiswürdigen Bezug von Lebensmitteln und anderen Gebrauh8- gegenständen für ihre Arbeiter zu errei&cn gesu<t. Besondere Er- wähnung verdient die großartige, ohne Mitwirkung der Arbeiter et- richtete und verwaltet: Konsumanstalt der Firma Krupp. Ferner haben viele Fabriken Kantinen und Speisewirthschaften errihtet, die namentlich von unverbeiratheten Arbeitern benußt werden. Die Frage, ob der Errichtung der b:zeihneten Wohlfahrteeinrihtängen aus 8. 115, 2 der Gewerbeordnung S<wierigkeiten ecwaHsen, wird von der Mehrzahl der Aufsihtsbeamten verneint; glei<hwohl wird bier und da dem $. 115, 2 eine Einwirkung zuerkannt, Viele Arbeitgeber wenden fi gegen diesen Paragraphen, da viele derjenigen Betriebe, welche den Arbeitern die Lebensmittel gegen Baarzahlung liefern, dur< geri<tliÞe Erkenntnisse hierzu veranlaßt wurden; na<h einem Bericht aus Kassel-Wicsbaden wirkt die Befürhtung, gegen die Bestimmung der Gewerbeordnung zu verstoßen, hinderlich auf die Beschaffang billiger Lebensmittel für die Acbeiter, und es wird eine etwaige Zweifel aus\<ließende Fassung des Paragraphen befür- wortet. Au in Köln - Koblenz, Düsseldorf, Dberbayern, Mittel- e Oberfranken fühlt man si< dur< den $. 115, 2 vielfah be- indert.

Wohlfahrts-Einrihiungen in Schlesien.

Die Schweidnißer „Tägliche Rundschau“ berih‘et: In Grott- Fau wird beabsitigt, hülfs8bedürftigen Schülern während der kalten Jahreszeit narmes Frühstü>k zu verabreihen. In Leob\<üßtz wird mit dem 1, Dezember d. I. eine Volksküche eröffnet werden. Sn Brieg wird für arme S(üler der dortigen Volksschulen eine Suppenanstalt eingerihtet. Jn Polkwiß ift die Verabreihung warmen Mittagessens an die von Auswärts die dortigen Schulen be- fuhenden Schulkinder geplant. In Münsterberg wird au< in diesem Winter die dortige Suppenanstalt wieder eröffnet werden. Der Vaterländishe Frauen-Zwetigverein in Friedland O.-S. hat beschlossen, vom 1. Dezember ab zu Mittag wiederum warme Suppen an arme Schulkinder und arme alters\{<hwa<e Personen zu ver- abreien.

_ Woßlthätigkeit.

Das Victoriastift zu Kreuzna< hat au in diesem Sommer in der segensreihsten Weise gewirkt. Es wurden ca. 600 kranke Kinder aufgenommen. Der neue Speisesaal hat si<_vor- züglih bewährt und wird bei ungünstiger Witterung au zum Spiel- saal benußt. E A

Das Diakonissenhaus zu Sobernheim mit feiner Filiale Kreuznach fährt fort, Lehrshwestern zu ihrem Berufe auszubilden und seine segensreihe Thätigkeit an Kranken und Blödfinnigen auszuüben.

Syparkassenwesen. . j;

Die Natweisungen über den Geschäftsbetcieb der Svarkassen im Negierungsbezirk Arnsberg inm Iabre 1890/91 haben ergeben, daß die Zahl der Sparbücber von 240 902 am Sluß des Vorjahres auf 951 969 und die Höbe der Einlagen auf 298 804 200,37 K oder uur 16 288 197,24 M gestiegen ist. Die von den bandarbeitenden Klaffen genommenen Spar “ücber haben si< von 106 316 auf 112482 und die Einlagen dieser Personen von 76 147 900,98 „6 auf 83 088 840,60 6

vermehrt. O

Zur Arbeiterbewegun6. : Der erste Parteitag der Sozialdemokratie des Saarreviers, der am 16. d. M. in Dudweiler statt- finden soilte und zu welhem aus 62 Ortschaften etwa 300 Vertreter ershienen waren, wurde, wie der „Vorwärts“

mittheilt, no< ehe er begonnen hatte, aufgelöst. Der Zutritt