1892 / 281 p. 5 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

Förderung des Baues von Arbeiterwohnungen.

In seiner soeben ges<lossenen Sißung hat der Provinzial-Landtag

Ee Hessen-Nassau auch die Frage der Kbederuia des Baues von

rbeiterwohnungen erörtert und dem Antrage der Invaliditäts- und AltersversicherungsanstaltHessen-Nassau zugestimmt, wonach die hypothbekarishe Anlegung eines Theiles des Vermögens der Versicherungsanstalt über die mündelsichere Grenze hinaus und zwar zum Zwecke des Baues von Arbeiterwohnungen genehmigt wird; der Provinzial-Landtag erklärte sich hiermit unter der Vorausfeßung einverstanden, „daß in Zukunft Kapitalien der Anstalt vorzugsweise und soweit als mögli<h in Schuldverschreibungen der öffentlichen Creditinstitute in dem Verwaltungsbezirke der Anstalt, der Kreise, Städte und Landgemeinden des Bezirks angelegt werden.“ Die Maximalbeleihung8grenze foll 66,9% des Werthes des Grundstückes nebst Gebäuden betragen und für diesen Zwe> dem Vorstande der Versicherungéanstalt alljährlih eine Summe von 200000 # zur Verfügung gestellt wreden.

Achnliche Beschlüsse zur Förderung des Baues von Arbeiter- wohnungen haben die Invaliditäts- und Altersversicherungs-Anstalten von Hannover, Berlin, Baden, Hessen, Sachsen-Anhalt und Schlesien gefaßt. Die Versicherungsanstalt von Hannover ist den anderen auf diesem Wene vorangegangen. Jeßt berichtet deren Vorstand über die praktishen Erfahrungen, die er hierbei gemacht hat. Die Hilfe der Anstalt wurde in dieser Sache von dem Spar- und Bauverein zu Hannover, dem Göttinger Spar- und Bauverein und dem Hamburger Credit-, Consum! und Bauverein (beides eingetragene Genossenschaften mit beschränkter Haftpfliht) in Anspru genommen, und es sind zwischen diesen und der Versficherungsanstalt bestimmte Vereinbarungen grn worden, die au<h {on auf dem Wege der Ausführung sind.

er Borstand berichtet nun über die Ansichten, die er in den Ver- handlungen betreffs der Förderung des Baues von Arbeiterwohnungen mit den genannten Vereinen gewonnen hat, in Folgendem:

1) Das dringende Bedürfniß nah dem Bau gesunder und billiger Arbeiterwohnungen ift au< in dem Bezirk unserer Versicherungsanstalt vorhanden. 2) Die energishste Förderung und die freubintte Mit- wirkung aller Betheiligten is da vorhanden, wo die Arbeiter selbs in Form der den Zeitbedürfnissen Rechnung tragenden Ge- nossenschaft mit beschränkter Haftpflicht das Werk in die Hand nehmen ; aber auh jede andere Form, Gemeinschaft der Arbeiter mit den Arbeitgebern, Vereinigung der Arbeitgeber zu ge- meinnüßigem Thun in Form der Actiengesellshaft, Patronage- system im beiderseitigen Interesse der Arbeitgeber und Arbeiter, insbesondere au<h das Werk des einzelnen Arbeiters verdient die Bei- hilfe der Anstalt. 3) Es lassen sih für jede besondere Art die zwe>- mäßigen Formen finden, in welhen der gemeinnüßige Zwe> des Wohnungsbaues e und zugleid) die Interessen der Versiche- rungsanstalt gewahrt werden können. Eine Schablone zu verfassen, würde shädli< sein und der Gestaltungsfähigfkeit der individuellen Kräfte unnöthige und schädliche Fefseln anlegen. 4) Bis auf weiteres muß der Bau von Arbeiterwohnungen in eigener Regie der Versicherungs- anstalt ausge\{<lossen bleiben; wenigstens erklärt sich der Vorstand der Ver- Las Hannover außer stande, den Bau und namentlih ie Verwaltung solcher Unternehmungen mit Erfolg unter den abweichendsten localen Verhältniffen als Nebenaufgabe zu leiten. 9) Die Hergabe von Hypothekendarlehen is aber auch das richtigere, weil der Träger des Unternehmens die Verantwortung und die eigene Freude am Schaffen empfindet, und doppelt gut angebracht, wenn sie den Arbeiter veranlaßt, aus eigener Kraft seine Lage zu verbessern. 6) Die Darlehen müssen jedo<h in manchen Fällen über die Grenze pupillarisher Sicherheit hinausgehen ; die Grenzbestimmung wird nah den localen Verhältnissen verschieden sein, immer aber fo gestedt werden müssen, daß der Eigenthümer au< no< einen für seine Ver- hältnisse beträhtlihen Theil des Werths selbs zu hüten und zu be- wahren hat. Der Zinêfuß muß ein niedrigerer sein, als der orts- übliche, denn es sollen eben für den ortsüblichen Preis bessere Wohnungen als die ortsüblichen geschaffen oder doc billigere Preise für gleich gute Wohnungen ermöglicht werden, um die wirthschaftliche Lage der Arbeiter zu verbessern. 7) Die lebendige Verbindung der Versicherungs- anstalt mit den Bauvereinen 2c., welche sichert, daß der gemeinnüßige Zwe> nicht verloren geht und baß das Geld der Arbeiter wirkli für die Arbeiter verwendet wird, läßt sih dadur erreichen, daß die Ver- ficherung8anstalt als Genosse in die Bauvereine, wo es angängig ist, eintritt und daß sie bei Hergabe des Darlehens an die gewährten Vortheile die oen Bedingungen knüpft. (Vorkaufsrecht der Genossenschaft bei Veräußerungen, Fähigkeit des ODar- lehens zur Rücßzahlung, wenn das Grundstü> ohne Geneh- migung des Gläubigers den Eigenthümer we<selt, 2c.) 8) Es ergiebt si<h aus dieser Verwendung des Vermögens der Ver- ficherungsansftalt ein unmittelbarer Nußen für die Versicherten, welcher dazu beiträgt, die Durhführung des Geseßes vom 22. Juni 1889 zu erleihtern. 9) Es erwähst aus diesen Be- Teihungen keine Gefahr für die Versicherungsanstalt, denn a. erfahrungsgemäß sind Arbeiterwohnungen die rentabelsten Kapital- anlagen, Þ. es genügt eine 34 9/% Verzinsung, damit die Versicherungs- anstalten ihren Aufgaben gere<ht werden können, c. es s\oll nur ein geringer Bruchtheil des Vermögens, zur Zeit 1/10 des Vermögens der Anstalt Hannover, in Anspruh genommen werden.

But Apbeilerbewegunga:

In Leipzig fand am Mittwoch eine von etwa 300 Personen besuhte Versammlung der Buchdrukergehilfen nebs männlichen und weiblichen Hilfsarbeitern statt. Der Vorsißende der Generalcommission deutsher Gewerkschaften Herr Legien aus Hamburg hielt einen Vortrag über das Thema ,„ Politishe oder gewerkschaft- Tiche Organisation“. Nah den Mittheilungen der Tarifcom- mission hâtte si< die Zahl der zur Tarifkasse s\teuernden Gehilfen in der leßten Zeit von 600 auf 800 vermehrt. Die Ver- \ E beschloß, wie wir dem Bericht der „Lpz. Ztg.“ entnehmen, die seit ihrer Betheiligung am Ausstande noch arbeitslosen und nun- mehr vom O ausgesteuerten Gehilfen vier Wochen lang, und zwar die verheiratheten mit 7 , die unverheiratheten mit 9 H wöchentlich zu unterstüßen.

ier in Berlin dauert der Ausstand der Korbmacher in der Anding schen Werkstatt unverändert fort. (Vgl. Nr. 279 d. Bl.)

Aus Mons berichtet ein Telegramm vom heutigcn Tage: Die Gruben-Directoren erklärten, die seitens der Arbeiter geforderte 25 oige Lohnerhöhung sei unmöglich. Die Bergleute beantragten bei dem Gouverneur die Einberufung des Arbeitsraths, da- mit dieser einen Schiedéspruh abgebe. (Vergl. Nr. 277 d. Bl.)

In Genua ssttriken nah etner telegraphishen Mittheilung des „D. B. H." 2000 Kohlenarbeiter und in den S<hwefel- gruben von Palerm o 3900 Arbeiter.

Weltausstellung in Chicago.

Schon vor längerer Zeit war von Deutsh-Ämerikanern der Ge- danke angeregt worden, ob nicht zur Weltausftellung in Chicago aus Deutschland eine Anzahl jüngerer Leute geshi>t werden könnte, welche die Ausstellungsgegenstände eingehend studiren. Die jungen Leute würden drüben eine Fülle von Anregungen erhalten, welche sie auf dem Gebiete der Kunst, des Gewerbes und des Maschinenbaues 2. zum Besten des deutschen Erwerbslebens verwerthen könnten. Jene Deutsh-Amerikaner hatten sich [nicht mit der Anregung des Gedankens begnügt, fondern au felbst größere Summen in Aussicht gestellt, di für diesen Zwe> zur Verwendung gelangen sollten. Wie die „C. N.“ hören, werden deutsherseits von den zuständigen Stellen Erwägungen darüber gepflogen, wie die Lösung dieser Frage am besten herbeizuführen sei. Man hofft aber, daß auch die Privatkreise hierbei ihre Opfer- willigkeit für einen fo gemeinnüßigen Zwe> in weitestem Umfange zeigen werden, zumal andere Länder, wie beispielsweise England, in Men Cs pee hE. Far b :

Ver dem Neichscommissar beigegebene Katalog-Aus\<u hat jüngst seine Schlußsißung abgehalten. Fn dieser sind ie ide ne< ausftetenden, auf den Katolog bezüglichen Arbeiten beendet worden. Die ni<t uünwichtigen Ueberseßungen der in den Katalog

aufzunehmenden Mittheilungen in die englishe und at e Spraie find tüchtigen Kräften anvertraut, sodaß man hoffen darf, au dieser Theil des Katalogs werdg zur allgemeinen Zufriedenheit aus- fallen. Im allgemeinen is bei der Zusammenstellung des Katalogs derjenige für die Wiener Weltausstellung als Muster angenommen worden. Demnächst wird mit dem Dru>k des ‘Katalogs begonnen werden fönnen und dann die Fertigstellung niht mehr lange Zeit in Anfpruh nehmen.

Nach Mittheilung des Statistishen Amts der Stadt Berlin sind bei den hiesigenStandesämtern in der Woche vom 13. November bis incl. 19. November cr. zur Anmeldung gekommen: 275 Ehe- \{ließungen, 947 Lebendgeborene, 29 Todtgeborene, 584 Sterbefälle.

Handel und Gewerbe.

__ Nachstehend theilen wir eine Liste unzu verl ässiger niederländisher Firmen mit, vor welhen die Amster- damer Polizeibehörde neuerdings fffentlih gewarnt hat. Es sind dies folgende:

NRoyal-Import-Gxport-Compagnie, C. oder C. G. Demkes & I. van den Bergh, Nieuweramstel bei Amsterdam;

Mevrouw de Wed. M. Zwartjcs, Amsterdam ;

van den Berg & Zwartjes, Amsterdam ; ;

Boner & Co., au< Mevrouw Kwak-Bönker, Amsterdam ;

A. Oosterwerff, Amsterdam;

E. J. d’Hont, Amsterdam, früher Rotterdam;

I. van der Markt & Co., Amsterdam ;

Mevrouw van der Markt-Renvoy, Holle & Co.; Import Export, alias: Mevrouw Winter-Holle, Amsterdam:

I. F. L. Muller & Co. in photogr. Artikeln, Amsterdam ;

Douwe van der Kamp, Amsterdam; i

H. F. Janson & Co. (alias Jansen & Co.), Amsterdam;

Ifffsers, de Vries & Co., Commission und Consignation, Amsterdam;

van der Meer & Co., alias: Marie van der Meer & Co., Amsterdam;

den Bruggen & Co., Amsterdæm;

E & Co., Amsterdam ;

L. Beyersbergen, Amsterdam ;

L. Casteleyn & Co., Amsterdam;

W. I. E. Havermans & Co., Amsterdam ;

Leonardus Casteleyn, Amsterdam ;

Wienholdz & Dom, richtiger Wienholz & Dohm, Erporkt, Import, Amsterdam ;

Mejnfvrouw K. de Vries, Amsterdam ;

Cornelis van den Bergh, Amsterdam, auh im Haag;

‘van Dormolen & Co., Import und Export mit Ost- und Wesft- Indien, Amsterdam ;

Mevrouw Winter van der Molen, Amsterdam;

Madame A. C. Färber, Amsterdam;

Madame Marie v. d. Meer & Co. oder Madame van der Meer de Vries, Amsterdam;

Mevrouw de Wed. Wouwenberg, Amsterdam;

__ Madame R. Reinders (Modewaaren und Hüte für Damen und Kinder), Amsterdam ;:

Mevrouw A. Eichhorn, auch F. C. Lotter oder Latter, Amsterdam.

Im Anschluß hieran kann der deutschen Geschäftswelt nur von neuem dringend empfohlen werden, vor jeder Credit- gewährung an unbekannte Personen im Auslande an zu- verlässiger Stelle Auskunft einzuziehen. Hierzu bieten die im Znlande sowohl wie im Auslande bestehenden Auskunftsbureaus hinreichende Gelegenheit. Was insbesondere die Nieder- lande betrifft, so mag z. B. darauf hingewiesen werden, daß die bekannte Berliner Auskunftei von W. Schimmelpfeng bereits vor längerer Zeit für die Niederlande eine Zweignieder- lassung in Ainstervam errichtet hat.

Tägliche Wagengestellung für en und Koks an der Ruhr und tn Ob esien. An der Nuhr sind am 25. d. M. gestellt 11 802, niht re<tzeitig gestellt keine Wagen. In Oberschlesien sind am 24. d. M. gestellt 5030, nicht rechtzeitig gestellt keine Wagen.

i __ Zwangs-Versteigerungen.

Beim Königlichen Amtsgericht 1 Berlin stand am 25. November das Grundstü des Eigenthümers Her mann Schulze, Putbuserstraße 13, zur Versteigerung; Nußungswerth 14 000 4; Mindestgebot 900 4; für das Meistgebot von 204 000 (4 wurde der Director der Dorotheenstädtishen Creditbank Sally Lefeber, riedrichstraße 105, Ersteher. Eingestellt wurde das Verfahren der wangsversteigerung. betreffend das Grundstü> des Geheimen-Secretärs

Adolf Bull, Swinemünderstraße 63.

Berlin, 25. November. (Amtliche Preisfeststellung für Butter, Käse und Schmalz.) Butter. (Im Großhandel s Berlin an Producenten bezahlte Abrehnungspreise.) Hof- und Ge- nossenschafts-Butter Ta. 117—120 Æ, Ila. 114—116 M, Il a. 110— 113 M, do. abfallende 104—109 4, Land-, Preußische 95—100 4, Neßbrücher 95—100 A, Pommersche 95—100 Æ, Polnishe 4, Bayerische Sennbutter 110—115 A, do. Landbutter 92—97 A, Schlesishe 98—103 A, Galizishe 85—90 #4, Margarine 40— 70 # Käse: Schweizer, Emmenthaler 83—87 #, Bayerischer 60—70 4, Ost- und Westpreußischer Ta. 60—65 Æ, do. Ila. 50— 60 M, Holländer 80—84 A, Limburger 40—45 4, Quadrat-Mager- fäse Ta. 26—30 Æ, do. Ila. 15—20 A Sd<malz: Prima Western 17 9/9 Tara 98,00 M, reines, in Deutschland raffinirt 98,00—59,00 Æ, Berliner Bratenshmalz 60,00—62,00 4 Fett, in Amerika raffinirt 43,00 (, in Deutschland raffinirt 42,00 4 (Alles pr. 50 ke). Tendenz: Butter: Für feinste Qualitäten blieben Preise be auptet, für abfallende nominell. Schmalz: fest.

Dem Bericht des Vorstandes der Norddeutschen Brauerei für das Geschäftsjahr 1891/92 entnehmen wir Folgendes: Es wurden 61 1304 h1 Bier abgeseßt gegen 64 684 11 im Vorjahre. Diesem Minderabsay stehen keine Ersparnisse an Unkosten gegenüber; im Gegentheil ergab sich für Nohmaterialien, wie Gerste und Malz, infolge höherer Preise eine Mehrauêëgabe von etwa 28 000 M, die durh den billigen Hopfenpreis ni<t ausgeglichen werden fkonnte. Die Abschreibungen, zusammen 82878 M, sind genau nah den Ansäßen des vorangegangenen Jahres bemessen worden. Der Reingewinn von 73166 soll wie folgt vertheilt werden : dem Reservefonds 3983 H, dem Aufsichtsrath 3583 4, dem Vorstand 4299 4, den Actionären 29/6 Dividende mit 69000 , Vortrag auf das nächste Jahr 1700 M

Dans Bomobershlesis<en Eisen-undMetallmarkt berichtet die „Schl. Btg.“: Im oberschlesischen Eisengeschäft hat sich die bis- herige Lage etwas nachtheiliger gestaltet. Der geringere Consum im Inlande, der Mangel an Vertrauen seitens der Großhändler, der geshwächte Absaß nah den Donau-Fürftenthümern 2c. und die niedrigen Notirungen der rheinis<-westfälis<hen Werke sind Ver- anlassung, daß den oberschlesishen Werken die Aufträge in s{<wächerem Maße zugehen. Troß der gedrückten reis: lage und sonstiger ungünstiger Verhältnisse waren die erte bis jeßt in- der Lage, den Betrieb in der bisherigen Stärke aufre<t zu erhalten. Auf Grund des ges{<wähten Eisen- ges<äfts ist auh der Verbrauh an Roheisen geringer und die Folge davon ist ein Anwachsen der Noheisenbestände auf den Hochofenwerken. Dies bedingt weiteres Einschränken des Hochofenbetriebes, mithin auch eine Einschränkung der Eisenerzförderung und Erzzufuhr, besonders aus deni Auslande. In Walzeisen is das Geschäft gegen die Vorwoche ebenfalls {{wächer geworden, weil felbst auf die feineren Handelseisensorten die Nahfrage nachgelassen hat. In den groben“

| Sorten is das Geschäft bereits fo matt, daß ni<t unbedeutende Quantitäten davon aufs Lager kommen. Für Feinbleche hat der Begehr in leßterer Zeit au<h nachgelassen und für Grob- bleche gehen die Aufträge so spärlich ein, daß die Walzenstre>en nur ganz Ln beschäftigt sind. Auch hier ist vorläufig für eine aldige Aufbesserung der andauernd E Lage feine Ausficht vor- handen, da bei den Kesselfabriken auf Dampfkessel und Reservoire zu wenig Aufträge vorliegen und die Schiffsbauten zum Tehten Theil ruhen. Die Eisengießereien klagen über weitere Abs{<wächung und unzulängliche Beschäftigung. NRöhrenwalzwerke und Draht- und Nagelwerke arbeiten no< ziemli< flott, jedo< meistens aufs Lager; dies hat jedo< weniger auf si, da diese Fabrikate hon bei Beginn des Frühjahrs flott abgeseßt werden. Im Zinkges<häft is eine Z ers nicht eingetreten ; die bisherigen Preise haben \ih weiter ehauptet.

Die „Amerikanischen Eisenbahnen“ behandelt eine besondere Arbeit, die. der bekannte Statistiker W. L. Hertslet im Verlage der Haude und Spener’schen “tere: (F. - Weidling) in Berlin hat erscheinen lassen. Im Jahre 1886 bereits wurde in dem gleichen Verlage eine denselben Gegenstand behandelnde kleine Schrift von dem N STUR Sas I. von Parseval herausgegeben, die in den Kreifen der Kaufleute und Kapitalisten die größte Beachtun fand, weil sie zum ersten Mal verläßlichen Aufschluß gab über die finanzielle Fundirung und die wirthschaft- liche Entwi>klung all der amerikanis<hen Bahnen, deren Actien oder Bonds an deutshen Börsen gehandelt werden. Solche Arbeiten unterliegen, dem natürlichen Lauf der Dinge zufolge, einer schnellen Veraltung; mit der Neubearbeitung hat sich daher W. L. Hertslet, der als langjähriger Verfasser von „Saling's Börsenjahrbuh* auf dem wirthschaftsstatistis<hen Gebiet längst einen bewährten Namen hat, ein neues Verdienst erworben. Die Anführungen, die in dent Büchlein gemacht werden, beziehen fi auf die Entstehung der ein- zelnen Unternehmungen, auf ihre Finanz- und Betriebsverhältnisse, und in allen Fällen darf man bei der Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit, die dem Bearbeiter ges werden Éönnen, auf die Zuverlässigkeit der mit- getheilten Angaben renen, wobei die Shhwierigkeiten, die sich bei der Be- schaffung des in Kürze zu verarbeitenden Materials herausstellten, be- fonders zu berü{sihtigen sind. Die Darstellungs8weise des Verfassers ist als eine flare, übersihtlißhe und gedrängte bekannt. Man findet alle wesentlihen, wihtigen und bemerfenswerthen Daten, die den Be- fißer, Käufer oder Verkäufer amerikanischer Eifenbahnwerthe in seinem Urtheil unterstüßen können. Durch die Zusammenfassung und die Vermeidung alles Ueberflüssigen gewinnt das durchaus empfehlenswerthe Buch für die Benußung einen noch erhöhten Werth.

Frankfurt a. M., 24. November. (Getreidemarktbericht von Joseph Strauß.) Im Weizengeschäft trat weder eine Belebung des Umsatßes, no<h eine nennenswerthe Preisänderung zu Tage, zeitweilig machte sih etwas verstärktes Angebot geltend, welches die ohnedies lustlose Stimmung no< mehr herabdrü>kte. Ab Um- gegend 16—#4 M, frei hier 16?/10—è} A, ausländishe Sorten 17— 194 # In Roggen behielt der Verkehr seinen lustlosen Ebarakter bei, es ift fortwährend vollauf genügendes An- gebot vorhanden, die Preishaltung matt, ohne daß jedo nennenswerthe Verwohlfeilung zu verzeihnen wäre; hiesiger Landroggen 143—F M, fremde Sorten 14/10—15 A Gerste zeigt no< immer feinerlei Anzeihen von Belebung oder Besserung, das Geschäft ist fortwährend von abnormer Lustlosigkeit, im ganzen ist die Preisrihtung no< immer eine nah abwärts ncigende. Die Notiz. für Franken (Ochsenfurter Gau), Ried, Pfälzer, Wetterauer 152—175 Æ je nah Qualität bleibt. Von Hafer find Mittelqualitäten \{<wer unterzubringen; die Notiz von 132—143 # bleibt, exquisite viel darüber. Mais. breibi ziemli< fest, do< waren Umsäße ni<ht von Belang, Mixed 123 M, beschädigtes 12 #, La Plata 127 Æ Roggen- Tfleie 91-10 Weizenkleie 3—] Æ Svelzinlureg wenig belebt; leßter Curs 1,80 A Torfstreu (Ersaß für Noggenstroh). Auswärtige Meldungen blieben ohne Einfluß, Verkehr und Preise stagnirend, 1,10 Æ bezahlt. Malzkeime abgeshwäct, zweite Hand drü>kt, Notiz etwa 10 K Wallnüsse hatten shleppenden Verkehr, Bedarf kein unbefriedigender, 17 bis 18 M pro 50 kg je na< Qualität. Am Mehl- markt is fast ni<ts umgegangen; abgesehen von der überhaupt herrschenden Lustlosigkeit hält au<h die Jahreszeit von größeren Abschlüssen zurü>, nachdem die großen Bä>ereien si vor- läufig genügend versorgt haben. Hiesigés Weizenmehl: Nr. 0 28—29 M, Nr. 1 253—264 M, Nr. 2 241 —257 M, Nr. 3 2247—23> M, Nr. 4 L M, Nr. 5 123—13 A Milch- brot- und Brotmehl im Verband 48—50 A Nord- deutshe und westfälis<he Weizenmehle Nr. 00 221— 237 M Roggenmens, loco hier, Nr. 0 23—24 Æ, Nr. 0/1 215—225 AMÆ, Nr. I 20—21 A (Obige Preise verstehen si< pro 100 kg ab hier, häufig au< loco auéwärtiger Stationen uünd bei mindestens 10 000 kg.)

Sey 25. November. (W. T. B.) Kammzug-Termin- handel. a Plata. Grundmuster B., per Dezember 3,85 4, per Januar 3,872 H, per Februar 3,90 #4, per März 3,90 4,

er April 3,925 #, per Mai 3,95 , per Juni 3,95 #, per Juli 3,977 #, per August 4,00 Æ, per September 4,00 , per Oftober 4,00 A Umsatz 250 000 kg.

Wien, 25. November. (W. T. B.) Die Brutto-Einnahmen der Orientbahnen betrugen in der 44. Woche (vom 28. Oktober bis 3. November cr.) 463 604,36 Fr., Zunahme gegen das Vorjahr 126 776,92 Fr. Seit Beginn des Betriebsjahres vom 1. Janvar bis 3. November 1892 betrugen die Brutto-Einnahmen 10 780 329,49 Fr., Zunahme gegen das Vorjahr 504 907,28 Fr.

London, 25. November. (W. T. B.) Die heute eröffnete Wollauction war sehr stark besuht bei lebhafter Betheiligung, Preise fest. Australische Greasy # d., scoured 1 d., Cap, beste shnee- weiße è d., fehlerhasfte [Oneeweils 1 d., Greasy ¿—$ d. über lebte Schlußpreise. Das Totalangebot betrug 220 000 Ballen, heute Me 8795 Ballen angeboten. Schluß der Auction am 17. De- zember.

An der Küste 2 Weizenladungen angeboten.

Manchester, 25. November. (W. T. B.) 12r Water Taylor 62, 30r Water Taylor 8, 20r Water Leigh 74, 30r Water Clayton 8, 32r Mo> Brooke 84, 40r Mayoll 84, 40r Medio Wilkinson 9#, 32r e Lees 73, 36r Warpcops Rowland 84, 36r Warp- cops Wellington 9, 40r Double Weston 94, 60r Double courante Qualität 12, 32“ 116 yardé 16 X 16 grey Printers aus 32r/46r 156. Steigend.

Glasgow, 25. November. (W. T. B.) Die Vorräthe von Roheisen in den Stores belaufen sih auf 348 491 Tons gegen 499 678 Tons im vorigen Jahre. Die Zahl der im Letriebe befind- lihen Hochöfen beträgt 78 gegen 77 im vorigen Jahre.

_ New-York, 2. November. (W. T. B.) Die Börse eröffnete niedriger, verlief in s{<wacher Haltung und“ {loß matt zu niedrigsten

Tagescursen. Der Umsay der Actien betrug 254 000 Stü>. Der Silber-

Silbervorrath wird auf 1430000 Unzen geschäßt. verkäufe fanden nicht statt.

Mit dem transatlantishen Dampfer „Champagne" gehen morgen 600 000 Dollars Gold, mit dem Norddeutschen Lloyd-Schnelldampfer „Saale“ 225 000 Unzen Silber und 413000 mexicanis<e Dollars nah Europa ab.

Weizen anfangs höher, blieb den ganzen Tag besser auf De>kungen der Baissiers. Schluß stetig. Mais zog nah Er- öffnung an auf kleine Zufuhren im Innern. Schluß stetig.

_ Baumwollen-Wochenbericht. Zufuhren in allen Ünions-- bäfen 253 000 Ballen, Ausfuhr na< Großbritannien 118 000 Ballen, Bie nah dem Continent 77 000 Ballen; Vorrath - 1 042 000

allen. : : : __ Chicago, 25. November. (W.-T. B.) Weizen anfangs höher, dann etwas s{hwächer, später aber wieder besser auf Dé>ungen der Baissiers. Schluß stetig. Mais zog na< Eröffnung an, în-

folge De>kungsnachfrage der Bâiffiers. Schluß stetig.

a

der modernen Stadt Emden. Der Verfasser

bereits mit Anerkennung erwähnte Werk abgeschlossen.

Mi 281.

Literatur.

Geschichte.

ff. Die Stadt Emden inGegenwartund Vergangenheit. “Von Ober-Bürgermeister Fürbringer. Emden, W. Schwalbe. * Dem Titel entsprechend enthält das Buch außer der Geschichte t Iäufig bis zum Ende des 15. Jahrhunderts) eine genaue Beschreibung : beginnt mit der Er- klärung des Namens der Stadt, beschreibt ihre Lage und ihr Mente so namentli<h die bedeutendsten Gebäude und Sehenswürdigkeiten, die Hafenanlagen und Wasserbauwerke, und unterrihtet uns endlich eingehend über alle Zweige der modernen städtis<hen Verwaltung, wo- bei er gelegentlih auf frühere Zeiten zurü>greift. Der historische Theil beschränkt sich niht auf die Geschichte der Stadt Emden allein, er bringt zunächst eine umfangreiche detaillirte Geschichte Ostfrieëslands von der Nömerzeit bis zum Ende des 16. Jahrhunderts, um erst dann auf Emden selbst überzugehen. So wird uns die Geschihte Emdens im engsten Zusammenhang mit dem Territorium, zu dem es gehört, dar- gestellt. Die Stadt zumersten Male im 12. Jahrhundert urkundlich er- wähnt stand lange G unter der Herrschaft der Grafen von Ravensberg und der Bischöfe von Münster, bis allmählich die münsterisdhen Beamten erblih und unabhängig wurden und als Häuptlinge, deren Ostfriesland damals viele zählte, regierten. Diefe fleinen Dynasten unterhielten enge Beziehungen zu den sogenannten Vitalienbrüdern, einer Seeräuber- bande, und verwi>elten dadur<h Emden in wiederholte Kämpfe mit der Hansa, namentli<h mit Hamburg, die das ae in Friesland auf die Dauer nicht dulden konnten. Im 15. Jahrhundert beseßten die Ham- burger sogar zeitweiligEmden, und wenn sie es auch stets nach wenigenJahren wieder räumen mußten, so ist nah Fürbringer do< zweifellos, daß die Emdener der engen Verbindung mit dem großen Handeléplaße wesentlihe commerzielle Vortheile verdankten, die den Grund zu der späteren Blüthe Emdens legten. Die Schilderung dieser Blüthezeit

„ist einem zweiten Bande vorbehalten.

MiitavisMe N Erinnerungen aus dem Kriege 1870/71 nah französi-

‘. schen Tagebüchern, herausgegeben von Ludwig Halévy, überseßt

von Dr. H. Altona. Braunschweig 1892. Verlag von Otto Salle. Der bekannte französishe Romanschriftsteller und Akademiker Ludwig Halévy hat das vorliegende Werk nah den S von Mitkämpfern oder Zuschauern zusammengestellt. So berichtet ihm ein Jäger über seine Erlebnisse von Fröschweiler nach Sedan, ein Meter Bürger über die Schlacht von Forbach (Spicheren), ein Husaren-Offizier über die Schlachten von Grave- lotte (woînit die in Deutschland mit Mars la Tour bezeichnete Schlacht emeint ist) und St. Privat, ein Mobilgardist über den Tag von Billerserel u. st w. Sämmtlihe Schilderungen geben ein inter- essantes und anschauliches Bild von den Erlebnissen aus der Kriegs- zeit und gewähren eine anziehende Unterhaltung, weil sie, ohne ganz frei zu sein von ungerehten Beschuldigungen, sih do< im allgemeinen mit einer anerfennenswerthen, von der gegnerishen Seite niht immer geübten Unparteilichkeit über das Verhalten der deutschen Truppen aus\prehen. Die Ueberseßzung ins Deutsche ist tadellos. h

Das November-Heft der Jahrbücher für die deutsche Armee und Marine. (Herausgeber Oberst - Lieutenant E. Sc<hna>enburg; Verlag von A. Bath, Berlin, Mohrenstraße 19) enthält einen Aufsaß „Ueber die Leitung der E und des Feuers der Artillerie in der Feldschlaht“, worin die Thätigkeit der

y Feld-Artillerie und ihrer Führer beim Zusammenwirken mehrerer Armee-Corps, ja selbs Armeen unter besonderer Beachtung der in den Schlachten des Krieges 1870/71 gewonnenen und in den Werken von Hoffbauer und Leo überlieferten Erfahrungen betrahtet wird. Dr. Dangelmaier erörtert in einer Arbeit „Der militärische Landesverrath“ das immer mehr hervortretende Bestreben der großen Militärstaaten, ni<ht nur den militärischen Landesverrath in Krieges-, sondern namentli<h au<h in p durh die Geseßgebung unter Strafe zu stellen, und fommt dabei zu dem Schluß, daß infolge der Vervollkommnung der Kriegsmittel und der rasen Veränderungen, denen fie unterworfen sind, ein jeder Staat dur<h den Verrath der von ihm getroffenen militärishen Vorkehrungen auch in Friedenszeiten jcßt viel größeren

- Gefahren ausgeseßt sei als früher, und daß deshalb Strafen gegen

_den im Frieden begangenen militärishen Landesverrath gegenwärtig durch- aus erforderlich seien. Dr. W. Sachs hat einen Beitrag geliefert „Ueber die Wirkungsweise der kleinkalibrigen Gewehrgeschosse,“ worin er her- vorhebt, daß nah den Erfahrungen im chilenishen Bürgerkrieg in künftigen Kriegen die Zahl der Verwundungen infolge der erhöhten Treffsicherheit eine größere, dagegen die Art und die Heilbarkeit der Verwundungen eine günstigere sein werde; das Éleinkalibrige Geschoß verhalte fih zu dem Bleigeschoß, wie etwa ein scharfer Säbel zu einem stumpfen. In zwei anderen Aufsäßen wird endli<h no< „Die kriegs- wissenshaftlihe Fortbildung des Offiziercorps“ und „Die Theorie beim militärischen NReitunterriht“ besprochen.

Russisch - Deutsches militärishes Wörterbuch, Sammlung militär-te<nis<er Ausdrü>ke mit Erläuterungen, unter Mitwirkung mehrerer Offiziere bearbeitet von Dr. J. Koiransky, Docenten an der Königlich bayerischen Kriegs-Akademie. Dritte Liefe- rung. - E. S. Mittler u. Sohn. Berlin 1892. Preis 3,50 M Mit der jeßt erschienenen dritten Lieferung is das an dieser Stelle

mil Uner / i Die erstrebte Vollständigkeit ist, foweit sich das nach einigen Stichproben feststellen läßt, in glänzender Weise erreicht, sodaß eine lange empfundene Lücke damit nun glü>li< auêëgefüllt erscheint. Für das Studium der russishen Militär-Literatur, besonders der die Kriegsgeschichte, sowie die Gebiete der Befestigung, Terrainlehre, des Eisenbahnwesens, der Militärverwaltung u. |. w. behandelnden Werke, wird sih das

«427 Seiten starke Wörterbuch als ein gutes Hilfsmittel erweisen.

;: Taschenbuch für die Feld- Artillerie, herausgegeben

¿:- von Wernigk, Premier-Lieutenant im Großherzoglich ‘hessischen

: E e eaitttent Nr. 29. 9. Jahrgang. Berlin 1892.

¿-E. S. Mittler und Sohn. Preis 2 X Das auch in diesem

¿“ Jahre mit gewohnter Pünktlichkeit ershienene Taschenbuch für 1892/93 hat in fajt allen Kapiteln eine dur<h das im Juni d. J.

„in Kraft getretene Erxercier-Neglement für die Feld-Artillerie,

¿ fowie die im Laufe des Jahres cingetretenen Aenderungen der übrigen Dienstvorschriften Hervorgerufene eingehende Um- arbeitung erfahren. Neu aufgenommen ist das die Befehl8über--

. mittelung dur< Meldcreiter behandelnde Kapitel V., das in erster Linie für den Unterricht der Unteroffiziere und Einjährig-Freiwilligen in diesem Dienstzweige dienen soll. Die hierbei aufgeführten Bei- spiele von Befehlen, wie sie s< für cine Abtheilung vor der Ent- wi>elung zum Gefe<ht und zum Einrü>ken in die Feuerftellung er- fahrungsmäßig ergeben, bieten dem Lehrer einen zwe>mäßigen Anhalt

¿Für diesen Unterricht, umsomehr, da das Verständniß dafür durch eine

:z- beigefügte Geländeskizze wesentlich erleihtert wird.

Erziehung und Unterricht.

Deutsches Lesebuch für mehrklassige Volksschulen, von G. Ehre>e, Lehrer in Bernau, und F. Hammermann,

Rector in Oranienburg. In drei Theilen. Erster Theil : Unterstufe

Preis 95 „), zweiter Theil: Mittelstufe (Preis 1,25 46), dritter

Cheil:: -Oberstufe (Preis 1,80 4). Berlin, Verlag von E. S. Mittler

u. Sohn, Königli Hofbuchhandlung. Die Verfasser dieses neuen Volks\chullesebu<hs wollen damit, wie sie selbst sagen, „dem Ansturm zerstörender Elemente im Volksleben" entgegentreten. Mit aufmerksamer

Zweite Beilage zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlih Preußischen Staats-Anzeiger.

1892.

Berlin, Sonnabend, den 26. November

Beachtung der Zeichen der Zeit haben sie in dem Lesebuch als festes Ziel ins Auge gefaßt, fromme Menschen, pflihtbewußte Bürger und treue Arbeiter für die mannigfahen Berufsstände des Vater- landes zu erziehen. Zu allgemeiner Verbreitung, z. B. in Fort- bildungs\hulen, überhaupt zu einem Volkslesebu<, eignet si insbesondere der dritte Theil des Werks. Durch feinen forgfältig ausge- wählten und geordneten Inhalt dürfte dieses Lefebuh fich, wohlge- eignet erweisen, die heranwahsende Jugend mit Begeisterung für das Edle und Große, mit Willensstärke und Thatkraft, mit Gottesfurcht und Gottvertrauen zu erfüllen. : ;

ff. Lehrbuch der Geschichte für die oberen Klassen höherer Lehranstalten von Dr. W. Martens. In drei Theilen. 1. Theik: Geschihte des Alterthums. Hannover-Linden, Manz und Lange. (Preis 3,40 (4) An ein Bu wie das vor- liegende, das aus\cließli< zum Gebrauche auf Schulen bestimmt ift, muß man mit anderen Anforderungen als an ein rein wissenschaft- liches Werk herantreten. Von vornherein wird man darauf verzichten, darin neue Ideen, die der Fors<ung neue Bahnen vorzeichnen, oder neue Resultate in der Einzelforshung zu suchen, ebensowenig wird man eine fünstlerishe Darstellung der Gesammtgeschichte eines Volkes oder Zeitraumes erwarten, fondern man wird in erster Linie den Nach- dru> legen auf eine geschi>te Auswahl des mitgetheilten Stoffes, da einerseits ni<ht zu viel geboten werden darf, um Gedächtniß und Fassungskraft des Schülers nicht zu überlasten, andererseits fein zum Verständniß des historishen Zusammenhangs wichtiges Moment bei Seite zu lassen ist. Daß die Angaben wissenschaftlih zuverlässig fein müssen, ist selbstverständlich ; kurzgefaßte übersichtlihe Erzählung und flare Charafkteristifen, die bei aller Knappheit eine deutlihe An- \hauung vom Verlauf der Dinge vermitteln, sind ni<ht minder er- forderli<. Das Buch von Martens entspricht diesen Anforderungen im allgemeinen; mag auch der eine oder andere Lehrer beim Schul- gebrauh hier etwas überflüssig finden, dort eine Mittheilung ver- missen, so wird derartigen etwaigen Mängeln, da ein Lehrbuch niemals den Vortrag des Lehrers ganz überflüssig machen soll, leicht abzuhelfen sein. Die Darstellung ist fließend und klar, und was den wissen- schaftlihen Werth betrifft, so {ließt si<h der Verfaffer eng an die Arbeiten der Hauptvertreter der modernen Geschichtswissenschaft auf dem Gebiete des Alterthums, wie Dunker, Curtius, Droysen und namentli<h Mommsen an, nah deren Vorgange er eine ganze Reihe von bekannten Erzählungen aus der ältesten griehishen und römischen Zeit als fagenhaft kennzeihnet oder überhaupt niht erwähnt. Er folgt diesen Werken auh da, wo die jüngere Forshung zu anderen Resultaten gelangt ist, z. B. in der Auffassung der Perserkriege, wo er an der ungeheuern Ueberlegenheit der Perser über die Griechen fest- hält, ohne die- dagegen gemachten Einwände, die wohl allmählich der größte Theil der Forscher als stichhaltig anerkannt hat, A Da indessen die Ergebnisse der jüngsten Forschung sh in den meisten Handbüchern und zusammenfassenden Arbeiten das Bürgerrecht noch nicht erkämpft haben, und die Berücksichtigung wissenshaftlicher Contro- versen und Hypothesen bei dem Zwe>k des Buches ausgeschlossen war, so läßt sih der unbedingte AnsGluß ân jene Hauptwerke wohl recht- fertigen. Man darf daher die Hoffnung hegen, daß dies Buch bei feinen übrigen Vorzügen seinen Zwe>, für Lehrer und Schüler den Geschichts- unterricht zu erleichtern, vollauf erreihen wird. Skizziren wir no< kurz seinen Inhalt. Es beginnt mit einer Einleitung über das Wesen der Geschichte, schildert sodann die Hauptzüge der babylonischen, persishen und egyptishen Geschichte, um zu ausführliherer Dar- stellung der griehishen und römischen Geschichte bis zum Untergange des weströmischen Reiches überzugehen. Den Hauptbestandtheil bildet naturgemäß stets die politishe Geschichte, do< ist au< überall auf Verfassung, Religion und Sitte gebührend Rücksicht genommen. Die Literaturgeschichte ist dagegen etwas mager behandelt; vielleicht hielt den Verfasser die Erwägung, daß der Schüler während der Lektüre der alten Schuiftsteller ausgiebig hierüber belehrt werde, von einem näheren Eingehen auf diesen Gegenstand ab. Zwei Namens- verzeichnisse und vier Karten (Persien, Griechenland, Italien und das römische Reich unter Trajan) sind dem Buche beigefügt.

Kunstangelegenheiten. E

4E Das Oktoberheft des Jahrbuhs der Königlich Preußischen Kunstsammlungen (Verlag der G. Grote’schen Perlagsbuchhandlung) enthält eine Studie R. Kekulé’s über einige Holzschnittzeihnungen Holbeins, die sich inhaltlih an desselben Verfassers ifonographische Untersuchungen über die Geburt der Eva im Jahrbuch des K. K. archäologischen Instituts anschließt und die zeitliche Fixirung einzelner Formschnitte Lützelburgers nahZeichnungen des jüngern Holbeins ermöglichte. Zugleih werfen K.'s Erörterungen neues Licht auf die Stellung des Renaissancekünstlers zu den Vorlagen älterer Zeit. Ein „Beitrag zur Geschichte des ältesten italienischen Holzschnittes“ von Paul Kristeller beschäftigt si< mit einigen unlängst im römischen Staatsarhiv aufgefundenen Holzschnittfragmenten, für deren Datirung ihre Benußung werthvolle Anhaltspunkte liefert. Sie fanden \i< nämli< in den Einbandde>keln von RNRegister- bänden des Archivs, die aus den Jahren 1466 und 1469 herrühren. Damit hat unsere Kenntniß von der frühen Entwickelung der Holzschneidekunst in Jtalien eine wichtige und ge- sicherte Bereicherung erfahren. Die Formschnitte, satiris<he Dar- stellungen und Kartenbilder, sind in klarer Lichtdru>énachbildung dem Aufsaß beigegeben. Der Münchener Kunstgelehrte H. [{fli n veröffentlicht den frühesten Entwurf Michelangelo's zur Decke der Sirxti- nischen Kapelle: eine flühtige Federzeihnung des Britishen Museums, die eine wesentli einfahere Anordnung der Dekengemälde zeigt als die endgültige Ausführung, und einen interessanten Einblick in die Geschichte dieses gewaltigen Werkes gewährt. Paul Seidel schildert im Anschluß an die diesjährige Frühjahréausstellung der Kunstgeschicht- lihen Gesellshaft und gestüßt auf seine reihe Archiv- und Literatur- kenntniß der Zeit, Friedrih den Großen als Kunstsammler, eine Auf- gabe, welcher derselbe Verfasser demnächst ein größeres Prachtwerk „Friedrih der Große und die französishe Malerei feiner Zeit“ zu widmen gedenkt. Den Schluß des Heftes bildet die Publikation der für die Gemäldegalerie unlängst erworbenen Johannispredigt von Rembrandt mit orientirendem Texte von W. Bode. |

4+ Die zweite Lieferung von E. Wasmuth’s Lichtdru>k- publifation „Monumente und Standbilder Europas“ ent- hält: Die Columbus-Säule in Barcelona, Schaper's Goethe, Begas? Schiller, Encke’s Königin Luise, Drake's Friedrih Wilhelm III., Rauh's Feldherrnstatuen und die Siegesfäule. in Berlin, die -Kriegerdenkmäler in Breslau und Leipzig, sowie die antike Reiterstatue Marc Aurel’s auf dem Capitol und Giovanni da Bologna?s Bronzebild Cosimo’s 1. Medici in Florenz. Auswahl und Ausstattung sichern dem groß angelegten Werk einen vornehmen Platz unter den zahlreichen Veröffentlichungen ähnlicher Art. Die ganze Sammlung is auf zwölf e eCaes von je zehn Blatt in groß Folio Pet und foll na< ihrem Abschluß einen erläuternden Text er-

alten.

; F In den leßten Heften von Hirkh's Formen Bag, der jeßt bereits auf das zwölfte Jahr feines Bestehens zurüdbli>t, ist ganz besonders reihhaltig das Kunstgewerbe ‘und die Kleinkunst ver- treten, aber au die große Kunst geht nicht leer aus. Das bezeugen die Namen. von M attael, Donatello, Mantegna, Lionardo da Vinci, Boltraffio, Ferrari, Albreht Dürer, Holbein, van Dy>, Rubens, NRembrandt, Boucher, Natoire und Tremolière, die mit carakteristishen Proben ihrer Kunstweise ver- treten sind. Der Umfang dieser einzig dastehenden Sammlung ift

dantif zu einer Größe angewachsen, daß er cs an Bildungswerth mit vielen öffentlihen Museen aufnehmen fann. | 4+ Die kunstgewerblihen Publikationen des Verlags von Julius

Hoffmann in Stuttgart, „Decorative Vorbilder“ und

I Perl Vas für das Kunstgewerbe“ nehmen. rüstigen Fort- gang; während die * krstgenannte Sammlung due riginal- entwürfe deutsher Künstler und Kunsthandwerkër, zum theil in farbiger Reproduction bietet, finden wir in der zweiten eine internationale Nundschau über die kunstgewerblihen Veröffent- lihungen aller Länder, unter denen namentli< England stärker heran- ezogen ist. Der billige Bezugspreis von 1 # bezw. 1,20 Æ pro eft ermöglicht die weiteste Verbreitung in kunstindustriellen Kreisen. Unterhaltung.

Astaroth. Mentha. Zwei Novellen aus dem deutschen Mittelalter von Wilbelm Jensen. (Breslau, Schles. Buchdruckerei, Kunst- und Verlagsanstalt vorm. S. Schoktlaender). Preis geheftet 4 M, gebunden 5 M Die beiden, in diesem Bande vereinigten neuesten Gaben der Iensen’shen Muse sind zwei mit gleicher Meister- schaft ausgeführte Gegenstü>ke: beide Erzählungen veranshaulichen uns die alles besisgende Macht der Liebe; aber während die erstere uns die Liebe haupt\sächli<h tin" ihrer sinnlichen Erscheinung als eine flammende, verzehrende Leidenschaft vorführt, die unwiderstehlih ihre Opfer in Verderben, Schande und Tod stürzt, schildert die zweite Erzählung uns die Liebe in ihrer reinsten, edelsten Offenbarung als eine fittlihe Macht, die zu aufopfernder, selbstverleugnender Hingebung führt und Trost und Rettung aus Elend und Schande bringt.

Im römischen Palast. Roman von A. Evers. 2 Bände. (Breslau, Schlesishe Buchdruckerei, Kunst- und Verlags- anstalt vorm. S. Schottlaender). Preis geheftet 8 4, gebunden 10 A Zahllos find die Erzählungen, welche das Herzenserlebniß eines deutshen Künstlers im gelobten Lande Jtalien zum Gegenstand haben. Mit den \<ablonenhaften Producten dieser Art hat der A. Evers’she Noman troß des gleichen Grundmotivs nichts gemein. Die lebenswahre Gestaltung der Charaktere, die feine, über- zeugende, den Leser zur lebhaften Antheilnahme zwingend& Schilderung der Seelenvorgänge, der Herzensconflicte, die Fülle geistreicher Details heben diesen Roman weit über das alltägliche Mittelgut. Dabei find die bunten, wechselnden Bilder des italienischen Lebens in glühenden Farben gemalt.

„In s<werer Bö“ von Hans Nagel von Brawe. Leipzig, Verlag von Karl Reißner. Im Gegensaß zu dem sonst bei modernen Romanschriftstellern \o beliebten Militärleben bildet in dem vorliegenden Werke das mit großem Geschi>k geschilderte Leben und Treiben der deuts<hen Marine den Hintergrund der in der jüngsten Vergangenheit svielenden Erzählung. Der Conflict, der den Helden „in {were Bö“ bringt, ist wirkungsvoll dur die gesc{hi>te Gegen- überstellung der Charaktere und fesselt die Spannung des Lesers bis zu dem Schlußkapitel, in welchem der hochherzige Seemann in den Hafen eines ni<ht mehr erhofften Lebensglü>kes einläuft. Neben Bildern des amerikanischen high - life is in den Schlußkapiteln die nicht minder lebendig&Schilderung des ländlihen Stilllebens gegeben, wie es der Prinz Friedrih Karl auf Rügen zu führen liebte, und in- dem der Verfasser die kernig gezeichnete Gestalt des Prinzen in seinen Roman verwebt, erhöht er no<h das Interesse seiner Leser für die da- rin gezeichneten Persönlichkeiten, die fast alle ein lebenswahres frisches Gepräge tragen.

Die Nr. 2578 der „Jllustrirten Zeitung“ (Verlag von J. J. Weber in Leipzig) enthält u. a. folgende Abbildungen: Grover Cleveland, der neugewählte Präsident der Bereinigten Staaten von Amerika. Die jeßt freigelegte Südfront des Regensburger Doms. Dr. Karl Petersen, Erster Bürgermeister der Freien Stadt Hamburg, +# am 14. November. Mitglieder des Deutschen Reichstags. 2 Tableaux mit 68 Abbildungen.

Weihnachts - Literatur.

Paul Güßfeldt's Prachtwerk „Kaiser Wilhelm?s Il. Reisen nach Norwegen in den Jahren 1889 bis 1892“ er- scheint dieser Tage im Verlage der Gebr. Paetel hierselbst in zweiter Auflage. Diese weist umfassende tertlihe wie illustrative Ver- mehrungen durch die Schilderungen der beiden leßten Neisen Seiner Majestät des Kaisers nah Norwegen auf; au<h das Format ist ein größeres und das Papier ein besseres geworden, troßdem aber der Preis der gleiche geblieben. Das prächtige Werk dürfte auf dem dieéjährigen Weihnachtstish eine der ersten Stellen einnehmen.

Die deutschen Einigungskriege. JIllustrirte Kriegs- d<ronif der Jahre 1864, 1866 und 1870/71. Von Victor von Strant, Königlich preußishem Major z. D. Ein Großfolio-Band mit 120 Holzschnitt-Tafeln und 36 Seiten Text. Preis in Original- Leinenband 12 Verlag von I. J. Weber in Leipzig. Ver- anlaßt dur< den befannten Ausfpru<h des Deutschen Kaisers: es möchte im Geschichtsunterriht die neuere deuts<he Geschichte mehr als bisher in den Vordergrund treten, fowie dur<h den Umstand, daß für die in ihrem Verlage erschienenen längst vergriffenen Jllustrirten Kriegschroniken immer no< ein überaus lebhaftes Interesse im Publikum vorhanden ist, hat sich die Verlagsbuchhandlung von J. J. Weber in Leipzig entschlossen, aus ihren Jllustrirten Kriegs- Chroniken der Jahre 1864, 1866 und 1870/71 die besten und <harak- teristis<sten Bilder auszuwählen, und dem deutshen Volke und Heere unter dem Titel „Die deutshen Einigungékriege 1864, 1866 und 1870/71“ ein Werk darzubieten, das die Geschichte dieser ruhm- reichen Kriege in möglihs umfassenden Zügen in Wort und Bild zur Deeitiina bringt. Ein besonderer Werth des Buches ist darin zu suchen, daß die Originale zu sämmtlichen darin ent- haltenen Abbildungen von Künstlern stammen, die im Auftrage der „Jlustrirten Zeitung“ im Gefolge der Hauptquartiere und Truppen- stäbe auf den verschiedenen Kriegs\hauplätzen anwesend waren, daß es sich also um völlig authentische, unter dem Eindru>e des Mit- erlebten entworfene Bilder handelt. Der Text ist von einem Mit- kfämpfer auf Grundlage der Generalstabswerke und des Selbsterlebten in volksthümlicher, aber sa<hgemäßer Weise verfaßt und dur zahlreiche Karten und Pläne erläutert. Wir empfehlen unferen Lesern das Werk, das, im Format und auf dem Papier der Illustrirten Zeitung bergestellt, 36 Seiten Text, 120 Bildertafeln mit 84 Porträts, 80 Gefechts- und Geschichtsbildern sowie 22 Karten und Plänen ent- hält, als ein von Patriotismus durhwehtes Volksbu<h im wahrsten Sinne des Wortes. ;

Der Damen-Almanach (Notiz- und Schreibkalender), der von der Haude- und Spener’shen Buchhandlung (F. Weidling) in Berlin herausgegeben wird, ist soeben in seinem 27. Jahrgang für das Sahr 1893 erschienen (Pr. 2 46). Seine Auéstattung ist, wie immer, geshma>voll, die Einrichtung praktish; eine hübsche Novelle sowie einige kleinere Gedichte dienen dem Unterhaltungsbedürfniß. So wird dem Kalender au in seinem neuen Jahrgang die Gunst der Damen- welt gesichert fein. | j

Es dürfte die zahlreichen Verehrer Friederike Kempner's interessiren, zu erfahren, daß die beliebte Dichterin den Weihnachts- markt mit einer neuen Gabe beschenken wird. Wie uns die Stuhr? e Buchhandlung (Berlin NW.) mittheilt, bereitet sie die Herausgabe zweier Bändchen Novellen vor, die in eleganter Ausstattung in aller Kürze erscheinen werden. Es is wohl nicht zu bezweifeln, daß diese P der Dichterin si einer glei lebhaften Nachfrage er- reuen werden, wie ihre bereits in sc<|ter Auflage vorliegenden

Gedichte.