1892 / 109 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

‘Angekommen:

Seine Excellenz der commandirende General des TX. Armee- Corps, General der Cavallerie Graf von Waldersee, E Ita! Seiner Majestät des Kaisers und Königs, von Altona.

Nichtamtliches.

Deutsches Reich.

Preußen. Berlin, 7. Mai.

Seine Majestät der Kaiser und König begaben Sich gestern Vormittag um 113/ Uhr nach dem Stadtschloß in Potsdam und nahmen dortselbst die Meldung Seiner Kaiser- lihen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen, welcher anläßlich Höchstseines Geburtstags zum Second- Lieutenant im 1. Garde-Regiment z. F. ernannt worden, entgegen. Unmittelbar darauf übergaben Seine Majestät Höchstdenselben dem im Lustgarten aufgestellten genannten Regiment. Jm Anschluß hieran fand eine Ehrentafel im Stadtschloß statt. Nachmittags unternahmen Seine Majestät einen Spazier- gang im Park von Sanssouci. Nah der Abendtafel verabschiedeten Sich Jhre Königlichen Hoheiten der Großherzog von Hessen und bei Rhein und der Prinz Heinrih von Preußen gelegentlich Höchstihrer Abreise von Seiner Majestät.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Hessen hat heute Vormittag von Potsdam die Rückreise nah Darm- stadt angetreten.

In der am Donnerstag unter dem Vorsiß des Vice- räsidenten des Staats-Ministeriums, Staatssecretärs des Innern Dr. von Boetticher abgehaltenen Plenarsizung be- {loß der Bundesrath, der vom Reichstag dem Reichs- kanzler zur Berücfsihtigung überwiesenen L des Waldeck-Vereins zu Friedland wegen reihsgeseßlicher Regelung des Vereins- und Versammlungsrechts und der Eingabe des Magistrats einer Stadt, betreffend die in einem Bundesstaat ab- gelehnte Zwanasvollstreckung wegen rüc{ständiger Gemeindc- steuern, keine Folge zu geben. Die Petition des Aufsichts- raths des internationalen Vereins der Gasthofbesizer wegen Verbesserung der handelsrehtlihen Stellung der Gastwirthe wurde dem Reichskanzler zur weiteren Behandlung übergeben. Mit der Vorberathung der neuen Bearbeitungen des Bahn- polizei-Reglements für die Eisenbahnen Deutschlands, der Bestimmungen über die Befähigung von Bahnpolizei- beamten und Locomotivführern, der Signalordnung ir die Eisenbahnen Deutschlands, der Normen für die Construction und Ds der Eisenbahnen Deutschlands und der Bahnordnung für deutsche Eisenbahnen untergeord- neter Bedeutung wurden die Ausschüsse für Eisenbahnen, Post und Telegraphen und für das Landheer und die Festungen beauftragt. Endlih wurde über die Seiner Majestät dem Kaiser wegen Beseßung der im RNeichshaushalts-Etat für 1892/93 neu vorgesehenen beiden Rathsstellen bei dem Reichs- gericht zu unterbreitenden Vorschläge Beschluß gefaßt.

Heute traten die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr zu einer Sigung zusammen.

Laut einer Bekanntmachung in Nr. 31 des Reichs-Geseß- blatts von 1891 (vergl. auch „Mittheilungen der Kaiserlichen Normal-Aichungs-Commisston“ Nr. 17) sind seit Dezember v. J. Aräometer zur Bestimmung der Dichte von Mineralölen (Petroleum jeder Art oder Herkunft und dessen Producte, wie Benzin, Naphta, Leuchtöl, Schmieröl und Destillate aus Braun- Tohlen- und Steinkohlentheer) zur Aihung zugelassen. Die Anwendung dieser Aräometer wird erheblich erleichtert Und aostthdet durch die - Benußung von Reductions- tabellen, welche das für den Handelswerth und die Zollabfertigung entscheidende specifische Gewicht bei jeder Beobachtungstemperatur ohne weiteres ersihtlih machen. Solche Tabellen sind zunächst für die Petroleumproducte amerikanischer Herkunft von der Normal-Aichungs-Commission unter dem Titel „Tafel zur Ermittelung der Dichte von amerifanishem Petroleum und dessen Producten mittels des Thermo-Aräometers“ herausgegeben und soeben im Verlage

. von J. Springer, Berlin, Monbijouplaz 3, erschienen. Be- rüdcksihtigt bei der Bearbeitung diefer Tabellen sind vor allem die Bedürfnisse der Jndustrie und des Handels. Der Preis beträgt 2

Das Central-Blatt für das Deutsche Reich ver- öffentliht die vom Bundesrath in seiner Sißung, vom 7. April beschlossenen Ausführungsbestimmungen zu dem Zudckersteuergesez vom 31. Mai 1891 und Bestim- mungen über die Zudckerstatistik.

Das „Marine-Verordnungsblatt“ veröffentlicht fol- ende Mittheilungen über Schiffsbewegungen (Datum vor em Orte bedeutet Ankunft daselbst, nach dem Orte Abgang

von dort):

S. M. Vermessfhrzg. „Albatroß" Wilhelmshaven 9./4. (Post- tation: Wilbelmshaven.) S. M. S. „Arcona“ Wilhelmshaven. (Poststation: Wilhelmshaven.) S. M. Pzrfhrzg. „Beowulf“ Wil- belmshaven 29./4. (Poststation: Wilhelmshaven.) S. M. S. eBlücher“ Kiel. (Poststation: Kiel.) S. M. Pzfbrzg. „Bremse“ Wil- belmshaven 29./4. (Poststation : Wilhelmshaven.) M. Pzfhrzg. «Brummer“ Wilhelmshaven. (Poststation: Wilhelmshaven.) S. M Krzr. „Bussard“ 17./2. Auckland 1./4. Rundreise durch die deutschen Schußgebiete. (Poststation: Apia.) S. M. S. „Gneisenau“ Kiel. (Poststation: Kiel.) S. M. Av. „Greif“ Kiel. (Post- ftation Kiel.) S. M. Av. „Grille“ Kiel 26./4. 26./4. Sonder- burg. (Poststation: am 3. Mai Pillau, vom 4. bis 6. Mai früh Danzig, vom 6. Mai früh bis 7. Mai Stettin, am 8. Mai Swine- münde, am 9. Mai Stralsund, vom 9. Mai Abends bis 11. Mai Vormittags Warnemünde, am 11. Mai Travemünde, vom 12. Mai ab Kiel.) S. M. Krzr. „Habicht“ 21./4. Quittah 23./4. (Poststation: Kamerun.) S. M. Fhrzg. „Hay“ Wilhelmshaven. (Post- station: Wilhelmshaven.) S. M. Yaht „Hobenzollern“ Kiel. (Poft

rei

station :- Kiel.) S. M. Knbt. „Hyäne“ 25./2. Kamerun. (Poststation: E, S D Knbt. E: feganghaz. i tation: ong. . M. Fhrzg. „Loreley antinopel. - n: e Mai Konstantinopel, v. 14. bis 16. Mai Piraeus, v. 17. Mai ab Alexandrien.) S. M. S. „Mars“ Wilhekms ; \sistation: Wilbelmshaven.) S. M. Krzr. „Möwe“ 2./4. Sansibar. (Post- station: Sansibar.) S. M. S. „Moltke“ 8./4. Kingston (Jamaica) 15./4. 27./4. Havanna 1./5. Norfolk (Virginia). (Poststation: Norfolk [Virginia].) S. M. Fhrzg. „Nachtigal“ Kamerun. (Post- station: Kamerun.) S. M. Vermessfhrzg. „Nautilus“ Kiel. 25./4. 25./4. Sonderburg 29./4. Kiel. ( E: Ams S. M. S. „Nixe* Kiel. (Poststation: Kiel.) S. M. Fhrzg. , tter“ Kiel. (Poststation.: Kiel.) S. M. Transportdmpfr. gean. Kiel. (Post- station: Kiel.) S. M. Minenschulshiff „Rhein“ Kiel. ( of station: Kiel.) S. M. Krzr. „Schwalbe“ Dar-es-Salam. (Post- station: Sansibar.) S. M. Pzfhrzg. „Siegfried“ Wilhelms- haven. (Poststation: Wilhelmshaven.) S. M. Krzr. „Sperber“ 12./4. Sydney. 3/5. Apia. (Poststation: Apia.) S. M. S. „Stosch“ Kiel. (Poststation: Kiel.) S. M. Knbt. „Wolf“ 18./3. Shanghai 12./4. 14./4. Nagasaki 4./5. Shanghai. (Poststation : Hon ong.) Kreu S Gwäder: S. M. S. „Leipzig“ (Flaggschiff), S. M. S. „Alerandrine“, S. M. S. „Sophie“ 10./4. Dar-es-Salam 19./4. 19./4. Sanfibar; S. M. S. „Leipzig“ und S. M. S. „Alexrandrine“ Sansibar 2./5. Seychellen. Colombo. (Poststation: bis 9./5. Colombo, vou 10. bis 13. Mai Singapore, vom 14. Mai ab Hongkong.) S. M. S. „Sophie“ vie 258 (Poststation: Sansibar.) Manöverflotte: S. M. S. „Baden“ (Flaggschiff), S. M. S S. „Oldenburg“ Kiel. (Post- l

S. „Bayern“, S. M. station: Kiel.) pebungüeSe chwader: S. M. S. rer Carl“ (Flaggschiff), S. M. S. „Deutschland“, S. M. S. „Friedri der Große“, S. M. S. „Kronprinz“, S. M. Av. „Wacht“ 22. 4. Kiel. (Poststation: Kiel.) S. M. S. „Prinzeß Wilhelm“ 24./3. Kiel. (Poststation: Kiel.) Torpedoboots-Flottille: S. M. Av. „Bliß“ (Flotillenfhrzg.), S. M. Torpedodivisionsboot „D. 1“, S. M. Torpedoboot „S. 7*, S. M. Torpedoboot „S. 8“, S. M. Torpedoboot „S. 9“, S. M. Torpedoboot „S. 10“, S. M. Torpedoboot „S. 12“, S. M. Torpedoboot „S. 14“ Kiel. (Poststation: Kiel.) S. M. Torpedodivisionsboot „D. 8“, Wilhelmshaven. (Post- station: Wilhelmshaven.) S. . Torpedoboote „8. 15“, D: 10, O. H S: 15 S. 20 SRIbelins haven 25./4.— %27./4. Kiel. (Poststation: Kiel.) Ablösungstransport: für S. M. S. „Leipzig? ganze Besaßung —, S. M. S. „Alerandrine“, S. M. Kbte. „Wolf“ und „Iltis“ Besaßungêtheile Ausreise mit dem Dpfr. „Lawang“ der T Dampfschiffsrhederei zu Hamburg: Wilhelmshaven 27./4. Colombo.

Helgoland. Ueber den Aufenthalt Seiner Majestät des Kaise rs auf Helgoland am vergangenen Freitag bringt das „Helg. Whbl.“ folgende Mittheilung: Am 28. v. M. Mittags 1 Uhr, hieß es, das Panzerfahrzeug „Beowulf“ sei in Sicht und habe Seine Majestät den Kaiser an Bord. Jn aller Eile wurde die Jnsel zur würdigen Begrüßung Sciner Majestät in reichen Fläggenshmuck verseßt, und als der „Beo- wulf“ seine Anker fallen ließ, die Kaiserliche Standarte am Maste sichtbar wurde und die Salutshüsse von der Jnsel herab über das Meer U, war Alt und Jung auf den Beinen, um bei der Landung Seiner Majestät zugegen zu sein. Auf der Jede, lagen S. M Schiff “alremie* und mehrere Torpedoboote sowie der Postdampfer „Ariadne“, leßterer reich beflaggt. Seine Majestät landete in Begleitung Jhrer König- lichen Hoheiten des Prinzen Heinrih und des Srbgroßherzogs von Oldenburg sowie anderer es Persönlichkeiten. Nach einer Besichtigung der Festungsbauten und Einkehr in dem Regierungsgebäude begab Sih um 6 Uhr Seine Majestät wieder in das Unterland, wo Allerhöchstderselbe das neucrbaute Badehaus in Augenschein nahm. Sodann kehrte Seine Majestät, von dem begeisterten „Hurrah“ der auf der Landungsbrücke nahdrängenden Menge begleitet, zurück an Bord des „Beowulf“, der am folgenden Morgen um 81/2 Uhr seine Anker lihtete, um nah Geestemünde weiterzudampfen.

Vayern.

München, 6. Mai. Die Kammer der Abgeordneten hat in ihrer heutigen Sißung, wie der „Köln. Îtg.“ berichtet wird, das Ausführungsgeseß zur Krankenkassen - Novelle an einen Ausschuß von vierzehn Mitgliedern ver- wiesen. Ferner wurde gegen den Widerspruch der Regierung beschlossen, die Eingaben wegen Abänderung des Vieh- gewährschaftsgeseßes, unter Streihung der Lungen- und Perlsuht als Gewährsfehler, der Regierung zur Würdigung

zu überweisen. Sachsen.

Dresden, 6. Mai. Jhre Majestäten der König und die Königin begeben sh dem „Dr. J.“ zufolge morgen Vormittag zu mehrwöchigem Aufenthalt nah Schloß S ibyllenort.

Württemberg.

Stuttgart, 6. Mai. Wie der „St.-A. f. W.“ erfährt, ist für das diesjährige Kaiser-Manöver vorläufig folgende Zeiteintheilung in Ausficht genommen worden: Sonntag, 18. September: Eintreffen Seiner Majestät des Kaisers in Karlsruhe. Montag, den 19. September: Parade des XTV. Armee-Corps bei Karlsruhe. Dienstag, 20. Sep- tember: Parade des XII1. Armee-Corps bei Stuttgart. Mittwoch, 21. September, Corps-Manöver des XIIl. Armee- Corps in zwei Parteien gegen einander. Donnerstag, 22., Freitag, 23., und Sonnabend, 24. September : Manöver des ATIT. gegen das XTV. Armee-Corps. Wo die Manöver \sich abspielen werden, läßt sich jeßt mit Bestimmtheit noch niht sagen. An den Kaiser- Manövern wird auch das zum XY. Armee - Corps abcommandirte 8. Jnfanterie - Regiment Nr. 126 Groß- herzog Friedrih von Baden, welhes von Beginn des Regimentsexercirens an zur 54. Jnfanteric-Brigade übertreten wird, theilnehmen. Sodann wird über die Zeit der Corps- Manöver auf 14 Tage eine weitere Division, bestehend aus zwölf Landwehr-Jnfanterie-Bataillonen, welche in vier Regi- menter und dicje in zwei Brigaden cingetheilt werden, formirt ; Cavallerie und Feld-Artillerie wird diese Division aus den Linien-Truppen zugetheilt erhalten.

Baden.

Karlsruhe, 6. Mai. Die „Karlsruher Zeitung“ ver- öffentlicht, wie telegraphisch berichtet wird, einDankschreiben Seiner Königlichen Hoheit des on neraeas für die an- läßlih des Regierungs-Jubiläums veranstalteten Kundgebungen.

Hessen.

Darmstadt, 6. Mai. Jhre Königliche Hoheit die Del o eei von Preußen hat nah der „Darmst. Ztg.“ heute Abend mit dem Prinzen Waldemar die Nück- f nach Kiel angetreten.

W 6 Me Ihre K lihe Hoh eimar, 6. i. e Königlihe Hoheit di Großherzogin hat sih gestern Abend auf ihre in Schlesien belegene Besißung Heinrichau begeben, von wo sie der “T9: ad zufolge Ende des Monats hierher zurückzukehren gedenkt.

Sachsen-Coburg-Gotha.

Coburg, 6. Mai. Jhre Hoheiten der Herzog und die Herzogin haben folgenden Erlaß bekannt machen lassen :

Zum Tage, an welchem Wir ill in der Ferne die Feier Unserer gelbenen Hod eit begingen, find Uns von überallher, zumal aus der teben eimath, aus Stadt und Land Unserer Herzogthümer, in telegraphischen und btiefli Glückwünschen, in künstlerisch aus- pas rien Adressen und föstlichen Festgaben, so unendlich viel Zeichen reundlichster und treuanhängliher Gesinnung zu theil geworden, daß es Uns drängt, von ganzem Herzen dafür Dank zu fagen. Die Fülle der Zusendungen macht Uns unmöglich, jedem Ebúuelien egenüber es zu thun; aber jeder Einzelne möge aus diesen Zeilen erfahren, wie warm seine Theilnahme Uns berührt bat und wie dankbar gegen Gott Wir es empfinden, daß Unsere forgende Liebe für Unser Land fo treu und herzlih erwidert wird. Wir werden deß immer mit Freude und Rührung eingedenk sein.

Nizza, im Mai 1892.

S Alexandríine. Herzog und Herzogin von Sachfen-Coburg und Gotha.

_ Ueber die Feier in Nizza ist der „Cob. Ztg.“ folgende Mittheilung zugegangen : „Am 3. d. M., Vormittags 11 Uhr, hat in dem von Ihren Hoheiten bewohnten Château de Fabron dur den evangelischen Geistlihen von Nizza in feierlichster Weise dic Einsegnung des hohen Jubelpaars stattgefunden. Bei dem Herzog und der Herzogin sind telegraphische und briefliche Gratulationen, sowie köstlihe Blumenspenden und Festge chenke in fast unübersehbarer Zahl eingetroffen. Von Fürstlichkeiten brachten persönlich Glückwünsche dar Jhre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin von Mecklen- burg-Schwerin, die Prinzessin Clementine und

die Prinzen Philipp und Ferdinand von Sahsen-

Coburg-Got ha. Seine Majestät der Kaiser sandte zugleich mit seinem Glückwunsch eine werthvolle Por ellanvase. Die Herzogin verehrte, wie die „Weim. P erfährt, ihrem Gemahl ein Bild, das die Hochzeitsfeierlichkeit in der Schloß- kapelle zu Karlsruhe am 3. Mai 18412 darstellt. Das Ge- mälde, das nicht weniger als 99 Figuren, darunter 34 Porträt- figuren, enthält, stellt die Scene dar, wie Großherzog Leopold von Baden, der Schwiegervater des Jubilars, diesen nach erfolgter Trauung beglückwünscht. Der prächtige Nahmen, der es umschließt, trägt auf goldenem Grunde die Inschrift: „Jn dankbarer Erinnerung an fünfzig Jahre be- glücendster Ehe Jhrem innigstgeliebten Gatten Herzog Ernst IT. von Sachsen-Coburg gewidmet als bleibendes Familien- Denkbild von Alexandrine, geborenen Prinzessin von Baden, 3. Mai 1892.“ Das Herzogliche Paar hat den Festtag in erwünschtestem Wohlsein begangen...

Anhalt.

Dessau, 6. Mai. Heute Nachmittag fand im hiesigen Bahnhofshotel zu Ehren des [M Staats-Ministers von Krosigk ein Abschicdsmahl statt, bei dem nah dem A. St. A. der Landtags-Prösident Lezius den Toast auf en Minister ausbrachte.

Oesterreich-Ungarn.

Der Kaiser empfing heute den A S S des Großherzogs von Luxemburg, der nah Schloß Hohen- burg in Bayern zurückehrt, fuhr päter bei dessen Hotel zur Abschiedsvisité vor und ‘ließ, da der Großherzog abwesend war, jeine Karte zurü.

Auswärtige Blätter hatten gemeldet, der Erzherzog Albrecht werde sich im“ nähsten Monat nah Belgrad be- geben, um den vorjährigen Besuch des Königs von Serbien in Zschl im Namen des Kaisers Franz Joseph zu erwidern. Dieser Nachricht wird, wie „W. T. B.“ meldet, in unterrichteten Kreisen kein Glauben geschenkt.

__ Eine Confereñz der Club-ODbmänner beschäftigte sich gestern in Anwesenheit des Finanz-Ministers Dr. Steinbach mit der Behandlung der Valutavorlagen und einer Fest- stellung des parlamentarischen Arbeitsprogramms. Der Finanz-Minister machte den Vorschlag, nach Einbringung der Valutavorlagen mit einer Anzahl Abgeordneten verschiedener Parteien zwanglose Besprehungen behufs Meinungsaustausches vorzunehmen. Die Obmänner erklärten, diesen Vorschlag erst nah der Beschlußfassung der einzelnen Clubs beantworten zu können. Jm Abgeordnetenhause brachten der zur antisemitishen Gruppe gehörende Abg. Schlesinger und Genossen eine Resolution gegen die Einführung der Goldwährung und für Amor- tisirung der Staatsschulden ein.

Großbritannien und Jrland.

Der Marquis von Salisbury hat gestern in einer großen Versammlung der Primrosc-Gesellshaft im Convent- garden-Theater zu London eine Rede gehalten, die deshalb bemerkenswerth ist, weil sie die Stellung der Regierung zu der Homerulefrage in- dem bevorstehenden Wahl- kampf deutlich kennzeihnet. Nach dem darüber vorliegenden Wolff’ \chen Telegramm führte der Premier-Minister aus: Ein gewaltiger Kampf stehe bevor, welcher eine Entscheidung von höchster Wichtigkeit für das englishe Volk herbei- führen werde. Homerule werde niht den Frieden, sondern eine Zeit bürgerlicher und religiöser Kämpfe bringen. Der Premier-Minister rieth hierauf den Conservativen und Unio- nisten, hinsichtlih der nähsten Wahlen alle Kraft ausen, um Homerule abzuwehren, denn Homerule würde das An- sehen Englands vernichten und seine Macht in allen Welt- theilen chwächen.

In der gestrigen Unterhaussitung hat sih der Erste Lord des Schaßes Balfour über die schon erwähnte Eingabe der conservativen Abgeordneten, welche Maßregeln gegen die Einwanderung mittelloser Ausländer beantragt, folgendermaßen geäußert: Er kenne den e ete im Lande kundgegebenen Wunsch nach einer Methode zur E der Frage der Einwanderung solcher Fremden, die voraussichtlih dem Lande zur Last fallen würden; er gebe auch zu, daß verschiedene Umstände, darunter die Action auswärtiger Regierungen, die Aus- wanderung vom Festlande nah England wesentli beeinflussen und zukünftig in noch stärkerer Weise beeinflussen dürften. Die Sache bicte viele Schwierigkeiten ; der Minister des Innern erwäge jedoch sorgfältig eine im Hause einzubringende

orlage, die der Regierung hinreichende Gewalt zur Be-

andlung des Gegenstandes gewähre. ;

gans D, n der gestrigen Verhandlung gegen die Anarchisten Nicholls und Mowbray, Redac- teur bezw. Herausgeber des anarchistishen Blattes „Common- weal“, ersteren zu 18 Moñaten Zwangsarbeit verurtheilt,

leßteren freigesprochen. Frankreich.

* 7 Der Fan hat, wie telegraphisch aus Paris berichtet

wird, an die sechs französishen Cardinäle ein Schreiben

gerichtet, worin kurz die Hauptpunkte der legten Encyklika

wiederholt und diejenigen Conservativen energisch getadelt rg die, wenn auch im Glauben, der Religion zu dienen , i Grund ihrer persönlihen Anschauung oder um politisher Parteizwecke willen die nothwendige Einigkeit aller Katholiken stören und das öffentliche Wohl hintan- segen. Die Encyklika dulde nicht zweierlei Deutung; ihr Sinn sei: man müsse die Republik unbedingt, ohne Hintergedanken und mit vollkommenster- Ehrlichkeit anerkennen und ihr als der von Gott gekommenen Staatsform unterthan sein. Eine Stelle des Sendschreibens spricht von den beklagenswerthen Vorfällen der jüngsten Zeit, womit auf die anarchistishen Attentate hingedeutet wird, und schildert diese als Folgen der Bestrebungen, welche auf die Entchristlihung Frankreichs ge- richtet seien. Das H igs anat pie schließt mit einem Protest gegen die Freiheitsberaubung, die der päpstlihe Stuhl in Jtalien erleiden müsse.

Der Deputirte Kranß ist zum General-Commissar für die Ausstellung in Chicago ernannt worden.

Jm Monat April ergaben die indirecten Einnahmen 41/4 Millionen Francs mehr, als im Budget angenommen, und 1% Millionen Francs mehr als im Vorjahre. Die Dlle nud um 2300 000 Fr. hinter der Budgetziffer zurück-

eblieben.

s Das Leichenbegängniß des bei der Explosion im Restaurant Véry verwundeten und, wie gestern gemeldet, verstorbenen Hamonod soll nah einer Meldung des „W. T. B.“ auf Staatskosten stattfinden. i

Die Republik vonSan Domingo hat für die fran- zösischen Producte dicselben Zollvergünstigungen be- willigt, die den Vereinigten Staaten zugestanden sind.

Von dem die Expedition gegen Samory (im Senegal, Afrika) befehligenden Obersten Humbert is ein Telegramm eingegangen, dem zufolge Lieutenant Huillard bei Auf- ständen in der Nähe von Suba, fünfzig Kilometer südlich von Se, getödtct worden sei. Capitän Briquelot sei dahin abgegangen und habe mit seiner Mannschaft die Auf- ständishen in drei Gefehten zerstreut. Auf fran- zösisher Seite seien fünf Eingeborene getödtet und zwei- unddreißig, gleichfalls Eingeborene, verwundet worden. Capitän Briquelot, Lieutenant Poitevin und der Schiffsfähnrich Deffaux hâtten leihte Verwundungen davongetragen. Briquelot sei nah Segu zurückgekehrt. ;

Den Oi Ben Nano nend oten - die auf dem Uêëme (an der Sklavenküste) operiren sollen, ist von England das Passiren von Lagos gestattet worden. ;

Rußland und Polen.

Die A E hat der „Nord. Tel.-Ag.“ zufolge auch der Freigabe des Exports der Hafervor- räthe aus dem Hafen von Archangel zugestimmt; desgleichen sei die Freigabe der Maisausfuhr aus dem gesammten Reiche genehmigt. Ueber die in den leßten Tagen veranstalete Aufnahme der Getreidevorräthe an den Hauptmärkten im Innern des Landes sowie an den Hafenpläßen sind nunmehr die telegraphischen Berichte in St. Petersburg eingegangen. Danach haben, wie „W. T. B.“ erfährt, - die Getreidevorräthe seit Neujahr eher zu- als abgenommen. Der Bedarf für die Volksverpflegung sei vollständig gesichert, außerdem ei ein namhaftes Getreide-Exportmaterial, insbesondere an eizen, vorhanden.

Gestern is ein Geseg veröffentliht worden, welches die Organisation der privaten Bergwerke sowie die Pa ata von Arbei tern für diese betrifft und sie unter die

ontrole der Regierung stellt.

Jtalien.

Ueber die Ursachen der Ministerkrisis äußert sih ein Artikel der „Nat. Ztg.“ dahin, daß sih die Anhänger Crispi’s und die radicale Linke zum Sturze Rudini’s vereinigt hatten : erstere, weil sie den Militär-Etat verstärken, leßtere, weil sie diesen Etat noh weiter herabgeseßt und Ersparungen gerade auf diesem Gebiete herbeigeführt Wissen wollten. Dieser R ibamer tale Gegensag bilde auch für die rashe Lösung der Krisis die Hauptschwierigkeit, zumal es zu gleicher Zeit gelte, das Deficit im Staatshaushalt (nah der leßten Rede Rudini’'s 33 Millionen, wovon 20 Millionen durch Reform der Erb- schaftssteuer und Einführung des Zündhölzchen-Monopols gedeckt werden sollten, während der Rest von 13 Millionen durch andere Ersparungen aufgebracht werden sollte) zu tilgen. Das Cabinet Rudini, das in seinem ursprünglichen Programm erklärt hatte, keinerlei neue Steuern zu verlangen, habe sich gegenüber den ungünstigen Finanzverhältnissen in einem argen ilemma be- funden, da die Politik der Ersparnisse nah der Auffassung der Einen vor der Armee und Marine Halt machen sollte, während die Anderen nach dem Allheilmittel der radicalen Linken Sey u. Gen.) gerade auf diesem Gebiete ihre franzosenfreundliche Gesinnung und ihre Abneigung gegen den “Dreibund an den Tag legten.

Die französischen Blätter legen, wie „W. T. B.“ aus Paris meldet, den Sturz Rudini's in ihrem Jnteresse aus und erblicken darin, obwohl do nur ein Theil der Majorität Ersparnisse auf militärishem Gebiet erstrebt und nah Frank- reih neigt, einen Beweis dafür, daß das italienishe Parlament nihts mehr vom Dreibund wissen wolle; das „ournal des Débats“ hebt hervor, der Minister-Präfident sei an dem Widerspruch gescheitert, der zwischen den Verpflichtungen der

[llianz und der Ersparungspolitik bestehe. /

In der gestrigen Sizung der Deputirtenkammer zeigte der Minister-Präsident Demi di Rudini formell an, daß das Cabinet seine Demission gegeben und daß der König sih seine Entschließung vorbehalten habe. Die Minister würden die laufenden Geschäfte en weiter versehen. Die Kammer hat sih sodann auf unbestimmte Lui

vertagt. Der König hatte gestern Besprehungen mit den

- Präsidenten des Senats und der Kammer. Nach Ansicht

er römischen Blätter werde die Ministerkrisis voraussicht- li lange andauern und schwierig zu lösen sein. Sie erörtern die Möglichkeit einer Combination Saracco-Giolitti, sowie

: eincs Cabinets Farini, da nah Aussage der Freunde Rudini’s

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legterer die Bildung eines Cabinets niht wieder übernehmen wolle. Einige Blätter meinen, jedes neue Cabinet werde all- gemeine Wahken ausschreiben müssen.

Spanien.

Dio Sep eat uge x Spaniens mit Großbritannien sind laut Meldung des „W. T. B.“ aus Madrid abgebrochen worden, weil Spanien es abgelehnt habe, die Clausel bezüglich der meistbegünstigten Nation auch auf die Colonien auszudehnen.

Schweiz.

In Lausanne, wo bekanntlih am 29. v. M. in einer Vorstadt ein anarçchistisches Attentat stattgefunden hat (s. Nr. 104 d. Bl,), sind am darauffolgenden Sonnabend drei fremde Anarchisten verhaftet 1orden. Die Sg ist noch nit beendigt. Ob gegen die drei Jndividuen auf Grund des Bundesstrafrehts oder des waadt- ländishen Strafgeseßes vorgegangen werde kann, läßt sih, wie der Berner „Bund“ schreibt, erst beurtheilen, wenn die polizeilihe Voruntersuchung abgeschlossen is. Sollten fh keine Anhaltspunkte zu sirafeechtlident Einschreiten ergeben, so werde der Bundesrath die drei Anarchisten adminijtrativ ausweisen, in Anwendung. von Art. 70 der Bundesverfassung, welcher vorschreibt: „Dem Bund steht das Recht zu, Fremde, welche die innere oder äußere Sicherheit der Eidgenossenschaft gefährden, aus dem shweizerishen Gebiete wegzuweisen.“

Jn Luzern war in leßter Zeit die Commission des Ständeraths zur Berathung des Bundesgesezes über die Organisation der Bundesrechtspflege versammelt. Die Commission hat die allgemeinen Bestimmungen des Entwurfs bereits bis zur Frage der öffentlichen oder geheimen Berathung des Bundesgerichts durhberathen und ohne wesentlihe Abände- rungen angenommen. Der Vermehrung der Mitgliederzahl des Bundesgerichts von neun auf vierzehn und Theilung des- selben in zwei gleich große Abtheilungen von je sieben Mit- gliedern wurde zugestimmt.

Ueber die Frage der Befestigung des oberen Rhone- thals wird der Chef des shweizerishen Militärdepartements, Bundesrath Geo dem Bundesrath nächstens Bericht erstatten und Antrag stellen. Von den beiden Punkten, die dabei in Betracht kommen, St. Maurice und Martigny im Canton Wallis, wird, wie die s{hweizer Blätter vernehmen, die Be- festigung von St. Maurice wahrscheinlich den Vorzug vor derjenigen von Martigny erhalken. Die Befestigung von Martigny würde etwa zwölf Millionen, die von St. Maurice nur zwei Millionen kosten. Die am 30. Mai zusammen- tretende Bundesversammlung dürfte sich bereits mit der Be- festigungsfrage zu beschäftigen haben. Es sind nur halb- permanente Befestigungen in Aussicht genommen. (In Nr. 106 des „R.- u. St.-A.“ war auf Grund telegraphischer Meldung von der Befestigung von St. Moritz die Rede; es muß also heißen: St. Maurice, was niht zu verwechseln ist mit dem in Graubünden liegenden St. Moriß.)

Belgien. ;

Jn Lüttich und Umgebung sind troy der zahlreichen Verhaftungen von Anarchisten abermals mehrere Dynamit- anschläge verübt worden. So wurde, wie man der „Mgdb. Ztg.“ berichtet, das Schloß Hornbroux, wo der reihe Gutsbesizer Paques wohnt, infolge einer Dynamitexplosion beschädigt und gleichzeitig in dem Vorort erftal ein Dynamitverbrehen unternommen. Auf der Schwelle des Sélys’schen Hauses, dem Schauplaß der Explosion vom 1. Mai, wurden gestern Patronen mit com- primirtem Pulver gefunden. Jn der Nacht zum Freitag wurde ein Anarchist, Namens Ehx, angeblich ein Deutscher, und gestern Abend ein gewisser Fonteyn verhaftet, der der Verbreitung anarchistisher Schriffstücke verdächtig erscheint. Nach Meldungen aus Alleur wurden dort in der Nacht zum 6.- d. M. an einem Fenster der Wohnung des Bürgermeisters zwei Patronen aufgefunden, von denen die eine explodirte und mehrere Fenstersheiben zertrümmerte. Aus Arras endlich wird dem „H. T. B.“ gemeldet, daß die Eisenbahnbrücke bei Belgish-Steenbeque durch eine Dynamitexplosion be- schädigt worden sei.

E der fortdauernden anarchistishen Attentate hat die belgisheé Regierung nunmehr in E Beschlüsse des besonderen Ministerraths, der am 3. d. M. unter dem Vorsiße des Königs tagte, einen Ausschuß zur Ausarbeitung eines Anarchisten geseßzes eingeseßt. Durch dieses Geseg soll, wie man dem „Hann. Cour.“ aus Brüssel berichtet, der Justiz- Minister ermächtigt werden, die dort erscheinenden anarchistishen Blätter „L’Homme libre“, „La Révolte“ und andere ähnliche Schriften zu unterdrücken, was nach dem gegenwärtigen Preßgeseße niht angängig ist. Das neue Geseg soll ferner selbst den Versuch, einen gemeingefährlichen Sprengstoff in verbrecherisher Absicht niederzulegen, mit Todesstrafe bedrohen. Durch ein besonderes Geseß soll sodann die Herstellung des Dynamits und anderer Sprengstoffe sowie der Handel damit der strengen Ueberwachung des Staates unterstellt werden.

Die Milizklassen von 1887 und 1888, welche anläß- lih der am 1. Mai erwarteten Kundgebungen eingezogen worden waren, werden, wie „W. T. B.“ aus Brüssel erfährt, auf einen Monat entlassen und später einige Tage vor den Wahlen zur constituirenden Versammlung wieder einberufen werden.

Der Antrag der Regierung, zu den bevorstehenden Wahlen die Zahl der Senatss\igze auf 76, die der Deputirten- siße auf. 152 zu e, hat die Zustimmung der Kam- mer gefunden. Diese hat nunmehr vor dem Ende der Session, das in die Mitte des Monats Mai fallen dürfte, nur noch zwei Regierungsvorlagen zu erledigen, und zwar das außerordentlihe Budget und die Zolltarifvorlage. Bezüglich der leßteren wird dem „Hamb. Corr.“ gemeldet, daß der Kammeraus|\chuß die von der Regierung vorgeschlagenen Zollsäge auf französische Erzeugnisse und Producte der Tertil- industrie von 10 auf 15 Proc. erhöht und auch hohe Einfuhr- zölle für andere Artikel, wie Wäsche, Mehl, Malz, Gerste 2c., vinzugefügt habe.

Der Senatsaus\chuß hat in seiner gestrigen Sißung beschlossen, alle Anträge auf Revision der Verfassung den neuen Kammern zu unterbreiten, aber die Umgestaltung des gegenwärtigen Senats abzulehnen.

Rumänien.

Die “Regierung hat, : wie „H. T. B“ berichtet, den General-Procurator beauftragt, die Untersuchung in der Rustshuker Bom enaffaire?- persönlih zu leiten. Die Untersuchung hat bis jezt ergeben, daß das Complot nicht nur gegen die Ordnung in Bulgarien, sondern auc gegen die Ruhe und Ordnung aller größeren Städte des Orients gerichtet war. Bisher sind dem

B. L. D. gufo in dieser Angeleg

e in das Gefängniß in Bukarest siebzehn it verwickelte Personen eingeliefert T Montenegro. de Der Conseil-Präsident ist, wie ¿W. T. B.“ aus Cetinje meldet, gestern nah Skutari abgereist, um den Besuch des General-Gouverneurs Abdul Kerim-Pascha zu

erwidern.

Dänemark. Kopenhagen, 6. Mai. Der Reichstag ist heute er- öffnet worden. Jm Landsthing und im Folkething wurden die bisherigen Präsidenten wiedergewählt.

Amerika.

- Der „New York Herald“ vom 5. d. M. veröffentlicht ein Telegramm aus Cumana in Venezuela, in welchem es heißt: Einem bisher noch unbestätigten Gerücht zufolge sei General Casanas, der Oberstcommandirende der Armee des Präsidenten, in Calabo zo, von einem Dugend Soldaten, die vorgaben, von den Aufständischen desertirt zu sein, ékmordet worden. Zugleich verlaute, Valencia sei von der Neger- Armee des Jnsurgenten-Generals Mora erobert worden.

Parlamentarische Nachrichten.

In der heutigen (59.) Sißung des Hauses der Ab- geordneten, der der Minister des Jnnern Herrfurth, der Finanz-Minister Dr. Miquel und der Minister der öffent- lichen Arbeiten Thielen beiwohnten, wurde der Geseßzentwurf En Verlegung der Landes-Buß- undBettage ohne Debatte in dritter Beräthung angenommen. Die zu diesem Geseßentwurf eingegangenen Petitionen der Handelskammern in Wiesbaden, Lüneburg, Kiel, Frankfurt a. O., Göttingen, Düfseldorf und des Directoriums des Vereins für die Rübenzucker- Industrie des Deutschen Reichs um Festseßung eines anderen, als im Gesegentwurf bestimmten Tags zum Buß- und Bet- tag wurden auf Antrag der Petitionscommission durch die Beschlüsse ju dem Gesezentwurf für erledigt erklärt.

Es folgte die zweite Berathung des Gesezentwurfs über die Erweiterung, Vervollständigung und bessere Ausrüstung des Staatseisenbahnneßzes.

Die Budgetcommission beantragt die unveränderte Annahme des Geseßentwurfs. Ueber die Frage der Nach- bewilligung von Mehrkosten für bereits früher“ be- willigte Secundärbahnbauten, sowie darüber, ob es mwirthschaftlih rihtig sei, die Mittel für Er- neuerung und Erweiterung von Bahnhöfen, Werkstätten und Wagenschuppen, für vermehrte Geleise und für Erneuerung des Betriebsmaterials ferner aus Anleihen zu entnehmen, beantragt die Commission folgende Resolution:

Die Regierung aufzufordern, die für den Erneuerungsbau von Bahnhöfen erforderlihen Bedürfnisse in dem Staatshaushalts-Etat auszubringen und demgemäß die Mittel zur Befriedigung derselben auf dem für den Staatshaushalts. Etat gegebenen Wege zu beschaffen.

Zur Herstellung neuer Eisenbahnlinien und zur Be- shaffung von Betriebsmitteln für fie Nene die Vorlage 26 289 000 M, und zwar 1 990 000 M für die Linie Gramenz —Bublig, 2 450 000 # für Schievelbein—Polzin, 5 300 000 (4 für Stettin—Jaseniß, 6 569 000 für Geestemünde—Stade, 3 290 000 M für Paderborn—Büren, 3 000 000 # für Bier- feld—Türkis-Mühle und 3690 000 # für Betriebsmittel.

Die ersteren vier Linien wurden nach kurzer Debatte be-

willigt.

Bei der Linie Paderborn—Büren wünshte Abg. vom Heede (nl.) den baldigen Weiterbau der Linie nah Brilon und nah Geseke zur Verbinduig mit Lippstadt.

Der Minister der öffentlichen Arbeiten Thielen wollte die Entscheidung darüber der Zukunft überlassen.

Die Abgg: Hesse (Centr.), von Pilgrim een) und Dr. Dündckelberg (nl.) {lossen sich den Ausführungen des Abg. vom Heede an, Abg. Dr. Sattler (nl.) beantragte die Zurückverweisung dieser Position an die Commission.

Der Antrag Sattler wurde abgelehnt, die Linie bewilligt, ebenfo N kurzer Debatte die Forderung für die leßte der sehs angeführten Linien, desgleihen die Betriebsmittel für diese Linien und die Forderungen zur Anlage zweiter, dritter oder vierter Geleise auf den Strecken Thorn—Korschen 4 816 320 (, Trier—Landesgrenze bei Sierck 1 275 000 4, Chorzow—Georg- grube 1050000 M, Kosel—Kandrzin—Nendza 1 270 000 M Ebenso wurden die entsprehenden Forderungen bewilligt für die Strecken Breslau—Königszelt 400 000 6 zum Grunderwerb, Berliner Ringbahn zwishen Schöneberg und Signal- station Vdp. 150000 F, Ringbahn zwishen Wilmers- 208 - Friedenau und Henle bezw. Halensee - Grune- wald 1537 000 Æ, Charlottenburg—Grunewald 835 000 M. und die übrigen Positionen dieses Abschnittes der Vorlage, u. a. Bahrenfeld—Blankenese 595 000 M, arburg— Buxtehude 1 000 000 4, Sagehorn—Bremen 550 000,6 Für den Ausbau der Bahnstrecken Morgenroth—Beuthen O.-S. (Borsigwerk)—Karf einshließlich Erweiterung der Bahnhöfe Morgenroth, Borsigwerk, Peiskret]ham, Karf und Beuthen O.-S. werden 7400000 Æ gefordert. Dazu lag eine Petition der Donnersmarckhütte in Zabrze vor, welche die Herstellung einer Hauptbahnverbindung vil en Karf und Bobreck beantragt und den Anschluß ihrer Eisen- und Kohlenwerke an die ober- shlesishe Schmalspurbahn durch zwei verschiedene Linien, Er- mäßigung der für sie gültigen Tarifsäße und entsprechende Furüerstattung der seit dem 1. Oktober 1890 zu viel gezahlten

Ege wünscht, sowie um die Beförderung ihrer Frachten nah Oesterreich auf dem kürzesten Schienenwege und um Aufhebung der Oderberger Brückengebühr nasuht.

Die Budgetcommission beantragt, die Petition in ihren ersten beiden Punkten der Regierung als Material zu über- M im übrigen dur Uebergang zur Tagesordnung zu erledigen.

ie Forderung wurde bewilligt, nahdem Abg. Szmula

(Centr.) für den ersten Theil der Petition eingetreten war.

lo die Petition wurde gemäß dem Commissionsantrage be- ossen.

Zur Deckung der Mehrkosten für den Bau bereits bewilligter Eisenbahnen und Bahnanlagen werden if 10 einzelnen Posten zusammen ca. 13 Millionen ver- langt, * darunter. für die Linie Deutschwette Groß- Kunzendorf 372 000 #4, Strehlen—Grottkau 635 000 H, Nimptsch—Gnadenfrei 460000 #, Neusalz—Sagan— Reisicht 610 000 A, Berlin—Zehlendorf 910 000 #, Neu- Babelsberg—Potsdam 350 000 #, Ze a —Mehlis Klein- Schmalkalden 2200 000 Æ; Bahnanlagen innerhalb der Stadt

Köln 7 400 000