1911 / 269 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

es nicht nur die heutigen Bewohner der Reichshaupstadt lebhaft interessieren wird, sondern auch als ein zuverlässiges, lebensvolles Kulturbild einen wissenschaftlichen bleibenden Wert besitzt. L

Das Verwaltungsdepartement des Innern der Vereinigten Staaten von Amerika, Geologishe Landesaufnahme (Direktor; G. O. Smith) hat ein mit Karten und zahlreichen statistischen Uebersichten ausgestattetes Werk: „Mineral Resources of the United States“, Kalenderjahr 1909, I. Teil: „Die Metalle“, 11. Teil: „Die Nichtmetalle*“. Washington, Staatsdruckerei

1911, berausgegeben.

Gesundheitswesen, Tierkrankheiten und Absperrungs8- maßregeln.

Das Kaiserlihe Gesundheitsamt meldet den Ausbruch und das Erlöschen der Maul- und Klauenseuhe vom Viehhof in Mainz am 11. Noveraber sowie das Erlöschen der Maul- und Klauenseuhe vom BZentralviehhof in Berlin, vom Viehhof in Magdeburg, von dem Viehhof in Cöln und vom Schhlachthof zu Breslau am 11. November 1911.

Sofia, 13. November. (W. T. B) In einem Dorfe des Bezirks Karnobat sind sieben Erkrankungen an Cholera, davon drei mit tödlihem Ausgange, und sieben choleraverdähhtige Fälle fest- gestellt worten.

Theater und Musik.

Aenderungen im Spielplan des Königlichen Schau - spielhauses. —ê Wegen fortdauernder Krankheit der Frau Schramm müssen die für heute, Dienstag, und für Donnerstag, den 16. d. De, angekündigten Aufführungen des Lunspiels „Die glückliche Hand" ab- geseßt werden. Cs wird dafür heute „Die Welt, in der man sich langweilt“ und am 16. d. M. Freytags Lustspiel „Die Journalisten gegeben. Dte für die 253. (14. November) bezw 299. Abonnements- vorstellung (16. November) an der Theaterkasse zu der „Glücflichen Hand gekauften Eintrittskarten b: halten ihre Gültigkeit für die neu angeseßten Vorstellungen (14. „Die Welt, in der man sih langweilt“ und 16. „Die Journalisten“), können aber auch an der Vormittagskasse im Königlichen Schauspielhause und am Tage der betreffenden Vor- stellung an der Vormittags- und Abendkasse bis zum Beginn der Vorstellung gegen Erstattung au der Vorverkaufsgebühr zurückg-geben werden. Eine spätere Zurücknahme der Eintuitskarten findet ntcht statt. Morgen wird Sudermanns Tragödie „Der Bettler von

Syrakus“ aufgeführt. j Veranlaßt durch den Erfolg, den die Komische Dper am leßten Sonntag mit Lorßings „Waffenshmied" hatte, will die neue Direktorin, Frau Aurelia Névy-Chapman verjuhsweise an Wochen- tagen gute Spielopern bet bedeutend ermäßigten Preisen aufführen. Schon am Freitag foll eine Wiederholung der Oper „Der Waffenschmted“ bei niedrigen Eintrittspreisen stattfinden. Sollte dieser Versuh den gewünschten Erfolg haben, so will die Direktion au den Montag jeder Woche für diese volkstümlihen Vorstellungen est]een. : x fel Zu einer Kleistfeier, die von der „Gesellschaft für Theatergeshichte" am Sonntag, den 19. November, Mittags 123 Uhr, im Konzertsaale des Königlichen Schauspiel - hauses, unter Mitwirkung , der Königlichen Hofsbauspiclerin Frau Rosa Poppe und der Herren Professor Dr. Georg Minde-Pouet und Oberregisseur Adolf Winds, veranstaltet wird, können Karten in be- schränkter Anzahl auch an Nichtmitglieder abgegeben werden. Dies- bezügliche Wünsche sind unter Beifügung eines adressierten und franfierten Briefumschlags an das Sekretariat der „Gesellschaft für Theatergeshidte", Berlin W. 50, zu richten. h E Das 126. Jugendkonzert findet als erstes dieser Spielzeit am 18. November, Nachmittags 4 Uhr, im großen Saale der Phil- harmonie statt. Die Jugendkonzerte haben nunmehr das zehnte Jahr ihres Bestehens erreiht: für den Begründer und Leiter, sowie für die Lehrerschaft und alle jene, die das Werk durch tâtige Hilfe förderten, ein erfreulihes Zeichen, niht zum wenigsten auch für die Jugend selbst, die jedesmal den Saal bis auf den leyten

Theater.

Königliche Schauspiele. Mittwoh: Opern- haus. 243. Abonnementsvorstellung. Madama Butterfly. Japanische Tragödie in drei Akten. Nach F, L. Long und D. Belasco von L. Illica und G. Giacosa, deutsch von A. Brüggemann. Musik von Giacomo Puccini. Musikalische Leitung: Herr Kapellmeister Dr. Beël. Regie: Herr Regisseur Braunschweig. Anfang 7F Uhr.

Schauspielhaus. 254. Abonnementsvorstellung. Der Bettler von Syrakus. Tragödie in fünf Akten und einem Vorspiel von Hermann Sudermann. In Szene agesezt von Herrn Regisseur Patry. An- fang 74 Uhr.

Donnerstag: Opernhaus. 244. Abonnementsvyor- stellung. Dienst- und Freipläße find aufgehoben. Der Nosenkavalier. Komödie für Musik von Hugo Hofmanné thal. Musik von Richard Strauß. An- fang 74 Uhr.

Schxuuspielhaus. 295. Abonnementsvyorstellung. Die Journalisten. Lustspiel in vier Aufzügen von Gustav Freytag. Anfang 7X Uhr.

Die für die 255. Abonnementsvorstellung „Die glücfliche Hand““ an der Theaterkasse gekauften Eintrittekarten behalten Gültigkeit für die neu an-

Coeur As.

Tragöôdte Schönherr.

Donnerstag: Nathan der Weise. Freitag: Der Arzt am Scheideweg. Sonnabend: Nathan der Weise.

Berliner Theater. Mittwech, Nachmittags 37 Uhr: Ein Fallissement. Abends 8 Uhr: Komödie in Vorspiel von E. Orc1w. Donnerstag : Coeur As. Freitag: BVBummelstudeuten.

Sonnabend: Zum ersten Male: Ahnuengalerie.

Theater in der Köuiggräßer Straße. Mittrooh, Abend8 8 Uhr: Hundstage. Donnerstag: Schauspielerin.

Freitag: Spielereien einer Kaiserin. Sonnabend: Spielereieu einer Kaiserin.

Lessingtheater. : Zum 150. Male: Glaube und Heimat. Die eines

Donnerstag: Nora. / Freitag: Glauve und Heimat.

Plaß als andächtige Hörerschar füllt. Die Mitwirkenden am 18. November sind: Adelheid Pickert, Opernsängerin, Otto Shwendy, - Oratorien- und Konzertsänger, Zofia Janezewska - Rybaltowska, Pianistin, Margarete Leistner, Violinvirtuosin, Carola Pikert, Schau- spielerin, Lisa Herrmann, Pianistin. Die Einlaßkarten (einschließlich Liedertext) für Schüler 25 „4, für erwachsene Begleitpersonen 50 sind durch die Schulleiter und auch an der Kasse zu haben.

(Der Konzertbericht befindet sch in der Zweiten Beilage.)

Mannigfaltiges. Berlin, 14. November 1911.

Der unter dem Protektorat Seiner Majestät des Kaisers und Königs stehende Veretn zur Besserung der Strafgefangenen in Berlin hielt gestern abend im Sizungssaale des Königlichen LUndgerichts T unter dem Vorsiß des Ersten Staats8anwalts Klein seine Monatssfizung ab, da der Präsident, Generalstaatsanwalt Supper am Erscheinen verhindert war. Nah einer Neihe ges{äftliczer Mitteilungen machte der Vorsißende Fekannt, daß die Luisengemeinde 50 F gespendet habe, wofür ihr der Dank des Vereins abgestattet worden ist. Im Monat Oktober hatten sh mit der Bitte um Gewährung der Vereins- fürsorge 594 Perfonen gemeldet, von diesen 426 mit der Bitte um Arbeitsnachweis; Beschäftigung nachgewiesen erhielten 320 Personen. Seit dem 1. Januar d. I. |tellten sih die Zahlen auf 6167 bezw. 3774 bezw. 3449. Für 46 Personen, die in den ihnen zugewiesenen Stellen niht eingetroffen sind, mußte Ersaß geschaft werden. Der Fürsorgeaufsiht unterstehen z. Z. 161 Polizeiobservate und 99 bedingt Verurteilte. Für 830 Personen, die von der Landespolizeibehörde ausgewiesen werden sollten, hat der Verein in den meisten Fällen die Zurückrahme der Ausweisung be- fürwortet. Von dem Iugendgericht wurden im Monat Oktober dem Verein 17 Jugendlihe, und von der Fürforgedame beim Polizei- präsidium 4 Jugendliche überwiesen. Leider hat der Verein troß aller Vorsicht bei der Unterstüßung mehrerer Gefangenen auch {hlechte Erfahrungen machen müssen; der Berichterstaiter Herr Nedcktes brahte einen besonders fkrassen Fall dieser Art zur Kenntnis. Für die Kommission zur Vornahne von Vorschlägen für die Prämien des Vereins wurden die Vorsitzende der Abteilung für Familienfürsorge Frau Dr. Langer- hans, Herr Rechnungsrat Müller von der Neichsbank und Herr Nees gewählt. Leßterer teilte gleichzeitig mit, daß der Verein Schreiben an sozialdenkende Personen und Firmen betreffs der Weihnachtsbescherung erlassen werde, und bat, den Verein bei etwaigen Cinkäufen in freundlihe Erinnerung bringen zu wollen. Der Pastor Diestel brachte einen Antrag um Gewährung von wiederum 600 bezw. 1000 # zur Unterbringung Jugendlicher auf Seeschiffen ein. E

Gestern, am 13. .November 1911, hat in Berlin, wie „W. T. B.“ meldet, die Gründung des „Jung-Deutschlan d- bundes“ flattgefunden. Sie vollzog sih unter Vorsitz und Leitung des Generalfeldmarschalls Freiherrn von der Golß. Von sämtlichen beteiltgten Turn-, Spiel- und Sportvereinen wurde die Zustimmung zu dieser Gründung erteilt. Insbesondere erklärten sich die Vertreter der Deutschen Turnerschaft und des Zentralausscusses für Volks- und Jugendspiele zur Mitwhkung freudig bereit. Ein Saßungsentwurf des Bundes wurde angenommen und die Bundesleitung sofort gewählt. Vorstand der Bundesleitung ist der Generalfeldmarschall Freiherr von der Gol. Die Tagung wurde mit einem Telegramm an Seine Majestät den Kaiser geschlossen.

Der Verein zur Förderung der Kunst veranstaltet sein dieéjähriges Win terfest am Sonnabend, den 18. d. M., Abends 9 Uhr, in den Gesamträumen des Architektenhauses (Wilhelm- straße 92—93) als „Volksfest im Haidekrug". Außer musikalischen Darbietungen und Volkstänzen verspriht das Programm eine Tom- bola, die mit Gaben bekannter Künstler reich autgestattet ist. Ein Kostümzwang besteht nicht, doch sind, um das Bild möglichst farbig

8 Uhr: Es lebe das Leben. Akten von Hermann Sudermann. Donnerstag: Wilhelm Tell.

Garten. Kantstr. 12.)

einem d Die Dame in Not.

vier Akten und

yon Nobert Winterberg. Donnerstag und folgende in Not.

\chwank in vier Stationen von

Frederich. Donnerstag und folgende gnügungsreise.

Mittwoch, Abends 8 Uhr:

Bolkes. Drei Akte von Karl Mittwoch, Abends 8 Uhr:

Chopin. Barré. Bolten-Baeckers.

zu gestalten, Sommerklelder, Jagd- und Sportanzüge willkommen-

Gintrit1skarten sind im Dürerhaus (Kronenstraße 18), in dér Plahn- hen Buchhandlung (Französische Aa 33), bei Selmar Hahne (Ioachimsthalerstraße 43) und im Warenhaus A. Wertheim zu haben.

Am 17. d. M., Vormittags 10 Uhr, wird im Preußischen Ab- geordnetenhause die diesjährige Orchideenau s stellung der Deutschen Gartenbaugesellshaft eröffnet.

Côln, 13. November. (W. T. B.) Das Militärluft- \chiff , M. 1.* mußte heute infolge Versagens des Motors in der Gegend von Longerich eine Notlandung vornehmen. Dabet: wurde das Höhensteuer zerstört und die Ballonhülle beschädigt.

Hamburg, 13. November. (W. T. B.) Der der Reederei Rob. M. Sloman jr. gehörige, 1901 gebaute Frachtdampfer „Carrara“, der am 3. November nach Barcelona ab- gegangen ist und morgen am Bestimmungsorte fällig wäre, ist allem Anschein nah in den leßten Stürmen der Nordsee mit 26 Mann Besaßung untergegangen, da inzwishen von dem Dampfer jede Meldung fehlt und bei Texel ein Boot und Oel- fässer angetrieben sind, die nachweisliß von dem Dampfer herstatnmen.

Pola, 13. November. (W. T. B.) Auf dem Torpedoboot „Anaconda“ erlitt heute früh das Hauptdampfabsperr- ventil des Vorderkessels einen Riß. Durch den ausströmenden Dampf wurden zwei Heizer getötet, ein Maschinistenmaat erlitt {were Brandwun den.

Paris, 13. November. (W. T. B) Auf Antrag des See- präfekten von Lorient wurden heute sämtliche alten Vorräte des Pulvers B, die sich im Pulvermagazin von Lorient befanden, mittels eines Tranêportdampfers auf offener See versenkt.

Paris, 14. November. (W. T. B.) Der Flieger Mullaà legte mit vier Mitreisenden an Bord eines Zweideckers von Reims aus eine Strecke von 110 km tn einer Stunde zwölf Minuten zurück und stellte damit einen neuen Welt-

rekord auf.

Warschau, 14. November. (W. T. B.) Während einer Fasanenjagd auf dem Gute Pawlowice wurde der polnische Schriftsteller Stenkiewicz von einem Jagdgaste, als dieser nah einem hochgehenden Fasan {choß, durch zwei Schüsse am Knie und an der Stirn s{chwer verleßt, sodaß er nah dem Krankenhaus in Warschau gebraht werden mußte.

Turin, 13. November. (W. T. B.) Heute nachmittag be- suhte die Königin-Mutter Margherita in Begleitung ihrer Hofdamen und der diensttuenden Kavaliere unter Führung des deutschen Konsuls von Külmer den deutschen Industriepalast, wo sie weit über zwei Stunden verweilte. Eingehend und mit großem Interesse besichtigte die Königin - Mutter den Kaisersaal und die silbernen Schiffsmodele des Deutschen Kaisers; auch die Cadiner Erzeugnisse fanden ihren lebhaften Beifall. In der Wohlfahrtsabteilung zeigte sie für das Modell der Lungenheilstätte Beeliß besonderes Interesse. Die äußerst stimmungs- vollen Wohnungseinrihtungen und die hervorragende Musikausstellung wurden etngehend und mit sihtlihem Gefallen in Augenschein ge- nommen. Die übrigen deutschen Ausstellungen in den internationalen Hallen hatte die Königin-Mutter bereits vorher etngehend wiederholt besihtigt. Beim Abschied drückte die Köntigin-Mutter dem deutschen Konsul ihre ganz besondere Befriedigung über die hervorragend geschmadckvolle Anordnung der deutschen Abteilung aus.

(Fortseßung des Amtlichen und Nichtamtlichen in der Ersten,

Freitag: Es lebe das Leben.

Theater des Westens. (Station: Zoologischer Mittwoch, Operette in drei Akten von

Julius Brammer und Alfred Grünwald. Tage: Die

Lustspielhaus. (Friedrichstr. 236.) Mittwoch, Abends 8 Uhr: Ensemblegastspiel des „Neuen Schau- spielhauses*: Die Vergnügungsreise. Ein Neise-

Tage:

Residenztheater. (Direktion : Richard Alexander.) Ein Walzer von Schwank in drei Akten von Kéroul und Für die deutshe Bühne bearbeitet von

Donnerstag und folgende Tage: Ein Walzer vou

Zweiten und Dritten Beilage.)

Saal Bechstein. Mittwoch, Abends 74 Uhr: Liederabeud von Helene Günter unter Mit- wirkung von Eliu Nilsou (Gesang). Am Klavier: Ida Thornuberg.

Drama in fünf

Blüthner-Saal. Mittwoch, Abends 8 Uhr: 3. Konzert von Raoul von Koczalski.

Abends 8 Uhr: Musik

Dame

Klindworth- Scharwenka-Saal. Mittwoch, Abends 8 Uhr: Liederabend von Margarete Michler. Am Klavier: Alex. Neumann.

Pirkus Schumann. Mittwoch, Abends 74 Uhr: Grof:e Galavorstellung. Auftreten sämtlicher Spezialitäten. Um 9} Ühr: Das Manegeschaustük : 1000 Jahre auf dem Meeresgrund. Ent roorfen und itnszentert vom Direktor Albert

Schumann.

Friß Friedmann- Die Ver-

Pirkus Bush. Mittwoch, Abends 74 Uhr: Große Galavorstellung. U. a.: „Max und Moritz“ und „Pepi“/, die drei Shimpansen (groß- artige Drefsurletstung). Zum Schluß: U 20, R Ras des Zirkus Busch in fünf Bildern.

gesezte Vorstellung „Die Journalisten“, können aber auch täglich an der Vormittagsfasse und am Tage der Vorstellung an der Vormittags- * und Abendkasse bis zum Begiun der Vorstellung gegen Erstattung au der Vorverkaufsgebühr zurü- gegeben werden. Eine spätere Zurücknahme der Ein- trittskarten findet nicht statt.

Neues Operntheater. Sonntag, Nachmittags 23 Uhr: Auf Allerhöchsten Befehl: Zweite Vorstellung für die Berliner Arbeiter- schaft : Minna von Barnhelm oder: Das Soldatenglück. Lustspiel in fünf Aufzügen von Lessing. (Die Eintrittskarten werden durch die Zentral- stelle für Volkswohlfahrt nur an Arbeitervereine, Fabriken usw. abgegeben. Ein Verkauf an einzelne Personen findet nicht statt.)

Deutsches Theater. Mittwoch, Abends 74 Uhr: Turandot. Donnerstag: Turandot.

Freitag: Penthefilea. M E Sonnabend, Nachmittags 3 Uhr : Kleist-Gedächtnis-

feier der Berliner freien Studentenschaft. Abends:

Turandot. Freitag, den 24. November, Abends 8 Uhr: Vie

Orestie im „Zirkus Schumann“. Kammerfspiele.

Neues Schauspielyaus. Mittwoh, Nach- mittags 34 Uhr: Agues Bernauer. Abends 8 Ubr: Hans Sonnenstößers Höllenfahrt. Ein heiteres Traumspiel von Paul Apel.

Donnerstag: Alt-Heidelberg.

Freitag: Neu einstudiert: Agnes Beruauer. Ein deutshes Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich Hebbel.

e Nachmittags 3} Uhr: Agnes Ber- nauer. Abends: Hans Sonneustößers@ Hölleufahrt.

Komische Oper. Mittwoh, Abends 8 Uhr: Sibirien. Musikdrama in 3 Akten von Prof. Luigi ÎFllica. Musik von Umberto Giordano.

Donneréêtag: Sibirien.

Freitag: 1. Volksvorstellung zu bedeutend er- mäßigten Preisen: Der Waffeushmied,

Schillertheater. @. (Wallnertheater.) Mittwoch, Abends 8 Uhr: Der Bund der Jugend. Lustspiel in 5 Aufzügen von Henrik Ibsen. Deutsch von Wilhelm Lange.

Donnerstag: Madame Sans- GêSne.

Freitag: Der Pfarrer vou Kirchfeld.

Charlottenburg. Mittwoch, Nachmittags 3¿ Uhr : Prinz Friedrich von Homburg. Schauspiel in

Mittwoch, Abends 8 Uhr: Gyges und sein

fünf Aufzügen von Heinrih von Kleist. Abends

Chopin.

Thaliatheater. (Direktion: Kren und Schönfeld.) Mittwoch, Abends 8 Uhr: Polnisthe Wiricschaft. Schwank mit Gesang und Tanz in dret Akten von Kraaß und Okonkowsky, bearbeitet von J. Kren. Gesangsterte von Alfred Schönfeld, Musik von F. Gilbert. 4

Donnerstag und folgende Tage: Polnische Wirt- schaft. 2

Sonnabend, Nahmittags 4 Uhr: Kindervorstellung : Sneewiitchen.

Trianontheater. (Georgenstraße, nahe Bahnhof Nriedrichstraße.) Mittwoh, Abends 8 Uhr: Mein Baby. Burleske in drei Akten von Margaret Mayo.

Donnerstag und folgende Tage: Mein Baby.

Konzerte. Königl. Hochschule für Musik. Mittwoch,

Abends- 8 Uhr: P. Konzert des Symphonie- vercius. Dirigent: Leo Schrattenholz.

Singakademie. Mittwoh, Abends 8 Ubr: Konzert von Juanita Norden (Violine) und Gustav Franz (Bariton).

Familiennachrichten.

Geboren: Eine Tochter: Hrn. Major Wilfried von Dassel (Charlottenburg). :

Gestorben: Hr. Generalleutnant Karl von Oergen (Cassel). Hr. Justizrat Arthur Grau (Berlin). Hr. Kommerzienrat Hugo Moeller (Berlin).

Verantwortlicher Redakteur : Direktor Dr. T yrol in Charlottenburg.

Verlag der Erpeditien (Heidrich) in Berlin.

Druck der Norddeutshen Buchdruckerei und Verlags Anstalt Berlin SW., Wilhelnistraße Nr. 32.

Neun Beilagen

(eins{ließlich Börsenbeilage und Warenzeklchen- beilage Nr. 93),

sowie die Juhaltsangabe zu Nr. 5 des

öffentlichen Nuzeigers (einschließlich der unter

Nr. 2 veröffentlichten Bekauntmachungen),

betreffend Kommanditgesellschasten auf Liktien

uud Uktiengesellschaften, für die Woche vou? 6, bis 11, November 19A1U,

Erste Beilage

zum Deutschen Reichsanzeiger und Königlih Preußishen Staatsanzeiger.

M2 269,

Berlin, Dienstag, den 14. November

Amlliches.

Deutsches Reich,

Branntweinerzeugung und Branntweinverbrauch im Monat Oktober 1911. Nach den Angaben der Direktivbehörden.

Verwaltungsbezirke

im ganzen

Im Kalendermonat Oktober 1911 sind

zur steuerfreien Verwendung abgelassen

Um Süluse |

Branntweinsteuer- N glender- Rechnungs- monat

vergütungsscheine ausgefertigt über ausgeführte oder in E A 11 Oktober Ausfuhrlager (Bfr. O. § 58) Lq Ves A 1911 aufgenommene Mengen von Meiaun gs- Be nah ersteuerung

Branntwein- | anstalten unter fabrikaten amtlicher „in den Ueberwachung freien Verkehr

(Bfr. O. § 48 unter b bis h) |- verblieben gesegt

Hektoliter Alkohol

darunter rohem und vollständig Heren vergällt ranntwein

Ostpreußen Westpreußen Brandenburg . 12 484 Pommern E E 21 834 osen_ E E 18 539 Schlesien Y ; : 13 749 Sachsen . A 6011 Schleswig-Holstein . 2 470 Vannover 6 1 622 Westfalen 1250 Hessen-Nassau . 1 563 Rheinland . 4 685

2914 4 159

87 19 332 r 14 718 O . 98 326

245 47 459

13 32 838 49 578 30 802

7 133 4 046 7 300 4 677 12 697

8 756 6 987 23 001 9 676 9 601 22 104 12 698 3518 8183 14 643 3 085 13 390

91 280

9 481 5 922 1 429 3 820 1431 2 226 606 30

Königreich Preußen

Bayern . Sachsen . ? Württemberg . Baden Det 5s Mecklenburg | Thüringen . |

R EI L Braunschweig . : Ua C 08d B ee 560 Bremen . E E 97 ua P 6 | 2 256 lsaß-Lothringen . | 201

298 906

12 790 17 526 3338 9 307 3 067 1980 3183 2 125 637 2 024 298 943 509 711 241 439 1180 5 679 3 280

135 642

4 683 8 363 1173 2 666

9 L 39 345

311 99 9 450 Ee 99 564

Branntweinsteuergebiet

115 617 Dagegen im Oktober 1910 , .

120 000 92 436

103 858 |

84 193 98 397

1887 855 319 920 1 280 1 269 332 067

171 129 167 179

Außerdem noch im Betriebsjahr 1910/11 erzeugt und bisher nit nachgewiesen: 307 h1 A.

Berlin, den 13. November 1911.

Kaiserliches Statistisches Amt. van der Borght.

Personalveränderungen.

Königlich Bayerische Armee.

München, 9. November. Im Namen Seiner Majestät des Königs. Seine Königliche Hoheit Prinz Luitpold, des Königreihs Bayern Verweser, haben Sich Allerhöchst be- wogen gefunden, nachstehende Personalveränderungen Allergnädigst zu verfügen :

A bei den Offizieren und Fähnrichen: am 6. v. M. den Hauptm. Reiß unter Enthebung von der Stellung als Komp. Chef im Inf. Leibregt. vom 15. d. Ve. ab bis auf weiteres zu beurlauben; am 2. d. M. den Hauptm. Hänlein, Komp. Chef im Inf. Negt. Prinz Ludwig, mit der geseßlihen Pension und der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des Generalstabs mit den bestimmungsmäßigen Abzeichen zur Disp. zu stellen; am 7. d. M. dem Oberstlt. z. D. B erthold unter Fortgewährung der Pension den Abschied mit der Erlaubnis zum Forttragen der bisherigen Uniform mit den für Ver- abschiedete vorgeschriebenen Abzeihen zu bewilligen; den Hauptm. z- D. v. Spies von der Stellung als Pferdevormusterungskommissär in Rosenheim zu entheben unter Erteilung der Erlaubnis zum Tragen der Uniform des 1. Feldart. Negts. Prinz-Regent Luitpold mit den bestimmungsmäßigen Abzeichen; dem Oberlt. Th enn des 5. ¿Feldart. Negts. König Alfons X[11. von Spanien den Abschied aus dem aftiven Heere mit der geseßlichen Pension zu bewilligen unter Ueber- führung zu den Offizieren der Landw. Feldart. 1. Aufgebots; den Fähnr. Mantel des 2. Feldart. Yegts. Horn zum Lt. zu befördern mit Patent vom 26. Oktober d. J. mit dem Range nah dem Lt. Frhrn. v. Sartor auf Gansheim des 1. Feldart. Regts. Prinz- Regent Luitpold; den Fähnr. Karl Siebentritt des 3. Feldart. Negts. Prinz Leopold zur Disp. der Ersaßzbchörden zu entlassen ;

mit der gefeßlihen Pension zur Disp. zu stellen: den Obersilt. Georg Mayr der Art. und Traindepotdirektion und den Hauptm. Kuhn, Komp. Chef im 9. Jnf. Regt. Wrede, beide mit der Erlaub. ns zum Forttragen der bisherigen Üniform mit den bestimmungs- mäßigen Abzeichen ; m, ernennen : zum Pferdevormusterungskommissär in Nosenheim den Nittm. z. D. Schrön, zu Komp. Chefs die Hauptleute Frhrn. y. P e ch- mann des 15. Inf. Negts. König Friedrich August von Sachsen im Inf. Leibregt. zum 15. d. M, Wimmer des 9. Inf. Negts. Wrede und Sciñner des 10. Inf Negts. Prinz Ludwig, beide in thren Truppenteilen, zum Ersten Offizier beim Traiadepot 1. Armeee- orps den Hauptm. Volkert, Zweiten Offizier bei diesem Train- depot, zum Zweiten Offizier beim Traindepot 1. Armeekorps den Oberlt. Wilhelm Hofmann des 17. Inf. Negts. Orff, zum Er- zieher am Kadettenkorps den Oberlt. Wilhelm Schmitt des 12. Inf. Regts. Prinz Acnulf, zum Fähar. den Fahnenjunker, Vize- feldw. Ludwig Theato des 18. puf. Negts. Prinz Ludwig Ferdinand ;

zu verseßen: den Major Weber, Ersten Offizier beim Train- depot T. Armeekorps, zur Art. und Traindepotdtrektion unter Ver- leihung eines atents seines bisherigen Dienstgrades und des

Sharafters als Öberstlt., den Hauptm. v. Haas, Adjutanten beim Kadettenkorps, zum 14. Inf. Negt. Hartmann, die Nittmetster und Eskadr. Chefs Frhrn. v. Lilgenau vom 2. Ulan. Regt. König zum 1 Ulan. Negt. Kaiser Wilhelm 11., König von Preußen, und Fürsten b. Wrede vom 1. Ulan. Negt. Kaiser Wilhelm 11., König von Preußen, zum 2. Ulan. Negt. König, beide in gletcher Eigenschaft ;

zur Nes. zu beurlauben: die Kühnriche Stöber des 15. Inf. Regts. König Friedrih August von Sachsen, Seyffer des 2. Ulan. a egts. König, Shwörer des 3, Feldart. Regts. Prinz Leopold und eykamm des 2. Fußart. Regts. ;

b. bet den Sanitätsoffizieren: am 7 d. M. den Unterar; ät8of it ¿d M. rarzt Dr. Anton Kohl des 2. Chev. Negts. Taxis zum Assist. Arzt zu Ee c. bei den Veterinäroffizieren: im aktiven Deere: anm 26. y; Y dem Oberveterinär Lang des 5. Feldart. Rate ati. Alfons L von Spanien das Ausscheiden aus dem Heere mit dem 29. Oktober J. zum Zwecke des Uebertritts in die Kaiserliche Schubtruppe für Südwestafrika zu genehmigen ; am 7. d. M. den Veterinär Wilhelm Paulus der Mes. (I München), kommandiert zur Dienstleistung im ti r ane A Nikolaus von Nußland, in den Friedenss\tand €jes egts. zu verseßen unter Verleihung eines setne e O 7. d. M. hung Patents setnes | urch Verfügung des Kriegêmtnisteriums wurde der Universitäts- zeihner Skell seincr Bitte entsprehend vom 1. d. M. ab M dém Amt als Zeichenlehrer am Kadettenkorps enthoben.

Deutscher Reichstag. 204. Sißung vom 13. November 1911, Nachmittags 2 Uhr. (Bericht von Wolffs Lelegraphishem Bureau.)

i Nachdem eine Anzahl von Petitionen für ungeeignet zur Erörterung im Plenum erachtet worden ist, tritt das Haus in die Verhandlung der Jnterpellation der Abgg. Albrecht und Genossen (Soz.) ein, die die Entlassung von Arbeitern D EV Neichseisenba hnen zum Gegenstand hat. Die Interpellation hat folgenden Wortlaut :

E Ist es dem Herrn Neichékanzler bekannt, daß Arbeiter der

Reichseisenbahnen nah langjähriger, durchaus zufriedenstellender

Arbeit aus ihrer Arbeits\telle entlassen wurden, weil sie unter Ver- tretung ihrer wirtschaftlichen Interessen im Nahmen der bestehenden “Vf BTeRe A aas ;

L as gedenkt der Herr Neichskanzler zu tun, um folch will- fürliches, der Gleichberehtigung der Staatsbürger Na e Vorgehen der Heichseisenbahnverwaltung für die Zukunft unmöglich zu machen ?

d Auf die Frage des Präsidenten Grafen von Schwerin- Löw erklärt sih der Minister der öffentlihen Arbeiten von Breitenbach bereit, die Jnterpellation heute zu beantworten.

ZUL Begründung der Jnterpellation erhält das Wort der

Abg. E m mel (Soz.): Im Juli d. J. wurden der Vorsitzende und der Schriftführer des în Mülhausen begründeten Eisenbahn, arbeiterverbandes entlassen. In demselben Monat erhielt der Vor- sißende des Elsaß-Lothringischen Eisenbahnarbeiterverbandes seine Kündigung, und Ende August wurden der Schriftführer des Verbandes und der Redakteur des Verbandsblattes entlassen. Sämtliche fünf Personen wurden nicht entlassen wegen ihrer Tätigkeit im Abe! verbältnis, sondern weil die Eisenbahnverwaltung in ihr außerdienst- liches Verhalten eingriff, weil die Entlassenen \sich berausgenommen hatten, ihre wirtschaftlichen Interessen gemeinsam mit ihren Arbeits- tollegen zu vertreten. Die Landesorganifation, um die es si in erster Linie dreht, der Verband der Cisenbahnarbeiter Elsaß Lothringens und Luxemburgs, ist keine politishe Organisation, verfolgt keine verbotenen Zwecke, sondern vertritt durchaus berechtigte Forde-

rungen der Arbeiter. Der Zweck des Verbandes ist die Förderung der

1911,

wirtschaftlißen Interessen der Mitglieder und ihrer Solidarita

parteipolttische und religiöse Bestrebungen sind R E jelbe gilt von den einzelnen Vereinigungen. Ganz überflü sigerweise haben die Arbeiter die Statuten bei der Verwaltung eingereiht und längere Zeit mit dec Gründung der Vereine gewartet, bis die Ge- nehmi: ung erfolgt war. Auf Grund der Verbandstätigkeit wurden außer dem Mülhausener Werkstättenarbeiterveretn andere solhe Vereine in Bischheim usw. gegründet. Dem Mülhausener Verein wurde nun hon kurz nach setnem Entstehen eröffnet, daß zu jeder Versamm- lung Beamte entsendet werden würden und die Tagesordnung mehrere Tage vorher ein ereiht werden müsse. Zuerst follten zwei bis drei Beamte zugelassen werden; als der Vorsißende sich darüber be- \hwerte , wurde angedeutet, daß, wenn das niht geduldet werde, der Vorsitzende die Konsequenzen würde zu tragen haben. Der Vorsigzende beschwerte sich nun bet der Generaldirektion und wies „auf das Geseßwidrige des Verlangens hin und berief ih dabet auf Aeußerungen des Ministers im preußischen Abgeordnetenhause. Er hat gleichwohl einen ablehnenden Bescheid bekommen. Schließlich wurde die Forderung dahin eingeschränkt, daß bei Generalversammlungen die Tagesordnung acht Tage vorher eingereiht werden und daß eine Ueberwachung geduldet werden müsse. Die Arbeiter widerstrebten, \o- lange sie konnten; als aber der Verwaltungsvertreter zu direkten Drohungen überging, wih man dem Zwange. Es dauerte nicht lange da wurde verlangt, daß die Tagesordnung aller Versammlungen ein- gereicht und ihre Ueberwachung geduldet werden follte. Als die Arbeiter nun den überwachenden Beamten um Auskunft über diesen oder jenen Punkt fragten, verweigerte er diese, da er nur zur Ueber- wachung anwesend lei; auch hier lehnte die Generaldireftion ab, den Wünschen der Arbeiter entgegenzukommen. Von da ab überwachte ein Werkmeister alle Versammlungen des Mülhauser Vereins. Am 10. Juli follten nah Erledigung der Tagesordnung eine Reihe interner Gegenstände zur Verhandlung kommen. Es sollte u. a. ein Mitglied ausgeschlossen werden, welches mehrcre Vertrauens- amter innehatte. Der überwachende Beamte blieb troß des Ansuchens der Leitung anwesend ; darauf wurde beantragt und beschlossen , daß sich der Beamte zu entfernen habe. In- folgedessen ging er. Zwei Monate später wurde der erste Borsißende und der Scbriftführer über diesen“ Vorgang zu Protofoll „ernommen und tags darauf ganz plôöglih entlassen. Die Entlassenen wandten sih an die Generaldirektion. Sie erfuhren die Antwort, sie hätten geheßt und aufgewiegelt und hätten deshalb entlassen werden müssen. Slie erwiderten, daß davon keine Nede fein könne; aber der Oberregierungsrat Mayer entgegnete auf eine bezüg- liche Bemerkung, wenn die Arbeiter gestreikt hätten, hätte man eben die Werkstatt ganz geschlossen. Das Kündic ungsschreiben, das der Vorsitzende erhielt, \priht von einer groben Disziplinwidrig- kett, die darin liegen foll, daß die etreffenden außerhalb ihres Vtienstverhältnisses irgend etwas getan haben, was ‘der Generaldirektion nicht gefällt. Es ist ein sehr eigentümlicher Standpunkt der Verwaltung, ein dienstwidriges Verhalten daraus zu konstruieren, wenn die Arbeiter außerhalb des Dienstes etwas tun

was der Verwaltung niht paßt. Man ist sogar so weit gegangen, dem Verein mit Auflösung zu drohen, falls er sich noch etwas zu schulden kommen lafße, der Minister wolle es so. Vorläufig möchte ih das leßtere noch bezweifeln. Wiè kommt aber die Verwaltung zu dieser Drohung ? Die Generaldirektion hat kein Necht zur Auf- lösung. Die entlassenen Arbeiter sind 8 bzw. 11 Jahre tätig ge- wesen, ohne fi etwas zu s{hulden kommen zu lassen. Auch den Eifenbahn- arbeitern steht auf Grund des Neichsvereinsgesetßzes die Berechtigung zu, sih zu vereinigen, denn dieses Necht steht allen RNeichsbürgern zu Die Verwaltung wird doch wohl nicht behaupten wollen, daß die Sisenbahnarbeiter Ziele verfolgen, die unter das Strafgeseßbuch fallen. Die „Verwaltung kommt den Cisenbahnarbeitern gegenüber nur als Arbeitgeber in Betraht. Nirgendwo anders wird ein Arbeitgeber sich das Necht anmaßen, Beamte zur Neberwahung in eine Ver- sammlung der Arbeiter zu entsenden und die Statuten einzufordern. Die Generaldirektion nimmt \sich PolizeireGte heraus. Ich könnte mich «auch auf die Gewerbeordnung berufen: es wird “allerdings bestritten, daß fie für die Eisenbahnarbeiter Geltung habe. Jeden- falls besteht tein Neichs- und Landesgeseß, das die Koalierung der Arbeiter verbietet, und darum besteht dies Recht auch formell zu Neht. Die Cisenbahnarbeiter sind Neichsangehörige wie jeder andere und haben dieselben Nechte. Die Generaldirektion bat ihre Amtsgewalt mißbraucht, wenn sie den Arbeitern dies Recht ‘genommen hat. Auch zur Einforderung der Tagesordnung hat die Direktion kein Recht. Der neugewählte Landtag von Elsaß-Lothringen wird beim Justizetat Gelegenheit nchmen müssen, auf die Sale ein- zugehen, wie die Staatsanwälte gegen Drohungen und Erpressungen vorgehen müßten. Der Chef der Neichseisenbahnen hat sich seinerzeit hier gegen Vereine erklärt, die den Streik proklamieren. Einen solhen Zweck verfolgen die betreffenden Vereine aber niht. Er hat weiter verlangt, daß die Arbeiter sih nit sozialdemokratisch betätigen. Diese Forderung ist unberehtigt, aber selbst von seinem Standpunkte ilt jene Maßregel der Direktion niht begründet, denn die Maß- regelungen treffen auch Arbeiter anderer Richtungen. Der Chef der Jeihseifenbahnen hat weiter erklärt, daß die Arbeiter nach denselben Grundsäßen entlassen werden sollten wie die Beamten. Warum handelt man denn niht nah diefen Erklärungen? Wozu diese Moaßregelungen geführt haben, hat der freiwillige Tod eines Arbeiters in Mülhausen gezeigt. Dabei hat es noch besonderer Anstrengungen bedurft, damit die Vinterbliebenen zu dem fälligen Lohn des Arbeiters gelangten. Der Dberregierungsrat Mayer hatte anfangs gegen den Verband eine freundliche Haltung eingenommen. Das änderte sich aber bald. Ein edner namens Oertel wurde aufgefordert, seine Aeußerung, die er in einer Versammlung in Meß getan haben sollte, zu widerrufen, und ¿war in dem Verbandsblatt. Der Arbeiter erwiderte, er könne nichts widerrufen, da er die ihm in den Mund gelegten Aeußerungen gar nicht gebraucht habe. Scließlih hat der Arbeiter doch eine EÊr- klärung im Verbandsblatt abgegeben, aber in der Einleitung bemerkt, daß er gegen die Anschuldigung, disziplinwidrig gehandelt zu haben, pro- testiere und nur einer angemaßten Zumutung entspreche. Es folgt dann die aufgesette Erklärung. Dem Spißel, der sih bei der Verwaltung anzuschmarctzen gewußt hat, hat man mehr geglaubt und den Arbeiter Dertel entlassen, der 29 Jahre dem Staate treu gedient hat. O find auch zwei Arbeiter entlassen worden, die 27 und 12 Zahre bei der Eisenbahn tätig waren, der Schriftführer des Ver- bandes und der Redakteur des Verbandéorgans, weil im Verbands- organ zwei Artikel erscienen, die sih mit den Entlassungen tn Mül- hausen beschäftigten. _Es ist in den Artikeln in rubigster, objektivster Weise nur diese Tatsache bekanntgegeben und am Schluß nur gefagt worden : haltet fest und mat von allen Mitteln Gebrauch, die eine Verbesserung der Lage herbeiführen können; in dem zweiten Artikel werden die Arbeiter nur aufgefordert, sich dur die Maßregelungen niht abshrecken zu lassen, die Solidarität zu mae und es wird aufgefordert, für die in Not geratenen Familien der Ge- maßregelten materielle Opfer zu bringen und die Organisation zu stärken. Das alles in so ruhiger, einwandsfreier Form, daß die Behörde nit Anlaß zum Einschreiten baben konnte. Der Redakteur wurde aber entlassen wegen ‘der Aufnahme der Artikel und der Schrift- führer des Verbandes een der Unterzeichnung des etnen Artikels. In dem Kündigungéschreiben heißt es, der Artikel sei beleidigend und fordere die Arbeiter zum Kampf gegen die Verwaltung auf. Tat- fächlih sind aber nur die Vorgänge in ruhigster Weise besprochen

worden. Nicht nur in der fozialdemokratischen, sondern in der ge-