1911 / 266 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

arben auf und wird oft da, wo man etwas erwarten önnte, trivial. Die Sonate in H-Moll is beispielsweise stark von Liszts gleinamiger beeinflußt, nur daß sie noch den Nachteil hat, motivische Armut in sich zu bergen. Fräulein Jos konnte nit ihrem Gesang au nicht besonders erwärmen, zumal ihre Stimme etwas kehlig und forciert klingt und au tremoliert. Fein abgetönt erflang jedoch in der Kopfstimme das Piano. Eine mangel- hafte Leistung bot die noch sehr jugendliche, an und für sich begabte Violinistin, deren Art zu musizieren für das Podium der Sing- akademie noch niht gereift genug ersheint. Eine gute Geige allein tut es nicht. Alma Webster-Powell, die sich nach mehrjähriger Abwesen- heit wieder hier hören ließ, hatte am Mittwoch im Blüthner- faal eine zahlreihe Zuhörershaft herangezogen. Sie fesselte wieder durch ihre feingeschliffene Gesangskunst und durch den Wohllaut ihrer Stimme; namentlih die rein und wei quellende Mittellage klang wundershôn; in der Höhe und Tiefe erschien das Organ nicht immer ganz s{lackenfrei. on der besten Seite zeigte sich das Können der Künstlerin im Ziergesang; besonders gut gelang das altenglische Lied „The lark“ von Bishop. Auch lernte man einige neue fesselnde Lied- komypositionen von threm ebenfalls hier wohlbekannten, ausgezeich- neten Begleiter am Klavier Eugenio di Pirani kennen. Die Sängerin Adrienne Ada erzielte um dieselbe Zeit im Klindworth-Scharwenkasaal mit einer Reihe internationaler Volkslieder freundlihe Wirkungen. Der Sopran der Dame be- sticht niht gerade durch Wohllaut, die Stimme klingt fogar etwas scharf und dünn, dafür gingen von dem Vortrage um so stärkere Ein- drücte aus. Er konnte erheitern und rühren und mit dramatischer Lebendigkeit gestalten; so ‘hörte man troß Uen sinnlichen Reizes der Stimme der Sängerin doch gern zu. Mit den Gesängen wedselten Klaviervorträge von Eugen Linz ab. Der Liederabend von “Fräulein Eva Katharina Lißmann am Mittwoh im Beethoven saal bot ein kurzes, aber s zusammengestelltes Programm, sodaß die Zuhörer den Darbietungen der Sängerin bis zum t mit Anteilnahme folgten und ihr reihen Beifall zollten.

Die vornehme, innige Art des Vortrags, das musikalische Ver- \ständnis und die namentlich in der Mittellage volltönende

Stimme verdienten dies auch vollauf. Daß ihr Organ in der Höhe bisweilen weniger anspriht, kann den günstigen Gesamteindruck niht beeinträhtigen. Besonders ist die mustergültige Wiedergabe einer Reihe von Volksliedern hervorzuheben, aber auch mehrere biblische Lieder von Dvokáäk und „Zwiegesprähe" von Brahms ge- langen vortrefflich.

Im Königlichen Opernhause findet morgen, Sonnabend, eine Aufführung von „Salome“ unter persönliher musikalischer Leitung des Komponisten Dr. Richard Strauß statt. Die Titelrolle fingt Fräulein Rose. Neben thr find in den Hauptrollen beschäftigt : Fraulein Ober (Herodias), Frau Goeße (Page), Herr Sommer (Herodes), Herr Bischoff (Iochanaan), Herr Schöffel (Narraboth). Die Vorstellung beginnt um 8 Uhr.

t Anna Schramm is} von ihrer Erkrankung noch nicht wieder- hergestellt, sodaß im Königlihen Schauspielhause am Sonntag H. Lubliners Lustspiel „Die glücklihe Hand“ niht in Szene gehen kann; dafür wird H. Sudermanns neue Dichtung „Der Bettler von Syrakus“ aufgeführt. Die an der Theaterkasse für „Die glückliche Hand“ gekauften Eintrittskarten behalten Gültigkeit für die neu- angeseßte Vorstellung „Der Bettler von Syrakus“, sie können aber auch an der Vormittagskasse, am Tage der Vorstellung auch an der Abendkasse des Königlichen Schauspielhauses bis zum Beginn der Vorstellung egen Erstattung auch der Vorverkaufsgebühr zurückgegeben werden. Vovaen: Sonnabend, wird ebenfalls „Der Bettler von Syrakus“ wiederholt.

Die Berliner Liedertafel (Chormeister: Max Wiede - mann) veranstaltet ihr erstes Winterkonzert am Donnerstag, den 16. November, in der Philharmonie (Wiederholung am 30. November). Der Verein trägt neben mehreren Chören von Liszt größere Arbeiten von Heinrich Zöllner und Nichard Heuberger zum ersten Male vor. Als Solistin wirkt die Königliche Sängerin Frau Andrejewa Szkilondz mit.

Mannigfaltiges.

Berlin, 10. November 1911.

Hauptgegenstand der Tagesordnung in der geslrigen Sitzung der Stadtverordneten war der Bericht des vorberatenden Ausschusses über den Antrag der Stadtvv. Arons und Genossen, betreffend Aufbesserung der Gehälter und Löhne für verschiedene

Theater.

Königliche Schauspiele. Sonnabend: Opern- haus. 240. Abonnementsvorstellung. Salome. Drama in einem Aufzuge nah Oskar Wildes gleihnamiger Dichtung in deutscher orerlepung von Hedwig Lach- mann. Musik von Richard Strauß. Unter persön- liher Leitung des Komponisten. Negie: Herr Negisseur Bachmann. Anfang 8 Uhr.

Schauspielhaus. 250. Der Bettler von Syrakus. Tragödie in fünf Akten und einem Vorspiel von Hermann Sudermann. 1 In Sizene geseßt von Herrn Regisseur Patry. An- Höllenfahrt. fang 74 Uhr. Apel.

Sounüiag: Opernhaus. 241. Abonnementsvor- stellung. (Gewöhnliche Preise.) Dienst- und Frei- Dae sind aufgehoben. Carmen. Oper in vier

kten von Georges Bizet. Text von Henry Meilhac

Merimée. Anfang 74 Uhr.

Schauspielhaus. Dienst- und Freipläße sind aufgehoben. Die vour lückliche Hand. Lustspiel in drei Aufzügen von N ugo Lubliner. Anfang 7# Uhr.

Deutsches Theater. Sonnabend, Abends 74 Uhr :

Tvrandot. Sonntag und Montag: Turandot.

Kammerspiele. Sonnabend, Abends 8 Uhr: Nathan der Weise. Sonntag: Nathau der Weise. Montag: Frühliugs Erwachen.

Berliner Theater. Soanabend, Nachmittags 34 Uhr: Ein Fallissement. Abends 8 Uhr: Coeur As. Komödie in vier Akten und einem Vorspiel von E. Orczy.

Leut. Abends: Bummelstudenten. Montag: Coeur As.

Theater in der Königgräßer Strafie. | Zie D Sonnabend, Abends 8 Uhr: Spielereien einer

Kaiserin. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Ein Fallifsemeut. Abends: Spielereien einer Kaiserin. Montag: Hundstage.

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Lessingtheater. Sonnabend, Abends 8 Uhr: Glaube und Heimat. Die Tragödie eines Volkes. Drei Akte von Karl Schönherr.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Hedda Gabler. | Barré. Abends: Das weite Laud.

Montag: Glaube und Heimat.

Neues Schauspielhaus. Sonnabend, Nah- Des Meeres uud der Liebe Wellen. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Grill- parzer. Abends 8 Uhr: Hans Sonnenstößers Ein heiteres Traumspiel von Paul

Abonnementsvorstellung. | mittags 34 Uhr:

Sonntag: Hans Souncnstößers Höllenfahrt. Montag: Josephine. Ô

i « Sonnabend, Abends 8 Uhr: und Ludovic E nah einer Novelle des Prosper „Lomisgye, Sue T O h

251. Abonnementsvorstellung. Dés elei R R Tee Da E T:

Schillertheater. ©. (Wallnertheater.) Sonnabend, Abends 8 Uhr: Zopf und Schwert. Lustspiel in fünf Aufzügen von Karl Gußkow.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Das Urbild des Tartüff. Abends: Madame Sans-GêSue.

Montag: Es lebe das Leben.

Charlottenburg. Sonnabend, Abends 8 Uhr: Don Carlos. Friedrich Schiller.

Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Don Carlos.

Montag: Wilhelm Tell.

Theater des Westens. (Station: Zoologischer Garten. Kantstr. 12.) Sonnabend, Abends 8 Uhr: Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Einer von unsere | Die Dame D ie Operette in drei Akten von Julius Brammer und von Robert Winterberg.

Sonntag, Nachmittags 34 Uhr: Ein Walzer- Operette von Franz Lehar. Abends : Die Dame in Rot.

Montag und folgende Tage: Die Dame in Rot.

Lustspielhaus. (Friedrichstr. 236.) Bis auf weiteres geshlossen.

Klassen von s\tädtischen Beamten, für Hilfskräfte und Arbeiter infolge der Teuerung der Lebensmittel und Gewährung von vorüber- ehenden Teuerungszulagen. Der Ausschuß hat die durch den ntrag aufgerollte Frage, wie man bei den minderbesoldeten städtischen Angestellten die Folgen der Teuerung überwinden könne, in zwei Sißungen eingehend erörtert und empfahl einstimmig folgende Be- {lußfassung: „Die Versammlung ersucht den Magistrat, den Kategorien der städtishen Angestellten und Arbeitern, welche bei den bestehenden Teuerun A mit thren Gehältern bezw. Löhnen ohne Gefährdung thres Unterhaltes für sfich und ihre Familie nicht auskommen können, eine angemessene Teuerungszulage zu gewähren und der Versammlung eine entsprehende Vorlage innerhalb vier Wochen zu übermitteln.“ Der Antrag der Ausschüsse wurde nah kurzer Besprehung M angenommen. Eine Vorlage betraf die Beschaffung von silbernen Medaillen zur Be- nußung als städtische Ehrenpreise. Bei der städtischen Kunst- deputation ist angeregt worden, kfünstlerische Modelle zu Medaillen in edlem Gußmetall zu erlangen, die als Ausdruck der Anerkennung der Stadt für besondere Leistungen verltehen werden können. Die Deputation hat darauf unter den in Deutschland ansässigen Künstlern einen Wett- bewerb ausgeschrieben, bet dem der Bildhauer Adolf Amberg den ersten Preis erhielt. Der Magistrat beantragte folgende Bescklußfassung: „Die Versammlung ist damit einverstanden, daß nach dem Entwurfe des Bildhauers Adolf Amberg 25 silberne Medaillen behufs Ver- wendung als städtische Ehrenpreise angefertigt und die erforderlichen Mittel bis zur Höhe von 3600 4 bewilligt werden.“ Die Vorlage wurde angenommen. Auf die öffentlihe folgte etne geheime Sitzung.

A mtlih wird gemeldet: Auf Bahnhof Bernstadt ist heute früh der Güterzug 6393 bei der Einfabrt auf Gleis drei auf einen Wagen Ne e Fahren und mit der Lokomotive sowie vier Wagen stark beschädigt und entgleist. Der Zugführer Biehl aus Breslau ist tot. Das zweite Hauptgleis und die westlihe Bahn- hofsausfahrt sind gesperrt und werden heute nahmittag frei. Die Züge erleiden dur Umseßen und Fahren auf falschem Gleise bis Großzöllntg eine kletne Verspätung.

Stettin, 9. November. (W. T. B.) Die Stadt Stettin hat an Seine Königlihe Hoheit den Prinzen Eitel- Friedrich eine Adresse gerichtet, die von der Hand einer Künstlerin in kunstvoller Schrift auf Pergament geschrieben lautet :

„Euer Königliche Hoheit bitten die städtischen Körperschaften der C Stettin ehrerbietigst als Statthalter von Pommern begrüßen zu dürfen, nahdem ibnen die amtlihe Nachricht von der Ernennung Euer Königlichen Hoheit im Dienstwege zuge- gangen und nachdem der gleihmäßige Gang der täglihen Arbeit wieder an die Stellen glänzender Kesttage getreten ist. Diese Festtage werden in der dankbaren Erinnerung der Stettiner Bürgershaft um \#o dauerhafter fortleben, als sie durch die Wliederbeseßung des lange verwaisten Statthalterpostens die Provinz Pommern und ee Hauptstadt mit etnem neuen persönlihen Bande an das Herrscherhaus geknüpft haben. Die un- mittelbaren Vorgänger Euer Königlichen Hoheit in der Statthalter- schaft, Katser Wilhelm der Große als Prinz Wilhelm und Kaiser Friedrih als Kronprinz Friedrich Wilhelm, sind von warmem persön- lichen Interesse für die Provinz Pommern und ihre Hauptstadt erfüllt gewesen und haben gern in Stettin geweilt. Vor allem hat Euer Königlichen Hoheit Hochseliger Herr Großvater vielfach anregend und fördernd zum Besten der Stadt gewirkt und zu manchen hervor- ragenden Stettiner Bürgern persönliche Beziehungen unterhalten; die besondere Verehrung und Liebe, mit der daher sein Name noch heute in der Bürgerschaft genannt wird, ist in dem Vorhaben zum Ausdruck gekommen, thm demnächst ein von Meisterhand entworfenes Standbild zu errihten, nahdem ein würdiger Plaß dafür durch die Bollendung öffentliher Bauten und Anlagen geschaffen worden ist. Wenn Stettin auch niht zu denjenigen deut]|{chen Städten gehört, denen die Denkmäler der Vergangenheit oder der Neihtum der Gegen- wart einen besonders glänzenden Hintergrund verleihen, so ift es doch eine Stadt, deren bedeutende Entwicklungsmöglichkeiten namentlich in ihrer Eigenschaft als erste preußishe Seehandels- stadt ihr Bild im Rahmen der Zukunft groß und reizvoll zu zu denken erlauben und das Schaffen der Gegenwart vor entsprechende Aufgaben stellen; für deren Entwicklung tätig zu sein sih daher wohl der Mühe verlohnt. In diesem Sinne bitten wir auch Euer König- liche Hoheit, Anteil an den Geschicken der Stadt Stettin nehmen zu wollen. Wenn auch deren Bürgerschaft durh die geographische Lage und die Geschichte der Stadt gelehrt worden tit, in erster Linie eigener Kraft zu vertrauen, fo kann sie doh angesichts der Pflicht und Notwendigkeit,

Chopin. Bolten-Baeckers. Chopin.

J. Gilbert. Anfang 8 Uhr. schaft.

Abends: Mein Baby.

Sonntag und folgende Tage: Ein Walzer von

Thaliatheater. (Direktion : Kren und Schönfeld.) Sonnabend, Nachmittags 4 Uhr: Kindervorstellung : Sneewittchenu. Abends : Polnische Wirtschaft. Schwank mit Gesang und Tanz in drei Akten von Kraaß und Okonkowsky, bearbeitet von J. Kren. Gesangsterte von Alfred Schönfeld, Musik von

Sonntag und folgende Tage: Polnische Wirt-

Trianontheater. (Georgenstraße, nahe Bahnhof | Originalauss\tattungsstück des Zirkus

Friedrichstraße.) Sonnabend, Abends 8 Uhr: Mein Baby. Burleske in drei Akten von Margaret Mayo. Sonntag, Nachmittags 3 Uhr: Francillon.

Montag und folgende Tage: Mein Baby.

sich dem größeren Ganzen ein- und unterzuordnen, oft einer ge- rechten und woblwollenden Würdigung ihres Strebens an höherer Stelle und eines Beistandes in der Ueberwindung von Hindernissen niht_entraten. Wenn in solchen Fällen auch Euer Königliche Hoheit ein Ohr und ein Herz für die Sorgen der Stadt haben wollen, dann wird auh künftig die Statthalter shaft mehr als eine Förmlichkeit sein. Durch die Gnade Seiner Majestät ist der Wunsch, ein Mitglied des Königlichen Hauses als Statthalter begrüßen zu können, über Er- warten s{chnell erfüllt worden. Bestehen bleibt als Wunsch und Hoffnung der Gedanke, daß \sich das alte Stettiner Greifens{hloß einmal zu einer des Statthalters und seiner Hohen Gemahlin würdigen Residenz umgestalten lassen möchte! Wichtiger aber als eine äußere Verbindung, wie sie hierdurch geschaffen werden würde, bleibt ein inneres Verhältnis der Anteilnahme und des Vertrauens, zu dem wir das Unsrige beizutragen aufrichtig gesonnen sind. Als einen Ausdruck dieser Gesinnung bitten wir Euer Königliche Hoheit, diese Zeilen huld- vollst aufnehmen zu wollen.“

Posen, 10. November. (W. T. B.) Heute vormittag um 11 Uhr fand hier die feierlihe Einweihung des mit einem Kostenaufwand von 24 Millionen Mark errihteten Diakonitssen- hauses statt. Als Vertreter Jhrer Majestät der Kaiserin An wohnte der Oberhofmeister Fretherr von Mirbach er Feter bei.

Nürnberg, 10. November. (W. T. B.) In der vergangenen Nacht gegen 102 Uhr brach in den Siemens-Schuckert-Werken aus bisher unbekannter Ursuche eine Feuersbrunst aus, und zwar in dem Werkstattgebäude für Schaltapparate und Negulierwiderstände. Das Feuer griff {nell um sich, sodaß troy des Eingreifens der städtischen und der Fabrikfeuerwehr mit ungefähr 18 Sc{hlauchleitungen bald der ganze Dachstuhl tin Flammen stand. Das Feuer konnte erst gegen 3 Uhr Morgens gelöscht werden. Der Schaden an Gebäuden und Mate: ial ist ziemlih beträchtlih. Das Dachgeschoß und das zweite Ober - geschoß sind fast völlig zerstört, und der größte Teil der in den Gebäuden befindlihen Lagervorräte, Fabrikate und Maschinen ist teils durch Feuer, teils durch Wasser unbrauchbar geworden. Eine größere, lang andauernde Betriebsstörung tritt aber nicht ein, da die Fabri- kation zum großen Teile in andere Näume verlegt werden kann.

_Essegg, 9. November. (W. T. B.) Die biesige Union- mühle ist vollständig nieder gebrannt. Der Schaden beträgt zwei Millionen Kronen.

_Stanislau, 10. November. (W. T. B.) Der Student Siczynski, der am 12. April 1908 den galizishen Statthalter Grafen Potocki ermordet’ hatte, ist in der vergangenen Nacht aus dem hiesigen Gefängnis entsprungen. Die Sträflingekleidung des Entflohenen wurde in seiner Zelle gefunden. Siczynski war zuerst zum Tode durch den Strang verurteilt und dann zu zwanzig Jahren Kerker begnadigt worden.

Nach Schluß der Redaktion eingegangene Depeschen.

Madrid, 10. November. (W. T. B.) Angesichts der Erregung, die in Tanger durch sanitäre Maßnahmen hervor- gerufen worden ist, hat die spanishe Regierung beschlossen, den Kreuzer „Cataluna“ nah Tanger zu entsenden.

Mukden, 10. November. (Meldung der „St. Peters- burger Telegr.-Agentur“.) Die Zöglinge der Schulen richteten an den Vizekönig die Forderung, die Mandschurei für autonom zu erklären, was vom Vizekönig ab- gelehnt wurde. Die Schulen wurden darauf von der Polizei beseßt und die japanische Polizei ersucht, die Ordnung in der Stadt aufrechtzuerhalten. Die Bevölkerung ist sehr erregt gegen den Vizekönig, es werden ernste Unruhen be- fürchtet. Mehrere Kaiserliche Prinzen sind inkognito hier ein- getroffen.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten Beilage.)

Residenztheater. (Direktion : Richard Alexander.) Sonnabend, Abends 8 Uhr: Ein Walzer von | Klavierabend von Jules Jffserlis. Schwank in drei Akten von Kéêroul und Für die deutsche Bühne bearbeitet von

Choralion-$aal. Sonnabend, Abends 74 Uhr :

Birkus Schumann. Sonnabend, Abends 74 Uhr: Grande Soirée high Life. Zum Sthluß: 1000 Jahre auf dem Meeresgrund. * Ent- worfen und tnszentert vom Direktor Albert Schumann. Vorher: das auserwählte Pro- gramm.

Sonntag, Nachmittags 34 Uhr und Abends 74 Uhr : 2 grofe Vorstelluugen. In beiden Vor- stellungen (ungekürzt): 1000 Jahre auf dem Meeresgrund.

Pirkus Bush. Sonnabend, Abends 74 Uhr: Große Galavorstellung. U. a.: „Max und Moritz“‘ und „Pepi““, die drei Schimpansen (groß- artige Drefsurleistung). Zum Schluß: U 20, usch in fünf Bildern.

Sonntag, Nachmittags 3} Uhr und Abends 74 Uhr : 2 Vorstellungen.

Konzerte.

Ein dramatishes Gedicht von (Klavier).

lfred Grünwald. Musik

hagen.

Singakademie. Sonnabend, Abends 8 Uhr: Zweiter Kammermusikabend des Wittenberg- Quartetts. Mitw.: Helene Lachmanski-Schaul

Saal Bestein. Sonnabend, Abends 74 Uhr: Liederabend von Nina Jaques-Dalcroze. Am Klavier: Prof. E, Jaques-Dalcroze.

Beethoven-Saal. “Sonnabend, Abends 8 Uhr: Konzert von Franz von Vecsey mit dem Phil- harmonischen Orchester, Dirigent: O, Marien-

Klindworth- Scharwenka-Zaal. Sonn- abend, Abends 8 Uhr: Konzert von Frida Halbe (Gesang) und Gisela von Pászthory (Klavier).

Familiennachrichten.

Gestorben: Hr. Geheimer Justizrat, Professor Dr. jur. Felix Bruck (Breslau). Hr. Professor Dr. med. Hans Ruge (Berlin. Hr. Ober- bürgermeister Paul Bollmann (Guben). Hr. Rittergutsbesißer und NMittmelster a. D. Arthur von Schaper (Falkenberg, Bez. Halle) Fr. Else von Schack, geb. Ravené (Haus Naakow bei Drebkau N. L.). Difiakonissin Josephine von Thümen (Berlin).

Verantwortlicher Redakteur : Direktor Dr. T yrol in Charlottenburg.

Verlag der Expedition (Hetdrich) in Berlin.

Anstalt Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32.

Neun Beilagen

eins{ließlich Börsenbeilage und Warenzetichen- E beilage Nr. 92).

Druck der Norddeutshen Buchdruckeret und Verlags-

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T" L E R E

S E E E a E R C A

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Deutscher Reichstag. 201. Sizung vom 9. November 1911, Nachmittags 1 Uhr. (Bericht von Wolffs Telegraphishem Bureau.)

Auf der Tagesordnung steht die Besprehung der deuts ch- französishen Abkommen vom 4. November 1911, be- treffend Marokko und Aequatorialafrika.

Reichskanzler Dr. von Bethmann Hollweg:

Meine Herren! Zur Beurteilung der Ihnen vorliegenden Ab- machungen wird es zunächst von Wert sein, die leßte Entwicklung der marokkanischen Frage und einiges Wesentliche aus den getroffenen Abmachungen vorzutragen.

Die Akte von Algeciras war bestimmt, die Selbständig- keit Marokkos aufrecht zu erhalten, um das Land zugunsten des Handels aller dabei beteiligten Mächte wirtschaftlich zu entwieln. Es zeigte sich bald, daß eine wesentlihe Voraussetzung hierzu fehlte: ein das Land tatsählih beherrshender Sultan, imstande, die vor- gesehenen Reformen durchzuführen. Auch der Sultan Mulay Hafid vermochte es troß seiner persönlihen Eigenschaften nicht: er geriet immer mehr in fremde Abhängigkeit und wurde deshalb von den Stämmen seines eigenen Landes immer lebhafter befehdet.

Dies führte zu immer größerem Einfluß Frank- reich8; denn von den vier Mächten, welhe \eit den 70er Jahren vertragëmäßig Militärmissionen am Hofe des Sultans unterhielten, hate sih nur die französishe Mission durchzusetzen ver- mocht. Ebenso war Frankreih seit langem der Geldgeber Marokkos. Die Lage des von feindlihen Stämmen bedrängten und in Fez ein- geschlossenen Sultans wunde \{ließlih so prekär, daß Frankreich den Mächten erklärte, es müsse für das Leben und Eigentum seiner am Hofe des Sultans befindlichen Offiziere und der europäischen Kolonie ernste Bcforgnisse hegen. Frankrei erklärte deshalb, Truppen nach Fez s{icken zu wollen, um die Europäer nach der Küste zurück- zuführen.

Wir hatten keine fo bedrohlihen Nachrichten aus Fez und er- klärten deshalb, daß fremde Hilfe für unsere Kolonie nicht erforder- lih fei. Da wir aber natürlich keine Garantie für das Leben der anscheinend bedrohten Franzosen übernchmen konnten, erhoben wir feine Einwendungen gegen den Zug nach Fez zur Zurück- führung der bedrohten Franzosen nach der Küste. Wir fnüpften aber daran den ausdrückliden Vorbehalt, den wir auch öffentliß bekannt gaben, daß wir uns unsere Handlungsfreiheit vorbéhielten, sobald die französishe Expedition den angegebenen Zweck überschreite, und dies auch dann, wenn das Hinaus- gehen lediglih eine Folge der sich aus der Expedition ergebenden äußeren Umstände sein follte. (Hört, hört! rets.)

Dies traf, wie vorauszusehen, zu. Frankreih \chaltete vermöge seines allmählih absolut gewordenen Einflusses auf den geretteten Sultan ziemlich unbeschränkt als Herr im Lande. Damit war die Voraussetzung der Algecirasakte ein selbständiger Sultan hinfällig. Es ift zwar eingewendect worden, der Sultan habe ja die Franzosen selbst zur Hilfe gerufen ; aber ein Herrscher, der fremde Truppen zur Hilfe ruft, der sih nur auf fremde Bajonette stützt, ist nicht mehr der selb- ständige Herrscher, den die Algecirasakte zur Voraussetzung hatte. Wir gaben dies zu erkennen und legten Frankrei eine Verständigung nahe, wobei wir natürlih Frankreih die Initiative zusWoben. Nur in allgemeinen Umrissen deuteten wir unser Programm dahin an, daß wir bereit seien, der durch die veränderten Verhältnisse bedungenen veränderten französishen Stellung Nechnung zu tragen, daß wir aber dafür genauere Garantien für die uns zugesiherte Gleichheit auf dem Gebiete des Handels und der Industrie, insonderheit bei öffentlichen Unternehmungen, verlangen müßten, daß wir außerdem Fompensattonen für diejenigen Rechte fordern müßten, die ih Frankreichß ohne vor- berige Verständigung mit uns über Buchstaben und Sinn der UAlgecirasakte hinaus zugelegt kt atte.

Wir erhielten zunächst keine positiven Vorschläge aus Paris, während fich die französishe Militärmacht in Marokko immer mehr ausbreitete und sih allmählih die Fiktion festzuseßen begann, nicht nur tn Frankrei, sondern auh bei den anderen Mächten, als handele Frankreih infolge eines europäishen Mandats. Als daher deutsche Interessen infolge der Ereignisse in Marokko bedroht erschienen, ent- fandten wir ein Kriegs\chiff nach Agadir. Die Entsendung dieses Schiffes hatte zunächst den Zweck, Leben und Eigentum unserer Untertanen zu s{üßzen. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Es gibt feine Untertanen!) Sie war aber gleichzeitig eine deutlihße Kund- gebung unferer Berechtigung und unseres Willens, unsere Unter- tanen in Marokko ebenso gut selbständig zu \{ütßen wie Frankreich die seinigen, solange leßteres sich nit anderweitig mit uns ver- ständigt haben würde. Dieser Zweck der Entsendung unseres Schiffes und ihre Beschränkung auf diesen Zweck if unmittelbar vor Ein- treffen des Schiffes den Mächten durch unsere bei ihnen beglaubigten Botschafter und Gesandten kundgegeben worden. Es ist also eine unwahre Behauptung, wenn in der Presse, in der fremden Presse, die Schiffsendung nah Agadir als eine Provokation und als eine Drohung dargestellt wurde. Wir provozieren und bedrohen nicmanden (Ge- lahter bei den Nationalliberalen), aber wir wahren unsere Nechte, meine Herren, und wir werden uns darin durch niemand beirren oder behindern lassen. (Sehr gut!)

Danach kam es zur Aussprache mit Frankreickch. Vom rein formellen Standpunkte aus konnten wir die Wiederherstellung des Status quo ante, d. h. des Status von 1906, fordern. Vom theoretiswen Standpunkte aus wäre das richtig gewesen. Prafktisch war es unmöglih. Es war kaum mögli, ohne innere Wirren be- fürhten zu müssen, Marokko wieder ganz von fremden Truppen zu entblößen. Außerdem wäre die rostitutio in integrum nur eine

höchst unvollständige gewesen, weil der nahhaltige Eindruck, den das Vorgehen Frankreichs hervorgerufen - hatte, auch nach Zurückziehung der Truppen bestehen geblieben wäre. Schließlih wären wir auch nur, und zwar unter für uns ungünstigen Umständen, zu einem Punkt zurücgelangt, der der Ausgang jahrelanger Reibereien gewesen war,

Erste Beilage zum Deutschen Reichsanzeiger und Königlich Preußischen Staatsanzeiger.

Berlin, Freitag, den 10. November

deren Beseitigung von beiden Regierungen gleihmäßig gewünscht wurde. Die Behauptung, daß die Entsendung des „Panther“ nah Agadir Landerwerb in Marokko bezweckt hätte, ist unrichtig. Schon durch das Februarabkommen von 1909 war Landerwerbung tin Marokko ausgeschlossen. Unser bereits lange vor Entsendung des Kriegs\chiffes festgelegtcs Programm bewegte sih auf derselben Linie. Die Un- richtigkeit der Behauptung wird auch dur die Erklärungen dargetan, welche wir den fremden Mächten unmittelbar vor Eintreffen des Schiffes in Agadir gegeben haben ; sie folgt endlih auch aus den Er- klärungen, die wir beim Eintreffen des Schiffes durch die Organe der Presse in die Oeffentlichkeit haben gelangen lassen. Es ist in hohem Grade beksagen8wert, daß diese unrichtige Behauptung auch bei uns dazu benußt worden ist, um in unpatriotisher Weise cin Zurücweichen der Kaiserlihen Regierung und eine Demütigung des Landes zu konstruieren. (Bravo! rechts. Zuruf bei den Sozialdemokraten.) Bei den Verhandlungen mit Frankreih war der leitende Gedanke der, daß sich die Unmöglichkeit ergeben hatte, daß die Marokkaner aus eigener Kraft die Ordnung in ihrem Lande herstellten und aufrecht erhielten, daß es dazu des Ein- greifens einer fremden Macht bedürfe. Diese konnte für den überwiegenden Teil Marokkos nur Frankrei sein. Je größer die Freiheit war, die Frankreich hierin erlangte, desto mehr kam es in die Lage, die Bürgschaft und Verantwortung für die Ordnung zu über- nehmen. Dagegen haben wir weitgehende und detaillierte Garantien für die Gleichberehtigung des nichtfranzösischen Handels, der nicht- französischen Industrie, für die Nechte der in Marokko lebenden niht- französishen Staatsangehörigen erhalten. Die Einzelheiten ersehen Sie aus dem Jhnen vorliegenden Vertrag.

Wir haben es uns insbesondere angelegen sein lassen, der Ein- und Ausfuhr die Gleichberehtigung zu sichern, besondere Bürgschaften für die Gleichberehtigung bei Begebung der öffentlihen Arbeiten zu erhalten, unserer Fischerei die marokkanischen Gewässer zu sichern, unserem Handel die gleihberechtigte Benußung aller Verkehrsmittel zu Wasser und zu Lande zu gewähfrleisten. Die Konsulargerichts- barkeit und das Recht des Schußes von Eingeborenen sind uns fo lange gesichert, als die Zustände dies gebieten.

Ein besonderes Augenmerk haben wir der sehr wihtigen Frage der Crzgewinnung gewidmet. Ob das Land alle Hoffnungen erfüllen wird, die darauf von verschiedenen Seiten geseßt werden, vermag ich nit zu entscheiden. Wir haben aber die Möglich- feit großer Erzfunde bei den Verhandlungen nit aus dem Auge ver- loren. Wir haben den Deutschen die freie Konkurrenz beim Bergbau gesichert. Wir haben uns nach Anhörung von Sachverständigen über Bestimmungen geeinigt, die der Belegung von Terrain ohne Abbau entgegenwirken, und dafür gesorgt, daß das geförderte Erz frei und unbehindert und nur mit bestimmten, „vertraglih - begrenzten Abgaben belastet in den freien Markt gelangt. Für die verkehrsvolitische Erschließung der wahrscheinlich hauptsählich in Betracht kommenden Minengebiete und für die Beförderung des Pro- duktes von den Minen nah den staatlichen Eisenbahnen oder nach den nächsten Hafenpläten sind vertragliche Bestimmungen getroffen. J glaube, daß mit allen diesen Bestimmungen unseren wirtshaftlihen Interessen in Marokko ein guter Dienst geleistet worden ist.

Ich komme zu der Frage der Kompensationen. Dabei will ich

zunächst über den Nücktritt des Herrn von Lindequist sprelen. Der Herr Staatsfekretär des Neichskolonialamts widerstrebte von Anfang an dem Erwerb eines größeren Kolonialbesitzes, wie er uns jetzt zu- gefallen ist. (Hört, hört! links.) Er richtete vielmehr seine Wünsche auf kleinere, aber in der Kultur vorgeschrittene und deshalb leiter und billiger zu verwaltende Gebiete. (Lebhafte Nufe: Sehr richtig! und Hört, hört! links und bei der Wirtschaftlichen Vereinigung.) Da sich die Erreichung dieses Zieles als ul|{cht möglich erwies, so redete er bloßen Abrundungen unseres Kolonialbesizes und Grenz- berihtigungen das Wort. Ich konnte auf diefen Gedanken nit ein- gehen, da ih die Erwerbung eines größeren Kolonialgebietes für unsere Betätigung für notwendig hielt. Bezüglih des Kongo, von dem bei früheren, wenn auch unverbindlihen Besprehungen mit Frankreih {on vor Jahren die Nede gewesen war, lag auch keine res integra mebr vor. Kolonialamt kein genügender Einfluß auf die Nictlinien der Ver- handlung gegeben werde, hat Herrn von Lindequist bereits im Sommer dieses Jahres bestimmt, um seinen Abschied zu bitten. \chiedsgesuch ist von Seiner Majestät auf meinen Antrag während des Schwebens der Verhandlungen abgelehnt worden. Die Wünscße des Kolonialamtes sind in dem Ihnen vorliegenden Abkommen in- sofern erfüllt worden, als sich in dem uns zugefallenen Gebiet die- jenigen Teile an der Süd- und Ostgrenze von Kamerun befinden, welhe mir vom Kolonialamt als erstrebens8wert bezeihnet worden waren. (Hört, bört! in der Mitte.)

Gegen die Abtretung deut\chen Landes hegte Herr von Undeguist prinzipielle Bedenken (Stürmishe Zurufe links: Hört, bört! Bravo!), erklärte mir aber, wenn ohne solche Abtretung nit zum Abschluß zu kommen wäre, die Abtretung: des jeßt an Frankreich zedierten Gebieteteiles für erträglich.

Am 28. Oktober tauchte in der Presse das Gerübt von der be- vorstehenden Demission des Herrn von Lindeguist auf. Es ist mit Zu- stimmung des Verrn von Lindequist dementiert worden. Der Wortlaut des Dementi hat ibm vorgelegen. Um aber anderweitigen Ausstreuungen in der Presse entgegenzutreten, bemerke ih dabei, daß mir Herr von Lindequist die Wahrscheinlichkeit seines Rücktrittes im näbsten Frübß jahr erklärt hat, aber gleichzeitig erklärte, nah Abs{luß der Neichstags- verhandlungen cine Inspektionsreise nah Südwestafrika antreten zu wollen. Wenige Tage darauf wiederholte Herr von Undeguist sein Abschiedêgesuch.

Gr hatte vorber in einem \{riftlißen Votum scharfe Einwendungen gegen den ibm vorgelegten Tert des projektierten Vertrages erboben Lebhafte Nufe links: Hört, hört!) und war dabei zu dem Er:

ebnis gekommen, daß dur die von uns zu erwerbenden 275 000 akm ( i

1901.

auch niht im entfernten der Schaden aufgewogen werden würde, der unserem Kolonialgebiete dur die Abtretung der 12 000 qkm und die Nebenabreden des Vertrages zugefügt werden würde. (Hört hört! bei den Nationalliberalen, links und bei der Wirtschaftlichen Vereinigung.) Einige. der Nebenabreden konnten nah den Vorschlägen des Staatssekretärs des Kolonialamts dur Verhandlungen mit Frankreich berüsichtigt werden. Immerhin nötigte mich die in dem Votum eingenommene Stellung des Staatssekretärs, ihm die Frage vorzulegen, welhe Haltung er bei der Verhandlung der Angelegenheit im Reichstag einzunehmen gedenke. Dabei ergab fi, daß Herr von Uindequist zur ressortmäßigen Vertretung der Abkommen im MNeichs- tage nicht bereit war. (Hört, hört! und Bravo! bei den National- liberalen und links. Unruhe.) Darin lag, meine Herren, bei aller persönlihen Hochshäßung muß ih das sagen eine Verkennung der Sachlage. Es war Herrn von Lindequist nit zugemutet worden, die Verantwortung für das Kongoabkommen mit seiner Person zu decken. Das Kongoabkommen ist nur ein Teil des gesamten politishen Abkommens über Marokko; dafür trage i ch die Verantwortung. Es war auch Herrn von Lindequist nicht zugemutet worden, das Kongoabkommen nach allen Nichtungen hin zu verteidigen oder gar zu loben. (Heiterkeit links.) Jh habe von ihm nur er- wartet eine objektive Prüfung vom Kolonialstandpunkt aus, wobei au auf die Schattenseiten des Vertrages, die Abtretung des Logone- gebietes, die Schlafkrankheit, die großen Konzessionsgesellschaften, die teilweise ungünstige Konfiguration ausdrücklich hinzuweisen, nur aber die Möglichkeit, die Hoffnung einer zukünftigen Entwicklung niht zu bestreiten sei. (Zurufe von den Nationalliberalen.) Herr von Lindequist verweigerte aber auch ein fo zurüchaltendes Eintreten für meine Politik (Bravo! und Sehr richtig! links) und erneuerte, wie ih schon erwähnte, deshalb sein Abschiedêgesuch. (Bravo! links, bei den Nationalliberalen und der Wirtschaftlichen Vereinigung.)

Noch peinliher als das Abschiedsgesuch dieses in langjährigem Kolonialdienst bewährten Beamten (Sehr richtig! links) war die Tatsache, daß ungefähr gleichzeitig mit mir die Presse von der ablehnenden Haltung des Herrn von Lindequist in dem erwähnten Votum Kenntnis erhielt. War dies auch zweifellos ohne Zutun und gegen den Willen des Herrn von Lindequist gesheben, so blieb mir doch nunmehr nichts weiter übrig, als durch eine \hleunige Erledigung des Rükftrittsgesubes für eine Weiter- führung der Geschäfte des Neichsfkolonialamts Sorge zu tragen, die der erforderlihen Einheitlihkeit und Gesc{lossenheit der Reichs- regierung niht im Wege- stand. (Lebhafte Zurufe links.)

Meine Herren, damit komme ih zu dem sachlihen Gegenstande zurück. Ich habe soeben ausgeführt, daß und weshalb sich unsere Kompensationsansprühe auf eine kompakte Vergrößerung Kameruns rihteten; ih habe weiter ausgeführt, daß fh in dem uns zu- gefallenen Teile diejenigen Landstriche befinden, die uns von den Kennern unserer Kolonien als erstrebenswert bezeichnet worden find. Ihr Erwerb ist für die Gegenwart wertvoll und rundet zuglei Kamerun in erwünshter Weise ab. (Zurufe und Heiterkeit links.)

W rôfiten Stro HiL Bien C Irom

Wir mußten aber auch Weit darauf legen, an

Zon

Afrikas, an den Kongo, und an feinen beranzus- kommen. Auch das ift uns gelungen. Ich bestreite niht, daß wir dabei auch Länder in den Kauf nehmen mukßten, d ast von geringerem Werte find, und deren Verwalti und Berwirt- haftung uns noch manche Sorgen bereiten tvird GOört, bört! links. Zuruf von den Sozialdemokraten: Auch Geld kosten!) Daß mir die Abtretung von Logone zum mindesten ebenso un- angenehm gewesen ist wie dem Kolonialamt, brauche ih nicht berver- zuheben. Aber ohne eine Art Länderaustaush war es unmöglich, das zu erreichen, was wir erreichen wollten. Die 1 baffenen Gren find das gebe ih zu zum Teil unbequem und für die Ver- waltung schwierig. Aebnlihe Schwierigkeiten i ber auch f{on an der bisherigen Kameruner Süd e und am Entenschnabel be standen.

Um diese Schwierigkeiten zu mildern, ist der Grenz- kommission L Rote c der Gr n ter Spielraum gelassen. Sie soll insbesondere auf die natürlichen Grenzen und auf die Zusammengebörigakeit der E rer Rüudhndbt nehmen. Sie soll zu d i Zweck das Ned b bald zugunsten des einen, bald zrgunsiten des anderen Teils von der îin großen Zügen vertraglih festgelegten Grenze | ä Sie - bat nur darauf zu achten, daß im Gefa is d hungen fich wieder ausgleichen.

Für den gegenseitigen Durch{ ver r sind weit gebende Bestimmungen getrof Mir n tig Forts führung und Ans{luß an Eisenba dert und Tommen dadurch nötigenfalls in die Lage, mit unseren Babnen an die großen Ströme beranzukommen. Wir gewähren den F n für ihr neord- östlihes Kongogebiet eine Etavpenstraße nah dem Kongo nah Analogie der ibnen von England am Nigerdecken zugest2ndenen Etappenstraße, die auf beiden Seiten zu keinerlei S(wierigketten geführt hat.

Der Sclußartikel des Vèrtrages bat keine aktuelle Bedeutung, fann eine solche aber erlangen, wenn im Kongobecken territeriale Veränderungen vor sich gehen folilten, bei denen wir dann mitzuspre@den bâtten.

Meine Herren, gegen diefe Kongoerwerbung bat S nun îin einem groèen Teile der Oeffentlicdkeit Sturm der Entrüstung erboben. (Sebr wahr! links.) Man bat kein Wort gefunden, das {arf genug war, um die Ardeit der Negierung zu vers urteilen und vor dem Nuslande zu ditkreditieren. (Zurufe lu) Meine Herren, man wird zu einem rittigen Urteile nur komuten. ï è nicht die schlecbten, ader aud nit die guten Seiten dere schweigt, Gewiß, id wiederdole, es befinden Kd unter dem Cos wordenen minder wertvolle, vielleicht sogar schleedte Stücke, gruau wie

dgenwäriig in unserem Beige be ört! dei den Sozialdemokraten)

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