1892 / 149 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Am 2. d. M., Nachmittags 1 Uhr, fand die viertel- Jährlide Sizßun des Reichsbank - Curatoriums unter Vorsitz des Stellvertreters des “gay “pr vera Staats-Ministers Dr. von Boettiher im chsamt des Jnnern statt. Außer diesem und dem Berichk- erstatter, Reichsbank - Präsidenten Dr. Koh nahmen daran theil als Mitglieder die Bevollmächtigten zum Bundes- rath: Gesandter Graf von Hohenthal und Bergen (Sachsen), Ministerial-Rath Freiherr von Stengel (Bayern), Director Dr. von Stiegliß (Württemberg). Auch der Staatssecretär des Reichs - Schaßamts, Wirkliche Geheime Rath Freiherr von Maltzahn wohnte der Sißung bei.

Die im Reichs-Eisenbahnamt aufgestellie, in der Ersten und Zweiten Beilage zur heutigen Nummer des „R.- u. St.-A. veröffentlihte URebersiht der Betriebs - Ergebnisse deutsher Eisenbahnen für den Monat Mai d. J. ergiebt für die 71 Bahnen, welhe auch schon im entsprechen- den Monat des Vorjahres im Betriebe waren und zur Ver-

leihung gezogen werden konnten, mit einer Gesammtbetriebs- änge von 37 068,90 km Folgendes: Jm Mai d. J. be- trug die Einnahme: a. aus dem Personenverkehr: im anzen 27 240 276 M oder 5466 899 weniger als in dem- elben Monat des Vorjahres, auf 1 km Betriebslänge 749 M oder 17,69Proc. weniger als in demselben Monat des Vorjahres ; b. aus dem Güterverkehr: im ganzen 63912977 M oder 316 240 # mehr als in demselben Monat des Vor- jahres, auf 1 km Betriebslänge 1729 #4 oder 0,63 Proc. weniger als in demselben Monat des Vorjahres. Jn der Zeit vom Beginn des Etatsjahres bis Ende Mai d. J. betrug die Einnahme: A. Bei denjenigen Bahnen, deren Rehnungs- jahr die Zeit vom 1. April bis 31. März umfaßt, a. aus dem Personenverkehr: im ganzen 45436878 F oder 588 586 6, weniger als in demselben Zeitraum des Vorjahres, auf 1 km Betriebslänge 1542 # oder 2,62 Proc. weniger als in demselben Zeitraum des Vorjahres; þb. aus dem Güter- verkehr: im ganzen 108660826 oder 3182031 weniger als in demselben Zeitraum des Vorjahres, auf 1 km Betriebslänge 3624 # oder 4,10 Proc. weniger als in demselben e des Vorjahres. B. Bei denjenigen Bahnen, deren Rechnungsjahr mit dem Kalenderjahre zusammen- fällt, a. ous dem Personenverkehr: im ganzen 21 786 837 Á oder 799 063 F weniger als in demselben Zeit- raum des Vorjahres, auf 1 km Betriebslänge 3157 # oder 3,69 Proc. weniger als in demselben Zeitraum des Vorjahres ; b. aus dem Güterverkehr: im ganzen 45 691 123 oder 1 745 031 M weniger als in demselben Zeitraum des Vor- jahres, auf 1 km Betriebslänge 6556 #4 oder 3,83 Proc. weniger als in demselben Zeitraum des Vorjahres. Eröffnet wurden: am 1. Mai d. J. eine Strecke der Berliner Ring- bahn bei Wilmersdorf-Friedenau 1,57 km (Königliche Eisen- bahn-Direction zu Berlin) und die Strecke Dillenburg—Straß- cbersbach 15,88 km (Königliche Eisenbahn-Direction [rehts- rheinishe] zu Köln), am 15. Mai die Strecke Weilburg—

aaren agg D s km (Königliche Eisenbahn-Direction zu .)

Montsurt a. und am 16. Mai die Strecke Poppshüß— altersdorf 7,74 km (Königliche Eisenbahn - Direction zu Breslau).

Jn dem Geschäftsbezirk der General-Commission zu Frankfurt a. O. sind bis jezt 71 Rentengüter nah Maßgabe des Gesezes vom 7. Juli 1891 errichtet. Davon liegen 49 in der Provinz Pommern, 22 in der Provinz Brandenburg. Die 71 neuen Stellen umfassen 916 ha; die Erwerber zahlen insgesammt einc jährliche Rentenbankrente von 20 833,70 #, und die Rentengutsausgeber haben zusammen in 31/5 procentigen Rentenbriefen 503 850 H erhalten. i :

Der Größe nach vertheilen fich die Rentengüter der- gestalt, daß

10 einen Umfang von D L mehr als 15 T4 i t t It 11 2 14 r” r” r "” ,” V4 n ,"” 2 I" "” T4 t (Restgüter) . : : i besißen. Die kleineren Stellen sind nur in Verbindung mit Een und nur da ausgewiesen, wo die Erwerber Gelegen- heit zu lohnender Beschäftigung als Arbeiter, Fuhrleute 2c. haben. Auch einige für die Ansiedler nothwendigen Hand- werker sind mit geringem Landbesiß ausgestattet worden.

Außerdem haben mindestens 150 Personen durch Punctationen Stellen von mittlerem und kleimnerem Umfang erworben, deren Umwandlung in Rentengüter S von der Fertigstellung der geometrishen Arbeiten und der Berichtigung des Katasters abhängt. '

Von den eingegangenen Anträgen auf Bildung von Rentengütern sind durch Zurücknahme 20, dur Zurück- weisung 4 erledigt. Es bleiben noch 103 mit einem Flächen- inhalt von 34 387 ha. : ;

Von den als Rentengüter auszugebenden Flächen liegen

19178 ha im Regierungsbezirk Köslin, O E z Stettin, 1 7 Stralsund, 8493 ,„ 1“ ranffurt, S 7 : otsdam. -

Die 31/2 procentigen Brandenburgishen und Pommerschen Rentenbriefe, die anfangs nur 95 standen, haben si ras die Gunst des Publikums gewonnen und bereits den Curs- ftand von 98,75—99 erreicht.

1,5— 5 ha 5910, 10—15 ,, 15—20 , 20—30 U 70—75 ,„

Der General-Jnspecteur des Militär-Erziehungs- und Bildungswesens, General der Jnfanteric von K eßler ist von Besichtigungsreisen hierher zurügekehrt.

Der Inspecteur der 1. Cavallerie-Jnspcction, Gcneral- Licutenant von Krosigt hat Berlin verlassen.

Der Commandant des Jnoalidenhauses, General-Lieutenant von Blumroeder hat fich mit Urlaub nah Jänkendorf in der Nieder-Lausiß begeben.

Der Kaiserlihe Gesandte am Königlich niederländischen Hofe, Geheime Legations-Rath Graf von Ranßtau ist von dem ihm Allerhöchst bewilligten kurzen Urlaub nach dem

Haag gurügckehrt und hat die Geschäfte der Gesandtschaft

Der Königliche Gesandte in Oldenburg Graf von der Golßg§ ist von dem ihm Allerhöchst bewilligten kurzèn Urlaub auf seinen Posten zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Gesandtschaft wieder übernommen.

Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Königlich sächsische Geheime Rath Vodel is hier angekommen.

S. M. Kreuzer - Corvetie „Sophie“, Commandant Corvetten-Capitän Kirchhoff, ist auf der Heimreise am 25. Juni in Aden eingetroffen.

Posen, 26. Juni. Der Minister der geistlihen 2c. An- gelegenheiten Dr. Bosse ist heute Nachmittag hier eingetroffen und von dem Ober-Präsidenten von Willamowiß-Möllendorf und den Spitzen der Civilbehörden empfangen worden. Bald nah der Ankunft stattete der Minister dem Corps-Comman- deur General der Jnfanterie von Seect, dem Ober-Präsidenten sowie dem Erzbishof Besuche ab, Abends fand zu Ehren des Ministers bei dem Ober-Präsidenten ein Diner statt.

Köln, 27. Juni. Jhre Majestät die Königin von Schweden und L N hat am Sonnabend i nel Honnef verlassen und über Hamburg die Rückreise na Schweden angetreten. Gestern traf au der Reise nah London Seine Majestät der König von Rumänien hier ein_ und besichtigte mit dem Fürsten zu Wied den Dom und das Flora- Etablifsement. Die Weiterreise erfolgte heute Morgen 81/2 Uhr über Brüffel.

Dortmund, 25. Juni. Heute feierte das Königliche Ober-Bergamt zu Dortmund die hundertste Wieder- kehr des Tages seiner Errichtung. Die Belegschaften der in der Umgebung von Dortmund belegenen Zechen hatten bereits am Vorabend dem Ober-Bergamt ihre Theilnahme dur einen Fackelzug dargethan. Jn einer Ansprache, die der jvc b dd Bruckmann von Zeche „Gneisenau“ bei dieser Gelegenheit an den Berghauptmann Eilert hielt, wies er, wie wir aus dem Bericht der „Dortm. Ztg.“ erschen, auf die großartige Entwicklung hin, die der Bergbau seit den vergangenen hundert Jahren im ec Hte e Dortmund genommen habe, und bemerkte: der np big ür das Leben und die Gesundheit der Bergleute habe das Ober- Bergamt stets die größte Sorge gewidmet; diese habe stets in erster Reihe gestanden, ihr hätten die besten Verordnungen ge- golten und das wüßten die Bergleute zu würdigen. Brci der heutigen Jubelfeier, die im Sizungssaale des Königlichen Ober-Bergamts stattfand, waren der Minister für Handel und Gewerbe Freiherr von E! ch und der Ober-Präsident der Provinz Westfalen Studt anwesend. Der Minister drückte dem Ober-Bergamt in einer E Anerkennung und Glückwünsche aus und theilte mit, da Seine Majestät der Kaiser und König Allerhöchstsein Bild, das im Sißungs- saal bereits angebracht war, dem Ober-Bergamt mit folgendem Anschreiben zu widmen die Gnade gehabt habe:

«Indem Ich dem Königlichen Ober-Bergamt zu Dortmund zu der am 25. Juni cr. stattfindenden Feier seines hundertjährigen Be- stehens Mein Bildniß verleihe, spreche Ich den Leitern desselben für ihre erfolgreile Wirksamkeit Meinen Dank aus. Möge der Bergbau in den niederrheinisch-westfälishen Landestheilen au ferner blühen und gedeihen zur Ehre und zunr Wohle des Vaterlandes!

Neues Palais, Potédam, 22. Juni 1892.

Wilhelm Il. Rex.“

Ferner konnte der Minister von anderen Gnadenbeweisen wie Ordensverleihungen und anderen Auszeihnungen Mit- theilung machen. Jm weiteren Verlaufe der Feier nahmen der Ober-Präsident sowie die Vertreter anderer E und Abgesandte von Corporationen das Wort zu Begrüßungs- ansprahen. Mit einer längeren Rede des Berghaupt- manns Eilert, in der er wiederholten Dank ausdrüte und die in einen Toast auf den obersten Bergherrn, Seine Majestät den Kaiser und König, ausklang, endete die schöne und würdige Feier.

Sigmaringen, 27. Juni. Seine Königliche Hoheit der Fürst Leopold von Hohenzollern ist heute nah Eng- land dngereits und wird dem „W. T. B.“ zufolge am König- lihen Hofe mit Seiner Majestät dem König von

Rumänien und dem Prinzen Thronfolger von Rumänien sowie der Prinzessin Marie von Edinburg zusammentreffen.

Bayern.

Ueber den Aufenthalt des Fürsten Bismarck in München am Sonnabend ist noch zu berichten, daß der Fürst mit seiner Gemahlin Mittags zunächst das Rathhaus besuchte. Dort wurden ihm von dem Bürgermeister Dr. von Widen- mayer die Mitglieder der städtijhen Collegien vorgestellt und ein Ehrentrunk überreiht. Auf eine Ansprache des Bürgermeisters sagte der Fürst: „Jn diesem Hause verdient an erster Stelle genannt zu werden der Name Jhres erlauchten und tapferen Regenten, der auch mir stets ein gütiger und wohlwollender Herr gewesen. Seine Königliche Hoheit Prinz- Regent Luitpold lebe hoh!“ Alsdann nahm er noch einmal das Wort und as nah der „Köln. Ztg.“ ‘etwa Folgendes :

„Ich bin von Haufe, aus meiner r abgereist, um eine neue Tochter zu finden. Daß ih fo viele Tausende von Freunden gefunden, und ih fann, da ich nicht mehr in Amt und Würden bin, wohl sagen, persönlihe Freunde, erfüllt mein Herz mit freudiger Genugthuung. Was mir in den paar Jahren, die ih vielleiht noch zu leben habe, bleibt, ift ein gewisses Maß von Anerkennung bei den lebenden und bei den fommenden Geshlechtern. Wenn ih dieje Anerkennung bei den intelligenten Klassen des Bürgerthums finde, bin ich zufrieden. Meine Gedanken beschäftigen sich mehr mit den Zeiten, die nah mir und nah uns sein werden, als mit den jeßigen. Daß ih ‘in den großen Städten Dresden und München, wo ja die Intelligenz zusammenströmt, so freundliche Aufnahme gefunden, ist mir besonders werthvoll. Innig wohlgethan hat mir die Haltung der studirenden Jugend. Ich bin überzeugt, daß ih auch, wenn ih zu andern und Éleinern Universitätéstädten käme, eine ebenso freundlihe Aufnahme finden würde. Durch die Einigung der deutschen Stämme ist es er- zielt worden, daß wir ein ahtunggebietender Factor, daß wir anderen Nationen ebenbürtig sind und daß wir leichtsinnige Angriffe, wie vor einigen zwanzig Jahren und früher, fo leiht niht mehr zu ge- wärtigen haben. Das Blut aller deutf Stämme, unter ihnen der Bayern, ist zu einem Kitt unserer Unabhängigkeit ge-

worden. Unvergessen bleibt für alle Zeiten die pee Mitwirkung

res Regenten und der bayerischen D mas sie, nein, im Kampfgewühl. Nächst der innern inigfeit ist für uns das Wichtigste unser Verhältniß zu der ver wandten öfterreihisch-ungarischen Nachbarnation. Keine Reichsregierung darf dics Verhältniß vernathlässigen. Es ist besonders wichtig für eg Wogen der langen Grenze; wir sind jeßt im Südosten und- Süden gedeckt.“ ° Fürst Bismarck trug sich darauf in das „goldene Buch“ des: Münchener ag erg ein. Als der Fürst und die Fürstin auf den Balcon des Rathhauses hinaustraten, begrüßte sie das. Publikum mit Ian urufen. Unter erneuten Ovationen und der Abfingung der „Wacht am Rhein“ erfolgte die Nüc- fahrt und dann der Besuch der Kunstausstellung. ürst Bismarck gab bei sämmtlichen Prinzen Karten ab und fuhr Nachmittags bei dem Minister-Präsidenten Le von Crailsheim vor, bei welhem er ungefähr eine halbe Stunde verweilte. Als Freiherr von Crailsheim zum Gegen- besuch Dorn, Ee fich der Fürst schon zur Kunstausstellung begeben. Am Abend vorher hatten der Regierungs-Präsident Freiherr von Pfeufer und der britishe Gesandte rummond dem Fürsten Privatbesuhe ab estattet, die er am Sonnabend erwiderte. Am Abend wurde ihm eine Serenade gebraht, an welcher fich gegen 8000 eisonen, der Studentenschaft, der Turnerschaft, den Künstlerkreisen und den Sportsvereinen angehörend, bctheiligten. Die Ge- sangvereine trugen Lachner's „Vaterlandsgruß“ und die- „Wacht am Rhein“ vor. “Zwischen den Vorträgen empfin der Fürst eine Deputation der Studentenschaft und rad ihr seinen herzlihsten Dank aus für die Verherr- lihung durch die Jünger der deutschen Wissenschaften und Künste, welche lange Jahre die einzigen Trä er gemeinsamer deutscher Kultur und Vaterlandsidce gewesen seien. Der De- putation des Sängerbundes dankte der Fürst, indem er hervor-

L die Macht des deutschen Liedes habe mächtig für die

örderung der nationalen Jdee gewirkt und die Vaterlands- liebe erwedt. Unter jubelnden E der Volksmassen zog sich der Fürst zur Abendgesellshaft zurü. :

Am Sonntag Vormittag um 12 Uhr reiste das Fürstliche Paar über Augsburg :adgriom nach Kissingen ab. Bei der Abfahrt in München verabschiedete sih der Fürst im Königssalon von den Herren des Comités und namentli von dem Bürgermeister Dr. von Widenmayer mit Worten herz- lihen Dankes. Die am Bahnhofe und in dessen Umgebung versammelte zahlreihe Menschenmenge begleitete den si in Bewegung seßenden Zug mit dem Absingen patriotischer Lieder und mit lebhaften Hochrufen ;

der Ankunft in Augsburg wurde der Fürst am Bahnhofe von dem Bürgermeister von Fischer namens der Stadt begrüßt. Unter unausgeseßten jubelnden Kundgebungen der nah Tau- senden zählenden, die Straßen füllenden Menschenmenge machten der Wri! und die Fürstin eine Fahrt dur die Straßen der Stadt nach dem Rathhause, wo der Bürger- meister mit einer Ansprahe dem Fürsten den Ehrentrunk bot. Das Publikum sang die „Wacht am Rhein“. Hierauf fand die Rückfahrt zum Bahnhofe statt, wo das Frühstück eingenommen wurde. Bei der Abfahrt des puges wie bei der Ankunft spielte Militärmusik. Bei der Ankunft in Würz- burg (um 61/; Uhr) war Fürst Bismarck ebenfalls von einem nach Tausenden zählenden Publikum begrüßt worden ; der Fürstin wurden prächtige Blumensträuße überreiht. Um 81/4 Uhr Abends trafen der Fürst und die Fürstin in Kissingen ein, wo fie sih alsbald unter lebhaften Hochrufen der zahlrei versammelten Menschenmenge nah ihrem Absteigequartier in der Saline begaben.

Waldeck und Pyrmont.

Arolsen, 26. Juni. Jhre Hoheit die regierende Fürstin zu Walde, geborene Prinzessin von Schleswig-Holstein- D nrg SlLaSnen, ist heute von cinem Prinzen entbunden worden.

Oefterreih-Ungarn. Der Kaiser Franz Joseph ist am Sonntag früh von:

Wien zu dem österreihishen Bundes\schießen nady

Brünn abgereist. An der Grenze von Mähren wurde Seine Majestät empfangen und auf allen Stationen von den Bc- hörden, den Gemeindevertretungen, der Geistlichkeit und der überaus zahlreih herbeigeströmten Bevölkerung enthusiastisch begrüßt. Der Einzug in Brünn, wo der Kaiser am Bahnhof von dem Bürgermeister in einer Ansprache bewillkommnet wurde, erfolge unter Kanonendonner und Glocken- geläut und unaufhörlichen begeisterten Ovationen der Bewohner. Nach der Ankunft im Schlosse empfing Seine Majestät dic bts e vigae Ol eine Deputation des Adels und eine folie der eistlihfeit unter Führung des Brünner Bischofs Bauer, dann das Offiziercorps, den Landeshauptmann und den Landesauss{huß, den Bürgermeister und die Vertreter ahlreiher Beamtenkörperschaften. Auf eine Ansprache des Bischofs Bauer erwiderte der Kaiser: Er danke für die Bekundung treuer Gefinnung und wünsche, die Geistlichkeit möge in den Herzen der Gläubigen wahren Christenfinn und die Gefühle der Liebe und Versöhnlichkeit: zum Heile des Landes und zum Wohle des Reiches erwecken und stärken. Miítags fand ein glänzender Festzug statt,

welchem der Kaiser von dem Balcon des Es es aus:

usah. Am Nachmittag verweilte der Kaiser in egleitung Lea Statthalters längere Zeit auf dem Festplaß des Bundes- schießens und gab auf dem Scheibenstand einen Kernschuß ab. Das pas versammelte Publikum bereitete dem Kaiser lebhafte Huldigungen. Nah dem Diner unternahm der Monarch eine Rundfahrt durch die prächtig illuminirte Stadt, wobei Seine Majestät überall mit Begeijterung begrüßt wurde. Abends wurde dem Kaiser ein glänzender Fackelzug dargebracht, an dem sih etwa 6000 Fadelträger betheiligten. Der Kaiser spra wiederholt seinen Dank für die Ovationen aus. /

Nach den bisherigen Dispositionen wird der Kaiser, wie „W. T. B.“ erfährt, am 2. Juli zur Trauung der Herzogin Amalie in Bayern mit dem Herzoge von Urah nach Tegern}ee abreisen, um fich alsdann zum Sommeraufenthalt nah Zsl zu begeben. E

Der Valuta-Aus\chuß des oten Abgeordneten- hauses hat in seiner am Sonnabend abgehaltenen Sißung die anfänglich beanstandete Einführung von Nickelmünzen -nun- mehr mit 25 gegen 10 Stimmen beschlossen. Der Ausschuß lehnte berigemde mit 30 gegen 5 Stimmen die Ausprägung: von Fünfzighellerstücken in Silber ab und nahm sodann die

en l) die Locomotive- des Zuges war von der Künstlershaft bekränzt worden. Bei:

Ausprägung von Zwanzig- und Zehnhellerstücken in Nifel mit 29 gegen 5 Stimmen an.

ge E ist L Lr ga f je ustiz- Mini U ährige Führer eutschen ungs- partei, Meichstags R Ne S Dr. Eduard Herb n Alter von 71 Jahren gestorben.

Großbritannien und Jrland.

He L Nertinagd von Rumänien und der Herzog von Edinburg statteten am Donnersta Nachmittag der Königin in Schloß Windsor einen Besuch ab. Am Freitag Abend traf der Herzog von Aosta, begleitet von dem italie- nischen Botschafter und dem Prinzen Heinri von Battenberg, um Besuh Jhrer Majestät in Windsor ein; der Herzog, der

otishafter und der Marquis von Salisbury dinirten päter

bei Jhrer Majestät und blieben als Gäste der Königin im Schlosse. Heute Abend wird auf Einladung Jhrer Ma- jestät der König von Rumänien im Bu ngham-Palast in London erwartet.

Das Oberhaus hat in seiner Amaleudsisuosg die Bill wegen Garantirung der Anleihe für die Insel Mauritius in dritter Lesung angenommen.

Gladstone haite sich am Sonnabend Nachmittag nach Chester begeben, um dort in einer Wa [versammlung zu reden. Als er sich in den liberalen Club begeben wollte, wurde er durch einen Wurf im Gesicht verleßt. Von der Menge mit lebhaften Kundgebungen begrüßt, hielt Gladstone, obwohl die Verlegung am Auge ihm große Schmerzen verursachte, eine stundenlange Rede. Die Wunde wur e, wie nachträglih festgestellt, durh ein Stück Brot her- vorgerufen, welhes von einer in der Menge stehenden Frau geworfen worden war. Eine starke Blutung veranlaßte den Arzt, dem greisen Staatsmann Schonung anzuempfehlen, um einer Vershlimmerung des Zustandes vorzubeugen. Nach einem in London gestern eingetroffenen Telegramm seines Sohnes Herbert ist das Auge nur leicht verleßt und bereits auf dem Wege der Besserung; eine Entzündung sei nicht ein- getreten und das Allgemeinbefinden eiù durchaus befriedigendes.

Der schottische ere Dexein en sich von Gladstone losgesagt. Das Executiv-Comité . dieses Vereins richtete ein Schreiben an ihn, worin dem Bedauern darüber Ausdruck gegeben wird, daß der Verein bei den nächsten Wahlen weder Gladstone noch seine Partei unterstüßen könne.

Wie neulich in Dublin, so hat gestern auch in Cork zwischen Parnelliten und Antiparnelliten in den Straßen der Stadt ein Lnsanmension itattgefunden. Viele Thüren und Fenster wurden von der Menge eingeschlagen, und die Polizei vermochte lange Zeit hindurch nicht der Be- wegung Herr zu werden. Nah dem darüber vorliegenden Telegramm sollen Bn Perjonen ziemli {wer verleßt ins Hospital gebraht worden sein.

a Frankreich.

Jn dem vorgestrigen Ministerrath legte der Handels-

Minister Jules Roche einen Gese entwurf vor, der dazu bestimmt ist, den Verkehr mit Dynamit und anderen Explosivstoffen in Fabriken, Niederlagen und Verkaufsstellen, sowie beim Transport, Verkauf und bei der Verwendung dieser G e regeln. Der Präsident Carnot unterzeichnete in dem Ministerrath das Ausführungsdecret zu dem vom 1. Zuli cr. ab zur Anwendung gelangenden Regulativ über den Aus- tausch von Postcolli zwischen Frankreih und dem Auslande. Die Blättermeldung, daß das gegenwärtig vor Algier stationirte Mittelmeer- Geschwader Befehl erhalten habe, eine Schiffsabtheilun | nah Tanger zu entsenden, hat laut Meldung des „Wolff hen Bureaus“ aus Paris bis jeßt keine Bestätigung gefunden. __ Einer Mittheilung Een Bureaus zufolge gilt es jest nahezu als sicher, daß irgend ein Handelsüberein- fommen mit Spanien vor dem 30. d. M. nicht zu stande kommen werde.

In der Deputirtenkammer richtete der Abg. Dreyfus am Sonnabend seine angekündigte Anfrage an den Kriegs-Minister de Freycinet wegen der Angriffe des Journals „Libre Parole“ gegen Offiziere israeli- tishen Bekenntnisses: er wünsche darüber Auskunft, ob es zweierlei Arten Offiziere in der französishen Armee gebe. Der Kriegs-Minister erwiderte, er sei, ebenso wie Dreyfus, von dem tragishen Ausgange des Zweikampfes zwischen dem Marquis de Morès und dem (israelitishen) Haupt- mann und Lehrer an der polytehnishen Schule Mayer aufs Schmerzlichste berührt. Jn der Armee kenne man nur französische Offiziere, nur hingebungsvolle Soldaten ; ie Regierung mißbillige die Polemik der Presse entschieden und bitte die Offiziere ruhig zu bleiben gegenüber Beleidi- gungen, die sie niht berühren fönnten: sie werde allen franzó- ischen Offizieren in gleichem Maße Achtung zu verschaffen wissen. Zwietracht unter den Offizieren zu erregen, Verbrechen gegen die Nation. (Lebhafter Beifall. Der Abg. Cuneo d’Ornano wandelte die Anfrage e in eine Jnter- pellation um und verlangte für die katholischen Offiziere dieselbe Achtung wie für die israelitishen. Die Rechte stimmte dem Redner zu; auf der Linken erhob sih großer Lärm. Schließlih wurde eine Tagesordnung angenommen, in welcher die Erklärungen der Regierung gebilligt wurden. Im weiteren Verlauf der Sigung, beschloß die Kammer mit großer Majorität, die Berathung des Antrags auf Tren nung der Mini Ung für öffentlihe Straßen von dem Mini terium der öffentlichen Arbeiten und auf Verbindung dieser Abtheilung mit dem Ministerium des Jnnern zu ver- oe Seitens der Regierung war der Antrag bekämpft

rden. ; Znfolge von Enthüllungen des Anarchisten Bricou kennt jevt die Polizei die Urheber des Dynamit-Attentats im Restaurant Véry. Es sind dies Bricou selbst, dessen Frau, cin gewisser Francis, genannt François und Meunier. pen und Meunier sind nah London geflüchtet, wo zwei Polizei- agenten fie überwachen, um fie nah Erledigung der Aus- lieferungsformalitäten festnehmen zu lassen. Bei Francis, der den Plan zu dem Attentat gefaßt hatte, ist die Bombe her- gestellt worden.

„Der Militär-Attaché der Vereinigten Staaten Capitäân Barup wurde von dem ameri anishen Ge- (And ien um Aufklärung über die Angelegenheit Grenier Forde Nr. 148 d. Bl.) ersuht. Er beantwortete die Auf- orderung des Gesandten mit einem Protestschreiben, ¡welches der Gesandte dem Minister Ribot überbrachte. Wie Bai „W. T. B.“ weiter gemeldet wird, hat Capitän mp die Erklärung abgegeben, daß der Beamte m französischen Marine-Ministerium Grenier ihm allerdings

sei ein

ice Schriftstücke übergeben habe, bestreitet jedoch aus- cklih, daß er diese Schriftstücke anderen auswärtigen Mächten mitgetheilt habe. Verschiedene Pariser Blätter E wissen, der Attahé werde unverzüglich abberufen werden.

Dem 5. internationalen Binnenshiffahrts- Congreß in Paris, welcher am 21. Juli eröffnet wird, soll eine Bereisung der nordfranzösishen Kanäle voraufgehen, die am 19. Juli in Lille beginnt. Die Theilnehmer Nr sich in Lille am 18. Juli und werden dort Abends 9 hr von einem besonderen Ausschuß im Hôtel de la Société Industrielle du Nord de la France begrüßt. Am Morgen des 19. werden die Häfen der Kanäle de la Deule und d'Air mit P des nelle - ven e zur Verschiffung der Steinkohlen von Lens,

ruay und Marles besichtigt, am Nachmittag wird der Hafen von Dunkerque besucht. Am folgenden Tage wird das Hebewerk von Fontinettes besichtigt und dem Hafen von Calais ein Besuch ab- estattet. Der zweite Ausflug findet am 23. und 24. Juli

von Havre. Von Havre fahren die Theilnehmer nach Rouen und von da nah Paris zurück. Beschlossen wird der Congreß durch einen Besuch der Centrumsfanäle, der Saône-Kanali- sirung und der Rhône-Regulirungsarbeiten, sowie des Furens- behâlters bei St. Etienne- Tele Ausflug erreicht sein Ende am 3. August in Lyon. Auf die D der verschiedenen Kanäle bezicht sich die in der vorigen Nummer erwähnte Interpellation des Boulangisten Méry, der darin Ge- fahren für die Landesvertheidigung erblickt, weil an dem Con- greß eine große Anzahl Deutscher, Oesterreicher und Jtaliener theilnehmen. Spanien.

, Die Deputirtenkammer hat nah einer bewegten vierundzwanzigstündigen Sißung gestern das Page geneh- migt. Die Republikaner beabsihtigen laut Me ung des „W. T. B.“ gegen das Anleihe-Project die Obstruction an- zuwenden ; auch die liberalen früheren Minister wollen mit thren Parteigenossen das Project bekämpfen.

Schweiz.

Nachdem der Ständerath den Beschlüssen des National- raths in Betreff der Regelung der Handelsbeziehungen zu Frankreih und Spanien, der Krie materialanshaffungen für 1893 und der Unterstüßung der Übceninbultrie auf der Welt- Rg in Chicago zugestimmt hat, ist die Sommersession der Bundesversammlung am Sonnabend geschlossen worden.

Belgien. __ Die Kammern treten, wie bekannt, am 12. Juli zu- jammen. Wie dem „Hamb. Corr.“ mitgetheilt wird, beabsichtigt das Ministerium, den Kammern den Vorschlag zu machen, den Antrag auf Revision der Verfassung einem aus 20 Deputirten und 10 Senatoren zählenden Ausschuß zur Ausarbeitung zu übertragen mit dem Auftrag, den Bericht in einer zweiten, erst im November beginnenden Session Zur Beschlußfassung vorzulegen. _ Durch Königlichen Befehl if ganz Belgien militärish in vier Divisio ns - Bezirke getheilt- worden. Jede ros zerfällt in Militärdistricte und diese Diftricte wieder in Militärcantone. Jeder der vier Divijions- Bezirke soll eine Divifion Militär umfassen.

Türkei.

Die im März fällige Rate des ostrumelishen Tributs

ist am Sonnabend bei der Staatsschuldenkasse in Konstantinopel erlegt worden; der rüständige Rest soll im Juli gezahlt werden.

Amerika.

Eine amtliche Depesche, welche der Pariser Gesandtschaft der Republik Ve nezuela aus Caracas zugegangen ist, bestätigt, daß Palacio auf die Präsidentschaft verzichtet und sich nach Europa eingeschifft hat. Der Vorsißende des Bundesraths der Republik Dr. Villegas ist mit der Wahrnehmung der Functionen des Präsidenten betraut worden. Demnächst soll der Congreß zusammentreten.

Afrika.

Nach einer Mittheilung der „Köln. Ztg.“ soll in Egypten von der Einführung der englishen Sprache in das Ge- rihtswesen abgesehen werden. England wird sih an der Zu- lassung aller in englisher Sprache abgefaßten Eingaben ge- nügen lassen, die von den die Interessen der englischen Staats- angehörigen vertretenden Anwälten an die Gerichtsbehörden gerichtet werden.

Nach in Paris vorliegenden Meldungen aus Tanger soll der englishe Specialgesandte Eua n Smith darauf ver- zihtet haben, von dem Sultan von Marocco die gefor- derte Erlaubniß zur Herstellung von Telegraphenlinien sowie ur Errichtung iner Bank und zur Freigabe des

affenhandels zu erlangen. Dagegen bestehe der Gesandte darauf, daß den Europäern die Ausfuhr von Cerealien und Vich gestattet und daß die Con- vention vom Jahre 1890 über den Erwerb von Grundeigen- thum MER n ders werde. Der Sultan scheine indeß zu keinerlei Ss nifsen geneigt. Ferner wird berichtet, der englische Specialgesandte hätte troß der Weigerung des Sultans die englische Flagge auf dem Konsulatsgebäude hifsen lassen: in- folge dessen hätte sih eine Volksmenge zusammengerottet und es hätten Truppen zum Schugze des nfulaiazbiudes heran- gezogen werden müssen.

__ Nr. 25 der Veröffentlihungen des Kaiserlichen Ge- sundheitsamts vom 22. Juni hat folgenden Inhalt: Personal- nahriht. Gesundheitsstand. Mittheilungen über Volkskrankheiten. Sterbefälle in deutschen Städten mit 40000 und mebr Ein- wohnern. Desgl. in größeren Städten des Auslandes. Er- franfungen in Berliner Krankenhäusern. Desgl. in deutschen Stadt- und Landbezirken. Gefundheitsverhältnifse in Prag 18858 und 1889. Eer Grundwasserstand und Bodenwärme in Berlin und München, Nai. Zeitweilige Ma regeln gegen Volks- krankheiten. (Cypern, Türkei, Saypten.) _= ierseuchen in Frank- reih 1891, 4. Vierteljahr. —- Desgl. in Serbien, 1. Oktober bis 29. Dezember 1891. Desgl. in den Niederlanden. Veterinär- polizeiliche ieten: (Großbritannien, Tunis.) Gesetzgebung 2. (Preußen.) Vieheinfuhr.— (Reg.-Bez. Düsseldorf.) Hebammen-Nachcurse. —Heil-und Geheimmittel. Braunschweig.) Morphin.— (Oesterreich) Schafe-Durhfuhr. Wafserversorgung. (Schweiz, Kanton Waadt.) Ansteckende Krankheiten bei Schulkindern. (Großbritannien. ) Maul- und Klauenseuche. (Belgien.) Kaffee. Verhandlungen von Vereinen, Congressen u. f. w Deutsches Reich.) 20. deutscher

Aerztetag. (Schweiz.) Beschlüffe des Vereins analvtiscer Che-

tatt und gilt den Kanälen der unteren Seine und dem Hafen .

ngen. Vermischtes. (Preußen, Berlin.,— i ruhe. eih.) Geheimmittel. (Bresldu.) Chemis Untersuchungsamt 1890/91. (Schweiz.) Trunksuht als Todes- ursache. (Frankrei, Amiens.) Alcobolconsum. Beilage. Gerichtilihe Entscheidungen zum Nahrungêmittelgeseg. Titelblatt den Jahrgängen 1888 bis ciesdblieblid, 1891 Ler Depe umd in

rgängen einfchließli er „Veröffentlihungen“ enthaltenen Entsheidungen. ung Nr. 11 des Archivs für Post und Tele raphie (Beibeft. zum Amtsblatt des Reichs-Postamts, hera N n e e e des Reichs-Postamts) hat folgenden Inhalt: 1. Actenftücke und Aussäe: Erkenntniß des preußis inl lungsgericets über die Frage, ob die - Reichs Telegrap verwaltung zu Vorauskeistungen für den Wegebau verpflichtet if. Die Entwickelung des dänischen Telegraphenwesens (Schluß). Türkisches Postwesen (Schluß). Japanisches Verkehrswesen. 11. Kleine Mittheilungen : Urtheile des Kaisers über die Baupläne zu neuen Posthäufern. Statistische Nachrichten über die Posthaltexeiverhältnife, Ertrapostverke## und Gewährung von Futterkostenzushuß. E

T betreffend Wein, Farben und Gebühren für chemi aden, Karls:

Entscheidungen des Reichsgerichts.

_ Die Errichtung einer neuen Feuerstätte ohne polizei- lihe Erlaubniß ift, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, IV. Straffenats_ vom 29. März 1892, eine durch § 368 3. 3 Straf- gefeßbuchs mit Strafe bedrohte Uebertretung, welche iff drei Monaten nach der Errichtung verjährt; das Fortbe tebenlassen der neuen Anlage an \sich ift nit strafbar.

Hat ein Lebensversicherungsnehmer bei Beant- wortung der Frage der Declaration über seinen Gesundheits- zustand ein Leiden tenen und fich darauf beschränkt, auf die weitere Frage na seiner ärztlihen Vertrauensperson den ibn bebandelnden Arzt als diejenige Person zu bezeichnen, bei welcher in Betreff feines Gesundheitszustandes Nachfrage gehalten werden könne, so hat, nah einem Urtheil des Reichsgerichts, T. Civilsenats, vom 12. März 1892, die Versicherung8gesellshaft, welhe von dieser Er- [laubniß feinen Gebrauß macht, sondern obne die Erkundigung beim Arzt des Versicherungsnehmers die Versicherung abschließt und die Prämie si zahlen läßt, nach dem Tode des Versicherungsnehmers keine Einrede aus der Verschweigung jenes Leidens, welches fie durch die Nachfrage bei dem bezeichneten Arzt sofort hätte er- fahren können und nur durch ihre Verabsäumung ven diesem erft nach dem Tode des Versicherungsnehmers erfabren bat.

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Kunft und Wissenschaft.

Akademische Kunstausstellung. VL Genremalerci.

_L. K. Die Bezeichnung Genre deckt heute eine Viel- heit durhaus unglei artiger Begriffe. Die ‘moderne Kunst zieht alles in den Kreis ihrer Darstellung, was in irgend” einem Sinne Jnteresse zu wecken vermag, fie verschmäht auch das scheinbar inhaltslose Existenzbild niht, sofern es nur irgendwelhe Gelegenheit zur Entfaltung malerisher Reize bietet. Während früher den Künstler in erster Linie die in- haltlihe Bedeutung eines Vokanges fesselte und zur Wieder- gabe bewog, sind es heute die Farbenwirkungen der äußeren Erscheinung, die seine Phantasie fast ausshließlich befruhten. Freilih ist man auf diesem Wege, indem man vorzugsweise die gebrochenen Töne, das Halbdunkel shlehtbeleucteter Innen- räume studirte, zu einer bedenklihen Tendenzmalerei gelangt, die erst allerneuestens aus dem Vordergrund des Interesses zurüczuweichen beginnt. Das - sogenannte „Armeleutebild“, welches die Nachtseiten des menshlihen Lebens, das sociale Elend mit grausamer Unerbittlichkeit künstlerisch zu fixiren be- müht war, vershwindet mehr und mehr von dem Schauplaß unserer Ausstellungen. Nur einzelne Künstler, wie beispiels- weise der Holländer Jsraels, der gewissermaßen seinen ganzen malerishen Apparat einseitig auf diesen Vorwurf eingestellt hat, vermögen sih nicht davon loszusagen. Auch in unserer Ausstellung begegnen wir einzelnen, zum theil niht unbedeu- tenden Leistungen derart. Am ergreifendsten wirkt E. Dae- len’s „Größenwahn“: Jn einer Dahkammer sehen wir neben dem Todtenbette seiner Tochter einen herabgekommenen Deli- ranten mit Papierkrone und Ordensstern mit theatralischer Geberde seine wirren Reden declamiren, während am Bett- rande die doppelt unglücklihe Mutter, ihr Antlitz in den Händen bergend, sizt, umgeben von den beiden Kindern, die sih halb scheu, halb tröstend an fie shmiegen. Die Branntweinflasche auf dem Wandbrett des Hintergrundes neben dem Lithographie - Porträt Napoleon's T. bilden den s\tummen Commentar zu dem ershütternden Vorgang. Das Ganze ist in lebensgroßen Verhältnissen ebalten und mit vielem malerischen Geschick wiedergegeben. Gleichwohl hat der Künstler nicht vermocht, die Abscheu weckende Scene tragisch zu veredeln. Man kann den physischen Ekel dem Bilde gegenüber nur schwer überwinden. Auch Herman Hirsh's „Strike“ ist ni t frei von fragenhafter Verzerrung, und O. Eckmann's Proletarier- weib muthet dem Beschauer die Aufgabe zu, aus dem näht- lihen Dunkel die Umrisse einer über das Stoppelfeld {hleihen- den Frau gera aulofen, was indeß nur einem mit ungewöhn- liher Sehkraft Begabten genau dürste. Andere wiederum, wie der hohbegabte Emile Claus, Frit Uhde. HeTxck- mann Grobe und Dora is schildern die Mühsal des Landarbeiters auf sonnigem Felde mit der ganzen Feinheit und Durchsichtigkeit der Luftstimmung, die diesen nach Pariser Vorbildern arbeitenden Künstlern zu Gebote steht. Wie frischer Seewind weht es uns aus den Dünenbildern Max Lieber- manns entgegen, der, wie immer, auch in seinen beiden diesmal ausgestellten Bildern „Neßflickerinnen“ und „Frau mit Ziegen“ (beide im Besiß offentliher Samm- lungen in München und amburg) es meisterhaft versteht, seine Gestalten mit voller plastischer Schärfe, um- fluthet von Licht und Luft hinzustellen. Seine Farbenscala umfaßt dabei faum mehr als vier Töne, deren Abwerthun e aner das verblüffende Geheimniß seiner Kunst bleibt. der durhsihtige silbergraue Seedunst über dem hollän- dischen Tieflande zieht nah wie vor unsere Künstler mächtig an. Wir werden besonders bei der Betrachtung der Landschaften unserer diesjährigen Ausstellung auffällig daran erinnert. Aber auch holländishe Jnterieurs bilden. ein stetes Lieblingsthema unserer Impressionisten. Da sind zuerst die Meisterleistungen Gotthard Kühl’'s zu nennen, der neuerdings seinen Wohnsiß von Paris nah Hamburg ver- legt hat, sodann die äußerst ausdrucksvoll und sorgsam urh- earbeitete „Gespenstergeshihte“ von Walter Mac Ewen, wh, Vogel's „Dorfpolitiker“, Paul Höcker's Dorf- interieur und Theodor Grust's Konfirmandenandaht. Auch