1911 / 273 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Für jede Woche kommt

Quittungskarte V. 2 Für Selbstversiherung und ihre Fortsetzung *), F

Verficherungsaustalt: R R R E

(Hier ist bei der ersten Quittungskarte der Name der Anstalt einzutragen, in deren Bezirk der Versicherte zur Zeit der Ausstellung beschäftigt ist oder, sofern eine Beschäftigung nicht stattfindet, si< aufhält. Jede folgende Karte ist mit dem Namen der vorhergehenden [Ursprungsanstalt} zu versehen.) Dienftsiegel

Ausgabestelle: i | der Liste der Quittungskarteun B Nr. Ausgabestelie, Ausgestellt am ten

Verwendbar**) für die Zeit seit dem ten

Zur Vermeidung vou Rechtsuachteilen ($8 1420 der Reichsversicherungsorduung) binnen zwei Jahren nach dem Ausftellungstage zum Umtausch einzureichen.

Jeder Anspruch aus dieser Karte und allen früheren Karten geht verloren, wenn nirht währöud zweier Jahre nach der Ausftellung dieser Karte mindestens für 40 Veitrags8wochen Veiträge entrichtet werden. Veiträge, die für die Zeit vor dem Ausstellungstage gelten, find in diese 40 Veiträge nicht einzure<huen ($ 1282).

Quittungskarte Nr. für

(Vor- und Zuname, bei Frauen au<h Geburtsname, bei Angabe mehrerer Vornamen ist der Nufname zu unterstreichen)

bei Ausstellung | Wohnort

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Zur Selbstversicherung find bis zum vollendeten vierzigsten Lebensjahre berechtigt:

l. Betriebsbeamte, Werkmeister und andere Angestellte in ähnlih gehobener Stellung, sämtlich, wenn diese Beschäftigung ihren Hauptberuf bildet, Handlungsgehilfen und -lehrlinge, Gehilfen und Lehrlinge in Apotheken, Bühnen- und Orchestermitglieder ohne Nücksicht auf den Kunstwert der Leistungen, Lehrer und Erzieher, endlih Schiffer; Vorausseßung ist, daß der regelmäßige Jahresarbeitsverdienst dieser Personen mehr als 2000, aber niht über 3000 Mark beträgt. Gewerbtreibende und andere Betriebsunternehmer, die in thren Betrieben höchstens zwei Versicherungspflichtige beschäftigen, sowie Hausgewerbtreibende.

3. Personen, die versicherungsfrei sind, weil für ihre Beschäftigung als Entgelt nur freier Unterhalt gewährt wird, oder weil es si< um vorübergehende Dienstleistungen handelt.

regelmäßig keine oder

Die unter 1 bis 3 Genannten können die Selbstversicherung beim Ausscheiden aus dem Verhältnis, das die Berechtigung begründet hat, fortseßen oder später erneuern. ($ 1243 der Neichsversicherungsordnung.) *) Personen, für die früher auf Grund der Versicherung8pfliht Beiträge entrichtet worden find, dürfen au< im Falle der Selbftversicherung nur Quittungskarten A erhalten.

**) Nur auf Antrag auszufüllen, wenn in die Karte Marken für die Zeit vor ihrer Ausstellung einzukleben sind. die Belehrung auf der Jnnenseite dieser Karte Ziffer 3.)

(Zu vgl.

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Wunsch sein muß, fähige Wasserstraße zu haben. holt ausgesprochen, straßen und damit der

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Deutscher Reichstag.

208. Sißung vom 17. November 1911, Nachmittags 1 Uhr. (Bericht von Wolffs Telegraphishem Bureau.)

Auf der Tagesordnung steht die Fortsezung der zweiten Beratung des Entwurfs eines Gesetzes, betreffend den Ausbau der deutshen Wasserstraßen und die Er- hebung von Schiffahrtsabgaben.

Ueber den Anfang der Sitzung ist Nummer d. Bl. berichtet worden.

Abg. Dr. Giese (dkons.): Die sähsishen Konservativen sind gestern verschiedentli<h provoziert worden. Man hat dur&bli&e; lassen, daß sie nur aus partikularislisGen Gründen Gegner der Vor lage seien. J bin allerdings der Meinung, daß die Vorlage wegen Erbebung der Schiffahrtsabgaben für die Elbe für unsere blübende sächsische Industrie shwere Gefahren zur Folge haben würde; dies führt uns zur Ablehnung der Vorlage. Wir teilen au die all gemeinen verfassungsre<tlihen Bedenken, die \{Gon wiederholt bervor- gehoben worden sind. Jh möchte nur no< erklären, daß die \ä<sisd Konfervativen ebenso wie gegen Art. 1 auch gegen Art. 2 werden. | 20 Millionen

Abg. B öb le (Soz.): Dem Antrage Dahlem auf Einbeziehu; g | Recht angefochten worden, der Lahn in das Bauprogramm werden wir zustimmen. Wir baben bean-. | den Verkebr ragt, auch die Kanalisierung der Mosel und Saar in tas Bauproara1 im | lassen, aufzunehmen, denselben Antrag hat der Abg. Bassermann gestellt. Die | das Wachsen des Mosel- und Saarkanalisierung ist na< unserer Auffassung von sehr | Auf dem Mosel. und großer wirtshaftliher Bedeutung. Ueber ibre Rentabilität besteh tein Zweifel. Im Frankfurter Frieden ist bestimmt, daß jeder vertrags{ließenden Teile auf seinem Gebiet die zur Kanalisierung Mosel unternommenen Arbeiten fortzuführen bat. Nun bat Preußen nah dieser Nichtung nihts unternommen. Dabei Mofel- und Saarkanalisierung au für die Landwirtschaft, für Hc l darauf hingewiesen ,

idustrie von großer Bedeutung. Die Landwirtschaft hätte davon | lande an dieser Vorteil, weil sie auf Zufuhr angewiesen ist. Minister | | Deutsche t im preußischen Abgeordnetenhause ausgeführt, dic saß - Lothringen g kônne zurzeit der Moselkanalisierung aus Nück- [ einzelnen rrheinis<-westfälishe Industrie niht nähertreten, es ‘orderungen voranzustellen. so wieder einmal das Interesse Clsaß-Lothringens zugunsten | Rüc{s i i Industrie geopfert werden. nem Projekt, lungnahme des Verkehrésministers bat in Elsaß-Lothringen mit | als Ueberschrift steben : „Ausgl è größte Aufschen erregt; man versteht niht, wie ein Mi- Ich habe {Gon die Gesamtinteressen wahrnehmen soll, si< auf einen so | eten, weil i< Stan! aus Nü>ksiht auf diese j tri verbänden bin.

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in der gestrigen Verbilligung der Fracht dadurch versp jonsligen Korporationen und auch besonders der kleineren m Ppreußtis{<en Landtag haben beim Meittellandkanal

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Jahrzehnte oder jene J}; Es heißt, es würde nur einer Verständigung zwis ß-Lothringen und Preußen bedürfen, um die Mosel- und Saar- ihr über die erste Not hinwegzubelfen. ifierung in das Programm aufzunehmen. Elsaß-Lothringen wäre | s< jeßt nah neuen dazu bereit. Der Landesaus\huß hat \i< wiederholt bereit e neues Flußgebiet die Mosel auf eigene Kosten zu regulieren. Fch bedauere, daß ° die Vertreter Elsaß-Lothringens, die na< der neuen Verfassung {on ernannt find, hier fehlen; ihre drei Stimmen fönnten vielleicht im Bundesrat den Ausschlag geben, ob das Geseg zustande kommen soll. Ehe aber eine Ver- ständigung mit Preußen stattfinden kann, wird wohl no< viel Wasser die Mosel hinunterlaufen. Die rheinis< - westfälischen Industriellen haben von jeher ihre wirts<aftlihen nteressen einseitig vertreten, fie haben ni<ht das Gesamtinteresse im Uuge. Der Reichstag ist aber die Gesamtvertretung Deutschlands und muß das Unrecht feiner Kommission wieder gut machen, indem er nah unserem Antrag die Mosel- und Zaarkanalisierung in das Bauprogramm aufnimmt.

Abg. Bassermann (nl.): Es ist unnôtig, von der großen Be- deutung der lothringis<hen Industrie zu sprechen. Mitglieder meiner Fraftion demonstrieren ad hominem die ŒSntwid>lung dieser Industrie. Versandziffern und die Empfangsziffern des Gebietes an Saar beweisen, wie groß der

sagt ihnen, sie follen sich syndizieren.

verhältnismäßig wenig diese kleinen Grhaltung wert {wer betroffen, denn

ihnen ni<ht mögli<h sein, Bisher ist es ihnen nit gelungen, ihnen au< künftig ni<t möglich nun einmal zustande fommt, wenn

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ifenbahn Der preußis<he Minister hat wieder- daß dieses Gesez dem Ausbau der Wasser- dienen Warum foll ein so wichtiges Industriegebiet, wie es ih an der entwi>elt hat und an der Saar no< in weiterer Entwi>klung von diefer Wohlfahrt ausgenommen \ein ? langen na< der Kanalisierung der Mosel und Saar ist Projekt ift von allen großen Verbänden, rechen, von

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sodaß au<h für den Eisenbahnverkehr ein Verkehrs an si< Saartage wurde besonders von luxemburgischer Seite auf die Wichtigkeit dieser Verbindung zwischen Luxemburg und Es wurde die Befürchtung aus- gedrückt, daß bei längerer Verzögerung Frankreich und Belgien bessere Diese Entwi>klung w Gesichtspunkt aus ni<t wünschenswert. Es wurde dort | ein wie großes Mosel- und Saarkanalisierung welches an, die en großen n Wenn wir auf eine Industriegrupye iht nehmen, kommen wir in folhen Fragen niht weiter. Ueber das große Meliorationen zum Vorschlag bringt, muß eihende Gerechtigkeit nah allen Seiten“. von jeher die Mosel- und Saarkanalisierung ver- Vorsitzender von Gerade in diesem Jahre liegt die Schiffahrt so sehr unternommen worden, um

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der Schiffahrt und mittleren Schiffahrt erwogen worden. Mitglieder Kanalisierung eine angenommen ; Freunde haben damals für den Mittellandkanal Borausfeßung gestimmt, daß auch demnä{\t diese Kanalisierung folgen würde, und sie konnten \i<h dieser Hoffnung hingeben, da der Minister damals eine wohlwollende Stellung zu der Nesolution einna befürhtet die Negierung einen Ausfall an Gisenbahneinnahmen von dur< diese Kanalisierung.

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Berkehrömöglichkeiten um, und wenn ein hinzukommt, entstehen für sie Die guten NRatschläge, die man den Leuten gibt, find ja billig. Das geht aber gerade deswegen nicht, weil diese Schifferei ein Mittelstandsgewerbe ist, weil ihr nur Kapital zur Verfügung steht. Ab Schiffer sind sehr wertvolle Existenzen, die wohl der dur< diefe der Abgaben 1a Ht,

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es auf dieser Stre>ke, daß Schiffe von mehr als 160 Tonnen Gehalt passieren können ; bei niedrigem Wasserstand bleiben schon Schiffe von 120 t dort und au weiter unterhalb bis Halle liegen. Auch das reiche Hinterland von Weißenfels läßt sih auf andere Weise als durch die Regulierung auch dieser Stre>e nicht erschließen ; die Rentabilität dieser kurzen Stre>e ist unzweifelhaft gesihert. Der Gesamtkostenaufwand würde niht mehr als 3,4 Millionen betragen, eine kaum nennenswerte Summe im Vergleich zu den übrigen riesigen Aufwendungen, die hier in Ausficht genommen sind. Geben Sie dem Mittelstande von Weißenfels die Cntfaltungsmöglichkeit! Hier liegt wirklih eine nationale Arbeit vor.

Preußisher Minister der Breitenbach:

Meine Herren, die Anträge Albrecht, Bassermann, Dahlem und Genossen und der Antrag Sommer bedeuten eine wesentlihe und grundsäßlihe Aenderung des Geseßzentwurfs, wie er von den ver- bündeten Regierungen vorgelegt wurde, wte er aus den Arbeiten der Kommission hervorgegangen ist. Man muß ih vergegeiwärtigen, was der Geseßentwurf in seiner beutigen Form will.

Im $ 1 des - Art. 11, über den wir augenbli>li< verhandeln, werden die Grenzen der Strombauverbände festgeseßt. Es wird damit ausgedrü>t: dieses soll der jeßige und zukünftige Wirkungs- freis der Zwe>kverbände sein.

Im $ 2 werden diejenigen Aufgaben bestimmt, die gatorishe Aufgaben zunächst ins Auge gefaßt und ausgeführt werden sollen. Ueber diese Aufgaben bestehen unter den Verbands- genossen keine irgendwie wesentlihen Meinungsdifferenzen mehr, weder in finanzieller, no< in te<nisher Beziehung.

Die vorliegenden Anträge, die im wesentlichen identis< sind, wenn au< ni<t bezüglih des Umfangs, wollen etwas ganz anderes ; sie verschieben vollständig die Grundlagen des Gesetzes, denn sie {wächen die Autonomie der Zwe>kverbände, sie beeinträchtigen ihre Bewegungsfreiheit. Denn nah dem $ 4 des Gesetzentwurfs sind ja die Zweckverbände in der Lage, ihre Aufgaben zu erweitern dur< Cinbeziehung anderer Stromstre>en. Den Ver- band3genossen werden nunmehr Objekte aufgenötigt, die fie zur- zeit gar niht wollen, die sie niht brauchen können, die sie unter Um- ständen erdrü>en.

Meine Herren, es ist in der Kommission meines Erachtens ein \{lagender Beweis dafür angetreten, daß diese Antrôge auf Eitn- beziehung anderer Nebenflüsse als der bisher vorgesehenen oder der ODberläufe der Nebenflüsse unter Umständen die ganze finanzielle Be- re<hnung über den Haufen werfen. Es ist darauf hingewiesen, daß die Kanaliesierung des Mains oberhalb Aschaffenburgs nah einer pauschalen Veranschlagung etwa 95 Millionen Mark kosten werde. Die gesamten Aufwendungen, die bei Ausführung des obligatorischen Bauprogramms, wie es $ 2 umgzrenzt, den Zwe>kverband des Nheins belasten, die Stromkasse in Anspru<h nehmen werden, beziffern sich auf 80 Millionen Mark. Es ist unter Annahme etnes gewissen Ver- kehrsquantums und unter Zugrundelegung der Abgaben, wie fie das Geseh vorsieht, bere<net und wir glauben, uns nicht zu täuschen, wenn es auch angefo<ten wird —, daß die Stromkassen in der Lage fein werden, den beteiligten Bundesstaaten, die die Mittel für diese Bauten hergeben, den Zinsen. und Tilgungsdienst sicherzustellen.

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Es ist ja fofort erkennbar, daß wenn etne Bauaufgabe au< von geringerer Höhe als die eben bezifferte hinzukommt, dieser Kalkül voll- ständig beseitigt ist. Mit sol<hen Perspektiven wird si ein Landtag, wel<hem Bundesstaat er au angehört, niemals dazu verstehen, Mittel zu bewilligen au< für die Auseführung folcher Bauten, die das Gefeß in erster Linie in Aussicht genommen hat. Denn es steht nah feiner Richtung hin fest, daß für die Kapitalien, die investiert werden sollen für solhe Bauten, d!e Zinsen und Tilgungsquoten zur Ver- fügung stehen würden.

Man könnte einwenden, daß die Möglichkeit besteht, die neuen Bauaufgaben dadurch au finanziell sicher zu stellen, daß, wie ja das Gesetz vorsieht, Zuschläge erhoben werden. Die Erhebung von Zu- {lägen wird wohl stets erfolgen müssen, wenn ‘ein Flußlauf in die Aufgaben der Zweckverbände neu einbezogen wird. Die Erhebung von Zuschlägen hat freili< ihre Grenze nah oben, da unter Umständen dur die Zuschläge die Gewinnchance, die der Schiffahrt eröffnet werden foll, vollständig aufgewogen werden kann, und da immer darauf Nücksicht zu nehmen ist, daß fast in allen Fällen konfkurrierende Eisen- bahnwege zur Verfügung slehen. Aber au) abgesehen von dieser durchaus berechtigten natürliden Erwägung hat man do<h da- von auszugehen, daß die Zuschläge bes<lossen werden müssen von den Berbantsaus\hüssen und den Strombeiräten, und zwar mit quali- fizierten Mehrheiten. Wenn nun ein solher Beschluß nicht zustande kommt, dann {lüpft der Nebenfluß in den Verband ohne Zuschläge hinein und belastet die Kasse außerordentlih. Da es \i< um die oberen Stromgebiete handelt, sind die Gegenwerte, die die Abgaben darstellen, nur ganz mäßige, weil die Säße na<h oben abge- staffelt find.

Ich muß noch einer Erwägung Ausdru> geben, die außerordentli<h nahe liegt. Der weitgehendste Antrag ist der Antrag Albrecht und Genoffen, er begreift das Stromgebiet der Mosel und Saar, der Lahn, des Mains oberhalb Aschaffenburgs, des Ne>ars oberhalb Heilbronns ein. Dieser Antrag geht von derjenigen Partei des Reichstags aus, die allein geschlossen gegen die Vorlage stimmt (Zuruf von den Sozial- demokraten: Wie sie jetzt ist!), von derjenigen Partei, die uns in der Kommission und au<h im Plenum immer wieder vorgehalten hat, das unser ganzer Kalkül, wona die Stromkassen in der Lage sein werden, die Bauten, die wir heute als obligatorische bezeichnen, zu verzinsen und zu tilgen, vollständig unrichtig sei, daß die Strôme in ihrem Verkehr si< nicht so entwi>eln werden, die Abgaben niht so steigen werden. Dieselbe Partei bringt aber einen so umfassenden Antrag ein, daß ein-Geseß, das, mit diesen Auflagen belastet, Wirklichkeit würde, nur a uf dem Papier stände. Denn es niht vorauszusehen i betone das noch etnmal —, daß sich die Landtage, die Negierungen bereit finden werden oder bereit finden könnten, Mittel unter solchen Umständen für den Ausbau der Ströme, auch für die obligatorischen Aufgaben, die das Geseyz bereits als solche kennzeichnet, zur Verfügung zu stellen.

Ich weise darauf hin, daß das Geseh zwei Möglichkeiten gewährt, um die Aufnahme von Nebenflüssen oder oberen Strom- läufen zu ermöglihen. Es öffnet gewissermaßen zwei Tore, die beide zur Stromkasse führen: das eine Tor * führt auf Grund. des 8 4 durch die Organisation des Verbandes zur Stromkasse, das andere Tor führt außerhalb des Verbandes zu eben dieser Kasse. Es wird in demselben Paragraphen bestimmt, daß Nebenflüsse, die etwa außerhalb des Verbandes von den beteiligten Bundesstaaten als ausbauwürdtg anerkannt werden, soweit der Verkehr des Nebenflusses den Verkehr des Hauptflusses mehrt, aus der Stromkasse dur die aus diesem Mehrverkehr entstehenden Abgaben alimentiert werden sollen. Das Geseß in setner heutigen Gestalt bedeutet in dieser Nihtung das erkenne ih ohne weiteres an einen wesentlihen Fortschritt gegenüber der Re- gierungsvorlage.

Wenn ih mi<h nun den einzelnen Stromgebieten zu- wende, so werde ih mi< meinerseits aus\{ließli< auf die preußischen Ströme und Stromstre>ken beshränken, indem ih von der Voraus- seßung ausgehe, daß die Herren Vertreter der beteiligten Bundes- staaten vielleiht die anderen Stromstre>en ihrerseits besprechen werden. Was die Einbeziehung der Mosel betrifft, die na< dem vorliegenden Entwurf in die zweite Zone verwiesen wird, d. h. in diejenige Zone, in der no< eine Reibe von zukunftsreichen oder möglichen Projekten sih befindet —, so ist sie jedenfalls dasjenige Projekt, das tehnis< und finanziell am weitesten durhgearbeitet ist, Jh möchte sagen: in dieser zweiten Zone stellt die Mosel das beste Nisiko dar. Wenn Sie dieses Risiko entsprehend dem Antrag Bassermann allein herausnehmen, so {wähen Ste zweifellos die Chancen der anderen Projekte, die sich in derselben Zone befinden, des Mains oberhalb Aschaffenburg und des Ne>ars oberhalb Hell- bronn, wahrscheinli<h au< der Lahn. Hierin {eint mir eine Unbillig- keit gegenüber unseren süddeutshen Bundesstaaten zu liegen, die ja ketnesfalls den Ausbau ihrer Ströme, wenn sie si< in die Zwe>- verbände begeben, beeinträchtigt schen wollen dur< ein einseitiges Borgehen auf der preußis<hen Seite.

Wenn ih aber diesen Gesichtspunkt auésheide, der überwiegend auf der Wahrnehmung süddeutsher Interessen beruht, so möchte ih einer anderen Erwägung Naum geben. Der Mosel ist dur< die Fassung des Gesetzes unter allen Umständen der Wertzuwachs gesichert, der si ergibt aus der Höhe der Abgaben, die aus dem Moselverkebr auf dem Rheine entstehen. Wollten etwa die Moselinterefsenten mehr von dem Verbande erreichen, so wäre das, meine ih, unberechtigt ; das würde ja wiederum auf Kosten der anderen Verbandsinteressenten geben, die ebenfalls an die Stromkasse für Zukunftsprojekte Ansprüche erheben wollen.

Erwarten etwa die Moselinteressenten dur die Einbeziehung der Mosel in das obligatorische Programm andere besondere Vor- teile? Meine Herren, es ist bereits in der Kommission zum Ausdru> gebra<ht worden: man erwartet, daß dur die Einbeziehung der Mosel in das obligatorishe Programm auf die preußische Negierung ein starker moralis<er Dru> ausgeübt werde. Ich habe bereits in der Kommission aus\pre<hen müssen und zwar angesichts der veränderten Fassung des $ 1, gegen die wir im übrigen nihts einzu- wenden haben —, daß für die preußishe Regierung aus der Ein- beziehung der Mosel in den $ 1 keine moralis<he und re<tli<he Ver- vflihtung zum Ausbau erwasen könne. Das gilt selbstverständlich in no< höherem Maße für den Fall, daß die Mosel in den $ 2 ein- bezogen werden sollte. Zu dieser Erklärung bin ih geradezu genötigt, weil die preußishe Regierung ja als sol<he die Kanalisierung der

Mosel nicht beschließen kann, sondern die gesezgebenden Faktoren in Preußen zusammenwirken müssen.

Nun bin i< mir über dle ganz ungewöhnlihe Bedeutung der Frage der Kanalisierung der Mosel durchaus nit im Unklaren. Ich erkenne an, daß es keinen anderen Nebenfluß des Rheins gibt und wir spre<en hier ja nur von Nebenflüssen des Rheins —, bei dem die Kanalisierungsfrage so in den Vordergrund gerü>kt wäre. Wenn die preußishe Negierung \ih troß dieses Anerkenntnisses bisher auf den Standpunkt gestellt hat, daß zurzeit ih unterstreiche dieses: „zur- geit“ eine Kanalisierung der Mosel nicht in Aussicht genommen werden kann, dann müssen do< wohl ganz außerordentli<h \{wer- wiegende und für sie dur<shlagende Gründe vorhanden sein, die sie zu dieser Stellungnahme zwingen. Die preußishe Negierung ist sfih völlig darüber klar, daß politishe Gründe vorliegen, die die Kanalisierung der Mosel erwüns<t ersheinen laffen: politishe Gründe aus dem Verhältnis des Reichs zu den NReichslanden, aus dem Verhältnis Preußens zu den Reichslanden wir wünschen unsererseits etne enge wirtshaftlihe Verbindung mit dem Reichslande —, politishe Gründe aus unserem Verhältnis zu dem Nachbarstaat Luxemburg. Es sind auch in einer Denkschrift, die ja dem hohen Haufe überreiht wird, militärishe Gründe geltend gemacht; auch militärishe Gründe werden in begrenztem Um- fange anerkannt werden können. Trotzbem ist die preußische Ne- gierung der Meinung, daß die Kanalisierung der Mosel zurzeit auf die lebhaftesten Bedenken stößt, Bedenken überwiegend wirtschaftlicher, au< finanzieller Natur. Die wirtschaftlichen Bedenken sind in klarster Weise und kürzester Form in einer Vorstellung der Handels- kammer Essen zum Ausdru> gebraht, mit der eine Gesamterklärung der größten westfälishen Hohofen- und Walzwerke überreicht ist. In dieser Mitteilung der Handelskammer Essen und in der Erklärung der größten industriellen Anlagen des Nuhrreviers ist darauf hin- gewiesen, daß die Auffassung, welche ih neuerlich verbreitet hatte, als ob der Widerstand gegen die Kanalisierung der Mosel am Niederrheine ges<wunden wäre, eine durchaus irrtümliche sei.

Meine Herren, ih nehme Anstand, die Frage der Moselkanali- fierung vor dem Forum des Reichstags eingehender zu erörtern. Sie ist so außerordentli \{wierig und kompliziert, daß ih glaube, sie würde hier do<h nit in ers<höpfender Weise erledigt werden können. Ich möchte aber do< betonen, daß die wirtschaftlihen Bedenken, die sih an die dur die Kanalisierung befürchteten starken und plößlichen Verschiebungen [knüpfen Verschiebungen zuungunsten des größten preußishen Industriereviers nit die einzigen Bedenken sind, die gegen die Kanalisierung geltend gema<ht werden: es find denken, die anknüpfen daran, daß dur eine plößlihe Veränderung der kommunalen Verhältnisse in dem wit Millionen von Menschen bevölkerten und mit einer so großen Zahl von Städten und Ge- meinden beseßten Industrierevier diese kommunalen Verhältnisse in geradezu ruinöser Weise betroffen werden könnten. (Sehr richtig! re<ts.) Es sind die erheblihen Bedenken, die sih daraus ergeben, daß eine Arbeitershaft von Hunderttausenden, die allein in der Groß- eisenindustrie beshäftigt ist, die zum größten Teil angesessen ist, ge- nôtigt7wird, in ein anderes Industriegebiet überzusiedeln. Die Ab- wanderung der Großindustrie vom Niederrhein in das südwestliche Nevier, in das lothringishe und [luxemburgische, vollzieht |< von Jahr zu Jahr. Es besteht kein Zweifel, daß diese Industrie es für nüßli<h hält, ihren Interessen entsprehend im Südwesten, in Lothringen und Luxemburg, große Eisenwerke, ni<t nur Hochöfen, sondern au< Stahl- und Walzwerke, zu errichten oder aber die Vorbereitung zu treffen, dorthin überzusiedeln. Wir wünschen aber ni<ht das ist eine Auffassung, die in der preußischen Negterung immer wieder betont worden is —, daß diese Verschiebung, die sih langsam vorbereitet, zu einer plöglihen wird.

Meine Herren, es sind au andere Fragen ungeklärt, die doch zu lebhaften Bedenken Veranlassung geben müssen. Man spricht davon, daß die Mofel ih selbst finanziere, weil fie einen großen Verkehr führen und bet rittiger Bemessung der Abgaben erhebliche Einnahmen erzielen werde, um die investierten Kapitalien zu ver- zinsen. Man geht davon aus, daß der gewaltige Weh fel verkehr der Herr Abg. Bassermann hat ja eben die Zahlen bekannt gegeben zwischen dem Niederrhein und dem südwestlihen Revier in etwa den- selben Stärken oder in vermehrtem Umfange anhalten werde. Da ist do< auf . eine bemerkenswertz Tatsache hinzuweisen, daß unsere größten Industriellen am Niederrhein #i< veranlaßt gesehen haben, in Lothringen bedeutenden Bergwerksbesiß zu erwerben, niht weit von der preußishen Grenze, daß sie diesen Bergwerksbesig ausbeuten und der Hoffnung sind, dort“ eine Kohle zu gewinnen, die sih zu Hoch- ofenkoks verwenden läßt. Es finden heute bereits aus diesem Revier re<t umfänglihe Transporte dieser Kohle statt, um als Hochofenkoks im lothringishen und luxemburgischen, zurzeit, glaube i<, nur im luxemburgishen Revier verwendet zu werden. Wenn diese Hoffnungen sich verwirklißen und ih glaube, es ist zurzeit ni<ht mögli, zu sagen, sie werden sih nit verwirklihen —, dann wird der Mosel etn riesenhafies Transportquantum entzogen mit dem für den Fall ihrer Kanalisierung gere<net wurde. Heute bewegen ih vom Niederrhein nah Lothringen-Luxemburg über 4 Millionen Tonnen Koks für die Hochöfen; dem steht in umgekehrter Nichtung gegenüber ein Quantum von etwa Millionen Tonnen Erzen. Wenn die Hoffnungen dieser Industriellen \si< verwirklihen, wird für den Moselweg die wertvolle Hinfracht, der Koks, zum größten Teil entfallen, und der ganze Kalkül- der für die Mosel aufgestellt ist, fällt in fi< ¿¡usammen; denn wenn in der einen Richtung, in diesem Falle in der Bergrichtung, ein Haupttransportquantum ausfällt, verschieben sich selbstverständlich die Frachten in einer ganz außergewöhnlihen Weise. Also alle Berech- nungen über Frahtgewinn und Finanzierung, die hierauf beruhen, {find zurzeit do< no< unsicher.

Man wird vielleicht einwenden, diese Hoffnungen bezügli der lothringishen Kokskoble sind zweifelhaft. Das mag sein; aber i< denke mir, daß unsere einsihtigsten Männer am Niederrhein sih nur ungern in Spekulationea einlassen, die {ließli< nihts bringen.

Das sind nur in großen Zügen die [<werwiegenden Bedenken, die die preußische Negierung zurzeit abhalten, die Moselkanalisierung zu betreiben.

Es ist aber noh folgendes hervorzuheben: Wenn die Mosel in den Zwe>kverband des Rheins aufgenommen wird, dann verlieren unzweifelhaft Preußen und die Reihslande ihre Tarifautonomie, umgekehrt, wenn die Mosel niht aufgenommen würde, so würde es, falls Preußen mit den Reichslanden si ver- ständigt, die Mosel zu kanalisieren, Sache beider Staaten sein, zu

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bestimmen, wie die Tarife auf der Mosel bes<haffen sein sollen. Bek dieser Sachlage erwächst beiden Staaten aus dem Antrage Basser- mann eine gewiffe Gefahr: denn der Verband, in dem die Interessen eines weiten Wirtschaftsgebiets vertreten sind, könnte doch die Neigung haben, die Tarife auf der Mosel \o zu bemessen, daß auch andere Gebiete, andere Nebenflüsse davon Nutzen ziehen. Die Tarifautonomie, die Preußen innerhalb feines Staats8gebietes zusteht, würde auf diese Weise verkürzt werden.

Endlich aber, meine Herren, würde bei Aufnahme der Mosel in den Verband das Schiksal der Mosel von einer Verständigung mit den Niederlanden abhängig gemacht werden. Daran kann gar fein Zweifel sein: ma<hen wir den Ausbau der Mosel zu einer obligatorischen Aufgabe des Zwe>verbandes des Nheins, so ist diese Kanalisierung abhängig von den Verhandlungen mit den Niederlanden.

Ich wende mi dann zur Lahn. Bei der Lahn liegen die Ver- hältnisse gerade umgekehrt wie bei der Mosel. Es bestehen an si< keine wirts<haftlihen Bedenken, die fih aus der Lage zweier Indusirie- reviere ergeben könnten, die Lahn auszubauen; es bestehen auc keine Bedenken etwa vom Standpunkt der Cisenbahnfinanzen. Die Kon- kurrenz, die die Lahn den Staatseisenbahnen bereiten würde- wird hingenommen werden FEönnen. Aber der Ausbau der Lahn wird nah alle dem, was uns bekannt geworden ist, nah den Projekten, die bearbeitet, geprüft und berechnet. sind, kaum dazu führen, daß auf ihr ein Verkehr befördert wird, der au nur eine Verzinsung des Kapitals bringt. Es werden s\i< vielieiht niht einmal die Garanten für einen Teil des Baukapitals finden. Troßdem ist die preußishe Regierung bereit, ein neuerli< angeregtes Projekt, das sich der Unterstüßung verschiedener Lahninteressenten er- freut, einer wiederholten Prüfung zu unterziehen. Dieses Projekt be- absichtigt, den Ausbau innerhalb etngeshränkter Grenzen auszuführen und einen besonderen Schiffstyp auf der Lahn zu kTonstruieren. Sollte dieses Projekt irgend wel<hen Erfolg versprechen, so wird die preußis>e Regierung bereit sein, dasselbe einer wohlwollenden weiterer Prüfung zu unterziehen.

Was i< im allgemeinen über die Zuweisung erweiterten Auf- gaben an die Zwe>verbände gesagt habe, trifft auch zu auf den An- trag, den der Herr Abg. Sommer vertrat, wegen Weiterausbaues der Saale oberhalb Kreypau bis Weißenfels.

Ich empfehle dem Hause, die sämtlihe Anträge, die auf Er- weiterung des obligatoris<hen Bauprogramms des Nheinzwe>verbandes abzielen, abzulehnen. (Bravo! re<ts.)

Württembergisher Staatsminister des Innern Dr. von Pischek: Wir dürfen keine“ anderen Projekte in das Bauprogramm auf- nehmen und dadurh die Finanzierung der Stromverbände er- s{hüttern. Ih wäre sonst in der Lage, no andere sehr wünschens- werte Projekte zu empfehlen. Wir müssen vorsihtig bere<nen, in welhem Tempo und inwieweit die verschiedenen miteinander fonfurrierenden Unternehmungen finanziell dur<führbar sind. Erst wenn die Ausführung der jeßt bestimmten Unternehmungen vollendet ist, wenn der Verkehr auf den neuen Wasserstraßen fich eingelebt und entwi>elt hat, und wenn dann au<h der Betrag der Schifffahrtsabgaben eine normale Höhe angenommen haben wird, werden wir der Ausführung weiterer Projekte nähertreten können. Sonst kann uns der finanzielle Boden unter den Füßen \<winden, und wir laufen Gefahr, daß die langen und \hwierigen Ver- handlungen, die nach Beseitigung der verschiedensten Bedenken {ließli<h zu einer Einigung unter den beteiligten Regierungen sowie in der Kommission über die in erster Linie auszuführenden Unter- nehmungen geführt haben, \{ließliß feinen praktischen Erfolg baben werden und dadur eine Reihe von Hoffnungen enttäusht wird. Für 1920 werden die Einnahmen des Rheinstromverbandes aus den Schiff- fahrtsabgaben auf 5,9 Millionen berechnet, und da die kleinen Schiffe frei bleiben follen, fo sind 0,5 Millionen abzuziehen, sodaß eine Ein- nahme von 5,4 Millionen übrig bleibt. Dem {tehen als Ausgaben gegenüber die Verzinsung und Amortisation der Baukapitalien und die Unterhaltungskosten. Die aufzuwendenden Baukapitalien bere<nen sich auf 80,4 Millionen, wobei die no< nicht berechnete Stre>e Straßburg-Konstanz außer Betracht bleibt. Es ergibt si< also ein jährliher Zuschuß von 3 618 000 Æ, und hierzu kommen die Unte: haltungskosten, die ih wiederum ohne die Stre>e Konstanz Straßburg auf 1 649 000 46 belaufen. Der gesamte Aufwand des Nheinstromverbandes beläuft sich jährli< also auf 5 267 000 4. Das exgibt einen Einnahmeübershuß von 133 000 4. Wenn hierzu no< die Kanalisierung der Mosel, Saar und Lahn kommt, die 130 Millionen Mark kostet und an Verzinsung, Amortisation und Unterhaltung jährli< 7,8 Millionen erfordert, so würde ih ein ganz gewaltiges Vefizit ergeben. Das würde dann au die Bewilligung in den Einzellandtagen wesentli<h ers{weren oder unmögli<h machen.

Bayerisher Ministerialrat Dr. Ritter von Gra ßmann: Wir haben nur mit \{werem Herzen darauf verzichtet, daß au die Mainkanalisierung oberhalb Aschaffenburg bis Bamberg in die Vor- lage aufgenommen wurde. J< will die Gründe dafür niht wieder holen, es wäre nur eine Grmüdung der Zuhörer. Jch bin mit dem württembergis<hen Minister vollkommen darin einig, daß, wenn alle diese Projekte no< in das obligatorische Bauprogramm aufgenommen werden, die finanzielle Grundlage des Gesetzes ers<üttert und die Ausführung des Gesetzes unmöglich gemaht werden würde. Ih möchte deshalb davor warnen, allen Wünschen der einzelnen Gegenden zu entsprehen und das Gesetz zu sehr zu belasten. Wenn die Mosel- und Saarkanalisierung bes<lossen würde, dann würde die selbst- verständlihe Folge sein, daß au< die anderen beteiligten Staaien darauf dringen, daß au< Main und Ne>ar weiter ausgebaut werden. Die Mosel- und Saarkanalisierung würde also tatsählih ein Wechsel fcin, den niemand einlösen würde. Ich bitte deshalb dringend, alle Anträge abzulehnen.

Der Abg. Behrens (wirtsh. Vgg.) zieht nah den vom Bundesratstische gemachten Ausführungen den Antrag, be- treffend die Aufnahme der Kanalisierung der Lahn, zurü.

Abg. Dr. Hoeffel (Rp.): Mit einigen meiner Fraktions freunde bin ih do der Ansicht, daß die Gefahren, die von der Auf- nahme der Moselkanalisierung für die Durchführung des Gesetzes be- fürhtet werden, ni<t bestehen. Erst 1907 ist gegen dieses Projekt ganz unerwartet eine heftige Opposition s\eitens der westfälischen Industrie aufgetreten, die früher dasselbe sogar befürwortet hatte. C8 spielen dabet lediglich Konkurrenzrü>sihten mit. Die Elsaß-Lothringer sind von dieser plößlichen Wendung natürlich sehr enttäusht worden, und ein Gefühl des Mißbehagens, der Zurü>- seßung hat si< bei uns geltend gema<ht. Um den Anschluß an die See und an den Rhein zu bekommen, ist Elsaß-Lothringen jeßt ge- nöôtigt, den Anschluß an das französische Kanalnetz zu suchen; ist das vielleiht „nationale“ Politik? Die lothringishe Industrie verwendet do< zum weitaus größten Teil deutsche RNohbprodukte, während die Nuhrindustrie zum überwiegenden Teil ihre Erze aus Spanien und Schweden bezieht, statt sih der lothringishen Minette zuzuwenden, deren Bezug dur< Angliederung der Mosel an den Rhein sicher fehr erleihtert werden würde. In Frankreih ist man gegenwärtig sehr eifrig bestrebt, das Kanalneß nah Nordosten auszubreiten. Der ganze Streit bier ist nur ein Streit zwischen nordwestliher und südwestliher Industrie. Die Bedeutung der deutshen Judustrie beruht ganz wesentli< auf dem Außenhandel. In diesem Sinne ist die Kanalisierung der Mosel und Saar durchaus eine nationale Aufgabe. Der Entwurf hätte mit dieser Erweiterung niht bloß Elsaß-Lothringen, fondern der deutschen Nationalwirtschaft einen wesentlihen Dienst geleistet.