1911 / 280 p. 7 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

bildete das ergretfend {ône Requiem în C-Moll von Cherubini, das unter der Leitung des bewährten Dirigenten der Kirhenchor mit bestem Gelingen vortrug. Die Sängerschar ist gut ges{chult und ver- fügt über ein vorzüglihes Stimmenmaterial, sodaß im Zusammenwirken mit dem Orchester recht gute Klangwirkungen erzielt wurden. Maria Seret van Cyken erfreute, ebenfalls am Freitag, in der Singakademie wieder durh L und Wohllaut ihrer in der Mittellage besonders chönen Mezzosopranstimme. Namentlich gelangen infolge der bedeutenden Gestaltungskunst und der klaren Textaus\prache . der Künstlerin Lieder dramatisch bewegten Inhalts, wie z. B. „Die Löwenbraut“ (Schumann) ausgezeichnet. Tiefen Eindruck hinter- ließen auch zwei Tondichtungen von H. van Eyken. Die pianistischen Leistungen von Vida Llewellyn, die \sih an dem- selben Abend im Blüthnersaal hören ließ, find noch fo unzu- länglich, daß fie vorläufig keinen Anspruch auf öffentliche Beachtung erheben Tönnen. Die Damen Hilly Tibo (Sopran) und Jacoba Ne pelaer (Alt) gaben an demselben Freitag einen Leder- und Duett- abend im Klindworth-Scharwenfkasaal. Die Damen verstehen ihre gut inetnanderklingenden, angenehmen Stimmen mit warmem Ge- fühl zu beleben und erweden durch den Ernst, mit dem sie sich threr Gesangskunst widmen, freundliche Anteilnahme. Die Altistin trug einige Lieder von Richard Strauß mit bemerkenswerter Innigkeit vor. Eddy Brown, dessen außerordentlihes Geigentalent bereits bet seinem ersten Auftreten glänzend in die Erscheinung trat, bestätigte, ebenfalls am Freitag, im Beethovensaal die günstige Beurteilung seines Könnens von neuem. Die Kraft und Frische seines Tons, die zielbewußte, gereifte Auffassung und das ttefinnerlihe Empfinden seiner temperamentvollen, großaügigen Vortragsweise leuchteten auch , diesmal hervor und brachten ihm im Zusammenspiel mit dem Philharmonischen Orchester abermals reihen Erfolg. U. a. brate er auch ein Werk von W. Berger „Im Sturme“, von Viktor von Woikowsky - Biedau mit Geschick und Geshmack instrumentiert, mit gutem Gelingen zum ersten Male zu Gehör. Dazwischen sang Frau Charlotte Boerlage-Reyers mit ihrer hellen, ausgiebigen Sopranstimme und anregendem Vortrage einige Arten und Lieder, von welchen leßteren Mendelssohns „Aus dem Hohenlied“ (mit Harfenbegleitung) einen ganz besonders eigenartigen Reiz ausübte. Die als treffliche Siterpretin klassischer Musik gelGägte Pianistin Elly Ney - von Hoogstraten gab in der Philharmonie (Freitag) einen „Brahms-Abend“, bei dem sie auch der Eigenart dieses Komponisten voll gerecht wurde. Die verschiedenen Intermezzi, Capriccios, die leihtbeschwingten Walzer, mehrere Sonaten, alles wurde mit tiefem Verständnis wiedergegeben. Besonders machte von den Sonaten zum Schluß die in C-Dur mit ihrem glänzend vorgetragenen Andante den nachhaltigsten Eindruck. Die vollendete Beherrshung der Technik und die bei allem Temperament ges{chmackvolle Abstufung der Lon- stärke des Spiels traten überall hervor. Auch der bet der F-Dur-Sonate mitwirkende Violoncellist Lennart von Zweygberg führte semen Part waer durch und wußte seine Hörer zu fesseln, wenn auch die Tonreinheit bisweilen niht ganz einwandfrei \{chten. Marirx Loevenfsohns Nenheitenabende im Harmoniumsaal brachten am Freitag die erste Aufführung eines Klavierquintetts von Philipp Scharwenka, das mit ungewöhnliher Teil- nahme begrüßt wurde. Der geshäßte Komponist entwickelte auch in diesem neuen Werk eine herzhaft frishe und leihtquellende Er- findung8gabe; eine flare, das Ohr bestrickende Melodik, ein kräftiger Nhythmus zeichneten alle drei Säge aus, die in ihrer gesunden Stimmung und mit ihrem \traffen Aufbau die Hörer andauernd fesselten; an herzlihem Beifall war denn auch kein Mangel. Außer- dem standen auf dem Programm ein Klavierquintett von Désiréó Paque und Leder von F. Weißberg und M. Neger, welche die be- kannte Altistin G. Fischer-Maretßky vortrug.

AmSonnabend trat im Blüthnersaal Milly Wildner, eine begabte junge Geigerin, mit gutem Erfolge auf; sie ver- fügt nicht nur über eine sauber gebildete, hon recht bedeutend ent- wickelte Technik, sondern auch über einen \iheren Vortrag. Das Blüthner-Orchester unter Professor Felir Berbers Leitung begleitete das D - Dur - Konzert von Brahms und ein Konzert von E. Jaques-Dalcroze recht anerkennenswert. Julia Culps an demselben Tage im Beethovensaal: gegebener Liederabend hatte, wie seine Vorgänger, eine ungemein zahlreiche Besucherschar angelockt. Köstlihe Liedergaben waren es auch, die diefe selbsts{öpferishe Künstlerin mit fein abgewogener Vortragskunst ihren begetsterten Zuhörern bot. Die Namen Schubert und Brahms zierten das furzgehaltene Programm, und die vollendete Wieder- gabe der Lieder rief wahre Beifallsstürme. hervor. Mathilde Gilow zeigte sich am Sonnabend im Klindworth- Scharwenkasaal wiederum als eine mit reihen, {önen Stimm- mitteln besonders begabte Sängerin. Ihr weicher, runder Ton von angenehmer Klangfarbe und bis in die höchsten Lagen klarer Reinheit und das zarte, glockenhelle Piano sowie eine bedeutend vorgeschrittene Koloraturfertigkeit kamen eindringliher als bisher zur Geltung und gewannen ihr im Verein mit der anspruchs!osen Art, ih zu geben, aller Sympathien. Freilich geht die junge Künstlerin immer noch nicht genug aus sich heraus und weiß im Vortrage ihr inner- liches Mitempfinden des Gesungenen noch nicht überzeugend genug auszudrüdcken, sodaß darunter die Gesamtwirkung naturgemäß leiden muß. Zum Schluß des Konzerts machte sih das weniger bemerkbar, sodaß eine Arie ausì „La Traviata“ \ich als eine nach jeder Nichtung hin beahhtenswerte Leistung kennzeihnete. Lob verdient auch die deutliche Ausfprache, die das Mitlesen der dem etwas bunt zusammengestellten Programm beigegebenen Uederterte völlig ent- behrlich machte. Als Begleitung hatte Fräulein Gtlow Ae idt, voll teils das Klavier, teils ein Streichquartett bezw. die Klari- nette gewählt. Letder war das Spiel des Pianisten stellenweise etwas zu farblos, und auch die Spieler der Streichinstrumente waren wenig zulänglih, Im Choralionsaal fand, eben- fals am Sonnabend, ein Liederabend statt, den die Altistin Werte Soeu Veranitaliel bhatle: fle trug mit qgut- geshulter Stimme eine große Rethe älterer und neuerer Lieder vor, die sich mit Recht lebhaften Beifalls zu erfreuen hatten. Eine recht tüchtige Pianistin, Vera Epstein-Benenson, brachte zu derselben Zeit in der Singakademie Konzerte von Mozart und Chopin zu Gehör, bei denen sich die Dame der Unterstüßung des Philharmonischen Orchesters unter Dr. E. Kunwalds Leitung versihert hatte. Die perlende Geläufigkeit ihres Spiels fiel ebenso angenehm auf wie der weiche, klangshône Anschlag; der Ausdruck hätte etwas fkräftigere Farben vertragen können. Im ganzen aber fonnte man an den Leistungen der Dame seine Freude haben. Die bekannte Sängerin Grete Hentschel-Schesmer konzertierte am Sonnabend im Bechsteinsaal. Wenn sih auch eine bisweilen \{chwankende Tongebung auch diesmal bemerkbar machte, fo entschädigten dafür die besonders ansprehende Mittellage und die außerordentlich deutlihe Aussprache. Auch der Vortrag zeugte von Verständnis und Empfindung und vermochte zu interessieren. Außer Liedern von Uszt, N. Strauß, Mahler und Schillings sang die Konzertgeberin auch solhe von Cduard Behm, die dieser ebenso wie die anderen Ge- sänge am Klavier begleitete. Der Stimmungsgehalt dieser leßt- genannten reizvollen Kompositionen hätte etwas kräftiger von der Sängerin herausgeholt werden können.

Im Königlichen Opernhause findet morgen, Mittwoch, eine Wiederholung von Méhuls „Joseph in Aegypten“ (Neubearbeitung und Nezitative von M. Zenger) statt. Herr Kraus {singt die Titel- rolle, Fräulein Dux den Benjamin, Herr Fisher den Jakob, Herr Hoffmann den Simeon. In den übrigen Hauptrollen find die Herren Sommer, Philipp und Bachmann beschä|itigt. Der Kapellmeifter von Strauß dirigiert.

Im Königlichen Schauspielhause wird morgen H. Suder- manns Tragödie „Der Bettler von Syrakus" wiederholt.

Das Gastspiel des Deutschen Theaters im Zirkus Schumann am Freitag, den 1. Dezember, bringt das alte Spiel pon „Jedermann“, das Hugo von Hofmannsthal unter Benugzung alter Ausgaben neugeformt hat. Dem Mysteriuum „Jedermann“

stehen zwet erlauchte dase Namen nahe. Aus eîner von Albrecht Dürers wenigen dichterishen Arbeiten, dem innigtiefen Gebet „Be- trahtung auf die Todesstund“ find in der Szene, tn der Jedermann" von seiner Mutter Abschied nimmt, eine Rethe von Reimen 4 geflohten. Von der Hand des Hans Sachs stammt eine der zaPl- E älteren Fassungen des Stoffs „Die Comedi vom stérbend reihen Menschen“.

Die Eröffnung der Kurfürsten-Oper ist nunmehr auf Freitag, den 8. Dezember, Abends 8 Uhr, festgeseßt worden; auf- geführt wird Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windfor“, mit Rezitativen von Dr. Otto Neizel. Die Negie führt Maximiltan Moris, die musikalishe Leitung hat der Kapellmeister Selmar Meyrowiß. Die eung ist folgende: Frau Fluth: Tanta Oumiroff; Frau Reich: Elisabet Zenker; Anna: Helene Selta; Falstaff : Sergej Warjagin; Fenton: Kurt Frederih; Fluth: Konrad von orte Neich: Artur Pacyna; Spärlich: Hans Siegfried ; Dr. Cajus: Willi Kaiser; Wirth: Richard Wissiak. Die Eintritts- pläge zur Eröffnungsvorstelung betragen 5, 10, 15 und 20 4. Vorbestellungen auf Billette werden im Theaterbureau, Kurfürsten- straße 101, entgegengenommen. i: /

Der Mengeweinshe Oratorienverein (Dirigent: Frit Krüger) veranstaltet am 6. Dezember, Abends 8 Uhr, in der Kaiser Wilhelm-Gedächtniskirhe zum Besten der unter dem Pro- tektorat Jhrer Königlihen Hoheit der Prinzessin Eitel - Friedrich stehenden Goßner schen Kletnkinderbewahranstalt eine Auf- führung des Wethnachtsoratoriums von Joh. Sebastian B a h. Mitwirkende find: Maria Knüpfer-Egli, Königliche Sängerin (Sopran), Anna Lange Linden (Alt), Jan Trip (Tenor), Otto Schwendy (Baß), Walter Fischer (Orgel) und das Berliner Symphonieorchester.

„Flammenzeichen“, ein Drama in fünf Akten von Jon Lehmann, erlebte, wie die Vertriebs\stelle des Verbandes deutscher Bühnenschriftsteller mitteilt, am Stadttheater in Eisenach seine erfolgreihe Üraufführung. Der Verfasser wurde mehrmals nach den Aktshlüssen vor den Vorhang gerufen.

Mannigfaltiges. Berlin, 28. November 1911.

Veber das Thema „Schule und Elternhaus“ wird der Oberlehrer Dr. Driesen auf einem Charlottenburger Eltern - abend, der am 30. November, Abends 8 Uhr, im Festsaal des Charlottenburger Rathauses {stattfindet, \prehen, und zwar auf Veranlassung des Allgemeinen Charlottenburger Lehrerinnenvereins (Gruppe der Lehrerinnnen an höheren und mittleren Schulen). Nach dem Bortrag findet eine Aussprache statt. Gäste find auch ohne Einführung willkommen.

Der Kunstverlag von Raphael Tuck u. Sohn in Berlin hat drei Reihen von fein ausgestatteten Postkarten herausgegeben, auf denen Feldblumensträuße wiedergegeben sind. Die Karten pre nach Originalaquarellen Jhrer Könglihen Hoheit der Frau Prinzessin August Wilhelm von Preußen hergestellt. Der Ertrag aus dem Verkauf ist auss{ließlich für wohltätige Zwecke bestimmt. Die vor einiger Zeit von demselben Verlag im Höchsten Auftrage veröffent- lichte Kartenreihe nah Originalen Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Prinzessin Eitel-Friedrih von Preußen hat bisher einen Reinertrag von etwa 1000 #4 erbracht, der dem Preußischen Frauen- und Jung- frauenverein zugeführt worden #|st.

__ Königsberg i. Pr.,, 27. November. (W. T. B.) Die In- sassen des Ballons „Ostpreußen“, die nah ihrer Landung in Windau (Nußland) festgehalten worden waren, find gestern wieder freigelassen worden.

Freiburg, 27. November. (W. T. B.) Heute morgen 4 Uhr 10 Minuten wurde in der oberen Rheinebene ein Erdstoß ver- \pürt, der von leihtem Rollen begleitet war.

Baden-Oo8s, 27. November. (W. T. B.) Das Luft\chiff „Schwaben“ ist heute nahmittag gegen 4 Uhr wieder etn- getroffen und nah glatter Landung in die Halle gebracht worden.

Hamburg, 28. November. (W. T. B.) Zu der angeb- lihen Explosion in der Nähe des gestrandeten Dampfers „Prinz Joachim“ (vgl: Nr. 279 d. Bl.), die neun Mann getötet haben soll, teilt die Hamburg-Amerika- Linie mit, eine Dvnamit- explosion könne nit vorliegen, da der Dampfer keine Explosivstoffe geladen habe. Die Besazung des „Prinz Joahim“ befinde sich laut telegraphischer Auskunft an Bord, und niemand von ihr sei verunglüdckt.

Paris, 27. November. (W. T. B.) Heute begann hier die Versteigerung der Kleinodien des früheren Sultans Abdul Hamid. Der Erlös des ersten Tages beziffert sich auf ungefähr drei Millionen Francs.

_ Madrid, 28. November. (W. T. B.) Die Studenten, die mit der Haltung, welche die Regierung infolge der Ereignisse in Barcelona einnimmt, unzufrieden sind, baben den Generalstreif für ganz Spanien erklärt.

___ Lissabon, 27. November. in dem es gestern aus Anlaß der Ausweisung zweier Chinesen zu Unruhen gekommen war, hat heute wieder fein gewöhnliches Aussehen angenommen.

._ Déva, 27. November. (W. T. B.) Rumänische Bauern, die von Aufwieglern aufgereizt worden waren, drangen bei Nacht mit Aexten in die ungarische Staats\chule der Gemeinde Szent Andras im Komitat Hunyad ein, wo sie Möbel zerstörten und den Schulsaal verwüsteten. Die Aufwiegler batten zu diefen Aus- \chreitungen aufgereizt, weil gegen fie eine Untersuhung wegen Gewalt- tätigkeiten eingeleitet worden war, die sie bei der Schuleinweihung im vorigen Jahre verübt hatten. Die Aufwiegler unternahmen den An- griff auf die Schule, nachdem sie {hon früher versucht batten, durch Bedrohung die friedliche Bevölkerung vom Besuh der Staats- \chule abzushrecken. Da den Behörden ODrohbriefe zugegangen waren, die weitere Ausschreitungen ankündigten» wurde eine Ber- stärkung der Gendarmerie angeordnet.

Mitteilungen des Königlichen Aöronäutischen Observatoriums, veröffentliht vom Berliner Wetterbureau. Drachenaufstieg vom 27. November 1911, 8 bis 82 Uhr Vormittags :

Station Seehöhbe 122 m | 500m |1000m | 1230m | | Temperatur (C °)

0,6 | 2,2 | 3,6 0,0 Nel. Fchtgk. (0/0) | 96 94 94 80 Wind Richtung . O O80 | OSO | O80? Geschw. mps. 6 12 10 ? Himmel ganz bedeckt. Zwischen 1120 m und der größten er- reihten Höhe LTemperaturzunahme von 3,8 bis 0,0 °,

(W. T. B.) Der Teil der Stadt,

Wetterbericht vom 28. November 1911, Vorm. 9} Uhr.

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Witterungs- verlauf der leßten 24 Stunden

Name der s u Beobachtungs-|2 . "Rinde Wetter station stärke

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Bortum ¡6,5 (S 2 Dunst Keitum 7 \SSO 2bedeckckt Hamburg ; |DSO 5|bedeckt Swinemünde SO d\bedeckt Neufahrwasser|/ 775,5 |SSV 4|bedeckt Memel SSO 4wolkig Aachen 765,6 |S 3|bedeckt Hannover 768 3 |[SO 2\wolkig Berlin SO 4sbedeckt Dresden DSO 4\pvolkig_ Breslau OSO 2/[Nebel |- Bromberg SO Zbedeckt

Meg 7664S 2Regen |_ Frankfurt, M. | 768,6 |/SO 2|Dunst | Karlsruhe, B. 3 |NO 2wolkig München D 4\Nebel 770|_meist bewölft Zugsptte 3,2 |[SW 7lhalb bed. 533| meist bewölfkt : | | (Wilhelmshay,) D 2

halb bed. 759 Nachm. Niederschl, Malin Head | 76 cin berwoölkt

(Kiel meist bewölfkt |(Königsbg., Pr. ziemli heiter (Cassel) meist bewölkt | | (Magdeburg) 9 2 \NNO 3\wolkig _3 759) meist bewölft E E E | | | (G rünbergSchl) WSW 3|wolkig | 2 756] = I [ | [(Mülhaus., Els.) 10| 2 761/anhalt. Niederl | |_, |Œriedrichshaf) 10| 4 [760 vorwiegend heiter

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Grisnez Paris Vlissingen _ Helder 6, Bodoe 764,6 |O wolfenl. / Christiansund | 762,1 |SO d halbbed. 1769) Skudesnes 763,7 |SSO 8 wolkig | 767) Vardò 756,9 |[WNW 8 bedeckt |__d5| 0 759 Skagen 768,8 |SSW 6 |bedeckt | 771] Hanstholm | 766,7 |[SSO 3|bedeckt 767| Kopenhagen | 771,1 |S 3|Dunst 771! Stocktholm 773,9 |SSOD 2|bedeckt 777) Hernösand _1744S 2 bededckt | 775 Haparanda _| 768,7 |WSW 4 wolkenl.; 769; Wisby 7747S lbedeckt | 75) Karlsiad | 7715 [SO 2 Regen | 7 Archangel 0 Petersburg | Riga wolkenl.| —6/ v [780|

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Das gestrige Hochdruckgebiet hat weiter zugenommen, sein Maximum über 782 mm liegt über Westrußland und erstreckt seinen Einfluß bis nah Norwegen, Jütland und dem Rhein; ein Tiefdrud- gebiet unter 740 mm südwestlich von Island zieht, ohne bisher Großbritannien zu berühren, heran. Jn Deutschland ist das Wetter überwiegend trübe und im Süden ruhig; im Norden wehen mäßige südöstliche Winde; westwärts des Rheins ist es milder, sonst ist die Wüärmeänderung gering; der Westen hatte verbreitete Niederschläge-

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zum Deutschen Neichsan

Deutscher Reichstag. 210. Sißung vom 27. November 1911, Nachmittags 2 Uhr. (Bericht von Wolffs Telegraphishem Bureau.)

M Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung des Entwurfs eines Geseßes, betreffend Eisenbahnbauten im ofstafrikanishen Schußgebiet.

Gouverneur Dr. Solf:

Meine Herren! Der Zweck der Vorlage über die ostafrikanische Zentralbabn ift die Weiterführung der Linie Daresfalam über Tabora nah den Géstaden des Tanganjikasees. Das Projekt dieser Zentral- bahn, wie es in einer Denkschrift im einzelnen näher ausgeführt worden ift, entspriht einem Wunsche der Budg tkommission und ist die Konsequenz früherer Etatsbewilligungen. Die Zentralbahn, die bis jeßt in Tabora ihren Abschluß gefunden hat, würde h nicht in dem Maße rentieren, wie bet einer Weiterführung dieses Schienengleises nah dem Ufer des Tanganjikasees. Die Länder, die am Tanganjikasee lkegen, waren \ck{on in der früheren Zeit unter der Herrschaft des Karawanenverkehrs dem indishen Ozean tributpflihtig,. Dur dle Weiterführung der Bahn nach dem Tanganjika würde der Verkehr wesentli erleichtert werden.

Die Denkschrift, die Ihnen vorgelegt worden it, erläutert die finanzielle, wirtschaftlihe und technis{e Seite der Unternehmer fo umfangreich und so sorgfältig, daß ih mi im einzelnen auf diese Denkschrift beziehen darf.

Ih möchte dabei hervorheben, daß diese Vorlage nur ein Bau- stein zu dem Gebäude der afrikanischen Verkehrspolitik ist, zu dem mit der Zustimmung des hohen Reichstags im Jahre 1908 das Fun- dament gelegt worden ist. Es gereicht mir zur ganz besonderen Freude, daß diese erste Vorlage, die ih dem hohen Hause im Namen der ver- bündeten Regierungen zu überreihen die Ehre habe, auf die ureigene Arbeit des Herrn Staatssekretärs von Lindeguist zurückzuführen ist der fich gerade dieser Aufgabe mit besonderer Sorgfalt und Liebe ge- widmet hat.

Ich möLte zur Erläuterung nur zwet Punkte hervorheben. Der eine Punkt betrifft eine kleine Unstimmigkeit in der der Denk- [rift beigegebenen Karte. Wenn Sie die Karte übersehen, werden Sie fic {wer mit dem Texte in Uebereinstimmung bringen können, da die nah Süden geführte Linie kürzer zu sein scheint als die jegt gewählte Linie nah Udjidji. Das ist so zu erklären, daß man aus Sparsamkeitsgründen eine alte, in ctwas zu kleinem Maßstabe ge- zeichnete Karte genommen hat. Ich habe eine Karte anfertigen lassen, aus der unzweifelhaft hervorgeht, daß die von uns gewählte Trace, die Ihnen vorgelegt wird, die beste t.

Einen zweiten Punkt möchte ich noch erwähnen. In der Presse find seit einigen Tagen Wünsche bezüglih der Regelung der Ta rife in Verbindung mit der Fortführung der Zentralbahn nach dem Tanganjikasee zur Sprache gebracht. Meine Herren, ih kann Ihnen mitteilen, daß bereits seit geraumer Zeit der Gouverneur von Ost- afrika Crhebungen über diese Tariffragen angestellt und daß er bereits dem Kolonialamt darüber berichtet hat. Es werden Staffeltarife in 9 verschiedenen Klassen eingeführt werden, sodaß den Wünschen der Pflanzer, daß auch die Weißen auf ihre Kosten kommen, in jeder Beziehung Rechnung getragen wird. (Bravo! rechts.)

Abg. Erzberger (Zentr.): Die Vorlage sieht ganz harmlos l enthält aber tatsächlih eine Nachforderung von 52 Millionen Mark?: es handelt fih um einen vershleierten Nachtragsetat. Seit der Staatssekretär Wermvth an der Spiße des Reihöschaßamts steht, sind wir glüliherweife mit Nachtragsetats verschont eite dieser Nach- tragsetat bricht aber mit seinen Grundsäßen, und ich bedauere, daß er in diesem Falle dem Drängen eines Ressorts nahgegeben hat. Wir müssen verlangen, daß für das Etatsjahr ausreichßt, was wir dafür bewilligt haben, und daß nur in ganz außergewöhnlihen Fällen Yacbtragsetats gemacht werden. In der Kommission werden wir die Frage besprehen müssen, ob wir zu dem gefährlihen Weg der Nachtragsotats wieder zurückkehren sollen. Wenn jeyt auch mit Hilfe dieser Borlage durxh die fofortige Fortführung der Bahn ¡7 Millionen erspart werden, wer garantiert uns -dafür, daß wir nicht später wieder 4 bis 5 Millionen zuzahlen müssen, weil die Bahn zu \{lecht gebaut ist? Man kann fich niht über die Sache dadur hinwegseßzen, daß es heißt, für 1912 werde nihts ver- langt, denn wer beute für den Weiterbau der Bahn stimmt, muß \pâter neue Mittel bewilligen, wenn das Geld ausgeht. Tatsächlich bedeutet die Vorlage eine Mehrausgabe von 52 Millionen Mark. Die Bahn Daressalam—Meorogoro ist erst seit 3 bis 4 Jahren fertig- gestellt, und jeßt will man sie vollständig umbauen mit 5,4 Millionen Mark, nachdem \ie erst mit 20 Millionen Mark vor wenigen Jahren gebaut ist. 1906 haben mein Freund Müller-Fulda und ih in der Budgetkommission darauf hingewiesen, daß die ausführende Firma minderwertiges Material verwende. Vom Bundesratstisch erklärte man aber unsere Nachrichten einfach für unzutreffend, und jeßt zeigt nch, daß 5,4 Millionen für die Verbesserung notwendig ind. Gs wird auch in der Kommission die Frage fehr zu prüfen fein, ob nicht der Bauherr regreßpflihtig gemacht werden kann. Erst wenn man überzeugt ist, daß die M ultma ihre Pflicht erfüllt hat, darf man an die Genehmigung der 5,4 Millionen heran- treten. Wie kommt es ferner, daß die Strecke um 50 km kürzer geworden ist, als man vorgesehen hatte; das is doch auch Für afrifanishe Verhältnisse keine ganz kurze Strecke, die man wohl bei den Berechnungen hätte voraussehen müssen. Im Novemberhest des „Plutus“ weist der Abg. Südekum auf einen recht eigentüm- lichen Vorgang bei dem Bau der Otavibahn hin. Cr teilt dort mit, daß die Firma, die die Bahn an uns verkauft hat, und die Bank, die diese Firma finanziert hat, {hon 1901 im Besiße eines interessanten Gutachtens des Sachverständigen Christopher Zames waren, das in Aussicht stellt, daß ein Bahnbau von Dtavi an das Meer herunter sih niht rentieren wird. Wäre dieses Gut- achten befannt gewesen, so hätte der Reichstag sicherlich niht in den 1bscluß des Kaufvertrágs gewilligt. Kaum aber haben wir die Bahn verstaatlicht, da kommt das Gutachten heraus. Aus diesen Gründen halte ich es für absolut notwendig, daß wix in der Kommission in eine Prüfung aller Details der Denkschrift ein- gehen. Ich würde es für grundverfehlt halten, wenn der MNeichstag în einer Hurrastimmung auf diese eingehende Prüfung verzichtete. Ich gebe ohne weiteres zu, daß wirtschaftliche, militärishe und volitishe Gründe für die Fortsezung der Bahn sprechen. In Tabora kann die Bahn unmöglih thren Endpunkt erreidt haben. Ich halte den Bahnbau im deutschen Interesse für nötig, ganz glei, ob Belaien seine Bahn vom Kongo nah dem Tanganjikasee baut oder niht. Finanziell ist es aber notwendig, zu prüfen,

Dritte Beilage

Berlin, Dienstag, Den 28, November

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ob eine angemessene Verzinsung in absehbarer Zeit zu erwarten ist oder nit. Der Grundsagck keine Anlagen ohne Deckung, gilt natüvlich auch für werbende Anlagen. Für einen kleinen Fort- schritt halte ih es, daß, abweichend von dem bisherigen Verfahren, davon abgesehen werden könnte, die in der Bauzeit fälligen Zinsen dem Anleihebedarf zuzushlagen. Ich möchte wünschen, daß künftig immer \v verfahren wird. Durch die Neubauten entstébt eine größere Bélastung des Schutzgébietsetäts von zusammen 117 Millionen Maxk. Dieser Betrag mit 4 9/9 verzinst und mit 0,60% getilgt ergibt von 1915 ab eine Mehrausgabe für Ostafrika von 54 Millionen Mark. Wie sollen diese 54 Millionen Meébrausgaben aufgebracht werden ? Diese Frage bitte ih in ‘der Kommission zu beantworten. 1906 sind dur die Hüttensteuer die Einnahmen um rund 1 Million gestiegen. T1915 rechnet man mit einer weiteren Steigerung um 1,6 Millionen. Ist das ‘die natürliche Zunahme der Oüttensteuer, oder ist darin schon eine Exhöhung „dieser Hüttensteuer enthalten ? Dann wrden immerhin noth 4 Millionen fehlen; wo sollen die her- genommen werden? Der ‘Hinweis auf den Ueberschuß aus 1910 von 4 Millionen Mark \cheint mir das Allerbedenklichste: man darf doch mcht dauernde Ausgaben auf so s{wankende Einnahmefäktoren fundieren. Eine weitere Antwort auf diese Frage finde ih in der ganzen Begründung niht. Eine finanzielle Sicherheit muß doch wenigstens annähernd gegeben sein. Man wird in“ der Kommission eine angemessene Erhöhung der Hüttensteuer ins Auge zu fassen und auf ihre Durchführbarkeit zu prüfen haben. An si ist éine folhe Erhöhung nicht ohne weiteres zu verwerfen, vielmehr hat diese Steuer als Erziehungsmittel der Schwarzen zur Arbeit ihre hohe Bedeutung erwtesen. “Man wird die Erhöhung vielleiht nur in einigen Bezirken und nur in mäßigem Umfange einführen dürfen ; das zu prüfen, wird dem Gouvernement vorzubehalten sein. In den unabhängigen Sultanaten der noch uners{lossenen Gebiete muß mit größter Vorsicht operiert werden; es find Nachrichten hierher ge- drungen, wonach in diesen Gebieten die s{warzen Soldaten der Schutztruppe sih gegen die Eingeborenen böse Vebergriffe erlaubt haben. Man hat auch in weiteren Distrikten von Deútsch-Ostafrika den Eindruck eines Konfliktes zwischen dem Gouverneur und dem Kommandeur der Schußtruppe; der leßtere muß unbedingt dem Gouverneur untergeordnet sein, die Tatenlust des militärishen Chefs darf da nicht allein entscheiden. Lieber als Unzufriedenheit zu erregen, indem man Steuern ausf\hreibt, die nit oder nur gewaltsam erhoben werden können, sollte man mit dem Bahnbau noch ein Jahr warten. Die uns inzwischen zutgegangene Denkschrift über den Fortgang der (Tisenbahnbauten in Vistafrika gibt von der wirtschaftlichen Entwik- kung kein richtiges Bild, weil hier der Verkehr hauptsächlich den Zranéport der Eisenbahnbaumaterialien umfaßt : in Togo, wo zurzeit keine Bahn gebout wird, siebt es mit den Berkehrsziffern sehr \chlécht aus. Was die Tarife betrifft, so muß hier auh den Wünschen der Kolonte endlich Rechnung getragen werden ; wir dürfen eine sub- ventiomerte Linie niht länger in der Gestaltung der Tarife ‘voll- standig frei und unabhängig lassen. Bezüglich der wirtschaftlichen Bedeutung des Projektes kann man ja wohl die gute Meinung der Denkschrift teilen, und meine Freunde teilen sie, fle wollen aber finanzielle Klarheit und wollen namentli nit das bisherige finanz- polîitische Programm des Neichsshaäßamtes aus ‘diesem Anlaß um- geworfen wissen. Ih beantrage die Verweisung des Entwurfs an die Budgetkommisfion.

Staatssekretär des Reichs\haßamts Wermuth :

Ich kann nicht in vollem Maße zugeben, daß die Neichsfinanz- verwaltung in Sachen der Tanganjikabahn einen ungewöhnlichen und unerwarteten Grad von Nachgiebigkeit gezeigt hätte, wie sie ihn leider sonst vielfah zeigt. Jch gebe von vornherein bereitwillig zu, daß das Crmächtigungsgesez, das Ihnen vorgelegt ist, gleichzeitig die Wirkung eines Nachtragsetats äußert, obwohl ich annehmen mödhte, daß nah Lage der Verhältnisse die Form des Ermächtigungsgesetzes rihtig gewählt ist. Ich gebe ferner zu, daß im Jahre 1909 die Ihnen bekannte bestimmte Verständigung getroffen worden ist, wonach zu- nächst einmal das Eisenbahnbauprogramm für sämtliche Kolonien seinen natürlichen Ablauf finden follte, ehe man an neue Unter- nehmungen geht.

Aber, meine Herren, das alles spricht nit gegen die unsererseits jeßt von Ihnen erbetene Ermächtigung, und zwar aus dem Grunde, weil man von vornherein nicht nur vorausgesehen hat, \ondern bestimmt davon ausgegangen ist, daß die Mittellandbahn vom Ozean ab bis an ‘den Langanjikasee gehen follte. Man hat zunächst die Strecke bis Tabora ins Auge gefaßt und dafür die Mittel erbeten. Aber man hat den festen Entschluß gehabt und zwar haben Sie ihn mit uns gehabt —, die Bahn dann weiter fortzusezen, wenn die Strecke bis Tabora fertig sein würde. Das einzig Unerwartete ift, daß diese Strecke verhältnismäßig früh fertig wurde. Daß auch Sie, meine Herren, sih klar darüber gewesen sind, daß die Fortsezung erfolgen werde und zwar alsbald erfolgen werde —, geht aub schon aus dem Etat hervor. Jm Etat für 1911 bei Oft- afrika, außerordentliher Etat, Kap. 1 Tit. 2, heißt es: „Darlehen an die Ostafrikanische Eisenbahngesellschaft zur Fortführung der Eisen- bahn Dares\alam—Mrogoro bis Tabora, 4. Rate, und zu Vorarbeiten für die Fortführung der Bahn bis an den Tanganjikasee.“ (Hört! hört ! rechts.) Man hat also diese Vorarbeiten von vornherein ins Auge gefaßt, doch offenbar mit dem Zweck, die Weiterführung vorzu- neéhmen, sobald man mit dem ersten Stücke fertig geworden wäre.

Daß das nun unter denselben Bedingungen, namentlih auch mit denselben Arbeitskräften geschieht, wie sie für das erste Stück zur Anwendung gekommen sind, ist doch wohl ganz natürli und rihtig. Und daß von diesem Gesichtöspunkt aus eine empfindliche Einbuße entstehen würde, wenn der Unternehmer bloß aus äußeren, aus Etatsrüksihten gezwungen würde, alle seine Arbeiter und Be- amten zurückzuzichen und nach Europa zu übernehmen, daß ist Ihnen in der Begründung zu dem Geseßentwurf näher dargelegt worden. Ich möchte dabei hinzufügen, daß wir niht etwa werden beabsi{htigen können, das Argument der Fortbeschäftigung von Unternehmern und Arbeitern au auf künftige Bahnen auszudehnen. Das würde allerdings eine Folgerung sein, die uns vielfa in eine Zwangslage bringen könnte, eine Zwangslage, der {ih die Finanzen auf feinen Fall unterwerfen würden. Aber hier handelt es fich nicht darum, sondern lediglichÞ um die bereits geplante Fortführung eines einheitlihen Unternehmens. Das {t keine Abweichung vom Pro- gramm, und insofern werde ich allerdings auch fagen dürfen, daß die Finanzen von vornherein darauf gerechnet häben und darauf renen mußten, daß im Laufe der nächsten Pertöde derartige Forderungen an sie herantreten würden.

„daß die Vorlage der Budgetkommission zuerteilt wird.

zeiger und Königlih Preußischen Staatsanzeiger.

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Nun handelt es \sich hier ja, wie mir der Herr Abg. Erzberger gewiß zugeben wird, tatsächlich um eine zweifellos werbende Aus- gabe, für welche nah unseren strengsten Finanzgrundsäßen eine An- leihe zulässig ist. Diese Anlethe {lagen wir Ihnen vor. Es wäre sehr erwünscht, wenn für die Anleihe die ausreichende Verzinfung bereits von vornherein durhaus siher wäre. Kenner der Verhältnisse nehmen das an. J bin durchaus bereit, mich den Zweifeln anzu- schließen, welhe in dieser Beziehung erhoben werden. Aber darum kann “man doch nicht eine derartige werbende Anlage behufs Er- s{lteßung eines ganz neuen Gebietes und behufs Fortführung einer Bahn an ihren natürlihen Endpunkt unterlassen, weil in den ersten Jahren vielleiht noch nicht die erforderliche Verzinsung eintreten wird. Gerade bei den übrigen Bahnen sowohl Deutsh Ostafrikas wie in anderen unter gleichen Bedingungen ftehenden Gegenden hat man die Erfahrung gemacht, daß eben dur die Fortführung die Rentabilität besser wurde, und daß eben deshalb ‘die Anleihen wohl angelgt waren. Ih glaube, das wird auch hier der Fall sein, und wir haben gerade hier feinen Anlaß, pessimistishe Erwartungen zu hegen. Auf alle Fälle sind die Finanzen überhaupt und jedenfalls nah Lage des Etats im gegenwärtigen Zeitpunkt niht mehr geeignet, hiergegen Widerspruch zu erheben. Sie müssen ihrerseits von der Vorausfezung ausgehen, daß Ostafrika allmählich in die ent- stehenden Lasten hineinwahsen wird, wie es auch anderwärts der Fall gewesen ist.

Dabei kann ich natürlich den von dem Herrn Abg. Erzberger in Ausficht gestellten Anregungen wegen Erschließung neuer Einnahme- quellen nur mit lebhaftem Interesse entgegenschen. Aber mit diesem Vorbehalte erlaube ich mir auch meinerseits, Ihnen die Vorlage zur Annahme zu empfehlen. (Bravo! rets.)

Gouverneur Dr. Solf:

Meine Herren! Ich bin zunächst dem Herrn Abg. Erzberger dafür dankbar, daß er \fich der Bahn sympathisch gegenübergestelt hat. Im etnzelnen hat er aber so viele Bedenken geltend gemacht, ‘daß es der Regierung nur erwünscht sein kann, wenn das hohe Haus besSließt, Ich bin der festen Ueberzeugung, daß wir Ihnen in der Budgetkommission nach- weisen können, daß das Schutzgebiet von Deutsch Ostafrika wohl die Finanzkraft befitzt, um die ihr dur dieses Bahnpröojekt aufgelegten Lasten tragen zu können.

Im einzelnen möchte it auf die Bedenken nicht eingehen. Jch halte mih aber verpflichtet, die Baufirma Holzmann und Co. {n Frankfurt am Main gegen den Vorwurf in S@{ut zu nehinen, den der Herr Abgeordnete Erzbergeèr gegen diese Firma er- hoben hat. (Abg. Erzberger: Ih häbe keinen Namen genannt !) Es ist aber so bekannt, daß diese Firma Holzmann und Co. gebaut hat, daß ih hier nicht Versteck spielen kann. (Heiterkeit.)

Also, meine Herren, die Tatsache, daß der Umbau des Scbienen- gleises und der Umbau des Unterbaues der Bahn von Dares\salam na Morogoro notwendig geworden ist, ist niht zurückzuführen auf eine mangelhafte Arbeitsleistung dieser Firma, sondern einfa darauf, daß der Zweck der Bahn ein ganz anderer geworden ist. Diese Bahn ist wie alle Bahnen in der ersten Zeit der Kolonialverwaltung lediglich als etne Stichbahn gébaut worden, hat aber jeßt eine ganz andere Aufgabe bekommen, und der leihtere Unterbau ist jeßt nit mehr stark genug, um den größeren Verkehr zu bewältigen. Das it der Grund, weshalb wir eine Neuforderung für den Ausbau haben müssen, und nicht etwa, daß die Firma Holzmann und Co. die Negierung {lecht bedient hat. Jh halte es für meine Pflit, das in der Oeffentlichkeit festzustellen.

Ueber die übrigen Punkte werden wir in der Budgetkommission des weiteren in Muße verhandeln können.

Abg. Dr. Wagner -Sachsen (dkons.): Der Abg. Erzberger hat ja mit großem Geschick und Fleiß alles zusammengetragen, was man gegen diefe Vorlage ins Feld führen kann. Wenn man auh formelle Bedenken gegen die Vorlage äußern ftönnte, so ist fie doch sicher materiell vollständig begründet. Man könnte höchstens Bedenken erheben, daß man einem {terbenden Neihstag noch im leßten Augenblick eine Vorlage mat, die eine moralishe Belastung des neuen Neichstags bédeutet. Mit guten Gründen hat der Reichstag \einerzeit der eFortfübrung des Programms zugestimmt. Alleidings die Vermehrung der Zinsenlast um 95,5 Millionen für den notwendigen Umbau ist bedenklich. Ob es damals an der nötigen Voraussiht gefeblt hat, will ih nit untersuhen, jedoch bin ich mcht der Meinung des Abg. Erz- berger, daß wir jeßt die Vorlage in einer gewissen Hurrastunmiung annehmen. Sie ist notwendig für die Entwicklung des Schub- gebietes, und fie bringt unter allen Umständen für die Zukunft den allergrößten Nußen. Die Bahn wird, wie wir von dem Stell- vertreter des Staatssekretärs des Kolonialamts gebört haben, sebr bald Uebershüsse bringen, noch viel größer wird der mittel- bare Nußen einer solchen Bahn für die Hebung der Verteidigungs- fähigkeit des Landes, für seine militärishe Sicberheit sein. Hätte man damals in Südwestafrika eine Bahn bergestellt, so bätte man Hunderte von Millionen erfpart und den Aufstand zur reten Zeit unterdrücken können. Eine solde Bahn, wie sie hier vorgeschlagen wird, wird für die Hebung der allgemeinen Kultur, von Handel und Wandel und für die Finanzkraft der dortigen Bewohner von der g'oßten Bedeutung sein. Selbstverständlihß sind wir mit der UÜeber- weisung der Vorlage an die Budgetkommission, nahdem fo viele Zweifel erhoben sind, einverstanden. Ih möchte nur nochG dem Wunsche Ausdruck geben, daß dem einmütig gefaßten Beschlusse des Neichstags entsprechend der Dank für die in den Kolonien Ge- fallenèn dutch Errichtung eines Denkmals bald abgestattet werden möge.

_ Abg. Noske (Soz.): Was das Reih für ein besonders glänzendes Geschäft gemaht hat, als es {ih die Otavibabn auf- schwaßen ließ, darüber werden wir uns später ausführli untérbalten. Niemand hat daran gedacht, daß diese Vorlage bier dem Reiêtag nöoh vor Toress{luß gemacht werden würde, und es ist zweifelhaft ob siè nod mit Muße erledigt werden kann. No it vorigen Jahre hat die Regterung erklärt, daß das ostafrifanis®Ge Schußgebiet mit dem Báhnbau noch fo belastet sei, daß eine weitere Belá lung niht zu verantworten sei. Jett sollen eventuell noch die beiden Gebiete Urundi und Nuanda zum Zwèeck der Verzinsung und Amorti- sation des Bahnbaues zur Hüttensteuer neu herangezogen werden ; das kann leiht dozu fübren, daß fi die itreltbaren Männer dieser Gebiete zu Aufständen in Bewégung seen. Auf Renta-