1892 / 278 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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[ers bald überwinden. Eine lieblihe Partnerin in dem zärtlichen

tebes\piel fand er in Fräulein Wertheim. Fräulein Malten

war eine sehr gewandte Darstellerin der Liebeshändlerin; es fehlte ihr

jedoch der bestri>ende Liebreiz, der für diese Figur unentbehrlich ist. Sing-Akademie.

Die Sängerin Fräulein Cs Copca, welhe unter dem Namen Franziska Kopka früher am Friedrih-Wil )velmstädtischen Theater thätig war und sih dann einige Zeit in Paris aufhielt, erschien gestern hier zum erstenmal als Concertsängerin. Ihre be- sonders in der Mittellage schr wohlklingende Stimme is im ganzen ut geshult, auch is die Vortragsweise der Künstlerin eine sehr be- ebte und warm empfindende: nur beecinträchtigte ein Abge ee oft unmotivirtes Tremuliren, das der französisch-italienischen Gefangs- weise eigen ist, mitunter die Wirkung der Lieder. Am besten gelangen ihr „Der Mond is \{<lafen gegangen“ von Franz, ein Wiegenlied von Petri, „Weit, weit“ von Schumann und die Kerker-Arie aus der Oper „Mefistofele“ von Boito, in welcher sie eine fehr bedeutende Gewandtheit in Trillern und Coloraturen er- fennen ließ. Nach den Beifallsbezeugungen des zahlreih erschienenen Publikums sang die Künstlerin no< das Brahms'sche „Wiegenlied“. Ünterstüßt wurde das Concert dur die bereits wohlbekannte Pianistin Fräulein A. NReinshagen, welche mit sicherer Technik und verständ- nißvollem Ausdru> mehrere Piècen von Bach-Liszt, Schubert, PMos8z- kowsfi und Chopin vortrug.

Die Direction des Kroll’schen Theaters hat sih wegen des Andrangs zu der Oper „A Santa Lucia“ veranlaßt gesehen, _den Spielplan der laufenden Woche dahin umzuändern, daß diese Dper mit den italienishen Gästen Gemma Bellincioni und Roberto Stagno noch einmal und zwar morgen in Scene geht, während die erste Aufführung von „Mala Vita“ nit, wie ursprünglich bestimmt, am Freitag, sondern am Sonntag stattfinden wird.

Die Welt in Bild - und Tanz“ wird im Theater Unter den Linden morgen zum sec<zigsten Male auf- geführt. Das Interesse an dieser Balletshöpfung wird erhöht werden dur einige neue Einlagen der Prima-Ballerina des Theaters Signora Élia, mit denen sie bereits in London und Paris Erfolg gehabt hat. Der Gelegenheits-Shwank „Die kleine Prima- donna“ bleibt nur no< wenige Tage auf dem Programm, um eine geeignete Abwechselung dur einen neuen, „Das Baby“ betitelten Schwank zu erhalten, dessen Verfasser vorerst no< unbekannt zu bleiben wünscht.

Der Pianist Karl Textor aus Haag giebt am Freitag Abend 72 Uhr im Saal Bechstein ein Concert unter Mitwirkung des Königlichen Kammermusikers Herrn Max Salzwedel (Violine). Georg Liebling wird in seinem hiesigen Orchester-Concert in der Sing-Akademie am 2%. d. M. von größeren Werken Tschai- Fewsfv's Glavier-Concert in B-moll und Lifzt’s Es-dur-Concert zum

Georgenkirstraße 64, Kleine Auguststraße 11, Annenstraße 20, Rheins- bergerstraße 15, Aerstraße 134, Langestraße 41, Gerichtsftraße 60, MWasserthorstraße 32, Teltowerstraße 34, Saarbrükerstraße 33, Stettinerstraße 45, Stromstraße 43, Grünauerstraße 11, Liebentwalder- straße 53 und Frankfurter Allee 110 wird am 15. Dezember begonnen und die Vertheilung je nah Bedürfniß bis gegen Ende des Winters fortgeseßt. Die Anstalt wird den an sie herantretenden, von Jahr zu Sahr si< fteigernden Ansprüchen nur dann genügen können, wenn fie si dauernd der helfenden Theilnahme aller ihrer Gönner erfreuen darf. Abonnementskarten zu 3 4 für den Monat sind an den oben bezeihneten Kühen zu haben. Der Rendant der Anstalt, Bureau- Vorsteher Heitevriem im Köllnischen Rathhause, Zimmer 23, und Wallner-Theaterstr. 37 parterre, sowie die Mitglieder der Direction der Anstalt sind zur Annahme milder Gaben gern bereit.

Trier. Ueber den in Nr. 275 d. Bl. bereits gemeldeten Tod des Commandeurs der 31. Infanterie-Brigade, General-Majors v on Stu>rad, berichtet die „Köln. Ztg.“ Folgendes: Der General, der gewohnt war, vor Antritt des Dienstes einen kleinen Spazierritt zu machen, verließ au<h an dem Unglüstage in der Frühe wohlgemuth seine Familie und ritt dem Walde hinter Schneidershof zu. In der Nähe des Drachenhauses hat der Reiter wohl umkchren wollen. Bei einer energishen Wendung machte das feurige Vollblutpferd aller Wahrscheinlichkeit nach einen Seitensprung, und der Neiter stieß mit voller Wucht an den überhängenden Ast eines Apfelbaumes, wodur ihm die ganze linke Schädelsfeite zerschmettert wurde. Der zu Tode Verleßte stürzte vom Pferde, das ihn noch un- gefähr 30 Schritte weiter s{leifte. Dort fand ihn der Förster des Drachenhauses. Die ras< herbeigerufenen Aerzte konnten nur no< den Tod des General-Majors feststellen. Die Leiche wurde einstweilen in das Garnisonlazareth und von dort in die Wohnung des Ver- unglüten übergeführt. In dem Trauerhause waren gerade am Todes- tage alle Vorbereitungen zu einem glänzenden Gesellschaftsabend ge- troffen. General-Major von Stukrad stand im 52. Lebensjahre.

Serajewo, 22. November. Vergangene Nacht, in der Zeit von 12 Uhr 30 Minuten bis 12 Uhr 45 Minuten, wurden nach einer Mel- dung des „W. T. B.“ hier sowie in den Ortschaften Tuzla und Zenika mehrere ziemlich heftige Erdstöße verspürt,, deren Dauer 3 bis 5 Secunden betrug.

Nach Schluß der Redaction eingegangene Depeschen.

Darmstadt, 23. November. (W. T. B.) Seine König-

beschränken, no< sie mit Ausfuhrabgaben zu belegen, da der- gleichen Maßregeln. durh die Ernteergebnisse dieses Jahres durchaus nicht geboten seien. L

Nom, 23. November. (W. T. B.) Der König, von allen Prinzen des Königlihen Hauses umgeben, hat heute Mittag das Parlament eröffnet. Die Königin wohnte dem Acte auf der Tribüne bei. Bei ihrem Eintritt in den Sitzungssaal wurden der König und die Königin mit [eb- haften, Ses Zurufen begrüßt. Jn der Thron- rede erwähnt der König zunächst die auswärtige Politik. Der betreffende Passus lautet:

„Das seinem Ablauf entgegengehende Jahr wird auf lange Zeit in unserer Geschichte ein denkwürdiges bleiben. Alte italienische RNuhmesthaten gewährten Italien neuen Grund zu berehtigtem Stolz und Sicherheitêgefühl. Mein Herz ist no< erfüllt von unvergeßlicher Bewegung über die Huldigungen, welche die Vertreter der meisten Nationen der civilisirten Welt mir fkürzli<h in Genua dar- gebradht haben. Diese Huldigungen sind mir um so angenehmer, als bei der Gemeinsamfkeit der Zuneigung und der Ziele, welhe mein Haus und mein Volk vereinigen, ih diese Tkatsache als eine folhe ansehe, welhe für mein Volk dasselbe bedeutet wie für mich. Ich erbli>e in diesen Ebrenbezeugungen ein allgemeines Zeugniß dafür, daß Italien sih so behauptet, wie es dies seit seiner Wieder- herstellung als Nation si< vorgeseßzt hat: als eine nie ermüdende Stütze der Eintracht und des Friedens. Ich kann den betheiligten Staaten meine dankbaren Gefühle niht beffer ausfprechen, als indem id dieselben vor den Vertretern der Nation bekräftige. Derartige Kundgebungen sind ein Beweis unferer freundschaftlichen Beziehungen zu allen Mächten. Meine Regierung ist zusammen mit den ver- bündeten Regierungen in wachsamer Sorgfalt bemüht, Europa vor jeder Gelegenheit einer Zwietracht zu bewahren. SInmitten dieser Friedensbürgschaften beginnen Ihre Arbeiten. Ihre Weisheit wird dieselben fruchtbar zu gestalten wissen.“

Neapel, 23. November. (W. T. B.) Der zur Wahr- nehmung der Stellung als Stellvertreter des Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika auf se<s Monate commandirte Oberst- Lieutenant und Abtheilungshef im Kriegs - Ministerium Frei- herr von Scheele wird heute Abend nach Afrika abreisen.

Konstantinopel, 23. November. (W. T. B.) Gestern fand bei dem Sultan zu Ehren des neuen deut- hen Botschafters Fürsten Radolin ein Diner statt, an dem der Großvezier und Minister des Auswär- tigen Saïd-Pascha, die Hofwürdenträger, die militärische Umgebung des Sultans und die Mitglieder der deutschen Botschaft theilnahmen. Nach der Tafel hielt der Sultan

Vortrag bringen.

Mannigfaltiges,

Die Armen-Sveisungsanstalt hat nah einem Bericht der „N. A. Z.* im verflossenen Winter in der Zeit vom 15. Dezember v. J. bis 31. März d. J. 751180 Quart nahrhafter Suppen unentgeltlih zur Vertheilung gebraht, wofür insgesammt 80 047,63 #4 Kosten aufgewendet worden. Um dem wachsenden Mehrbedürfniß zu genügen, ist für den bevorstehenden Winter Frankfurter Allee 110 eine neue

0 : O Heinrich mit dem Prinzen

Küche eröffnet worden. Mit Vertheilung der Suppen aus den 15 Küchen Regierung weder beabsichtige ,

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om 23. November, r Morgens.

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1) Nathts, Morgens Regen. *) Nachts Reif-

3) Reif und Raubfrost. #4) Nauhfroft. Uebersicht der Witterung.

Ein Hochdruckgebiet über 770 mm erstre>t sich von der Nordsee ostsüdostwärts nah dem Schwarzen Meere, während eine Depression unter 750 mm über Nordfinland lagert. Ueber Central-Europa wehen im Norden {wache südwestlibe Winde bei steigender, im Süden {wache nordöstlihe Winde bei finfender Temperatur. In Deutschland ift das Metter trübe, neblig und außer an der oftdeutschen Küste, wo allénthatbeit Niederschlag gefallen ist, falt. Chemniß meldet minus 94 Grad.

Deutsche Seewarte.

Theater - Anzeigen. Königliche Schauspiele. Donnerstag: Opern-

Haus. 248. Vorstellung. Carmen. Oper in 4 Acten von Georges Bizet. Tert von H. Meilhac und L. Halévy, nach einer Novelle des Proëper Mérimée. Tanz von Emil Graeb. In Scene geseßt vom Ober - Regisseur Tetlaff. Dirigent : Kapellmeister Dr. Mu>. Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus. 258. Vorstellung. Der uene

err. Schauspiel in 7 Vorgängen von Ernst von

ildenbru<. In Scene geseßt vom Ober-Regisseur Max Grube. Anfang 7 dr

Freitag: Opernhaus. 249. Vorstellung. ©Ca- valleria rusticana. (Bauern-Chre.) Oper in 1 Aufzug von Pietro Mascagni. Text nah dem gleihnamigen Volks\tü> von Verga. In Scene ges\2ßt vom Ober-Regisseur Teßlaff. Dirigent: Kapell- meister Dr. Mu>k. Der Barbier von Sevilla. Komische Oper in 2 Acten von G. Rossini. Dichtung nach Dae, von Cesar Sterbini, überseßt von Ignaß Kollmann. Dirigent: Kapell- meister Dr. Mu>. Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus. 259. Vorstellung. Der Geigen- macher von Cremona. Drama in 1 Aufzug und in Versen von François Coppée, deuts< von Wolf Graf Baudissin. In Scene geseßt vom Dber- Regisseur Max Grube. Die gelehrten Frauen. Lustspiel in 5 Aufzügen von Jean Baptiste Molière. In deutschen Versen von N Fulda. In Scene geseßzt vom Ober-Regisscur Max Grube. Anfang 7 Uhr:

Deuiíses Theater. Donnerstag: Der Pfarrer von Kirchfeld. Anfang 7 Uhr.

Freitag: Der Misanthrop. Vorher: Die Geschwister.

Sonnabend: Lolo’s Vater.

Sonntag: Die Welt, in der man sich laug- weilt.

Montag: Neu einstudirt: Die Jüdiu von Toledo.

Berliner Theater. Donnerstag: Dora. An- fang 7 Uhr.

Freitag: 13. Abonnements-Vorstellung. Wallen- stein’s Tod. (Ludwig Barnay.)

Sonnabend : Dora.

Lessing- Theater. Dounerstag: Ralseu wider Ralseu. Anfang 7 Uhr.

Freitag: 3. Duse-:Abend. Nora.

Sonnabend: 4. Duse-Abend. Fedora.

Wallner- Theater. Donnerstag: 24. Gast-Vor- stellung des Lessing - Theaters: Die Grofstadtluft. Anfang 7$ Uhr.

Freitag: Sodoms Ende.

Volksthümliche Preise (Parquet 2 4). Vorverkauf ohne Aufgeld.

Friedrich - Wilhelmfädtisches Theater. Donnerstag : Sehster Abend im Offenbah-Cyclus. 11. Aufführung. Orpheus in der Unterwelt. Burleske Oper in 4 Bildern von Hector Cremieux, neu bearbeitet von Eduard Jacobson. Musik vcn Jacques Offenbah. Dirigent: Kapellmeister Stolz. Anfang 7 Uhr.

Sreitag: Orpheus in der Unterwelt.

Sonnabend: Zum 1. Male in neuer Bearbeitung : Das verwunschene Schloß, Operette in 3 Acten. Musik von C. Millö>er.

Refsidenz-Theater. Direction : Sigmund Lauten- burg. Donnerstag: Zum 47. Male: Jm Pavillon. (Le Parsum.) Sthwrark in 3 Acten von Ernest Blum und Raoul Toché, Deuts< von Ludwig Fis<l. In Scene geseßt vón Sigmund Lautenburg. Vorher: Der neue Gauymed. (Calé Lesert.) Cdmwánk in 1 Act von Charles Louveau. Anfang 7# Uhr.

lihe Hoheit der Prinz Heinrich von Preußen is} heute Nachmittag nah Berlin abgereist, um an den Hofjagden | Huld zeigte. theilzunehmen. Jhre e Hoheit die Ar inge]

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Cercle ab, wobei er sih für den neuen Botschafter von größter

Der Sultan hat dem Fürsten Radolin die

sin | goldene und die silberne Jmtiaz-Medaille, der Fürstin Radolin

aldemar bleibt noch hier zurü>. | den Schefakat-Orden verliehen.

St. Petersburg, 23. November. (W. T. B.) Das Gestern „Journal de St. Pétersbourg“ dementirt das in Deutschland ver- breitete Gerücht, daß die russische Regierung mit der Absicht um- | eingetroffen. gehe, bezüglich der Getreideausfuhr Restrictivmaßregeln zu ergreifen. DasgenannteBlatt kann versichern, daß die russische

die Ausfuhr von Cerealien zu

Freitag: Dieselbe Vorstellung. n Vorbereitung : Madame Agnes.

Kroll's Thegier. Donnerstag : Gastspiel von Gemma Bellincioni und Noberto Stagno. A Santa Lucia. Melodrama in 2 Acten von Pierantonio Tasca. Anfang 7$ Uhr.

Freitäg: D. Concert des Violin-Virtuosen Herrn Felix Berber. Programm: 1) Violin-Concert von Mendelsfohn. 2) Serenade Melancholique mit Orchester von Tschaikowsky. 3) Ciaconne von Joh. Seb. Bach.

Neues Theater (am Schiffbauerdamm 4/5). Donnerstag: Zum 3. Male: Die Liebeshändlerin. Pes Bühnenspiel in 5 Aufzügen. Anfang ¡ IT.

Freitag: Die Liebeshändlerin.

Theater Unter deu Linden Ronachér.

Donnerstag: Sensationell andauernder Erfolg des Ausf\tattungs-Ballets: Die Welt in Bild und Tanz, von Gaul und Haßreiter. Musik von I. Bayer, Ballet-Autoren der K. K. Hofoper in Wien. JInf\cenirt dur< den Balletmeister Louis Gundlach. Um 9 Uhr: Das grandiose chinesishe Ballabile Ein Drachenfest. (Mitwirkende: 500 Personen.) Gastspiel der 16 jährigen Primadonna Fräul. Sephie David. Die kleine Primadonuna, Gelegen- heits\<wank in 1_Act von Richard Genée. In- scenirt dnr<h den Ober-Regisseur Herrn C. A. Friese sen. Anfang 74 Uhr.

Adolph Ernst-Theater. Donnerstag: Zum 79. Male: Die wilde Madonua. Gesangs- pofse in 3 Acten von Leon Treptow. Couplets von G. Görß. Musik von G. Steffens. Mit neuen Costumen aus dem Atelier der Fr. Köpke und neuen Decorationen von Lütkemeyer in Coburg. In Scene geseßt von Adolph Ernst. Anfang 7# Uhr.

Freitag : Dieselbe Vorstellung.

Thomas-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30. Donnerstag: Ensemble-Gaftspiel der Münchener unter Direction des Königlih Bayerischen Hof- \schauspielers Max Hofpauer. Zum 2. Male: Almenraush und Edelweiß. Oberkayerisches Charafktergemälde mit Gefang und Tanz in 5 Auf- zügen vvn Hermann von Schmid. Musik von Müller. Anfang 72 Uhr.

Freitag: Almenrausch uud Edelweiß.

[48041] Hohenzollern-Galerie Lehrter Bahnhof. T Æ#Æ Sonntags 50 s. Gr. histor. Nundgemälde 1640—1890. Geöffnet 9 Uhr bis Dunkelh. Sonnt. 92—D.

Urania, Anstalt für volksthümliche Naturkunde.

Am Landes - Ausstellungs - Park (Lehrter B ; Geöffnet von H Ubr. Park (Lehrter Bahnhof)

Concerte.

Sing-Akademie. Donnerêtag, Anfang 74 Uhr: Concert der Pianistin Emma Koch mit dem Berliner Philharmonischen Orchester, fowie unter Mitwirkung der Concert}ängerin Fräulein Albertine

Rumvp.

ist auf der nunmehr vollendeten Bahnlinie Haidarpasha—Angora die erste Locomotive in Angora

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten und Zweiten

Beilage.)

Concert-Ÿaus. Donnerstag, Abends 7 Uhr: Karl Meyder - Concert. Gesellschafts-Abead.

Saal Bechiein, Linkstraße 42. Donnerstag, Anfang 7# Uhr: Duett - Abend von Emma und Ida Wooge, unter Mitwirkung der Pianistin Fräulein Auguste Göß - Lehmann sowie des Königl. Kammervirkuosen Herrn Felix Meyer.

Circus Renz (Carlstraße.) Donnerêtag, Abends 74 Uhr: Gala-Vorstellung. Aus dem Programm besonders hervorzuheben: Mr. James Fillis mit dem S{bulpferde „Germinal“. Cencurrenz-Schule, ge- ritten von den Damen Frls. Clotilde Hager und Oceana Renz. 8 Schimmelhengste, in Freiheit dressirt und vorgeführt von Herrn Vscar Renz. Der musikfalishe Clown Hermann. Leop. Renz, der beste Joceyreiter der Gegenwart. Zum Schluß der Vorstellung: Auf Helgoland, oder: Ebbe und Fluth. Großes Land-, Wasser- und Feuer-Schauspiel. Nationaltänze von 82 Damen.

it völlig neuen Einlagen: u. A. „Leib-Garde- Artillerie“, er Bürgerwehr“.

Freitag, Abends 74 Uhr: Große Vorstellung E vollständig neuem Programm und „Auf Helgo- and“.

Sonntag: 2 Vorstellungen um 4 und 7# Uhr. 4 Uhr Nachmittags (1 Kind frei): „Die lustigen Heidelberger. Abends: „Auf Helgoland“.

Billet-Verkauf dur< den „Invalidendank“, Mark- grafenstraße 51a.

E E E I R R L 5 2 B E E I E E “E E E I Familien -Ieachrichten.

Verlobt: Frl. Margarethe Richter mit Hrn. Ober-Realschullehrer Dr. phil. August Mertens (Magdeburg).

Verehelicht: Hr. Oscar von Kriegsheim mit Frl. Schaaffhausen (Breélau). Hr. Rechtéanwalt Carl Schink mit Frl. Margarethe Pyrkosch (Kreuzburg O.-S.). Hr. Forst-Assessor und Ober- förster der Stadt Breslau Alexander Glaesener mit Frl. Helene Seydel (Hirschberg).

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Amtsrichter Fiedler (Frankenstein). Eine Tochter: Hrn. Pastor G. Froböß (Schwirz). Hrn. Major von Nanke (Görliß). Hrn. General-Lieut. z. D. von Hahn (Naumburg a. S.).

Gestorben: Hr. Major a. D. Friedri<h Wilhelm Fedor Lampel (Görlitz). Hr. Pastor Alexander Magnus (Göhren). Fr. Oberlehrer Dr. Karo- line Reinhardt, geb. Bartow (Greifswald). Hr. Rittmeister a. D. Gustav Frbx.,. von Plettenberg (Baden-Baden). Hr! Reci?rungsê- und Medizinal-Rath Dr. Voigt (Magdeburg). Be Kammergerichts-Rath Johannes Friedrich Müllner (Berlin).

Redacteur: Dr. H. Klee, Director. Berlin:

Verlag der Expedition (Scholz). Dru> der Norddeutshen Buchdruckerei und Verlags- Anstalt, Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32. Sieben Beilagen

(einshließli< der Besonderen und der Börsen- Beilage).

Erfte Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

Königreich Preußen.

Pr ELeEqtu Amt wegen Ausgabe auf jeden Inhaber lautender Anleihe- fcheine der Stadt Halle an der Saale zum Betrage von 7 000 000 A Reichswährung.

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen 2c.

Nachdem der Magistrat der Stadt Halle an der Saale im Einverständniß mit der Stadtverordneten-Versammlung daselbst darauf angetragen hat, für den Bau eines Nathskellergebäudes, eines Schlacht- hofes, eines Landwehrzeughauses, zweier Pfarrwohnhäuser, zweier Mittelshulen, eines Restaurationsgebäudes auf der Peißniß, einer Desinfectionsanstalt, eines Feuerwehrdepots, zweier Brücken über die Saale, für die Erweiterung des Gebäudes der höheren Mädchenfchule und des Nathhauses, den Erwerb des St. Andreas-Gottesa>kers, der Grundstü>ke Rathhausgafse Nr. 17, 18 und 19, des Platzes für eine neue Kirche im Süden der Stadt, die Anlage eines Elektricitätswerkes und einer Volksbadeanstalt, die Verbesserung und Erweiterung des Kanalnetes, für Regulirung und Durchlegung von Straßen cine An- leihe von 7 000 000 1, in Buchstaben „Sieben Millionen Mark“ aufzunehmen und zu diesem Zwe>ke auf jeden SInhabêr lautende, mit Zinsscheinen versehene Anleihescheine ausgeben zu dürfen, ertheilen Mir in Gemäßheit des $ 2 des Gescßes vom 17. Juni 1333 wegen Ausstellung von Papieren, welche eine Zahlungéverbindlihkeit gegen jeden Inhaber enthalten, durh gegenwärtiges Privilegium der Stadt-

emeinde Halle a. S. Unsere landesherrliche Genehmigung zur Aus- Kellutig von seitens der Gläubiger unkündbaren Anleihe|heinen nah Maßgabe des anliegenden Musters im Gefammtbetrage von Sieben Millionen Mark, welche in se<s Abtheilungen, und zwar die erste Abtheilung zu zwei Millionen, die übrigen zu je einer Million Mark, und davon je eine Million in folgenden Abschnitten :

70 Stück à 5000 4. 350 000 Æ,

100. 2000 % 200 000 ,„

O L LOUO 890 000,

40 D 6 70000 ,„

O 200 20 000

100 100 T0000.

Summa 360 Stück 1 000 000 M. auszugeben, mit jährlih dreieinhalb oder vier Procent zu verzinsen und nach den festgesezten Tilgungsplänen durch Ausloosung oder frei- händigen Ankauf mit wenigstens einem Procent des Kapitalbetrages der 1., 3., 4.,, 5. und 6. Abtheilung und mit wenigstens einem und cinem halben Procent des Kapitalbeirages der 2. Abtheilung unter Zuwachs der Zinsen von den getilgten Anleihescheinen von demjenigen Fahre ab zu tilgen sind, welches auf die Berauëgabung der einzelnen Abtheilungen folgt. Die S des P erfolgt mit der rechtlihen Wirkung, daß ein jeder Inhaber des Anleihescheins die daraus L ergebenden Rechte geltend zu machen befugt ist, ohne zu dem tahweise der Uebertragung des Eigenthums verpflichtet zu sein. Durch vorstehendes Privilegium, welches Wir vorbehaltlih der Rechte Dritter ertheilen, wird für die Befriedigung der Inhaber der Anleihescheine eine Gewährleistung seitens des Staats nicht über- nommen.

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und bei- gedrü>tem Königlichen Siegel.

Gegeben Wittenberg, den 31. Oktober 1892.

WilhelmR. Miquel.

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Ausgabe 189...

90 E Provinz Sachsen. Regierungsbezirk Merseburg. Anleiheschein der Stadt Halle an der Saale Anleihe vom Jahre 189 ..

Abtheilun Buchstabe . It über . . . . Mark Reichswährung

verzinsli<h mit . . . 9/9 am und am Ausgefertigt in Gemäßheit des landesherrlichen Privilegiums vom 31. Oktober 1892 (Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Merseburg vom... Ten Ie O Seile. und GeleBe Sammlung lx 18... Seite... laufende Nr...)

Auf Grund des von dem Bezirksausshusse zu Merseburg ge- nehmigten Beschlusses des Magistrats und der Stadtverordneten-Ver- sammlung zu Halle a. S. vom 4./13. Juli 1891 wegen Aufnahme einer Schuld von 7 Millionen Mark in ses Abtheilungen, und zwar die erste Abtheilung zu zwei Millionen, die übrigen zu je einer Million Mark, bekennt sih der Magistrat zu Halle a. S. namens der Stadt- gemeinde Halle a. S. durh diesen für jeden Inhaber gültigen, seitens des Gläubigers unkündbaren Anlciheschein zu ciner Darlehns- {huld von . …. . M, welche an die Stadt baar gezahlt worden und mit .… . jährlich zu verzinsen ist.

__ Die Rückzahlung der ganzen Schuld von 7 000 000 4 erfolgt für die . . Abtheilung von . . …. H na<h Maßgabe des genehmigten Tilgungsplans mittels Verloosung oder Ankaufs der Anleihescheine binnen längstens . . Jahren na< vollständiger Begebung der Ab- theilung aus einem Tilgungsf\to>ke, welher mit wenigstens einem Procent des „Kapitals der 1., 3., 4., 5. und 6. Abtheilung und mit wenigstens einem und einem halben Procent des Kapitals der 2. Abtheilung jährlich unter Zuwachs der Zinsen von den getilgten Anleihescheinen gebildet wird. Die Ausloosung geschieht in dem Monat jeden Jahres. Der Stadtgemeinde bleibt A das Recht vorbehalten, den Tilgungssto> zu verstärken oder auch sämmtliche no< im Umlauf befindliche Anleihescheine der ganzen An- leihe oder jeder einzelnen Abtheilung: derselben auf einmal zu kün- digen. Die durch die verstärkte Tilgung ersparten Zinsen wachsen ebenfalls dem Tilgungssto>e zu.

Die ausgeloosten, sowie die gekündigten Anleihesheine werden unter Bezeihnung ihrer Abtheilung, Buchstaben, Nummern und Beträge, sowie des Termins, an welhem die Rückzahlung erfolgen foll, öffentlih bekannt gemaht. Diese Bekanntmachung erfolgt \pä- testens drei Monate vor dem Zahlungstermine in dem „Deutschen Reichs- und Preußischen Staats - Anzeiger“, dem Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Merseburg, dem „Halleschen Tageblatt", ter „Halleschen Zeitung“ und der_„Saalezeitung". Geht eines dieser Blätter ein, so wird an dessen Statt von dem Magistrat mit Ge- nehmigung des Königlichen Mecierunge zu Merseburg ein anderes Blatt bestimmt. Erfolgt die Rü>kzahlung der Schuld durch Ankauf, so is der Betrag der angekauften Anleihescheine alsbald, nachdem der Ankauf bewirkt ist, in gleiher Weise, wie die Rückzahlung dur< Ausloosung, bekannt zu machen. ¿ ;

__ Bis zu dem Tage, wo solchergestalt das Kapital zu entrichten ist, wird es in halbjährlihen Terminen am 1 O L vom 1 18. . ab mit . ... Procent jährli< verzinst. Die Auszahlung der Zinsen und des Kapitals erfolgt egen bloße Deldiabe der fällig gewordenen Zinsscheine bezw. dieses Anleiheseins bei der Stadt-Hauptkasse der Stadt Halle a. S. und den durch die oben- enannten Blätter etwa no<h bekannt zu machenden anderweiten ahlstellen, und zwar auch in der nah dem Eintritt des Fälligkeits- termins folgenden Zeit. Mit dem zur Empfangnahme des Kapitals eingereichten Anleihescheine sind au<h die dazu gehörigen Zinsscheine der späteren Fälligkeitstermine zurückzuliefern. Für die fehlenden Zins-

Berlin, Mittwoch, den 23. November

{eine wird der Betrag vom Kapital abgezogen. Die gekündigten. Kapitalbeträge, welhe innerhalb dreißig Jahren nah dem Rück- zahlungstermine niht erhoben werden, fowie die innerhalb vier Jahren nah Ablauf des Kalendecjahres, in wel<hem sie fällig geworden, nicht erhobenen Zinsen verjähren zu Gunsten der Stadt. Das Aufgebot und die Kraftloserklärung verlorener oder ver- nichteter Anleihescheine erfolgt nah Vorschrift der $$ 838 fff. der Civilprozeßordnung für das Deutsche Reih vom 30. Janunr 1877 (Neichs-Geseßblatt S. 83) bezw. nah $ 20 des Ausführungsgesetes zur Deutschen Civilprozeßordnung vom 24. März 1879 (Geseß- Samml. S. 281). ;

Zinsscheine können weder aufgeboten, no< für kraftlos erklärt werden. Doch soll demjenigen, welcher den Verlust von Zinsscheinen vor Ablauf der vierjährigen Verjährungsfrist bei dem Magistrat anmeldet und den stattgehabten Besiß der Zinsscheine dur<h Bor- zeigung des Anleihescheins oder sonst in glaubhafter Weise darthut, nah Ablauf der Verjährungsfrist der Betrag der angemeldeten und bis A ni<t vorgekommenen Zinsscheine gegen Quittung ausgezahlt werden. ,

Mit diesem Anleihescheine find bis zum Schlusse des Jahres 19... halbjährige Zinsscheine ausgegeben; die ferneren Zins\cheine werden für zehnjährige Zeiträume ausgegeben werden. Die Ausgabe einer neuen Reihe von Zinsscheinen erfolgt bei der Stadt-Hauptkasse zu Halle a. S. gegen Ablieferung der der älteren Zins- scheinreihe beigedru>ten Anweisung. Beim Verluste der Anweisung erfolgt die Aushändigung der neuen Zinsscheinreihe an den In- Je e Anleihescheins, fofern dessen Vorzeigung rechtzeitig ge- Ichehen 1t.

__ Zur Sicherheit der hierdur<h eingegangenen Verpflichtungen haftet die Stadtgemeinde mit ihrem Vermögen und ihrer Steuerkraft.

Dessen zu Ürkunde haben wir diese Ausfertigung unter unserer Unterschrift ertheilt.

Halle a. S., am

(L. S8.) Der Magistrat der Stadt Halle a. S. Eingetragen Me deatat Controlbuchblatt . . . Nr. Sg Der Stadt-Hauptkassen-Controleur. Der Stadt-Hauptkassen-Nendant.

Provinz Sachsen. Regierungsbezirk Merseburg. . 9% Anleihe der Stadt Halle a. S., Abtheilung . Ausgabe 189 __ Anweisung Tro>ken- zum Anleibescheine Ua SlenDer, über Mark. Der Inhaber dieser Anweisung empfängt gegen deren Rückgabe zu dem obigen Anleihescheine die . . . te Reihe Zinsscheine für die zehn Jahre vom E nebst Anweisung bei der Stadt- Hauptkasse der Stadt Halle a. S., sofern ni<ht re<hzeitig von dem als solhen sih ausweifenden a des Anleihesheins Widerspruh dagegen erhoben wird. i Halle a. S., den 189. Der Magistrat der Stadt Halle a. S. “Ausgefertigt.

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Provinz Sachsen. Regierungsbezirk Merseburg. . 9/0 Anleihe der Stadt Halle a. S., Abtheilung . Ausgabe 189 Zinsschein Reihe . .. Nr... . zum Anleihescheine BUGabe M... Trocken- Stempel. U Mart __ Der Inhaber dieses Zins\ceins empfängt gegen dessen Rückgabe in der Zeit vom ._ ab die Zinsen des vorbenannten Anleihe- \cheins für das Halbjahr vom . ten Ds Ie La e mit . . . Mark . . Pf. bei der Stadt-Hauptkasse zu Halle a. S. Halle a. S., den O "Der Magistrat der Stadt Halle a. S. : __ (Unterschriften.)_

Dieser Zinsschein ist ungültig, wenn dessen Geldbetrag niht inner- halb vier Jahren na< Ablauf des Kalenderjahres der Fälligkeit er- boben wird.

Anmerkung. Die Namensunterschriften des Magistrats- Dirigenten und des Magistrats - Mitgliedes unter den Anweisungen und Zinsscheinen können mit Lettern oder Facsimilestempeln gedru>t werden, do<h muß jede Anweisung und jeder Zinsschein mit der eigen- bändigen Namensunterschrift eines Controlbeamten versehen werden.

Die Anwêisung ist zum Unterschiede auf der ganzen Blattbreite unter den beiden leßten Zinsscheinen mit davon abweichenden Lettern in nachstehender Art abzudru>en :

._. ter Zinsschein. ._. ter Zinsschein.

Anweisung.

Preußischer Landtag. Haus der Abgeordneten.

6. Sißung vom 22. November, 11/5 Uhr.

Der Sizung wohnen bei der U des Staats- Ministeriums, Minister des Jnnern Graf zu Eulenburg und der Finanz-Minister Dr. Miquel.

Auf der E O steht die Fortseßung der ersten Berathung des Geseßentwurfs, betreffend die Auf- hebung directer Staatssteuern in Verbindung mit der Denkschrift über die Steuerreform.

Finanz-Minister Dr. Miquel:

Meine Herren! Ich möchte no< auf eine Frage, die in der gestrigen Debatte zur Anregung gekommen ist, und die ih in der Er- widerung auf die Aeußerungen des Herrn Abg. Herrfurth nur [eiht- hin berühren konnte, zurü>fommen, nämli< auf die Frage: auf welche Klassen in der Bevölkerung wirkt diese Steuerreform ent- lastend und auf welhe Klassen höher belastend? In der gestrigen Debatte wurde diese Steuerreform in ihrer Gesammtwirkung als eine plutokratishe bezeichnet, und ih glaube, s ist von Bedeutung, nicht bloß für die Berathung hier im Abgeordnetenhause, sondern auch für die öffentliche Meinung im Lande, wenn dieser Punkt gänzlich klar- gestellt wird.

Meine Herren, i< werde dabei an Sie niht appelliren als Statistiker und werde mit Zahlen Sie wenig behelligen; ih werde nur appelliren an Ihre Kenntniß von den Zuständen im Laude und

1892.

von der Lage der verschiedenen Klassen der Bevölkerung, von denen ih spreben werde.

Fangen wir von unten an. Die nichtbesißenden Klassen, die- jenigen, die aus fundamentalen Steuerquellen ni<ht erwerben, sondern von ihrer Hände Arbeite oder von ihrer geistigen ŒÆätigkeit leben, werden dur<h die Vermögens\steuer überhaupt ni<f ‘berührt. Sie bleiben in dieser Bezichung auch bei dem zweiten Schritt der Steuer- reform völlig frei.

Wir haben nun weitergehend als ein anderer deutscher Staat alle Personen, welche niht mehr als 900 4 Einkommen haben, in der Einkommensteuer völlig frei gelassen und wir haben mit sehr niedrigen Säßen în der Einkommensteuer begonnen, von 3000 4 allmähli<h aufsteigend bis zuz 85600 A Ich habe {hon bei einer anderen Gelegenheit nachgewiesen, daß in der Einkommensteuer die gesammte Arbeiterschaft weit besser steht als nah den früheren geseßlihen Bestimmungen und daß die kleinen Besißer sih ebeñfalls besser stehen. Diejenigen, die nicht 6000 steuerpflichtigen Besiß haben, wobei die ganzen Mobilien, die do wesentli das Vermögen des kleinen Mannes ausmachen, gänzlich außer Nechnung bleiben, sie werden von der Vermögenssteuer über- haupt gar nicht getroffen. :

Jetzt komme ih auf die Klasse der kleinen Handwerker. Dag ift eine sehr bedeutende Klasse in allen unseren Städten und selbst auf dem Lande. Wir haben alle Handwerker, die unter 1500 6 Ertrag aus ihrem Gewerbe haben und zugleih niht mehr als 3000 4 An- lage- und Betriebskapital, in der Gewerbesteuer völlig freigelassen. Das sind vielleicht das ist schwer zu sagen, denn die Gewerbesteuer ist no< nit veranlagt nah unseren Probeveranlagunggen in vielen Landestheilen, und in gewissen Städten vielleicht 70/6 aller Gewerb» treibenden. Nun, diese kleinen Handwerker haben zum größten Theil niht 6000 M. steuerpflihtiges Vermögen. Ich berufe mich da auf diejenigen Männer hier im Hause, die das Land kennen, und nicht bloß aus dem Bureau und aus Zahlen gelernt haben. Diese kleinen Handwerker fallen au<h nicht vielfah unter die Vermögensésteuer. Haben sie Vermögen beispielsweise in ihrem Werkzeug so lasten viclfah darauf erhebliche Schulden, und diese kleinen Handwerker werden daher größtentheils als folhe auh niht von der Vermögens- steuer getroffen.

Ich komme auf die kleinen bäuerlichen Besizungen. Jch behaupte: wir haben ganze Landestheile, wo namentlich eine starke Theilung des Grund und Bodens {tsttgefunden hat, wo der kleine Bauex einige Morgen Land hat neben einem Häuschen. Ich bin der Ansicht, diese gesamînten kleinen bäuerlihen Besitzungen werden im großen und ganzen von der Vermögenssteuer gar nicht getroffen werden; gewiß find darunter einzelne in besonders günstigen Verhältnissen; aber im großen Ganzen werden sie überhaupt gar niht getroffen. Denn wenn wirklih ihr Besiß mehr werth ist als 6000 4, fo haften regel- mäßig so viel Schulden auf diesen Besißungen, daß, wenn man die Schulden abzieht, die Besißung den Reinwerth von 6000 #..nicht hat. Mir {weben da aus meiner eigenen Anshauung und Crfah- rung so viel Fälle vor statistis<h kann man das augenbli>li<h nicht beweisen; es wird in verschiedenen Landestheilen verschieden sein im großen Ganzen bin i< aber der Meinung, daß ih behaupten kann: die kleinen bäuerlichen Besitzungen werden durch die Vermögenssteuer gar nicht getroffen.

Die großen ländlihen Besißungen und der Großgrundbesiß wird um so weniger getroffen, je mehr Schulden er hat. Ist, das eine plutokratishe Behandlung dieser Dinge? Finden Sie es nit billig, daß der Grundbesißer, der s{hwer überlastet ist mit Hypotheken, geringer in der Vermögenssteuer, wenn er wirklih mehr als 6000 Neinvermögen hat, herangezogen wird als derjenige Grundbesißer, dex gar keine oder nur sehr wenige Schulden hat? Wer wird hier ent- lastet? Der weniger Steuerkräftige, und wer wird herangezogen ? Der mehr Steuerkräftige. Ist das Plutokratie ? E

Meine Herren, aber ih gehe no<h weiter. Wie wird denn nun gerade für diese kleinen Vermögen in den Gemeinden die Wirkung der Steuerreform sein? Da wird ja dur die Stärkung der Steuer- fräfte der Gemeinden im Realbesiß eine Verminderung der Zuschläge zur Einkommensteuer, unter welcher ja in vielen Gemeinden die wenig Bemittelten au< zu leiden haben, unzweifelhaft eintreten. Wir haben in der Staatssteuer die gesammten Censiten, welche ni<ht mehr als 900 Einkommen haben, frei gelassen. Viele Communen haben dies nit thun können, und mit Nücksicht auf die verschiedenartige Zusammenseßung der Gemeinden, wo viele Gemeinden ja kaum wesentliche andere Steuerquellen haben als die persönliche Leistung einer ärmeren Bevölkerung, die in der Gemeinde wohnt, haben wir ni<ht gewagt, in dem Communalsteuergeseß eine Vorschrift zu machen, welhe den Gemeinden verbietet, auch solhe Personen heranzuziehen, die in der Staatssteucr nicht veranlagt sind. Es werden also in Zukunft Zuschläge zur Einkommensteuer in einer sehr großen Anzahl Gemeinden auch von solchen Personen erhoben werden, welche nicht 900 4 Einkommen besien. Wenn diese Zuschläge si< vermindern durch stärkere Heran- ziehung der Realobjecte, so muß das in der Gemeinde diesen kleinen Besißern auh verhältnißmäßig zu gute kommen. Sie werden aljo dur die Vermögens\teuer nit bloß nicht belastet, sondern sie werden zweifellos in der Communalsteuer entlastet. Jst das Plutokratie?

Wer bezahlt denn aber im wesentlihen die 35 Millionen, auf die es hier ankommt? Wir haben die Erfahrung gema<ht, was 3 9/0 sämmtlicher Einkommensteuerpflichtigen nah dem Ein- fommensteuergeseß leisten, nämli< 28 Millionen von den Mehr=- einnahmen von vorläufig 45 Millionen.“ Dieselbe Erfahrung werden wie hier machen. Je größer die Vermögen sind, je weniger belastet sie sind mit Schulden, je stärker werden diese Vermögen herangezogen werden und sowohl in der Stadt wie auf dem Lande. Was bewirkt also diese Steuerreform? Genau dasselbe, was das erste Cinkommen- steuergefeß bewirkt hat, eine verhältnißmäßige Entlast.ung der weniger Steuerkräftigen und eine verhältnißmäßige {stärkere Be