1892 / 42 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

der Umzugstermine für Miethe und Gesinde auf die jedes- maligen Quartalsersten, wie solche bereits in den angrenzenden preußischen Provinzen Hannover, Hessen und Westfalen besteht. Der Etatsanschlag für 1892/93 {ließt ab mit einem Ueber- shuß von 225 000 Æ Für die Volksschullehrer ist eine außer- ordentliche Gehaltszulage von 120 F für jeden verheiratheten und 60 # für jeden unverheiratheten Lehrer beantragt. Nach der Wahl der Commissionen, denen die verschiedenen Vorlagen zugetheilt wurden, vertagte sih der Landtag bis zum 28. d. M.

Deutsche Colonien.

Im 1. Halbjahr des Etatsjahres 1891/92 betrug die Summe der Zoll- und sonstigen Einnahmen in Kamerun 200060 M

Der Kaiserlihe Gouverneur von Deutsch-Ostafrika Freiherr von Soden hat mit dem Ober-Richter Legations- Rath Sonnenschein und dem stellvertretenden Bezirks-Haupt- mann von Dar-es-Salam am 11. v. M. eine etwa vierzehntägige Nundreise in dem genannten Bezirk unternommen. Die Ge- schäfte des Gouverneurs wurden während dieser Zeit von dem Corvetten-Capitän Rüdiger wahrgenommen.

Das „Deutsche Colonialblatt“ enthält folgende Mes lung: „Sendungen an die Expedition Emin-Pascha, welche bisher an die Station Bufoba zu etwaiger Weiterbeförderung gerichtet wurden, können von jetzt ab niht mehr befördert werden, da der Aufenthalt der Expedition unbekannt ist.“

Oesterreich-Ungarn.

Die „Wiener Ztg.“ veröffentliht das Ucbcreinkommen zwischen Desterreih-Ungarn und Spanien wegen Ver- längerung des Handels- und Shhiffahrts - Ver- trages vom 3. Juni 1880 bis zum 30. Juni 1892.

Großbritannien uud Frland.

Der bekannte Asffrikareisende Sir Francis de Winton ijt, der „A. C.“ zufolge, zum Hof-Marschall des Prinzen George von Wales ernannt worden; er bekleidete dieselbe Stellung bei dem verstorbenen Herzog von Clarence.

Der âlteste Admiral der britishen Flotte Sir Provo Wallis ist im Alter von 101 Jahren am 13. Februar ge- storben. /

Wie der römische Correspondent einer englischen katholischen Zeitschrift mittheilt, beabsichtige der Pa pst, die alte katholische Hierarchie in England wiederherzustellen, d. h. die Erzdiözefe Westminster solle aufhören zu bestehen und England in zwei Kirchenprovinzen getheilt werden, von denen die eine von einom Erzbischof von Canterbury und die andere von cinem Erzbischof von York geleitet würde.

Frankreich.

Der Präsident Carnot hat, wie „W. T. B.“ berichtet, in der gestrigen Sizung des Ministerraths auf Antrag des Handels-Ministers Jules Roche einen Gesezentwurf unterzeihnet, wegen Gewährung eines Credits im Betrage von 3250000 Francs für die Betheiligung der franzöfischen Regierung an der Weltausstellung in

icago.

Die Deputirtenkammer hat gestern ihre Sißungen wieder aufgenommen. Der Boulangist Richard brachte einen Antrag ein, dahin gehend, mit Rücksicht auf die Vertheuerung des Lebensunterhalts in Folge der neuen Zölle ein Minimum der Beamtengehöälter festzu)ezen. Der Antragsteller verlangte die Dringlichkeit, die mit 366 gegen 100 Stimmen abgelehnt wurde. Der Socialist Lafargue brachte einen Antrag ein, die neuen Zolltarife für Lebensmittel abzuschaffen. Der Abg. Méline protestirte dagegen, indem er betonte, die Absicht Lafargue’s sci, das Volk aufzuwiegeln. Er ge nicht, daß die Con- sumenten sih über das neue Zollregime beklagten: dieselben würden sehr bald aus der Zunahme des nationalen Wohl- standes Nußzen ziehen.

Der General-Gouverneur von Algerien war nah der „Köln. Ztg.“ am 14. d. M. in Laghouat und reiste am 15. früh weiter in der Richtung auf Mzab. Jn seiner Be- gleitung befand sih General Thomassin und Si Haman, das Ee Haupt der Uled Sidi Scheikh. Der Gouverneur wird 1n zwei Tagen in Ghardia eintreffen. Jn Laghouat empfing cr den Marabut der Jedjam, der großes Ansehen in der dortigen Gegend genießt. Der Scheriff von Wasan, Abdel Selam, der seit einigen Wochen als Gast des General-Gouverneurs in Algier weilte, ist nach Ain Sa abgereist.

Jtalien.

Jn der Deputirtenkammer hat, wie man der „Köln.

Ztg.“ meldet, der Abg. Bonghi folgenden, durch die Uni- versitätsunruhen veranlaßten Antrag eingebracht: „Die Kammer ist der Ueberzeugung, daß die chronische Unordnung auf italienishen Universitäten den Studenten und dem Lande Schaden und Mißachtung bringt, und fordert den Minister auf, ein Gefeß vorzulegen, das die akademische Disciplinar- ewalt neu belebt und ihr wirksame Kraft giebt." Einem Telegramm des „H. T. B.“ zufolge, bereitet der Unterrichts- Minister Villari eine Aenderung des Universitäts-Reglements vor, um für die Zukunft Studentenkrawallen vorbeugen zu konnen.

Spanien.

Die Königin-Negentin hat nah einem Telegramn des „Hirshshen Bureaus“ aus Madrid von gestern Droh- briefe erhalten, in denen König Alfons für die Hinrich- tungen in Xeres verantwortlih gemacht und hinzugefügt wird, er werde hierfür büßen müssen. Es sind umfassende Vorsichtsmaßregeln gegen etwaige Anschläge der Anarchisten getroffen worden.

Belgien.

In Gent hat dem „D. B. H.“ zufolge am 14. d. M. eine Versammlung von Vlamländern stattgefunden, welche für die Verfassungs-Revision einen Artikel über die Gleichberehtigung der vlämishen und französischen Sprache sowie wegen Einführung der allgemeinen hg P LiQ! bei der Kammer zu beantragen be- loß. Für die Nothwendigkeit der allgemeinen persönlichen Wehrpflicht trat auch anläßlich des an demselben Tage in Brüssel abgehaltenen Jahresfestes des Vereins ehemaliger Unterofficiere dessen Chrenpräsident General a. D. van der Smissen ein, indem er betonte, sie habe die deutsche Armee auf die Höhe gebracht, welche er als Vertreter des Königs Leopold bei den Manövern des XITV. Armee-Corps zu bewundern Gelegenheit gehabt habe.

T E E RAE I I I I E E I R I E P I I e I T PÁg E: f P E I AERE TON T T; A P T TTEO

Die vorläu „Köln. Ztg.“ di Oktober statt. um Gebrauch bereit in den Kuppeln:

ahtmeifter und elf Artilleristen als Be

Griechenland.

Eine weitere Kundgebung gegen die evangelishe Ge- meinde in Piräus ist nah einem Wolff'schen Telegramm aus Athen feit Sonntag nicht vorgekommen. Das Gericht ist strengstens gegen die Theilnehmer an der K (). die gestrige Nummer d. Bl

fige Abnahme der Maasforts ist nach der ieser Tage erfolgt, die endgültige findet im Es ist alles fertig und die Gesch jedes Fort hat einen

undgebung vom eingeschritten ; Meldungen daß die protestantischen anläßlih der Unruhen vom Sonntag Schritte unter „Wolff’schen Bureau“ als unrichtig bezeichnet ; ebenso unrichtig sei die Behauptung, daß der Vorstand der evangelishen Gemeinde in Piräus beabsichtige, den denn der Vorstand und die Ge- chische Unterthanen. :

Serbien. Die Skupschtina erledigte nah einer Meldu1 B.“ gestern die Specialdebatte des Gesammt- budgets. Jm Verlauf der Debatte bestritt Ava die Nealität des Budgets für 1892 und erklä von 1892 seien ohne eine neue Minister-Präsident Pas ic erw neuen österreichish-serbishen Hande einnahmen um zwei bis drei

diplomatischen

hätten, von dem

dieser Mächte anzurufen; meindemitglieder seien grie

kum ovic(liberal) rte, die Annuitäten Anleihe unmöglich zu tilgen. Der iderte, durch den abzuschließenden lsvertrag würden die Zoll- Millionen steigen, weil anstatt des Tarifs ad valorem specifishe Zölle oder cin autonomer Tarif eingeführt werden würden. Steuerrückgänge werden; die finanzielle Lage Serbiens habe s\ih im Bei den Konsulatsposten beantragte Cadjevic die Verlegung des Konsulats von Plevlje in Bosnien nach Prizren oder nach Sjenica im türkischen Vilajet Kossowo aus politishen Gründen und wegen der leichteren Verbin- î Der Minister des Acußern sprach sih für Plevlje aus, ebenso Milan Gyuric, î Plevlje eine österreichish-ungarishe ß [bst verläßliche Leute

Die zwei Millionen be- eingebracht

tragenden | allgemeinen

mit Montenegro.

(Garnison befinde und daß Serbien dase haben müsse.

In parlamentarischen Kreisen verlautet, Demission sidenten Katic uicht v ste suche denselben zu bewe Demissionsfrage zu umgehen, von deren Aufregung besorge. *

die Regierung Skupschtina-Prä- or die Skupschtina zu bringen ;: gen, Urlaub zu nehmen, um die Austragung sie große

Amerika. dem Staatsdepartement der Vereinigten Staaten in Washington erhält die „Allg. Corr.“ richt, daß die Verhandlungen mit Canada Gegenseitigkeitsvertrag ergebnißlos geblieben Ursache sei in der an Mr. Blaine von Sir Julian gelangten Mittheilung zu suchen,

die Nach- für einen seien. Die m Pauncefote daß die canadishen Com- Vollmacht zum Abschluß eines bindenden Ver- Blaine habe daher erklärt, die Ver- bevollmächtigten Commissaren fortsezen

missare keinerlei trages besäßen. handlungen nur mit zu wollen. demokratishen Mitglieder sentantenhaus-Ausschusses für Mittel haben sih über den Zoll auf Wollen darauf bezüglichen Meldung des „N. B.“ aus Demokraten sind stets für zollfreie e gewesen, waren aber verschiedener An- fertigen Fabrikaten gehalten werden sollte. abseßung des Zolles.

eltet und Wege fabrikate geeinigt.

Washington heißt es: ‘Die Einfuhr von Rohwoll sicht, wie es mit den Sie sind jezt für Her überhaupt für Reducirung aller McKinley-Tarif erhöht hat. l e Zollvorlage muß noch stattfinden, bis jezt hat der Aus- reden einzelnen Paragraphen abgestimmt. shuß überhaupt gestatten will, jest 60 Procent zu zahlen haben,

Der Auss\ch{chuß ist x welche der Eine Abstimmung über die

Der höchste Zoll, den der Aus beträgt bei Artikeln, welche

45 Procent.

Am 25. Dezember v. meldet wurde, die Auflösung des ersten laments stattgefunden. regel wird der „Frkf. Ztg.“ aus Tok | Die beiden Oppositionsparteien verwarfen nach ihrer Vereinigung jede Regierungsvorlage die Erweiterung Bersammlungsrechts

zustimmen

. hat, wie \. Z. telegraphish ge- japanischen Gründe zu dieser io, vom 3. Januar, ge-

Ueber die

und nahmen andererseits Preßfreiheit Regierung

(Sesammtbetrage Mark) vorgenoinmen. -Der Matsukata erklärte im t fur unannehmbar und, soweit ige eiserne Budget betrafen, einfach Zn derselben Weise äußerten sich die einzelnen Troßdem wurden sämmtliche Abstric ohne Debatte nah den Ausschußanträgen votirt. rathung des Marine-Etats kam es zwischen dem Marine 1 Majorität zu einer hef inister verurtheilte in scharfen Ausdrück Parlaments und verwies dagegen auf die gangenheit der seit der Nestauration die Ge- andes bestimmenden Sat-Cho-Combination (Cabinette aus den Clans der Satsuma und der Choshiu). Der Redner wurde durch einen Entrüstungssturm unterbrochen und mußte die gung nahm einen stürmischen Charakter Nach Wiederaufnahme der Berathung n Interesse der Marine beantra eines Eijen- und Gußstahlwer Regierungsvorlagen, welche von troffen wurden, befanden sih das zu Zwecken des Anbaues Bahnnegzes, Hilfsaction

8 600 000 Yens (ctwa 35 Mill. Minister-Präsident Graf diese Abstriche im allgemeinen f sie das verfassungsmäß für undiscutirbar. Ressort-Minister. Bei der Be- Admiral Kabayama und Obstructionstakti verdienstvolle Ver

Tribüne verlassen. Die Si an und wurde aufgehoben. wurde die hauptsächlich ir sition für die Errichtung Unter den übrigen dem gleichen Schicksale be Project eines Eisenbahn-2 und der Verstaatlichung des demnitäts-Begehren Erdbeben-Katastrophe. Von den 6 800 000 Yens Regierung hierfür verlangte , i Schließlich (Sesammtvortrage

des Unterhauses und denn auh am 29. Dezember erfolgte. haben verfassungsmäßig innerhalb fünf s Die Nothstandsdistrict

, welche die Haus nur Regierung den Kaiser die Auflösung die Vertagung des Oberhauses, was Die Neuwahlen Monaten stattzufinden e werdén übrigens unter

genehmigte das beantragte

dem Stillstande der parlamentarishen Berathungen niht zy leiden haben, da eine Kaiserliche Verordnung die Verwen- dung von rund 3800 000 Yens für tehnishe Bauten in den Provinzen Aichi, Gifu, Tukuoka und Togama ofepugt hat.

Wie das „Reuter'she Bureau“ aus Yokohama vom 16. d. M. meldet, sind die Or C RUSE für die Wahlen zu dem neuen japanischen Unterhause bereits in vollem Gange. Zwischen den Anhängern der Regierung und denen der Opposition sei ein schr harter Wahlkampf entbrannt der in den Städten S aga (Provinz Nizen) und Tosa zu ernsft- hafien Wahlkrawallen geführt habe.

Parlamentarische Nachrichten.

Gn der heutigen (174.) Sißung des Reichstags, welcher der Reichskanzler Graf von Caprivi, sowie die Staats- secretäre Dr. von Boetticher und Dr. Bosse beiwohnten, wurde die zweite Berathung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend die Feststellung des Reihshaushalts-Etats für das Etatsjahr 1892/93 fortgeseßt.

Zunächst wurden die Einnahmen des Etats der Reichs- Justizverwaltung ohne Besprehung bewilligt und sodann die zu diesem Etat vorliegende Resolution des Abg. Dr. von Bar (dfr.), betreffend die Auslieferungsverträge, bei deren Abstimmung sich neulih die Beschluß- unfähigkeit des Hauses herausgestellt hatte, nochmals zur Abstimmung gestellt. Der Antrag Osann, diese Resolution einer Commission von 14 Mitgliedern zur Vorberathung zu überweisen, wurde abgelehnt. Bei der Abstimmung über die Resolution selbst mußte die Auszählung erfolgen, und eg

stimmten 98 Mitglieder für und 97 gegen die Resolution.

Das Haus war aljo nicht beschlußfähig.

Präsident von Leveßow beraumte die nächste Sizung auf heute 2 Uhr an und seßte auf die Tagesordnung die Fortseßung des Militär-Etats.

Schluß 11/5 Uhr.

In der um 2 Uhr begonnenen (175.) e ra des Reichstags, welcher der Reichskanzler Graf von Caprivi und der Staatssecretär Dr. von Boetticher beiwohnten, stand auf der Tagesordnung die zweite Berathung des Entwurfs eines Geseßzes, betreffend die Feststellung des Neichs- haushalts-Etats für das Etatsjahr 1892/93. :

_ Die Berathung wurde in der gestern abgebrochenen Be- sprehung über das Kapitel Militär-Justizverwaltung“ im Etat für die Verwaltung des Reichsheers sortgeseut.

Abg. von Kardorff Cp meinte, daz in der Ver- urtheilung der Soldatenmißhandlungen alle Parteien einig seien, aber die Resolution Buhl-Nichter gehe viel zu weit und jei undurchführbar. Wie wäre es möglih, dem Soldaten eine Beschwerdepflicht aufzuerlegen ? Die Bestrafung unbe- gründeter Beschwerden sei cine unerläßliche Vorbedingung für die Disciplin.

A Schluß des Blattes sprah der Abg. von Kardorff weiter.

Die Wakhblprüfungs-Commisstion des Reichstags beantragt: Der Reichstag wolle beschließen, die Wahl des Abg. Zangemeister im 2. Wahlkreise des Herzogthums Sachsen: Coburg- Gotha für gültig zu erklären.

_— Die Reichstags-Commission für das Gesetz über das Telegraphenwes en des Deutschen Reichs bat ihre Berathungen beendet. Der neu eingefügte § 7a erhielt {ließlich folgende Fassung : „Clektrische Anlagen find, sobald gegenseitige Störung zu be- fürhten ist, auf Kosten desjenigen Theils, welcher diese Gefahr ver- anlaßt, fo anzuordnen, daß sie sich nit störend beein- flussen fönnen.“ Diese Fassung entspricht dem Antrage des Abg. Freiherrn von Buol (Centr.) 8 8 erhielt nah einem Antrage Gagern- Hammacher folgende Fassung: „Die Bestimmungen des Gesetzes gelten für Bayern und Württem erg mit der Maßgabe, daß für thre Gebiete die für das Reich festgestellten Nechte diefen Bundesstaaten zustehen, und daß die Bestimmungen des à 4 c. (Gebührenregelung) auf den inneren Verkehr dieser Bundes- taaten feine Anwendung finden." Das Gesetz im ganzen wurde schließlich gegen sechs Stimmen angenommen.

Dex Graf Max zu Solms-Rödelhe im, erbliches Mitglied des Herrenhauses, ist, wie die „Darmst. Ztg.“ meldet, am 15. d. M. in Affsenheim gestorben.

___— Im weiteren Verlaufe der gestrigen Sißnng der Volks- shulgeseßcommission des Hauses der Abgeordneten wurde nah längerer Debatte der Antrag der Nationallibe- ralen auf Streichung des § 14 gegen ihre und die Stimmen der Freisinnigen abgelehnt, Absatz 1 des S 14 mit 19 gegen « Stimmen in der Fassung der Vorlage angenommen. : Heute fette die Commission die Berathung des §_ 14 fort. Abs. 2 lautet: „Der Regel nah s\oll ein Kind den Unterricht dur einen Lehrer seines Bekenntnisses enpfangen.“ Die National- liberalen beantragen wieder Streichung dieses Absatzes. Die Freis innigen wollen an Stelle des Abs. 2 und des Abs. 5 Folgendes seßen: „Die Anordnung der Verwandlung einer Confessionsshule in eine Simultansc{ule und umgekehrt ist an die Zustimmung der Gemeinde geknüpft.“ Die Freiconservativen {lagen für den Eingang folgende Fassung vor: „Soweit sich nit aus den Bestimmungen dieses Geseßes anderes ergiebt, soll der Regel nach ein Kind“ u.s.w. Das Centrum beantragt, nah „Kind“ cin- zushalten: „welches einer vom Staat anerkannten Religionsgesellschaft angehört.“ Abg. Freiherr von Huene (Centr.) erklärte, daß scine Freunde ibren Antrag aufreht erhielten und gegen die anderen An- träge stimmen würden. Abg. Freiherr von Zedlig (freiconf.) : Sein Antrag bezwecke, die Befugnisse des Regierungs - Präft- denten einzus{ränken. Bleibe die Vorlage ohne diese Ein- schränkung bestehen, so föune der Negierungs-Präsident, welcher das Recht habe, einzugreifen, nah gewissen Directiven die Simultan- fculen beseitigen. Abg. Nintelen (Centr.): Absatz 2 sei von der Commission auch im vorigen Jahre angenommen worden. Der Zufaß von Zedliß erscheine ihm überflüssig. Staats-Minister Graf Zedl it: Er

,

jei der Meinung, daß die Anträge von Zedlitz und des Centrums, gege! deren Tendenz er nichts habe, nicht nöthig seien, da das, was sie be- zweckten, hon im Geseg enthalten sei. Abg. Hobrecht (nl.): Auch er sei mit der Tendenz des Antrags von Zedlitz einverstanden, die von demsfelben geäußerten Bedenken müßten aber dahin führen, den ganzen Abf. 2 zu streichen. Abg. Dr. Enneccerus (ul.): Er müsse daran erinnern, daß Abs. 2 eine große Behinderung herbeiführen werde dadur, daß den Communen die Beschränkung auferlegt werde, daß jeder Unterriht dur einen Lebrer desjenigen Bekenntnis|es ertheilt werden müsse, dem die Kinder angehören Der Antrag der Conservativen verschärfe noch diese Beschränkung. Na

der Vorlage dürfe fogar ein reformirter Lehrer keinem lutherischen Kinde Unterricht ertheilen. Der Minister von Goßlet habe im vorigen Jahre die Lutheraner und Neformirten als befondere Confessionen anerkannt und den leßteren ausdrüdli

das Necht zuerkannt, für ihre Kinder in der Schule die Unterwei]ung im Heidelberger Katechismus zu verlangen. Abg. Rickert (dfr.):

¿ sei der Meinung, daß man \sich mit den Declarationen in Auth e fen zum Gefeß nit begnügen könne. Er behalte sich vor, in zweiter Lesung dahin zu streben, daß der Begriff „anerkannte Re- ligionsgesellschaften“ im Geseß genau declarirt werde. Abg. Dr. Ntrchow (dfr.) eremplificirte auf Kinder der buddhistischen, Meilen, mubamedanishen Religion. Sollten denn auch diefe einen Lehrer ibres Bekenntnisses erhalten? Staats-Minister Graf Zedlitz: Die der evangelischen Kirche zugehörigen Lutheraner und Reformirten hätten sowohl innerhalb als außerhalb der Union gemeinsame S ul- systeme. Die Lebre vom Unterschiede beider CGonfessionen gehöre nit in die Schule, sondern in den Confirmations-Unterricht. Auch die verschiedenen evangelischen Dissidenten, wie Baptisten, Mennoniten 2c. rehneten sich als zur evangelischen Kirche zugehörig. Was die vom Abg. Virchow angezogenen Buddhisten, Muhamcdaner e. anlange, fo werde für diese schon gesorgt werden; er halte cs für nüßlih, wenn solche Kinder in der Schule einen christliden Unterricht empfingen. Im übrigen glaube er doch, daß einen Minister, der im Entwurf das vorgeschlagen, was im vorigen Jahre die Majorität der Commission beschlossen habe, ein Vorwurf nicht treffen föônne. Auf Interpellation der Abgg. Dr. Friced- berg (nl.) und Rickert (dfr.) theilte der Minister noch mit, daß die Staatsregierung einen Unterschied zwischen Katholiken und Altkatholiken niht mache, leßtere gehörten alfo au zu den an- erfannten Religionsgesellschaften. Abg. Dr. Virchow (dfr.): Er sei tolerant genug, jeder Kirche den ihr ebührenden Schuß zu_ gewähren, er fönne aber der Kirche niht die Herrschaft über den Staat ein- räumen. Abg. Freiherr von Huene wandte sih gegen die Erklärung des Ministers bezüglich der Gleichstellung der Katho- lifen und Altkatholiïen. Bei der Abstimmung wurde der Autrag der Nationalliberalen auf Streichung von Abf. 2 gegen die Stimmen derselben und der Freisinnigen abgelehnt. Der freisinnige Antrag scheidet aus, um bei Abs. 3 wieder aufgenommen zu werden. Der freiconservative Antrag wurde gegen 12 Stimmen (Nationalliberale, Freiconservative und Freisinnige) abgelehnt. Der Centrumsantrag wurde angenommen. Gin fernerer Antrag Virchow, statt „Unterricht“ zu sagen „Religionsunterriht“ fiel gegen die Stimmen der Frei- sinnigen und Nationalliberalen. Abs. 2 der Negierungsvorlage wurde s{licßlich mit dem Zusaß des Centrums in folgender Fassung angenommen: „Der Regel nach soll ein Kind, das einer vom Staat anerfannten Religionsge!ellschaft angehört, den Unterricht durch einen Lehrer seines Bekenntnisses erhalten.“ Die Debatte wandte d) darauf zu Absatz 3 des § 14.

Die Budgetcommission des Hauses der Abge- ordneten hat nach der „Nat. Lib. Corr.“ beschlossen, die erste Baurate ¡ür ein Dienstwohngebäude des Ministers für Handel und Gewerbe in Hôbe von 180 000 abzulebnen.

Die Commission des Hauses der Abgeordneten zur Vor- berathung des Gesetzentwurfs über die Kosten der Königlichen Polizeiverwaltungen in Stadtgemeinden trat heute in die Berathung ein. Von einer Generaldebatte wurde abgesehen, da- gegen besclofjen, zwei Lesungen vorzunehmen. § 1 der Regierungsvorlage autet: „In denjenigen Stadtgenteinden, in welchen die örtlide Polizei- verwaltung ganz oder theilweise von einer Königlichen Behörde geführt wird, bestreitet der Staat alle durh diese Verwaltung entstehenden Ausgaben einschließlich der Kosten für das Nachtwachtwesen und erhebt unbeschadet der Bestimmung des Geseßes vom 23. Avril 1883 alle mit diefer Verwaltung verbundenen Einnahmen. Zu den Aus- gaben tragen nach Pav gae der Kopfzahl der Civilbevölkerung bet a. Stadtgemeinde Berlin je 2,50 4, b. Cassel je 0,44 4, Von den übrigen Stadtgemeinden mit Königlicher Polizeiverwaltung : ©. diejenigen mit mehr als 75 000 Einwohnern je 1,50, d. mit 25 000 bis 75 000 Einwohnern je 1,10, e. mit weniger als 25 000 Einwohnern je 0,70 A für jeden Kopf der Bevölkerung. Ueber die Verwendung dieser Beiträge, insbesondere auch zur Vermehrung der Undgendarmerie behufs Ausdehnung der Thâtigkeit derselben auf die zu Undkreisen gehörigen Stadtgemeinden und bebufs Verstärkung derselben in den Vororten der einen eigenen Krets bildenden Städte mit communaler Polizeiverwaltung, wird durch den Staatéhaushalts-Etat alljährlich Bestimmung getroffen.“ Abg. Dr. Krause (nl.) beantragte, an Stelle von 2,50, 1,50, 1,10, 0,70 zu feßen 2,10, 1,10, 0,80, 0,50 A und will außerdem in Abs. 2 NE Note mbe. Dis. Polizeiverwaltung“ gestrichen wien. Staats-Minister Herrfurth wünschte ebensowenig wie Abg. Krause eine „Durchpeitschung“ der Vorlage; es gehöre kein be- londerer Scharfsinn dazu, um vorauszusehen, daß die Landtags.\ession über Ostern hinaus dauern werde. Der Minister erkannte wiederholt an, daß Berlin gegenüber den anderen Städten ungünstiger behandelt let, und erklärte fi \{ließlich gegen den Antrag Krause. Abg. von J Benvliß (cons., Breslau) erklärte es für unmögli, den Geset- entwurf abzulehnen. Er betrachtete es aber als eine große Hârte, daß die gesammten Kosten des Nachtwachtwesens und der Gendarmerie den 22 Städten auferlegt seien. Abg. Ebert y (dfr.) betonte die unaufbaltsam und rasch wachsende Steuerlast gerade der großen Communen, mit oder ohne Königliche Polizeiverwaltungen. Er müsse die Negulirung im Namen der auégleichenden Gerechtigkeit gerade in jeBtigen Zeiten für unzeitgemäß balten. Die Belastung mit Kosten würde doch sehr ungleih wachsen, da das Wachsthum ter Bev ölkerung in den verschiedenen Städten, z. B. in Berlin, C harlottenburg, Potsdam fehr verschieden sei. Staats-Minister Herrfurth gab die wachsende Steuerlast der großen Communen zwar zu, trat aber den fonstigen Aus- führungen des Abg. Eberty entgegen: der Geseßentwurf wolle die unge- redte Bevorzugung der 22 Städte, welche zum Nachtheil deranderen Städte obne Königliche Polizeiverwaltung bisher obgewaltet habe, beseitigen. A Greiß (Centr., Köln) hielt das Princip der Vorlage in §1 N L jur das richtige. Die Einführung der Königlichen Poslizei- verwaltung fei fein Beneficium, vielmebr eine Zurückseßzung der Zelbstverwaltung der betheiligten Städte. (Bei Schluß des Vaaltes dauerte die Debatte fort.)

Kunft nund Wissenschaft.

__ Von dem Königlichen magnetishen Observatorium in Potsdam erhalten wir folgende Mittheilung:

._ Am 13. und 14. Februar sind im magnetischen Zu- rande unseres Erdkörpers bedeutende Aenderungen al ieten, die an Größe und Lebhaftigkeit ihres Auftretens ae êhnlichen Erscheinungen der leßten Jahre übertreffen. Ske, dem Bestehen des Königlichen magnetischen r ervatoriums in Potsdam (1. Januar 1890) ift ag gleih intensive „magnetishe Störung“ Di nennt man diese Erscheinung beobachtet worden. Ste Apparate des genannten Jnstituts zeihnen Richtung und \tûrte der erdmagnetischen Kraft ununterbrohen auf photo- graphishem Wege auf und lassen die kleinsten wie größten 4 enderungen erkennen. Jm vorliegenden Falle brach die Störung Janzplöglich am13. Februar, früh 61/, Uhr, aus; mit einer schnellen Zunahme der Kraft begann eine äußerst lebhafte Bewegung der erreometnadeln,die bei zweien derselben einen Umfang von zwei Grad Ae, bei dem dritten schr empfindlihen Jnstrument ala guelische Wage) betrug die Amplitude der Bewegung mehr nicht rei Grad, sodaß die Negistrirvorrichtung zur Aufzeichnung die Nauedr ausreihte. Jm Laufe des 14. Februar kehrten aber adeln wieder annähernd in ihre Mittellage zurü, zeigten bis N fortdauernd leine aber schr {nelle Schwankungen,

D, 14. Nacmittags fast völlige Ruhe eingetreten war. begleites 9e Erscheinungen pflegen häufig von Nordlichtern

et zu jein, [leider wurde eine Beobachtung in dieser

Richtung durch bedeckten rihten aus Wilhelmshave gesehen, auch die Observatorium der Kaiserliche fange aufgezeichnet. 14. Februar in Göôtt Nordlicht haben wir geste einer freundlichen Astrophysikalishen Observatoriu Februar eine erhöhte Sonnenthätigkeit bemerkt stimmte Schlüsse auf den Zusammenhang rsheinungen bisher nit gezogen werden. Magnetishe Störungen der geschilderten Art treten ge- wöhnlih auf der ganzen Erde gleichzeitig auf, sie sind am intensivsten in den Polarregionen. im vorliegenden Ein Telegramm aus Bossekopp ( wegen (70 Grad nördl. Breit Beobachter, Dr. Brendel und halten, theilt uns mit,

Himmel verhindert; privaten Nach- n zufolge ift dort am 13. Abends magnetishe Störung wurde im n Marine daselbst in vollem Um- (Ueber das in der Nacht vom 13. zum , Kopenhagen, Lübeck 2c. beobachtete rn und vorgestern berichtet. Mittheilung des Königlichen ms ist seit den ersten

doch fonnten be Arten von E

sind in der Lage, dies auch Alten) im nördlihen Nor- wo sich zur Zeit » Baschin, zu privaten daz die Schwankungen der Magnet- nadein ganz beträchtliche waren, innerhalb aht Minuten fanden Standänderungen von zwölf Grad statt, die sich daselbst auch auf die Telegravhenleit Nordlicht konnte jedoch des bewölkten Himme beobachtet werden.

Es steht zu hoffen, daß dur den weiteren interessanten Erscheinungen, denen in den le allen Seiten erhöhte Aufmerksamkeit gewi Ursachen derselben, welche auf cinen fosmisch-terrest s zeitweise durch Störun; Telegraphenbetriebs auch den menschlichen Verkehr beeinflussen, ergründet werden: die nächsten Jah

zwei deutsche Studien auf-

Störung erstreckte (Erdstrôm

Verfolg dieser ßten Jahren von

rischen Ur- sprung deuten

re dürften in dieser Hin- JZnteressante bieten, da in ihnen die Häufigkeit der genannten Erscheinungen, die an eine elfjührige Periode gebunden sind, im Zunehmen begriffen ist. Wir {ließen hieran noch folgende Mittheilung :

Nordlicht und bat auch dort seine Wirkungen auf Der „Allg. Corr.“ wird darüber gemeldet : wie es in folcher Stärke und Schönheit niemals Vereinigten Staaten vorgekommen ist, wurde am 13. Februar Abends von Jowa bis zum atlantishen Ocean beobachtet. Das Nord- licht störte den telegravhischen Verkebr mehrere Stunden lang. o mit atmospbärischer Elektricität gesättigt, daß von New-York na Albany keine Batterien

siht manches

die elektrifhen Leitungen aus- „Ein Nordlicht,

Die Drähte wurden } man auf der Strecte

Am 11. Februar ist in Dresden Herr Georg Kest ner, der Enkel von Wertber's Lotte, im Alter von 86 Jahren gestorben. In feinem Besige befanden ih, nah der „Schles. Ztg.“, Goethe!s Briefe an Lotte und Keftner und viele Erinnerungen aus der Weßlarer Zeit Goethe's, die der Verstorbene theilnehmenden Be- manches daraus ist auch bereits ver öffentliht. Sein Vater war der 1868 verstorbene Archiv-Nath Kestner in Hannover, von dem er die Handschriftensammlung erbte, während der fünstlerische Theil des Nachlasses in Hannover verblieb, wo er gegenwärtig in dem neubegründeten „Kestner-Museum“ aufbewahrt wird.

fuchern bereitwilligft zeigte;

Verdingungen im Auslaude.

Dänemark.

Banechefen for Tylland- Fyen Lieferung für den Staatsbahnbetrieb von: : . 45 000 Stück Zaunpfosten vo . 25 000 Pfund Zaundraht. . 4500 Centner Portland-Cement. . 30 000 lauf. Fuß 2“ Fichtenplanken. . 20500 Pfund Telegraphendraht. . 10 000 Stück Zinkcylinder. - für jede der angeführten Lieferungen besonders ausgefertigt auf dem Comptoir des Bahnvorstandes einzusehen, werden auf Verlangen auch brieflich mitgetheilt.

Verkehrs8-Anftalten.

Laut Telegramm aus Venloo ist die erste en ost über Vlissingen vom 16. d. M. ausgeblieben. Sturm auf See.

Laut Telegramm aus Herbes thal ist die englishe Post über Ostende vom 16. Grund : Zugverspätung in England und stürmishes Wetter. Telegramm englishe Post über Ostende vom 16. d. M. au

T. B.) Norddeutscher Llovd. Der Schnelldampfer „Ems“ hat am 15. Februar Morgens die Reise bon Southampton nah Bremen fortgeseßt; er überbringt 221 Der Schnelldampfer „Aller* hat am nah New- ist am 13. Fe-

Neichspostdampfer Februar Vormittags Der Postdampfer „Berlin“ hat am 15. Februar Nachmittags die Reise von Antwerpen nah Oporto, und der Postdampfer „München“ die Reise von Antwerpen nah 5 Der Postdampfer „Darmstadt“, vom Palmas,

n Eichenholz.

Bedingungen

d. M. ausgeblieben.

8geblieben.

Grund: unbekannt. Bremen, 16. Februar. (W.

Passagiere und volle Ladung. 14. Februar Abends die Reise von Southampton York fortgeseßt. Der Postdamvyfer „Hohenzollern“ l Baltimore „Sachsen“, nah Ost-Asien bestimmt, am 14. in Genua angekommen.

Corunna fortgeseßt. Plata kommend, hat am 15. Februar Vormittags La und der Schnelldampfer „A ller“, nah New-York bestimmt, Lizard Der Schnelldampfer von New-York via Southampton nah der W Der Schnelldampfer „Ems“, 15. Februar Morgens Dover, und \{ weig“, von Baltimore kommend, Prawle Point passirt.

(W. T. B.) Der Schnelldampfer „Fulda“ hat am 15. Februar, Abends, von Gibraltar die Reise nach Der Postdampfer „Stuttgart“, von Ost- ist am 16. Februar, Vormittags, in Genua ange- Der Postdampfer „Braunschwei kommend, bat am 16. Februar, Mitta - Postdampfer „Salier“,

ist am 13. Februar Abends ejer abgegangen. von New-York kommend, hat am

der Postdampfer 17. Februar.

Genua fortgeseßt. Asien kommend, a Baltimore

nach Australien bestimmt, ist am 15. Februar, Abends, in Aden angekommen. Der Neichs-Postdampfer „Sachsen“ hat am 15. Februar, Nachmittags, die Reise von Genua Der Schnelldampfer „Ems“, von New- York kommend, ift am 16. Februar, Morgens, auf der Weser an-

(b O)

na) Port Said fortgesetzt.

gekommen.

amburg, 16. Februar. ( kanische Padetfahrt-Actiengesellschaft. Der eNugia“ hat, von New-York kommend, heute Morgen Lizard \ Der Postdamvyfer „Suevia“ ift, gestern Nachmittag in New-Yo

Theater und Musik.

Kön iglihes Schauspielhaus. : Gestern Abend fand die erste Aufführung von Ernst von Das heilige Lachen" statt;

Hamburg-Ameri- oftdampfer

] _von Hamburg kommend, rk eingetroffen. ;

Wildenbruch's neuestem Werk : der Dichter nennt es einen Märchenschwank in sechs Bildern, dem er als Begleiterinnen Musik und Tanz mit auf den Weg gegeben hat. Die Tänze find von Emil Graeb ersonnen und der mußkali!che Theil rührt von Ferdina

Hummel her.

E. von Wilderbruh hat sih mit seinem Märchens{ßwanke ci1zur von ihm bisher noch unbetretenen und sehr schwierigen Gebiete, denr der allegorishen Dichtung, zugewandt. Nachdem er in seiner „Hauben- lerche“ einen prüfenden Schritt auf den Weg des modernen Natura- lismus gewagt hat, wendet er sih jeßt mit der ganzen Kraft feines dichterischen Empfindens kampfesmuthig gegen diese neueste und trüb- feligste aller Richtungen. Er versonificirt die Begriffe, die dem mens{chlihen Geiste entspringen, er führt die Naht, Sonne, Mond und Sterne allegorisirend in Menschengestalt vor. Der große Principal, der Inhaber der großen Apotheke, verkörpert dieewigen Gesetze, die Ordnung und die Harmonie des Weltalls; seine beiden Proviforen, Optimus und Pessimus, steben sih als Vertreter der beiden widerstreitenden Lebens- und Weltanschauungen gegenüber; Optimus unterliegt eine kurze Zeit den listigen Ränken des Pessimus, der s{leunigst in die gute Stadt Terra berniedersteigt, um dort in Begleitung seiner Gehilfen, der Lüge, der Häßlichkeit, des Neides und des Hasses, die ih in gleißenden Gewändern unter den falschen Namen der Wahrheit, Echtheit, des kritishen Bewußtseins und der Unentwegtheit eins{leihen, die Köpfe der bis dahin friedlichen, fröhlihen Menschen zu verwirren. Die echte Wahrheit, die Schönheit wird vertrieben, bis ihr Sohn Lachegott mit seinem übermüthigen Scherz, einem „heiligen Lachen“ die \{limmen Gesellen austreibt und Heiterkeit und Lebensfreude, ge- gründet auf Glaube, Liebe, Hoffnung, beseligend die Gemüther der Menschen erfüllt ; der gute Optimus, der etwas zu süßlih war, muß seinen. Vertrauensposten der Wahrheit abtreten; der böfe Pefsimus, der fo viel Verwirrung und Unheil angerichtet hat, wird in eine große Flasche gesperrt, wo er, zäbnefletshend, in sicherem Verwahr- jam die dem Menschen nothwendige Dosis Bitterkeit brauen darf.

Es wird viel poetischer Sinn und warmes Gefühl und nicht minder satirishes Witgeplänkel in diefer Allegorie entwickelt, die innerhalb philofophischer Kategeorien literarisde und fociale Zeit- und Streitfragen wie in einem Zauberkreis abhandelt. Von naiver Herzklich- keit und feelenvoller Empfindung durhglüht erschienen besonders das erste Bild mit seinem fröhlichen, heiteren Heer von Himmelskörpern, Sonnenstrahlen und Heinzelmännchen und das sechste, das den ruhenden Bürgermeister Animus darstellt, der sehnsüchtig von der verstoßenen Schönheit, feiner Gattin, träumt; se läßt ihm als An- denken thres „Hauptes flatternde Zier“, ihren Schleier, zurü, dessen Hauch und Duft ihn auch im Wachen an das entschwundene Glück gemahnt. Beißender Spott kennzeichnet die gegen den modernen Naturalismus gerichteten Gedanken : als Pessimus seinen die Sinne verwirrenden Trank, den Pessimiêmus, braut, werden als besonders würzende Zuthaten Krokodilsthränen, das Hirn cines in die Hâäßlich- keit verliebten Jünglings und die Riesenfeder eines am Gallenfieber verstorbenen Recenjenten binzugethan. Die Wahrsprüche des Natu- ralismus, als da sind: „Es giebt keinen Willen, der Mensch ist das Product der Verhältnisse und Vererbungen; es giebt keine Liebe, der natürlihe Zustand zwischen Mann und Weib is der Kampf“ werden bei der bürgermeisterlihen Taufgesellshaft als Knallbonbon- verse, die die Lüge reiht, verlesen. Pefsimus, der ein heimliches Sehnen nah der Schönheit nicht unterdrücken kann und sie heimlich besucht, obglei er sie in sein Negierungsprogramm nit aufnehmen Tann, vergißt bei ihr seine Principien, die er in Form einer Kette un den Hals trägt, später in die Tasche steckt und endlih auf einem Stein liegen laßt. Im ganzen wirkten diese tauftischen Anfpielungen mehr befremdend als erbeiternd, weil ein ziemli hoher Grad allgemeiner Bildung und gedank- licher Schulung erforderlich ist, um den Dichter völlig zu begreifen; außerdem kommt in Betracht, daß dem Publikum solche allegorischen Spiele, wie das „heilige Lachen“, eine ganz ungewohnte Erscheinung sind. Größeres Gefallen erregten die rein märchenhaften auf naiver, urwüchsiger Anschauung begründeten Scenen, bet denen man der philosophischen Weisheit und der literarishen Fehden vergaß oder ihrer wenigstens zum VerständnißZniht unbedingt bedurfte: wie bei der himmlischen Gesellschaft des ersten Actes, als die Sternlein mit zutraulihen Worten ins Bett geschickt werden, die Heinzelmännchen kehren und \cheuern, und der Adebar das Glück bringende Kindlein, den Lachegott, zur Erde niederträgt. Das Ziel, das der Dichter im Auge hat, das fröbliche, befreiende Lachen anstatt des Seufzens und Trübsinns zum Herrn der Erde zu machen und in seinem Gefolge alle

uten Geister einziehen zu lassen, fand ebenso oft, als es lebendig zum Ausdruck kam, lebhaften Beifall. Wildenbruch will der Komödie damit ein weites Feld in der Zukunft zugewiesen sehen, und daß ihr ein reicher Blüthen- und Früchtesegen ersprießen wird, ist zu hofen und auch ernstlih zu erwarten, wenn auch die endgültige Antwort auf die uralte ungelöste Frage „Was is Wahrheit ?“, die Wildenbruch als Hüterin und Schließerin der harmonishen Entwickelur.g der Menschheit eingeseßt wissen will, den Menschen niemals erklingen darf und erklingen wird. Denn das Streben nach Wahrheit macht das Wesen und den Sinn des Menschenthums aus.

Um den Kern der Dichtung breitete sich ein weites strahlendes Gewand aus, das aus köstlichster Farbenvraht, aus Tanz und Musik gewoben war. Das gleißte und glänzte in blendendem Farbenshmelz von der Bühne A die kfunstreichsten maschinellen Vorrichtungen hufen Feenpaläste aus dunklen Höhlen, weite in Frühlingsblüthen und Nofengeländen prangende Gefilde aus dumpfen Schreibstuben ; der rhythmische Tanzschritt \{chuf einschmeichelnde, beweglihe Bilder, die Musik tönte rauschend und stimmungsvoll hinein. Auch die die Dichtung einhüllende vershwenderishe Pracht des Ausstattungsmärchens fand beim Publikum volle Würdigung.

Zur Darstellung waren die besten Kräfte auserlesen. Herr Arndt trug die naive Heiterkeit des Optimus würdevoll zur Schau; Herr Grube, als galliger Pessimus, der später sich demüthig ergeben m drückte durch Spiel und Bewegung die düstere Stimmung, die le hafte Schadenfreude an der Vernichtung des Frohmuths aus. Als Sonne \sprah Fräulein P oppe mit Begeisterung einen s{hwungvollen S an das neu erwachte Leben, undFräulein Lin dner stellte die zärtliche, friedliche Sternenmutter edel und mild dar. Die Schönheit fand in Frau von Dochenburger eine vorzüglihe Repräsentantin, denn auch ihren Bewegungen wohnte das Schönheitösmaß formvollendet inne. Fräu- lein Conrad als Lachegott kicherte und lachte in ibrem glänzenden Flügelkleide entzüfend, übertrumpfte ihren „Puck“ und flog wie ein Sonnenstrahl über die Bühne.

Der Dichter erschien viele Male vor dem Borhange und ihm {losen sih auf stürmishes Rufen auch die anderen Helfer an den Werk an. Dem starken Beifall war aber zuweilen lebhafter Wider- spruch beigemischt, der jedoch nur nah dem dritten Act das Feld be- haupten konnte. E

Der Vorstellung wohnten Seine Majestät der Kaiser, sowie Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Hein-

rich bei.

Am Freitag gelangt im Königlichen Opernhause „Die Regimentstochter“ mit den Damen Herzog, Kopka und Lammert, den Herren Krolop, Philipp und Krafa zur Darstellung. Darauf folgt „Cavalleria rusticana“ mit den Damen Pierson, Dietrih _ und Lammert, den Herren Sylva und Fränkel. Am Sonnabend gehen unter Leitung des Herrn C vellmeifters Weingartner „Die Meistersinger“ neu einstudirt in Scene. Den Hans Sachs giebt Herr Betz, den Pogner Herr Möd- linger, den Bemesser zum ersten Male Herr Schmidt, den Kothner Herr Krolop, den Walter von Stolzing Herr Nothmühl, den David Herr Liban, die Eva Fräulein Leisinger und die Magdalena Frau Staudigl. Anfang 61 Übr. : :

Die am Sonnabend im Wallner- Theater zum ersten Male in* Scene gehende Posse, welche Laufs und Krämer mit theilweiser Be- nußung eines französischen Stoffes verfaßt haben, beißt „Bvette“ und ist ein im Genre von „Nitouche“ Aéaticnes Vaudeville. Billet- bestellungen für die ersten drei Vorstellungen werden von heute ab ohne Aufgeïd an der Theaterca}e entgegengenommen. :

Conrad Albertiss neues Bühnenwerk: „Ein Vorurtheil“, das in der bereits angekündigten Wohlthätigkeits - Matinee am Sonntag im Residenz-Theater zur Aufführung gelangt, be- handelt, wie der Name andeutet, einen modernen Stoff in realistischec

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