1911 / 267 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Die vereinigten Ausschüsse des Bundesrats für Zoll- und Steuerwesen und für Rechnungswesen, die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr und der Ausschuß für Zoll- und Steuerwesen hielten heute Sigungen.

Jn dem Mitte November zur Ausgabe gelangenden Ver- zeichnis der Teilnehmer an den Fernsprehneßen in Berlin und Umgegend werden die Berliner r evermitilungs- stellen 1, 8, 4 und 7 mit Namenbezeichnungen auf- geführt sein, und zwar

Amt 1 mit der Bezeichnung um, e 990 Norden, n 4 0E M Morißplaß, : T Königstadt.

4 u [14 [4

C Amt 2 ist die Bezeichnung „Amt Moabit“ schon eingeführt.

Am 19. November werden an Stelle der jeßigen Aemter 6 und 6a, jedo<h unter anderweitiger Verteilung der Anschlüsse, zwei Vermittlungsanstalten mit den Bezeichnungen „Amt Lüßow“ und „Amt Kurfürst“ in Betrieb genommen werden. /

Bei dem Amte Kurfürst wird der Dienstleitungsbetrieb eingeführt. Die Teilnehmer dieses Amtes haben hiernach bei der Anmeldung ihrer Gespräche nah anderen Aemtern sogleich nicht nur das andere Amt, sondern auch die Nummer des ge- wünschten Anschlusses anzugeben. S

. Fernsprecteilnehmern, die ihren Anschlnß auf Briefbogen, Geschäftspapieren usw. angeben, wird empfohlen, sich der im Fernverkehr anzuwendenden Fassung (3. B, Berlin Amt Zentrum Nr. ._.) zu bedienen.

t r u

Der \hweizerishe Gesandte von Claparède ist nach Berlin zurückgekehrt und hat die Leitung der Gesandtschaft wieder übernommen.

Der Oberregierungsrat Saint-Pierre in Gumbinnen ist als Dirigent der Kirchen- und Schulabteilung an die Königliche Regierung in Frankfurt a. O.,

der Landrat von Trotha aus dem Kreise Hünfeld, Regierungsbezirk Cassel, in gleicher Amtseigenschaft in den Kreis Wittenberg, Regierungsbezirk Merseburg, verseßt worden.

Der Regierungsrat von Ber gen in Cassel ist dem König- lichen Polizeipräsidium in Berlin, der Regierungsrat Dr. Zaun in Arnsberg dem Königlichen Polizeipräsidium in Cöln, der Regierungsrat Perkuhn in Marienwerder der Königlichen Regierung in Königsberg, der Regierungsrat Dr. Vöninger aus Breslau der Königlichen Regierung in Osnabrück, der Regierungsrat FJlliger in Essen der König- lihen Regierung in Düsseldorf, der Regierungsrat Dr. Trapp in Cassel der Königlichen Polizeidirektion in Essen, der Regierungsrat Anne>e in Aurich dem Königlichen Ober- präsidium in Münster, der Negierungsassessor Dr. von Poser und Groß-Naedliß in Stolp der Königlichen Regierung in Arnsberg, der Negierungsassessor von Dobbeler in Ortels- burg der Königlichen Regierung in Schleswig, der Regierungs- assessor Freiherr Senfft von Pilsach in Neuwied der König- lichen Abaitiing in Merseburg und der Regierungsassessor Deni>e aus Stargard i. Pommern dem Königlichen Polizei- präsidium in A eten. zur weiteren dienstlihen Ver- wendung überwiesen worden.

Der Regierungsassessor Freiherr von dem Knesebe>- Mylendon> aus Belzig ist dem Landrat des Landkreises Stolp, der neuernannte Regierungsassessor Haseujäger aus Düsseldorf dem Landrat des Landkreises Oppeln, der neu- ernannte Regierungsassessor Graf zu Solms-Laubach aus Cöln dem Landrat des Kreises Templin, der neuernannte Ne- gierungsassessor Dr. Constantin aus Danzig dem Landrat des Kreises Hameln, der neuernannte Regierungsasse}\or Dr. Hüesfk er aus Düsseldorf dem Landrat des Kreises Ortelsburg, der neuernannte Regierungsassessor von Dziembowski aus Breslau dem Landrat des Kreises Grafschaft Schaumburg in Rinteln, der neuernannte Regierungsassessor Deutsch aus Posen dem Landrat des Kreises Mörs, der neuernannte Ne- gierungsassessor Ei h aus Cöln dem Landrat des Landkreises Liegniß und der Regierungsassessor Stobbe in Charlotten- burg dem Landrat des Landkreises Gelsenkirchen zur Hilse- leistung in den landrätlichen Geschäften zugeteilt worden.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S.

vorgestern in Prince Ruperts-Bay auf Antillen) angekommen.

M. S. „Hertha“ Dominica (Kleine

Kiel, 11. November. Jhre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin sind mit Jhrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Viktoria Luise und Gefolge gestern abend hier eingetroffen und, „W. T. B.“ zufolge, auf dem Bahnhof von Jhren Königlichen Hoheiten dem Prinzen und der Prin- zessin Heinrih sowie den Prinzen Adalbert und Waldemar, dem Staatssekretär des Reihsmarineamts, Großadmiral von Tirpit, dem Flottenchef Admiral von Holtzendorff, dem Stations- hef Admiral Schroeder, dem Stadtkommandanten Genèral- major von Bodungen und dem Polizeipräsidenten von Schroeter

empfangen worden. Bayern.

Jn der gestrigen Sigung der Abgeordnetenkammer gab der Ministerpräsident Freiherr von Podewils laut Meldung des „W. T. B.“ folgende Erklärung im Namen der Gesamtregierung ab:

Im Sinanzausshuß vom 8. November wurde vom Vertreter der Mehrheitspartei die Erklärung abgegeben, daß diese wegen der Stellungnahme des Verkehräministers zurzelt nicht in der Lage |eî, in der sa<li<hen Behandlung der Forderungen des _Verkehrs- ministeriums fortzufahren. QVarauf hat der Finanzausshuß den Beschluß gefaßt, den Gegenstand bis auf weiteres von der Tagesordnung abzuseßen. Meine Herren! Der Herr Staats- minister für Ver ehréangelegenheiten hat die rein sads lihen Gründe, aus welchen er veranlaßt war, die Sißzung der Kammer am #7. November vor Schluß zu verlassen, bereits hier im Hause mitgeteilt und au darauf hingewiesen, daß die Vieinungf- verschiedenheiten zwishen ihm und dem Ersten BVizepräsidenten auf ein Mißverständnis zurü>zuführen sei. Auf diese Erflärung wird hiermit austrü>li< Bezug genommen. Der Beichluß des Finanzausshuses vom 8. November geht hlerna<h von nicht zutreffenven Borautsetzungen

Darauf begann die Kammer die Generaldebatte über das Ministerium des Aeußern.

Im Laufe der - Beratung kam der Führer der Liberalen Dr. Casselmann auf die auswärtige Politik zu \prebeu und betonte in längerer Nede, taß das bayerische Volk das tiefste Bedauern darüber empfinde, daß die verbündeten Regierungen mit rank1eih ein Ahb- kommen gçeshlossen hätten, wie es jet bekannt werde.

Schwarzburg-Rudolstadt.

Bei den gestrigen Landtagswahlen sind, wie „W. T. B.“ meldet, 6 bürgerliche Abgeordnete, davon 4 von den Höchstbesteuerten, und 9 Sozialdemokraten gegen 6 im älten Landtage gewählt worden. Die Stadt Rudolstadt ist in beiden MWahlkreisen dur<h fozialdemokratische Abgeordnete vertreten. Jn einem Wahlkreise findet Stichwahl zwishen dem bürger- lihen und sozialdemokratischen Kandidaten statt. Die Sozial- demokraten verfügen nunmehr über die Mehrheit im Landtage.

Oesterreich-Ungarn.

Das österreihishe Abgeordnetenhaus seßte in der gestrigen Sißung die erste Beratung des Budgets fort.

Im Laufe der Beratung kam der t\che<hiihe Sozialdemokrat Nemec laut Bericht des „W. T. B." auf: die Anwesenheit des Deutschen Kronprinzen im Reichstag zu sprechen, die darauf {ließen lasse, daß s< um den Kronprinzen eine zum Kriege drängende Kamarilla bilde, und bemerkte: „Wir müssen Deutschlands wegen den Heer esftand vermehren und Dreadnoughts bauen. Daher geht es uns sebr viel an, wenn unsere Verbündeten eine Kriegsheße L atten: Deutschland unterstützt unsere Politik militärish, drängt uns aber wirt- aftli von den Balkanländern ab, schädigt uns also direkt." Der Redner wurde mehrfa< von <ristlih - sozialen und deutschen Abgeordneten, die auf Deutschlands Bundeshilfe beim serbischen Konflikt hinwiesen, unterbrochen. Der Abg. Pollauf (Alldeutscher) stellte gegenüber Nemec fest, daß die Vorgänge am deutschen Kaiserbof die Soztal- demokcaten gar nichts angingen; es werde ihnen „nicht gelingen, die strahlende Ehre des Hohenzollernhauses irgendwie zu beshmugen. Der Slovene Suste rsic wies darauf hin, daß der Krieg, der si<h heute gegen Tripolis rihte, morgen gegen Albanien oder ein den Oesterreihern no< näher|tehendes Land ge- ridtet sein kônne. Der beste Schuß der Monarchie sei die dynastische, staatstreue Gesinnung der Südslaven. Daß wir in einer sehr ernsten Zeit leben, beweise die voraes:rige Rede des deutshen Reichskanzlers. Es sei unerhört, daß dem deutschen Reichskanzler Vorwürfe gemacht würden, der dur seine kluge Politik den Frieden erhalten habe. Die Südslaven behielten sih eine Politik der freien Hand gegen die Ne- gierung vor.

Nach weiterer Debatte wurde das Budget dem Ausschuß

überwiesen. Frankreich.

Der \<hwedishe Gesandte hat, wie „W. T. B.“ meldet, dem Minister des Auswärtigen de Selves die Zustimmung der shwedishen Regierung zu dem deut\ch-französischen Marofkko- und Congoabkommen mitgeteilt.

Die Deputiertenkammer beschäftigte sih gestern mit den Jnterpellationen über die Pulverfrage und die Katastrophe auf der „Liberté“.

Laut Bericht des „W. T. B.“ verlangte der Abg. Danielou die Einleitung einer gerihtli<en Untersuchung und bemängelte, daß man den Bericht Maissins unbeachtet gelassen babe, der am Tage na< der Explcsfion auf der „JIéna” zahlreiche Miß,stänte in ter Her- stellung ‘und Hatithabüng des Pulvers aufgete>t ‘hätte. Der Abg. Gou de (Sozialist)- sagte, die wahre Ursache der feblerhasten Her- stellung des Pulver18 beruhe auf der Tatsache, daß Maissin und Louppe aufeinander eifersühtig gewesen seien. GSoude erhob Anschuldigungen gegen ta Verhalten dieser beiden Direktoren und sagte, einer der Chefs eines auswärtigen Hauses, für das sich Maissin interessierte und das für die Pulverfabrik Ueferie, wäre deutscher Neserveoffizier, der von ter Sicherbeittpolizei überwacht würde, als ob ec Spionage triebe. Der Abg. Chéron, der frühere Unterstaats\ekretär des Krieges, sagte, der Bericht Waissins hätte niemals die Mengen von Pulver B, die die „Liberté" in die Luft gesprengt hätten, angegeben. Chéron erklärte, das Ministerium hâtte niemals einen Bericht unter- drü>t, sondern die Untersu<hung hätte dic Behauptungen Maissins entkräftet.

Darauf wurde die Weiterberatung auf heute vertagt.

In der gestrigen Sißung der Kommission der Deputiertenkammer für auswärtige Angelegenheiten lege der Minister de Selves Schriftstücke vor, die, obiger Quelle zufolge, beweisen, daß Cruppi, sobald er von den Vorbereitungen Spaniens zur Beseßung von Alkassar und Larrasch erfahren hatte, bei Spanien Einspruch da- gegen erhoben hatte. Cruppi hatte erklärt, der Marsch auf Fes könnte keine Veränderung der Algecirasakte nach ich ziehen, und die Absichten Spaniens wären, wenn sie ver- wirkliht würden, derartig, daß sie das Ansehen der scherifischen Regierung beeinträchtigten. Der Einspruch wurde in Madrid von dem französischen Gesandten und in Paris von Cruppi beim spanischen Gesandten erneuert. Jm weiteren Verlauf der Sißung bestätigte der Minister, daß Frankreich auf das Vorkaufsrecht auf Spanisch Guinea verzichtet habe, und erwiderte-auf die Anfrage, ob die Näthricht von der Entsendung eines spanischen Kreuzers nach Tanger auf Wahrheit beruhe, und welche Maßnahmen er in diesem Falle ergreifen werde, daß er Erkundigungen habe an- stellen lassen, ob diese Nachricht richtig sei. Für das weitere lehne er jede Antwort ab.

Rußland.

Die Reichsduma begann gestern in Gegenwart des Ministerpräsidenten die Beratung der Vorlage, betreffend die Einverleibung zweier Kirchspiele des Wyborger Gouvernements in das St. Petersburger Gou- vernement.

Nach dem Bericht des „W. T. B." über den Verlauf der Ver- handlungen führte der Ministerpräsident Kokowzow aus, es sei {wer zu sagen, in welhem Teile der Bevölkerung die finnische Frage aufmerksamer verfolgt werde, unter den trei Millionen der Bevölke- rung Finnlands oder untcr den 150 Millionen der Bevölkerung Nuß- lands. Allerdings sei das Verhalten hier und dort ganz verschieden. Dort natürli nicht bei ter finnishen Bevölkerung, die sih bewußt sei, daß sie unter dem Schuße des russis{hen Adlers wirtschaftlichen Wohlstand, Frieden und Ruhe im Innen erlangt habe, sondern bei den Leitern dieser arbeitsamen, redli<en Bevölkerung, und in ten politischen Kreisen Finnlands betrahte man die Vor- lagen als eine Verkôrperung der Idee einer russishen Bedrüclung, als eine Gewalttätigkeit gegen die finniscde Berfassung, als eine Ver- leßung der Grundgescßze und eine Nichtbeabtung der Versprehungen russischer Herrscher. In der Bevölkerung Nußlants frage man sich gespannt, warum mehr als ein Zahr vergangen sei, und warum bisher das Geseg vom 30. Juni noh-immer keine äußere Berkörperung gefunden habe. Stelle etwa tie Vorlage eine akatemisd)e Deklaration, éin Aus- hängeschild chne Inkalt, cin Ve1 sprechen obne Erfüllung vor? Gebe es witklih ein untrennbares Reich Nußland? Sei etwa die Bestimmung

Finnland bildet einen untrennbaren Teil des einkgen russischen Neiches”

im Staube hi1torisher Archive verloren gegagen ? Wenn aber diese

Gesepesvorlage ihre Bedeutung nicht verloren habe, warum habe denn

die Drei-Millionen-Bevölkerung Finnlands volles Necht, alle bürger-

lichen Freiheiten, alle politishen Nechte tes ganzen russischen Reiches

zu genießen, während das 150-Millionen- Volk Rußlands in den Grenzen

eines leinen Teils tcéselben untiennbaren Nußlants dieser Nechte beraubt

sei, falls es uit eine besondere Genehm!gung der öitlichen Behörden

erhalte oder diese Nechte dur okale Geseygebung erworkten habe,

während die finnishen Bürger solche Necte [on a!s russis<e Unter-

tanen genössen. Warum bejtehe in dem kleinen finnishen Grenzgebiet

eine Vergünstigung, die die übrige Bevölkerung Rußlands nicht ge-

nieße? Beständen etwa wiiklich solhe g?schi<tlihen Grundlagen, wo-

nah das Oberhaupt Nußlands einem Teile der Bevölkerung solche

Rechte gewähre? Je länger tie öffentlihe Meinung MNuß-

lands si< damit beschäftige, desto größer werde das Miß-

trauen, Und es tauhten bere<tigte und unberrhtigte Schluß-

folgerungen jeglicher Art auf. Diese gespannte Stimmung habe

der Tod Stolypins vergrößert. Sein unbeugsamec Wule jet

Freunden und Feinden sichtbar gewesen; alle hätten gewußt, daß er

in Fragen der Staatsgröße weder Rückzug no< Kompromisse gekannt

habe, daß Hindernisse und Schwierigkeiten seine Energie verdeppelt

hätten, und daß halbe Maßregeln uit seine Art gewejen seien. Die

verräterische Kvgel habe seinem Leben ein Ende gemaht. Die öffent-

lihe Meinung in Finnland habe dies Ereignis zum Nußen Finn-

lands gedeutet und in dem Ereignis ein-n Beweis für

die Aenderung des politishen Kurses erbli>kt. Die Eats-

stehung der Froge der Beröffentlihung des Geseßes vom

30. Juni habe sie auf Rechnung des persönlichen Interesses

Stolypins, meines Vorgängers, geschriebeu Die Meinung ia Finn-

land habe nicht verstehen wollen, daß die öffentliche Meinung in Nußs

land schon längst die Verhältnisse in Finnland für unveretnbar mit

der Würde Nußlants gehalten habe; es habe bloß die Gelegenheit

und die Mögl'chkeit gefehlt, diese Sache zu Ende zu führen. Uebrigens

dürfe die Stimmung in Finnland nah dem Tode Stolypins nicht

verwundern. Die Geschichte der gegenseitigen Beziebungen Rußlands

und Finnlands weise viele Fälle auf, wo einzelne Aenderungen tiefe

Spuren in den gegenseitigen Beziehungen hinterlassen hätten. Selbst

für das fkleinste Land, wenn es leidenschastlih und über-

zeugt seine Aufgaben verfolge, sc| es gleichgültig, wodur

dieje Abänderung bedingt sci, dur<h den Großmut des Monarchen,

dur die Schwäche seiner Di-ner, dur< zufälligen Wechsel in der

Spiße der Negierung oder gar dur den Nevolvers<huß Bagrows.

Weniger veiständlih set die Bedeutung und der Einfluß des Todes

Stolypins auf die öfentli%e Meinung Yrßlands. Rußland habe sich

noch nit an das Bewußtsein der Notwendigkeit und Folger<tigkeit

seiner Handlungen gewöhnen fönnen, cs messe der Persönlichkeit zu große

Bedeutung bei in dem Glauben, jeder Nachfolger müsse sich unbedingt

{m Widerspruch mit seinem Vorgänger befinden. Wenn es si<h um Finnlands

allgemeinstaatliche Interessen, um die Integrität Rußtands und um die Be-

friedigung von Lbensbedürfnissen handele, könne kein verschiedener

Standpunkt besleben und kein Shwanken des Nachfolgers gegenüber

der Handlungsweise seines Vorgängers. Der Nachfolger Stolyvins

werde mit ni<t weniger Ueberzeugung als jener di- eingebrachten

Vorlagen vertetdigen. Er werde sie verteidigen niht unter dem Ein-

fluß des Bestrebens, das rufssishe Leben so zu gestalten, raß unbe-

dingt irgend jemand geschädigt werde, sfondern unter dem Einso dru> des Bewußtseins, daß die rufssishe Nationalität , nach-

dem sie si<h in cinem untrennbaren und einbeitlihen russischen

Neiche gesammelt habe, in der russis<en Geseßgebung gebührende Schätzung und Verkörperung finden müss*. Zur fonnalen Seite der Ge- setz:8vorlage übergehend, erklärte Kokowzow es für unmöglich die ganze

finnishe Frage aufzurollen, weil das Gesetz vom 30. Juni bereits be-

stehe und, wie jedes Gesetz, das aus den russischen gefeßgebenden Snstitutionen hervorgebe, unbedingt ausgeführt werden müsse, gleich- viel, ob es jemand gefalle oder niht. Die eingebrahten WBorlagen, fuhr Kokowzow fort, entspräben vollkommen dem grundlegenden Geseß vom 30. Juni. Die dem Kaiscr g-hörende gese? gebertide Fnitiative babe in diesen Geseßesvorlagen ihren klarsten lusdrud erhalten. Nicht die russishe Neicbsduma, nicht die Regierung trage die Schuld, daß die beiden finnishen Vorlagen, ohne die Vteinurg des finnishen Landtags anzuhören, debaitiert werden müßten. Die Nertreter des finnishen Landtags seien hier nicht anwesend. Jeder erfülle seine Pflicht, wie ec sie verstehe. Der finnis<he Landtaa eifülle seine Pflibt, indem er si< dem Willen des ruisishen Kaisers und finnishen Großürsten entziehe. Die NeiLsduma crfülle ihre Pflicht, indem sie für die Vorlage stimme. Kokowzow wies sodann darauf hin, daß die erste Finnland betreffende Norlaoe mit besonderer Vorsicht ausgewählt worden sei. Lie Vorlagen entschieden tatiählih Lebensfragen und hätten das Wohl der Bevölkerung Finn- lands im Auge. Speziell das MWebrpflihtgeseß betreffend, sagte Kokowzow, seine Negelung k*nne niht Gegenstand eines Separat- gesetzes scin. Ein besonderes finnishes Heer könne in Nußland nit eristieren, das russishe Selbstbewußtfein lasse das nicht zu. Ohne die Frage zu berühren, warum es ni<t wünschenswert sci, jeßt finnishe Elemente in die russis<he Armee einzufühbren, erktiärte Kokowzow weiter, eine derartige Wlaßnahme würde Finnland nit befriedigen. Die Wehrpflicht in natura, fuhr Kokowzow fort, sci nah dem klar autgesprohenen Willen des Kaisers ausgeschlossen, demna bleibe nur die Ablösung der Wehrpflicht durh eine Stener übrig. Die russis<e Bevölkerung stelle alljährliG für die Armee 450 000 Mann seiner Jugend, das russishe Volk steuere jährlich 600 Millionen Rubel für die Organisation der Staatsverteidiguna, das mache 450 Kopeken auf den Kopf der Bevölkerung. Er halte es für unmöglih, die Naturalwchrpfliht tes russis@en Volkes in Geld“ umzuseßzen, doch erscheine es gerc<t, die finnische Bevölkerung im nächsten Jahre mit einer Steuer von 150 Kopeken zu belegen. Diese Steuer werde in zehn Jahren kaum 950 Kopeken tragen. In dieser Steuer trete flar das Wohlwollen des russischen Volkes gegen den klein n Nachbar in die Eischeinung. Eine Bedrückung liege dem Herzen des russishen Kaisers ebenso wie den ges:ßgebenden Körperschaften fern. (Zuruf eines Sozialdemo- fcaten: Worte, nihts as Worte!) Allerdings Worte, aber von Herzen kommende Worte! Die Negierung erwe>e feine Illu- sionen, sie wisse, daß Finnland dieses Gese ebenso un- freundlih aufnehmen werde wie das Gesey vom 30. Juni. Aber das werde boffentlih nibt immer so bleiben. Früher oder später werde das ruhige, arbeitsame und chrliche finnishe Volk cinselen, daß es unter dem russisheu Szepter in ruhigec Entwicklung zu Kultur und Neicbtum gelangt sei. Die Zeit werde kommen, wo die finn- ländische Intelligenz niht mehr über das ru\sis&e Element, ins- besondere über den russis<en Soldaten als den Repräsentanten eirer niedrigen Nasse geringshäßig denken, sondern wo das Bewuß1sein vor- walten werde, daß diefer Soldat auf einen Wink seines erhabenen Führers mit seiner Brust die Nuhe und das Wohlergehen Finnlands schützen, daß er sein Blut vergießen werde zum Schuße eincs Landes, wo den russishen Bürgern bürgerliche und politishe Rechte nicht ge- währt würden. Schließlih werde das finnishe Volk begreifen, daß es rur unter dem Scbute des russischen Adlers rubig leben kfönre und nur in einer ir berlichen Einigung mit dem russishen Volke das Unterpfand wirtschaftliher Blüte, zukünftiger politischer Freiheit und persönlicher Sicherheit besige.

Nach der Rede des Ministerpräsidenten sprachen die Ver- treler des Zentrums, der Nationalisten und der Rechten ihre Zustimmung zur Vorlage und ihre volle Befriedigung über das Äluftreten der Regierung aus. Die Opposition und die Linke erklärten die Vorlage für antikonstitutionell und deshalb für un- annehmbar. Durch die Befreiung der Finnländer von der Natural- wehrpflicht werde den Russen und insbesondere den Bauern eine {were Last auge Schließlih wurde der Uebergang zur Lesung der einzelnen Paragraphen mit 924 gegen 107 Stimmen beschlossen und alsdann die Geseßesvorlage im ganzen an-

aus, und die Köntgliche Staatê?regierung v) ih der Erwartung hin, daß die Beratung in diesem Auts<hufe nunmehr wieder auf- genommen werde.

des Artikels 2 der Grundgesetze, die laute: „Das Großfürstentum

genommen.

| wieder zurüctzogen, wurden fie auf dem Marsche von neuem

Die Reichsduma trat hierauf in die Beratung der Geseßzes- vorlage, betreffend die Gleich berechtigung a der

mit den übrigen russischen Untertanen, ein. Der Ministerpräsident Kofkowzow wies darauf hin, daß den

Beratungen das Manifest zugrunde gelegt werden müsse, dur

das die Einverleibung Finnlants in das russise Neich un seine rechtlihe Gleichstellung mit dem eiche Deründet Na fet Bisher genössen jedo< die Russen in Finnland weder in politischer no< berufliher Beziehung no< hinsichtli<h der Selbst» verwaltung die gleichen Nehte. Die elementare Gerechtigkeit erheische das zu verwirklichen, was das Manifest verkündet habe. : Nachdem mehrere Redner sich zur Vorlage geäußert hatt wurde die Debatte auf morgen vertagt. ai

Portugal.

Nach einer Meldung des „W. T. B.“ hat 9 A LELDUN( D Vat UUQUuito Vasconcellos die Bildung des Kabinetts übetnommen. |

Asien.

Nach Meldungen des „Reutershen Bureaus“ machten die

| Mand\chus während der vorgestrigen Nacht mehrere Versuche die Fremdenniederlassung bei Futschau in Brand zu seßen. 27 Mandschus sollen bei diesem Versuh festgenommen und von den Revolutionären hingerichtet worden sein M Die Regierungstruppen iu Nanking brandschagzen die Stadt, plündern Privathäuser und nahen alle Chinesen die keinen Zopf tragen, nieder. Die Zahl der in den leßten 24 Stunden niedergemeßelten Chinesen wird, obiger Quelle zufolge, auf mindestens tausend geschäßt. 50 000 Einwohner

F haben sett gestern Nanking verlassen und sich na< Schanghai gewandt, wo die Nuhe bisher nicht weiter gestört worden ist. Afrika.

Meldungen der „Agenzia Stefani“ aus Tripolis be- sagen, daß vorgestern wiederholte Angriffe von kleinen arabischen Abteilungen unternommen wurden, die sich gegen die italienische Ostfront richteten. Da Anzeichen vorhanden maren daß sich stärkere Abteilungen gegen den italienischen « linken Flügel zum Angriff sammelten, ging das 18. Jnfanterie- regiment zum Angriff vor und nahm eine von etwa 500 Arabern beseßte Stellung. Als ih die Bataillone von dort

vom Feinde angegriffen. Die Bataillone gingen ihrerseits noch einmal vor. Mit Einbruch der Dunkelheit zog si der Feind zurü>. Gestern früh griffen Türken und Araber in beträchtlicher Menge, unterstüßt von Artillerie die line Flanke der Jtaliener an. Kurz nah Mittag war der Feind dur das Feuer der Maschinengewehre und der Jnfanterie in den Schüßengräben, das durch die Feld- und Schiffsartillerie wirksam unterstüßt wurde, auf der ganzen Linie zurückgeschlagen Von Verlusten ist no<h nichts bekannt. / 5

Aus Venghasi wird gemeldet, daß si dort sowie bei Derna und Tobruk nichts Neues ereignet habe.

Parlamentarische Nachrichten. A C i Der S@lußbericht über die gestrige Sizung des Reichs-

tags befindet sich in der Ersten Beilage. j

- Der Neichstag seßte in seiner heutigen (203.) Sißung welcher der Staatssekretär des Junern Dr. Delbrü>, der Staatssekretär des Reichsshazamts Wermuth, der Staats- sekretär des Neichsjustizamts Dr. Lisco und der Staatssekretär des Auswärtigen Amts von Kiderlen-Waechter beiwohnten ne Besprechung der Abkommen mit Frankreich wegen Marokko und Aequatorialafrika fort. : Abg. Dri Frank -Mannkeim (Soz): Der Abg. von Heydebrand S a vorgestern eine Wabhlrede gehalten. Jn dec leyten englischen Se eun, atte ich Gelegenkbeit, in eincin Londoner Vorort eine s des Ministers Lloyd George gegen den konservativen Führer a four anzuhören, der schr stark gegen Deuts>kland geheßt hatte. L od George führte aus, ein Parteisührer, der folche Reden halte U sih als Politiker unmögli, und trumpfte die „National- nagogen aufs [chârfsie ab. Fch freue mi, daß ic in dieser Fetiehung geen durch, den Jeidéfanzler angenehm enttäusht worden an, indem au er endlich gegen unsere „Nattonaldemagogen“ \<arfe anti fand. Der konservative Wahlpatriotismus ist in dieser Woche oel logen worden ; jeßt fehlt noch die Abrechnung mit der anderen «dart dieses Patriotismus, dem Manneémann- Patriotismus. Die Konservativen haben in wahfendem Maße Pech mit den Kanz lern. aprivt s{wieg no<; Fürst Hobenlobe vertraute seine Wut geltend seinem Tagebuche an; Fürst Bülow erklärte bei seinem Abgange, die Konservativen hätten ein frivoles Spiel getrieben. irt leßlge Kanzler, der ansdeinend im Amte bleiben will, hat ihnen E daß sie das Neich direkt s{<ädigen. Es wird sich fragen, p ieser oder der nächste Kanzler die konservative Parteimacht an (t RUrdel fassen wird, bei dem preußishen Wahlre<t. Wir haben Abou Ti an die Stelle der Juntkerherrschafl den bureaukratishen tit N zu setzen. Grade diese Toge haben mit aller Deutlich- blo T f t Welt das Elend unseres rückständigen Verfassungslebens N ggelegt. Unsfere Kollegen in Paris machen Seschilte, wir macen nux (e gudlungsprotokolle. Wir haben auch keine Lust zu cinem Ab- t 14 der beschränkt ist dur<h den Familienrat. Vei den Neden a SE D DIEDLAN O des „ungck1önten Königs von Preußen“, Mat nos ein anderer noch ungekrönter König temonsttie:t, der Volt, i Ds E ein Anschauungêunterricht, wie er dem deutschen daß S H erteilt wird. Also von einem Zufall bing es ab, 7 r slatt eines sreundshastlichen Vergleihs nicht cinen leg mit einem Nachbazrstaate haben. Das legt uns tie Verp?ichtung

wo der Kronprinz eiumal tie Herrschaft aatreten wird, die Temo dialisierüng, des Neichs vollendet ist, taß Deutschland n‘<t mchr in Vol enes Cinzelnen gegeben ist. Die erdrückende Mehheit des nit j )at ten Willen, daß es anders werden muß. Die Zeit ist abges n wo im „Guropäischen Neih der Mitte“ die Zèpfe cus E e werden, Mit der Ueberweisung der Anträge sind wir | 2 Lowe nden. Aber diese Kommission etinnert an die Höhle des Daa " N nur Spureu hinein, aber ni<t heraustühren. Result euts<e Volk erwartet, daß diesmal ein faesultat herausfowmt. ang Gröbers, daß {hon na< bestehendem Recht der Neichótag

; enehmigung erteilen muß, wenn das Kongcabkommen Gültig-

greifbares | e

ein verschleierter Handelevertrag is ) levertrag ist. randelMperleages trat die Algecira8alte und an teren Sielle tritt gese G Abkommen. Die Algecirasakte ist mit dem Ausführun 9 dem Reichstag vorgelegt worden, und der Reichstag hat

diesen Umständen ist die 9 [

i e Algectrasakte als Netchszesey zu be- gadten. Das Ausführun 8gesez dazu enthält im $4 Besinuniänh if Q die Konsulargerichtsbarfeit. f tos dur< das Marokfkoablommen abgeändert werten, und es werden Erd Ae durch einseitigen Beschluß des Kaisers geändert politis. Kein Gesetz O ;

Ea j rfassung würde den Reichskanzler Bitte den Nehtsweg zu wählen, wenn er in der Sache Zweifel

auf die Neden der YViinister A8quith und Winston Churchill vom VDeutsden Reichstage eine freundlihe Antwort gegeben werden muß. Wir wissen, daß dur die Entwi>klung der Schußzollpolitik alle Länder gezwungen worden sind, sih Nch\toffe und Abjatzgebiete auf, mit allen Kräften dahin zu arbeit daß bi Zei E a

) arbeiten, daß bis zu ter Zeit, | daß im Novemwter 1870 hier im Reichstage über die Petition don Bremer Großkaufleuten verbtandelt wurde, tie darum na<(- suchten, man solle ven Fraunkreih als Kompensation und Kriegs- entsœädigung Kolonien in China si geben lassen. wur entgegen dem Petition zur Tageéortnung übergegangen, besonders nahdem der Abg.

De überwundener Standpunkt sei. Die Zeiten ändern si<. Vielleit cmmt wieder im Laufe der Iabre ein nationalliberaler Meier, der

Meine Freunte teilen die Rechigauf- | Wenn ih ich dabei hauptsächli) an den Änshauungêuxterricht, den uns jetzt keit haben soll. Wir meinen daß das Marolkoabkommen zweifellos N ah Kind / ) foabtlo : t 1 Ô Fraucn un inden Tatc E i Y J An die Stellé. des frabérén fivilifiert A ach Feten pa von denen sich die ganze

at zur Einlcitung der Wahlen versilert, daß seine Freu : Lee Unten au< bereit sein würden, 8 Es Gee Ie y en. arüber troß des Widersprubs des Bundesrats abgestimmt. Unter SBeligenidén no< nichts gezahlt haben. zeigt au, daß der Abg. von E ein Mann von kurzem Blick

Diese Bestimmungen sollen jeyt | bervorgerufen, taß er m ; 5 Drt , mit seinen Freunden gegen die Erb tsfte E hat. Eine solche Sa der [Natteiteuer e aas ist ja wesentli<h nicht juristis<, sondern | das hat nur die cu brutal und rü>si<{<tslos die Junker ihre ei i ; 2 s l ) genen Portemon - interessen über tie des Landes gestellt haben. Nein, dieses Berleneden

als sid selber. Es wäre vtelleiht manche Nete nit gehalten worde Bismark hat 1874 tie Meinung veitreten, daß internationale Ve

gegen die Leitung der besiegbares Mißtrauen besteht, daß im Volke eine M

patriotish alldeutshen Kreise

F t P p 7 f i Wenn unsere Vertreter im Aus1ande unfähi

ist volfommen zufammengebrc<hen, daß bei uns nur cin bevorzugte kleine Schar, die nit immer durch Bon ist, zur Amtsführung berufen is, jene e thren Befähigungsnachweis beim Sklkatspielen mit Verren oder dur Wigeerzählen erbra<ht haben. j

bekommen , vorhanden sind. Die Negieruvg hätte wenigstens ihre Motive offen

die blutige Phantasie der Artikelshreiber freies Spiel haben. Ludwig Bamberger hat einmal gesagt: die einzige Kriegêpartei in der abon find do dle Journalisten; es ist so Üß, mit der Feder in der Dand für das Vaterland zu sterben. Auch die 9cede von Lloyd George wäre vielleiht nit gehalten worden, wenn die deuts<e Ne- gierung auf die Anfrage «von London rechtzeitig geantwortet hätte. Ist es wahr, daß die englishe Regierung wiederholt angefragt ‘abcr keine Antwort erhalten hat? Das Schweigen kann beleidigender und kränkender scin als eine Tischrede. Das Abkommen kommt zunächst einigen großen Firmen zugute, verhintect aber wenigstens die Monopolstellung ter französilchen Kapitalisten- gruppe, und wir zweifein niht, daß Frankrei<h den Vertra loyal halten wird. Die einzige Komwpensation, die wir mit Freuden begrüßen würtea, wäre die Anbahnung eincs freundschaft- lichen Verhältnisses zu Frankrci< und England. Ein Krieg würde den wirtschaftlichen Zusommenbru< sowohl tes Besiegten wie des Sicgers bedeuten. Fürst Biëmar>k hat am 26. Januar 1889 im Neich8- tage erflärt, daß er die alte traditionelle Bundesgenossenhaft mit Engiand festhalten wolle, au< in den fkolonialen Fragen. Der Abg. Wiemer war so têri<t, uns vorzuwerfen, daß unsere Friedens- demonsirationen tem Frieden niht genütt, fondern ihn gerade in Gefahr gebrat haber. Aber gerade wir und unsere Presse haben es verhindert, daß in die Millionen der Arbeiter Krieasstimmung ommen fonnte. Der Kampf der iuternational wirkenten Soztal- demokratie hat gezeigt, daß heute {on die organisierte Arbeiters&aft eine Gtietens- und Kulturmaht ersten Ranges geworden ist. Wer weiß, Herr Abg. Muadan und Herr Abg. Wiemer, wenn wir keine Straßen- und Friedenstemonstrationen der Arbeiter gchabt hätten, ob dann ni<t dur< die alldeutsWen De- ¡nonstrationen ein Kiueg hberaufbeï{woren worden wäre. Der Abg. Wiemer hat auch einfließen lassen, er finde cs seltsam daß ein sozialdemotratisches Blatt mie die „Königsberger Volkszeiturg® davon geredet hâtte, im ¡ralle eines aufgezwungenen Krieges würden die Soldaten, die der Arbeiterklasse angehörten, mt knirshenden Zähnen in den Kampf zieben. Königsbera liegt an ter russischen Grenze, und ih meine, daran kann man doch schen, wie das inneryolitis<e (lend auf die außerpolitis{he Lage wirkt. Die russische Armee wurde nicht besiegt wegen der militärischen Ueberlegenbeit der Japaner, sondern weil pie russis<en Soldaten nit gewzßt haben, für was sie kämpften. Sorgen Sie dafür, daß den Millionen Arbeitern, die unter Jhrer Poritik leiden, das Vaterland lieb und wert gemacht wird. Der Akg. Bossermann hat in seiner gestrigen Nede durhbli>en lassen, daß ihm cine Slottenvorlage sehr ecwünsht wäre. Später, nah der zweiten E Reichskanzlers, erklärte er dagegen, daß er mißverstanden wol en sei. Ich freue mich aufrichtig, taß er sich so {nell aus der Nachbarschaft des Abg. von Heydebrand gerettet hat. Auch der Abg. Gröber hat Wert darauf pelegt, zu versichern, daß seine Partei eine Rattenporlage nicht wünscht ; es bleiben also nur noch die Freunde des A g. bon Heydebrand übrig, dieauf eine Vermehrung der Flotte hinarbciten. Vas halten wir für schr erfreulih besonders angesihts der Tats- sache, daß gestern zwet englische Minister in einem Tone, der nah meiner Ueberzeugung Lufrichtizkeit zeigt, sür die Verminderung der &lottenrüstungen eingetreten find. Ih bin der Meinung, daß

Ich darf vielleidt den Abg. Bassermann daran erinnern,

sid Damals wurde Antrage des Berichterstatters Adidles über ‘bie

Meier, der au ein Bremer Großkausmann ist, erklärt hatte, daß das benfalls sagt, die Kolonialpolitik sei ein überwundener Stantpunkt. sagte, wir sind De der Kolonialpolitik, so dachte So wird dort die Kultur verbreitet, daß man an Der Abg. von Heydebrand t eine Besiysteuer zu be- Der Akg. von Heytebrand gesteht also, Paß bisher die Aber diese Aeußerung t, wenn er glaubt, dle ganze Bewegung der leßten Jahre fei dadur Politik ift

war es nicht, gezeigt, wie

kindliß. Das bif chen Erbschaftesteuer

Situation beleuchtet, hat

îtte. Daß er es nit getan hat, damit hat er niemand wehber getan | des

%

wenn der Reichstag in dieser Frage die Verantwortung übernähme.

träge unter allen Umständen dem Neichêtage zur Genehmi C A werden müssen. 1875 wurde denn auch der C T M: ubgrabungen in Olympia dem Reichstage zur Genehmigung vcer- pe egt. Vorläufig haben wir jet nur das Amt, unsere Meinung zu agen über das Marokko- und Congoabkommen. Der Reichskanzler muß doch sicher das Gefühl haben, taß seit mehreren Jahren auswärtigen deutschen Politik ein un- Mißtrauen gegen diese Leitung der auswärtigen Politik aufgeribtet eg au N Wen trifft die Schuld, bloß die Kritiker oder auch die Viet e Kanzler und seine na<geordneten Veamten? Die legten Monate haben demjenigen, der sehen ünd hören will, zur Beantwortung dieser rage das nôtige Material geliefert. Es ist zu beachten, wie die trio utshen_ über di2 Negierung tenken. Ich erte an die Ausführungen von Wirth und vom Rath. Dieser bat im „Tag* Anklogen gegen unsere avswärtigen Vertreter gerichtet w wenn „fe wahr wären, geradezu niedershmetternd wären. Er jat Brispiele angeführt, die unsere Vertreter als unfähig, un- unterrichtet binstellen, und gesagt, daß unser Botschafter in England eine Abnung von dem bevorstehenden Krieg in E gehabt habe. s retec ind, so ist das [en Gefahr für die Sicherheit des Deuts>en Reichs, : Hier andelt es sih nicht alletn um Perfonenfragen, sondern das System

Talente

Leute, Begeist ha fich, für dieses Abkommen niemand, nur in einer Aitut Len „Leipziger Neuesten Nachrichten“, fand ih den Vorschlag, dem Staats- sekretär von Kiterlen-Waechter ein Denkmal zu errihten, einen Agadir- teinpel zu bauen, an dessen Eingarg statt ter Löwen Panther mit ein- gezogenen Schwänzen stehen und oben statt der Yeicheflagge die gelbe Weste des Staatssekretärs weht. Der Yleichskanzler will wissen, rie es besser geinacht werden sollte. Zunächst ist es ihm vit gelungen, auf- zuklären, warum der „Panther“ nah Agadir geschi>t worden ist. Diese Out war nur ein Abklatsch der Tangerfahrt, Liesmal abec ohne Kaiser. Wenn schon die Sicherheit deutscher Untertanen zu s{<üßen war, \o konnten do nitt die paar Beamten von Mannesmann und anderen &lumen in Frage kommen, die dahin ges{<i>t waren, um Angst zu F fondern die deuts<en Staatsbürger in den Häfen Cafablanca, Mogador usw.,, wo wirkli< ernste Niederlassüngen deutsher Firmen und eine größere Anzahl deuts{er Staatsbürger

nyr ç 1 1 , ' darlegen jollen, nur dur< die Geheimnisfrämmerei konnte diese Schiffsscndung in alldeuts{em pr une ausgelegt werden und konnte

n, tpreden, ; 8 die Lu nicht Staatéarbeiter um ihr Koalitionsre<t bringen wolle T r- p ni<t ganze Schichten der Bevölkerung nletecbalaE wollen, daß sie ni<t mehr mit ihrer Leuerungspolitik das Volk auébeuten wollen, daß sie das große Wahlunre<ht in Preußen abschaffen wollen. Alle diese Dinge haben die Empörung der Masse bervorgerufen. Der Abg. von Heydebrand hat zur Aus- s{<müd>ung setner Nede ein Zitat aus Schiller herbeigezogen. Ih darf aber wohl daran erinnern, daß dieses Zitat aus dem großen Befreiungélied stammt, das Schiller für die Schweizer gedichtet hat, für den Befretungskampf gegen den Landvogt, gegen den Landrat der SHweiz ! Wir wollen dieses Zitat aufnehmen, wir wollen im Kampf ged e tes e a N das JIunkecrtum niederringen mit : würdig ist di i ie nit ihr Alle i PAE au (fre Elfte! g le Nation, die ni<t ihr Alles freudig

(Schluß des Blattes.)

mehr die Landarbeiter, die

Nr. 57 des „Zentralblatts für das Deuts ih“ herausgegeben im Reichsamt des Innern, vom E Hude Lal folgenden Inhalt: Zoll- und Steuerwesen: Verzeichnis der Ober- behörden für die Zuwachssteuer unter Angabe ihrer Verwaltungsbezirke.

C Statistik unnd Volkswirtschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Aus Anlaß ter umfangreichen Arbeit erbew i Lar ne eie in Westfalen und den Ee (vgl Nr. 263 d. Bl.) hat, der „Köln. Ztg." zufolge, am 9. November in Berlin der Arbeitgeberbund der Deutschen Zigarren- industrie einstimmig folgenden Beschluß gefaßt: „Die beute i Berlin tagende Bundesversammlung des Arbeitgeberbundes der Deutschen Zigarrenindustrie spricht einmütig ihren im Akbwehrkampf gégen die organifierten Tabakarbeiter stehenden westfälisen und hanseatisGen Mitgliedern ihre volle Sympathie aus und sichert ihnen ihre nahhaltige Unterstüßung zu. Alle fi< daraus ergebenden Maßs- nahmen bleiben dem Vorstand überlassen.“

Ó Die Kutscher des städtishen Abfuhrwesens in New AOEE sind, wie die „Köln. Ztg.“ erfährt, wegen der Einführung der Nachtarbeit in den Ausstand getreten. Sie wollen nur am Tage arbeiten. Die Straßen sind mit Mülleimern anzefüllt. Der Bürger- meister hat die Entlassung aller Ausständigen verfügt doch ift dies wirkungslos, da ein Ersaß {wer zu schaffen ist. j i

(Weitere „Statistishe Nachrichten“ \. i. d. Ersten Beilage.)

Jagd.

Dienstag, den 14. d. M., findet Königliche Parf | ( 14, d. M. Í Parforce- jagd „statt. Stelldichein: Nachmittags 1 Uhr in Serbis, Der Plag ist bis 11 Uhr durh Scharfschießen gefährdet.

Theater und Musik.

Schillertheater Charlottenburg.

a „Das Schillertheater_ beging gestern die Feier des Geburtätages Schillers mit einer Aufführung von „Dorn Carlos“, die der Regie uúd den Darstellern alle Ehre machte und in ibrer würdigen Died führung der Weihe des Tages voll gerecht wurde. Diese Stimmun

übertrug sih au< auf das vollbeseßte Haus und erhielt die tines lide VBrnteilnabme der Zuschauer bis ¿zum späten S@&luß der woblgelungeren Borstellung rege. Alle Beteiligten verdienten für die Hingabe, mit jeder seinen Plaß auézufülen bemüht war, i

volle:in Maße den ibnen reiblih gespe ll. Die Titels rclle gab Konrad Wiene mit jugendli Paul Bildt lieferte bei der Darstell Proken eines bedeutenden jen Charakterifierung#vermögens und Else Wasa verkörperte die Königin mit i t d. Mb Helene Nitsher, dem neuen Mitgliede Stille feate 4 war die Rolle der Prinzess oli - zugefallen E A V Rolle der Prinzessin Eboli - zugefallen. în den Szenen großer Leidenschaft hielt sie ni<t immer das rechte Maf; inne ihre Leistung wies im übrigen aber Momente von ergreifender und binreißender Wirkung auf. Georg Paeschke zeichnete die Gestalt des Marquis Posa in scharfen Umuissen, was namentli< in der Gefängnisszene bedeutungsvoll hervortrat. Die berühmte Ansprache an den König brate cr woblgegliedert und mächtig gesteigert, sodaß ibre zündende Wirkung niht versagte. Die zahlreichen Vertreter der anderen Nollen trugen gleih den Hauptdarstellern ebenfalls zu dem {nen Erfolge der Aufführung bei. j E

Kleines Theater.

Drei Einakter wurden gestern im Kleinen Theater zum e

Male und mit steigendem Erfolge aufgeführt. Ein e on Wassermanns Zyklus „Ungleihe Schalen“ mit dem Untertilel „Genß und Fanny Elßler“, eröffnete den Reigen etwas feierlich und gefühlvol; es war ein ziemli< gedre@seltes Lustspiel mit altfräukishem Geist und altmodisher Grazie. Daß die _ Helden des Stücks just Fuedri<h von Genz und Fanny Elßler sein müssen, ist für den dramatischen Grundgedanken von geringer Bedeutung, aber es kleidet die Handlung in ein geschidt- lihes Gewand und verbrämt sie mit mancherlei malerishem Zierat; denn daß ein geistceicer alter Herr, der eine junge S{öne liebt, d mit ihrer Freundschaft begnügen muß, wenn die blühende Jugend anstürmt, „das geschieht an allen Orten und zu allen Zeiten. Dem zeitgeshihtlihen Nahmen entsprechend, wurde das Thema in zierlich gesezter Rede, zart in der Gefinnung, übers{hwengli<h im Gefühl be- handelt. Es war s{ade, daß dur< das leise Sprehen des Herrn Abel (Friedrich von Gent) von dem hübs{< gefeilten Dialog viel ver- loren ging. Sonst war die Gestalt ritterli< zart und vornehm durhgeführt. Die berühmte Tänzerin stellte Traute Carlsen lieblih und anmutig auf die Bühne. Diesem elegis< ausklingenden empfind- sam?n Stü folgte eine Komödie derberen Stils von demselben Verfasser. Jakob Wassermann3 „Ho>kenjos" behandelt die An-kdote von dem Standbild des verschollenen Malers Ho>kenjos; das Monument wird gerade enthüllt, als der ziemlih heruntergekommene Künstler in seinen Heimatsort zurü>fehrt; um Skandal zu vermeiden, muß ihn das Stadtoberhaupt mit {weren Kosten nah Amerika abs{hieben. Hier und da klang die Sache ganz lustig; aber eine ete redte Satire war das Stülklein do nicht; so blieb die Wirkung {wählih, obwohl die Herren Klein-Rohden, Adalbert, Landa, Abel ganz prächtige Klein-

ey D n mo MpPrH 415-4 L ILLCLA

stadt- und Künstlertypen geschaffen batten. Kräftiger und urwüchsi wirkte das leßte Stück „Lottchens Geburtstag“ von e Thoma. Der bekannte Satiriker f{<üttet die volle Schale seines Spottes über die fanotishe Aufklärungësucht der neumodishen Welt- verbesserer aus, die si<h der Jugend gegenüber auf cin sehr heikles Gebiet verirct. Gewiß zeigt sib L. Thoma wieder als humorvoller Kopf, der die Lacher auf seiner Seite hat, selbst wenn er die Komödie mit einem trastischen Scherz abschließt. Aber mancherlei Längen und Breiten „Zeigten do , wie {wer die Behantlung eines sol peinlichen Themas nit nur dem Universitätsprofessor Dr. Giselius sondern au< cinem so \frupellosen Saltiriker wie L. Thoma wird. Die Darstellung au< dieser kleinen Komödie war tadellos; Alfred Abel als Professor Giselius, der aus gelehrten Gründen für die Auf- klärung ftreitet, und Ilka Grüning als Frau Professor, die mit ihrem gesunden Menschendberstand si dagegen empört, zeigten fi als gewandte Charakterspieler; thnen stand Max Adalbert als Privat- dozent Appell gleicwertig zur Seite. >

bg. von Heydebrand genügt nicht. Sie müssen au no<h ver-

V