1892 / 270 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

rihtigen Verhältnisse stchen. So gehen sie neben ver- shwindend kleinen Zahlen in Sawhsen in einer Anstalt bis zu 21,8 Proc., in der Rheinprovinz bis zu 22,7 Proc., in Westpreußen bis zu 265 Proc., in Berlin bis zu 30 Proc., in Westfalen bis zu 32,4 Proc. Allerdings bereiten in den meisten dieser Fälle die örtlihen Verhältnisse der Theilnahme enifernt wohnender Schüler am Turnunterrihte besondere Schwierigkeiten, deren Ueberwindung zu erstreben bleibt.

Für das Turnen im Freien stehen bei 289 Anstalten Turnpläße zur Verfügung, von denen etwa die Hälfte un- mittelbar bei dem Schulhause liegt; bei 207 Anstalten können dazu Schulhöfe benußt werden, deren Größe und Ausstattung freilih mehrfa<h nur die Vornahme einzelner Uebungsarten und Gruppen gestattet. Die Möglichkeit, den Turnunterricht, wie es bei günstigem Wetter in der Regel geschehen soll, im Freien abzuhalten, ist also bei etwa 5 Proc. der Anftalten noh< nicht gewonnen. Die Zahl der Turnhallen hat sih seit dem Jahre 1882 erheblich gehoben; zur Zeit kann bei 472 höheren Lehr- anstalten in einer Halle geturnt werden. Allerdings entsprechen von diesen Hallen niht wenige nur bescheidenen Ansprüchen, manche auch überhaupt niht mehr den gesteigerten Anforde- rungen der neuen Lehrpläne, bei deren Vorschrift, daß jeder Schüler wöchentlih drei Turnstunden haben soll, unter Um- ständen unvermeidlih werden kann, daß die Turnhalle au von zwei Abtheilungen gleichzeitig benußt wird. Von diesen 472 Anstalten haben 309 eigene Turnhallen, und zwar 282 sfsolhe in unmittelbarer Nähe des Schulhauses; dagegen müssen si< 163 in die Benußung der Turnhalle mit anderen Schulen theilen, und bei 128 von ihnen bereitet deren entfernte Lage no< befondere Schwierigkeiten für den gesammten Unterrichtsbetrieb. Bei der kleineren Hälfte der Anstalten, die über eine Turnhalle noch nicht verfügen, wird im Winter in einem anderweitigen ge- schlossenen Raume geturnt; ganz ausfallen. muß aber der Turnunterriht im Winter no< an 26 (meist kleineren) öffent- lichen höheren Schulen, von denen allein 10 auf die Rhein- provinz kommen. Die Zahl der Anstalten ohne Winterturnen belief fich im Jahre 1882 no<h auf etwa 80.

Während an den 522 Anstalten im Sommer d. J. ins- gesammt 5479 getrennt zu unterrihtende Schulklasfen bestan-

den, waren aus den 131206 am Turnen theilnehmenden

Schülern im ganzen 2923 Turnabtheilungen von schr verschie- dener Stärke gebildet, auf die von den besonderen Vor- turnerstunden abgesehen im ganzen 7638 wöchentliche Turn- stunden kamen. Die jeßt vorschriftsmäßigen drei wöchentlichen Turnstunden für alle Schüler waren bercits bei 364 Anstalten eingerichtet, während 158 damit no< im Rückstande waren (vergl. Erläuterungen und Ausführungs- bestimmungen zu den neuen Lehrplänen unter 13). Auch den in den neuen Lehrplänen hinsichtlih der Gestaltung des Turn- unterrichts auf der Unter- und Mittelftufe einerseits und der Zulässigkeit des Riegenturnens auf der Oberstufe andererseits enthaltenen Vorschristen konnte aus äußeren Gründen bisher nur zum theil entsprochen werden; eine gleihmäßige Regelung des Turnbetriebes in dieser Beziehung wird dem nächsten Schuljahre vorzubehalten sein. :

Mit Turnunterricht betraut sind zur Zeit etwa 1240 Lehrer (gegen etwa 870 im Jahre 1882 und 1080 im Jahre 1890); eine ganz genaue Angabe ist deshalb unmögli, weil in größeren Städten mehrfah dieselben Lehrer an mehreren Anstalten Turnunterricht zu ertheilen haben, und so dieselben Personen an verschiedenen Stellen unter den Turnlehrern mitgezählt wurden. Von der Gesammtzahl der Turnunterricht ertheilenden Lehrer waren 1064 Lehrer der Anstalt selbst (674 mit akademischer, 390 mit seminaristisher Bildung), während die übrigen etwa 170 als dem Lehrkörper ni<ht angehörige Hilfskräfte bezeihnet werden. Ein besonderes Zeugniß über ihre Vorbildung für den Turnunterricht, sei es dur< Theil- nahme an cinem Cursus der Turnlehrer-Bildungsanstalt, sei es dur< Ablegung der Turnlehrerprüfung, besißen von den erstgenannten 1064 Lehrern 701, von den leßtgenannten Turn- lehrern etwa st{<s Siecbentel. Die Zahl der akademisch gebildeten Lehrer, die au< Turnunterriht ertheilen, ist im Laufe der Jahre zwar nicht gleihmäßig in den verschiedenen Provinzen, aber im ganzen ret erheblich gestiegen, und obwohl neuerdings wieder infolge der neuen Lehrpläne hier und dort au< Lehrer mit Turnunterricht be- traut worden sind, die cin Turnlehrerzeugniß bisher noch nicht erworben haben, ist doch der Procentsaß solcher von 41,3 Proc. im Jahre 1882 jeßt schon auf 31,1 Proc. zurü>gegangen. Es darf gehofft werden, daß die Einrichtung von halbzährigen Cursen zur Ausbildung von Turnlehrern außer in Berlin auch in Halle, Breslau, Königsberg i. Pr. und Bonn darin noch weitere Fortschritte herbeiführen wird.

Für den Betrieb von Jugendspielen find bei der über- wicgenden Mehrzahl der Anstalten besondere Stunden ange- seßt: nur in den Provinzen Posen, West- und Ostpreußen sind die Anstalten mit derartigen Einrichtungen noh< in der Minderheit. Die Pflege der Jugendspiele if aber an den einzelnen Schulen, was die Zahl der ihr gewidmeten Stunden; die für diese seitens der Schule getroffenen Anordnungen, die Betheiligung der Schüler nah Zahl und Alter u. f. w. an- langt, so verschieden, daß darüber cine zusammenfassende An- e Lo R O nicht möglich ist. Thatsache ist, daß er-

eulicher Weise der hohe Werth der Bewegungsspiele für die Erfrishung und Kräftigung der Jugend immer mehr aner- kannt wird. :

Gelegenheit, das Schwimmen zu erlernen und zu üben, haben die Schüler von 457 Anstalten. Daß Lehrer der Schule selbst den Shwimmunterricht ertheilen, ift freilih ver- hâltnißmäßig selten; wohl aber bestehen bei 73 Anstalten zu den diesem Zwecke dienenden Einrichtungen irgend welche be- stimmte Beziehungen. Für die Schüler von 65 Anstalten ist leider dur die örtlihen Verhältnisse die Möglichkcit, das Schwimmen zu erlernen oder zu üben, ausgeschlossen.

_ Was schließli<h die Vereinigungen von Schülern zur Pflege des Turnens, des Turnspieles und verwandter Leibes- übungen betrifft, so bestehen solhe mchr in den westlichen als in den ostlihen Provinzen. Nah den Angaben, die darüber von den einzelnen Anstalten gemacht worden sind, waren im ganzen 78 Schülerturn- vereine vorhanden, aus deren Mitgliedern meist die Vorturner für das Riegenturnen genommen wurden und die dadur< au für den gesammten Turnbetrieb der betreffenden Anstalt Ee gemacht werden konnten. An 12 Anstalten bestanden Rudervereine, an einigen zwanzig Vereinigungen Dg ega piel, darunter 17 zur Pflege des Fußball- pieles.

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Kaisers Plaß nahm.

Dem Kaiserlihen Gesundheitsamt vom 12. bis 14. November Mittags gemeldete Cholerafälle:

Bei einer zu Kurzebra> (Kr. Marienwerder) am 9. No- vember tödtli<h verlaufenen Erkrankung is Cholera dur bakteriologishe Untersuhung festgestellt worden. Dagegen wurden bei der zu Altona am 8. November verstorbenen Person (,„R.-A.“ Nr. 267) Cholerabacillen niht gefunden.

Der Jnspecteur der 2. Cavallerie - Jnspection, General- Lieutenant von Rosenberg, à la suite des Husaren- Regiments von Zicten (Brandenburgisches) Nr. 3, ist von

aub hierher zurü>gekehrt.

Der Bevollmächtigte zum Bundesrath, Königlih württem- bergishe Oberst und Flügel-Adjutant Freiherr von Watter ist hier angekommen.

Der Königlich serbishe Geschäftsträger am hiesigen Aller- höchsten Hofe Pavlovith hat einen ihm von seiner Regie- rung bewilligten kurzen Urlaub angetreten. Während seiner Abwesenheit von Berlin nimmt der Attaché Jankovit< die laufenden Geschäfte der Gesandtschaft wahr.

__ Der japanische Gesandte am hiesigen Allerhöchsten Hofe Vicomte Aoki is] von Brüssel, wohin er sih behufs Ueber- reihung seines Beglaubigungss<hreibens an Seine Majestät den König der Belgier begeben hatte, nah Berlin zurückgekehrt und hat die Geschäfte der Gesandtschaft wieder übernommen.

Der neuecrnannte Regierungs-Assessor von Volkmann aus Lüneburg ist bis auf weiteres dem Landrath des Kreises Kalbe, Regicrungsbezirk Magdeburg, zur Hilfeleistung zuge- theilt worden.

S. M. Kreuzer „Habicht“, Commandant Corvetten- Capitän Heßner, ist am 12. d. M. in Plymouth eingetroffen a beabsichtigt, am 15. desselben Monats die Heimreise fort- zujeßen.

Bayern.

tünchen, 13. November. Seine Majestät der König von Rumänien und Seine Königliche Hoheit der Fürst von Hohenzollern sind, wie „W. T. B.“ meldet, heute früh 8/4 Uhr aus Neuwied hier cingetroffen und im Hotel „ZU den vier Jahreszeiten“ abgestiegen. Am Bahnhofe waren der Prinz Ferdinand von Rumänien und der Prinz Alfred von Edinburg zum Empfange anwesend. Der Prinz Ferdinand reiste Mittags nah Wien weiter. Schwarzburg-Sondershausen.

Sondershausen, 12. November. Jhre Hoheiten der Herzog und die Herzogin von Anhalt sind mit der Prinzessin Alexandra gestern Abend zu mehrtägigem Besuch hier eingetroffen. |

Bremen.

Bremen, 12. November. Die Steucerdeputation der Bürgerschaft hat nah der „Wes. Ztg.“ einen Bericht nebst Geseßentwurf eingereiht, dessen Zwe> es ist, bei der Einkommensteuer in gewissen Rechtsfragen dem Privat- mann die Möglichkeit des Rehtsweges zu eröffnen. Gegen die thatsählihen Entscheidungen der Steuerbchörden soll jedo auch in Zukunft keine Berufung an die Gerichte stattfinden.

Oesterreich-Ungarn.

Der Großfürst-Thronfolger von Nußland ist am Sonnabend Abend 8 Uhr 45 Minuten in Wien eingetroffen und wurde am S K vom Kaiser, den Erzherzogen Carl Ludwig, Franz Ferdinand, Wilhelm jämmtlich in russisher Uniform und mit russishen Orden ferner den Se oge Friedrich, Rainer, Joseph Augustin sowie dem Prinzen von Schaumburg-Lippe empfangen. Außerdem waren der russishe Botschafter, die Mit- glieder der russishen Botschaft, der österreichish-ungarische Botschafter in St. Petersburg Graf von Wolkenstein-Trostburg, die zum Ehrendienst befohlenen Offiziere, der Corps-Comman- dant, der Statthalter von Nieder-Desterreih und der Polizei- Präsident auf dem Bahnhof anwesend. Auf dem Bahnîteig war eine Ehrencompagnie mit Fahne und Musik aufgestellt, die bei der Einfahrt des Großfürsten die russishe National- hymne spielte. Der Kaiser begrüßte den Großfürsten-Thron- folger, der die österreichische Uniform trug, aufs herzlihste. Der Czarewitsh reichte den Erzherzogen die Hand und fuhr sodann mit dem Kaiser in die Hofburg. Die vor dem Bahn- hof angesammelte große Volksmenge begrüßte den Kaiser und seinen hohen Gast aufs lebhafteste. Zur Aufwartung bei dem Großfürsten waren der Minister des Aeußern "Graf Kálnoky und die obersten Hofchargen in die Hof- burg befohlen. Gestern Vormittag legte der Großfürst in der Gruft der Kapuzinerkirhe cinen Kranz am Sarge des Kronprinzen Rudolph nieder, wohnte daun der Messe in der Kapelle der russischen Botschaft bei und stattete dem Kaiser in der Hofburg cinen Besu ab. Diesen erwiderte der Kaiser alsbald und geleitcte den Großfürsten hierauf in die Gemächer der Kaiserin. Später begab si der Großfürst zum Erzherzog Carl Ludwig, bei dem im engsten Familienkreise cin Déjeuner stattfand. Der Großfürst gab sodann in den Palais der übrigen Erzherzoge sowie in der Hofburg für die Kronprinzessin-Wittwe Stephanie Karten ab. Die Botschafter und Gesandten der auswärtigen Mächte erschicnen in der Hofburg, um daselbst Karten für den Großfürsten - Thronfolger zurü>zulassen. Bald nah 3 Uhr empfing der Großfürst den Minister des Auswärtigen Grafen Kálnoty, der nahezu eine Stunde bei ihm verweilte. Dem darauf folgenden Festmahl in der Hofburg wohnten der Kaiser und die Kaiserin, der Großfürst-Thronfolger, die in Wien anwesenden Erzherzoge und Erzherzoginnen, der russishe Botschafter Fürst Lobanow - Nostowsfy mit den übrigen Mitgliedern der Botschaft, die gemeinsamen Minister, der Minister-Präsident Graf Taaffe, der Minister Freiherr von Fejervary, Freiherr von Sterne>, der österreihishe Bot- schafter beim russishen Hofe Graf Wolkenstein und andere ervorragende Persönlichkeiten bei. Nach dem Diner begaben

< der Kaiscr und der Großfürst-Thronfolger in die Oper, woselbst lehterer in der Hofloge an der rechten Seite des

( __ Auch die Erzherzoge. Carl Ludwig, Franz Ferdinand, Wilhelm, Rainer, Joseph Augustin und die

Erzherzogin Maria Theresia wohnten der Vorstellung bei. < Schluß der Oper fuhren die hohen Herrschaften unter lebhaften Urnen des Publikums direct na< dem Nordbahnhof.

r Großfürst - Thronfolger verabschiedete si< dort auf das herzlichste von dem Kaiser und trat die Rü>reise an. Der russishe Botschafter Fürst Lobanow-Rostowsky und das Personal der russischen Botschaft hatten sih zur Verabschiedung auf dem Bahnhof eingefunden.

Die Wiener Zeitungen: widmen dem Besuch des Großfürsten - Thronfolgers sehr sympathishe Artikel. So schreibt die „Wiener Abendpost“ :

„Die engen freundschaftlihen Beziehungen, die seit jeher zwischen den erlauchten entenhäusern Habsburg und Romanow be- star den haben und fortdauernd bestehen, bringen es mit si<, daß man den Besuch des dem russischen Kaiserhause so nabestehenden erlauchten Prinzen mit allseitiger berzliher Theilnahme begrüßt. Man erbli>t in demfelben einen neuen Beweis des heizlihen Verhältnisses zwischen beiden Kaiserlihen Höfen, welches jüngst in den Ausführungen des Ministers Kälnoky in den beiden Delkegätionen einen so beredten Aus- dru> gefunden hat. *

Das „Fremdenblatt“ sagt:

„Dieser Besuch, den der Thronerbe des mächtigen Nachbarstaats abstattet. ist ein Beweis der freundschaftlihen Beziehungen, die zwischen den beiden Höfen bestehen Beziehungen, deren Werth für das Ver- bâltniß der zwei Reiche zu einander, angesihts der großen Bedeutung, die sowobl in Oesterreih-Ungarn wie in Rußland tem Monarchen im politischen Leben zukommt, sicherlih sehr ho< angeschlagen werden muß. In der That begegnen \si< die beiden Lee in dem festen Wunsche, ihren Völfern wie ganz Europa den Frieden zu erhalten. Man vershkließt si< in St. Petersburg, wie wir boffen, niht der Erkenntniß, daß dieses die einzige Aufgabe des Dreibundes ift, der, nur zu Vertheidigungs- zwe>en geschaffen, niemanden bedroht, daher seine Mitglieder dur nichts gehindert sind, mit den außenflehenden Mächten aufrichtig gute Beziehungen zu pflegen. Die Bestrebungen Oefsterreih-Ungarns in diefer Nichtung scheinen in Rußland volles Verständniß zu finden, und au<h dafür darf man wohl als ein Anzeichen das Erscheinen des Gtoßfürst-Thronfolgers anführen, der niht nür an unserem Hofe der herzlichsten Theilnahme gewiß ist, sondern dessen Besuh mit Genug- thuung au von der gesammten Bevölkerung begrüßt werden wird.“

._ Ueber die endgültige Bildung des neuen ungarischen Ministeriums liegen nähere Nachrichten bis jeßt nicht vor. Der Minister-Präsident Dr. Wekerle wurde, als er am Freitag Abend im Club der liberalen Partei in Budapest erschien, von den dort versammelten Abgeordneten mit lang- anhaltenden, begeisterten Eljenrufen empfangen. Wie es heißt, hätten si< von den bisherigen Mitgliedern des. Ministeriums die Minister Graf Csaky, von Szilagyi, Lukacs und Freiherr von Fejervary bercit erklärt, ihre Portefeuilles zu behalten.

Die Wahl des Domherrn Dr. Kohn zum Fürst-Erzbischof von Olmüg ist vom Kaiser bestätigt worden.

In der am Sonnabend abgehaltenen Sißung des öster- reihishen Abgeordnetenhauses legte der Unterrichts- Minister Dr. Frhr. von Gautsch, in Beantwortung ciner Interpellation des Grafen Hohenwart wegen des Erlasses des Wiener Bezirksshulraths über das Schul- gebet der fkatholishen Kinder resp. das Kreuzzeichen, den Sachverhalt und die Entstehung der instanzenmäßigen Be- handiung dieses Erlasses dar und hob hervor, die Erledigung des Landesschulraths betreffs des Beschlusses des Bezirksschui- raths habe auf einer irrthümlihen und unrichtigen Geschäftsbehandlung beruht, die von der Statthalterei entde>t worden sei und unverzüglih die nöthige Correctur erfahren habe. Der Minister behielt sih vor, in dem weiteren Stadium der Angelegenheit das dem Ministerium zustehende Aufsichtsreht geltend zu machen; er werde keine Verfügung zulassen, welche die religiösen Gefühle der katholishen Be- völkerung verleße. Jm weiteren Verlauf der Sißzung nahm das Haus den Antrag des Ausschusses an, worin die Regierung E wird, die tehnishen Vor- arbeiten zur Herstellung eines Donau-Moldau-Elbe- Kanals mit thunlihster Beschleunigung vornehmen zu lassen und die entsprechenden Geldmittel in den Staatsvoranschlag cinzustellen. Mehrere Petitionen auf Regulirung der Elbe wurden der Regierung zur eingehendsten Würoigung und Be- rücsihtigung empfohlen.

Großbritannien und JFrland.

__ Nach einer Meldung des „Reutershen Bureaus“ wird im Auswärtigen Amt ebenso wie im Bureau der British-Ostafrikanischen Gesellschaft erklärt, daß die Meldung, das englishe Cabinet habe beschlossen, U ganda nicht zu räumen (siehe Nr. 269 des „RN.- u. St.-A.*), jeg- lihen amtlichen Charakters entbehre. Die Gesellschaft habe a der Regierung keinerlei Mittheilung wegen Ugandas er- alten.

Frankreich. Der Präsident der Republik, Carnot, und die Gro ß- fürsten Wladimir und Alexis von Rußland begaben 1h, wie „W. T. B.“ berichtet, gestern Vormittag zur Jagd Se und kehrten! Nachmittags nah Paris wieder zurü.

._ Nach amtlicher Bekanntmachung ist der bisherige Secretär bei der französishen Botschaft inj Bern Graf de Kergolay an Stelle des Grafen d’'Héricourt zum Konsul in Stutt- gart ernannt worden. Graf d’Héricourt ist als Geschäftsträger nah Bogota verseßt worden.

An Stelle des zurückgetretenen monarchistishen Deputirten Marquis de Breteuil ist gestern der gemäßigte Republikaner Alicot im Departement Hautes-Pyrénées gewählt worden.

Zn der Deputirtenkammer beantragte am Sonnabend der Generalberichterstatter für das Budget Poincarré, die Berathung über den Geseßentwurf wegen der Abände- rung der . Getränkesteuer zu vertagen, da die Budgetcommission keine Hilfsmittel ausfindig gemacht habe, um den Ausfall, der aus der am Donnerstag beschlossenen Aufhebung der Steuern entstehen müsse, zu deen. Die Kammer lchnte den Antrag mit 338 gegen 205 Stimmen ab und beschloß nah einer sehr verworrenen Debatte, den Antrag des Deputirten Turrel, diese Verluste hauptsächlich dur eine Alkohol-Zuschlagssteuer zu erseßen, in der heutigen Sizung in Berathung zu nehmen. Sodann brachte der Deputirte Pontois (Boulangist) einen Antrag ein wegen Aufhebung des Vorrehts der Großwürdenträger der Ehren- legion, die von einfachen Privatpersonen nicht vor den ordent- lichen Gerichten belangt werden fönnen ;: Pontois verlangte außerdem die Dringlichkeit für seinen Antrag. Un- geachtet der Eiflärungen des Justiz-Ministers Ricard, der betonte, daß der Antrag feine rü>wirkende Kraft haben fönne, wurde die Dringlichkeit mit 390 gegen

selbe Ziel auch.

137 Stimmen beschlossen. Nachdem hierauf die Kammer den Antrag Pontois' auf Eintreten in eine sofortige Berathung

“mit 357 gegen 117 Stimmen genchmigt hatte, wurde der

Anirag mit 519 gegen eine Stimme angenommen.

Die wegen der Erplosion in der Rue des Bons Enfants G Untersuchung hat bis jeßt zu keinem Er- gebniß fart, Die bei dem Kürschner Raabe beschlag- nahmten Flaschen enthiclten keinen Explosivstoff.

Der kürzlich begnadigte Socialist Cu line ist in Roubairx neuerdings zum Bezirks-Rath gewählt worden, nahdem seine erste Wahl für nichtig erklärt worden war.

In Tunis soll ih Pariser Blättern zufolge neuerdings eine lebhafte, gegen Frankreih gerichtete Agitation bemerkbar machen. Die arabishe Ausgabe des „Messager tunifien“ und zahlreihe Flugblätter suchten die länd- liche Bevölkerung gegen das französishe Protectorat und die in Tunis angesiedelten französishen Colonisten aufzu- reizen. Der Minister des. Auswärtigen Ribot habe den fran- zöstshen Geschäftsträger in Tunis angewiesen, solhe Kund- gebungen zu untersagen.

Der „Petit Marseillais“ hatic die Mittheilung gebracht, daß drei Deutsche und ein Belgier in Dahomey ge- fangen genommen und auf Befehl des Obersten Dodds er- schossen worden wären. Jeßt ist den Zeitungen cine Notiz zugestellt worden, in der betont wird, daß die Meldung der Blätter, be- treffend die Ershicßung von vier Europäern in Dahomey, mit Vorsicht aufzunehmen sei. Das Marine-Ministerium habe weder vom Obersten Dodds no<h von dem Gouverneur Ballot eine hicrauf bezügliche Nachricht erhalten.

Der gestrige „Figaro“ spricht von den dem König von Dahomey A Friedensbedingungen und bezeichnet als solhe den Verzicht des Königs auf fein bis- heriges Küstengebiet, die Einseßung französisher Residenten in Abomey und Kana sowie die Beseßung diescr Orte mit französishen Garnisonen, die Secielluna ‘einer Heeresstraße von der Küste nah dem Jnnern und endlih Ab- schaffung der Menschenopfer. Da die europäishen Truppen in Dahomey vom Fieber stark gelitten haben, so sollen dem „Temps“ zufolge am 25. d. M. mehrere Handelsschiffe mit Ersattruppen dorthin abgehen und die bisherigen Expedi- tionstruppen nah deren Ankunft nah Europa zurü>kehren.

Jtalien.

Von den gestrigen 60 Stichwahlen zur Deputirten- fammer sind bis jeßt 52 dem Ergebniß nah bekannt. Gewählt find nah einer Meldung des „W. T. B.“ 39 ministerielle und 13 oppositionelle Deputirte: Bonghi is wiederum unterlegen. Wie der „Magd. Ztg.“ telegraphirt wird, würde das Parlament am 20. No- vember * zusammentreten. Der Justiz - Minister Bonacci sei zum Präsidenten der Kammer auserschen: seine Stelle werde der Führer der gemäßigten Radicalen Forbis einnehmen, sodaß Bann alle Gruppen der Linken im Ministerium vertreten sein würden.

Der ehemalige Kriegs-Minister gestern früh in Turin gestorben.

Portugal.

Nach einer in Paris eingetroffenen Meldung aus Lissa- bon wäre es wahrscheinli<h, daß eine Umgestaltung des Ministeriums dur< Aufnahme mchrerer der conservativen Partei angehöriger Mitglieder no< vor Eröffnung der Cortes stattfinde. Wie es heißt, würden die gegenwärtigen Minister für Marine, Colonien und Krieg ihre Portefeuilles abgeben.

Schweiz. __ Nah einem Telegramme der „N. 2: Z.“ aus Bern hat sich Rumänien bereit erklärt, unter Anwendung der Meist- begünstigungsclausel mit der Schweiz in Handelsvertrags- verhandlungen einzutreten.

Belgien.

Gestern fand in Mons, wie „W. T. B.“ berichtet, eine von den Arbeitervereinigungen des Borinage veranstaltete Kundgebung zu Gunsten des allgemeinen Stimm- rehts statt. Der aus mehreren tausend Personen bestehende Fug nahm in voller Ordnung seinen Weg durch die Stadt. Nach der Kundgebung wurde ein Mafsenmecting abgehalten, an dem mehrere Deputirte, Anhänger des allgemeinen Stimm- rechts, theilnahmen, die von den Manifestanten eine Adresse zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts erhalten hatten. Es wurden mehrere Reden gehalten. Ein Zwischenfall ist nicht vorgekommen.

Bertole Viale ist

Türkei.

Der neuernannte deutsche Botschafter bei der Pforte Fürst von Radolin hat am Sonnabend dem Sultan in feierliher Audienz sein Beglaubigungsschreiben überreicht. Der Botschafter, das Personal der deutschen Botschaft und des deutschen Konsulats, sowie der Commandant und die Offiziere des in Konstantinopel liegenden Stationsfahrzeugs „Loreley“ wurden in Hofwagen nach dem Yildiz-Kiosk gebraht. An der Spize wie am Ende des Wagenzugs ritt eine Cavallerie- Escorte. Jm Yildiz-Kiosk empfing der Sultan, umgeben von dem Großvezier und dem Minister des Auswärtigen Said Pascha, seinem militärishen Gefolge und dem Hofstaat, den Botschafter. Die Ansprache des Fürsten Radolin und die Antwort des Sultans bekundeten, wie „W. T. B.“ berichtet, das freundschaftlihe Verhältniß, das zwishen Deutschland und der Türkei besteht. Nach dem officicllen Empfangsact und der Vorstellung des beiderseitigen Gefolges empfing der Sultan den Fürsten Radolin in einer Privataudienz, die einen überaus herzlihen Charakter trug. Vom Yildiz- Kiosk begab si<h der Botschafter nebst Gefolge nah der hohen Pforte, um dem Großvezier und dem Minister des Auswärtigen einen Besuch abzustatten, den diese im Laufe des Tages im Botschafterpalais erwiderten.

Griechenland.

Nach neueren Nachrichten hat die griechische Regie- rung in ihrer in der Zappa-Angelegenheit an die Mächte gerichteten Note deren Vermittelung gewünscht. „W. T. B.“ meldet nämlich, die Note schließe, nah einer ge-

chichtlichen Darstellung des Sachverhalts, mit dem Bemerken, daß Griechenland den Auffassungen und Wünschen der Groß- mäte zu entsprechen glaube, wenn es deren Vermittelung an- rufe, um die Meinungsverschiedenheit zwischen Griechenland und Rumänien zu einer freundschaftlihen Lösung zu bringen.

, Vulgarien. Die Ausstellung in Philippopel is gestern ge-

schlossen worden. Sämmtliche Minister, die Mitglieder

der Sobranje missariats wohnten der

und der Secretär des türkishen Com- Feierlichkeit bei. Der Prinz Ferdinand von Coburg hielt lgut Meldung des v: S. D. U Me. Wor ex METVOTHOD, die Ausstellung habe den hohen Grad der Ausbildung des bulgaris<hen Volkes bewiesen: es sei zu wünschen, daß das Vaterland auch künftighin solche glänzenden und fried- lichen Siege gewinne. Dem auf die Schlußfeierlichkeit folgenden Bankett wohnten der Prinz E, die Prinzessin Clemen- tine und die diplomatischen Vertreter bei. Der Prinz brachte dabei cinen Toast auf das bulgarische Volk, Stambulow cinen Toaît auf den Prinzen, der Metropolit von Philippopel einen solhen auf die Prinzessin Clementine aus. Die Veteranen aus dem leßten rufsish-türkishen Kriege brahten dem Prinzen Ferdinand und Stambulow Ovationen dar. :

Schweden und Norwegen. j

(F) Nah dem Bericht dés" Staatscomptoirs betrugen die Staatseinnahmen in den ersten zehn Monaten dieses Jahres: Zölle 31 930315 Kronen gegen 32428012 Kronen, Branntweinsteuer 11525399 Kronen, gegen 10711 315 Kronen, Rübenzu>ersteuer 1 110 855 Kronen gegen 1011 736 Kronen, Staatseisenbahnen 4 900 000 Kronen gegen 5 209 000 Kronen, oder zusammen 49 466 569 Kronen gegen 49 351 063 Kronen in der gleichen Zeit des Vorjahres.

In mehreren größeren Städten Schwedens sollen Vor- lesungen über militärishe Fragen gehalten werden. Die erjte Vorlesung hielt am 10. d. M. Capitän Jungstedt in Upsala über das Thema: „Die Kriegführung der Gegenwart mit besonderer Beziehung auf eincn Krieg in Schweden.“ Die Vorlesung behandelte die Bedeutung der Festungen für die Kriegführung, die Feld- und Seebefestigungen, die Operations- und Sperrfestungen, die befestigten Städte, die Vorraths- festungen und den Bedarf an Festungen für die Vertheidigung Schwedens. Die Zuhörer, die den größten Hörsaal der Uni- versität gedrängt füllten, zollien dem Vortrag lehaften Beifall.

Amerika.

Die Meldung New-Yorker Blätter von einer Revolu- tion in dem brasiltianishen Staate Rio Grande (siehe Nr. 263 des „N.- u? St.-A.“) ist nah einem aus Rio de Janeiro in Paris eingetroffenen Telegramm vollständig unbegründet.

Afrika.

Dem „Reuter schen Bureau“ wird aus Fez vom 7. d. M. gemeldct, der Sultan von Marokko sei sehr unzufrieden Uber die französishe Special-Gesandtschaft; er habe den mit dem franzoöosishen Gesandien Grafen d’Aubigny ab- geshlossenen mündlichen Vertrag für nichtig erklärt und dem Grafen d’Aubigny mittheilen lassen, er könne gegenwärtig niht weiter mit ihm unterhandeln. :

Parlamentarische- Nachrichten.

Die Präsidien beider Häuser des Landtags wurden heute Mittag 12 Uhr im s Königlichen Schlosse von Seiner Malellät dem Kalsér und König empfangen. ‘Vom Hause der Abgeordneten waren die Herren von Köller, Freiherr von Heereman und von Benda, vom Herrenhause die Vice-Präsidenten Freiherr von Manteuffel und Ober-Bürgermeister Bötticher-Magdeburg erschienen, der Herzog von Ratibor no<h dur Krankheit ans Zimmer gefesselt ist. Unmittelbar nah der Audienz bei Seiner Majestät wurden die Herren au<h von Jhrer Majestät der Katserin und Königin empfangen.

Kunst und Wissenschaft.

Ueber die am Sonnabend Nachmittag für den am 5. Mai heimgegangenen Geheimen Regierungs-Rath Professor A. W. von Hofmann von der Deutschen Chemischen Gesellschaft im Besisaci des Berliner Rathhauses veranstaltete Gedächtnißfeier erichtet die „N. A. Z.“: Der mächtige Naum, der in strablender Beleuchtung erglänzte, trug ernsten Schmu>: hinter der Tribüne stand die Schaper’]<he Büste des Verewigten. Der Staatsfecretär Dr. von Boetticher, die Staats-Minister Freiherr von Berlepsh und Dr. Bosse, zahlreiche Professoren .der hiesigen und auswärtiger Universitäten wohnten der Feier bei. Die Concertvereinigung des Königlichen Domchors eröffnete den Gedenkact mit dem „Requiem aeternam“ von Nicolo JIomelli. Dann nahm der Vorsitzende, Ge- heime Regierungs-Rath, Professor Dr. Landolt das Wort. Er er- innerte daran, daß man gehofft hatte, in festliherer Stimmung das Jubiläum der Gefellschaft zu feiern und den Tribut der Dankbarkeit dem nunmehr daßtingeschiedenen Präsidenten darzubringen. Hierauf verlas Redner ein vom Obkerhofmeister Grafen von Se>endorff im Auftrag Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich übersandtes Sthuiben, in dem es heißt: „Ihre Majestät bedauert lebhaft, der Gedächtnißfeier wegen Abwesenheit von der Heimath nicht beiwohnen zu können, umsomehr, als es Allerhöchstderselben eine besondere Freude und Genugthuung bereitet haben würde, theil zu nehmen an einer Vereinigung von Verehrern des zu früh ent- shlafenen Meisters der Wissenschaft, dem Ihre Majestät als Schülerin dur eine lange Reibe von Jahren hindur< Bewunderung und Dankbarkeit zollte, die dem Heimgegangenen zu bewahren Ihrer Majestät stets eine angenehme Pflicht sein wird.“ Auch der Reichs- kanzler Graf von Caprivi hatte scin Ausbleiben mit anerkennenden Worten für den Heimgegangenen entschuldigt. Nachdem Professor Wichelhaus ein Bild der Entwi>elung der Deutschen Chemischen Gesellschaft gegeben hatte, widmete Professor Dr. Ferd. Tiemann dem heimgegangenen A. W. von Hofmann eine Gedenkrede, in der er ibn feierte als Mann der Wissenschaft, als anregenden Lehrer, als geist- vollen Schriftsteller, dessen Arbeitskraft die anderer Sterblicher weit über- ragte und dessen Thätigkeit als Forscher sich über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren erstre>te. Der Chor trug sodann den altshottischen Choral „Das Leben welkt wie Gras“ vor, worauf. Professor Jos. Wislicenus-Leipzig das Wort nahm, um der wichtigsten <emischen Errungenschaften des leßten Vierteljahrhunderts zu gedenken, während endlih in einem furzen Sc<lußwort- Geheimer Rath Landolt der Hoffnung Ausdru> gab, daß na< abermals 25 Jahren“ eine gleich warme Theilnahme für die Gesellschaft si< e machen möge, wie diesmal. Mit der achtstimmigen otette von Reichardt „Sei getrcu bis in den Tod® s<loß die Feier. Aus Anlaß der leßteren waren zahlreihe Schreiben und Tele- gramme eingegangen. Die Chemical Socïety in Yondon sandte eine Adresse, die Faculté des sciences de Paris dur: Prof. Friedel ein längeres Schreiben, die russische <hemis<he Gesellshaft zu St. Petersburg ein in russisher und deutscher Sprache gehaltenes Anschreiben. Aus Charkow, aus Helsingfors, aus Genf lagen Tele- aramme vor, den Gefühlen der Münchener Universität gab der Rector Ad. Bayer in einem Telegramm Ausdru>. Auch die Münchener chemische Gesellschaft, die <hemishe Gesellshaft zu Frankfurt, die Chemifer Heidelbergs u. a. hatten Telegramme gesandt.

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Der Verein für deutshes Kunstgewerbe feierte am Sonnabend in den Germania-Festsälen mit dem 15. Stiftungsfest die Weihe seines neuen Banners. Eine zahlreiche Festversammlung wohnte der Feier bei, voran der Minister für Handel und Gewerbe reiherr von Berlepsh; für die Stadt Berlin hatte sih Stadtrath NRöstel, für das Kunstgewerbe-Museum Professor Lessing, für die Technische Hochshule der Geheime Regierungs - Rath, Professor Reuleaux, für die Königlihe Kunstshule Professor Ewald ein- gefunden. Der Verein Ornament, die Vorstände der Innungen der Gold- s\<miede, der Tischler, der Tapezierer, der Maler, der Glaser, der Buh- binder, der Strumpf- und Seidenwirker und der S(hlosser waren mit den Fahnen und Bannern erschienen. Nach einer von der Finsterbusch {hen Kapelle auëgeführten Festouverture trat die Hofschauspielerin Fräulein Julie Abich vor, um in einem poetischen Prolog das deutsche Handwerk zu feiern, das die s{hwielige Rechte der Kunst gereiht und in ihr, treu

- dem Geiste seiner großen Ahnen, neue Kraft gefunden, die zu dem

Guten das Schône gepgart und die Werke der Hand über das Gemeine emporgehoben. An T Prolog {los 1i< kmittelbar die Darstellung lebender Bilderfriese. Danah wurde das neue Banner von Dr. Julius Lessing begrüßt als ein Symbol der Vereinigung, das das Kunsthandwerk gemahnen solle, den Forderungen der neuen Zeit sih gewachsen zu zeigen, die fräftigen Keime der Kunst alter Zeit aufzunehmen und zu .neuem Leben zu ge- stalten. Der Feéstredner übergab sodann das neue Banner dem Vor- stand, in defsen Auftrag es der Geheime Hofrath Schröer übernahm. Mit einem Hoh auf Seine Majestät den Kaliser {loß der Weiheact.

Die Sonderausstellung von Werken des norwegischen Malers Munch im Verein Berliner Künstler i na< einem in der Generalversammlung des Vereins am 12. d. M. mit 120 gegen 105 Stimmen gefaßten Bes{luß ges{lofsen worden.

Auf deni Heiligen Land* bei Shönholz, einer Stelle der Feldmark Reini>endorf, die mit denen von Schönholz und Rosenthal zusammenstößt und schon seit vielen Jahren dur die gefundenen vor- ges<ichtlihen Ueberreste (altgermanishe Gräber) bekannt ift, lind, wie der „Voss. Z.“ mitgetheilt wird, bei weiteren Nach- grabungen von einem Pfleger des Märkishen Museums wieder einige Graburnen zu Tage gefördert worden. Beîi einer von diefen Urnen fand sih ein j<öner flaher Bronzering mit tief blaugrünem Edelrost und fehr feiner Strichverzierung, der auf einen starken Daumen paßt; cine Bruchflächhe und zwei darin ein- gebohrte Löcher deuten aber an, daß es ursprünglih ein Armring ge- wesen ist, der mittels Haken und Oese an den Enden verschließbar war. Das Oefenende muß dann wobl abgebrochen sein, und man hat darauf die beiden Löcher roh eingebohrt, in die der Haken paßt; daraus ist dann ein no< brauhbarer Fingerring geworden.

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Gesundheit8wesen, Thierkrankheiten und Absperrungë®- Maßregeln.

: Cholera.

Pest, 13. November. Von Freitag Abend 6 Uhr bis Sonn- abend Abend 6 Uhr sind hier zehn Personen an Cholera erkrankt und zwei gestorben; von gestern Abend 6. Uhr bis beute Abend 6 Uhr er- krankten fünf und starben drei Personen.

Amsterdam, 13. November. Aus Leeuwarden wird ein Cholera-Todesfall gemeldet. Die Meldung von einem hier vorge- fommenen Cholera-Todesfall beruht auf einem Irrthum; der Fall betrifft den Ort Wourden, wo im Lufe der vergangenen Woche drei Todesfälle an Cholera vorkamen.

Lüttich, 14. November. Hier sind zwei neue Cholerafälle gemeldet. E

i: Italien.

Durch seesanitätspolizeiliche Verordnung vom 11. November 1892 find die Quarantänevorschriften vom 31. August und 14. Oktober 1892 aufgehoben (vergl. „Reichs-Anzeiger“ Nr. 216 und 251 vom 13. September und 22. Oktober 1892). Doch bleibt die im ersten italienishen Ankunftshafen zu bewirkende ärztlihe Untersuhung und“ die Desinficirung shmußiger Gegenstände aufre<t erhalten für alle Provenienzen aus franzöfischen, belgishen, bolländishen und öster- reichish: ungarischen Häfen sowie aus den deutschen Häfen der Nordsee eins{ließli< Hamburg und den russis<hen Häfen der Ostsee.

' f Spanien.

Zufolge Königlih spanischer Ministerialverordnung vom 8. No- vember 1892 werden Provenienzen aus Rotterdam, wel<he nah dem 7. desfelben Monats abgegangen sind, in den spanischen Häfen frei zugelassen, wenn dieselben mit reinem, vom spanischen Konsul visirten Gesundheitspaß und mit guten hygienishen Verbältnissen an Bord einlaufen. Die in der Verordnung vom 29. Oktober 1886 aufgeführten Waaren, welhe während der Epidemie in Rotterdam gelagert haben, werden ebenfalls frei zugelaîsen werden.

7 Niederlande.

Das gegen Hamburg, Altona und die Elbplätze unter - halb Wittenberge erlassene Ein- und Durchfuhrverbot, welches na< mehrfacher Einschränkung no< in Bezug auf unbearbeitete Wolle und Haare, Häute, Pelzwerk, fris<e Früchte und Gemüse, Butter und Buttersurrogate, Milch, Käse, Hülsen von Getreidefrüchten und Seilecrwaaren (mit Einshluß von Tauwerk) in Kraft stand, is zu- folge Ministerialverfügung vom 11. November 1892 vom 14. d. M. ab aufgehoben. :

Das gegen ganz Deutschland erlassene niederländishe Ein- und Durchfuhrverbot für Lumpen, gebrauchte Kleidungsstü>e und un- gewaschene Leib- und Bettwäsche wird dadur< nicht berührt.

: Belgien.

Zufolge Verfügung des Königlich belgishen Ministers für Land- wirthschaft 2c. vom 11. November 1892 ift vom 15. desselben Monats ab die Ein- und Durchfuhr won Lumven, Hadern und alten Kleidern aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden in und durch belgisches Gebiet wieder gestattet, sofern den betreffenden Sen- dungen ein Konsulatszeugniß darüber beigefügt ist, daß am Herkunfts- orte die Cholera weder epidemis< hberrs{<t no< im Laufe des Jahres 1892 geherrsht hat. (Vergl. S R 213 v. 9. September 1892.

ürkei.

Durch Beschluß des internationalen Gesundheitsraths zu Kon- stantinopel vom 11./23. Oktober 1892 is die Quarantäne gegen Her- künfte mit Passagieren von der Küste des Schwarzen Meeres von Trapezunt bis Ordu, mit Einschluß dieser beiden Häfen, aufgehoben und dur< eine Beobachtung von 24 Stunden erseßt worden, welche im Lazareth von Sinope oder von Cavak zu abfolviren ist. Die Kleidungsstü>e und Effecten der Passagiere und der Besatzung sowie Waaren, welche die Anste>ung leicht verbreiten können, unterliegen der Desinfection im Dampfapparat.

Vorstehende Bestimmung findet auf die gegenwärtig in Quarantäne liegenden Schiffe Anwendung. :

Die gegen Herkünfte von der Küste des Schwarzen Meeres von Ordu bis zur Bosporus-Mündung angeordnete ärztliche Untersuhung fällt fort. (Vergl. „NReichsAnzeiger“ Nr. 256 vom 28. Oktober 1892.)

A Griechenland.

Die elftägige Quarantäne gegen Provenienzen aus den zwischen Kronstadt und Cherbourg gelegenen Häfen ist ebenso wie die gegen Triest und Marseille auf fünf Tage herab- geseßt worden. i

talienishe Herkünfte unterliegen fortan nur einer drei- tägigen Quarantäne. (Veral. „Reichs-Anzeiger“ Nr. 228, 242 und 251 vom 27. September, 13. Oktober und 18. Oktober 1892.) 1 Rumänien. S ,

Der rumänische Gesundbeitsrath hat die Einfuhr sämmtlicher bisher aus Ns der Choleragefahr verbotenen Waaren aus Deutsch- land (vergl. „R.-A." Nr. 252 vom 24./10. 1892) unter der Vor- auésezung wieder gestattet, daß die Sendungen in plombirten Wagen und im directen Transit dur< Oesterreich-Ungarn eingehen.

E Norwegen. Die Königlich norwegishe Regierung hat dur< Verordnung vom

5. November 1892 die französis<hcu Mittelmeerhäfen und