1911 / 281 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

das in Wirklichkeit \o gestalten wird, ist doch sehr zweifelhaft. Nach detn Entwurf würde der Bundesrat in der Lage sein, sofort nach der Verkündigung des Gesetzes für eine Reihe von Industrien das Erforderliche anzuordnen, während nach dem Vorschlage der Kommission das Inkrafttreten dieser Bestimmung erst dann in Aus- idt genommen werden könnte, wenn die nötigen Untersubungen an- gestellt wären, welch- Ausnahmen gemacht werden müssen. Wir würden also voraussihtlich erst in einer Rethe von Jahren dazu kommen, diese Vorschriften in Kraft treten zu lassen. Jch habe darauf a!fmerksam gemacht, damit nicht die Meinung Platz greift, als ob die Anordnungen glei erlassen werden könnten. Das it un- ausführbar, weil die Verhältnisse in der Industrie verschieden liegen.

Abg. Manz (fortshr. Volksp.): Der Abg. Albrecht hat gegen die bürgerlihen Parteien dieselben Vorwürfe erhoben, wie gestern sein Frafkttonsgenosse Schmidt, daß fie nämlih für die Beseitigung des Elends in der Hausindustrie kein Fnteresse haben. Er mußte doch wissen, daß wir in der Kommission manche Anträge ablehnen mußten, weil es klar war, daß wir der Hausindustrie damit mehr schaden als nüßen würden. Die Herren wollen mit dem Schlagwort Lohn- ämter alles Elend aus der Welt schaffen. Uns liegt daran, die Haus- industrie im allaemeinen durch Beseitigung krasser Mißstände auf einen gesunden Boden zu stellen. Mit Kuren à la Dr. Eisenbart Éönnen wir ihr nit helfen. Den Vorwurf, daß wir durch eine Hintertür die guten Absichten des Geseßes vereiteln wollen, muß ih zurückweisen. Es ist ganz unmöglich, Preis- verzeichnisse over Lohnverzeichnisse für Muster auszuhängen, wenn sie nicht vorher ausprobiert sind. Um Mißverständ- nisse zu beseitigen, haben wir unseren Antrag gestellt. Wenn man neue Muster berausgibt, kann man doch nicht kontrollteren, wieviel Zeit der Betreffende dafür brauht. Man kann nicht eine Mindestzeit festseßen. Die in dem § 3 vorgesehenen Ausnahmen sind notwendig, da es vollkommen unmöglich ist, in manchen Geshäftszweigen, z. B. îin der Spitenindustrie, die Löhne unter allen Umständen vorber festzulegen. Sie müssen Monate arbeiten, bis die Artikel in der Mode sind; erst dann können sie ein lüdcken- lofes Verzeichnis feststellen.

Abg. Giesberts (Zentr.): Wir wollten die Jndustrie niht mit unausführbaren Dingen chikanieren. Wenn z. B. ein Konfektionär eine neue Fasson einführen will, fo läßt er doch, bevor er diese in großen Partien hinausgehen läßt , Probearbeiten, Musterarbeiten talkulieren, um zu feben, wieviel er zahlen kann oder will. Diese Muster- und Probearbeiten lassen sich doch nicht einfach in das Ver- ¿cihnis hineinshreiben. Es geht doch nicht, daß man die Mindest- löhne hineinschreibt. Wir werden vorläufig für den Antrag Manz stimmen ; vielleicht findet fich bis zur dritten Lesung eine Élarere und präzisere Fassung. Unsere Absiht war nur, die Bedenken der Industrie auszuräumen.

Abg. Everling (nl.): Den leßten Ausführungen kann ih zu-

stimmen. daß Muster- und Probearveiten herausgestrichen werden. Unsere Freunde aus der Industrie haben uns durch viele Beispiele glaubhaft gemacht, daß solhe Ausnahmen notwendig find. Gerade die Musterarbeiter sind in threr besonderen Fähigkeit und Geschick- lichkeit die bestgelobnten Arbeiter. Ein Weber sagte mir z. B., er freue si, daß er in den Musterwinkel geseßt worden sei; ih verstand das nicht, und da erklärte er mir, daß im Musterwinkel die besten Löhne gezahlt werden. Wir haben uns in der Kommission “lange gestritten, . aber dann \chließlich dahin gecinigt, den Aushang der Lohntafeln obligatorisch zu machen; aber wir waren uns auch flar, daß das nur geschehen könnte, wenn für gewisse Gewerbezweige Ausnahmen gemaht werden. Denn unsere ¿Freunde aus der Industrie haben uns klargemaht, daß es unmög- lich fei, diese vielen Lohntafeln anzufertigen, daß das geradezu etne Schikanierung der Jndustrie sein würde. Allerdings zwingt uns die Zulassung der Ausnahmen, für die Inkraftseßzung der §S§ 3 und 3a die Kaiserliche Verordnung vorzusehen, denn es müssen zunächst die Bedürfnisse der einzelnen Industrien von der Regierung geprüft werden. Es ist bedauerlich, daß darüber vielleiht ein Jahr hingehen kann, aber wenn wir die Ausnahmen herausstreihen würden, so würden wir damit einen Ueberfall auf die Industrie machen und gerade die Interessen {hädigen, die wir fördern wollen. Der Abg. Albrecht behauptet von dem § 137 a G.O, der das Mitgeben von Arbeit nah Hause verbietet, daß er keinerlei Anwendung finde, es ist mir aber bekannt, daß Handelskammern in Sachsen, z- B. die Kammer in Plauen, die Regierung in Eingaben gebeten haben, den S8 137a zu mildern, da die strenge An- wendung gerade von den Arbeitern unangenehm empfunden werde. Wenn folhe Eingaben gemaht werden, kann man nicht sagen, daß diefer Paragraph überhaupt keine Anwendung findet. Diese Aus- führungen des Abg. Albrecht litten wieder einmal an der alten parla- mentarishen Krankheit: Uebertreibung, Verallgemeinerung, Wieder- holung. Abg. Albrecht (Soz.): Jh mußte den § 137 a anziehen, um zu beweisen, daß immer Geseße gemacht werden, die sich nicht be- währen. In den Berichten der Gewerberäte kann der Abg. Ever- ling lesen, daß der § 137a niht brauhbar ist. Wenn sich Arbeiter darüber beshweren, «daß fie keine Arbeit mit nach Hause nehmen dürfen, so liegt das an der Unwissenheit der Ar- beiter, die immer noch glauben, daß sie in 12 oder 14 Stunden mehr verdienen fönnen als in 10 Stunden. Der Ministerialdirektor Caspar bâlt auch Mindestzeitlöhne für unmöglich, aber in England ift die Frage bereits fo gelöst, daß ein Mindestzeitlohn festgestellt wird, wo ein Stücklohn nicht angegeben werden kann. Alle bürgerlichen Vertreter haben allerdings ihr warmes Herz für die Heimarbeiter betont. Aber folche platonishen Sympathieerklärungen nützen nihts, die Hauptsache ist es, brauchbare Gesetze zu schaffen.

Direktor im Neichsamt des Innern Caspar: Der Abg. Albrecht verkennt den Zweck des Lohnaushanges ; der Arbeiter foll daraus ersehen, was er für eine bestimmte Arbeit zu bekommen hat. Wenn nun ein Zeit- lohn ausgehängt wird, aber nicht feststeht, wieviel Zeit der Arbeiter für die Arbeit braucht, so weiß er doch nicht, wieviel er dafür be fommt. Richtig wäre das nur beim Lohnbuch, aber nit beim Lohn- aushang. Deshalb ift der Eventualantrag Albrecht abzulebnen.

Abg. Dr. Goller (forts{chr. Volksp.): Es wäre mir interessant, von den Sozialdemokraten zu erfahren, vie fie hier bei diesem Muster- buch (der Redner zeigt ein dies Buch vor) Mindestlöhne festseßen wollen. Mit dem Mindestzeitlohn ist dabei gar nihts anzufangen. Jch habe bier cin Dessin (der Redner zeigt eine Leinendecke vor), an der acht ver- schiedene Arbeiterkategorien gearbeitet haben. Bitte, Herr Abg. Stadt- hagen, machen Sie dafür doch einmal eine Lohntabelle, mit der Arbeit- geber und Arbeiter zufrieden sind. Die minimalen Preise sind durch die Konkurrenz des Auslandes bedingt; wir haben folhe Schund- fonfurrenz nicht nur hier, sondern auch im Ausland; ich weiß das aus eigener Erfahrung. Ih möchte nun auf die Angelegenheit ein- gehen, die der Geheimrat Hallbauer hier heute wieder vorgebracht hat. (Vizepräsident Dr. Spahn: Diese Frage aehört nicht mehr zur Debatte. Ein Bundesratsbevollmächtigter hat jederzeit das Recht, gehört zu werden. Sie dürfen erst bei der dritten Lesung auf diese Fragen wieder einachen.) Ich wollte auch nur auf die Ausführungen des Abg. Schmidt über die Löhne der Heimarbeiter eingehen, und von Löhnen is auch bei diesem Paragraphen die Nede. Ih muß energisch dagegen protestteren, daß in der oberfränkischen Haustnduitrie von Abgründen menschlichen Elends gesprochen worden ist. Das is eine ganz grenzenlose Uebertreibung. Wie übertrieben wird, möchte ih nur an einem Beispiel von der Berliner Hetimarbeiterausstellung darlegen. Da war ein großes Plakat aufgehängt, auf dem man in 10 Schritt Ent fernung lesen konnte: „2 Pfennig Stundenlohn“. Wenn man auf 2 Schritte nähertrat, dann fonnte man ganz klein lesen, daß es \ich um eine. 75 Jahre alte und beinahe blinde Arbeiterin handelt. Auf diese Weise bildet man Beisyiele, die dann als Maßstab für \hlechte Löhne dienen follen. Mißstände kommen überall vor, das joll nicht geleugnet werden. Aber wir dürfen fie niht so verall- gemeinecn, wie es der Abg. Schmidt getan hat. Die Angriffe gegen die oberfränfishe Hausindustrie muß ih aufs entschiedenste zurüdck- weisen. Jedem Beispiel für \{chlechte Löhne könnten eine Unmenge

andecer Beisyiele gegenlibergestellt werden, die naweisen, däß die Löhne ganz auskömmliche, relativ auskömmliche sind.

Abg. Stadthagen (Soz.): 2 5 Stundenlohn foll kein zum Himmel“ schreiender Lohn sein. Auch wenn es sich um eine 75 jährige ¿Frau handelt. Ja, Ihr Lachen zeigt mir, wie Sie Arbeiter eintarieren. “In 10 Stunden verdient diese Frau 20 „. Also 20 „4 täglich: Da verstehe ih, wie die Mehrheit des Neich8tags dazu gekommen ift, die Rente. für eine invalide Witwe, wenn die Frau in der ersten Lohnklasse 10 Jahre versichert war, auf 20 K täglich festzuscten. Das sagen dieselben, die sofort dabei find, die Lebensmittel um viel mehr zu- verteuern. Das ist recht bezeihnend für Sie, wenn Sie etnen Stundenlohn von 2. „S nit als einen zum Himmel \ch{hreienden Lohn bezeihnen. Mindestzeitlöhne find sehr wohl mögli. Aber hnen sind das alles böhmische Dörfer. Sie brauen doch nur die englishe Geseßgebung oder die Geseßgebung von Pretoria zu nehmen, Sie haben auch Duytende - von Beisvielen in der Konfektionsindustrie. Der Heimarbeiter foll eben aus den Lohnverzeichnissen und Tafeln sehen, ob ihm gegenüber in dem Preise gemogelt - wird. Fretlih, 2 & Z für die Stunde dürften dann auch nicht einmal für eine 75 jährige Frau gezahlt werden. Den Mindestzeitlohn stellen Sie nur deswegen als unmöglich hin, weil Sie ihn niht wollen, weil Sie fürchten, bei dem einen oder dem anderen rüdckständigen Fabrikanten anzustoßen. 1896 waren es gerade die Nationalliberalen, die ungestüm verlangten, es müsse fofort etwas geschehen; jeßt sind 15 Jahre vorbei, und fie wollen nicht ein- mal obligatorische Lohntafeln zugestehen !

Abg. Schmidt - Berlin (Soz.): Die Löhne in der oberfränki- {hen Hausindustrie sollten doch demjenigen bekannt sein, der dicse Gegend als seine Hetmat bezeihnet; denn das Material ift ihm nicht unvorbereitet vorgetragen worden. Freilich kann man bei den Arbeitgebern und den Kaufleuten die Wahrheit nicht er- fahren, sondern man muß in die Hütten der Heimarbeiter gehen und ih ihre Lohnzettel ansehen. Die Löhne, die Sie hier angeben, werden nicht von einem einzelnen Heimarbetiter verdient, sondern da haben seine Frau und erwahsene Ktnder mitgearbeitet. Die Verall- gemeinerung ist hier geradezu geboten, diese erbärmlichen Pfennig- Iöhne sind leider allgemein, namentlich in der Spitzenkonfektion. Ein Interesse daran, diese schauderhaften Zustände zu leugnen, haben nur die Fabrikanten. Nirgends werden so große Gewinne ein- geheimst, nirgends ist die Ausbeutung der Arbeitskraft so \{ändlich wie in der Heimindustrie. Der Oeffentlichkeit wollen Sie aber diefe elenden Löhne nicht bekanntgeben; hier aber bei dem Aushang der Lohntafeln halten wir Sie fest, da können Sie nicht mehr streiten. Eine Heimarbeiterausftellung kann nicht Durchschnitts-, niht Höchst- und nicht Minimallöhne angeben, sie hat einzelne Beispiele auf gleih- mäßig vorgedruckten Zetteln angegeben, um dem Beschauer einen Eindruck zu gewähren, unter welhen Verhältnissen der betreffende Lohn verdient wurde, wie viele arbeitende Personen dabei mitwirkten, wie alt sie waren usw. Der sächsische Negierungsvertreter hat sich gegen meine gestrigen Ausführungen verwahrt. (Vizepräsident Dr. Spahn: Ih muß hier dieselben Vorbehalte machen wie vorhin.) Na, dann wollen wir mal sehen, wiewett eine Antwort sofort möglich ist. Ich habe mih auf das sächsische amtlihe Material berufen und es zitiert. (Vizepräsident Spa hn: Das können Sie erst tin der dritten Lesung näher ausführen.) Dann füge ih mich diesem Wider- spruh und werde in der dritten Lesung darauf zurückkommen, weil gerade die sächsisde Regierung in der einfeitigsten Weise Stellung genommen hat.

Abg. Dr. Goller (fortshr. Volksp.): Mit Entrüstung muß {ch die Behauptung des Abg. Stadthagen zurückweisen, als hätte ih behauptet, ein Lohn von 2 „Z§ wäre ausreihend. Ich habe das be- treffende Beispiel als ein tendenziöses Beispiel erwähnt und mich jeder weiteren Kritik darüber enthalten. Es handelte sich um den Stundenlohn einer halb erblindeten Greisfin, die vielleiht ein paar Stunden tägli arbeiten konnte. Die Heimarbeit in der oberfränkischen Handweberei weist in der Baumwollweberei längst niht mehr die \{chlimmen Zustände auf, die früher zu einer starken Auswanderung geführt haben. Seitdem find überall mechanische Webereien ein- gerihtet worden, die diese {lecht gelohnten Weber aufnahmen. Diese Industrie ist für die Unternehmer keineswegs fo gewinnbringend gewesen, wie der Abg. Schmidt hingestellt hat. Das Gegenteil ift der Fall, die Jndustrie liegt danieder. Die Sozialdemokraten ver- stehen es eben, einzelne Beispiele zu verallgemeinern und ihnen eine giftige Spitze zu geben.

Es geht ein neuer Antrag Giesberts ein, den streitigen Sah zu fassen wie folgt: „Für das Ausarbeiten neuer Muster gilt diese Bestimmung nicht.“

Abg. Albrecht (Soz.): Wenn dexs Mindestzeitlohn in das Verzeichnis kommt, dann haben der. Arbeiter und die Arbeiterin wenigstens eine Garantie dafür, daß sie für eine aht- bis zehnstündige Arbeitszeit etwas Bestimmtes bekommen. Andernfalls kann der Arbeit geber zahlen, was! erfwill. Der Kollege Goller hat vergessen zu sagen, was die acht Arbeiterinnen für das angeführte Muster bekommen haben, und wielange sie daran gearbeitet haben. Ebenso hat er ver- gessen zu sagen, ob der betreffende Arbeiter, der 67 4 verdient hat, allein gearbeitet hat oder mit seinen Angehörigen, und wie lange Zeit sie darauf verwandt haben. Derartige Beispiele können uns nicht überzeugen, daß die Lage der Heimarbeiter sih verbessert hat.

Abg. Giesberts (Zentr.): Mein Antrag enthält eine Klar- stellung und Verbesserung dessen, was ausgenommen werden foll.

Der Abg. Manz zieht hierauf seinen Antrag zu Gunsten des neuen Antrags Giesberts zurü.

Jn der Abstimmung wird der Antrag Giesberts gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen; die Anträge Albrecht werden abgelehnt.

Zu 8 3a begründet der Abg. Albrecht die geteilten fozialdemokratischen Anträge.

Entgegen dem Antrag Albrecht wird in diesen Paragraphen der Wortlaut des eben zum § 3 angenommenen Antrags Giesberts eingeschaltet.

Nach §8 4 kann die zuständige Polizeibehörde auf Antrag des Gewerbeaufsichtsbeamten hinjichtlih der Einrichtung der Betriebsstätte und der Regelung des Betriebes Anordnungen treffen, was zur Vermeidung nicht gerehtfertigter Zeitversäumnis der Hausarbeiter bei Empfangnahme oder Ablieferung von Arbeit erforderlih und ausführbar erscheint.

Abg. Leber (Soz.): Diese Fassung ist uns nit bestimmt genug: wir beantragen daher, den Eingang des Paragraphen folgender- maßen zu fassen: „Gewerbetreibende, welche außerhalb ihres Betriebes gewerblihe Arbeit verrichten lassen (Hausarbeit), find verpflichtet den Betrieb so zu regeln, daß bei der Ausgabe oder Abnahme der Arbeit den Hausarbeitern keine Zeitversäumnisse entstehen, welche nicht in der Natur des Betriebes begründet sind. Die zuständige Polizei kann“ usw.

Direktor im Reichsamt des Innern Caspar: Der Antrag Albrecht beabsichtigt, den Auftraggeber zu verpflichten, dem Arbeiter die Arbeit ins Haus zu schicken, bezichungsweise sie abholen zu lassen, während der Entwurf davon ausgeht, daß in den Ablieferungsräurmen Zeitversäumnisse vermieden wecden sollen. Ich bitte Sie, den Antrag abzulehnen.

S 4 wird unter Ablehnung des fozialdemokratishen An- trags angenommen.

Die Sozialdemokraten beantragen die Einschaltung eines neuen §8 4a:

Räume, în denen Hausarbeiter mit der Anfertigung, Bearbeitung, Berpackung, Ausbesserung, Reinigung oder Zurichtung gewerblicher (Erzeugnisse beschäftigt sind, find fo einzurihten und zu unterhalten, daß die Hausarbeiter gegen Gefahr für Leben und Gesundheit ge- {ütt sind. Insbesondere müssen die Näume hell, trocken, heizbar und leiht zu lüften sein und mindestens 12 chm Luftraum für jede

wollt o erhebliche

oben mit-

darin bes{äftigte Person enthalten. Zum S{lafen oder Kochen dürfen die Arbeitsräume niht benußt werden.

Abg. Dr. Pfeiffer (Zentr.): Der Autrag enthält in seinen ersten Teil einen vernünftigen und selbstoerständliden Gedanken, geht aber in der weiteren Ausführung viel zu weit. Zu dem Streit zwishen -den Abzg. Goller und Schmidt bewerke ih, daß die Dinge nach den einzelnen territorialen Verhältnissen beurteilt werden müssen. Die Lage der Heimarbeiter ist gerade in den Gebieten außerordentlih trauria, wo die Leute lediglih auf Hausarbeit augewtesen find. Wo die Arbeiter nebenbei Land- wirtschaft betreiben, wo, wie im Norden, jeder Gemeindebürger eine Almende Land erhält, ist die wirtshastlihe Lage ganz anders Der Abg. Schmidt irrte sich gestern darin, daß in einem großen Teil Oberfrankens noch das Truksystem herrs{he, und daß die Arbeiter bei ihren Arbeitgebern in den von diesen unterhaltenen Spezereiläden kaufen müßten. Die Arbeiter kaufen lediglich von den Arbeit- gebern die Rohprodukte, die fie brauchen, z. B. in der Korbmacheret, nirgends dagegen besteht das Truck'vstem ‘in der Weise, daß sie thren Lebensunterhalt bet den Arbeitgebern kaufen müssen. Die Berhältnisse in Oberfranken sind dur die geologishe Struktur des Bodens fo außerordentlich traurig, und das 1st mcht zu ändern. Der Antrag würde die Leute erheblich \{chädigen. Wenn Sie 12 cbm Luftraum vorschreiben, können Sie das ganze Heim- arbeitsgebiet von Oberfranken von Bamberg bis Ludwigstadt an- zünden und kein Haus stehen lassen. Was würden den Leuten pracht- volle Wohnuugen nüten, wenn sie sie niht heizen könnten? In Oberfranken helfen sich ‘die Leute {on selbst und machen ihre Arbeit, wenn es die Jahreszeit irgend erlaubt, überhaupt im Freien. Das ist beser, als wenn man sie in die Fahriken drängt. Der \ozial- demokratische Abg. Pfannkuch sprach sih 1899 für ein gänzliches Ver- bot der Heimarbeit überhaupt aus, aber der Abg. Bebel erklärte sofort am nächsten Tage, daß das “eine Härte und Grausamkeit sein würde, daß man die Heimarbeit nur so erziehen und umgestalten sollte, daß die scheußlihen Zustände aufhören, und von selbst ein geordneter Fabrikbetrieb an die Stelle tritt. Durch Einführung von Be- stimmungen, die kein Mensch erfüllen kann, können Sie die Leute nicht glücklich machen. Sie würden die Heimarbeit nur mit einem Schlage beseitigen. Dice Antragsteller follten ihren Antrag zurück- ziehen. Wir haben schon den Leuten dur Gründung von ‘Genofssen- \chaften mit Erfolg geholfen, z. B. in der Stickerei und Korbmacherei. Die Sozialdemokraten sollten nicht ihr warmes Herz dur übertriebene Forderungen betätigen, die uncrfüllbar find, sondern mit uns schritt: weise vorgeben.

Abg. Albrecht (Soz.): Der Abg. Pfeiffer hätte doch die Be gründung des Antrags erst abwarten sollen. Wir denken gar nicht an die Beseitigung der Heimarbeit, sehen Sie sich doch unseren Heim- arbeiterschußgeseßentwurf an. Unfer vorliegender Antrag ist gar nicht so gefährlich, wie ihn der Abg. Pfeiffer hingestelt hat. In dem zweiten Absatz unseres § 4a besagen wir ausdrüdcklih: „Für Betriebe, die bei Erlaß dieses Geseßes bereits bestehen, sind, solange sie nit erweitert odertwesentlih verändert werden. in bezug auf das Verbot des Schlafens und Kochens nur folche Anforderungen zulässig, die ohne verhältnismäßige Aufwendungen ausführbar sind.“ Damit kommen wir gerade den Befürchtungen, daß. die Heimarbeit unmöglich gemacht werden soll. entgegen. Mit unferer Forderung von 12 chm LWuftraum sind wir nicht unbescheiden. Der Heimarbeiterkongreß hat 15 cbm gefordert. Gerade die Wohnungsfrage ist von fundamentaler Bedeutung für die Heimarbeiter, ich erinnere nur an die Aeußerungen des Grafen Posadowsky. Die Betriebsräume in Kellern, Mansarden- stuben usw. sind so erbärmlih, daß fie oft Pestherde sür ansteckende Krankheiten find. Da muß die Gesetzgebung eingreifen.

Abg. Everling (nl): Der Abg. Albreht hat gesagt, wir hätten für die Heimarbeiter nur eine platonishe Liebe. Die Sozial- demokratie hat eine Bärenliebe zu ihnen. Man sagt von den Bären, daß sie jemand, den fie lieb baben, so umarmea, daß ibm der Atem und das Leben ausgeht. In threm jetzigen Antrage sind die Sozialdemokraten allerdings vorsichtiger geworden. Sie haben zu dem in der Kommission gestellten Antrag noch einen Zusay hinzu- gefügt. Es scheint also, als ob der Verkehr mit den bürgerlichen Parteten sie zu gewisser Vorsicht * gebraht hat. Die Tatsache bleibt aber doch bestehen, daß sie die Heimarbeit beseitigen wollen. Im Erfurter Programm steht ausdrücklich: Verbot der Heimarbeit für Nahrungs- und Genußmittelanfertigung. Wenn Sie die Macht haben, würden Sie in Sachsen die gesamte Zigarrenhausindustrie be- seitigen, sodaß in manchen Dörfern eine wahre Hungersnot ausbrechen würde. Wenn die Tabakarbeiter in Sachsen das hören würden, daß Sie ihnen ihre Betätigung verbieten wollen, fo würden sie schon zu Ihnen sagen: wir werden in unseren Bezirken die Sozialdemokratie verbieten. Wir {afen die Sozialdemok:atie ab, sagte zu mir ein Heimarbeiter. Wir haben bier wieder den Hauptfehler der Sozial- demokratie, diese Gleichmacherci, dieses Bestreben, alles zu mechani- sieren. Abg. Behrens (wirts{ch. Vgg.): Die Bestrebungen dieses An- trages sind mir außerordentlich sympathisch, aber nicht auf die praktischen Verhältnisse zugescbnitten. Wie denken die Herren sich in der Praris das mit dem Luftraum? Derartige Zwangsbestimmungen wurden viele Heimarbeitereristenzen vollständig vernichten. :

Abg. Dr. Fleischer (Zentr.): Dieser Antrag ist nur ein Erdrosselungsantrag. Er zeigt das gute und warme Herz der Sozial- demokratie für unsere Hausarbeiter! Dauach müßte jede Witwe in Berlin in Zukunft eine Zweizimmerwohnung nehmen. Wie soll fie das möglich machen? Etne Handschuhnähertamilie von fünf Personen müßte eift Zimmer von fünf inal zwölf aleih sechzig Kubikmeter Luste raum, also ein Zimmer 6 m lang, 4 m breit und 25 m hoch haben. Durch eine folche Bestimmung würde die Erbitterung der Heim- arbeiter grenzenlos werden. Jch wünsche nur, daß dieser sozial- demokratis{e Antrag jedem Hausarbeiter bekannt würde, dann habe ih feine Sorge, wie sie wählen würden.

Abg. Schmidt - Berlin (Soz.): Die leßte Drohung des Vor redners shreckt uns niht. Die Tabakarbeiter haben stets für ihre ge samte Juduïstrie die Abschaffung der Heimarbeit auf ihren Kongressen gefordert, wir haben uns damit immer einverstanden erflärt, und hat uns das bei den Wahlen nie geschadet. Wenn die Herren sich über 12 chm Luftraum fo entrüsten, fo vergessen Sie, daß selbst in den Ve- fängnissen 15 cbm gegeben werden. In der Tabakindustric sind 10 cbm in der Heimarbeit {hon heute durch Bundesratsverordnung BVor- {chrift, und die Uebertreibung, daß die ganze Tabakindustrie dann zugrunde gchen müßte, ist tn ihrer ganzen Haltlosigkeit zutazc getreten; die Vorschrift {|st durchgeführt worden, und die Industrie besteht weiter. Zahlreihe Betriebsstätten sind fo gefund- heitéshädlih, daß die Behörde eingreifen muß, so die feuchten Kellerräume in den Großstädten und dergleichen. Wie wollen Ste denn das von dem Zentrumskollegen Dr.

Jaeger immer wieder ver langte Wohnungsgeseiz machen, wenn Sie nicht in das Bestehende eingreifen und vorhandene Interessen niht verleßen wollen? In der Nahrungsmittelindustrie herrichen vielfah geradezu ekelhaïte Zustände; auch vom Standpunkte sanitärer Sicherheit uyd aus der &mpsindung für Reinlichkeit heraus muß man unseren Anträgen zustimmen, nit bloß im Interesse der Heimarbeiter selbst, söndern auch der Konsumenten.

Abg. Dr. § die Abgg. Albreht und Schmidt bin ih nicht klüger geworden. Wle Bestimmung wegen des Schlafens und Kochens ist undurchführbar; und die Uebergangsbestimmung, auf die der Abg. Albrecht so viel Wert legte, gibt nur zu weiteren Schwierigkeiten Anlaß.

Der Antrag der Sozialdemokraten wird abgelehnt.

8 6 bestimmt u. a., daß die Polizeibehörde anordnen kann, daß Räume, in denen Nahrungs- oder Genußmittel hergestellt oder verarbeitet werden, zu bestimmten anderen Zwecken nicht benußt werden dürfen.

Pfeiffer (Zentr.): Au nah der Begründung dur

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(Schluß in der Zweiten Beilage.)

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(SPluß aus der Ersten Beilage.)

kj ç vet A dieser Pufus Neat (Soz) befürwortet einen Antrag, wonach Vläbtuae 0s Gere „Sassung erhalten soll: „Räume, in denen werden, dürfen zu M mittel hergestellt, bearbeitet e LESPURE geradezu unbe vei 1 Zwecken nicht benußt werden. ,_Es sei noch eine Stimme e he N lh gegen ein folhes Verlangen Atbéiter L E e en könne. Sei es etwa der Gesundheit der Raumen, wo Sea E Fabrikate zuträglih, wenn in denselben gefocht, gebaden, géwaschen, geihlafes werbe o OHDE f 2 ar Sie der OaugEarbeiter, sondern ‘au : Sc L D All éieinbeit dr Békämpfung der Epidents uh zum Schuße der 2 gemeinheit, zur lea Mb EY vemten und der anstedenden Krankheiten sei ein u /e8 —CTo0l nolwendig, gleichviel, ob es in einzelnen Fällen praktisch auf Ge Berbot der Heimarbeit herauskomme. die sfentliche Gese, L na ente) Der Gen Absicht, die für tégi-§.€ [don durch \cinoatbrtee Bett E 1 Dea, Solo‘ vir 0 L L rigen Borschriften durchaus Rechnung. dem betreffenden Naume rISI Pon Kaffcebohnen befaßte Familie in r Gg LeN laume etnen Kanarienvogel nicht singen lassen oder e E in diesem Raume nicht einnehmen ? . 55 dea B Beh Diese Gefahren zu bekämpfen geben wir O Daltütnilärien Qo ist weckmaßtger als der Antrag. Verbot hinauslaufen. Ste wle Es v: Ee O A0 De B, Ole zu en mit einem Federstrih eine ganze Roe S Ei rotlos machen, die tatsählich nicht in O geen Tonnen. JFhr Schritt ist nicht sozialpolitisch, l dern hart unt graul}anm. gatorises Gs er G armer-Zieserwiß (dkons.): Ein obli- Weise belasten. die der Zee cuihei, winde die Heimarbeiter in einer Mie woe A D ves dieser Bestimmung direkt widerspricht. S n ( “ly LOU) Di nl & eimarbeitern helfen. fre ats Ce M e (So) Vie Polizei ist in der Negel von den g Ane n fo E bängig, daß sie außerst selten einschreiten wird. G G. s er (S oj): Ich kenne Arbeitsstätten im thüringischen trt B denen eine lo shledte Lust berrscht, daß man zurücck- G eC, wenn man hie betritt. Achnlih sind die Verhältnisse in Cen Kon. Dle Peimarbeiter wandern zu Tausenden nah aus. Zarum baut man nit lieber Fabrikeu, um in ihnen er zu beschäftigen ? ehrens (wirtsch. Vgg.): Dur Ihren Antrag wird eht nihts errcicht, denn er enthält nur ein Verbot der * Antrag wird abgelehnt. ‘tmnem weiteren Antrag der Sozialdemokraten soll 900 eingeschaltet erden, wonach auf Antrag von rveern oder ihrer Drganisation das Gewerbegericht als gunggant für En Bezirk seiner Zuständigkeit die Lohnsäße K b Die es „angerufen hat, ur eine bestimmte «Dauer fesizujegen hat. Wo kein Gewerbegericht besteht, follen zu diejem Zwecke Kommisstonen gebildet werden. Die Lohn |aße durfen nicht niedriger festgejeßt werden, als die in den

„xabrifen und

Werkstätten für entsprehende Arbeit gezahlten

nmigungsamt

Fn der Debatte verbunden wird hiermit der von den Abg. 11s, Cverling, Manz, Henning (dkons.), Dr. Pieper (Zentr.) nidt - Altenburg (Rp.) eingebrahte Antrag auf Ein 1g einer Reihe von Paragraphen, die dem Bundesrat die Vesugnis geben, für bestimmte Gewerbzweige oder für vesttmmte Teile des Neiches, in denen Hausarbeiter beschäftigt werden, die Errichtung von Facha usschüssen beschließen zu connen. le Kompelenz diejer ¿Fachausschüsse und ihre Zu |sammen}eßung wird in diesem Antrag im einzelnen geregelt. vanach sollen die Fachausschüsse im wesentlichen eine qut chtliche Funktion ausüben. Ein Antrag Oeser, Traeger, Naumann, Potthoff will den ntrag dahin erweitern, daß der Fachausshuß beim Bundesrat veantragen fann, daß für den Gewerbzweig des ganzen Bezirks der, Cl les des Bezirks auf eine bestimmte Zeitdauer Veindestlöhne festgeseßt werden, wenn sie in einem Tarifvertrag vischen (Gewerbetreibenden und Hausarbeitern des Gewerh- eiges und Bezirks vorgesehen sind. Abg. Göhre (Soz.): Von der Annahme unseres Antrags wird ingen, ob das Gesetz überhaupt einen Wert- für die Heim- ird oder nicht. Alle Anforderungen, die in hvgienischer ung an die Arbeiter gestellt werden, kosten Geld. Woher sollen das nebmen? Ste müssen hnoch mehr arbeiten, müssen an ibrer eldung }paren, den Shmachtriemen noch fester anziehen. Jch war junger Geistlicher lange in einem \ächsishen Weberdorf, ih kenne Berhaältnisse dort, die Not ist groß. Wie kann die sächsische Ne- Behauptungen aufstellen? Die Strafbestimmungen lauten auf 30 Geldstrafe, - auf Heimarbeiter gibt es aber Strafen von 2000 H, da gibt es 4 Wochen, 6 Monate bringen eine ganze Menge von Leuten, die die ßnahmen nicht durchfeßen fönnen, notgedrungen ins den wirtschaftlih entfräfteten Heimarbeitern tritt ein u8, die bürgerlich Entehrten. Alle die Verpflichtungen, dite ebern aufe!lcgt- find, ändern nichts an den eleñden Löhneù. : Wirkliches für die Heiinarbeiter {hafen wollen, müssen Sie die oder Tarifämter in irgendeiner Form inbringen. Die Fachausschüsse, wie Sie sie schaffen wollen, jen ganz in der Hand der Behörden. Hier zeigen Sie Ihr gutes ; für die Heimarbeiter genau so wie bei der Neidsversicherungs- ung, wo Sie cimarbeiter in die Landarbeiterkasjen Arbeiter zweiter Ordnung binetngebracht haben. Und was die Fachaubschüsse für Aufgaben Wünsche follen -sie min, Gutachien, Anregungen geben, Vorschläge machen und ieglich foll dec Abschlu) von Tarifverträgen erstrebt werden. lind alles Worte, uicbts als Worte, taube Nüsse, Steine statt Die Heimarbeiter haben in threr Resolution in allererster gerade die Lohnämter gefordert, alle anderen Forderungen umen erft in zweiter Linie. Charakteristisch ist, daß Professor Wilbrandt das Urteil gefällt hat, daß das Gesey so, wie es ist, ein an Hilfe ganz armes Werk sei. Aehnlich hat sih' auch Minister von Veriepsch geäußert. Nur die Arbeitgeber sind mit aller Energie gegen das Lohnamt. Sie haben sogar einen Petitionéssturm“ los sie protestieren sogar geaeu die Fachaus|hüsse. Selbst das it den Herren zubtel,- ibnen ist álles zuviel. Sie selbst sid rganijiert, ‘aber wollen die Organisation der Heimarbeiter ver &ndern, damit sie weiter fronen müssen. Die Unternehmer wollen den jeßigen Zustand brutalerweise aufrecht erhalten, um die Heim itbeiter ausbeuten zu fkönuen, um ibren Lohnwucher zu ‘treiben, den bar böchsten Mebrwert berauszuschlagen. Die einzige Forderung, wirksam ist, namlih die Lohnämter, treten sie mil Füßen. dit bei den Freisinnigen gibt es ja -in diesem Punkte zwei Parteien, Partei Naumann und eine Partei Manz- Auch der“ Hantsabund

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Zweite Beilage zum Deutschen Reihsanzeiger und Königlich Preußischen Staatsanzeiger.

1911.

Berli

o es sih um Hunderttaufende von elenten Arbeitern handelt, der Vansabund versagt, so können sih die Leiter dieses Bundes nicht wundern, daß das Vertrauen der Arbeiter zu seinen Zielen nit \onder- 2s gr03 1k. Am erstaunlichsten freilich ist der Umfall deé Zentrums, A Mar uit Gee Guncedecheit für die Lohnämter | eintrat. - lichen Gewerkschaften“ haben beim Neichstag- für die Lobn- amter vetitioniert, der Abg. Giesberts steht mit Stegerwald unter dieser Petition ; das Zentrum aber, zu dem avch der Abg. Giesberts gehört, stellt sich jeßt auf den entgegengeseßten Standpunkt! Warum are L auf die. dringenden Borste llungen seiner eigenen gere, Jelner eigenen Wähler * Der Kollege Fleischer meinte, der antrag ei in der Kommission abgelehnt, und es sei im Plenum feine Mehrheit daïür. Jt das ein durchschlagender Grund? ün der rommishon fiel der Zentrumsantrag mit 13 gegen 13 Stimmen, weil mein Freund Molfkenbuhr zu spät kam, sonst . wäre. er angenommen worden. Ist das ein Grund für--das Zentrum, nun im Plenum um- ¿ufallen - Vas glaubt Ihnen kein Kind, das glauben Sie selbst nicht. Und warum joll cs keine Mebrheit im Plenum geben2 Das Zentrum brauchte, da- es unserer Fraktion in dieser Sache sicher ist, nur seinen Einfluß auf die Herren rechts etwas weiter auszuüben. Seit die Konservativen den Krach mit dem Reichskanzler gehabt haben .…. (Präsident: Daz cagut gn doch nicht inehr uit der Hetmarbei zusammen.) A le Furcht, keine Mehrheit zu finden, brauchte Sie nicht zu veranlassen, das Lohnamt ohne weiteres fallen zu lassen. Und was die Negterung betrifft feiner anderen Partet wâre es ja doch mögli gewesen, fo rasch eine Aende ing der Gesetzgebung in bezug auf den Grwerb von Kolonien durchzusetzen, wie dem Zentrum : teiner Partei würde es leihter werden, auch in der Hausar beits- frage den Widerstand der “Regierung gegen die Lobnämter zu brechen, wenn es ernftlich wollte. Auch in Frankreich bat {on im vorigen Jahre die Regierung eine - entspre hende Vorlage aemadt : in Vesterreib ist dies seitens der Negie rung in diesem Jahre gesehen ; nach dem Muster von Austraiien haben Wiéconsin und æL(nnelota thon vor zwei Jahren die Lohnämter eingeführt. Der Ge- danke bricht sih also unaufhaltsam Babn : es kann als erprobte, ausgereiste Einrichtung gelten. Die Erfahrungen in England find die allererfreulichsten: auch das Moment der Konkurrenz hat da seine Bedeutung gaänzlih verloren, während es bei uns immer und immer wieder gegen die Einrichtung ausgespielt wird. In diefer Be- ztehung Ut ganz befonders die Haltung der säcsishen Industriellen, die Helmardeitec beschäftigen, charafteristisch : sie halten mit größter Cifersucht darauf, daß über die: erbärmlichen Löhne der sächsischen Oetmarbeiter nichts bekannt wird. Die sächsischen Industriellen sind es auch, die darauf gedrückt haben, daß auf der Dresdner Hyatene- an's\tellung keine Heimarkeiterauestelluna stattfand. Von dieser Seite erfolgte auh die Einwirkung auf das Metropoltheater, das Lied von der haloen Mark der Blumenarbeiterinnen von der Bühne ver \{hwinden zu lassen. Daß die Lohnä einen unzulässigen sozialistishen staatlichen Einariff in die Lohúfestsezung dar- stellen, ist binfällig. Im Kaligeseß sind ganz ähnliche Be- \ltmmungen festgelegt. Das f\ch{lagendste Argument gegen jene Behauptung ist doch aàber unsere gesamte Schutzzollgefetz- gebung und ihre Krönung, die Ausfuhrprämie. Wenn wir jeßt Lohnämter für die Aermsten der Armen fordern dann jagt man uns : Hände weg ist eine sozialistishe Maßregel. Die Verren vom \{warz- blauen Block haben aber fo viel bei den Wablen zu verlieren, daß sie sich noch in leßter Stunde überlegen sollten, ob sie uns nit die Lohnämter konzedieren sollten. Ich komme zum Schluß. (Ironischer Beifall rets.) Es ist nit meine Sch(uld, daß ih erst gegen 6 Uhr zum Wort gekommen bin: aber id will [chließen. (Grneutêr ironisher Beifall.) Nun, dann komme ih nit zuin Scbluß. Es läge doch in Ihrem Sinne, die Heimarbeiter wirtschaftlih fo zu stärken, daß sie Ihren Zwecken willfähria werden. Benußen Sie doch das ‘Lohnamt als \fozialistisches Kampf mittel gegen uns. Ih appelliere aber an Ihr Mitleid und «Fhre christlihe Barmherziakeit. Ucben Sie siè gegenüber diesen Aecrmsten niht bloß mit Worten, sondern au mit Taten. Der unter die Näuber Gefallene des Gleichnisses vom barmberzigen Samariter ist für uns beute der Heimarbeiter. Im Namen von Ounderttaufenden unserer ärmsten Volksgenossen, die so s{chwach sind daß fie selbst niht den Mund austun können, flebe ih Sie an: Geben Sie thnen das Lobhnamt, dann ist ibnen geholfen. h

QuhnZimto namster

Stellvertreter des Reichskanzlers, Staatssekretär des Jnnern Ny N ck» | L 41 A, B s Br. Delbrü ck: Y 7 M Thy “iy M dn A219 . aas Um 71/5 Uhr wird Vertagung beantragt und beschlossen. Nächste Sißung Mittwoch 1 Uhr. (Fortsezung der eben abgebrochenen Beratung : zweite Lesung der Vorlagen betreffend die Aufhebung des Hilfskassengesetzes, und betreffend die Versicherung der Privatangestellten.)

Handel und Gewerbe.

M „3 8 F y 5 Ç (Aus a Ver Reichsamt des Innern zusammengestellten „Nachrichten für Handél und Industrie“.)

Winke für die Ausfuhr nach Chile.

_Es wird in Chile allenthalben darüber geklagt, daß deute Geschäftsleute, wenn sie, sei es aus freien Stücken, oder infolge an sle ergangener Aufforderuna, Angebote nah dem Nuskand geben lassen bet Uebersendung threr Kataloge und Muster nit sogleich die nôtigen Erläuterungen, auf Grund deren erst ein Auftrag erteilt werden kann, dem Interessenten an die Hand geben. “T

. __ Niemand, der Geschäfte nah dem Ausland zu machen wüns{t ollte unterlassen, seinen Angeboten folgende Einzelheiten sofort velzutüpen: 1) äußerste Preise, 2) Zablungébedingungen (sie müßen möglihst den Gewohnheiten des Landes, nah dem der Ervort fübren O angepaft sein), 3) mäglichst genaue Angabe der Gewichte und Maße, um die Fracht berechnen zu können, 4) wenn es nit aus der Natur der anzubietenden Artikel von selbs hervorgeht, Angabe der einzelnen Bestandteile zur Berehnung des Zolles, 5) genaue Angabe der Lieferzeit, 6) Angabe der Kommission, wenn es \ich um dur Agenten zu vermittelnde Verkäufe handelt.

__ Dadur, daß derjenige, der als Käufer oder Agent auftreten will, zur Grlangung der Verkaufsbedingungen, weil sie eben der Erxvorteur seinen Katalogen nit glei beigegeben bat noch einmal zurückfragen muß, verliert er viel kostbare Zeit. Es geht ibm des- halb in vielen Fällen “die Lust ab, beim deutschen Lieferanten zu bestellen, und er zieht die Annahme der gleichzeitig eingeforderten englischen und nordamerikanisden Añgebote vor, worin ibm alle“ wünshenswerten und für ibn notwendigen (Frläute- rungen ganz «von selbst sofort vorgelegt werden. Es darf nicht außer aht gelassen werden, daß dur Rükfragen von Ueberses bis zum Eintreffen der Antwort meistens min- estens 10 bis 12 Wochen eingebüßt werden, und daß dann ent-

*) Wegen verspäteten Einganas de gen verspi ganas des Stenogramms kann die Rede des Staatssekretärs des Innern Dr. Delbrü erst morgen im Wort:

Utt gegen die Lohnämter auf, das erklärt allerdings, wie eine solche rnwalt,, Î “s N 9 ey . L eh D E Spaltung bei den Freisinnigen entstehen Tonnlke. Wenn gerade hier,

laut mitgeteilt werden,

weder der Artikel aus der Mode ist, entspriht, oder auch,

oder der Iáhreszeit niht mehr p i da er eben {nell gebraucht wurde, in der Zwischenzeit anderweit bestellt worden ist. Auch ist es“ zur Hebung des Exports notwendig, daß sich der inländische Geschäftsmann über alle Kleinlihkeiten hinwegseßt und etwas mehr tas Groß zUgige des Nordamerifaners und Engländers annimmt, denn durch largwierige, oft ins fleinliche gehende Verhandlungen vor Annahme eines Auftrags werden die Kunden im Ausland vielfach ungeduldig. Einmal vereinbarte Lieferzeiten sollten stets genau eingehalten und anfangs offerierte und in Auftrag genommene Maße, Farben, _ualitäten usw. niemals eigenmädbtig durch andere auch nur im mindesten abweichende erseßt werden, solange man nicht den Charakter des Kunden ganz genau kennt, da sonst, besonders zu Schikanen gé- netgte Leute, zu leiht Grund finden, die Waren zur Berfügung zu stellen. _Ínsolge der langwierigen und fostspieligen Gerichtëbarkeit in den meisten überseeishen Ländern zieht dann der Lieferant immer den kürzeren. (Bericht des KaiserliGen Generalkonsulats in Valparaiso.)

Konkurse im Auslande. Galizien.

Konkurs i eröfnet über das Vermögen des Drudereibesitzers Adolf Haber in Oswiecim mittels. Beschlusses des K. K. Kreis- gerihts, Abteilung 1V, in Wadowice vom 11. November 1911. Ar. M S. E T Provisorisher Konkursmasseverwalter: Advokat r. LUdw1( attorowéftt tn Osrwitecir N 1fah §' î Wahl des Í definitiven a bena E N En oi, Vormittags 10 Uhr. Die Forderungen sind bis zum 28. Dezember 2 De | g | „le Forderungen sind bis zum 28. Dezember E vel dem K. K. Bezirk2geriht in Oswiecim anzumelden; in der

nmeldung ift ein in éwiectm wohnbafter Zustellungsbevollmächtigter nambaft zu machen. Liquidierungaëtagfahrt (Termin zur Feststellung der Ansprüche) 5. Januar 1912, Vormittags 10 Ubr.

Konkurs ist eröffnet über das Vermögen des Kaufmanns Josef Feuerstein in Dobczyce mittels Beschlusses des K. K. Landes- ivilgerichts, Abteilung V1, in Krakau vom 12. November 1911 r. Cz. S. 0/11. Provisoriiher Konkfursmasseverwalter: Advokat Dr. Ludwig Lipinéki in Dobezyce. Wahltagfahrt (Termin zur Wahl des definitiven Konkursmasseverwalters) 24. November 1911, Vor- mittags 10 Uhr. Die Forderungen- sind bis ¿zum 12. Dezember 1911 bei dem K. K. Bezirksgeriht in Dobczyce anzuinelden; in der An- meldung ist ein in Dobczyce wohnhafter Zustellungsbevollmächtiater namhaft zu macen. Liguidierungêtagfahrt (Termin zur Feststelluna der Ansprüche) 20. Dezember 1911, Vormittags 10 Ubr. Z

Wagengestellung für Koble, Koks und Briketts

Gestellt. . « 28006 Nicht gestellt , 781

__— Der Aufsitsrat der Brauerei Gebr. gesellschaft beschloß, den Aktion 20. Dezember d. I. stattfindenden Generalv gelaufene Geschäftëjahr 1910/11 die 16 9/9 vorzuschlagen (i. V. 1509

Laut Meldung des „W. Canadian Pacific-Eiser die Ausgaben 6 526 887 Dollar! auf 4 631/104 Dollars. Das nahme von 175 944 Dollars.

New York, 28. November. (W. T. B.) D

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(T F PST C26 A UTTCLDOT

.“ betrugen die Einnahmen der

ahn im Oktober 11 207991 Döllars, z°-winn beläuft fich also

1 ODftober 1910 eine Zu-

er Wert der in

C etrug 19 780 009

der vergangenen Woche au8geführten Waren Dollars gegen 17 570000 Dollars in der Vorwoche. _ Santos, 27. November. (W. T. B.) Die Surtaxeeinnahmen sür die Sao Paulo-Kaffeezollanleibe von 1908 ergaben für

de Az 9% his 95 M i Bfd. S die Zeit vom 20. bis 25. November 1911: 38 600 Pfd. Sterl.

Liquidationskurse November 1911: 309% Preußische Konsols 82 L tinishe 50% Anl. 1890 Chinesisbe 5 9% Anleibe 1898 933, Japanisce L Rente 101, Portugiesische

1880 92

Boldrente 93, Un Stadtanleihe 1034, Lübeck Eifenbabn 1232, Elektrisbe Hol bahn 193, Hamburger Straßenb attlien Lt. B 2433 Oef OrientalisWhe Eisenbahn

Warschau-Wiener 183, ( l

2433, Pennsylvania 121, Anatolier 60% 1133 Gottbärd bahn —,—, Ftalienis{be He Mittel meer 804, Luxemb. Prince-Henri Eftséenbah: , Hambura - Ames rifanishe Packetf. 1372 Hansa ciffgeî. 195 D rbdeutiSer Lloyd 11021 Berliner Handelsgesellschaft ‘Coniridez-. 16h Tarn A, 171 (TN E A R. e

Discontobank 117! Varm|städter Bank

2634 , Diskonto-Kommandit-Anteile 1921, !

Nationalbank für Deutschland 128, Oesterreihis

VésterreichisWe Wnderbank 138, Petersburger Handelsbank 2134, Russische Bank für aumärt

U. Cchaaffhaufen'\der Bankverein 1352, Wiener a

1363, Wiener Unionbank 158, Allgem. Elektricitäts

2622, Aumey Friede 192, Bohumer Gußstabl 2282 Deuts& Luremburg Bgw. 1914, Deuts{-Uebersee. Elektr. 1802 Dynamite Trust 189 Clekt. Licht- u. Kraftanl. 1343, GelsenkirGen Bergw. 1908 Geî. F elektr. Untern. 182, Harpener Bergbau 1914, Hobenlobe Merke 208, Laurabütte 177} Oberschl. Eisenbabnbed. 107, O verle. Eisen-f. Caro-H. 91}, Phönix Bergb: 3, Rheinische Stablwertke 1721 Rom- bacher Hütten 1843, SGuckert Elektrizität 1613; Siewmons uy. L 241, South West Africa 160, Russishe Banknoten 2164.

Mittel- Qu I

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1am Tr +4 ck außswarttaen

Berlin, 28. November. Marktvreis i

E , 29. Hlovember. Marktvreise nad Ermittlun Königlichen Polizeipräfidiums. (Höchste und niedrigste Preise L Doppelzentner für : Weizen, gute Sorte+) 20,40 4, 20,38,6. l

Ç 2 c L O 20 O Q n.2 p E din 2 STRIENIOETE) ) 20,32 sé, 20 28 #6, M Weizen, geringe Sorte}) 2024 #6; N A. M Roggen, gute Sorte?) 18,15 #, 18,14 #. gen Mittelforte+) 18,1 3 M, 18,12 M. Roggen, geringe Sorte*) 18,11 6, 18,10 MÆ. FFuttergerite, gute Sorte) 19,60 #, 1900 M. Fultergerste, PViittelförte*) 18,90 #, 1840 #4 Ku

geringe Sorte*) 18,30 4, 17,80 . Hafer, gute Sorte*) 20,40 20,00 6. Hafer, Mittelsorte*) 19,90 #6, 19,50 6. k