1891 / 297 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

weite Massai-Steppe hinunter, marschirte den reizenden Díchala:See entlang, an dessen Ufern er die deutsche Flagge hißte, nah Taweta und traf am 3. Oktober wohlbehalten auf der Kilimandscharo-Station ein.

Die Zolleinnahme in Deuts-ODstafrika hat vom 1. Januar bis 30. September d. J. 947821 M, während des Etatsjahres 1890/91 in Kamerun 251480 #4 und unter Einschluß der Licenzabgaben und Tonnengebühren 287 968 4, während des Etatsjahres 1890/91 in Togo 82 948 M, während der ersten Hälste des laufenden Etatsjahres (gleih- falls in Togo) 60 705 #6 betragen.

Oesterreich-Ungarn.

In der gestrigen Sißung des Abgeordnetenhauses wurde die Berathung des Etats für 1892 fortgeseßt. Bei dieser Gelegenheit erklärte, wie „W. T. B.“ berichtet, der Abg. Gregr, die Jungczehen würden gegen das Finanzgeses stimmen. Der Empfang des Kaisers in Prag habe die Ankhänglihkeit des böhmishen Volkes an die Dynastie als über allen Zweifel erhaben bezeugt. Der Jubel habe dem König Böhmens, aber nicht dem Regierungésystem gegolten. Aus Haß gegen die slavische Nationalität {ließe Oesterreih die unnatürlihsten Bündntsse mit dem Erbfeind des- ‘Reichs, klammere sich krampfhaft an das Deutsche Reich, Feße sogar seine eigene Existenz aufs Spiel. Die Königswahl von 1526 würde anders aus- gefallen sein, wenn die Vorfahren die Mißhandlung threr Sprache Und Nationalität vorausgesehen hätten. Als der Abgeordnete Gregr darauf fortfuhr, die Wiederher- stellung des- ‘böhmischen Staatsre<ßts würde der Monarchie und der Dynastie zum Glü gereichen, gegenwärtig fördere man die Abneigung und den Haß gegen den Staat, wurde er von ‘dem Präsidenten nahdrü>li<h zur Ordnung ge- rufen. Gregr {loß unter dem lauten Beifall der Jung- czehen damit, das Reih möge Frieden {ließen mit den Völ- kern auf der Basis der Gerechtigkeit. Der Abg. Lien- bacher trat als Oesterreiher und Deutscher den Aus- führungen Gregr's entgegen und begrüßte die "neuen Handelsverträge freudig, weil diese auf einem großen Ge- biet eine Vereinbarung s{hüfen, auf dem die politischen Freunde sih wie Feinde behandelt hätten, Er könne jedoh< in das Triumphgeschrei bezüglih der materiellen Gewinne nicht einstimmen, allerdings hätten die Lanowirthe in den Alpenländern keine Ursache zur Freude. Redner bemängelte das Viehseuchenübereinkommen mit Deutschland und verlangte die Schließung der Grenze gegen die Vieheinfuhr, sowohl im Osten, wie im Südosten. Der Abg. Kolsberg begrüßte die neuen Handelsverträge mit großer Befriedigung, weil sie die Schaffung stabi!er Verhältnisse in Mittel-Europa be- deuteten. Nachdem sodann die Slovenen Ferjancic und Gregorec die Beshwerden der Slovenen vorgebracht hatten, wobei ersterer erklärte, die Deutsch-Konservativen unterdrüd>ten die Slaven niht, weshalb au< die Slovenen im Hohenwart- klub verblieben, drü>te Prinz Karl von Schwarzenberg Namens seiner Gesinnungsgenossen, sowie der Übrigen Czehen, welche dem Jungczechenklub ni<ht angehörten, tiefe Entrüstung aus über die Beleidigung des patriotishen Gefühls dur< den Abg. Gregr. Der Sieg des Hauses Habsburg auf dem Weißen Berge sei ein Glü für Böhmen und die czehishe Nation gewesen ; er könne ver: sichern, das böhmische Volk hege keinen Haß aegen den Ge- jammtstaat. Wohin solle si< das böhmische Voik wenden ? Solle es etwa bei dem deutshen Nachbar oder im Nordosten Anschluß suchen? Der Enthusiasmus des böhmischen Volks während des Besuchs der Prager Ausstellung dur den Kaiser sei die beste Widerlegung der Rede Gregr's. (Lebhaster Beifall und Händeklatschen.) E Die Berathung der Handelsverträge wurde gestern von dem Ausschuß des Abgeordnetenhauses fortgeseßt. Der Abg. Kl aic begrüßte die Handelsverträge auf das Freudigste, weil sie eine, wenn au< nur mäßige Bresche in die Politik der hohen Schußzölle legten. Die von dem Handels-Minister betonte Herstellung der Stabilität der Zölle treffe aber bei dem Vertrage mit Jtalien nicht zu, da bezüglih der Weinzölle die größte Unsicherheit geschaffen und die Weinproduktion der Willkür Jtaliens preisgegeben sei. Er könne für den Handelsvertrag mit Ftalien niht stimmen und be- antrage die Rü>verweisung an die Regierung zur Abänderung des Schlußprotokolls sowie zur Einleitung neuer Verhandlungen zur Regelung der Weinzollsrage in einer den bestehenden Verhältnissen und den beiderseitigen Juteressen entsprehenden Weise. Der Avög. Mauthner gab der Hoffnung Ausdru>, daß die Jndustrie für die von ihr gebrachten Opfer eine Entschädigung durch günstige Verträge mit den östlihen Staaten erhalten werde. Nach Abschluß der Verträge werde eine Revision der niht gebundenen Zollsäße nothwendig sein, sowie die Verhinderung einer wiukürlihen Festseßung der Tarife für manche Artikel Seitens Jtaliens. Unrichtig sei die Annahme, daß die Verträge einen Zollbund der vertragschließenden Mächte schaffen sollten. Die Jnoustrie sei bereit, die verlangten Op}er in der Erwartung zu tragen, daß die Regierung sie our Eisenbahntarif-Maßnahmen unterstüßen werde. Der Abg. Popper sprach si<h mit Begeisterung für die Verträge aus. Der czehishe Abg. Tekl y erklärte die Herabseßung der Ein- fuhrzölle auf Getreide, Vieh und Holz Seitens der deulschen Regierung für unzureichend, weil sie auh Rußland und den Vereinigten Staaten gewährt werde. Deutschland habe die Agrarzölle herabseßzen müssen, weil die Regierung nicht habe zulassen können, daß durh hohe ledigli<h den Groß- grundbesißern zu Gute kommende Zölle den Armen das Brot vertheuert werde. Die Herabseßung der deutschen agrarischen B sei daher nicht das Verdienst der österreichish-ungarishen Regierung. Oesterreih werde abermals von Deutschland über- vorcheilt ; es sei bedauerlih, daß das österreichishe Volk die Kosten tragen müsse. Durch die Handelsverträge würden hunderte von Jndustriezweigen, Millionen an Nationalvermögen vernichtet und hunderttausende von Arbeitern brotlos. Seine Partei werde auch aus politischen Gründen gegen die Verträge stimmen, denn sie sei überzeugt, daß Oesterreih dadurch no<h fester an den Dreibund geknüpft, ja an Deutschland gekettet und daß die Kluft wien Oesterreih-Ungarn und Rußland erweitert und die Selbständigkeit Oesterreih-Ungarns dur< den Drei- bund gesährdet werde. Die neuen Abmachungen bildeten die erste Stufe einer Zollunion mit Deutschland. Die Czechen sähen

Oesterrei die

Antipathien Deutshlands gegen Frank- reih theile und Frankreich ein ‘industrielles Sra bereite Der Abg. Wohanka befürchtete von den Verträgen einen dauernden Nachtheil für die Jndustrie. Der Handels-Minister Marquis de Bacquehem hob in seinen Ausführungen hervor, Jtalien habe nah dem Ausbruch des Zollkonflikts mit Frankreich den Shwerpunkt in einePropaganda für den Weinexport nach Deutschland und der Schweiz verlegt, und betonte unter ausführliher Darlegung der handels- politishen Lage Jtaliens zu Frankreich, Spanien und Griechen- land, daß die Eventualität einer Herabsezung des italienischen Weinzolls auf 5,77 Lire unwahrscheinlih sei. Die Frage, ob die erhaltenen Getreidezollermäßigungen sür den österreihishen Export eine Errungenschaft seien oder nicht, wolle er niht weiter verfolgen, glaube aber, daß bei Ver- folgung des Prinzips des Zuwartens der Abshluß des Ver- trages unmöglih gewesen sein würde. Die Frage, wie die Meistbegünstigung anderen Staaten gegenüber sih verwerthen lasse, könne er generell ni<ht beantworten. Das Beispiel Belgiens beweise, daß die Meistbegünftigung zur Erzielung eines Konventionaltarifs führe. Auf die Ausführungen Tekly's näher einzugehen, müsse er si< versagen; er bedauere, daß der würdige und sahlihe Verlauf der Debatte durch einen solchen. Ton gestört worden sei, und sei überzeugt, daß die Ausführungen Tekly's auf die Mitglieder des Ausschusses keinen Eindru> gemacht hätten. Der Abg. Peez erklärte sih gegen eine Herabsezung der Eisenzölle und beantragte eine Resolution, wonach die aus den Handelsverträgen unter den Vertragsstaaten ausbrechenden Streitigkeiten dur<h ein Schieds- geriht zum Austrag gebra<ht werden sollen. Die Fortsezung der Berathungen wurde darauf vertagt.

Der Rektor der böhmischen te<hnishen Ho<hshule in Prag hat die Studenten nachdrü>li<h vor einer thätigen Theilnahme an der Politik gewarnt und ihnen das Studium

fremder Sprachen empfohlen. Großbritannien und Jrlaud.

Der „Daily Telegraph“ weiß zu melden, daß die Trauung des Herzogs von Clarence und Avondale mit der Prinzessin Victoria Mary von Te> am 27. Februar in der St. George's- Kapelle im S<hlosse Windsor stattfinden werde. Sollte jedo, da die Arrangements no<h nicht endgültig abgeschlossen sind, eine Aenderung des Datums nothwendig erscheinen, so dürfte die Wahl des Hochzeitstages auf den 29. Februar fallen. Die Höhe der Apanage für den Herzog sei no< nicht endgültig bestimmt, werde jedo auf jeden Fall aus der dem Prinzen von Wales vom Parlament bewilligten Summe bestritten, sodaß si< das Unterhaus niht mit dieser Frage zu beschäftigen haben werde. Da zu der Verehelihung eines präsumtiven Thronfolgers die Zu- stimmung der Königin erforderlih ist, so war auf den leßten Sonnabend ein Ministerrath nah Schloß Windsor einberufen, in welhem Jhre Majestät ihr Einverständniß mit der Heirath erklärt hat. l ;

Gladstone ist am Dienstag Morgen, begleitet von seiner Gattin und John Morley, nah Biarrit abgereist, wo sie Gäste des früheren Abgeordneten für Dundee und vertrauten Freundes des liberalen Führers G. Armistead sein werden.

Aus Quebec wird dem „W. T. B.“ der Rücktritt des Ministeriums Mercier gemeldet. Boucherville hat die Bildung eines neuen Kabinets übernommen. Die Demission bängt dem „W. T. B.“ zufolge damit zusammen, daß der Premier- Minister der Provinz Quebec Mercier] beschuldigt wurde, bei dem Bau der Eisenbahn Baie des Chaleurs den Unternehmern 35 000 Pfd. Sterl. zu viel bezahlt und das von den Unternehmern ihm wieder zurückgegebene Geld theils für Wahlzwe>e theils zn seinem eigenen Nugzen verwendet, theils auch unter seine Parteianhänger vertheilt zu haben.

Frankreich.

Wie der „Köln. Ztg.“ unter dem gestrigen Datum aus Paris gemeldet wird, wäre die Abreise Lanel's, des französischen Vertreters inBulgarien, no< nicht erfolgt, das Ministerium scheine sogar vorläufig von der Abberufung Abstand nehmen und vorerst shriftlihen Bericht erwarten zu wollen. Der Abbru< der diplomatishen Beziehungen, so werde halbamtli<h ausgeführt, bedeute nur die Unter- brehung einer Unterredung, die man jeden Augenbli> wieder aufnehmen könne. Der Minister des Auswärtigen werde die Sache erst näher untersuhen und dann eine endgültige Entscheidung treffen, ob zur Aufhebung des diplomatischen Postens in Sofia Grund vorliege. Nach einem Telegramm der „Magd. Ztg.“ hat der Deputirte Milleraud eine JFnterpellation über die Ausweisung Chadourne's angemeldet. l i j

Die in Nr. 29ò des „R.- u. St.-A.“ bereits erwähnten Erklärungen, welche der Minister des Auswärtigen Ribot in der Kommission der Deputirtenkammer bei der Einbringung des Geseß-ntwurfes abgab, dur< den der Regierung die Er- mächtigung ertheilt werden foll, die gekündigten Handels: verträge oder Konventionen vom 1. Februar 1892 ab zu S lauteten nah der „Nat. Zig.“ etwa folgender- maßen:

Die Regierung verzichte keineswegs auf ihr verfassungsmäßiges Recht, Handelsverträge abzuschließen, wenn sie es für nüglich erahte ; sie bewahre in dieser Beziehung ihr Ret der Inixiative und wolle sich ebenso wenig der Kontrole der Kammern entziehen. Die Regierung verlange zunächst, den Staaten, welche bis jeßt einen konventionellen Tarif genössen, auf die Dauer eines Jahres die Anwendung des Minimal- tarifs garantiren zu können. Es sei übrigens dieser Bestimmung nur eine ganz relative Bedeutung beizulegen. Die Länder, mit denen Frankrei unterhandeln müsse, namentli< die Schweiz, Belgien und Holland, seien ersihtli< wenig geneigt, auf der Basis des Minimaltarifs eine Vereinbarung für eine bestimmte Zeitdauer ein- zugehen, und sogar diejenigen, welche geneigt schienen, gegen die Ge- währung des Minimaltarifs ihre niedrigsten Zollsäße zu be- willigen, seien der Ansicht, daß diese gegenseitigen Vergünstigungen mehr den Charakter eines modus vivendi als den einer festen Ab- machung haben sollten. Keines dieser Länder, so fuhr der Minister fort, habe die Hoffnung aufgegeben, fcüber oder später mit Frankreich Handelsverträge abzuschließen. Bis dahin \<ienen sie sih zu nichts verbindli<h machen zu wollen, selbst ni<ht für eine jo kurze Periode, wie die eines Jahres. Er wage nit, zu versichern, daß Frankreich in der Lage seia werde, vom 1, Februar an den Minimaltarif gegen- über den se<s Ländern zur Anwendung zu bringen, mit denen es gegenwärtig no< Handelsverträge unterhalte. Namentlich Spanten zeige sich fehc unzufrieden über die beschlossene Erhöhung des Weinzolles und besonders über die Herab- seßung der Begrenzung des Alkokolgrades. Wenngleih diese neuen Zollsäße im Ganzen niedriger seien als diejenigen, welche der soeben zwishen Deutschland und Jtalien abges<lossene Handelsvertrag für die zum Verschnitt letimmten italienischen

kammer. Die Situation der französishen Regierung gestalte ih dadur< um \o0 \{wieriger, daß das Madrider Kabinet sie vollständig im Dunkeln über ten Terif gelassen habe, welchen es den französishen Produkten gewähren würde in dem Falle, daß der Eingangszoll auf Wein bis zu den Ziffern herabgeseßt würde, welche die Regierung dem Senate voraeshlagen bätte. Bezüglich des. Alkoholmaßes sei vielleiht das leßte Wort no® nicht gesprochen, es werde Sache der Kammern sein, darüber zu beschließen an dem Tage, wo die Regierung im Stande fein werde, den Kammern die Absichten der spanishen Regierung bezügli<h der Einfuhr nah Spanien mitzutheilen. Die Regierung sei zu sehr von. ihrer Verantwortlichkeit dur<hdrungen, um ni<t Alles. zu thun, was von ihr abhinge, um eine Störung der Handels- beziehungen mit Ländern zu verhindern, die Frankreich so nahe ständen. Was die in dem Gesetzentwurf enthaltene Autorisation anbetreffe, die Bestimmunaen der Handelsverträge, welhe ni<t Zollsäße beträfen, dur eine Uebereinkunft mit den betreffenden Staaten zu verlängern, so re<tfertige sih sol<es dadur<, daß es unmögli sein würde, diese Uebereinkünste no< in den leßten Tagen des Monats Januar nah Beginn der neuen parlamentari\<hen Session ratifiziren zu lassen.

Rußland und Polen.

Ueber die bevorstehende Reorganisation der Universität Dorpat erfährt die „Russk. Shisn“, daß besondere admini- strative Maßnahmen gegen den politishen Einfluß der Universität, wie sie anfänglih geplant worden, nicht ergriffen werden sollen. Mit Beginn des nächsten Jahres aber beab- sihtige das Ministerium der Volksaufklärung, in der Uni- versität die allgemeinen Universitäts-Statuten und die eie Lehrsprache für alle Katheder einzuführen. Die theologische E solle geshlossen und statt ihrer im Jnnern des eihs eine evangelisch-lutherische geistlihe Akademie begründet werden. Jtalien.

In der italienishen Deputirtenkammer sind gestern Nachmittag die Handels- und Schiffahrts-Verträge zwischen Jtalien und Oesterreich sowie zwischen Ztalien und Deutschland vertheilt worden. Sie sind in einem Bande vereinigt. Jn dem vorangeschi>ten Motiven-Bericht heißt es dem „W. T. B.“ zufolge na< Aufzählung der statistischen Daten: Man habe mit Recht gesagt, daß die wirthschaftliche Frage gesondert von den politischen einhergehen könne und daß si< die Differenzen über die Verkehrszölle uweilen lange zwischen engbefreundeten Staaten hingezogen ätten, ohne daß das wesselweltige Wohlwollen durch eine Wolke getrübt worden wäre. Jndessen werde Niemand leugnen, daß die Freundschaft zwishen zwei Staaten eine festere und dauerhastere werden würde, wenn au<h ihre Handelsbeziehungen auf eine günstige Grundlage gestellt werden könnten. Ftalien habe jeßt dieses Glü> und habe Ursache, sih dessen sehr zu freuen. Eine weit ausbli>ende Allianz, welche ein Unterpfand des Friedens sei, einige Jtalien mit den mitteleuropäishen Mächten. Man wolle nunmehr auch in. den materiellen Jnteressensphären das Werk des Friedens innerhalb der großen Zone Europas fördern, welche, wie die Regierung vertraue, dur<h"den allmählihen Beitritt weiterer Staaten eine immer größere werden werde. Die Jndustrie und der Handel würden nunmehr für zwölf Jahre eine feste No1m besißen und in der Lage sein, sich unter sicheren Auspizien auf die Wechselfälle des kommenden Jahrhunderts vorzubereiten. Jn diesem Gedanken hätten die drei Regierungen die Kraft zum Abschluß der Verträge gefunden, in denen die Lasten und Vortheile in billiger Weise vertheilt seien. Jn Gemäßheit der Geschästzordnung der Kammer hat die permanente Zoll- kommission derselben die Berathung der Handelsverträge als- bald begonnen.

kammer forderte der Minister-Präsident Marchese di Rudin i: den Abg. Jmbriani auf, seine Jnterpellation über die Beziehungen FJtaliens zu den Vereinigten Staaten von Nordamerika zurückzuziehen. Ferner erklärte der Minister-Präsident, daß er Jmbriani's weitere Jnterpellation wegen der Pelagosa-Jnseln niht acceptiren könne. Jmbriani bestand .troydem auf der Verhandlung über beide ' Jnter-- pellationen ; diese wurde jedo< von der Kammer abgelehnt.

In dem heute stattfindenden öffentlihen Konsisto- rium wird der Papst, wie „W. T. B.“ aus Rom erfährt, dem Kardinal Grusha und zweien anderen neu ernannten Kardinälen den Kardinalshut aufsezgen. Hierauf werden in einem geheimen Konsistorium achtzehn Erzbischöfe und Bischöfe präkonisirt werden, Man nennt unter ihnen die Erzbischöfe von Zara und Kalocsa, die Bischöfe von Przemysl, Munkacs und Zyps sowie den Bischof von Paderborn. Endlich soll au< die Präkonisation von fünf Erzbishösen und Bischöfen in partibus stattfinden. /

Der „Magdb. Ztg.“ zufolge ist Msgr. E. Folchi, der frühere Verwalter des Peterspfennigs, seiner Würde als Vize: Camerlengo entseßt worden. Als fein Nachfolger we: de Corali del Drago genannt.

Spanien.

Die Königin-Regentin hat ein die Reorgani- sation des Heerwesens betrefsfendes Dekret unterzeichnet, Lin A die Mobilisirung der akiiven Armee und der Reserven erleichtert.

Prinz Albrecht von Preußen nahm, wie „W. T. B.“ aus Madrid meldet, im Laufe des gestrigen Tages die Sehens- würdigkeiten der Stadt in Augenschein und besichtigte au< mehrere Kasernen. Am Abend fand zu Ehren des Prinzen im Königlichen Palais ein Diner statt, an welhem au< sämmtlihe Minister theilnahmen; der Minister - Präsident Canovas del Casullo hatte das Großkreuz des Rothen Adler- Ordens angelegt. Heute wird die deutshe Botschaft zu Ehren des Prinzen ein Fejtmahl geben, zu welhem der Minister- Präsident eingeladen worden ist. Die Königin-Regentin zeichnete den P Ordens-Verleihungen aus.

Schweiz.

Der dringliche Beshluß des Bundesraths zur Sicherung der Kriegsbereitshaft der shweizerishen Armee be- antragt bei der Bundesversammlung, daß diese ihn ermähtige, den Patronenvorrath der Jnfanterie für jeden Gewehr- tragenden des Auszuges und der Landwehr auf 500 Stü&,

zu erhöhen, wobei ein Viertel bis ein Fünftel dieses Vor- rathes aus unlaborirten, aber zur raschen Laborirung vorbe- reiteten Bestandtheilen bestehen kann. Die Munitiontvorräthe der Artillerie sollen auf 500 Schüsse für jedes Feldgeshüß und auf 400 Schüsse für jedes Positions: und Gebirasgeshüt fest-

das Heil Oesterreihs nur in seiner Unabhängigkeit und Selbständigkeit und erachtelen es für unnöthig, daß

O 7 n r T 1 a TEE E t a e m ey

Weine festseze, so erhebe si do< in Spanien die öffentlihe Meinung mit Hestigkeit gegen die Beshlüfse des Senats und der Deputirten-

Am Sghluß der gestrigen Sißung der Deputirten-= :

rinzen und die ihn begleitenden Offiziere durh-

für jeden Gewehrtragenden des Landsturms auf 200 Stü:

eseßt werden, Von diesen Beständen darf ein Viertel bis ein . ünftel unlaborirt im Rohgeschoßdepot liegen. Sodann bean--

tragt der Bundesrath die Ermächtigung dazu, die erforder-

a Bestände an B

eisen. und Sandsäde,..

Minenanlagen ausfûü Sicherung der Mars

vorräthe und eine zur unentbehrli<sten Ausrüstung für den Gebirgsfrieg nothwendige Zahl von Bastsätteln (500) sowie die für die Verpflegung der Armee unentbehrlihen Vorräthe an Konserven, Weizen und Hafer zu beschaffen.

we> beantragt er endlih die Genehmigung der eines Anlehens bis auf den Betrag von 5 Millionen Francs, deren Emission sowie alle übrigen Modalitäten er zu be-

stimmen habe.

Jm Anschluß an diese Forderungen deutet der Bundesrath Schritte an, welche er zur Vervollständi- gung der Kriegsbereitshaft zu thun gedenkt. Die bezüglichen

ngaben lauten na< dem Berner „Bund“, wie folgt: 1) Es soll die Infanterie des Landsturmes vollständig. bewaffnet,

sodann die weiteren

ausgerüstet und bekleidet

sämmtlihe Wehrmänner des Auszuges, der Landwehr und des Land- flurmes mit einem Nothbestand an Patronen versehen werden. Im Anschluß an die Dur&führung dieser Ausrüstung wird eine Instruktion der Führer der zum erflen Grenzs<uß bestimmten Detachements ftatt- finden. Dadur< wird die De>kung der Mobilisirung und des Aufmarses der Armee gegen Störungen dur feindliche Streifdetachements wefentlih erleichtert werden. 92) Straßen und Eisenbahnen, wel<he im Laufe eines Krieges ausgeführt

werden müssen, um den

seinen Na<s<ub zu unterbinden, erfordern ein bedeutendes Quantum Ebenso erfordert jede Improvisation größerer Befestigungsanlagen während eines Krieges im Jura, im Hoch: in den Voralpen zahlreiche Felssprengungen, weil

Sprengmaterial.

gebirge und in diesem Gelände der boden das „Eingraben® wa<bsenen Felsen flandsfähigkeit. Auth die

erfordert L Prengungen. Das 1 orrath von Dynamit gesichert, indem die Firma Nobel in Isleten gegen eine Ainóberaütino verptliatat pap Stena Me P onais, fowie von Rohmaterial zur ‘telven zur Verfügung der Eidgenossenschaft auf Lager zu halten. Es ift jedo< dieser Vorrath für ind N f ei

mehreren Jahren einen

Der Bundesrath wird da

zu sichern. 3) Ein richtiges Funktioniren des Eisenbabnbetriebes ist heut eine Grundbedingung jedes Armeeaufmars<hes. Leider sind A \hweizerishen Eisenbahnen diejenigen in aanz Europa, wel<ce am Interessen der Landesvertheidigung zu dienen vermögen. Die meisten Linien sind einspurig, und auf diesen Linien gtebt es viele Stationen, deren Ausweicgeleise zu kurz sind, um das Kreuzen von Militär;ügen zu gestatten. Die Ranairanlagen, fowie die Ein-

wenigsten den

und Ausladevorrihtungen

genügen niht den besheidensten Anforderungen der Truppentrans-

porte. Der Bundesrath

Eisenbahngesetes, die Eisenbahngesells<haften veranlassen. die für die Kriegébetriebes vorzunehmen. Er wird ferner die Eisenbahngesell\<haften auffordern,

Anforderungen des

si mit einem genügenden im Falle europäiscer Ver dem Auslande niht mebr des Landes liegen theils

zu geringer Leistungsfähigkeit, als daß auf regelwäßige Be denselben im Falle ernster Verwi>lungen gere<hnet ae ie Der Bundesrath wird si deshalb mit den Kantonsregierungen darüber ins Einvernehmen seßen, daß im Innern des Landes beständig ge- nügende Salzvorräthe gelagert sein werden.

Die Zweite Kammer hat gestern mit 76 geaen 10 Stimmen den Geseßentwurf weg:n Aufnahme einer 31/;pro- zentigen Staatsanleihe im Betrage von 45 Millionen

Gulden angenommen.

Die Kammer h berathung begonnen.

wie die „Frkf. Ztg.“ meldet, der Abg. Beh die K verti der Luxemburger Staats: Anleihen. Der G inotab Direktor L inanzen lehnte augenbli>li< jedwede Erklärung ab, behielt

ih aber vor, die Sache

__ Die Regierung und die Kammern haben ih dahin ge- einigt, daß sofort na< den Weihnachtsferien, B Anfang Hanuar, die Deputirtenkammer mit der Berathung der Ver- Ra R S A innen soll. nach dem „Hamb. Corr.“ folgende Punkte umfassen: die Aus- dehnung des Stimmrechts, wobei die Vertretung Ma Interessen erörtert werden soll,

und Minderheiten tung des Senats, die rendums, die

geben.

…_ Bukarest, 16. Dezember. Das „Amtsblatt“ veröffentli die Ernennung dés früheren Ministers der ten ANt gelegenheiten Esarco zum Gesandten in Rom.

Schweden uud Norwegen.

(F) Sto>holm, 14. Dezember. hat dem König einen Bericht über die Staatseinnahmen Um vergangenen Jahre und einen Entwurf über die Berechnung

der Einnahmen in dem vorgelegt. 20 455 000

Beträgen aufgeführt : F fgesüh

000 Kronen in 1892), Posiverwaltung 7 900 000 Kronen

(7 700 000 Kronen), beso

t A Ebe N K empelgefälle ronen (3 600 - weinsteuer 13 700000 K j R S 1000000 ronen (3 800000

ronen Kronen), zusammen 68 300 000 Kronen (68 080 000 Kronen), sodaß mit Hinzurehnung der

ordentlihen Einnahmen

Kronen (88 570 000 Kronen) b j 1890 steht außerdem ein U elTagen würden, Aus det Zahre

zur Versügung des s Das Reichs-Schuldencomtoir

hat seinen Etat für das trag 3416 119 Roita,

eingesprengte

: ) Vermählung

die Einverleibung des Congostaats und die O

einer allgemeinen Staatepolizei, aljo alle

Pragen, E schon der fe LMOUE berathen hat, ohne e inigung zwischen den fklerikal

Volksvertretern zu erzielen. e etnen

Fragen voraussichtli< Anlaß zu langdauernden Redekämpfen

Die ordentlihen Einnahmen sind bere<net zu Kronen geaen 20 490 000 ; Etat für 1892. Die B

efestigungsmaterial, wie Konsiruktions- zu be

eschaffen und. die zur -Sprengung - von Kunstbauten ry Mig. die d notlemeniken,

ren * zu: lassen; ferner -die - für... die fähigkeit der Armee nöthigen Schuh-

u diesem ufnahme

werden, außerdem sollen in den Grenzgebieten

Die Sprenaungen von Kunstbauten an

Vormarsb des Feindes zu verzöaern und

mit nur dünner Erdkruste bede>te Fels- niht gestatte. Auch haben in ge- De>ungen die größte Wider- Vertelung von Kolonanenwegen im Gebi:ge tilitär-Departement hat f seit

her Schritte thun, \si{ weitere Quantitäten

auf vielen militäris< wiGtigen Stationen wird dethalb, gestüßt auf Artikel 14 des dringlihsten Verbesserungen Vorrath von Steinkohlen zu versehen, da wi>lungen auf irgend welchen Bezug aus

gere<uet werden kann. 4) Die Salinen nahe der L1ndesgrenze, theils sind sie von

Niederlande.

Luxemburg. at am 15. d. M. die Budget- Im Laufe der Sizung beantragte,

zu erwägen. Belgien.

Diese Reoision wird

t die Umgestal- Einführung des Königlichen ‘Refe- der Königlichen Prinzen, rganisation diejenigen

Jn der Kammer werden diese

Numänien.

Das Staatscomtoir

Finanz: Etat für das Jahr 1893 ewilligun si e Fol R é gen find mit folgenden ölle 37000 Kronen Geben

ndere Berechtigungen (fremde Handels- ronen (380 000 Kronen),

ronen, Rübenzucersteuer 1 800 000 Grund- und Einkommensteuer die Gesammteinnahmen 88 755 000

ebershuß von 7425 941 Kronen Ja 93 berechnet: kontanter Vor-

Darlehnen 2 940 420 Kronen, aus der Staatskasse für die Staatsanleihen 10 307 200 Kronen; die Auggabe nue da- ‘aegen: berenet : Apanage des Königs 300 000 Kronen, Reichstags3- und Revisionskosten 616 250 Kronen, Amorti- firung und Verzinsung der Staatsanleihen 12 331 370 Kronen, Darlehne an Privatbahnen 1 000 000 Kronen, Darlehns- beitrag für die Bahn Hernösand-Solleftea 1 175000 Kronen. Am Slusse des Jahres wird ein Baarbestand von 1 241 119

Kronen verbleiben. Amerika.

Die brasilianishe Regierung hat, laut Telegramm des „R. B.“ aus Wasbington, um Fristwerlängerung zur Ratifikation des Schiedsgerihts-Vertrages mit den Vereinigten Staaten ersucht.

Nah heute in Paris eingetroffenen Meldungen des „W. L. B.“ aus Rio de Janeiro isstt in Sao Paulo in Brasilien in Folge der Demission des Gouverneurs die Ruhe nunmehr wieder hergestellt.

Asien.

, Die persishe Regierung halte vor einiger Zeit einer Aktiengesellschaft gegen Zahlung einer bort Summe das Alleinreht auf den Verkauf von Taba> im Lande ertheilt. Bzi der Geltendmachung dieses Rechts is die Ge- sellschaft jedo, wie {hon gemeldet, auf den entschiedenen Widerstand der _Bevölkerung gestoßen, der sih, auf Anrathen der persishen Geistlihen, am empfindlihsten in der gänzlichen Enthaltung des Taba>rauhhens kund- giebt. Anfänglih erwartete die Regierung, dieser Widerstand würde si< bald wieder legen, allein er ist jeßt so stark ge- worden, daß man allgemein glaubt, die Gesellschaft werde ihre Thätigkeit einstellen müssen. Es sind, nah einem Bericht der „A. C.“ aus Teheran, verschiedene Mittel ergriffen wor- den, um die Mollahs zu veranlassen, ihren Widerstand auf- zugeben, aber ohne Erfolg. Die Mollahs erklären, die Ge- ellschaft müsse eine reine Handelsgesellschaft sein und dürfe kein Monopol besißen, Jet werden daher Verhand- lungen über den Schadenersay gepflogen, auf welchen die Ge- sellshaft wegen des Verlustes ihres Monopols Anspruch hat. Es ist im Plane, die Summe mittels einer Taba>steuer zu beshaffen. Die persishen Kaufleute sollen die Summe b wee S N Ag dr von fünf Jahren

werden soll. 1e Mollahs halten mi ile i Rauchverbot aufre{ht. m O

Parlamentarische Nachrichten.

In der heutigen (143.) Sigung des Reichstags welcher der Reichskanzler von Caprivi, die Staatasctet De e Boetticher, Freiherr von Malzgahn und Freiherr von Marschall, sowie der Königlich preußishe Staats-Minister von Heyden beiwohnten, ßand auf der Tagesordnung die Fortsezung der zweiten Berathung der Handels- verträge mit Desterreih:-Ungarn und Belgien. Die Art. 4 bis 14 wurden ohne Besprehung angenommen. Art. 15 enthält die Abmachungen über den Eisenbahn- verkehr; es sollen keine Unterschiede bezüglih der Tarife zwishen den Bewohnern beider Staaten gemacht werden. Abg. Graf von Kanit führte aus, daß die Eisenbahn- refaktien die Wirkungen des Zolles vollständig aufheben könnten. Alle Bemühungen, das Refaktienunwesen zu beseitigen, seien bisher vergeblich gewesen. Eine Besserung sei au< in Folge des Vertrages nicht zu erhoffen, denn der autonome Zoll- tarif, der bisher das einzige Mittel gegen die Refaktien gewesen sei, werde jeßt vertragswmäßig auf zwölf Jahre festgelegt. Neunzehntel aller Mitglieder würden . siherli<h nur mit shwerem Herzen für den Vertrag stimmen. Selbst die „Frei- sinnige Zeitung [häße den Werth der Handelsverträge sehr B Und dabei überhaste man die Berathung ganz un- Abg. Schrader wies auf die internationale Konvention über den Eisenbahnfrahtverkehr hin. Die Staaten seien moralis{< verpflichtet, die Bestimmungen der Konvention zur Geltung zu bringen. Was auf dem Gebiete des Eisenbahn- De eh anr Ae l sei erreiht worden. Alle Fragen erkehr nne man ni i - vertrags regen <t in einem Handels g. ller wies darauf hin, daß über die Frage der Refaktien in der freien Kommisfi ólli ä - wonnen rei f sfion völlige Aufklärung ge- bg. von Kardorff spra die Ansiht aus, daß die ungarische Regierung ni6ht im Stande sein Rie, die R eti zu e i teihskanzler von Caprivi meinte, die österreihis{<- ungarische Regierung könne si< beleidigt fühlen, p E A Annahme, daß sie niht im Stande oder niht gewillt sei, ihren Verpflichtungen nahzukommen. So lange er die Ehre bas Minde Lung gu D is u stehen, sei niht ehen, was sein volles i oder Agcnrätigen könne. l alia a g. Richter erklärte, daß die „Freisinnige Zeitung“ aue A d iponen per u Stafen E be- : lte Verträge seien a i Umkehr und daher gut. G A PS S Ile Präsident des Reichs-Eisenbahnamts Dr. Sulz be: Ca H uen SUONoA: der österreichisch: \ erung Teinen Zweifel ließen, da i 2 eiti zur Beetia N gerte. 8 Ee „On Der weiteren Besprechung betheiligten fi< in mehr ersönliher Weise no< die Abgg. G - Ler ps E h gg. Graf von Kanig, Dr, Meyer- Art. 15 wurde genehmigt. Die Art. 16 eel A n Besprehung genehmigt. t gav auf eine Anfrage des Abg. Rid>e Staatssekretär Dr, von Boetticher die Griliiina d, Lee gemäß dem Vertrage die ausländischen Aktiengesellshaften ebenso behandelt werden sollten wie die inländischen. a, E une genehmigt, ebenso ohne Besprechung die

Art. 24 seßt das Jnkrafttreten 1. F ehruar 1898 fes Inkraf des Vertrages auf den g. Lievermann von Sonnenberg bemängelte, daß dieje Frist zu kurz sei, als daß si der Bauernstand, auf die Veränderungen einrihten könnte, tadelte die überhastete Berathung und ging auf eine allgemeine Erörterung der Han- delsvertragspolitik ein, sodaß ihn der Präsident von Leveßow mehrmals unterbrah und zur Sache verwies. Abg. Wisser trat diesen Ausführungen entgegen.

Rüdzahlung und Verzinsung von

Ohne Besprehung wurde das lußpro Vertrage genehmigt. SANRENTDOLOS: „0E

Das Viehseuhen- Uebereinkommen zwischen dem Reich und Oesterrei - Ungarn und das Schlußprotokoll dazu wurden na< einigen Bemerkungen des Abg. Ulrich an- P Es folgte di Berathung d

l olgle die Berathung des Handels-, Zoll- und Schiffahrtsvertrages zwischen A Reiche cio Satt

Die Art. 1—6 wurden ohne Besprehung angenommen.

Bei Art. 7, der den Zolltarif als Anlage enthält, wurden verschiedene Einzelheiten von den Abgg. von Kardorff, e o De mo E, A Stauffenberg, Dr.

i r. M0ller besprochen, worauf der i Eig Aa von Huber bort e E er Url. ( wurde genehmigt, ebenso ohne

der Rest des Vertrags und das S Glu prote Bene

Es folgte die Berathung des Handels- und Zoll- vertrages zwishen dem Reihe und Belgien, der nah einer kurzen Besprechung zwischen den Abgg. Freiherrn von Gültlingen und Haerle sowie dem Geheimen Regierungs- Rath Henle nebst dem Shlußprotokoll in seinen einzelnen Theilen angenomm?-n wurde.

Damit war die Tagesordnung erschöpft.

_ Der Präsident von Leveßow machte sodann dem Hause Mittheilung davon, daß Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Leopold heute ein Sohn geboren ist, und sprach die {freudige Antheilnahme des Reichstags an diesem Ereigniß aus.

/ Der Präsident brachte darauf dem Abg. Dieden die ale He des Hauses zu seinem heutigen 81. Geburts-

Morgen um 10 Uhr findet die drit Handelsverträge statt. l S Séhluß der Sißung 21/, Uhr.

Bei der gestrigen Reichstags-Ersaßwa l Bayreuth ist nah einer Meldung des as H B Casselmann (nationalliberal) mit einer Mehrheit von mehreren hundert Stimmen gewählt worden.

Der Abg. Zelle, welcher den 2. Berliner Wahl- bezirk im Hause der Abgeordnet ; Mandat niedergelegt. : Es Pas

Kunst und Wissenschaft.

_— Der Gebeime Regierungs-Rath Professor Dr. Ern Curtiu

wird, wie die „N. A. Z erfährt, am 22. Dezember in Anti as jähriges Doktorjubiläum begeben. Der Gelehrte promovirte 1841 in Halle mit einer Dissertation „De portubus Athenarum““, Nachdem er kurze Zeit bier am Französishen und JIoachimsthal’ihen Gymnasium unterrichtet hatte, habilitirte er < 1843 an der biesigen Universität; ein Jahr später wurde er außerordentlicher Profes or, begleitete 1849 den Kronprinzen, späteren Kaiser Friedrich na< Bonn, von wo er im nächsten Jahre zurü>kehrte, folgte 1856 einem Ruf nah Gôöt- tingen und gehört nun feit 1868 wieder der Berliner Universität an. Die hiesige Akademie der Wissenschaften, deren Mitglied er seit 1853 ist, berief ihn 1871 zum ständigen Sekretar der philosophis{- orten Klasse, welhes Aut er neben dem Professor Dr, Mommsen

Theater und Mufik.

Die ae f Ae Tate

i: eitrige erjle Aussührung des in sieben Abtheilun o schriebenen Volksstü>kes „Der Väter e von Rib o fand bei den Zuschauern eine freundlihe, wenn au nit ganz unbe- anstandete Aufnahme. Die andlung bewegt si< in Arbeiter- kreisen, ohne aber ein eigentli< abges<lossenes Bild aus dem Leben „dieser Gesellschafts\{iht darzubieten, Die Arbeiter, die uns in dem Stü>k begegnen, stehen etwa auf der Grenze zwishen dem ftädtishen und ländlichen Arbeiter; sie ge- hören einem industriellen Betriebe auf dem Lande, einer Sägemühle an. Aus der Mitte dieser Kreise läßt der Dichter seine Gestalten emporwachsen, mit denen er die alte Weisheit volksthüm- lih neu beweisen will, die Denker und Dichter in hohen und edlen Worten niht müde werden zu preisen, den Werth der Arbeit ; was Thomas Carlyle in den wenigen aber ers<öpfenden Worten „labour 1s life“ zusammenfaßt, was Goethe als der Weisheit letzlen Sluß* verkündet, den Segen der Arbeit, die Freude am Schaffen, fd N Se b Zaun t N trägt und nit erst vom ma-

n herleitet, das so i

bejengt werden, u in dramatishen Bildern bier neu dihard Voß stellt einen Vater, in dem der unzerstörb

und die Heiligkeit der Arbeit zum Ausdru> kommen, R S gegenüber, der, leiht in den Besiß des Reichthums gelangt, der Väter Erbe vergevdet und im genußsüchtigen Nichtsthun von Stufe zu Stufe sinkt, bis ibn im leßten Augenbli> des Vaters starker Arm zur Arbeit zurüdführt. Die Äbsiht des Dichters war gewiß gut und edel; um so bedauerlicher erscheint es, daß die Ausführung des Ge- dankens weit hinter dem Willen zurüdgeblieben ist. Die beiden Hauptfiguren sind niht aus einem natürli<hen Boden erwachsen ; sie entbehren daher wahrhafter Gefühle und Empfindungen und eines kräftig pulsirenden Lebens; in ihrem Thun und Handeln gleihen sie mehr s<attenhaften Hirngespinnsten als lebendigen

Menschenkindern; man begreift den en und verständigen, im

praktischen Leben aller Sentimentalität eindlihen Vater nit

auf des Sohnes Klage, daß er lange warten müsse, bis er Be E Herr sei, seinem unerfahrenen und unerprobten Kinde sofort fast das ganze sauer erworbene Eigenthum überläßt; es erscheint unnatürli<, wenn der bis in den innersten Kern ehrenhafte Vater die WewselfälsGung seines Sohnes erfährt und dem Sohne in starrer Ergebung entgegentritt, ohne ihn merken zu lassen, daß er von dem Bubenstreih weiß. Der Sohn dieses ehrbaren Vaters wird zum Taugenihts, zum Wechfelfälsher, zum s{<ändlihen Verfühbrer, dessen Opfer den Tod in den Wellen sucht, ohne daß die Entwi>kelung des Gharafters zum Bösen aus inneren Beweggründen naturgemäß ih erklären läßt. Aus der Unverständlihkeit der Handlungsweise der beiden Hauptpersonen des Dramas ergiebt si< au< der Mangel an Theilnahme. an lebendigem Mitgefühl bei den Zuschauern, und diese Wirkung wicd no< verstärkt dar< die bei einem Dramendichter wie Richard Voß ganz ungewohnte Sc<hwerfälligkeit der Exposition, die beinahe die eine Hälfte des ganzen Theaterstü>s, nämlich drei von den sieben Abtheilungen, in Anspruch nimmt. Jn den übrigen Scenen häufen si<h die dramatischen, oft überaus krassen Effekte, die zum Theil Gauen erwe>en, zum Theil dur ihr Uebermaß aller Wahrscheinlihkeit Hohn spre{en. Mit der Breite der Ausmalung wollte der Dichter vielleicht stimmungsvolle Bilder und Scenen schaffen, aber auch hierin ist er ni<t erfolgreih ge- wesen, denn es kam kaum irgendwo wirklihe Poesie, volksthümliher Humor, der erkennbar angestrebt wurde, zum Dur{bru; die Amsel sang melodis< im Eichwald, der Mond schien hell in der Johannisna<t, die Jobanniskäferhen glühten und leudteten im Gebüsh am Bache, die Mädchen sangen ihre Lieder, und doch brach kein Strahl ehten, warmen Gemüths aus diesen poetishen Einzel- heiten hervor; es fehlt die zwingende, seelishe Beziehung, die die Boitntin T A, R e E dem Boden des

olks eweg ard Boß, dem s\oviel i ü

glü>lih gelungen sind, sehr unsiter. | E orte

Art. 24 wurde bewilligt.

Zur Darstellung der beiden Hauptrollen waren die Herren

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