1912 / 61 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

ersonenzuges 473 W Ca eters Hil -Magdeius - Buckau) bis ónebeck; Antrag des Stadtrats und . Wanckel in Schönebeck, betreffend Aufent-

terbüsen-Salbke bezw. Glb\chiffabrtsdirektors halt für die Bäderzüge 3083/3084 in Schönebeck. ütertarifangelegenheiten.

der Ausnahmetarise 85 und 8 für Eisen und Stahl.

Festseßung des Zeitpunkts für die nächste Sißzung des

s]ständigen Aus\chusses. Magdeburg, den 4. März 1912.

Königliche Eisenbahndirektion. Sommer.

Vorlage der Königlichen Eisenhahndirektion, betreffend Erweiterung der “rae E, s cimdia

Nichßkamlliches. Deutsches Reich. Preußen. Berlin, 8. März.

In der am 7. d. M. unter dem Vorsiß des Königlich bayerishen Gesandten Grafen von Be E Ss wurde Feststellung das Rech- An- ung der i ür das Königreich Sachsen als Sonderanstalt gemäß Artikel 1360 der Reichs- ; Der Entwurf eines Besoldungs- und Pensionsetats der Reihsbankbeamten auf das Jahr 1912 wurde den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Demnächst wurde über

abgehaltenen Plenarsißung des Bundesrats dem Entwurf eines Geseßes, betreffend die eines Nachtrags zum Reichshaushaltsetat für nungsjahr 1911, die Zustimmung erteilt. gut nahme gelangte der Antrag, betreffend Zula Allgemeinen Knappschaftspensionskasse f

versicherungs8ordnung.

eine Reihe von Eingaben Beschluß gefaßt.

Laut Meldung des „W. T. B.“ ist S. M. Jacht „Ho hen- ollern“ MEgeEO: in Vigo eingetroffen und hat gestern die eise nah Gibraltar fortgeseßt.

S. M. S. „Jaguar“ ist am 5. d. M. in Hankau ein-

getroffen.

Braunschweig.

In der gestrigen Sißung der Landesversammlung kam die Frage der Wiedererrichtung der Universität Helmstedt zur Sprache.

Wie „W. T. B.* berichtet, bemerkte der Kultusminister Wolf, daß ter Wiedererrihtung die shwersten nit nur finanziellen, sondern auch wissenschaftlißen Bedenken entgegenständen. Er bedauere, daß die s{önen Bestrebungen nicht zu verwirklichen seien.

Oesterreich-Ungarn.

„Der König Franz Joseph empfing gestern mittag den ungarischen Mee es Grafen Khuen-Hedervary, der laut Meldung des „W. T. B.“ die Demission der E n scher Persön unterbreitete. Ueber eine eventuelle __allernächstèr T gen n E aeor ungen treffen

N i re e ‘der gestrig ing die Beratung der An aus\{chusses Uber" die Kartellfrage und die Maßnahmen gegen die Teuerung fort. Der Minister der öffentlichen Arbeiten Trnka besprach, obiger Quelle zufolge, die von der Regierung zur Bekämpfung der Kohlen- teuerung getroffenen Maßnahmen und empfahl die erste Verab- \chiedung der Kohlengeseßvorlage, wobei das Recht zur Aufsuchung und Gewinnung der Kohle dem Staate vorbehalten werden soll. Hirfichtlich der befürhteten Rückwirkung des englishen Berg- arbeiterstreiks auf die österreihischen Verhältnisse bestätigte der Minister die Nachricht, daß die Bergarbeiter des böhmischen Braun- foblengebiets gewifse Lohnforderungen erheben. Es handle sih jedoch nit um die bereits im vorigen Jahr gestellten Forderungen. Das Ministerium werde hier pflihtgemäß die vermittelnde Nolle über- nebmen. Der Minister \prach sich dann gegen das vom Bericht- erstatter ängeregte Kohlenausfuhrverbot aus, da dies nur die voll- ständige Lahmlegung der österreichishen Braunkohlenindustrie, die im lezten Jahre ohnehin Absaßgebiete im In- und Auslande eingebüßt habe, herbeiführen und damit auch die Arbeiter hart treffen würde.

_Gegen Schluß der Sigßung beantwortete der Minister- präsident Graf Stuergkh die Jnterpellationen, betreffend die vom ungarischen Reichstag im Einvernehmen mit der ungarischen Negierung beabsichtigte Juterpretation der geseßlichen Be- Nun über die außerordentliche Einberufung der

eserve in Friedenszeiten, die bekanntlih zu der Oen Ministerkrisis geführt hat. Der Ministerpräsident erflärte:

Er habe über diese Angelegenheit etne authentische Mitteilung seitens der ungarischen Regierung erhalten. Die österreichische Re- gierung habe bieria wegen der dabei in Betracht kommenden \{chwer- wiegenden Interessen der gemeinsamen Wehrmacht genaue Stellung

enommen. Ein näheres Eingehen auf Einzelheiten widerspräche mit

Rücksicht auf den derzeitigen Stand der Angelegenheit der Gepflogen- heit. Das Haus möge überzeugt sein, daß sich die Negierung in ibrem Vorgehen forgfältigste Bedachtnahme auf die Interessen der W-hrfähigkeit der Monarchie und alle sonst hierbei in Betracht kommenden Intereffen Oesterreihs zur Pflicht gemacht habe.

Sodann brachte noch der ts{hechishe Sozialdemokrat Ne mec die Verurteilung der 37 sozialdemokratishen Ab- geordneten der zweiten Duma zur Sprache und erhob Einspruch digegen, daß si der russische Justizminister weigere, eine Wiederaufnahme des Prozesses einzuleiten. Er fragte den D ob er diesen Einspruch zur Kenntnis nehmen wolle.

as Präsidium erklärte sich unter lebhafter Unruhe bei den Soziald:.mokraten in dieser Angelegenheit niht für zuständig.

Großbritannien und JFrland.

Im Unterhause fragte gestern der Abg.- King an, ob die Regierung von dem Vorhandensein eines Vertrags oder eines Abkommens zwishen den Mächten des Dreibunds Kenntnis habe, wonach Jtalien bei dem Versuche, Tripolis zu einer O Provinz zu machen, freie Hand haben oder von seiten der anderen Allianzmächte unterstüßt werden sollte. Der Staatssekretär ' des widerte hierauf laut Meldung des „W. R s daß er keine Kenntnis von irgend einem derartigen Vertrag oder Abkommen habe. Sodann kündigte der Premierminister Asquith an, daß die Homerule-Bill wegen der parlamentarischen Geschäftslage niht vor Ostern eingebraht werden würde. Das Budget indessen werde wahrscheinlih am 2. April eingebracht werden, und er hoffe

Aeußern PrEy er-

olitischer Persönlichkeiten wird der Monarch in den} Z§;G “v.10 Wag Tagen: | O O E Bei H.Kaiserh.M|/100 44| 1.4.10|—,— Abgeordnetenhaus seßte .1 i e des TeuerungE

erner, daß es mögli sein wetde, tn Gesegentwurf, betreffend ie Entstaatlichung der Kir in Wales, vor Ostern einzubringen.

Frankreh.

In der gestrigen Sißung tr Deputiertenkammer brachte der Sdzialist Albert Thmas die Bergarbeiter-

rage zur S A und fragte, vie weit die Regierung die Forderungen der französischen Berarbeiter, die bis jeyt eine luge Ha tung Bs hätten, koimen lassen wolle.

Wie „W. T. B.* berichtet, :rklärte der Minister Léon B oourgeots, es komme ihm nicht z sih über Ereignisse, die sich bei den Nachbarn und Freunden Frokreihs entwidelten, zu äußern. Er beschränke sch auf den Wunsch, diese wirtschaftliche Krise eine \{nelle sung finden und daß nits die Klugheit der französischen Bergarbeiter verwirren möge. Die Regierung sei bereit, mit dem Parlament zusammen 1 arbeiten, um alles Erreich- bare zu erreihen. Sie werde ‘azu beitragen, daß die Er- örterung des Gesezentwurfs über vie Arbeitsdauer {nell erledigt werde. Sie sei ferner bereit, namitlih im Departement Pas-de- Calais auf genaue Durchführung t Lohnkontrakte zu halten. Er bemühe ih mit dem Finan um die Sckaffung einer be- sonderen Pensionskasse für Bergarliter. Er zweifle nicht an der Vertrauenswürdigkeit der Bergarbeer, wie diese an der Gerechtigkeit und dem guten Willen. der Regierÿg nicht zweifelten.

Die beiden Aus\chüssefür Flugwesen von Kammer und Senat hielten gestern einezemeinsame Sißung ab, in der, obiger Quelle zufolge, der Whsh ausgesprochen wurde, daß die von der Regierung für dieAusgestaltung des Flugwesens vérlangten Kredite ohne Aufschib angenommen und daß der vom Kriegsminister vorgelegte enheitlihe Geseßentwurf mit größtem Eifer erörtert werden nödte. Das den beiden Gruppen jugegangene Lotteriegeses wird nh sorgfältiger Prüfung der

egierung vorgelegt werden.

Die Senatskommissionfür Marineangelegen- heiten hat dem Flottengesegntwurf in dem von der Kammer bereits genehmigten Wollaut zugestimmt.

Rufßlavy.

Der Ministerrat beriet estern, wie „W. T. B.“ meldet, über den Vorschlag ® Verkehrsministers, dem Parlament ein Geseß, betreffend vie Bewilligung der nötigen Mittel zu Vorarbeiten für den Ba einer Eisenbahn quer durch diè Hauptkette deg Kaukasus, Meiter ermächtigte der Minierrat den dem Parlament ein Geseg vrzulegen, betreffend den Heeresbestand für das Jah: 1912, wonach dieser wie bisher 455 000 Mann betragen wid. Ferner wurde beschlossen, der Duma ein neues Fl ottenprgramm vorzulegen, welches an die Stelle des Bauprogrammé von 1910 treten soll, das von der Duma noch nicht erörter/worden ist. Das neue Pro- gramm erfordert eine Ausgabe va 502744 567 Rubel, die sich auf fünf Jahre verteilt.

vorzulegen. Kriegsminister,

Ftalina.

Die sterblichen Ueberreste des Admirals Aubry sind gestern, wie „W. T. B.“ melde! auf Staatskosten unter allen militärishen Ehren beigeseßzt vorden. Hinter dem Sarge \hritten der König, die Minifr, zahlreihe Deputierte und Senatoren, Admirale und Getrale einher. Eine gewaltige Menschenmenge wohnte der iungsfeierlichkeit bei.

is U V 0. I L

D. „4907 102/43] 1.4 50G e be- alls, gard S f R tr es ne ? republi- fattishe Jnterpellation, in! der der Riffeldzug kritisiert wird, laut Meldung des „W T. B.“, wie folgt:

Die Vertraulichkeik der französisch-spanischen Verhandlungen verhindern mi, hier elhev Plan für unser Vorgehen in Marokko zu entwerfen, aber ich/fkann nicht die Verantwortung auf mi nehmen, das einzige Gebkt, das der Ausdehnung Spaniens vorbehalten ist, aufzugeben. Sollte wir mit verschränkten Armen der Ausdeh- nung anderer Mächte uschaucn, als dîe Erregung, die dur das Vorgehen dieser Michté hervorgerufen worden ist, schon bis an die Tore Melillas gedringen war? Spanten wird sich von dem Augen- blick an, wo das mralishe und tat\ähliche Protektorat Europas über Afrika hergestellt sckn wird, auf ein friedlies Vorgehen beschränken. Es fann weder die don ihm beseßten Gebiete noch seine Einflußzonen aufgeben. Im ries erlaubt ihm seine wirtschaftliche Kraft, diese Haltung einzunehms.

Am«erika.

Der ameriknishe Senat hat gestern laut Meldung des „W. T. B.“ nit 76 gegen 3 Stimmen die Schieds- gerihtsverträg} mit England und Frankreich an- genommen unter Yeseitigung der Bestimmung, daß: eine inter- nationale Kommissim festseßt, welche Fragen dem Schiedsgericht unterworfen werdei können. Gleichzeitig sollen Fragen, die die Monroedoktrin | und die Einwanderung berühren, aus- geschlossen sein. i

Telegramnx aus Chihuahua (Mexico) melden, daß Emilio VasquezGomez zum vorläufigen Präsidenten er- klärt worden ist.

Die Mitglieder \sämtliher Fremdenniederlassungen in Mexiko berieten \gestern, obiger Quelle zufolge, in einer Versammlung über| Maßnahmen zum Selbstshuße, falls fremdenfeindlihe Erägnisse eintreten sollten. Mehrere Kolonien ersuchten die Regierung um Lieferung von Gewehren und Be- stimmung von Zufluhitsstätten für die Frauen und Kinder bei eintretender Gefahr.

Asien.

Wie das „Reutersche Bureau“ meldet, dauern Raub und Plünderungen in Schantung an und breiten sich weiter nah Norden aus. Dort befinden sih nur 6000 ausländische Soldaten gegenüber 100 000 gutbewaffneten chinesishen Sol- daten, die, wenn die gegenwärtigen Wirren fortdauern, unge- straft die Häfen in Gefahr bringen können. Es herrscht allge- mein der Wunsch, daß einige tausend Mann ausländischer Truppen in den Häfen stationiert werden und daß Japan die Einführung größerer Truppenmassen vorbereitet. Ein franzö- sischex Kreuzer hat gestern Seesoldaten in Taku gelandet.

Ein Teil der in der Mandsch urei gelandeten Expeditions- abteilung der Aufständischen hat sich, troß der Ausforderung der Nankinger Regierung abzuziehen, in der an Kwantung grenzenden neutralen Zone festgeseßt und sih in eine Räuber- ande verwandelt. Das gegen sie aus Mukden entsandte dritte Bataillon der Polizeitruppen hat sich ihnen angeschlossen. Aus Kaiping ist eine Abteilung ausgerückt, um die Räuber zu zerstreuen.

Das Syndikat der englischen, deutschen, französischen und amerikanishen Banken hat gestern eine Million Taels an die vorläufige Regierung ausgezahlt. Obiger Quelle zufolge wird erwartet, daß vor Ablauf der nächsten Woche weitere

in Nanking und Peking überwiesen werden. Jm ganzen wird

die Regierung vorausfichtlich den Beistand der Bankengruppe öhe von monatlich fieben Millionen Pfund

bis zu einer Ÿ Sterling für die nächsten sechs Monate in Anspruch nehmen und die Bankengruppe ist augenblicklih damit beschäftigt, eine Anleihe für diesen Zweck zustande zu bringen.

Afrika.

Laut Meldung der „Agenzia Stefani“ teilt der General Re isoli folgende Einzelheiten über den leßten nächtlihen Kampf bei Margheb mit:

Die Angriffe waren sehr zahlreich und fehr heftig und wurden nur von kurzen Pausen unterbrochen, während deren der e immer neue Verstärkungen vorrücken ließ. Die feindlihen Truppen be- standen aus Arabern und reren Truppen und wurden auf mehr als 3000 Mann geshägt. Die von den JItalienern und thren Kundschaftern gemahten Gefangenen beziffern die feindlide Stärke noch höher. Die Italiener hatten ein Jn- fanteriebataillon, ein Alpenbataillon, zwei Bersaglieribataillone, zwei Feldbatterien und eine Gebirgsbatterie ins Feld geschickt. So- bald das Signal gegeben wurde, nahmen diese Truppen mit Ruhe und in Ordnung ihren Play ein und erwarteten den Feind, ohne einen Schuß abzugeben, bis er ganz nahe herangekommen war. Die Wirkung des Feuers war mörderisch. Gegen 11 Uhr erreihte der Angriff die größte Heftigkeit, weil der Feind ihn auh auf die Ost- front von Homs avsdehnte, wo die Truppen, die sh dort zum Kampf aufgestellt hatten, ihn mit Ruhe und Sicherheit erwiderten. Die italtenishen Verluste beliefen sih, wie bereits gemeldet, auf einen Toten und fünf Verleßgte. Einige verleßte Araber, die in italienische Gefangenschaft gerieten, erklärten die Ver- luste auf türkfisher Seite für so groß, daß weder alle Toten, noh alle Verleßten mitgenommen werden konnten. Tatsächlih wurden dicht bei den italienishen Linien 52 Leihname gefunden, darunter bie zweier regulärer türkisher Soldaten. Außerdem wurden auch zahl- reihe Blutspuren und zerstreute Glieder menschlicher Körper gefunden. Viele Gräber deuten darauf hin, daß Tote bereits auf dem Séhlacht: felde beerdigt worden sind. Nach übereinstimmenden Berichten der Gefangenen und der italienishen Kundschafter beträgt die Zahl der feindlichen Toten über 400. | ;

t Nach einer vom „W. T. B.“ verbreiteten, beim türkischen Kriegsministerium eingelaufenen Depesche ist es den Türken und Arabern gelungen, nah dem in der Nacht zum 6. d. Mts. unternommenen Ängriff die Anhöhe von Margheb wieder- zubeseßen.

Parlamentarische Nachrichten.

Der Schlußbericht über die gestrige Sißzung des Reichs- tags, der Bericht über die gestrige Sißzung des Herrenhauses und der Schlußbericht über die gestrige Sißung des Hauses & ladet befinden sich in der Ersten und Zweiten

eilage.

Auf der Tagesordnung der heutigen (23.) Sißung des Reichstags stand zunächst die Wahl des Präsidenten und der Vizepräsidenten für die Dauer der Session.

Der Vizepräsident Scheidemann übernahm für die Dauer des Wahlakts das Präsidium.

Vizepräsident Sheidemann : Für die Präsidentenwahl kommen die Bejtimmungen der Geschäftsordnung in § 9 in Betracht. Wird die Verlesung gewünsht? (Rufe: Nein!) Wir sehen also davon ab. Ich bitte die Abgeordneten, beim Aufruf ibres Namens mit „hier zu antworten und ihre Stimmzettel in die Urne zu legen ; die Schriftführer bitte ih, die Abgabe der Zettel zu kfontrollieren. Der Namensaufruf beginnt mit dem Buchstaben K. (fragende Zurufe rechts und im Zentrum). Mit dem Buchstaben K. wie Kamel !

Der Namensaufruf wurde vollzogen.

Vizepräsident Scheidemann: Das Ergebnis der Wahl ift folgendes: Es sind abgegeben worden 383 gültige Stimmen. Davon baben erhalten: der Abg. Dr. Kämpf 192, der Äbg. Dr. Spahn 187, der Abg. Graf von Shwerin-Löwiß 2 und der Abg. von Heyde brand und der Lasa 2 Stimmen. Die absolute Véajorität ist 192. Demnach wäre der Abg. Dr. Kämpf zum Ersten Prä- sidenten gewählt worden. Jch frage ihn, ob er die Wahl annimmt.

Abg. Dr. Kämpf: Meine Herren, ih nehme die Wahl an.

(Schluß des Blattes.)

Das Haus der Abgeordneten seßte in der heutigen

(32.) Sizung,- welcher der Minister der öffentlichen Arbeiten von Breitenbach beiwohnte, die zweite Beratung des Ent wurfs des Staatshaushaltsetats für das NRechnungs- jahr 1912 bei dem Etat der Bauverwaltung fort.

Berichterstatter der Budgetkommission ist der Abg. Brütk.

Bei den Einnahmen aus Mieten und Pachtzinsen usw. von fiskalischen Grundstücken bemerkt

Abg. Heine (nl.): Das Haus hat schon früber einen Antrag einstimmig angenommen, der die Ausnußung der Wasfserkräfte zur Gewinnung elektrisher Energie empfiehlt. Es sind Projekte aus- gearbeitet worden, die auch die Anlegung von Kraftwerken bei der Eder- und Diemeltalsperre vorsehen, die mit den analogen Anlagen an der Werra und Fulda zusammenarbeiten sollen. Von der HVer- stellung der Stauanlagen in der Weser hört man aber gar nichts mehr. Bedauerlich wäre es, wenn der Preis für die Abnahme von Strom von der Verwaltung zu hoh angeseßt würde ; denn dann würden die Abnehmer kleinerer Strommengen, die Landwirte, davon keinen Ge- brauch madhen können. (Präsident Dr. Freiherr von Erffa erflärt diese Ausführungen für zu weit vom Thema abliegend.) Ich bitte noch den Minister, die Angebote von Großabnehmern erst zu berüd- sichtigen, wenn die Gesuche der kleineren genebmigt find. Der Etat für 1912 enthält keine Forderung für dieje Anlagen, und aud die versprochene Denkschrift darüber ist uns noch nicht zugegangen.

Minister der öôffentlihen Arbeiten von Breitenbach: Die Denkschrift über den Ausbau der Wasserkraftwerke an der Eder- und Diemeltalsperre ist fertiggestelt. Im kommenden Fahre soll dem Landtag ein Entwurf über die Ausbeutung der Wasserkraft zugehen, und wir werden dann auch mit einer Geldforderung an das Hau? herantreten. In den Einzelheiten kann ih im wesentlichen mit den Ausführungen des Abg. Heine einverstanden sein.

Bei den Einnahmen aus Beiträgen zur Unter haltung der Land- und Wasserstraßen, del Kanäle usw. bemerkt

Abg. Goebel (Zentr.): Es i} beabsichtigt, die Schiffahrît- abgaben für die Benußung des Großschiffahrtsweges Berlin—Stettin herabzuseßen. Dem muß _ ih im Interesse der {W{lesischen Montan- industrie widersprehen. Schon bei der Beratung des Wasserstraßen- gesetzes haben die \{lesischen Abgeordneten, insbesondere meine Freunde, die \{chwersten Bedenken gegen den Großschiffahrtsws Berlin—Stettin vorgetragen; die Höhe der Abgaben gehörte da- mals zu den Ne R ernten der \ch{chlesisWen Montan industrie, und die Ermäßigung jener Abgaben würde die Voraut- seßungen, unter denen damals das Wasserstraßengese angenommen worden ist, über den Haufen werfen. Es muß verhindert werden, da die enalishe Kohle über Stettin in das Innere des Landes fomml. Abg. Freiherr von Zedliy und Neukirch (freikons.): Id fann mich dem Vorredner nur anschließen. Dur®% die Konkurrer) der enalisHen Kohle auf dem Berliner Markte wird der Absatz der \chlesishen Kohlenindustrie gefährdet, und das gilt auch für Nieder-

sieben Millionen Taels an die chinesischen RNegierungsbehörden

\clesien. Die Abgaben auf dem Großschiffahrtswege Berlin—Stetlin dürfen nit alle für sih reguliert werden, sondern nur unter Berüd-

ller Interessen. Ih hoffe, daß der Gesamtwasserstraßen- sht e Frage in dem Sinne unserer Wünsche entscheiden wird.

(Schluß des Blattes.)

Bei der Ersaßwahl eines Mitglieds des Hauses der Abgeordneten, die am 7. d. M. in den Kreisen Posen Ost und West) und Obornik stattfand, wurden, wie „W. T. B.“ berichtet, insgesamt 489 Stimmen abgegeben. Davon fielen auf Rittergutsbesißer von Tempelhoff-Dombrowski (konf.) 260, auf Dekan Mendlewski - Parkows (Pole) 229 Stimmen; 16 Stimmen waren zersplittert. von Tempelhoff ist somit

gewählt.

eranen

Statistik und Volkswirtschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

Die „Oberschlesischen Neuesten Nachrichten" melden: In der

estern in Kattowiß abgehaltenen Versammlung der fünf ergarbeiterver baude wurde beschlossen, an die Duektionen der

einzelnen Hütten und Gruben Oberschlesiens eine neue Ei ngabe auf Gewährung einer 15prozentigen Lohnerhöhung zu richten, und zwar vom 1. April ab, sowie auf Beseitigung größerer Lohnunterschiede zwischen gleihaltrigen Arbeitern. Zur Begründung wird ausgeführt, daß die Löhne seit 1908 ständig gesunken seien und bis heute ihre alte Höhe noch nicht erreicht hätten, während andererseits der Lebens- unterbalt sich bis 100 9/0 erhöhte. / i

Der ausführende Aus\{chuß der drei Bergarbeiter- verbände, des sogenannten Dreibundes, hat, wie „W. T. B.“ be- rihtet, gestern in Bochum den ganzen Tag über verhandelt. Ueber das Ergebnis seiner Beratungen wird vorläufig Stillschweigen bewahrt. Die Entscheidung darüber, ob in den Ausftand eingetreten werden soll, fällt in den am Sonntag einzuberufenden öffentlichen Ver- szmmlungen, Nunmehr haben auch die evangelischen Arbeiter- verbände gegen einen Ausstand Stellung genommen und ihre Mitglieder aufgefordert, sich nicht daran zu beteiligen. (Vgl. Nr. 60 . Bl. : i : “aa der Wollplüschfabrik von Friß Wolff I. F. Sohn in Dülken haben, wie die „Rh. Westf. Ztg.“ meldet, etwa §80 Weber wegen Lohnstreitigkeiten die Kündigung eingereicht. Darauf hat die Firma sämtlichen Hilfsarbeitern und Hilfsarbeiterinnen ge- E von Streitigkeiten verschiedener Art, die in dem Betriebe des Stauereiunternehmers Hinsch entstanden sind, hat ein Teil der bei den Schiffen des Norddeutschen Lloyd in Bremer- haven beschäftigten Leute gestern morgen die Arbeit eingestellt. Etwa 200 Mann sind in der Arbeit verblieben. Für gestern abend war cine Versammlung der Arbeiter einberufen, in der über die weitere Stellungnahme Beschluß gefaßt werden sollte. Sollte eine Einigung nicht erztelt werden, ]o0 ist seitens der Firma Hinsch die Einstellung anderer Arbeiter ins Auge genommen. 1 |

Die Belegschaft des Helen enschachts von Shallan bei Tepliy ist, „W. T. B.* zufolge, gestern in den Ausstand getreten.

Aus T riet wird dem „W. T. B.“ gemeldet : Zum Zeichen des Einsproch8 gegen die verweigerte Haftentlassung zweter Arbeiter, die am Mittwoch im Stabilimento Tecnico ein Attentat auf den Ingenieur Ostendorf verübt hatten, find gestern früh sämtliche Arbeiter, mehr als 1500, in den Ausstand getreten. Sie haben beschlossen, morgen die Arbeit wieder aufzunehmen. Ungefähr 100 Arbeiter der Werft San Marco sind gezwungen, sich dem Ausstand anzuschließen. E e :

Bisher t cha Fortschritt in der Richtung auf eine Ver- ständigung im Ausstand der englishen Bergarbeiter (vgl. Nr. 60 d. Bl.) zu verzeihnen, obwohl der Industrierat und der ausführende Aus\chuß des B ergarbeiterverbandes gestern in Lond on getrennte Beratungen abgehalten haben. Der Indultrierat hat sich bis auf Dienétag vertagt. Die Regierung hat die Ver- handlungen wieder selbst in die Hand genommen. „Daily Chronicle erblickt darin ein günstiges Zeichen. Das Blatt berihtet weiter, daß die englischen Zechenbesißer neu e Vorschläge der Regierung, die indessen niht bekannt gegeben wurden, an- genommen hatten. Vertreter der Zechenbesiger von Schottland und Northumberland treffen heute in London ein, um mit der Regierung zu beraten. Die Walifer Gruben- besißer haben ihre Haltung nicht geändert. ; Die liberalen \hottishen Zeitungen halten eine geseßgeberische Maßregel für not- wendig. Eine allgemeine DBersammlung des Bergarbeiterverbandes ist für diese Woche nit mehr na London einberufen worden.

Jn London wird eine allgemeine Steigerung der Brotpre1l] angekündigt. Die Zahl der beshäftigungslos gewordenen Arbeiter in anderen

&Fndustrien wird auf ungefäh1 450 000 angegeben.

Die Bergarbeiterverbände der und Pas-de-Calais haben, wie dem „W. T. B.“ aus Lens telegraphiert wird, ihre Mitglieder aufgefordert, am 11. März zur Unterstützung der dem Parlament vorgelegten Bergarbeiterforderungen in den Ausstand zu treten. (Val. Nr. 58 d. Bl.) Fn dem Aufruf wird erklärt, daß die Ruhegehälter zu gering seien und daß das Alter von 55 Jahren, das zu ihrem Genuß berehtige, zu hoh sei, da nur wenige Bergleute dieses Alter erreichten. Deshalb habe der Verband im Namen aller Bergleute an die öffentlichen Gewalten die Forderung gerichtet, die Ruhegehälter mit 730 Fr. nah % jähriger Arbeitszeit und für das 90. Lebentjahr festzuseßen und den Witwen und Waisen das halbe Nuhegehalt zu gewähren. Ein Gesetz- entwurf, betreffend die Einführung des achtstündigen Arbeitstages und eines angesichts der stetig steigenden Lebensbedürsnis)e notwendigen Mindestlohnes, sei gleichfalls den öffentlihen Gewalten unterbreitet worden. 3 Hi

In der Kohlengrube „Saturn“, einer „der größten Gruben in Ru\\i\ch- Polen, find, wie die „Frkf. Ztg." aus Lodz erfährt, fast sämtliche Arbeiter in den Aus stand getreten.

(Weitere „Statistische Nathrichten* f. i. d. Zweiten Beilage.)

Kunft und Wisseuschaft.

A. F. Ueber das Alter des Menschengeschlechts spra in der ordentlichen Februarsipung, der Berliner Gesellschaft für Anthropologie Dr. Josef Bayer, Assistent am natur- historischen Hofmuseum in Wien. Der Vortragende wies einleitend auf den Titel des Vortrags hin, der natürli dahin aufzufassen set, daß es sich nur um eine relative Altersbestimmung des Menschen- geschlechts handeln könne, nämlich um den Versuch einer Feststellung, in welhem Verhältnis die altsteinzeitlichen Kulturen zu den Er- \heinungen der Eiszeit stehen, also um die Aufstellung eines auf die eigenen Forschungsergebnisse des Redners gestüßtten geologisch-archäologischen Schemas, das si von den heute bestehenden geologish-arhäologischen Systemen in manhen Stücken unterscheide. Bisher standen fich vor- nehmlich zwei Ansichten gegenüber : Das System A. fen ck8, in dem die gesicherte menshlihe ÜUrgeshichte mit dem Chelléen bis in die Mindel-Riß- Zwischeneiszeit (d. i. die weitälteste, mittlete der drei Zwischenelszeiten) reiht, und das System M. Boule-H. Ober- mater, das die Kultur des Chelléen (älteste Stufe der Altsteinzeit) erst in der leßten Zwischenetszeit erscheinen läßt. Das Magdalénien, die jüngste ter großen altsteinzeitlihen Stufen, wird von beiden Seiten, weil es im Wünm (jüngste Eiszeit)-Vergletsherungsgee! vorkommt, als offenbar postglazial bezeichnet und mit dem Bühl1vorstoß (die Wirkung, welche besonders ausgedehnte Gletscher noch lange nah der Eiszeit in großer Form übten) auf eine Linie geseßt. Die Stufe vor dem

agdalónten, das Solutréen, fand Penck im Löôß, jenem eigenartigen, aus feinsten \staubartigen Mineralteilchen, namentli von Luarz und fohlensaurem Kalk, bestehenden kreideartigen Gestein, das im Wasser

Departements Nord

erfällt, dessen Entstehung er nach dem geologischen Befund vor dem E ns fen Würm (lehten) - Eiszeit annehme. Das Solutréen mit seiner arfktish-alpinen ux verseßt Penck demnah in die Steppenzeit der legten Zwis eiszeit, der eine warme Moustérien- vhase mit Elephas antiquus und Rhinoceros Mercki (Fund- stellen: Taubach, Wildkirhli, Villefranche- sur - Saône, Mentone) vorausgegangen sei. Das Moustérien in Begleitung der arkto-alpinen Fauna war für Penck dana die Kultur der Riß (vorleßten) - Eis- zeit, welhe Annahme noch dur die Beobachtung verstärkt wurde, daß die hierher gehörigen Moustérienfundorte alle außerhalb der Riß (vorleßten) -Vereisung liegen. Das Chelléen mit seiner warmen Fauna rüdckte damit in die Mindel-Riß (die zweitälteste, mittlere) -Zwischeneiszeit. Boule-Obermaier ver egten im Gegensaß bierzu die jüngeren altsteinzeitlichen Kulturen in die Zeit zwischen dem Maximum der Würm (jüngsten)- Eiszeit und dem Bühlvorstoß, den Pen eine „Awsenshwenkung“ genannt hat. Bewets hierfür wäre ein im L6ß vor- f ommendes Magdalénien (Aggsbah und Gobelsburg in Niederösterreih, Munzingen in Baden u. a.), das hier tief im Löß in denselben Lagerungs- verbältnissen angetroffen werde, wie das Solutréen und Aurignacten, welche Stufen daher gleichfalls nacheiszeitlid wären. Der nächste Kältepol (immer nah Boule-Obermaier) im Moustórien fiel sonach mit der Würm (jüngsten) -Eiszeit zusammen und das Chelléen wäre nur in die legte Zwischeneiszeit zu verseßen. Nach dieser Kennzeihnung der beiden Hauptsysteme ging Dr. Bayer auf die Erörterung ihrer Gründe und Beweise ein. Er erklärte sich von vornherein im allgemeinen damit einverstanden, Magdalénien und Bühl- Stadium auf die gleiche Linie zu stellen. Auf dieser somit allseits anerkannten Basis ergibt die eingehende Prüfung der für beide Systeme aufgebotenen Gründe, daß die Ent- scheidung für die Richtigkeit des archäologish-geologischen Verhältnisses vor allem im Lößproblem liegt, ob der Löß (nämli der hierbei fast allein in Frage kommende jüngere Löß) zwischen- oder nacheis- zeitlih ist. Der geologishe Befund weist zweifellos auf ein Alter vor dem Maximum der Würm (jüngsten)-Eiszeit hin, vor allem sein Fehlen auf der Niederterrafse. Enthielte der Löß aber, wie Obermaier, Breuil, R. R. Schmidt u. a. behaupten, Magdalénien, dessen nacheis- zeitliches Alter außer Frage steht, so könnte er auh nur nachei8zeitlich scin, es müßten denn die übrigen vom Loß vertretenen Altsteinzeitstufen Solutréen und Aurignacien gleihfalls als nacheiszeitlih gelten, und das Moustérien wäre in der Tat mit der jüngsten Ciszeit, das Chelléen aber mit der leyten Zwischeneiszeit gleichaltrig zu seßen. Wie steht es aber mit dem für diese Beweisführung Boule-Ober- maiers angeblih unzweifelhaften Vorkommen eines Löß-Magdalénien in Wirklichkeit? Zur Beantwortung dieser Frage seßen Dr. Bayers eigene Untersuchungen ein, deren bestimmte Ergebnisse zu ‘der im weiteren noch“ darzulegenden, wahrs{heinlich „endgültigen Einordnung der altsteinzeitlichen Kulturen in den geologischen Nahmen führen. Zum Ausgangspunkt seiner Ausführungen über die entscheidende Frage nach dem Alter des Löß und seiner Cin- \chlüsse wählte der Redner die derzeit wichtigste Lößstation Europas, Willendorf an der Donau in Niederösterreich, deren Ausgrabung zum größten Teil von ihm selbst durhgesührt wurde. Dort zeigen neun zumeist sehr fundreiche Kulturschichten, die sich auf eine Lößmächtigkeit von etwa 12 m verteilen, fait die gesamte Aurignacienentwicklung und bieten dabei etne prachtvolle Skala, an welcher Dr. Bayer das Alter aller Lößstationen mit Ausnahme der jüng|ien bon Pzredmost ablesen konnte. Cine Reihe ausgezeihneter Lichtbilder unterstügte hier die Ausführungen des Redners. Man sah die berühmte Fundstelle MWillendorf vom rechten Donauufer aus în ihrer herrlihen Lage im Engtal der Wachau, und zwei Bilder aus der Zeit der großen systematishen Grabungen im Jahre 1908 zeigten deutlih die dort befolgte Grabungsmethodè, welcke vor allem auf eine peinlih genaue Scheidung der neuen Kultur s@ichien Una ren Sh 2 Uchtbi die caralkteristischen Funde der einzelnen Sch1ate O G | ihre Altersgleihheit mit den darlegte und begründete. von Willendorf die

1 bis 9, E Mee E df ; wichtigsten Lößfundstelen Suropa So seßte er der 2. E 9- Schicht 3 große Aurignacienstation vom Hundsteig in Krems im Alter gleich und hob nebenbei die große Wahrscheinlichkeit für die Zugehörigkeit des. von Hauser angekauften, in Berlin befindlichen Aurignacienskeletts zu den „alteren“ Schichten von Willendorf hervor. Als solhe be- zeichnete er die 4 unteren, vorzüglich durch das Vorkommen echter Kielkrater und das Fehlen langer Klingen charakterisierter Schichten, in welhen fich in Krems und Willendorf als Schmuck verwendete Schnecken fanden, wie sie in größerer Anzahl auch bei dem obengenannten Sfkelett gefunden wurden. Die 5 oberen Schichten von Willendorf nennt Dr. Bayer die „jüngeren Willendorfer Schichten“ und vergleicht sie mit dem Jung-Aurignacien. Schicht 5 zeichnet sich durch eine ungemein reiche Kleinsteingeräte- industrie aus, und ihr seßt er ungefähr die Hauptkulturshi{cht von Aggsbah und von Gobelsburg gleich. Schichten 6 bis 9 find in ihrem Inhalt nicht sehr wesentli verschieden, die 6. ist wahrscheinli gleichaltrig mit dem oberen Niveau von Aggsbah und mit der Löß- station am Tuniberg bei Munzingen in Baden. Diese Bestimmungen führte Dr. Bayer nicht allein nur auf Grund des archäologischen Inhalts und des Befundes der Fauna dur, sondern au auf geologishem Wege. Er fand nämlich, daß die arhäologis gleichartigen Niveaus stets in ‘übereinstimmender Lagerung im Löß angetroffen werden, sodaß ih die Möglichkeit bietet, das Alter typenlofer Lößkulturshichten auf Grund ihrer Einlagerung im Löß in den meisten Fällen unshwer zu bestimmen. Hier ist vor allem Dr. Bayers Beobachtung wichtig, daß die jüngeren Willendorfer Schichten (also das Jung-Aurignacien) im allgemeinen in den obersten, zonenlosen, rein unter Wirkung des Windes abgelagerten Lößabschnitten lagern, während die älteren Willendorfer Schichten (d. i. das ältere Aurignacien) in dem oft von grauwetßen Bändern durzogenen oder geschichteten, häufig etwas sandigen und unreinen tieferen liegen. Mit diesen bis in alle Einzelheiten genau durchgeführten Unterscheidungen is auch das Schicksal der von Boule-Obermaier be- baupteten, vermeintlichen Magdalénien-Stationen im besiegelt. Wie oben bemerkt, wird N. R. Schmidts Hod;magdalénien yon Munzingen etwa Willendorf - Schicht 6 an Alter gleichzuscßen sein, also ebenso ung-Aurignacien wie Breuils und Obermaiers Alt - Magdalénien von Nggsbach und Gobelsburg. Als die jüngste Kultar im Löß erkannte ‘Dr. Bayer die von Pzredmost, die mit ihrem Alt.Solutréen zeitlih über Willendorf - Schicht 9 hinausreiht. Sie bezeichnet uns demnach die Zeit, in der die Löß- bildung aufhörte. Da die Alt-Solutréen-Kultur com uen den innigen Zusammenhang mit der Willendorfer Aurignacien- ultur erkennen lößt, indem sie deutlich ihre Fortentwicklung darstellt, fo ist damit die gegenwärtig denkbar \chärfste Abgrenzung der Lößbildungszeit ge- wonnen. In diese fallen demna nur das Aurignacien und das Alt- Solutróen, Stufen, welche bisher nirgends in nachetszeit- lier Lagerung angetroffen wurden. E liegt somit fein vor, dem L ein postglaziales Alter zuzuschreiben. Nielmehr müssen wir sowohl vom geologishen als au nunmehr vom ardäxlogishen Gesichtspunkte aus ihn der letzten Zwischeneiszeit eingliedern und das bereits außer dem Löß liegende Jung-Solutröen etwa dem Maximum der Würm- (legten) Eiszeit gleihseßen. Aber es gibt, wie beispielsweise das Profil von Achenheim lehrt, auch einen älteren Wß, auf dessen starker, an der Basis des jüngeren Loß gelegenen Nerlehmungs8zone zusammen mit der Moufiérienkultur eine arktische Kleinfauna gefunden wurde, wel@e unter Festhaltung der Annahme von der Stellung des jüngeren Löß in der leßten Zwischeneiszeit nur als ein Rest, als ein Ausdruck der Tierwelt der Riß (vorleßten) -Giszeit gedeutet werden kann. Auf der Verlehmungszone des älteren Löß aber finden fh auch häufig Knowenlager, die indessen aus\ließlih aus den Resten einer arkto-alpinen Fauna bestehen, wie sie ohne Unterbrechung weiter hinauf auch im jüngeren gefunden wird. Doch sucht man bier vergebens die warme Fauna Pends, welche s zwischen dem älteren und dem jüngeren ihren Plaß haben müßte. Dieser Umstand gibt dem Vortragenden Anlaß, die warme Fauna und Flora aus der leßten Zwischen- eiszeit vollständig auszuschalten. Folgerihtig verweist er dem-

emäß auch die von Penck in die leyte Zwischeneiszeit und in das genal au@ eingeordnete Station von Biubad in das Chelléen, also

in die Mindel-Riß (mittlere) -Zwischeneiszeit, was auch durch ihre geologische Lage bestätigt wird. Für Mentone mochte mit Rüeksicht qul dessen Lage der Redner glauben, daß unter Voraussetzung ähn- licher Kleinzonen wie heute, dort die alte warme Fauna mit Moustérien in der leßten tatsählich er- seinen könnte. Natürlih mußte der Vortragende nah diesen Ausführungen aud zu den warmen Zwischeneiszeit- ablagerungen in den Alpen Stellung nehmen, die er sämtlich entgegen Penck in die vorleßte (mittlere) Zwischeneigzeit verweist. Redner - rihtet an den Meister der Glazialforshung die Bitte, jene alpinen Ablagerungen nohmals auf ihr Alter hin zu untersuhen. Nach Dr. Bayers Meinung lebte demnach die arkto-alpine Fauna ununter- brochen vor der Riß (vorleßzten)-Eiszeit bis über die Wärme (leßpte)- Eiszeit hinaus, wenigstens ia Mitteleuropa. Aber die an ver- schiedenen Orten angetroffenen humosen Lager auf der Ver- lehmungêzone des älteren Lß, die Bildungsverhältnisse der älteren Teile des jüngeren Löß sowie gewisse zwischeneis- zeitlihe Ablagerungen in den Alpen mit gemäßigt kühler Fauna und Flora, die man wohl nunmehr der leßten wischeneiszeit wird urednen müssen (auch Wildkirhli gehöri hierher), veranlassen Dr. ayer, an die Stelle der warmen Waldzeit Pencks eine gemäßigt fühle Waldzeit von niht allzu langer Dauer zu seßen, welche dann, wie der Aufbau des jüngeren Löß lehrt, im Verlauf der leßten SrilWencttie in eine Steppenzeit mit stets zunebmendem kontinentalen Flima überging. Das Acheuléen (die zweitälteste, dem Chelléen folgende Stufe) fand |ch im älteren Löß und gehört wahrscheinli der Zeit kurz vor der Riß Pee Eiszeit an, mit dem Chelléen aber kommt Bayer glei nck in die ungemein lange dauernde Mindel-Riß (vorlette, mittlere) -Zwischeneis8zeit, während welher in Mitteleuropa, wie die Höttinger Breccie lehrt, ein viel milderes Klima herrschte, als gegenwärtig. Gegenüber Wiegers, der ein glaziales Alter des vorsieht und im Zusammenhang damit von einem Gegensaß zwishen Nord und Süd (Deutschland und Oesterreich) spricht, erwiderte der Vortragende, daß der zwischen 2 Kältepolen liege, seine Fauna sei wobl arkfto-alpin, jedoch® ohne arkftishen Einshlag. Andernach sei eine Statton auf dem Löß und ein guter Beweis für die Behauptung des Redners, daß das Magdalénien in einer Zeit lange nah der Bildung des jungen falle. Was übrigens den Gegensaß zwischen Nord und Süd betreffe, so möchte der Redner glauben, daß ein Besuch des Herrn Wiegers in Oesterreich und gemeinschaftlihes Studium im typishen Lößgebiet die strittigen Probleme ficher im Sinne Dr. Bayers [ôsen helfen werde. : Die Rede von Dr. Bayer war mit größter Aufmerksamkeit von der Versammlung angehört worden, _\hon wegen des e saßzes, in dem seine Ueberzeugungen zu bisherigen Annahmen stehen. Größte Ueberrashung aber batte die Stufenfolge der Funde in den 9 Whschichten bereitet wegen des ersihtlichen und selten in gleidem Maße augenfälligen Fortschritts dieser Leistungen der Diluvialmen en in wahrscheinli zeitlich weit voneinander ge- trennten Epochen. Ganz zuleßt führte Dr. Bayer noch einen Fund vor, der in seiner Art bisher einzig dasteht. Unsere Forscher haben mehr oder weniger künstlerische Leistungen der Diluvialmenschen in \{warzen und bunten Bildern, in Schnitereien und Eingrabungen in Knochen, Geweihen und Stein entdeckt, davon son eingehende Schilderungen geliefert und ansehnlihe Sammlun en angelegt. Immer jedoch waren Gegenstände der Darstellung bestenfalls Tiere. Auch die oberen Willendorfer Schichten enthalten naturgetreue Einrißungen von Tierfiguren, Pferd und Hirsch in Geweih; aber Versuche der Nach- bildung des Menschen fehlten bisher überall. Zwei Funde solcher Art sind jeßt auch im Willendorfer gemacht worden : der eine, wie es scheint, ein tastender und mißlungener Versuch, den Körper eines Kindes plastisch aus dem Kalkstein herauszuarbeiten, cin anderer dagegen, ein wohlgeglückter Versuch, den Kopf und Körper einer Frau in diesem Stein zu bilden, dem mit Recht bereits der Name „die Venus von Willendorf“ gegeben worden ist. Leider konnte Dr. Bayer, dem Auf- bau seines Vortrags entsprehend, nur ganz flüchtig mit dieseni hoch- interessanten Funde bekannt machen, der für seinen besonderen Zweck nur als ein hervorragendes Steinartefakt der Werkzeug- industrie des Aurignacien anzusprehen war. Ihre volle Würdigung wird die „Venus von Willendor]“ demnächst in einer in Norbereitung genommenen Mono raphie von MWillendorf finden, wo dieses unshäßbare Stück in pra tvoller Ausführung auf mehreren Tafeln zur Darstellung gelangen foll. An den Vortrag {loß sih ein sehr reger Meinungsaustausch, woran in erster Stelle sich die beiden Forither beteiligten, an deren Anschauungen Dr. Bayer Kritik geübt hatte. Geheimrat Penck will die Frage des nicht auf- rollen, erklärt aber unter Hinweis auf die wohl zweifellos zwischen- eiszeitlihen Funde von Elephas antiquus in Rixdorf-Neukölln die vom Vortragenden geäußerten Bedenken gegen das Klima der lezten Zwischeneiszeit und die entsprehenden Ablagerungen an den Alpen noch nicht für genügend geklärt. Indessen, so fügte der Redner hinzu, habe er mit den an die Schotter des Inntales ge- fnüpften Folgerungen nur momentan feine Ansichten abgeschlossen und bleibe Grainbewiten durchaus zugänglich. Die von Dr. Bayer mit tiefer Gründlichkeit untersuchte, außerordentli reiche Sichtenfolge von Willendorf erwecke den Eindruck, daß es in Wahrheit während des ungeheuren Zeitraumes der Dilubtalzeit eine allmähliche, kaum unterbrohene Entwicklung des Menschen gegeben habe. Es eröffnen ih der Forschung hier weite Horizoue, die Venusfragmente im Aurignacien aber seien von böchstem Interesse. Dr. Wiegers erklärte sih für niht überzeugt, der alte Gegensaß zwischen Nord und Süd bestehe weiter. In Nord- und Mitteldeutschland haben die Bemühungen, das von Dr. Dayer behandelte Problem zu lôsen, versagt. Daß der „glazialen Ursprunges sei, gehe aus seiner Fauna hervor. Man kennzeichnet die Stufen der Altsteinzeit besser durch die Gis8-- als durch die Zwischen- eiszeiten: Im Mindel, der ältesten von 3 Eiszelten, nehmen Chelléen und Acheuléen ihren Ausgang, das sehr weit auë edehnte Moustérien erstrecke {ih über das Niß, die zweite Eiszeit, hinweg ; Aurignacien, Solutréen und Magdalénien entsprechen Würm-, der leßten Eiszeit. In den Zwischeneiszeiten vollzogen sich die Bildungen und Verwitterungen, die wir an dem ersten und zweiten Geschiebe- mergel und ihren organ nes Chen A s ager bei ihrer -aelmäßigkeit vergeblih in ein System zu vringe1 G M chs D Lic zum zweiten Punkt der Tagesordnung Herr Baertling als Gast und der Landesgeologe Dr. H. Menzel über das Thema: Das geologische Alter des Schädels von Oberhausen und die Auffindung weiterer menschlicher Reste und Artefakte beim Bau des Rhein-Herne-Kanals. Es war ein glüdcklicher Gedanke, die günstige Gelegenheit des Dane dieses Kanals mit seinen häufigen und tiefen Einschnitten an S geeigneten Punkten -zu geologischen Untersuhungen zu verwerten. Ver 36 km lange Kanal beginnt bei Duisburg und s{lie| sich in Harne an den Dortmund-Ems-Kanal an. Auf seinem Wege trifft das nôr “8 Diluvium zusammen mit dem Diluvium aus dem Gebirge. Es entsteht die Frage: Hat man hier das Ergebnis der ältesten, der aweitälleßen oder der jüngsten Vereisung vor #{? Es handelt ih woe um e weite, die jüngste ist ausgeschlossen. Die Landschaft trägt den f - lhiedenen Charakter der zweiten Eiszeit, die Grundmoräne der er g ist durch die folgende teilweise zerstört, der spätere Eis\trom muß le r lange Zeit über jene hinweggegangen fein. Die Nuhr hat ofen ar erst nah der zweiten Ciézeit sich machtvoll den Weg durchs S aue ebabnt, wie ersichtlich ist an der 50 m langen, mittels alluv “s Durhnagung entstandenen Durchbruchstelle. Schwierig ist die it stellung des Laufes der Grundmoränen der zweiten Eiszeit. “Ae bekleidet mit gleihmäßiger Decke Berg und Tal. Von E pâr N Fauna des Gebiets interessiert fast nur der verschiedene Ne tun er Sande an Landschnecket. uweilen begegnet man Sanden von geringer Mächtigkeit mit sehr viel Schnecken und dann wieder starken Schichten von Sand damit angefüllt, aber eîne deutliche Abnahme von unten nach oben zeigend, als ob das bei Cte der oberen Sand- ichten kälter gewordene Klima das Leben der Liere nicht mehr wie tes begünstigt habe. Zumeist sind die diluvtalen Talsande über-

Zwischeneiszeit

lagert von ganz

horizontal gelagerten Alluvialsanden. Der bei

Oberhausen gefundene Schâdel lag 3 m tief.