1892 / 283 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

S T R E ERER

Hohenwarticlub hätten sich jedo<h gegen jede Unter- brehung ausgesprohen, worauf der ‘Minister-Präsident Graf Taa ffe erklärt habe, die Frage sei unter diesen Um- ständen niht weiter zu verfolgen. Snfolge dieses negativen Resultats cmpfehle der Vorstand der Partei, gegen den Dispositionsfonds zu stimmen. Der Club stimmte dem Antrage des Vorstandes einhellig zu. Der zahlreich besuchten Sitßung wohnte au< der Minister Graf Küenburg bei. Das ungarische Unterhaus hat gestern mit großer Majorität das Budgetprovisorium angenommen.

__ Frankreich.

Das Ministerium Loubet hat gestern dem Präsidenten der Republik seine Entlassung eingereiht. Ueber die Vor- gänge, die diesen Entshluß herbeigeführt haben, liegt folgender

eriht des „W. T. B.“ vor: / L

In der Deputirtenkammer richtete gestern der Depu- tirte La Ferronna ys eine Anfrage an die Regierung über die näheren Umstände bezüglih des Todes des Barons

Reinach und erwähnte hierbei das Gerücht, daß Reinach gar .

niht „todt und seine Beisezung nur eine fictive sei. La Ferronnays verlangte die Éxhumirung der "Leiche. (Beifall auf der Rechten.) Der Justiz-Minister Ricard bedauerte, daß von der Rednertribüne aus folhe Behauptungen aufgestellt würden. Man wolle ledigli<h die Staats- verwaltung in der Achtung herabsezen. (Lärm auf der Rechten.) Bei der Beisezung der Leiche Reinach's seien alle üblihen Formalitäten erfüllt worden; der Arzt habe fest- gestellt, daß Reinach eines natürlihen Todes gestorben sei. (Protestrufe auf der Rechten.) Die Justizverwaltung habe daher keinen Anlaß gehabt, einzugreifen oder eine Obduction der Leiche anzuordnen. Die Panama - Untersuhungscom- mission könne 1a, wenn sie Verdacht hege, unter ihrer Ver- antworilihkeit die Exrhumirung und Obduction verlangen; er aber weigere sh, gerihtlihe Untersu<hung einzu- leiten. (Protestrufe.) Der Minister beantragte darauf, daß die Anfrage La Ferronnays* in eine Jnterpellation umgewandelt werde, und {loß mit der Versicherung, daß er E Pflicht erfüllt habe, daß er aber zu gescßwidrigen Maßnahmen seine Zustimmung niht geben werde. Der Deputirte Brisson beantragte hierauf die Obduction der Leiche Reinach's und die Versiegelung seiner Papiere, da die Angelegenheit aufgeklärt werden müsse. (Beifall.) Er gab ferner Tine Bedauern darüber Ausdru>, daß die E gleih na< dem Tode Reinach's angelegt worden seien (Beifall), und beantragte eine in diesem Sinne abgefaßte Tagesordnung. Der Minister-Präsident Lo ubet erklärte, Brisson's Forderungen ständen mit denGeseßen in Widerspruch(Protestrufe Brisson's), und man werde die Aeußerungen Brisson's in diesem Sinne auf- fassen. Wenn aber die Absichten der Regierung verdächtigt würden, so habe er nihts mehr hinzuzufugen. (Anhaltende Bewegung.) Er müsse die von Brisson beantragte Tages- ordnung ablchnen. Der Deputirte Maujan schlug vor, der Tagesordnung Brisson's den Ausdru> des Vertrauens der Kammer hinzuzufügen. (Beifall links.) Der E I Cdidniae Loubet erklärte, er werde der Panama - Untersuhungs- weitgehendste Unterstüsung zu theil Werden lassen; er Tone (bec au de von Maujan formulirte Tagesordnung ni<ht annehmen. Die Regierung nehme nur die einfahe Tagesordnung an. (Große Bewegung.) Hierauf wurde die von der Regierung verlangte einfahe Tagesordnung mit 304 gegen 219 Stimmen abgelehnt. (Nufe der Ueberraschung.) Die Minister verließen nunmehr den Saal. Die Tagesordnun Brisson-Maujan, nah der die Kammer sih dem Wunsch der Panama-Untersuhungscommission, über die Panamakanal- Angelegenheit volle Klarheit zu verschaffen, anschließt, wurde mit 393 gegen 3 Stimmen angcnommen. Dice Sißung wurde aufgehoben und die nächste Sißzung auf Donnerstag anberaumt.

Das Ministerium trat alsbald zu einer Sißung zu- sammen, um si< über die Einreihung der Demission ihlüssig zu machen. Abends begaben sich die Minister in das Elisée und überreichten dem Präsidenten Carnot ihre Entlassungs- gesuche, welche dieser annahm. Bis zur Ernennung ihrer Nach- folger werden die Minister die Geschäfte fortführen. Jn den Couloirs der Kammer verlautete, daß zu den Dee welche mit der Bildung eines neuen Cabinets beauftragt wer- den würden, au< Brisson gehöre. i

m allgemeinen herrsht die Meinung vor, daß die Minijterkrifis L t lósen sein werde. Die gemäßigt republikanij<hen Blätter von heute Morgen billigen es durchaus, daß Loubet auf ein Transigiren sih nicht eingelassen habe; die Nachfolger der jeßigen Cabinetsmitglieder seien wenig beneidenswerth. Die radicalen Organe sagen, das Land werde damit völlig einverstanden sein, daß die Kammer der Untersuhungscommission Recht gegeben habe; die Lage dcs neuen Cabinets werde eine klare sein, es werde Licht schaffen müssen. Die conservativen Blätter geben ihrer Genug- thuung über die gestrigen Vorgänge Ausdru> und fordern glei<hfalls volles Licht über die Verhältnisse. Man spricht

commission die

auch, wiewohl bis jetzt ohne jeden thatsächlihen Hintergrund, von einer Auflösung der Kammer. : : Die Panama-Untersuhungscommission vernahm

geliacn den Untersuchungsrichter Prinet. Dieser gab keine Namen von Mitgliedern des Parlaments an, die von der Panamakanal-Gejellshaft Geld erhalten hätten. Jn Betreff der Behauptung, daß ein verstorbener ehemaliger Minister cinen Cheque von 500 000 Fr. erhalten habe, erflärte Princt, daß in der Banque de France keinerlei Spur von einem jolchen Cheque gefunden worden sci. Prinet theilte ferner mit, daß er die Untersuhung au< auf den verstorbenen Baron von Reinach ausgedehnt habe, der von der Panamakanal- Gesellshaft 91/4 Millionen Franken erhalten haben solle. Er Ee nichts gefunden, was diese Ausgabe rechtfertigen würde. Nach Wiederaufnahme der zeitweilig unterbrohenen Sißung vernahm die Panama-Untersuhungscommission den Deputirten Lamarzelle, der über eine Unterhaltung berichtete, die er mit Charles de Lesseps am 6. Juni d. J. gehabt habe. Dieser habe ihm erklärt, man habe bei jeder Emission sehr bedeutende Summen an - die Presse geben müßen. Charles - de Lesseps habe darauf Mittheilungen über die Garantiesyndicate und über die Creditgesellshaften gemacht, die damals ihre Kassen der Emission zur Verfügung gestellt hätten. Sobald die Emission der Panama-Gesellshaft angekündigt worden sei, habe er den Besuch einer Mo von Personen empfangen. Uebrigens seien dies niht nur Banquiers gewesen, sondern auch andere eine hervorragende gescllschaftlihe Stellung einnehmende ridhapwaizie ia die zu verstehen gegeben hätten, daß sie diese

inanzoperationen begünstigen oder zu Fall bringen würden,

je nahdem man ihnen mehr. oder weniger Geld bieten würde. Was die hohen inne der Panamakanal-Unternehmer an- lange, so liege kein Grund vor, fi< darüber zu wundern. Sie hätten eine große Gefahr auf fsi< genommen, da kein Europäer si< länger als drei Jahre in Panama aufhalten könne. Alle Verträge, die mit den Unternehmern abge- schlossen seien, seien von den Liquidatoren geprüft worden. Die Unternehmer hätten eine entsprehende Bescheinigung vom Gericht empfangen. Nur die Ls des Fngenieurs Eiffel sei um 3 Millionen herabgeseßt worden. Gleichwohl sei Eiffel ‘seinen Verpflihtungen re Oman O. Am Schlusse seiner Ausführungen habe arles de Lesseps bemerkt, wenn man gewisse Personen und gewisse Dinge angreife, so werde man das ganze Unternehmen aufs Spiel seßen. Man werde dazu beitragen, daß es in die Hände der Amerikaner gelange. Diejenigen, welhe das Unternehmen des Panamakanals angriffen, richteten ihre Bestrebungen in Wirklichkeit gegen den Suezkanal. Die Com- mission hörte ferner den Justiz-Minister Ricard, der die Mitglieder unter Hinweis auf das Geseß, das die Veröffent- lihung von Actenstü>ken vor dem Beginn eines Prozesses unter- sagt, aufforderte, über die Protokolle der Panama-Untersuhung Stillschweigen zu beobahten. Der Minister-Präsident Loubet hat die Untersuhungscommission davon in Kenntniß geseßt, daß es geseßlih vollflommen unzulässig sei, Drumont- provisorisch in Freiheit zu seßen. Wie verlautet, sollen die Vertheidiger der in der Panama - Angelegenheit Angeklagten gegen die Mittheilung der Acten des Untersuhungsrichters Prinet an die Untersuhungscomrwmission als geseßwidrig Protest eingelegt haben. Der Vorsizende des Appellgerichts Périvier theile ihre Anschauung.

Die Commission wird ungeachtet der ausgebrochenen Ministerkrifis täglich eine Sißzung abhalten. Jn der heutigen Sitzung soll der Administrator der Panama-Gesellschaft ver- nommen werden. /

Gestern De ist in Paris abermals ein Deutscher verhaftet worden, der beshuldigt wird, Anarchist zu sein und sih an der Explosion in der Rue des Bons Enfants betheiligt zu haben.

Nußland und Polen.

Der Großfürst-Thronfolger ist nah dem „Kawkas“ am 19. d. M. in Borshow eingetroffen, wo er von den Großfürsten Georg Alexandrowits< und Georg Michailowitsch empfangen wurde, und hat sih von dort am nämlihen Tage nah Abastiuman begeben.

Ftalien.

Jn der gestrigen Sißung der Deputirtenkammer legte, wie „W. T. B.“ beriht t, der Finanz-Minister das abgeschlossene Budget für 1891/92 vor, das mit cinem Deficit von 46 Millionen Lire für den Schaß abschließt, ferner das rectificirie Budget für 1892/93 mit einem Einnahmc- Ueberschuß von 10,9 Millionen Lire, sowie au< denBudget- voranschlag für 1893/94 mit cinem Einnahme-Ueber|{<uß von ctwa 3 Millionen Lire.

Spanien. Die Session des Parlaments wird laut Meldung des „W. T. B.“ am 21. Januar 1893 beginnen.

Belgien.

In der gestrigen Sißung der internationalen Münz- conferenz unterbreitete dem „W. T. B.“ zufolge der britishe Delegirte Baron Alfred von Rothschild seine Vorschläge, in denen ausführli<h dargelegt wird, daß der Bimctallismus für England eine absolute Unmöglichkeit sei. Zur Begründung seines Plans hob Baron von Rothschild hervor, daß die Vereinigten Staaten jährli<h 54 Millionen Unzen Silbermetall kauften. Unter der Bedingung, daß die Vereinigten Staaten fortführen, dieselbe Menge zu kaufen, sollten die verschiedenen europäishen Staaten ein Einvernehmen treffen, dur< welches si<h jeder Staat zum Ankauf von 5 Millionen Pfund Sterling Silber jährlich verpflichte, und zwar fünf Jahre hindur<h zu cinem 43 Pence per Unze Standard nicht übersteigenden Preise. Sollte der Silberpreis über diesen Preis steigen, so würden die Ankäufe sofort zu suspendiren sein. Er sehe niht ein, weshalb das Silber in England niht bis zum Betrage von 5 Pfund Sterling statt wie bisher zum Betrage von 2 Pfund Sterling als geseßlihes Zahlungsmittel gelten solle. Baron von Rothschild fügte hinzu, seine Vorschläge seien nur ein Palliativmittel, keine definitive Lösung. Der rusfische Delegirte Raffalowits< beantragte, von dem holländischen Delegirten Vandenberg und dem spanishen Delegirten Osma lebhaft unterstüßt, die Vorschläge Rothschild's einer Commission zur Prüfung zu unterbreiten. Dieselbe Com-

mission solle au< die Vorlagen Soetbeer'ss und Levy's fowie

andere Entwürfe, die von den Mitgliedern der Conferenz ein- gebracht werden follten, einer Prüfung unterziehen. Nachdem hierauf die fraglihe Commission gewählt worden war, vertagte sich die Conferenz bis zum nächsten Freitag.

Rumänien.

Der Jnhalt der Thronrede, mit der der König am Sonntag die Session der Kammern eröffnete, ist gestern bereits kurz angegeben worden. Heute licgt darüber folgende aus- führlihere Meldung aus Bu karest vor:

__ Die Thronrede betont im Eingange, daß die bevorstehende Ver- mählung des Thronfolgers Prinzen Ferdinand ein glü>lihes Er- eigniß fein werde, von welhem das Land eine Bürgschaft seiner Zukunft erboffea dürfe. Die Bande, die dur diese Heirath zwischen dem englischen Königshause und der Dynastie Rumäniens geknüpft würden, würden die zwishen dem englishen und rumänischen Volke von Alters her, dur< keinerlei Widerstreit der Inter- essen jemals gestöcten und Allen nüßlihen freundschaftlichen Beziehungen befestigen. Die junge Prinzessin, die bald im Lande eintreffen werde, hee für ibr neues Vaterland jene Liebe und Ergebenheit, die von der shönen Mission, welche sie erwarte, un- zertrennlih seien. Die Beziehungen zu den auswärtigen Mächten leien die freundschaftli<sten. Rumänien sei dur< seine correcte nua, dur<h seine Mäßigung und dur< feinen unwandelbaren Wunsch, Europa na< Maßgabe seiner Kräfte die unshätbaren Wohl- thaten des Friedens zu erhalten, ein geahteter Factor des europäishen Concerts geworden. Der glänzende und herzlide Empfang, welher dem König an den Héêffen von London und Wien zu theil geworden sei, ‘sei cin Beweis des Werths, welchen man der Freundschaft Rumäniens beilege, und ein Beweis für seine günstige Lage. Der von Griechenland in privat- retlihen Angelegenheiten über die Competenz der Gerichte hervor- gerufene Conflict sei niht geeignet, diefe günstige Lage zu beeinträ<- tigen. Rumänien halte in dieser Frage seine Rechte als souveräner Staat aufre<t und sei entschlossen, E gegen wen immer ohne Herausforderung, aber au<h ohne Schwähe zu wver-

Ï

idigen. Die Thronrede hebt sodann hervor, daß das gg <7 nâchste _omur Gage ein Gleichgewicht mud eitliher Mittel - oder iener Sieiteru rf

ansy ahme außerordentli o neuer Steuern auf- weise, wiewohl die Ausgaben M E hätten. Die Mehreinnahmen, die aus der natürli twi>elung der Hilfsquellen des Landes und infolge einer gewissenbaften Gebahrung der Finanzen sih ergäben, betrügen bis zum 30. September d. I. 22 Millionen. Unter den von der Thronrede aufgeführten Geseßentwürfen befindet sich ein Geseß über die Reform des Staatsrehnungswesens und des Staatsrecnungshofes, ein Patentgeseb, Geseße über die Erhebung der Steuern, die Errichtung einer landwirthschaf!lichen Bank, das Gemeindegeseß, ein Geseß über die Reform der Polizei und die Schaffung einer Landgendarmerie, Vorlagen wegen Revision des bürgerlichen und des Strafgeseßbuchs sowie wegen Neor- ganisation der gewerblihen Schulen und des statistis<hen Bureaus, endli< Geseze über die Vervollständigung des Cisenbahn- und Straßenneßes und die Ausbildung des Säcularclerus. Jn Be- treff der Armee -kündigt die Thronrede eine Vorlage an be- züglih der Wiedererrihtung der unteren Cadres und bezüglih der Reorganifation der Cavallerie. In der Thronrede heißt es, daß die pramuwariige militärische Organisation lange Zeit hindur eine stabile Teiben und dic Armee na< Maßgabe der vorhandenen Mittel eine jährliche progressive Verstärkung erfahren werde. Die Ausbildung der Truppen sei eine stetig fortschreitende; die Concentrirungen der Referve-Contingente erfolgten în der größten Ordnung und lieferten den Beweis des allgemein berrshenden Pflichtgefühls.

Die Thronrede wurde wiederholt von lang anhalten- dem Beifall begleitet, insbesondere bei den Stellen bezüglich der Os des Thronfolgers, der auswärtigen Be- zichungen und des Conflicts mit Griechenland.

Die Deputirtenkammer und der Senat wählten

gestern das bisherige Präsidium wieder.

Schweden und Norwegen.

Der außerordentlihe Reichstag ist gestern dur den König geschlossen worden. Jn der vom Könige ver- lesenen Thronrede wird, wie „W. T. B.“ meldet, den Mit- gliedern des Reichstags der herzlihe Dank des Königs aus- gedrü>t. Sodann wird betont, daß die bei der Berufung des Neichstags- ausgesprohene Zuversicht in vollem Maße gerechtfertigt gewesen und die an die verschiedenen Parteien gerichtete Mahnung, alle Parteistreitigkeiten ruhen zu lassen, niht unbeachtet geblieben sei. Die Thronrede weist ferner auf die beirähilihe Majorität hin, welche die Vorlagen, betreffend die Armeereorganisation, in den beiden Kammern gefunden hätten. Der Reichstag habe si<h hierdur< gerehte Ansprüche auf die Dankbarkeit der Aen wie der nahkommenden Generationen erworben. ie ernsten Be- mühungen der Regierung für die Sicherheit und den Frieden der vereinigten Königreiche würden shon jeßt dur< das Er- gebniß der Reichstagsberathungen erleichtert. Die Thronrede \<loz mit dem Wunsche: „Möge Gottes Segen immer über dem geliebten Vaterlande walten !“

Amerika.

Nach dem Jahresbericht des Schaßsecretärs der Ver- cinigten Staaten betrugen, wie „W. T. B.“ meldet, im Anfange des abgelaufenen Finanzjahres die in Banken befind- lihen disponiblen Gelder in Contanten und Depots 207 110 451 Dollars, die si<h am Ende des Geschäftsjahres auf 165 718 1509 Dollars reducirten, darunter 114!/2 Millionen Gold. Jn dem Berichte wird sodann hervorgehoben, daß das Be- streben des Schaßamts, cine starke Goldreserve aufre<htzuhalten, ein befriedigendes Resultat geliefert habe. Die Staatssculd habe am 30. Juni 1892 1588 Millionen gegen 1546 Millionen im Vorjahre betragen. Der Bestand im Schaßamt habe im Laufe des Jahres um 50 Millionen und der im Umlauf be- findlihe Betrag um 100 Millionen zugenommen. Der Um- lauf des Papiergeldes habe dur<s<nittli<h 376 726 583 Doll. betragen, ein Betrag, der bisher niemals crreiht worden sei. /

Das „Reuter sche Bureau“ meldet aus Buenos-Aircs von gestern, der ehemalige Minister Ha nsen habe ein Schreiben veröffentlicht, in welhem er behaupte, daß der Finanz-Minister Romero in seinem Exposé über die Staatsschuld die Verbind- lichkeiten Argentiniens um 130 Millionen Dollars zu hoh veranschlagt habe. Der Finanz-Minister Romero halte in- dessen die Genauigkeit der von ihm angegebenen Ziffern für die Staatsschuld fest und führe aus, daß die im Besiße der Regierung befindlichen Titres cinen Nominalbetrag von 100 Millionen Dollars repräsentirten. ¿

Der „New-York Herald“ meldet aus Valparaiso, das E über die Ansprüche der Peruanischen

orporation in London bezüglich der Guanodepots, das fürzlih von den Regierungen von Chile und Peru unterzeihnet wurde, sei bis auf weiteres zurü>gezogen worden, da Meinungsverschiedenheiten wegen der Ernennung cines Schiedsrichters über die e rge Ansprüche entstanden seien. Eine baldige Einigung über die Streitfrage sei jedoch wahrscheinlich.

Der chilenishe Congreß hat den Geseßentwurf übcr Aufnahme ciner mit 6 Proc. verzinslichen internationalen Anleihe von 6 Millionen Dollars mit einprocentiger Amortisation angenommen. Die Anleihe foll die Einziehung von Papiergeld und die Ausgabe von Gold- und Silber- münzen ermöglichen.

Aficn.

Nach einer Meldung des „Reuter’shen Bureaus“ aus Bombay beabsichtigt die indishe Regierung eine scharfe Note an den Emir von Afghanistan nah Kabul zu senden und von ihm eine áércidendé Erklärung für seine Ein- mischung ‘in die Angelegenheiten Chitrals zu fordern.

Parlamentarische Nachrichten.

Dem Reichstage ist im Anschluß an die zu den Local- Etats der afrikanischen S mitgetheilten Denkschriften eine von der Neu-Guinea-Compagnie auf Veranlassung des Reichskanzlers cingereihte Denkschrift über die Beschaffenheit und Entwi>elung ihres Schhußb- gebiets zugegangen. Die in der Denkschrift enthaltenen thatsählihen Angaben stehen mit den amtlihen Berichten, die dem Auswärtigen Amt über das Schutzgebiet vorliegen, im Einklang. Uebcr die Lage im Schußgebiete der Marschal l- Inseln giebt cin beiliegender, bereits in der Nr. 12 des „Deutschen Colonialblatts“ veröffentlichter Bericht des fstell- vertretenden Kaiserlichen Commisjars in Jaluit Aufschluß.

Ausgaben vermittels der ordentlichen Hilfsquellen ohne

“F3 Dem Hause der Abgeordneten ist der Entwurf

eines bine Bee betreffend die Aufhebung von Stolgebühren für Taufen, Trauungen und kir- lihe Aufgebote in der evangelish-reformirten Kirche der Provinz Hannover, nebst Becründung zu- gegangen.

_— Die Commission zur Berathung der Steuer- reform-Geseßentwürfe, und zwar des Geseßentwurfs wegen Aufhebung directer Staatssteuern nebst Denkschrift sowie der Ent- würfe eines Ergänzungésteuergeseßes und eines Communalabgaben- geseßes, besteht aus 28 Abgeordneten und hat si< gestern folgender- maßen constituirt. Zum Vorsitzenden wurde gewählt der Abg. Frei- berr von Huene (Centr.), zum Stellvertreter des Vorsitzenden der Abg. Dr. Sattler (nl.), zu Schriftführern die Abgg. von Buch (cons.), Hoeppner (cons.), Dr. Friedberg (nl.), Dr. Krause fn), Dr. Bachem (Centr.), Reichsgraf von und zu Hoens-

roe< (Centr.) und Dr. Wuermeling (Centr.) Ferner gehören der Commission an die Abgeordneten: von Bismar>. Freiherr von Hammerstein, von Jagow, von Kröcher, Lampreht , Graf ¿zu Limburg-Stirum (conf.); die Abgg. Schlabißy, Stengel, von Tiedemann-Bomst, Freiherr von Zedliß und Neukir< (frei- cons.); die Abgg. Dr. Enneccerus, von Eynern, Schoof (nl.); die Abgg. Herold, Dr. Lieber, Sperlih (Centr.); der Abg. Schroeder (Pole); die Abgg. Broemel und Dr. Meyer-Berlin (dfr.). Der heutigen ersten Sißung der Commission wohnten der Prä- sident des Staats-Ministeriums, Minister des Innern Graf zu Eulenburg und dèr Finanz-Minister Dr. Miquel mit mehreren Commissarien bei. Auf Vorschlag des Vorsißenden Freiherrn von Huene soll zunä<st die principielle Frage erörtert werden, ob die ganzeUeberweisung angenommen werden solle ; demnächst foll principiell entschieden werden, ob eine Ergänzung in der geforderten Höhe nothwendig sei, und dann sollen nacheinander das Vermögenssteuer-, das Ueberwei- sungs- und das Communalsteuergeseß discutirt werden. Der Abg. von Eynern (nl.) hatte den Antrag gestellt: „Die Commission wolle beschließen, zu erklären, daß für den R des Zustandekommens des Ueberweisungsgeseßes genügende Mittel vorhanden seien, welche ein Ergänzungssteuergeseß als überflüssig ersheinen lassen.“ Abg. Dr. Meyer- Berlin (df.) seßt no<hmals die Gründe auseinander, die gegen die Aufhebung der Grundsteuer sprächen. Abg. von Tiedemann - Bomst (freiconf.) bestreitet den Rentencharakter der Grundsteuer; sie sei eine Steuer. Er sei zweifelhaft, ob au die Bergwerksfteuer zu über- weisen sei. Abg. von Ey nern vertritt seinen bekannten, im Plenum dar- gelegten Standpunkt, stellt sich aber, da die Majorität anders gesinnt sei, auf den Boden der Reform. Die Abgg. Sperlich (Centr.) und Frhr. von Hammerstein (cons.) treten den Ausführungen des Abg. Meyer entgegen, ebenso Dr. Friedberg (nl.), welcher dessen Auf- fassung von dem privatrehtlichen Charakter der Grundsteuer zu wider- legen fu<t und sih auch gegen die Ausführungen des Abg. von Eynern wendet. Abg. Freiherr von Zedliß (freicons.) glaubt, daß die Reform zur wesentlihen Entlastung der Comniunen beitrage. Finanz - Minister Dr. Miquel tritt dem Abg. Friedberg in seiner geschihtlihen Auffassung bei. Von einem Ge- schenkt fönne bei Erlaß der Grundsteuer keine Rede sein. Der Abg. M eyer vertritt denselben Standpunkt wie bei der Grund- steuer auch bei der Bergwerkésteuer. Er halte es aus geshitli<en Gründen nit für gerecht, diese Steuer zu erlassen. Geheimer Ober- Pa ay F uisting su<t aus der historischen Gg zu eweisen, daß die Bergwerkésteuer weder als Gebühr, no< als Auf sichtésteuer beizubehalten sei. Sie sei thatsählih eine Gewerbesteuer und müsse deshalb mit den übrigen Ertragsteuern fallen. Die Abgg. Freiherr von Zedliß und von Eynern sind für Erlaß der Bergwerkssteuer. Abg. Dr. Würmeling (Centrum) möchte wenigstens cinen Theil der Bergwerksfteuer für den Staat bei- behalten. Finanz-Minister Dr. Miquel glaubt, daß die Beibehaltung der Bergwerksfteuer der ganzen Reform einen einfeitigen Charakter geben würde. Auch wirke sie dur< ihren Charakter als Bruttosteuer ungere<t. Damit ist die Discussion über die erste Principienfrage geschlo en. Bei der hierauf vorgenommenen Abstimmung wurde die Aufhebung der Grund- und Gebäudesteuer, der Ge- werbesteuer und der Bergwerkssteuer mit 23 gegen 2 (frei- sinnige) Stimmen gutgeheißen.

Statistik und Volkswirthschaft.

Ein- und Ausfubr.

Dem Oktoberbeft der Monatlichen Handelenachweise ist Folgendes zu entnehmen : : ;

Die Ein- und Ausfuhr an Lumpen hat wohl infolge der wegen der Cholera stattgehabten Einfuhrverbote im leßten Monat wieder abgenommen. Die Einfuhr betrug 11 465 (100) kg gegen 23 445 (100) kg des Vorjahrs-Oktober. j :

Die Ausfuhr blieb mit 1557 (100) kg um 50 951 (100) ke gegen den Ba zurü>, wo die Ausfuhr 52 508 (100) kg be- tragen hat.

Die Einfuhr von Getreide und fonstigen Erzeugnissen des Land- baues hat mit Ausnahme von Mais im Monat Oktober be- deutend abgenommen, wie nachstehende Tabelle zeigt :

Oftober 1891 U VT. Oftober 1892 tober Oktober 1892 Weizen . . . 11325059 (100 ks) 4931 490 MRoaen «902708 96 729 Gerste . R EODO 848 770 119 Kartoffeln .. 587915 : 125 323 Mais... 245686 382 537. __Gleihwohl übersteigt die Gesammt-Einfuhr von Weizen in der Zeit vom Januar bis Ende Oktober mit 12227 658 (100) kg die vorjâbrige mit 7 385 519 (100) kg no< um 4842 139 (100) kg.

Die Einfuhr von Wein is gegen das Vorjahr nur um circa 90000 (100) kg geg Fauptsähli<h Verschnittwein 98 095 (100) kg.

Die Einfuhr von Weinbeeren zur Weinbereitung if von 337595 (100) kg auf 149242 (100) kg gestiegen.

Die Einfuhr von Mehl if infolge des geringeren Zollsates, bauptsählih aus Oesterreich von 113253 ( R kg auf S14978 (109) kg geste én, während die Einfuhr von Müblenfabrikaten für Grenz- ewobner in zollfreien 3 Kilogramm-Mengen von 223 700 (100) kg auf 198343 (100) kg und im Monat Oktober von 29353 auf 11829 (100) kg, aue um 599/96 gefallen ist.

Auch die Einfubr von Cigarren is wahrscheinli< infolge der N im Oktober von 517 (100) kg auf 346 (100) kg gefallen.

Bei der Ausfuhr is namentli<h die Minderausfuhr von Spiritus (128 243 (100) kg Oftober 1891 und 63 311 (100) kg Oktober 1892) zu bemerken. Ebenso ist die Ausfuhr von Zu>er sehr erheblich zurü>gegangen, indem an Robzu>er Oftobér 1891: 3832 282 (100) kg Oftober 1892 nur: 2597 883 (100) kg und an fonstigem Zud>er Oktober 1891 : 1 902 899 (100) kg, Oktober 1892 nur 1764 271 (100) kg ausgeführt worden sind. Die Schuld hieran trägt die verminderte Aufnahme der Vereinigten Staaten von Amerika infolge der M’Kinley-Bill.

Zur Arbeiterbewegung.

Ueber den Streit, der wegen der Entlassung einiger Arbeiter der Brauerei Evora und Meyer in Fürth zwischen den Arbeit- gebern und Arbeitern ausgebrochen is, wurde der „Frkf. Ztg.“ unter dem 27. d. M. T O2S „Die Vereinigung der Brauerei- besißer von Nürnberg, Fürth und Umgebung hat gestern beschlossen, Abmachungen mit den Gewerkschaftéauéshüssen nicht zu treffen, aud niht mit der am 24. in der Versammlung gewählten Conimission zu verhandeln (vgl. die gestrige Nr. 282 d. Bl.), fondern die entlassenen fünf Bratiburschen der Brauerei Evora u. Meyer vor die früher gemeinshaftli< von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern

der vereinigten Brauereien gewäblte Commission zu laden“ und dort die gane Angelegenheit zum Austrag zu bringen. Sollte troßdem der Boycott über die genannte Firma verhätgt werden, so behalten fich die vereinigten Brauereien weitere gemeinsame Schritte vor. Die erwähnte Commisfion hat inzwishen von Evora die Wiederéinstellung der fünf Lagen oder eine Schadloshal- tung für die Dauer ibrer Arbeitslosigkeit verlangt.“ Mit welchem Erfolge dies geschah, ist aus telegraphischen Melduagen vom 28. d. M. zu erkennen. Es wird mitgetheilt, daß die Soctaldemokraten den Boycott über die Evora’she Brauerei verhängt haben, und daß der Brauerbund Berlin-Fürth dethalb mit der Entlassung sämmt-. licher organisirten Arbeiter vorzugehen beabsichtige. + :

Aus Königshütte wird der „Köln. Ztg.“ berihtet, daß auf der Königsgrube vom Januar ab sämmtliche Grubenarbeiterinnen dur< Männer erseßt werden follen. L :

Hier in Berlin tagte, wie der „Vorwärts“ berichtet, am 20. und 21. d. M. ein Congreß der Maschinisten und Heizer Deutschlands, um cinen Verband zuy begründen. Vertreten waren Berlin, Bremen, Bremerhaven, Chemniß, Erfurt, Halle, Hamburg, Hannover, Leipzig und mebrere kleinere Städte. Der Verband steht „auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung“, d. h. er ist focial- demofratis<h. _ S

Veber den Korbmacher-Ausfstand, der hier in Berlin in der Werkstatt von O. Anding ausgebrochen ist, entnehmen wir einer Mittheilung im „Vorwärts“ weiter Folgendes: Die Arbeiter dieser Werkstatt nahmen an, daß die Entlaffung von zwei Korb- machern im Zusammenhang ftehe mit bestimmten Lohnforderungen, die an den Arb«itgeber gestellt werden sollten, und legten deshalb die Arbeit nieder. Zugleih wurde dieselbe Lohnforderung, nämlich von 58 „4 für Geschüßtörcbe, in allen Berliner Werkstätten gestellt; zwei Firmen haben die Forderung bewilligt. Im ganzen befinden si 93 Korbmacher im Ausstande. i; N

Einer Mittheilung der „N. Pr. Ztg.“ zufolge soll die Direction der Großen r ALARE a nd Anzahl von Kutshern und Schaffnern, die si< an der von Führern der Socialdemokratie in Scene geseßten Bewegung betheiligten, entlaffen baben. Mehr als 70 Personen foll ferner die Kündigung bis zum 1. Dezember d. I. zugestellt worden sein, weil sie an den Versamm- lungen theilgenommen haben. -

In Königsfeld bei Brünn is der Arbeiterausstand in der Fabrik von Lederer u. Porges beendet worden. Wie der „Vorwärts“ berichtet, hat die Firma verre, während der ersten se{s Monate keinen am Ausftand Betheiligten zu entlassen.

Aus London wird der „Vosj. Ztg.“ unter dem 26. d. M. ge- rieben: Der Kampf zwischen Arbeitern und Arbeitgebern in den Baumwollspinnereien Süd-Lancasters dauert bereits drei Wochen. Die Anzahl der Ausständigen ist von 43 000 auf 64 000 gestiegen. Keine Seite is geneigt, nahzugeben oder Vermittelungêversuche anzubahnen, und da die Arbeitslosen von den in den laufenden Spinnereien von Nord- und Nordost: Lancaster beshäâftigten Genossen reihli< mit Geld unterstüßt werden, fo ist ein Ende des Ausstandes vor der Hand noch gar nit abzusehen. Die Arbeitgeber, die den Kampf dur das Ver- langen einer fünfprocentigen Lang herbeigeführt haben, sind in ihrer Hoffnung, bei den Spinnereien Nord- und Nordost-Lancasters Unterstüßung zu finden, enttäusht worden. In diesen Bezirken haben die Arbeitgeber es abgelehnt, ihre Werke stillsteben oder nur kurze Zeit laufen zu laffen, weil sie mit ibren Arbeitern vereinbart habeza, daß eine fünf- procentige Lobnermäßigung eintreten foll, wenn im Süden die Arbeiter unterliegen, daß dagegen die jeßigen Säße bestehen bleiben, falls die Arbeitgeber den kürzeren ziehen. Durch diefen O erbalten die ausständigen Arbeiter alle möglihe Grmuthigung zum Ausharren, da ihnen dadur< der Weiterbezug der regelmäßigen Ausstandsgelder ge- währleiftet wird.

Kunst und Wissenschaft.

Professor D onndorf in Stuttgart hat, wie der „Nat.-Ztg.“ berihtet wird, das für Eisenach bestimmte Luther-Denkmal jo weit fertig, daß der Guß der Statue im Januar erfolgen kann. Die Lutber-Figur wird 3,30 m. -

In Edingen bei Balingen sind, wie der „Schwäb. M.“ meldet, im Chor der Kirche alte Gemälde, wahrscheinlih dem 15. Fahbrhundert angebörend, theils vollständig, theils in ihren größeren Umriffen, zu Tage gefördert worden. y

Unweit B ove bei Groß-Hehlen im Landkreise Celle wurde, wie dem „Hamb. Corr.“ unter dem 25. d. M. berichtet wird, bei Abräumungsarbeiten des Allerflusses ein Einbaum (ein dur< Aus- böblung eines Baumstammes hergestelltes altes Boot) zu Tage ge- fördert und mit anderem alten Holze an einen Böttchermeister ver- kauft. Dieser hat den seltenen Fund dem Museum zu Celle geschenkt.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrungs- Maßregeln.

Cholera.

Pe st|, 28. Novemker. In den leßten 24 Stunden kamen hier zwei Erkrankungen und ein Todesfall an Cholera vor.

Haag, 28. November. Heute ist hier eine Person an der Cholera gestorben. :

A msterdam, 29. November. Nach dem von dem Minister des Innern veröffentlihten Wochenbericht beträgt die Zahl der in Holland in leßter E an der Cholera Verstorbenen se<zehn. Davon entfallen auf Südh olland zehn Fälle. y

Handel und Gewerbe,

Tägliche Wagengestellung für Kohlen und Koks an der Ruhr und in Oberschlesien. An der Ruhr sind am 28. d. M. gestellt 11 084, nit re<tzeitig gestellt keine Wagen. s : In Oberschlesien sind am 26. d. M. gestellt 4001, nicht rechtzeitig gestellt keine Wagen.

Zwangs-Versteigerungen

Beim Königlichen Amtsgeriht 1 Berlin stand am

28. November das Grundstü> der Frau Kaufmann Emma Zedlig,

geb. Danitsche>, Pallasstraße 6, zur Versteigerung; Reinertrag

10,77 4; Fläche 12,9 a, Mindestgebot 227 600 A; für das Meist-

ebot von 300 000 Æ wurde der Kaufmann Eduard Troplowiß,

ägerstraße 25, Ersteher. Aufgehoben wurde das Verfahren der

Ea wegen des Grundstücks Yorkstraße 44, dem ngenieur Hermann Pobl gehörig.

Die gestrige Hauptversammlung des Rheinish-West- fälishen Rohbeisenverbandes bejol, wie die „Köln. Ztg.“ meldet, eine Verlängerung des bis zum 31. Dezember d. J. laufenden bisherigen Verbandes bis zum 30. Juni 1893, um Zeit für die Er- rihtung einer gemeinsamen Verkaufsstelle für Gießerei-Roheisen zu ewinnen. Wegen des englischen Wettbewerbs wurde ferner die Herab- feginig des Preises für Gi erc¿-NRobeisen Nr. 3 von 58 auf 55 M und für Gießerei-Roheisen Nr. 1 von 65 auf 62 4 beschlossen; Hämatit soll mit Gießerei-Roheisen gleichgestellt werden.

Leipzig, 28. November. (W. T. B.) Kammzug-Termin- handel. La Plata. Grundmuster B., per Dezember 3,822 , per Januar 3,85 #, per Februar 3,877 #, per März 3,90 A,

er April 3,927 Æ, per Mai 3,925 #, Æ Juni 3,95 , per Ti 3,974 4, per August 4,00 , per tember 4,00 M, per ber 4,00 Æ, per November —. Umsay 185 000 kg.

Wien, 28. November. (W. T. B.) Wie das „Fremdenblatt“ meldet, hat das Wiener Handelsgericht für den 28. Januar 1893 und eventuell für die folgenden Tage eine Versammlung der Besißer der dreiprocentigen Staatsecisenbahn- Prioritäten zur. Wabl von drei Vertrauensmännern und drei Ersaßmännern angeordnet. Die Bekanntmachung über die Einberufung und die näheren Details wird Mitte Dezember veröffentliht werden.

- - ber. (W. T. B.) Ausweis der: Südbahn voni 18. bis 24. November 850 873 Fl, Mehreinnahme

ondon, 28. November. (W. T. B.) Heutige Wollauction gut besucht, Preise stramm, feine Combing 1 d theurer. An der Küste 4 Weizenladungen angeboten. 29. November. (W. T. B.) Aus Caracas wird gemeldet, General Crespo verwende die neuerdings bei der Regierung zur Vereinnahmung gelangenden Zölle zu den no< rü>ständigen monat- lihen Abs<hlagszahlungen für die auêwärtige Schuld. Die «Bezallung des nâchstfälligen Coupóns habe si verzögert. : Die „Rio-Tinto-Gesfellschaft is ermähtigt worden, die bereits angekündigte Emission von Obligationen der dritten Hypothek im Betrage von 600 000 Pfd. Sterl. zum Curse von % am 5. k. M. N ietcow, 28. Banaiber. M S) i Bag hiff asgow, 28. Icapember. . R. O. Le ZMtissungen von Roheisen betrugen in der vorigen Woche 3Æ2 Tons gegen 5468 Tons in derselben Woche des vorigen Jahres. Z Bradford, 28. November. (W. T. B.) Wolle stramm, Lustrewolle $ gegen die niedrigste Notirung theurer, andere F bis böher als die niedrigste Notirung; Garne belebt, Preise besser; M ohair belebt, 2 bis 3 theurer. E L New-York, 28. November. (W. T. B.) Die Börfe er- öffnete fest, verlief in steigender Haltung und {loß matt. Der Um- fas der Actien betrug 249 000 Stü>. Der Silbervorrath wird auf 1 330 000 Unzen geshäßzt. Die Silkerverkäufe betrugen 20 000 Unzen. L S Weizen niedriger, dinn für einige Zeit besser, worauf wieder \{wächer auf Realisirungen der Haussiers. Schluß stetig. Mais nah der Eröffnung s{<wädcher, später aber wieder besser auf De>ungen der Baissiers. S6&luß rubig. . Ï Visible Supply an Weizen 70765 000 Busbels, do. an Mais 12 032 000 Bushels. 4 Chicago, 28. November. (W. T. B.) Weizen anfangs unverändert, im späteren Verlauf abgeshwächt infolge Verkäufe der Haussiers. Schluß stetig. Mais höher auf De>ungskäufe der Baisfiers. Schluß fest.

Verdingungen im Auslande.

Numänien.

23. Dezember 1892, Kriegs-Ministerium in Bukarest. Lieferung Ln _270 000 großen gelben Knöpfen ohne Nummern, Caution

iST. ;

26. Dezember, ebenda. Lieferung von 1140 m xothen Passe- voiltu<s, Caution 1000 Fr. ;

30. Dezember, ebenda. Lieferung von 13 000 wasserdihten Lein- wandsä>en ohne Tragband für Zwieba> (Brotbeutel), Caution 4000 Fr. :

24. Sanuar 1893, ebenda, Lieferung von 39 000 m grauer Lein- wand und 1300 m indigoblauer Leinwand, beides für Futter, Caution 5000 Fr. ; :

27. Sanuar 1893, ebenda. Lieferung von 50000 m grauen, 5000 m braunen, 10 000 m indigoblauen Fuchs, Caution 53 090 Fr.;

30. Januar 1893, cbenda. Lieferung von 13 000 vollständigen Infanterie-Tornistern und 13 000 vollständigen Infanteriè-Leibgurten mit Bajonetthalter.

Die Termine find um 3 Uhr Nachmittags anberaumt. Ohne P Eng am Plaß if die Wahrnehmung derselben nicht möglich.

Verkehrs-Anstalten.

_Laut Telegramm aus Aachen ist die dritte englische Post über Ostende vom 29. d. M. ausgeblieben. (Zrund: Nebel im Kanal.

Im Anschluß an frühere Mittheilungen wird zur Kenntniß ge- bracht, daß in der Schweiz die Ein- und Durchfuhr von persönlichen Effecten jeßt bedingungslos wieder gestattet ist.

London, 28. November. (W. T. B.) Der Union-Dampfer „Spartan“ is auf der Ausreise heute in Capetown ange- fommen. Der Castle-Dampfer „Doune Castle“ if am Sonnabend auf der Heimreise in London angekommen. Der Caftle-Dampfer „Courland“ ift gestern auf der Ausfahrt in Durban (Natal) angekommen.

St. Petersburg, 28. November. Die Mündungen des Don und des Dniepr sind infolge des eingetretenen Frostes unpassirbar geworden. Die Häfen von Helfingfors und Reval sind no< etsTreT.

Theater und Musik.

Am Donnerstag geht im Königlihen Opernhause „Cavalleria rusticana“ mit den Damen Pierson, Dietrich und Lammert, den Herren Sylva und Bulß in Scene. Hierauf folgt die mythologische E „Prometheus“. Der Componist der Oper „Pagliacci“, Herr Leoncavallo wird den Hauptproben seines Werks beiwohnen , das nah dem

tensationellen Erfolge in Jtalien und auf dem Ausstellungs - Theater in Wien im Opernhause zu Berlin zum erften Mal auf einer deutshen Bühne zur Darstellung kommt. Die“ Ueberseßung des Librettos hat den Musikschriftsteller Hartmann in Dresden zum Verfaffer. ; : t i

Durch hiesige und auswärtige Blätter geht die Nachricht, daß für die Stellung eines Kapellmeisters an der Oper in Franfk- furt a. M. die Königlichen Kapellmeister Weingartner und Dr. Mu> Anträge erhalten hätten. Nach den Saßungen des deuts<hen Bühnenvereins, dem die vereinigten Stadt- Theater zu Frankfurt a. M. angehören, kann aber ein eventueller Uebertritt dieses oder jenes der genannten Königlichen Kapellmeister an die Frankfurter Oper erst nah Ablauf ihres hiesigen Vertrags überhaupt in Frage fommen. Bekanntlich find beide ne auf Jahre hinaus an die Königliche Oper in Berlin

efesselt. i s Agnes Sorma wird im Berliner Theater demnächst die Reihe der Shakespeare’shen Frauengefstalten, die sie bereits ibrem Repertoire eingefügt hat, um die Rolle der „Cordelia“ erweitern, init deren Studium sie jeßt beschäftigt ist. Ie ;

Eleonora Duse spielt morgen im Lessing-Theater als sechste Gastvorstellung die Gräfin Clothilde in „Fernande“, um dann am Freitag wiederum eine neue Rolle, die „Cyprienne* in Victorien Sardou’s E als siebente Gastvorstellung folgen zu lassen. Die i E olung von „Fedora“ wird vorauésihtlih am Sonnabend

attfinden.

Die Direction des Kroll’f{<en Theaters theilt mit, daß wegen Erkrankung des Signor Stagno die für heute und morgen an- geseßten ersten fnzea en von „Mala Vita“ abgefa,t werden mußten; die für diese Vorstellungen gelösten Billets werden an der Theaterkasse zurü>genommen. Morgen geht dafür bei volfsthümlichen En Mozart’s „Hochzeit des Figaro“ mit Frau Moran-Olden als

râfin in Scene. ;

Im Adolph Ernst-Theat er können die laut gewordenen Wünsche nah einer Wiederholung von „Berlin, wie es weint und Ilaht“ ves nicht erfüllt werden, da sih die Zugkraft der Posse „Die wilde Madonna" ungeshwäht erbält.

Der Klaviervirtuose Leonard Borwi>k aus Frankfurt a. M. wird in seinem hiesigen Klavier-Abend am Donnerstag 7# Uhr im Saal Bechstein u. a. M Variationen und Fuge in Es-dur von Beethoven, umann's Carneval, zwei Präs ludien von Mendelssohn, Brahms? Capriccio in H-moll, ferner