1892 / 293 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

G; M M Se Ri R G M EI N E Et C

‘nächsten Jahre der Kampf gegen die Cholera werde fortgeseßt

Schon wiederholt ist auch an dieser Stelle darauf hin- gewiesen, daß vom 1. Januar 1893 ab auf den deutschen Eisenbahnen für den inneren Verkehr das neue Frachtbrief- formular der Verkehrsordnung und für den Verkehr, der sich auf Grund des internationalen Ueber- einkommens über den Eisenbahnfrachtverkehr vollzieht, ‘das in diesem festgesegte internationale Formular zur Anwendung kommen, sowie ferner, daß die Verwendung der bisherigen, durch das Betriebsreglement für die Eisenbahnen Deutschlands von 1874 vorgeschriebenen Formulare vom 1. Januar k. J. ab nicht mehr gestattet ist. Auf diese dur< die Ver- änderungen in den Grundlagen des Frachtvertrages, ins- besondere hinsichtlih der dem Publikum günstigeren Be- stimmungen über die Haftpflicht der Eisenbahnen, gebotene Maßnahme wird erneut aufmerksam ‘gemacht.

Der heutigen Nummer des „Reichs- und Staats-Anzeigers“ ist cine besondere Beilage (Nr. 5), enthaltend Entscheidungen Le A <sgeri<ts, nebst Titel und Sachregister 1592,

eigefügt.

Sachsen-Weimar-Eisenach.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog hat sich gestern zum Besuch Seiner Hoheit des Herzogs von Shcbfe-Altenburag nah Altenburg begeben.

Lippe. 4

In der Sißung des Landtags vom 7. d. M. wurde, wie dem „Hann. Courier“ berichtet wird, ein Schreiben der Regierung verlesen, worin erklärt wird, daß die erneute Vor- lage cines Volksschulgesezes keinen Zweck habe, bevor der Landtag nicht seine Ansicht betreffs Heranziehung der Fürst- lichen Domänen zu den Schullasten aufgegeben habe. Bei der Etatvsorlage wurde beschlossen, den Etat für die Jahre 1893 und 1894 gegen einen Antrag des Abg. Asemissen (freif.), der nur den für 1893 berathen wissen wollte in zweiter Lesung im Ganzen zu berathen. Jn der gestrigen Sißung nahm der Landtag die erste Lesung des neuen Einkommen- steuergesetes vor.

Lübeck.

Das Budget des [lübe>ischen Freistaats für 1893 stellt sich in Einnahme auf 3 492 610 a in Auetohe auf 3 756 303 6 Es ergiebt sih somit ein Fehlbetrag von 263 693 6, der durch die Erhöhung der Beamtengehälter um weitere 100 000 6 vergrößert werden dürfte. Der für 1892 berechnete Fehlbetrag belief si<h auf 175 133 Für 1891 war ein Fehlbetrag von 203 059 H berechnet, die Abre<hnung ergab jedo cinen Uebershuß im Betrage von 113 004 E

Oesterreich-Ungarn.

Der Kronprinz von Dänemark wird heute Aben die Nü>reise nah Kopenhagen antreten. / M Die Enthebung des Ministers Grafen Küenburg unter ga Ernennung [zum Senats-Präsidenten beim bersten Gerichtshofe ist heute in der „Wiener Zeitung“ veröffentlicht worden. 3 Jn der gestrigen Sißung des österreihishen Ab- geordnetenhauses brachte der Finanz-Minister Dr. Stein - N bis ree März n. L s dreimonatiges etprovisorium ein. Bei Beginn der Sitzung legte der Abg. Dipauli (katholische Rechte) unter dem cifal ber Antisemiten und des Centrums gegen die an den Präsidenten des Hauses gerichtete Eingabe des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus (siche die gestrige Nummer des „R.- u. St.-A.“) Verwahrung ein, weil dies als eine Einmischung in die internen parlamentaris<hen Verhältnisse anzu- sehen sei. Darauf wurde der Minister-Präsident Graf Taaffe von dem Abg. Geßmann über die Geschäfts- gebahrung der Versicherufgsgesellf chaft „Desterreichisher Phönix“ interpellirt. Graf Taaffe erwiderte, die von dem Jnter- pellanten gewünschten Maßnahmen der Staatsverwaltung seien in den Thatsachen nicht begründet ; die Regierung sehe sich daher nicht veranlaßt, gegen die Gesellschaft vorzugehen. Auf Antrag des Abg. Geßmann beschloß das Haus, in der heutigen Sizung in eine Besprehung der Antwort des Minister-Präsidenten ein- zutreten. Die Majorität bei der Abstimmung bestand aus den Deutschliberalen, Deutschnationalen, Jungezehen und Antisemiten. Im weiteren Verlauf der Debatte über das Budget des Ministeriums des Jnnern erklärte der Regierungs-Vertreter Sections-Chef Erb, die politische Verwaltung von Galizien habe si< um einen Theil der Monarchie und vielleicht um einen Theil Europas ein großes Verdienst erworben, indem sie ungeachtet der außer- ordentlih exponirten Verhältnisse Galiziens die Cholera fern- chalten oder die einzelnen vorgekommenen Fälle unterdrückt abe. Jn Oesterreih seien, troßdem dieses am meisten exponirt gewesen, nur 193 Cholerafälle vorgekommen. Heute könnte mit Beruhigung gesagt werden, daß die Cholera alle Schre>en verloren habe, vorausgeseßt, daß die Verwaltung rechtzeitig eingreife und hierbei von der Bevölkerung unterstüßt werde. Die Frage wegen einer Codificirung der Epidemiegesezge werde im Ministerium des Jnnern berathen. Der Vertreter der Re- ierung verwics ferner auf den in den angrenzenden russischen ouvernements herrshenden Nothstand ind die zum 24. d. M. nah St. Petersburg einberufene Aerzteconferenz und fügte hinzu, die officiellen Ziffern bewiesen, daß die Zahl der Erkrankungen in Rußland si< wöchentli<h no< immer zwischen 3000 bis 4000 bewege. Deswegen bestehe die Besorgniß, daß au<h im

werden müssen. Die bisherigen Maßna 6 nicht fallen gelassen werden. 9 ßnahmen fönnten sonach

Die H Großbritannien und Frland. : Die Herzogin von Edinburg wird si< mit Prinzessin Marie am nächsten Bontiétstag “s Si a ringen begeben. Der Herzog von Edinburg reist am 19. Dezember ebenfalls nah Sigmaringen, wo am 10. Ja- nuar n. J. die Vermählung des Prinzen Ferdinand von Rumänien mit der Prinzessin Marie stattfindet.

Frankreich.

Die Panama-Untersu<hungscommission verna nach einer Meldung des R O Ho ate Mina

s

Pflicht und den Willen, mit der Commission Hand in Hand zu gehen, um so s<nell wie mögli in der Angelegenheit volle {ufflärung zu schaffen. Der Justiz-Minister Bourgeois ecklärte, er werde die gesammten Actenstü>e über die Panama- kanal - Angelegenheit mittheilen; die von ihm gemachten Vorbehalte bezögen sich ledigll<h auf die Form. Die Commission müsse die erforderlihen Vorsichtèömaß- regeln treffen, damit die Freiheit der Anklagebehörde oder der Vertheidigung nicht beeinträchtigt werde. Die Commission wird im Einvernehmen mit der Regierung die Garantien fest- stellen, welche die legtere für erforderlih hält. Brisson sprah dem Justiz-Minister für dessen Erklärungen seinen Dank aus. Jmbert, der Verwalter des Neinah’schen Nachlasses, ersuchte die Panama-Untersuchungscommission im Namen der Erben, si< bei de E Dei 1E D J Un Aussicht genommenen Entsiegelung und Inventarisirung der Papiere des Verstorbenen dur< Abgesandte ver- treten zu lassen. Die Commission verhörte ferner den Director _der „Société centrale de dynamit“: diefer erklärte, in den Büchern der Gesellschaft finde sih keinerlei Aufzeichnung über die 500 000 Fr., die der ehemalige Minister Barbe von Reinach erhalten haben solle: Barbe fónne die Summe nur in einer persönlichen Angelegenheit er- hoben haben. Jnfolge der Erklärungen des Justiz-Ministers Bourgeois in der heutigen Coinmisfions-Sißung herrscht zur Zeit zwischen der Regierung und der Panama-Untersuchungs- commission volles Einverständniß. Die melten republikanishen und sämmtliche radicale Morgenblätter billigen den Entschluß der Re- T0 das gesammte, die Panama-Angelegenheit betreffende Actenmaterial der Untersuhungscommission mitzutheilen. Das „Journal des Débats“ und die „Estafette“ tadeln die Mit- theilung. Dem „Figaro“ zufolge hätte der Justiz-Minister Bourgeois die Begnadigung des Directors der „Libre Parole“ Drumont, der ih gegenwärtig im Gefängniß St. Pélagie befindet, beschlossen. Drumont würde heute Abend in Freiheit geseßt werden. __ Der General-Procurator Quesnay de Beaurepaire ist zum Präsidenten des Cassationshofes ernannt worden. Wie der „Temps“ meldet, erfolgte die Ernennung, weil Quesnay de Beaurepaire sih der Basblaguakint der Papiere des Barons Reinach und der Untersuhung der Leiche desselben widerseßt und diese Maßnahmen als Will- fürlihkeiten bezeichnet hatte, zu denen die Gerichtsbehörde nur untér dem Drucke politischer Gewalt veranlaßt werden könne. Der General-Procurator hatte demgemäß dem Justiz - Minister bereits vorgestern mitgetheilt, er betrahte fi< als seiner Aemter enthoben. Der Justiz- Minister Bourgeois richtete hierauf an ihn die Bitte, sich von der republikanischen Partei nicht zu trennen, ersuhte ihn auch dringend, im Richterstande zu verbleiben und den Posten eines Präsidenten bei dem Cassationshof anzunehmen. Quesnay de Beaurepaire erklärte sih zur Annahme des Postens bereit, um niht nah außen hin als mißvergnügter Opponent zu gelten. __ Die Angelegenheit des französish-\<weizeris<hen Handels abfommens soll nah einem Telegramm des „W. T. B.“ in ein Stadium getreten sein, das zu der Hoff- nung auf ein den Wünschen der beiden Länder entsprechendes parlamentarisches Ergebniß berechtige.

Rußland.

Gutem Vernehmen nah soll auf Rauch- und Schnupf- tabae, Papyros, Cigarren, Cigarretten und Pachitos lie a bisherigen Steuer cine ErgänzungSssteuer von 5 Kopeken per Pfund = 2 Rubel pro Pud erhoben werden.

Spanien. Die Königin-Negentin empsing, wie „W. T. B.“ meldet, gestern Abend Sagasta zu einer Besprechung und erklärte, sie werde heute Vormittag ihre Entschließung fassen.

Rumänien. Der Senat hat gestern, wie „W. T. B.“ meldet, mit 82 gegen 4 Stimmen den Gesetzentwurf über die Dotation für den Prinzen Ferdinand genehmigt. Die De- putirtenkammer nahm mit 97 gegen 21 Stimmen die Adresse an den König an.

Serbien. Einer Meldung der „Politishen Correspondenz“ zufolge wird die Skupschtina am 28. Dezember a. St. ) A

aufgelöst werden. Die Neuwahlen follen in d i Hälfte des Februar stattfinden. | E

4 Bulgarien. Die „Svoboda“ ist ermächtigt, die Nachricht ausländi

Blätter über die angeblih e hebende V eelokung s Ms Ferdinand mit der Tochter des Herzogs von Parma sowie über die Anknüpfung darauf bezüglicher

Verhandlungen mit dem Papst als völli Î erklären. Pap| völlig unbegründet zu

s Dänemark.

_ Vorgestern und gestern tagte in Kopenhagen die Jahres- versammlung der Delegirten der Ae Gieas Jm Lee Verhandlüngen wurde nah einem Bericht des „W. T. B.“ von der Versammlung eine Resolution angenommen, worin die von der Regierung befolgte Politik gebilligt wird. Nach Schluß der Verhandlungen fand gestern ein Festbankett statt, an dem etwa 400 Personen, darunter alle Minifter, theilnahmen. Der Minister-Präsident Estrup hielt eine Ansprahe und drückte den Wunsch aus, die Rehte möge auch fernerhin die von der Regierung befolgten politishen Grundsäße unter- stüßen. Eine starke cinige Rechte sei im politischen Leben constitutioneller Länder ein nothwendiger Factor, dessen Be- timmung es sei, eine ruhige Entwickelung der öffentlichen ngelegenheiten a sichern und die von den untergrabenden E der Gegenwart drohenden Ershütterungen zu be-

Amerika.

__ Na einer in London eingetroffenen Meldung aus Bu -

Aires bleibt der Finanz-Minister omero, Mitglied des

N e Cuba ne C on Ministers des Jnnern Quint

Die Ministerkrisis ist damit beendet. Bea ia

: Asien. Das L U e Bureau“ meldet aus Kalkutta von

Präsidenten Ribot, der erklärte, die Regierung habe die

es abgelehnt, die Versicherung abzugeben, da Maßre - riffen werden würden, um n alle s S Lee

rüfseler Münzconferenz die indische Währung zu schüßen Die indische Regierung sei auch nicht berehtigt, dem Staats- secretär für Jndien ‘die Einstellung des Verkaufs indischer Council-Bills unter einem gewissen festen Saß anzuempfehlen E Negierung ziehe vor, volle Actionsfreiheit zu be-

Parlamentarische Nachrichten.

Deutscher Reichstag. 12. Sißung vom Sonnabend, 10. Dezember, 12 Uhr.

Der Sitzung wohnen der Reichskanzler Graf v . . d , , , , . on Caprivi, der_ Königlih preußische lriecs Ministe® von Kaltenborn-Stachau, der Königlich bayerische Kriegs- Minister von Safferling, der Königlih württembergische Kriegs-Minister Freiherr Schott von Schottenstein und der Königlich sächsif e Kriegs-Minister von der Planißtz bei. Eingegangen ist eine Jnterpellation des Abg. Dr. Buhl (nl.) und Genossen, betreffend das Gutachten der militärischen Sachverständigen im Prozeß Ahlwardt. i L E M ie A E Berathung des Geseßz- wurfs, betreffend die Friedenspräsenzstä A e O Königlih preußisher Kriegs - Minister von Kalten - Stachau: Im Anschluß an die Begründung, welche der Reicbokengler der Vorlage gegeben hat, will ih os einige Worte vom militärischen Standpunkt anschließen. Jch kann dabei die Vorlage mit der ander- weitigen Vertheilung des Grfaßes niht außer Acht lassen. Denn durch die Annahme dieser Vorlage, an der ih nicht zweifle, schaffen Sie erst die Grundlage für die Friedenspräsenzstärke, für die Möglich- lichkeit der Durhführung des 8 4 der Wehrordnung, daß jeder taug- lide Wehrpflichtige dienen soll. Die Vorlage über e Friedenspräsenzstärke schafft die Möglichkeit, jeden MWehrpflichtigen zum Dienste hinzufügen. Denn Deutschland hatte bisher nicht die allgemeine Dienstpflicht in vollster Durhführung. Um mehr Mannschaften zu schaffen, mußten Aenderungen herbeigeführt werden ; denn in der Heranziehung der Mannschaften in dem vorhandenen Rahmen war man weit genug gegangen. Es Ffonnte fi<h nur handeln um die E des Etats oder um die Schaffung neuer Cadres. Die näheren Angaben können Sie der Begründung der Vorlage entnehmen. Aus diesen Gründen ist die Vorlage entstanden und i< fann wohl sagen, daß die Kosten und Wirkungen niemals bei ciner Militärvorlage in einem so günstigen Verhältniß gestanden haben, wie diesmal. Die Vorlage sieht nur eine geringe Anzahl von höheren Stellen vor, fie hat auch den entscheidenden Sqritt gethan, sih mit einer verkürzten Dienstzeit zu begnügen, und shaft auf diefe Weise die Mittel, um eine intensive und gleihmäßige Ausbildung zu verbürgen. Daß von einem bloßen Versuche dabei nicht die Rede fein kann, ist selbstverständlih. Es handelt sih um einen Weg, der mit festem Bli>k in die Zukunft verfolgt werden soll. Es ‘wäre nicht zu verantworten vor der Nation das Heer einem stärkeren Feinde entgegen zu führen und ihm zu überlassen, dur< fein Blut die Verschiedenheit der Stärke auszugleichen. Will das Reich seine Machtstellung bewahren Herr seines Geschi>es bleiben, fo muß es in jedem Augenbli> darauf renen, seine ganze Macht in die Wagsthale legen zu können. Es darf nicht darauf rechnen, nur mit einem Theil feiner Mannschaft zu kämpfen; au wäre es unre<t, die Alten vor den Jungen ins Feld zu führen. Die Jungen gehören zuerst in den Kampf. Dadurch wird der Landwehr wieder ihre alte Rolle zugewiesen werden. Falsh wäre es, wenn man darauf re<nen wollte, eine möglichst große Zahl von Manuschaften ins Feld zu führen. Es würde jedem Sol- daten das wünschenswertheste sein, Soldaten von dreijähriger Ausbildung ins Feld zu führen. Aber das würde unershwinglih sein, deshalb muß man si damit begnügen, den Soldaten dur Anwendung aller Kraft die möglichst gute Ausbildung zu geben. Die Vermehrung der Cavallerie ist in den engsten Grenzen gehalten. Die Bildung von Stamm- Fscadrons is na< den Erfahrungen der befreundeten österreichischen Armee vorgenommen worden. Die Neuformationen bei der Artillerie be- treffen die Aufstellung von Stämmen für die Reservebatterien. Ich darf a1nehmen, daß das Haus beschließen wird, die Vorlage an eine Commission zu verwetsen,_ und in dieser wird Gelegenheit sein, auf die näheren Einzelheiten einzugehen. Es wird da der Nachweis erbra<ht werden, daß alles vorgekehrt is, um die Durchführung der Vermehrung zu sichern, ohne das Ge- füge der Armee au< nur einen Augenbli> zu stören. Durch die Vorlage werden Sie dem Heere eine Verstärkung und Verjüngung hinzufügen, welche die beste Aussicht auf Erfolg in sich birgt. Schwierigkeiten sind vorhanden, aber diese treten zurü>k gegenüber dem Umstande, daß wir mit Kräften re<nen müssen, die nicht mehr E h : G g. Freiherr von Huene (Centr.): Wir haben bei der Vor- lage nicht nur die militäris<hen, sondern auch die irtbs{ettlidkene Gesichtspunkte in Betracht zu ziehen. Ueber die Vorlage wegen des Erjaßes möchte ich perfönli<h bemerken, daß ih damit so ziemli einverstanden bin. Nur habe i< das Gefühl, daß dadurch das platte Land mehr herangezogen wird als bisher, denn die Zahl der wirkli militärtüchtigen jungen Leute ist auf dem Lande größer als in den Städten. Man hat esprochen über das Schweigen des Centrums zur Militärvorlage und hat geschlossen auf geschäftliche Abmachungen, die vorbereitet würden. Wir haben bei der Etatsberathung einfa deéhalb über die Militärvorlage ges<wiegen, weil wir sicher waren, daß sie demnächst zur Berathung kommen würde, weil wir ferner noch in der Prüfung der Vorlage begriffen waren. Wir find jeßt einig darin, daß die Vorlage, wie sie Hier vorliegt i S unannehmbar ist. Aber die Vorlage enthält die Erfüllung eines alten Wunsches , die zweijährige Dienstzeit „oll gee werden. Wir sind bereit, alles zu bewilligen, was ur Durchführung der zweijährigen Dienstzeit nothwendig ist. In Bezug auf die Einzelheiten kann ih nur für meine Person sprechen, da ich die Rede, die. i jeßt halten werde, in der Partei noch nicht gehalten habe; ih weiß alfo nicht, wie meine Freunde dazu stehen. Die Windthorst’shen Resolutionen bilden ja gewi ermaßen ein Pro- ramm für das Haus, und ih muß anerkennen, daß die Vorlage in gewisser Beziehung diesen Resolutionen entgegenkommt, aber eine volle Uebereinstimmung findet doh niht statt. Die Windthorst'shen Resolutionen legen nicht das Hauptgewicht darauf, daß alle wehrfähigen Mannschaften herangezogen werden, sondern mehr auf die finanzielle Seite der Sache; sie hatten ferner die damals vorliegenden Pläne des Generals von Verdy zur Grundlage. Die heutige Vorlage is niht die Durhführung dieser Pläne; es wer- den noch lange nicht alle wehrfähigen Mannschaften eingestellt. Das wäre au finanziell S zu ershwingen. Damals sollten die Kosten 117 Millionen Mark betragen, jeßt nur 57, bezw. 64 Millionen ; damals wurden 110, jeßt nur 60 Batterien verlangt, und namentlich wurde damals an der dreijährigen Dienstzeit unbedingt festgehalten. Gegenüber diesen Plänen waren die Resolutionen entstanden. Die Vorlage will aber inmimer no< 83 000 Mann ihrem bürgerlichen Berufe mehr entziehen als biéher. Das i bedenklih, wenn wir mit einem Schritte zu einer \solhen Verstärkung der Armee über- urt Dem Reichékanzler is es gelungen, die militärischen Lorbeer herabzudrü>en; er hat dadur die Heranziehung der aba>steuer zur Mulueinaung der Lasten verhindert. Es bleibt aber R noch ziemli viel übrig. 64 Millionen, abgesehen von den ein- maligen Ausgaben, sind immerhin ein {wieriges Opfer, namentlich

gestern, die indishe Regierung habe in ihrer auf ein Schreiben des in itGen Ra hru tate ran Des

bei den jeßigen Zeiten. Wir wünschen mit dem Rei kanzler, daß die iten besser werden; aber zur Zeit ist s solcher

Geschäftösdru> vorhanden, daß die Erholung s<hwierig Trotz der guten Ernte kann die Landwirthschaft wegen dru>s nicht aufathmen. Die Begründung der Muster von Knappheit und enthält Mittheilungen, der Blaustift immerfort Sagen machen man fann bei militärishen Dingen niht alles lichen. bringen müsse1. Wenn die zweijährige Dienstzeit : versuht wird, dann muß doh eine

die Regierung j l durchzuführen, wie dies antece

funden werden ; , ih habe die Absicht, „eine bessere Sicherheit dahin, daß,

dafür dur<h Veränderung, des Wortlauts zu suchen, solange die no< zu vercinbarende Friedenspräsenzstärke zweijährige Dienstzeit bestehen L giebt zu Bedenken und Mißdeutungen Anlaß. it die Verstärkung der bestehenden Bataillone , wobl am cehesten streihen fann, weil davon nicht stärkung der Armee abhän ig ist. : Bataillone hat die Äürdtimg hervorgerufen, wie \{<on einmal früßer, die Regimentern auswachsen könnten.

aber man hat mir nicht geglaubt. anders nennen müssen: Ersatzabtheilungen oder mit dem Begriff Bataillon verbindet man einen Begriff. Zwei Compagnien von 195 Mann Stärke fein Bataillon. Bezüglich der Cavallerie bin ih

zweifelhaft, ob i: Wenn die Militärverwaltung eine Vorlage macht, so pfl gepa>tem Tornister auszurüd>en. ZLGUOe hinein und wir werden erst den Tornister va>en lassen und prüfen, ob alles unbedingt nöthig ist. unbedingt nöthig ist, wird zurü>zustellen sein.

führung der zweijährigen Dienstzeit ist eine zweiten Windthorst’schen Resolution, die Erfüllung gedankes des deutschen Volks. Vom wirthschaftlichen

Man wird diese

aus ist die zweijährige Dienstzeit ein erheblihes Entgegenkommen,

wenn sie wirkli gesichert ist. Die zweijährige

fordert bedeutende Mehrausgaben, wenn nicht eine Schädigung der 1 _Ich möchte gleih hierbei bemerken, daß alle Kräfte dabei fo angespannt werden müssen, daß wir vielleiht den Pensionsfonds fehr viel mehr belasten müssen. Schon dur< die zweijährige Dienstzeit innerhalb des Rahmens Vermehrung der ein- Mannschaften und eine Verjüngung der Armee er- reiht, wenn auch nicht in dem Maße, wie die Vorlage es will. Die Regierung will die Präsenzstärke ni<ht mehr als Maximal- und

Tüchtigkeit der Armee eintretcn foll.

der biéherigen Präsenzstärke wird eine zustellenden

Minimalziffer hinstellen, fondern als eine Durchschnittsziff

cine Mehrbelastung, denn es fallen alle Manquements und Rekruten- Wenn die Bewilligung auf fünf Jahre statt auf sieben

vacanzen fort. G ] ( Fahre gemacht wird, so liegt darin auch ein Entgegenkomme1 Reichstag wird Gelegenheit haben, si mit dieser Frage zu

Aber wir haben in der Resolution die einjährige Bewilligung ver- Ob wir dabei ein gutes Geschäft machen würden, weiß ih nicht ; denn es könnte ließli dann alle Jahre eine Vorlage kommen rielleicht mit dem leßten Sep- gemacht. Es ist noz ni<t einmal abgelaufen, und troßdem haben wir {on eine anze Reihe von Vorlagen Sd die es ändern. Die Regierung

Recht, mindestens über einen bestimmten Präfenzstand zu verfügen, fie hat aber die Freiheit, jeden Augenbli> weitere Forderungen zu stellen. Das ist kein richtiges Verhältniß. Man fragt überall, weshalb will die Regierung die große Mannschafts- Einstellung jeßt auf cinmal machen. Die verbündeten Regierungen werden sehen, daß sie auf cinen gewissen Widerstand stoßen. ie

langt. hâtte- am Ende der sieben Jahre Septennat. Aber seltsame Erfahrungen

und man bewilligt als beim tennat haben wir doch

jat dur<h das Septennat das

Thronrede \priht von der Verständigung über die Vo wir haben den Wunsch, uns mit den verbündeten zu verständigen. Ich glaube, daß und verständigen sollen. haftigkeit und die militärische Seite der Vorlage betont w

wir mehr die wirthschaftlihe Seite betonen müssen, so vercinigen wir uns do<h, das zu thun, was für jede der beiden Seiten nothwendig

is, dann werden wir die Nerständigung finden.

Abg. Richt er (dfr.): Was der Vorredner ausgesprochen hat,

daß das Centrum eimg darüber sei, daß die zweijährige Dienstzeit innerhalb der jeßigen Präsenzstärke zu bewilligen sei, nähert sich fast

vollständig dem Standpunkt, den meine heater vertrete so großes Entgegenkommen gegen die R

der Vorredner fann ih in der Vorlage nicht entde>en. wegen der Vertheilung des Ersag!s steht mit der heute den Vorlage niht im Zusammenhang, denn die gerechte

C

des Ersaßtes ist immer nothwendig. Ich habe aber dagegen Bedenken, der Berechnung Aeg

Einjährigfreiwilligen bei

daß die ei Die allgemeinpolitishen Gründe gegen

werden sollen. habe i< schon bei der Etatsberathung vorgebracht, der

handelte fi darum, ob die vierten Bataillone und stehenden Reserve - Bataillone nur aus Reservisten und Landwehrleuten meine Behauptung richtig, daß seit 1870 eine erhebliche Verjüngung der Al Der Abg. Dr. von Frege hat mir im Anschluß daran

dur diese

gemacht, daß ih Mittheilungen gemacht hätte von Dingen, die mir \ Ich weise diesen NBorwurf

zurüd>, weil über diesen Punkt niemals vertrauliche Mittheilungen gemacht sind. Was ih vorgebracht habe, hat der Reichskanzler selbst vorher vor- ebraht. Was bringe ih denn hier vor ? Nicht vertrauliche Mittheilungen,

\ selbs in ihren t hat. Daß

vertraulich zur Kenntniß gekommen seien.

ondern nur die Dinge, welche die Regierung Vorlagen, die i< mit einander vergleiche, vorgebra mehr Soldaten militärish besser find, als wentger,

ständlih:; aber es handelt sich darum, ob das Mehr wirth schaftlich ertragen werden kann. Das fahmännische Urtheil allein ist nit maß- Es ist bekannt, daß cine große Anzahl von Fahmännern die

we>mäßigkeit dieser Vorlage nicht anerkennt in Bezug auf die zwel- jährige Dienstzeit und in Bezug auf die neuen Formationen. Der Reichs fanzler ist eine militärische Autorität, aber in den nicht militärischen

ebend.

Dingen seines Ressorts war er do<h bei Antritt

zweijährige Dienstzeit jeßt als zulässig anerkannt wird, i

au ni<t mehr Fahmann als wir in militärischen O

des Laienverstandes gegenüber den militärishen Fachleuten. Vom

General von Fal>enstein mußten wir uns sagen la

gut, wenn die Leute ein drittes Jahr der bürgerlichen Misère entzogen

würden, wenn sie fih länger in den Feriencolonien satt (S(luß des Blattes.)

Die VI. Commission des Reichstags trat heute zur Berathung des Gefetzentwurss über die Einführung einer ein- heitlihen Zeitbestimmung zu]ammen, welcher lautet: „Die ge- eit in Deutschland is die mittlere Sonnenzeit des fünf-

feßliche

zehnten Längengrades östlih von Greenwich. Dieses Gese tritt mit

in welhem na< der

dem Zeitpunkt in Kraft, Zeitbestimmung der

gehenden Absa festgeseßten 1893 beginnt.“ , D R lih preußishen Staats-

zweifelte der Vorsizende der Areale Abg. B

Centr.) die Zuständigkeit der Reichsge) eßgebung, die je MRegierungsvertretern l Grund der 2 In der Specialdebatte beantragte Abg. Adt (n 8 2 e p lnaiti „In den östlichen und westlichen in welchen der Unterschied zwis Zeit 15 Minuten oder mehr beträgt, sind die unteren behörden befugt, auf Antrag zu gestatten, daß D 105 þ, 136, 137 un ageszeiten für den Beginn und den Schluß der Bes

der Vorlage hte. Aber

Die Comumissionsberathungen werden hier manche Ergänzungen den festen Willen hat,

sol. Die jeßige Vorgeschlagen

Die Schaffung der neuen vierten ' __ daß ebenso, vierten Bajaillone si< zu F< bin dem entgegengetreten, ähnlih, denn ; ‘der Cal am meisten wir das österreihishe Muster annehmen dürfen.

Sie pa>t in den Tornister alles

Erfüllung der eines Lieblings-

wir uns verständigen können Denn wenn auf der einen Seite die Wehr-

esolutionen Windthorst wie

¿0eral ! cihsfkanzler hat mir den Mangel an militärisher Sachkenntniß vorgeworfen. Es

18 Reservisten, oder aus bestehen. Troß

der Armee eingetreten ist.

egierung war vertreten dur<h den König- inister Thielen und den Präsidenten

des Reichs: Cisenbahnamts Schul. In der Generaldiécussion be- Brandenburg

erfassung nachgewiesen wurde. en Orts- und mitteleuropäischer

138 a der Gewerbeordnung vorgeschriebenen

sein wird. des Preis- ist ein bei denen

veröffent-

m S1 Form ge-

besteht, die Fassung

die man die Ver-

Formation _tactischen find doch egt sie mit einmal aus- Was nicht Die Ein- Standpunkt

ienstzeit er-

er. Das ift

1; denn jeder beschäftigen.

mehr

rlage. Auch Regierungen

ird, während

n. Aber ein Die Vorlage

zu berathen- NVertheilung

die Vorlage

die dahinter

dem bleibt Formation

den Vorwurf

ist selbstver-

Reichs- seines Amts Daß die t ein Triumph en: Es wäre

essen könnten.

im vorher- 1. April

do<h von den

l.), folgenden Landestheilen,

NVerwaltungs- die in den

jugendlicher Arbeiter, bezw. Arbeiterinnen um so viele Minuten ver- Uen werden, als die mitteleuropäische Zeit von der Ortszeit abweicht.“ Nachdem von der Regierungscommission diefer Antrag als überflüssig bekämpft worden, wurde er purlgelogen und die PRegierungs- vorlage mit allen gegen die Stimme des Abgeordneten Brandenburg angenommen, der jedo< erklärte, " daß er ni<ht aus Competenzbedenken gegen das Geseh stimme. Alsdann wurde no< folgende vom Abg. Möller (nl.) vor- geschlagene Resolution, vorbehaltli< besserer Redaction, mit großer Mehrheit angenommen: „Die großen Unterschiede zwischen mittlerer Ortszeit und mitteleuroväisher Zeit für die im fernen Westen und Often des Reichs gelegenen Landestheile erheischen die Möglichkeit, die in der Novelle zur Gewerbeordnung vom 1. Juni 1891 festgelegten Zeitbestimmungen für Beginn und Ende der Arbeits- zeit auszugleichen, fofern dieselben derart gleihmäßig verfrüht oder verspätet werden, daß die Dauer der Arbeitszeit niht dadurch ver- längert wird. Der Reichstag ersu<ht demnah die verbündeten Re- gierungen, eine entfprehende Abhilfe herbeizuführen.“ Dem Plenum wird dur den Abg. Möller mündlicher Bericht erstattet werden. SÎn der gestrigen Nachmittagésißzung der Steuerreform- commission des Hauses der Abgeordneten wurde der vom Abg. Freiherrn von Zedli (freicons.) eingebrahte Antrag auf Ein- fügung eines neuen $ 34a im rgänzungs teuergeseße, welcher der Neranlagungscommissior behufs Erleichterung der Schäßung unter Umständen gewisse Recherchen über die Vermögensverhältnisse der Steuerpflichtigen zugestehen wollte, gegen 5 Stimmen abgelehnt.

35 (Mittheilung der Veranlagung an die Censiten) lieb unverändert. Mit $ 36 beginnt der Abschnitt über die „Rechtsmittel.“ Die betreffenden vier Paragraphen wurden ebenfalls unverändert gutgeheißen. Zu $_40, der den fünften Ab- schnitt „Veränderungen der veranlagten Steuer innerhalb der Ver- anlagungéperiode“ einleitet, lag cin Antrag des Abg. Dr. Krause (nl.) vor, der die dreijährige Veranlagungs: xeriode geseßlih fixiren will. Gegen den Widerspruch des General-Steuer-Directors Burghart wurde dieser Antrag angenommen. Die F$ 41 bis 44 wurden unter Vorbehalt von Aenderungen in zweiter Lesung a ebenso & 45 („Steuererhebung“). Die 88 46 und 47 enthalten die Straf- bestimmungen. $ 45 droht bei unrichtigen Angaben als Strafe den zehn- bis fünfundzwanzigfachen Betrag der Verkürzung an, die der Fiscus eventuell erlitten hat. Die conservativen Mitglieder beantragen, fiatt dessen gleihmäßig den zwanzigfachen Betrag zu fixiren; sie wollen nit einen so großen Spielraum lassen. Die Verhandlung hierüber fam noch nicht zum Abs{hluß, wird vielmehr am Montag fortgeseßt werden, wo außerdem die $S 17 und 18, Steuersäße und Befreiungen von der Vermögenss\teuer, auf der Digesordnung stehen.

Am 5. Koslintér Landtags-Wahlkreise (Kreise Neustettin und Belgard) ist bei der am 9. d. M. vor- genommenen Ersaßwahl für den Abg. Grafen von Kleist-Retow- Groß-Tychow, der sein Mandat infolge Berufung in das errenhaus niedergelegt hat, der Freiherr von Minnigerode auf NRossitten mit 186 von 191 abgegebenen Stimmen zum Mitglied des Hauses der Abgeordneten gewählt worden.

Kunft und Wissenschaft.

Der au durch seine Lehrthätigfeit befannte Stillleben- und Blumenmaler René Grönland ijt am 8. d. M. nah langen {weren Leiden im Alter von 43 Jahren hier verstorben.

Verkehrs-Anstalten.

In Baden-Baden findet heute die Cinweihung des reihs- eigenen Post- und Telegraphengebäudes statt. Aus dieser Veran- lassung is von dem Kaiserlichen Ober-Postdirector in Karlsruhe, Geheimen Ober-Postrath Hek eine Denkschrift herausgegeben worden „Die Post und Telegraphie in Baden-Baden“, die zugleih die erste locale Postgeschichte aus Süddeutschland ist. Wie si<h aus dem Fnhalt ergiebt, ist in Baden-Baden, obgleih die Markgrafen, ihre Hofhaltung und Regierung, die kirhlichen und weltlichen Anstalten und die Kurgäste sicherlih {hon in der zweiten palte des vorigen Jahrhunderts einen verhältnißmäßig lebhaften Briefwechsel unter- halten haben, und troß der wiederholten Abschlüsse von Postverträgen mit dem Fürsten von Thurn und Taxis, zuleßt am 14. November 1761, eine Posterpedition erst am 1. Mai 1808 eröffnet worden. Bis dahin mußten alle Postsendungen durh einen beson- deren Fußboten, der im Sommer täglih, im Winter wöchentli<h einmal feinen _Botengang machte, nah Nastatt gebraht werden. Diese Postexpedition wurde infolge der Ab- lösung der Taxis schen Lehens- Posten in den badischen Landen am 1. August 1811 eine rein landesherrliche Behörde und erhielt 1836 bei ihrem Üebergange aus dem ursprünglich contractlihen Dienst- verhältniß in eine förmliche Staats\telle die Bezeichnung Post- verwaltung. 1841 wurde leßtere zu dem Range eines Postamts er- boben, die seit 1847 infolge der Vereinigung mit dem Eisenbahn- dienste „Post- und Eisenbahnamt“ hieß, bis am 1. Januar 1872, dem Tage des Uebergangs des Landes-Postwesens an das Deutsche Reich, diese Verbindung gelöst und ein Kaiserliches Postamt errichtet wurde, dem auch die 1841 auf dem Bahnhof errichtete Postanstalt und die Schloßstation sowie die Leitung und Beaufsichtigung des Postbetriebs auf der Bahnstre>e Baden—Oos unterstehen. Wäh- rend 1841 dem Postamt zum_ ersten Mal ein „Postoffizial“ zugetheilt wurde, an dessen Stelle 1848 ein Kassirer trat, und das übrige Personal anfänglich einen Gehilfen und einen Briefträger, Ende 1871 drei Hilfsarbeiter und acht Unterbeamte zählte, wurden im Jahre 1872 dem Kaiserlichen Postamt ein Ober-Postsecretär, ein Postsecretär, 4 Hilfsarbeiter und 17 Unterbeamte überwiesen, und gegenwärtig besteht das Personal aus 1 Kassirer, 1 Ober-Post- secretär, 5 Secretären, 15 (im Sommer 18) Hilfsarbeitern und 31 (im Sommer 34) Unterbeamten. Bei Errichtung der Postanstalt im Jahre 1808 trat an die Stelle des damaligen Fußboten der erste regel- mäßige Postcurs, nämli< eine im Sommer li<h, im Winter dreimal wöchentlih ausgeführte Fahrt nah Rastatt. mit cinem „Berner Wägelchen", das außer der Postladung auch zwei bis drei Reisende aufnehmen konnte. Gegenwärtig werden zur Post- beförderung täglih 27 Eisenbahnzüge benußt. Während 1808 zur Briefbestellung in der Stadt ein Briefträger genügte, der im Sommer täglih einmal, im Winter an drei Wochentagen je einmal die Post- sendungen austrug, werden jeßt im innern Stadtbezirk 10 Briefträger und 3 Pat>etbesteller verwendet. Der Landbestellbezirk, in welchem früher zwei bis dreimal wöchentlih Briefe abgetragen wurden, wird jeyt von vier Landbriefträgern belaufen, und zwar wochentäglih dreimal, an Sonntagen einmal. i O

Eine Telegraphenstation wurde im Bahnhofsgebäude von Baden am 15. Oktober 1851 eröffnet und am 15. Juni 1869 eine zweite im Gebäude des Postamts errichtet. Außerdem tritt während der An- wesenheit der roßherzoglichen Herrschaften seit 1884 eine Telegraphen- station auf dem Schlosse in Dienst. Eine Stadt-Fernsprechanlage wurde am 1. April 1887 mit 50 Theilnehmern errichtet. Zur Zeit beträgt deren Zahl 127 mit 139 Sprechstellen. Besondere Fernspre{- anlagen, d. h. solche, die von der Neichstelegraphen-Verwaltung für Private hergestellt und unterhalten werden, bestehen 3. Z. 12 mit 26 Sprechstellen. S ; : :

Die Denkschrift, die mancherlei interessante Einzelheiten bringt, auf ‘die hier niht näher r werden fann, ift mit zwei Licht-

virtuosin Frau Marie S

Im Vortrag E Werk des „Ungarischen bewies der

Abwägung aller „Ppianissimo“. Die dur Erkältung etwas be

Bungert?s auf Capri* jor wirkten. Besonders

tuosin Frau

Beifallsbezeugungen hin. temps war ein Glanzpu

Das philharmonishe Orch

„Cavalleria rusticana”

Lieban und Krasa. Der Spielplan der

„Bajazzi“. jazzi“ (4 „Fidelio“, „Prometheus“.

Der morgige Sonnta hause Schiller'ss „Don

Grube: König, und Herr

7

Auf Donnerstag ist „Dor

wieder aufgenommen. Im Deutschen T und „In Civil“, am M Der weitere Spielplan worsfen : Toledo“, Donnerstag :

Matinée.

bei der Opernaufführung folgende Vorstellungen: m g g

__ Eleonora elfte Gastvorstellung gebe

gehen.

einshließlih Freitag, den gegeben.

bringen; den Beginn wi Schwerenöther“ machen, stellung gelangt.

Picarde“, darauf : „Der ersten Mal: „Mala Vit Bellincioni, Moran-Old

stattgefunden. Außer die im Wiener Karl-Theater Operette „Die lachenden

Dru>er, der Komiker

Spielplan.

zwei Lieder von Gustav lor’ne Müh?“ Gehör bringen; virtuosen Joseph

Borwi> wird in

von Brahms, nämli<h- op. 117 und das Capric

dru>bildern ausgestattet, die das Posthaus und den jeßigen Léopold-

châftigungs8zeit

laß im Jahre 1836 sowie das neuerrihtete Postgébäude zur An- bauung bringen.

Viele Tausende von Geheimen Regierungs-R

B. Stav enhagen zu einem Concert vereinigt, -das den eine reiche Zahl ausgezeichneter Kunstgenüsse boven's C-moll-Concert für Klavier und

Marsches" von Liszt jeßt seltener stets gerühmten Vorzüge seines Spiels: die vollkommene Sicherheit und Beherxshung aller tehnishen Schwierigkeiten und die sorgfältige Stufengrade

Sängerin,

NViolinvorträge der feit Soldat - Röger, der aus der Schule Joachim’s hervorgegangenen Künstlerinnen. Ihr roßer und edler Ton, der au< im forte“ nie ein Bogengeräusch vóren läßt, die Leichtigkeit, mit der sie alle Schwierigkeiten über- windet, und der zarte, innige Vortrag rissen die Hörer zu stürmischen

Rotbauser und den Herren Rothmühl und Bulß in Scene. folgt : „Die Tochter des Regiments", in welcher Fräulein Dietrich die Partie der Marie zum ersten Mal singt; die übrigen Partien sind in den Händen der Frau Lammert, der Herren Krolop,

Freitag: Symphonie der Königlichen Kapelle.

An den Iten wird „Die Orientreise“ gegeben. Im Friedrih-Wi

Reihe neuer Engagements abgeshlossen worden. wonnenen Kräften befindet st

Theater und Mufik.

A Philharmonie. E Frau Lillian Sanderson hatie sich gestern mit der Violin-

oldat-Röger und dem Pianisten Herrn Zuhörern e darbot und mit Beet- Orchester eröffnet wurde- 3, wie in dem des „Todtentanzes*“ und (seinem Lehrer)

gehörte Virtuos die an ihm

der Schattirungen bis zum ngerin, deren Stimmenklang leider einträhtigt war, sang mehrere Lieder von

Schumann, Bungert, Tschaikowski, Chopin und Brüning, von denen „Mädchentraum“, „All? meine Herzgedanken“ jowie Brüning# „Stelldichein“ durh shöne&Portrag fefselnd für die ú i

und „Liebe

l Hörer wären die längerer Zeit ni<ht gehörten Vir- bedeutendsten unter den

Dic Wiedergabe des Rondos von Vieux- nft des Abends. Alle Vortragenden ge-

währten, dur< den lebhaften Beifall angeregt, nv) einige Zugaben.

ester leistete unter Herfurth’s tüchtiger

Leitung wieder sehr Anerkennenswerthes.

B

Im Königlicher Opernhause geht am Montag die Oper

mit den Damen Sucher, Lammert und

Darauf

Philipp,

Königlichen Oper für die Zeit vom

11. bis 17. Dezember lautet: Sonntag: „Bastien und Bastienne", „Bajazzi“, „Die Puppenfee“. „Die Tochter des Regiments“. Mittwoch: „Martha“. Donnerstag: „Djamileh“, „Ba-

Montag: „.Cavalleria rusticana’,

Dienstag : „Slavische Brautwerbung“, Sonnabend :

g bringt im Königlichen Schauspiel- Carlos“ in der früheren Beseßung: Frau

von Hochenburger : Königin, Fräulein Poppe: Prinzessin Eboli, Herr

Matfkowsty: Don Carlos. „Die gelehrten

Frauen“, welche eine fast ebenso große Zugkraft, wie seiner Zeit „Der ein- gebildete Kranke“ auszuüben scheinen, stehen in der neuen Woche zweimal auf dem Spielplan; Herr Klein spielt wieder die vor seinem Urlaub gegebene Rolle des Trissotin. Mittwoch „Das Buch Hiob" und am Freitag „Die Philofophin" voraus.

Dem Molière’schen Lustspiel geht anm

Am Montagist das Königliche Schauspielhaus wieder in der Lage, ein Jubi- läum zu begehen : Shakespeare's „Bezähmte Widerspenstige" geht an diesem Tage zum hundertsten Male in Scene. Columbus“ gegeben, dazu die Beethovenshe C-mo1l-Symphonie.

Am Dienstag wird

na Diana“ angesetzt. Am Sonnabend und

Sonntag wird nah zweijähriger Pause die „Wallenstein-Trilogie“

heater wird morgen „Der Misanthrop“ tag „Der Pfarrer von Kirchfeld“ gegeben. der neuen Woche is folgendermaßen ent-

Dienstag: „Doctor Klaus“, Mittwoch: „Die Jüdin von „Lolo's Vater“, Freitag: Sonnabend: „Die Kinder der Excellenz“.

Der Wochenspielplan des Berliner Theaters bringt am Donnerstag (um 1 Uhr) die bereits angekündigte Wohlthätigkeits- Der Bereitwilligkeit des Herrn Directors Engel ist die Mitwirkung des Orchesters ‘und des Chors vom Kroll’schen Theater

„Don Carlos“,

zu danken. Im übrigen bringt die Woche orgen Abend, am Dienstag und Donnerstag

Sardou?s „Dora“, am Montag und Mittwoch das Lustspiel „Kean“ mit Ludwig Barnay in der Titelrolle, morgen Nachmittag und am Frei- tag (16. Abonnements-Vorstellung) „Macbeth" mit Anna _Haverland und Arthur Kraußne> in den beiden Hauptrollen, am Sonnabend „Nora“ mit Agnes Sorma in der Titelrolle.

c!

use wird im Lessing-Theater am Monta ihre

n und zwar wird die Künstlerin, die sh von

einer leichten Erkältung ras erholt hat, „Die Cameliendame“ spielen. Auch der Spielplan der übrigen Gastspielabende bleibt unverändert. Es wird also am Mittwoch als zwölfter Duse-Abend „Cyprienne“, am Donnerstag als dreizebnte Gastvorstellung „Cavalleria rusticana” in Verbindung mit Goldoni's Lustspiel „La Locandiera“, am Sonn- abend als vierzehnter Duse-Abend „Die Cameliendame“ in Scene

helmstädtishen Theater wird bié 16. Dezember, „Das verwunschene Schloß“

Director Lautenburg beabsichtigt, während der leßten vierzehn Tage vor dem Weihnachtsfeste einige der erfolgreichsten Stücke des Nesidenz-Theaters in gemishtem Spielplan zur Aufführung zu

rd Léon Gaudillot's Schwank „Der kleine der am Montag und Dienstag zur Vor-

Der Wochen-Spielplan des Kroll’ schen Theaters is in folgender Weise festgestellt: Sonntag : „Der Postillon von Lonjumeau“ mit Herrn Bötel in der Titelpartie; Montag:

Von: „Kurmärker und Trompeter von Säfkfkingen“ ; Dienstag, zum a“, in den Hauptpartien mit den Damen

en und den Herren Stagno und Luria;

Mittwoch: „Der Freishüß"; Donnerstag : „Zar und Zimmermann“; Freitag: „Mala Vita*, Sonnabend: „Die Zauberflöte“. i Im Adolph Ernst - Theater wird am Donnerstag ¿DIE wilde Madonna® zum hundertsten Male gegeben. ; Im Theater Unter den Linden hat für das neue Ballet „Die Sirenen-Insel * gestern bereits die erste große Ensemble-Probe

ser Balletnovität is von der Direction die jüngst mit großem Erfolg aufgeführte neue Erben“ erworben und gleichzeitig eine ganze Unter den neu ge- < der bekannte Operettentenor Alfred

Eduard Steinberger, der Gesangskomifer

Fröden und die junge ungarishe Sängerin Fräulein Jenny Pola. Im Neuen Theater bleibt der

„Logirbesuh“ auf dem

Im nächsten V. Philharmonischen Concert am Montag, für welhes morgen Vormittag die öffentliche Hauptprobe stattfindet, wird Frau A malie Ioach

im außer der Brahms’schen „Rhapsodie“ Mähler, „Einsame Schildwach'“ und „Ver-

mit Begleitung des Philharmonischen Orchesters zu neben Frau Sliwinsky der Sängerbund des Berliner Lehrer-Vereins mit.

SFoahim und dem Klavier- diesem Concert auch Leonard Klavier - Abend am

wirkt in

feinem zweiten

Montag im Saal Bechstein einige von den neuen Klavierstücken < die „Intermezzi“ in B-moll und G-dur aus

cio in D-moll aus op. 116 vortragen.

Mannigfaltiges.

Leidtragenden ha“en heute dem ve torbenen ath Dr. Werner von Siemens die leßte