1892 / 130 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

war von h ciner Scrur be- rif unga in der Art auf- uerlegen, daß ihm nah erfolgter Abnahme die di, d

nsprüche nur noch wegen solher Mängel zustehen jollen, die thm bei der Abnahme ohne grobe Fahrlässigkeit unbekannt geblieben oder von Uebernehmer A Un sind, sowie wegen solcher bestimmt bezeihneter Mängel, wegen deren er sich bei der Abnahme seine Rechte vorbehalten hat. Nach lebhafter Debatte entschied fih die Mehrheit unter Ab- lehnung des Antrages für den Entwurf. Auch die Vor- schriften des § 573 Abs. 1, 2, welche die Zeit der Ent- rihtung der für die Herstellung des Werkes vereinbarten Vergütung festsezhen, wurden nah dem Entwurf angenommen. Dagegen wurde die Vor- schrift des Abs. 3 des § 573 über Verzinsung einer als Gegenleistung geschuldeten Geldsumme gestrihen. Gegen die Vorschrift des Z 574, welhe dem Uebernehmer ein geseß- lihes Pfandrecht an den von ihm bearbeiteten beweg - lihen Sachen des Bestellers gewährt, erhob sih kein Wider- spruch. Zu einer sehr eingehenden Erörterung führte aber die von dem Entwurf verneinte Frage, ob auch dem Uebernehmer eines Bauwerkes (dem Bauhandwerker) wegen seiner Forde- rungen für Arbeit, Material und Auslagen ein geseßliches Pfandrecht an dem Baugrundstück oder wenigstens ein

fandrehtstitel eingeräumt werden solle. Man war überwiegend der Ansicht, daß die Bauhandwerker zwar thunlichst gegen Verluste zu s{chüßen seien, die Einräumung eines geseß- lichen Pfandrehts jedoch mit den Zwecken des Grundbuchs sich nicht vereinigen lasse und deshalb ein weitergehender Schuß als die Gewährung eines Pfandrechtstitels und die Zulassung der Eintragung einer Vormerkung nach Maßgabe der Vor- schriften des § 845 nicht angängig sei. Jm einzelnen gingen die Ansichten darüber auseinander, ob dem Ucbernehmer ein Anspruch auf Bestelluig einer sogenannten Buchhypothek oder nur auf Bestellung einer Sicherungshypothek, ferner ob ihm dieser Anspruch sofort nach Abschluß des Werkvertrages oder erst nach der“ Jnangriffnahme des Werkes für einen der bereits geleisteten Arbeit entsprehenden Betrag der Vergütung oder nur wegen seiner fälligen Forderungen zustehen jolle. Die Mehrheit entshied sich dahin, dem Uebernehmer wegen seiner Forderungen aus dem Werkvertrage einen Anspruch auf Bestellung einer Sicherungshypothek an dem Baugrundstücke zu gewähren; für den Fall jedo, daß die Forderungen noch nit fällig find, nur für cinen der bereits geleisteten Arbeit entsprehenden Betrag der versprochenen Ver- ütung. Der § 575, welcher dem Uebernehmer einen Anspruch auf eine angemessene Vergütung zu- spricht, wenn der Beginn oder die Fortführung des Werkes dadurch verzögert wird, daß der Besteller die ihm zur Ausführung des Werkes obliegenden Handlungen er Aufforderung des Uebernehmers ungeachtet nit vornimmt, wurde im wesentlihen nach dem Entwurf angenommen, jedoch mit dem Zusaße, daß der Ueber- eliver berechtigt sein soll, dem Besteller zur Nachholung der vorzunehmenden Handlungen eine angeme}sene Frist mit der Erklärung zu bestimmen, daß er von dem Vertrage zurücktrete, wenn die Handlungen nicht innerhalb der Frist vorgenommen werden. Auch die S8 576, 577, welche die Tragung der Gefahr des Werkes regeln, fanden die Zustimmung der Mehrheit, der § 576 jedoch mit dem Zusaße, daß, wenn das Werk auf Verlangen des Bestellers von dem Uebernehmer an einen anderen Ort als denjenigen versendet wird, an welchen es nach dem Vertrage abzuliefern ist, die für den Kauf getroffenen Vorschriften des S 465 entsprechende g finden sollen. Der von einer Seite gestellte Antrag, den § 577 dahin zu verallgemeinern, daß, wenn das Werk vor der Abnahme infolge eines bei dem Besteller eingetretenen Umstandes, insbesondere bei Herstellung eines Bauwerks infolge cines das Baugrundstück treffenden Zufalls, untergegangen oder vershlehtert oder un- ausführbar geworden sei, der Uebernchmer Anspruch auf einen der von ihm geleisteten Arbeiten entsprehenden Theil der Ver- ütung sowie auf Ersaz der in der Vergütung niht mit- egriffenen Auslagen haben solle, wurde abgelehnt, ebenso der eventuelle Antrag, dem Uebernehmer einen solchen Anspruch zu gewähren, wenn der Untergang oder die Verschlechterung des Werkes dur höhere Gewalt herbeigeführt sei. Auh dem von anderer Seite gestellten Antrage, bei Herstellung eines Baumwerkes den Besteller die Gefahr der durch höhere Gewalt verursahten Beschädigung oder Zerstörung tragen zu lassen, wurde keine Folge gegeben. Gegen das im § 578 dem Be- steller eingeräumte freie Rücktrittsreht erhob sich kein Widerspruch. Eine Ergänzung erfuhr aber der S 578 dur die Aufnahme einer Vorschrift, welhe dem Besteller wegen einer wesentlichen Ueberschreitung eines Vor- anschlages der Kosten den Rücktritt vom Vertrage mit der Wirkung gestattet, daß der Anspruch des Uebernehmers si auf einen der von ihm geleisteten Arbeiten entsprechenden Theil der Vergütung beschränkt. Der Uebernehmer soll aber dem Besteller zum Schadensersaß verpflichtet sein, wenn er nicht unverzüglih, nahdem er die zu erwar- tende Ueberschreitung des Voranschlages erkannt hat oder hâtte erkennen müssen, von derselben dem Besteller An- zeige gemacht hat. Der § 579, welcher den Begriff des Werkvertrages auch auf solhe Verträge ausdehnt, die nit die Herstellung oder Veränderung einer Sache, sondern cinen sonstigen durch Arbeits- oder Dienstleistung herbei- zuführenden Erfolg zum Gegenstande haben, hat durch die Beschlüsse zu § 567 seine Erledigung gefunden. Zu einer lebhaften Discussion führte die (früher ausgeseßte) Be- rathung der Vorschriften des S 568 über die Ab- grenzung des Werkvertrages gegenüber dem Kaufe. Die Mehrheit entschied sich dafür, daß, Uebernehmer fich verpflihtet hat, das Werk aus einem von ihm selbst zu beschaffenden Stoffe herzustelen und dem Besteller zu liefern, die für den Kaufvertrag geltenden Vorschriften Anwendung finden sollen, wenn jedoch eine nicht vertretbare Sache zu liefern ist, nur mit den Abweichungen, die sih aus den für den Werkvertrag geltenden Vorschriften der S8 5693 bis 573, 575 bis 578 ergeben. Gegen die Vorschrift des § 568 Abs. 2 Sas 1, daß, wenn der Uebernehmer sih nur zur Beschaffung Si oder Nebensachen verpflichtet hat, lediglich die Vorschriften über den Werkvertrag Anwendung finden, erhob ih kein Widerspruch. Dagegen wurde die Vorschrift des S 568 Abs. 2 Sah 2, daß das Gleiche auch dann gelten soll, wenn aus dem von dem Uebernehmer zu desSasienden Stoffe ein Bauwerk auf dem von dem Besteller zu beshaffenden Grund und Boden herzustellen ift, gestrichen, da die Vorschrift, soweit richtig, selbstverständlich sei.

els vorbehalten hat antragt, dem Besteller eine P

wenn der

Die Berathung wandte sih sodann den Vorschriften über den Mäklervertrag 580) zu. Der sachliche Jnhalt des 8 580, welcher die Vorausseßungen bestimmt, unter denen cine versprohene Mäklergebühr als verdient anzusehen ist, fand feinen Widerspruch. Verschiedene Anträge, welche den Anspruch auf die Mäklergebühr auszuschließen be- zweckten, wenn der mit der Vermittelung eines Ver- trages beauftragte Mäkler sich nicht nur von der cinen Partei, sondern unter Tes dieses Umstandes auch von der anderen D eine Mäklergebühr hat ver- sprechen lassen, wurden abgelehnt. - Die Me! war der Ansicht, daß, soweit in Fällen der Art das Verhalten des Mätklers si als eine Verleßung seiner Vertragspflichten dar- stellen sollte, die allgemeinen Grundsäße ausreichend seien, um etwaigen Mißbräuchen wirksam zu begegnen.

Seine Königliche Hoheit der Erb großherzog von Baden, Commandeur der 4. Garde-Jnfanterie-Brigade, hat sih mit Urlaub nah Koblenz und Baden begeben.

Die Bevollmächtigten zum Bundesrath, Königlich württem- bergisher Ober-Finanz-Rath von Fischer und Senator der freien und Hansestadt Lübeck Dr. Klügmann, sind von Berlin abgereist.

S. M. S. „Arcona“, Commandant Corvetten-Capitän Draeger, ist am 1. Juni in Barbados (Westindien) ein- getroffen.

S. M. Kreuzer „Sperber“, Commandant Corvetten- Capitän Fischer, ist am 17. Mai in Apia eingetroffen.

Bayern.

München, 2. Juni. Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Luxemburg traf gestern von Kopen- hagen hier ein und seßte nah kurzem Aufenthalt seine Reise nah Schloß Hohenburg fort.

Reuß j. L.

Gera, 2. Juni. Seine Durchlaucht der L rstt feiert am 11. Juli das Fest seiner fünfundzwanzigjährigen Regierung. Auf Wunsch Seiner Durchlaucht unterbleiben alle kostspieligen Festlich- keiten; um aber den Tag zu ehren, hat sich im oberländischen wie im ei Bezirk, der „Ger.-Ztg.“ zufolge, eine Anzahl an- gesehener Persönlichkeiten zusammengethan, um durch Samm- lung freiwilliger Spenden das Kapital für eine wohlthätige Süftung zusammenzubringen, das dem Fürsten zu beliebiger Verwendung übcrreicht werden soll.

Elsaß-Lothringen.

Straßburg, 2. Juni. Der Statthalter Fürs Hohen- lohe traf auf seiner Rundreise heute in Diedenhofen cin und wurde von den Behörden und der Bevölkerung festlich empfangen. Den Kreis- und Stadtbehörden gegenüber sprach der T für den herzlihen Empfang wiederholt seinen Dank aus. :

Oesterreich-Ungarn.

Der Papst wird dem Kaiser Franz Joseph, wie in Budapest verlautet, aus Anlaß des fünfundzwanzigjährigen Jubiläums der Krönung zum König von Ungarn durch den Nuntius Galimberti ein eigenhändiges Begrüßungsschreiben überreichen lassen. :

Dem „Fremdenblatt“ zufolge is es unrichtig, daß die Handelsvertragsverhandlungen mit Serbien in Pest fortgeseßt werden sollen. Die Verhandlungen würden thatsähüh heute in Wien wieder aufgenommen werden. Unrichtig sei ferner, daß es sich bei den bevorstehen- den Verhandlungen nur noch um wenige Punkte der Veterinär-Convention handle. Gegenüber den Be- rihten auswärtiger Blätter über angeblihe Aeußerungen des serbishen Cabinets-Präsidenten Pafic kann das „Fremdenblatt“ auf Grund verläßlihster Jnformationen melden, daß betreffs des Grenzverkehrs keine principielle Meinungsverschiedenheit bestehe und daß auch Ia der Frage der Veterinär-Convention eine Verständigung bereits an- gebahnt sei. Die Hauptschwierigkeit liege vielmehr in der Fixirung der Zollsäße des serbishen Tarifs.

Gegenüber anderweitigen Meldungen mehrerer Blätter

wird, wie „W. T. B. meldet, aus competentester Quelle ver- sichert, der Chef der Cabinets-Kanzlei habe von einem Mitglied der rumänischen Deputation nur ein versiegeltes Padcket übernommen; namentlich sei unrictig, daß er erflärt habe, er werde die angeblih in dem Packet enthaltene Denk- {rift dem Kaiser alsbald vorlegen. Das Packet sei vielmehr dem in der Angelegenheit competenten ungarischen Ministerium überwiesen worden. :

Das Abgeordnetenhaus hat gestern einstimmig einen Dringlichkeitsantrag des Abg. Sueß angenommen, durch den die Regierung aufgefordert wird, für die durch die Katastrophe vonPrzibramBetroffenen ausreichend zu jorgen und die Namen der bei den Rettungsarbeiten Be- theiligten auf einer Marmortafel zu verewigen. Der Zungczehe Kaizl dankte im Namen seiner Partei dem Abg. Suceß für die Einbringung des Antrages und bezeichnete die in diesem Falle bekundete Einig- feit aller Parteien als erhebend. Der Minister-Präsident Graf Taaffe erklärte, sofort nah Eintreffen der Nachrichten über den Grubenbrand im Mariashachte des Silberbergwerks Birkenberg seien die nothwendige:1 Verfügungen. getroffen worden. Der Ackerbau-Minister und der Statthalter befänden sich an Ort und Stelle und seien ermächtigt, das Erforderliche anzuordnen. Der Minister-Präsident zollte der bewunderns- werthen Haltung der Bevölkerung während und nach der Katastrophe die größte Anerkennung.

Großbritannien und Frlaund.

Bezüglih der Verhandlungen zwishen England und Spanien wegen cines Handelsabkommens hieß cs neulich, sie wären von England wegen zu hoher Anforderungen Spaniens abgebrochen worden. Dies wurde von dem Parla- ments-Secretär des Ses Lowther in der gestrigen Sizung des Unterhauses mit der einshränkenden Bemerkung bestätigt, daß die Unterhandlungen eine „Zeitweilige Unter- brehung“ erfahren hätten, weil Spanien bisher England die Behandlung als meistbegünstigte Nation oder aber die Ver-

längerung des Uebereinkommens nicht habe ge-

en wollen. Er fügte hinzu, zwischen den Vereinigten Staaten von Nord-Amerifa und Spanien sei ein Ab- kommen über den Handel zwishen den Vereinigten Staaten und den spanischen Antillen abgeschlossen worden.

Die Vorgänge in Uganda bildeten gestern wiederum den Benda einer Anfrage im Unterhause. Lowther er- klärte, bis zum Eintreffen der Berichte des Capitäns Lugard von der englisch-ostafrikanischen ti og könne er darüber keine Erklärung abgeben. Inzwischen is neuester Nachricht zufolge dem Unterhause ein Blaubuch zugegangen, welches eine Anzahl früherer Depeshen über die iquisse in Uganda enthält. Das erste Telegramm is vom 18. April datirt und von dem englishen Konsul in Sansibar an Lord Salisbury gerichtet. Es wird -darin einfach die den französishen Missionaren in Sansibar zugegangenen Nach- richten über die Niedermegzelung französischer und ein- heimisher Katholiken in Üganda, für welhe Capitän Lugard und die Beamten der englisch - ostafrika- nishen Gesellschaft verantwortlich gemacht worden seien, mitgetheilt. Lord Salisbury fragte am 28. April wegen der Quelle dieser Nachrichten an und erhielt zur Antwort, daß; diese den Berichten des französishen Bischofs in Uganda und des Lieutenants Langheld entstammten. Am 16. Mai meldete der englishe Konsul in Sansibar nach Berichten aus eng- lischer Quelle, daß große Kämpfe in Uganda stattfänden und daß Capitän Lugard Waffen und nition nöthig haben würde. Die englisch-ostafrikanishe Gesellschaft übermittelte am 16. Mai ein Telegramm aus Mombasa, wo- nah Capitän Lugard unter Vorbehalt der Genehmigung seitens des Khedive tausend Mann gut bewaffneter egyptischer Truppen unter Befehl Selim-Bey's anwerbe, welche unter der Flagge der Gesellschaft kämpfen sollten.

Das Oberhaus hat sih bis zum 13. d. M. vertagt.

Frankreich.

Der Präsident Carnot empfing gestern Nahmittag im Elysée den König von Schweden unter den üblichen Ehren- bezeugungen. Heute Vormittag wird der König das Déjeuner im Elysée einnehmen und Abends nah Genf abreisen.

Der Prinz Ferdinand von Sachsen-Coburg traf gestern in Paris ein und reiste nah kurzem Aufenthalt mit

er Prinzessin Clementine nah Chantilly ab.

In der gestrigen Sißung der Deputirtenkammer richtete Délroulède eine Anfrage an die Regierung wegen der Gerüchte über Abänderungen des Festpro- gramms in Nancy. Der Minister-Präsident Loubet er- widerte, die Regierung habe diese Feste in voller Freiheit ge- regelt, ohne fih irgend wie durh Erwägungen beeinflußen zu lassen, auf welche die Presse angespielt habe. Hierauf wurde die Sißung geschlossen.

Sämmtliche niederländishen Studentenverbin=- dungen haben dem „H. T. B.“ zufolge die Betheiligung an der Feier in Nancy abgelehnt. Auch die italienischen demokratishen Studentenvereine haben beschlossen, an der Bee nicht theil zu nehmen, sie werden aber einen Bundes- gruß entsenden.

Die Budgetcommission seßte in dem Getränke- steuer-Entwurf die vorgeschlagene Steuer von 50 Centimes S pen Grad Alkohol in einem Hektoliter Bier auf 30 Centimes.

erab.

Die beiden Brüder Henry, deren Verhaftung wegen ihrer in der Anarchistenversammlung am vorigen Sonnabend gemachten Aeußerungen gestern mitgetheilt worden ist, sind, wie die Pariser Blätter melden, am Dienstag Abend bereits. wieder freigelassen worden. Ebenso ist Pouget, der Leiter des anarchistishen Blattes „Père Peinard“, dessen Freilassung von den Rednern in der Versammlung am Sonnabend beharrlich verlangt wurde, am Montag Abend auf freien Fuß geseßt worden. Er war mit vielen andern Anarchisten vor dem 1. Mai verhaftet worden. Gestern Vormittag wurden nah einer Meldung des „W. T. B.“ in St. Ouen wieder fünf Anarchisten verhaftet.

Rußland und Polen.

Jn Sebastopol sollen im Herbst die Kriegshafen- bauten beginnen, sobald dic der russishen Dampfer- und Handelsgesellschaft gehörenden Werften dem Marineressort über- geben worden sind. Der dortige Kriegshafen soll, nah der „St. Pet. Ztg.“, in jeder Beziehung ein Musterhafen werden: er wird mit den allerneuesten Errungenschaften auf diesem Ge- biete ausgerüstet und in großartigem Maßstabe befestigt.

Die hohe Pforte hat der russishen Regierung gestattet, in San Stefano für die im leßten türkishen Kriege gefallenen russishen Soldaten und Offiziere ein Denkmal zu errichten.

Ftalien.

Der Geseßentwurf über das provisorishe Budget ist nunmehr gestern in der Deputirtenkammer zur Vertheilung gelangt. Heute tritt die Budgetcommission zur Berathung des Entwurfs zusammen. Ucber die weiteren Berathungen der Weinzollclausel in der Kammer wird berichtet: Nach der Erklärung des Finanz-Ministers, die Regierung stimme der sofortigen Anwendung der Weinzollclausel zu, da die italieni- schen Producenten nahezu einstimmig den Res gewährten Zoll- schuß Pte er bitte aber, die facultative Formel anzu- nehmen, beschloß die Kammer gestern in geheimer Abstimmung mit 181 gegen 63 Stimmen die sofortige Anwendung der Weinzollklaus-l in folgender Fassung: Die Regierung ijt ermächtigt für die meistbegünstigten Länder den Einfuhrzoll auf ein Hektoliter Wein in Fässern und Gebinden auf 5 Fr. 77 Cts. herabzusezen. :

Zur Feler der zehnten Wiederkehr des Todes- tages Garibaldi’s (2. Juni 1882) kamen gestern etwa zehntausend Personen auf der Jnsel Caprera jnamen, woselbst auch die ganze Familie Garibaldi’'s weilte. Der König übersande an Meñnotti Garibaldi ein Telegramm, in welhem es heißt: „Das Andenken an den großen Geist Garibaldi's, der, sich die höchste Aufgabe stellend, jeden kleinlichen Ha verachtete, wird stets die lebhafteste Flamme der Vaterlandsliebe bei dem italie- nischen Volke unterhalten, welches die Einheit und Freiheit würdigend, sich an dem Beispiele derjenigen zu be- geistern wissen wird, die ihm diese döchsten Güter eroberten.“ Schließlih bittet der König Menotti, in seinem Namen Blumen auf dem Grabe Garibaldi's - nieder- legen zu lassen. Die Gedenffeier gestaltete sich zu einer glän- zenden Kundgebung. Eine Störung erfuhr sie jedo da-

ur, daß in einem mit Menschen dicht gefüllten Zimmer der Fußboden einstürzte, wodurch zehn Personen verleßt wurden.

- Schweiz mit

Die Handelsvertrags - Unterhandlungen der rankreih dauern noch immer fort. Am Dienstag erst sind, wie der Berner „Bund“ mittheilt, ues orderungen oder Vorschläge von Frankreich ein cia i e vei aber in keiner Weise befriedigend für die Schweiz, fo daß Frankreih fich zu weit crbeblicheren Concessionen werde verstehen müssen, falls ein Abkommen zu stande fommen soll. „Frankreich“, so heißt es weiter, „plant, eine Art Conventionaltarif in dem Sinne zu ver- cinbaren, daß für gewisse Artikel besondere Tarifansäße aufgestellt werden. Der Bundesrath hat Dienstag Nachmittag in einer asißung die Mittheilungen der französischen Re- gierung be)prohen und die Antwort darauf, beziehungsweise die neuen Jnstructionen, festgestellt. Es besteht noch wenig Aussicht, daß eine Vereinbarung erzielt werden fönne; der Bundesrath rechnet aber Mans, daß er noch während der laufenden Tagung der eidgenössischen Räthe in der Lage sein werde, bestimmte Auskunft darüber zu ertheilen, ob ein Vertragsverhältniß möglich sei oder niht. Sollte die Frage verneint werden, so müßte man über das weitere Vorgehen s{hlüssig werden. Es würde sih darum handeln, ob die Schweiz zur Anwendung des Generaltarifs oder gar zu Differentialzöllen übergehen will. Am meisten beklagen sih gegenwärtig die Sticker, Drucker und Baumwollweber.

Der Bundesrath hat den Entwurf für den Neubau cines Parlamentsgebäudes in Bern genehmigt. Bei der Bundesversammlung soll zu dem Zweckx noch während der gegenwärtigen Tagung ein Credit von etwas über fünf Mil- lionen Francs beantragt werden. L

Der Ständerath hat, der „Köln. Ztg.“ zufolge, gestern mit unwesentlichen Aenderungen die Staatsrehnung für 1891 mit 73 012 038 Fr. Ausgaben, 69 041 928 Fr. Einnahmen genehmigt.

Luxemburg.

Die Abgeordnetenkammer hat sich gestern wieder p In ihrer leßten liedes beshloß die Kammer troß des iderspruchs des General-Directors der öffentlichen Arbeiten Thorn mit 21 gegen 17 Stimmen einen Wegebau bei Wilh. Infolge dessen soll Thorn, wie verlautet, seine Entlassung einzureichen beabjichtigen.

Griechenland.

Am 6. Juni treten die neugewählten Kammern zu- sammen. Da etwa drei Wochen bis zur Verification der Mandate vergehen werden, wird wohl ein Wechsel in der C wie er dem Wahlresultat entsprehen würde, erst Ende Juni eintreten. Wie der „Pol. Corr.“ geschrieben wird, wird aus diesem Grunde ih der E des Königs in Dänemark ziemlich ausdehnen und die Rükehr erst um den 20. Junt erwartet werden. Die in vielen griehishen Blättern aufgetauchte Meldung, daß der Cabinets- Chef Konstantopulos in das künftige Ministerium Tri- kupis eintreten werde, entbehrt nah der „Pol. Corr.“ jeder Begründung. Konstantopulos strebe vielmehr die Stellung eines Führers der Opposition an. Von Delyannis werde behauptet, daß er vor der Hand nicht in der Kammer er- scheinen werde.

Dänemark.

Wie dem „W. T. B.“. aus Amalienborg gemeldet wird, folgt die Kaiserin von Rußland am Montag Abend dem dänishen Königspaare nach Schloß Bernstorff, wohin auch der Kaiser von Rußland sich begeben wird. Die Prinzessin Waldemar beabsichtigt, sich am Sonnabend mit ihren Kindern und dem Prinzen von Wales sowie dem Herzog von York nah England zu begeben und später ihre Verwandten in Frankreih zu behuchet Der Prinz Waldemar wird eine Seereise antreten. Der Kronprinz und die L np alla von Griechenland werden die Rüreise voraussihtlih am Sonnabend antreten.

._ Der schon telegraphisch erwähnte Dank des dänischen Königspaars an sein Volk hat nach den „Hamb. Nachr.“ folgenden Wortlaut :

Mit Freude sahen wir dem Tage unserer goldenen Hochzeit ent- gegen in dem Gedanken, im zahlreichen Kreise unserer Kinder und Enkel ein glücklihes Familienfest feiern zu können. Der Tag er- schien und die liebevolle Theilnahme des Volks machte das Fest ¿u einem Landesfest. Unzählig sind die Beweise \solher Theil- nahme, welche diese Tage uns gebraht haben: liebevolle Glüdck- wünsche und Ansprachen in jeder Gestalt Gaben, große- und kleine, an uns persönli sowohl als zu wohlthätigen Zwecken, alle aber uns gleich werthvoll durch die Gesinnung, welche sie spendete. Sie )aben unsere Herzen mit unsägliher Freude und Dankbarkeit erfüllt Dankbarkeit zunächst gegen unsern Herrn und Gott, der uns gegen den Abend unseres Lebens auch dieses Glü „vergönnt hat, und demnächst gegen alle diejengen, die auf so mannigfaltige und rührende eise ihrer Ergeben- beit und Theilnahme Ausdruck gaben. Unsere Worte können nit an alle ‘reichen, aber alles, was unsere Herzen an tiefgefühltem und innigem Dank empfinden, falle wir in dies Eine, unfern täglichen Wunsch und unser täglihes Gebet zusammen: Gott segne unser ge- liebtes Land und unser geliebtes Volk!

Amalienborg, den 30. Mai 1892. :

Christian. L ouisfe.

Der König hat, wie man der „Köln. Ztg.“ aus Kopen- hagen meldet, den Wunsch geäußert, die auf dem Hojbroplads errichtete in a rte erhalten zu sehen, worauf der Magistrat ihm dieselbe zum Geschenk machte. Der kleine Tempel soll im Park von Fredensborg aufgestellt werden.

j Amerika,

Zn Venezuela haben sich nach einem New-Yorker Telegramm des „H. T. B.“ die Katholiken in großen Nassen gegen den Präsidenten Palacio erhoben, welcher eine Anzah Eriesies habe verhaften lassen und mit der Ver- haftung des Erzbischofs von Caracas gedroht habe. Unter Führung fatholisher Priester sollen die Jnsurgenten Dee S die Ml ququ ven geshlagen haben. Der Insurgenten-General ora bedrohe Porto Cabello. (Vgl. die Tel. Dep.)

Australien.

Aus Honolulu wird dem „H. T. B.“ über London pon einer Verschwörung berichtet, welche die Abseßung der Königin von P awaii bezweckte. Die Vershwörung sei noch rechtzeitig entdeckt, und es seien zwei Engländer, mehrere Amerikaner und 16 Mitvershworene verhaftet worden.

Entscheidungen des Reichsgerichts. Di î K “A de [l der ei Actiengesellschaft ihren ‘genbsil iden rade OeE i Î e:

machten Pensionszusagen sind, nah einem Urtheil des gerichts, T1. Civilsenats, vom 8. März 1892, rechtswirksam.

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Kunst und Wissenschaft.

Bei dem Festmahl, das am 1. d. M. anläßlich der Eröffnung der sechsten großen internationalen Kunstausstellung zu München im ale des Kunstgewerbehauses veranstaltet wurde, brachte, laut Meldung des „W. T. Bs Seine Königliche Hoheit der Prinz Ludwig einen Toast auf das Gedeihen der Kunft in der ganzen Welt aus, worin er ausführte, die Wittelsbacher hätten überall Denkmale der Kunst hinterlassen. Das Centrum ihrer Kunft, München, müsse in der Weltconcurrenz weiterstreben, in dem Frieden, der beute gottlob herrshe. Ohne den Frieden gebe es feine Kunft, wenn sie auch den Erfolgen des Krieges manhes Große verdanke. Möge die Kunst Eigenthum des gesammten Volkes werden ! j

Der Professor Erneste Lavisse ist gestern in Paris für den verstorbenen Admiral JIurien de la Gravière im zweiten

Wakhlgange mit 27 Stimmen zum Mitglied der Akademie |

garant worden. Die Gegencandidaten Zola und Brunetière erhielten ezw. 3 und 5 Stimmen. Beim ersten Wahlgange hatte Lavisse 13, Zola und Brunetière je 10 Stimmen.

Land- und Forstwirthschaft.

Die preußishe Staatsforstverwaltung betrachtet es als eine ihrer Aufgaben, im Jnteresse der Landescultur auf den Aan ban in den Waldungen der Gemeinden, öffentlichen lnstalten, Privatgrundbesizer 2c. anregend und fördernd auch dadurch einzuwirken, daß sie gutes Pflanzenmaterial zum Selbstkostenpreise denjenigen Waldbesizern abgiebt, welche nicht ehen e haben, ih die erforderlichen Pflanzen selbst zu erziehen.

n der Zeit vom 1. April 1891 bis dahin 1892 sind auf diese Weise an Holzpflanzen aus den Staatsforsten ab- gegeben worden :

Laubholz Nadelholz zusammen Hunderte |Dc.] Hunderte |Dc.] Hunderte |Dce. 2 420 |35| 29 897 61 32 317 |96

in der Provinz

Ostpreußen Westpreußen Brandenburg

1416 |09! 48435 49 851 | 96 2334 |43} 681 370 |51} 683 704 | 94 844 | 65 28713147 29 558 [12 1 900 |80 12 087 |36 13 988 |16 240 |37 7 830 |92 8071 |29 ah! 402 195 11 680 30 12083129 Schleswig-Holstein . . 244 [80 1170 |22 1415 |02 Hannover (949: 121] 47 360-1731 55/309 | 94 Westfalen 402 |28 3 443 | 88 3846 '16 Hessen-Nassau . 2493 |38 14 936. |93 17 430 |31 heinprovinz L O01 On 5 880 | 63 7 412 150

92 181 |18] 892 808 |43| 914989 /61 | |

im ganzen Staat . .

Stand der Saaten.

_ Der Stand der Wintersaaten im Reg.-Bez. Stralsund ist überall

ein recht befriedigender. Wenngleih die Nachtfröste im März eine kurze Zeit sichtli gea Einfluß übten und namentli die Roggenfelder viele braune Blätter zeigten, so hat doch die spätere warme Witterung / die Schäden wieder geheilt. Die Arbeiten zur Bestellung der Sommersaaten sind fast überall beendet.

Gesundheitäwesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Das öffentliche Gesundheitswesen Helgolands. (Aus der Denkschrift über das öffentlihe Gesundheitswesen Helgolands von Dr. E. Lindemann. Berlin, 1891.)

Die vorgenannte Denkschrift enthält eine möglichst erschöpfende Schilderung aller auf das Gesundheitswesen der deutshen Nordsee- Insel bezüglichen Verhältnisse, insbesondere auch Näheres über den Gesundheitszustand daselbst während der vier Jahre von 1886 bis 1889.

Nach Schilderung der geographischen Lage, der Boden- und Be- völferungsverhältnisse wird die Bedeutung Helgolands als Seebad und Lufftkurort eingehend erörtert, wobei die Witterungsverhältnisse dur Tabellen und Curven dargestellt worden sind. Die Einwohner- zahl belief sich am 1. Dezember 1890 auf 2086, darunter 953 männ- lihe Personen. Die Geburtsziffer war eine niedrige, _durhschnittli = 23,05 9/00 e rad om der Todtgeburten ; eine gewisse Blutarmut und Schwächlichkeit der Bevölkerung wie auch âufiges Heirathen in der Verwandtschaft scheinen nicht ohne Einfluß auf diese niedrige Geburtsziffer zu sein. Auch die Sterblichkeit ist gering, namentlih unter den Kindern und jüngeren Personen; auf 110 Gestorbene famen in der vierjährigen Berichtszeit nur 9 Kinder des ersten Lebensjahres und im ganzen 17 Personen bis zu 20 Jahren. Weitaus die meisten Menschen starben auf Helgoland in hohem Alter, das Durchschnitts- alter der Gestorbenen betrug 59,2 Jahre. :

Infectionskrankheiten sind selten, so ist während der vier Jahre kein Fall von Schharlah, Masern oder Diphterie vor- gekommen, wie Verfasser als einziger Arzt der Insel mit Sicherheit behaupten kann. Einige Typhusfälle wurden angeblich durch die mangelhaften Abfuhrverhältnisse verurfaht, wenigstens zeigten sie sich am meisten in der Nähe der Ausgußröhren des am Nordoststrande. Häufig traten Lungen- entzündungen auf, verliefen jedoch meist _gutartig, auf 141 zur AUUGEL Behandlung gelangte Fälle von Lungen- und Brustfellentzündung kammen 12 Todesfälle. Nicht selten waren Geisteskrankheiten, und auch chronischer Alkoholismus wurde 12 mal beobahtet. Die Impfung wird angebli schon seit 1780 S von Poen sind demgemäß die Helgoländer seit langer Zeit verschont geblieben. Die häufigsten Todesursachen waren - der Schlagfluß und die Altersschwäche, leßtere bei einem Durchschnittsalter von 804 Jahren.

Als Trinkwasser wird auf Helgoland vorwiegend Regenwasser benußt, das in cementirten Cisternen E wird, die Haupt- nahrung besteht aus Fish und Kartoffeln, unter den Genußmitteln der Bevölkerung ist neben Kaffee und Thee der Alkohol hervor- uheben. An Hummern wurden jährlich 25- bis 30 000 Stück im

erthe von 48- bis 50000 e, an Fischen 2- bis 300 000 Stück im Werthe von 60- bis 90000 # von Helgoland nah dem deutschen Festlande ausgeführt.

Krushwiß (Prov. Posen), 31. Mai. Jn Liliendorf bei Kruschwiß sind, wie der „Kuj. Bote“ mittheilt, wiederum“ Personen an den Pocken erkrankt. Zur Verhütung etwaiger Ansteckung wur- den fast alle Bewohner des Dorfes dur den Kreisphyfikus prnn: ferner wurden vor dem Dorfe Warnungstafeln mit der Aufschrift

_

„Pocken“ angebraht. Die Liliendorfer Schule bleibt bis auf ferneres ges{lossen. : :

Köln, 1. Juni. Am Sonntag wurde, wie der „K. Z.* gemeldet wird, ein an den \{chwarzen Podcken erkrankter Fuhrknecht aus Zollst ock dem hiesigen Hilfshospital überwiesen. -Es ist der zweite gall, der dort vorgekommen. Nach dem ersten wurden auf sanitätepolizei- liche Anordnung die in der Na parioui des Erkrankten Wohnenden sofort wieder geimpft, um der Ausbreitung der \{limmen Krankheit vorzubeugen. war, von der Neuimpfung ausgeschlossen.

Schmutwassers

ur der Fuhrmann blieb, weil er von Hause abwesend .

London, 3. Juni. Die Cholera in und i reift nah einer Meldung des, „H. T. B.“ in gefährli Meme

, sogar die Bergbevölkerung ift von ihr ergriffen. Mesched famen am 1. Juni 115 Todesfälle vor. Dik "Einwohner verla panikartig die Städte.

Handel und Gewerbe.

Bei den Abrechnungsstellen der Reichsbank sind im Mai 1892 abgerechnet 1 379 280 200 M

Tägliche Wagengestellung für Koblen und Koks an der Ruhr und in Oberschlesien. An der Ruhr find am 2. d. M. gestellt 9609, niht rechtzeitig gestellt feine Wagen. f t In” Dberschlesien sind am 1. d. M. gestellt 3484, nit rechtzeitig geftellt keine Wagen.

B a Sg N ee geg i s eim Königlichen Amtsgericht 3erli and am Weisensee Band 40 ÁK

2. Juni das im GrundbuSe von ] 1167 auf den Namen des Ingenieurs Julius Heilemann S ¿u Weißensee, Straßburgerstraße, belegene Grundstück zur ersteigerung; Fläche 3 a 31 qm. Mindestgebot 16066 Für das Meistgebot von 16150 Æ wurde der Kaufmann Heymann Pulvermater zu

Berlin, Neue Königstraße 16, Ersteher.

_— Die Hamburg-Magdeburger Feuerversiherungs- Gesellschaft hielt vorgestern ihre diesjährige ordentlihe General- versammlung ab, in welcher 2021 Stimmen vertreten waren. Der vorgelegte Rechaungsabi luß, die Bilanz und+ die vom Vorstande und dem Verwaltungsrath vorgeshlagene Gewinnvertheilung, wona an Dividende 15 4 für die Actie zur Auszahlung gelangen werden, wurden genehmigt und die Entlastung für das Jahr 1891 ertheilt.

“Theater und Musik.

Kroll’s Theater.

Frau Marcella Sembrich fang gestern die Marie in Doni- zettis „Tochter des Regiments“. In dieser Partie is die Künstlerin {on während ihrer leßten beiden Gastspiele aufgetreten, und wie damals so erzielte sie auch jeg hiermit den größten Erfolg. Mit Humor und Anmuth spielte sie die Regimentstocter, mit Meisterschaft führte fie die Gesangspartie durch, und den Gipfelpunkt erreichte sie wieder mit der „Gesangéstunde“ und dem zum Schluß eingelegten „Parlawalzer“, den sie mit unver lder Vollendung vortrug. Herr Niechmann als Gast bewäbrts sih wie {on oft in der Rolle des Sulpice, in der er Biederkeit und Humor ent- faltete und seine vortrefflihe Stimme wirksam zur Geltung brachte. Herr Alma konnte als Tonio genügen, wenngleih ihm ein weiteres cane a ¿ur Vollendung seiner musikalishen Ausbildung an- zurathen ift.

Morgen findet im Königlichen Schauspielhause das zweite Gastspiel des Herrn Hugo Ranzenberg als Odoardo in „Emilia Galotti“ ftatt. Herr Blencke spielt zum ersten Mal den Angelo. Die übrige Beseßung der Hauptrollen is die bekannte : Herr Matkowsky: Prinz, Frau von Hochenburger : Emilia, Frau Seebach: Claudia, Herr Kahle: Marinelli, Herr Ludwig: Graf Appiani, die Gräfin Orsina: Frl. Poppe, der Maler Conti: Herr Purschian und Camillo Nota: Herr Plaschke. 2

Im Deutschen Theater sind für die Pfingstfeiertage folgende Vorstellungen angeseßt: Sonntag: „Faust“ : Montag: „College Crampton“ ; Dienstag: „Maria Stuart".

t Friedri -Wilbelmfiädtishen Theater beginnen de ne Een von morgen ab (,Der Bettelstudent“*) um 7 É ?

Frau Marcella Sembrich's nächstes Auftreten im Kroll’ s{en Theater findet am Dienêtag statt, und zwar in einer Partie, welche die Künstlerin bisher noch nit in Berlin sang: als „Frau Fluth* in Nicolai’s „Die lustigen Weiber“.

Director Thomas if nah einem sehr erfolgreichen Gastspiel aus Hamburg hierher zurückgekehrt und hat die Leitung seines Theaters wieder übernommen, um sofort mit den Proben für die Novität „Heißes Blut“ zu beginnen. Die Hauptrollen dieser Pofse liegen in den Händen des Gastes Fräulein Ilka von FUS und des Directors Thomas. Von den „Ulanen“ fann nur noi eine Sonntagê- vorstellung stattfinden.

Mannigfaltiges.

Gestern fand die feierlihe Grundsteinlegung für die unter dem Protectorat Ihrer Majestät der Kaiserin zu erbauende „Versöhnungékirhe“, das dritte Gotteshaus der Elisabeth- gemeinde, auf dem alten Friedhof der Gemeinde in der Ackerstraße 37 statt. Zur Theilnahme an der Feier fanden sich, nach einer Mit- theilung der „Voss. Z.“, ein: General-Oberst von Pape, der Präsident des Staats-Ministeriums Graf zu Eulenburg, der Staats-Minister Dr. Miquel, der Minister des Königlichen Hauses von Wedell, der Unter-Staatsfecretär von Weyrauch in Vertretung des Cultus-Ministers, der Ober-Präsident Dr. von Achenbach, der Commandant von Berlin, General-Lieutenant Graf von Schlieffen, der Ober-Hofmeister Freiherr von Mirbach, der Cabinets-Rath von der Reck, der Präsident des Reichsbank-Directoriums Dr. Koh, der Polizei-Präsident Freiherr von Richthofen u. a. In Vertretung der Majestäten erschienen Ihre Königlichen Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Friedrih Leopold. Die Kirhe wird nach den Plänen und unter der Leitung des mecklenburgishen Bauraths Möckel im gothischen Stil erbaut werden und über 1000 Sißpläße enthalten.

Die gestrige Sißzu n geNen Stadtverordneten eköffnete, wie wir einem Bericht der „N. A. Z.*“ entnehmen, der Vorsteher Dr. Stryck mit einer Gedenkrede für den verstorbenen Ober-Bürgermeister, in der er namentlih die feinfühlige Art und Weise hervorhob, in welcher Forckenbeck die ihm anvertrauten Wohlthätigkeitsgelder ver- waltete. Die Gewährung eines Zuschusses zur Erbauung einer Kir he innerhalb der St. Markusgemeinde wurde angenommen. Die Vorlage wegen Errichtung eines Dienstgebäudes für das MärkischeProvinzial-Mufeum und für städtishe Bibliotheken wurde gleifalls angenommen. Auch der Antrag, die dem Verein für die Geschichte Berlins gewährte \tädtishe Beihülfe von 900 weiter zu bewilligen, wurde mit. großer Mehrheit gen Endlih wurde die Vorlage über das neue Regulativ für die Er- hebung der Hundesteuer in Berlin angenommen.

Die Trompeter des Regiments Gardes du Corps trugen, wie die „Potsd. Corr.“ berichtet, anläßlih der Ankunft der Königinnen der Niederlande zum ersten Male ihre neue Gala-Uniform: rothe mit Silberborte beseßte Röcke, weiße Lederhosen und Stulpen- R Der rothe Haarbush auf dem Helm if abgeschafft und statt einer frönt ein Adler die Ee des Helms. Neu sind auch die Säbeltaschen, die, ähnlih wie bei den Husaren, in den Farben des Regiments gehalten sind.

Am Sonntag Abend if in Pommern, Westpreußen und Ostpreußen ein Gewitter niedergegangen, welches mancherlei Unbeil angerihtet hat. Im Schweyer Kreise wurde ein Wohnhaus durch den Bli in Asche gelegt. In Ziethen (Kreis C fubr ein Blißstrahl in den oeniieia des Försterhauses und tödtete einen elfiährigen Knaben, der am Heerd stand. Auf einer Feldmark bei Schlawe wurde der 20 rige Sohn eines Schlawer Bürgers vom Bliß erschlagen. Bei Köslin und Saalfeld wurden rößere Gehöfte durch Blißshlag in Flammen geseßt, und aus Bartenstein berichtet man, daß dort in der Zeit von 11 bis 1 Ubr Nachts das Auflodern von zehn größeren Bränden beobachtet wurde. Dort sollen auch wolkenbruchartige Regen- und Hagelschauer