1892 / 299 p. 3 (Deutscher Reichsanzeiger) scan diff

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nothwendig. Die von der Opposition verlangte Dringlichkeit für ihren Antrag, den Verzicht auf die Bedmar iche Erbschaft zurü>zunehmen, wurde von der Kammer mit 83 gegen 26 Stimmen abgelehnt.

: Bulgarien, :

Die S obranje hat gestern, wie „W. T. B.“ berichtet, mit allen gegen 5 Skimmen den Entwurf über die Ab- änderung der Verfassung, in erster Lesung angenommen und an eine Commission verwiesen, die aus dem Präsidium der Sobranje und zehn Deputirten besteht. Der Minister- Präsident Sia ihulow hatte die Vorlage in einer ein- stündigen Rede begründet. Er legte dar, daß die beantragte Abänderung der Verfassung keineswegs in die Rechte des Volks eingreife, und betonte die Nothwendigkeit einer s{leuni- gen Lösung der Frage über die Religion des Prinzen Ferdi- nand und seiner Nachfolger. Die Kammer vollziehe einen patriotischen Act, wenn sie die Abänderung annchme.

Schweden und Norwegen. Der Marine-Minister Freiherr von Otter hat die er- betene Entlassung erhalten; an seiner Stelle ist Contre-Admiral Christerson zum Marine-Minister ernannt worden.

Amerika.

Die Agenten der übersceis<hen Dampfschiffs- Gesellschaften haben, wie „W. T. B.“ aus Washington berichtet, bei der aus Mitgliedern des Senats und des Re- präsentantenhauses zusammengeseßten Commission gegen die beabsichtigte Beschränkung der Einwanderung Protest eingelegt. Von einem der Agenten wurde vorgeschlagen, daß man es ihnen überlassen E die Auswanderer zu über- wachen. Die Verantwortung hierfür sei den Gesellschaften unter Androhung hoher Geldstrafen aufzuerlegen. i

Das dem mexikanis<hen Congreß von der Regierung vorgelegte Budget weist laut Meldung des „W. T. B.“ cine Ersparniß von 3 200 000 Doll. in den Ausgaben, insbesondere unter der Rubrik Armee und Marine, auf. Die Mehr- einnahme, welche hauptsächlih durch die neuen Alfkohol- und Tabacfsteuern erzielt ist, beträgt 3 800 000 Doll.

Australien.

Nach cinem Telegramm des „H. T. B.“ aus New-York wäre dort die Meldung aus Honolulu eingetroffen, daß der britische Kreuzer „Rapid“ sieben große Dörfer der Salom on- Inseln zerstört habe, weil die Eingebornen europäische Kauf- leute ermordet hätten.

Parlamentarische Nachrichten.

Der Mate, Ritimeister a. D. Freiherr von Gersdorff, Mitglied des] Herrenhauses, ist am 15. d. M. gestorben.

Die Steuerreform-Commission des Hauses der Abgeordneten hielt gestern no< eine vierstündige Sißung ab, in welcher die von der Subcommission ausgearbeiteten Entwürfe, betr. die Höherbelastung des fundirten Einkommens im Rahmen des Ein- fommensteuergeseßes, discutirt wurden. Zu einer Abstimmung kam es aber au< gestern no< nit; die Entscheidung über das zu be- folgende Princip soll erst später erfolgen. Die Commission vertagte si darauf bis zum 10. Januar 1893. Dann soll der Geseßentwurf, betr. die Aufhebung directer Staatésteuern, und zwar zunä st dessen $ 18 (Rückzahlung der Grundsteuer-Entschädigungen) in Berathung ge- nommen werden.

Jm 1. Kösliner Landtags-Wahlbezirk (Lauen- burg-Bütow-Stolp) ist an Stelle des Majors a. D., Fidei- commißbesißers von Below zu Saleske, der sein Mandat nieder- gelegt hat, der Amtsvorsteher Bauer Schulz in Horst (conf.) mit 392 Stimmen zum Mitglied des Hauses der Ab- geordneten gewählt worden. Der Gemeinde-Vorsteher Bauer Salomon zu Klein-Strellin (lib.) hat 22 Stimmen erhalten.

MannigfaltigeS-

Seine Majestät der Kaiser hat, wie wir der „N. A. 3. entnehmen, anläflidh des gestrigen 150. Geburtstages des Feld- marschalls Fürsten Blücher an den Urenkel Fürsten Gebhard von Blücher einen mächtigen Lorbeerïranz nebst cinem huldreichen Telegramm und dem Auftrage gesandt, ihn auf die Grabstätte des Marschall „Vorwärts“ in Krieblowiß niederzulegen. Der Kranz trägt die Zahl „150“ in goldenen Lorbeerblüthen und ist mit einer Atlas- \chleife ges<müd>t, auf welcher das Kaiserliche W und die Königskrone aufgedru>t siad. Das Denkmal des Fürsten Blücher am Opernplaß in Berlin wurde gestern durch einen Lorbeerkranz mit s<hwarzweißer Schleife {<müd>t. Die eine Seite ist in goldenen Buchstaben mit der Inschrift : „Der deutshe Bürgerverein Blücher 16. 12. 92“, das andere Ende mit den Worten: „Dem unvergeßlihen Freiheitshelden 16. 12. 1742“ ver- sehen. In Krieblowiß fand gestern Vormittag 11 Uhr am Grab- denkmal des Fürsten eine Gedächtnißfeier statt, an welcher die Kriegervereine und die Schulen der benachbarten Ortschaften theil- nahmen und die in der erhebendsten Weise verlief. Das Husaren- Negiment Fürst Blücher von Wahlstatt (Pommer sches) Nr. 5 und die Kriegervereine hatten Kränze am Denkmal niedergelegt.

Die feierlihe Einweihung der umgebauten Sophienkirche findet, wie die „N. Pr. Z.“ mittheilt, Dienstag, den 20. Dezember, Vormittags 10 Uhr, durh den General - Superintendenten D. Braun statt.

Nach S<hluß der Redaction eingegangene Depeschen. L

Paris, 17. ‘Dezember. (W. T. B.) Der Vice-Präsident der Suezkanal-Gesellshafti Guichard hat an den Syndikus der Wechselmakler ein Schreiben gerichtet, worin er behufs Beruhigung der Actionäre erklärt, daß der Fortgang der Geschäfte der Gesellschaft troy der Verhaftung des Vice - Präsidenten Charles Lesseps gesihert sei. Dem „Figaro“ zufolge befürhten die Actionäre, daß die Engländer die gegenwärtige Lage benußen und si der Suezkanal-Gesell- schaft bemächtigen würden. Der diesseitige Botschafter in London Waddington hätte in den lezten Tagen Verfügungen getroffen, um eine Jntervention Englands zu verhindern oder wenigstens aufzuhalten.

Dem „XIX. Siècle“ zufolge wurde gestern Abend auh bei dem Boulangisten Laur eine Haussuchung vorgenommen. Wie verlautet, würde die Regierung, falls der nah Wien geflüchtete Administrator Cottu nicht baldigst aus Wien zurü>kehrt, die Auslieferung desselben verlangen. Georges Thiebaud fordert in einem vom „Figaro“ veröffentlihten Artikel den Prä- sidenten der Republik Carnot auf, die Republik dur<h Au f- lösung des Parlaments zu retten und gleichzeitig die Interessen der französishen Panama-Obligationäre zu wahren. Der Gouverneur des „Crédit foncier“ Christophle habe ihm (Thiebaud) erklärt, er sei bereit, die Rettung des Panama- kanals zu versuchen, falls die Regierung ihm die nöthigen Vollmachten gcbe. S

Die gestern vorgenommenen Verhaftungen der Ad- ministratoren der Panamagesellschaft finden in den republikanis<hen Blättern einstimmige Billigung. Auch heute machen die Organe der Monarcisten der Regierung den Vorwurf, die Verhaftungen be- zwe>ten nur, die Panama - Untersuchungscommission zu ersticken und die compromittirien Parlamentarier zu retten. Der „Gaulois“ will wissen, der Untersuhungsrichter A \häße die von den Administratorea der Panama-

esellschaft vertheilten Summen auf 20 Millionen. Die Zahl der daran betheiligten Personen belaufe si< auf drei- tausend.

St. Petersburg, 17. Dezember. (W. T. B.) Der dirigirende Senat hat in seiner Plenarsißzung beschlossen, daß jüdishe Handwerker außerhalb des Gebiets der Seß- haftigkeit der Juden nur an solhen Orten wohnen dürfen, wo sih ein Handwerksamt befindet; an anderen Orten soll ihnen der Aufenthalt verboten fein. Jn Rußland dürften sich in etwa 10 bis 15 Proc. der Städte Handwerksämter befinden.

(Forisezung des Nichtamtlichen in der Ersten Beilage.)

vom 17. Dezember, r Morgens.

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Giationen. Wind. Wetter.

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1) Reif. 2) Nachts Reif, 4) Reif, Dunst, Schneede>ke. Uebersicht der Witterung.

Unter der Wechselwirkung eines barometrischen Maximums vom 775 mm über der Alpengegend und eines Minimums von unter 740 mm an der mittleren norwegischen Küste wehen im Nordseegebiet vielfa<h Farke westliche und südwestlibe Winde, während im Nordwesten der britishen Infeln der Luftdru> wieder in Zunahme begriffen is. In Deutschland ist das Wetter vorwiegend trübe, im Norden mild, im Süden kälter und neblig; stellen- weise haben geringe NRegenfälle stattgefunden. In Süddeutschland herrscht vielfach leichter Frost.

Deutsche Seewarte.

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Nebel. 8) Nebel.

besitzer.

Hamlet.

reise.

A E E B T S E E E E n B T R M E R D R A S Theater - Anzeigen.

Königliche Schauspiele. Sonntag: Opern- haus. 271. Vorstellung. Cavalleria rusti- cana. (Bauern - Ehre.) Oper in 1 Aufzug von Pietro Mascagni. Text nah dem gleihnamigen Volksftü> von Verga. In Scene geseßt vom Ober- Regisseur Teßlaff. Dirigent : Kapellmeister Dr. Muck. Alessandro Stradella. Romantishe Oper in 3 Acten mit Tanz von Friedri<h von Flotow. Text von Wilhelm Friedrih. Dirigent : Musik- director Wegener. (Alessandro Stradella: Herr Emil Göge, Königliher Kammersänger, als Gast.) Anfang 7 Uhr.

Schauspielhaus. 282. Vorstellung. Wallenstein's Tod. Trauerspiel in 5 Aufzügen von Friedrich von Schiller. Anfang 7 Uhr.

stellung des Anfang 7

ohne Aufgeld.

Sonntag:

Anfang 7 U

Montag: Opernhaus. 272. Vorstellung. Oberon, König der Elfen. Musik von ¿ ; : Necitative von F. Wüllner. Ballet von Emil Graeb. In Scene geseßt vom Ober - Regisseur Teßlaff. Dirigent : Kapellmeister Sucher. Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. t Balzer. Schauspiel in 4 Aufzügen von Ernst von Wildenbru<h. In Scene geseßt vom Ober-Regisseur Anfang 7 Uhr.

Dienstag: Opernhaus. 273. Vorstellung. Bajazzi (Pagliacci). Oper in 2 Acten und einem Vor- spiel. Musik und Dichtung von R. Leoncavallo, deuts< von Ludwig Hartmann. In vom O Teßlaff. Dirigent: Kape Sucher. Pantomimisches Ballet-Divertifsement von Haßreiter Musik von J. Bayer. J seßt vom Balletmeister E. Graeb. Dirigent : Mu director . Hertel. Anfang 7 Uhr. Schauspielhaus. 284. Vorstellung. Lustspiel in 4 Aufzügen von Adolph LArronge. In Scene geseßt vom Ober-Negisseur Anfang 7 Uhr.

Deutsches Theater. Sonntag: Die Jüdin Anfang 7 Uhr.

Montag: Die Näuber.

Dienstog: Der Pfarrer von Kirchfeld.

Mittwoch: Lolos Vater.

Freitag: Zum 1. Male: Zwei glückliche Tage. Schwank in 4 Aufzügen von Franz von Schönthan und Gustav Kadelburg.

Berliner Theater. 27 Uhr: Julius Caesar. Abends 72 Uhr: Kean. Montag : Nachmittags 23 Uhr: Maria Stuart. Abends 7# Uhr: Dorf und Stadt.

Dienstag: Nora.

Feiertags- Spielplan. i

Sonntag, 25.: Nachm. 24 Uhr: Das Käthchen von Heilbronn. Montag, 26.: Nachm. 2# Uhr: von Orleans. z f Dienstag, 27.: Nachm. 2F Uhr: Der Hütten-

Mittwoch, 28.: Abends 7F Uhr: Neu einstudirt: (Anna _Haverland, Agnes Sorma, Ludw. Barnay, Ludw. Stahl).

Lessing-Theater. Anfang 7# Uhr. j Montag: 15. Gastspiel von «Eleonora Duse mit ihrer Gesellshaft unter der Direction von Cav. Flavio Ando. Zum 1. Male: Odette. Dienstag: 16. Duse:- Abend. Fernande.

Wallner-Theater. Sonntag: 48. Gast-Vor- Lessing-Theaters: Der Lebemann. r

Montag : Der Lebemann. Dienstag: Sodoms Ende. Volksthümliche Preise (Parquet 2 46). Vorverkauf

Friedrich - Wilhelmstädtisches Theater.

Die schöne

Operette in 3 Acten von Mailhac und Halévy.

Deutsch von J. Hopp.

bach. PUg Herr Kapellmeister Federmann. 0

Montag: Dieselbe Vorstellung.

Donnerëêtag :

Romantische Oper in 3 Auf- i von Weber. Die | Genée.

burg. Sonntag: Marquise. von Victorien Sardou. holz. Anfang 7# Uhr. Montag: Denise. Alexandre Dumas (Sohn). Bucowics.

Nächste Novität:

283. Vorstellung. Meister

íIn Scene geseht

Vorher: Die Puppeufee.

, | spiel von Frau In Scene ft Melodrama

if. | Mala Vita. Daspuro. 75 Uhx.

Woßhlthätige “Montag: Undine.

Die Liebeshändlerin. in 5 Aufzügen. Intendanz.

Löwenfeld.

Anfang 7# Uhr.

Sonntag: Nachmittags

Zum 86. Male: Die und Tanz. aßreiter. Louis Gundla<h. Das

Abends 7F Uhr: Kean. Ballabile: Ein

Die Jungfrau

ends 73 : ¿ s Abends 75 Uhr: Dora von A. Braun. Inscenirt dur

iel). Anfang 7s Uhr. M In Borlbret

von Negel.

Sonntag: Die Orient- Adolph Ernst-Theater.

Aufführung.

Steffens. In Anfang 7$ Uhr

\{lossen. Modernes Babylon.

Chausseestraße 25. elena. Komische Musik von Jacques Offen-

unter Direction

Zum 1. Male: Der Millionen- onfel. Operette in 3 Acten von F. Zell und N. Musik von Adolf Müller jun.

Residenz-Theater. Direction : Sigmund Lauten- Lustspiel in 3 Acten Deutsch von Robert Buch-

Schauspiel in 4 Acten von Deutsch von Emerich

Familie Pont - Viquet. Schwank in 3 Acten von Alexandre Bisson.

Kroll's Theater. Sonntag: Vorleßtes Soun- tags - Gastspiel von Gemma Bellincioni und Gast- Moran-Olden und Juan Luria. in 3 Acten von N. Musik von Umbkerto Giordano.

Dienstag: Gastspiel von Gemma Bellincioni.

Neues Theater (am Schiffbaucrdamm 4/5). Sonntag, Nachmittags 27 Uhr: Zu halben Preisen : Japanishes Bühnenspiel Abends 7 Uhr: Preistlustspiel in 5 Aufzügen von E. Gentsh. Hierauf: Zum 16. Male: Logierbesuch. Schwank în 4 Acten von N. Weber und Mar

Montag: Zum 17. Male: Logierbesuh. Schwank in 4 Aufzügen von R. Weber und Max Löwenfeld.

Theater Untex den Linden. Welt in Ausstattungs - Ballet von Gaul und Mußk von F. Bayer. Inscenirt dur< grandiose chinesische Drachenfest. (I 500 Personen.) Das Baby. (Novität.) Schwank in 1 Act von H. F. Musik von A. Ferron. Couplets

Imro Fox, amerikanischer Prestidigitateur (Gast-

eitung: Die Sirenen-Jusel. Musik von Mader. JTEL Haßreiter. (Nepertoirestü> der Wiener Hofoper.)

Sonntag: Zum 104. Male: Madonuna. Gefangspofse in 3 Acten von Leon

Treptow. Couplets von G. Görß. Musik von G. Scene gesezt von Adolph Ernft.

Jeder Besucher der heutigen Borstellung erhält ein Jubiläums: Souvenir-Exemplar gratis. Vom Montag ab bis incl. Sonnabend bleibt das Theater wegen Vorbereitungen zu der Novität ge-

Sonntag (1. Weihnachts-Feiertag): Zum 1. Male: Gesangêposse in 3 Acten von Ed. Jacobson und W. Mannstädt. theilweise von G. Görß. Musik von G. Steffens.

Der Vorverkauf findet von Donnerstag ab an der Theaterkasse von 10—1 Uhr statt.

Thomas-Theater. Alte Jakobstraße Nr. 30. Sonntag: Ensemble-Gastspiel der Münchener des Königlich Bayerischen Hof- \chauspielers Max Hosfpaucecr. Der Herrgottschnißzer von Ammergau.

bayerishes Volksstück mit Gesang und Tanz in 5 Auf- zügen von Ludwig Ganghofer und Hans Neuert. Musik von F. M. Prestele. Die Handlung spielt in Grasweg und Umgebung. Im 3. Act: Schuhplattl- T Zither - Soli : Albert Sageser. Anfang T& UbE:

Montag: Dieselbe Vorstellung.

In Vorbereitung: Die Witdkat.

[43621] Hohenzollern-Galerie Gr. histor. Rundgemälde 1640—1890.

Urania, Anstalt für volksthümliche Naturkunde. Am Landes - Aue eNungs - Park (Lehrter Bahnhof). Geôffnet von 12—11 Ubr. Anfang Concerte. Concert-Haus. Sonntag, Abends 6 Ubr: Karl Meyder- Concert. Weber-Feier. „Preciofa". Montag: Karl Meyder-Concert. Anfang 7 Uhr. Dienstag: Fest- Feier. Souper und Familien- Ball zum 25jährigen Bestehen des Hauses. Abend®s 8 Uhr. Karten à 5 4. im Bureau des Hauses. Durch die Circus Renz (Carlstraße.) Sonntag: 2 große Fest-Vorstelungen. In beiden Vorstellunçen : „Auf- treten sämmtlicher Kunstspecialitäten ersten Ranges sowie Reiten und Vorführen der bestdressirten Schul- und Freiheitspferde. Außerdem: Nachmittags 4 Uhr: Die lustigen Heidelberger. Jeder Besucher hat das Recht, zu dieser Vorstellung ein Kind unter 10 Jahren frei einzuführen. S Abends 75 Uhr: Mr. James Fillis mit dem Schul- pferde „Germinal“. Zum S

Sonntag: Bild

and-, Wasser- und Feuer-Schauspiel. tänze von 82 Damen. N

(Mitwirkende : zu Fuß“.

neuem Programm. Auf vielseitiges

. A. Friese s0n. 1 „Die lustigen Heidelberger".

Ballet Choreogr. von

grafenstraße 51 a.

a Familien-Nachrichten. TeCBle Die wilde

von Maltzahn (Kiel—Schleswig).

Geboren: Ein Sohn: thal (Tondern). Hrn. ; (Gnesen). Hrn. NRegierungs-Affsessor Diedert

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Frl. Adele Kölle Sohn: Fr

Referendar Stendel (Berlin).

Redacteur: Dr. H. Klee, Director. Ee Verlag der Expedition (Scholz).

Anstalt, Berlin SW., / Wilhelmstraße Nr. 32. Sechs [Beilagen (einsdließlid) Börsen-Beilage).

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Zum 9. Male: Ober-

Lehrter Babnhof. L A Sonntags 50 „8. Geöffnet 9 Uhr bis Dunkelh. Sonat. 9—D..

<luß: 8“ Auf elgolaund “Az oder: Ebbe und Fluth. Große? National--

eue Einlagen, u. a.: „Auf- zug der Leib-Garde- Artillerie“, „1. Garde-Regimenk

Montag, Abends 74 Uhr: Große Vorstellung mit Verlangen:

Billet-Verkauf dur< den „Invalidendank“, Mark- E E

Verlobt: Frl. Anna Walter mit Hrn. Lieut. Beßler (Mühlhausen i. Thür.). Freiin Emma von Vin>e mit Hrn. Lieut. Hans Leopold Frhrn.

Verehelicht: Hr. Pastorf Carl Sticgemeyer mit

rn. Rector Dr. Hüben- rem.-Lieut von e

(Dessau). Eine Tochter: Hrn. Regierung2- Gestorben: Hr. Ferdinand von Michael (Voigts- Couplets dori, i ns

Dru> der Norddeutschen Buchdrukerei und Verlags-

M 299.

Erste Beilage

zum Deutschen Reichs-Anzeiger und Königlich Preußischen Staats-Anzeiger.

Berlin, Sonnabend, den 17. Dezember

1892.

Statistik und Volkswirthschaft.

Die deutsche überseeishe Auswanderung über deutsche Häfen und Antwerpen stellte sich nah den Ermittelungen des Kaiserlihen Statistishen Amts im November 1892 und im gleichen Zeitraum des Vorjahres folgendermaßen: Es wurden befördert im November über 1892 1891 Bremen 3978 Hamburg . . 1576 andere deutshe Häfen (Stettin) 592 deutsche Häfen zusammen . . 6146 Antwerpen 2070 Aus deutschen Häfen wurden im November d. neben den vorgenannten 6146 deutschen Auswanderern no< 3523 Angehörige fremder Staaten befördert. Davon gingen über Bremen 2746, Hamburg 716, Stettin 61.

Selbsthilfe gegen den Wucher.

Die „Social-Corr.“ j<reibt: Im vorigen Jahre hat ‘\i< in Baden ein „Schußverein gegen wucheris<he Ausbeutung des Volks“ ebildet und es ras< bis auf nahezu 1000 Mitglieder gebraht. Am äufigsten zeigt sih die Bewucherung und Ausbeutung der Un- erfahrenen, ÜUnwissenden und Bedrängten beim Viehhandel, und es hat deshalb der Verein eine leiht verständliche Schrift ausarbeiten und in Massen vertheilen lassen, welche aufklärend wirken foll. Neuerdings ist eine Anzahl von Ausbeutungen dur< Weinreisende zur Kenntniß« des Vereins gekommen, und er hat dagegen Stellung genommen. Man hat den unerfahrenen Leuten Unterschriften abgeshwindelt, indem man sie nur bat, ihren Namen auf ein Blatt zu schreiben, und hinterher zeigt sih, daß das Blatt ein Bestellschein war und der Besteller zugleih die Heimath des Verkäufers als Er- füllungsort anzusehen hatte, wodur dem Lieferanten ermöglicht war, die entstehenden Prozesse an seinem Domizil zu führen. Wenn ein unerfahrener Bauer aber etwa in Hamburg oder Bremen verklagt wird und dort einen Anwalt annehmen muß, giebt er {on seine Sache gleich verloren und schafft selbs unter den ers<hwerendsten Um- ständen das Geld. Ist auh ähnlihes, wie hier beim Weinhandel, bei anderem Waarenhandel no<h nicht vorgekommen, fo ist do erwiesen, daß sowohl Hausirer wie Detailreisende die Unwissenden häufig über- vortheilen, und is von den leßteren au< {hon zuweilen bei un- reeller Bedienung das auêgenußt worden, daß auf der Rechnung oder einem Bestellshein das weit entfernte Domicil des Verkäufers als Erfüllungsort für das Geschäft bezeichnet war, und somit der einfache Landmann, mit einem Prozeß in Berlin oder wo sonst bedroht, gute Miene zum böfen Spiel machte. Eine Nachahmung des badischen Vereins dürfte si<h für einzelne Bezirke und Provinzen gewiß sehr empfehlen, und wenn erst ein ganzes Neß folcher Vereine über Deutsch- land besteht, wird ihr Zweck einigermaßen vollkommen errei<hti werden. Einerseits wird die Aufklärung allgemein werden, andererseits die Furcht bestehen, bei einem Vereinsmitglied denuncirt und zur Rechenschaft dur< Sachkundige gezogen zu werden. Jedenfalls ift hier der Vereins- thätigkeit no< ein gutes Feld zur Bearbeitung vorbehalten.

Zur Arbeiterbewegung.

__JIn einer Berliner Correspondenz der „Rhein.-Westf. Ztg.“ wird darauf hingewiesen, daß troß des Beschlusses der von Tausenden besuchten Bergarbeiterversammlungen im Saarrevier (vgk. Nr. 292 u. folg. d. Bl.) der in Aussicht genommene Strike sich als unmöglich erweisen werde, weil es den Bergleuten im Saarrevier ebenso wie dem deutshen Berg- arbeiterverbande vollständig an Geld fehle und von den ausländischen, englischen, belgischen Bergarbeitern irgendwelche materielle Unterstüßung nicht zu erwarten sei. Die „Saarbr. Ztg.“ berichtet nun über eine Bergarbeiterversammlung, die am leßten Sonntag in Schwarzenholz stattfand und deren Verlauf diese Anschauung bestätigt. Die „Saarbr. Ztg.“ be- richtet nämlich:

Nach der Wahl eines Vertrauensmanns wurde auch über die neue Arbeiterordnung und den eventnell in Aussicht stehenden Strike leb- haft gesprohen. Es wurde ganz richtig hervorgehoben, daß gegen- wärtig nicht die re<te Zeit zum Striken sei: es sei zu kalt! Die Versammlung, die in {önster Ordnung verlief, chien ‘ganz mit diesem Ausspruche einverstanden zu sein.

In Solingen wurde, wie die „Frkf. Ztg." berichtet, zur Schlichtung des Streites zwischen dem s ocialdemokratischen Reichtags-Abgeordneten S<humacher und dem größten Theil seiner Wähler in einer am Montag abgehaltenen öffentlihen Versammlung beschlossen, daß sowohl Schumacher wie sein Hauptgegner Huth je fünf Mitglieder in eine gemeinsame Untersuhungëcommission entsen- den sollen, in welher der Reichstags-Abgeordnete Harm- Elberfeld den Vorsiß führen wird.

Aus Steyr (Ober-Oesterreich) wird der „Voss. Ztg." unter dem 16. d. M. geschrieben: Die gesammte Knappschaft der Steier- dorfer Bergwerke, gegen 5000 Arbeiter, hat wegen Lohnstreits die Arbeit eingestellt. Militär und Gendarmerie ist nah Steier- dorf abgegangen. Die Nuhe blieb bisher ungestört.

__ Aus Neuchatel berichtet man der „Frkf. Ztg.“, daß die dortigen

Buch dru>kergehilfen in einer Versammlung am Mittwoch ein- stimmig den sofortigen Strike beschlossen haben. Donnerstag Vor- mittag ist sämmtlichen Buchdrukereibesißern der Gehilfentarif zur Unterschrift nohmals vorgelegt, und infolge ihrer Weigerung die Arbeit eingestellt worden. Nur ein Gehilfe hat die Arbeit fort- geseßzt. Der Strike ist ausgebrochen, weil die Arbeitgeber sich weigerten, die neunstündige Arbeitszeit zu bewilligen, während ein neuer von beiden Theilen auf Grund der verkürzten Arbeitszeit angenommener Tarif in der ganzen französishen Schweiz am 1. Januar zur Ein- führung gelangen sollte, wenn er au<h von den Neuchateler Prin- cipalen angenommen worden wäre. Diese weigerten sih aber, in Unterhandlungen zu treten und kündigten einen neuen Tarif an, der verschiedene Ca epun en enthalten und am 1. Januar in allen Dru>kereien dur Anschlag bekannt gegeben werden soll.

Aus Carmaurx meldet ein Telegramm des „H. T. B.“, daß dort die Arbeiter einer Zehe einen Ausstand begonnen haben und singend und lärmend durch die Straßen gezogen seien.

,_ Veber den Ausstand der Baumwollindustrie-Arbeiter in Lancashire berihtet die Londoner „Allg. Corr.“ : Das Ende des Strikes der Spinner von Lancashire scheint no< ebenso fern zu liegen, wie am Anfang, obgleih die Noth unter den Arbeitern groß ist. Einige Fabriken, wie die Britannia und die Grove'’sche

vinnerei in Huddersfield, welche die Arbeitszeit verkürzten, um èm Bunde der Fabrikanten zu helfen, lassen jeßt wieder die volle Zeit arbeiten.

, Nah Mittheilung des Statistischen Amts der Stadt Berlin {us bei den D Standesämtern in der Woche vom 4. Dezember 1s incl. 10. Dezember cr. zur Anmeldung gekommen: 240 Ehe-

{ließungen, 980 Lebendgeborene, 27 Todtgeborene, 611 Sterbefälle.

Kunst und Wissenschaft.

Wir haben bereits Nachricht davon gegeben, daß auf Veranstaltung des Kaiserlichen archäologishen Jnstituts der Anfang eines zweiten, dieses Mal fünfwöchigen Cursus der Anschauung antiker Kunst für Gymnasiallehrer aus demDeutschen Neich auf den 5. Oktober d. J. angeseßt war. Von 21 nah Vereinbarung der deutschen Regierungen zu diesem Cursus ergangenen Einladungen hatten ‘17 Annahme gefunden. Die Herren Theilnehmer fanden si<h in Florenz mit dem ersten Secretare . des Instituts zu Rom Herrn Professor Petersen zusammen, verweilten unter dessen Führung drei Tage in Florenz und erreihten am Abend des 7. Oktober Orvieto, dessen etruskishe Alterthümer in Augenschein genommen wurden. Am Sonnabend fand die Weiterfahrt und die An- kunft in Rom statt. Nah einem Ruhefonntag begann die Führung zu den Alterthümern der ewigen Stadt am Montag, 10. Oktober, auf dem Forum, wo der zweite Secretar des Instituts Herr Dr. Hülsen die Erläuterungen gab. Daran reihten sih die weiteren Besichtigungen abwechselnd unter Führung der Herren Petersen und Hülsen über drei Wochen hindurch. Sie galten dem Palast Boncompagni, früher Ludovisi, welcher in seiner Antikensammlung ein vorzügliches Material bietet, um die verschiedenen Perioden griechischer Sculptur vor Augen zu führen, ferner den unerschöpflichen Vaticanishen Museen, den Caracalla-Thermen, dem Palatin, dem Museum der Diocletians-Thermen, während leider ein Besuch der Villa Albani dieses Mal unmöglich war, endlih dem Lateran mit seinen Sammlungen und den christlichen Katakomben, in denen Herr Marrucchi führte, und der Via Appia. Die drei Sonn- tage waren frei gehalten, zwei für Ausflüge na<h Tivoli und Tusculum. Außerdem war au<h an den Wochen- tagen reihliher als im vorigen Jahre freie Zeit zur Verwerthung nach eigener Wahl der Herren Theilgehmer ge- lassen. Am Mittwoch, 2. November, verließ man Rom, um *Pompei unter Führung des Herrn Professors Mau zwei volle Tage zu widmen. Am Sonnabend, 5. November, wurde der südlichste Punkt der Reise in Pacitum erreicht, dessen Denk- mäler Herr Petersen erklärte. Der Sonntag wurde von den meisten Reisegenossen zu einer Besteigung des Vesuv benußt, und es blieben dann noh drei Tage für Demonstrationen des Herrn Petersen im National-Museum zu Neapel, womit der Cursus am 9. November \{loß. Eine Wiederholung im nächsten Herbst ist in Aussicht genommen.

Das laufende Winter-Semester des Kaiserlichen archäologischen Jnstituts in Rom und Athen is an beiden Orten in üblicher Weise dur<h öffentliche Festsizungen im Anschluß an den Geburtstag Winckelmann's eröffnet worden, in Rom an diesem Gedenktage selbst, Freitag, dem 9. Dezember, in Athen an dem vorausgehenden Mittwoch, dem 7. De- zember, als an dem Wochentage, an welchem die athenische Anstalt ihre Wintersißungen zu halten pflegt.

_In Rom nahmen an der gegen hundert, darunter über dreißig italienishe Besucher zählenden Versammlung auch der Kaiserlich deutsche Botschafter, der Königlich preußische und der Königlich bayerishe Gesandte theil. Der erste Secretar Herr Professor Petersen, hatte na<h der Begrüßung der Gäste auf zwei Geschenke hinzuweisen, welhe neuerli<h in dem Sißungssaale Aufstellung gefunden hatten, die Büste G. B. de Nossi's und eine Widmung der Erben der Frau Geheimen Rath Gerhard, geb. von Nieß. Diese Widmung besteht in einem bronzenen Greifen und war einst dem Mitbegründer des Instituts, Eduard Gerhard, nah einer von ihm geliebten Beziehung dieses Symbols auf die modernen Hyperboraeer in Rom von seinen Freunden zum fünfzigjährigen Doctorjubiläum dargebracht. Die Vorträge eröffnete sodann der zweite Secretar Herr Dr. Hülsen, indem er über die Baugestaltung des Palatin im ersten Jahrhundert unserer Zeitrehnung sprah, worauf Herr Dr. Amelung ein Bruchstü>k des Parthenonfrieses vorführte, welchen im Museum zu Palermo aufzufinden ihm geglückt war. Den Schluß machte Herr Petersen mit dem Vortrag

über ein im Besiß des Marchese Chigi wieder aufgefundenes

Musenrelief, dessen Verwandtschaft mit kürzlih in Mantinea ey Musenreliefs und mit Praxitelisher Kunst er etonte.

Auch in A then war die Zahl der Besucher der Festver-

sammlung eine recht große. Es waren zugegen außer dem Kaiserlich

deutschen Gesandten die Gesandten von Oesterreih-Ungarn, Eng- land und Serbien, der Kaiserlich deutsche General-Konsul, der amerikanische Konsul, der Rector und mehrere Professoren der Universität Athen, der General-Ephoros der Alterthümer, die Directoren und mehrere Mitglieder der amerikanischen, eng- lishen und französishen archäologishen Schulen Athens, im ganzen über se<zig Personen. Zuerst sprah der erste Secretar Herr Professor Dörpfeld über Lage und Gestalt der Stadt Athen in den verschiedenen Perioden von der frühesten Zeit bis zur Gegenwart, mit besonderem Eingehen auf den Plaß der allerältesten Ansiedelung, auf die Lage des „Theseïshen“ Marktes und auf die Frage nach dem Vorhandensein einer vorthemistokleïshen Stadtmauer. Sodann trug der zweite Secretar Herr Dr. Wolters vor über eine oft besprochene Broncesigur des leicrspielenden Apoll aus Pompei, suchte sie, namentlih gestüßt auf spartanische, Muünz- typen, einer: früheren Zeit als der des Pasiteles, mit dem sie in Verbindung gebracht ist, zuzuweisen und zog zu ihrer Erklärung eine im spartanishen Amykleion gefundene Statuette heran. S

Die regelmäßigen Sißungen und Vorträge am Jnstitut nehmen nunmehr sowohl in Nom als auch in Athen ihren Fort- gang, wie bereits im „Reichs-Anzeiger“ vom 5. November ._ F. zur Anzeige gebracht ist. f

44 Die Kunsthandlung von E. Schulte fährt fort, den Kunsifreunden Berlins die Bekanntschaft einzelner Münchener Künstler dur kleinere Sonderauéstellungen zu vermitteln. Diesmal ist es Wilhelm Trübner, welchem {hon auf der leßten aka- demishen Ausstellung ein eigener Plaß für elf seiner Werke eingeräumt war, dessen Fkünstlerishe Eigenart durch eine stattlize Anzahl von Bildern in der Schulte’schen Ausftellung illustrirt wird: Eine s\tark ausgeprägte Persönlichkeit,

- e mit fräftigem Formenfinn und \{miegsamer Phantasie begabt, am meisten beeinflußt und gebildet dur< das Studium des genialen Anselm Feuerbach und der alten Meister. Im Colorit fällt jene von Feuerbah?'s Bildern héer bekannte Vorliebe für seladongrüne Töne auf, die namentli<h im Landschaftlihen vorwiegen. Ens seiner frühesten Bilder, der im Jahre 1874 gemalte Blick auf dét Chiemsee, kennzeihnet diese coloristishe Eigenart besonders deutlich; die Natux erscheint hier wie dur< einen grünen Schleier ge- sehen. Man empfindet diese Abweichung indeß niht als Störung, sie verleiht vielmehr den Landschaften eine geschlossene, ernste Stim- mung und ist dadurch künstleris<h gere<htfertigt. Weiche Schwermuth überwiegt überhaupt in den sehr feinsinnig aufgefaßten Landschafts- bildern unseres Künstlers. Von seiner Fähigkeit im Bildnißfach gab hon die diesjährige akademis<We Ausstellung beredtes Zeug- niß; bei Schulte finden wir ein Portät eines jungen Schotten in Nationaltraht, dessen fraftvolle Gestalt sih von einem verblaßten Gobelin mit den Bildern seiner Ahnen energis< abhebt. Auch das Porträt eines Ghepaars wohl der Künstler felbst mit seiner Gattin zeichnet sih dur< Selbftändig- keit dec Auffassung uns breite maleris<he Behandlung aus. Weniger erfreulih wirkt ein Ausschnitt aus dem hastenden Straßenleben Londons ; seinem ganzen Wesen nah mußte der Künstler der Aufgabe, ein nüchternes Abbild moderner Wirklichkeit zu geben, befangen gegenüberstehen. Hart und ängstli<h wirkt daher au<h sein Bild. Bedeutenden Schwung entfaltet dagegen seine Phantasie in jenen Schöpfungen, die er nur mit innerm Auge erschaut, wie in dem über zerfeßte Wolken durh die Nacht sausenden „Wilden Jäger“, der leidenschaftli<h erregten „Amazonenschla<ht“ und ähnlihen Stoffen. Ganz besonders pa>end ist der Entwurf des erstgenannten Bildes, das offenbar von ver- wandten Werken eines Nubens und Feuerbach inspirirt ist; prächtige Farbenaccorde erflingen in der Amazonenschlacht, die sich coloristish durchaus von jener oben gekennzeihneten Eintönigkeit freihält. Diesen kühnen Skizzen wäre eine monumentale Ausführung zu wünschen. Halb visionär, wie sie, ist auch die „Nachtwandlerin“ im Krguzgange eines Klosters aufgefaßt: hier we>t namentlih die klassishe Durch- bildung der Frauengestalt und die fein abgewogene Lichtwirkung Be- wunderung. Als ein moderner Idealist im besten Wortsinne verdient Trübner einen Plaß neben Bö>lin und Thoma in jener Gruppe selbständiger Individualitäten, die, wie auh die leßte Ausstellung Herman Hendrich's bewies, in erfreulicher Weise anwächst. Ein coloffales Repräsentationsbild von Moreno Carbonero, das mit Trübner's Werken zusammen in dem Oberlichtsaal des Schulte?- schen Salons ausgestellt ist, s{hildert den Einzug des spanischen Feldherrn Noger de Flor in Konstantinopel“ (1303) mit großem technislhen Aufwand, ohne do< den Beschauer zu fesseln oder zu erwärmen. In demselben Saale finden wir überdies no< ein fein abgestimmtes Damenbildniß von Nobert Warthmüller, ein nordishes Seestül von: A. Normann, dessen intensive Leuchtkraft mehr überras<ht als überzeugt, und ein sehr lebendiges Aquarell „Brandung an dey, Molen“ von H. von Bartels.

Die mit dem Königlichen Botanischen Garten und Museum in Berlin verbundene Botanische Centralstelle für die deutschen Colonien wünscht mit den Leitern der einzelnen Stationen in den deutschen Colonien in directe Verbindung zu treten, 1) um Auskunft zu ertheilen über die für die einzelnen Stationen geeigneten Culturen, 2) um Auskunft zu geben über die Verwerthung der in der Nähe der Stationen vorkommenden Pflanzen, 3) um Samen oder (bei den an der Küste gelegenen Stationen) au<h junge Pflanzen für Culturversuche zu liefern, 4) um die gesammte Vegetation unserer Colo- nien wissenschaftlich festzustellen. In der soeben erschienenen Nr. 25 des „Deutschen Colonialblatts® werden über das, was zur Förderung dieser Bestrebungen nothwendig erscheint, ausführliche Mittheilungen gemacht und die erforderlichen praktis<hen Anweisungen gegeben.

Die Deutsche chemische Gesellschaft hat, wie die „Nat.-Ztg.“ berichtet, in ihrer gestrigen Generalversammlung den Wirklichen Geheimen Nath von Helmholt zu ihrem Ehrenmitglied erwählt.

Die Königlich bayerishe Photographische Hof-Kunstaustalt von Franz Hanfstängl in München hat es unternommen, von bekannten Gemälden dur<h Aqguarellgravüre farbige Neproductionen her- zustellen... So is das bétainte Bild „Blind* von Piglhetn, welches auf der vorjährigen Berliner Kunstausstellung ausgestellt war eine Blinde schreitet dur< ein Feld von Mohnblumen —, sowie das von einer früheren Kunstausstellung längst allgemein bekannte Bd von Shumann Dié duel Partien! (edes. zum Preise von 30 (4) in einer die Farben des Originals treu wiedergebenden Neproduction vervielfältigt worden. Mie alle Verfahren, deren Basis die Photographie nah dem Oel- gemälde bildet, die genaueste Wiedergabe des Gemäldes erzielen lassen, fo ist die Aguarell-Gravüre befähigt, cine farbige RNeproduction zu liefern, wel<he den vollen Neiz des Originals bis in die feinsten Farbenabstufungen widerspiegelt. Auf diese Weise entstehen und die vorliegenden Bilder beweisen dies Kunstblätter, welche von einer Original-Aquarelle ni<ht zu unterscheiden sind. Bei der Mittelmäßigkeit der meisten Farbendrude war es dem Kunstfreunde bisher unmöglich, des Reizes des farbigen Bildes in seinem Heim sich zu erfreuen; die Aguarell-Gravüre macht dies mög- lih: sie befriedigt die weitgehendsten fkünsftlerishen Anforderungen durhaus und ihre Erzeugnisse gereichen selbst dem feinsten, mit Originalgemälden bereits ges{müd>ten Salon zur Zierde. Dasfelbe Verfahren hat die Firma auch bei dem Werk „Capri“ von Allers angewandt und darin ihre Leistungsfähigkeit bewiesen. Die genannten beiden Bilder von Piglhein und Thumann fkönnen als würdigster Zimmershmu> empfohlen werden.

Für das Meiter - Denkmal des Großherzogs Friedrich Franz in Shwerin ht, wie die „Nat.-Z.“ berichtet, der Bildhauer L. Brunow soeben das leßte der So>elreliefs vollendet, das ein Seitenstük zu der Darstellung der Einweihung der Uriversität Nosto> zu bilden - bestimmt ist. Das über anderthalb Meter lange Relief zeigt mit dem Rathhaus im Hintergrunde in idealer Composition und bewegter lebensvoller Auffassung den Einzug in Schwerin im Jahre 1871.

In der leßten Sitzung des Ausschusses des Wiener Goethe-Vereins wurde, wie der „Schl. Brn berichtet wird, der Plan eines Goethe-Denkmals in Wien besprohen. Man ver- \hob die Entscheidung über die Plaßtfrage und beschloß, für die Her- stellung des Denkmals die Professoren Helmer, Kundmann, Tilgner, Weyr und Zumbusch zu cinem Wettbewerb einzuladen, andere Künstler aber auch zuzulassen. Der erste Preis soll darin bestehen, daß dem Künstler die Ausführung übertragen werde.

Literatur.

Im Verlage von Justus Perthes in Gotha erschienen soeben die als unentbehrlihe Nachshlagebücher stets mit Ungeduld erwarteten neuen Jahrgänge der Genealogischen Handbücher der Fürstlichen, Gräf- lichen und Freiherrlihen Häuser. Der Gothaische Genealogische Hofkalender nebst diplomatisch-statistishem Jahrbuch zählt bereits den 130. Jahrgang. Um den stetig wachsenden Umfang des Bändchens nicht e mehr zu vergrößern, hat die Redaction in dem neuen Jahrgange die fonst am Schluß gegebene Chronik eingehen lassen,“ ebenso find im diplomati. statistischen Theil