1892 / 296 p. 2 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

gleitberiht aber nur noch dann zu erstatten, wenn besondere Umstände dazu Veranlassung geben.

Nach der im Reichs-Eisenbahnamt aufgestelten N a <- weisung über die im Monat Oktober d. J. auf deutschen Bahnen (aus\s<hließli< der bayerischen ) bei den Zügen mit Personenbeförderung vorgekommenen Verspätungen haben auf 36 größeren Bahnen bezw. Bahnnegtzen mit einer Gesammtbetriebslänge von 36 882,13 km von den fahrplanmäßigen Zügen überhaupt si< ver- spätet: 1237 Schnellzüge, 1892 Personenzüge und 530, zur Se sowie zur Güterbeförderung aleichzeitig dienende

üge, zusammen 3659. Von den fahrplanmäßigen Zügen mit Personenbeförderung wurden geleistet: 15 328 083 Zug- kfilometer, 295 110 621 Achskilometer gegen 15 455989 Zug- und 305548729 Achskilometer im Vormonat und gegen 15188320 Zug- und 301 089672 Adsfilometer in demselben Monat des Vorjahres. Von den Ver- fpätungen wurden 1387 dur< das Abwarten verspäteter An- thlußzuüge veranlaßt, sodaß den aufgeführten Bahnen nur 2272 Verspätungen zur Last fallen, gegen 1357 im Vormonat und 2843 in demselben Monat des Vorjahres. Von den auf eigener Bahn vorgekommenen Verspätungen entfallen auf 1 Million Zugkilometer 148, 1 Million Achskilometer 8, mithin auf 1 Million Zugkilometer 39 = 21 v. H. weniger als im Monat Oktober des Vorjahres und 60- = 68. v. H. mehr als im. Vormonat, und auf 1 Million Achskilometer 1 = 11 v. H. weniger als im Monat Okiover des Vorjahres und 4 = 100 v. H. mehr als im Vormonat. Jnfolge der Verspätungen wurden 1920 An- s<lüsse versäumt (gegen 2536 in demselben Monat des Vor- jahres und 1244 im Vormonat). Bei 4 Bahnen sind Zug- vcrspätungen und bei 8 Bahnen Anschlußversäumnisse nicht vorgekommen. Jn der Nachweisung sind die Bahnen, auf denen Zugverspätungen vorkamen, nah der Verhältniß- zahl (geometrishes Mittel) pons der Anzahl der von den fahrplanmäßigen, der Personenbeförderung dienenden Zügen auf 1 Million Zugkilometer und der auf 1 Million Ahs- filometer entfallenden eigenen Verspätungen geordnct. Danach nehmen die Me>lenburgishe Südbahn, die Bahnen im Bezirk der Königlichen Eisenbahn-Direction Erfurt und Neustreliß- MWarnemünder Eisenbahn die ungünstigsten Stellen ein. Wird die Reihenfolge der Bahnen statt nah der Anzahl der Ver- spätungen nah der Anzahl der Anshlußversäumnisse bestimmt, jo treten die vorgenannten Bahnen ebenfalls an die un- günstigsten Stellen.

Der Gencral-Jnspecteur des Militär-Erziehungs- und Bildungswesens, General der Jnfanterie von Keßler ift hierher zurügekehrt.

Der Wirklißhe Geheime Ober - Regierungs-Rath Dr. S <hneider im Ministerium der geistlihen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten ist aus der Provinz Ostpreußen zurückgekehrt.

_ Der Grenz-Commissarius, Polizei-Rath von Roëll zu Eydtkuhnen ist mit der commissarishen Verwaltung des Land- rathsamts im Kreise Meseriß, Regierungsbezirk Posen, beauftragt worden.

Württemberg.

Wie der „St.-A. f. W.“ vernimmt, treffen morgen Jhre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Groß- herzogin von Baden in Stuttgart ein, um den von Jhren Majefiäten dem König und der Königin im Sommer in Karlsruhe abgestatteten Besuch zu erwidern.

HSefsen.

Jhre Königliche Hoheit die Prinzessin Heinrich von Preußen hat ihre Rü>reise von Darmstadt nah Kiel auf morgen festgeseßt. Jhre Kaiserlichen Hoheiten der Großfürst und die Großfürstin Sergius werden am nächsten Sonn- abend die Rü>reise nah Moskau antreten.

Oesterreich - Ungarn.

Jn der gestrigen Sißung des österrceihis<hen Abge- ordnetenhauses beantragte dem „W. T. B.“ zufolge der Abg. Dr. Steinwender die Dringlichkeit für die Waÿhl. eines aus 24 Mitgliedern bestehenden Ausschusses zur Prüfung der Entscheidungen des Ministeriums des Innern, durch die den Magistraten von Klagenfurt und Cilli die An- nahme slovenischer Eingaben und deren Erledigung in slovenischer Sprache aufgetragen wird. Der Ausschuß soll ferner die bisher erlassenenSprachenverordnungen überhauptprüfen und dem Hause darüber Bericht erstatten. Bei der sodann fortgeseßten Berathung des Budgets beantragte der Abg. Ruß nachfolgende Resolution: „Das Abgeordnetenhaus erkennt den Grund der Auflösung der Stadtvertretung in Reichenberg nicht als ausreichend an, fordert die Regierung auf, bei der Ausübung des Staatsaufsihtsrehts sih jedes niht uner- läßlihen Eingriffss in die Gemeindeautonomie zu ent- halten und jpriht die Rechtsüberzeugung aus, daß im Falle der Auflösung der Geméeindevertretung die be- fiellten Staatsorgane nur die dringenden laufenden Geschäfte zu besorgen haben.“ Der Abg. Dr. Steinwender überreichte eine Resolution, worin er die Regierung auffordert, die Sprachenverordnungen für Reichenberg, Klagenfurt und Cilli dem Hause- vorzulegen. Die Resolutionen wurden dem Budget- ausshuß überwiesen. Nächste Sißung Donnerstag; auf der Tagesordnung steht das Budgetprovisorium.

Jm ungarischen Unterhause erklärte der Minister- Präsident Dr. Wekerle bei der Generaldebatte über das Budget, auch er trete gegen eine unnöthige Erhöhung der Heeresaus- par auf, könne fi jedo gegen cine nothwendige Steigerung

erselben nicht verließen; die übrigen europäischen Staaten machten ganz bedeutende Anstrengungen, während Ungarn in dem Rahmen des Nothwendigen geblieben sei. Der Stand der Staatsschulden Ungarns sei ein günstiger; kein europäischer Staat hätte in den leßten fünf Jahren die Staatsschulden verringert, nur Ungarn habe dics gethan und zwar um 3 (50 Fl.

Frankrei.

Der Finanz-Minister Rouvier hat infolge des in der „Justice“ veröffentlihten Schreibens Clémenceau's (Siehe die gestrige Nummer des „N. u. St.-A.“) seine Demisston eiñge- reiht. An seiner Stelle ist gestern Abend Tirar d, der sh zur Zeit als Delegirter zur internationalen Münzconferenz in Brüssel befindet, zum Finanz-Minister ernannt worden. Der Rü>tritt Rouvier’'s gab zu einer erregten Sizung der Depu- tirtentkammer Veranlassung, über deren Verlauf der „Frkf. Ztg.“ Folgendes berichtet wird: Bei Eröffnung der Sitzung befragte der Deputirte Trouillot die Regierung über das Gerücht von der Demission des Finanz - Ministers und deren Motive. Der Minister-Präsident Ribot erwiderte, vor einer halben Stunde habe der Finanz - Minister Rouvier ihn aufgesuht und ihm einen am Morgen erschienenen Brief Clémenceau’s mitgetheilt. Diefer Brief taste keineswegs die Ehrenhaftigkeit des Herrn Rouvier an. (Gelächter rets.) Aber Motiven folgend, deren Stolz er anerkenne, habe Nouvier seine volle Freiheit wiedernehmen wollen, um den Ver- leumdungen entgegen zu treten. Er (Redner) erkenne vollauf die Verdienste an, die Rouvier sich um das Land erworben, und das Vertrauen, das dieses zu ihm gchabt habe. (Beifall.) Aber das Gewissen Rouvier's sei allein der Richter seiner Beweg- gründe. Er (Nedner) habe Rouvier niht zur Rü>nahme der Demission bewegen können, die übrigens dem Präsidenten der Republik no< nicht mitgetheilt sei. Hierauf ergriff der Finanz- Minister Rou vier das Wort: Jedermann habe in den Morgen- blättern den Brief gelesen, den Clémenceau als Antwort auf infame Verleumdungen geschrieben habe. Der Brief sei der genaue Ausdru> der Wahrheit; ihm scheine der Brief der Schluß eines Zwischenfalls, über dessen Tragweite er noch unklar sei. Der Brief aber scheine in der Prejje der Ausgangspunkt ciner neuen Campagne werden zu sollen, darum habe cr den Cabinetschef ersucht, den Präsidenten zur Annahme seiner Demission zu bewegen. Er sei bedacht gewesen auf die Stärke und Autorität der Kammer und wolle niht eine S<hwächung des Cabinets verantworten, falls seine Erklärungen in der Kammer und draußen keinen Anklang finden sollten. (Beifall) Es sei niemandem unbe- kannt, daß der Finanz-Minister Bezichungen mit den Financiers des Landes unterhalte. So habe er au<h Be- ziehungen zu Reinach gehabt, der in der Pariser Finanzwelt eine bedeutende Stellung eingenommen habe. Diese Beziehungen hätten es ihm (Nouvier) erlaubt, zu gewissen Stunden dem offentlihen Credit große Dienste zu leisten. (Beifall.) Ein Freundschaftsband habe ihn mit dem Deputirten Reinach ver- fnüpft. Einige Tage, nachdem der Panamaprozeß beschlossen worden sei und die Lancirung der Anklagen bevorgestanden habe, habe Baron Reinach, der gleih Rouvier nicht gewußt habe, daß er mitangeklagt sei, bei ihm (Rouvier) vorgesprochen und ihm gesagt, es sei eine Lebensfrage für ihn, daß die Preßcampagne gegen ihn aufgehalten werde. Er habe ihn (Nouvier) gebeten, ihn zu einer dritten Person zu begleiten, der cr die Autorschaft der Campagne zugeschrieben habe. Die betreffende Person habe frank- heitshalber niht in das Cabinet des Ministers kommen können, deshalb sei er (NRouvier) hingegangen , denn es habe sih um Leben und Tod gehandelt. Er würde diesen Act der Mensch- lichkeit niemandem abgeschlagen haben, wenn er auch nit mit ihm befreundet gewesen wäre. (Beifall.) Troßdem habe er es für nöthig gehalten, einen Zeugen mitzunehmen, Clémenceau, den Freund Reinach's und der dritten Person , ‘der dur die Lauterkeit seines Charakters dazu designirt war. Er (Rouvier) habe nah dieser zehn Minuten währenden Unterredung an feinem weiteren Schritt theilgenommen ; darum werfe ihm sein Gewissen nihts vor. Wenn diescs Vorgehen unklug sei, jo werde man Gelegenheit haben, es zu sagen. Dieser Zwischen- fall enthalte cine Lehre. Das Ziel der gegenwärtigen Angriffe sei eine Campagne gegen die Nepublifk. Alle politischen Männer würden in den Koth gezogen. Zwischenruf: Warum sagt man nichts gegen Ribot und Loubet? Nouvier: Wer hat “das gerufen? Déroulède, vom Play aufspringend: Jh! (Große Bewegung.) Nouvier. und Déroulède rufen si< unverständ- lihe Worte zu; Déroulède wird von Floquet zum Schweigen gebracht: Rouvier fährt fort: Er sei der erste, die tadellose Jntegrität Loubet's und Ribot's anzuerkennen. Wenn man aber wie er (NRouvier) lange Jahre der Regierung angehört und gegen eine Partei gekämpft habe, der Déroulède angehöre (Beifall), so sei es kein Wunder, daß man der Verleumdung ausgeseßt sei. Nouvier shloß mit der Ver- siherung, er nehme seinen Deputirtenplag mit erhobenem Haupt und ruhigem Gewissen wieder ein und werde auf alle Angriffe antworten. (Lebhafter Beifall im Centrum.) Déroulède behauptet, Nouvier sei zu Reinah nah dessen Tode gegangen, kurz nahdem der Commissar Clément das Haus verläfsen habe. Nouvier habe dies gethan, um Papiere wegzutragen und den Gang der Justiz aufzuhalten. Déroulède erklärt ferner die Behauptung Rouvier's, er habe niht ge- wußt, daß Reinach mitangeklagt sei, für unwahr. Die Kammer wolle kein Licht schaffen: sie gleihe der Kammer von 1886. Präsident Floquet: Sie vergessen, daß die Kammer Sie zum Mitglicd der Enquête-Commijsion ernannt hat. (Beifall.) Déroulède: Wenn die Kammer Licht schaffen wolle, so möge sie den Staatsgerichtshof berufen. (Lebhafter Beifall rechts. Lärm.) Rouvier sei verdächtig, mehr als verdächtig; er möge si< vor dem Staatsgerichtshof präsentiren. (Lebhafter Beifall re<ts.) Rouvier crélärt, wenn cs nur von ihm abhinge, würde er mit größter Bereitwilligkeit die Gerichtsbarkeit der Hante Cour acceptiren:; er versihere, daß es unrichtig sei, wenn Déroulède behaupte, er sei nah Clément zu Reinach gegangen. Déroulède ruft dazwischen: Ausreden! Spielen Sie niht mit Worten! RNouvtier versicherte ferner, erst um 8 Uhr Abends erfahren zu haben, daß Reinach mitangeklagt sei. Der Minister des Jnnern Loubet sei Zeuge. Damit war der Zwischenfall erledigt und die Sißung wurde aufgehoben.

Die Zolltarif-Commission der Kammer hat gestern mit 15 gegen 14 Stimmen beschlossen, der Deputirtenkammer vorzuschlagen, zur Berathung der einzeluen Artikel des franzöosis<-s<weizeri}<en Abkommens über- zugehen. Méline wurde zum Berichterstatter ernannt.

Der Kammerdiener des Barons Reinach sagte gestern vor dem Untersu<hungsrihter aus, er habe bei dem Leichnam seines Herrn ein Fläshchen mit Gift gefunden. Wie der „Temps“ meldet, haben die Sachverständige festgestellt, daß Reinach sich mit Atropin vergiftet hat.

Eine Mittheilung des „Figaro“ über angeblih in-Aix les Bains zwishen Freycinet und Cornelius Hertz ab- gehaltene Zusammenkünfte wird in einer von der „Agence Havas“ veröffentlichten Note für unbegründet erklärt.

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Den Beschlüssen der Panama-Untersuchungs= commission, Zeugenausfagen entgegenzunehmen, die mit der Panama-Angelegenheit nihts zu thun haben, und die Mittheilung der Gerichtsacten über die Angelegenheiten der „Société centrale de dynamite“ zu verlangen, in welche der mehrfa<h genannte Agent des Barons Reinach Arton, verwi>elt sei, scheint die republikanishe Mehrheit der Kammer nicht geneigt. Mehrere republi- kanische Deputirte haben zu heute ihre Parteifreunde zusammen- gerufen, um die früheren Gruppen wiederherzustellen und da- durch der Ansicht der republikanischen Majorität in der Kammer Ausdru> zu geben.

RußlanD.

Das Cassationsdepartement des Senats für Criminalsachen hat, wie „W. T. B.“ meldet, in einer Klagesache des bekannten Stuttgarter Professors Jaeger gegen einen hiesigen Arzt die principiell wichtige Entscheidung ge- troffen, daß außerhalb Rußlands befindliche Angehörige eines fremden Staats in Rußland denselben Vehtss{<huß genießen, wié russische Unterthanen. Die Entscheidung richtet ih gegen einen Beschluß des St. Peterêburger Gerichtshofes, der dic Klage Jaeger's zurückgewiesen hatte, weil dieser im Auslande wohn- haft sei.

Rumänien.

Der Senat beschloß gestern mit großer Mehrheit, den Adreßentwurf in Erwägung zu ziehen. Die Ausführungen der Minister Alexander Lahovary, General Lahovary und Carp wurden sehr beifällig aufgenommen. Die Regierung hat dem Senat den Handelsvertrag mit England vorgelegt.

Bulgarien.

Der Minister-Präsident Stambulow hat in einer von zahlreihen Deputirten besuhten Versammlung den Entwurf zur Abänderung der Verfassung vorgelegt. Der Haupipunkt bestimmt, daß sowohl der erste erwählte Fürst als au<h der erste Thronerbe in der Religionsgemeirschaft, welcher sie angehören, verbleiben können. Die anwesenden Deputirten verpflichteten sfih, den Entwurf zu unterstüßen.

Die Blättermeldung, Bulgarien beabsichtige eine Krieg s- flotte zu bauen, wird von gut unterrihteter Seite als er- funden bezeichnet. Bevor Bulgarien an die Errichtung einer Flotte denken könne, müsse es vielmehr befestigte Häfen be- fißen. :

Amerika.

Nach einer in Paris eingetroffenen Meldung aus B uen 05- Aires hätte Bermejo auf Ersuhen des Präsidenten der Nepublik Argentinien nun do< eingewilligt, das Porte- feuille des Jnnern zu übernehmen.

Varlamentarische Nachrichten.

Deutscher Neichstag. 15. Sißung vom Mittwoch, 14. Dezember, 12 Uhr.

Der Sißuna wohnen bei der Reichskanzler Graf von Caprivi, der Staatsjecretär Freiherr von Marschall, der Königlih preußische Kriegs-Minister von Kaltenborn- Stachau und der Königlich sächsishe Kriegs-Minister Edler von der Planißt.

Die erste Berathung dcs Geseßentwurfs über die Friedenspräsenzstärfke des deutshen Heeres wird fortgeseßt.

Abg. Hc Die bié en Erörterungen haben

on cine gewisse Klarheit geschaffen, nämlich die, daß die meisten Parteien der Vorlage, wie sie liegt, niht zustimmen, selbst die Con- servativen ni<ht. Nur der Abg. Freiherr vor umm hat sich für die Borlage erklärt, was freili<h dur< die ge ige Erklärung feines Parteigenofsen des Abg. von Kardorff sehr beeinträhtigt wurde. Der Abg. Freiherr von Huene _ hat für i Partei festgelegt, über den Ralmen der Friedenspräfenzstärke nicht hinausgegangen verden fönne. Der Reichskanzler hat gerade die Erhöhung der Friedenspräsenz als den \pringenden Punkt erklärt. Also entweder 3 der Reichskanzler sih mit der jeßigen Friedenspräsenz begnügen oder das Centrum muß diesen Hauptpunkt aufgeben. Von der Nede des Aba. Dr. von Bennigsen verspricht sih ter Reichskanzler große Wirkung. Der Abg. Dr. von Bennigsen hat ja auch Annabme des Kernpunktes der Vorlage in Ausficht gestellt. E au von der Beunrubigung des Puablifums dur die stü>mweise fanntgabe der Vorlage gesprochen. Wenn die Presse geschadet hat, fo war es die nationalliberale Presse. Die „Nationalzeitung“ hat die erste Nachricht gebra@t, die dann vom „Hannoverschen Courier“ ergänzt wurdk, und s{liezlih hat die „Kölnische Zeitung“ die Vorlage veröffentlicht. Der Abg. Dr. von Bennigsen hat von den verschiedenen Feblern ge- sprochen, welche die Regierung gemacht hat. Der größte Fehler war jedenfalls die Einbringung dieser Vorlage; deswegen werden wir au dagegen stimmen. Die herrs{hende Mißstimmung betrachtet er als eine vorübergehende. Aber wenn er selbst zugiebt, na< einer Auf- lôfung würde die Mehrheit des Reichstags eine für die Vorlage ungünstigere werden, fo -bezeihnet er damit die Stim- mung als eine der Militärvorlage daucrnd ungünstige. Wenn -der Abg. Dr. von Bennigsen -den Kern der Vorlage billigt, so bringt er dadur< nit den Reichstag in die Stellung, die er ibm jelber anweisen will. Der Reitsfkan;ler hat alle Cinzel- beiten der Vorlage gestern vertreten und nirgends cine Neigung zur Nachgiebigkeit gezeigt. Ich bedaure, daß der Reichskanzler ih nicht über die Frage der Casernirung der neuen Truppen ausgesprochen hat, die na Berechnung Richter's 2009 Millionen fosten würde. Sollen die Mannschaften in Bürgerguartiere gelegt werden? Für die Negie- rung dürfte die Wirkung einer solhen Maßregel ni<t günstig sein. We n die neuen Lasten dem Volke auferlegt werden und wir sagen : dafür bringen wir eu< die zweijährige Dienstzeit, dann könnte uns das Volk mit dem sähsishen Kriegs-Minister von der Planißt sagen : was ist denn die zweijährige Dienstzeit? Sie besteht ja bei den meisten Trupventheilen {hon thatsähki<h. Ein solch kleines Geschent ist die großen Opfer niht werth. Der alte Mann foll niht mehr ‘ia erster Linie berangezogen werden. Wenn aber der nächste Krieg der roze Krieg mit zwei Fronten ist, glaubt man da wirkli, daß die alten Leute zu Hause bleiben! -Wenn die ver- früppelte Wehrpfliht und die verstümmelte Dienstzeit dadur< be- seitigt werden soll, daß -auf die nur bedingt Tüchtigen zurü>gegriffen werden soll, fo werden de Dienstpflichtigen sagen: lieber cine ver- früpvelte Wehrpfliht als die Wehrpflicht der Verkrüpvelten. Gewiß sind wir Freunde der zweijährigen Dienstzeit und der allgemeinen Durchführung der Wehrpflicht, aber wir berüdsihtigen dabei die realen Verhältniffe. - Der MReichs- fanzler betradztet seinen Plan als einen unabänderlichen. Wir müssen ihn ablehnen, weil wir hören, daß andere Generale billigere Pläne haben, weil das Ersatreservesystem, das uns als etwas Gutes angepriesen worden ist, aufgegeben werden foll. Der Reichskanzler meint, wir hätten gar feine Ahnung von dem Truppengefühl.- Er fennt ni<t die Imponderabilien, die im bürgerlichen Leben eine große Rolle spielen: Er glaubt, es sei alles in die Wähler hineingeredet. Das ift “ni<ht rictigs

Die Stimmung in dén bürgerlichen Kreisen bringen wir bier nur im gedämpften Ton zum Auëdru>. Wenn der Reichskanzler sich begnügt mit der jetzigen Friedenspräsenzstärke, dann wollen. wir in der Gom- mission eine Verständigung herbeiführen fuchen. Ob wir aber bis an die Grenze der jebigen Friedenspräsenz gehen, hängt no< von anderen Dingen ab, namentli<h von ter Decfung der Auëgaben und von der Erklärung der Regierung ¡ber die Reformen auf militäris<em Gebiete wegen des Beshwerde- re<tes und wegen der Militär-Strafprozeßordnung. Kommt die Vor- lage im Sinne ded Regierung zu ftande, so möge die Regierung nicht glauben, daß sie dadur für ihre fünstige Politik gestärkt ist, denn eine Regierung ift nit fiark, wenn fie sich auf ein shwadhes, nah- giebiges Parlament stüßgt. Das Parlament muß der Ausdru> des wirklihen Volféwillens fein. 4 L

Abg. Freiherr von Manteuffel (deutshconf.): Ich weise es zu- nä&st zurü>, daß der Abg. Bebel ih auf mich berufen hat als klassischen Zeugen für die Tüchtigkeit der französischen Milizarmee. Was ih damals gesagt habe, halte ih aufre<t, aber die Verhältnisse haben sich seitdem geändert, namentlih dur die Verbesserung der Gewehre und dur die Verwendung des rauhlosen Pulvers. Zum Reden ver- anlaßt mich die Art und Weise, wie der Reichskanzler fih mit der conservativen Partei beschäftigt bat. Dem Reichskanzler steht gewiß das Recht zu, Kritik zu üben an den Reden und Abstimmungen der Parteien. Er fann au< Verhandlungen außerhalb des Hauses fritifiren , aber er fann nit glauben, daß er unsere Meinung dadurch beeinflufsen wird. Er hat auf Grund von ungenauen Zeitungsberihten, nament- lid über den Gebrau< des Wortes „demagogish“ sih ausgelafen. Ein Redner erklärte, man solle sih vor dem Wert demagogi!< nicht für<ten: eiwas demagogis<, d. h. volfêthümlicher auftreten könnte der conservativen Partei nicht schaden. Hiergegen einen Widerspruch zu erheben, lag feine Veranlassung vor. Am SÖlufse seiner zweiten Rede bat der Reichskanzler gesagt: einzelne Herren hätten die Absicht, ihre Abstimmung über die Militärvorlage von der Haltung der Regierung zum Bimetallismus abböngig zu machen. Sollte diese Ausführung gegen meire politishen Freunde gerichtet fein, so muß ih dagegen nah- drü>lih Einspruch erheben. Ich habe in meiner Rede vom 10. De- zember auédrüd>li< erklärt, daß, wenn uné überzeugend na<gewiefen würde, daß die Existenz Deutschlands von dieser Vorlage abhängt, wir unsere Bedenken vor unserem Patriotismus weichen lasen würden. Eine so bündige Erklärung 1st von keiner anderen Partei abgegeben worden. Die conservative Partei hat ihre Zustimmung niemals von Concessionen auf anderen Gebieten abhängig gemaht, am allerwenigsten bei Vorlagen von etner Wichtigkeit, wie die jeßige. Die Vergangenheit der Partei bürgt dafür, daß sie von diefem Grund- faßte niht abgeben wird.

Neichskanzler Graf von Caprivi (wir werden morgen es Reichskanzlers im Wortlaut bringen): Der stenographische Be ergiebt, daß ih nit behauptet habe, die conservative Partei als fo wolle ibre Abstimmung über die Militärvorlage vom Bimetallism: oder einer anderen Bedingung abhängig machen. Ich habe, id mi< nit irre, von cinzelnen Herren gespre<en. lege feinen Werth darauf, nachdem ein Mitglied, "wenn aub ni<t, der conserrativen, so do< der freiconfervativen Partei diesen Standpunkt bier im Hause voll und ganz vertreten hat. Was “den Parteitag angeht, so habe i< mi für verpflichtet ge- balten, flar zu maden, wie wird der Parteitag wirken und wie hat die Regierung ihre Folgerung zu ziehen? Ich habe mi nad) dem. Bericht der, wie i<h annehmen mußte, am besten unter- ridteten „Kreuz-Zeitung“ informirt. J< nehme mit Befriedigung und Genugthuung Act davon, daß die Aeußerung, man wolle dema- gogish handeln, ni<ht im Sinne der Partei gethan und nit von der Partei acceptirt wird. Sie in der Weise aufzufassen, daß die Partei sie ih zu eigen mat, war ih dadur berechtigt, daß fein Wider! pruch gegen die Aeußerung erfolgt ist. Und nicht diefe Aeußerung ist es allein gewesen, die mich bedenklich gemacht hat. ?fondern es fielen Aeußerungen, die auf den Prozeß, der in der leßten Woche seinen Abschluß gefunden bat, binzielten, und die ofene, ganz unverhüslte Theilnahme mit dem Manne zum Ausdru> brachten, der infolge dieses Prozesses verurtheilt ist, der das deutsche Heer in einer Weise angegriffen und geschädigt hat, wie das von einem Deutsden bisher niht ges<ehen ist. Das Verhalten der Confervativen auf diesem Parteitage erwe>t den Anschein, als wenn sie si<h mit diesem Mann und deffen Bestrebungen in Uebereinstimmung befinden. Ih berufe mi auf den Berit, na< welhem der Gegencandidat d Rector Ablwardt erklärte, daß er ihm in der Stichwahl feine Stimme gegebea babe : Lieber zehn Ahlwardt's als ein Freisinniger. Ic nehme mit Befriedigung davon Act, ß die conservative Partei ih diese Aeußerung nicht aneignet, aber i< finde es entschuldbar, wenn i< daraufhin des Glaubens war.

Abg. Freiherr von Stauffenber g (dfr.): Die allgemeine Mißstimmung hat der Abg. Dr. von Bennigsen schon angeführt; der Reichskanzler hat ja selbst früher einmal von dem Beunruhbigungs- bacillus gesprochen. Die Mißstimmung ift vorhanden, aber fie ist ein Residuum der Vergangenheit, eine Erbschast, welche die jeßige Regierung von der früheren übernommen hat; i< erinnere nur an das Alters- und Invalidenversierungsgeset, das kein Product der gegenwärtigen Regierung ist. Der Reichskanzler stellt es so hin, als wenn die Militär- vorlage ein Abschluß der Militärforderungen fei. Ich glaube ihm, daß seine Gedanken dahin gehen, aber wenn wir das im Lande er- zählen wollten, so würde niemand cs glauben. Die Entwickelung der *Militärverbältnisse in den leßten zwanzig Jabren ift do< nit aus der Welt zu hafen. Vor wenigen Jahren hat man erst eine Veränderung des ganzen Wehrsystems gemacht zur Erhöhung der Kriegsstärke der Armee, und jeßt foll sie dur< die Vorlage wieder beseitigt werden. Die Militärverwaltung mag ja zu soldhen Schlüssen kommen, aber die öffent- liche Meinung macht einen derartigen Umschwung nicht [leiht mit. Bei allen Militärvorlagen hat man immer eine Erhöhung der Prä- fenz verlangt mit dem Hinweis auf andere Staaten. Im Auslande bat man erflârt, daß die Vorlage angenommen werden mü}e, daß ter Reichstag aufgelöst werden müsse, bis die Vorlage Annahme ge- funten habe. Diese Auffassung in dem bundeéfreundlichen Oester- reich bat die Chancen der Vorlage sicher nicht verbessert. Glaubt -der Reichskanzler wirklih, daß seine Vorlage allgemeinere Billigung findet ? Die zweijäbrige, geseßlich festgelegte Dienstzeit wird ja einigen von Vortheil scheinen, andere werden aber benachtheiligt lein, nämlich diejenigen, die jeßt nit berangezogen werden. (Schluß

es Blattes.)

Amtliches Wahlergebniß der am 9. d. M. stattgehabtcn tcihstags - Ersaywahl im Wahlkreise Kaufbeuren (5: Schwaben). Es wurden insgesammt 15646 Stimmen abgegeben. Davon entficlen auf den Ockonomen Ludwig Zinth- Ingenried (ultramontan) 8886 St., auf den Redacteur des „Vaterland“ Dr. Sigl-Müncen (b. k. F.) 3105 St., auf den Landgerichts-Rath Jos. Wagner-Memmingen (lib.) 2815 St. und auf den Drechslermcister Ulrich Zitt-Frsee (Soc.) 826 St. Die übrigen Stimmen zersplitierten sich. Der Erstgenannte ist somit gewählt.

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Die Steuerreformcommission des Hauses der

Abgeordneten berieth gestern den $ 46 des Ergänzungs steuer- geseßes, welher mit $ 47 die Strafbestimmungen enthält. Nach langer Debaite und sehr complicirter Abstimmung wurde $ 46 {ließli in folgender, von den nationalliberalen Mitgliedern vorgeschlagenen Fassung angenommen: „Wer in der Absicht, eine Verkürzung -der Steuer herbeizuführen, über das ihm zuzure<hnende steuerbare Ver- mögen oder über das Vermögen der von ibm zu vertretenden Steuer- ‘vflichtigen unrichtige oder unvollständige thatsächliche Angaben mat, wird mit dem zehn- bis fünfundzwanzigsaen Betrage der Jahressteuer, um welche der Staat verkürzt worden ist oder verkürzt werden sollte, mindestens aber mit einer Geldstrafe von 100 # be- straft. Ist eine unri{htige Angabe zwar wissentlih, aber nit in der

Absicht der Steuerbinterziehung erfolgt, so tritt Geltftrafe von 20 bis 100 Æ ein. Straffrei bleibt, wer seine unri<tige oder unvoll- ständige Angabe, bevor Anzeige erfolgt oter eine Unterfuhung eingeleitet ist, an zuständiger Stelle berichtigt oder ergänzt und die vorenthaltene Steuer in der ihm geseßten Frist entrichtet.“ $ 47 (die Einziehung der hinter- zogenen Steuer erfolgt neben und unabbängig von der Strafe) blieb unverändert. Mit $ 48 beginnt der leßte Abschnitt des Gesetzes, „Schlufbestimmungen“.- Die $8 48, 49 und 20 wurden unverändert autgebeißen. $ 51 lautet: „(Abs. 1) Uebersteigt das Veranlagungsfoll des Jahres 1895/96 den Betrag von 35 Millionen Mark um mehr als 59%, so findet in dem Verbältniß des Mehrbetrages zu der genannten Summe eine Herabseßung der sämmtlihen im & 18 bestim:nten Steuersäße statt. (Abs. 2.) Diese Herabseßung wird in angemessener Abrundung dur< Königlihe Verordnung festgestellt. Die in der leßteren bestimmten Säße sind für das Steuerjahr 1895/96 und die folgendên Jahre maßgebend. (Abs. 3). Bleibt das Veranlagungsfollt des Jahres 1895/96 hinter dem oben bezeichneten Betrage um mehr als 5 9% zurü>, so findet in gleicher Weise eine cntivrebende Erhöhung der im $ 18 bestimmten Steuer- sätze statt. Diese Echöhung wird dur< Königliche Verordnung für die Folgezeit wieder außer Kraft gefeßt, wenn das Veranlagungéfoll der Ergänzungssteuer den Betrag von 35 Millionen Mark zuzüglich einer Steigerung von 4°/ für jedes auf 1895/96 folgende Steuerjahr erreiht". Die Abgg. von Jagow (conf.) und von Tiedemann (freiconf.) beantragten, den Abs- 3 wie folgt zu fassen: „Bleibt das Veran- lagungésoll des Jahres 1895/96 binter dem Betrage von 35 Millionen Mark um mehr als 5/9 zurü>, fo findet, insoweit der Ausfall nicht dur< einen Mehrertrag der Einkommensteuer für das Jahr 1895/96 über die Summe von 135 Millionen Mark gede>ti wird, in gleicher Weise eine entsprethende Erhöhung der in $ 18 diefes Geseges bestimmten Steuersäße stati. Diese Erhöhung 2c.“ (unver- ändert). Abg. von Jagow führte in der Begründung Antrages aus: Die verschiedenen Abs<hwächungen des

würden augenseinki 3 finanzielle Erirägniß beeinträchtigen, do set ein Schuß gegen eine ftarfe Erhöhung des Steuersußes noth- wendig. Diesen gewäh confervative Antrag. Der Abg. Dr. Krause (nl.) inshte den Mehrbetrag, der sih etwa ergeber sollte, auf die Vermögenssteuer und auf die Einkommensteuer vertheilt zu sehen, und zwar im Verhältniß des Auffommens beider Steuern. Der Abg. Freiherr von Zedliß meinte, daß die Vermögenssteuer einen Ertrag von über 35 Millionen ergeben werde. . Deshalb feien alle diese Fragen niht besonders wihtia. Er wünsche aber, daß das Verhältniß zwischen den beiden Steuern dasselbe bleibe; desLalb sei er für den Antrag. Der Abg. Dr. Enneccerus (nl) hielt die Vertheilung des Uebershusses auf die Einkommensteuer für das zwe>mäßigste. Der FinanyMinister Dr. Miquel erflärte, die Regierung wolle dur die Reform keinen Gewinn, aber auch keinen Verlust haben. Der Gedanke des Aba. Krause sei nicht unbere{tigt, aber es sei s<wer, ein bestimmtes Verhältniß zwischen beiden Steuern zu statuiren. Zu dem Antrage könne er no< keine Stellung nehmen, halte ihn aber finanziell nit für bedenklich. D i

Gesetzes

Eine Quotisirung, wie diese der Abg. Freiherr von Zedlitz wolle, sei bei der Stellung der Ne- gierung und der Parteien aussihtsloë. Der Abg. Stengel (freiconf.) wünschte die Contingentirung bei der Eintommensteuer, nicht bei der Vermögenssteuer. Die Fortseßung der Berathung wurde fodann auf beute Nachmittag 2 Ubr vertagt.

Kunst und Wissenschaft.

Der neue, von Professor Begas geschaffcne Entwurf zu einem National-Denfkmal für Kaiser Wilhelm I. weicht, wie die „N. A. Z.* berichtet, in sehr wesentlichen Punkten von dem Entwurf des engeren Wettbewerbes ab. Der Künstler hat es si an- gelegen sein laßen, die von: der Kritik angefochtenen Theile zu be-

seitigen und zu erseßen. Insbesondere hat das sh hoh aufbäumende Roßz weihen müsen; an feine Stelle ift ein getreten. Beibehalten is der Stegesengel, der, führend, zur Linken des Kaisers cinhershreitet. Die Haltung und Ausdru> der Figur des Kaisers haben keine wesentlihe Aenderung erfahren. Ferner sind die Friedensgenien an der Vorder- und Rückseite des So>els, sowie die vier auf den Stufen lagernden Löwen in dem neuen Entwurf geblieben. Weggefallen find dagegen die auf beiden Seiten aus Nischen bervorstürmenden antiken Siegeswagen. Die Quadrigen sind dur< allegorishe Gestalten abgelöst, und die um -sie früher gruppirten Paladine des Kaisers haben - jeßt besondere Standbilder vor den Säulen einer balbkreisförmigen Halle, die als arhitektonisher Auibau das Denkmal umgiebt. e Säulenhalle bält si in folchen Maßen, daß eine größere Einengung des Spreebettes vermieden ift. Der architettonishe Theil des Entwurfs hat eine wesentlihe Verein- fahung erfahren, auch die Brücke, die zu der geplanten „Verlängerten Brüd>enstraße“ führen sollte, ist endgültig aufgegeben. Der Kanzler der Universität Tübingen, Professor der Theologie, Dr. Karl von -Weiziä>er beging, wie der „Schwäb. Merk.“ berichtet, am 11. d. M. unter warmer Theilnahme der Lehrer und Schüler der genannten Hobschule seinen siebzigsten Geburtétag. Die Studirenden brahten dem Jubilar einen folennen Fa>elzug und von nab und fern trafen zahlreihe Glü>wünsche ein. Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrung®- Maßregeln.

y Portugal.

Durch eine im „Diario do Governo“ vom s. Dezember 1832 ver- öffentlihte Verfügung des Königlich portugiesishen Ministeriums des Innern wird der Hafen von Nantes für feit dem 18. November 1892 von Cholera „verseu<t“ ‘erflärt.

Durch eine im „Diario do Governo®“ vom 9. Dezember 1392 veröffentlihte Verfügung des Königlich portugiesischen Ministeriums des Innern wird der Hafen von: Rotterdam, dec biéher für von Cholera „verseu<t“ angesehen wurde, seit dein 4. deëselbe ; derselben Krankheit „verdächtig“ erklärt. (Vergl. „R.-2 vom 3. Dezember 1892.)

Serbien.

Zufolge Verordnung der serbishen Regierung vom 9. Dezember 1892 sind die aus Anlaß der Choleragefahr ergangeuen Einfuhr- verbote, soweit sie den Kandel in Häuten und Lederwaaren, in Wolle, Haaren, Borsten, Hanf, Baumwolle und Federn, in Därmen und Blasfen sowie Thierabfällen, in Caviar und“ Fischen sowie in Proben vorstehender Artikel betrafen, wieder aufgehoben worden. (Vergl. ,R.-A,*“ Nr. 219 vom 16. September 1982.)

Ferner werden Colonialwaaren fortan ohne Rüd>sicht auf *ißre Provcenienz einer Quarantäne nicht mehr unterworfen.

Reisegepä> und Uebersiedelungsgut wird nur insoweit desinficirt, als es aus ungewaschener Wäsche besteht.

Bulgarien.

Der Bulgarische Gesundheitsrath hat dur Beschluß vom 6. De- zember 1892 Franfreih und Belgien als seuhefrei anerfannt.

Die Waarenquarantäne für Provenienzen aus verseuchten Ländern ist auf 5 Tage, diejenige für Herkünfte aus <olerafreien Ländern (fofernsieverseuhte Staatentransitirthaben) auf 3 Tage ermäßigt worden. (Vgl. „R.-A.“ Nr. 282 vom 28. November 1892.)

Süd-Amerika (Uruguay). i

ur Nerordnung der Gesundheitshehörde zu Montevideo vom 7. November 1892 sind die bisherigen Quarantäne - Be- stimmungen vergl. „N.-A.“ Nrn. 235, 245 und 256 vom 5., 17. und 283. Oktober 1892 dahin abgeändert 4vorden, daß die aus „ver- seuhten“ Häfen vor dem 20. Oktober d. J. abgegangenen Schiffe einer ibrer Dauer nah in jedem einzelnen Falle näber zu bestimmenden sfauitären Beobachtung auf der Quarantäne-Insel Flores unterworfen werden, während -die na< dem 20. desf. Mts. abgegangenen Schiffe nur eine strenge Desinfection auf der genannten Jnfiel dur<zumachen haben. Eine - ebenfolhe Detinfection bleibt für Provcnienzen aus „verdächtigen“ Häfen bestehen. Waaren werden ausnahmsfos obne

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weiteres eingelassen.

Verkehrs-Auftalten..-

Die Poft von dem am 9. November aué Shanghai abge- gangenen Reihs-P ostdampfer „Sachsen“, sowie die mittels des Reihs-Postdampfers „Habsburg“ beförderte Post aus Australien (Abgang von Adelaide am 10. November) is in Brindisi eingetroffen und gelangt für Berlin voraussichtlich am 15. d. Vormittags zur Ausgabe.

Bremen, 13. Dezember. (W. T. B.) Norddeutscher Lloyd. Der Schnelldampfér „Werra“ if am 10. Dezember Nachmittags von New-York via Gibraltar na< Genua abgegangen. Der Post- dazmyfer „Straßburg“, vom La Plata kommend is am 10. De- zember Abends auf der Weser angekommen. Der Postdampfer „Hannover“, vom La Plata kommend, hat am 109. Dezember Abends Las Palmas passirt. Der Postdampfer „Berlin“, nah Brasilien bestimmt, hat am 10. Dezember Abends St. Vincent pasfirt. Der Postdampfer „Amerika“ ift am 10. Dezember Nach- mittags von New-York “nach der Weser abgegangen. *S*r Schnell- dampfer „Kaiser Wilhelm 1l.“, am 30. November von Genua abgegangen, if am 11. Dezember Abends in New- York angekommen. Der Reichs-Poftdampfer „Preußen“ hat am 11. Dezember Vormittags die Reise von Southampton nah Senua fortgeseßt. Der Reichs-Postdampfer „Stettin“ is am 1. Dezember ohne Post von Port Said nah Brindisi abgeganger er Reichs-Postdampfer „Hohenstaufen“ hat am 12. ! Bormittags die Reise von Suez nah Aden f s Postdampfer „Danzig“ ist am 12. D Post vom Reichs-Postdampfer „, vom Reichs-Postdampvfer , angetfommen.

14 Dazember. (W.: T. B.) Cr am 29. November von New-York abgegangen, ift an Mittags in Neapel angekommer. Der Postdampfer , von New-York kommend, hat am 13. Dezember Vorm. rines Point passirt. D Ost-Asien kommend, iiît getommen.

I M Habsburg

Hambura, 1 ezember. (W. T. B.) rikanishe Pad>etfahrt-Actien- Gesellschaft. damvfer „Rhaetia“ ist, von New-York kommend, 12 Uhr auf der Elbe eingetreffen.

London,.13. De

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Dezember. (W. T. . Melrose* ist beute auf der Ausrei fommen.

Theater und Musik,

Gestern Abend | fanntschaft eines ne frische Leben fennzei Gebiet der musifalishen Kunst aller Vrte Tasca, nah Leoncavallo Giordano, jeder gabung und fünstlerisher Eigenart, wenn ay in threr Musik ein gemeinsamer, nationaler /Charafter ni<ht verkannt werden fann. Umberto Giordano’s Melodrama „Mala Vita“ bringt ein Bild aus dem niederen Volksleben auf die Bühne; auch die Vorgänger Giordano's batten Stoffe aus dem italienishen Volfsleben bearbeitet, das ja so rei ist an stimmungsvollen Bildern. * Diesmal ift der bebándelte Stoff an si< allerdings ein re<t unerfreulicher. Häufig genug spi unter dem warmen Himmel des südlichen Staliens Scenen des eigentli<h intimen Familienlebens auf offentliher Straße So geschieht es au< in „Mala Bita“, und die eilnahme des Volks an dem Schi>fsal der ie Handlung ( Personen erböbt wesenilih die dramatishe Wirkung. Ein Volk von starkem Gefüblsleben wie das italienishe wird seine Stimmungen gern im Gesange zum Aus- dru> bringen, daher erscheint es nur natürli, daß eins der gemein- samen Merkzeichen der jüngsten italienisGWen Opernwerke, die auf die deutsdbe Bühne acfommen find, darin zu finden ift, daß die Melodie den Stimmungsgehalt der Musik beberrsht und der künftlerishe Plan des Comvonisten immer aúf das Harmconische abzielt. Auch Giordano versteht es vortreflih, Seelenstimmungen in Melodie umzuseßen und dur< sie die Freude und den Ernst des Lebens charakteristis< auszudrü>en. Erift aber au< ein Meister der Instrumentirungstunst, und hier kann man vielleiht wieder von einem Einfluß der neuen deutshen Musik reden, nn auch gerade Giordano dem italienishen Großmeister Verdi enbar viel verdankt. Das Libretto behandelt einen nicht schr wür-

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igen Gegenstand. Ein Schwerkranker thut einem Volksbrauh ent- A U

zrehend das Gelüb Er findet

Le Ft, re e, eine Gefallene zur Frau zu nehmen. hristina, die ibr Leben für ihn ovfern will. Aber die frühere Ge-

liebte Amelia matt den Kranken in seiner Treue wanken, fodaß er Christina ihrem Schi>sal überläßt. Die Scene zeigt nur im zweiten Act die Wohnung Amelia's, während im übrigen die offene Straße Ort der Handlung ist. Volkshöre und Lieder begleiten sinnig und stimmungs- voll die Vorgänge. Eine nicht gerade tief angelegte, aber wirkungs- volle Nummer der Over bildet das Zwischenspiel des Orchesters 1m weiten Act, das charakteristish den scelishen Conflict, der si<h unter den Menschen abspielt, mit dem elementaren Kampf in der Natur musifalis< in Parallele bringt: aud das Schlußgebet Christina's erscheint als einc rühmenêwerthe Einzelbeit der compositorischen Arbeit. Sehr wirkungsvoll ist überhaupt die Partie der Christina herausgearbeitet, die das höchste Herzensglü> und das tiefste Se-len- elend wiedergeben soll; aber au< die Rolle des Vito, des franken Un- getreuen, hat musifali]< s{<öône Stellen, namentli gleih anfangs das Gebet um Heilung, das fih von dem Chor des theilnehmenden Nolkes wirfungévoll abbebt. Zu bedauern war, dabei aller- dings, daß die Stimme. des Herrn Roberto Stagno, der diese Partie sang, weder Kraft, Ausdauer no< Aus- dru>sfähigkeit genug besißzt, um neben den mitwirkenden Künstlerinnen bestehen zu können. Fräulein Gemma Bellincioni hatte zwei große Scenen, in dencn sie neben ihrer s{<önen, markigen und zu Herzen gehenden Stimme ibr geradezu geniales shauspiele- risdes Können voll zur Wirkung brachte und dafür ftürmishen Bei- fall erntete; ibr Schlußgebet erscheint als eine besonders rühmens- erthe Einzelbeit der compvositorishen Arbeit. Frau Moranu-

lden sang die Partie- der wenig sympathishen Amelia fehr ¡htig und wirkungévoll und darf einen großea Theil des Bei- alls auf ihre Rechnung übernehmen: es wäre vielleicht für den Gesammteindru> von Vortheil gewesen, wenn die Sängerin die ganze Kraft ihrer großen und angenehmen Stimme niht immer voll eingeseßt hätte. Herr Luria sang und spielte" n liederlichen Ehe- mann mit verständigem Maßhalten. |

Am 22. Dezember beginnt im Königlte,.n Schauspiel- hause der Sghillercyklus. Aus te<nij<en Rüdsichten sind leider zwei Abweichungen von der <ronologishen Folge der Stücke geboten gewesen. Auf die „NRäuber® folgt am 23. „Kabale und Liebe“, dann am 25. „Fiesco*, 26. „Don Carlos*, 97. und 28. die Wallenstein - Trilogie, 29. „Maria Stuart“, 30. „Die Braut von Messina“. Um der alten Gepflogen- heit des Hauses, am Sylvester und Neujahrêtage eine heitere Neuheit zu geben, treu zu bleiben, wird der Cyklus auf zwei Abende zu Gunsten des „Deputirten“ von E. Malden unterbrochen. Am 2. Januar folgt „Die Jungfrau von Orleans“, am 3. „Demetrius* und „Turandot“, worauf am 4. der Schluß mit „Wilhelm Tell“ gemacht wird. Die Hauptrollen in dem neueinstudirten „Wallenstein's Lager“ be- finden. sih in den Händen der Herren : Oberländer: Wachtmeister, Siegrist : Trompeter, Purschian : 1. Holkischer Jäger, von Hochen- burger: 2. Jäger, Hartmann : Arkebusier, Keßler: Kürassier, Unk: Kroat, Herzer: Refcut, Plaschke: Bauer, und Vollmer: Kapuziner. Die Marketenderin giebt Frau Schramm. In dem uspiel „Die Piccolomini“ werden die Damenrollen vertreten dur Frau Kable: Herzogin, Frau von Hochenburger : Thekla, Fräulein

Povve: Gräfin Terzky. Den Wallenstein fpielt Herr Klein, Octavio