1892 / 271 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

R Er his ria Lei war

an

F Bp E tig E Ll O Ei

Dr. Miquel, der Minister des Königlichen die Präsidenten D. Dr.

Superintendenten D. Braun und Dryander mit zahlreichen Geist- lien, Landrath von Waldow, sowie Vertreter der Stadt Berlin. befanden sh ferner der Ober-

Unter den Anwesenden Qindneibee Graf von Wedel, Cabinets-Nath der Re>, Kammerherr von dem Knesebe>

Beginn der Feier überreichte der Cultus-Minister Dr. Bofse den em Betheili ten die Allerhöchsterseits - verliehenen Auszeich-

an dem Bau

nungen. Ihre Majestät die Kaiserin hatte Sih von P L auf der Behn bis Station Wedding begeben, wo Allerhöchstdieselbe von dem mit e R Gin Seiner Heer, Bolsiein H r / traut rn ünther zu Schleswig - ein Ho

n D Unter dem Geleite der Kaiserlichen Leib-

erwartet wurde.

Garde begab Sich Ihre Majestät sodann mit 3 in offenem Wagen na Reinickendorf. Im Namen des Kirchbauvereins begrüßte bier der Minister des Königlichen Hauses von Wedel! die Kaiserin mit einer Ansprache, in der er nah Worten des Dankes dem Wunsche Ausdru> gab, daß in dem neuen Gotteéhause allzeit des Herrn Wort treu und lauter verkündigt werde und stets dankbare

d treue Herzen an dieser Stelle beten möchten für den Kaiser, die On us. Der Architekt

die Kaiserin und das ganze Königliche oldeten Majestät übergab den Schlüssel sodann dem

D. Braun das Wort zur i beiden Bibelstellen, die in die find: Psalm 39, 8:

mit aller S zu reden

lihe ein Gebet und vollzog alsdann ‘die Weihe.

mit der Reinickendorf hielt die Festliturgie ab. C G der Pfarrer Schel> aus Rosenthal die Kanzel, um

erste Predigt zu halten über das

Seelsorge in

JShrer Majestät der Kaiserin und der Ehrengäste.

Der Grundstein zu der Segens-Kirhe wurde am 15. Juni 1891 auf einem Grundstü>, das der Rentier Hechel aus Berlin Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin zu einem Kir bau zur Verfügung stellte, gelegt. Der Architekt Schatteburg aus Langenbielau wurde des Baues nah den von ihm a tigten Plänen beauftragt. Die Segens-Kirche is ein ein gothisher Ziegelrohbbau mit Schieferda<h in Kreuzform un

mit der Ausführun

ahte>igem Chorshluß, mit ODachreiter auf

und 50 m hohem, \{lankem Thurme, der si<h vom Viere> mit

ses von Wedel und

Herr von Hardt als Vorsitzender des Evangelischen Kirchenbauvereins, igen Thur n ; : rfhau d Schmidt, die General- | {if mit einer bis ins Dah reichenden Holzde>e versehen, während Le Dryan it a t Stufen erhöhte Altarraum und die darunter befindlihe | Dr. von Müller und Freiherr von Crailsheim bei-

wohnten, wurde dur<h den Präsidenten der Akademie, Ge- heimen Rath Dr. von Pettenkofer eröffnet. Nach den ein- leitenden Worten von Pettenkofer's erfolgte die Verkündigung der Namen der neugewählten Mitglieder. 1 lf | gliede ist die Prinzessin Therese von Baye innere und äußere einflüglige Thüren vermitteln die Zugänglichkeit. | zu außerordentlichen Mitgliedern der historishen Klasse

ein Wort“. E sprach der Geist- Mit mächtigen

Afffforden fiel die Orgel ein und leitete zu dem Gemeindegesang

„O beil’ger Geist, kehr? bei uns ein“ über. Diakonus Böhm, der

betraute

Unter S horaigetang bestieg dann er

Wort aus dem 1. 26 das in der Kanzelbibel steht: „Ih lasse Dich nicht, Du segnest mi denn“. Mit Gesang, Gebet, dem Segen des General-Superinten- denten D. Braun und nochmaligem Sciang {loß die Feier. Unter Orgelspiel und dem Geläute der Glo>en erfolgte dann die Abfahrt

Thurmbelm endet. der um ach

Freiherr von | die Kirhe überwölbt sind.

n... d. 0e

empore, fowie eine Thurmvorhalle,

otsdam aus e Thi Die Kirche enthält 850 Sißplä 1100 Perfonen. Sie kostet eins

emälde, das dem Herzog

Hirtenamt des

der Bergpredigt und

flächen in blauen, die sämmtlichen

dem Metallglanz der Kronleuchter, Altarbekleidung, Altargeräthen un

eingeschrieben | der Kaiserin, dur

Königin die silberbeschlagene

Geistliche, i mit A. V. auf der Brust getragen Gemeinde die Moses 32, 2 U teppich, die Kanzel nebst Brüstung, stein \tifteten.

Cictbeusälaeborlagen in fünf Geschossen en

m Innern

Sacristei und der Confirmandenfaal nah Art dér_ Kryptenanlagen in mittelalterlichen Kirchen, sowie die niedrigeren Seitenschiffgänge um Zwei östlihe Treppenhäuser, die Sacristei, Altarraum und Querschiffemporen verbinden, und ein Treppenthurmaufgang zum Hauptthurm und der westlichen Orgel-

ungefähr 140 000 (4 Die Ausstattung des Altars mit einem Del- Abendmahl darstellend, mit dem Stern aus Jakob im iebelfelde, der Henne mit den Küchlein, den Tauben, die aus einer Schale trinken, ferner die auf das ohepriesterliche, Propheten- und hindeutenden ‘alttestamentlihen Typen in Holz- \nitarbeiten, die Kanzel mit den-4 Evangelisten in Skulpturen, die Brüftun en mit den auf Goldgrund gemalten Brustbildern der Patriarchen, Propheten und Apostel, die s{öne Orgel, die Glas- malereien im Altarraum mit der Taufe und Auferstebung Christi, die Sprüche an din Wänden, Ne m den Anna er See ichte be- Schatteburg überreihte nunmehr der Kaiserin den rei< ver- | ginnen, die Weifsagungen und ungen, die Seligprei]ungen Schlüssel E der nah dem Entwurfe des Hof-Graveurs den Missionsbefehl des Herrn enthalten

Otto vom Schlossermeister Gustav Schulze gefertigt war. Ihre General-Superinten- | di i g ‘iler, Ark 1 Ö denten D. Braun, der -dur< P. Schel> die Kirche öffnen ließ. Unter | rippen mit blaugrünen Wandfüllungsflächen, die Chorgewölbe- Vorantritt dreier weißgekleideter Mädchen, die Blumen auf den Weg \treuten, erfolgte der Einzug in das neue Gotteshaus. Darauf stimmte der Chor den Choral an: „Wie liebli< sind Deine Wohnungen, o M Unter Posaunenbegleitung sang die Gemeinde den Choral: „Lobe den Herren“; dann nahm General-Superintendent Weiherede, die anknüpfte an die Altarbibel ei „Nun Herr, weß soll ih mi trösten ?

ap E a E 9 . 4, 29: „Herr, gieb Dei ten, | des Rentiers Momm zu Forest bei Brüs ] I tale u ote ge A Der iee Ternch der Geist fn Reini>endorf, der Fabrikbesißer Emil Lehmann und Schwanih u. a.

Zur inneren R stiftete Ihre Majestät die Kaiserin und

und mit dem Lobgesang der Anbetung des Lammes endigen, sowie

Höhen von Gestübhl, Deen u. st. w. in Holztönen gehalten, geben dem I

d Taufstein einen wohblthuenden Eindru>. Die Kosten des E La gepea! urs die Allerhöchsten Gnadengeschenke Jhrer Majestäten des Kaisers un E die Ga en der Kirchenkasse zu Rosenthal, des Evangelischen Kirchenbauvereins, der Frau Pauline Teuscher zu Berlin,

Allerhöchsteigenhändigen Widmungen und das Kirchensiegel, den segnenden Christus auf einem So>el, der vom heraldishen Adler

Wohlthäter das {<öne Geläut, den Altar, die Altargeräthe, die Altar- befleidung, das weiße Altar- und Kel<htuch, die Kniebank, den Altar-

[lt und in einem acht- das Mittel- und Quer- | Festsizung welcher der

zwei Querschiffportale und zwölf

e und bietet Raum für etwa | wurden gewählt Chef-Redacteur Dr. Dove und Professor Quidde hier, zu Seen Mitgliedern der Professor

des Sanskrit Fansböll - Kopen ?

Professor Paul-Freiburg, zu correspondirenden

ließlich der inneren Einrichtung

Leipzig und

nnern der Kirhe im Verein mit mit der Ausstattung an Teppichen,

sel, der Firma Jürst u. Co. Altar- und Kanzelbibel mit wird, darstellend, während andere

¡wei Kronleuchter und den Tauf-

ihm E

der Vierung e zurüdkehren.

Nach Schluß der Redaction eingegangene Depeschen.

Wilhelmshaven, 15. November. (W. T. B.) Contre- acer Admiral Karcher is} heute mit dem Neun oge Gar d | zu einer mehrwöchigen_ Uebungsfahrt na< 9 : See gangen. Das Geschwader wird Mitte Dezember hierher

orwegen in

Mitgliedern die ; i ) ( Schrödel-Heidelberg, von Amira-Freiburg, Graf Cipolla-Turin, Hémingard, Herausgeber der „Correspondance des Réformateurs“ in Lausanne, und Dr. Suphan-Weimar.

Wien, 15. November. (W. T. B.) Heute Vormittag 10 Uhr ließ der König von Rumänien bei dem Minister des Auswärtigen Grafen Kálnoky seine Karte abgeben mit dem Bemerken, daß er später personlih erscheinen werde. y L Der König und der Prinz Ferdinand statteten sodann dem die im Ziegelrohbau gemalten Pfeiler, Arkadenbogen und Gewölbe- | Er herzog und der Erzherzogin Karl Ludwig einen halbstündigen Bekuch ab und kehrten hierauf nah der Hofburg zurü, wo sie von dem Kaiser in die Gemächer der Kaiserin geleitet wurden und dort ctwa eine halbe Stunde verweilten. Später statteten der König und der Prinz Ferdinand auch den anderen Erzherzogen Besuche ab.

St. Petersburg, 15. November. „Journal de St. Pétersbourg“ schreibt: Der Telegraph hat uns über den ebenso feierlichen wie herzlichen und E Empfang berichtet, dessen Gegenstand der Thronfolger : der Kaiserin, sowie _gan seitens der Bevölkerung gewejen ijt. : uns mit Befriedigung diesen so warmen Empfang, der dem Thronerben unseres Reichs bereitet worden tit Cnen Empfang, der, e 0 der wichtigsten Organe der Wiener Presse, hervorhebt, ein neuer Beweis der zwischen den erlauhten Herrsherhäusern Rußlands und Oesterreih-Ungarns bestehenden freundschaft- lichen Beziehungen ist. E A.

Der neuernannte serbische Gesandte Wassiliewits< ist gestern vom Kaiser in Audienz empfangen worden.

Rom, 15. November. (W. T. B.) Nach dem „Popolo

Romano“ sind von den 60 Stichwahlen am Sonntag 43 zu Gunsten ministerieller Deputirten ausgefallen.

München, 15. November (W. T. B.) Die heutige E der Afademie der Wissenschaften,

Prinz Rupprecht sowie die Minister

Zum Ehrenmit- Bayern ernannt;

‘openhagen, Professor Lesfien- rofessoren Förster - Berlin, Rollet - Graz,

(W. T. B.) Das

_Großfürst- in Wien seitens des Kaisers und des ganzen Hofes ebenso wie Man constatirt bei

wie die „Wiener Abendpost“, an der Spiße

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

S E E I E R E E E T E R R R T E E

vom 15. November, r Morgens.

Wetterberi

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eratur lsius 49R.

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Stationen, ; Wind. | Wetter.

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Mullaghmore |[WNW 5 Regen Aberbeen i [SSW 3 wolkig Chriftiansund ¡OSO 6\wolkig Kopenhagen . [SD 4 'bede>t Stockholm . [SW 2hbede>t aparanda . SW “(‘bede>t t.Petersburg SW 1/beded>t Moskau . 1'bede>t Cork, Queens- R. + 1\wolfig Cherbourg . | 756 5/bede>t | Bever O 6 | M 02.10 2 halb ed. Dana L E 4|bede>t Neufabrwasser| 769 | bededt eufahrwafser bede fa 770 O 2¡Nebel

Memel

l OOL heiter Münster «P02 halb bed. Karlsruhe . . | 764 2 Nebel MWiesbaden . | 764 bede>t München .. | 765 1\wolfig!) Chemniy .. | 767 bede>t2) Merlin... | 407 2heiters) Wien .... | 768 \beded>t Breslau . . . | 768 bede>t Fle d’'Aix . . | 760 wolftig o ¿l 00 1\wolkig S «e «1 (04 stil!wolfig

D C0 5 00 V NDOII

1) Nebel. 2) Reif. 2) Reif. Uebersicht der Witterung.

Das Minimum, welches gestern westli<h von SFrland lag, ist nordostwärts nah den Farörn fort- geschritten, während das Hochdru>gebiet im Osten fich wenig verändert hat ; über Irland ist das Baro- meter wieder sehr stark gestiegen, sodaß eine Luft- zufuhr vom Ocean in unseren Gegenden demnächst no< nicht zu erwarten is. Bei \{<wacher, meist südlicher bis östliher Luftströmung und durhschnitt- lich ohne erheblihe Aenderung der Wärmeverhält- nisse dauert in Deutschland die trübe und vielfah neblige Witterung fort. Jn Süddeutschland ift Ftellenweise Regen gefallen, in vel Pa fanden Le Nachtfröfte statt, welhe sih wiederholen

en.

Deutsche Seewarte.

Theater- Anzeigen.

Königliche Schauspiele. Mittwoch: Opern- Haus. 241. Vorstellung. Boabdil , der leßte Maurenkönig. Oper in 3 Acten von Moriß Moszkowsky. Text von Carl Wittkowsky. Ballet von Emil Graeb. In Scene gesezt vam Ober- Regisseur ddt Dirigent: Kapellmeister Dr. Mu>k. Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus: 250. Vcrstellung. Wohlthätige ac Lustspiel in 4 Na fitare von ea

L'Arronge. In Scene gesezt vom Ober-Regisseur Marx Grube. Anfang 7 Uhr.

Donnerstag: Opernhaus. 242. Vorstellung. Zum Besten der Genossenschaft Deutscher Bühnen - Ange- höriger. Genesius. Oper in 3 Acten. Dichtung (mit theilweiser Benußung der Opern-Dichtung „Geminiamus“ von Hans Herrig) und M1ffik von E Weingartner. Ballet von Emil Graeb. In

cene geseßt vom Ober - Regisseur Teblaff. Diri- gent: Kapellmeister Weingartner. Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus. 251. Vorstellung. Meister Balzer. Schauspiel in 4 Aufzügen von Ernst von Wildenbru<. In Scene gesezt vom Ober-Regisseur Max Grube. Anfang 7 Uhr.

Deutsches Theater. Mittwoch: Neu ein- studirt: Die Räuber. (Karl Moor: Ernst Pitt- hau, Franz: Josef Kainz, Amalie: Teresina Geßner 2c.). Anfang 7 Uhr.

onnerstag: Lolo’s Vater. Freitag: Die Räuber.

Berliner Theater. Mittwoh: Dora. An- fang 7 Uhr. Z ¿ Bonzedtag : Der Hüttenbefizer. (Nusha Buße, Agnes Sorma, Ludw. Barnay, Ludw. Stahl.) S: 12. Abonnements-Vorstellung, Julius âsar.

Lessing- Theater. Mittwoch: Zum 48. Male: Die Orientreise. Schwank in 3 Acten von Oscar Blumenthal und Gustav Kadelburg. Anfang 74 Uhr. - Donnerêtag: Die Orientreise.

reitag : Zum 1. Male: Ralsen wider Ralsen. Schauspiel in 4 Acten von R. Grelling.

Wallner-Theater. Mittwoch: 16. Gast-Vor- stellung des Lessing-Theaters: Die Grof:stadtluf:. Anfang 7+ Uhr.

Donnerêtag: Sodoms Ende.

Volksthümliche Preise (Parquet 2 4). Vorverkauf ohne Aufgeld.

Friedrich - Wilhelmfstädtishes Theater. Mittwoh: Secster Abend im Offenbach-Cyclus. 4. Aufführung. Orpheus in der Unterwelt. Burleske Oper in 4 Bildern von Hector Cremieux, neu bearbeitet von Eduard Jacobson. Musik von Jacques Offenba. Dirigent: KapeUmeister Feder- mann. Anfang 7 Uhr.

Donnerstag : Dieselbe Vorstellung.

Residenz-Theater. Direction : Sigmund Lauten- burg. Mittwo<: Zum 40. Male: Jm Pavillon. e Parsum.) S4hwank in 3 Acten von Ernest S isl. ene gefeßt von Sigmund Taukenburg. F Fer: Der Sue Ganymed. (Café Lesort.) Schwank in 1 Act von Charles Louveau. Anfang 7# Uhr. Donnerstag: Dieselbe Vorstellung.

Kroll's Theater. Mittwoh: Gastspiel von Gemma Bellincioni und Roberto Stagno. Zum 1. Male: A Santa Lucia. Melodrama in 9 Acten von Pierantonio Tasca. Anfang 7 Uhr.

Donnerstag: Lettes Gastspiel von Emil Göße. Beton von Lothringen. (Iohann: Herr Emil ôße.

Neues Theater (am Schiffbauerdamm 4/5). Sonnabend: Eröffnungs - Vorstellung. Jphigenie auf Tauris. S :

Sonntag und Montag: Iphigenie auf Tauris.

Dienstag: Zum 1. Male: Die Liebeshändlerin.

Theater Unter den Linden Ronacher. Mittwo<: Zum 53. Male: Die Welt in Bild und Tanz. Ballet von Gaul und Haß: reiter. Musik von Bayer. JInjcenirt dur< Louis Gundlach. Die kleine Primadonna. Gelegen- heits\<wank in 1 Act von Richard Genée. In- scenirt dnr< den Ober-Regisseur Herrn C. A. Friese sen. (Gastspiel der 16 jährigen Primadonna Fräul. Sophie David.) Hervorragendes Variété- Programm. Abends 7$ Uhr.

Adolph Ernst-Theater. Mittwc<: Zum 72. Male: Die wilde Madonna. Gesangs- pofse in 3 Acten von Leon Treptow. Couplets von G. Görß. Musik von G. Steffens. it neuen Costumen aus dem Atelier der Fr. Köpke und neuen Decorationen von Lütkemeyer in Coburg. In Scene geseßt von Adolph Ernst. Anfang 7# Uhr.

Donnerstag : Dieselbe Vorstellung.

Thomas-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30. Mittwoch: Ensemble-Gasftspiel der Münchener unter Direction des Königlich Bayerischen Hofschau- spielers A Hosfpauer. Zum 2. Male: Der Einsam”. Bolks\tü> mit Gesang in 5 Acten, frei nah der ‘gleihnamigen Erzählung L. Anzengruber?s von Wilhelm Bollin. Anfang 75 Uhr.

Donnerstag: Dieselbe Vorstéllung,

Een Hohenzollern-Galerie Lehrter Babunhof. T K Sonntags 50 4. Gr. bistor. Rundgemälde 1640—1890. Geöffnet 9 Uhr bis Dunkelh. Sount. 9—9,

Urania, Anstalt für volfsthümlihe Naturkunde.

Am Landes - Ausstellungs - Park (Lehrter B i Geöffnet von 1211 ge P rf (Lehrter Bahnhof)

Concerte.

Concert-Haus. Mittwoh, Abents 7 Uhr: Karl Meyder - Concert.

Ouv. „Beatrice“ von Bernard. „Egmeont® von Beethoven. „Das eherne Pferd“ von Auber. „Concerthauskflänge“ von Meyder. Phantasie aus „Charles VI.“ von Halévy. „Le Tremolo“, für die Flôte von Demersemann (Herr Roßler). „The lost chord“, für Piston von Sullivan (Herr Steffens). Balletmusik aus „Die Tempelherren“ von Litolff.

Saal Bechstein, Linkstraße 42. Mittwc<h, Anfang 7F Uhr: Concert von Antal Udvardy

unter E Mitwirkung des Violinvirtuofen Herrn Jacques Weintraub.

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Circus Renz (Carlftraße.) Mittwoch, Abends Abends 74 Uhr: Große außerordentliche Vorstellung. Auftreten sämmtl. Kunstspecialitäten ersten Ranges. Außerdem: 6 Springpferde, vorgeführt vom Director Franz Renz. . James Fillis, der hervor- ragendste Schulreiter der S mit dem Voll- blutvferde „Germinal“. Mmwe. la Baronne de Bellefoi mit dem Schulpferde „Feu“. Die be- rühmte Arabertruppe Hadje Abdullah (14 Personen). Zum Schluß der Vorstellung: Auf Helgoland, oder: Ebbe und Fluth. Großes Land-, Wasser- und Feuer-Schauspiel. Nationaltänze von 82 Da- men. Neue Tanz - Einlagen: u. A. „1. Garde- Regiment zu Fuß in Parade-Uniform aus der Zeit Friedrih's des Großen“, „Leibgarde der Kaiserin“.

Donnerstag, Abends 74 Uhr: Vorstellung mit neuem Programm und „Auf Helgoland“.

R A E R N S E E A E E E D A V C

Familien-Nachrichten.

Verlobt: Frl. Elisabeth Braun mit Hrn. Land- wirth Siegfried von Grolman (Halle a. S.— Oppin bei Niemberg). Else Frein von Hoden- berg mit Hrn. Rittergutsbesißer Conrad Iffland Himmelstädt—Skrzynki). Luise Freiin von Bodenhausen mit Hrn. Lieut. Gustav Frhrn. von Bodenhaujen (Burgkemniß—Dresden). Frl. Elfriede Brü>ner mit Hrn. Ferdinand“ von Eulen- feld-Kauba (Breslau). E

Verehelicht: Hr. Forstrath Eugen von Rüdiger mit Frl. Marie Tee (Marienburg, Westpr.). Hr. Major Clamor von Trotha mit Frl.

lene Bohß (Schmagorei). Hr. Regierungs-

fessor Maximilian Frhr. von Lauer-Münchhofen mit Frl. Charlotte von Tiedemann (Bromberg— Stolp i. P.). j i

Geboren: Ein Sohn: Verw. Fr. Vice-Admiral Deinhard, geb. Leupold (Bremen). Eine Tochter: Hrn. Oberst-Lieut. Carl Frhrn. von Knobelsdorff (Colmar i. E.) Hrn. Ernst Grafen von Bernstorff (Quaden - Schönfeld). Hrn. Hauptmann von Waldow (Donzig).

Gestorben: Fr. Pastor Alwine Timm, geb. Melchert (Alt - Shwerin). Hr. Landgerichts- Director a. D. Rudolf Humbert (Tempelhof). Fr. Prediger Mathilde Meibauer, geb. Gneist (Köslin). Hr. Nittergutsbesißer Carl Rosenow (Dom. Tornow bei Bottshow). Fr. Major Freifrau Emma Gans Edle Herrin zu Putlig,

eb. Cober (Stettin). Fr. Landrath Clara von agow, geb. von Morgenstern (Berlin). Fr. dwig - von Groeling, geb. von Rheinbaben

(Schalscha). Hr. Rittergutsbesißer Marimiliar

von Rheinbaben De Fr. Ritter

ved 6s Louise Geier, geb. Gebauer (Ober- scheschendorf).

d

Redacteur: Dr. H. Klee, Director. Berlin: - Verlag der Expedition (Scholz).

Dru>k der Nord Buchdru>erei und Verlag#- Anstalt, as j Wileolatcate Nr. 32. Sechs Beilagen (einshließlih Börsen-Beilage), sowie die Inhaltsangabe zu Nr. 6 des öffeut-

auf Actien und Actiengesellshaften) für

auf d Anzeigers (Commanditgesellschaften oche vom 7. bis 12, November 1892.

M 271.

Erste Beilage zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staals-Anzeiger.

1892.

Berlin, Dienstag, den 15. November

Kunft und Wissenschaft. Gejammt-Uebersict

der im Pr üfungsjahre 1891/92 bei den Königlich preußischen medizinishen und pharmaceutishen Prüfungs-Commissionen geprüpften Doctoren und Candidaten der Medizin und Candidaten der Pharmacie.

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Bonn. Breslau. | Göttingen. | Greifêwald. | _ Halle.

Kiel. Königsberg.

Doctoren und Candidaten der Medizin: aus dem Vorjahre neu eingetreten

zusammen . .. davon bestanden mit der Censur genügend E

nicht bestanden bezw. zurü>getreten

Candidaten der Pharmacie: aus dem Vorjahre z neu eingetreten

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23 | | 23 23 77 | E 76 65 100 : | 47 S3 é | | Í 17 70 j E j 49 9 j G | | 9 56 | E 2 | 61 14 | 5 97

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Fêine ärztliche Prüfungs- | Commission.

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Statistik und Volkswirthschaft.

Zur Arbeiterbewegung.

__ Gestern Abend wurde hier in Berlin in den Concordia- fälen der E der deutschen socialdemokratishen Partei dur den Reichstagsabgeordneten der mit einer Ansprache eröffnet. Zu Vorfißenden wurden die Herren Singer- Berlin und Redacteur Gottlieb-Bremen gewählt. Die Tagesordnung wurde mit nur unwesentlihen Ver- änderungen nah den Vorschlägen des Parteivorstandes fest- geseßt, ferner wurde beschlossen, die Geschäftsordnung des Erfurter Parteitages au< diesmal beizubehalten. Ueber die Verhandlungen des Parteitages am heutigen Tage wird folgendes berichtet :

Der Vorsitzende Sin g begrüßte die Sendboten, die aus Oesterrei, Holland und Schweden anwesend waren. Der Wiener Dr. Adler bemerkte in einer Ansprache: Die österreichischen Arbeiter verdienten ni<t den Vorwurf, zu gemüthli< zu sein. Sie lebten _ in durchaus ungemüthlichen Verhältnissen und seien im Begriff, sich cuens aufzuraffen, wozu sie bereits sehr lebhaft rüsten. Dies zeigten die Arbeitseinstellungen der leßten Zeit. Die Arbeiterbewegung in Oesterreih werde am 1. Mai eine große Kraftentfaltung zeigen. Ihre Bewegung sei eine mehr fociale als politis<he. Vom Centralrath der socialdemokratischen a in Holland ist Herr Van Hoch ab- geordnet. Der Redner bestritt den revolutionären Charakter der Sozial- demofkratie, die nah ihrem friedlihen Ziel, niht na< ihren um- stürzenden Mitteln zu beurtheilen fei. Die Tagesordnung begann mit dem Geschäftsberiht des Parteivorstandes, den Herr Nichad Fischer erstattete. Der Redner bemerkte über die Agitation : In jedem Kreise und in jeder Provinz müßten felbst die Agitatoren erstehen, die man irrthümlicherweise jeßt immer vom Parteivorstand verlange. Die immer verlangten Redner : Liebkne<ht, Bebel, Auer, Singer und einige andere könnten ni<t na< allen Provinzen gehen. Die 36 Abgeordneten seien nicht immer die geeignetsten Agitationskräfte. Eine große Anzahl von Unterstüßungsgesuchen zur Beförderung der Agitation dur<h Geld habe mit einer Gesammtsumme von 375 499 zurückgewiesen werden müssen. Die Landagitation, bemerkt der Be- richterstatter, sei ni<t s{hablonenmäßig zu betreiben, fondern müsse fih den Bedürfnissen des Landarbeiters anpassen. Dazu müßten die Agitatoren aus der Landbevölkerung selbst heryorgehen. Der Redner bespricht dann die Preßverhältnisse und gesteht, daß die Ehen Unterstüßungen, die die ¿Sihe Lane erfordere, auf eine gewisse Schwäche hindeuten. Der sächsishe Landtags-Abgeordnete August Kaden erstattete den Bericht der Controleure. In einem Falle es handelt si< um eine Kölner Angelegenheit habe der Parteivorstand ni<t ganz correct gehandelt. Die Buch- und Kafsenführung war tadellos, doch erschienen die Preßunterstützungen etwas- hoh. Herr Bebel gab darauf einen Bericht über das Centralorgan „Vorwärts“ und defsen finanzielle Ergebnisse. Alle Behauptungen, daß Mitglieder der Parteileitung an dem finanziellen Ergebniß in irgend einer eigennüßigen Weise betheiligt seien, bestreitet der Redner. Der erste Redacteur Liebknecht habe 7000 M, der zweite Cronheim 5000 4 jährlich, der leßte der se<s Redacteure 200 # monatlich. Der erste Redacteur des „Vorwärts* habe viele Kinder, denen er natürli<h eine Stellung im Leben verschaffen wolle, die sie in den Stand seye, ihr Brot in leihterer Weise zu verdienen, als dies bei der een Menge der Proletarier der Fall sei. Die hervorragenden Mitglieder der tei hâtten au<h niht unbedeutende Repräsentationsfosten. Fast kein Tag vergehe ohne Besuch aus dem Auslande oder von außerhalb das seien Verpflichtungen, die sih nit berehnen ließen.¡Bebel wendete sich sodann gegen die Gründung von neuen Blättern und Genossenschaften. Es sei das Verkehrteste, aus der Kampfpartei eine Geschäftspartei zu machen und das baare Geld in Unternehmungen festzulegen. Zuleßt kommt Redner auf die Inseratenfrage zu \sprehen. Er erklärt die Abweisung von Inseraten aus idealen Gründen gegenwärtig für fals<. Man müsse vielmehr die Shwächen der bürgerlichen Ge\ellschatt im Partei- interesse auênüßen und ihr soviel Geld au dur< Inserate abnehmen wie mögli<, um es dann im Kampfe gegen fie zu verwenden.

__ In Bochum fanden, wie der „Frkf. Ztg.“ telegraphis<h gemeldet wird, am Sonntag zwei Bergarbeiter-Versammlungen statt. In der ersten erflärte Schröder- Dortmund, es werde s{<wierig sein, im kommenden Winter die Ruhe aufre<t zu erhalten, nament- lih, wenn aus dem Ausland Strikenachrihten kämen.

_ Aus Halle a. S. berichtet ein Telegramm des „D. B. H.“: Die Stadtverordneten bewilligten 40 000 ( zu Wegeverbesserungen, um die Arbeitslosen zu beschäftigen. Der Magistrat bereitet die Ausführung weiterer umfangreicher Arbeiten vor.

_ Hier in Berlin beschäftigte sich der Verband deutscher Zimmerleute (Localverband Berlin) am 9. d. M. wieder in einer Versammlung mit der Organisationsfrage, da bis jeßt die Versuche, die beiden hier bestehenden Vereinigungen zu verschmelzen, gescheitert sind. Die Begründung einer neuen gemeinsamen Organisation wurde auch diesmal nicht gefördert,

a die Versammlung folgende vom „Vorwärts“ mitgetheilte Resolution annahm :

__eDie Versammlung des (Zimmerer-) Localverbandes Berlin be- \{lict, von der Centralorganisation wegen der Beschlüsse des

' Entfremdung eingetreten war.

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Zimmerercongresses zu Gotha sowie des allgemeinen Gewerkschafts- congresses zu Halberstadt nit abzustehen.“

Aus Wien meldet kin Wolff’sches Telegramm vom gestrigen Tage: In einer Versammlung Arbeitsloser, an der etwa 2000 Personen, darunter zablreihe Frauen und Mädchen, theilnahmen, wurde einstimmig eine Refolution in dem Sinne angenommen, eine Besserung sei nur von der Umgestaltung der Productionsweise und l agu mea zu erwarten. Die Ordnung wurde nicht gestört.

Ein Londoner Telegramm des „W. T. B.“ berihtet: Die Re- erna empfiehlt den Localbebhörden die Ausführung öffent -

iher Arbeiten, damit den vershämten Armen dadur< Gelegen- heit zur S qung gegeben werde. __ In Brüssel bes<loß gestern Abend eine zahlrei besuhte Ver- sammlung des Bundes der Arbeiterpartei, einen Congreß ein- zuberufen, der si< auss{ließli< mit der Frage eines zu veranstalten- den allgemeinen Ausstandes beschäftigen foll.

Literatur.

Vaterländisches.

Die Hohenzollern, die Gründer des brandenburgisch- preußishen Staats und Einiger Deutf{lands in ibren landes- väterlichen Bestrebungen um die Wohlfahrt ihres Volkes, dargestellt für Volk und Heer von W. Heinze. Hannover-Linden 1892, Verlag von Manz und Lange. Sechste Auflage. Preis 1,50 4 Dieses kleine, die Zeit vor dem Großen Kurfürsten kurz, dann aber die landesväterlihe Fürsorge der übrigen Fürsten aus dem Hohenzollern- stamme bis in die neueste Zeit ausführlicher behandelnde, vom Cultus- Minister zur Anschaffung für die Kreislehrer-Bibliotheken empfohlene Buch, von dem im Zeitraum von zwei Jahren se<s Auflagen nöthig geworden sind, erscheint als ein sehr geeigneter Nathgeber für die mit dem Unterricht in der Geschichte betrauten Lehrer in der Volksschule und im Reichsheere. Daß in elf guten Abbildungen die Leser mit den Gesichtszügen der Hohenzollernschen Herrscher und dabei gleich- zeitig mit ihren Wahlsprüchen bekannt gema<ht werden, ist als ein besonderer Vorzug dem kleinen Werke nahzurühmen. Ein Theil des Reinertrags ist für das Kyffhäuser-Denkmal bestimmt.

Geschichte.

ffÆ. Historische Zeitschrift. Herausgegeben von Heinrich von Sybel und Marx Lehmann. 69. Bd. 3. Heft. München und Leipzig, R. Oldenbourg. 1892. Das vorliegende Heft enthält zwei größere Aufsäße. Der erste „Eine Schweizer Gesandtschaftsreise an den französishen Hof“ von Alkfuin tags führt uns in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts, eine Zeit, da der wiedererstarkende Katholicismus in ganz Euroxa mit Erfolg gegen die evangelische Lehre vorzugehen begann. So trat auch die französishe Regierung, deren Feindschaft gegen Karl Ÿ. in früheren Jahren den ten wiederholt zu statten gekommen war, gegen die neue Lehre auf und sute zunächst die zahlreihen reformirten Gemeinden in Age das damals unter Frankrei<hs Botmäßigkeit stand, zum Anschluß an den fkatholishen Glauben zu _ zwingen. Die Piemontesen suchten Hilse bei den protestantishen Schweizercantonen, und diese, seit langer Zeit mit Frankreih verbündet, beschlossen, sich in E für ihre Glaubensgenofsen zu verwenden, und shi>ten des- halb eine Gesandtschaft von vier erprobten Diplomaten an den fran- zösishen Hof. Die politishe Lage schien bei der augenbli>lichen sonderbaren Gruppirung der Mächte dem Begehren der Schweizer ünstig: das - streng fkatholishe Spanien lag im Kampfe mit dem

apst und dem König von Frankrei, die mit den Türken verbunden waren und die Reihen ihrer Streiter hauptsächlih dur< deutsche und \<weizer Protestanten ergänzten. In Rückficht auf diesen Umstand hofften die Schweizer eine Schonung ihrer Glaubensgenofsen erlangen zu können, zumal au< zwishen Papst Paul und König Heinrich eine Indessen blieb die Gesandtschaft ohne Erfolg; die Verstimmung zwishen den beiden Bundes- genossen wurde bald beigelegt, und die Schweizer mußten si<h_ nun mit einer zweideutigen Antwort begnügen. Freili<h war der König von Frankreich zunächst niht in der Lage, die piemontesishen Keßer mit Gewalt zum alten Glauben zurüd>zuführen, da er, bei St. Quentin von den Spaniern geschlagen, seine ganze Thätigkeit nah einer anderen Seite rihten mußte. Die eigenthümliche Verqui>ung der politischen und religiösen Interessen der Mächte erkennt man auch hier wieder : der Sieg Spaniens, des strengst-katholishen aller Staaten, {ügt eine evangelische Religionsgemeinschaft gegen Unterbrü>ung dur eine andere fatholishe Macht. Wenn fo die Gesandtschaft ohne weitere politischen Folgen blieb, so verdanfen wir ihr do ein sorgfältig ge- führtes Reisetagebuh, das alle Erlebnisse und Eindrü>ke der Reise wiedergiebt und.eine vortreffliche Schilderung des berührten Frankreich ent- hält. Namentlich die militärischen Beobachtungen über Lage und Be- festigung der Städte und die kritishen Betrachtungen über die religiösen Gebräuche der Franzosen e bemerkenéwerth.

In dem zweiten Aufsatze prüft The Wiedemann von neuem die Echtheit des Nymphenburger Vertrages vom 22. Mai 1741. Dieser Vertrag, ein Subsidientractat zwischen Frankreih und Bayern gegen R war von Heigel und Droysen als SaAuns erklärt worden, während Ranke ihn als e<t bezeihnet hatte. Wiedemann verwirft zwar die Argumente Heigel's und Drovsen's, hält aber die Unechtheit des Vertrages aus anderen Gründen für erwiesen und kommt fo in der Sache zu demselben E wie Droysen und Heigel. Die Fälschung selbst, die jene beiden einem beliebigen Zeitungsschreiber

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zugeschrieben hatten, rührt nah Wiedemann von einem Secretär des französishen Gesandten in Berlin ber, der zu dem englishen Ge- [hâftsträger am preußischen Hofe in engen Beziehungen stand.

__In den Miscellen publicirt Max Lehmann eine- Anzahl Acten-

stü>de, die den Kampf um die allgemeine Wehrpflicht am Hofe Friedrich Wilhelms 11. illustriren. Im Jahre _ 1810 forderte die militärische Reorganisations-Commission, an der Spiße Scharnhorst und Boyen, die Einführung der allgemeinen Dienstpfliht, wogegen die übrigen Minister entshieden Einspru< erhoben und wirfli< die sofortige Durchführung der Scharnhorst’shen Gedanken vereitelten. Die Urkunden, zum theil {on aus des Herausgebers Scharnhorst - Bio- graphie bekannt, geben einen vortrefflihen Einbli> in die erhabene Denkungsart der Organisatoren und ihr tiefes Verständniß für die militärische und fittlihe Bedeutung der allgemeinen Wehrpflicht. _ Aus dem Literaturberiht heben wir hervor die umfangreiche Be- sprehung der Müllenhoff schen Werke: „Deutsche Alterthumskunde" und „Beowulf“ dur< Erhardt, die Referate Arthur Schmidt's und Kehr's über die Sammlungen von Quellen zur deuts<hen Rechts- geschichte von Lehmann und Altmann-Bernheim und endlih die Recenjion des 13.7z5d 14. Bandes der Urkunden und Actenstü>e zur Geschichte des Großen Kurfürsten dur< Hey.

Gesetze, Verordnungen 2.

Die Reihs-Gewerbeordnung in ihrer neuesten Gestalt nebst Ausführungsvorschriften von Ernt Neukamv, Amtsrichter in Bochum (Verlag von Siemenroth und Worms in Berlin, Preis 2,50 Æ ; se<ster Band der in diesem Verlag ers<heinenden „Geseßz- Sammlung“). Die Ausgabe enthält Anmerkungen und ein Sah register. Es sind bei” jedem einzelnen Paragraphen die sogenannten „Materialien“ des Geseßes, welhe zum bessern Verständniß und zur Aufhellung unklarer oder dunkler Geseßesworte dienen können, mitgetheilt; dagegen find die nur für einzelne Bundesftaaten in Betracht kommenden Vorschriften des Landesrehts CuI Gen, Die Erläuterungen des Reichsrechts sind zwar möglichst knapp gehalten, indessen sind die für die praftishe Anwendung wichtigen Entscheidungen des Neichsgerihts und der höchsten Gerichtshöfe der einzelnen Bundes- staaten sowie die wihtigeren Entschließungen der Centralbehörden möglichst vollzählig mitgetheilt. Die Erläuterungen zu den fog. „Arbeitershuß“-Paragraphen sind, was willkommen geheißen werden kann, ziemli<h ausführli<h. Die Ausgabe if zu empfehlen.

Kunstangelegenheiten.

Capri von C. W. Allers. 52 Facsimiledru>e und 9 Aquarell- Gravüren. München, Franz Hanfst ängl’'s Kunstverlag. Preis 90 f Ein Prachtwerk ersten Nanges, welhes niht nur einen reihen fünstlerishen Schaß darstellt, sondern für alle Capri-Besucher eine {öône stimmungs- und poesievolle Erinnerung is! Wer je Capri gesehen, wer die dortige Natur bewundert und das dortige heiter-zwanglose Leben au< nur oberflähli< kennen gelernt hat, dem werden die {önen Eindrü>e, die er mit- genommen, \si< bei diesem Werk von neuem beleben und er wird dabei alles von neuem in vollen Zügen genießen. Was Capri und das Capreser Leben bietet, zieht bei Betrahtung dieses Werkes mit frishen Farben und voller Naturwahrheit ‘an einem vorüber. Eine kurze Beschreibung als Einleitung aus der Feder von E. von Wald-Zedtwiß, welhe im Plauderton einen Commentar zu den fol- genden Bildern liefert, orientirt s{<nell auch denjenigen, der no< nit dort gewesen. Aber das Werk spricht niht dur< Worte, au<h nicht durh die Sprache der Poesie, sondern dur< die Kunst der Malerei, dur<h die mit meisterhaster Hand entworfenen und dabei höchst fauber durhgeführten Skizzen von Allers, dessen Puitoc und realistishe Betrahtungsweise allen Wesen, die Capri evölfern, das Charafteristishe abgelausht, dessen Bleistift ihnen neues Leben zu geben verstanden hat. Mit der Ankunft des Frem an der Grande Marina und im Hotel Pagano welcher ae könnte wo anders fih einquartieren als hier? beginnen die Zeich- nungen, die, sämmtli<h aus dem Leben gegriffen, zum theil allen befannte Personen oder wenigstens Charaftere darstellen und allent- halben mit kleinen, die Scenen erläuternden, bumorvollen Rand- bemerkungen versehen sind. Die einheimishen Buben und Mädchen mit ihrem angelernten Deutsh-Kauderwälsh und der stereotypen Bitte um einen Soldo, deuts<he Maler, deutshe Professorenfamilien, der Wirth Pagano, der sich badende deutsche Professor, die bunte Gesell- schaft im „Kater Hidigeigei*, das Leben und Treiben auf der Piazza von Lr italienische riester und Klosterbrüder, die Mädchen, die ihre Lasten von der Küste nah dem Städthen auf dem Kopf herauf- tragen, berühmte, von den Malern bevorzugte Modelle aus der ein- heimishen Bevölkerung , Schifferjungen, die Tarantella von Mädchen und Jungen, die Corallenverkäuferinnen, die Mu- ifanten, der flotte Kutscher mit seinem kleinen Einspänner,

r den es nur den Weg von Capri nah Anacapri und zurü> giebt, das alles ist mit einer Naturwahrheit wiedergegeben, daß man ohne Uebertreibung sagen kann: kein anderes Werk von Capri ift so sehr im Stande, die Eindrücke zu vergegenwärtigen, die selbst ein flüchtiger Besuch in jedem hinterlassen hat , kein anderes Werk ist so geeignet, demjenigen, der Capri no< nit kennt, ein rihtiges Bild von diesem herrlihen Eilande zu gewähren. Neben den Bleistiftzeich- nungen, die mit vollendeter Technik in ciner Weise reproducirt find, daß man das Original vor si zu haben glaubt, verdienen aber au die Aquarell-Gravüren, welhe die Schönheiten der Landschaft vortrefflih wiedergeben, uneingeshränfte Bewunderung. Das Titel- blatt bringt ein Miniaturbild der Insel, in bläulicher Farbe, wie sie