1892 / 152 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Mannigfaltiges. Die Polizeiverordnung über den Verkehr mit Rothb-,

Reh- und Damwild, der nur noch auf Grund eines Urfprungs- zeugnisses zulässig ift, ift gestern in Kraft getreten.

__ Seine Durchlaucht der Erbprinz von Hohenzollern ift, wie der „Köln. Z.“ gemeldet wird, auf seinem Distanceritt von Potsdam nah Sigmaringen Dienstag Nacht dort angekommen.

Nachdem die Königliche Genehmigung des Projects der Umgestal- tung des Lüßow-Plaßzes in einen Shmuckplas ertheilt worden ift, bat die me Parkdeputation den städtishen Garten-Director Mächtig beauftragt, baldmöglichst mit der Herstellung der Shmuck- anlagen vorzugehen.

Das für den diesjährigen Binnenschiffahrts-Congreß in aris und demnächst für die Welt-Ausfstellung in Cbicago timmte, auf gemeinschaftliche Kosten des Staats und der Stadt

hergestellte Modell der Spreeregulirungs-Bauwerke am Mühblendamm ift fertiggestellt und steht zunächst für die Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung vom Freitag, 1. Juli, in der mechanischen Werkstatt von Voigt, Neuenburgerstraße 12, zur An- ficht aus.

Die Berliner Spielplaßz-Gesellshaft verausgabt auch in diesem Sommer für die Zeit vom 1. Juli bis 15. August „Ferien- karten“ zu 2 Æ für Schüler und Schülerinnen. Die Spiele finden unter Leitung von Lehrern und Kindergärtnerinnen statt. Der Spiel- plaß ist neuerdings durch Zupachtung einer benahbarten Landparcelle um ein wesentlihes Stück vergrößert; diese Erweiterung wird ge- statten, die Zahl der Lawn-Tennispläte noch um einige zu vermehren. Die jeßt vorhandenen Pläße find {hon von den frühesten Morgen- stunden an beseßt und nur an heißen Tagen wird während der Mit- tagsftunden paufirt. Die Anlage der Pläße bat ih als zweckmäßi erwiesen; eine unterirdishe Entwäfsferung bewirkt, daß felbst nad stärkeren Regenfällen die Plätze in kurzer Zeit wieder benugbar sind:

Reu-Ruppin, 29. Juni. Die „N.-R. Z.* berichtet: Eine ax Anzayt hiesiger Brieftauben wurde gestern früh 8 Uhr Minuten in Stade aufgelafsen. Die erste Taube traf bereits um 11 Uhr 54 Minuten hier ein. Sie hatte, da die ganze Strecke 244 km lang ift, in der Minute durchschnittlih 1043 m zurückgelegt. Die übrigen Tauben langten eine Stunde später hier an und bis zum Abend waren sämmtlihe Wettflieger vollzählig hier wieder zusammen.

Gleiwiß, 29. Juni. Auf der Grube „Königin Luise* bei Zabrze ist nach einer Meldung des „D. B. H.* durch das Herab- stürzen der beiden Förderschalen der ganze Fördertbhurm zerstört worden. Der Betrieb mußte deshalb eingestellt werden.

Er furt, 27. Juni. Die Kirschenernte ist, wie der „Vos. Z.* berichtet wird, in diesem Sommer in Thüringen wiederum fehr reich- lih. Im Kleinverkauf betrug der Preis am leßten Markttage hon 15 bis 18 » für €{ kg (etwa 2 bis 24 Shock). Ein weiteres Sinken der Preise ist mit der jeßt von Tag zu Tage zunehmenden Reife der Frucht zu erwarten. Aud Walderdbeeren waren am leßten Markt-

tage shon in ansehnliher Menge vorhanden, bielten sih aber noh

ziemlih hoh im Preise. Diese Fruht kommt in der Hauptzeit auf 15 bis 20 4 für { 1 berunter.

Kassel, 23. Juni. Die Theilnehmer an der Jahresversamm- lung des Hessischen Forstvereins mahten, wie der M. „Allg. Z-.* mitgetheilt wird, am dritten Tage des Congresses von Fulda aus einen Ausflug nach Salmünster. Von hier ging es zu Wagen und zu Fuß dur die Oberförsterei Salmünster, in welcher namentlich die berrlihen alten Eichenbestände (wohl 400 bis 600 Jahre alt) das forftlihe Herz erfreuten. Auf einem s{chönen Ausfichtspunkte wurde Ea und darauf von den jüngeren Forstmännern dret junge

ichen gepflanzt, die von dem Präsidenten des Vereins, Herrn Ober- Forstmeister Schwarz-Cafsel in gebundener Rede dem Andenken an Kaiser Wilhelm L, Kaiserin Augusta und Kaiser Friedrich geweiht wurden.

Leer, 27. Juni. Der Capitän des hier angekommenen Schiffes „Hoffnung“ überbringt dem „Hannov. Cour.“ die Nachriht von dem Berlust des deutshen Schiffes „Her:nine“, Capitän Kriens, aus Warsingsfehn, das erst am 22. Juni von bier nah Schottland ab- gefahren war, um dort eine Ladung Steinkohlen für Norderney einzunehmen. Capitän Lüht von der „Hoffnung“ bemerkte die „Hermine“ in gekentertem Zustande auf dem Pilfumer Watt treiben; nachdem er sch dem Schiffe enäbert hatte, fand er den Capitän Kriens todt in der Takelage festgebunden. Von der übrigen Besaßung, die aus dem Sohn des Capitäns, dem Steuermann Folkert Üblenkampy aus Leer und einigen Matrosen bestand, war nihts zu finden, sodaß leider angenommen werden muß, daß alke ihren Tod in den Wellen gefunden

haben. Das Kentern der „Hermine“ ist zweifellos durch den jüngsten Sturm, der au die oftfriesishe Küste hart mitgenommen hat, ver- ursaht worden. Die Leiche des Capitäns Kriens bat Schiffer Lücht mit hierher gebraht und fie den Verwandten übergeben.

4 Melsungen. Der biesige An e Pflege im Felde ver- wundeter und erkrankter Krieger hat, dem Vorgange anderer Vereine folgend, mehr als 30 freiwillige Krankenträger ausbilden laffen, von denen dreizehn \ih bereit erkflärt haben, im Kriegsfall außerhalb des Kreises sich verwenden zu laffen. -

Würzburg, 27. Juni. Auf dem Kreuzberg in der Rhön wird, wie der „Frkft. Z." mitgetheilt wird, in den Tagen vom 7. bis 10. Juli die zweite Centennarfeier des dortigen, wegen seiner Gastlichkeit weltbekannten Franciscanerklosters festlih begangen. Mehrere Bischöfe nehmen daran theil. Das Kreuzbergkloster ist 930 m bo gelegen; 217 Stufen führen von ihm zu dem aus grauer adi ind stammenden, weit in die fränfischen Lande grüßenden mächtigen

reuz.

Lübeck, 29. Juni. Wie der „N. A. Z.“ ein Privattelegramm meldet, sind beute hier furchtbare Gewitter niedergegangen. Wolken- bruchartiger Negen übershwemmte theilweise die Straßen und Keller.

Bremen, 28. Juni. Ueber die Fortschritte der Corrections- arbeiten der Unterweser von Bremen bis zur Mündung im leßten Jahre giebt folgender, von der „Magdeb. Ztg." mitgetheilter Bericht des Schöpfers des ganzen Plans, des Ober-Baudirectors Franzius, ein anschaulihes Bild. Als eine ins Auge fallende Folge des unaus- geseßten Fort)chreitens der Bauarbeiten if u. a. die Verlängerung der Fluthdauer auf der Strecke oberhalb Vegesack bervorzuheben, die durch die damit verbundene Steigerung der Stromkraft die Fort- bewegung der von oben fommenden Sinkitoffe wesentli fördern hilft. Der Bremische Freihafen is jeßt {on für Seeschiffe von 4,6 m

.Tiefgang (anstatt 4,3 m vor einem Jahre) benußbar geworden. Das

auf der Werft der Actiengesellschaft „Weser“ erbaute Panzer-Fahrzeug „Beowulf“ konnte {hon im Spätherbst 1891 mit einem Tiefgang von etwas über 5 m bei allerdings günstigen Wasserverhältnifsen Bremerhaven erreihen. Bei Springtiden und niedrigem Oberwasser haben anfangs April d. I. die Dampfer der Dampfschiffahrts-Gesell- schaft „Hansa“, die sämmtlich 5 m Tiefgang haben, den Freihafen erreihen fönnen. Ueber die in der Zeit vom 13. Juli 1886 bis 31. März 1392 für das Werk verwendeten Geldmittel giebt der Bericht eine Uebersiht, wona von den bewilligten 30 Millionen Mark für die Unterwesercorrection 20 748 382,58 4 verausgabt sind, somit also noch 9 251 617,42 M verfügbar bleiben. Die Kosten für das Baujahr 1892/93 find auf 2 800 000 Æ verans{lagt worden. Im leßten Be- triebsjahre sind im auszubildenden Hauvtstrom auf der Weserstrecke vom Freihafen zu Bremen bis Nordenham durch die Bagger im ganzen 4751920 cbm Boden herauêgebaggert worden. Im Jahre 1887 wurden nur 170000 cbm, 1888 1700000 cbm, 1889 3 750 000 cbm, 1890 4103 903 cbm Boden beseitigt. Die größte Menge des zu Tage geförderten Baggerguts, und zwar 325 000 cbm, ist gemäß einer Vereinbarung mit der preußishen Regierung zur Schaffung des erforderlihen Hafenterrains dem von Preußen in Geestemün de anzulegenden Fischereibhafen zugeführt worden.

Bremen, 30. Juni. Der Schnelldampfer des Norddeutschen Uovyd „Trave“, der am 21. d. M. von New-York abgegangen ift, passirte am 29. d. M. Scilly. Der Kapitän der „Trave“ fignalisirte, wie „W. T. B." meldet, hierbei, daß die „Trave“ während der Reise mit einem Schiff zusammengestoßen sei. Der Zusammen- stoß sei am 22. d. M. im Nekel erfolgt, und zwar mit dem Schiff „Fred. B. Taylor“ aus Yarimouth, welches 1836 Registertons hat, im Jahre 1883 erbaut is und im Ballast von Havre nah New- York unterwegs war. Zwanzig Personen des „Taylor“ sind gerettet worden; zwei Mann ertranken.

Bielit (Dester.-Schles.), 27. Juni. Ein s{chwerer Unglücks- fall, durch den vier Menschenleben vernihtet wurden, ereignete \ich, wie man der „Magdeb. Ztg." von hier berichtet, am 22. d. M. in einer der biefigen Tuchfabriken. Während sih sieben Arbeiter in einem Dampfkessel befanden, um ihn zu puten, öffnete ein Unbe- rufener ein Hauptventil, wodurch der unter einer Spannung von sechs Atmosphären in Betrieb stebende_ zweite Kessel seinen Inhalt auf die Unglücklihen mit fürchterlißher Gewalt ergoß. Zweien der Arbeiter gelang es, \sich fast unver- sebrt zu retten, einen dritten konnte man noch lebend berausziehen, während die vier Zurücbleibenden von dem einströmenden Dampfe und Wasser buhstäblich zerrissen wurden, sodaß die Leichen der Unglücklichen stückweise im Kessel zusammengesuht werden mußten. Auch an dem Aufkommen des geretteten Arbeiters wird gezweifelt. Ob Böswilligkeit oder ein Verseben das Unglück verschuldet hat, wird die Untersuchung ergeben.

London, 30. Juni. Während eines Festes im Krystallpalast, woran gegen 7000 Sonntagsschüler theilnahmen, platte, wie „W. T. B." meldet, ein Luftballon etwa 100 Fuß über dem Erd-

boden. Die Infassen der Gondel stürzten herab. Der Luftschiffer Capitän Dale fand an esevis einer Frau und seiner Tochter den T od, zwei andere Luftschi er wurden tödtlich verleßt.

Paris, 28. Juni. Der wegen des Zweikampfes mit dem verstor- benen Hauptmann Mayer verhaftete arquis Morès i}, wie „W. T. B.“ meldet, vorläufig aus der Haft entlaffen worden. Die Meldung aus Concarneau, daß die Yacht „,After * (vergl. Nr. 149 und 150 d. Bl.) daselbst eingelaufen sei, beruht auf einem Irrthum ; das Schiff ift daselbst niht gesehen worden.

Rom, 29. Juni. Aus Catania kommt der „N. Pr. Z.“ die Meldung zu, daß der Aetna wieder in Thätigkeit sei. Ein heftiger Ausbruch hat stattgefunden. Aus dem Hauptkrater, der große Aschen- und Sandmasien auswirft, steigen dichte, weiße Nauch- n L empor; die Lava-Ergüsse sind mächtiger und reihlicher als die

es Belubv.

Rom, 29. Juni. Die Anlagen für die Ueberleitung elef- trischer Kraft von den Cascaden in Tivoli nah Nom (30 km) sind be-ndet. Die erften Versuche ergaben der „Frkf. Ztg.“ zufolge ein befriedigendes Resultat.

Bologna, 26. Juni. Die Räumungsarbeiten bei dem Dorfe Sasfo, das am Freitag früh dur einen Felsfturz fo furchtbar beimgesuht wurde, nehmen, wie der „Frfft. Ztg.“ mitgetheilt wird, nur langsam Fortgang. Heute Abend berechnete man, daß noch neun Leichen unter den Trümmern liegen. Im ganzen würden dann der Katastrophe ahtzehn Menschenieben zum Opfer gefallen sein. Gesterù wurde ein seit zwei Monaten vermähltes Ebevaar, das über dreißig Stunden unter den Felsblöcken zugebracht hatte, noch lebend beraus- gezogen, allein beide ftarben bald darauf. Von allen Seiten treffen jeßt Unterstüßungen an Geld und Lebensmitteln ein. Die Regierung sandte 4000 Lire. Die Lage der übrigen Höhlenwohnungen in dem Sandsteinfelsen is sehr gefährlich.

_ Amsterdam, 28. Juni. Dem „Handelsblad“ zufolge sollen bei der vulcanishen Katastrophe auf der Insel Sangir au mehrere Deutsche ihren Tod gefunden haben.

Aus Japan. Der „Ostasiatishe Lloyd" berihtet: Man geht in Japan mit dem Plan um, über die Straße von Shimonofeki (die Meerenge, welche die größere Insel Hondo (Nipon) von der Éleineren Kiuschiu trennt) eine Brücke zu {lagen und fomit beide Inseln zu verbinden. Die Entfernung beträgt an der engsten Stelle nur eine Seemeile, und man schäßt die Kosten des Brückenbaues auf 6 000 009 Dollars. Die Brüe, falls sie gebaut werden sollte, würde die Linien der Kiusciu-Eisenbahngesellshaft und der Sanjo-Gesell- schaft verbinden, sobald diese Gesellschaften ibre Linien in ihrer ganzen Länge bergestellt haben. Man könnte dann von Tokio nah Nagasaki mit der Eisenbahn reifen.

Nach Schluß der Redaction eingegangene Depeschen.

Köln, 30. Juni. Jn dem Emsflußse bei Warendorf sind, wie die „Kölnische Volkszeitung“ meldet, gestern Abend ein junger Mann und fünf Mädchen durch das Leckwerden des Schiffes, anf welchem sie sih befanden, ertrunken; zwei Personen wurden gerettet.

Siraßburg 1 El... un (W. B) Dex Statthalter Fürst zu Hohenlohe is heute Vormitta R pee mit dem Orient -Expreßzug von Wien hierher zurück- gekehrt.

Lemberg, 30. Juni. (W. T. B.) Jn einer Versamm- lung von Jndustriellen und Großgrundbesißern Galiziens wurde beschlossen, im Jahre 1894 eine Landesausstellung in Lemberg zu veranstalten. Fürst Adam Sapieha wurde zum Vorsißenden des Ausstellungscomités gewählt.

Cetinje, 30. Juni (W.T. Ÿ) Zwischen Monte- negro und Frankreich sind Verhandlungen behufs Ab- \hlusses eines Handels vertrages eröffnet worden.

Christiania, 30. Juni. (W. ‘T. B.) Der Minister- Präjident Steen theilte dem Storthing in seiner heutigen Sitzung mit, daß das Ministerium demissionirt habe (vergl. unter „Schweden und Norwegen“) und daß dasselbe infolge dessen an den Verhandlungen des Storthings sih niht betheiligen werde. Der Präsident des Storthings beantragte hierauf, die Verhandlungen bis auf weiteres auszuseßen. Der Antrag wurde mit 69 gegen 42 Stimmen angenommen.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

R R S R A E Se R R S M S Oie G R A S E A S A ENE R S T RSE, H: S G E A N E A E Rae C E A C ME N L G ANE A S OO S M: M E D M A I? S S A C T E S D E O E E E E S N ES T E

Wetterbericht vom 30. Juni, r Morgens.

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Bar. auf 0 Gr. u. d. Meeres\p.

Stationen.

red. in Millim

4 wolkig 1'halb bed. | 2 wolkenlos | 1Regen | 4' bede | 5 4 balb bed. | WNW 1 'halb bed. | NW 1 wolftenlos |

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Mullaghmore Aberdeen …… | Christiansund Kopenhagen . | Stockholm . | Haparanda . | St. Petersbg. | Moskau . | Cork, Queens- |

N » ¿H Cherbourg . |

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Uebersicht der Witterung.

Das gestern über der Themse-Mündung liegende

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| | 790 mm ostwärts nah den dänischen Inseln ge- | Herrn Heinri ôtel. Die enotten. (Naoul: g Mind Wett z zogen. Gleichzeitig ist über Frankreih und dem süd- Dr tai Si ) Anf n L, Ina E Se E westlihen Großbritannien das Barometer über | * t | 5 | 770 mm gestiegen. - Südwestseite des Minimums über der östlichen Nordsee und Nordwestdeutshland \türmishe nord- westlihe Winde; Skagerrak wehte ein \türmisher Ost. Bei meist lebhafter westlicher Luftströmung is in Deutschland das Wetter allgemein trübe, im Norden fielen sehr ergiebige Niedershläge und oft nah zahlreihen Ge- wittern die Temperatur, welche gestern Werthe bis zu 33 Grad erreichte, sehr erheblich, stellenweise bis | Stollberg. zu 6 Grad unter die normale gesunken. Die weitere erneute Ausdehnung des westlihen Hochdrugebiets | (vornehmftes und großartigstes Sommer-Etablissement nah Often läßt baldiges Aufklaren erwarten.

Kroll’s Theater.

In : 1 . Sonnabend: Der Freischüt. Demzufolge herrshten auf der Der Fs Täglich, bei günstigem

über Südschweden

Belle-Alliance-Theater.

: der Nesidenz) : Deutsche Seewarte.

NNW T7 Regen

WNW T7 Regen

WSW 7'bedeckt1) 2'bedeckt 3 Regen ?) 2 wolkig

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1) Abends e. mit Regen. 2) : mittags Gewitter mit Regen.

6 Uhr.

S M L B S E C B I A E r B E R E I E E Rd R D Theater- Anzeigen.

Berliner Theater. Freitag: Narcif. (Anna | ‘? Haverland, Nusha Bute, Ludw. Barnay, Ludw. e Stabl), Anfang 7+ Uhr. Sonnabend: Narcifß. Die leßten beiden Vorstellungen von „Narciß“ finden Sonntag Nachmittags und Abends statt.

ca | A Friedrich - Wilhelmstädtisches Theater. | | F Neu einstudirt: Der lustige Krieg. perette in 3 Acten von Jobann Strauß. Anfang ú

Im prachtvollen Park : _ Großes Doppel - Concert. _ 1 2) Nachts starkes Gewitter | sangs- und Instrumental - Künstlern. Anfang des

ats Gewitter mit Regen. 4) Nach- | Concerts Sonntags 5 Uhr, an den Wochentagen

Licht x. 2c.

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5 Bildern von Theodor Taube. Auftreten von Ge- | Kleiber. O 73 Uhr. Sonnabend:

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Sonntag: Gastspiel des Heinrich Bötel.

,_ 2A 1 igen etter : G Concert i im Sommergarten. Anfang an Sonn- und Festtagen | Am Landes - Ausstellungs - Park brt Lub und dem | 4 Uhr, an den Wochentagen 54 Uhr. in Landes - BUReultgs - Parte CBenrier Dahnyos)

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Adolph Ernst-Theater. Freitag: 1. Ge- sammt-Gaïîtspiel der aus 42 Personen bestehenden Gesellshaft des Directors Theodor Giesrau vom | Berlin: K. K. priv. Theater in der Josefstadt Wien. Zum

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Dieselbe Vorstellung. Der Sommer-Garten ift geöffnet.

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Freitag : Zum zettel. Anfang 74 Ubr.

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Familien-Nachrichten.

Verlobt: Frl. Anna von Kries mit Hrn. Lieut. Carl Graf zu Dohna-S(hlodien (Bangschin). Marie Gräfin von Göyßen mit Hrn. Forst- Affsefsor Danckelmann (Eberswalde).

Borchardt (Berlin). Hrn. Prem.-Lieut. von Arnim (Colmar i. E.). Hrn. Hauptmann Henning von Bonin (Steglitz). * Eine Tochter: Hrn. Landrath Lewald (Rawitsch). Hrn. Hyacinth Graf Strahwiß von Groß-Zauche und Cammineg (Groß-Stein).

Redacteur: Dr. H. Klee, Director.

Verlag der Expedition (Scholz).

Anftalt. Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32. Sieben Beilagen (einschließli Börsen - Beilage).

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

M 152.

Statistik und Volkswirthschaft.

Ein- und Ausfuhr.

Wir haben gestern die Ein- und Ausfuhr vom Januar bis eins{ließlih Mai der Menge nah mitgetheilt. Wie fie sih dem Werthe nach gestaltet, wird sich aus der nähsten Monatêsnach- weisung, welhe die proviforishen Werthberechnungen für das erste Halbjahr 1892 bringen wird, ergeben.

Krankenversiherung in Berlin im Jahre 1891.

Am Sd(luß des Jahres 1891 waren îin Berlin nah dem kürzlich erschienenen Bericht über die Betriebsergebnisse der unter der Aufsicht der Gewerbe-Deputation des Magistrats stehenden Krankenkassen inégesammt 304550 Personen (darunter 74145 weibliden Ge- \{lechts) auf Grund des Geseßes vom 15. Juni 1883 gegen Krank- heit versichert. Davon entfielen auf die 61 Ortskrankenkassen 269044, auf die 21 Betriebs- (Fabrik-) Krankenkassen 26 869, auf die Ge- meindetrantenversiherung 42 und auf die 11 Innungskranken- kassen für Gesellen und Lehrlinge, welhe den Anforderungen des S 73 des Krankenversicherungsgeseßes genügen, 8595 Mitglieder. Unter den 61 ersteren hatte die Allgemeine Ortsfkranken- fasse gewerbliher Arbeiter 2. allein 72285 Mitglieder ;: außerdem bestanden noch 6 Ortskassen je mit mehr als 15 000 Mit- gliedern am Jahress{hlusse, nämlih die der Gastwirthe, der Kauf- leute, der Maschinenbauarbeiter, der Maurer, Schneider und Tischler. Dagegen besaßen die Ortskrankenkafsen der Tuchmacher 64, der Schorn- steinfeger 60, der Zinngießer 50 und der Tuchsheerer nur 16 Mit- glieder. Von den Betriebékafsen war die Neue Maschinenbauer- Krankenkasse mit 15 449 Versicherten die größte, die der Firma C. Krause u. Co. mit 13 die kleinste; zwei andere hatten ebenfalls noch unter 100 Mitglieder. Die bedeutendste Innungskasse war die der Damenmäntelschneider mit 2254 Versicherten am Jahbress{lusse, die kleinste diejenige der Pfefferfüchler und Conditoren mit 123 Mit- gliedern. L

Die Einnahmen sämmtlicher Kassen an Beiträgen und Eintritts- geldern betrugen 6207990 Æ, an Zinsen, Erfaßleistungen 2c. 240 563 Æ, überhaupt 6 448553 A Die Ausgaben beliefen sih inégesammt auf 6 479417 4; sie überstiegen also die Einnahmen um 30864 A Das Gesammtvermögen (eins{ließlich des Neserve- fonds) hatte am 31. Dezember 1891 eine Höbe von 4 042 529 A. erreiht, dem Reservefonds allein waren bis dahin 3 832 748 M zu- geführt worden. Von den Ausgaben entfielen :

auf  Proc. Krankengeld eins{chl. Wöchnerinnen-Unterstützung ( 49,2“ 6 NAerztlihe Behandlung . . .…. Arznei und Heilmittel R O : Mane 2 1 006 541 Ea a aa ia 488 710 Ode uan e 58 654 0,9.

Hternah wurden also 91,5 9% oder rund 1/15 aller Ausgaben thatsählich für Krankenunterstüßung, Krankenpflege und Sterbegeld verwendet und nur 8,59% oder 1/12 für andere Zwecke verbraucht. Selbstverständlich ist dies Verhältniß bei den Einzelkassen und Kassên- arten recht verschieden. Weichen doch theils nach der Höhe der Beiträge, sowie nah der Dauer der Mitgliedschaft, theils wegen der verschiedenen Vermögenéverhältnisse sowohl die für den Tag gewährten Krankengeldsäte und die höchste Dauer dieser Unter- stüßung als auch die Sterbegeldbeträge ganz erheblich von einander ab. Erstere shwanken zwischen 1,20 ( für männliche bezw. 0,75 M für weibliche Personen und 4 e, die Maximaldauer der Unter- stüßung zwishen 13 und 52 Wochen, während das Sterbegeld, das bekanntlich seitens der Gemeindekranftenversiherung gar nicht gewährt vird, mindestens bei den Männern 48, bei den weiblichen Personen 30 Æ, hêcstens aber 180 Æ beträgt.

Will man sich ein zutreffendes Bild von den Leistungen der Kassen gegenüber den Versicherten machen, so darf man wegen des lebhaften Wechsels im Laufe des Jahres nicht die Zahl der Mitglieder am Iahres\{chluß, sondern muß die durchschnittlihe Mitgliederzabl nah den Monatsangaben der Rechnungëabschlüsse zu Grunde legen. Leßtere belief sich auf 311 802 Köpfe, war also etwas größer als jene. Von diefen 311 802 in Betracht zu ziehenden Personen wurden im Berichtsjahre 110 334 Krankhbeitsfälle mit 2895645 Krank- beitstagen gemeldet, sodaß 35,4% der durchschnittlicden Mit- gliederzahl erfranften und jeder Kranftheitsfalldurchschnittlich 26,2 Tage dauerte, womit der Reichsdurhschnitt, der 163 Tage beträgt, erheblim über[Writlten thi. Die Zahl der Sterbefälle betrug 3352 oder rund ein Precent der durhschnittlihen Wéeitgliederzahl. Auf den Kopf der leyz- teren famen rund 19,91 A an Beiträgen und Eintrittsgeldern und 20,59 Æ an Ausgaben, und zwar 10,22 # an Krankengeld 2c., 0,79 Æ an Sterbegeld, 1,64 Æ an Aerztehonorar, 3,14 an Arznei und Heilmitteln, 3,23 A an Verpflegungékosten in Krankenbäusern, 1,57 Æ an Verwaltungékosten. Für die vier Kassenarten stellten s die wichtigsten Verhältnißzablen wie folgt: Es entfielen auf den Kopf der Mitglieder im Jahre n A

an Bettkragen A, abzugll und Eintritts- aen der Verwal- bei geldern uverhaupL „tungskosten Á. A A. den Ortskrankenkafsen . 19,82 20,91 19,24 Betriebskrankenkassen . . 25,99 25,99 25,69 der Gemeindekrantenver- sicherung 7,63 28,30 28,30 den Innungskrankenkassen . 153 14,58 12,28 sodaß abgesehen von der Gemeindeversicherung, die für Berlin niht in Betracht kommt durhscnittlich jedem Mitgliede einer Berliner Krankenkasse 68 K, und zwar folchem einer Ortskfasse 1 M 9 A, einer Betriebsfasse 44 „§ mebr, einer Innungskasse aber 72

1 1

9, 3, T D, D, C

weniger an Unterstüßungen 2c. in Krankheits- und Sterbefällen zu- geflossen sind, als von demselben gezahlt war. Die Minderleistung bei den Innungsfkafsen beruht nur darauf, daß die Zahl der Krank- beitsfälle bei den Mitgliedern derselben wesentlih geringer war als bei den anderen Kafsenarten.

Das Wirtbschaftsjahr 1891.

Ueber die wirthschaftlichen Verhältnisse des Jahres 1891 urtheilt der Bericht der Kaufmannschaft von Elbing in Folgendem:

„Wenn auch bei einzelnen industriellen Unternehmungen ‘am hiesigen Plaße im Berichtsjahre 1891 ein Rückgang an Abjaß und Production zu verzeichnen ift, so ist unsere heimische In dustrie im allgemeinen in steter Fortentwickelung begriffen. In den meisten Fabrikationszweigen ist eine Vermehrung des Arbeiter- personals erforderlich geworden, und erfreuliher Weise wurde der Betrieb dur keine Arbeiterausstände, wie im Vorjahre, beeinträchtigt. Der hiesige Handel dagegen hat wieder unter der Ungunst der Verhältnifje zu leiden gehabt; insbefondere machten sih auch hier die traurigen Ernteergebnisjse des leßten Jahres fühlbar. Eine Besserung unserer Handelsverhältnisse glauben wir nur erwarten zu fönnen, wenn unfer natürliches Hinterland mehr wie bisher dem Verkehr er- {lossen wird. Jn dieser Beziehung erscheint tie baldige Eröffnung der im Bau befindlichen S ierbahustrecke Elbing—Miswalde— Osterode—Hobenstein durhaus wünschenswerth. Nunmehr sind die

Berlin, Donnerstag, den 30. Juni

Arbeiten hierfür soweit gefördert, daß wir im Frühjahr 1893 der Er- öffnung dieser Strecke entgegensehen fönnen.“

In seinen allgemeinen Bemerkungen über die Entwickelung von Handel und Industrie weist der Jahreéberiht der ndels- ammer zu Leipzig darauf hin, daß das Wirthschaftsjahr 1891 nah dem Aufshwung, den das Jahr 1889 für Handel und Industrie gebraht batte, bereits das zweite voll unerfüllter Hoffnungen und bitterer Enttäushungen für die meisten Zweige des Gewerbslebens bildet. Als Ursachen diefer Erscheinung führt der Bericht Folgendes an: „Wie im Vorjahre ift zwar auch im Berichtsjahre der außere Friede niht gestört worden, mehr noch aber als in jenem fehlte es in diesem an Vertrauen auf die Beständigkeit der Ver- bältnisse, der Grundbedingung für eine gedeihlihe Entwickelung von Handel und Industrie. Die Ungewißheit über den Ausfall der Handelsverträge, die bis gegen Jahres\{chluß auf den Gemüthern laftete, ließ fast nirgends Unternehmungslust fich ent- falten. Dazu kamen die nachtheiligen Wirkungen der MacKinley- Bill auf den früber so bedeutenden Erport nah Nord-Amerika nun erst zur vollen Geltung, während die Ausfuhr nach den südamerika- nischen Staaten dur die dortigen Unruhen und finanziellen Wirren, die Ausfuhr nah Spanien und Portugal durch die mißlihen Geld- verbältnisse dieser Länder ungünstig beeinflußt wurde. Außerdem wurde im Inlande die Kaufkraft weiter Volksfreise durch die infolge der ungenügenden Ernte entstandene anhaltende Theuerung empfindlich ges{chwäht und dur die rufsishen Ausfuhrverbote ein großer Theil des deutschen Handels {wer gescbädigt. Wenn nun auch die neuen Handelsverträge manche Wünsche nicht befriedigt haben, so be- rechtigen dech gerade sie durch die Gewährleistung der Beständig- keit der Verhältnisse für einen längeren Zeitraum zu der frohen Hoffnung auf den baldigen Wiedereintritt besserer Zeiten.“

Die Ausfuhr aus dem Leipziger Konsulatsbezirk (eins{ließlich der Agentur Gera) nach den Vereinigten Staaten von Nord- Amerika, die im Jahre 1890 gegen 1889 um 640225 Doll. oder 13,89%) gestiegen war, weist dieêmal sogar eine Zunahme von 1 103 802 Doll. oder 21,02 9/6 auf ; aber an diefer Zunahme find nur zwölf Waarengattungen betheiligt, während die übrigen eine zum theil fehr er- heblide Abnahme zeigen. Am meisten tritt der Einfluß der Mac Kinley-Bill bei den Wollgarnen sowie bei baumwollenen, halbseidenen und wollenen Webwaaren hervor. Die Ausfuhr nah den Lc Plata-Staaten lag im Berichtsjahr noch ebenso darnieder wie im Vorjahr. Die finanziellen Wirren in den dortigen Gebieten, das bobe Agio auf Gold sind Widerwärtigkeiten, über die sh die euro- väische Handelswelt nicht hbinwegzu)seßen vermag; es wird noch lange dauern, bevor man wieder mit einigem Vertrauen an das La Plata-Geschäft wird herantreten können. Die Aufnahmefähigkeit des Marktes in Brasilien litt unter der durch den Ausbruch der Revolution berbeigeführten Unsicherbeit der Verhältnisse. Das Gleiche ist von Chile zu sagen. Das Geschäft mit Westindien hat sich au im Berichtsjahr günstig gestaltet: besonders haben deutsche Web- waaren einen vergrößerten Absaß dorthin zw wverzeihnen. Der Absaß nah Central-Amerika war regelmäßig. Das Aus- fubrgeshäft nah dem Congo-Gebiet ist in erfreulihem Auf- \chwunge begriffen. Die fortschreitende Cultur beginnt au dem Neger Bedürsnisse aufzudrängen, die ihm früher tibetaant waren, was zur Folge hat, daß immer mehr neue Artikel dort Eingang finden. So bat sich insbesondere die Nachfrage nah baumwollenen Stoffen und getragenen europäischen Kleidungsstücken für Männer erheblich vermehrt. Auch bessere Befleidungéstoffe sowie billige S{mudckgegenstände werden immer häufiger begehrt. Das Geschäft mit Süd-Afrika hat sich auch im vergangenen Jahr nicht gebessert. Die Bestellungen auf Blaudruck, das von den Boeren besonders gern getauft wird, find seltener geworden, seitdem die Preise von den Fabrifanten um 15 9% erhöht wurden. Die Boers scheinen ihre Bedürfnisse in diesem Artifel jeßt in England zu befrie- digen, woselbst man eine dem deutshen Fabrifat ähnlihe Sorte Blaudruck anfertigt. Die Ausfuhr nach Ostindien ist in weiterer erfreulidzer Zunahme begriffen. Namentlich waren wiederum Strumpfwaaren, sowie Spanish stripes, Flanelle und Tuche lebhaft begehrt. Der Handel mit Japan und China leidet immer noch unter der Ueberfüllung der dortigen Märkte. Dazu kamen im vergangenen Jahr in Japan die \chrecklihen Erd- beben und in China die Hungersnoth, welhe die Import- fähigkeit dieser Länder wesentlich verminderten. Außerdem wirfen ungünstige Valutaverhältnisse auf das Geschäft abträglich. Die Geschäfte mit den englishen Colonien in Australien und mit Canada gestalteten sh im Berichtsjahr besonders zufrieden- stellend. Auch NRauchwaaren wurden nach Canada reihlich abgeseßt. Was die europäishen Märkte anlangt, fo sind unter den Gegen- ständen der Ausfubr nach England gestickte Tishdecken wieder be- sonders bervorzuheben. Die Ausfuhr nach Spanien war infolge der ungünstigen Valutaverhältnisse ebenso geringfügig wie unlohnend. Der Verkehr mit Portugal war dagegen in der leßten Hälfte des Berichtéjahres ein regerer, da si die dortigen Kunden noch vor dem Inkrafttreten des erhöhten Zolltarifs zu den alten Zollsäßen mit Waare zu versehen wünshten. Der Handel naß Rumänien hat nah Ablauf der Handelsconvention (10. Juli 1891) infolge Einfüh- rung des erhöhten General-Zolltarifs von der früheren Ausdehnung eingebüßt.

Wohlthätigkeit.

Der in Caffel geborene, zu Meran wohnhafte, unverheirathete George Andre Lenoîtir, der durch die Herstellung mechanischer In- strumente und dur andere Unternehmungen zu Wohlstand gelangt ist, bat sh entschloîsen, in Cassel eine Stiftung zum Zweck der Erziehung von Waisen, ohne Unterschied der Herkunft, zu begründen. Zu diesem Zweck hat er dem Stadtrath ein-Kapital von 100 000 FI. 0. W. bereits übergeben. Der Stifter will aber nod im Laufe dieses Jahres unter Vorbehalt einer lebenslänglihen Rente sein ganzes auf 2 Millionen Mark geshäßtes Vermögen, das theils in Kapitalien, theils in Grundbesiß, namentlich dem Stahlbad Szliács in Ober- Ungarn besteht, seiner Vaterstadt überweisen.

„Zur Arbeiterbewegung

Dem nächstjährigen internationalen focialistishen Arbeitercongreß, der in Zürich abgehalten werden joll, werden folgende von der „Mgdb. Ztg.“ mitgetheilte Anträge des „revolutionären Comités“ in Paris unterbreitet werden : _ : |

1) Der schon bei dem Congreß in Brüssel gestellte Antrag wird aufrecht erhalten, daß die am Congreß theilnehmenden und dessen Beschlüssen sih unterziehenden Sectionen sich_ einen gemeinschaftlichen Namen geben möchten. Unkbeschadet der Selbständigkeit und des speciellen Charakters der verschiedenen Fractionen s{lagen sie als Titel vor: „Internationale socialistishe Partei*. 2) Durch die Feier des 1. Mai für den Achtstundentag und die Emancipation der Arbeiterklasse soll von nun an in jedem Lande der energische Wille der Arbeiter tundgegeben werden, um jeden Preis und- mit allen Mitteln gegen- über der ftapitalistishen Neaction den internationalen Frieden aufreht zu erhalten. 3) Das ununterbrochene Streben der socialistischen Partei und der Arbeiterklasse nach Erlangung politischer Macht ist ihre erste Pflicht, denn nur im Besiße politisher Macht wird die Arbeiterklasse dur Erxpropriation der herrschenden

1892.

und besißzenden Klassen und dadurch bewirkte Abschaffung

aller Borrehte und Klassen vollständig die Oafung

gewinnen und das Princip der Gleichheit und Solidarität der socialen - Republik zur Geltung bringen können. 4) Das \{weizerische Orga-

nisations-Comité des Congresses soll mit der Ausführung dieser Be-

\{lüsse betraut werden. anz befonders soll es die Aufgabe haben,

die Arbeitersecretariate aller Länder in nähere Verbindung zu bringen

und die Mittel zur Vorbereitung oder Verwirklichuno einer inter-

nationalen socialistischen Proletarier-Partei zu suhenL® ?

__ Aus Dortmund wird der „Ostsee-Ztg." unter dém 28. d. M. geschrieben: Der Deutsche Bergarbeiter-Verband beabsichtigt, eine Mafssenpetition an das Ministerium zu richten, in der um An- stellung von Gruben- Inspectoren, nah Analesgie der Fabrik-Inspectoren, ersucht wird.

Das Gewerkschaftscartell in Leipzig hat, wie das „Chemn. Tgbl.* berichtet, in seiner leßten Verjamnilung beschlossen, innerhalb der nächsten 14 Tage eine Versammlung der Arbeits- losen zu veranstalten. In einer Versammlung der in der Holz- industrie beschäftigten Arbeiter Leipzig& wurde am Dienêtag über den Congreß der sächsischen Tischlergehilfen, der zu Pfingsten in Dreêden stattfand, Bericht erstattet. Der Congreß war von 22 Ortschaften durch 21 Abgesandte beshickt. In Sachsen bestehen nach den von diesen gemahten Mittheilungen 16 social- demofkratishe Tis{ler-Fachvereine und ebenfo viele gewerkscaftlihe Vereine, die sih niht zur Socialdemokratie halten. Der Verband der deutschen Tischler zählt in Sachsen 20 Zahlstellen mit 1000 Mitgliedern. Die Einnabmen des Obmannes der gewerkscaftlichen Tischlerbewegung beliefen sih im leßten Jahre auf 592 4, die Aus- gaben auf 614 # Der Congreß beschloß, in Dresden, Leipzig, Chemniß und Plauen je eine aus drei Personen bestehende Agitations- commission zu wählen.

Aus Brüssel meldet ein Telegramm des „H. T. B.“ vom beutigen Tage: Zum Zusammentritt der Kammer wird ein Na - tional-Congreß aller Bergarbeiter einberufen, um die Lage und die Mittel zu prüfen, die nöthig find, um das allgemeine Wahl- reht unverzüglich durchzuseßen.

Ueber Arbeitseinstellungen und Ausstände liegen heute folgende Nachrichten vor: ;

Während des letzten großen Ausstandes der Buchdruckers- gehilfen hat-die Berliner Strikecommission nah ihrem Rechen- [chaftsberiht 384 901 Æ zu Unterstüßungen verausgabt. Es wurden, wie wir der Berliner „Volksztg.* entnehmen, 2118 Personen unter- stüßt. Dazu kamen noch Unkosten für die Beseßung der Bahnhöfe zur Abhaltung von Zuzug 1720 , Druckkosten 2830 c, Kosten der Strikecommission 1425 :

In Stolberg (Nhbeinland) haben, wie der „Vorwärts“ mit- theilt, die \trifenden Arbeiter der Jordan schen Glashütte die Arbeit wieder aufgenommen, nachdem ihre Forderungen bewilligt worden sind. (Vgl. Nr. 143 d. Bl.) 2

Aus Mannheim wird demselben Blatt berichtet, daß von den ausftändigen Arbeitern der Flink’ schen Eisengießerei nah Beendigung des Ausstandes nur einundzwanzig am Sonnabend, 19. Juni, die Arbeit wieder aufnehmen konnten, weil die. Pläye zum theil beseßt waren und ixfolge der vierzehntägigen Aussperrung manche Bestellung zurückging. Es find deshalb noch 11 Former, 3 Kern- macher, 3 Schlosjer und 3 Gußpugter zu unterstützen.

Aus London meldet ein Wolff’sches Telegramm: Die Schuh - waarenfabrikanten in mehreren Städten der Grafschaft Leicester haben infolge von Zwistigkeiten mit den Arbeitern bezüglich der Verwendung von Knaben beslofsen, ihre Werkstätten zu schließen. Etwa 90 000 Arbeiter werden dur diesen Entschluß betroffen.

Aus Paris wird der „Köln. Ztg.® berihtet: Infolge eines Streits zwischen französishen und italienishen Arbeitern in den

teinbrüchen von Comblanchien bei Dijon haben fünf-

ndert Arbeiter den Ausftand erklärt und verlangen die Entlassung r Italiener.

Aus St. Gallen erbält der „Vorwärts" vom Comité der ausständigen Schneider die Nachricht, daß mit den Meistern Ver- einbarungen getroffen wurden, die aber noch nicht zur Ausführung gebraht worden sind. So lange das nicht geschehen, dauert der Aus- stand unverändert fort. Gestern hatte das Blatt berichtet, daß die Zahl der Auéständigen anfangs 80 betragen, die sch aber bis auf 40 verringert habe; die Unverheiratheten seien abgereist.

Kunft und Wiffenschaft. Münchener internationale Kunstausstellung 1892. TT. (Schluß.) (Artikel T vergl. Nr. 141 des „R.- u. St.-A.“.)

Wer in München auch nur kürzere Zeit weilt, fühlt es bald, daß er in einer Malerstadt lebt, in der sih alle Jnter- essen auf die Kunst concentriren, in der die Eigenart der Be- wohner, die Reize der weiteren Umgebung, die Freiheit der Lebensformen das richtige „Milieu“ der Künstlerexistenz er- geben. Die Münchener Malerei wird daher in der deutschen Kunst voraussihtlich noch auf lange Zeit die Führung sih bewahren, und ihr vor allem ijt es auch zu verdanken, daß die deutsche Abtheilung der Münchener Ausstellung einen so erfreu- lichen, anzichenden Charakter trägt. e

Nun ist aber der Münchener und die Münchener Kunst mehr auf das Behagliche, auf beschaulihes Genießen und sinniges Betrachten als auf energi|sches oder gar leidenschaft- liches Thun gerichtet. Defregger's glücklih heiteres Landvolk, Grügner's behäbige Mönche und Spießbürger sind bezeihnende Vertreter der älteren, specifisch Münchnerishen Kunst.

Auch die Jüngeren gehen der allzu dramatishen Ge- staltung des Stoffs, dem ÉEffectvollen und Pikanten gern aus dem Wege. Das um so lieber, als die moderne Kunst über- haupt das novellistishe Erzählen, das Zuspizen auf den Ge- dankeninhalt im Bilde verdammt. Verlangte die ältere Kunst, daß der Gedanke den Werth des Bildes bedingte, die Form aber Nebensache blieb, sofern sie nur den Gedanken ausreichend verständlich machte, so lehnt sih das moderne künstlerishe Be- wußtsein auf gegen diese Vernachlässigung der äußeren Er- scheinung. Ein Gemälde soll jeßt vor allem gut gemalt sein, die absolut correcte Wiedergabe der Natur, aller Bejonderheiten der Färbung und Beleuchtung soll es aufweisen. Alle Hilfs- mittel werden herangezogen, um die besonderen Eigenthümlich- feiten der Form und Farbe, die dem ungeübten Auge unbemerkt bleiben, aufzuspüren und im Bilde vorzutragen. Das Erzählen, Fabuliren, die Schilderung großer historisher Vorgänge bleibt den Erzählern, den Novellisten, den Historikern überlassen. Die bildende Kunst aber will nur anstreben die „Wiedergabe der Natur, so wie sie sich dem wirklich selbständigen liebevollen Betrahter in ihren intimsten Erscheinungen offenbart“. Und gerade die einfachsten, schlichtesten Motive haben oftmals die feinsten Reize, wie „der

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