1892 / 143 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Ee E Rae: 2B Wi “rut BO

Stellen Sie sih einmal ein Gericht vor, wel<hes nun die Frage

. entscheiden soll, wie ho< die Entschädigung für diese Steuer-

freiheit zu bemessen, so muß das Gericht sih zuvörderst sagen : von einer Kapitalisirung der momentan gezahlten Steuer zu dem landesüblihen Zinsfuße kann unmöglih die Rede sein; denn da die Steuer, die die Herren zu zahlen haben, {wankt nah ihren Vermögensverhältnissen, deren Entwi>klung wir ja garnicht überschen fönnen, so kann der Staat unmögli verpflichtet sein, eine dauernde gleichbleibende Rente oder ein dana<h bemessenes Kapital gegenüber einer im Werth \{<wankenden Steuerbefreiung zu geben. Folglih muß das Gericht nun anfangen, genau wie Sie, meine Herren, hier abzushäßen da eine bloße Kapitalisirung nah dem landes- üblichen Zinse unmöglich ist —, und da fehlt den Gerichten, wie ih behaupte, jede irgendwie haltbare Unterlage. s bliebe nichts übrig : es müßte ein Sachverständiger gehört werden, der soll nur den dauern- den Schaden, den der Berechtigte unter den möglicherweise auß no< \{hwankenden Steuern des Staats und unter {wankenden Ver- mögensverhältnissen für immer erleidet, äquivalisiren. Welcher Sach- verständige würde darauf wohl antworten können ? Freilich, die Sach- verständigen können \{ließli< alles beantworten, wenigstens in der Praxis (Heiterkeit); sie wissen Dinge, die sie eigentli<h nicht wissen, weil man ihnen sagt, sie müßten es wissen. (Heiterkeit.) Was würde die Folge sein? Diese Fragen sind Thatfragen, sie kommen ni<t an das Neichsgericht, sie können dort garnicht ent- schieden werden. In dem einen-Landgerichtsbezirk, wo ein Richter- collegium mit ganz Élugen Sachverständigen ist (Heiterkeit), wird die Sache so, in dem anderen Landgerichtsbezirk wird sie ganz anders entschieden werden. Glauben Sie, daß Sie damit Befriedigung her- vorrufen, daß eine folche ungleihe Behandlung, die hier ganz zweifellos

lichen Act, mit dem wir es in dem vorliegenden Falle zu thun haben? Nach allen diesen Gründen, und i< will no< hinzufügen : im eigenen Interesse der Entschädigungsberechtigten (sehr richtig !) das möchte ih dringend befürworten bitte ih Sie, den Antrag abzulehnen. Jh bin überzeugt, der Antrag bringt das Geseß zum Scheitern. Die Staatsregierung kann diesen Antrag so, wie er liegt, nit annehmen. Wenn einmal auf den Rechtsweg hingewiesen wird, so wird man darauf gedrängt, man mag wollen oder nit, die ganze Rechtsfrage au< wegen der Eristenz und des Umfanges des Rechtes vor die Gerichte zu bringen. Dieser Gegenstand ift hon genug als Agitationsmittel benußt worden. Alle Parteien des Abgeordnetenhauses haben sih auf dieses Gesetz geeinigt. Dort ist die Saße au<h als eine Art “Compromiß angesehen worden. Einige wollten einen höheren Multiplicator, andere einen geringeren; andere wollten die einzelnen Nechtsfragen prüfen. Schließ- lih hat man fich geeinigt: wir wollen dur<s{lagen und den Vergleich, der gewissermaßen in diesem Gesetz enthalten ist, acceptiren.

Wenn nun das Gesetz scheitert, in welhe weiteren Schwierigkeiten fommen wir und kommen die Standesherren selbs? Wir haben die Absicht do< wohl alle, die Steuerreform in der Weise weiter zu führen, daß wir die Grund- und Gebäudesteuer hoffentli<h ganz, jedenfalls zum theil überweisen. Aus wel<hem Grunde überweisen wir die Grund- und Gebäudesteuer? Weil wir die Doppel- besteuerung gegenüber der Einkommensteuer beseitigen wollen! Werden wir ni<ht im nächsten Jahre oder in diesem Herbste, wenn die Steuerfreiheit bestehen bleibt, sofort vor die Frage kommen: Trifft denn diefer Grund zu für diejenigen Besißer, die ganz frei sind von der Personalsteuer? Man wird fragen können, wie fommen wir dazu, auch diesen Herrschaften gegenüber, da bei ihnen ja der eigentliche Grund wegfällt, die Grund- und Gebäudesteuer zu überweisen? Oder nehmen Sie an, diese Steuerreform scheitert, dann muß die Ein- kommensteuer felbst reducirt werden. Dann würden wir beut die Herren als zu 4 9% besteuert ansehen, und na<her würde die Ein- kommensteuer reducirt werden, das Kapital würde aber als dauernde Entschädigung fixirt. Das wäre wieder eine neue Unzuträglichkeit. Politishe Rücksichten, eigene Interessen und allgemeine Staats- interessen führen dazu, dieses Geseß zum Abschluß zu bringen, und ih glaube, gerade das Herrenhaus ist berufen, in dieser, wie i< zugebe, \hwierigen, mehr oder minder arbiträren Bemessung der Entschädigung nah Billigkeit der Staatsregierung zu helfen. (Bravo!)

Graf von der Schulenburg-Beetßendorf: Diese Be- stimmung des Geseßentwurfs sei nur zu stande gekommen unter Ver- sicherung des Finanz-Ministers, daß mit den zur Zeit außerhalb dieses Gesetzes stehenden Herren über ihre Anrechte speciell werde verhandelt werden. Es fei überhaupt sehr bedenkli<, in ein allgemeines Gesetz eine folhe proviforishe Bestimmung hineinzulegen. Diese Ver- handlungen seien au nicht in der Weise geführt worden, um einen wirklich fruhtbaren Abs{luß herbeizuführen. Jedenfalls hätten die Betheiligten das Gefühl, daß die Verhandlungen mit ihnen un- verrichteter Sache abgebrochen seien und eben dur<geführt werden sollten dur< den Erlaß dieses Gescßes. Er freue sih, daß der Finanz-Minister an das Edict von 1815 als das maßgebende erinnert habe. Dies fei nur der Ausdru> des Königs von Preußen, daß er den Herren , die in seinem Lande der Souveränetät entkleidet worden seien, diese habe erhalten wollen, insofern, als sie diese Steuerfreiheit genießen follten. So lange diese mediatisirten Fürsten dem Schuß des Fürsten unterstellt gewesen seien, in dessen Gebiet ihr Besiß gelegen habe, hätten sie das Gefühl gehabt, daß ihr Fürst- lies Recht nah Fürstlihem Recht beurtheilt und gehandhabt werde. Daß diese Stellung viel s{wieriger geworden fei, nachdem man aus dem absoluten Staat in den constitutionellen getreten sei, liege wohl auf der Hand. Wenn der Landtag aber die Hand dazu bieten follte, dieses Fürstlihe Recht “nicht dur< Verhandlungen zum Austrag zu bringen, sondern einfa zu brechen, vermöge er ni<t die Verantwortung auf sih zu nehmen, den Herren, die davon betroffen würden, gegen ihren Willen ein folhes Geseß zu octroyiren. Er würde deshalb das Haus bitten, das Geseß abzulehnen; es empfehle sich aber wohl, da damit nichts auszurihten sei, die Annabme des gestellten Amendements Solemacher, daß die Betreffenden die Entscheidung des Gerichts anriefen, wenn sie expropriirt würden. Man treffe in diesem Gesegentwurf auch noch viele Widersprüche in den re<tlihen Begründungen und auch große Lücken. Wie stehe es z. B. mit den Rechten der jüngeren Mit- lieder der betreffenden Häuser, die steuerfrei gewesen seicn und jeßt teuerpflihtig würden? Hätten fie einen Regreßanspruh an den Chef thres Hauses bezüglih der 133fahen Entschädigung oder nicht ? Viele von den Fürsten zögen es vor, ihren Anspru dur< die Ge- richte entschieden zu sehen, als fih diesem Gesetz zu unterwerfen.

_ Der Antrag des Freiherrn von Solemacher wird gegen 15 bis 20 Stimmen abgelehnt, das Geseß im ganzen gegen dieselbe Minderheit angenommen.

Bezüglich der Resolution empfiehlt der E

Referent Prof. Dernburg deren Annahme. Es sei eine Penn der Billigkeit, daß wohlerworbene Rechte nur entzogen werden könnten gegen Entschädigung. Auch vom Rechtsstandpunkt aus sei es das Nichtige, daß eine derartige Entschädigung den Be- treffenden nahträgli< bewilligt werde.

Ober-Bürgermeister Be>er: Er halte es nit für richtig, wenn man jeßt die Regierung veranlassen wolle, diese Frage no< einmal zu prüfen. Man müsse sich auf den Boden der vollendeten That- sache stellen, und da er persönlih diese Ansprüche als ni<t mehr N anerkennen fönne, so föônne er der Resolution nit zu-

immen.

Die Resolution wird mit einer geringen Mehrheit, die erst dur< Zählung festgestellt wird, angenommen. ;

Die Petition des Shriftstellers Dr. Fischer in Berlin um Wiedergewährung einer bei Umgestaltung des Königlichen literarishen Bureaus im Jahre 1882 vom Herrn Minister des Innern ihm widerrufli<h gewährten, jedo kürzlih entzogenen Ee Remunexation wird dur<h Uebergang zur Tages- ordnung erledigt. :

Schluß 31/4 Uhr. Nächste Sizung Dienstag, wenn die Commission mit dem Gese, betreffend die Kleinbahnen, bis dahin fertig ist.

Haus der Abgeordneten. 77. Sizung vom Sonnabend, 18. Jun i.

Ueber die unveränderte Annahme des Gesegzes über die Militäranwärter in der ihm vom Herrenhaus gegebenen Fassung sowie über den Beschluß, die Berathung über das Geseß wegen des Diensteinkommens der Lehrer an den nichtstaatlichen öffentlihen höheren Schulen von der Tagesordnung abzuseßzen, ist bereits in der Sonnabend- Nummer kurz berihtct worden. Zum Schluß der Sizung wurden Petitionen berathen.

Eine Reihe von Petitionen wird als zur Erörterung im Plenum nicht geeignet erachtet. :

Ueber die Petition des Gerichtsvollziehers Krin gs zu Meinerfen, Provinz Hannover, wegen Gewährung von Alterszulagen an die Gerichtsvollzieher, der Vetsevimg und der Eintheilung der Bezirke für dieselben, wird zur Tagesordnung übergegangen.

Die Petition von Gerihts-Actuaren des Ober-Landesgerichts- bezirks Breslau, wegen der Einkommens- und Anstellungs- verhältnisse der Gerihts-Actuare, beantragt die Justizcom- mission der Regierung dahin zur Berücksichtigung zu überweisen, daß eine thunlichst baldige Verbesserung der Lage der Actuare entsprechend der schon im vorigen Jahre geäußerten Absicht der Regierung angestrebt werde und namentli in dem nächsten Etat bereits höhere Mittel zur Ver- ag von Stellen der ständigen Diätare und der etatsmäßigen Bureaubeamten eingestellt würden, im übrigen zur Tagesordnung überzugehen.

Abg. von Buch (cons.) beantragt einfahen Uebergang zur Tagesordnung, wozegen Abg. Avenarius (nl.) den Commissions- bes<luß empfiehlt. i

Der Commissionsantrag wird angenommen. :

Die Einwohner von Haintchen petitioniren um Abtrennung der Gemeinden Haintchen und _Hasselbah vom Bezirke des Amts- gerihts in Usingen. Die Justizcommission beantragt einstimmig Uebergang zur E

Abg. Dr. Lieber (Centr.) befürwortet einen Antrag auf Ueberweisung zur Berücksichtigung und wird darin von den Abgg. Be>mann (cons.) und Cahensly (Centr.) unterstützt.

Der Antrag Lieber wird fast einstimmig angenommen.

Die Stadtverordneten-Versammlung zu Merseburg fühlt si< dur< eine Verfügung des Regierungs - Präsidenten von Diest an den Magistrat beleidigt, worin dieser aus]pricht, daß die Gründe eines von ihr gefaßten Beschlusses in einer Sparkassengelder- Angelegenheit den Ernst und den Eifer vermissen ließen, der zur Durchführung einer solchen, für die brotlose und beshäftigung- m aid reisende und heimishe Bevölkerung so überaus segenê- reichen Maßregel (sc. der Errichtung einer Herberge zur Heimath in Merseburg) allerdings unerläßlih erscheine, und weiter sagt, daß die Verwendung von Sparkassenübershüssen zu anderen Zwecken nicht eher werde genehmigt werden, als bis in Merseburg eine * Herberge zur Heimath errichtet sei. Am Schluß der Verfügung wird der Magistrat angewiesen, hiervon der Stadtverordneten-Versammlung Kenntniß zu geben.

Gegen diese Verfügung wandte sich die Versammlung ohne Mitwirkung des Ute ae[Gwerend an den Minister des Innern. Der Ober-Präsident hat die Beschwerde vom Minister zur weiteren Veranlaffung erhalten, die Ertheilung eines Bescheides aber ab elehnt, weil der Magistrat bei der Einreihung niht mitgewirkt ha e; der Regierungs-Präsident habe übrigens jede Absicht der Beleidigung in Abrede gestellt. z - j

Auf erneute Beschwerde an den Minister hat dieser erklärt, daß die Nemedur, soweit sie sih auf die Beleidigung beziehe, bereits er- folgt fei, die Stadtverordneten-Versammlung außerdem aber zur selb- ständigen Beschwerdeführung nicht berechtigt sei. "Hiergegen hat die Merseburger Versammlung si petitionirend an beide Häuser des Landtags gewendet mit dem Antrage, ihr selbständiges Beschwerde- re<t anzuerkennen und den Minister zu ersuchen, der Versammlung einen sachlichen Bescheid auf die Beschwerde zu ertheilen.

Die Gemeindecommission hat in Vebereinstimmung mit dem Be- {luß des Herrenhauses den Uebergang zur Tageéordnung beschlossen unter Adoptirung der in dem leßten Bescheide des Ministers ent- haltenen Ausführungen.

Abg. Dr. Meyer (dfr.) findet, daß den Petenten mit diesem Beschlu}je nicht ihr volles Reht werde; es würde sih wohl besser empfohlen haben, wenn die Worte des Negierungs-Präsidenten in dem erwähnten Bescheide vom Minister auédrü>li<h mißbilligt worden wären. Aus diesem Grunde beantragt Redner die Ueberweisung der Petition an die Regierung mit dem Ersuchen, die genannte Ver- fügung nah Form und Inhalt nochmals einer Prüfung zu unterziehen.

Abg. Schlabit (freicons.): Auch seine Freunde sähen in dem Vorgehen des Regierungs-Präsidenten von Diest einen ganz unbereh- tigten und jabeluowertken Eingriff in die garantirten Rechte der Selbstverwaltung. Sie würden in der Erwartung, daß die Petenten damit zufriedengestellt seien, für die motivirte Tagesordnung stimmen.

Geheimer Ober-Regierungs-Rath Nöll bittet, es bei dem An- trage der Commission bewenden zu lassen. Der persönlihe Theil habe ja dur< die Erklärung des Regierungs-Präfidenten, wie sie der Ober-Präsident dem Magistrat mitgetheilt habe, den grenen Theil seiner Schärfe verloren. Jn der Beschwerde über den Re- gierungs-Präsidenten finde \si<h ein Ausdru> des Urtheils über diesen, der obne weiteres geeignet fei, die Beleidigungen compensirt erscheinen zu lassen. Was die Versagung der Genehmiguug zu weiteren Ver- wendungen der Sparkassenübers<üsse betreffe, so sei der Regierungs-

räsident darauf aufmerksam gemaht worden, daß er das aus eigener Machtvollkommenheit gar nicht dürfe.

Abg. Ni>ert (dfr.): Wenn die Sache so gehandhabt werden solle, wie sie vom Minister gehandhabt worden sei, wo solle denn die Neigung für die Selbstverwaltung herkommen ? Der Schuß des Ministers fei der Stadtverordneten-Versammlung nicht ge- währt worden. Er würde es unerhört finden, die Compensations- theorie des Commissars gelten zu lassen. Das Minimum dessen, was das Haus annehmen könne, sei der Antrag Meyer.

Abg. Dr. Friedberg (nl.): Auch seine Freunde seien in der Mehrheit der Ansicht, daß der Stadtverordneten-Versammlung zu É gg eine größere Genugthuung zu geben sei, als sie bisher erhalten habe. Weder formell no< materiell sei der Regierungs- Präsident zu seinem Verfahren NEOEE gewesen ; die Freude an der Selbstverwaltung müsse dadur aufs bedenklihste ges{(wächt werden. Hier ständen wichtigere Interessen auf dem Spiele, als das bloße e Necht.

Abg. Graf zu O (cons.) hält den Antrag Meyer für gegenstandlos, weil der Minister ja das Schreiben des Regierungs-Prâäsidenten {hon geprüft habe.

Abg. Dr. Meyer (dfr.) bestreitet dies; ‘das Schreiben sei nur nach der persönlichen Seite hin auf seinen Tnhalt angesehen worden. Meyer wird neslungérevifors

Der Antra

Ueber die Petition des Vermessungsrevisors a. D. Antel in Görliß um Erböhung seiner Penfion, sowie über die Petition des Bürgermeisters Schneider und Genossen in Massenheim, worin beantragt wird, das verkäufliche Holz aus fisfalischen Forsten im Walde zu Verfitlgern und den Erstehern aus dem Kleinbauernstande das. Kaufgeld zu stunden, geht das Haus zur Tagesordnung über.

Die Petition des pensionirten Eisenbahnbremsers Wolff und Genossen in Breslau um Erhöhung der Pension der infolge von Körperbeschädigungen dienstunfähig gewordenen Beamten, beantragt die Petitionscommission der Staatsregierung als Material für die Re- vision der einschlagenden Gesetzgebung zu überweisen.

Ueber die Petition von Bruns und Genossen zu Kroppen- stedt, um Abänderung des Normalrescripts vom 3. März 1778, wegen Theilung und Nuzung der dortigen Reiterbufen beantragt die Commission, die Petition der Regierung zur Erwägung zu über- weisen.

Das Haus tritt dem Commissionsvorshhlage ohne Debatte bei.

Dur Uebergang zur Tagesordnun wird erledigt die

etition des Weichenstellers Nosenberg in Ottensen um Fest- eßung seines Gehaltes na< seiner Gesammidienshzeit, sowie die Petition der Vertretung der Stadt Hagen um Abänderung des ies für das daselbst zu erbauende Geschäftshaus für das Eisenbahn- Betriebs8amt; beides auf Antrag der Budgetcommission.

Auf Antrag der Unterrichtscömmuitifion wird auch über die Petition des Gutsbesißers Zieting in Schönwalde, wegen der Schulabgaben der Besißer von Privatgrundstü>ken im forst- fiscalishen Gutsbezirke Czersk zur Tagesordnung über- gegangen.

Dasselbe beantragt die Petitionscommission bezüglich der Petition des Steuer-Aufsehers Montag in Hannover, der verlangt, daß ihm aus den Ueberschüssen der Uniformirungskasse der Steuer- und Grenzaufseher in Hannover der Betrag herausgezahlt werde, der den von ihm zu dieser Kasse eingezogenen Beiträgen entspricht.

Abg. Dr. Sattler (nl.) fann nicht begreifen, wie man dem rit nicht einmal einen Billigkeitsanspruh zuerkennen wolle, und

eantragt Ueberweisung zur Erwägung.

Abg. Czwalina (dfr.) tritt diesem Antrage bei, während Abg. Lehmann (Centr.) den Uebergang zur Tagesordnung empfieblt, der in der Commission mit allen gegen zwei Stimmen angenommen sei.

Abg. Lü>kh off (fleicons.) ijt für den Antrag Sattler, da die in der Kasse wesentlih durch die zu hoh bemessenen Beiträge ‘entstandenen Ersparnisse do zweifellos den Beamten gehörten, von denen die Beiträge eingezogen seien, diesen Beamten also doch cin Billigkeits- anspruch unter allen Umständen zustehe.

Nachdem no< wiederholt vom Regierungscommissar der Uebergang zur Tagesordnung empfohlen ist, tritt

Abg. Dr. Sattler (nl.) no<mals für seinen Antrag ein. Die Regierung behaupte ledigli, daß es sich hier um eine Staats- kasse handle; sonst wisse Niemand etwas davon. Die Kasse hake nit einmal ein Statut. Einfacher Uebergang zur Tagesordnung lasse sih mit dem pflihtmäßigen Beruf des Abgeordnetenhauses nicht vereinigen.

Auch Abg. S<midt- Warburg (Centr.) hält die Annahme des

Antrags Sattler für angezeigt.

Der Regierungscommissar bestreitet, daß eine Veranlassung dazu vorliege. Die Regierung sei bereit, die Uebelstände, welche sich bei der Kasse herausgestellt hätten, abzustellen. Ein Statut babe die Kasse nicht nöthig, sie sei von der Verwaltung ins Leben gerufen, um den Beamten für einen bestimmten Preis Uniformen zu liefern, und habe sih als segensreih erwiesen. Einen Zwang auf die Beamten, dieser Kasse beizutreten, übe die gegenwärtige Regierung allerdings nicht aus.

Der Antrag Sattler, die Petition der Regierung zur Erwägung zu überweisen, wird \{ließli< angenommen. ,

Damit ist die Tagesordnung erschöpft.

Schluß 21/5 Uhr.

Statistik und Volkswirthschaft.

Die deutsche überseeishe Auswanderung über deutshe Häfen, Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam stellte sich nah den Ermittelungen des Kaiserlichen Statistishen Amts im Mai 1892 und im gleichen Zeitraum des Vorjahres folgendermaßen: Es wurden befördert im Mai über 1892 - 1891 Bremen 9034 6921 Hamburg ._ A 590533 4067 andere deutshe Häfen (Stettin) 329 T7 deutshe Häfen zusammen . . 14416 11115 Antwerpen 2020. 2274 Notterdam 420 391 Amsterdam 99 135 Ueberhaupt. . 17455 13875 Aus deutschen Häfen wurden im Mai d. I. neben den vor- genannten 14 416 deutschen Auêwanderern noch 26 859 Angehörige

fremder Staaten befördert. Davon gingen über Bremen 12247,

Hamburg 14 330, Stettin 282.

Instructionscurse über Arbeiterwohlfahrtspf lege. :

Die „Wobhlfahrts-Correspondenz“ veröffentlicht folgende Mitthei- ia d Me der Centralstelle, Geheimen Regierungê- Raths Poft:

In den leßten Jahren sind in vershiedenen Prov nzen der Mon- arie Instructionscurse auf dem Gebiete der Inneren Mission, Wobhlthätigkeits- und Wohlfahrtspflege für Geistliche und Verwal- tungsbeamte veranstaltet worden. Dabei wurde ein Zeitraum von etwa vierzehn Tagen mit Vorträgen, Discussion und Ausflügen zur Kenntnißnahme musterhafter Veranstaltuugen ausgefüllt.

Der Herr Minister für Handel und Gewerbe hat für die angehenden Gewerbe - Aufsihtsbeamten eine ähnliche Einrichtung ge- troffen; die Beamten werden na< und nah auf je vier Wochen hierher nah Berlin berufen, um ihnen Vorträge über Volkswirth- schaftélehre, gewerblihe Gesetzgebung, Gesundheits- und Wohlfahrtê- pflege in Verbindung mit praktischen Uebungen und Ausflügen halten

zu lassen. i Die Aufsichtsbeamten äußerten sich, fo oft dazu Gelegenheit war, dahin, daß es höchst wünschenswerth wäre und ihre Wirksamkeit wesentlich erleichtern würde, wenn au den jüngeren Fabrikanten, den Fabrifantensöhnen und Fabrifbeamten die Möglichkeit gewährt würde, 0 in ähnlicher Weise unterrichten zu lassen. i E Die Nüßlichkeit eines sol<hen Unternkhmens muß ih aus meiner Erfahrung als früherer Docent an der Technischen Hochschule F Hannover bestätigen. Jn meiner damaligen Stellung habe ih bereits privatim fol®e Kurse in allerdings bescheidenem Umfange veranstaltet. Vier Söhne von Fabrikanten haben mi bereits einmal auf einer Studienreise dur< Holland, Belgien, Frankrei<h und die SMUo E und waren überras<ht von der Ausbeute, die sie dabet gemacht. i : 2 Unser Vorstand hat die Angelegenheit in seiner leßten Sihung. berathen und ist zu dem Beschluß gelangt, einen Versuch in der ge- dachten Richtung zu unternehmen. Vielleicht dürfte fi empfehlen, einen Zeitraum von zwei Wochen zu wählen, „in diesem zwei Gegen- stände (z. B. die Wohnungsfrage und die Frage der Lüstung, Heizung und Beleuchtung der Arbeitsräume) und zwar derart abzuhandeln, daß den Theilnehmern von berufener Seite eine Reihe von Vorträgen gehalten würde, an weS, sih dann Discussionen zu knüpfen hätten. Die theoretischen Betra L tungen wären fernerhin dur< Demonstrationen, Ausflüge u. st. w. ¿W

ergänzen. Auf das Hygiene-Muscum und cine Anzahl hiesiger Firmen könnte für die Demonstrationen mit Sicherheit gerehnet werden.

Um für einen sol<hen Cursus, für den Gedanken über- haupt, Sinn und Meinung zu erwe>en, hat der Vorstand Leslofsen, gleihsam als BVorcursus im Laufe des Sommers eine leine Instructionsreise im Rheinland zu veranstalten. In wenigen Tagen lassen si< die sehenswerthesten Einrich- «tungen (in Essen, Gladba<h, Neviges, Köln u. f. w.) be- suchen, ja das wohlfahrtsclassishe Delft ist erreichbar. Ich habe eine jolhe Reise vor mehreren Jahren mit meinen Zuhörern an der Technischen Hochschule von Hannover aus gemacht und dabei den Eindru> gewonnen, daß die Anregung eine ganz vorzügliche war.

Bei angebenden Fabrikanten arf ein no< weitergehender Erfolg erwartet werden, da dieselben ja bereits aus eigener Anschauung die Bedürfnisse einigermaßen kennen. Durch unmittelbare Vorführung von hervorragenden Wobhlfahrts-Einrichtungen wird aber der Wunsch, etwas Nheres, Eingehenderes über das, was in der Welt überhaupt auf diesem Gebiete geleistet worden ist, zu erfahren, vielleiht no< lebendiger werden. : E

Die Anzahl der Theilnehmer dürfte keine zu große sein. Daher werden diejenigen, welhe Neigung haben, an einer se<hê- bis acht- tägigen Excursion im Herbst (Anfang Oktober) theilzunehmen, ersucht, ta n Unterzeichneten (Geheimen Regierungs-Rath P oft) bald mit- zutheilen.

Der Verkehr Londons. (Vgl. T in Nr. 140 des „N.- u. St.-A.*“.) T:

Zur Bewältigung des riesenhaften Verkehrs Londons dienen in erster Linie die Eisenbahnen, denen si< dann Straßenbahnen, Omnibus, Droschken und die Themse-Dampfboote anschließen. Den besonderen örtlihen Verhältnissen entsprehend, wie sie auf die Aus- bildung des Hafen- und Do>verkehrs und des Schiffsverkehrs "ober- halb des Hafens ihren Einfluß ausgeübt haben, haben \si< für den Güterverkehr die nah London führenden Bahnlinien in dem Stadt- innern, vamentli<h oft-, nord- und nordostwärts der City und an den Do>ks stark verdihtet. Oberhalb des eigentlihen Hafens entsenden die Bahnen zur Abnahme oder Entgegennahme von Schiffsgut zahl- reiche Abzweigungen na< den Ufern der Themse. Diese Anschlüsse liegen vorwiegend auf dem südlichen Ufer des Flusses, und müssen daber die großen nördlihen Bahnen, denen der Haupttheil dieses Uasilaaevertebrs zufällt, die Themse überschreiten, sie erstre>en aber au< ihren Verkehr weit in die südlichen Stadttheile hinein. Die Stationsanlagen für den Güterverkehr find meist gruppenweise zusammengedrängt und ist die Zahl folcher zusammengefaßten Stations- bezirke keine sehr große. Die Vertheilung der Güter auf die ein- zelnen Stadtbezirke und Verbrauchsstellen, die Ausammlung in der Stadt und die Abführung na< den Bahnhöfen fällt, abgesehen von dem Verkehr unmittelbar am Wasser, den Straßenfuhrwerken zu, die oft, namentli< na< dem Westend und den außenliegenden Stadt- theilen, re<t bedeutende Wege zurüczulegen haben. Der Personenverkehr ist in der Hauptmasse nah der City und dem Westend gerichtet. Erst in zweiter Linie folgen die Industriebezirke und die Doks. Zu unterscheiden ist dabei der Fernverkehr von dem Verkehr im Innern und dem Vorortsverkehr. Die Geleisanlagen für den ersteren und “den leßteren find, obwohl häufig auf demfelben Bahnkörper liegend, do<h stets {arf von einander getrennt. Die Zahl der Ferngeleise ist verhältnißmäßig gering gegen die der Vor- ortgeleise, ihr Lauf if ausnahmslos strahlenförmig zur Innen- stadt gerihtet. Die sämmtlihen von London aus in das Land gehenden Stammbahnen endigen rings an den Grenzen von Westend und City und sind zum theil, je nah der Lage der Ver- hältnisse, an beide Stadtheile mit getrennten Zweigen an- geschlossen; die Bahnhöfe sind dabei so dicht als möglich an diese Verkehréviertel heran- und in einzelnen Fällen au<h um ein Geringes in sie hineingeshoben. Von den südlihen Bahnen hat die South- Castern nicht weniger als drei solher Endpunkte, die im allgemeinen von jedem Zuge in fortlaufender Folge angefahren werden. Die London-Brighton and Southcoast und die London-Chatham-Dover sind gleihfalls je an City und Westend angeschlossen, doch so, daß auf besonderen Vorstadtstationen die na< London fahrenden Züge gespalten, die von London fahrenden aus City- und Westendtheilen zusammengeseßt werden. Für die Bewohner der weiter außen liegenden Vororte sind, um Verbindung mit den Fernzügen der Stammbahnen zu gewinnen, weiter hinaus- gescobene besondere Knotenstationen als Sammel- und Vertheilungs- punkte eingerihtet. Als ein Mangel ist es zu bezeichnen, daß in London nur wenige Verbindungsstre>en vorhanden find, welche die unmittelbare Dur<führung von Fernzügen ermöglichen. Die m ngle der vorhandenen Verbindungen is die Westlondonbahn, welche die westlihen ‘Bahnen mit den Continentalbahnen ver- einigt. Eine nordsüdlihe Durchganeslinie verbindet die London- Chatham-Dover mit der Midland und Great - Northern, eine dritte ist unter Benußung des alten Themsetunnels bergestellt worden. Der Verkehr im Innern der Stadt und mit den Vororten wird durch zwei große Gruppen vermittelt, einmal dur das Unter- grundsystem, das wiederum in die innere Ringbahn und die er- weiterten Linien zu zerlegen ist, und dann dur< das oberirdishe System. Die Untergrundbahn ist eine fast dur<weg in Tunneln und nur hier und da zwischen hohen Futtermauern geführte, 21 km lange, in westliher Nichtung langgestre>te, ges{lofene VBahnschleife, die sich eiwa den Umgrenzungen von City und Westend anlegt. Mit ihr stehen die glei<falls unterirdis< geführien erweiterten Linien in engstem Zusammenhange, die, von der Midland und der Great - Northern herabkommend, die innere Ringbahn errcichen, dieser in einem

aralleltunnel eine Stre>e folgen und dann unter ihr von deren vtordseite auf die Südseite übergehen, wo dann eine Verbindung mit der London-Chatham-Dover-Bahn hergestellt wird. An diese eng zusam- menhängende Gruppe von Tunnelstre>en der inneren Ringbahn und der erweiterten Linien schließt sih ein mannigfa< verzweigtes Netz von oberirdish geführten Vorortlinien unmittelbar an, auf denen un- zählige hin- und hergehende / im rinen auf die verschiedenste Weise mit einander vers{hmolzene Zugbetriebe eingerichtet sind. Von dieser Gruppe is eine zweite Betriebs8gruppe streng zu unterscheiden, bei der die Hauptbahnstationen, allerdings unter thunlihst scharfer Trennung von den Anlagen des Fernverkehrs, mitbenußt werden. Diese Betriebe ziehen sih zunächst an den Stammlinien entlang, verlassen diese aber später, um sich selbständig weiter zu bewegen, und verlaufen ähnlih wie die der ersten Gruppe. Was die Verzweigung des Vorortbahnnetzes anlangt, fo zetgt dieses nah Norden, Westen und Süden die größte Entwickelung. Eine besondere Verdichtung ist bei vielbesuhten Anlagen, wie bei dem Krystallpalast, wahrzunehmen, und auch die beiden Ufer der Themse nah Westen zu find mit einem engmascigen Schienenneß überzogen. __ Zur Vermittelung des Verkehrs zwi Gen der City und den füd- lich der Themse belegenen stark bevölferten Stadtbezirfen dient ferner eine unterirdische ¿let trishe Bahn, die am 4. November 1890 eröffnet wurde. Eine zweite unterirdische elektrishe Bahn, die Centrallondon- bahn, mit deren Bau in diesem Jahre begonnen werden ist, wird eine directe Verbindung der City mit dem Westend herstellen und unter der langen Flucht der Hauptstraßen hingehen, die sih von Cheapside bis U bridge Road hinziehen. 1 o Vle Straßenbahnen kommen in London für den Verkehr der nnenstadt nicht in Betracht, sie endigen vielmehr, in gewisser Ueber- einstimmung mit den oberirdis< mündenden Eisenbahnen, im Umfange dieses Gebiets. Auch werden Pferdebahnen in Anbetracht des großen

erkehrs auf den Themsebrü>ken nicht geduldet. Das Neß der Straßenbahnen macht daher ‘einen unfertigen Eindru>. Von den ¿chn Straßenbahngesellschaften kommen vier auf das linke, se<s auf das re<te Ufer der Themse, und sie vermitteln, mit Aus- nahme des Nordwestens und Westens, die Verbindung von Außen- ondon mit der City. Nur eine von diesen Gesellschaften hat den

omotivbetrieb eingerichtet, in neuester Zeit beginnt man aber, die

eleftrishe Betrieb8weise näher ins Auge zu fassen, und zwar, da ober- irdishe Leitungen nit gestattet sind, entweder mit unterirdischer eus oder mit Accumulatoren.

Mehr als in irgend einer anderen Stadt hat si< in London das Omnibuswesen entwi>elt, und ist der innerstädtische Personenverkehr vorwiegend auf die strahlenförmig von der City nah allen Richtungen hinausgehenden Omnibuslinien angewiesen. Wie bedeutend dieser Verkebr ist, ergiebt sih daraus, daß 1887 von London Bridge 19, von Cheapside 20, von Orford Street 15 und vom Strand 14 Linien ausgingen und an diesen allerdings sehr verkehrsreihen Punkten die Zahl der an Wodwentagen verkehrenden Omnibus bez.

- 3398, 3008, 2346 und 1710 betrug. Neben den Omnibus ver-

kebren in London zahlreihe Droschken und Miethéwagen, deren Anzahl sih annähernd nach der Zahl der ertheilten Erlaubnißscheine ermessen läßt. Einen sfolchen besaßen am 31. Dezember 1886: 14 852 Führer von Droschken und Mietbswagen und 4853 Führer von Landkutschen (stage carriages).

Einen hervorragenden Antheil an dem täglihen Personenverkehr der an der Themse belegenen Stadttheile und Vororte, wie auch an dem Auéflugsverkehr nimmt auch die örtlihe Themseschiffahrt. Die Boote verkehren von Londonbridge, dem Hauptausgangspunkte \trom- eris e) Richmond und Hampton Court, stromabwärts bis Ipswich un rwih.

Den Umfang des Personenverkehrs in London festzustellen, ist nur annähernd möglich, da es an genauen ftatistishen Angaben darüber fehlt, do< läßt fich annehmen, daß die Bahnen im Gebicte der Hauptstadt jährli< 200 Millionen, die sämmtlichen Straßenbahnen 150 Millionen, die beiden größten Omnibusgesellshaften 120 bis 130 Millionen Menschen befördern. Dazu kommen noch die Droschken und Dampfboote mit wenigstens 30 Millionen Fahrgästen , sodaß der gesammte Personenverkehr jährlih auf wenigstens 500 Millionen Menschen zu veranschlagen sein dürfle. Der Deer M der Cy “allem gestaltete sich nah einer im Jahre 1891 vorgenommenen Zählung wie folgt : Es famen innerhalb 24 Stunden zur City von Londonbridge 107 421 Fußgänger und 14367 Fuhrwerke, von Holborn Bars 82 367 Fußgänger und 9069 Fuhrwerke, von Temple Bar 81 672 Fußgänger und 6172 (fade d: von Blakfriersbridge 69 888 Fuß- gänger und 8287 Fuhrwerke, von Aldgate A 67 940 Fuß- gänger und 6268 Fuhrwerke, von Bishopsgatestreet 49 635 Fußgänger und 4400 Fuhrwerke, von Finébury Parlament 48 905 Fußgänger und n. N derte und Farrindon Road 42 036 Fußgänger und 4160 Fuhrwerke.

Zur Arbeiterbewegung.

„_ Die Bemühungen der Socialdemokraten, die Frauen für ihre Bewegung zu gewinnen, sind bisher ni<ht von großen Erfolgen begleitet gewesen. Der „Vorwärts“ theilt in seiner letzten Nummer mit, daß in Mannheim ein „Verein socialistischer Frauen und Mädchen der Stadt Mannheim und Umgegend“ gegründet worden sei, der beceits gegen 200 Mitglieder zähle. Das Statut be- stimmt an erster Stelle:

_ Die Frauen und Mädchen der Stadt Mannbeim und Umgegend bilden zur Vertretung ihrer Interessen einen Verein, der ih der focialdemokratishen Partei Deutschlands anschließt, um in Gemein- uen mit dieser ihre wirthschaftlihe und politische Freiheit zu cr- angen.

Aus Brandenburg a. H. theilt ein Telegramm des „H. T. B.“ mit, der dortige Männer-Turn-Verein habe einen Congreß der brandenburgishen Turner auf den 26. Juni nah Brandenburg einberufen, auf dem ein Arbeite r- Turnerbund der Mark Brandenburg gegründet werden soll.

Ueber Arbeitseinstellungen und Ausstände liegen folgende neuere Mittheilungen vor:

Die Strikecommission der Rix dorfer Weber und Spule- rinnen theilt im „Vorwärts“ mit, daß der Ausstand beendigt ist, und berihtet: Es haben am Mittwoch noch Verhandlungen zwischen Meistern und Gefellen stattgefunden mit dem Ergebniß, daß alle Meister die Forderungen bewilligt haben. Der Tarif wurde bis auf einige leine Abänderungen anerkannt. Da während des Ausstandes mehrere Fremde eingestellt wurden, so befinden sich no< 25 Weber und 12 Spulerinnen außer Arbeit.

In Stolberg (Rheinland) haben nah demselben Blatt vierzig Glasarbeiter der Firma Jordan, weil ihnen eine Lohnerhöhung verweigert wurde, die Arbeit niedergelegt. /

__ In Mannheim is die Aussperrung der Former in der Flink’schen Fabrif beendet worden, nahdem eine den Arbeitgeber und die Arbeiter befriedigende Einigung erzielt worden ist; aus Mangel an Arbeit bleiben aber vorläufig 27 Leute beschäftigungslos.

In Moslesfehn haben, wie das „Nordd. Volksbl.“ berichtet, sämmtliche Arbeiter der Torfstreu-Fabrik von Gebr. Meyer & Co., etwa vierzig Mann einschließli< tes Aufsehers, die Arbeit lreiegtz sie hatten sih geweigert, die Arbeitsordnung zu uzter- schreiben.

_ Aus Reichenberg i. B. wird der „Köln, Ztg.“ telegravhirt : Wegen befinchteter Streitigkeiten unter den ausftändigen Glas- arbeitern in Dessendorf und Grünwald is Gendarmerie zur Verstärkung ins Ausstandgebiet entsendet worden. Der Ausftand der Glaéperlenarbeiter dauert unverändert fort.

Handel und Gewerbe.

Nach einem dem italienis<hen Parlament vorgelegten Gesezentwurf soll die in Art. 8 des Gesezes vom 14. Juli 1891 vorläufig bis zum 30. Juni d. J. auf 12,50 Proc. fest-

esezte Tara für die zwei Blechkisten mit Mineral-Oel ent- hätlenban Holzkisten noch ferner bis zum 31. Dezember 1893 in Kraft bleiben.

Der neue s<wedishe Zolltarif ist in der am 11. Juni ausgegebenen Nr. 34 der s{<wedis<hen Geseßz- Sammlung publicirt worden und wird mit dem 21. Juni

in Kraft treten. :

Tägliche Wagengestellung Is Kohlen und Koks an der Ruhr und in Oberschlesien. An der Nuhr sind am 18. d. M. gestellt 9957, ni>t rechtzeitig gestellt keine Wagen. In S find am 17. d. M. gestellt 3609, nit rechtzeitig gestellt keine Wagen.

: „Zwangs-Versteigerungen. Beim Königlichen Amtsgericht Il Berlin stand am 17. Juni das im Grundbuhe von Marzahn Band 2 Nr. 55 ein- getragene, der Frau J. A. Böttcher R örige und zu Marzahn be- Lens Grundstü> theilungshalber zur Versteigerung. Für das Meist- ge ot von 9000 wurde der Nieselwärter Wilhelm Dupont zu Uhrensfelde Ersteher. :

Berliner Wollmarkt. 18. Juni, Abends. Jm offenen Markte sind von den angemeldeten etwa 18 000 Ctrn. gegenwärtig un- gefähr 14 000 Ctr. eingelagert, doch treffen fortgesezt neue Zufuhren ein, wobei zu berü>sihtigen ist, daß viele Wollen unangemeldet ein- ehen, andere aber, die nah ihrer Anmeldung bereits Käufer efunden aben, ausbleiben. Man erwartet aber, daß der Beginn des offi- ciellen Marktes am 20. d. M. das im vorigen Jahre zugeführte Quantum um das Doppelte übertreffen wird. Von bekannten Producenten- wollen sind unter anderen bisher zugeführt: Alt-Prohnow, Liebenow, Schulzendorf, Groß-Polzin, Neudörfchen, Parnow, Herzfelde, Eick-

stedt, Liebenberg, Häfen, Leppin, Klo>kow, Torngw, Giesen, Kleßke und Alt-Negensheim. Auf den Stadtlägern bleibt ruhige Haltung. Von den biébher nur in mäßiger Anzahl eingetroffenen Fabrikanten sollen einige Posten besserer Tuh- und Stoffwollen zu Preifen ange- kauft worden sein, welche die vor ungefähr vier Wochen gezahlten um einige Mark überstiegen.

Berliner Wollmarkt, 20. Juni Mittags. Die-Einlieferungen zum offenen Markte stellten si< bei dem heute Morgen 6 Ühr erfolgten officiellen Beginn auf 17 728 Ctr. gegen 9604 Ctr. in 1891, 12676 Ctr. in 1890, 16 920 Ctr. in 1889, 23 305 Ctr. in 1888, 20 981 Ctr. in 1887 und 14804 Ctr. in 1886. Der Besuch von edi i Händlern und Kämmern war anfänglich ohne jede Bedeutung, besserte fih aber von 83 Uhr ab erheblih, ohne daß es jedo< bis zum Se<luß des Berichts zu nennenswerthen Umsäten gekommen wäre; es dürften knapp 2000 Ctr. bis dahin den Besizer gewechselt haben, da zwischen Forderungen und Geboten ih ganz wesentliche Differenzen beraus\tellten. Inhaber waren geneigt, zu einem Preisabschlage von 7,10, au< wohl 12 Æ, während Reflectanten, wenn sie sih üßertaupt zu Geboten verstanden, 15, 18, 20, 23 M und darüber werter als im Vorjahre anlegen wollten. Soweit die bisherigen Abschlüsse einen Ueberbli> über den Werthabschlag ermöglichten, darf man ihn auf 6 bis 20 je nah Beschaffenheit der Wollen beziffern. So sind bezahlt worden: 108 M zu 120 M, 126 M zu 144 M, 135 M zu 147 M, 139 M zu 145 M, 142,50 Æ gegen 153 1, 157 M gegen 163 M; Ausnahmen finden ja immer statt, so wurde ein größerer Posten Posenfcher langhaariger Wollen, die im vorigen Jahre 150 M brachten, zu 130 M begeben, während andererseits zwei Posten Prignißer Wollen angeblich 146 M gegen 148 M in 1891 erzielten, mithin nur 2 4 weniger ergaben. Es gewinnt den Anschein, als würde auf dem nunmehr etablirten Werthabsclag sich im Laufe des Nachmittags ein lebhafterer Verkehr entwi>eln. Bei der unsicheren Lage im offenen Markte ist es auf den Stadtlägern, die ja auch zahlrei besucht waren, überhaupt zu Absehlüssen niht gekommen, do<h erwartet man au hier no< im Laufe des Nachmittägs lebhaftere Thätigkeit.

Berlin, 18. Juni. (Wochenberiht für Stärke,

Stärkefabrikate und Hülsenfrüchte von Mar Sabersky.) Ia. Kartoffelmehl 35—354 A, Ia. Kartoffelstärke 39—354 M, TIa. Kartoffelstärke und -Mehl 33—34 4, feuhte Kartoffel- stärke loco und Parität Berlin #4, Fabriken bei Frankfurt a. D. zahlen frei Fabrik M, gelber Syrup 384—39} AÆ, Capillair - Syrup 407—41 , Capillair - Export 42—42L M, Kartoffelzu>ker gelber 39;—40 , do. Capillair 41—41è M, Num-Couleur 50—ö51 4, Bier-Couleur 49—50 M, Dextrin, elb und weiß, Ia. 41—42 #, do. secunda 37—39 M, Veizenstärke (kleinst.) 36—38 4, Weizenstärke (großst.) 44—45 M, Halleshe und Schlesishe 44—45 4, RNeisstärke (Strahlen) 46 bis 47 M, do. (Stücken) 43—44 4, Mais-Stärke 35—36 M, Schabe- stärke 32—33 M, Victoria-Erbsen 22—26 46 Kocherbsen 22—25 M, grüne Erbsen 22—26 A, Futtererbsen 151—161 A, Leinsaat 22—29 M, Linsen, große 34—46 A, do. mittel 20—34 M, do. fleine 16—20 f, Gelber Senf 20—34 , Kümmel 40—44 M Buchweizen 173—184 4, Mais loco 13—134 #, Pferdebohnen 164 bis 18 4, inländische weiße Bohnen 16—18 M, weiße Flachbohnen 20—-23 Æ, ungarishe Bohnen 16—17 M, galizis<he und russische Bohnen 14—16 #, Wi>en 15—16 Æ, Hanfkörner 214—22 M, Leinkuchen 17—17} #, Weizenshale 103—11 M, Roggenkleie 11 bis 115 M, Rapskuchen 13—14 46, Mohn, blauer 54—60 4, bo. L 60—70 A, Hirse, weiße 21—24 (6 Alles per 100 kg ab Bahn bei Partien von mindestens 10 000 kg.

In der am Sonnabend in Halle a. S. abgehaltenen Ge- neralversammlung der Actiengesells<aft A. Niebe>’\che Montanw erte waren 20 Actionâre anwesend, welche 2536 Stimmen vertraten. Die vorgelegte Bilanz sowie die Gewinn- und Verlust- re<hnung für das abgelaufene Geschäftsjahr nebst dem Bericht des Vorstandes und des Aufsichtsrathes wurden genehmigt und, dem An- trage der Verwaltungsorgane entsprechend, die - Vertheilung einer Dividende von 15 9% beschlossen. Dem Vorstande und Aufsichtêrathe wurde Entlastung ertheilt und der infolge Ausloosung nah $ 14 der Gellschaftssaßungen ausscheidende Bank - Director Michelet wieder- gewählt. Nach den Mittheilungen des Vorstandes sind die Aus- sichten für das laufende Geschäftsjahr im allgemeinen zufriedenstellend, wenn auch einzelne Artikel der Theeraufarbeitung in ihren Erträg- nissen gegen das Vorjahr zurü>bleiben werden.

Königsberg i. Pr., 18. Juni. (W. T. B) Wollmarkt. Schleppend, Preise 15—20 4. billiger.

Leipzig, 18. Juni. (W. T. B.) Kammzug-Termin- handel. La Plata. Grundmuster B. per Juni 3,877 4, per Juli 3,875 M, per August 3,90 46. - per September 3,90 (6, per Oktober 3,925 H, per November 3,95 4, per Dezember 3,95 (6, ver Januar 3,975 Æ ver Februar 3,977 4, per März 4,00 (6, per April 4,00 Æ Umsay 60 000 ke.

Wien, 20. Juni. (W. T. B.) Bei den 298-km langen Localbahnen der VDesterreihishen Local-Eisenbahn-Gesell- schaft, die hon im Vorjahre im Betriebe waren, betrugen die pro- viforish ermittelten Einnahmen im Monat Mai d. I. 137 671 Fl. und in der Zeit vom 1. Januar bis Ende Mai 1892 680 283 F[., während die definitiven Einnahmen in der gleihen Periode des Vorjahres 142 081 bezw. 759 409 Fl. betragen haben. Die vro- visorish ermittelten, oben nicht inbegriffenen Einnahmen der 36 km langen Theilstree Budweis—Gojau der Localbahn Budweis— Salnau betrugen in der Zeit vom 1. Januar bis Ende Mai 1892 32 583 Fl.

h: London, 18. Juni. (W. T.B) Wollauction. Preise behauptet bei lebhafter Betheiligung.

An der Küste 2 Weizenladungen angeboten. 4

20. Juni. (W. T. B.) Die Getreidezufuhren betrugen iíÛn der Woche vom 11. bis 17. Juni: Engl. Weizen 2347, fremder 56377, engl. Gerste 777, fremde 1350, engl. Malzgerste 25 440, fremde —, engl. Hafer 263, fremder 40 642 Qrts., engl. Mehl 18 214, fremdes 25 736 Sa>. j

Paris, 18. Juni. (W. T. B.) Dem Vernehmen nah wird die Verwaltung des „Crédit foncier“ den Actionären in der nächsten Versammlung Anträge unterbreiten, betreffend die Conversion von 250 Millionen Franken ihrer ältesten Obligationen, welche für Dar- [chen an die Gemeinden, die zu einem höheren Saße als 4,10 % verzinst wurden, ausgegeben sind. Die Conversion soll eine facultative sein. Der „Crédit foncier“ würde für diese Operation 23 Millionen, die den Referven entnommen werden sollen, verwenden. Die Operation soll später weiter fortgeführt werden, damit die von den Gemeinden gezahlten Zinfen den Saß von 49/0 nicht überschreiten. j

Lissabon, 18. Juni. (W. T. B.) Serpa Pimentel erklärte in einer Versammlung von politishen Freunden, es fei die Pflicht aller, die Entschließung der Regierung bezüglih des Ueberein» kommens mit den ausländishen Inhabern portugie- sisher Papiere zu unterstüßen, indem man dem Uebereinkommen die Zustimmung versage. i E

St. Gallen, 19. Juni. (W.T. B.) Bei den Vereinigten Schweizer Bahnen betrugen im Mai d. J. die Einnahmen 672 000 Fr., die Ausgaben 396 800 Fr. / j

New-York, 18. Juni. (W. T. B.) Die Börfe war anfangs stetig, s<wächte sih jedo< im weiteren Verlaufe theilweise etwas ab. Der Schluß war sehr fest. Der Umsaß der Actien betrug 62 000 Stück. Der Silbervorrath wird auf 2100000 Unzen geshäßt. Silberverkäufe fanden nicht statt. E

eizen {<wächte si< na< Eröffnung etwas ab, später erbolt auf Plaßspeculationen. E stetig. Mais s{wankend den ganzen Tag, je nahdem die Hausse- oder Baissepartei die Führung übernahm. Schluß träge. i

Der Werth der in der vergangenen Woche eingeführten Waaren betrug 9254337 Dollars, gegen 11 670 118 Dollars in der Vorwoche, davon für Stoffe 1 923 059 Dollars gegen 1 597 551

Dollars in der Vorwoche. : Chicago, 18. Juni. (W. T. B.) Weizen {loß fest auf