1892 / 296 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

gleitberiht aber nur no< dann zu erstatien, wenn besondere Umstände dazu Veranlassung geben.

Nach der im Reichs- Eisenbahnamt aufgestelten N ach- weisung über die im Monat Oktober d. J. auf deutschen Bahnen (auss<hließli<h der bayerischen) bei den Zügen mit Personenbeförderung vorgekommenen Verspätungen haben auf 36 größeren Bahnen bezw. Bahnnetzen mit einer Gesammtbetriebslänge von 36 882,13 km von den fahrplanmäßigen Zügen überhaupt si< ver- spätet: 1237 Schnellzüge, 1892 Personenzüge und 530 zur Fe sowie zur Güterbeförderung gleichzeitig dienende

üge, zusammen 3659. Von den fahrplanmäßigen Zügen mit Personenbeförderung wurden geleistet: 15 328 083 Zug- filometer, 295 110 621 Achskilometer gegen 15 455989 Zug- und 305548729 Achskilometer im Vormonat und gegen 15188320 Zug- und 301089672 Achskilometer in demselben Monat des Vorjahres. Von den Ver- spätungen wurden 1387 dur< das Abwarten verspäteter An- ihlußzuge veranlaßt, sodaß den aufgeführten Bahnen nur 2272 Verspätungen zur Last fallen, gegen 1357 im Vormonat und 2843 in demselben Monat des Vorjahres. Von den auf eigener Bahn vorgekommenen Verspätungen entfallen auf 1 Million Zugafkilometer 148, 1 Million Achskilometer 8, mithin - auf 1 Million Zugkilometer 39 =-21 v.-H. weniger als im Monat Oktober des Vorjahres und 60 = 68 v. H. mehr als im Vormonat, und auf 1 Million Achskilometer 1 = 11 v. H. weniger als im Monat Okiover des Vorjahres und 4 = 100 v. H. mehr als im Vormonat. Jnfolge der Verspätungen wurden 1920 An- \hlüsse versäumt (gegen 2536 in demselben Monat des Vor- jehres und 1244 im Vormonat). Bei 4 Bahnen sind Zug- vcrspätungen und bei 8 Bahnen Anschlußversäumnisse nicht vorgekommen. Jn der Nachweisung sind die Bahnen, auf denen Zugverspätungen vorkamen, nah der Verhältniß- zahl (geometrishes Mittel) Zoe der Anzahl der von den fahrvlanmäßigen, der Perfonenbeförderung dienenden Zügen auf 1 Million Zugkilometer und der auf 1 Million Achs- filometer entfallenden eigenen Verspätungen geordnet. Danach nehmen die Me>lenburgishe Südbahn, die Bahnen im Bezirk der Königlichen Eisenbahn-Direction Erfurt und Neustrelißz- Warnemünder Eisenbahn die ungünstigsten Stellen ein. Wird die Reihenfolge der Bahnen statt nah der Anzahl der Ver- spätungen nah der Anzahl der Anshlußversäumnisse bestimmt, jo treten die vorgenannten Bahnen ebenfalls an die un- günstigsten Stellen.

Der General-Jnjpecteur des Militär-Erziehungs- und Bildungswesens, General der Jnfanterie von Keßler ist

hierher zurü>gekehrt.

Der Wirklihe Geheime Ober-Regierungs-Rath Dr. Schneider im Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten ist aus der Provinz Ostpreußen zurückgekehrt.

Der Grenz-Commissarius, Polizei-Rath von Roëll zu Eydtkuhnen ist mit der commissarishen Verwaltung des Land- rathsamts im Kreise Meseriß, Regierungebezirk Pojen, beauftragt worden.

Württemberg.

Wie der „St.-A. f. W.“ vernimmt, treffen morgen Jhre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Groß- herzogin von Baden in Stuttgart ein, um den von Jhren Majeftäten dem König und der Königin im Sommer in Karlsruhe abgestatteten Besuch zu erwidern.

Heffen.

Jhre Königliche Hoheit die Prinzessin Heinrich von Preußen hat ihre Rückreise von Darmstadt nah Kiel auf morgen festgeseßt. Jhre Kaiserlichen Hoheiten der Großfürst und die Großfürstin Sergius werden am nächsten Son

abend die Rückreise nah Moskau antreten.

Oesterreich-Ungarn.

Jn der gestrigen Sißung des österreihishen Abge- ordnetenhauses beantragte dem „W. T. B.“ zufolge der Abg. Dr. Steinwender die Dringlichkeit für die Waßhl : eines aus 24 Mitgliedern bestehenden Ausschusses zur Prüfung der Entscheidungen des Ministeriums des Innern, durch die den Magistraten von Klagenfurt und Cilli die An- nahme slovenischer Eingaben und deren Erledigung in slovenischer Sprache aufgetragen wird. Der Ausschuß soll ferner die bisher erlassenenSprachenverordnungen überhaupt prüfenund dem Hause darüber Bericht erstatten. Bei der sodann fortgeseßten Berathung des Budgets beantragte der Abg. Ruß nachfolgende Resolution: „Das Abgeordnetenhaus erkennt den Grund der Auflösung der Stadtvertretung in Reichenberg nicht als ausreichend an, fordert die Regierung auf, bei der Ausübung des Staatsaufsichtsrehts sih jedes niht uner- läßlihen Eingriffs in die Gemeindeautonomie zu ent- halten und fpriht die Rechtsüberzeugung aus, daß im Falle der Auflösung der Gemeindevertretung die be- tellten Staatsorgane nur die dringenden laufenden Geschäfte zu besorgen haben.“ Der Abg. Dr. Steinwender überreichte eine Refolution, worin er die Regierung auffordert, die Sprachenverordnungen für Reichenberg, Klagenfurt und Cilli dem Hause vorzulegen. Die Resolutionen wurden dem Budget- ausshuß überwiesen. Nächste Sißung Donnerstag: auf der Tagesordnung steht das Budgetprovisorium.

Jm ungarischen Unterhause erklärte der Minister- Präsident Dr. Wekerle bei der Generaldebatte über das Budget, auch er trete gegen eine unnöthige Erhöhung der Heeresausë- Ee auf, könne sih jedo gegen cine nothwendige Steigerung erselben nicht vers<licßen; die übrigen europäishen Staaten machten ganz bedeutende Anstrengungen, während Ungarn in dem Rahmen des Nothwendigen geblieben sei. Der Stand der Staatsschulden Ungarns sei ein günstiger; kein europäischer Staat hätte in den legten fünf Jahren die Staatsschulden vérringert, nur Ungarn habe dics gethan und zwar um 3 (50 Fl.

Frankreich.

Der Finanz-Minister Rouvier hat infolge des in der „Justice“ veröffentlihten Schreibens Clémenceau's (Siehe die gestrige Nummer des „R. u. St.-A.“) seine Demisston einge- reiht. An seiner Stelle ist gestern Abend Tirard, der s< zur Zeit als Delegirter zur internationalen Münzconferenz in Brüjjel befindet, zum Finanz-Minister ernannt worden. Der Rü>tritt Rouvier's gab zu_ einer erregten Sißung der Depu- tirtenkammer Veranlassung, über deren Verlauf der „Fräf. Ztg.“ Folgendes berihtet wird: Bei Eröffnung der Sitzung befragte der Deputirte Trouillot die Regierung über das Gerücht von der Demission des Finanz - Ministers und deren Motive. Der Minister-Präsident Ribot erwiderte, vor einer halben Stunde habe der Finanz - Minister Rouvier ihn aufgesuht und ihm einen am Morgen ershienenen Brief Clémenceau’s mitgetheilt. Diefer Brief taste keineswegs die Ehrenhaftigkeit des Herrn Rouvier an. (Gelächter rechts.) Aber Motiven folgend, deren Stolz er anerkenne, habe NRouvier seine volle Freiheit wiedernehmen wollen, um den Ver- leumdungen entgegen zu treten. Er (Redner) erkenne vollauf die Verdienste an, die Rouvier sich um das Land erworben, und das Vertrauen, das dieses zu ihm gchabt habe. (Beifall.) Aber das Gewissen Rouvier's sei allein der Richter seiner Beweg- gründe. Er (Redner) habe Rouvier niht zur Rü>nahme. der Demission bewegen tönnen, die übrigens dem Präsidenten der Republik noh nicht mitgetheilt sei. Hierauf ergriff der Finanz- Minister Rouvier das Wort: Jedermann habe in den Morgen- blättern den Brief gelesen, den Elémenccau als Antwort auf infame Verleumdungen geschrieben habe. Der Brief sei der genaue Ausdru> der Wahrheit; ihm scheine der Brief der Schluß eines Zwischenfalls, über dessen Tragweite er noch unklar sei. Der Brief aber scheine in der Prejje der Ausgangspunkt ciner neuen Campagne werden zu sollen, darum habe cr den Cabinetshef ersucht, den Präsidenten zur Annahme seiner Demission zu bewegen. Er sei bedacht gewesen auf die Stärke und Autorität der Kammer und wolle niht eine S<hwächung des Cabinets verantworten, falls seine Erklärungen in der Kammer und draußen feinen Anklang finden sollten. (Beifall) Es sei niemandem unbe- kannt, daß der Finanz-Minister Beziehungen mit den Financiers des Landes unterhalte. So habe er au<h Be- ziehungen zu Reinach gehabt, der in der Pariser Finanzwelt eine bedeutende Stellung eingenommen habe. Diese Beziehungen hätten es ihm (Nouvier) erlaubt, zu gewissen Stunden dem offentlihen Credit große Dienste zu leisten. (Beifall.) Ein Freundschaftsband habe ihn mit dem Deputirten Reinach ver- fnüpft. Einige Tage, nahdem der Panamaprozeß beschlossen worden sei und die Lancirung der Anklagen bevorgestanden habe, habe Baron Reinach, der gleih Rouvier nicht gewußt habe, daß er mitangeklagt sei, bei ihm (Rouvier) vorgesprochen und ihm gesagt, es sei eine Lebensfrage für ihn, daß die Preßcampagne gegen ihn aufgehalten werde. Er habe ihn (Nouvier) gebeten, ihn zu einer dritten Person zu begleiten, der cr die Autorschaft der Campagne zugeschrieben habe. Die betreffende Person habe frank- heitshalber niht in das Cabinet des Ministers kommen können, deshalb sei er (Rouvier) hingegangen , denn es habe sih um Leben und Tod gehandelt. Er würde diesen Act der Mensch- lihkeit niemandem abgeschlagen haben, wenn er auch ni<t mit ihm befreundet gewesen wäre. (Beifall.) Troßdem habe er es für nöthig gehalten, einen Zeugen mitzunehmen, Clémenceau, den Freund Reinah's und der dritten Person , ‘der dur die Lauterkeit seines Charakters dazu designirt war. Er (Rouvier) habe nah dieser zehn Minuten währenden Unterredung an feinem weiteren Schritt theilgenommen ; darum werfe ihn: sein Gewissen nihts vor. Wenn diescs Vorgehen unklug sei, so werde man Gelegenheit haben, es zu sagen. Dieser Zwischen- fall enthalte eine Lehre. Das Ziel der gegenwärtigen Angriffe sei eine Campagne gegen die Nepublifk. Alle politischen Männer würden in den Koth gezogen. Zwischenruf: Warum sagt man nihts gegen Ribot und Loubet? Nouvier: Wer hat das gerufen? Déroulède, vom Play aufspringend: Jh! (Große Bewegung.) Nouvier. und Déroulède rufen si< unverständ- liche Worte zu; Déroulède wird von Floqueti zum Schweigen gebraht: Rouvier fährt fort: Er sei der erste, die tadellose Jntegrität Loubet's und Ribot's anzuerkennen. Wenn man aber wie cr (Rouvier) lange Jahre der Regierung ngehört und gegen eine Partei gekämpft habe, der Déroulède angehôre (Beifall), so sei es kein Wunder, daß man der Verleumdung ausgeseßt sei. Nouvier {loß mit der Ver- sicherung, er nehme seinen Deputirtenplas mit erhobenem Haupt und - ruhigem Gewissen wieder ein und werde auf alle Angriffe antworten. (Lebhafter Beifall im Centrum.) Déroulède behauptet, Rouvier sei zu Reinah nah dessen Tode gegangen, kurz nachdem der Commissar Clément das Haus verlassen habe. Rouvier habe dies gethan, um Papiere wegzutragen und den Gang der Justiz aufzuhalten. Déroulède erklärt ferner die Behauptung Rouvier's, er habe niht ge- wußt, daß Reinach mitangeklagt sei, für unwahr. Die Kammer wolle kein Licht schaffen: sie gleiche der Kammer von 1886. Präsident Floquet: Sie vergessen, daß die Kammer Sie zum Mitglicd der Enquête-Commission ernannt hat. (Beifall.) Déroulède: Wenn die Kammer Licht schaffen wolle, so möge sie den Staatsgerichtshof berufen. (Lebhafter Beifall rechts. Lärm.) Rouvier sei verdächtig, mehr als verdächtig; er möge sih vor dem Staatsgerichtshof präsentiren. (Lebhafter Beifall rets.) Rouvier crélärt, wenn cs nur von ihm abhinge, würde er mit größter Bereitwilligkeit die Gerichtsbarkeit der Hante Cour acceptiren; er versihere, daß es unrichtig sei, wenn Déroulède behaupte, er sei nah Clément zu Reinach gegangen. Déroulède ruft dazwischen: Ausreden! Spielen Sie nicht mit Worten! Rouvier versicherte ferner, erst um 8 Uhr Abends erfahren zu haben, daß Reinach mitangeklagt sei. Der Minister des Jnnern Loubet sei Zeuge. Damit war der Zwischenfall erledigt und die Sißung wurde aufgehoben.

Die Zolltarif-Commission der Kammer hat gestern mit 15 gegen 14 Stimmen beschlossen, der Deputirtenkammer vorzuschlagen, zur Berathung der einzeluen Artikel des franzöosis<-s<weizeri)<en Abkommens über- zugehen. Méline wurde zum Berichterstatter ernannt.

Der Kammerdiener des Barons Reinach sagte gestern vor dem Untersuhungsrihter aus, er habe bei dem Leichnam seines Herrn ein Fläshhen mit Gift gefunden. Wie der „Temps“ meldet, haben die Sachverständige festgestellt, daß Reinach sich mit Atropin vergiftet hat. *

Eine Mittheilung des „Figaro“ über angeblih in Aix les Bains zwishen Freycinet und Cornelius Herk ab- gehaltene Zusammenkünfte wird in einer von der „Agence Havas“ veröffentlichten Note für unbegründet erklärt.

Den Beschlüssen der Panama-Untersuhungs= commission, Zeugenaussagen entgegenzunehmen, die mit der Panama-Angelegenheit ni<hts zu thun haben, und die Mittheilung der Gerichtsacten über die Angelegenheiten der „Société centrale de dynamite“ zu verlangen, in welhe der mehrfa<h genannte Agent des Barons Reinach, Arton, verwi>elt sei, s{heint die republikanische Mehrheit der Kammer nicht geneigt. Mehrere republi- fanishe Deputirte haben zu heute ihre Parteifreunde zusammen- gerufen, um die früheren Gruppen wtiederherzustellen und da- durch der Ansicht der republikanischen Majorität in der Kammer Ausdru> zu geben.

Rußland.

Das Cassationsdepartement des Senats für Criminalsachen hat, wie „W. T. B.“ meldet, in einer Klagesache des bekannten Stuttgarter Professors Jaeger gegen einen hiesigen Arzt die principiell wihtige Entscheidung ge- troffen, daß außerhalb Rußlands befindlihe Angehörige eines fremden Staats in Rußland denselben Behtss<huß genießen, wie russishe Unterthanen. Die Entscheidung richtet ih gegen einen Beschluß des St. Petersburger Gerichtshofes, der dic Klage Jaeger's zurückgewiesen hatte, weil dieser im Auslande wohn- haft sei.

Rumänien.

Der Senat beschloß gestern mit großer Mehrheit, den Adreßentwurf in Erwägung zu ziehen. Die Ausführungen der Minister Alexander Lahovary, General Lahovary und Carp wurden sehr beifällig aufgenommen. Die Regierung hat dem Senat den Handelsvertrag mit England vorgelegt.

Bulgarien.

Der Minister-Präsident Siambulow hat in einer von zahlreichen Deputirten besuchten Versammlung den Entwurf zur Abänderung der Verfassung vorgelegt. Der Haupipunkt bestimmt, daß sowohl der erste erwählte Fürst als au<h der erste Thronerbe in der Religionsgemeirschaft, welcher sie angehören, verbleiben können. Dic anwesenden Deputirten verpflichteten fich, den Entwurf zu unterstüßen.

Die Blättermeldung, Bulgarien beabsichtige eine Krieg Ss- flotte zu bauen, wird von gut uniterrihteter Seite als er- funden bezeichnet. Bevor Bulgarien an die Errichtung einer Floite denken könne, müsse es vielmehr befestigte Häfen be- nten.

Amerika.

Nach einer in Paris eingetroffenen Meldung aus Buen 0s- Aires hätte Bermejo auf Ersuchen des Präsidenten der Republik Argentinien nun do< eingewilligt, das Porte- feuille des Jnnern zu übernehmen.

Varlamentarische Nachrichten.

Deutscher Reichstag. g vom Mittwoch, 14. Dezember, 12 Uhr. r Sißuna wohnen bei der Reichskanzler Graf von

Caprivi, der Staatssecretär Freiherr von Marschall, der Königlih preußische Kriegs-Minister von Kaltenborn- Stachau und der Königlich sächsishe Kriegs-Minister Edler von der Planißt.

Die erste Berathung Friedenspräsenzstärfe fortgeseßt.

r 9 Ab

des Geseßentwurfs über die des deutshen Heeres wird Haußmann (Vp.): Die bisberigen Erörterungen haben hon cine gewisse Klarheit geschaffen, nämlich die, daß die meisten Parteien der Vorlage, wie sie liegt, niht zustimmen, felbst die Con- servativen nit. Nur der Abg. Freißerr von Stumm hat sich für die age erflärt, was freili< dur< die gegentbeilige Erklärung feines Parteigenofsen des Abg. von Kardorff sehr beeinträhtigt wurde. Der (bg. Freiherr von Huene hat für seine Partei festgelegt, daß über den Rabmen der Friedenspräfenzstärke nicht hinausgegan werden föônne. Der Reichskanzler bat gerade die Erhöhung der Friedenspräsenz als den springenden Punkt erklärt. Also entweder muß der Reichskanzler sih mit der jeßigen Friedenspräsenz begnügen oder das Centrum muß diesen Hauptpunkt aufgeben. Von der Rede des Aba. Dr. von Bennigsen verspricht sih ter Reichskanzler c! große Wirkung. Der Abg. Dr. von Bennigsen hat ja au die Annabme des Kernpunktes der Vorlage in Ausficht gestellt. Er b auc von der Beunrubigung des Pablifums durch die stü>mweise 2 fanntgabe der Vorlage gesprochen. Wenn die Prefse geschadet hat, so war és die nationalliberale Presse. Die „Nationalzeitung“ hat die erste Nathricht gebract, die dann vom „Hannoverschen Courier“ ergänzt wurdè, und s{liezli< hat die „Kölnische Zeitung“ die Vorlage veröffentlicht. Der Abg. Dr. von Bennigsen hat von den verschiedenen Feblern ge- sprocdhen, welche die Regierung gemacht hat. Der größte Fehler war jedenfalls die Einbringung diefer Vorlage; deswegen werden wir au dagegen stimmen. Die herrshende Mißstimmung betrachtet er als eine vorübergehende. Aber wenn er selbst zugiebt, na< einer Aukf- lôfung würde die Mehrheit des Reichstags eine für die Vorlage ungünstigere werden, so -bezeihuet er damit die Stim- mung als eine der Militärvorlage dauernd ungünstige. Wenn der Abg. Dr. von Bennigsen -den Kern der Vorlage billigt, so bringt er dadur niht den Reichstag in die Stellung, die er ibm felber anweisen will. Der Reicskanzler hat alle Cinzel- beiten der Vorlage gestern vertreten und nirgends eine Neigung zur Nachgiebigkeit gezeigt. Ich bedaure, daß der Reichskanzler fich nicht über die Frage der Casernirung der neuen Truppen ausgesprochen hat, die na Berechnung NRichter's 200 Millionen fosten würde. Sollet: die Mannschaften in Bürgerquartiere gelegt werden? Für die Negie- rung dürfte die Wirkung einer solchen Maßregel nicht günstig sein. We n die neuen Lasten dem Volke auferlegt werden und wir fagen : dafür bringèn wir eu< die zweijährige Dienstzeit, dann könnte uns das Volk mit dem sächsischen Kriegs-Minister von der Planiß sagen : was ist denn die zweijährige Dienstzeit? Sie besteht ja bei den meisten Trupventheilen schon thatsächkih. Ein sol kleines Geschenk ist die großen Opfer niht werth. Der alte Mann foll niht mehr in erster Linie herangezogen werden. Wenn aber der nächste Krieg der roße Krieg mit zwei Fronten ist, glaubt man da wirkli, daß die alten Leute zu Hause bleiben! -Wenn die ver- krüppelte Wehrpfliht und die verstümmelte Dienstzeit dadurch ‘be- seitigt werden soll, daß auf die nur bedingt Tüchtigen zurü>gegriffen werden soll, so werden d'e Dienstyflichtigen sagen: lieber eine ver- früpvelte Wehrpflicht als die Wehrpflicht der Verkrüppelten. Gewiß sind wir Freunde der zweijährigen Dienstzeit Und der allgemeinen Durchführung der Wehrpflicht, aber wir berüd>sihtigen dabei die realen Verhältnisse. - Der Reichs- kanzler betradtet seinen Plan als einen unabänderlihen. Wir müssen ihn ablehnen, weil wir hören, daß andere Generale billigere Pläne haben, weil das Ersatreservesystem, das uns als etwas Gutes angepriesen worden ist, aufgegeben werden foll. Der Reichskanzler meint, wir hätten gar keine Ahnung von dem Truppengefühl. Er fennt ni<ht die Imponderabilien, die im bürgerlichen Leben eine große Rolle spielen: Er glaubt, es sei alles in die Wähler hineingeredet. Das ift “niht richtigs

Li.

Die Stimmung in den bürgerlichen Kreisen bringen wir bier nur im zedämpften Ton zum Ausdru>. Wenn der Reichskanzler sich begnügt mit der jetzigen Friedenspräsenzstärke, dann wollen. wir in der Gom- mission eine Verständigung herbeizuführen fuhen. Ob wir aber bis an die Grenze der jeßigen Friedenëprasenz gehen, hängt noe< von anderen Dingen ab, namentlih von ter Decung der Auëgaben und von der Erklärung der egierung über die Reformen auf militärishem Gebiete wegen des Beshwerde- re<tes und wegen der Militär-Strafprozeßordnung. Kommt die Vor- lage im Sinne der Regierung zu ftande, fo möge die Regierung nicht glauben, daß sie dadur< für ihre fünftige Politik gestärkt ist, denn eine Regierung is nit ftark, wenn sie si< auf ein shwadbes, nach- giebiges Parlament stüßt. Das Parlament muß der Ausdru> des wirklihen Volfkëwillens fein. : i:

Abg. Freiherr von Manteuffel (deutshcons.): Ich weise es zu- nä&st zurü>, daß der Abg. Bebel sih auf mich berufen hat als klassischen Zeugen für die Tüchtigkeit der französishen Milizarmee. Was ih damals gesagt habe, halte ih aufre<t, aber die Verbältniffe baben sich seitdem geändert, namentli<h dur die Verbeijterung der Gewehre und dur die Verwendung des rauhlosen Pulvers. Zum Reden ver- anlaßt mi die Art und Weise, wie der Reichskanzler fih mit der couservativen Partei beshäftigt bat. Dem Reichskanzler steht gewiß das Ret zu, Kritik zu üben an den Reden und Abstimmungen der Parteien. Er fann au< Verhandlungen außerhalb des Hauses fritifiren , aber er fann nit glauben, daß er unsere Meinung dadur beeinflussen wird. Er hat auf Grund von ungenauen Zeitungsberichten, nament- lid über den GebrauWß des Wortes „demagogish“ si auëgelafen. Ein Redner erklärte, man folle sih vor dem Wort demagogis< nicht für<ten: etwas demagogis, d. h. volfêthümlicher auftreten fênnte der conservativen Partei nit s<haden. Hiergegen einen Widerspruch zu erheben, lag feine Veranlassung vor. Am Schluffe seiner zweiten Rede hat der Reichskanzler gesagt: einzelne Herren hätten die Absicht, ihre Abstimmung über die Militärvorlage on der Haltung der Regicrung zum Bimetallismus bbängig zu maden. Sollte diese Ausführung gegen meine politischen Freunde gerichtet fein, so muß ih dagegen nah- drü>lih Einspruch erheben. Jh habe in meiner Rede vom 10. De- zember auédrüd>lih erflärt, daß, wenn uné überzeugend nagewiefen würde, daß die Eristenz Deutschlands von dieser Vorlage abbängt, wir unsere Bedenken vor unferem Patriotismus weichen lasten würden. Eine so bündige Erklärung is von keiner anderen Partei abgegeben worden. Die conservative Partei hat ihre Zustimmung niemals von Concessionen auf anderen Gebieten abbängig gemaht, am allerwenigsten bei Vorlagen von etner Wichtigkeit, wie die ieß Die Vergangenheit der Partei bürgt dafür, daß fie von faße niht abgeben wird.

Reichskanzler Graf von Caprivi (wir werde

: Neichskanzlers im Wortlaut bringen): De

giebt, daß ih ni<t behauptet habe, die conservc

volle ihre Abstimmung über die Militärvorlage

der einer anderen Bedingung abhängig machen. h habe, ih mi<h ni<t irre, von f L gespr

feinen Werth darauf, nalhdem ein Mitglie? der conservatiiven, so do<h der freiconfervativen

artei diesen Standpunkt hier im Hause voll und ganz vertreten hat. Was “den Parteitag angeht, so habe ih mi< für verpflichtet ge- halten, flar zu maden, wie wird der Parteitag wirken und wie hat die Regierung ibre Folgerung zu ziehen? Ich habe mich nad) dem Bericht der, wie ih annehmen mußte, am besten unter- ridteten „Kreuz-Zeitung"“ informirt. Jh nehme mit Befriedigung und Genugtbuung Act davon, daß die Aeußerung, man wolle i -gogish handeln, ni<ht im Sinne der Partei gethan und nit von der Partet acceptirt wird. rzufasi ie Partei

2. ol Goreor cinzeinen VEerreit

Sie in der Weise aufzufassen, daß sie ih zu eigen mat, war ih dadur bere<tigt, daß kein Wide gegen die Aeußerung erfolgt ist. Und nicht dieje Aeußerung ist ea gewesen, die mich bedenklich gemacht hat, ?ondern es fielen Aeußeru

die auf den Prozeß, der in der lezten Woche seinen Abschluß gefunden hat binzielten, und die ofene, ganz unverhüslte Theilnahme mit Manne zum Ausdru> brachten, der infolge dieses Prozesses verurtheilt ist, der das deutsche Heer in einer Weise angegriffen und geschädigt hat, wie das von einem Deutschen bisher niht ges<hehen ist. Das Verhalten der Confervativen auf diefem Parteitage erwedt den Anschein, als wenn sie si< mit diesem Mann und 1 Bestrebungen in Uebereinstimmung befinden. Ich mi auf den Berit, na< welhem der Gegencandidd Réctor Ablwardt erklärte, daß er ihm in der Stimme gegeben babe : Lieber zehn Ahlwardt's als ein Frei E: Fc nehme mit Befriedigung davon Act, daß die confervative Partei ih diese Aeußerung niht aneignei, aber ih finde es entschuldbar, wenn i< daraufhin des Glaubens war.

Abg. Freiherr von Stauffenberg (dfr.): Die Mißstimmung hat der Abg. Dr. von Bennigsen schon angeführt; der Reichskanzler hat ja selbst früher einmal von dem Beunruhigungs- bacillus gesprehen. Die Mißstimmung ist vorhanden, aber sie ift ein Residuum der Vergangenheit, eine Erbschast, welche die jeßige Regierung ven der früheren übernommen hat; i< erinnere nur an das Alters- und Invalidenversicherungsgeset, das kein Product der gegenwärtigen Regierung ist. Der Reichskanzler stellt es. so hin, als wenn die Militär- vorlage ein Abschluß der Militärforderungen tei. Jh glaube ihm, daß feine Gedanken dahin gehen, aber wenn wir das im Lande er- zählen wollten, so würde niemand es glauben. Die Entwickelung der Militärverbältnisse in den leßten zwanzig Jahren ist de< nicht aus der Welt zu schaffen. Vor wenigen Jahren bat man erst eine Veränderung des ganzen Wehrsystems gema<t zur Erböbung der Kriegsstärke der Armee, und jeßt soll sie dur< die Vorlage wieder beseitigt werden. Die Militärverwaltung mag ja zu solhen Schlüssen kommen, aber die övffent- lie Meinung macht einen derartigen Umschwung nicht [leiht mit. Bet allen Militärvorlagen hat man immer eine Erhöhung der Prä- fenz verlangt mit dem Hinweis auf andere Staaten. Im Auslande bat man erflärt, daß die Vorlage angenommen werden mü}!e, daß der Reichstag aufgelöst werden müsse, bis die Vorlage Annabme ge- funten babe. Diese Auffassung in dem bundesfreundlichen Oeiter- rei<h hat die Chancen der Vorlage sicher nicht verbessert. Glaubt ‘der Reichskanzler wirklih, daß seine Vorlage allgemeinere Billigung findet? Die zweijähbrige, geseßlich festgelegte Dienstzeit wird ja einigen von Vortheil scheinen, andere werden aber benactheiligt lein, nämlich diejenigen, die jeßt nit herangezogen werden. (Schluß des Blattes.)

Amtliches Wahlergebniß der am 9. d. M. stattgehabtcn Neichstags - Ersaywahl im Wahlkreise Kaufbeuren (5: Schwaben). Es wurden insgesammt 15646 Stimmen abgegeben. Davon entficlen auf den Ockonomen Ludwig Zinth- Ingenried (ultramontan) 8886 St., auf den Redacteur des „Vaterland“ Dr. Sigl-München (b. k. F.) 3105 St., auf den Landgerichts-Rath Jos. Wagner-Memmingen (lib.) 2815 St. und auf den Drechslermeister Ulrich Zitt-Jrsee (Soc.) 826 St. Die übrigen Stimmen zersplitterten n<. Der Erjstgenannte ist somit gewählt.

al omo allgemeine

L)

DoB8

Die Steuerreformcommission des Hauses der Abgeordneten berieth gestern den $ 46 des Ergänzungs steuer- geseßes, welher mit $ 47 die Strafbestimmungen enthält. Nach langer Debaite und fehr complicirter Abstimmung wurde $ 46 \{ließli< in folgender, von den nationalliberalen Mitgliedern vorgeschlagenen Fassung angenommen: „Wer in der Absicht, eine Verkürzung - der Steuer herbeizuführen, über das ihm zuzure<nende steuerbare Vers- mögen oder über das Vermögen der von ihm zu vertretenden Steuer- vflichtigen unrichtige oder unvollständige thatsächliche Angaben mat, wird mit dem zehn- bis fünfundzwanzigsahen Betrage der Iahressteuer, um welche der Staat verkürzt worden ift oder verkürzt werden sollte, mindestens aber mit einer Geldstrafe von 100 Æ be- straft. Ist eine unrihtige Angabe zwar wissentlih, aber nit in d

D der

Absicht der Steuerbinterziehung erfolgt, so tritt Geltstrafe von 20 bis 100 Æ ein. Straffrei bleibt, wer seine unri<tige oder unvoll- ständige Angabe, bevor Anzeige erfolgt oter eine Untersuchung eingeleitet ist, an zuständiger Stelle berichtigt oder ergänzt und die vorenthaltene Steuer in der ihm geseßten Fristentrihtet.“ $47 (die Einziehung der hinter- zogenen Steuer erfolgt neben und unabbängig von der Strafe) blieb unverändert. Mit $ 48 beginnt der leßte Abschnitt des Gesetzes, „Schlukbestimmungen“. Die $S 48, 49 und 20 wurden unverändert autgeheißen. $ 51 lautet: „(Ab}. 1) UVebersteigt das Veranlagungsfoll des Jahres 1895/96 den Betrag von 35 Millionen Mark um mehr als 59%, so findet in dem Verhältniß des Mehrbetrages zu der genannten Summe eine Herabseßung der sämmilihen im & 18 bestimmten Steuersäße ftatt. (Abs. 2.) Diese Herabseßung wird in angemessener Abrundung dur< Königliche Verordnung festgestellt. Die in der leßteren bestimmten Säße sind für das Steuerjahr 1895/96 und die folgendén Jahre maßgebend. (Abs. 3). Bleibt das Veranlagungsfoll des Jahres 1895/96 hinter dem oben bezeichneten Betrage um mehr als 5 9% zurü>, so findet in gleicher Weise eine cntsprebende Erhöhung der im $ 18 bestimmten Steuer- sätze statt. Diese Echöhung wird durh Königliche Verordnung für die Folgezeit wieder außer Kraft gefeßt, wenn das Veranlagungsfoll der Frgänzungésteuer den Betrag von 35 Millionen Mark zuzüglich einer Steigerung von 4°%/o für jedes auf 1895/96 folgende Steuerjahr errei<t“.

¡ von Jagow (conf.) und von Tiedemann (freiconf.) „Bleibt das Beran- ge von 35 Millionen eit der Ausfall nicht

beantragten, den Abs- 3 wie folgt zu fassen: sagungsfell des Jahres 1895/96 binter dem Betra Mark um mebr als 5 °/9 zurü>, so findet, infow dur< einen Mehbrertrag der Einkommensteuer für iber die Summe von 135 Millionen Mark gede>t wird, in gleicher eine entspre<ende Erhöhung der in. $ 18 dieses Gefeßes bestimmten Steuerfäße ti böbung X (unver- ändert). Abg. von Jagow hi in gr s Antrages aus: Die verschiedenen Abj<hwachungen zes würden augenfseinki 5 i eeinträhtigen, doch sei ein Schuß gegen eine ftarfte bôbhuna Steuerfußes noth- vendig. Diesen ge! conservative Antrag. Der Abg. Dr. Kraufe (nl.) wünschte den Mehrbetrag, der sih etwa ergeben sollte. auf die Vermögenssteuer und auf die Einkommensteuer ve zu sehen, und zwar im Verhältniß des Aufkommens beider Ster Der Abg. Freiherr von Zedliß meinte, daß die Vermögens einen Ertrag von über 35 Millionen ergeben werde. . Deshal alle diese Fragen niht befonders wihtia. Er f 3 zwishen deu beiden Steuern das en Antrag. Der Abg. Dr. Enn 1g des Uebershusses auf die Einkommensteuer r FinanxMinister Dr. Miquel erflârte, die Regierung le dur die Reform keinen Gewinn, aber auch feinen Verlust baben. Der Gedanke des Aba. Krause sei niht unbere<tigt, aber es sei [<wer, ei immtes Verhältniß zwischen beiden Steuern zu statuiren. fönne er no< teine ung nehmen, halte ibn aber finanziell nit für bedenklih. Eine Quotisirung, wie diese der Abg. Freiherr von Zedliß wolle, sei bei der Stellung der Ns- gierung und der Parteien auésihtsloë. Der Abg. Stengel (freicon].) wünschte die Contingentirung bei der Einkommensteuer, nicht bei der Vermögenésteuer. Die Fortictzung d erathung wurde fodann

c L A ¿a7 c aare Y auf beute Nachmittag 2 Uhr vertagt.

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Kunst und Wissenschaft.

neue, von Professor Begas geschaffene Entwurf zu einem ional-Denfmal für Kaiser Wilhelm I. weicht, wie die „N. A. Z.* berichtet, in sehr wesentlichen Punkten von dem Entwurf des engeren Wettbewerbes Der Künstler hat es si< an- gelegen sein lasen, die von: der Kritik angefohtenen Theile zu jeitigen und zu ersetzen. sondere hat f oh aufba Roß weichen müsten: an seine Stelle ift ei getreten. Beibehalten ist der SiegeLenge führend, zur Linken des Kaisers cinhershrei Ausdrué der Figur des Kaisers haben feine we? Ferner sind die Friedensgenien an der Vorder- So>els, sowie die vier auf den Stufen lagernden Löwen ir Entwurf geblieben. Weggefallen find dagegen die auf beid aus Nischen bervorstürmenden antiken Siegeswagen. Di sind dur< allegorisbe Gestalten abgelöst, und die gruppirten Paladine des Kaisers haben jeyt besondere Zâulen einer h j s Denkmal u

f daß eine größere Einengung Der architeftonische Thei f fahung erfahren, auch die r geplanten Brücenstraße“ führen f ufgegeben.

Der Kanzler de 1D Â bingen,

{ ter mmnta0o m 5 io - Att of lbkreiéförmigen Halle, die als arhitet ; ngiebt. Die Säâulenhalle bält si< in folche - G

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g Professor der Theologie, Dr. Karl von-Weiziä>er beging, wie der „Schwäb. Merk. * berichtet, am 11. d. M. unter warmer Theilnahme der Lehrer und S S Die Studirenden brachten dem Jubilar einen folennen Fad>

von nab und fern trafen zabhlreihe Glü>wünsche ein.

Gesundheitswesen, Thierkrankheiten und Absperrung®- Maßregeln.

i Portugal.

Durch eiae im „Diario do Governo*“ vom 6. Dezember 1892- ver- öffentlihte Verfügung des Königlich portugiesishen Ministeriums des Snnera wird der Hafen von Nantes für feit dem 18. November 1392 von Cholera „verseucht“ ‘erflärt.

Durch eine im „Diario do Governo“ vom 9. Dezember 1892 veröffentlichte Verfügung des Königlich portugiesischen Ministeriums des Innern wird der Hafen von Rotterdam, dec biéher für von Cholera „verseu<t“ angesehen wurde, seit dem 4. desselben Monats derselben Krankheit „verdächtig“ erflärt. (Vergl. „R.-A.* Nr. 287 vom 3. Dezember 1892.)

Serbien:

Zufolge Verordnung der serbishen Regierung vom 9. Dezember 1892 sind die aus Anlaß der Choleragefahr ergangeuen Einfubr- verbote, soweit sie den Handel in Häuten und Lederwaaren, in Wolle, Haaren, Borsten, Hanf, Baumwolle und Federn, in Därmen und Blafen fowie Thierabfällen, in Caviar und“ Fischen sowie in Proben vorstebender Artikel betrafen, wieder aufgehoben worden. (Vergl. ,„R.-A,* Nr. 219 vom 16. September 1982.)

Ferner werden Colonialwaaren fortan ohne Rücksicht auf *ihre Provecnienz einer Quarantäne nicht mehr unterworfen.

Reisegepä> und Uebersiedelungsgut wird nur insoweit desinficirt, als es aus ungewaschener Wäsche besteht.

Bulgarien.

Der Bulgarische Gesundheitsrath hat dur< Beschluß vom 6. De- zember 1892 Franfreih und Belgien als seuchefrei anerfaunt.

Die Waarenguarantäne für Provenienzen aus verseuchten Ländern ist auf 5 Tage, diejenige für Herkünfte aus <olerafreien Ländern (sofern sieverseuhteStaatentransitirthaben) auf 3 Tage ermäßigt worden. (Vgl. „R.-A.“ Nr. 282 vom 28. November 1892.)

Süd-Amerita (Uruguay). :

Dur Verordnung der Gesundheitshehörde zu Montevideo vom 7. November 1892 sind die bisherigen Quarantäne - Be- stimmungen vergl. „R.-A.“ Nrn. 235, 245 und 256 vom d°., 17. und 28. Oftober 1892 dahin abgeändert 4vorden, daß die aus „ve r- seu<hten“ Häfen vor dem 20. Öftober d. J. abgegangenen Schiffe einer ibrer Dauer nah in jedem einzelnen Falle näher zu bestimmenden sauitären Beobachtung auf der Quarantäne-Insel Flores unterworfen werden, während -die nah dem 20. dess. Mts. abgegangenen Schiffe nur eine strenge Desinfection auf der genannten Iniel dur<zumachen haben. Eine - ebensolhe De®infection bleibt für Preovcnienzen aus „verdächtigen“ Häfen bestehen. Waaren "werden ausnahmskos obne

weiteres eingelassen.

s Jahr 1895/96 /|

Verkehrs-Anftalten.. -

Die Poft von dem am 9. November aus Shanghai abge- gangenen Reihs-P ostdampfer „Sachsen“, fowie die mittels des Reihs-Postdampfers „Habsburg“ beförderte Post aus Australien (Abgang von Adelaide am 10. November) ist oin Brindisi eingetroffen und gelangt für Berlin voraussihtlih am 15. d. Vormittags zur Ausgabe.

Bremen, 13. Dezember. (W. T. B.) Nordde Der Schnelldampfér „Werra“ is|ff am 10. Dezer 3 ittags von New-York via Gibraltar nah Genua abgegangen. Der Post- damvfer „Straßburg“, vom La Plata kommend zember Abends auf der Weser angekommen. Der Postdampfer „Hannover“, vom La Plata kommend, hat am 10. Dezember Abends Las Palmas passirt. Der Postdampfer „Berlin“, rah Brasilien bestimmt, hat am 10. Dezember Abends St. Vincent passirt. Der Postdampfer „Amerika“ is am 10. Dezember Nach- mittags von New-York “nah der Weser abgegangen. Er Séhnell- dampfer „Kaiser Wilhelm I11.*, am 30. j Genua abgegangen, ist am 11. Dezember Abends in York angekommen. Der Reichs-Postdampfer „J

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November von in New- 11. Dezember Vormittags die Reise von Genua fortgeseßt. Der Reichs-Postdampfer 11. Dezember ohne Post von Port Said Der Reichs-Poftdampfer henstaufen“ Rormittags die Reise von Suez nah Aden f Postdampfer „Danzig“ ist c . Dez Post vom Reichs-Postdampfer „Sachi e vom Reichs-Postdamvfer „Habsburg“ angetommen. 14. Dezember. (W. T. B.) am 29. November von New-York abge Mittags in Neapel angekommen: er 9 von New-York kommend, hat am 13. Deze rines Point passirt. Der Reihs-Postdampfer Ost-Asien kommend, ift am 13. gekommen. Hamburs rifkanishe Padte damvfer „Rhaeti 12 Ubr auf der Ell London, 13. „Melrose“ ift k

fommen.

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Theater und Musik,

Kroll’s Theater.

Gestern Abend vermittelten uns die italienishen Gäste die Be- fanntschaft eines neuen, ‘ffanten Opernwerks, das wiederum das frische Leben fkennzeichnet, gegenwärtig in Jtalien auf Gebiet der musikalischen Kunst aller VDrten vulsirt. Nah Masc Tasca, nah Leoncavallo Giordano, jed gabung und fkünstleris<her Eigenart, wen! ein gemeinsamer, nationaler fann. Umberto

V ° C L t x + D G15 Dringt ein DIid Aus

en Stoffe aus dem italienischen *

bearbeitet, das ja ïo rei ift an stimmungsvollen Bildern.

ist der behandelte an si allerdings ein re<t unerfreulicher. Häufig genug spielen si< unter dem warmen Himmel des südlichen Italiens Scenen eigentlich Familienlebens auf öffentlicher L S 3s au< in „Mala ta“, und die Weilnahme des Volks an dem Sci>sal

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die dramatishe Wirkung. Ein Volk von starkem Gefühßlsleben wie

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s italienishe wird seine Stimmungen gern im Gesange zum Aus- ru> bringen, daher erscheint es rur natürlih, daß eins der gemein- samen Merkzeichen der jüngsten italienisGen Opernwerke, die auf die deutsdbe Bühne gekommen find, darin zu finden ist, daß die Melodie den Stimmungsgebalt der Musik beherrscht und der künstlerische Plan des Comvonisten immer auf das Harmeonische abzielt. Auch Giordano versteht es vortreflih, Seelenstimmungen in Melodie umzuseten und durch sie die Freude und den Ernst des Lebens charakteristish auszudrü>ten. Er ist aber auch ein Meister der Jastrumentirungskunst, und hier kann man zielleiht wieder von cinem Einfluß der on deutschen Musik reden,

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gerade S Yerdi ar viel verdan delt einen niht schr wür- Gegenstand. Ein Schwerkranker thut einem Volksbrauh ent- 1 , eine Gefallene zur zu nebmen. Er finde die ‘eben für ibn ovf le f iebte lia mat den Kranken i eue t, Thristina ibrem Schi>sal überläßt. Die Scene zeigt nur im zweiten“ Vohnung Amelia's, während im übrigen die ofene Str dlung ist. Volkshôre und Lieder begleiten sinnig uni ie Vorgänge. Eine nicht gerade tief angelegte, aber wirkungs- lle Nummer der Over bildet das Zwischenspiel des esters im ¿weiten Act, das charakteristis< den scelishen Conflict, sih unter den Menschen abspielt, mit dem elementaren Kampf in der Natur nusifalis< in Parallele bringt: au< das Schlußgebet Christina"s erscheint als eine rübhmenêwerthe Einzelbeit der compositorischen Arbeit. Sehr wirkungévoll i] überhauvt die Partie der Christina herausgearbeitet, die das höchfte Herzensglü> und das tiefste Seelen- elend wiedergeben soll; aber au< die Rolle des Vito, des kranken Un- getreuen, hat musifalis< s<öne Stellen, namentli gleih anfangs das Gebet um Heilung, das sih von dem Chor des theilnehmenden Volkes wirkungëévoll abbebt. Zu bedauern war, dabei aller- dings, daß die Stimme. des 1 NRoberto Stagno, der diese Partie fang, weder aft, Ausdauer no< Aus- dru>sfahigfett besißt, ur neben den mitwirkenden Künstlerinnen bestehen zu können. emma Bellincioni hatte zwei große Scenen, in denen sie neben ihrer s{önen, markigen und zu Herzen gel ibr geradezu geniales s{hauspiele-

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risdes Können voll zur Wirkung brachte und dafür stürmischen Bei- fall erntete: ibr Schlußgebet ersheint als eine besonders rühmens- werthe Einzelheit der compositorishen Arbeit. Frau Moranu- Olden sang die Partie- der wenig sympathis<en Amelia fehr tüchtig und wirkungévoll und darf einen großea Theil des Bei- falls auf ihre Rechnung übernehmen: es wäre vielleiht für den Gesammteindru> von Vortheil gewesen, wenn die Sängerin die ganze Kraft ihrer großen und angenehmen Stimme niht immer voll eingeseßt hätte. Herr Luria sang und spielte" n liederlichen Ehe- mann mit verständigem Maßhalten. \

Am 22. Dezember beginnt im Königlt&e,.n Schauspiel- hause der Shillercyklus. Aus te<nijhen Rücksichten sind leider zwei Abweichungen von der <ronologishen Folge der Stücke geboten gewesen. Auf die „Räuber* folgt am 23. „Kabale und Liebe“, dann am 25. „Fiesco*, 26. „Don Carlos*, 97. und 28. die Wallenstein - Trilogie, 29. „Maria Stuart“, 30. „Die Braut von Messina“. Um der alten Gepflogen- heit des Hauses, am Sylvester und Neujahrstage eine heitere Neuheit zu geben, treu zu bleiben, wird der Cyklus auf zwei Abende zu Gunsten des „Deputirten* von E. Malden unterbrohen. Am 2. Januar folgt „Die Jungfrau von Orleans“, am 3. „Demetrius“ und „Turandot“, worauf am 4. der Schluß mit „Wilhelm Tell“ gemacht wird. Die Hauptrollen in dem neueinstudirten „Wallenstein's Lager“ be- finden. sich in den Händen der Herren : Oberländer: Wachtmeister, Siegrist : Trompeter, Purschian: 1. Holkischer Jäger, von Hochen- burger: 2. Jäger, Hartmann: Arkebusier, Keßler: Kürassier, Unk: Kroat, Herzer: Rekcut, Plaschke: Bauer, und Vollmer: Kapuziner. Die Marketenderin giebt Frau Schramm. In dem Schauspiel „Die Piccolomini“ werden die Damenrollen vertreten durch Frau Kahle: Herzogin, Frau von Hochenburger: Thekla, Fräulein

dopve: Gräfin Terzky. Den Wallenstein spielt Herr Klein, Octavio