1912 / 51 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

sind, als daß sie in die bestehenden Reglements hineingearbeitet werden könnev, werden Entwürfe zu neuen Saßungen Ihrer Beshluß- fassung unterbreitet werden. i :

Ven seiten der Provinzialverwaltung wird Ihnen „eine Reihe Vorlagen von erheblicher volkswirt\schastlicher und sozialpolitischer Bi deutung gemacht werden, darunter au solche, die der Provinz neue Aufgaben stellen. x Vor allem aber wird Sie die Beratung und Feststellung des Voranschlages für d:n Haushalt der Provinz beshäftigen. Auch er bietet ein erfreuliches Bild von der vielseitigen und erfolgreichen Tätigkeit der Provinz dar. Wenn es dieses Mal ni<ht mögli gewesen ist, das Gleihgewicht in Einnahme und Ausgabe herzustellen, obne die biéberigen Zuschläge zu erhöhen, so werden Sie bei näherer Prüsung des Etats die Ueberzeugung gewinnen, wie die Aufgaben der Provinz insonderheit auf dem Gebiete des Wege- und Chaussee- baucs, des Irrenwesens und der Fürsorgeerziehung fortgeseßt zu ncuen, zum Teil erheblihen Aufwendungen drängen, und daß der Provinzialaus\{uß, troßdem er Ihnen die Erhöhung der Provinztial- abgaben empfiehlt, von den bisher befolgten, bewährten Grundsäßen einer gesunden und voraus\{auenden Finanzpolitik nit abgewichen ist.

Jia<h den Vorgängen fast aller übrigen östlichen Provinzen der Monarchie wird Ihnen vorgeshlagen, mit einem Stammkapital von 1 000000 M eine öffentlih rehtlihe Lebensversicherungsanstalt für die Mark Brandenburg zu begründen. Die gerwichtigen Interessen wirtshaftliher Natur, welhe für dieses Unternehmen sprechen, ins- besondere au< die Erwartung, den städtishen und ländlihen Mittel- stand, der bisher der Lebensversiherung im allgemeinen fern geblieben ist, für diese zu S, werden dem Borschlage der Provinz Ihre wohlwollende Prüfung sichern. e E

Im Aeiluf as Le Beschlüsse des vorjährigen Provinzial- landtags in der Sißung vom 6. März wird Ihnen eine Vorlage wichtiger \ozialpolitifdhe- Natur, betreffend die Aus8gestaltung der Wanderarmenfürsforge, gemacht werden. O

In der Sißzung vom 2. März v. I. hat der Provinziallandtag den Provinazialaus\{huß ersu<t, den Ankauf und die Aufforstung von Dedländereien in eigener Verwaltung auf planmäßige Weise in Er- wägung zu ziehen. In Ausführung dieses Beschlusses „wird Ihnen auvmehr eine entsprehende Vorlage unterbreitet, gleichzeitig mit der Absicht, dadur<h den Wanderarbeitern ein geeignetes Feld für ihre Tättgkeit zu schaffen. ;

Bekanntlich is in der Provinz Brandenburg zur Förderung der inneren Kolonaisation eine Landgesells<haft unter dem Namen „Cigene Scholle“ G. m. b. H. mit dem Sitze zu Frankfurt a. O. gegründet worden. Sie bezwe>t, dem Nückgang der ländlichen Bevölkerung ent- gegen z1! arbeiten, und hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens durch Anfsiedlung von Bauern und Landarbeitern/ s{<on segenSreih gewirkt. Nachdem si< der Staat an dem Ünternebmen mit reichlihen Viitteln beteiligt hat, empfiehlt Ihnen der Proviazialausshuß auch eine Be- teiligung des Prozialverbandes an dieser Geselischaft. Bei der Be- deutung dieser Vorlage für unsere Provinz empfehle ih sie Ihrer wohlwollenden Prüfung. :

A Sie A ferner eine Neihe für die Verwaltung der Provinz wichtiger Neu- und Ersaßwahlen von Mitgliedern und Stellvertretern zum Provinzialausshuß, für die Oberersaßkommission und von Milt- 2 des Berwaltungêra1s dec Landfeuersoztetät vorzunehmen Vaben. L _- Außerdem harren Ihrer Bestätigung mebrere Reglements, die für das Mädchenerziehungsheim Helenenhof in Potsdam, für die Be {{ulung blinder und taubstummer Kinder, und für die Taubstummer- anstalt für die Provinz Brandenburg zu erlassen find. Auch witd Ihnen eine Vorlage betreffend Anlegung eines Provinzialshuldbudes ugeben.

N Sließlih hat sich eine Aenderung der Saßung der Branfen- burgischen Feuerwehrunfallkasse als notwendig erwiesen. / | Æ Zum Sthlusse möchte i< nicht unterlassen, den im vorigen Pro- iziallandtage einstimmig gewählten neuen Herrn Landesdérektor, en Wahl inzwischen die Allerhöchste Bestätigung erhalten hat, und t zum ersten Male vor dem Provinziallandtage fejaes ver- gsbollen Amtes waltet, herzli<h willkommen zx heißen, Hexren, dur< die Art seiner Geschäftsführung Hat (er bereits Mahr s 9willf“ ist, in den bewährten Bahuen {etner ver- i [11 144 i | anger Been und di ¿ian 2e D S | ü u. 1) l dec M E eor z [0 14 1s SU ast a I Ie Bem.| 3 | =4,.6 r 8 hrer renit.u. Ag Uuch dieses zum Teil IOeterigen Ene Provinz und ihrer Bewohner _ A f Wunsche erkläre ih kraft der mir ertei macht den 39. Landtag für: eröffnet.

Hierauf wurden die ge präsidenten eröffnet und, nachdem A eticenbon von Arnim-Botißenb urg E E Mai nach einem dreifachen Hoch auf Seine Na] und König, in das die Ber]

weitergeführt. L ; iierge[u9 Elsaß-Lothringen.

In der am Freitag abgehaltenen Sil ( kommission des Ner tat beantragien, wie meld die Sozialdemokraten beim S Ln f Anna Seiner Majestät des Von 100 000 M halters in Höhe von gewonnenen 230 000 5 Unterbeamten und etatsm stüßung hilfsbedürftiger H rinvernehmen mit etner fun

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Aufgaben zu befriedigender, dem Heil ) dienenden Lösung zu bringen.

Hinterbliebenen solcher Beamten

verwenden. ih

D Q ï pl ¿e Mehrheit ein Kontrollre<t des Parlamentes L a f ¡Let G 1d E derte daß ; in Anspruch nahm und forderte, daß El ier Mitgliedern die Belege im einzelnen nawprù Razerrug ä diesem Verlangen nicht Regierung erklärte, dielen fönnen, da der Fonds

als Gnadenfonds t ise önne. zeitig der parlamentaris<en

Kontrolle unterliegen

mie e O Uberale 1 das Kontrollreht im Pr L eralen nahmen d O des parlamentarischen Tafktes, auf sei wiesen darauf hin, daß auch der aus demofr en 1°gan Reichstag für den entsprehenden Fon f llre<t nie beansprubt habe.

demofratis>en Wahlen h

es Marf d tontr en Viarî das Xoniroured) Df L S r Majestät dem Kaiser als

rif aa Forderung von Seine

9% Sto $ ; 4 - +1 funden werdcn, zu der die ©

Gegen die S gestrichen. dg immen der Sozialdemokraten bewilligt.

werden

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ie Verwendung des Gnadenfonds

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angehörigen } enden fünftig wegfallend bezeicnet. Gehälter des 21 sekretäre wurde für

behalten. Gestrihen mwurl wie oben der geheime d (44 000 M6), weil au darüb der Belege verweigerie, was n

dürfe.

er die Regierung

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bewährten Einsicht und

\ Nal gelingen, diese ret umfangreichen Und R Ne befuiet Heil unserer Mit ilten Allerhöchsten Voll-

von dem Alters- der Majoratsbesizer Graf gewählt war, estät den Kaiser ammlung begeistert einstimmte, | ten alle Senatoren< die

zung der Budget- 2 T M D N „W. L. beim État der Finanzen, den Kaisers in Höhe und den Dispositionsfonds des ¡nte 130 000 M zu streihen und die dadur zu einer Teuerungszulage sür die ¿mäßigen Hilfsbeamten jowie zur Unter-

fgliedrigen Kammerktommi)hon zu

\ Im T7 NAOT ) C Bezüglich des Gnadenfonts entspann ih Un E E Mae eine Unterkommission na<prüfen fole. stattgeben niht au gleih- | und 42 2

inzip in Anspruch, erklärten 1} f die Zweckl s Fonds aus Gründen

nit Rü>ksi<h: auf die Zwekbe j des For Cb R s mt MUCRM o erties ieine Ausführung zu verzihten und

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in Höhe vo1 (Es müsse

als eine Brüskierung iberalen nie die Hand reihen könnten. Stimmen der Liberalen wurde hierauf Der richen. Der Dispositionsfonds wurde gegen | (095 etn inilis Bona Dorn j gende Der Dispohüons] Die Belege über | Hafenarbeiten in lis, Benghafsi, Derna und Hom| ferner

der N Zprüfun( isfion mit- der Rechnungsprüfungskommi|}1o1 L n wurde l

; ntationsfonds des Statthalters : 900 000 „6 wurden auf Antrag des dem Zentrum 3 den der Budgetkommission 100 000 é als Die entsprehende Kürzung der taatssefretärs und Der Unterstaa1s- ir die Beratung der Besoldungsvorlage vor: rde auh von der gleichen Mehrheit Fonds der politischen Polizei die Vorlage

( 4 c H feinem Parlamente geschehen L Lin Y A ü

l Oesterreich-Ungarn.

In der gestrigenSißung des ungarischen Abgeordneten- hauses hielt der Ministerpräsident Graf Khuen-Hederv ary eine Rede, in der er laut Meldung des „W. T. B.“ fesistellte, daß. au bezüglih der no< obwaltenden Differenzen in der Wehr“eformvorlage - ein Einvernehmen mit der rossuthpartei hergestellt werden könne. Graf Apponyi bezeichnete diese Erklärung unter Wahrung seines grund\äßlichen Standpunktes als annehmbar und fügte hinzu, er habe es für seine patriotishe Pflicht erachtet, mitzuwirken, daß die parlamé ¡chen Verhandlungen in das normale Gleis kämen.

der Kofß A Eogenelle partei béya e

Somit zObsiruktion gegen die Wehrreformvorlage seitens

Die 37 Mitglieder starke Ju st h- eiter in der Obstruktion.

‘Hrofßbritannienr und Frlansd. a „ges Herzogs von Fife, die gestern mit Ser versul“ in Spithead angekommen ist, ist,

i s l wie „W. g edel,

; in aller Stille in Windsor beigeseßzt worden. S

% Frankreich.

Der Ministerrat hat nach einer Meldung des „W. T. B.“ vorgestern unter dem Vorfiß des Präsidenten Fallières be- {hlossen, den Geseßentwurf über kommunale Genossen- shaftsbäckereien und-Fleischereien, der in der Kammer eingebraht worden war, zurü>zuziehen und neue Erhebungen über die Frage einzuleiten.

- Der Senat hat, obiger Quelle zufolge, in das Finanz- geseß einige auf die Arbeiterpensionen bezügliche Artikel aufgenommen, u. a. eine Bestimmung, wonach die Alters- grenze für Pensionierung auf 60 Jahre herabgeseßt wird. Der Senat hat sodann das Budget im ganzen angenommen,

Nußzland.

Der Aderbauminister hat nach einer Meldung des „W. T. B.“ der Duma einen Geseßentwurf vorgelegt, der 120 000 Nubel zum Studium der landwirtshaftlihen Maschinen- industrie in Canada, England, Deutschland, Oesterreih und Schweden und zur Förderung des Maschinenbaues in Rußland gewährt, da es ungewiß ist, ob der Vertrag mit den Vereinigten Staaten vom Jahre 1832 erneuert wird. Aus

mselben Grunde fordert der Minister ferner 230 000 Nubel fr Beförderung des Baum wollbaues in Turkestan und n Kaukasus. Die Budgetkommission der Neichsduma hat vorgestern die Prüfung des Einnahmeetats für das Jahr 1912 beendet. Die ordentlichen Einnahmen sind, obiger Quelle zu- folge, auf 2896519261 Nubel, die außerordentlichen Ein- nahmen auf 5490 000 Rubel veranschlagt.

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Ftalien. Der Senat hat vorgestern den Geseßentwurf über die

Einverleibung Tripolitaniens einstimmig angenommen. Wie „W. T. B.“ berichtet, nahmen die Herzoge von Genua und Aosta an der Sizung teil. Dexz Präsident Manfredi begrüßte im Namen des Senats die Herzoge, dankte ihnen für ihr E!scheinen und fuhr dann fort, aus Anlaß der Anwesenbeit der Herzoge, die eine Zier für Heer und Marine seien, erneuere der Senat.--das Lob, das er den zu Wasser und zu Lande Kämpfenden bereits qeocllt habe, und bringe an den Gräbern der für das Vaterland GefeNüein aufs neue den Tribut der Tränen und des Nuhr | e (haltéder Beifall.) Nachdem der Herzog on Vors Be, tk 1Namel v8 Herzogs von Genua, für ‘2 VAden Jener bereiteten, flihen mnn in einer kurzen Nede, die vom ganzen Hause \y/ vegelsterten Kindgebungen aufgenommen wurde, gedankt hati&xhte der Minsterpräsident Giolitti den am Freitag von der Mgr angenommen Geseßentwurf ein, durch den dem Dekret üb èi Einverleibunserllärung Trivolitantens Güliigkeit verliehen vd. ruf Antrag Ninisterpräsidenten er- nannte der Prähidendes Eenats eine Kdmyission, die beauftragt wurde, no< an denben Uge über den OLßentwurf Bericht zu erstatten. Hierauf w- die Sikung aufgehobz. i Nach Wiederau)me der Sitzung verla ter Berichterstatter den Berit, wobet erklärte, der Ge]eßentw{f gehöre zu denen, über die man nit êtieren türse, londern diánan einstimmig an- nehmen müsse. Sot verlas ein Schriftführe den Gesetzentwurf, Herzoge stebendmitanhörten. Der Senator Torriglianintragte, den Geseßentwu ohne Debatte an- zunehmen. Der Antwurde in namentlicher Alimimung unter all- gemeiner Begeisterun Saal und Tribünen einshmig angenommen. Der Minister Giol dankte dem Senat für die glänzende Kund- gebung, die ohne Lel dastehe. Der Senat j der wahre Do!l- metsh der Gefühle dndes, und die Regierung frde in der Unter- stüßung des Senats i0Utge Kratt finden, um d\ Unternehmen zu 7 | einem Ende zu fühwas Italien zur Ehre gehhen werde. Jn geheimer Abstimmunrde sodann der Gesezentyrf von den an- wesenden 202 Senateinstimmig angenommen. ( Der Finanister Tedesco hat di Deputierten- im | fammer einen Gefwurf vorgelegt, dur< fn für das Kriegsministerlein außerordentliheMredit von 140 Millionen für das Marineminjerium ein solcher von 30 Nonen Lire verlangt wh. Von den 140 Millionen laut Meldung des „Z T. B.“ 98 Millionen füe Kosten für das Crditionskorps und die Reserunschaften bis einschließl| Februar 42 Millionen die Erseßung der nach Va trans- Die | portierten Kriegsv: bestimmt. Die Vorlage eht ferner einen Kredit von lillionen vor, von denen 2\Millionen für den weiteremß von Kriegsmaterial un| 15 Mil- lionen für detppenunterhalt bestimmt dd. Die puha Gesamtausgabe 105 Millionen wird gede>thnus den Ueberschüssen deidgets bis 1910/11 und her Rest dur<h den Uebe des Budgets 1911 L W our) sechs gleihmäßicedite, welche auf die Funzjahro 1912/13 bis 19Perteilt werden. Endlich sieht jie Vor- lage einen Kredi 10 600 000 Lire vor für üngende

für den Verwalt|Sanitäts-, Telegraphen- und Aephon- dienst in Libyen,ter für die Kabel Syrakus—{ipolis und Syrakus —Y fowie das Telephonneß in Fpolis.

Luxemburg. Der Grosg Wilhelm ist, einer Depesch des E gestern abend im 60. Lebenjahre

S gestorben. E Großherzog ! wurde am 22. April 1852 in Bieberh ge- boren und folgteVater, dem Großherzog Adolf, am 1ANo- vember 1905 in ierung, Aus seiner am 21. Juni 184 ge- \{lossenen Che 1Infantin Yéèaria Anna bon Portugal\sind se>@s Tôkter er! deren ôltcste Marie im Jahre 1908 zur Erbgroßherzogin vurde. lge

Grof:herzogin seihtre 1908 die Regentschaft.

Insfclçe seiner Erkraukung führi die |

Belgien.

Auf Beschluß des Rats der Jnter parlamentarishen Union hat das Bureau der Union, wie „W. T. B.“ qug Brüssel meldet, an den englishen Staatssekretär des Aeußern Eir Edward Grey ein Schreiben gerichtet, in dem der Nat der englischen Regierung seine Wünsche für eine baldige Rati- fikation der Londoner Seerechtsdeklaration vom 26. Februar 1909 dur< Großbritannien zum Ausdru>k bringt Der Nat, heißt es in dem Schreiben weiter, habe in seinen leßten Sizungen einmütig anerkannt, daß verschiedene Zwischenfälle im Verlaufe des italienis<h-türkischen Krieges bewiesen hätten wie wichtig eine allgemeine Regelung des Seekriegsrehis und die Tötigkeit eines internationalen Gerichtshofes seien, der über Streitfälle auf diesem Gebiet zu entscheiden habe. Das Bureau gibt am Schlusse des Schreibens feiner Ueberzeugung Ausdru> daß sich die übrigen Mächte der erfolgten Ratifikation dur Großbritannien anschließen würden.

Türkei.

Das Amtsblatt veröffentlicht ein“ Kaiserliches Dekret, das unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Parlaments einen Gesegzartikel in Kraft seßt, dur<h den der deuts<-türki\<e Handelsvertrag- vom 26. August 1890 und das Zusaß- protofoll vom 25. April 1907 bis zum 25. Juni 1914 vex- längert werden.

Der Ministerrat hat, wie „W. T. B.“ meldet, die Ausweisung der in den Wilajets Aleppo, Beirut, Syrien ansässigen Jtaliener mit Ausnahme der Ordensgeistlichen be- {hlo}sen. Den Ausgewiesenen wird eine Frist von vierzeln Tagen gewährt, innerhalb deren sie das Land verlassen müßen. Jn Beirut ist der Belagerungszustand erklärt worden.

Ametika.

Wegen der ungünstigen Nachrichten über die Nevolution in Merxito und die den Vereinigten Staaten ‘von Amerika feindliche Bewegung im Norden von Meriko hat das Kriegqs- departement in Washington, wie „W. T. B.“ meldet, ein weiteres Regiment Jnfanterie und eine Abteilung Feldartillerie zur Verstärkung des Grenzschußes nah El Vaso beordert. Die ameritanischen Truppen sind angewiesen worden, die merika- nische Grenze zu überschreiten, sobald es notwendig ist, um eine Beschiezung nordamerikanischen Gebiets zu verhüten.

In der am Freitag in Washington abgehaltenen Friedensversammlung der Flottenliga hat der Präsident T aft eine Ansprache gehalten, in der er nach der Erklärung, daß er für den Bau zweier neuer Schlachtschiffe in diesem Jahre sei und einen entsprechenden Geseßentwurf unterzeichnen werde, obiger Quelle zufolge, ausführte:

Er trete für eine tüchtige und starke Flotte ein, die die anmcri- ftanishe Nation in ten Stand seße, ihre Stellung zu wahren und ibren berechtigten Forderungen in anderen Ländern Achtung zu ver- schaffen. Er halte die Zeit, bei den Flottenausgaben zu sparen, erst dann für gekommen, wenn der Krieg abgeschafft sei. Man folle ih nah der Lage richten, und ein Land lasse Voisicht und den gesunden Menschenverstand vermissen, wenn es in dieser Hinsicht versage.

Wie vom „W. T. B.“ aus Buenos Aires gemeldet wird, funktioniert der Eisenbahnbetrieb immer noch mangel- haft. Die Klagen des Handels sind allgemein. Eine Ab- ordnung aus den Hauptgetreidegebieten des Landes wird sich heute zum Präsidenten der Republik begeben und ihn auf den Schaden aufmerksam machen, den die Landwirtschaft in- e der Unmöglichkeit, die Ernten nah den Häfen zu schaffen, erleidet.

Nsien.

Einer Meldung der „Agence Havas“ zufolge erschienen vorgestern früh zwei italienische Kriegsschiffe vor dem Hafen von Beirut und ließen den Gouverneur wissen, daß ihnen no<h vor 9 Uhr Morgens ein türkis<hes Kanonenboot und ein türkischer Torpedobootszerstörer, die im Hafen vor Anker lagen, auszuliefern seien. Da die türkischen Behörden feine befriedigende Antwort gaben, begannen die italienischen Schiffe ein Bombardement; das Kanonenboot wurde zum Sinken gebracht, der Torpedobootszerstörer leicht beschädigt. Hierauf zogen sich die italienischen Kriegsschiffe zurück.

Von dem Admiral Faravelli, dem Kommandanten des italienischen: Geschwaders, zu dem die beiden Kriegsschiffe („Garibaldi“ und „Ferruccio“) gehören, ist, wie die „Agenzia Stefani“ meldet, folgendes Telegramm in Rom eingelaufen:

Bei Tagesanbruch überraschte ih im Hafen von Beicut das tür fishe Kanonenboot „Avn-Illah“ und ein türkishes Torpedoboot. Wir forderten sie zur Uebergabe auf und gewährten ihnen eine Frist bis 9 Uhr Vormittags. Dies wurde dem Gouverneur und den Kon- sularbehörden dur< Vermittlung eines an Bord gekommenen türkishen Offiziers mitgeteilt. Un 9 Ubr forderten wir die beiden türkishen Schiffe dur< Signal abermals zur Uebergabe auf. Da keine Antwort erfolgte, eröffneten wir das Feuer gegen das Kanonenboot, das dieses lebhaft erwiderte. Um 9 Ubr 20 Min. war das Kanonenboot zum Schweigen gebracht: an Bord hrach Feuer aus. Ich ließ unser Artilleriefeuer einstellen und fuhr mit dem „Earibaldi“ allein zur Hafeneinfahrt, von wo aus das Lo1pedeboot zerstört wurde. Das Geschwader entfernte si darauf.

Nach einem Telegramm des Konteradmirals Direvel, der die Aktion vor Beirut leitete, würde der Panzerkreuzer „Ferruccio“ am Nachmittag ausgeschi>t, um nah dem Schicksal des bombardierten Torpedoboots zu forschen. Da er es immer noch im Hafen s{hwimmen sah, brachte er es dur< Feuern zum Sinken. Weder am Vormittag no<h am Nachmittag wurde gegen die Stadt oder gegen die militärishen Gebäude ein Schuß abegeben. Die italienischen Schiffe blieben unbeschädigt.

Vom türkishen Ministerium des Jnnern wird

laut Meldung des „W. T. B.“ folgende Darstellung ver--

öffentlicht :

Vorgestern früh 7 Uhr erschienen zwei italienisWe Panzer vom Typ „Vittorio Emanule“ und zwet Transportschiffe vor Beirut und verlangten die Uebergabe des Kanonenboots „Avn-Illah“ und des Torpedoboots „Angora“. Die türkis<hen Schiffe machten sih un- verzüglih fkampffertig, während die Behörden über die von dem italienishen Konteradmiral gesandte Note beratshlagten. Noch bevor die von den JItalienern geseßte Frist abgelaufen war, begannen die italienishen Schiffe mit dem Bombardement. Die türkishen Schiffe verteidigten sh tapfer. Das Kanonenboot wurde von mehreren Kugeln getroffen und fing Feuer, ein Kessel erplodierte und die Mannschaft wurde mit den Waffen so {nell wie mögli ausgeschifft. Nachdem sowohl die „Avn-Illah" wie die „Angora“ zum Sinken gebraht worden waren, entfernten sich die feindlihen Schiffe und kehrten zwei Stunden später wieder zurü>; sie bombardierten die treibenden Schiffe von neuem. Ein Geshoß {lug in das Gebäude der Banque Ottomane ein und beschädigte es. Sodann entfernten sich die italienis<en Schiffe. Die Bevölkerung wurde im ersten Augen- bli von großer Erregung ergriffen, do< wurde dank {nell ge- troffenen Maßnahmen die Ordnung wiederbergestellt.

ÿ von kleinen Handelsauss{<ü fen

Depeschen des Walis von Beirut besagen, wie M. T. B.“ meldet, er habe festgestellt, daß während des Yombardements fünf Kanonenkugeln die Banque Ottomane getroffen haben, drei eine deutshe Bauk, die gegen- über liegt, fünf die Kai-Lagerhaus-Gesellshaft, eine Kugel die Bank von Saloniki und eine Kugel das Vaßbureau. Jm FJnnern der Stadt ist kein Schaden angerichtet worden. Die genaue Zahl der Getöteten ist noch nicht festgestellt die Zahl der Verwundeten wird amtlich auf 89 angegeben. ‘Nur die Leute, die fi< auf dem Kai befanden, und ein Teil der Mannschaften des Kanonenbootes „Avn-JZllah“ und des Tor- pedobootes „Angora“ sind dem Bombardement zum Opfer ge- fallen; Fremde sind weder getötet no<h verwundet worden.

Die Pforte hat bei den Mächten Einspruch gegen die Beschießung Beiruts erhoben, da die Stadt kein befestigter Plag sei. j

Die Gouverneure von Kirin und Z izikar haben laut Meldung des „W. T. V.“ Ts\chaoerhsün die Zusicherung gegeben, fie teilten im geheimen seine Anschauung von der Republik und würden im Falle seines Nütritts ebenfalls der neuen Regierung ihre Dienste verweigern.

Afrika.

Nach einer Meldung des „W. T. B.“ aus Tobruk unternahmen am Freitag voriger Woche zwei feindliche Kolonnen, die aus Jnfanterie und Kavallerie bestanden, eine Erkundung in der Richtung auf das Südwestfort. Jn einer Entfernung von 900 m wurden fie dur<h Jnfanterie- und Artilleriefeuer der Jtaliener, die keine Verluste erlitten, zum Rückzug ge- zwungei.

Parlamentarische Nachrichten.

/ Der Schlußbericht über die vorgestrige Sißung des Hauses der Abgeordneten befindet sih in der Ersten Beilage.

J Das Haus der Abgeordneten nahm in seiner beutigen (23.) Sißung, welcher der Staatsminister, Minister für Handel und Gewerbe Dr. Sydow, beiwohnte, in dritter Beratung den Ÿ Geseßentwurf, betreffend die Bewilligung weiterer Mittel zum Ï Ausbau der neuen staatlihen Doppelschachtanlagen f in Westfalen sowie von Mitteln zur Beteiligung des Staates an den Aktiengesellschaften Nhein- und See- h shiffahrts8gesells<haft in Cöln und Mannheimer y Dampfschleppschiffahrtsgesellshaft in Mannheim, Y ohne Debatte endgültig im ganzen an und seßte hierauf die zweite Beratung des Staatshaushaltsetats für 1912 bei dem Etat N der Handels- und Gewerbeverwaltung fort. Bericht- Y erstatter war der Abg. Busse (k.). Die Einnahmen wurden ohne } Debaite genehmigt. E Vei den dauernden Ausgaben für Ministergehalt be- F merkte der 4 Abg. Hammer (kons.) : Auf unsern Antrag ist die Errichtung bei den Hartelsfammern bes<lessen worden. Wir haben bisher no< nit den Eindru> gehabt, daß alle preußischen Handelskammern diese Avsschüsse eingeführt baben, und wissen au< nicht, in welcher Form sie arbeiten. Der Aus\{uß bei Y der Handelskammer in Bochum soll auêgezeichnet arbeiten. Die Hand- E habung ker Sonntagsruhe tn Berlin durch den Polizeipräsidenten E hat in kaufmännischen Kreisen die tiefste Erbitterung hervorgerufen. } Der Polizeipräsident hat die Zahl der Ausnahmetage auf 7 beschränkt Fund alle Bemühungen wegen Zurü>nahme diefer Maßregel blieben er- [folglos. Außerdem besiimtmte er, daz am Weichnachtsheiligabend die Geschäfte um 3 Uhr zu {ließen hätten. Yuf dringende Vorstellung ließ er sih herbei, zu gestatten, die Geschäfte bis vier Uhr ofen zu fhalten. Auf Anordnung des Ministers wurde diese Zeit dann bis 6 Uhr ausgedehnt. Darauf ordnete der Polizeipräsident an, daß an den leßten drei Sonntagen vor Weihnachten die Geschäfte zu der festgeseßten Zeit pünktlih zu {ließen und ibre Angestellten ebenso punfktlih zu entlassen bätten, chne zu bedenken, daß die Gehilfen mit dem Chef abrehnen, leiht verderbbare Ware beiseite zu i haben, was mindestens eine halbe Stunde in Anspruch nmt. Die Sonntagearbeit foll immer weiter etnges<hränkt werden. n manchen Städten sind ja die Geschäftsinhaber mit einer zwei- ündigen Geschäftszeit am Sonntag zufrieden, aber in den Orten, n dec Landwirtschaft abhängig sind, müssen die Ges<häfts- außerordentliße Ausfälle baben, wenn fie nur zwei bis tel Stunden Geschäftszeit haben. Die Kleinhändler weisen mit Net darauf hin, wie die Gastwirte mit ihren Angestellten, die ardiere und die Straßenbahnangestelten des Sonntags arbeiten usen. Die Haupteinnahmezeit für die Kleinhändlker in den mittleren nd leinen Städten ist am Sonnabendabend und am Sonutag. D!e eute bom Lande kommen erst am Sonntag in die Stadt, aber die cbilfen dringen immer weiter darauf, daß die englische Sonntagsrube el uns eingeführt wird. Die Kleinhändler sagen mit Necht, daß die Haus- rauen am Sonn tag ganz andere Ware ftaufen, als in d

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der Woche, V. Kompotts, Weine usw., das ist in zwei Stunden nicht möglich. Vie Hausierer und Warenhäuaser sind die lahenden Dritten dabei. Die egterung muß den kleinen Gewerbestand Pen und darf die Sonntags- reit nit weiter einshnüren. Die Kaufleute werden angegriffen egen der Teuerung, weil sie die Preise aufges<lagen hätten. Eine euerung haben wir gar nit gebabt, wie von verschiedenen Vandelskammern festgestellt ift, nur eine Preisfteigerung le |hon wieder zurü>uegangen i

Iondern N in Freißandelsländern tft isolge der Dürre tieselbe EisÞbeinung gewesen wie in Deutschland. „le Kleinhändler schlagen die Preise nit cuf, sie sind völlig in r Hand der Großhä ndler, und auch diese waren für die Preise nicht eraniwortlih. Die Kleinbändler können gar nidt keliebig auf- "agen, weil der Wettbewerb viel zu groß ist, weil unter èêr Gewerbefreihcit die Zahl ter kleinen Kaufleute crs{re>end s ns{<willt. Der Staat hat die Aufgabe, den kleinen Gewerbestand [hüßen, der mir immer lieber ist als tie Warenhäuser. Die arenhauser vertaufen gac nicht billiger, ihre billigeren Lebensmittel 1d nur Lo>kmittel.

(Schluß des Blattes.)

Statistik und Volkswirtschaft,

L Zur Arbeiterbewegung. „M Frankfurt a. M. verhandeln zurzeit die drei Hauvt- G Utände der Arbeitnehmerverbände und der Hauptvorstand des / rbeitgeberverbandes für das Schneidergewerbe miteinander, um E: contarif, der in 32 Slädten, darunter Berlin, Cöln, Düssel 1, Hamburg, Dresden und Münchea, von den Gehilfen aufgekündigt pen ist, zu erneuern (val. Nr. 45 d. Bl.). Zunächst wurde, wie E (QUff, Ztg.“ berichtet, über eine Reihe grundsäßlicher Fragen, wte O O bestimmter Firmen in die einzelnen Lohnklassen und itägiger 0 der Veimarbettszuschläge, beraten. Hierüber is nach eiten Er Beratung, „und zwar durch Entgegenkommen von „beiden iter iber Verständigung erzielt worden, die nunmehr ermöglicht, Im er die Einigung der Lohnfrage zu verhandeln. A i; idtet Nuhrk oblen gebiet wurden gestern, wie „W. T. B.“ T etwa 20 Bergarbeiterversammlungen (vgl. Nr. 48 jialden Qebalten, die vom sogenannten Dreibund, dem Alten oInische ratishen) Verband, dem Hirsch -Dun>kershen und dem Yen Bergarbeiterverband einberufen waren, um die Lage der

Bergarbeiter zu erörtern. Der Christliche Gewerkverein, der [i von der Lohnbewegung fernhält, hatte Flugblätter im ganzen Bezirk verbreitet, worin vor Putschen gewarnt und zur Be- wahrung der Nuhe fowie zum Vertrauen auf die V:rbandsleitungen aufgefordert wird. In allen Versammlungen wurden glei < - lautende Entschließungen gefaßt, in denen ih die Berg- orbeiter mit dem Vorgehen der Werbandévorstände zum Zwe> der Herbeiführung einer Lohnerhöhung einverstanden erklären, die längst notwendig geworden und bei der günstigen Lage der Industrie auch zweifellos möglih sei. Die bisher eingetretenen Lohnver- besserungen reiten ni<t aus, um die starke Lebensmittel- verteuerung auêzvgleihen. Der cewählte Zeitpunkt für tie Verwirk- lihung der wohlbered;tigten Forderungen fei durchaus günstig. Für den Fall, daß die Erwartungen der Bergleute getäuscht werden follten, beauftragen die Versammelten die Vorstände des Dreibundes, ge- eignete Schritie für die Durchseßung der Forderungen im Interesse dr Bergarbeiter zu tun, und versprechen, die Organisationsleitungen mit- allem Nachdruck zu unterstüßen. Die Versammlungen verliefen ruhig. Mehrere Versammlungen des <ristlih-\sozialen Berg- arbeiterverbandes im Wurmrevier haben zur gegenwärtigen Lage des deutshen Bergbaues ebenfalls eine Entschließung ge- faßt, in ter es heißt: „Einen Sympathiestreik zugunsten der Gngländer lehnt die cristlihe Arbeiterschaft des Aachener Koblen- reviers ganz entshicden ab, weil sie nur dann {n cinen Streik ein- treten kann und will, wenn der Streik im Interesse der deutschen Bergarbeiter notwendig ist und Erfolg verspricht.“ Die Entschließung weist darauf hin, daß der englisGe Bergbau bei früheren Ausständen der deuts<hen Bergarbeiter Deutsland mit Kohlen übers<wemmt und dadur< dem deutshen Bergbau ganz erhebliche Absaßgebiete weggenommen hat. Zum Schluß s\priht die Entschließung die Er- wartung aus, daß die Unternebmer, entsprehend der Hebung des Abfayes eine Erhöhung der Löhne gewähren werden, wie sie bereits der Cshweiler Bergwezrksverein dem Arbeiterauësshuß ton der Grube „Anna“ bestimmt in Aussicht gestellt habe.

Zur Lohnbewegung der englischen Bergarbeiter (vgl. Nr. 50 d. Bl.) berichtet „W. T. B.“ aus London: Eine Ver- sammlung von Bürgermeistern aus allen Teilen des Landes, die unter- dem Vorsiß des Lordmayors in Mansion House stattfand, faßte einstimmig einen Beschluß, der die Führer der beiden Parteien im Kohlenstreite auffordert, den überragenden Interessen des Gemeinwohls Nechnung zu tragen, und gleizeitig der Meinung Ausdru> gibt, daß es feine Schwierigkeiten gebe, welche die Vermittler zwingen könnten, unverriteter Sache auseinander- zugehen. Die Konferenz der Bergarbeiter, die morgen in London zusammentzitt, wird entweder in corpore oder dur< eine Kommission unmittelbar mit dem Premierminister in Verbindung treten. Man erwartet , daß ein Teil der Bergarbeiter in Derbvshire bereits heute in den Ausstand tritt. In verschiedenen Bezirken laufen die Kündigungstermine morgen oder am Mittwoch ab. Im großen und ganzen aber werden die Leute bis Donnerstag bei der Arbeit bleiben, sodaß allgemein der Ausstand am Freitag beginnen würde. In Aldershot sind 16 000 Mann Kavallerie und In fanterie bereit, binnen wentgen Stunden bet Ausbruch etwaiger Unruhen zur Unterstüßung auszurücken.

(Weitere „Statistishe Nachrichten" \. i. d. Zweiten Beilage.)

Wohlfahrtspflege.

Die Deutsche Gesellschaft für Kaufmannserholungs- heime hat in ibrer letzten Plenarsitzung die Errichtung von zwei weiteren Heimen beschlossen, davon foll eins an der Ostsee und eins im Taunus errichtet werden.

Laud- und Forstwirtschaft.

_ A. P. Wie von jeher war auch in diesem Winter die Jahres- versammlung des „Vereins zur Förderung der Moorkultur“ im Laufe ter landwirtschaftlihen Woche anberaumt worden. Es war ihr dieëmal besonders erwartungévoll entgegengesehen worden, denn das vergangene Jahr hatte bedeutende Fortschritte und erfreuliche Erfolge gebraht, von denen zu bören eine außergewöhnli< große Anzahl von Interessenten sih eingefunden hatten. Den Vorsitz sührte Freiherr von Wangenheim (Klein-Spiegel). Er begann damit, den in Begleitung mehrerer Negierungsvertretïer ershienenen Landwirt- schaftsminister zu begrüßen, und eröffnete nach einem Kaiserhoch die Tagung dur Mitteilung des Fahres b eri<ts. Wie oben \{on ange- deutet, hat die Moorkultursache im Laufe von 1911 mebrere bodwidhtige &Sörderungen erfahren. Vor allem ist endlich dite Frage der gesamten, ganz Deutschland planmäßig umfassenden Oedlandkultur in Fluß ge- lommen. Den nä<tsten Änlaß dazu gaben die im Februar 1911 ftatt- gehabten Verhandlungen des Deutschen Landwirtschastsrats, denen Seine Majestät der Kaiser und König beiwohnte, die Gelegenheit wabrnehmend, auch über die etgenen Moorkulturen in Cadinen zu berihten. Im Anschluß an diese Verbandlungen wurden dann in etner öffentlichen Bersammlung des Vereins no< im Frühjahr 1911 weite Kreise über Zwe>e und Ziele der auf Oedlandkultur gerihteten Bewegung ge- nauer unterrichtet und mit gutem Erfolg der in rigen Anschauung der Boden entzogen, als handle es si< in der Frage um ein einseitiges land- wirtschaftlihes Interesse. Mit Nachdru> wurde damals geltend gemacht, daß es sih um jetzt wertlose Fläcen von über 2 Millionen Vektar (etwa die Größe des Königreichs Württemberg) handle, die endlich der Kultur gewonnen und den 264 Millionen Hektar, welche jetzt in Deutschland in landwirtsc<aftlicher Kultur steben, hinzugefügt werden müßten, auf diese Weise zahlreihen Menschen die Möglichkeit gewährend, duch nüßlihe Arbeit zu einem eigenen Heim und zu bescheidenem Wohlstand zu gelangen. Es wurde dann vom Verein not eine Denk- rift unter dem Titel „Moorkultur“ veröffentlicht. und hier zugleich alle die neueren, dem Zwe>k diensibar zu machende Fors{unggLergebnisse der Wisscnshaft und Darbietungen der Technik ausführli< erörtert. Außerdem erschien, von Geheimrat Fieischer verfaßt, eine Schrift mit dem Titel „Die Versorgung Deutshlands mit Fleis< und die Kultivierung unserer Moor- und Heideböden", die sich eingehend mit den Mitteln und Wegen beschäftigte, die anzuwenden und zu beschreiten seicn, um das großzügig geplante Werk in absehbarer Zeit zu gutem (51 zu führen. Die Schrift gab zunächst cine Uebersicht von dem

ssalen Umfang der in Deutshland leider no< vorhandenen

00 ha Moor flâhe, wovon beslenfalls erst 300 000 in Kultur ae- imen, der ganze Rest noch der Verwertung harre, verglich die bisherige irftige Nußung mit der möglichen zukünftigen und entwarf ein Bild

Leistungen, welce von den in eitragreihe Gärten, Reder, Wiesen nd Weiden umzuwandelnden Moorödfl5chen zu erwarten find, falls die ganz klar erkannten und sicheren Erfolg verspre<henden Mittel zur Moor- und Oedlandkultivierung beschleunigt zur Anwendung gelanzen. Hand in Hand mit dieser Aufklärung und Gewinnung der öffentlichen Meinung für das große Weik gingen in allen Moordisirikten praktishe Unterweisungen. Zwei Beamte waren den ganzen Sommer über damit beschäftigt, in den verschiedensten Teilen des Deutschen Reiches Musterflähen von Wiesen und Weiden anzulegen und die kleinen Moorwirte mit den Verfahrungsweisen vertraut zu ma<en. Der Verein erfreute ih dabei der mehrfachen Unterstüßung von seiten der Regierung.

Es sprachen dann nah Erledigung ges<äftliher Angelegenbeiten, Nechnungöberiht, Neuwahl von 10 Ausschußmitglicdern, tnehrere Nedner über neuere Erfahrungen auf dem Gebiete der Moor tultur. Amtsrat Schreyer-Wendemark berihtete über (rfahrungen mit Besandung und Nichtbesandung von Aer-, Damm- und Wiesen- tulturen. Es ist ihm dur unablässige, stets forgfältig in ibrer Wirkung beobachtete Verbesserungen gelungen, innerhalb einiger

Jahre zum Teil sauren Moorboden in rentabeln WirtsMaftsboden umzuwandeln, wobei gute Erfolge mit Kartoffeln, Hafer, Zu>errüben - diese von ausgezeichneter Güte und Nunkeln erzielt wurden, während Weizen fehls{lug. Von hohem Interesse waren die von Professor Dr. Ta>ke- Bremen mitgeteilten allgemeinen Beobachtungen

über das Verhalten der vers{iedenen Moorböden bei den außer- gewöhnlichen Witterungéverbältnifsen des leßten Sommers. . So ein- leuhtend es ist, daß warme und tro>ene Johre für Moorböden im allgemeinen günstig sind, fo sicher ist, daß die Hiße des Sommers 1911 für das Moor etwas zu stark war. Äusgezeichnete Ernten haben durhweg die sandgemis<ten Hochmoore gezeitigt, wenige Fälle abgerechnet, wo Wassermangel sich geltend gemacht hatte. Weiden hatten unter der Troenheit wentger zu leiden als die Wiesen; denn, während sogar Marschweiden versagten und durch Stallfütterung weiterzumästen war, ist auf der Moorweide das Vieh zu voller Shlachtretfe gediehen. Mehreie Natfröste im Mat und Juni find niht auf Rehnung der Eigenart des 191ler Sommers zu seßen; fie bewiesen nur, daß sie da besorders {hädli< waren, z. B. den Hafer auf Hochmoor vernihteten, wo der Boden stark aus- getrc>net war. Dagegen hat die Sommerhigze einige Moorbrände auf Hoch- wie Niedermoor gebracht, die wie immer den Boden stark entwerteten, weil sie einen Strich dur die im Zuge befindlichen Boden- verbesserungen machten. Alles in allem war die Sommerhiße mehr nüßli<h als {ädli< und ließ deutlich erkennen, daß die Moore in trodenen Iabren ein nit ho genug zu \>äßendes Futterreservoir bilden. Es sprachen dann no< Professor Dr. Weber - Bremen auf Grund von Beobachtungen über das Verhalten der Vegetation, die er im leßten Sommer auf einigen Moorwiesen gema>t hatte, und der Vorsteher der Moorversuchówirtshaft Neu Hammerstein, Fri >- mann, über Grasfamenbau auf Moorland. Dieser Herr und Assessor Bauer, Vorsteher der Moorberatungsstelle Lödniß bet Stettin, zeigten dann no< in Lichtbildern die geeignetsten Moor- fulturgeräte.

; „Nach Erschöpfung der Tagesordnung ergriff der Landwirtschafts- minister Freiherr von Schorlemer-Lieser no< das Wort zu einer Ansprache, in der aufs neue bestätigt wurde, daß die 9egierung die Kultivierung der Moore im großen Stile aufzunehmen gedenke und größere Mittel bereit stellen werde. Man möge aber nit besorgen, daß nur ein Werk vom Standpunkt der meliorationste<hnis{hen Bau- verwaltung geschaffen werden sotle. Größter Wert werde vielmehr darauf gelegt, in lleter Fühlung mit den Versuchsstationen und den Männern der Praxis zu bleiben. Rat und Mitarbeit des Vereins sei vor allem unentbehrlich.

Wie auch in anderen Jahren üblih, war der zweite Tag der Jahresversammlung aus\{ließli< der te<hnis<hen Frage der Moor- kultur gewidmet; do<h gab es, abweichend von sonst, diesmal nur einen einzigen, aber umfassenden Vortrag, den Direktor Dr. Wolff- Charlottenburg über die Aufgaben der vom Verein begründeten „Technischen Abteilung“ hielt. Diese Neuschöpfung gehört au zu den wictigen Leistungen des letzten Vereinsjahres, und der Vortragende wußte in stündigen, alle Seiten der Sonterte@nik für Torf- gewvinnung und Torfverwertung gründlih erörternden Darlegungen fo vollständig über den gegenwärtigen Stand aller Zweige dieser Technik zu unterrihten, daß si< ein vielseitiger Meinungsaustaush daran knüpfte. Man gelangte in allen Punkten zu dem Ergebnis, daß von dieser Neueinrichtung, die in ernster wissenschaftlicher S aa an alle fi< bietenden Fragen der Moorkultur heranzutreten beabsichtigt, großer Gewinn zu erhoffen fei. Zunächst wird diese Arbeit ih auf die [<einbar einfache und do bisher gründlih niemals beantwortete Frage rihten, wie Torf in vorteilhaftester Art zu brennen ist, und daran werden sih Fragen über die Gewinnung von Gas und Ammoniak aus Torf knüpfen. Die Berührung dieses lezten Gegenstandes gab dem Vortragenden ünd nachher mehreren am Metinungsaustaush teilnehmenden Herren Anlaß, einiger weiterer Fortschritte zu gedenken, welche au< das Jahr 1911 gebracht hat, und die endlih der Aera gewi}ser, lange Zeit geübter tastender und kostspieliger Versulße auf dem Gebiet der Torfverwertung ein Ende zu seßen geeignet sind, weil lle den Weg zum Erfolge nit bloß zeigen, sondern ihn als den rihtigen zu erweisen bereits seit 5 Monaten am Werke find. Bez kanntlih war bisher dem deutschen Moorgebiet die sogenannte Fehbn- wirtschaft versagt, die in Helland der Moorkultur zu bober Blüte verholfen hat. Ste besteht darin, daß dur fünstlib angelegte Gräben und Kanäle das Moor zu einem Teil enlwässert, dann der Torf gestochen, getro>net wird, die abgetorften Slâchen in Garten- und Wiesenland verwandelt und dur die Abfälle und Dungstoffe der Städte gedüngt werden, die auf den Kanalbooten als Füctfra<t aus den Städten mitgebrat werden, denen mit den gleichen Booten der Brenvtorf zugeführt wird. Das bewährt si auf der nur zu 2000 qkm einzus<äßenden holländischen Moor fläche bestens, war aber auf unserem 10 mal größeren Moorgebiet unausführbar, weil in Kon- lurrenz mit Stein- und Braunkohle, die in Holland fehlt, die Absatz- möglichkeit des Torfes mangelt, der bei unseren deuts<en Ver- hältnissen Transportkosten nicht verträgt. Diese Ueberlegung hat [don vor einer Reibe von Jahren den Chemiker und Bolks- wirt Geheimrat Professor Dr. Adolf Frank- Charlottenburg zu dem bekannten Ausspruch veranlaßt: Wenn der Berg nit zu Mohammed tommt, möge Mohammed sich zum Berge begeben. Verpflanzen wir Industrie in das Moorgebtet, vecwerten wir an Ort und Stelle den orf zum Betriebe etwa von großen Dampfmaschinenanlagen, die Vhynamos treiben, und letten wir die erzeugte Elektrizität überall dahin, wo sie Verwendung findet. Der Gedanke war zweifellos gut und richtig. Dr. Frank hat ihn zum Teil mit {weren Vermögens- opfern unausgefeßt verfolgt; aber es s<ien eine Zeitlang, als sceitere er dauernd denno an dem Umstande, daß im Torf nur 10 bis 129/90 verwertbare Masse ist, dagegen 388—90 9% Wasser. Dieser enorme Wasfsergehalt war lange Zeit ein {wer zu übersteigendes Vindernis. Jeßt ist auch dieses Hindernis glüd>lih überwunden: denn auf dem Wege des vom deutshen Chemiker Ludwig Mond in London vervollklommneten und von Dr. Franks Mitarbeiter Dr. N. Caro weiter geförderten Generatorbetriebs erzielt man jeßt aus nasler, bis zu 50 9/9 (ja 70 9/6) Wasser enthaltender Torf- masse ein im GroßgasmascHinenbetrieb erprobtes Kraftgas und gelangt gleizeitig zur Verwertung des Stickstoffgehalts des L018, den man in Form von shwefelsaurem Ammoniak gewinnt. Dies merkwürdig zusammengeseßte Gas enthält in maximo 18,8 9/6 Koblenfäure, 11 9% Koblenorydgas, 25,6 9/6 Wasserstoff, 3,6 9/5 Methan, 46,6 9/9 Sti>kstoff. Davon sind, wie man sieht, nur 40 0/, brennbare, als Kraft!gas verwertbare Bestandteile, ja der Gehalt daran fommt auch bis auf 28,6 9/6 berab; aber das genügt zum vorteilbaften Be- trieb von Gasmaschinen, wie das seit 2. Oktober 1911 in regel- mäßigem Betrieb stebende Torfgaskraftanlage- und Elecktri= zitätöwerk auf dem Schweger Moor beweist, wo 3 Gasfraft=« maschinen zu je tausend PS. im Gange sind, die Elektrizität an dle ¿20 km entfernte Stadt Osnabrü> vermitteln und von s{wefelsaurem Ammoniak bereits 20 t zum Versand gebra<t haben. Cs ist einleuhtend, daß sh nun der Weg zu einer der bolländischer Fehnkuliur gleihartigen Moorkultur öffnet, hobe Ver- wertung des Torfes und gleichzeitig Gewinnung der abgestodenen Torffläche als Weide-, Wiesen-, Aderland, das miitels künstlicher Düngemittel, die &ehlendes ergänzen, auf boben Ertrag zu bringen ist. Die von Dr. Wolff ge¿cigte Aufsicht, daß auf dem Gebiet der bisherigen deutshen Oedländereien 70 000 Familien würden leben können, daß Vieh hier würde gehalten werden können mit jährli 8 Millionen Zentner Fleishgewinn, eröffnet hocherfreulihe Aussichten.

Ausftellungsuachrichten.

Am Sonnabend, Mittags, wurde die unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kalserin und Königin slehende Aus- stellung „Die Frau in Haus und Beruf" in den Ausftellungs- hallen am Zoologischen Garten feierli< eröffnet. Zu dem Festakt hatten si zablrei@e im fünstlerisdhen und gewerblichen Leben {tehende Damen _neben tenen des Ausstellungskomitees eingefunden. Unter den Crs@ienenen sah man ferner die Staatsminister, Staats- sekretär Dr. Delbrü>, Dr. Sydow und D. von Trott zu Solz den Direktor im Reihs8amt des Innern Dr. Lewald, den Rektor der Universität, Geheimen Negierungsrat, Professor Dr. Lenz u. A. Ihre Majestät, die von der Oberbofmeislerin Gräfin von Brodorff, den Dofstaatêdamen Gräfin von Keller und von Gersdorff sowte den VDberhofmeister Freiherrn von Mirbach begleitet war, wurde am

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