1892 / 291 p. 4 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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Jogar bis ins dreigestrihene E hinaufs{wang. Zwei Gesänge ihres Gatten Karl Feininger: ein , Telagetin * aus seiner un- vollendeten Oper „Die Brüder“ und ein Bolero fesselten mehr dur<h die vortrefflihe Ausführung, als dur< ihren musika- lishen Gehalt. Mit einigen Liedern von Brahms, d'’Albert, Nubinstein und JIradier bes leß die Künstlerin ihre Vorträge, dié sämmtlih mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurden. Der bereits vortheilhaft bekannte Violinvirtuos Weintraub, der für feinen plößli< verhinderten Collegen Herrn Gregorowits< ein- getreten war, erfreute dur< den woblgelungenen Vortrag der Ciaconna von Bach und zweier Sätze des Mendelssohn’schen Concerts.

Am Sonnabend wird im Königlichen Opernhause „Lohengrin“ mit dem Königlichen Küntivzëfänger Herrn Emil Göße als Gast in der Titelrolle in Scene gehen. Die anderen Partien find vertreten durch die Damen Hiedler und Sucher und die Herren Mödlinger, Schmidt, Fränkel und Krasa. Am Sonntag tritt zu den bereits angekündigten Vorstellungen „Bajazzi“ und „Puppenfee“ noch das Mozart’sche Singspiel „Bastien und Bastienne“.

Im Berliner Theater geht, vielfahen aus dem Publikum laut gewordenen Wünschen entsprehend, am Sonnabend das Lustspiel „Kean“ wieder in Scene. Die Titelrolle wird, wie früher, von Ludwig Barnay dargestellt. 4 , x

Für das Friedri<h-Wilhelmsftädtische Theater hat Herr

* Director Fribsche als nächste Neuheit die Operette „Der Millionen-

onkel“ von N. Genée und Fr. Zell, Musik von Adolf Müller, in

Aussicht genommen.

Im Residenz: Theater haben die Proben zu Alexandre BVisson's Schwank: „Familie Pont-Biquet“ begonnen; der Schwank: „Im Pavillon“ (Le Parfum) wird voraussihtli< in der nächsten Woche vom Spielplan abgeseßt werden. i

Das Volksschauspiel „Der ledige Hof“ von Anzengruber wird im Thomas-Theater zunähst nur no< zweimal gegeben, später

* aber wieder aufgenommen werden. Die Zwischenzeit will Director

Hofpauer dur den „Herrgotts{hnißer von Ammergau“ ausfüllen, der am Sonnabend in Scene geht. E

Der Klaviervirtuose Mar van de Sandt wird in seinem am 10. d. M. in der Sing-Akademie stattfindenden Lieder-Abend u. a. Bah’s C-mo11-Phantasie, Beethoven?’s Sonate op. 101, A-dur, und Brahms? Rhapsodien in H-moll und G-moll zu Gehör bringen. Die Altistin Fräulein Auguste Hohenschild wird in ihrem am Sonnabend imSaal Bechstein stattfindenden Concert außer Arien und Liedern gemeinschaftli<h mit den Damen von Kranz, Haese und von Ruszczyc Quartette von Schumann, Brabms, Vierling, Widmann und von P ero zum Vortrag bringen. Der VBViolinvirtuose Herr Carl Markees betheiligt sih an der Ausführung des Programms mit den Corelli’s<hen Variationen und Spohr's „Adagio“.

Mannigfaltiges.

Der „Nat.-Z.“ zufolge sind dem Sohne des verstorbenen Ge- heimen Negierungs-Raths Dr. Werner von Siemens folgende Bei- leids-Telegramme zugegangen: : :

Seine Majestät der Kaiser beauftragt mi, Ihnen und den Ihrigen Allerhöchstseine Theilnahme beim Verlust Ihres Herrn Vaters, eines auf wissenschafilihem und technishem Gebiete hoch- bedeutsamen und um das öffentlihe Wohl hochverdienten Mannes auszusprehen. von Kessel, Flügel-Adjutant.

Ich bin tief ershüttert dur<h den Tod Ihres hochverehrten Vaters und sprehe Ihnen und den Jhrigen bei dem unerseßlihen Verlust áufrihtige Theilnahme aus. Kaiserin Friedri.

Zum Besten des unter dem Sard Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich stehenden Friedrihstifts ist heute im Sißungsfaale des Kriegs-Ministeriums ein Bazar eröffnet worden. Der Bazar ist reich aus3gestattet, au die Kinder felbst haben einige Do für ihn bergestellt. Der Verkauf bleibt au< morgen noch geöffnet.

Ueber Schneeverwehun gen und dadurch herbeigeführte V er- febrsstörungen wird heute weiter berichtet :

Danzig, 6. Dezember. Die Schneemafsen der letzten Tage und speciell der vergangenen Nacht haben, wie die „Danz. Z.“ berichtet, bereits eine Sto>ung des ganzen Verkehrs herbeigeführt. In den Straßen liegt der Schnee so hoh, daß es der größten An- strengungen bedarf, um den Pferdebahnverkehr aufreht zu halten. Doppelte Cespanne müssen Ee _werden, um die Wagen dur<h den Schnee zu bekommen. uf allen Geleifen sind fortwährend Arbeiter beschäftigt, um die immer aufs neue niederfallenden Dei fortzushaufeln. Auf den Eisenbahnen - beginnt der Verkehr ebenfalls zu sto>en. Der beute Morgen fällige Berliner Schnellzug verspätete sh um über zwei Stunden, und die Post kam hier erst um 115 Uhr Mittags zur Ausgabe. Der pommersche Zug, der um 9 Uhr 40 Minuten er- wartet wurde, traf um 10 Uhr 6 Minuten ein. In der Umgegend sind die Chausscen tief cingeshneit, die Landwege unfahrbar. Der Dampfbootverkehr zwishen Danzig—-Neufahrwasser und Danzig— Plehnendorf konnte aufre<ht erhalten werden. : i

Posen, 7. Dezember. Der „N. Pr. Z.“ wird- telegraphirt : Infolge der Schneeverwehungen find die Landstraßen unserer Provinz unfahrbar. Die um 5 Uhr Morgens fälligen Züge aus Königsberg, Danzig, Oberschlesien und Wien sind bis zur Mititags- stunde ausgeblieben. Aus Berlin find die Züge mit mehrftündiger Verspätung cingetroffen. | : e

Bromberg, 7. Dezember. Die Königliche Eisenbahn-Direction macht bekannt : Die Stre>e Kahlbude—Karthaus der Neben- bahn Praust - Karthaus ift infolge Schneeverwehang auf unbestimmte Zeit gesperrt. S j

Oppeln, 7. Dezember. Das hiesige Eisenbahn-Betriebsamt Oppeln zeigt an: Die Stre>ke Lamms dors—Niederhermsdorf, Route Oppeln—Neisse, ist dur< Schneeverwehung für Perfonen- und Güterverkehr feit heute Morgen auf mindestens 24 Stunden gesperrt.

Nürnberg, 7. Dezember. Wegen starker Schneeverwehung treffen, wie „D. B. H.“ berichtet, alle Züge theilweise mit mehreren Stunden Verspätung hier ein. A

Pest, 7. Dezember. Die Verkehrsstörung infolge des e dauert noch fort; aus Pest konnte heute kein Bahnzug abgehen. i: : :

Krakau, 7. Dezember. Infolge Schneeverwehung is, wie W. T. B." meldet, auf der Stre>e der Nordbahn zwischen hier

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und Prerau der Gütervertehr bis auf weiteres eingestellt.

Zu Gunsten der Anstalt für Epileptishe Bethel bei Bielefeld erläßt Pastor von Bodelschwingh von dort folgende Bitte: „Die Fallsüchtigen zu Bethel bei Bielefeld sammt allen ihren Gefährten in Sarepta, Nazareth und Wilhelmsdorf erinnern thre Freunde herzlihst, ihrer zu Weihnachten auch diesmal nicht zu rgen Es sind weit über 3000 Personen, die unter den mehr als 100 Weih- nachtsbäumen auf eine fleine Gabe sih freuen, viele Waisen dar- unter, deren niemand sonst zu Weihnachten gedenkt! Zu ten Häusern des leßten Weihnachtsfestes is Klein-Bethel, das Jubiläumshaus, Enon, der Wafserhof, und Saba, das Bro>enhaus, hinzugekommen, mit rei<li< 150 Personen. Niht nur Gold und Silber, sondern auch jede no< so niedrige Gabe in natura ift sehr willkommen.“

Bei Pa>keten wird gebeten, darauf zu bemerken: „Weihnachtsges{enke", und wenn sie für ein besonderes Haus bestimmt find, au< den Namen dieses Hauses hinzuzufügen.

Stallupö.nen, 5. Dezember. In dem an eine Quadratmeile roßen Amalwasee auf russishem Grenzgebiet ist, wie der „Danz, Ztg.“ geschrieben wird, der Wasserspiegel um einen Meter gesunken. Am vergangenen Senntag bemerften nun E erntende Anwohbner einzelne aus dem Waffer hervorragende Rädertheile. Bei näherem Nachsehen stellte man fest, daß es Kanonen seien. Auf die erfolgte Anzeige bei der Behörde erschien ein rufsis<hes Militär-Commando aus Mariampol; der See wurde genau abgesuht, und bei dieser Gelegen- beit konnten elf Kanonen und inehrere hundert Gewehre. aus Sumpf und Moder an das Tageslicht befördert werden. Es find dies Waffen, die nah Niedershlagung des polnischen Aufstands im Iabre 1863 versenkt worden sind.

Dese bei Hemer, 5. Dezember. Heute früh erfolgte, wie wir der „Rh.-Westf. Ztg.“ entnehmen, dur< die Firma C. W. Bals u. Co. die Beschenkung von zwölf Arbeitern. Es erhielt der Arbeiter Gottfried Sprenger aus Brockhaufen anläßlich seiner fünfzig- jährigen Thätigkeit eine goldene Remontoiruhr nebst Kette; die Arbeiter Wilhelm Amelung und Diedrich Heer aus Deilinghofen, Diedrih Schweer und Franz Vornweg aus Hemer, Ge Düings, Karl Klüting und Fr. Renting aus Oese, Karl Ebe und Karl Schulte aus Apri>e, Karl Go>kel und Wilhelm Schütte aus Brockhausen feierten ihr silbernes Jubiläum und wurden mit einer silbernen Remontoir- uhr nebst Kette beschenkt ; außerdem crhielten sämmtliche zwölf Ar- beiter zur Erinnerung an den heutigen Tag ein künstleris< ausge- stattetes Gedenkblatt.

__ Messina, 7. Dezember. Gestern und heute wütheten, wie „H. L. B." “meldet, fur<htbare Stürme. . Viele Schisse und Boote sind gescheiteri. Man hat bereits zwölf ertrunkene Matrosen

aufgefischt.

Christiania, 8. Dezember. Während eines orkanähnlichen Schneesturmes is}, nah einer Mittheilung des „D. B. H.“, auf Maaholm bei Langesund der Schooner „Stanley“ gestrandet und zerschellt. Die ganze Besaßung fand ihr Grab in den Wellen, die Leiche des Capitäns is ans Land getrieben. Aus Liverpool wird gemeldet, daß das norwegis<he Bark- chiff} „Dronningen“ vorgestern an der Mündung des Mersey- flusses mit der ganzen Befaßung untergegangen ist. Aus Arendal wird gemeldet, daß der Schooner „Tyr 1“ bei den Torungerne stran- dete und zershlug; der Capitän rettete sih auf einer Planke ans- Land, die übrigen se<s Mann der Besaßung ertranken.

Nach Schluß der Nedaction eingegangene Depeschen.

St. Petersburg, 8. Dezember. (W. D. B,) Die hier wohnhaften deutshen Staatsangehörigen hatten gestern zu Ehren des bisherigen deutshen Botschafters, Generals von Schweiniß ein Abschieds-Diner veranstaltet, an welchem gegen 500 Personen theilnahmen. Der scheidende Botschafter brachte dabei einen Trinkspru<h auf sämmtliche deutschen Bundes-Fürsten und Regierungen aus.

(Fortsezung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

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Wind.

Stationen. Wetter.

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red. in Milli Tem:

in 59G.

Musik von P. Hertel. Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus.

lauderei in 1 Aufzug von O. F. Gensichen. In Scene geseßt vom Ober - Regisseur Mar Grube. S Die gelehrten Frauen. Lustspiel in 5 Auf- zügen von Iean Baptiste Molière. In deutschen Versen von Ludwig Fulda. In Scene geseßt vom Ober-NRegifseur Max Grube.

Hertel.

Dirigent: Musikdirector |

273. Vorstellung. Lydia. | Anfang 7# Uhr.

Kroll’s Theater.

Anfang 7 Uhr. T Ur.

Vorher: Der neue Ganymed. Lesort.) Shwantk in 1 Act von Charles Louveau. A Gndes- Ausstellungs - Park (Lehrter Bahnhof). hr.

Sonnabend: Dieselbe Vorstellung.

Abu Hassan. Darauf: Das Nachtlager in Granada. Anfang

Freitag :

(Casé | Urania, Anstalt für volksthümlihe Naturkunde.

Geöffnet von 12—11

Concerte.

Concert-Haus. Freitag,

Abends 7 Uhr:

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Aberdeen .. Ghristianfund Kopenhagen . Stodholm .

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Schnee. 4) Schnee.

Uebersicht der Witterung.

Das barometrishe Minimum, welches gestern öst- lich von Galizien lag, ist nordwärts nah hen Ostseeprovinzen fortgeschritten, während ein umfangreiches Hochdru>gebiet sih über West-Europa ausgebildet hat, dessen Kern mit 773 mm Dru> über Südwest-Irland liegt. Bei meist {wachen nördlichen bis westlichen Winden ift in Deutschland das Wetter trübe und feuchtkalt; fast überall ift Schnee gefallen, sodaß jeßt über ganz pmshlics

eine Schneedecke liegt. jeßt au bohe zu Hamburg d,

W WNW

ONO 8 | 1) Böig. *) Starker Nebel, Schnee. ?) Gestern

das ganze französische Binnenland. Schnee- 5 Magdeburg und Berlin 7, Rügenwaldermünde 25, Königsberg 27 cm. Deutsche Seewarte.

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ie Frostgrenze umschließt

SRRERBRRHLRE i SGARS R S N 0 S R E R E R S E ss S Ar V I A IERE: E E P 911 Theater - Anzeigen. Königliche Schauspiele. Freitag : Opern-

haus. 263. Vorstellung. Bajazzi (Pagsliazzi). Oper in 2 Acten und einem Prolog.

und Dichtung von R.

Ludwig Hartmann. In Scene geseßt vom Ober- Negisseur Teblaff. Dirigent: Kapellmeister Sucher.

Die Jahreszeiten. und 4 Bildern von E.

Musik Leoncavallo, deuts< von

Tanz-Poëm in 2 Acten Taubert und E. Graeb.

Sonnabend: Overnhaus. 264. Vorstellung. Lohen-

rin. Nomantishe Oper in 3 Acten von Richard

agner. In Scene geseßt vom Ober - Regisseur Teßlaff. Dirigent : Kapellmeister Sucher. (Lohengrin: Per Kammersänger Emil Göue, als Gast.) Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus. 274. Vorstellung. Demetrius. Fragment in 2 Aufzügen von Friedrih von Schiller. In Scene geseßt vom Ober-Regisseur Marx Grube. Turandot, Prinzessin von China. Tragi- komisches Märchèn in 5 Aufzügen nah Carlo Graf Gozzi, von Friedrih von Schiller. Anfang 7 Uhr.

Deutsches Theater. Freitag: Lolo’s Vater. Anfang 7 Uhr.

Sonnabend: Die Jüdin von Toledo.

Sonntag: Der Misanthrop. In Civil.

Montag: Der Pfarrer von Kirchfeld.

Berliner Theater. Freitag : 15. Abonnements- Vorstellung. Nora. Anfang 7 Uhr.

Sonnabend: Neu einstudirt: Kean.

Sonntag: Nachmittags 27 Uhr: Macbeth. Abends 7F Uhr: Dora.

Lessing-Theater. Freitag: 10. Gastspiel von Eleonora Duse mit ihrer Gesellshaft unter der Tad von Cav. Flavio Ando. Nora. Anfang

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Sonnabend: 11. Dufe-Abend. Die Camelien- dame.

Sonntag: Die Orientreise.

Montag: 12. Duse-Abend. Cyprienne.

Wallner-Theater.- Freitag: 39. Gast - Vor- ftellung des Lessing-Theaters: Die Grofßstadtluft. Anfang 7> Uhr.

Sonnabend: Der Lebemann.

Sonntag : Der Lebemannu.

Volksthümliche Preise (Parquet 2 4). Vorverkauf ohne Aufgeld.

Friedrich - Wilhelmstädtisches Theater. . Chaufseestraße 25.

Freitag: Zum 14. Male in“ neuer Bearbeitung : Das verwunschene So: Opercite in 3 Auf- zügen von Alois Berla. ¡k von Carl Millö>er. In Scene geseßzt von Julius Migidte- Dirigent: Herr Kapellmeister pem nfang 7 Ubr.

Sonnabend: Dieselbe Vorstellung.

Residenz-Theater. Direction : Sigmund Lauten- burg. Leßte Woche! Freitag: Zum 62. Male: Jm Pavillon. (Le Parsam.) Shwank in 3 Acten von Ernest Blum u. Raoul Tos. Deutsch von Ludwig Fis{l. In Scene geseßt von Sigmund Lautenburg.

Sonnabend: Die lustigen Weiber von Windsor. | Karl Meyder - Concert.

Sonntag: Einmaliges Gastspiel des Herrn Heinrich Bötel. Der Postillon von Lonjumeau. (Chapelou und Saint Phar: Herr Heinrich Bötel.)

Neues Theater (am Schiffbauerdamm 4/5). Freitag: Zum 7. Male: Logierbesu<h. Schwank in 4 Aufzügen von R. Weber und Max Löwcnfeld. Anfang 7X Uhr.

Sonnabend: Logierbesuch.

Sonntag: Nachmittags 3 Uhr: Intendanz.

Durch die

Theater Unter den Linden. Freitag: Zum 77. Male: Die Welt in Bild und Tanz. Ausstattungs - Ballet von Gaul und Haßreiter. Musik von F. Bayer. FInjcenirt dur< Louis Gundlach. Das grandiose cinesische Ballabile: Ein Dracheufest. (Mitwirkende :

500 Perfonen.) Das Baby. (Novität.) Schwank |

in 1 Act von H. F. Musik von A. Ferron. Couplets von A. Braun. Inscenirt dur< C. A. Friese sen. Professor Imro Fox, amerikanischer Prestidigitateur (Gastsviel). Anfang 7+ Uhr.

In Vorbereitung: Die Sirenen-Jusel. Ballet von Regel. Musik von Mader. Choreogr. von Haßreiter. (Nepertoirestü> der Wiener Hofoper.)

Adolph Ernst-Theater. Freitag (vor- letzte Woche): Die wilde Madonua. Gesangs- pofse in 3 Acten von Leon Treptow. Couplets von G. Görß. Musik von G. Steffens. Mit neuen Costumen aus dem Atelier der Fr. Köpke und neuen Decorationen von Lütkemeyer in Coburg. In Scene gesegt von Adolph Ernst. Anfang 7# Uhr.

onnabend: Dieselbe Vorstellung.

In Vorbereitung: Modernes Babylon. Ge- sangêposse in 3 Acten von Ed. Jacobson und W. Mannstädt. Couplets theilweise von G. Görß. Musik von G. Steffens.

Thomas-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30. Freitag: Ensemble-Gaftspiel der Münchener unter Direction des Königli<h Bayerischen Hof- schauspielers Max Hofpauer. Zum 3. Male: Der ledige Hof. Volksschauspiel mit Gesang in 5 Acten von Ludwig Anzengruber. Anfang 74 Uhr.

Sonnabend: Dieselbe Vorstellung.

In Vorbereitung: Der Herrgottschuitzer.

49621] Hohenzollern-Galerie

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Lehrter Bahnhof. 1 A Sonntags 50 4. Gr. histor: Rundgemälde 1640—-1890.

Geöffnet 9 Uhr bis Duunkelh. Sount. 9—D9.,

Ouv. „Der Flüchtling“ von Kretshmar. „Nienzi“ von Wagner. „Si j’étais Roi“ von Adam. „Sieg- fried-Idylle“ von Wagner. „Ange d’amour“, Walzer von Waldteufel. „Zigeunerweisen“ für Violine von Sarasate (Herr Carnier). Potpourri über Volks- und Studentenlieder von Mohr. „Mein Stern“, für Piston von Cooper (Herr Steffens).

Saal BLKechstein, Linfkstraße 42. Freitag, An- fang Uhr: Vortrags-Abend von Emanuel Neicher.

Circus Renz (Carlstraße.) 74 Uhr: Gr. humoristishe Vorstellung mit komischen Einlagen sämmtliher Clowns. Außerdem: dens Carneval und sein Gefolge, vorgeführt von Herrn Oscar Renz. „Coriolan“, Schulpferd, geritten von Frl. Oceana Renz. Mr. James Fillis mit dem Schulpferde „Germina1“. Der Zwerg- elephant Nelli, vorgeführt von dem Clown Lavater Lee. Auftreten der musikalishen Clowns Delto- relli 2. Zum Schluß: Auf Helgoland oder: Ebbe und Fluth. Großes Land-, Wasser- und Feuer-Schauspiel. Nationaltänze von 82 Damen.

eue Einlagen, u. a.: „Aufzug der Leib-Garde- Artillerie“. -

Sonnabend, Abends 7} Uhr: Große Vorstellung mit neuem Programm und „Auf Helgoland“.

Sonntag: 2 große Vorstellungen. Nachmittags 4 Uhr (ein Kind frei): „Die lustigen Heidelberger“. Abends 7 Uhr: „Auf Helgoland“.

B A S E R N R E E Es N M I 5 Sf Familien-Nachrichten.

Geboren: Ein Sohn: Hrn. Major Demnig (Saarlouis). =- Eine Tochter: Hrn. Haupt- mann a. D. Gecrg von Arnim (Sprengelshöhe bei Regenwalde).

Gestorben: Hr. Major a. D. Hugo Rolla du Rosey (Bad Oeynhausen). Fr. Konsul Anna Boden, geb. Schultz (Stettin). Hr. Commerztien- Rath Friedri<h Heyn (Danzig). Hr. Land- gerihts-Director Wilhelm Dobert (Berlin).

Redacteur: Dr. H. Klee, Director. Beéxlin:

Verlag der Expedition (Scholz).

Dru> der Norddeutschen Buchdruckerei und Verlag2- Anstalt, Berlin SW., Wilhelmstraße Nr. 32. Sechs Beilagen (eins<hließli< Börsen-Beilage)-

Freitag, Abends-

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staals-Anzeiger.

M 2918.

Deutscher Reichstag. 10. Sißung vom Mittwoch, 7. Dezember, 1 Uhr.

Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Berathung des von den Abgg. Dr. Hir\< (dfr.),Merba<(Np.), Moeller (nl.), von der Schulenburg-Beeßendorf (deutshcons.), Frei- herr von Wendt (Centr.) und Genossen eingebrachten G e- seßentwurfs, betreffend die Einführung des $ 75a des Krankenversicherungsgeseßes, wonah die Mit- glieder derjenigen freien Hilfskassen, welche bis zum 1. Januar 1893 noch nicht die Bescheinigung erhalten haben, daß fie dem neuen Krankenkassengescßz genügen, welche aber ihre Statuten- änderung schon zur Genehmigung eingereiht haben, bis zum 1. Juli 1893 vom Beitritt zu den Zwangskafsen befreit bleiben.

Aba. Moeller (nl): Eine ähnliche Suspensivmaßregel, wie die hier vorgeschlagene, fei na Erlaß des Krankenkafsengeseßes von 1883, das am 1. Dezember 1884 in Kraft getreten sei, im Januar 1884 mit rü>wirkender Kraft getroffen worden. Die freien Hilfskassen, hätten na dem neuen Gese vom Reichskanzler eine Bescheinigung darüber beizubringen, daß sie den Bestimmungen des neuen Gefeßes ent- sprohen hätten. Die Bezirksregierungen seien aber dur< einen fo ungeheuren Schwall von Statutenänderungen mit einem Male belastet worden, daß die Genehmigung der Statuten der einge- schriebenen Hilfskafsen no< ni<ht habe erledigt werden fönnen. Ihre Mitglieder würden daher am 1. Januar nächsten Jahres in die Zwangskassen übertreten müssen. Da den freien Hilfs- c ein Verschulden an der Verzögerung der Statutengenehmigung nicht beizumessen sei, sei es loyal, ihnen eine weitere Frist bis zum L Juli f: Z-: füx: die Beibringung der Bescheinigung zu geben. Es blieben dann die bisherigen Statuten der freien Hilfskafsen wegen der Gewährung von Naturalleistungen und Arzt und der Höhe des Krankengeldes bis dahin unberührt. Die Absicht des Antrags sei lediglih eine solhe Suspensivmaßregel. Sie entspreche der Billigkeit, und er hoffe au, daß die Regierung damit einverstanden sei.

Damit schließt die erste Berathung. Jn der zweiten Be- rathung wird der Entwurf ohne Besprehung angenommen.

Es folgt die erste Berathung des von dem Abgeordneten Rintelen eingebrachten Geseßentwurfs, betreffend die Abänderung und Ergänzung der Vorschriften der Strafprozeßordnung über die Wiederaufnahme des Verfahrens, sowie die Ent- schädigung für unschuldig erlittene Strafen.

Abg. Rintelen (Centr.) verweist zunächst auf die früheren Ver- handlungen des Hauses über denselben Gegenstand, und replicirt dann auf eine frühere Aeußerung des Abg. Traeger, der die Annahme seines Antrags, wegen der Entschädigung unschuldig Verurtheilter dur die Verbintung mit der Frage der Erleichterung des Wiederaufnahme- verfahrens ers<were. Ohne Erleichterung des Wiederaufnahme- verfahrens keine Entschädigung, das sei der Kernpunkt der Sache. Er stehe na< wie vor auf dem Standpunkte, daß es vollständig unzu- lässig sei, jemand eine Entschädigung zu gewähren, der, obglei er \{uldig befunden fei, na<hher im Wiederaufnahmeverfahren wegen Mangel an Beweisen freigesprohen werde. Der Verurtheilte sei fo lange s<uldig, bis er seine Unschuld bewiesen habe, bis er nach- gewiesen habe, daß er die That überhaupt nit, oder daß sie ein anderer begangen habe. Mit anderen Worten: eine Entschädigung dürfe nur denjenigen gewährt werden, deren Unschuld wirkli<h nach- gemel lel: Redner bittet zum Schluß, seinen Antrag nicht einer

ommission zu überweisen, da die Sache bereits zweimal in einer Commission gründlih geprüft worden sei.

Staatssecretär Dr. Hanauer:

Meine Herren! Ich kann vielleicht die weitere Erörterung des Gegenstandes einigermaßen abkürzen, wenn i< Ihnen eine Mittheilung über den Stand der Sache im Königlich preußishen Justiz- Ministerium und im Reichs - Justizamt mache. Es hat der Herr Reichskanzler aus Anlaß der vorjährigen Verhandlungen über den Gegenstand, der eben erwähnt worden ist, angeoëdnet, daß im Reichs-Justizamt ein Entwurf über die Regelung der Entshädigung unschuldig Verurtheilter ausgearbeitet werde behufs Vorlage an die ver- bündeten Regierungen und an den Reichêtag. Dieser Entwurf ist aus- gearbeitet und zunächst dem Königlich preußischen Justiz-Ministerium mitgetheilt worden. Im preußischen Justiz-Ministerium hat man {hon vorher Anlaß genommen gehabt, die Frage der Wiedereinführung der Be- rufung oder der Neueinführung der Berufung gegen die Urtheile der Strafkammer näher ins Auge zu fassen und ist beschäftigt ge- wesen mit der Aufstellung eines darauf bezüglihen Entwurfs. Bei dieser Arbeit ift das Neichs-Justizamt dann commissarish betheiligt worden, und nun hat man für sahgemäß gehalten, die Normen wegen Entschädigung unschuldig Verurtheilter mit den Normen wegen Ein- führung der Berufung und der damit weiter zusammenhänzenden Abände- rung der Strafprozeßordnung in einem Gesetzentwurf zu vereinigen. Dieser Geseßentwurf liegt vorerst no< der Beschlußfassung des Königlich preußishen Staats-Ministeriums vor, um eventuell als preußisher Antrag beim Bundesrath eingebra<ht zu werden. So liegt die Sache zur Zeit. Natürlich bin ih ni<ht in der Lage, dem hohen Hause irgend cine Mittheilung zu maten, ob und wann eine sol<he Vorlage von Seiten der verbündeten Regierungen ge- macht werden wird. Darüber steht die Beschlußfassung wie die Vorlage an den Bundesrath selbs no< aus. Allein, ob es nun angezeigt ersheint, von Seiten des hohen Hauses bei diesen von mir erwähnten Vorbereitungen auf der Regierungsseite si< mit der Frage weiter zu befassen, das muß ih natürli<h dem Ermessen des hohen Hauses anheimstellen.

Abg. Dr. Hartmann (deutshcons.): Diese Erklärung werde gewiß vom ganzen Hause mit Freude und Befriedigung aufgenommen worden sein. Damit sei allerdings au< nah seiner Ansicht die Verhandlung für heute gegenstandslos geworden. Er möchte aber troßdem seinen Standpunkt no< einmal präcisiren. Er theile die Auffassung des Abg. Rintelen, daß das „unschuldig“ in diesem Zusammenhang nicht gleichbedeutend sei mit dem „nihts<uldig“ der Juristen, und daß eine Entschädigung nur wirkli< unschuldig Verurtheilten gewährt werden dürfe. Er habe \. Z. in diesem Sinne selber einen Geseß- entwurf beantragt. Damals hätten die verbündeten Regierungen gar ni<ts gewähren wollen. Sie seien der Meinung gewesen, daß die Entschädigung unschuldig Verurtheilter Levig eine Gnadenfache sei. Auf ihre Veranla ung hätten denn au< mehrere Einzelstaaten, wie Bayern und D Gnadenfonds in ihre Landes-Etats ein-

estellt. Dies könne ihn nicht befriedigen. Derjenige, dem durch die

e<tspre<hung Unrecht geschehen sei, müsse einen geseßlihen Anspru

Wo Entschädigung haben. Jett dürfe man mit Freude und Spannung

orlage der verbündeten Regierungen n ggen ezen. Cr köônne nur bitten, daß der Bundeérath \sih auf die Entschädigung bei nach-

Berlin, Donnerstag, den $8. Dezember

gewiesener Unschuld Gde Eine commifsarishe Berathung sei unter den obwaltenden Verhältnissen {le<terdings entbehrli<h. Auch eine zweite Lesung fönne man sih ersparen.

_ Abg. Frohme (Soc.): Mit der Erklärung des Staatssecretärs sci man wenigstens einen Schritt weiter gelangt. Er habe aber doh no< ni<; die Befriedigung, welcher der Vorredner Ausdru> gegeben habe. Wenn der neue Geseßentwurf eine - Entschädigung nur den wirflih Unschuldigen gewähre, so sei er durchaus mangelhaft. Es sei nothwendig, daß au denjenigen eine Entschädigung gewährt werde, die zu Unrecht eine Unterfuchungshaft verbüßt hätten. Die Zabl dieser Fälle fei außerordentlih groß. Er halte an dem Grundfaßz fest, daß in allen Fällef, wo die Justiz die Schuld des Angeklagten nachzuweisen ni<ht im stande sei, au eine Entschädigung gewährt werden müsse. Ueberhaupt werde man eine Grenze zwishen wirklicher Unschuld und der Wahrscheinlichkeit der Schuld {wer finden können. Im Untersuhungswesen liefen der Justiz ni<ht selten die gröbsten Fehler unter. Eine entsprehende Vorschrift im Gesetz würde bewirken, daß die Justizbeamten in der Ausübung ihrer

unctionen etwas vorsihtiger seien. Man brauche niht auf dem Standpunkt zu stehen, daß die Justiz durchaus corrumpirt sei; aber es könnten do< Ungerechtigkeiten vorkommen, wenn eine solhe Vor- schrift ni<t vorhanden sei. Ebenso wie der Apotheker für die ritige Herstellung und Verabreichung der Arzneien verantwortlich sei, ebenso müsse au die Justiz verantwortlich sein. Das verlange das Nechtsbewußtsein des Volkes. Der Antrag Rintelen gebe ihm Ver- anlassung, auf eine Neihe der gröblihsten Mißbräuche, deren si< in der leßten Zeit einige Justizbeamten s{huldig gemacht hätten, aufmerfsam zu machen. In Hamburg z. B. habe si<h der Staats- anwalt Romen im Gerichtssaale verpflichtet gehalten, Folgendes zu behaupten: die meisten Zeugen feien Socialdemokraten und hielten sih gemäß den in ihrem Parteiprogramm ausgesprochenen Grund- säßen für berechtigt, auf den geleisteten Eid Unwahres zu behaupten. Derselbe Staatsanwalt habe ti einem anderen Prozeß wiederum auf denselben Standpunkt gestellt, indem er einem Zeugen die Frage vorgelegt habe, ob er der focialdemokratis<en Partei angehöre. Der Vertheidiger habe gegen diese Frage als nit zur Sache gehörig Ein- spruch erhoben, der Staatsanwalt habe aber darauf bestanden, weil er im Falle der Bejahung in Uebereinstimmung mit der von thm

„an anderer Stelle entwi>elten Anschauung die Glaubwürdigkeit des

Zeugen bestreiten müsse. Im weiteren habe er bemerkt, er sei im stande, hinreihend Material zu bringen, daß die ganze Socialdemokratie ni<ht nur den Meineid billige, sondern ihn sogar verherrliche, wenn es dadur mögli sei, einen Angeklagten der Bestrafung zu entziehen ; daher glaube er sih zu der von thm gestellten Frage berechtigt. Man könnte sagen, das sei eine vereinzelte Erscheinung; er sei aber in der Lage, mehrere Fälle eonstatiren zu können, wo das in einer Art und Weise geschehen sci, die ein unbeeinflußtes Rehtsbewußtsein empören müsse. Man habe in Magdeburg eine Reihe von Meineids- prozessen gehabt, welche die Gegner der Socialdemokratie gegen sie auszuspielen versu<ht hätten. In einer Versammlung zn Staßfurt solle nah Bekundung des überwachenden Polizeibeamten der Referent Mertens gesagt haben, das Nechtsprechungssystem sei miserabel. Mertens sei deshalb angeklagt. In dem Prozesse hätten einige Entlastungs- zeugen bekundet, daß Mertens dieje Worte nit gebraucht habe; er sei aber do< na< Aussage des Polizeibeamten verurtheilt. Dann seien alsbald au die Entlastungszeugen unter die Anklage des Meineids gelten Es seien wieder Gnllalnnagzeunen aufgetreten, die ebenfalls ekundet hâtten, daß Mertens jene incriminirten Worte nicht gebraucht habe. Auch die Aussagen dieser Zeugen seien als unglaubwürdig betrachtet, und leßtere ebenfalls des Meineids bes<uldigt. Nun habe sich in der leßten Verhandlung beim Magdeburger Schwurgericht herausgestellt, daß die Polizeibeamten gehört hätten, wie Redner die Nationalliberalen als Nationalmiserable bezeihnet habe, und er von einem miserablen Nechtésystem, niht von einem miserablen Recht- sprehungssystem gesprochen habe. Da habe ein Polizeisergeant den anderen angestoßen, und dieser habe darauf miserabel in sein Notizbuch ver- zeichnet und es dreimal unterstrihen. Wer da wisse, wieviel auf die Bericht- erstattung von niederen Polizeiorganen gegeben werde, der werde ein- räumen, daß nirgends mchr eine irrthümlihe Auffassung stattfinden könne, als in folhen Fällen. Ein besonderer Umstand komme no< hinzu: Mertens habe behauptet, in Staßfurt habe ein Bürgermeister NReinhart erwiesenermaßen in einer geradezu fanatischen Meise in Gemeinschaft mit den Unternehmern Stellung gegen die Socialdemo- fratie genommen. Er sei deshalb wegen Beleidigung verurtheilt worden. Wenige Wochen darauf sei eine ganze Reihe von Schriftstü>ken ver- öffentliht, aus denen si< zur Evidenz ergeben habe, daß Mertens allerdings mit seiner Behauptung Necht gehabt habe. Das habe auch der Bürgermeister s{ließli< zugeben müssen.

Abg. Kauffmann (dfr.): Die beiden Materien gehörten aller- dings nicht nothwendig zusammen, es komme jedo< nur darauf an, daß vorläufig das Princip der Entschädigung unschuldig Verurtheilter, festgestellt werde. Wenn man aber einen Unterschied mache zwischen uns{huldig Verurtheilten und Freigesprochenen, werde die ganze Straf- prozeßordnung auf den Kopf gestelt. Er wolle wünschen, daß das Tempo, in dem die Vorlage an das Haus gelange, beschleunigt werde.

Abg. Schneider-Hamm (nl.) äußert ebenfalls feine Freude und Genugthuung über die Ankündigung des Staatssecretärs und fordert, daß Entschädigung nur dann gewährt werde, wenn sich wirk- lih diz Unschuld des Verurtheilten herausstelle.

Abg. Haußmann (Vp.): Begrifflih lasse si<h der Un- EDIE von dem Freigesprochenen s<heiden, aber diesen Unter- schied geseßgeberis<h zu gestalten und in der Praxis anzuwenden, sei ungeheuer s{wierig. In Württemberg sei ein Mann, der Ae habe, wegen {weren Diebstahls zu vier Jahren Zucht-

aus verurtheilt. Nachdem er ein Jahr abgesessen, sei der wahre Dieb gefunden und verurtheilt. Nah Wiederaufnahme des Verfahrens gegen den ersten habe ihn das Gericht zwar freigesprochen, aber hinzugefügt, daß es nit erklären könne, daß der Mann wirklich unschuldig fei, denn es wäre möglich, daß bei dem Diebstahl zwei bee theiligt gewesen seien. Das dann angerufene Reichsgeriht habe er- klärt : Du bist freigesprochen, mehr als freigesprochen kannst Du nicht werden. Der Mann habe nun ein Bittgesu<h um Entschädigung aus öffentlichen Mitteln auf Grund des Bundesrathsbeshlusses vom 6. März 1887 eingereiht, und dur< das württembergische Ministerium und den König sei ihm eine Entschädigung von 1000 4 zuerkannt worden. Ein anderer Act sei folgender: In der leßten “Schwur- gerichtsperiode hier sei ein Mann verurtheilt auf Grund der Aussage einer Belastungézeugin, von der es si< später heraus- gestellt habe, da sie - vollständig hHysteris, sei und in diesen Anfällen s{<hon. wiederholt unwahre Behauptungen in ähnlicher Weise aufgestellt habe. An der KreispreQuag des Mannes fei nun niht mehr zu zweifeln gewesen. ie Frage, ob er wirklich unschuldig sei, werde jedo<h je na< der individuellen Ansicht eines Einzelnen verschieden beurtheilt werden können. “Die Reichsregierung möge die Interpretation in dem Gefeß dahin annehmen, daß, wenn ein Mann ni<t für s{uldig erklärt werden könne, er alsdann ent- \hädigt werden könne für das, was er dur< das Strafverfahren gegen ihn eingebüßt habe. Schließlich bitte er, den Reichstag mit der Aus- gestaltung des Sea fes nit fo lange warten zu lassen, wie man ihn auf die Ankündigung habe warten lassen. L

Ein Schlußantrag wird eingebraht und findet die A e Unterstüßung. Abg. Stadthagen (Soc.) bezweifelt die Besch ile fähigkeit des Hauses. :

1892.

146 Mitgliedern, von denen 106 für, 40 gegen den Shluß stimmten. Das Haus ift also nicht beshlußfähig.

Schluß 31/4 Uhr. - Nächste Sizung Freita# 12 Uhr. (Interpellation, betreffend die Abzahlungsgeschäfte Und Fort- seßung der ersten Berathung der lex Heinze.)

Die Zählung des Hauses ergiebt die Anwesenheit von

Literatur.

Naturkunde.

Brehm's Thierleben. Allgemeine Kuäde des Thierreichs. Dritte, neubearbeitete Auflage. Band 9. Die FInsecten, Tausendfüßer und Spinnen. Neubearbeitet von Professor Dr. E. L. Taschenberg. Mit 287 Abbildungen im Text und 21 Tafeln. Leipzig und Wien. Bibliographishes Institut. Preis in Halbfranz

ebunden 15 Æ Die jedem Natarfreund aus Brehm’s Thierleben ekannte, ausgezeichnete Schilderung der Insectenwelt is auch in der dritten Auflage dieses berühmten Werks wieder von Professor Dr. E. L. Taschenberg neubearbeitet worden. Der Gelehrte hat in dem uns vorliegenden Bande die Quintessenz seines fxa<hmännishen Wissens unter sorgfältiger Berücksichtigung der neueren Forshungsergebnisse niedergelegt. Nicht sein geringites Verdienst hierbei ist der muster- gültige Anschluß an die Brehm’sche Thierschilderung. Dadurch ist erreiht, daß ni<ht nur die Abhandlung über die betreffende Thier- gruppe auf den Stand der heutigen Wissenschaft gebraht wurde, sondern es ist au< das buntschillernde, regiame und weitverzweigte Volk der Insekten in jener reizvollen, fesselnden Schreibweise dar- gestellt, die das Brehm’sche Lebenswerk kennzeihnet. Ganz besonderes Gewicht ist bei der neuen Bearbeitung auf die Biologie gelegt worden. Die anatomischen Verhältnisse der Insekten 2c. sind im allgemeinen Theil gegen früher etwas eingehender behandelt worden. Nicht weniger interessant als der Text ift au< der illustrative Theil des vorliegenden Bandes. 141 neue bildlihe Darstellungen, meisterhaft von Emil Schmidt und H. Morin fast ausnahmslos na< dem Leben gezeichnet, haben Aufnahme gefunden. Einen ganz besonderen Reiz üben in dem neuen Band auf den Beschauer die vorzüglichen Chromo- drud>e aus, bei welchen der jener Thiergattung eigene Farbenschmelz so re<t zum Ausdru> kommt. Die neuè Fortseßung aus Brehm's Thierleben reiht sih au< hinsihtli< ihrer inneren und äußeren ge- diegenen Ausstattung den voraufgegangenen Bänden würdig an.

Erziehung und Unterricht. s

Geographische Bilder. Zum Selbstunterriht und für Schulen, von Paul Gerhardt, s\tädtishem Lehrer. Berlin, Uebel’she Buchhandlung; Pr. 6 4, geb. 6,75 #( Das Unternehmen, unsere geographische Kenntniß in einer Reihe von Bildern im Zu- sammenhang darzustellen, if danfbar zu begrüßen, umsomehr als die vorhandenen Lehrbücher fih nicht zum Selbststudium eignen und der Ergänzung dur< den Vortrag bedürfen. In den „geographischen Bildern“ ist dieser Vortrag durh eine angemessene Darstellung, die sehr lesbar ist, erseßt. Das Werk umfaßt das ganze Gebiet des geographis<hen Wissens nah dem Ergebniß der neuesten Forschung.

L TEriLa.

Von dem großen Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm liegen zwei neue Lieferungen vor. Die eine E den am längsten im Rückstande befindlichen, der Materie nah aber auch besondere Schwierigkeiten bercitenden 1 V. Band (T. Abtheilung, 2. Hälfte) dem endlichen Abschlusse näher. Die darin enthaltenen Wörter mit der Vorsilbe „ge“ werden von „gerieselt“ bis „geshi>t“ weitergeführt. Die von Dr. R. Hildebrand begonnenen Arbeiten an diesem Theil seßt Dr. K. Kant jeßt mit frishen Kräften und in beschleunigterem Tempo fort. Die Lieferung (9) ent- hält unter anderen die wichtigen und umfangreihen Artikel „Geschäft“, „geschehen“ und „Geschichte“, deren Abstammung und Entwi>kelung dem Freunde sprahwissenschaftliber Forschun viel Belehrendes bietet. Auch der VIII. Band (R, S) ift G Ausgabe einer neuen (10.) Lieferung gefördert worden, welche die Artikel „Same“ bis „Saumseligkeit* umfaßt und u. a. die etymolo- gisch und culturgeschichtlih interessanten Worte „Sammet“, - „Sarg“, „Satan“, „sauer“, „Saum“ 2c. enthält. Auch diese unter Leitung von Dr. M. Heyne bearbeitete Lieferung giebt {hon dur das reiche Material an illustrirenden Citaten in Poesie und Prosa aus einem ganzen Jahrtausend deutscher Literatur Zeugniß von dem dabei auf- gewendeten Bienenfleiß. Die 11. Lieferung des VIII. Bandes und die 9. des XIT. befinden si<h im Dru>k und dürften in nächster Zeit im S. Hirzel’shen Verlage zu Leipzig zur Ausgabe gelangen.

Von der fünften Auflage von Meyer's Kleinem Con- versationslexikon (Leipzig, Verlag des Bibliogr. Instituts) liegen jeßt der crste und zweite Band (bis Lieferung 44) abgeshlo}sen vor. Es wird mit dem Kleinen Lerikon dem großen Publikum, ein Hilfs- mittel ersten Ranges, das auf alle Fragen Auskunft und Bolekru ertheilt, geboten. Wirksam wird der Text dur< Beigaben an Karten, BVildertafeln und illustrirten Beilagen, die sämmtli als mustergültig bezeichnet werden können, unterstüßt. Das Werk kann in 66 Lieferungen zu je 30 4, oder in drei in Halbfranz gebundenen Bänden zu je

8 M. bezogen werden. Verschiedenes.

„HFÜünfundzwanzig Jahre Münchener Hoftheater- Geschichte, ein Nükbli> auf die 25jährige Amtsführung des Frei- herrn Karl von Perfall als Leiter der Münchener Hofbühnen“ lautet der Titel einer zu diesem Jubiläum von Otto Julius Bierbaum verfaßten Festshrift, die im Verlage von Dr. E. Albert u. Co. in München erschienen ist. (Pr. 4 6) Sie bietet einen statistishen Ueberbli> über das Münchener Hoftheaterleben innerhalb des verflossenen Vierteljahrhunderts und eine Galerie der bedeutendsten künstlerischen Kräfte der bayerischen Hofbühne aus dieser Periode nebst biographishen Abrissen. Die Schrift verbindet damit au< manche kritischen Mengen, die jedo, wie der Verfasser betont, lediglich aus dem Wunsche hervorgingen, ein fo bedeutendes Kunstinstitut, wie das Münchener Hof-Theater dauernd und fest auf der Höhe zu sehen, zu der Baron von Perfall unablässig und vielfah mit Erfolg es zu erheben bestrebt war. Es ist eine für den Jubiläumstag bestimmte Chronik, die niht nur ein E für den Jubilar, sondern au<h für die- jenigen fein foll, die unter feiner Leitung an dem Sustitut thätig waren und sind. Dieser s gemäß is das Buh würdig aus- estattet und mit dem Bildniß des hochverdienten General-Intendanten [owie 70 Lichtdru>-Porträts hervorragender ehemaliger oder no< wirk- ae Des und Künstlerinnen der bayerischen Hofbühnen aus- gestattet.

Die et für Gerihhtsvollzieher*, Special- Organ über BVollstre>ungsre<t und Zusteliuungswesen CFerlag von Siemenroth u. Worms in Berlin SW.), bat in der Nr. 22 vom 18. November folgenden Inhalt: Die rehtlide Stellung des Ge- rihtsvollziehers im heutigen Civilprozefse. on Magnus Frei- herrn von Wel> zu Oberlößnitz-Radebeul. Werden Mängel der Zustellung dli geheilt, daß das zugestellte Schriftstük i der Zustellung wirkli< in die Hände des Abrefsaten gelangt ift ? Rechtsprehung. Zeitschriften- und Bücherschau. Literarische Mit- theilungen von Heinri<h Walter. Se