1911 / 188 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Karl Lichnock an der städtischen Höheren Mädchenschule in Elberfeld-West, Dr. Max Baumann an der Victoriaschule in Berlin, Dr. Ernst Meybrinck an der städtischen Höheren Mädcherischule T in Kiel, Dr. Heinrih Löbner an der Victoria- schule in Danzig, Felix Haese an der Königin Luiseschule in Nordhausen, Karl zur N ieden ander städtischen Höheren Mädchen- schule in Elberfeld-Ost, Johannes Achelis an Der städtischen Studienanstalt in Berlin, Jakob Conrath an der Königin Luise- \{hule in Cöln, Ernst Heyn an der Sophienschule in Hannover, Wilhelm Korte an der städtischen Höheren Mädchenschule in Dortmund, Dr. Ludwig Faßbender an der städtischen Höheren Mädchenschule in Altona, Dr. Max Rohde an der städtischen Höheren Mädchenschule in Goslar, Dr. Ernst Moebius an der städtishen Höheren Mädchenschule I in Kiel, Dr. Hugo Brüner an der städtischen Höheren Mädchenschule in Rheydt, Heinrih Bradhering an der Auguste Victoriaschule in Memel, August Velde an der Victoriaschule in Frankfurt a. Main, Rudolf Tiemann an der Augustaschule in Kottbus, Dr. Paul Wolff an der Kaiserin Auguste Victoriaschule in Bielefeld, Dr. Henry Philipsen an der städtischen Höheren Mädchenschule 1 in Hannover, Eugen Brack an der städtischen Del Mädchenshule in Altona, Oskar Bethge an der Humboldtschule in Frankfurt a. Main, Dr. Hermann Kienast an der Königin Luiseschule in Königsberg |1. Pr., Dr. Adolf Mahlert an der Sophienschule in Hannover, Heinrich Hohl an der städtishen Höheren Mädchenschule in Dortmund, Wilhelm Briecke an der Sophienschule in Hannover, Dr. Max Kl an der städtischen Höheren Mädchenschule T in Wiesbaden, Traugott Lehmann an der städtischen Höheren Mädchenschule in Halle, August Hoffmann und Otto Koldewey an der Königin Luiseshule in Erfurt, Ferdinand Jarel ant Der Luisenshule in Allenstein, Dr. Fciedrich Beyte an der Sophienshule in Hannover, ‘Paul Schuly an der Augustashule in Kottbus, Paul Hoffmann an der städtischen Höheren Mädchenshule in Bochum, Dr. Willy Mettin an der Viktoria Luisenschule in Deuts - Wilmers- dorf, Dr. Ludwig Tesch an dem städtischen Lyzeum nebst Studienanstalt in Entwicklung in Stettin, Dr. Karl Fromm- kneht an der städtishen Höheren Mäddl enshule in Thorn, Albert Es derts an der Luisenshule in Berlin, Dr. Nichard Hint an der Victoriaschule in Berlin, Dr. Max Kuttner an der Augustashule in Berlin, Georg Kemlein an der städtischen Höheren Mädchenschule in Flensburg, Albert Elgeti an der Luisenshule in Mülheim, Ruhr, Dr. Kurt Müßel an der Victoriashule in Breslau, Dr. Eduard Moritz an der Sophienschule in Berlin, Dr. August Müller an der Elisabethshule in Berlin, Ernst Heinzelmann an der Humboldtshule in Frankfurt a. Main, Friedrich Vogt an der städtischen Höheren Mädchenschule in Flberfeld-Ost, Franz Blume an der Victoria Luisenschule in Deutsh-Wilmersdorf, Emil Martin an der Augustaschule in Breslau, Karl Grosch an der städtishen Höheren Mädchenshule in Elberfeld-West, Dr. Gustav Reischel an der städtishen Höheren Mädchenschule T in Hannover, Dr. Wilhelm Bernhardt an der Elisabethenschule in Frank- furt a. Main, Dr. Wilhelm Ellmer an der Humbold!schule in Frankfurt a. Main, Gustav Wolter an der städtischen Höheren Mädchenschule in Duisburg, Dr. August v. Lengerken an der Viktoriaschule in Danzig, Franz Richter an der Luijen- schule in Essen, Paul Hoffmann an der Augustaschule in Breslau, Dr. Friedrih Braß an der Augustaschule in Kottbus, Joseph Schlitt an der städtishen Höheren Mädchenshule 1 in Wiesbaden, Dr. Karl Olbrich und Dr. Oskar Lengert an der Viktoriashule in Breslau, Ai Döhler an der Auguste Victoriaschule in Jbehoe, rnst Abicht an der Viktoriaschule in Danzig, Hans Priewe an der städtischen Studienanstalt in Berlin, Richard Brandes an der Chamissoshule in Schöneberg, Dr. Max Rackwiß an der Charlottenshule in Berlin, Dr. Hermann Ullrich an der städtischen Höheren Mädchenshule in Brandenburg, Max Bender an der öffentlihen Höheren Mädchenschule in Friedenau, Hermann Gehlsdorf an der öffent- lihen Höheren Mädchenshule in Groß - Lichterfelde, Otto Nasch an der Chamissoshule in Schöneberg, Dr. Jo- hannes Teufer an der NRüertschule in Schöneberg, Karl Wilcke an der Kaiserin Auguste Victoriashule in Dirschau, Dr. Karl Vögler an der Schillershule in Frankfurt a. Main, Ludwig Bottler an der Luisenshule in Mülheim (Nuhr), Dr. Richard Köhler und Hans Sumpff an der Viktoria- \cule in Breslau, Dr. Robert Burg an der Auguste Victoria- \{ule in Charlottenburg, Erwin Schneider an der öffentlichen Höheren Mädchenshule in Grunewald, Dr. Eduard Dittmar an der Luisenstifstung in Posen, Dr. Hermann Buchegger. an * dem städtischen Höheren Lehrerinnenseminar in Frankfurt a. Main, Heinrih Werner an der Viktoria Luisenschule in Deutsch-Wilmersdorf, Otto Pauert an der städtischen Höheren Mädchenschule in Jser- lohn, Philipp Offermann an der Königin Luiseschule in Cöln, Johann Wittenburg an der städtischen Höheren Mädchenschule in Elmshorn, Heinrih Joachim Langla an der Luisenschule in Naumburg, Nobert Roedtke an der städtishen Höheren Mädchenschule in Kolberg, Wilhelm Grube an der städtischen Höheren Mädchen- \{hule in Spandau, Richard Czwalina an der Kaiserin Auguste Victoriaschule in Osterode, Ostpr, Dr. Egon Frey- berg an der städtischen Höheren Mädchenschule in Osnabrück, Hermann Huwe an der öffentlihen Höheren Mädchenschule in Boxhagen-Rummelsburg, Dr. Paul Lampe an der städtischen Söberen Mädchenschule in Quedlinburg, Hans Stobbe an der Königin Luiseshule in Tilsit, Karl Behrens an . der Kaiserin Täbtld Victoriashule in Emden, Richard Grabig an der städtischen Höheren Mädchenschule in Guben, Ernst Donath an der städtishen Höheren Mädchenschule in Kattowiß, Richard Meusel an der städtischen Höheren Mädchen- \{ule 1 in Kiel, Ludwig Tappenbeck an der Königin Luise- \{hule in Nordhausen, Dr. Friy Sommerlad an der Luisen- ule in Magdeburg, Theodor Gissel an der städtischen öheren Mädchenschule in Hamm, Dr. Richard Frie an der aiserin Auguste Victoriaschule in Halberstadt, Aggo Reinders an der städtischen Höheren die m 3 in Leer, Dr. Alfred Teßmann an der Margaretenschule in Berlin, Nobert Ficker an dem städtishen Höheren Lehrerinnenscminar in Aachen, G Becker an der Auguste Victoriashule in Saar- rüden, Dr. Heinrih Küenßyle an der Sophienschule in Hannover, Dr. Franz Koch an der Königin Luiseschule in Tilsit, Johannes Junius an der städtischen Höheren Mädchen- \{hule in Rastenburg, August Rohmann an der Sophien- l hule in Berlin, Dr. Uran Berger an der Sophie Char- o‘tenschule in Charlottenburg, Dr. Arthur Wohlthat an der Luisenschule in Düsseldorf, Martin Deutsch an der Auguste

Dr. Max Lipp an der Auguste Victoriashule iu Charlottenburg , Dr. th. Herfnann Kapelle an dem städtischen Höheren j Lehrerinnen- seminar in Aachen, Friedrih Kosnic der Kaiserin Auguste Victoriaschule in Elbing, Edmund Göhring an der öffent- lihen Höheren Mädchenschule in Pankow, Dr. Max Lau? an der Sophie Charlottenschule in Charlottenburg, Wilhelm Mohs an der Augustaschule in Magdeburg, Arthur Huld an der Luisenschule in Naumburg, Max Jahn an der Augustashule in Frankfurt a. Oder, Ludwig Wey rau h an der städtischen Höheren Mädchenschule in Rathenow, Dr. Oskar Mot an der städtischen Höheren Mädchenschule in Neumünster, Otto Borbein an der städtischen Höheren Mädchenschule in Herford, Otto Gerlach an der städtischen Höheren Mädchenschule in Göttingen, August Sannes an der Sophienschule in Hannover, Paul Deh nel an der städtischen Höheren Mädchenschule in Bunzlau.

Seine Majestät der König haben fernere Allergnädigst

geruht:

der Wahl des Oberlehrers Franz Meinecke an der Oberréalshule in Altona zum Direktor der Realschule in Cronenberg,

der Wahl des bisherigen Leiters des in der Entwicklung begriffenen Realprogymnasiums nebst Realschule in Opladen, Oberlehrers Karl Meßen zum Direktor dieser Anstalt und

der Wahl des Direktors Franz Mantau an dem bis- herigen Realprogymnasium in Sterkrade zum Direktor des nunmehrigen, in der Entwicklung begriffenen Realgymnasiums daselbst die Allerhöchste Bestätigung zu erteilen.

Victoriashule in Jyehoe,

YFustizministerium.

Der Rechtsanwalt, Justizrat Davidsohn in Hildesheim ist zum Notar für den Bezirk des Oberlandesgerichts zu Celle, mit Anweisung seines Amtssißes in Hildesheim, ernannt worden.

Ministerium für Handel und Gewerbe.

Die Lehrerinnen Marie Will, Margarete Hoppe und Helene Dreeßen sind zu Königlichen Gewerbeschullehrerinnen, und zwar erstere an der Handels- und Gewerbeschule für Mädchen in Posen, leßtere an der in Potsdam ernannt worden.

Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.

Viehseuchenpolizeilihe Anordnung.

Da in den für die Geflügelausfuhr nah Deutschland in Betracht kommenden Ländern übertragbare Geflügelseuchen (Geflügelcholera, Hühnerpest) in einem für den inländischen Geflügelbestand bedrohlichen Umfange herrschen, wird auf Grund des 8 7 des Reichsgeseßzes, betreffend die Abwehr und Unter- drücung von Viehseuchen, vom 1. Mai 1894 (Reichsgeseßblatt S. 409) und des $ 3 des Ausführungsgeseßes vom 12. Mai 1881 (Geseßsamml. S. 128) in der Fassung des Geseßes vom 99. Juli 1905 (Geseßsamml. S. 318) folgendes bestimmt.

S1

Als Geflügel im Sinne: dieser Anordnung gelten Gänse, Enten, Haushühner, einschließlich Perlhühner, Truthühner, Pfauen und Schwäne. es

1) &bendes Geflügel darf aus dem Auslande nur an den von den Neg!erungbpräsidenten der Grenzbezirke bestimmten Grenzübergangs- stellen eingelassen werden. :

9) Die Einfuhr darf nicht mittels Fußtranéports und nur in \solhen Wagen, Käfigen, Körben oder äbnlichen Behältnissen erfolgen, deren Einrichtung cin Herausfallen von Kot, Fütterresten und Streu tunlihs}t verhindert.

3) Die NRegierungépräsidenten der Grenzbezirke können aut- nahmêweise das Treiben von Gänsen auf bestimmten Straßen von A Ee nah decr nächsten Etscnbahnstation zur Verladung ge- statten.

4) Sie sind ferner befugt, tie Einfuhr an den einzelnen zu- gelassenen Eir gangsstellen auf bestimmte Tage und Tageéstunden zu beschränken.

1) Die aus dem Auslande kommenten Geflügelsentungen find an ten Einlaßstellen einer amtstierärztlichhen Untersuchung zu unterwerfen. Gâänse, die von der Grenze nah ter nächsten Ei)enbahnstation ge- trieben werden dürfen, sind \pôätestens bis zur Verladung amtstier- ärztlich zu untersuchen. :

2) Unberührt bleiben die für einzelne Grenzübergangsstellen bereits erlassenen oder künftig ergehenden Vorschriften, wonah unter be- stimmten Vorauesetßzungen aus dem Auséland eingeführtes Geflügel nah ter erstmali.en UntersuchGung auch einer polizeilihen Be- obachtung zu unterwerfen und wiederholt amtstterärztlih zu unter- fuchen ist.

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1) Die mit der Eisenbahn in ganzen Wagenladungen lose oder in Stiegen verpackt aus dem Ausland eingehenden Geflügel- sendungen sind auf der Grenzstation, rie Gâänsetransporte, die von dec Grenze zur nächsten Station getrieben werden dürfen, bei der Verladung auf dieser Station dergestalt cisenbabnamtlih unter Blet- verschluß zu nehmen, daß eine Beseitigung von Ttieren oder Kadavern ohne sihtbare Beschädigung des Verschlusses niht möglich ist.

n 2) Muß während der Beförderung, s. B. zum Zwecke der Fütterung oder Tränkung, der Bleivershluß gelöst werden, so darf dies nur eisenbahnamtlih und unter eijenbahnamtliher Ueberwachung des Tranéports bis zur Wiederanlegung des Bleiverschlusses geschehen. Der Bleivershluß daf am Entladeorte nur unter polizeilicher Ueber- wachung und nur derart gelöst werden, daß eine unbemerkte Be- seitigung etwa erkrankter und verendeter Tiere ausgeschlossen ift. ___3) Ist der Bleivershluß während der Beförderung unbefugt ge- öffnet worden und liegt der Verdacht vor, daß dies zur Beseitigung kranker oder verendeter Tiere geschehen ist, so ist die Sendung bis zur Feststellung der Seuchenfreiheit, mindestens aber 24 Stunden lang, abzusondern und unter polizeiliche Beobachtung zu stellen, sofern der Besitzer nicht etwa die sofortige Abschlachtung vorzieht.

4) Falls die Sendung binnen 24 Stundcn einen Standort erreichen kann, wo die Tiere geshlahtet oder abgesondert und beob- achtet werden sollen, kann die OÖrtspolizeibehörte die Weiterbeförderung dorthin unter der Bedingung gestatten, daß die Tiere auf der Eisen- bahn oder zu Schiff befördert werden, und daß se unterwegs mit antercm Geflügel nit in Berührung kommen. Vor Erteilung der Erlaubnis zur Ueberführung in einen anderen Ortspolizei- bezirk zum Zwecke der Absonderung und Beobachtung ist bei der Ortspolizeibehörde des Bestimmungsorts anzufragen, ob die Tiere dort Aufnahme finden können. Zutresfendenfalls ist ebenso wie im Falle der Ueberführung in etnen anderen Ortépolizeibeztrk zum Zwecke der Schlachtung die Ortspoltizeibehörde des Bestimmungsortes von dem bevorstehenden Eintreffen der Tiere unter Angabe threr Gattung und Stückzahl rechtzeitig zu benachrihtigen. Die Ab- \{lahtung des zu diesem Zweck autgeführten Geflügels ist am Be- \slimmungsorte polizeilih zu überwachen.

r.

D 1) Bei der Entladung oder, sofern es \sich um Stückgut. sendungen handelt, vor der Auslieferung ist das mit der Eisen- bahn oder zu Schiff eingegangene oder weiter beförderte ausländisce R einer abermaligen amtstierärztlihen Untersuhung zu unter- werfen.

2) Von der in Absayg 1 vorgeschriebenen Untersuchung sind solche -

Sendungen befreit, bei denen zwischen der Untersuchung an der Grenze und der Ankunft am Orte der Entladung niht mehr als 12 Stunden verstrichen sind. :

3) Weitergehende allgenieine Anordnungen, die in einzelnen Negierungöbezirken über die amtstierärztlihe Untersuung von Ge- flügel bei der Entladung auf der Eisenbahn erlassen sind, bleiben hiervon unberührt. i

4) Wird bei der Untersuhung nach Abs. 1 die Geflügelcholera oder die Hühnerpest oder der Verdacht einer dieser Seuchen festgestellt, so ist nah den für die Bekämpfung dieser Seuchen im Inlande maß- gebenden Vorschriften zu verfahren. Sofern fich bei der Untersuchung einer Sendung Umstände ergeben, die zur sicheren Feststellung der Seuchenfreiheit eine polizeiliche Beobahtung und nochmalige Unters- suchung wünschen8wert erscheinen lassen, find die Ortspolizeibehörden befugt, zu bestimmen, daß die im $ 5 Abs. 3, 4 vorgesehenen Maß- regeln zur Anwendung kommen.

S0

1) Auf das im Post- und Reisegepäckverkehr und auf das über See aus dem Ausland eingehende Geflügel sowie auf die unmittelbare Durchfuhr von lebendem Geflügel durh das NReic;sgebiet findet diese Anordnung keine Anwendung.

2) Das Gleiche gilt für nicht mit der Eisenbahn oder zu Schiff eingehendes Geflügel, das sich im Bereiche des Grenzverkehrs bewegt, sofern es sich um Transporte von weniger als 100 Stück handelt. Die Negierungspräsidenten der Grenbezirke haben für die Kontrolle dieser Ausnahme die erforderlichen Bestimmungen zu erlassen. Auch sind sie befugt, im Falle-des Mißbrauchs oder aus anderen dringenden Gründen die Ausnahme aufzuheben es einzuschränken.

___ Für die Bemessuyg der von ‘den Besißern der Geflügelsendungen für die Untersuchungen nah Maßgabe dieser Anordnung zu eut- richtenden Gebühren bleibt die Bestimmung eines Tarifs vorbekbalten.

D De Diese Anordnung tritt am 1. Oktober 1911 in Kraft.

Berlin, den 1. August 1911.

Der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten. Freiherr von Sch orlemer.

NichlamilicZes. Deutsches Reich. Preußen. Berlin, 11. August. Der Königlich niederländishe Gesandte Baron Gevers hat Berlin verlassen. Während seiner Abwesenheit führt der

Legationssekretär Jonkheer Clifford Kocq van Breugel die Geschäfte der Gesandschaft.

Laut Meldung des „W. T. B.“ sind vorgestern S. M. S. „Loreley“ in Saloniki, S. M. „Panth er“ in Vlissingen, S. M. S. „Möwe in Lome (Togo), S. M. S. „Scharn- horst“ mit dem Chef des Kreuzergeshwaders, S. M. S. „Nürnberg“ und „S. 90“ in Wladimir-Bay und S. M. S. „Jaguar“ in Yokohama angekommen.

2 B Ps C.

Hessen.

Mainz, 11 August Seine Mas eitäl der Nater und König traf mit den Herren des Gefolges heute früh 6 Uhr von Wilhelmshöhe bei der Wärterbude 39 der Strecke Mainz— Alzey ein, wo sich, „W. T. B.“ zufolge, Jhre Königlichen Hoheiten der Großherzog Und die Großherzogin von Hessen sowie die Kronprinzessin von Griechenland, die jüngeren Prinzen, der kom- mandierende General, General der Jnfanterie von Eichhorn und der japanische General Nogi eingefunden hatten. Nach der Begrüßung begab sih Seine Majestät der Kaiser nach dem Großen Sand, um einer Truppenübung der 25. (Großherzog- lich hessishen) Division und anderer Truppenteile beizuwohnen. An die Uebung {loß sih eine Parade an, nah deren Ab- nahme Seine Majestät der Kaiser mit Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog an der Spiße der Fahnenkompagnie und der Standarteneskadron zur Stadt und unter Glockengeläute und dem Jubel einer ungeheuren Menschen- menge durh die festlich geshmücckten Straßen um Großherzoglichen Schloß ritt. Vor dem Schloß wohnte Seine Majestät dem Abbriagen der Feldzeichen bei und nahm im Vestibül die Begrüßung des Oberbürgermeisters Dr. Göttel- mann im Namen der Stadt Mainz entgegen. Bald darauf fand Frühstückstafel statt. e

Elsaß-Lothringen.

Als Tag für die allgemeinen Wahlen zur Zweiten Kammer des Landtags für Elsaß - Lothringen ist, wie „W. T. B.“ meldet, durch Anordnung des Statthalters der 22. Oktober d. J. festgeseßt worden. Etwa erforderliche Nach- wahlen haben demgemäß am 29. Oktober stattzufinden.

Oesterreich-Ungarn.

Die ungarishe Regierung hat laut Meldung des gW. T. B.“ verfügt, daß vom 1. September ab in den Bildungsanstalten für Lehrer und Lehrerinnen die deutsche Sprache als einzige fremde Sprache in sämtlichen Klassen obligatorisch gelehrt werden soll. Der Lehrer hat von der ersten Stunde an mit den Schülern ausschließlich in E Sprache zu verkehren und die Schüler deuts sprechen

l

Srofßbritannien und Jrland,

Jm Oberhause gab gestern der Lordpräsident des Ot- heimen Rates Viscount Mor A in Erwiderung auf Anfragen

Lansdownes und Middletons folgende Erklärung ab: „Wenn die Parlamentsébill heute abend fallen sollte, wird Seine Majestät einwilligen, so viele Peers zu ernennen, daß ihre Zahl hin- reiht, um jeder möglihen Eombination der Oppositionsparteien s! begegnen, durch welche die Parlamentsbill zum zweiten ale einer Niederlage ausgeseßt werden könntèé. Jede Stimme, die gegen den bestens Cg A a8 ne Lords auf ihren Amendements 1 : vollen, wird zugunsten etner ausgedehnten leunigten Sl

nennung von Peers abaed ee O a :

Hierauf seßte das Haus die Verhandlung über die arlamentsbill fort und nahm die Bill nach sehr erregter Debatte mit 131 gegen 114 Stimmen an. Ueber den Verlauf der Verhandlungen berichtet das „W. T. B.“, je folgt: vi A Nosebery unterzog das Verhalten der Regierung gegen- iber dem Köntg einer Kritik, erklärte jedoch, die Gesetßesvorlage müsse durchgebracht werden. Wenn die Vorlage heute abend angenommen werden würde, ohne daß die Notwendigkeit gegeben sei, neue Peers zu ernennen, würde Europa und dem Neiche ein Skandal erspart werden, der das Mutterland s{hwähen würde. Im weiteren Nerlause der Verhandlungen wuchs die Erregung außer- rdentlih. Der Unionist Camperdown erklärte, er beab- sichtige, mit der Regierung zu stimmen, um die Schaffung von Peers zu verhindern. Darauf erklärte der Herzog von Norfolk, er würde mit Halsbury stimmen, um die Abstimmung Camperdowns unwirksam zu machen. Ebenso sagte Halifax, daß er auf Grund des Vorgehens Camperdowns Halsbury unterstützen werde. Der Herzog von Devonshire erklärte, daß, wenn der Natschlag der Führer der Unionisten verworfen werden sollte, ihre Stellung unhaltbar werden würde. Nach einigen weiteren Erörterungen wurde der Antrag Morleys, in die Beratung der Amendements einzutreten, anzenommen, worauf Morley be- antragte, das Haus wolle an - dem ersten Amendement, betreffend das Finanzgeseß, nicht festhalten. Der Erzbischof von Canterbury erklärte, er habe ursprünglih die Absicht N sih der Abstimmung zu enthalten. Die Gleichmütigkeit jedo, mit der einige Pcers die Ernennung von 500 neuen Peers betrachteten, die das Haus und England zum Gespött der ganzen Welt machen würde, veranlasse ihn, die Regierung zu unterstüßen. Im leßten Augenblick erklärte sich auch Lord Rosebery bereit, die Negierung zu Ie Nach dem leidenschaftlichen Appell Lord Selbornes und Lord Curzons, der Vertreter der beiden in der Opposition herrschenden Ans(auungen, \{hritt das Haus zur Abstimmung.

Im Unterhause wurden gestern eine Reihe von Anfragen erledigt, nachdem das Haus mit 256 gegen 158 Stimmen die Entschließung angenommen hatte, daß seinen Mitgliedern 400 Pfund jährlich ausbezahlt werden sollen.

Nach dem Bericht des .W. T. B.“ fragte Mills an, ob der Staatssekretär des Auswärtigen ‘Amts auf die Verhaftung eines britishen Yeomanryoffiziers in Deutschland aufmerksam geworden sei und welche Schritte die Regierung in dieser Sache zu unternehmen beabsichtige. Grey erwiderte: Nach dem Bericht des stellvertretenden britishen Generalkonsuls in Hamburg ist ein britischer Untertan unter der Beschuldigung der Spionage verhaftet worden. Der Verhaftete hat den Beistand eines Nechtsanwalts und steht in Nerbindung mit seinen Verwandten und Freunden in Eng- land. Es \cheint, daß dieser Fall nach den Negeln des deutschen Gerichtsverfahrens behandelt werden muß, es liegt deshalb fein Grund für eine Einmischung der britischen Regierung vor. Die britische Botschaft in Berlin is} an- gewiesen, diejenige Unterstüßung, die dem geseßmäßigen Vertreter des Angeklagten billig gewährt werden kann, zu leisten. Der Abg. Bull fragte an, ob ein Grund vorhanden wäre zu der Behauptung, daß der Angeklagte mit Brandon und Tren in Verbindung gestanden habe. Grey antwortete, er habe eine solche Darstellung nit gelesen. Soweit er sehen könne, sei sie unbegründet. Auf die Anfrage Ashleys, ob der Angeklagte tatsächlich Offizier der Veomanry ge- wesen wäre, antwortete Grey, er wisse darüber nihts Gewisses. Er habe feinen Grund zu der Annahme, dai diese Angabe falsch sei, aber er fönne sie nicht aus eigener Kenntnis bestätigen.

Der Handelsminister Burxton gab bekannt, daß der Ausstand der Kohlenträger beendet sei und daß die Unterhandlungen der Auslader und der Fuhrleute mit den Unternehmern heute fortgeseßt würden. Der Minister des Innern Churchill jagte in Beantwortung mehrerer Anfragen über die Unruhen, der Polizeipräsident von London habe für den Augenblick aus- reichende Kräfte zu seiner Verfügung. Aber wenn die Nußbe heute nicht wiederhergestellt werden sollte, so werde die Regierung eine Erklärung abgeben über die Schritte, die zur ferneren Aufrecht- erhaltung der Ordnung und zur Sicherung der Lebensmittelzufuhr in London unternommen werden würden. Churchill fügte hinzu, der Polizeipräsident sei beauftragt, alle notwendigen Maßregeln für die Yufrehterhaltung der Geseße und der Ordnung zu treffen. Personen, die sh Ruhestörungen oder Bedrohungen zushulden kommen ließen, würden sofort verha|stet werden.

Auf mehrere Anfragen erklärte der Staatésekretär Sir Edward Grey, die russishe egierung widerseße sih der Grnennung des Majors Stokes aus dem Grunde, weil diese fich auf Nordpersien beziehe. Die Ernennung verleßze keinen Buchstaben des englisch- russishen Uebereinkommens, aber es fönnte behauptet werden, daß sie, insoweit der Norden Persiens in Betracht komme, gegen den Geist des Uebereinkommens verstoße. Ein ent- \prehender Standpunkt hätte ohne Zweifel von der britischen Negie- rung eingenommen werden können, wenn ein russisher Offizier beim Ablauf seiner Stellung als Militärattahé in Teheran dazu gewählt worden wäre, die Gendarmerie in dem der indischen Grenze benah- barten Teile Persiens zu organisieren.

Asien.

Nach Meldungen des „Reuterschen Bureaus“ aus Teheran bleibt die Frage der Ernennung des Majors Stokes immer noch unentschieden, da die indische Regierung seinem Aus- scheiden aus der indischen Armee nicht zugestimmt hat. Einstweilen ist so die Bildung einer Zollgendarmerie praktisch unmöglich gemacht. Ein Amerikaner, namens Merill, der bei der Polizei auf den Philippinen gedient hat und der als Gehilfe für die Reorganisation der Zollgendarmerie engagiert t, Ast n Baku angekommen; shwedishe Offiziere, die bei der Neorgani- sation der Gendarmerietruppen beschäftigt sind, und zwei fran-

ösishe Berater der Ministerien des Jnnern und der Justiz fallen in Persien angekommen sein. .

Die Bewegungen des früheren Shahs find in Dunkel gehüllt; es ist {hwer, genau festzustellen, welche mili- tärishen Maßregeln von der Regierung getroffen werden.

Statistik und Volkswirtschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

3000 Elektromonteure und Helfer Groß - Berlins- organisiert im „Deutschen Metallarbeiterverband", besch!ossen, wie die „Voss. Z!g." berichtet, gestern abend in einer Versammlung, in eine Lohnbewegung einzutreten. Sie gaben einem neuen Lohntarif ihre Zustimmung, die folgende wesentlihe Bestimmungen auf- weist: „Arbeitszeit 9 Stunden, Mindeststundenlohn für Monteure 70 4, Hilfsmonteure 55 A; Monteure die diesen Lohn oder höheren bezogen, erhalten 5 v. H. Zuschlag. Montage 4 46 Zuschlag den Tag. Ueberstunden, Nacht- und Sonntagsarbeit 25, 50 und 75 v. H. Zuschlag. Akfordarbeit ist unzulässig. LTarifdauer bis zum 15. August 1913". Der Tarif soll den Arbeitgebern sofort unterbreitet werden. In Frage kommen gegen 5000 Arbeiter.

Die auéständigen Bergarbeiter des mitteldeutshen Kohlenbezirks, die seit drei Monaten im Lohnkampf stehen und am Montag bes{lossen haben, den Ausstand fortzuführen, entsandten, wie der „Köln. Ztg.“ aus Halle R eS wird, am 9. d. M. Arbeiterausshüsse auf die Werke zur Einleitung von Verhandlungen. Die Unternehmer haben alle Forderungen abgelehnt. Viele Berg- arbeiter haben inzwischen Beschäftigung bei Landwirten gefunden.

In Wien träten, wie die „Köln. Ztg.“ erfährt, Polierer, Vizepolierer und Bauschreiner gestern auf 200 Baustellen in

den Ausstand; auf den übrigen wurden die Forderungen bewilligt, nämlih ein Wochenlohn von 70, 50 und 40 Kronen.

Aus London wird dem „W. T. B.“ gemeldet, daß der Streik der Fuhrleute (vgl. Nr. 187 d. Bl.) beigelegt ist. Der Aus- stand, von dem die Allgemeinheit am empfindlichsten betroffen wurde, erstreckte fh auf 39000 Mann. Jegt verbleiben nur noch 12 000 Auslader und Stauer im Ausstand, da ihre Beshwerden noch niht erledigt sind. Im Handelsamt wurde auch zwischen den Kohlenträgern und ihren Arbeitgebern ein Uebereinkommen getroffen, wonach die Arbeiter eine Lohnerhöhung und andere Zugeständnisse er- halten. Die durh den Streik geschaffene Lage war gestern früh sehr ernst. Die Kais sind überfüllt mit Vorräten an Lebensmitteln, die in Fäulnis übergehen. Die Eingänge zu den Doks sind gesteckt voll mit ruhenden Frachtkähnen, die Straßen waren erfüllt von einer erbitterten Menge, die alle Wagen, die Waren führen, überfiel und umstürzte. Polizei war wohl in großer Stärke aufgeboten, doch unzulänglißh gegenüber den Volksmassen, die sih auf so viele Pläye verteilten. Die Vorräte an Benzin nahmen {nell ab, sodaß die Omnibusgesellshaften und Selbstfahrer in zwet Tagen gezwungen neen wären, den Betrieb einzustellen. Die Garnisonen von Aldecshot, Dover und Colchester hatten Befehl erhalten, sich zum Abmarsch nach London bereit zu halten. Aehnlih \{chwierig war geslen die Lage in Liverpool, wo gestern früh Mnstrengungen gemacht wurden, alle Güter, die auf der Zentralstation ausgehäuft sind, abzuladen. Dies ist zwar gelungen, ober erst nach angestrengten Bemühungen der Polizei, die un- ausgesezt von ihren Knüppeln Gebrauch machen mußte, \o- daß sie sih \hließlich ershöpft zurückzog und durch Be- rittene erseßt wurde. Hundert Polizeibeamte, die von Birmingham dort ankamen, wurden unter Hohngeschrei der Menge mit allen mög- lihen Wurfgeschossen empfangen. Die Volksmenge hleb auf die Helme einiger Offiziere ein und jagte wild hinter den Polizeibeamten her, als diese sich nah der Hauptpolizeistation begaben. Ein Polizet- beamter, der einen Ausständigen verhaftete, wurde von der Menge verfolgt und mußte in einem Laden Zuflucht suchen.

Die St. Petersburger Hafenarbeiter haben, „W. T. B.“ zufolge, bes{lossen, die Arbeit wieder aufzunehmen, nachdem ihnen versprohen worden war, daß ibnen anstatt Tagelohn Stücklohn ge- zahlt werden solle. (Vgl. Nr. 186 d. Bl.)

(Weitere „Statistishe Nachrichten“ \. i. d. Ersten Beilage.)

Wohlfahrtspflege.

Fn Brüssel tagte in der Zeit vom 17. bis 21. Juli d. F, der «Fnternationale Kongreß für den Schuy der entlassenen Sträflinge und der verwahrlosten Kinder. Wie die „Sozialkorrespondenz“ berichtet, erörterte man die Frage, ob die Fürsorgebestrebungen für die entlassenen Sträflinge in dem Augenblick einsezen sollten, in dem ein Sträfling das Gefängnis ver- lasse. Die Häâlste der Teilnehmer bejahte diese Frage, weil sonst der Entlassene, der nicht die Willenskcaft dazu besie, sich aus freien Stücken nah dem Siße des Fürsorgevereins zu be- geben, Gefahr laufe, in die alte verhängnisvolle Umgebung zu geraten, und dann ‘für immer verloren sel, Dié “andere Hälfte dagegen vertrat die Ansicht, daß der entlassene Sträfling aus eigenem Antrieb den Fürforgeverein aufsuhen müsse; dieses freiwillige Kommen bezeuge den ehrlichen Willen des Gefallenen, die Wieder- aufnahme in die menschlihe Gesellschaft zu erreichen. Auch die Frage, ob der Arbeitgeber, bei dem der entlassene Sträfling untergebracht wird, über dessen Vorleben unterrihtet werden foll oder nicht, wurde verschieden beantwortet. Schließlich einigte man ih in einer gemein- samen Beschlußfassung auf eine vermittelnde Formel: Der Fürsorge- verein hat die Aufgabe, den Sträfling während der Verbüßung feiner Strafe auf seine Freilassung vorzubereiten und auf die dem Verein zu Gebote stehenden Mittel, ihm Arbeit zu verschaffen, hinzuweisen. Ferner sei zu wünschen, daß die Entlassenen in den Fallen, in denen der Fürsorgeverein es für geboten erachtet, bei ihrer Freilassung in Empfang genommen und im Schußheim untergebracht werden. Nur diejenigen Entlassenen sollen jedo dort bleiben können, die sich bemühen, die Kosten thres Aufenthalts durch Arbeit zu verdienen. Auf Grund der gesammelten Erfahrungen spra sih diese Abteilung des Kon- gresses ferner für eine Ausdehnung der bedingungsweisen Freilassung von Strafgefangenen aus. Die Abteilung für Jugendgerichts- h ôfe war einig über die Notwendigkeit der Errichtung solcher Gerichts- hôfe und stellte im itbrigen folgende Grundjäße für diese Einrichtungen auf: Es erweist sih als nötig, der Cinsperrung der Kinder durch die Maßregel der beaufsichtigten Freiheit vorzubeugen. Der Richter muß in Beziehung zu den überwachten Kindern bleiben. Die Jugendgerichts- höfe sollen ihre Tätigkeit sowohl auf die Kinder erstrecken, die eine Handlung begangen haben, die nah dem Sinne des Gesetzes ein Vergehen darstellt, wie auf die verwahrlosten und die geistig und sittlich zurücgebliebenen Kinder. Erwähnenswert ist hier noch die Forderung, daß die Kinder, die Hang zum Verbrechen, zur Bettelei und zum Landstreichertum zeigen, bevor sie in Besserungsanstalten unter- gebraht werden, zuvor einer eingehenden medizinal-pädagogishen Be- obahtung in besonderen Anstalten unterworfen werden sollen, damit man ein klares Bild über ihre s\eelishe und körperlihe Verfassung und den Zu- sammenhang mit ihren Schwächen gewinnen kann. In den Besserungs8- anstalten soll neben der Erzichung gewerblicher und landwirtschaft- lier Unterricht erteilt werden; die Zöglinge sollen nicht früher fret- gelassen und in die Lehre gegeben werden, als bis sie eine hinreihende beruflihe Vorbildung besißen. Weitere Kongreßbeschlüsse bezogen ih auf etne planmäßige JIrrenfürsorge dur) Bildung besonderer, Landesverbände, auf vorbeugende Maßregeln zur Bekämpfung der Bettelet und des Landstreihertums und auf eine energische Bekämpfung des Alkoholismus als des eigentlihen Grundübels der Verwahrlosung und des Verbrehertums.

Kunst und Wissenschaft.

Die Königlih preußische Akademie der Wissen- \chaften hat am 27. Juli unter dem Vorsitz ihres Sekretars Herrn Diels eine Gesamtsizung gehalten, in der Herr Brandl über die älteste Shakespearebiographie von Nowe 1709 las. Er untersucht ihre Quellen, prüft die Angaben mit Hilfe der Urkundenforshung vnd findet, daß Nowe wohl öfters ungenau erzählt, entsprehend der Ungunst der Verhältnisse, aber niemals aus der Luft griff und unter ylutarhishem Einfluß sogar geshickt auf die wirklichen Lebens- probleme drang. Seine Berichte übec Shakespeares Schule, Heirat, Theateranfänge, Freunde und leßte Jahre sind daher im wesentlichen ernsthaft zu nehmen. Hr. von Wilamowiß-M oellendorff legte cine Mitteilung, ein Stück aus dem Ancoratus des Epiphanios, vor. In seiner Polemik gegen die Grtiehengötter benußt Epiphanios Clemens und Theophilos flüchtig und mit groben Entstellungen; doch führt er zur S eines berühmten Wortes des Protagoras. In anderm stellt sich der Schein der Gelehrsamkeit als trügerisch heraus.

Das korrespondierende Mitglied Hr. Wien in Würzburg hat eine Abhandlung über die Bestimmung der mittleren freien Weglänge der Kanalstrahlen eingesandt. Der Verfasser läßt ein Sanalittablenbündel dur zehn unmittelbar hintereinanderliegende elektrishe Kondensatoren gehen, deren jeder unabhängig von den übrigen geladen werden fann, und gewinnt jo die Möglichkeit, an einer beliebigen Stelle des Strahlenbündels die dort vorhandenen geladenen Atome durch elektrische Ablenkung aus dem Bündel heraus- zunehmen. Das übrigbleibende, durch das ganze System geganaene Bündel wird durch seine Wirkung auf eine Rubensche Thermosäule gemessen. Da die Ladungen der Atome sich bei den Zusammenstößen der Kanalstrahlteilhen mit den ruhenden Gasmolekülen stets wieder zum Teil regenerieren, so is hierdurh ein Mittel gegeben, die Schnelligkeit der Regeneration und damit auch die mittlere frete Weglänge der Kanalstrahlteilhen zu bestimmen. Diese ergibt fich von derjelben Größenordnung wte in der ktnetishen Gastheorie.

Der Vorsitzende legte den von dem Generalsekretar des Kaiser- lichen Archäologischen Instituts Prof. Dr. H. Dragendorff ein- gereichten Jahresberiht des Instituts für das Rechnungsjahr 1910 vor. Ferner wurden das mit Unterstüßung der Akademie ershienene Werk N. Unger, Hamann und die Aufklärung, Bd. 1, 2, Jena 1911, und das von dem korrespondierenden Mitglied Herrn P. Vinogradoff eingesandte Werk: The Growth of the Manor, 2.G&ditton, Yonton 1911, vcrgelegt.

__ Der bekannte Bismarckforscher Heinrich Ritter von Poschinger ist, „W. T. B.“ zufolge, gestern in La Bollène (Seealpen) kurz vor der Vollendung seines 66. Lebensjahres gestorben.

Land- und Forstwirtschaft.

Der Stand der Weinberge im Regierungsbezirk Trier kann als besonders gut bezeihnet werden. Bie vorherrschende trockene Witterung hat die Arbeiten wesentlich erleichtert, sodaß die Weinberge in bezug auf Bearbeitung ein erfreulihes Bild abgeben. Die Ernte- aussichten haben leßthin eine Trübung erfahren durch die noch teil- weiss während der Blüte einfegende nasse Witterun und das starke Auftreten des Heuwurms, der übrigens mit allen Mitteln energisch bekämpft wird. Im allgemeinen kann man aber noch auf eine reih- lihe und auch gute Grnte hoffen, letzteres besonders deshalb, weil Le etwa drei Wochen früher einseßte, als in den vorhergehenden Iahren.

Saatenstand, Ernteaussichten und Getrelidehandel in Rußland.

Der Kaiserliche Konsul in Saratow berichtet unterm 3. d. M. : Der Monat Juli war im russishen Südosten durchweg sehr heiß; besonders das erste Drittel zeichnete sich durch ungewöhnlihe Wärme aus, dann trat für kurze Zeit kühleres Wetter ein, um bald darauf wieder den hohen Temperaturen des Monatsanfangs Plaß zu machen. Indessen muß zugegeben werden, daß die Nächte jet wenigstens einige Erfcishung bringen, während den Tag über sengende Glut herrscht. Regen ist nur äußerst spärlich niedergegangen. Daß die Ernte unter diesen Umständen mehr oder minder hoffnungslos ist, brauht kaum wiederholt zu werden.

Die Berichte der zum diesseitigen Amtsbezirk gehörenden Börsen- fomitees sprechen sh fast gleihmäßig {hlecht aus und es ist shwer zu sagen, welches der Gouvernements am Unterlauf der Wolga mit ihren Hinkerländern, nämlich den Gouvernements Orenburg und Ufa und dem Gebiete der Uralkosaken, am shlehtesten abgeschnitten hätte, Verpflegungsgetreide ist in diesen Strichen überall erforderlich. Dazu kommt noch, um die Not voll zu machen, der außer- ordentlihe Futtermangel, der die Bauern häufig nötigt, ihr Vieh zu jedem Preise loszushlagen. Im Gouvernement Orenburg z. B. kostet in den Kreisen Troizk und Tschjeliabinsk eine Milchkuh 9 Rubel, ein Pferd 12—15 Rubel, ein Schaf 0,80—1,00 Nubel, ein Kalb 1,00 bis 1,50 Nubel und Hühner werden das Paar zu 0,10 Nubel fortgegeben. Leider wird der Fehlbetrag der Körner- und der Grasernte auh niht durch andere Bodenerzeugnisse ausgeglichen ; so hat im Gouvernement Astrahan der Obst- und Gemüsebau ver- sagt, aus welchem sonst die Bevölkerung einen nicht zu unter- \hätßenden Es zu erzielen pflegte. Und des weiteren sieht es mit den Oelsaaten \{lecht aus, in denen für das Gouvernement S\aratow ein Ergebnis unter Mittel und für das Gouvernement Orenburg ein Ausfall erwartet wird.

Die Marktlage is natürlich während des Berichtsmonats von der drohenden Mißernte stark beeinflußt gewesen. Die Preise \chnellten wesentlich in die Höhe und haben C2 bis zum Schlusse des Monats entsprehend gehalten. Den Getreide- händlern dürfte daraus ein gutes Geschäft erblühen, um so mehr, als sie noch vielfah mit wvorjährigem Korn versehen sind, das sie seinerzeit erheblich billiger gekauft haben. Und ein wenig wird von diese Hausse auch dem Produzenten zugute kommen, der freilich nit den Preis erhält, den der Aufkäufer feinen späteren Kunden anseßt. Aber immerhin steigert \ih auch für ihn der Erlös, da er seine Getreide teurer verkaufen wird, obschon allerdings nicht teuer genug, um das Weniger des diesjährigen Er- trägnisses mit dem Mehr des Preises ausgleihen zu können. Das Geschäft sezte zu Beginn des Monats sehr fest ein, um erst gegen Ende Juli \{chwächer zu werden. Man zahlte Anfang Juli:

Nussischer Weizen . 0,99—1,05 Nbl. Noggen E 0,69—0,72 , Hafer (Pererod) . 0,65—0,68 , Nussischer Hafer 0,60—0,64 , Mitte Juli: Nussischer Weizen . 1,04—1,10 RbI. Mog Hafer (Pererod) . Russischer Hafer Ende Juli: Nussisher Weizen . Roggen : Haser (Pererod) . : Russischer Hafer . . . 0,67—0,73 , Gerste wurde überhaupt nit gehandelt.

Was das Geschäft in Oelsaaten anlangt, so war dies für Sonnenblumenkuchen fast den ganzen Monat über fest und ließ erst zum Schluß ein wenig nah. Sonnenblumenöl und Sonnenblumen- samen hielten sch anfänglich gleihfalls sehr beständig, begannen jedoch im leßten Monatsdriltel beweglicher zu werden. Gezahlt wurde:

Anfang Juli: Sonnenblumenkuchen . 066 Nbl. Sonnenblumensamen . 1,10—1,32 , Sonnenblumenöl 4,85—4,90 das Pud, Mitte Juli: Sonnenblumenkuchen . 0,68 NbL. Sonnenblumensamen . 1,10—1,35 , Sonnenblumenöl . . - O Ende Juli: Sonnenblumenkuchen . Sonnenblumensamen . Sonnenblumenöl

, das Pud,

, das Pud.

, das Pud, und

1,10—1,30 Rbl. D109 4

Das Kaiserliche Konsulat in Kowno berichtet unterm 4. d. M. :

Nach den in dem Wilnaer Blatt „Wilenskij Westnik“ vom 4. d. M.

veröffentlihten, im statistishen Zentralkomitee in St. Petersburg zu-

\ammengestellten Nachrihten war der Stand des Getreides am

1. Juli 1911 folgender: Im Gouvernement Wilna: Winterkorn über

, das Pud.

befriedigend, Sommerkorn befriedigend. Im Gouvernement Kowno: MWinter- und Sommerkorn größtenteils bedeutend über Mittel. Im S Grodno: inter- und Sommerkorn bedeutend über Mittel.

Im Kreise Swenziany, Gouvernement Wilna, hat ein starkes Hagelwetter das Winter- und Sommergetreide vieler Dörfer stark beschädigt.

Gejundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs®- maßregeln.

Malta.

Fn Malta sind durch Regierungsverfügung vom 4. d. M. die Stadt und die Provinz Triest sür choleraverseucht erklärt worden. Von dort kommende Schiffe unterliegen nebst ihren Passa- gieren den vorgeschriebenen gesundheitspolizeilichen Maßnahmen.

Aegypten.

Der Internationale Gesundheitsrat in Alexandrien hat beschlofsen, die Maßregeln gegen Herkünfte von Marseille mit der Ma ‘a aufzuheben, daß die ärztliche Untersubung und die Des- infektion weiter durhgeführt wird, falls es von der Gesundheitsbehörde u N erahtet wird. (Vergl. „Reichsanzeiger“ vom 5. d. M.,

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