1892 / 114 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Gi A E N A

Proben eines gesunden Impressionismus. Von dem Landsmanne inding’s, dem Norweger Thaulow, der unlängst eine sehr beachtenswerthe Sammlung seiner stimmungsvollen Schneelandschaften bei Schulte ausgestellt hatte, hat Herr Molenaar ebenfalls ein ret bezeihnendes Bild erworben. Thaulow versteht es meister- hoft, das Flaumige und Zarie des frishen noch lockeren Schnees in feinen Winterlandschaften wiederzugeben, und erzielt damit die überrashendsten Wirkungen. Sicherlih wird er bald zu den erklärten Lieblingen unserer Sammlerwelt zu zählen sein, die zu ver- ag das hier vorgeführte Beispiel einer fleinen aber geschnadck- vollen Auswahl moderner Kunstshöpfungen boffentlih beitragen wird. _ Unter den anderen Bildern der Ausftellung sei ein vortreffliches Kaiserporträt Koner's genannt, das den Herrscher in ganzer Figur im Jagdkostüm darstellt; ein Werk aus eincm Guß, dabei von subtilster hie und da vielleiht etwas allzuglatter und eleganter Aus- führung. Ein großes, ursprünglich für Dioramenbeleuchtung gemaltes und neuerdings verändertes Bild der beiden Münchner Künstler F- Simm und G. Goldberg, die Todesstunde Kaiser Wilhelms I. darstellend, wirkt troß des ergreifenden Gegenstandes allzu conventionell und is in den Porträâtföpfen der das Sterbe- bett umstehenden Leidtragenden durhaus unzulänglich, sodaß es als selbständiges Kunstwerk keinen besonderen Werth beanspruchen kann. Neben dieser derben, decorativen Malerei wirkt Alma Tadema'’s antiker bachisher Reigen mit seiner vornehmen Farben- stellung und der peinlihen Sorgfalt in der Ausführung antiquarischer Details äußerst bestehend. Die spielerische, aber stets liebenswürdige Spitpinfselei Pradilla’s in seinem kleinen daneben hängenden Karnevalbildchen e den Gegensaß zwischen dem gemessenen Ernst des nordischen Malers und der zierlihen Koketterie des Südländers s{lagend hervortreten. Eine halb antiguarische Spielerei muß auch F. Á von Kaulbach’s Mädchenporträt in Pastell genannt werden, das die strenge Linienführung des italienishen Quattrocento mit moderner Empfindung und zartester Farbenstellung zu verbinden strebt. Als impressionistishe Leistungen von hervorragender Bedeutung seien s{liezlich noch die weih verschwimmenden Landschaften des Münchners K. von Pidoll und Lhermitte's Mittagsmahl einer Arbeiter- familie erwähnt.

Der Geheime Regierungs-Rath Dr. Werner von Siemens ist, wie der „N. A. Z.“ mitgetheilt wird, von der Institution of Civil Engineers in London zum Ebrenmitgliede gewählt worden. Gleichzeitig hat aud der Staats-Minister Dr. Delbrück die Ehren- mitgliedshaft des Vereins zur Beförderung des Gewerbefleißes in einer funstvoll ausgefertigten Urkunde Herrn Geheimen Regierungs- Nath Dr. von Siemens übersandt.

Die diesjährige Generalversammlung der Goethe- Gesellschaft findet am 11. Juni in Weimar statt. Nach der jeßt versandten Einladung umfaßt die Tagesordnung folgende Punkte: Erstattung des Jahresberichts: Berichte über die Gocthe-Bibliothek und das Archiv dur Professor Dr. Suphan, über das Goethe- National-Museum durch den Geheimen Hofrath Ruland: Ablegung der Jahreérechnung durch den Commerzien-Räth Dr. Moritz. Den Festvortrag hält der Wirkliche Gebeime Rath H. von Helmholßtß. Das Thema lautet: „Goethe's Vorabnungen kommender natur- wifsenschaftlicher Ideen“.

Das unter dem Vorsiß des Marguis von Lorne gebildete Comité zur Wiederherstellung der Bibliothek der Uni- versität Toronto (Canada) hat, wie die „A. C.* unter dem 12. d. M. aus London berichtet, seine Bemühungen jeßt zu einem erfolgreichen Abshluß gebracht. Nachdem es der Universität bereits 50 000 Bände übermittelt hatte, ist soeben die leßte Sammlung von 350 Bänden abgegangen, die für Deutschland besonderes Interesse bat, da sie preußischen wissenshaftlihen Bibliotheken entstammt und ein bochberziges Geschenk Seiner Majestät des Deutfchen Kaifers ist.

Theater und Musik.

In der Vorstellung der „Götterdämmerung“ („Ring des Nibelungen“ dritter Abend) am loten im Köuiuliden Overnhause sind die Damen Sucher, Hiedler, Staudigl, Herzog, Nothauser, Lammert, die Herren Gudehus, Fränkel, Stammer und Schmidt beschäftigt.

Am Dienstag geht „Freund Friß“ mit den Damen Pierson, Rot- bauser und mert, den ? Suiva, , Philipp und Krasa in Scene. Der Oper folgt das Ballet „Die Puppenfee“.

Der Spielplan der Königlichen Oper für die Zeit vom 15. bis 21. Mai lautet: Sonntag: „Der Trompeter von Säkkingen“. Montag: „Der Ring des Nibelungen“. Dritter Abend: „Götter- dâmmerung“. (Anf. 65 Uhr.) Dienstag: „Freund Frig“. „Die Puppen- fee“. Mittwoch: „Voabdil“. Donnerstag: „Mignon“. Freitag: „Die E EE Sonnabend: „Cavalleria rusticana“. „Der Waffen- shmied“. L

Der Spielplan des Königlihen Schauspielhauses zeigt für diese Woche folgende Aufführungen an: Morgen wird „Die Jungfrau von Orleans“ gegeben; am Montag findet eine Wieder- holung der „Weisheit Salomo's*“ statt; am Dienstag „Faust“ mit Herrn Matkowsky als Faust, Herrn Grube als Mephistopheles und Frau von Hochenburger als Margarethe; Mittwech: „Das Buch Hiob*, „Die Philosophin“ und „Meister Andrea“; Donnerstag: „Das É ilige Lachen“ : Freitag: „Die Büste“ und „Der eingebildete Kcanke* ; Sonnabend: „Der Sturm“: Sonntag: „Der Kaufmann von Venedig“.

Im Berliner Theater geht das Schauspiel „Dorf und Stadt“ morgen Abend, am Mittwoch und am Freitag (35. Abonne- ments-Vorstellung) in Scene ; die Rolle der Lorle wird in allen diesen Aufführungen von Agnes Sorma gespielt, die auch am Montag in der Aufführung von „Nora“ die Titelrolle darstellt. „Der Hütten- besißer“ ist für morgen Nachmittag und für Sonnabend angeseßt. „König Richard I11.*“ mit Ludwig Barnay in der Titelrolle wird am Dienstag, „Othello“, gleichfalls mit Ludwig Barnay in der Titel- rolle, Agnes Sorma als Deédemona, Nuscha Bute als Emilia und Ludwig Stabl als Jago, am Donnerstag aufgeführt.

Das Lessing-Theater bringt die erste Aufführung von Ludwig Anzengruber's Bauernposse „Ein Doppelselbstmord“ am nächsten Sonnabend, und zwar mit Einfügung aller charafkteristishen Gesänge und G'stanzl, die der Dichter in sein Werk eingeflohten hat. Die „Großstadtluft“ wird morgen Nachmittag zu volksthümlihen Preisen gegeben und am Montag, Mittwoch und Donnerstag wiederholt. Am Dienstag findet nah längerer Pause wieder eine Aufführung des Schauspiels „Chre*“ und am Freitag eine Wiederholung von Paul Hevse's Schauspiel „Wahrkbeit ?* statt.

Infolge plöblicher Absage des Herrn Oscar Blencke fann die s galt p26 Aufführung der „Sternshnuppe“ im Wallner- Theater“ morgen nicht stattfinden, dafür wird als legte Vorstellung unter der Direction Wallner bei volksthümlichen Preifen (Parquet 1 Æ 50 4) „Ehrliche Arbeit“ aufgeführt, wobei sh Josefine Glöckner und Oscar Gimnig vom Berliner Publikum verabschieden werden.

Im Concertpark ‘des Friedrich - Wilhbelmstädtischen Theaters beginnen die Doppelconcerte morgen, wie auch an den ferneren Sonntagen in diesem Sommer, um 44 Uhr Nachmittags. An den Wotentagen fällt der Beginn auf 6 Uhr. Morgen concertirt die Kapelle des 1. Garde-Ulanen-Regiments (Dirigent Stabstrompeter Rudolph) im Verein mit der Theaterkapvelle.

Anton Nubinstein hat sämmtlichen Künstlern, die in seiner Oper „Die Maccabäer* im Kroll’ schen Theater mitgewirkt haben,

| dem Chorperfonal wie dem Orchester seine wärmste Anerkennung für | die tadellosen Leistungen auëgesprohen und is heute nah | Dresden gereift. Der Billetverkauf für die erste Vorstellung- des

Gasftspiels von Marcella Sembrich am 21. d. M., „La Traviata®* beginnt morgen. Der Wochenspielplan vom 15. bis 21. d. M. lautet: Sonntag: „Der Waffenschmied“, Montag: „Der Barbier von Sevilla“, Mittwoh: „Die Maccabäer“, Donnerstag: „Figaro'ss Hochzeit“, Freitag: „Die Maccabäer“, Sonnabend: „La Traviata“. Die Direction hat infolge zahlreicher Aufforderungen eingewilligt, Herrn Cumberland Gelegenheit zu geben, sich mit feinen antispiritistischen Leistungen einem weiteren Kreise vorzustellen. Morgen und am Montag nach der Vorstellung wird Herr Cumberland eine Séance für die Besucher der Oper veranstalten.

Im Sommergarten des Belle - Alliance - Theaters findet morgen wieder ein billiger Sonntag ftatt. (Eintrittspreis 50 .) Im Theater geht zum zwölften Male die Grau-Sternheim'sche Operette „Der Günstling“ in Scene.

Director Emil Thomas ift vorgestern von seinem amerikanischen Gastspiel wieder nah Deutschland zurückgekehrt und beginnt morgen

sein Hamburger Gastspiel als „Onkel Bräsig“ im Stadt-Theater Altona. Er hat soglei die Vorbereitungen für das Gastspiel S Ds As von ama dos Vie It im bomas Shcater statt. n und zun ie neue Wiener Posse „Heißes ut* L Vaudeville „Nitouhe*“ bringen foll, Fut und das

Mannigfaltiges.

Das Gesetz über die anderweite Regelung der Polizei, kosten tritt mit dem 1. April 1893 in Kraft. Der M hat daher, wie wir der „N. A. Z.* entnebmen, in der gestrigen Sißung beschlossen, durch eine aus seiner Mitte zu wäblende Cem- mission vorberathen zu lassen, welche Zweige der Polizeiverwaltung von der Stadtgemeinde Berlin zu übernehmen beantragt werden follen Im dritten Gemeinde-Wablbezirk der ersten Abtheilung ift dur den Tod des Rechtsanwalts Meibauer die Wabl eines Stadt: verordneten nothwendig geworden, zu deren Vollziehung der Magistrat einen Termin auf Dienstag, 31. Mai, von Vormittags 10 bis Nachmittags 3 Uhr, im Wakbllocal, Norddeutscher Hof Mohrenstraße 20, angeseßt hat. Der Wahlbezirk bestebt aus ‘den Stadtbezirken Nr. 18 bis 21 und Theilen der Stadtbezirke 14 und 9

Der bekannte Nordlardforscher Herr Sophus Fromholt zuz Christiania, den Berlinern dur feine früheren Vorträge in der Urania bereits bekannt, ist von der Direction dieses Instituts wiederum für zwei Vorträge gewonnen worden, die am Montag und Dienstag in der Urania stattfinden. Am Montag spricht Herr Sovhus Fromholt über „das Nordlicht“ und wird als gründlicher Kenner und selbständiger Forscher auf dem Gebiete der Polarlichtersheinungen. die jeßt wieter im Vordergrunde des Interesses steben, viel Inter. effsantes und Anregendes bringen. Denn gerade in der gegenwärtigen Zeit sind Polarlichtersheinungen in niedrigen Breiten wiederholt wahrgenommen worden, und es läßt fih aus dem eigenthümlichen Zy- sammenhang dieser erdmagnetischen Vorgänge mit der Umwälzungsthstig- keitauf dem Sonnenball mit Bestimmtheit erwarten, daß für die Folgezeit eine Periode häufiger Nordlichtersheinung in Autsicht steht. Der am Dienstag stattfindende zweite Vortrag schildert eine „Nordcav- Reise“ und wird hauptsächlih alle jene hervorragenden Gegenden Norwegens berücksichtigen, die Seine Majestät der Kaiser bei der ersten Nordlandreise besuchte. Beide Vorträge sind reich illustrirt und werden nur einmal gehalten.

Weimar, 12. Mai. Jn dem weimarishen Städtchen Be a. d. Elster ist, wie der „N. A. Z.* mitgetheilt wird, in diesen Tagen ein Kaifer Wilhelm-Denkmak gegründet worden. Es war ein ansehnlicher Fonds für Errichtung eines Denkmals in Form einer Büste o. dergl. gesammelt worden, doch hat man von einem foldhen Denkmal! Abstand genommen und dafür eine Kaiser Wilbelm- Stiftung geschaffen, die alten Leuten Unterkunft und Unterftüßung gewähren foll. Diese Stiftung, die mit ciner anderen vereinigt worden ist, verfügt jeßt über ein eigenes Haus mit Garten und ein bedeutendes Baarvermögen. Damit aber au das äußere Erinnerungszeichen nit fehle, ist an dem Hause eine Gedenktafel mit dem Relief des Kaisers angebracht worden, die am 8. Mai feierlich enthüllt wurde.

Nach Schluß der Redaction eingegangene Depeschen.

Rom, 14. Mai. (W. T. B.) Außer den bereits endgiltig übernommenen Portefeuilles in dem neuen Cabinet hat fich nunmehr auch Ellena zur Uebernahme des Finanz- Ministeriums bereit erklärt. Giolitti wird voraussichtlih interimistish auch das Schaßamt übernehmen. Der bisherige Kriegs-Minister Pelloux und der Marine-Minister San Bon werden voraussihtlichß ihre Portefeuilles behalten. Sonnino hat definitio seinen Eintritt in das zu bildende Cabinet abgelehnt.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

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Wette iht vom 14. Mai,

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Stationen. Wind.

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red. in Millim.

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————— 7 Uhr. 1) Dunstig. 2) Thau.

Uebersicht der Witterung.

hat ihren Wirkungéfreis über die britishen Inseln | Martha Baumgart, Ludw. und das Nordseegebiet ausgebreitet, wo wolkiges bis | Abends 7 Ubr: / Montag: Nora. Anfang 7ck Uhr.

Dienstag: König Richard CUx.

trodene und heitere Witterung noch fort. Die -Th G

T . L I T: : T s Temperatur is in Deutschland nicht gestiegen, e E Medsstatiinse. Abends 72: Ube Montag: Die Grofßftadtluft. Dienstag: Die Ehre.

Wallner-Theater. Sonntag: Saison. Volksthümlihe Vorstellung zu bedeutend ermäßigten Preisen. Lebtes Auftreten von Josefine Glöckner und Oscar Gimnig. Zum leßten Male:

trübes Wetter vorherrs{cht; auch im nordwestdeutschen Binnenlande is Trübung eingetreten, welche fich demnächst weiter ostwärts ausdehnen dürfte. Im östlichen und südlichen Deutschland dauert die ruhige, Lessing

größtentheils liegt sie etwas über dem Mittelwerthe; indeffen ist westlich von Deutschland wieder Abküh- Tung eingetreten, welche sih nah und nah ostwärts

fortpflanzen dürfte. Deutsche Seewarte.

Theater - Anzeigen.

Königliche Schauspiele. Sonntag: Opern- | Holländer. Neu bearbeitet und mit neuen Couplets haus. 123. Vorstellung. Der Trompeter von | versehen von L. Herrmann. Parquet 1,50 A An- E Säkkiugen. Oper in 4 Acten nebst einem | fang 74 Uhr. Victor E. Neßler. Text mit autorisirter theilweiser Benußung der Idee und

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fran von Orleans. Eine romantische Tragödie in 1 Vorspiel und 5 Aufzügen von Friedrich v. Schiller. 2 wolkig In Scene geseßt vom Ober-Regisseur Mar Grube. | fano 7 Uhr.

geat : Kapellmeister Sucher. Anfang 62 Ubr. Schauspielhaus. heit Salomos. Sd i l Paul Heyse. Regie: Herr Plaschke. Anfang 7 Ubr. Dienstag: Opernhaus. 125. Vorstellung. Freund

riß. Lyrishe Oper in 3 Acten von P. Mascagni.

vom Balletmeister Emil Graeb. Dirigent : Anfang 7 Uhr. Schau!pielhaus. Goethe. Der Tragödie erster Theil. Die pr Handlung gebörende Musik von Anton Fürsten Radziwill und | der Vorstellung: Zweite und leßte Séance des Chevaliers Stuart Cumberland und der Miß Phyllis

von Peter Joseph von Lindpaintner. In Scene ge- feßt vom Ober-Regisseur Max Grube. Anfang Bentley (Demonstrationen der genannten magne- | Verlobt: Frl. Emmy Geiseler mit

Berliner Theater.

Sonntag: Nachmittags Die gestern erwähnte Depression im Nordwesten | 25 Uhr: Der Hüttenbefizer. (Nusha Buge, | izn Sommergarten.

von H. Wilken. Musik von

Bübnenfestspiel von

3 l Concerts 45 Uhr. _131. Vorstellung. Die Weis- Schauspiel in 5 Aufzügen von

Montag: Dieselbe Vorstellung.

Kroll’'s Theater.

132. Vorstellung. Faust von | Anfang 7 Uhr.

tishen Phänomena.) Dienstag: Die Zauberflöte. Mittweh: Die Maccabäer.

Barnay, Ludw. Stahl.) | den Wochentagen 55 Uhr.

Dorf und Stadt. Belle-Alliance-Theaiter.

gent: Mar Gabriel.

Slus - des der Residenz) : Auftreten von Specialitäten.

eßt von Julius | webel.

Täglich: Milär - Concerte. Auf G f t . Zagli): Detlitar - Goncerte. Auftreten von Ge- | F : 9 G N; - “Mus in 3 Aufzügen und einem Vorspiel. Diri- | sangs- und Instrumental - Künstlern. Anfang des E Meine e E Musik

Refidenz-Theaier. Direction : Sigmund Lauten- burg. Sonntag: Neu einstudirt: Firma Ron- | rx ° dinot. (La Securité des Familles,) | [41] Hohenzollern-Galerie

ck Schwank in 3 Acten von Albin Valabrègue. An- Suardon (nach Erckmann und fang 74 Ubr.

Chatrian), deutsch von M. Kalbeck. In Scene ge- seßt vom Ober-Negisscur Teßlaff. Dirigent : Kapell- meister Weingartner. Die Puppenfee. Panto- mimisches Ballet-Divertissement von Haßreiter und still|heitr | Gaul. Musik von J. Bayer. In Scene uf shmied. Nach der Vorstellung Séance des Chevalier | Am Landes - Ausstellungs - Park (Lehrter Bahnhof).

Musik- | Stuart Cumberland. (Neue Sensations - Demon- Geöffnet von 12—11 Uhr. Täglich rie e Æ strationen auf dem Gebiete des Gedanfkfenlesens.) | wifsenshaftlihen Theater. Näher j

Sonntag: Der Waffeu-

Montag: Der Barbier von Sevilla. Nach

Täglich, bei günstigem Wetter: Großes Concert Anfang Sonntags 4 Ubr, an

Sonntag: Mit j durchweg neuer, glänzender Ausstattung. um Sonntag: Nachmittags | 12. Male: Der Güustling. Operette in 3 Acten von Hermann Sternheim. Musik von Carl Grau. In Scene gefeßt vom Director Sternheim. Diri-

Im prachtvollen, glänzenden Sommer - Garten (vornehmstes und großartigftes Sommer-Etablissement

Großes Militär-Doppel-Coucert.

Abends: Feenhafte Jllumination des ganzen Garten- Etablissements durch 50 000 Gasflammen.

| Ehrliche Arbeit. Volks\tück mit Gesang in 4 Acten Anfang des Concerts 34 Uhr, Anfang der Vorstellung Bial und V. | 77 Uhr

“Montag : Der Günstling.

Adolph Ernf-Theater. 28. Male: Fräulein Feldwebel. Gesangëposse

Sonntag: Zum

af L N En Dee uno Friedri - Wilhelmstädtisches Theater. | in 3 Acten von Ed. Jacobson und W. Mannstädt. iee 1 Vriginallieder aus J. D. von Scheffel's Sonntag: Mit neuer Ausftattung zum 114. Male: | Musik von G. Steffens. In Scene gesezt von btung R. Bunge. Ballet von Charles | Das Sountagskind. Operette in 3 Acten von | Adolvh Ernst. Anfang 7x Uhr.

Guillemin. Dirigent: Musikdirector Wegener. An- Hugo Wittmann und Julius Bauer. Musik von O O SENL ; L N Carl MillôFer. In Scene ges. Schauspielhaus. 130. Vorstellung. Die ÎUng: | Frische. Dirigent: Kavellmeifter Federmann. Die Decorationen aus dem Atelier von Falk. Die neuen Costume vom Garderoben-Inspector Venßky. An-

. Montag und folgende Tage: Fräulein Feld

Der Sommer-Garten ist geöffnet.

Thomas-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30. Direction: Emil Thomas. Sonntag: 15. Gast-

Montag: Zum 115. Male: Das Sonntags- | F; Tra ck E Q Montag: Opernhaus. 124. Vorstellung. Der | kind. spiel von Frau Emma Sebold, Herrn Adolf Brakl Ring des Nibelungen. Richard Wagner. Dritter Abend : Götterdämme-

und Herrn Alfred William vom Carl-Theater in Wien. um 15. Male: Novität! Die Ulanen. Novität!

n Cc é Ernst Meißner. Dirigent : Kapellmeister Eduard Weber. Anfang 74 Uhr.

Montag: Die Ulanen.

am Lehrter Bahnhof. Gr. bistor. Nundgemälde 1640—1890. 9 Vorm. 11 Ab. L A Kinder 50 4.

Urania, Anstalt für volksihümliche Naturkunde.

es die Anf@lag- ¿ettel. Anfang 74 Ubr

Familien - Nachrichten.

. Ritter-

utébesißer Oscar Herbig (Berlin—Pieékow bet Pfaffendorf, Mark).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Prem.-Lieut. vot Gröling (Weißenfels). Hrn. Landgerichts-Rath von Alten (Straßburg i. E.) Eine Tochter: Hrn. Rittmeister von. Glasenapp (Leobschüß). Orn. Rechtsanwalt Karl Wilke (Berlin).

Gestorben: Hr. Pastor Adolph Eckardt (Woosien). Fr. Idalie von Zerboni di Sposetti, geb. vos Burghof (Breélau). Fr. Landgerichts-: Agnes Andrae, geb. Scheele (Berlin).

Redacteur: Dr. H. Klee, Director. Berlin:

Verlag der Expedition (Scholz).

Druck der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlag#- Anstalt, Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32 Sieben Beilagen (eiashließli4d Börsen-Beilage).

agisirat *

Er ît e Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

M 114.

Berlin, Sonnabend, den 14. Mai

1592.

Deutsches Neic. Nachweisung

innahme an Wechselstempelsteuer im Deutschen Reich e Eür v Zeit vom 1. April 1892* bis zum Schlusse des Monats April 1892.

c 9 2. 3.

: Einnahme Einnahme in demselben im Monat Si Nril 1899 es April 1892 Vorjahres M [A A

Ober-Post-Directions- Bezirke.

1. Im Reihs-Post- Gebiete:

1) Königsberg

9) Gumbinnen .

3) Danzig

4) Berlin

5) Potsdam .

6) Frankfurt a.D.

7) Stettin

8) Köslin

9) Posen - s

10) Bromberg .

11) Breslau .

12) Liegnitz

13) Oppeln .

14) Magdeburg .

15) Halle a. S. .

16) Erfurt.

17) Kiel

18) Hannover

19) Münster.

2) Minden

91) Arnéberg .

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93) Franffurt a. M.

590/90 4960 47280 19 424/60 642/50 878 40

2 074/60 197/90 573/40 915

1 064/30 466/40

1 173/60 2 862

10 691/40 4 028 60

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94) Köln . 9%) Aachen %) Koblenz . 97) Düsscldorf E a 1 6248 99) Dreéden . 14 847/70 30) Leipzig 46 212/40 31) Karlsruhe 2174 32) Konîtanz . 33) Darmstadt ; 34) Schwerin i. M. %) Oldenburg . 3) Braunschweig . | ß 37) Bremen . S ; g 21 927/10 38) Hamburg . Ñ 82 920!'40|— 39) Straßburg i. E. 16 820/10|— 10) Metz : 5 404 60|— 634 619 20|— 62 853 70|— 24 557 20|[— 01 722 030!10|—

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Summe I.

II. Bayern E 111. Württemberg . Ueberhauvt

Berlin, im Mai 1892. Hauptbuchhalterei des RNeihs-Schazamts.

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N: E

Personalveränderungen.

Königlich Preußische Armee.

_ Dffiziere, Portepee-Fähnrichez2. Ernennungen, Be- sôrderungen und Verseßungen. Im activen Heere. Neues Palais, 6. Mai. Prinz Friedrich Heinrich von Preußen Königlidze Hoheit, Sec. Lt. vom 1. Garde-Regt. z. F., zum Pr. Lt. befördert. v. Arnim, Oberst-Lt. a. D., zuleßt Bats. Commandeur im jegzigen Füs. Regt. von Gersdorff (Hefs.) Nr. 89, der Charakter als Oberst verliehen.

In der Gendarmerie. Potsdam, 10. Mai. v. Massow, Pr. Lt. von der Cav. 2. Aufgebots des Landw. Bezirks Belgard, früher im Ostpreuß. Drag. Regt. Nr. 10, bei der Landw. ausge- shieden und in der 9. Gend. Brig. angestellt. v. Borcke, Major von der 12. Gend. Brig., ein Patent seiner Charge verliehen.

Abschiedsbewilligungen. Im activen Heere. Pots- dam, 10. Mai. v. Taysen, Gen. Lt. und Abtheilungs-Cbef im Großen Generalstabe, in Genehmigung seines Abschiedêgesuhes mit Pension zur Disp. gestellt. =-, În der Gendarmerie. Potsdam, 10. Mai. Werth, Dberst-Lt. von der 9. Gend. Brig., mit Pension und der Uniform des 2. Hannov. Drag. Regts. Nr. 16 der Abschied bewilligt. Hübner, pen}. Dber-Wachtmstr., bisher in der 3. Gend. Brig., der Charakter als Sec. Lt. verliehen.

XTL. (Königlich Sächfishes) Armee-Corps.

Offiziere, ‘Portepee-Fähnrihe x. Ernennungen, Beförderungen und Verseßungen 2. Jm activen Heere. 9. Mai. v. Stiegliß, Oberst-Lt. und etatsmäß. Stabsoffizier des 2. Königin-Hus. Regts. Nr. 19, zum Commandeur des 1. Ulan. Regts. Nr. 17 Kaiser Franz Joseph von Oesterreich König von Ungarn ernannt. v. Boddien, Major und Escadr. Chef vom 1. Ulan. Regt. Nr. 17 Kaiser Franz Joseph von Oesterreich König von Ungarn, als etatêmäß. Stabsoffizier in das 2. Königin-Hus. Regt. Nr. 19 Siuept. Aufshläger, Major vom 4. Inf. Regt. Nr. 103, unter Stellung à la suite des Regts., zum Eisenba nlinien-Commissar grnannt. Kraßert, Major und Comp. Chef vom 4. Inf. Regt.

r, 103, von der Stellung als Comp. Chef enthoben. Brückner, i - _£t. vom 3. Feld-Art. Regt. Nr. 32, unter dem 1. Juni 1892 in 9e Suß-Art. Regt. Nr. 12, Güttler, Pr. Lt. vom Fuß-Art. Regt. a 12, mit der Erlaubniß zum Forttragen seiner bisherigen Uniform, vetse dem 1. Juni 1892 in das 3. Feld-Art. Regt. Nr. 32,

s Kaiserliche Marine. se D ffiziere 2. Ernennungen, Beförderungen, Ver- ungen x. Neues Palais, 11. Mai. Deinhard, Vice- S rer von der Stellung als Chef der Manöverflotte entbunden. Chef, dae Et Vice-Admiral, unter Entbindung von der Stellung als erre „der Marinestation der Nordsee, zum Chef der Manöverflotte

E bomsen, Contre-Admiral, Inspecteur der Marine-

« unter Belaffung in dieser Stellung, mit der Vertretung des

fehlenden Chefs der Marinestation der Nordsee beauftragt, Friße, Capitän zur See, mit dem 1. Juni von dem Commando zur Dienst- [leistung beim Neichs-Marineamt, Hornung, Corv. Capitän, von der Stellung als Commandant S. M. Panzershiff „Baden“, entbunden. Claussen v. Fin ck, Capitän zur See, zum Comman-

—_—

danten S. M. Panzershiff „Baden“ ernannt.

Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten. 63. Sißung vom Freitag, 13. Mai.

Der Sißung wohnen der Vice - Präsident des Staats- Ministeriums, Staats-Minister Dr. von Boetticher, der Minister des Junern Herrfurth, der Minister für Handel und Gewerbe Freiherr von Berlep)ch, der Finanz-Minister Dr. Miquel, der Minister der öffentlihen Arbeiten Thielen und der Minister der geistlihen 2c. Angelegenheiten Dr. Bosse bei.

Die dritte Berathung des Gesezentwurfs wegen Ab- änderung einzelner Bestimmungen des Allge meinen Berggeseßes vom 24. Juni 1865 wird fort- geseßt bei S 80 K. : :

Nach dem Beschlusse zweiter Lesung soll die Lohnberech- nung auf Grund abgeschlossener Gedinge unter Beobachtung folgender Vorschriften erfolgen: 1) wird die Leistung aus Zahl und Rauminhalt der Fördergefäße ermittelt, so muß dieser am Fördergefäße selbst dauernd und deutlich ersichtlich gemacht werden, 2) wird die Leistung aus dem Gewichts- inhalt der Fördergefäße ermittelt, so muß das Leergewicht jedes einzelnen derselben vor dem Beginn des Gebrau und später in jedem Betriebsjahxe mindestens einmal von Neuem festgestellt und am Fördergefäße selbst dauernd und deutlich ersichtlich gemacht werdèn.

Die Abgg. Hitze (Centr.), Dasbah und Genossen beantragen :

1) Daß, soweit die Arbeitsleiftung nah dem Rauminkhalt der Fördergefäße ermittelt wird, auf einer und derselben Grube (Gruben- abtheilung) nur Fördergefäße von gleihem Rauminbalt benutzt werden dürfen und der Rauminhalt vor dem Beginn des Gebrauchs festgestellt werden muß.

2) Daß somit die Arbeitsleistung aus dem Gewichtsinhalt der Fördergefäße ermittelt wird, das Leergewicht derselben von vorn- herein und nach jeder Reparatur festgesezt und exsihtlib gemacht werden muß und, wenn nicht jedes einzelne Fördergefäß abgewogen wird, die Fördergefäße gleihe Form und gleihen Rauminkbalt baben müssen.

3) Daß aus besonderen Gründen erforderliße Ausnahmen von den Vorschriften der Nr. 1 und 2 ‘der Genehmigung der Berg- behörden bedürfen. E :

Ferner beantragen dieselben Abgeordneten für den Fall der Ablehnung ihrer Anträge als Nr. 3 zu bestimmen :

„Sind die Fördergefäße von verschiedenem Rauminhalt, fo ift E bei der Festseßung und Berechnung des Lohnes zu berück- netigen.“

Abg. Graf D ouglas (freiconf.) und Genossen beantragen, die Nummer 1 des 8 80k wie folgt zu fassen :

Wird die Leistung aus Zahl und NRauminhalt der Förder- gefäße ermittelt, fo muß dieser, sofern niht überhaupt Förder- gefäße von gleihem Rauminhalt benußt werden und leßteres vor dem Beginn des Gebrauches befannt gemacht wird, am Förder- gefäße selbst dauernd und deutlih ersihtlich gemacht werden.

Abg. Graf Douglas (freicons.): Die Anträge seien durchaus nit principieller, sondern praktisher Natur. Die Maßregel, die der Antrag Hite vorschlage, sei nur zutreffend für alle diejenigen Werke, in denen Fördergefäße mit verschiedenem Rauminhalt gebrauht würden, dies seien aber faum 10 9%/ aller Werke, in allen anderen würden gleiche und zwar geaihte Gefäße benußt. Auch durch seinen Antrag würden die Werke veranlaßt, möglichst überall gleihe Gefäße einzuführen, um dadurch Behelligungen zu entgehen. Er habe seinen Antrag mit allen seinen Parteigenoften und allen Mitgliedern der Commission be- prochen und ihm seien von keiner Seite Bedenken entgegengehalten, daß man bierdurch die Interessen der Arbeiter verleßen fönne. Wenn doch noch jeßt berechtigte Bedenken laut werden sollten, werde er feinen Antrag zurückziehen. So aber bitte er, seinen Antrag an- zunchmen.

Abg. Hitze (Centr.): Wie in den anderen Fragen, werde seine Partei auch bier für die Wiederherstellung der Regierungsyorlage eintreten. Die Ausnahmen und deren Erweiterung habe der Minister bereits gestern gebilligt. Man halte seiner Partei gegen ihren früheren Antrag technische Bedenken entgegen. Sie habe ihnen Rechnung ge- tragen und in ihrem jeßigen Äntrag die tehnischen Schwierigkeiten beseitigt. Sollte der Antrag jedoch abgelehnt werden, dann werde sie, gutmüthig wie sie sei, für den Antrag Douglas stimmen, in der

offnung, daß auch dieser die Unternehmer veranlassen werde, gleiche FSördergefäße einzuführen.

Abg. Dr. Sch üulß-Bochum (nl.): Er bitte den Antrag Douglas anzunehmen, den Antrag Hitze aber abzulehnen. Der leßtere enthalte zwar eine Verbesserung gegen die Vorlage, doch bleibe dadurch immer noch ein Zwang bestehen, weil auf polizeilihe Ver- ordnung Fördergefäße mit gleihem Rauminhalt eingeführt werden müßten, das würde eine Belästigung der Grubenbesitßer sein. Eine Gefahr für die Bergleute liege in keiner Weise vor, auch wenn die Fördergefäße niht alle gleich seien, denn die Ehrlichkeit der Bergbeamten und Tantièmeneinnehmer biete die Gewähr dafür, daß die Arbeiter niht übervortheilt würden.

Abg. von Schal scha (Centr.): Es sei gestern von anderer Seite eine Acußerung gefallen, daß eigentlich zu diesem Geseße nur solche Herren sprechen follten, die selbst in die Grube führen. Zu diesen geböre er niht. Er sei aber weder Redacteur, noch Jurist, noch Kaplan, noch überhaupt ein Geistlicher, vielleiht diene das als Empfehlung, hier sprehen zu dürfen; wenn er au zu einer Fraction gehöre, der gestern der Vorwurf gemacht worden set, daß sie die Kunst besitze, die Eins vor die Nullen zu seßen, im Gegensaß zu'“einer anderen, die vielleiht die Eins noch nicht gefunden habe, um fie vor die Nullen zu seßen. Der Antrag Hiße werde seiner Meinung nah der erste essentielle Antrag sein, der vor das Haus komme. Bis jeßt habe das Haus immer gesagt: es nehme diesen Antrag an oder auch jenen, der ihm gerade besser scheine, es seien das feine Prinzipienfragen. Den Standpunkt verstehe er, glaube aber, man könne sih doch auch ein eigenes Urtheil erlauben, wenn ein wesentlicher Vortheil für die betheiligten Kreise daraus erwahse. -Die Forderungen seines aaen iße schienen ihm wesentlich im Interesse der Arbeiter zu tegen. b die Arbeiter Grund zu Mißtrauen hätten, wenn ver- schiedene Fördergefäße zur Anwendung kämen, darüber wolle er hier nicht sprechen; die Thatsache sei aber vorhanden, das Mißtrauen be- stebe, und es möge ja auh die Möglichkeit einer Gefahr der Benach-

ibeiligung der ‘Arbeiter bei - vershiedener Größe der Gefäße größer sein, als wenn sie alle gleih seien. Er meine, der Antrag Hiße ent- halte eine so große. Fülle von Billigkeit, und sei noch dazu fo schmadck- haft gemacht, indem gesagt sei, daß unter besonderen Gründen erforder- liche Ausnahmen von den Vorschriften gemaht werden könnten, daß er nit einfebe, warum er nicht solle angenommen werden ftönnen. Unkosten könnten den Grubenbesitzern daraus auch nit entstehen, denn es sei gesagt, daß da, wo verschiedene Fördergefäße beständen, die alten erst verbrauhs werden fönnten. Es

Minister für Handel und Gewerbe Freiherr von Berlepsch:

Meine Herren! Auh ich möchte Sie bitten, den Antrag der Herren Hiße und Genossen anzunehmen. Der Standpunkt der Re- gierung zu $ 80k is wiederholt von technischer Seite beleuchtet worden; ih brauche nicht nochmals darauf einzugehen. Jh kann nur auësprehen, daß die Techniker der preußishen Bergverwaltung der bestimmten Ueberzeugung sind, daß die Maßnahmen, die in $ 80k vorgeshlagen werden, leiht auéführbar sind, obne gleichzeitig über- große Belästigungen für die Grubenbesißer und Verwalter mit sich zu bringen. Meine Herren, der Herr Abg. Dr. Schulz hat davon gesprochen, daß “man doch bedenken möge, daß eine Gefahr für die Bergleute in keiner Weise vorliege, daß weder die Dividende-Einnehmer noch die Tantième-Einnehmer daran denken könnten, si einen Vortheil aus der Uebervortheilung der Bergleute zu verschaffen. Auf dem Standpunkt dieser Besorgniß hat niemand biéher gestanden ; au Herr von Shalscha bat eben die Freundlichkeit gehabt, auf das eingehendste darzulegen, daß das nicht die Bedenken sind, die vorliegen. Die Be- denken liegen lediglich in der Unflarheit des Lohnverhältnisses, die unserer Meinung nach vorhanden is, wenn man nit dafür sorgt, daß die Fördergefäße, nah denen der Lohn berechnet ist, einen gleichen Inhalt oder ein gleihes Gewiht baben. Das ist der Grund der Vorlage. Sie müssen bedenken, meine Herren, daß es fih um Hun- derte von Fördergefäßen, um Tausende von Bergleufen auf vielen Gruben handelt, daß auf der Grube ein ungemein hastiger Betrieb vor sich geht, daß gerade in solhen Fällen die Gleichheit und Klarheit des Maßes viel erforderlider ist,

als in irgend welchen anderen Betrieben. (Sehr richtig!) Wir wissen außerdem, daß es ein entschiedener und lebhaft aus- gesprohener Wunsch unserer ganzen Bergarbeiterschaft ift, daß in diesem Punkte ihren Wünschen in der Geseßesvorlage Rechnung ge- tragen wird. Ó

Wenn wir nun das alles zusammenfassen, auf der einen Seite, daß es gut ist, für klares Maß zu sorgen, daß es einem dringenden Wunsch der Arbeiterschaft entspriht, wenn diese Bestimmung eingeführt wird, wenn wir auf dex anderen Seite überzeugt sind, daß betriebs- tehnishe Schwierigkeiten nicht vorliegen, daß eine übergroße Be- lästigung der Bergverwaltungen nit eingeführt wird, dann, meine ih, können wir unbedenklich dem Antrage des Centrums zustimmen, um fo mehr, meine Herren, als in der jegt vorliegenden Fassung auch diejenigen Bedenken beseitigt sind, die meines

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Erachtens die allein s{werwiegenden sein können, nämli die finanziellen, die geléend gemacht wurden. Es wurde 3 geführt, daß, wenn eine Grube zur Veränderung ihres Wagensystems übergehen will, fie naturgemäß nur mit einigen Wagen anfangen wird, daß sie das niht mehr könne, wenn die Geseßesvorlage in Kraft getreten sei, und daß infolge dessen es sind ja einige Fälle angeführt worden Ausgaben bis zur Höhe von 75 000 für ein einzelnes Werk entsteben können. Meine Herren, die Befürchtung kann meines Erachtens niht mehr vorgebracht werden, denn die Ober-Bergämter werden jeßt zweifellos in folhen Fällen die Ausnahmebefugniß, die ihnen der Vorschlag Hiße giebt, ausüben. Ih kann Sie also nur nochmals bitten, den Antrag anzunehmen: ich stelle nur anbeim, ob die Herren Antragsteller ibren Antrag modificiren wollen, indem sie in Nr. 2 des $ 80k die Worte „sowie nah jeder Reparatur“, wie sie in der Regierungsvorlage enthalten sind, fallen lassen. Wir haben uns einverstanden damit erklärt, daß diese Bestimmung fällt, weil wir der Meinung waren, daß, wenn die sonstigen Cautelen des $ 80K 2 gegeben werden, es nit erforderli werden wird, daß na jeder Reparatur wieder vom neuen festgestellt und an dem Fördergefäße deutlih ersihtlich gemacht wird, wie groß das Leergewicht des betreffenden Wagens ist. (Bravo!)

Abg. Dr. Hammacher (nl.) Der wesentlihste Schuß der Berg-

arbeiter gegen Beeinträchtigung infolge der Benußung verschieden- artiger Fördergefäße bestehe in der Vorschrift, daß der Rauminhalt auf denselben angegeben werden müsse. Jm Uebrigen dürfe man die Sache nicht allzu tragisch nehmen. Auf dem größten Theil der Bergwerke seien bereits Fördergefäße gleichen Rauminhalts eingeführt. Den Antrag Hiße anzunehmen habe das * Haus gar keinen Grund, denn es sei selbstverständlih, daß der Lohn des Arbeiters nah dem Rauminhalt der Fördergefäße berechnet werde. Wolle man Ueberflüssiges in das Geseß aufnehmen, so könne man noch Dußzende folher Bestimmungen treffen. __ Abg. Hitze (Centr.): Seine Partei halte gleihe Fördergefäße für das Beste, trage aber den gegenwärtigen Verhältnissen Rech- nung. Der Lohnberechnung werde, wie sih auch aus der Denkschrift ergebe, der Durchschnitt der Gefäße zu Grunde gelegt.

Nach Ablehnung der Anträge Hiße wird darauf der An- trag Es und mit ihm $ 80k angenommen.

Bei Art. Ÿ kommt

Abg. Hitze (Centr.) nochmals auf den Normalarbeitstag zurück und weist darauf hin, daß die ablehnende Stellung der englischen Arbeiter zu dieser Frage nicht maßgebend für die Stellung der deutschen Arbeiter fei; denn in England seien die Arbeiter organisirt und könnten sih selbst helfen, in Deutschland könne ihnen nur dur Gesetz ge- bolfen werden. F __ Abg. Dasbach ra Die Arbeiter hätten sich u. a. auf einer Versammlnng zu Bildstock für die achtstündige Arbeitszeit incl. Ein- und Ausfahrt ausgesprochen und dort für Sonnabend und Montag noch eine kürzere Arbeitszeit gewünscht. Die Ablehnung des Antrags seiner Partei zu diesem Punkte würde durchaus nicht agitatorish ge- wirkt haben, wohl aber müsse die fee La ihrer sehr bescheidenen Forderung die Erbitterung der Arbeiter hervorrufen.

Minister und Gewerbe Freiherr von Berleps\ch:

Meine Herren! Gegenüber der Berichtigung, die der Herr Ab- geordnete meinen Ausführungen hat zu theil werden lassen, halte ih

für Handel